Ontg und Verlag: vrLHI'sche Umveifila,s-Vuch- und Steindruckerek «. Lange In Sietzen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schul-tratze 7. Annahme von An^e.gen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 25 Neichspfennig, Platzvorschrift 20u , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton l)r H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (Siegen. Erscheint täglich, autzer Sonnlags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblätter Heimat m Bild • Die Scholle Monats-Vezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Kernsprechanschliifse unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten^ Anzeiger Stehen, poftschecllonto: fironlfurt am main 11686. nr.256 Seüvausgabe 182. Zahrgang montag,5t.1932 Sietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Berlin, 29. Okt. (WTB.) Die Zweite Verordnung zur Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung Dom 29. Oktober 1932, die heute amtlich verkündet wurde, bringt die Reform der Preußischen Zentralbehörden. Damit sind die von der io nmissarischen Staatsregierung eingeleiteten Arbeiten zur Verwaltungsreform in Preußen einen wichtigen Schritt weitergeführt worden. Die Verordnung stellt sich drei Ziele: Berlin, 29. Olt. (WTB.) Amtlich wird-mit- gegelt: Reichspräsident v. Hindenburg empfing heute den Reichskanzler v. P a.p e n und den preußischen Mir.if.erprüsidenten Braun zur Aussprache über die durch das Urteil des Staatsgerichtshofes geschaffene Lage. erwiderte, daß das preußische Kabinett sich selbstverständlich ebenfalls auf den Boden des Urteils stelle. Er gab daraufhin eine Darlegung seiner Auffassung von den Folgerungen, die aus dem Urteil zu ziehen seien. Das Staatsmini st erium müsse in die ihm zuerkannten Rechte wieder eingesetzt werden. Die Befugnisse des Reichskommissars sollten, wenn sie überhaupt noch nötig wären, auf solche Maßnahmen beschränkt werden, die zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung notwendig seien. Mit den personellen Veränderungen solle aufgehört werden. Lieber die Vereinfachung und Zusammenfassung derVer- waltungen im Reich und in Preußen könnten £)er Reichspräsident führte einleitend aus, daß der Streit z w i * schen Reich undPreußen über die Verordnung vorn 20. Juli durch das Urteil des Staatsgerichtshofes erledigt sei, und daß er und.die Reichsregierung sich in jeder Beziehung auf den Boden des Urteils stellten. Ls müsse beiderseits der loyale versuch gemacht werden, eine praktische Zusammenarbeit zu ermöglichen, die einerseits die dem preußischen Staatsministerium zuerkannten Rechte berücksichtige, anderseits die Befugnisse des Reichskommissars und Oie Reform der preußischen Zentralbehörden. Weitreichende Zusammenfassungen. - Auflösung des Ministeriums für Volkswohlfahrt Abbau von Ooppelarbeit in Preußen und im Reich. 1. Die Bereinigung der Zuständigkeiten innerhalb der Ministerialinstanz durch Zusammenfassung zusammengehöriger Dinge in einem Ressort. 2. Die Vereinfachung des Geschäftsganges durch Beseitigung entbehrlicher Korreferate zwischen verschiedenen Ministerien und durch Abgabe von Zuständigkeiten an Nachgeordnete Behörden. 3. Den Abbau der jetzt noch vielfach in Preußen und dem Reich gleichzeitig geleisteten Doppel- arbeit. Zu 1. Bereinigung der Zuständigkeiten innerhalb der Ministerien: Die wichtigsten Maßnahmen sind folgende: a Vereinheitlichung des Schulwesens. In der Schulverwaltung hat in der Der- gangenhe.t Zersplitterung bestanden, die einer g.e.chmätz gen und systematischen Fortentwicklung der einzelnen Schulzweige abträglich war und vielfach zu einem Rebeneinander- bzw. auch Gegeneinanderarbeiten der verschiedenen beteiligten Ressorts geführt hat. Zur Beseitigung dieser Unzuträglichkeiten ist nunmehr eine Vereinheitlichung des Schulwesens in der Richtung durchgesührt worden, daß diejenigen Schulen, bei denen die allgemein geltende Bedeutung im Vordergrund steht, dem Kultusministerium zugeteilt worden sind. Diejenigen Schulen dagegen, de als reine Fachs chulen anzusprechen sind, werden im Landwirtschaftsministerium und im Handelsministerium verbleiben, damit die bei ihnen bestehenden engen Zusammenhänge mit der Wirtschaft ausrechterhalten b e ben. Derselbe Geund- satz ist bei den Hochschulen zur Anwendung gebracht worden. b) Vereinheitlichung des Kreditwesens. Besonders bedeutsam ist die Zusammenfassung der Geld- und Kreditangelegenheiten und der Beaufsichtigung der Geld- und Kreditanstalten jeder Art im Handelsministerium. Dort wurden bisher schon wichtige Fragen des Geld- und Kreditwesens bearbeitet. Künftig werden im Handelsministerium der ländliche und der städtische, der Real- und der Personalkredit, die öffentlichen und die privaten Danken und die Versicherungsanstalten einheitlich betreut werden. Damit wird eine gleichmähigeAnwendung der geld- und kapitalmarktmäßigen Gesichtspunkte bei sämtlichen Kreditanstalten innerhalb Preußens gewährleistet, die jeder Art von Anstalten zum Vorteil gereichen wird. Ra- kürlich bleibt die Wahrung der Interessen, die die Fachressorts auf dem Gebiete des Kreditwesens geltend zu machen haben, sichergestellt. So wird z. B. das Landwirtschaftsministerium bei der Bearbeitung der Angelegenheiten der Landschaften, und das Innenministerium bei der Bearbeitung der Sparkassensragen maßgebend Mitwirken. Zu 2. Vereinfachung des Geschäftsganges. Das Ministerium für volkswohlfahrl wird aufgelöst. Einer der wichtigsten Teile seiner Aufgaben, die staatliche Wohnu g bauförderung, tat infolge der Finanskrise uno des reichsrechtlich I vorgesehe..en Abbaus der Hauszinssteuer erheblich an Umfang verloren. Ferner finb die wichtigsten gesetzgeberischen Zuständigkeiten auf dem Gebiete der Sozialpolitik, der Sozialversicherung und der ö ertlichen Fürsorge immer mehr vom Reich in Anspruch genommen unb ausg.stopft worben, während die praktische Verwaltung immer mehr den Gemeinden zur Selbstverwaltung übertragen würbe. Damit war das Fortbestehen einer besonderen H aa 11 i et) e n Z entralbehörde für diese Sachgebiete in Preußen nicht mehr zu rechtfertigen. Daß die sozialