Donnerstag, 1. April (926 176. Jahrgang Nr. 77 Erstes Blatt Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis füt I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- klamcanzeigen von 70 mm Breite 35 Rcichspfennig, Platzvorfchrift 20°'., mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Will). Lange: für Feuilleton Dl H.THyriot; für den übrigen Teil Crnft Dlumfchein: für den An« .zeigenteil Hans Iüstel, fämtlich in Gießen. Erich eint täglich, außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. MonatS'Bezogrprelr: 2 Reichsmark und _ 20 Reichspfennig für Träger« lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Giehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen druck md Verlag: vrühl'lche UuiversilSIs-Biich. und Steinöntferei R. Lang« in Sietzen. Schrisileitun, und Seschäfistzelle: Lchulüratze 7. Die Steuerdebatte in der französischen Kammer. Erve Mehrheit für die Regierung gesichert. Paris. 31. März. (Wolff.) Die Kammer hat in der Sitzung heute vormittag die Beratung über die Kopfsteuer fortgesetzt. Der Berichterstatter des Finanz-Ausschusses erklärte zunächst, daß die meisten der eingebrachten Zusah- anträge von dem Ausschuß beiseite gestellt worden seien. Der radikale Abgeordnete Lassalle schlug für die Berechnung der Kopfsteuer eine Staffelung vor. während Finanzminister P e r e t erklärte, er würde die einfache von der Regierung beantragte Rechnungsweise vorziehen. Die Regierung überlasse der Kammer die Entscheidung, wenn aber der Artikel betreffend die Kopfsteuer in seinen Grundzügen und in der Gesamtabstimmung abgelehnt werde, wisse die Regierung, was sie zu tun habe. Der Antrag Lassalle wurde mit 314 gegen 250 Stimmen angenommen. Die äußerste Linke und der größte Teil der Linken stimmten dafür, die übrigen Abgeordneten dagegen. Die damit angenommene neue Staffelung der Kopfsteuer seht sich aus einer festen Kopfsteuer in Höhe von 40 Franken für Personen, die nicht der Ein- lommensteuer unterliegen und einer progressiven Steuer, beginnend mit 0.6 Prozent in der untersten einkommensteuerpflichtigen Stufe, und endend mit 2 Prozent für Einkommen über 500 000 Franken, zusammen. Ein Vorschlag des Abgeordneten der radikalen Linken Abba Lemire, einen Parw- graphen anzufügen, durch den Personen, die nicht der Kopfsteuer unterliegen, einen Betrag von 20 Francs aufwärts freiwillig entrichten und dafür eine Ehrenkarte für „steuerliche Gesinnung" erhalten sollen, eine Steuer, bei der namentlich die in den Kolonien wohnenden Franzosen ihren Patriotismus beweisen könnten, wird vom Finanzminister warm begrüßt und von der Kammer schließlich angenommen. Darauf wurde der ganze Paragraph betreffend die Kopfsteuer durch Handaufheben der Abgeordneten der Linken und der Mitte angenommen. Die Kammer trat dann in die Beratung der Artikel betreffend die Erhöhung der Stempel st euer beim Verkauf von Mobilien und immobilen Werten, die Erhöhung der Transport st euer auf Wein, Bier und Mineralwasser und die Besteuerung pharmazeutischer Spezialwaren ein. Der Abgeordnete Dauthy hält den Regierungsvorschlag zur Erhöhung der indirekten Steuern für zu st r e n g uird schlägt, um einen Steuerbetrug zu vermeiden, vrE gewisse Stempelsteuern nicht zu erhöhen, namentlich nicht die für die mobilen Werte. Finanzminister Peret weist darauf hin, daß die in dem zur Beratung stehenden Paragraphen enthaltenen Stempelsteuererhöhungen 225 Millionen Francs einbringen sollen, jedoch unter Zugrundelegung des Antrages Dauthy nur 175 Millionen erbringen würden. Der Finanzminister besteht deshalb darauf, daß der Antrag Dauthy verworfen wird, was mit 273 gegen 110 Stimmen geschieht. Trotz dcö Widerspruchs der Regierung wird jedoch schließlich ein Zusah-- antrag des radikalen Abgeordneten Lambert mit 353 gegen 195 Stimmen angenommen, von der im vorliegenden Artikel enthaltenen Stempelsteuererhöhung die Personen auszunehmen, die die gesetzliche Erleichterung betreffend die billigen Wohnungen genießen. Die Rachmillagssihung begann mit der Diskussion über die Festsetzung der Stempelsteuer bei Veräußerung von Geschäftsfirmen auf 9 Proz. Der der Republikanisch-demokratischen Linken angehörende Abge- cronete Hsraud beantragte deren Festsetzung auf 3 Proz., was von der Kammer a b g e l e h n t wurde. Ein Zusatzantraa des radikalen Abgeordneten Pi- nard auf Erhöhung der Alkoholverbrauchssteuer wurde, nachdem sich Finanzminister Psret dafür eingesetzt hatte, durch Handaufheben der Abgeordneten angenommen. Fi- nanzminister Psret forderte sodann, daß für den aus der Zurückstellung gewisser Steuern sich ergebenden Ausfall von 50 Millionen Franken eine Ersatzsteuer in Form einer Quittungssteuer für gewisse geschäftliche Betriebe eingeführt werden soll, die mit 268 gegen 245 Stimmen angenommen wurde. — Hierauf schlug Abg. Admiral I a u r e z vor, die Rechnungen in Hotels, Bars, Restaurants und ähnlichen Etablissements mit einer Stempelsteuer zu belegen. Auch das wird angenommen. Außerdem wird eine zehnprozentige Abgabe von den Tantiemen der Ber» waltungsräte von Aktiengesellschaften beschlossen. Zur Beratung steht alsdann ein Antrag Margaine über die Monopolisierung der Petroleumversorgung die am 1. Dezember in Kraft treten soll. Die vom Finanzausschuß vorgeschlagene Gründung einer Regiegese llschast mit 300 Millionen Aktienkapital findet nicht den Beifall des Finanzministers. Die Frage sei so eminent wichtig, daß man sie nicht durch einen einzigen Steuerparagraphen, der lediglich Steuererträge erbringen Deutschland und die Der Beschluß öes Reichskabinetts. Berlin, 31. März. (Wolff.) Das Reichs- kabineit hat sich in seiner heutigen Sitzung mit dem vor kurzem von dem Generalsekretär des Völkerbundes der deutschen Regierung mitgeteilten B e- fchluß des Völkerbundes beschäftigt, durch den Deutschland eingeladen worden ist, an den Beratungen der Kommission tellzunehmen, die zunächst die Frage der Zusammensetzung des Rates sowie der Zahl seiner Mitglieder und das Verfahren ihrer Wahl prüfen soll. 3m Reichskabinelt ist bei dieser ersten Erörterung dieser Angelegenheit die einmütige Auffassung zutage getreten, bei der weiteren Behandlung der vorstehend gekennzeichneten Ratssrage rnH^u- wirken. Die Beschlußfassung über die sachlichen Einzelheiten ist einer späteren Kabinettssitzung Vorbehalten worden. Der Demokratische Zeitungsdienst will wissen, daß der Plan, lediglich „einen deutschen Beobachter" in der Genfer Studienkommission zu entsenden, fallen gelassen wurde. Es sei anzunehmen, das; die Art der Instruktionen des deutschen Vertreters fid) kaum von den Vollmachten der Vertreter der anderen Mächte unterscheiden werde. Angesichts der für alle Mächte bestehenden Rokwendig- keit einer besonders sorgfältigen Vorbereitung der Studienkommission werde auch von deutscher Seite bald nast Ostern eine diplomatische Fühlungnahme mit den beteiligten Regierungen eingeleilet werden. * Wie die „Tägliche R u n d s ch a u" ergänzend mitteilt, ist der Beschluß des Kabinetts dahin zu verstehen, daß die deutsche Regierung bereit ist, die Einladung zur Teilnahme an den Arbeiten der Studienkommission anzunehmen. Es heißt dann in dem Blatte weiter: „Dieser Beschluß liegt durchaus im Sinne der deutschen Außenpolitik. Bei der Stellungnahme zu der Einladung war zunächst zu berücksichtigen, daß die Anregung zur Einsetzung der Kommission von Deutschland ausgegangen ist. Ferner fiel ins Gewicht, daß in der in Senf veröffentlichten Kundgebung der Locarnomächte die Aufrechterhaltung und die Fortentwicklung der Locarnvpolitik als notwendig bezeichnet worden ist. Es kann hinzu- gesiigt werden, daß von französischer Seite tn- zwischen Mitteilungen erfolgt sind, die darauf schließen lassen, daß man in Paris das Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland so auffaßt, als ob Deutschland tatsächlich schon in den Völkerbund ausgenommen worden sei. Es handelt sich dabei nicht nur um Worte, sondern man wird auch damit rechnen können, daß die Abwicklung der Fragen, so z. D. auch die Verhandlungen über die Luftfahrt vor einem befriedigenden Abschluß stehen. Auf jeden Fall entsprechen die Beziehungen zwischen den Locarnomächten vollständig der Kundgebung, zu der sich die Vertreter dieser Mächte in Genf bekannt haben. Wer als Vertreter in die Stu- dienkommisswn von deutscher Seite entsandt wird, und in welcher Form Deutschland teilmmmt. ist noch nicht bestimmt worden. Die E n t s ch l i e« hungsfreiheit Deutschlands durch die Teilnahme an den Arbeiten der Kommission wird i n keiner Weise be einträchtig t. und Deutschland behält nach wie vor freie Hand, seinen Eintritt in den Völkerbund zurückzuziehen, wenn die Verhandlungen sich in einer Richtung entwickeln, in der Deutschland nicht folgen kann." Gegen Chamberlain. London, 1. April. (WTB. Funkspruch.) Das Arbeitermitglied des Parlaments, Oberst W e d g e - wood, erklärte in einer Rede im Londoner R a t zurVerhütungvonKriegell.der etwa 260 Organisationen in der Hauptstadt vertritt, Chamberlain erkenne nicht, daß seine Aktion in Paris die öffentliche Meinung nicht nur in Deutschland, Spanien und England erregt habe, und daß wohl jemand anders besser geeignet wäre als er, der hoch- bedeutenden Zusammenkunft in Genf beizuwohnen, die den Völkerbund zum erstenmal auf eine feste Grundlage stellen soll. Die Genfer Konferenz sei e i n widerliches Beispiel nationaler Eifersüchteleien und Befürchtungen gewesen. — Eine Entschließung wurde angenommen, die die Empörung über den Eindruck der Genfer solle, erledigen könne. Margaine erklärt sich auf die dringenden Vorstellungen des Ministers für öffentlich^ Arbeiten, de M on z i e, schließlich mit dem Inkrafttreten dieser Bestimmung für den 1. April 19 27 — statt 1928 — bereit Die von Abg. Flandin beantragte und von der Regierung unterstützte Zurück st ellung dieser die Pe- troleuminonopolisierung betreffenden Artikel wurde bei der Abstimmung mit 287 gegen 232 Stimmen abgelehnt. Die Kammer befaßte sich alsdann noch mit dem in der heutigen Rachmittagssitzung des Senats verabschiedeten provisorischen Budgetzwölftel für den Monat April, an dem der Senat die Bestimmungen für die Zusahbesteuerung des landwirtschaftlichen Ruhens zurückgestellt hatte. Das gesamte provisorische Budgetzwölftel "tourbe mit 423 gegen 31 Stimmen angenommen. Die vom Senat beschlossene Zurückstellung der Besteuerung des lanb- wirtschaftlich^n Rutzens wurde mit 270 gegen 261 Stimmen abgelehnt, d. h. diese Bestimmung wiederhergestellt. Die Kammer vertagte sich alsdann auf heute abend 10.30 Uhr zu einer Studienkommifsion. | Konferenz ausdrückt, die vom britischen Außenminister gespielte Rolle bedauert sowie die schwe- dischen Vertreter zu ihrem festen Eintreten für die Grundsätze des Völkerbundes beglückwünscht. Die Septembertagung des Völkerbunds. Die britische Auffassung von Deutschlands Aufnahme. London, 1. April. Die führenden Pressevertreter der alliierten Länder in London sind am Mittwoch von einer diplomatischen Denkschrift m Kenntnis gesetzt worden, von der das Kabinett Kenntnis genommen hat. allerdings ohne daß es die Denkschrift offiziell zum Pro- •granun der englischen Regierung erfiärt hätte und die gewissermaßen als außenpolitischer Diskussionsstoff von englischer Seite den Kanz- ieien der Großmächte zur gutachtlichen Aeuße- rung übergeben worden ist. Diese Denkschrift geht von der Voraussetzung aus, daß der Völkerbund eine zweite moralische Rie - der läge nach Art der Märzvorgänge nicht überleben würde. Es komme also darauf an, bereits möglichst vor September positive Maßnahmen in Erwägung zu ziehen, um die politische Aktionsfähigkeit und die Lebensfähigkeit des Völkerbundes zu erhöhen. Als praktische Vorschläge in dieser Richtung werden zur Debatte gestellt: 1. Deutschland soll de facto bereits sofort als Mitglied des Völkerbundes und des völkcrbunds- rats behandelt werden. 3n allen Kommissionen soll es, wenn möglich, gutachtlich tätig sein. England und Frankreich sollen sich verpflichten, im völkerbundrat für Deutschland durch ihre Stimmen ein Veto einzulegen gegen Beschlüsse, die Deutschland, wenn es im Völkerbundsrat de jure vertreten wäre, durch sein Veto abgelehnt hätte. 2. Die willkürliche Einkeilung der Ratsmitglieder in Großmächte und Vertreter kleinerer Staaten soll beseitigt werden und es soll ein Kriterium für die Feststellung derjenigen Staaten, die st ä n d i g e Ratssihe in Zukunft inne haben sollen, ausgestellt werden. Als Richtlinien für die Aufstellung eines derartigen Kriteriums könnten die Voraussetzungen dienen, die das Genfer Arbeitsamt als vorliegend erachtet für die Auswahl der acht im Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamts ständig vertretenen „großen Industriestaaten". Wie der „Evening Standard" berichtet, rechnet man in Londoner politischen Kreisen damit, daß Deutschland feinen Antrag zur Aufnahme in den Völkerbund im September erneuern wird. Die Lage im September würde alsdann nach Ansicht des Blattes viel einfacher sein. Der Verfassungs-Ausschuß des Völkerbundes würde sich, so sagt der „Evening Standard", wahrscheinlich gegen eine Vermehrung der ständigen Ratssihe, abgesehen von Deutschland, aussprechen, und zwar in Anbetracht der großen Anzahl der Kandidaturen. Englands Unterstützung des spanischen Anspruchs würde zurückgezogen werden. 3n maßgebenden Kreisen ist man der Auffassung, daß die Ablehnung der deutschen Aufnahme im März eine völlig neue Lage geschaffen habe, durch die Englands Verpflichtung zur Llnterstühung einzelner Parteien aufgehoben worben wäre. Bisher keine Verminderung der Rheinlandbesetznng. Berlin, 1. April. Rach den Morgen- blättem verlautet, daß die Zahl der Bcsahungs- truppen im Rheinland immer noch 82 000 Mann beträgt, und zwar besteht die Desahungsarmee aus 8000 Engländern, 8000 Belgiern und 6 6 0 0 0 Franzosen. Die Verhandlungen zwischen den Kabinetten über die Verminderung der Truppenzahl dauern noch an. Es sind zwar vor kurzem Abtransporte von Formationen angekündigt worben, die Verminderung ist jedoch so gering, daß sie keinesfalls beit berechtigten deutschen Forderungen zu genügen vermag. Rachtsihung in der die Entscheidung über die Erhöhung der Geschäftsumsahsteuer und gleichzeitig damit über das gesamte Finanzprojekt fallen wird. Da die Sozialisten mit 29 gegen 11 Stimmen beschlossen haben, sich der Abstimmung zu enthalten, ist mit einer Mehrheit für die Regierung zu rechnen. Zur endgültigen Abstimmung wird voraussichtlich zwischen 2 und 3 Ahr morgens geschritten werden. Die Kammer wirb voraussichtlich am Freitag für zehn Tage in die Ferien gehen. Während dieser Zeit wird der Senat nach den Osterfeiertagen seinerseits die Aussprache über das Budget für 1926 aufnehmen. Hier wird die Finanzdebatte nicht länger als zehn Tage dauern. Rach erfolgter Abstimmung im Senat wird die Kammer ihrerseits Beschlüsse über die vom Senat vorgeschlagenen Aenderungen fassen müssen. Das Parlament wird sich barm vom 25. April bis zum 13. Mai bis zur Tagung der ©eneralräte, vertagen können. Bismarck*. Zur Wiederkehr feines Geburtstages am 1. April. In den „hundert Tagen", dem letzten Akte aus der welterschütternden Laufbahn des großen Franzosenkaisers, wurde der Mann geboren, der mit jenem zusammen dem 19. Jahrhundert den Stempel aufgedruckt hat. Es ist schwer ein größerer Gegensatz vorstellbar als der zwischen dem „kleinen Korporale" und dem märkischen Riesen, dem bodenständigen Deutschen und dem Exponenten des französischen Geistes, wenn auch nichtfranzösischen Geblütes. Es ist bezeichnend, daß Bismarck, so viel begannt ist, niemals an die militärische Laufbahn gedacht hat, in der der Ehrgeiz am ersten auf seine Rechnung zu kommen hofft. Seiner Natur hat eben der Ehrgeiz, der nach einem Platze im Buche der Geschichte strebt, von vornherein gänzlich fern gelegen. Wenn Napoleon sich in seinen Jünglingsjahren an Virgil und Tafso begeisterte, so fand der dem Schulzwange entrückte Bismarck seinen nächsten Beruf im politikfernen studentischen Ausleben. Auch ohne jenen Hintergedanken an späteres Heldentum, den Shakespeare seinem kronprinzlichen Genießer unterlegt. Mag in seiner amtlichen Zeit der häufig geäußerte Wunsch nach Rückkehr zum „Kohlbau" des Gutsherrn mehr ein Gedankenspiel und im Flusse der Jahre stetig weniger ernsthaft gemeint gewesen sein, anfänglich war es ihm vielleicht gar nicht besonders recht, daß sein König seine Anlagen besser als er selber erkannte und ihn vom Pfluge des Cincinnatus fortholte. Aber schon sein Pflichtbewußtsein war viel zu stark, als daß er sich dem Rufe entziehen konnte. In der Durchsättigung seines ganzen We- sens mit dem Pflichtgedanken wurzelt ein gutes Stück seiner Größe. Eng mit ihm verband sich eine starke Empfindung der Verantwortung, die ihm mit seiner Stellung zugefallen war. Kaum ein anderer Staatsmann unserer Zeit hat jo beinahe regelmäßig in seinen Reden sich auf den Begriff der Verantwortung bezogen, die sich für ihn konkret an sein Verhältnis zu dem Monarchen knüpfte, der ihn auf jeinen Posten gestellt hatte. In dieser Richtung wird er immer ein Erzieher der Deutschen zu bleiben haben; unabhängig von der durch die wechselnden Zeitverhältnisse bedingten konkreten Formulierung jenes Begriffes. Ob inhaltlich sein Werk die einzig mögliche Lösung der Aufgabe darstellt, die von der Periode seines geschichtlichen Wirkens dem Leiter der deutschen Angelegenheiten gestellt war, mag eine Frage sein, in der die Meinungen sich je nach historischer Methode oder auch nach Parteieinstellung scheiden. Verfehlt wäre ja, mit dem Augenmaße der vielleicht zufälligen gegenwärtigen Gestaltung an die Beurteilung der jetzt geschichtlich gewordenen Vergangenheit heranzutreten und vielleicht den überraschend schnellen Zusammenbruch seines Gebäudes organischen Fehlern bei dessen Aufführung zur Last zu legen. Uns mangelt die Erfahrung für ein Urteil, ob unter den gegebenen Umständen des siebenten Jahrzehnts im abgelaufenen Jahrhundert eine andere Richtung eingeschla- gen werden konnte. Vielleicht, daß seine Kampfnatur ihm verschiedentlich im Wege gestanden hat, wo es galt, die Geister fester an das neue Reich zu ketten und dieses dadurch sturmfester aufzurichten. Aber jedenfalls ist, wenn das fortiter in re seines Auftretens gelegentlich die Abtönung durch ein suaviter in modo vermissen ließ, sein Kämpfermut niemals aus öder Rechthaberei oder Eigensinn hervorgegangen. Daß er kein Prinzipienreiter gewesen ist, dafür bot das beste Beispiel der Abbruch des sog. „Kulturkampfes", nachdem dessen Voraussetzungen hinfällig geworden waren. Ueberhaupt ist er zu keiner Zeit ein eingeschworener P a r t e i m a n n gewesen. Er ist nie mit dem Strome geschwommen, sondern hat sehr oft sogar mit Vorsatz sich den marktgängigen Meinungen entgegengestemmt. Aber einSchlag- wort, daß der Kurs immer der gleiche bleiben solle, hat er niemals zu Tode gehetzt, im Gegenteil oft mit ben Verbindungen gewechselt. Dabei hat er es verstanden, daß ihm niemals der Vorwurf gemacht wurde, es wisse niemand, an wen er glaube. Wie soll die deutsche Station das An - denkenihres Bismarck ehren? Am ungeeignetsten geschähe es durch eine Orthodoxie, die bestimmte Aussprüche von ihm zu Tode ritte, die vielleicht ganz verschiedenen Verhältnissen angepaßt waren. Und schon seine erwähnte Vorurteilslosigkeit gegenüber politischen Gegensätzen und sein Öfterer Kurswechsel muß die Herstellung einer „Harmonie" zwischen den zahlreichen Bismarck- worten zu einer undankbaren Aufgabe machen. Aber indem das lebende Geschlecht und die Kommenden sich an der echt deutschen Kern- natur des großen Staatsmannes in den Näis« der Zeit aufrichien und seine tapfere Selbst- sicherheit zusammen mit seinem starken Pflichtgefühl zum Muster nehmen, um sich aus der Froschperspektive einer einseitigen „Politisierung" herauszuarbeiten, wird Bismarcks Andenken fruchtbar bleiben für die Fortentwicklung der Nation. Das einzuschärfen mag der 111. Jahrestag des 1. April 1815 eine erneute Gelegenheit bieten. Aus dem Reichsrat. Der Reichsrat genehmigt das Finanz- kompromiß und den Etat. Berlin, 31. März. (TA.) Der Reichsrat hielt am Mittwochabend unter Vorsitz des Finanzministers Dr. Reinhold eine öffentliche Vollsitzung ab. Der Reichsrat erllärte sich mit den Beschlüssen deS Reichstags zum Steuermilderungsgesetz einverstanden. Die Vertreter Thüringens und Vadens erklärten, daß sie sich bei Vornahme einer namenllichen Abstimmung der Stimmabgabe enthalten haben würden. Dann beschästtgte sich der Reichsrat mit den Beschlüssen des Reichstages zum Stal für 1 92 6. Der Berichterstatter wies darauf hin, daß der Reichstag entgegen den von der Reichsregierung und dem Reichsrat aufgestellten Grundsätzen Reueinstellungen von planmäßigen Beamten und Höherstufungen vorge- rwmiften habe. Dieses Vorgehen des Reichstages sei an sich sehr unerwünscht und für die meisten Länder überaus mißlich. 3m Hinblick auf die rechtzeitige Verabschiedung des Etats soll aber von einem Einspruch abgesehen werden. Der Reichsrat genehmigte darauf den Stal nach den Beschlüssen des Reichstages und st r i ch im wesentlichen nur die eine Million Mark, die im Etat deS InnemninisteriumS zur Unterstützung kultureller und gemeinnütziger Vereinigungen, insbesondere kirchlicher Vereinigungen, eingesetzt worden waren. Zu der vom Reichsrat beim Etat des Ernährungsministeriums genehmigten Position von dreißig Millionen Mark zur SfabMifierung der Roggenpreise gab der Vertreter Preußens eine Erklärung ab, in der bezweifelt wird, daß der Zweck dieser Kreditgewährung, nämlich eine gewisse Stetigkeit der Roggenpreise zu sichern, erreicht werden könne. Das vorgelegte Material der Reichsregie» rung biete nicht die Sicherheit, daß die neue Gesellschaft auch im Interesse der Allgemeinheit handele. Es wird die Hoffnung ausgesprochen, daß die Regierungen der Lander noch Gelegenheit zur Stellungnahme gegenüber der Zusammensetzung dieser Gesellschaft erhalten. Dieser Erklärung schlossen sich mehrere wrdere Länder, darunter Sachsen, Baden, Bremen und Hamburg, an. 3m übrigen wurde rein Einspruch erhoben. Auf Antrag der Ausschüsse wurde aber beschlossen, gegen ben vom Reichstag gleichfalls in seiner letzten Sitzung angenommenen Gesetzentwurf zur Aenderung des Finanzausgleiches Einspruch zu erheben. Mit den übrigen Beschlüssen des Reichstages, dem Gesetzentwurf über die Mirtschasts-Enauete, der Aufhebung deS Staatsgerichtshvfes usw. erklärte sich der Reichsrat einverstanden. Parlamentarisches aus Hessen. Darmstadt, 31. März. Der Finanzausschuß des Hess. Landtags bewilligte in seiner gestrigen Sitzung für den Ausbau des 3ruft i tut 5 für Zellulosechemie an der Technischen Hochschule in Darmstadt 40 000 Mk. und für die Wiederherstellungsarbeiten am Mainzer Dom 75 000 Mk. — Der Gesetzgebungsaus- schuß des Hess. Landtags beriet gestern eine Reihe von Anträgen, die sich mit der Gemeinde- oronung und dem Besoldungsgesetz der hessischen Gemeindebeamten befaßten. Der Ausschuß überwies sie der Regierung als Material. Anträge, worin die Regierung ersucht wird, die Gerichtsassesforen aus dem 3ahrgang 1923 noch nach den damaligen Anstellungsgrundsätzen in den Staatsdienst zu übernehmen, wurden angenommen, und zwar in der Form, daß sie nur für Kriegsteilnehmer gelten sollen. Dom Arbeitsmarkt in Hessen, Hessen-Nassau und Waldeck. Das Landesamt für Arbeitsvermittlung teilt uns mit: Dom 1. bis 15. März ist die Gescuntzahl der Hauptunterstützungsempfänger in Hessen, Hessen-Aassau und Waldeck zum erstenmal seit Mitte 3uli v. 3. wieder etwas zurückgegangen, und zwar von 148 217 auf 147173. An der Senkung sind nicht alle Bezirke beteiligt; int Regierungs-Bezirk Cassel und im Bezirk Wetzlar hat die Arbeitslosigkeit noch zugenommen. Am stärksten sind die Arbeitslosen naturgemäß in den großstädtischen Bezirken zu- sammengeballt. 3m Arbeitsnachweisdezirk C a f - sei wurden 10 761, Frankfurt 18 158,Wies- baden-Stadt 2313, Darmstadt 4569, Offenbach 17 554 und Mainz 11610 Erwerbslose unterstützt, das sind in diesen sechs Bezirken zusammen 64 965 oder 44 v. H aller Hauptunterstützungsempsänger im Landesamtsbezirk. Da sich die Zahl der bei Rotstands- arbeiten beschäftigten Erwerbslosen fast ver- dovpell hat — sie stieg von 6606 am 15. Februar auf 12123 am 15. März — und die Rotstands- arbeiter, in den Erwerbslosenzahlen nicht enthalten sind, kann aus dem geringfügigen Rückgang der Erwerbslosenziffer um nur 0,8 v. H. auf eine beginnende Bei ferung der Wirtschaftslage nicht geschlossen werden. Die DesserungSerfcheinungen, die sich im Laufe des Monats in den sogenannten Außenberufen zeigten, waren gering und wurden durch die a n» haltend rückläufige Konjunktur, be- foruber6 in der Metallindustrie, wieder aufgehoben. Aber auch in Bergbau, Lederindustrie, Holzgewerbe, Delleidungsgewerbe und in den Angestelltenberufen stieg die Arbeitslosigkeit gleichfalls weiter an. Die Zahl der arbeitslosen Baufacharbeiter hat sich demgegenüber nur wenig gesenkt; sie beträgt noch immer rund 17 600 gegen 3 600 im März 1925, ein Beweis für das z. Zt. noch fast völlige Darniederliegen der Bautätig- feit, besonders der privaten, aus den schon bekannten Arsachen. Ein Mißverständnis. London, 31. März. (WB.) 3m brittschen Unterhaus fragte Rennte Smith von der Arbeiterpartei, ob Chamberlain im Hinblick auf die Erklärungen der Kommissionen des Völkerbundes, daß Deutschland feine Vertragsverpflichtungenredlicherfüllt hat, und int Hinblick auf die Verpflichtungen des Artikels 431 des Versailler Vertrages, eine Erklärung über die britische Haltung gegenüber der Frage der Räumung des Rheinlandes abgeben könne. Chamberlain erwiderte, der Fragesteller mißverstehe die Tatsachen. Das Erste Komitee der letzten Völkerbundsversammlung habe keine solche CrNärung abgegeben, sondern sich darauf beschränkt, in ilebereinfiim- mung mit § 2 des Artikels 1 der Völkerbundssatzung die Ansicht auszusprechen, daß Deutschland jetzt wirksame Garantien | einer ehrlichen Absicht gebe, seine internationalen Verpflichtungen einzuhalten. Auf den zweiten Teil der Anfrage Smiths erwiderte Chamberlain, dieser gründe sich auf den ersten; da dieser auf einem 3rrtunt beruhe, so sei der zweite gegenstandslos.- Keine Teilnahme Rußlands an der Abrüstungskonferenz. Moskau, 31. März. (TU.) Die Sowjetregierung hat jetzt auf die Note des Generalsekretärs des Völkerbundes eine Antwort erteilt. Sie weigert sich, an der Abrüstungskonferenz teiUu- nehmen. In der Antwortnote teilt Tschitscherin dem Generalsekretär mit, daß die Sowjetregierung die Weigerung, die Abrüstungskonferenz nach einem anderen Ort zu verlegen, als eine englische Intrige auffasse und die Abrüstungskonferenz sabotieren werde. Die Sowjetregierung gedenke nicht, die Entwafffnnng der Roten Armee und Flotte vorzunehmen. Ein gleichlautendes Memorandum ist an die Botschafter Englands, Frankreichs, Italiens und Japans gerichtet worden. Dor einem Friedensschlutz in Marokko? Paris, 1. April. (TU.) Am Dienstagabend sand am Quai d'Orsay eine Konferenz statt, der auch Ministerpräsident D r i a n b und der Generalgouverneur von Marokko Steeg beiwohnten. 3n der Hauptsache würben die Aussichten des marokkanischen Frühjahrsfeld- z u g s geprüft. Die französische Regiertmg konnte auf Grund des von Steeg erstatteten Berichts den Eindruck gewinnen, daß die Angriffskraft Abb eI Krims noch ungelähmt ist. Die Möglichkeit eines sofortigen Friedensschlus- s c s mit Abb el Krim, über die Steeg berichtete, würbe ausführlich zur Sprache gebracht. Der Eeneralgouvetneur von Marollo war in der Lage, ein d e t a i l l i e r t e s Friedens a n gebe t Abb el Krims mitzuteilen, über das zur Zeit noch beraten wird. 3n zuständigen französischen Kreisen wird erklärt, bah ein sofortiger allgemeiner, nicht nur auf einen Teil der französischen Front beschränkter Waffenstillstand die Voraussetzung für die Aufnahme der Friedensverhanblungen bilde. Die französische Presse hebt den gegenwärtigen Augenblick als außerordentlich bedeutungsvoll hervor und hält einen Friedensschluh für möglich, jedoch nur, „wenn 2Ibb el Krim guten Willen an den Tag lege“. Am Quai d'Orsay erllärte gestern der Pressechef beim Empfang französischer 3ouma- listen, daß die Meldung von einer bevorstehenden Offensive Abb el Krims aus der Luft gegriffen sei. Rumäniens neues Kabinett. Die rumänische Regierungskrise ist nach sehr kurzer Dauer beendet foorben. König Ferdinand hat am Dienstag den General Averescu mit der Regierungsbildung beauftragt unb noch am Abend die eingereichte Ministerliste bestätigt. Dieser Schritt des Königs hat allgemeine Lieber- raschung hervorgerulen, weil man glaubte, nach dem Zusammenschluß bet Rational- unb b er Bauernpartei würden diese als die stärksten Parteien mit der Bildung einer Koalitionsregierung betraut werben. Beide hatten auch ihre Listen eingereicht unb dem König gegenüber betont, daß sie im Falle einer Betrauung diese Listen vereinigen würden. Wenn der König trotzdem Averescu und damit den Führer der kleinsten für eine Regierungsbildung in Betracht kommenden Parteien beauftragte, so ist dahinter der immer noch starke Einfluß Bratianus zu erblicken, der schon bei seinem Rücktritt dem König eine solche Lösung vorgeschlagen hat, nicht allein, weil Averescu in liberalen Kreisen gewisse Sympathieen genießt, sondern weil er in dem General den Mann erblickt, mit dessen Hilfe er seine Macht neu aufrichten kann. Es ist eine merlwürdige Wendung, daß der General, der nach seinem Rücktritt von der Regierung im 3ahre 1922 der erbitterte Gegner und Bekämpser Bratianus war, jetzt allgemein als sein Platzhalter angesehen wird. Man nimmt an, daß das Kabinett Averescu keinen Systemwechsel bedeutet, daß vielmehr die bisherige Politik beibehalten wird. Wie weit diese Vermutungen sich bestätigen, wird schon die nächste Zeit offenbaren. Aus alle Fälle wird Bratianu alles versuchen, um bei den kommenden Wahlen der Liberalen Partei eine große Mehrheit zu verschaffen, die ihm den nötigen Einfluß auf die Politik Averescus sichert. Es ist allerdings zu berücksichtigen, daß Averescu im Lande ziemlich beliebt ist, weil er sich dadurch, daß er als einziger von den rumänischen Generälen im Kriege gut abschnitt, eine große Volkstümlichkeit erworben hat. So besteht immer noch die Möglichkeit dafür, daß dadurch die Dolkspartei bei den Wahlen besser abschneidet. Auch der Umstand, daß zwei der neuen Minister aus der Nationalpartei stammen und erst bei der Uebernat)me ber Portefeuilles zur Volkspartei übergetreten sind, wird sicher nicht ohne Einfluß bleiben. So wird es schließlich von der Politik des neuen Kabinetts abhängen, wie lange es sich halten kann. An der Außenpolitik ist schließlich nicht viel zu änberri, weil Rumänien durch feinen Gegensatz zu R u ß l a n b, der sich aus ber bessara- bischen Frage ergibt, außenpolitisch festliegt. An dem Bündnis mit Polen und dem Festhalten an der Kleinen Entente wird sich also nichts ändern. Wohl aber hat es Averescu in der Hand, innenpolitisch Wandel zu schaffen und alle Hoffnungen Bratianus zu vernichten. Daß ein Tell der neuen Minister ans den neuen rumänischen Gebieten stammt, läßt vor allen Dingen für die Minderheiten auf eine bessere Zeit hoffen. Die Sympathien, die er sich damit erwirbt, werden nicht wenig dazu beitragen, seine Stellung zu festigen unb wohl auch den Wahlausgang nicht unvorteilhaft beeinflussen. Das ist um so notwendiger, als Bratianus letzte Regierungstat darin bestand, ein Wahlrecht zu schaffen, das jede vernünftige Mehrheitsbildung zu unterbinden geeignet ist. Ob der Konflikt in der K ö n i g s f a m i l i e, der mit der Abdankung des Thronfolgers ein vorläufiges Ende gefunden hat, jetzt zu einem Ausgleich führen wird, steht noch dahin. liegt aber im Bereich der Möglichkeit. Die Gerüchte, die darüber in der letzten Zeit in die Öffentlichkeit gedrungen sind, haben sicher ihren Grund nicht allein in dem Rücktritt Bratianus, gegen dessen korrumpierenden Einfluß Cakol angekämpft hat, im Kampfe aber unterlegen ist. Kleine politische Nachrichten. Der schaumburg-lippesche Landtag ersuchte die Landesregierung, unverzüglich einen Gesetzentwurf für eine Volksabstimmung über die Frage eines Anschlusses Schaumburg°Lippes an Preußen vorzulegen. 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Die Beerdigung findet am Karfreitag, nachmittags 3 Uhr statt. 02270 m»a (2. Großh. Hess.) Nr. 116. 2947 D Gestern vormittag wurde in aller Stille der Hauptmann d. R. a. D. Herr Eberhard Kramer nach langem Leiden, das er sich im Felde zugezogen, zur letzten Ruhe bestattet Wir verlieren in dem Heimgegangenen, der vom Beginn seiner militärischen Laufbahn die Uniform unseres Regiments getragen, einen allgemein beliebten Kameraden, dessen Andenken stets in Ehren bleiben wird. Verein dar OHlzlero des ehern. InL-Bgts. Kaiser Wilhelm 29491) Wir treues Sache. Bezirksverein Gießen des Landesverbandes Hessen-Darmstadt im Reichsverband des Herr Friedrich Noll Blumongoechäftelnhaber. betrauern in dem Heimgegangenen ein Mitglied und eifrigen Förderer unserer Ein ehrendes Andenken ist ihm gesichert deutschen Gartenbaues. Gießen, den 31. März 1926. Nachruf! Am 80. März entschlief unerwartet unser Mitglied Hungen, den 31. März 1926. abzusehen. 2957V Die Beerdigung findet Karfreitag, den 2. April, nachmittags 3 Uhr, statt. Von Beileidsbesuchen bitten wir * HOTEL SCHÜTZ empfiehlt zu Ostern erstklassiges Mittag- und Abendessen zu mäßigen Preisen Feine Weine und Biere Großer Preisabbau in Weinsorten 2971D Gießen steigendem hohen Einkommen- 3-400 Mk. geg. sehr hohe Zinsen bet guter und vielfacher Sicherheit auf kurze Zelt gesucht. SckrlftL Angeb. unt. 02275 a d Gietz.Anz. Trio ob. Klavier u. Violine fürKonzert od.Tanz fürdleOsterfeierlagc noch frei. 02280 Zn erfragen RestaurantDrcker, Crednerstratze 34 Telephon 1604 Tie gewerbliche Ausbeutung u. das AlleinberstellungS- rechtlohne besondere Räumeieiner glänz. Sache ist für gröbere Plätze zu vergeben. Mit wenig Kapital fof. Existenz. Prima Referenzen. Ausführliche Offerten Erankhirt a. HI. PöstchlleBIach 690. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Goldene Bamen-Uhr ans d. Wege SelterS- rneg, Schulftrahe, Marktplatz, Neuenweg verloren. Gegen Belohnung abzugeben ans dem Hundbureau des Polizeiamtes. »„* Freitag, 2. April mittags 12 Uhr Trainings-VerpflichloDg Erscheinen der Mit- glieder erwünscht. 1.-L-VJ 1. Qfterieicrtag: MMSMli Hotel Köhler 2. Olterseiertag: 9ßnööaillöle! Don 5 Uhr nachm. ab Sflmllten- iulammenlnnfl int Postkeller Am 10. Avril abendS 8 Uhr HaopIfersammloDg bei H. iv o n l ft t ch (Sesangperein Allem Karfreitag Spaziergang nach Lich Abmarsch pünktlich 11 Uhr von Kreuzung Kaiserallee- Vicber ? ! ratze. 9kach- ziigler l^.^rcffpunft in Vtcb Steins Saal- ban. Um allseitige Beteiligung bittet ^OTer Vorstand. Lkib-riigiiiicr. Nächste 2964D Betifioimlüng yamstag^io. April, abends ti^THbr im VereiuSlokal. M.BJ ntkmitf Karfreitag: Früh- schoppen imDereinö- lokal 10 Uhr vorrn. CücrmoHtng: Ausflug nach der LudwtgSburg. Sie ff3 punkt 2Vr Uhr nach« mittags Ecke Marburger Stratze und Oftanlage. Aachzüg- ler, Wiesecker Auto. Der Vorstand. „Gabelsfaerger" Stsnogr.-Vererig. und Damen-Abl Wieseik. Wir eröffnen am Donnerstag, dem 8. Avril, abends 8‘; Ubr, i.^d.Schule, Altcestratzc, unter Leitung des Herrn Balken Gietz. einen ForliiildoDgs-KörsBS in ReichSkurzschrisl. Anmeldung, zu Beginn deS Ume, licht» erwünscht. 2975 D Der Vorstand. Früh 0S795 schoppen CafS Krämer. 2. Feiertag Verein^lokal Krokodil 11 Ubr Ter Vorstand. Wandeniiig über Gleiberg, Betz> berg, Dünsberg. Treffpunkt 11 Uhr Lahnbrücke. 1. Feiertag Stadttheater Freitag, 2. Avril ItKarfreitag» geschlossen. Sonntag, 4. April (L Osterfetertag» 24.5 nntog-ljU.-Brff. von7 bis nach 9'/»Ubr Erstaufführung.’ lieber unsere Stuft (11. Teil». Schauspiel in4Akten von Bjornson. Montag, 5. April (2. Ofterseiertag» Autzer Abonnement, Gutscheine haben Gültigkeit. Bon 7 bis 9 Uhr DerlröhlicbeWeinberg Lustspiel in 3 Akten von Zuckmayer. Dienstag, i>. 2lvril (3. 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Die Hofsprache selbst sei umständlich, er könne .richt einfach sagen: Majestät sind auf dem Holzwege, oder: Cs ist einfach Blech, was Euer Majestät sagen, oder: Euer Majestät haben von der Politik Ansichten eines Quartaners, sondern das muffe alles in gut gesetzten Redensarten angedeutet werden. Das koste aber sehr viel Zeit. Die Leute, die immer von Kanzlerkrisis sprechen und spotten, wissen nicht, was dazu gehört, mit einem alten Olympier wie dem Kaiser 18 Jahre lang auszukommen. Seit Schleswig- Holstein habe er ihm alles schrittweise abringen müssen, und meist gelinge es nur, wenn man immer den Kabinettrevoloer zur Hand habe." — Interessant sind die Mitteilungen über Bismarcks literarischen Geschmack. Cohen sagte er, daß er Goethe nicht gut leiden könne. „Hält ihn für einen echten Dureaukraten, der stolzer auf seine Ministerwürde als auf sein Dichtertalent war. Er liebt Schiller viel mehr, namentlich als Charakter." Ein archerrnal betont er seine Dorliebe für Heine. Frau von Spitzemberg erzählt: Rach Tische sah ich mit dem Kanzler an seiner „Ecke", und er blätterte in Chamissos Gedichten, die er sich neben Llhland. Heine, Rückert immer wieder schenken labt, um sie in jeder seiner Residenzen zu haben. „Wenn ich dann so recht verärgert und abgemattet bin, lese ich am liebsten diese deutschen Lyriker, das erquickt mich." Lieber das Duell äuberte sich Frau von Spitzemberg: Wir kamen auf das Duell zu reden und ich erzählte, daß mein Sohn mir seine Skrupel über diese Sache in diesem Frühjahr, ehe wir zum Abendmahl gingen, mitgeteilt habe, und dah ich. einen anderen Rat nicht wußte, als mit allen Mitteln der Selbstverleugnung ein Duell zu meiden, wenn es jedoch mutwillig einen: aufgcnötigt werde, sich nicht mit Grübeleien zu quälen. Darauf sagte der Fürst: „Sie haben ihm ganz recht geraten, ich habe es auch so gemacht. Als ich das Duell mit Dincke haben sollte, ging ich Abends zu meinem Beichtvater Büchsel, damit er mir das Abendmahl gebe. Das wollte er nur tun, wenn ich das Duell nicht annehme; lange gänzlichen Derfahrenheit habe ihn in Wut gesetzt. Da habe er sich mit Leidenschaft auf die Politik geworfen. Er betonte sein Glück, das er gehabt, heiht es in einer anderen Aufzeichnung Cohens. Rur durch Zufall wäre er in die politische Karriere gekommen. 1847 war er als Stellvertreter des erkrankten Brauchitsch in den Bereinigten Landtag gekommen. Dort sei der König auf ihn aufmerksam geworden. Als er ihm den Frankfurter Posten. angeboten, habe Bismarck sofort angenommen, worüber der König sehr verwundert war und ihm sagte: „Ich bewundere Ihren Mut, einen so schwierigen Posten so ohne Lieberlegung anzunehmen." Bismarck antwortete: „Ich bewundere den Mut Eurer Majestät noch viel mehr, einem unerfahrenen Reu- ling, so wie mir, einen solchen Posten zu übertragen." Aber sie könnten es ja miteinander versuchen. Darauf der König: „Wenn Sie die Sache so auffassen, so reisen Sie nur getrost." Ein andermal sagte Bismarck, es sei nicht wunderbar, daß sein Rervensystem ruiniert sei: „3m 16. Jahre schon Student gespielt, im 17. zur Universität, sehr liederlich gelebt, viel getrunken, dann so fortgelebt bis zur Derheiratung. Seit 18 Jahren in der Politik, die er mit der ganzen Leidenschaftlichkeit fernes Wesens erfaßte. In Petersburg alS Gesandter empört über die preußische Politik, schrieb oft bis 4 Uhr morgens Briefe nach Berlin, ärgerte sich oft dabei bis zum Wernen. Später beständige Friktionen mit dem König, mit den Hofleuten und den Freimaurern. Dor 66 enorme Anstrengungen, um den König zu bestimmen. Bei Rikolsburg furchtbare Kampfe mit den Generalen, die nicht genug bekommen konnten. In Paris ebenso." . , . . Recht offenherzig sind auch viele feiner Aeuberungen über den alten Kaiser. Er hebt lein außerordentliches Pflichtgefühl hervor. Der Kaiser habe ihm letzthin einen Brief von 12 Bogen selbst geschrieben. Das sei allerdings rührend, aber die Antwort koste entsetzlich Zeit. Er könne ihm nicht für alles und jedes seine Gründe aus- Es war ein Abkommen, das nach seinen konkreten Bestimmungen durchaus annehmbar für Deutschland war, abet doa) fast allgemein als deutsche diplomatische Riederlage angesehen wurde. Die deutsche öffentliche Meinung hatte zum allergrößten Teile irrtümlich aus dem Anlaufen des „Panther" in Agidir geschlossen, daß Deutschland ein Stück Marokko an sich bringen wolle; allerlei Hoffnungen, gewaltige wirtschaftliche Unternehmungen und Siedlungskolonien zu begründen, wurde verbreitet, in lebendigen Agitationen wurde die Regierung bestürmt, sich nicht aus Marokko verdrängen zu lassen. Als dann bekannt wurde, daß Deutschland auf Marokko verzichte, sah man das nicht als die natürliche Fortsetzung der längst ergriffenen Politik, sondern als Wirkung der englischen Kriegsdrohung an und überschüttete die Regierung mit Dorwürfen, dah sie sich für das zukunftsreiche Marokko mit einigen dürftigen mittel- afrikanischen Brocken abspeisen lasse. Ein solches Ergebnis habe man auch ohne die Entsendung des „Panther" und ohne Kriegsgefahr erlangen können. Mochten die Vorwürfe zutreffen oder nicht, der Derlauf der Dinge war der deutschen Regierung schädlich, denn er hat das Dertrauen weiter Kreise in die auswärtige Leitung schwer erschüttert und die öffentliche Meinung in große Erregung verseht. Freilich war die Regierung in übler Lage, da sie nicht mehr an die Loyalität der französischen Regierung glauben konnte, aber bei jeder Opposition gegen Frankreich sogleich mit Englands Gegnerschaft zu rechnen hatte. Man kann daher zweifeln, ob ein anderer Schritt als die Entsendung des „Panther" nicht dieselbe Verwicklung hervorgerufen hätte. Die heikle Lage war aber nicht erst in der letzten Zeit geschaffen worden, sie ging vielmehr zurück auf das Jahr 1905, in dem Fürst Bülow ein Sonderabkommen mit Frankreich über Marokko abgelehnt und die Algeciraskonferenz erzwungen hatte, um Frankreich durch internationale Abmachungen, die sich dann sogar nicht bewährten, einzuschränken. Run sah man sich doch auf den Weg des Sonder-Abkommens gedrängt, nur daß jetzt die Lage weit ungünstiger war als vor sechs Jahren, als Rußland am Boden lag. Frankreichs Stellung in Marokko weit schwächer und die englisch-französische Entente noch un- erprobt war. Man hatte endlich in Berlin ge- Bismarck über sich selbst. Zur Wiederkehr seines Geburtstages am 1. April. Der zweite Band der „Gespräche" Bismarcks, der vom Frankfurter Frieden bis zur Entlassung reicht, erscheint soeben, von Prof. Dr. Willy Andreas herausgegeben, im Rahmen der großen Friedrichsruher Bismarck-Ausgabe im Derlag für Politik und Wirtschaft. Dieser neueste Band des Monumentalwerks bringt uns wieder eine ganze Reihe bisher unbekannter Aeußerun- gen des großen Mannes, und zwar sind es in erster Linie die bisher ungedruckten Tagebuch- Aufzeichnungen des Friedrichsruher Hausarztes Dr. Eduard Cohen und die ebenfalls unver- öffentlichen Tagebücher der Freifrau von wpihem- berg, die beide dem Fürsten nahestanden und über ihre Llnterhaltungen mit ihm sofortige eingehende Riederschriften gemacht haben. In diesen unbekannten Gesprächen enthüllt Bismarck mit der Offenheit und Leidenschaftlichkeit des Genies gar Vieles aus seinem Leben. So sagte er zu Cohen, als ein Band mit den Reden des Abgeordneten Bismarck erschien, er habe diese alten Reden mit Vergnügen wieder gelesen. Damals — 1848 — sei er ein Llltraroyalist gewesen, aber erfüllt von liberalen Reformideen, die er indes nur aus dcrHand desKön gs haben wollte. Ais Cohen bemerkte, daß er wohl auch nicht alles wiederholen möchte, was er damals gesagt, meinte er: Te leibe nich: tempora mutantur — es wächst der Mensch mit seinen Zielen. Dis 1844 fei er einfacher Landedelmann gewesen, der seinen Kohl gebaut hätte und dessen höchstes Ziel gewesen sei, im Laufe der Jahre seine Besitzungen zu verbessern und zu vergrößern, hier und da eine Parzelle z-zukaufen. An praktische Polttik habe er nie gedacht. Da ihm die preußische Dureaukratte immer zuwider gewesen sei, so hakten ihn feine Freunde für einen vorgeschrittenen Liberalen gehalten. Aber das Jahr 1848 mit seinen erbärmlichen Phrasen, mit der Feigheit von oben, der stritten wir hin und her, endlich ging ich. Rach einigen Stunden kam Büchsel zu mir und wollte mir nun das Abendmahl doch geben. Rein, sagte ich, nun habe ich mich allein mit meinem ^®ott abgefunden und gehe nun ruhig auch dem Tode entgegen." Auch aus den neuen Gesprächen tritt wieder die Liebe des Kanzlers zu den Tieren und zur Ratur ergreifend hervor. „2m seine Hunde anknüpfend," schreibt Frau von Spitzemberg, „sprach er davon, wie bescheiden und demütig es einen stimme, wenn man sehe, wieviel Zehn- und Hunderttauscnde von künstlich bereiteten Leben die Ratur täglich hervorbringe, um sie täglich wieder zu vernichten, wenn es ihr beliebe. Richt bitter darf uns das stimmen, nur bescheiden; „Ich bin der Zeit ohmnächtger Sohn," sagt Chamifto, „nicht wir inachen, was wir machen, wir werden geschoben, sind Werkzeuge." Als vor Jahren Flora krepierte, die graue Hündin, war die Fürstin untröstlich und sagte, sie hoffte, dem treuen Tier im Himmel zu begegnen, sie könne sich nicht denken, daß für die stumme Kreatur mit dem Tode alles aus sei. „Warum soll das nicht sein können?" erwiderte der 'Fürst, „ich hoffe zuversichtlich. im Himmel Hunden und Pferden zu begegnen." In Friedrichsruh plaudert der Fürst gern mit Frau von Spitzemberg von seinen geliebten Bäumen, ihrer Eigenart, ihrem Wohl und Wehe. Erst berichtete er über seinen geliebten Wald, erzählt ihr von einer gemeinsamen Ausfahrt, den verschiedenen Schonungen, die er angelegt, von üppig gedeihenden Fichten, dort von edlen amerikanischen Radelhölzern, hier von angesäten Föhren, Lärchen und Eichen; als wir durch einen dichten „Dusch" fuhren, sagte er, diese Hügel habe er „als Luxus" mit Riederholz bepflanzt, um ihn an Pommern zu erinnern nach den endlosen Strecken steifen, geradlinigen Hochwaldes, und in jener „Klinge" habe er als alter Mann im Sommer oft lang ausgestreckt im Heidekraut gelegen und gen Himmel geguckt, .sich und die Welt zu vergessen. hofft, durch eine Verständigung über Marokko die Beziehungen zu Frankreich dauernd zu verbessern und io die allgemeine Lage zu ent* spannen. Dies Ziel wurde nicht erreicht, vielmehr hatte sich Frankreich nur widerwillig auf das Kompromiß eingelassen, die Revanchestimmung hatte daher einen neuen Antrieb erhalten und das gestärkte Vertrauen in die englische Dundesgenossenschaft war geeignet, sie weiter zu steigern. Ein Jahr später schon zeigte Frankreich, wie wenig es versöhnlichen Gedanken Raum gab. Als aus Anlaß der Dalkanwirren ein allgemeiner Zusammenstoß drohte, war nach dem Urteil des trefflich unterrichteten russischen Botschafters in London Frankreich diejenige Macht, die dem Kriege mit größter Gelassenheit entgegensah und am wenigsten für die Erhaltung des Friedens leistete. „Gens" und die Weltwirtschaft. Don Professor Dr. Hermann Levy. Nur im mittelbaren Sinne erscheint das, was die Welk jetzt in Genf erleben mußte, als von weltwirtschaftlicher Tragweite. In Gens hat sich lediglich Politisches begeben. Aber schon in der Tatsache, bah die Weltwirtschaft seit Jahren auf fein Ereignis sehnlicher wartet und keines für ihre Fortentwicklung stärker herbeisehnt als die politische Pazifie- rung, liegt das wirtschaftlichBedau erliche der G e n f e r- Z w i e s p ä l t e. Wenn es heute unter dem Druck der stärksten Weltwirtschaftskrisis. mitgeteilt wurde, erklärte sie für unannehmbar und ließ den Schatzminister Lloyd George eine drohende Rede halten (21. Juli), um Deutschland einzuschüchtern und womöglich Englands Beteiligung an den Verhandlungen zu erzwingen. In seinen soeben erschienenen Denkwürdigkeiten sucht zwar Lord Grey jede Verantwortung für die friedensgefährliche Rede abzulehnen und seinem Kollegen sowohl die Initiative wie das geistige Eigentum zuzuschreiben, indessen nach guten gleichzeitigen Zeugnissen ist kein Zweifel, daß sie eine vom Kabinett auf Betreiben Greys beschlossene Aktion darstellt. Allerdings erreichte England weder eine Teilnahme an den Verhandlungen noch die Einschüchterung Deutschlands, aber es ist begreiflich, daß Frankreich hartnäckiger wurde. England ging noch weiter: Im 2luguft traf es militärische Dorbereitungen, wöbet einstweilen noch dahingestellt bleiben mutz, ob sie einer offen)inen Neigung oder der Be- forgnÄ entsprangen, daß ein deutsch-französischer Krieg ausbrechen könne, der England zum Eingreifen zwinge. Dies Vorgehen ermutigte auch Frankreich zu kriegerischen Tönen; es drohte mit der Entsendung von Schiffen nach Agidir, die den „Panther" in ihre Mitte nehmen sollten, worauf Deutschland mit der Erklärung, dann die Verhandlungen sofort abbrechen zu wollen, erwiderte. 2lber wenn die deutsche Regierung von vornherein der Lkeberzeuguitq gewesen war, daß Marokko einen Krieg nicht wert sei, so scheute man auch in Frankreich trotz der englischen Bundesgenossenschast die Kriegsgefahr, weil Rußland sich unzweideutig gegen einen Weltkrieg aus solchen, ihm femliegenben Ur- fachen, erklärt hatte. So kam man denn schließlich nach langen Erörterungen in Paris und Berlin zu dem Dertrage vom 3. Rovember, wonach Deutschland den Franzosen tatsächlich das Protektorat über Marokko zugestand und dafür außer dem Dersprechen der französischen Regierung, die wirtschaftliche Gleichberechtigung in Marokko wahren zu wollen, eine Vergrößerung seiner Kamerunkolonie erhielt. sagte, nach allen kolonialen Erfahrungen die Preisgabe einer solchen einmal eingenommenen Stellung nur schwer ausführbar sei. Die deutsche Annahme, daß die Cxpeditton überflüssig sei und nur der Vorbereitting des Protektorats dieite, wurde durch die Tatsachen bestätigt, denn ernste Unruhen hatte sie gar nicht zu unterdrücken. Zu ihrem rechtswidrigen Vorgehen war die französische Regierung weniger aus eigener Initiative als unter dem Druck der chauvinistischen öffentlichen Meinung, die namentlich von dem Marineminister Delcasse bearbeitet wurde, geschritten; der Ministerpräsident, der vorsichtige Caillaux. wie der Minister des Auswärtigen, Cruppi. hatten sich beugen müssen. Wegen dieses Bewußtseins der Rechtswidrigkeit war die Regierung auch bereit. Deutschland entgegenzukommen; schon vor der Besetzung von Fez sprach Caillaux dem deutschen Botschafter von 2£blretungen im französischen Kongogebiet, wenn Deutschland dafür den Franzosen Marotto endgültig überlasse, aber bindende Angebote machte er nicht. Die deutsche Regierung stand damit vor einer schweren Entscheidung. Sie sah, daß Frankreich tatsächlich die Macht in Marokko an sich gebracht hatte und demnächst die „offene Tür" schließen werde, weil, wie Unterstaatssekretär Zimmerinanp ausführte, bei wirklicher Gleichberechtigung der Rationen die französischen Unternehmer ihre Konkurrenzfähigkeit nicht behaupten könnten. Unmöglich konnte Deutschland ruhig zusehen: es hätte damit große wirtschaftliche Rachteile und eine schwere politische Riederlage auf sich genommen. Man war daher bereit, auf ein solches Handelsgeschäft, wie es Caillaux andeutete, einzugehen, aber man glaubte nicht, daß Frankreich von sich aus ein wirklich angemessenes Angebot machen werde, und man war zugleich überzeugt, daß England, sobald Deutschland eine ungenügende Kompensation abweise. und es darüber zu diplomatischen Schwierigkeiten komme, entsprechend dem Vertrage von 1904 zur Seite stehen werde. Infolge dieser englisch-französischen Opposition, die sogleich, wie man nicht zweifelte, die öffentliche Meinung der ganzen Welt bearbeiten werde, könne Deutschland sehr leicht um jede Entschädigung überhaupt gebracht werden, da an einen Krieg Marokkos wegen nicht zu denken sei. Man kam hiernach zu dem Schluß, die Franzosen zu einem Anerbieten zu zwingen, und das schien am besten dadurch zu erreichen, daß man einen Landstrich in Südmarokko besetze: hier waren deutsche Firmen angesessen, denen man so yut wie Frankreich den französischen durch militärische Machtmittel gegen die von Frankreich selbst behaupteten Unruhen Schutz gewähren konnte. Dann werde Frankreich, meinte man, zu annehmbaren Gegenleistungen "bereit fein, um Deutschland wieder herauszubringen. Ein Aufschäumen des französischen Chauvinismus erwartete man nicht, da Deutschlands Verfahren nicht weniger berechtigt war als das französische, und man überdies gleichzeitig auch die Bereitwilligkeit zu einer Verständigung erklären wollte. So rechnete man mit der Möglichkeit, die leidige Marokkofrage überhaupt aus der Welt zu schaffen und ein besseres Verhältnis herbeizuführen. Diesen Erwägungen ist die bekannte Entsendung des Kanonenbootes „Panther" nach Agadir (1. Juli 1911) entsprungen. Sie war nicht, wie der englische Botschafter in Berlin nach Hause berichtete, eine Idee des Kaisers, sondern ging auf den Staatssekretär Kiderlen- Wächter und Zimmermann zurück; der Kaiser hatte sich sogar vor einigen Wochen noch gegen eine Landung in Marokko ausgesprochen. Man muhte bald erfahren, daß man die Situation falsch beurteilt hatte. In Frankreich erhob sich heftiger Protest, und in England gab sich die Regierung der Besorgnis hin, daß Deutschland einen festen Stützpunkt an der Atlantischen Küste Marokkos suche, wovon es nicht nur eine Ausdehnung dec deutschen wirtschaftlichen Tätigkeit, sondern auch eine Gefährdung des englischen Handels im Kriegsfälle befürchtete. England ließ daher keinen Zweifel, daß es Frankreich in allen Verwicklungen, die aus dieser Angelegenheit folgen könnten, zur Seite stehen werde, gleichviel, ob Frankreichs Verfahren sich rechtlich begründen ließ oder nicht. Allerdings ließ fich jetzt Frankreich zu Kompensations- Verhandlungen herbei, aber als Deutschland den französischen Kongo forderte, fand Frankreich den Preis zu hoch und hatte sofort Englands welche die Geschichte der Neuzeit kennt (und die höchstens den verheerenden Folgen des Dreißigjährigen Krieges gleichzusetzen ist), schon an sich imin- chenswert wäre, daß endlich eiiunal Rücksicht aus das Wirtschaftliche bei allen Völkern die Rücksicht auf das Politische beherrschte und sich den Vorrang sicherte, so ist es, wenn an dieses Ziel heute noch überhaupt nicht zu denken ist, besonders bctriiblirtj, daß die neu aufiauchenden Schwierigkeiten am politischen Horizont die Beachtung und das Interesse für die Lage der Weltwirtschaft und auch für die weltwirtschaftspolitischen Pröble m e geradezu von neuem zurückdrängen. Es ist anscheinend für die heutige große Poliuk der Staaten noch nicht gut möglich, internationale „Politik" und „Wirtschaftspolitik" gleichzeitig mit demselben Eifer zu betreiben. Gerade weil dies so ist, wünschte man ja eine Besänftigung der politischen Gegensätze, um endlich einmal zu der intensiveren Behandlung der weltwirtschaftlichen Probleme zu kommen. Genf hat diese Hoffnung leider von neuem auf — wie lange? — zurückgedrängt. Man wird gerade angesichts der jetzt schwebenden und auszuarbeitenden organisatorischen Fragen der Völkerbundspolitik die wirtschast- lichen Probleme, wenn sie auch als dringlich überall anerkannt werden, als „erst^später zu behandeln" ansehen. Das ist ein b ö f e s Fazit der Genfer Vorgänge. Ein Fazit aber auch, das die Kurzsichtigkeit der heutigen internationalen Großmachtpolitik kennzeichnet. Denn man sollte sich endlich darüber klar werden, daß es ja zu einem guten Teile gerade die internationalen Wirtschaftsverhältnisse sind, welche zu den nicht enden wollenden Konflikten im „Konzert" der Staaten führen, und welche gerade die kleineren und unwichtigeren „Instrumente" so unangenehme „ Verstimmungen" hervorbringen lassen. Zunächst ganz allgemein: gerade die schlechte Wirtschaftslage — besonders auch vieler neugebil-- deter oder kleinerer Staaten — läßt immer wieder die Begierde wach werden, durch angebliche „politische" Vorteile ober durch Verhinderung politischer Vorteile für andere (die größeren Nachbarn z.B.) das wirtschaftliche Defizit auszti gleichen. Das trifft aber auch für ein Land wie Frankreich zu, in welchem charakteriftischerweife das „Politische" als Macht- oder auch als Prestigefrage immer dazu dienen soll, die ökonomischen Nöte zu verschleiern, zu bemänteln oder das Interesse des Volkes von ihnen abzulenken. England hingegen — in erster Linie heute wieder „Wirtschaftsmacht" — zeigt ein bedeutend lebhafteres Interesse, die ökonomischen Verhältnisse durch eine Besänftigung in der Politik zu bessern und zu glätten. Aber der Vertrag von Versailles und andere Verträge, die man Friedensverträge zu nennen beliebt hat, haben durch politische Grenzen neue Wirtschaftsgebilde geschaffen, die sich heute vor allem autonom gebärden wollen und auch die wirtschaftliche „Unabhängigkeit" durch eine Absperrungspolitik suchen und daher politische Machtstellung aus — nicht zuletzt — ökonomischen Gründen erstreben. Ist es überhaupt denkbar, daß eine wirkliche politische Entspannung der Weltlage aus Grund „friedlicher" Gesinnungen der Länder zueinander einttitt. Deutschland zwischen Zrankreich und England im Jahre chsi. Von Dr. Gustav Roloff, vrd. Professor der Geschichte an der Universität Gieren. Der heiße Sommer des Jahres 1911 brachte eine schleichende Krisis zur Entladung, die seit Jahren die Welt wiederholt beunruhigt hatte, jetzt aber Europa plötzlich an den Rand eines Krieges führte. Bekanntlich hatte die Konferenz von Algeciras i. I. 1906 einen Ausgleich zwischen den deutschen und französischen Ansprüchen in Marokko zu schaffen gesucht. Frankreich hatte ein Protektorat über das große nordwestafrikanische Sultanat erstrebt, jetzt wurden ihm und Spanien, als benachbarten und an den Zuständen in Marokko besonders interessierten Mächten, gewisse polittsche und finanzielle Privilegien unter internationaler Kontrolle zugebilligt, aber gleichzeitig die Llnabhängigkeit Marokkos ausdrücklich sestgestellt und die wirtschaftliche Gleichberechtigung aller Rationen anerkannt. Deutschland hätte gern stärkere Sicherheiten für die Llnabhängigkeit Marokkos ‘ und die wirtschaftliche Gleichberechtigung durchgeseht, konnte aber nicht durchdringen, weil es außer von Oesterreich keine Llnterstühung aus der Konferenz erhalten hatte. Cs zog daraus die Folgerung, ^daß es künftig nicht mehr wie bisher die Interessen aller Rationen wahrzunehmen und für die allgemeine Gleichberechttgung ein- Autrelen habe, sondern fich auf die Vertretung oes eigenen Vorteils beschränken müsse. Wenn also Frankreich trotz des Abkommens seine Protektoratspolitik fortsehte, so war Deutschland bereit, sich damit abzufinden, wenn Frankreich dafür genügende Kompensationen gewährte. Ein Schritt auf diesem Wege war ein 216» kommen vom Februar 1909. worin Frankreich aufs neue die Llnabhängigkeit Marokkos zu wahren und die wirtschaftlichen Llnternehmun- gen von Deutschland nicht zu beeinträchtigen versprach, während Deutschland auf jedes politische Recht in Marokko verzichtete und Frankreichs Interesse, für 2lufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung im Scherifischen Reiche zu sorgen, anerkannte. Bei loyaler Durchführung des Vertrags hätte ein friedliches Rebeneinander der beiden Mächte wohl erreicht werden können, und in Deutschland war man ehrlich bemüht, sich daran zu halten. Der Konsul in Fe^ wurde instruiert, der Kaiser wünsche ein gutes Verhältnis zwischen Frankreich und dem Sultan: „Ein solches Verhältnis ist eine der wesentlichen Vorbedingungen für eine friedliche und gedeihliche Entwicklung Marokkos, die wir zur Förderung unserer wirtschaftlichen Interessen brauchen" (17. Mai 1909). Als der Sultan eine Annäherung an Deutschland versuchte und sogar eine Kohlenstation an der Atlantischen Küste anbei, ließ man sich nicht Beirren: Bülow lehnte das Angebot als den Verträgen von 1906 und 1909 widersprechend ab und setzte sogleich Frankreich vertraulich davon in Kenntnis, um jede Mißdeutung auszuschliehen. Wenn man bei Frankreich dieselbe Gesinnung voraussetzte, so schien sich diese Hoffnung zu erfüllen. Pichon, der Minister des Auswärtigen, gab wiederholt in lebendigen Worten seine Freude über die wiedergewonnenen guten Beziehungen kund und sparte nicht mit der Anerkennung der Loyalität der deutschen Politik. Dis zu Beginn des Jahres 1911 blieben die Dinge in diesem Stadium, dann aber begann Frankreich eine Aktion, die Deutschland sogleich als Verletzung der Algeciras-Akte auffassen muhte. Linker dem Vorwande, die Autorität des Sultans und die Europäer in Fez gegen aufständische Stämme zu schützen, wurden Fez und einige andere wichtige Plätze im Innern besetzt. (Mai 1911.) Die deutsche Regierung hatte von Anfang an auf Grund von Konsulats- berichten aus Fez die Rotwendigkeit der Expedition bestritten, weil eine Gefahr für die Europäer nicht vorhanden fei, und in Paris keinen Zweifel gelassen, daß der Zug nach Fez im Widerspruch zu den Verträgen stehe, da der Sultan mit dem Verlust seiner Hauptstadt faktisch aufhöre, ein souveräner Fürst zu fein. Die französische Regierung suchte diese Bedenken zu beschwichtigen. Zunächst mit der Versicherung, man denke gar nicht an die Besetzung von Fez. Und als diese Behauptung keinen Glauben sand, mit der Erklärung, Fez solle nach kurzer Zeit, sobald Ordnung geschaffen fei, wieder geräumt werden. 2lber auch dazu hatte man in Berkin I Beistand zur Verfügung. Der englische Minister kein Verttauen. weil, wie man den Franzosen | Grey, dem durch französische Indiskretton die ' * ‘ deutsche, zur Eröffnung der Verhandlungen bestimmte. aber keineswegs endgiltige (Sortierung L Seiertag früh- >er Gleiberg. Hebern- TünSbcrg. "reffpunktllUbr üahnbrüae. schoppen CaiS Kramer. 2. Feienaa ivtreinSlokal Krokodil n llbe Tcr Vorstand. itadttheater WM, r. Avril ""«an' Sä w W «ftf» im WM «5, ,0Ä«*U fr sw; ig«n kiroj tSteSt (Aüelien: W Wtejif' M fceii, Dir eröffnen am onncrslag, btm Avril, abends ? Ubr, i>d.Schule, icestraste, unter nung des Herrn allen Giek einen Ätajsta Reichßlnrzichrin. Meldung, ui Heil des ttnlemchiil iliiiichi. 21'51) Dir VInland. Mehr Br Papieren Papieren yjs'ä ÄT °U"lI nach ört W'L und Decker Aula. T" Vorstand. 5,OU0.S Eeiusioka^ iw r. -ii hie nejamtc Welt in der Handels-, in der <■ d) i f f a 1) r t s =, in der Menschcnwande- r n n g s p o l i t i k das krasse Gegenteil einer s r e u n d s ch a s t l i ch e n Bereitschaft, vielmehr eine einseitige Absperrungs- pvlitik betreibt? Die Bereinigten Staaten von Amerika, welche so gerne den unparteiischen Zuschauer spielen, der jedoch durch 'Achselzucken, Stirnfalten und sonstige lautlose Gesten seine Ansicht bekundet, haben zu diesem Gegensatz in den Beziehungen der Länder, insbesondere in den Beziehungen Europa—Amerika auf das stärkste beigetragen. Obschon sie nach dem Kriege das gelb» reichste Land der Welt wurden, haben sie lange genug gezögert, ihr Geld wieder auszuleihen und damit die heutigen Schwierigkeiten in Europa mitverschuldet: sie haben sich gegen Europa mit höheren Zöllen als vor 1914 ummauert und damit die Bezahlung des verarmenden Europas in Waren für überseeische Nahrungsmittel und Rohstoffe erschwert: sie vermehren beständig durch ihre drakonischen und willkürlichen Einwanderungsgesetze die europäische llebervölkerung. Können sie sich wirklich wundern, wenn all diese Momente die europäische Wirt- ichaslslage chronisch erschweren, und wenn Länder, die zum Beispiel durch die Auswanderungsverminderungen getroffen werden, versuchen, die überflüssigen Arbeiter auf dem Wege des „heimischen Schulzes" stärker zu beschäftigen, indem sie ihrerseits ihre Zölle erhöhen und selbstverständlich zur möglichst unabhängigen Durchführung ihrer han- delspoli'tischen und sonstigen wirtschaftlichen Maßnahmen auch auf das emsigste bedacht sind, ihre „Stellung" als politische Mächte bei jeder Gelegenheit zu stärken? Die wirtschaftliche Jnteressenverflech- tung, die so sehr das Mittel ist, politisch pazifizierend zu wirken, wird ja durch die eigenwillige und absperrerische Wirtschaftspolitik einzelner Staaten völlig in den Hintergrund gedrängt, und es ist auch von dieser Seite gesehen, sicherlich kein Zufall, daß gerade Spanien und Polen auch die politischen Quertreiber in Genf gewesen sind. Aber Amerika ist mit dem Beispiel der ökonomischen Absperrung nach dem Kriege v orangegangen. Und sein Beispiel hat vor allem als „amerikanisches" Rezept auf die süd- amerikanischen «taaten animierend gewirkt. Bisher hat vielleicht der europäische Durch- schnittsbürger Brasilien im allgemeinen nur als das Land angesehen, „aus welchem der Kaffee" kommt. Durch das Auftreten in Genf soll vielleicht mit Absicht kundgetan werden, daß sich Brasilien als „Großmacht" fühlt. Daß es sich wirtschaftlich ganz „ame- kanisch", d. h. so entwickeln will, das; es möglichst viel aus- und so gut wie gar nichts einführt, weiß der Handelspolitiker seit langem. Brasilien ist eine Hochburg des Protektionismus. Es sucht krampfhaft alle Industrien, die es durch den Zufall des Weltkrieges, durch dessen Absperrungen und Preiserhöhungen innerhalb seiner Grenzen hochzüchten tonnte, jetzt durch enorme Zölle festzuhalten. Nicht einmal ein Rohmaterial wie Eisenerz darf ohne weiteres ausgesührt werden — wenn nicht der Exporteur dafür sorgt, daß gleichzeitig eine Steigerung der heimischen Verarbeitung gewährleistet wird. Auch ist das Maximal- und Minimalzollsystem von Brasilien seit 1923 adoptiert worden, wobei die ersteren Zölle gleich doppelt so hoch sind wie die Minimal- zölle. Dazu kommen positive Beihilfen und Subventionen des Staates für junge Industrien. Auf Vielem Wege braucht Brasilien ober eine „Stellung" unter den Mächten, die mehr ist als die eines bloßen Kaffeehändlere. So haben die weltwirtschaftlichen Dinge auch in Genf eine Bedeutung. Sie scheinen im Hintergründe zu stehen. Aber sie sind in Wirklichkeit die mittreibenden Kräfte einer politisch ausgerichteten Entwicklung. Ein Land, das politisch „auftreten" kann, glaubt sich auch wirtschaftlich seinen Partnern gegenüber „mächtig". Und je mehr ein jeder kleinste heutige Wirtschaftsstaat än der zu schmal gewordenen Tischecke des Weltmarktes reißt, um gerade sich noch einen Zipfel zu e sichern, macht er gerne die Politik seinen Zwecken -- dienstbar. Um so weiter entfernen sich die einzelnen Länder davon, die gemeinschaftlichen roirt- - fchaftlichen Nöte zum Ausgangspunkt einer Besserung zu wählen. Nach allem, was wir feit nunmehr fast jechs weltwirtschaftlichen Krisenjahren erlebt haben, scheint sich freilich das Wirtschaftsleben aller Staaten, vielleicht mit Ausnahme des glücklichen Nordamerikas, für die ihm zuteil werdende Vernachlässigung und die Mißachtung feiner internationalen Bedürfnisse schwer, immer schwerer zu rächen. Ium Schulabbcm in Hessen Der Direktor des Instituts für Körperkultur an der Hessischen Landesuniversität Herr Professor 2r. Huntemüller bittet uns um Abdruck folgender Eingabe an das Landesamt für das Bildungswesen und-den Präsidenten des Hessischen Landtags: Gießen, 12. März 1926. Infolge des Geburtenausfalles während des Krieges war die Zahl der Schulkinder in der Nach- kriegszeit ganz erheblich gesunken. In der Stadt Gießen wurdqzt diesen Verhältnisfen in der Weise Rechnung getragen, daß, unter Zugrundelegung einer Besetzung von 40 Schülern, die Klaffenzahl von etwa 95 auf 68 , d. h. um etwa ein Drittel, herabgesetzt wurde. Entsprechend der geringeren Klassen zahl wurden auch die Lehrerstellen zu 30 Prozent abgebaut, und zwar in einem Verhältnis, das 14 Prozent über dem in Hessen im Durchschnitt erfolgten Abbau liegt. Mit dem neuen Schuljahr kommt nun der erste volle Nachkriegsjahrgang 1919/20 zur Einschulung, der an Zahl den Jahresdurchschnitt der Vorkrieas- zeit ganz erheblich übertrifft, zumal durch die Einführung der Einheitsschule auch die früher in den Vorschulen der höheren Lehranstalten aufgenommenen Schüler bzw. Schülerinnen hinzukommen. Während Ostern 1913 426 Schulneulinge aufgenommen wurden, werden Ostern 1926 648 Kinder schulpflichtig. Bei Besetzung der Klasse mit 40 Schülern (diese Zahl sollte aus pädagogischen und besonders audi hygienischen Gründen nicht überschritten werden) nt daher die Bildung von 8 neuen Klassen, 4 Knaben- unb 4 Mäbchenklasfen, für bas erste Schuljahr er» Torberlid), während nur 2 Klassen des 6. Schuljahres, eine Knaben- und eine Mäbchenklasfe, infolge des kleineren Kriegsjahrganges eingezogen werben können. Auch für bie nächsten fünf Jahre ist mit einem ständigen, allerdings geringeren Zuwachs der Schü- lerzahl zu rechnen, fo bah auch wieder eine ent- sprechende Vermehrung des Lehrpersonals eintreten muß. Demgegenüber will man jetzt, in einem Augenblicke, wo gerade wieder ein Mehrbedarf einjetzt, weitere Lehrerstellen abbauen. Die geringe dadurch erreichte Einsparung wirb aber bie Schaben, bie unserer Schuljugend hieraus erwachsen, in keiner Weife aufwiegen. Die Unterzeichneten möchten daher vom ärztlichen Standpunkte gegen ein derartiges Vorgcheii ganz entschieden ihre Stimme erheben denn unsere durch das Valutaelend und die wirtschaftliche Notlage in ihrer körperlichen und seelischen Widerstandskraft schwer getroffene Jugend bedarf heute ganz besonders weitgehender Erziehungsmaßnahmen, wenn sie zu gesunden und nützlichen Mitgliedern unserer Volksgemeinschaft heranwachsen soll. Leider fehlt in den maßgebenden Kreisen noch vielfach die Einsicht, daß wir in unserem Nachwuchs das wertvollste Volksgut besitzen, und daß auf ihm die Hoffnung unseres Volkes beruht. Die unter der deutschen Jugend weit verbreiteten Konstitutionskrankheiten, wie Anämie, Skrofulose, Rachitis ufw. erfordern energische Abwehrmaßi,ahmen, daher darf, wenn es sich um die Gesundheit unseres jugendlichen Nachwuchses handelt, keine falsche Sparsamkeit Platz greifen. gez. Medizinalrat Dr. Bötticher. Professor Brüning. Professor H u n t e m ü 11 e r. Oberhefsen. Landkreis Gießen. : Aus dem Bufecker Tal, 31. Mörz. Unsere Landwirte sind fleißig damit beschäftigt, die Aussaat der S o m m e r f r u ch t vorzu- nehmen. Die günstige Witterung der letzten Tage erleichtert die Arbeiten ungemein. Hält diese Witterung an, so werden noch im Laufe dieser Woche die meisten Aecker ausgestellt werden können. Die Verwendung von Sämaschinen, wenn sich auch viele unserer Landwirte in der heutigenZeit dieselben nur „inKompagnie" halten können, läßt die Arbeit rasch vonstatten gehen. Vur auf ganz nassen Aeckern muh mit der Aussaat noch einige Tage zurückgehalten werden. : Beuern, 31 .ONärz. Da bei der Vergebung des Vuhholzes die schriftlichen Angebote zu niedrig waren, hat die Gemeindevertretung die Vergebung nicht genehmigt. Das Holz soll deshalb im Walde lagern, bis günstigere Angebote eingereicht werden. Um die Stämme vor Schaden zu bewahren, wurde das Schälen des Stammholzes an den Wenigstnehmenden vergeben. Für die drei ersten Lose, je. 50 Festmeter, wurden pro /Festmeter 48 Pfennig gefordert, für die drei weiteren Lose, ebenfalls je 50 Festmeter, beträgt der Preis 47 Pfennig für den Festmeter.. Da am vorjährigen Abtrieb im Heegwald noch viele alte Stämme lagern, dieser Platz aber demnächst wieder eingepflanzt werden soll, wurde das A b - schleifen dieser Stämme durch die Ge° meinde vergeben. Der Forderung von 1,50 Mk. für den Festmeter wurde zugestimmt. — Anschließend an diese Arbeitsvergebungen sand durch das Ortsgericht eine größere Verpachtung von Acker-- und Wiesenland statt. Die Pachtpreise betrugen für den Morgen (2500 Quadratmeter- 21 der la nö, je nach Qualität und Lage, 54 bis 77 All. Wiesenland war wesentlich billiger und erzielte, je nach Qualität und Lage, 18 bis 55 Mk. für den QHorgcn. Für einige Grundstüde, die den Taxationspreis nicht erreichten, wurde der Zuschlag nicht erteilt. Eine zum Verkauf ausgebotene Wiese von 656Quadratmetern wurde für 120 Mk. zugeschlagen. Eine zweite kleinere Verpachtung, im ganzen 6 Grundstüde, schloß sich der ersten an. rOrünberg, 31. März. In Anwesenheit des Oberlandwirtschaftsrates Dr. M a y - Darmstadt, des Regierungsrates Dr. Braun als Vertreter des Kreisamtes Gießen, und der Schüler-Eltern und -Angehörigen fand die diesjährige Abschluß- Prüfung der hiesigen landwirtschaft- lichen Winterfchule statt. Die Prüfung ergab bei allen Schülern oefte Resultate. Im Anschluß hieran hielt Dr. May eine Ansprache an bie Schüler, in ber er ihnen vortreffliche Ratschläge unb Ermahnungen für ihren ferneren Lebensweg mitgab. Zugleich sprach er sein Bebauern barüber aus, baß auch einige Landwirtschaftsämter dem allgemeinen Ab- bau zum Opfer fallen sollten. Regierungsrat Dr. Braun äußerte sich gleichfalls sehr anerkennend über bie gezeigten Leistungen unb bankte den Leb- rem unb Schülern. Ein gemütliches Beisammensein bilbete den Abschluß des Tages. — Die Mittel- ftanbsoereinigung, bie jetzt 156 Mitglieber zählt, wählte in ihrer jüngsten Hauptversammlung den Schreinermeister Gehringer zürn 1. Vorsitzenden. In einer regen Aussprache beschäftigte man sich bann u. a. mit ber baulichen Erweiterung ber Oberrealschule, dem Ankauf desSehrtschenHauses unb bie Unterbringung ber landwirtschaftlichen Winterschule in diesem Gebäude, ferner mit ber Hebung unb Erweiterung bes Gallus Marktes, bes Pferdemarktes, ber Zuchttierschau usw. Mit Nachdruck wurde betont, daß die Vereinigung sich lediglich bie Förderung des Gemeinwohls zum Ziele gesetzt hat unb in keinerlei Gegnerschaft zu anberen Organisationen stehen möchte. bs. Langd, 31. März. Zum erstenmal fand hier eine Schulentlassungsfeier statt. Sämtliche Eltern sowie ber Orts- unb Schulvorftanb hotten sich eingefunben. Lehrer Müller ließ burch Darbietung je eines Unterrichtsausschnittes aus Rechnen, Biblische Geschichte unb Geschichte die Anwesenden einen Einblick tun in den Unterricht einer im Sinne ber Arbeitsschule geführten Volksschule. Ent- sprechenbe Gebichte unb Lieder faßten die einzelnen Abschnitte ein. In seiner Ansprache wies ber Vorsitzende des Schulvorstanbes auf den Zweck bes Abenbs hin unb forberte bie Elternschaft auf, Hanb in Hanb mit ber Schule zu arbeiten. Nur so sei eine gebiegene Charakierbilbung möglich. Allgemein wurde ber Wunsch laut, öfters solche Elternabende einzulegen. Utphe, 31. März. 3m Saale ber ersten Schulklasse fanb eine Entlassungsfeier für bie diesjährigen Konfirmanden statt, zu der Eltern und Angehörige der Kinder zahlreich erschienen waren. Vach einer Veihe von Gedicht- und Gesangsvorträgen richtete der Klassenlehrer ein kurzes Abschiedswort an die zu Entlassenden. Gleichzeitig verabschiedete er sich aber auch von seiner ganzen Klasse. Denn unser Ort wird auch von dem Schulabbau betroffen, so daß nach Ostern die beiden Klassen zu einer einklassigen Schule verschmolzen Werdern Lehrer Buh wird deshalb die 2. Schul stelle in dem Vachbarort Trais-Horloff versehen, behält jedoch seinen Wohnsitz hier bei,, da in Trais die Dienstwohnung nicht frei ist. Kreis Friedberg. B. H o l z h a u s e n v. d. H., 31. März. Ein A k t unglaublicher Roheit f)at sich in ber Nacht auf Montag hier zugetragen. Auf dem Friedhos wurden von Frevlerhanb eine ganze Anzahl Gräberoerwüstet.bie Grabsteine um- gestürzt unb beschäbigi. Auch brei Kriegergräber würben bei bern Zerstörungswerk nicht verschont. In ber gleichen Nacht sind wohl von denselben Rohlin- Schach-Ecke. Bearbeitet von W. Orbach. Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaition des „Gießener A'-eiqers". Problem Nr. 54. Don G. Messing. Schwarz. 6 5 4 3 2 k a 6 8 5 3 2 4 g h b c d e t g h U M Wä b c d e Weiß. Weih zieht und seht in drei Zügen matt. Weiß: 9 Steine Kh4, Da3, Lb3, Sg8, Sh8, Bc4, Be3, Bf2, Bh6. Schwarz: 6 Steine Kf5, Sc7, Be5, Bf3, Bh5, Bh7. Partie Nr. 41. Die nachstehende Partie wurde im Gießener Schachklub im Januar 1926 gespielt. Bremer Partie. Weiß: Prof. Weißgerber. Schwarz: Dr. Leyser. 1. c2-c4 1. Sg8-f6 2. Sbl -c3 2. Sb8-c6 3. fiÄ d2-a3 3.e7-e5 4. 4. Lf8-c5 5. 5. h7-h6 6. Sgl -f3 6. d7-d6 7. 0-0 7. Lc8-g4 8. Lei -d2 8. Dd8-d7 9. a2-a3 9. h6-h5 Dieser Zug bereitet durch Qualitätsopfer die Oeffnung der h-ßinic vor: jedenfalls ein gewagtes Experiment, welches bei umsichtiger Spielführung zum Vorteil von Weiß ausschlagen muß. 10. Sc3 - a4 ? Vach Herrn Professor Weißgerbers Meinung ist hier 10. b4, nebst 11. b>5 folgerichtiger: worin wir ihm bepflichtern müßen. 10..... 10. h5-h4 11. Sa4xc5 11. d6xc5 12. Sf3xh4 12. Th8xh4 13. g3xh4 13. Sf6-h5 14. f2 — f3 14. Lg4—h3 15. Ddl-el Den Vorzug verdient hier Tf2. 15..... 15. 0-0-0 16. Del-f2 16. Sc6-d4 17. e2-e3 17. Sd4-c2 18. Lg2xh3 18. Dd7xh3 19. Tal-cl 19. Td8-d6! Mit der starken Drohung 19.....Tg64- nebst 20......Sg3-{- und gewinnt. 20. Kgl-hl Der einzige Zug, aber er genügt um die Partie zu retten. 20..... 20. e5-e4 21. d3xe4 21. Sh5-g3+ 22. Df2xg3 22. Dh3xg3 23. h2xg3 23. Td6xd2 Vach dem Generalaustausch hat Weih nun ein klar gewonnenes Endspiel zurückbehalten. 3m folgenden gibt er die Qualität rechtzeitig zurück, um mit dem h-Dauern siegreich' vorzudringen. 24. Khl-gl 24. Sc2xe3 25. Tfl-f2 25. Td2-d4 26. g3-g4! Richtig gespielt. Die Deckung des Dauern c4 ist nicht nötig, da der g- und h-Dauer übermächtig werden. 26..... 26. Se3Xe4 27. h4-h5 27. b7-b6 Um bar Drohung 28. Tf2-c2 zu begegnen. 28. Tclxc4! 28. Td4xc4 29. g4-g5 29. Tc4-d4 30. e4-e5 30. Td4-h4? Dies verliert ein Tempo, aber auch nach 30.... ^ Td8 wgr die schwarze Pattie unhaltbar. 31. Tf2-h2 31 Th4-d4 32. Kgl - f2 Da der schwarze König die d-Qinie nicht passieren kann, wegen h6 usw., benutzt Weist diesen Augenblick, um seinen König zum Schluß- kampf heranzuführen. 32 .... 32. Td4-d8 33. h5-h6 33. g7xhö 34. g5Xh6 34. Td8-h8 35. h6-h7 35. Kc8-d7 36. Th2-h6! 36. b6-b5 37. Kf2-e3 37. a7-a5 38. Ke3-e4 38. c7-c6 39. Ke4 - f 5 39. Kd7-e7 40. Kf5-g5 40. c5-c4 41. Th6-hl 41. b5-b4 42. a3-a4 42. c4 - c3 43. b2xc3 43. b4xc3 44. Kg5-h6 44. Ke7-e6 45. Kh6-g7 Aufgegeben. Vach dem Austausch auf h7 entscheidet 47. Tdl nebst Heranbringung des weißen Königs. Lösung des Problems Vr. 54. Don M. Kennard. 1. Dd2-g2, Ke6: 2. De4+ etc. 1..... Kf4 2. Lg54- etc. 1..... fe: 2. Sg6+ etc. 1....., f6 2. Lc7 + etc. 1. ...., f5 2. Sf7+ etc. 1.....,2. Dd5+ etc. Aus der Schachwelt Semmering-Schachturnier. Aus der 14. Runde des 3nternationalent Panhans - Turniers ist als besonders wichttg hervorzuheben, der Sieg Spielmanns über den Spitzenreiter Dr. Tartakower. Hierdurch ist ee an die erste Stelle getreten. Spielmann scheint in großer Form zu sein. Gegen Dr. Vayda verlor Rubinstein eine Figur und muhte im 63. Zug« aufgeben. Dr. Tarrasch, welcher bisher von Vo- felli in drei Turnierpartien besiegt worden war» konnte zum ersten Mal einen Pluspunkt erreichen. Trotz der ungleichen Läufer konnte Äimzowitsch einen feinen Sieg gegenüber Rett im 69. Zugs erzwingen. Stand nach der 14. Runde: Spielmann IO1/», Aljechin, Vimzowitsch und Tartakower je 1Ö, Vidmar 91/», Tarrasch 8l/s. Rubinstein 7 + H, Rett 7V2, Grünfeld und Trehbal je 7, 3anowfki 6 + H, Vayda 6*/-, Davidsohn und Gilg je 51/2, 3ates 5 + 2 H, Michel 4*/2, Kmoch 31/-.- und Voselli 1/2. Spielmanu Sieger im Semmering-Schachturnier. Das 3nternationale S e m m e r i n g-S ch a ch- tu rn ier hat mU dem Siege Spielmann s mit 13 vor Aljechin mit 12Vz Punkten geendet. Die Entscheidung ist erst in Spielmanns letzter Partie gegen Aljechin gefallen, die Remis endete. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedakttonStisch. Vink mit dem Zaunpfahl. „Nein, bu liebst mich nicht mehr!" ruft sie unter, Tränen aus. „Aber doch, mein Liebling", tröstete er. „Wie kommst bu nur auf ben Gedanken?" „Unmöglich!" ruft sie. „Kein Mann kann eine Frau lieben, bie ein fo unmobernes Kleib anhat." Zerstreut. Bettler: „Helfen Sie mir, lieber Herr! ich bin achtzig Jahre alt! Arzt: „Ja, bagegen kann ich leider auch nichts machen!" • gen die an der Straße von Holzhausen nach Seulberg lagernden Drainagerohre der Gemeinde Holzhausen demoliert worden. Das Vorkommnis wurde erst am nächsten Morgen nach der Ausübung der Tat entdeckt, so daß die Frevler unerkannt ihr Werk vollenden konnten. Doch spricht der Umstand der Verwüstungen dafür, daß es sich um eine Reihe von Tätern handelt. Die Nachforschungen wurden sofort angestellt, so daß zu erwarten ist, daß die Tat bald volle Aufklärung findet. Kreis Büdingen. '—/— Orten b et g, 31.März. Nach Ueberfieb= lung des Lehrers Kraft nach Bleichenbach wird Lehrer Earl- Eckartsborn nach den Osterferien die oberste Schulklasse übernehmen. Die Stelle war seit 5 Jahren durch den Schulverwalter Roß versehen worden, der in diesen Tagen seinen Abschied von der ihm liebgewordenen Gemeinde nahm. Die Gemeinde bereitete ihm verschiedene Ehrungen. Der Gesang, verein „F r o h s i n n", den Lehrer R o ß in den letzten 3 Jahren leitete, ernannte ihn in Anerkennung seiner großen Verdienste um den Verein zum Ehrendirigenten, der Stadt- und Schulvorstand überreichten dem Scheidenden nach einer An- sprachedes Ortsgeistlichen ein Ehrendiplom, die Schulkinder hatten bereits am Morgen eine Abschiedsfeier veranstaltet und schone Geschenke gestiftet. Lehrer Roß ist zunächst mit der Versetzung der Stelle in Köddingen beauftragt worden. — Eine der schönsten sozialen Einrichtungen unserer Gemeinde, die K l e i n k i n d e r s ch u l e, ist durch die Entwertung ber Derschschen Stiftung (einst 30 000 Mk.) sehr in Bebrängnis geraten. Bisher war es burch bie große Opferwilligkeit ber Gemeinbe unb der Eltern möglich, die Schule zu erhalten. Demnächst soll zum Besten der Schule eine Wohltätigkeitsveranstaltung stattfinden. AusdemViddatal, 31. März. Seither war es der Deutschen Turnerschaft schwer, in den kleineren Dörfern unseres Tales Eingang zu finden, weil vielfach dort die Meinung vorherrschend war, man sei den großen Aufgaben nicht gewachsen. Vachdem aber der Eintritt Unler-Schrnittens dieses Vorurteil völlig entkräftet, gedenken auch die Turnvereine von E i ch e l s d o r f und Rainrod der Deutschen Turnerschaft beizutreten. Zu einem Werbe- abend in Rainrod war die 1. Musterriege des Turnvereins V i d d a erschienen, die mit ihren bekannt glänzenden Leistungen aufwartete. Der örtliche Verein bot neben turnerischen Darbietungen mehrere ernste Theaterstücke, die sehr beifällig ausgenommen wurdem Man hofft, daß durch die Unterstützung der größeren Vereine auch die kleineren bald in der Lage sein werden, leistungsfähige Glieder der Deutschen Turnerschaft zu sein. — Um die durch den Stillstand der Staffelschen Papierfabrik arbeitslos Gewordenen beschäftigen zu können, läßt die Gemeinde Unter-Schmitten einen Teil deS nach Michelnau führenden Weges chauffieren. Die Arbeit ist bereits im Gange und der Weg für den Fuhrwerksverkehe gesperrt. — Der Kur- und Verkehrsverein Vidda-Dad-Salzhausen wurde wieder ins Leben gerufen. Vorsitzender ist Geheimrat Römheld zu Vidda. Kreis Schotten. Gebern, 31. März. Da bie Gemeinde zur Zeit nicht in ber Lage ist, bie vielfach verbesserungsbedürftigen Feldwege herzustellen, haben sich die hiesigen Landwirte bereit erklärt, die Ausbesserung selbst vorzunehmen. So wurde bereits der Weiße Steinweg in benutzungsfähigen Zustand gebracht. Kreis Lauterbach. Lauterbach, 31. März. (WSR.) 3nr benachbarten Dorfe Landenhausen stürztcb das dreijährige Kind eines Bauführers, dessen Mutter gerade mit Gartenarbeiten beschäftigt war, in einem unbewachten Augenblick in eine Beton röhre, die als Wasserbehälter benutzt wurde. Als die Mutter einige Zeit später das Kind suchte, konnte sie nur noch dessen Tod feststellen.' Starkenburg. WSV. Auerbach a. d. B, 31. März. Die hiesigen M a in m u t f u n d e. die bekanntlich überall großes Aufsehen erregten, haben jetzt auch die Amerikaner auf den Plan gelockt. Vachdem sich die Museen einiger deutscher Universitäten um den Erwerb des Mammuts bemüht haben, ist jetzt eine bedeutende amerikanische Universität in den Kreis der Bewerber getreten. Ob der amerikanische Vorschlag, trotz verlockender Angebote, Aussicht auf Erfolg hat. ist jedoch zweifelhaft. Es sind Bestrebungen im Gange, den seltenen Fund möglichst der engeren Heimat zu belassen. 3n diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, daß bat mir, lieber Herr! ich ich leider auch nichts erkg^chachtornier. lmering-Tchach- je LdielmannS 121/} Punkten gc« ift in Spielmanns lefaßen, die Aemis 8 Ar. 54. Mb. ■ etc. etc. 1c. tc. toppe. ! ÄedakttvMkch, unpiahi. mehr!" nist sie imlev Liebling", tröstete er. n Gedanken?"' „Un= inn kann eine Fran Kleid anhat.' Belt, nrnier. ^^rwatwnal«! be'vnders mickti» elmannS über den Ludurch ist et ,che^ Dr. Ahda der. muhte nn 6Z. Zu« er bisher von Ao. ^>egt worden war. Pluspunkt erreichen, onnte Aimzowitsch m im eg. 3ugt 4. Runde Spiel- oitsch und Tarta. crasch 8l/2, Rubin- Feld und Treybal )a G/,, Davidsoha -2H, Mchel 4|Z;, :3x<4 -bß 4/d4 l4~h4? IS "°ch 30 !■' äjt'Ä ?4~d8 Xh6 dMs ?-d? b-b5 l'a5 f~c6 ;d?-e7 >-c4 >~b4 -c3 M**- e?~e6 wag b-atFlk «- Ich »en. Dan W> r größeren W « Lage sein wecken, Deutschen Tarner- durch ibrif arbeitslos ;äWäS hrJ>*2 11 r n u l e n wurde Vorsitzender 'S Hibba. ft AW -ach. ,u ,WSÄ. Paulen « @attenor6e^.jiic£ ewEAer- bie aw s Mutter . K onnte üe xb Iw**' •Uen. ??s-s ne a me r m-iperbe» rss? ps** Frankfurt a.M. Tatmt: | 3L X 0,425 98,5' 81,5 I a. M. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt die Die 94 145,5* 88 86 50 113,75 90 41 125 56 62,5 0,405 0,375 0,480 0,250 0,375 0,37 96,5 99,85 11,9 । 162' 158' um 0,4 Prozent zurückgegangen. • Herabsetzung des Zinsfußes für langfristige Anlagen. Don zuständiger Seite wird dem WTD. mitgeteilt: Die vor einigen Wochen erfolgte Herabsetzung des Reichs- bankdiskontsatzes von 9 auf 8 Prozent hat den Anstoß zu einer, wenn auch langsamen Senkung des allgemeinen Zinsniveaus gegeben. Nachdem diese Entwickelung gezeigt hat, daß es sich voraussichtlich nicht um eine vorübergehende Erscheinung handelt, worauf übrigens auch die neuerliche Herabsetzung des Neichsbankdiskont- sahes auf 7 Prozent hindeutet, hat die Reichs- regierung nunmehr den Zwischenzins, der bei vorzeitiger Rückzahlung aufgewerteter Hypotheken und Industrieobligationen in Abzug gebracht wird, auf 8 Prozent herabgesetzt. Auch der übliche Zinsfuß für die Hypotheken und Grundschulden, die der Eigentümer an der ihm vorbehaltenen freien Rangstelle eintragen lassen kann, ist von 11 auf 10 Prozent herabgesetzt worden. Sofern die neuerliche Ermäßigung Des Reichsbankdiskontsatzes ihre Wirkung auf den allgemeinen Zinssatz für längerfristige Anlagen 106,5' 97,75* 95,4* 122' 55,25 57 Mark Stamm- und 5000 Mark Vorzugsaktien- kapital arbeitende Eescllschast erzielte 1924 25 nach 39 282 Rm. Abschreibungen 39 701 Rm. Reingewinn, über dessen Verwendung der Bericht nichts mitteilt. Eine Dividende wird wieder nicht verteilt. Peters Union A - G., Frankfurt a. M. In der gestrigen Aufsichtsratssihung der Peters Union A.-G. wurde beschlossen, der zum 5. Mai d. Is. cinzuberusenden Generalversammlung aus einem Reingewinn von 1 018 686 Rm. die Verteilung einer Dividende von 8 Prozent in Vorschlag zu bringen. * Mitteldeutsche Creditbank. In unserer Rotiz vom Montag über die Generalversammlung ist die Höhe der Dividende für das abgelaufenc Geschäftsjahr falsch angegeben. Richt 9 Proz., sondern 8 P r o z. sind als Dividende fesrgeSkl't worden. ‘Bötfentnrle. 98 101' 7,2 0,038 92,25 63,5 47,5' 98 100.5' 107' 132 64,75 48.25' 102' 104,5' 110.2' 134,5' 138,5' 39,75 50' 86,25' 95,12* 100 Telegraphische Auszahlung. 49 104 82 91 145' 90.25 *9.75 86.5 121 106,7' 95 90,25 96.5' 122 55 56 32 41 0.3825 0.425 0.475 10,5025 0,2425 — 0,385 — Lebenshaltungskosten im März. Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten ist nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats März mit 138,3 gegenüber dem Vormonat 138,8 ; 107,5' 100' 93,9' 120.7' 139,5' 83 79,5 81,5 118.75 104,2' 97' 92,5 93,25 117,75 53,5 55,9 0,410 0,4325 0,395 Wirtschaft. Die Reichsindexziffer für Berlin, 1. April. Die O st e r ° H a u s s e rahm bei Börsenbeginn nicht ihren gestrigen sprunghaften Fortgang. Die führenden Termin-Aktienmärkte behaupteten jedoch ihren Stand und wurden wäh- ausgeübt haben wird, wird die Reichsregierung nicht zögern, auch jene Zinssätze entsprechend weiter zu senken. • Zinser Mäßigung der Deutschen Rentenbank und Rentenbankkredit- a n st a t t. Die Deutsche Rentenbank und die Deutsche Rentenbar.kkrcditanstalt ^Landwirtschaft- liche Zentralbank) haben im Anschluß an die Diskontermäßigung der Reichsbank beschlossen, eine weitere Zinsermähigung ihrer Personalkredite eintreten zu lassen. Die Zinsermäßigung, die am 1. 4. in Kraft tritt, soll sich dem Landwirt gegenüber wie folgt auswirken: Der bisher festgesetzte grundsätzliche Höchstzinssatz, den der Landwirt zu zahlen hat, wird um 1 Proz. pro Iahr herabgesetzt, d. h. von 10,5 auf 9,5 pro Iahr, worin alle Unkosten und Provisionen mit Ausnahme des Wechselstempels enthalten sind. Die Erinäßigung tritt, soweit Lombard- oder laufende Kredite gegeben sind, mit Wirkung ab 1. April d. I. in Kraft. Sofern es sich um Wechselkredite handelt, bei denen die Wechsel bereits abgerechnet sind, greift die Zinsermähigung, soweit ein Wechsel nicht länger als drei Monate über den 1. April hinaus läuft, bei der nächsten Prolongation, im anderen Falle, vom 1. April ab, Platz. ♦ Deutsche Rentenbank-Kredit- anstalt (Landwirtschaftliche Zentralbank). Die Deutsche Rentenbank-Kreditanstalt legt jetzt ihren Geschäftsbericht für daS Iahr 1925, das erste ihres Bestehens, vor. Das Kapital der Anstalt ist bis zum Schluß des Berichtsiahres um 25 Millionen Reichsmark erhöht worden, die ihr von der Reichsbank aus Grundschuldzinsen zur Verfügung gestellt wurden, und beträgt danach 195 Millionen Reichsmark. Zur Bilanz und zur Gewinn- und Verlustrechnung ist zu bemerken: Die Personalkredite belaufen sich auf 169,8 Millionen. Aus der Amerika-Anleihe sind gegen geeignete Deckungsunterlagen bis zum 31. Dezember v. 2. 68,1 Millionen Realkredite ausgezahlt worden. Die Anleihe von 25 Millionen Dollar, die jederzeit in voller Höhe gedeckt sein muh, ist durch diese bis zum 31. Dezember d. I. abgerechneten Hypothekaranleihen und durch den bei der Reichsbank noch verbliebenen Teil des Anleiheerlöses von 36,9 Mill, voll gedeckt. In der Gewinn- und Verlustrechnung stehen den Zinseinnahmen aus Personal- und Zwischenkrediten in Höhe von 5,7 Millionen Reichsmark Handlungsunkosten mit 417 800 Reichsmark gegenüber. Der Reingewinn in Höhe von 5,3 Millionen Reichsmark soll gemäß dem Vorschläge des Vorstandes nicht zur Erhöhung des Kapitals dienen, sondern mit 25 Prozent der Hauptrücklage und mit dem Rest den zur Sicherung der Inhaber von Schuldverschreibungen der Anstalt dienenden Sonderzulagen zu- geführt werden. * Deutsche Rentenbant. Der Jahresabschluß 1925 weist folgende wichtige Posten auf: Der Bestand an Rentenbriefen beläuft sich auf 1,7 Milliarden gegenüber einem auf der Passivseite ausgewiesenen Umlauf an Rentenbankscheinen von 1,6 Milliarden Reichsmark. Der Bestand an Rentenbriesen war daher am 31. Dezember größer, als zur Deckung erforderlia). Das Darlehen an das Reich steht mit 1,1 Milliarden zu Buche. Die Summe der noch laufenden Wirtschaftskredite, die je zur Hälfte bis zum 1. Dezember 1926 und bis zum 1. Dezember 1927 abzuwickeln sind, beläuft sich auf 586.9 Millionen Reichsmark. Rach der Gewinn- und Verlustrechnung ergibt sich ein Reingewinn in Höhe von 85,1 Millionen Reichsmark. Es wird vorgeschlagen, von t>em Reingewinn 25,1 Millionen Reichsmark zur teilweisen Sicherung der schweren Verpflichtungen zurückzustellen, dä die Deutsche Rentenbank am 1. Dezember d. I. 293,4 Millionen Reichsmark an die Reichsbank zu zahlen hat, und mit der Gewinn-Reserve aus 1924 auf neue Rechnung vorzutragen, ferner den über- schießenden Betrag von 60 Millionen auf die Deutsche Rentenbank-Kreditanstalt zu übertragen. * Weiterbetrieb früherer Stranes - Eisengese1l s ch aften durch die S t i n n e s G. m. b. H., Mülheim-Ruhr. Bekanntlich befindet sich die Stinnes A. G , Mül- heim-Ruhr in stiller Liquidation, und auch die ihr angeschlossenen Gesellschaften sind größtenteils abgestohen bzw. aufgelöst worden. Soweit dies nicht der Falt ist. wurden die Beteiligungen von der Hugo Stinnes G. m. b. H., Mülheim übernommen, um sie abzustohen. Wie der DHD. bereits berichtet hat, wird aber das Eisenwerk Reisholz G. m. b. H. weitergeführt und nicht ab- geflohen werden. Runmehr s ollen auch noch weitere Gesellschaften aus dem früheren Besitz dec Stinnes-Eisenaktiengesellschast mit Hilfe des Stützungskonsortiums weitergeführt werden. Die Eisenhandels A. G. Weil & Reinhardt, Mannheim, die mit einem AK. von 1 Mill. Rm. arbeitet, ist vollkommen umorganisiert worden und arbeitet, den Zeitverhältnissen angemessen, befriedigend. Alle Verkaufsverhandlungen sind abgebrochen worden, sodah die Majorität der Gesellschnst, die früher im Besitze der Stinnes Eisen A. G war, nunmehr weiter im Besitz der Stinnes G. m. b. H., verbleiben wird. Auch die Eisenlager G. m. b. H., Essen, die auf einem der Gesellschaft Matthias Stinnes gehörigen Grundstück e.richtet und erst vor ca. I1/« Iahren fertiggestellt worden ist. wird als Eisenlagerfabrik weitergeführt und' arbeitet zufriedenstellend. Zusammen mit dem bereits erwähnten Eisenwerk Reisholz wird die Rhein-Lenne G. in. b. H. vorrn. Breuers & Wolff in Anrath weiter betrieben Verden, nachdem auch hier eine durchgreifende Umorganisation durch geführt worden ist. sodah ein beiriedigender Geschäftsgang festgestellt werden kann. Alle diese Gesellschaften werden nunmehr, wie angedeutet, voraussichtlich im Besitz der Stinnes G. m. b. H., Mülheim-Ruhr verbleiben. * Brauerei Steinhäuser Winde ck e r A. - G., Friedberg. Die mit 680000 5% Deutsche RcichSanlethr 4% Deutsche Reichsanleibe ■ 3'l,°/n Deutsche Rcichsanlctbe 3% Deutsche RcichSanlcibe Deutsche Sparpramienanleihe 4% Preußische KonsolS • • • 4° o Hessen 3*/a0/n Hessen...... 3% Hessen ......... Deutsche Dertb. Dollar-Anl. dto- Doll -Schav-Anweiing.') «•/o Hontärfen......... 5% Toldmerikaner ... . Berliner Handelsgesellschaft - Commerz- und Prtvat-Bank Darmst. und Naiwnalvank Deutsche Bank....... Deutsche BeretnSbank .... TiSconto Commandir . • MelaUbank. Mitteldeutsche Creditbank. £eficnrid)h"d)c Kreditanstalt Weltbank ....... Bochumer Guß . Buderus ....... Caro Deutsch-Luxemburg ..... Gelsenkirchener Bergwerke. . aencr Bergbau . ... verke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln Laurahütte ...... Oberbedarf ........ Phönix Bergbau Rheinuabl ...... Riebeck Montan Tellus Bergbau . . Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . . . Cveramische Werke Albtu . . Zementwerk Heidelberg . . . Pbilivv Holtmann .... Anglo-Cont.-Guano . Chemische Mayer Alapin . . ff. G. Farbenindustrie. A.-G. Goldschmidt Holzverkohlung PütgerSwcrke Scheideanstalt Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Beemnann ......... 9.1 'raftwerk S lert Clemens & Halske ..... Adlerwerke Kleyer ...... Daimler Motoren. ...... Heyligenstaedt ....... Meguin Motorenwerke Mannheim Kröntfurtet Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . . Metallgesell chaft Frankfurt. Pet. Union A.-G. x . . . . . Schuhfabrik Herz Sichel *. ^ellsto'i Daldhof...... Zuckerfabrik Frankenthal . . /Zuckerfabrik Waabäulel • . . 99,2 । 102' 7.3 0.04 I 99' ' 65,5 18 103,5' i 106,5' 111' 135 1 benachbarte Bensheim ein Museum besitzt, das schon manchen fossilen Fund in seinen Mauern birgt. Eine Bereicherung durch ein Mammutskelett käme der ganzen Bergstraße zugute. Neue Goldsunde im Odenwald. HeHpenheim, 1. April. WSR.) Nachdem vor einigen Sagen bei Grafenhausen i. O. stark goldhaltiges Erz gefunden wurde, sind nun beim Abbau eines Steinbruches am Ostabhang des Melibocus in den vulkanischen Granit- und Gneislagern Goldgänge von beträchtlicher Ausdehnung entdeckt worden, die nach vorsichtiger Schätzung von Sachverständigen eine Ausbeute von etwa 80 Tonnen Gold ergeben werden. Der Bewohner der nahen ustd weiteren Umgebung hat sich ein wahrer Goldrausch bemächtigt. In endlosen Scharen pilgern Tausende zu dem Goldeldorado, in der Hoffnung, ihr Glück zu machen. An der Fundstelle, die in weitem Umkreise durch Schupo abgesperrt ist, ist es zu erregten Tumulten und Zwischenfällen gekommen, bei denen mehrere Personen mehr oder weniger ernstlich verletzt wurden. Die wissenschaftlichen Sachverständigen stehen vor einem Rätsel, da Goldfunde in diesen Gesteinsschichten bisher nicht bekannt waren. Man spricht in diesen Kreisen die Vermutung aus, daß verschiedene Erdentstehungstheorien dadurch unhaltbar werden. - Wie verlautet, handelt es sich um einen1 Steinbruch im Besitz des Freistaates'H es- sen, so daß die Finanzkalamitäten unseres Hessenlandes wohl ein für allemal ihr Ende erreicht haben. Preußen. Kreis Wetzlar. Wetzlar, 30. März. Die gestrige Stadtoerordnetensitzung brachte als Ueber- raschung den Antrag der bürgerlichen Parteien, mit Ausnahme der Demokraten, auf Vertagung der (ftatberatung. Es war bereits im Laufe des Sonntags bekannt geworden, daß am Samstag eine interfraktionelle Sitzung der Bürgerlichen stattgefunden hatte, 3u der jedoch die Demokraten nicht erschienen, trotzdem von feiten des Führers dieser Fraktion weitestgehende Steuerwünsche vorgebracht worden waren In dieser Sitzung erschienen noch Vertreter einer größeren Anzahl hiesiger Firmen, um auch ihrerseits zu den von der Stadtverwaltung oorgeschlagenen Gewerbesteuersätzen Stellung zu nehmen. Das Ergebnis dieser interfraktionellen Besprechung war dann der Antrag auf Vertagung der Etatberatuna um in weiteren Verhandlungen, besonders im Finanzausschuß, bessere Grundlagen zur Deckung des Fehlbetrags im Haushalt zu finden. Ob das gelingen wird' ist eine andere Frage, jedoch kann man an= nehmen, daß die bürgerlichen Parteien nunmehr mit positiven Vorschlägen hervortreten werden. Die Situation für die Stadt Wetzlar ist zur Zeit schwierig, und man muß dem Sprecher der Deutschen Volkspartei zustimmen bei seiner Ermahnung, mit allem Er-st und dem Willen zur größten Sparsamkeit diesen Etat gerade mit Hiücksicht wf die heutige Notzeit einer nochmaligen Prüfung zu unterziehen. Wenn auch die von dem Beig. Richard errechnete Summe von 100 000 Mark, die noch gestrichen werden könnten, reichlich hoch erscheint, — ein anderer Stadtverordneter soll sogar vorher von der doppelten Summe gesprochen haben, —so wird man doch anderen Mitgliedern glauben können, die von einer Ermäßigung des Fehlbetrags um etwa tfO 00 0 Mark durch Verminderung auf der Ausgabenseite nub Erhöhung einzelner Einnahmeposten sprechen. Dieser Meinung dürfte z. T. auch der Bürgermeister fein, denn sein Widerstand gegen den Vertagungsantrag wäre nach den Erfahrungen bei anderen Gelegenheiten sonst sicher schärfer gewesen. Maingatt. Frankfurt a. M., 31. März. . Her.ue n. Apotheken am2.4.2(i Dr .Ntewltz. Dr. Bloch. Engelapoiliekc. Zahnarzt: Dr .storferberf. ’D 154,4' i153,2* 114.5' ; 115' 135' ! 139' 136,52 137,5' 8' । - 152,7' ।133,2* 101,7' i 102' 7,- 7,12 93,5 । - 99,6 - 11.95 11,95 11,4 40,5 157 I - 114.5' । 115' 137,5 139,5' 136,5' 137,1' 87 132,5' I 135,25 111,5 90 85,75 3,5 123 57 61,5 1.4 0,434 139,75 188,5 38.5 । 38.25 50.5' | 46,9 86 75' I 83,25" 91' 1 X6,5' 101,5'| 94,75 731 73 31 Mürz. 1 April. Amtliche Noki rung (5tc(b_: Briet Amtliche Notierung Keld Brief ilmtt.-ytoti «uen.Airet Brss.-Antw Christinnia .R open bogen Stockholm Helüngfors Italien - London - Neuyork . Paris. . . Schweiz • Spanien ■ Japan . ■ ■ 8io de Jan Wien in D-- Ceft- dbgeft Prag . . Belgrad . . Budapest. . Bull arien Lissabon Danzig. . Konst ntln. Alben Canada. . Uruouon 168.23 1,656 15.715 90,01 109,96 112,49 10,557 16,88 20,394 4,195 14.445 80,805 59,08 1,935 0,592 59,22 12.418 7,387 5,871 3,015 21.245 80,87 2,117 5,54 4,188 4,255 B 168,65 1,660 15,755 90,23 110,24 112,77 10,567 16,92 20,446 4,205 14,585 81.005 59,22 1.939 0,594 59,36 12,458 7,407 5,891 3,025 21.295 81.07 2,127 5,56 4,198 4.265 3 n f n o i e 168723 1,660 15,16 89,27 - 109,98 112.48 10,557 16,88 80,899 4,195 14,56 80,80 49,15 0.593 59,25 12,418 7,384 5,871 3,02 21.241 80.89 2,125 5,50 4,186 4,255 n. 169,65 1,664 15,20 89,79 110,26 112,76 10,597 16,92 20,451 4,205 14,96 81,00 49,29 0,595 59,39 12,458 7,407 5,891 3,03 21.295 81,39 2,135 5,52 4,196 4,265 B-rlm. 31 März | (8e(b , Briet Amerikanische Note» ..... 4,174 4,194 Belgische Noten ...... 15,68 15,76 Dänische Noten ....... 109,72 110,28 Englische Noten........ 20,355 20,455 ^raiuosilche Noten ..... 14,58 14,66 Holländische Noten ..... (italienische Noten...... 167,78 168,62 16,92 17,00 Norwegische Noten ... 89,77 90,23 Deutsch Lesterr , ä ioß Kronen 59,08 59,38 Rumänische Noten ..... 1,72 1,76 Schwedische Noten..... 112.25 112,81 Schweiler Noren ..... 80,71 81,11 Spanische Waren ..... 59,00 59,30 Tschechoslowakische Noten • ■ 12,885 12.445 Ungarische Noten 5.85 5.89 Berliner Börse. Tranj M vom 3unm ^nun uml glei D€T öb titen A ‘pnnie Unb m horchen oerb, H-S.ü Zvsami iung Mitt voraus Ichen d bas Ü "'cht seine Allem die 2 dritten bisfieri «ek 'M bi, möglidj lenlehte nehmen Hi tiaarbr 0,5 Jein Auch Hii 2-1 A-«L ”'630101 Boro SIMMs Am 2. Osterfeiertage 022« GWe WM, Bekanntmachung. Für die Erneuerung der Umzäunung der Tennisplätze 5, 6 und 7 an der Liebigs« höhe sollen die Schlosserarbeiten vergeben werden. Angebote sind spätestens bis 10. April 1926, vormittags 10 Uhr an das Stadtbauamt abzugeben. Daselbst sind Angebotsvordrucke erhältlich. Zu- schlagsfrist 3 Wochen. 29658 Bietzen, den 29. März 1926. Stadtbauamt Bietzen. Braubach. Der Voranschlag der Gemeinde Hausen für 1926 Rj. liegt vom 1. April I. F., eine Woche lang auf der Bürgermeisterei zur Einsicht der Interessenten offen. Während dieser Zeit können Einwendungen vorgebracht werden. "^S^st die Erhebung einer Umlage beschlossen worden, zu der auch die Ausmärker betzutragen haben. Hausen, den 1. April 1926. Bürgermeisterei Hausen: Happel. 2976V Fehlerberichtigung. Bezüglich des Stammholzsubmissionsangebots vom 27. März ist ein Fehler unterlaufen infolge Nichteinsetzung des Kommas,' die beiden letzten Zahlen der verschiedenen Holzklassen sind mithin als Hundertteile anzusehen 2956V Rodheim, den 31. März 1926. _________Hessische Bürgermeisterei. Bekanntmachung. Der vom Gemeinderat beratene Voran« schlag für das Rj. 1926 liegt vom 1. April lsd. js. an eine Woche lang auf der Bürger« meisteret zur Einsicht offen. Einwendungen können daselbst schriftlich oder mündlich oorgebracht werden. Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. 2968V Lumda, den 30. März 1926. Der Bürgermeister. Schultheitz. Mund Btennöoljoetiielfleröng. Freitag, den 9. April 1926, vormittags 9 Uhr. in der Krug sch en Wirtschaft zu Atzenhain aus den Forstorten Vorderster Winkelkopf, Seilbach l, 2. Sauplah, Hegberg, Schmidtbusch 2, 3. Gr. Finkenwald, Streithainskopf 3 und Timmelberg 2, 3, 5, 8, 9, 10, 11 der Försterei Atzenhain: Stämme: 6 Eichen 3. Kl. — 6 Fstm. (in Timmelberg 9 und Hegberg). 24 Eichen 5. und 6. Kl. — 9 Fstm. 5 Buchen 1. bis 3. Kl. — 7 Fstm. (Timmelberg 8 und Seilbach 1). 1 Birke 4. Kl. ----- 0,6 Fstm. Kiefern: 7 Stück 3. Kl. — 6 Fstm.. 15 Stück 4. Kl. = 10 Fstm., 45 Stück 5. Kl. = 18 Fstm. Fichten: 2 Stück 2. Kl. = 4,5 Fstm., 10 Stück 3. Kl. = 15 Fstm.. 12 Stück 4. Kl. = 13 Fstm., 68 Stück 5a» und 5b»Kl. — 24 Fstm-, 10 Stück Douglasfichten (4.-5b-Kl.) = 3,3 Fstm. 62 Fichtenderbstangen = 6 Fstm. 2 Am. Eichennutzscheiter rund (1,25 Mir. lang), 23 Am. Fichtennuhreistg (in Schichten). Ferner Brennholz: Scheiter. Am.: 250 Buchen, 2 Hainbuchen (rund), 22 Eichen (17 rund), 28 Kiefern gend will ihre Kräfte der 1. Mannschaft Rodheims gegenüber messen. Ob sie sich nicht etwas zuviel zugemutet und hinterher das Aach- sehest haben? Vielleicht gibts auch eine lieber» raschung! der Gaumeister T. u. Spv. Butzbach unterlag. Aun sind die 6 Mannschaften um die Kreisln e i st c r s ch a f t ermittelt, und diese lieferten sich schon die ersten Treffen. 5>ier Cndkampf wird im Pokalsystem ausgespielt und führte am letzten Sonntag Lv. Griesheim (Darmstadt) und Lv. Ai cd a. Main zusammen, das der Aculing Griesheim mit ■': 3 für sich entschied. 3n Wiesbaden trafen sich Lv. Seckbach und Tgmd. Aeuwied. Aeuwied war gefürchtet, und die Möglichkeit einer Niederlage des Altmeisters Seckvach möglich. Di.ser, mit seiner verjüngten Mannschaft, schlug Aeuwied jedoch in flottem Spiel 5: 1 (3:1). 3n Oberstetn fand das 3. Vorspiel statt, das Lv. Algenrodt (Saar) und Tg. S ch i e r st e i n (Rhein) zusam- lnengeführt hatte und von letzterem mit 2:1 ge» Die Entscheidung liegt nach wie vor zwischen Alten- essen und Köln, zwei Mannschaften, denen fo lercht keiner Meistcrfchaftsehren zugedacht hatte. Da der Unterlegene aus diesem Rennen zugleich zweiter Vertreter des W. S. V. wird, kann der dritte Platz nur noch für Düsseldorf und den Duisburger S.D. in Frage kommen. „ In der „Runde der Zweiten fetzte Essen Schwarz-Weiß seinen Siegeszug fort. Diesmal mußten die anfangs favorisierten Duisburger 08er mit glatten 4:0 daran glauben. Kurhesien Kassel ließ sich, trotzdem sie gegen Osnabrück die Besseren waren, mittels zwei Elfmetern 4:3 schlagen. Des Nordens Elite traf sich nur in einem Kampf zwischen Hamburger Sportverein und Arminia Hannover. Mit 4:4 entstand ein ungewohntes Aesultat, das den H. S. V. stark benachteiligt. Holstein Kiels Chancen auf die Meisterschaft stiegen somit erheblich. Die anderen Vereine trugen infolge des Pokalkampfes keine Spiele der End- In Gießen. £ Ein intensiver Spielbelrieb herrscht am ersten Feiertag auf dem Sportplatz Trieb der Freien Turner schäft Gießen die sich für diesen Tag vier Mannschaften der Arbeiterfportler Riede r r a d s verpflichtet hat. Drei FußballweUspiele und ein Handballwettspiel sollen zum Austrag io:n- men. Die Gießener treffen auf keinen unbekannten Gegner und haben dessen Stärke, als Sonderklassen- Vertreter, schon einmal zu spüren bekommen. In Niederrad trafen die gleichen Mannschaften im vergangenen Jahre schon einmal aufeinander, und alle vier' Spiele verlor Gießen verhältnismäßig hoch. Die damalige Mannschaftsstärke ist natürlich kein Vergleich mit der heutigen Spielstarke der Gießener, die den Frankfurtern dieses Mal das Gewinnen wohl nicht fo leicht werden lassen. Ain Vormittag treffen sich die Iugendmann schäften. Hier war Niederrad im Vorjahre mit 5:0 Sieger. Da die Gießener Jugendmannschaft ein ganz beachtenswerter Gegner ist, war dies Resultat ein Beweis für die vorzügliche Spielweise der Niederräder. Arn Nachmittag beginnen zunächst die zweiten Mannschaften ihre Kräfte im friedlichen Wettkampf zu messen, hier siegte Niederrad, das in diesem Jahre Bezirksmeister seiner Klasse ist, tm Vorjahr 8:1. Die Gießener werden wohl alles hergeben müssen, um es nicht wieder dahin kommen zu lassen. Diesem Spiel schließt sich ein Hand- ballwettspiel an. Auch hier war vorher Nie- derrad einwandfreier 5:0-Sieger. Aus der Gießener Mannschaft ist natürlich in der Zwischenzeit etwas ganz anderes geworden, fo daß ein höchst inter- esiantes Treffen bevorfteht. Den Schluß machen die ersten Mannschaften. Dieses Spiel begegnet natürlich ganz besonderem Interesse, zählt doch Niederrad mit zu den besten Kreismannschaften und war bei den letzten Verbandsspielen Gruppen- meister. Wcstenv, der heutige Kreismeister, war der Bezwinger Niederrods. Das Vorspiel gegen Gießen gewann Niederrad 5:1. Bei dem in Aussicht stehenden guten Wetter dürfte wohl jeder Interessent auf seine Kosten kommen. In wieseck. Der Freie Turn- und-Sportverein Wies eck hat sich ebenfalls einen Vertreter der süddeutschen Sonderklasse für den 1. Feiertag verpflichtet, und zwar die erste Mannschaft der Spiel Vereinigung „Vorwärts" Frankfurt. Diese ä frrft frm athische Mannschaft ist in Wieseck kein Fremdling, vor Jahren weilte sie bereits einmal hier, wo sie duvck) ihre vornehme Spielweise besonders gut gefiel. Die Gewinnchancen der Wiesecker find natürlich nicht sonderlich hoch, aber es geht ja hier auch nicht um Gewinn oder Verlust, sondern es gilt, den gerade in Wieseck immer sehr zahlreichen Zuschauern Fußballspiele in seinen besten Formen zu zeigen. Hierzu ist die „Vorwärts"-Mannschast besonders gut geeignet, der Verlauf des Spiels wird wohl ein Gewinn für den Sportgedanken werden. — Steubauien auf der Mafferkuppe. Aus Gersfeld (Ahön) wird uns von unserem ü-Mitarbeiter geschrieben: Das Interesse für den deutschen Segelslug ist in ständigem Wachsen begriffen. Defonders richtet es fid) auf die alljährlichen Segel» flugtoettbctoerbc, die in dec Ahön, der Wiege des deutschen Segelfluges, stattfinden. Kaum daß der diesjährige Termin (25. 3uli bis 9. August) bekannt geworden war. trifft man in den verschiedenen Segelflugvereinigungen umfangreiche Vorbereitungen. Das Bestreben ist vorherrschend, die Heranwachsende Lugend für den Segelslug zu interessieren. Dies geht aus der Gründung von neuen Segelflugvereinigungen, besonders in öen der Ahön nahegelegenen Orten, hervor. 3n diesen werden aufklärende Vorträge gehalten, Modelle gebaut und Versuchsflüge veranstaltet. Aber auch auf der Wasserkuppe selbst ist man bemüht, sich den Anforderungen des diesjährigen Wettbewerbs gewachsen zu zeigen, zu dem Amerikaner, Inder und Aussen erwartet werden. . . Trotz der noch verhältnismäßig ungünstigen- Witterung herrscht in dem von der A h ö n - ! Aositten-Gesellschaft gegründeten, unter Leitung von Lippi sch und Dr. Aaetgen stehenden Forschungsinstitut reger Betrieb. Es werden Versuchsmodelle gebaut und ausprobiert. Diese Modelle sind kleiner als die späteren Originale. Sie werden mit einem 1,25 ?. S.-Motor ausgerüstet und starten unter Mitgabe einer bestimmten Menge Brennstoffes. Ihr Flug ohne Pilot wird mit Hilfe des Kurbel- I kastenS unter Anwendung der Zeitlupe, durch Mehaparate im Modell selbst und auf der Erde genau beobachtet. Die dabei gesammelten Er» I fahrungen werden später ausgewertet. Augenblicklich ist ein Modell im Bau, das neuartige Tragflächen erhält, die sich automatisch den Luftströmungen anpaff en, wodurch der Apparat eine kolossale Höhe erreicht. Gelegentlich des diesjährigen Wettbewerbs soll diese Art Modellflug zum ersten Mal der großen Oeffentlichkeit vorgeführt werden. In der Fliegerschule sind bereits 130 Schüler ausgebildet worden. Ein neuer Schul- kursus wird in der nächsten Zeit beginnen. Gegenwärtig werden die in der angrenzenden Flughalle untergebrachten Apparate, soweit notwendig, repariert und neue gebaut. Für den diesjährigen Wettbewerb denkt man an die Errichtung einer weiteren Flughalle zur Unterbringung der Gastapparate, da dis bisherige Unterbringung in Zelten den Apparaten nicht dienlich gewesen ist. Um die bisher bestandenen Schwierigkeiten bei der Landung von Motorflugzeugen zu beseitigen, wird der Motorflugplah erweitert. Auch werden die oberirdischen Telephon- und Telegraphenleitungen in einem Umkreis von 15 Kilometer unterirdisch gelegt, da sie bei den Flügen gefährlich werden können. Aber nicht nur für die reibungslose Durchführung des Wettbewerbs und die Unterbringung der Apparate trifft man Vorbereitungen, sondern auch den Piloten und den G ä st e n denkt man Annehmlichkeiten zu verschaffen, soweit das dort oben in fast 1000 Meter Höhe möglich ist. Die Fliegerfchenke ist renoviert worden. Den großen Saal hat man in kleinere, leicht zu wärmende Zimmer geteilt, und an Stelle der langen, । roh gezimmerten Bänke und langen Tische mit kleineren Tischen und Stühlen versehen. Den Massenbesuch bei den Fliegerveranstaltungen will man bei ungünstiger Witterung in Zelten unterbringen. Die Innenräume des Unterkunfts- Hauses der Flieger sind mit einem neuen Oelanstrich versehen worden, zu dem die Höchster Farbwerke die Farbe unentgeltlich zur Verfügung gestellt haben. An Stelle der harten Pritschen werden bequeme Betten aufgeschlagen. Auch der Besitzer des Gasthauses „Zum deutschen Flieger will fein Hotel durch einen Stockaufbau er- w^Wenn es auch unsäglicher Mühen und Opfer bedarf, die Sache des deutschen Segelfluges in der Gegenwart vorwärts zu bringen, so dürfen wir doch darin nicht erlahmen, wo wir nahezu- auf allen Gebieten geknebelt sind und nur der Geist frei geblieben ist. Den wollen wir arbeiten lassen. Handball-Osterxpieie. Turn-Verein 1817 Mainz im Sau Hessen DT. c. Für die beiden Oftcrfeicrtage haben die Turner vom Hessengau sich die Mainzer Handballer verschrieben. 1817 Main; wurde mit feiner jungen Mannschaft im letzten Herbst A-Ä l a s f en- meister des Gaues Aheinhessen und besitzt eine äußerst flinke Mannschaft, die am Ostersonntag in Marburg gegen Turn - gemeinde 1 885 und am Ostermontag gegen Turnverein 1 860 Bad°Aauheim in der hessischen Dadestadt spielt. » Die 1. Mannschaft des Mtv. Gießen empfängt am 2. Ofterfeiertag auf dem Waldsportplah des V. f. B. die 1. Handball-Elf der Turngesellschaft Frankfurt Sachsenhausen zu einem Geiellfchafts piel. Wer als Sieger aus diesem Treffen hervorgeht, kann heute mit Bestimmtheit nicht gesagt werden. Die Gäste haben die besseren Ansichten, denn sie verfügen über eine äußerst klinke Mannschaft. die mit zu den besten im Gau Frankfurt aM — der Hochburg des Handballspiels — zählt. Die Mtv.-Mannschaft hat sich in letzter Zeit ebenfalls sehr gut entwickelt, so bau mit einem äußerst interessanten Kampfe zu rechnen ist. Die FeierLagsspieLe der Arbeilersportter. hatte feinen großen Tag im Bundespokalkampf gegen den Südosten und — wie oben anfangs erwähnt — feine große Enttäuschung. Zahlreiche Pokalkämpfe und Freundschaftstreffen vervollständigten das Programm. Die anderen Derbände mußten durch Spielerabgabe an die ^Derbands- mannschaften für die Pokalkämpfe auf die Austragung von Meisterschasten verzichten. Hanau 1893 begnadigt. WSA. Frankfurt a. M., 31. März. Nachdem der Erste Fußballklub Hanau Oster-Dorschau. Rasensport. Das sportliche Programm ist besonders in I den Aasenspielen recht umfangreich. Im Fußbalt gibt es eine große Zahl von Spielvereinbarungen im ganzen Acich gegen deutsche und ausländische Vereine. Auch im Handball stehen einige interessante Sviele bevor. Der deutsche Handbali- meuHee P. S. V. Berlin spielt auf einer West» deutschlandreise am Karfreitag gegen Hagen 11, am ersten Feiertag gegen Schwarz-Weiß Barmen, am zweiten gegen Turu Düsseldorf. D:e Mittel- I deutsche Handballm'.isterschast der Sportler fommt am Karfreitag zwischen Polizei Halle und Freital 04 Dresden in Halle zur Durchführung, die Sachfenmeisterschaft der Turner und Turnerinnen in Leipzig. Iugendhandball-Turnier des S. E. Eharlottenburg. Der Oesterrcichllche Handball- meister Florisdorser A. C. spielt in Breslau und Dresden. Der Hocke hsport bringt Turniere in Hamburg. Kreuznach, Frankfurt, Meidend), ein Damenttirnier in Düsseldorf, deutsch-englische I Damen-Aepräsentativspiele in Berlin und Leipzig. Im Augbysport plant der Club zur Vahr-Bremen ein Osterturmer, die Old Alley- nians spielen (am zweiten Feiertag) gegen 78 Hannover, die Oxforder Greyhounds gegen Frankfurt 1880. Länderspiel Frankreich-Wales in Paris. Turnen und Leichtathletik bringen am Karfreitag in Leipzig den Kunstturn» I Städtekampf Berlin-Hamburg-Leipzig und vor allem Waldlauf-Veranstaltungen. Boxen. Meisterschaften 1926 des Aeichsverbandes für Amateur-Boxen in Mannheim. Derufsboxkämpfe (Wagener-Iansmaa) am zweiten Feiertag in Duisburg. Städteringkampf Hamburg-Berlin am | Karfreitag in Hamburg Wassersport. ®tne Neckarfahrt veranstaltet der Mannheimer Kanuclub, eine Donau-Langstreckenfahrt (erste Wildwasser-Hindernisfahrt) der Tuttlinger Kanuclub. TDinlerfporL Traditionsgemäß kommen am Feldberg die Ostersprunglüufe, soweit es die Schneeverhält- nisse gestatten, zum Austrag. Der Berliner Schlittschuhclub bringt einen Hockeykampf mit den Londoner Lions zur Entscheidung. Radsport. Ein Städtekampf Berlin-Köln der Amateure gebt in Köln vor fid). Dauerrennen der Berufsfahrer bringen die Dahnen zu Leipzig, Chemnitz, Düsseldorf-Oberkassel, Magdeburg und Hannover. Amateur-Bahnrennen gehen in Frankfurt vor fich Eröffnungs-Aadrennen in der Autohalle am Kaiferdamm, Berlin (mit Kaufmann und Moskops am Start). Straßen-Fernfahrten: Berlin - Wittenberg - Berlin, Neuß - Aachen - Neuß, Paris - Roubaix. Großer Schwalbepreis Hannover - Celle - Hannover. Motorsport. Internationale Reimen auf der Drovllands- bahn, England. Motorrad-Bahnrennen zu Köln- Riehl Rund durch Frankreich. Rund durch Italien (mit deutscher Beteiligung). Rheinische Zuber- lässigkeitsfahrt. Bergprüfungsfahrt Sattelmuhle- Esthal. Halterner Straßenrennen; Sauerlandische Dergprüfungsfahrt._____ gauft MhlsMkS'öNefniarken Der LeulMn rwtWei Helft die Not lindern! Verwendet die Woblfahrtd-Brlesmarken zur Frei- machung der Postsachen! Sie gelten nur noch btö Ende Mai 1926. Nur noch bis zum 15. April 1926 ünd sie beim üadtttchen Wohlfahrtsamt, Gartenstraße 2, Zimmer Nr. 17, tn jeder Menge, auch in kleinen Posten zu haben. 1 893 feine Klage in einer schriftlichen Erklärung an den Verbandsvorstand zurückgenommen hat und darin weiter erklärt, daß er alles bisher Geschehene bedauert, hat der Verbandsvorstand den Ausschluß des Hanauer Derettis zurück genommen. An Stelle dieser Strafe tritt eine Disqualifikation von einem Monat. Handball. T. V. v. 46 Giehen - T. u. Sp.V. 60 Marburg 1:2 (0:1). Am Sonntag weilte die Handballelf des T D. v. 1846 Gießen in Marburg. Sie muhte auch diesmal den Sieg den Marburgern über- taffen. Der kurz vor Spielbeginn niedergegangene starke Regen hatte den Rasenplatz äußerst stark mitgenommen. Das Spiel bot infolge der Nasse des Bodens nur wenig schöne Momente. Marburg war in der ersteii Halbzeit vollkommen überlegen. Mit 0:1 wurden die Seiten gewechselt. In der zweiten Spielzeit raffte sich die Gießener Els merklich auf und konnte, nachdem QKarburg durch einen Strafstoß auf 0:2 erhöhte, durch Halbrechts das Ehrentor erzwingen. Durch bie- fen Erfolg angefeuert,, drängte Gießen, jedoch an dem Stande 1:2 war nichts zu andern. Um die Kreismeisterschast im Mittelrheinkreis. c. Nach den harten Kämpfen um die Gaume i st e r s ch a f t traten die Inhaber dieses Titels zum Kampf um den Gauverbands besten an. Im Gauverband beherrscht hier seit Jahren der Tv. Seckbach daS Feld, dem arrch diesmal Drunhildenfchild gekämpft. Fußball. Aus dem Arbeiter-Turn- und Sportbund. £ Die seither stattgefundenen zwei Verbands- spielsonntage haben wohl die meisten im voraus angestellten Berechnungen und Vermutungen über den Haufen geworfen. Die Reihenfolge m der Tabelle ist bis jetzt eine andere geworden, als allgemein angenommen wurde. Am besten hat bisher die Gießener Mannschaft die m sie gesetzten Erwartungen erfüllt indem fie fid) mit zwei gewonnenen Spielen und 4 Punkten an die Spike der Tabelle setzte. Es folgen dann Heuchelheim und Wieseck mit je einem gewonnenen und einem unentschiedenen Spiel, also mit je 3 Punkten. Marburg und Weh- 1 a r gewannen je ein Spiel und verloren je ems, und schließen sich mit je 2 Punkten in der Tabelle an. Es folgen dann mit je einem ver- lorenen und einem unentschiedenen Spiel A l s- f eId und Lollar (1 Punkt), während Raun, heim mit zwei verlorenen Spielen (0 Punkte) vorläufig noch den Schluß bildet. Die nächsten Sonntage werden jedenfalls bereits bereinigende Verschiebungen bringen und die Spitzengruppe deutlicher hervortreten lassen. Aber das eine ist beute schon erkennbar, daß der Meistertitel in diesem Jahre ein besonders hart umkampstes Ziel ist. Um die deutsche Meisterschaft. tz. Der Sonntag der Dundespokal. kämpfe! Mit Ergebnissen, die man nicht erwartet hatte. Zunächst läßt sich Berlin ausgerechnet von Südostdeutschland schlagen, und dann auch noch gründlich 4:1. Mit Halder zweiter Garnitur glaubten die Reichshauptstädter den Anforderungen der Südostdeutschen genügen zu können. Auf eigenem Boden mußten sie diesen Leichtsinn büßen. Und noch ein Ergebnis läßt die Fußballwelt aufhorchen. Der Norden bezwang den Balten- verband erst nach Verlängerung 3:1. Ohne die H. S. D.-Spieler lieferte die norddeutsche Els ein zusammenhangloses Spiel, das erst in der Verlängerung entschieden wurde. Daß der Süden gegen Mitteldeutschland gewinnen wurde war vorauszusehen, nicht aber, daß ihm die Mitteldeut- schen den Sieg so schwer machen wurden. 3:1 stand das Torverhältnis am Schluß. Dadurch, daß „Bayern" München und Sp. Vg. Furth in Öen Meisterschaftsspielen frei waren, konnte derS.F. B. eine starke Vertretung stellen, die aber nicht die erwarteten Leistungen zeigte. Die Meisterspiele stehen nunmehr im letzten Drittel der Entscheidungen. So manches vom Sonntag hat die Situation geändert. Das trifft zunächst auf den Süden feierten der Spitzenführer B. V. Alteneffen und der Altmeister Duisburger Spielverem. In den aus- getragenen beiden Kämpfen siegten die beiden Favoriten V.f.R. Köln und Turu Düsseldorf. Ersterer konnte sich mit 3:0 gegen die verjüngte Elf der Bielefelder Arminen durchsetzen, als es Düsseldorf mit 2:1 gegen Sportfreunde Siegen gelang. Die Siegener lleberrafchungsmannschaft machte auch diesmal wieder ihrem technisch überlegenen Gegner durch Eifer und Entschlossenheit sehr zu schaffen. — Wonnen wurde. Im Zwischenspiel, das m Mainz stattfand, standen sich T. V. Seckba d) und T. G. Schierstein (Rheingau) gegenüber. Rach hartem Kampf, in dem sich der Altmeister von seiner besten Seite zeigte, bezwang er in blendendem Spiel feinen stärksten Gegner mit 2:1. Mit diesem Sieg triit er nun im Endkampf gegen TV. Griesheim t Darmstadt) an und sollte aller Voraussicht nach auch dieses Spiel gewinnen, so daß auch in diesem Jahre der T. V. Seckbach wieder K r e i s m e i st e r vom Mi11elrhein Wird. nicht direkt zu. Hier errang der F. Sp. D. Frankfurt seine ersten Punkte gegen Saarbrücken mit 4:2. Allem Anschein nach hat Frankfurt, das jetzt erst die 2. Runde beginnt, noch Aussichten auf den dritten Platz, die aus den schlechten Leistungen des bisherigen Dritten, D. f. R. Mannheim, resultieren. Gelingt es ihm, Mannheim zu schlagen, dann kann ihm die Teilnahme an den D. F. B.-Endspielen nod) möglich fein. Denn Mannheim ließ sich vom Tabellenletzten, Karlsruher F.V., mit 2:2 einen Punkt nehmen. Der Kampf um den dritten Platz in Süddeutschland wird noch interessant werden. Auä) Saarbrücken kann in ihn weniger feinen Leistungen als feinem Tabellenstand nach noch eingreifen. Turnen. Aus dem 5. Bezirk des Turngaues Hessen. bpw. Butzbach. 30. März. Arn Sonntag fand hier eine außerplanmäßige Bezirksvorturner stunde des 5; Bezirks im Turngau Hessen für die im nördlichen Teil des Bezirks gelegenen Vereine statt. Unter der Leitung der Bezirksturnwarte Hartmann (Bad- Rauheim) und Lang (Lang-Göns) wurden die Stabübungen durchgeturnt, die der Bezirk als Masfenfondervorführung (Musterriege) beim Gauturnfest in Ridda vorführen will. Der turnerische Städtewettkampf, der drei Bezirksstädte Butzbach. Bad-Rauheim und Friedberg, der am 18. April in Friedberg stattfinden sollte und für den in den Turn» vereinen genannter Städte schon fleißig geübt wurde, ist auf den Herbst verlegt worden. Der Frühjahrswettlauf des Bezirks wird am 25. April veranstaltet. Es werden Strecken, über 5, 2l/s und l’/2 Kilometer gelaufen. Feldberglurnen 1926. L Die Nachricht, daß das altbeliebte Feld- bergfeft in diesem Jahre nach siebenjähriger Verbannung wieder auf der Dergkuppe des Feldberges stattfinden soll, wird alle Turnerkreise erfreuen. Der Feldbergturntag hat den 1. 21 u g u ft als Festtag bestimmt. Für die Wettkämpfe wurden die folgenden Hebungen bestimmt: „ , Männer: lOO-Meter-Lauf. Weitsprung. Kugelstoßen (7.25 Kilogramms Freiübung. Iugendturner: 100-Meter-Laus. Weit- sprung aus dem Stand, Kugelstoßen (5 Kilogramm), Freiübung. t „ Altersturner (38—45 Jahre). <5- Meter-Lauf, Weitfprung mit Anlauf und Brett, Steinstoßen (10 Kilogramm), Freiübung. Frauen: 75°Meter°Lauf, Kugelstoßen (3,7d Kilogramm), Hochsprung, Freiübung. In den Mannschaftskampfen wird um das Völsungenhorn, den Iahnschild und den Die tolle Herzogin. Roman von Ernst Klein. Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin. 31. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Io. das ist teidjt möglich — eine Minute bitte! Ich glaube, ich habe meine Zigaretten auf meinem Tisch liegen lassen." Als er zurückkam, hatte er sein goldenes Zigarettenetui geöffnet in der Hand und bot seinem Onkel, Lord Neville sowie dem Inspektor zu rauchen an. Genehmigte sich selbst auch eine seiner geliebten „Queen". Harald nahm die Zigarette dankbar an. Der köstliche Rauch tat ihm wohl und stellte sein Gleichgewicht wieder her, das durch die Fragen seines Freundes arg ins Wanken geraten war. Harald kannte Rnce, den Neffen. Der war immer der beste seines Jahrgangs gewesen, schlau, ihnen allen, den Kameraden wie den Lehrern, weit überlegen. Hatte sie alle miteinander in die Tasche gesteckt. Obwohl er der Kleinste und Schwächlichste von ihnen war. Sie hatten alle, zwar nicht seine Fäuste, doch seinen Verstand gefürchtet. Und vor dem fürch- ictc sich auch setzt Harald Neville. Er wußte ganz genau, wie wenig er diesem schmächtigen, so jungenhaft aussehenden Menschen gewachsen war. So rauchten die vier Männer schweigend einige Minuten lang. „Merkwürdig, wie schnell das Wetter wieder umgeschlagen hat. Gestern der plötzliche Regen, heute der plötzliche Sonnenschein! Und da beklagt man sich über Mangel an Abwechslung in London!" leitete der jüngere Ryce die Unterhaltung von neuem ein. „Host du eine gute Ueberfahrt gehabt, Harold?" „Es ging, aber mir macht ein bißchen See nicht viel." „Ich weiß, du stammst direkt von diesen normannischen Wikingern her, die in ihren Nußschalen nach Amerika gefahren und neuesten Forschungen zufolge sogar bis Wembley gekommen sein sollen. Dir liegen Sturm und Drang im Blute! Aber mir, der ich aus dem Geschlechte der Rnce stamme, die sich noch im vorigen Jahrhundert als friedliche Weinhändler betätigt baden, ist jede Seefahrt ein Greuel. Ihnen nicht auch, Sir Arthur?" Der Onkel brummte etwas, was wie „Unverschämtheit" klang, sprach die Meinung aus, man solle sich lieber mit der leidigen Angelegenheit beschoss tigen, die sie hier zusammengeführt habe. „Wir sind ja bald fertig", sagte der Neffe. „Nur noch eine Frage. Ist das dein Revolver, Harald?" Nie hatte Sir Walter Ryce ein harmloseres Gesicht gemacht als jetzt, da er Neville die kleine, silberbeschlagene Waffe hinhielt. Und prompt ging dieser auch in die Falle. Ohne eine Sekunde zu zögern, erwiderte er: , Ja." „Wie kommt es, daß er die Buchstaben (9. B. trägt?" „Er gehörte meiner Frau als Mädchen, und sie hat ihn mir geschenkt. Seitdem trage ich ihn immer bei mir." Sir Walter nickte und Harald glaubte ihm. „So? Hm — und aus ihm hast du geschossen ?" „Ja." „Sir Arthur, ich glaube, das ist alles!" Lord Neville wurde in das Zimmer zurückge- führt, das man ihm als Untersuchungszelle angewiesen hatte. Sir Walter aber sagte zu seinem Onkel und zu Inspektor Gernot: „Er hat natürlich nicht aus dem Ding da geschossen. Er hat überhaupt nicht geschossen. Darin spricht er die Wahrheit, daß es nicht seine Frau war, die er verfolgte. Lady Grace ist — ich habe auf dem Wege noch den Zigaretten noch telephonisch in Burnham House angefragt — heute früh noch Low don gekommen. Dagegen ist die Herzogin von Sainsbury bereits seit gestern abend hier. Die Herzoain heißt (9Loria und auf ihren Mädchennamen passen die Buchstaben G. B. Die Unwahrheit spricht der gute Harald aber, wenn er uns glauben machen will, er sei vom Bahnhöfe nach seinem Hause auf Cavendish Square gefahren. Er ist von einer beinahe strafwürdigen Ungeschicklichkeit. Oder von einer noch strafwürdigeren Ueberhebung, wenn er sich schmeichelt, uns einen solchen Bären aufbinden zu können. Bevor ich hierher kam, hatte ich eine kleine Unterredung mit seinem Chauffeur, der mir mit kindlicher Offenheit sein Herz ausschüttete. Neville war auf dem Wege nach Burnham House, und auf dem Waterloo Place sah er die Frau, die er für Lady Grace hielt. Ihr folgte er — es war Glaria Sainsbury. Er deckt also seine Schwägerin. Es sind demnach eine Reihe von Fragen. Erstens: Warum stellt er sich für Gloria Sainsbury in die Bresche?" „Leicht zu beantworten," rief Sir Arthur, „weil er ein Gentleman ist." "Zugegeben. Ich glaube indessen, er hat noch andere Gründe — aber ich kann mich täuschen. Doch, verehrter Onkel, wenn Sie die erste Frage so überzeugend beantworten können, vielleicht würden Sie die anderen ebenso rasch zu lösen vermögen. Was veranlaßte eine Frau wie Gloria Sainsbury, zu einem solchen Subjekt zu gehen, wie unserer Kenntnis nach Graf Las Valdas war? Warum zu so später Stunde? Warum nahm sie den Revolver mit? Warum schoß sie? Und nun, Gentlemen, die größte und wisttigste Frage: Wir haben festgestellt, daß sie zwar geschossen hat, daß es aber nicht ihr Geschoß war, das den Portugiesen tötete. Neville hat auch nicht geschossen, wie er ja eben selbst zugegeben hat, denn er glaubte ja, daß mit diesem Revolver Las Valdas getötet wurde — der gute, ehrliche Harald! Also ich wiederhole: Wer hat den tödlichen Schuß abgefeuert?" „Dann steckt mehr dahinter als eine bloße — hm — Weiberaffäre!" sprach Sir Arthur. „Es scheint fast so!" sagte sein Neffe und zündete sich eine neue Zigarette an. Die Ereignisse gaben ihm recht. Am Abend wurde Joe Perkins, der Chauffeur des Ermordeten, als er nach zehn Uhr durch die Davis Street seiner Garage zuging, von mehreren Männern überfallen und schwer verletzt. Die Täter entkamen: doch während manxben Angegriffenen in bewußtlosem Zustande nach dem Westminster-Hospital schaffte, brachen zwei Personen, augenscheinlich dieselben, die ihn niedergeschlagen holten, in die Garage und sein Zimmer ein, kehrten hier das Unterste zu oberft, ohne jedoch irgend etwas zu stehlen. Als sie die Garage verließen, wurden sie gesehen, entkamen jedoch im Dunkelnder Nacht. „Verdammt!" sagte Sir Walter Ryce, als er die Meldung erhielt. „Die Sache hält, was sie von allem Anfang versprochen hat. Sie gestaltet sich ziemlich interessant" 21. Kapitel. Sir Walter Ryce war gut für sein Neville gegebenes Wort — feine Zeile erschien über die Affäre Las Valdas in den Zeitungen. Sein Onkel ließ sich persönlich alle Reporter kommen und setzte ihnen auseinander, daß es sich bei dieser überaus verwickelten Angelegenheit nicht nur um Mitglieder der vornehmsten Gesellschaft, sondern sehr wahrscheinlich auch um Dinge handelte, durch die das Interesse des Reiches selbst berührt werde. Damit sagte Seine Exzellenz zwar mehr, als er und auch sein Neffe wußten, aber er packte die Presse an der richtigen Stelle. Interessen des britischen Reiches! Selbst der blutgierigste, sensationslüsternste Reporter schwieg. Das war aber and) das einzige, was Sir Walter tun konnte. Sonst kam er in der Sache absolut nicht weiter. Der überfallene Chauffeur, der einen furchtbaren Schlag mit einem Sandsack auf den Hinterkopf erhalten hatte, erlangte erst nach dem dritten Tage das Bewußtsein wieder und blieb dann noch verhandlungsunfähig. Diese Quelle der Information war also vorläufig verschlossen. Lord Neville rückte von seiner Aussage um keinen Zoll breit ab und verriet nicht einmal seinem Anwalt, wer die Frau gewesen war, die er mit Lady Grace verwechselt hatte. „Man müßte ihn eigentlich freilaffen*, ■ftmtc der Chef. „Vorläufig beschuldigt er sich nach wie vor des Mordes an Las Valdas," entgegnete Sir Walter, „und einen Mann, der sich so hartnäckig dagegen wehrt, kein Mörder zu fein, kann man nicht in Freiheit setzen, solange man nicht nachzuweisen vermag, daß er lügt Höchstens schickt man ihn in die Irren- anftalt. Ich kann ja auch nicht wissen — bitte, ich spreche jetzt rein theoretisch —, ob er es nicht ist, der den großkalibrigen Revolver gebraucht hat. Ec konnte ihn ja nach der Tat irgendwie beseitigt haben, nicht wahr?" Sir Arthur gab sich stiller Heiterkeit hin. Harald Neville? Nein, der versteckt feinen Revolver, wenn er ihn einmal gebraucht hat. Deine letzte Annahme ist wirklich nicht mehr als Theorie." (Fortsetzung folgt.) 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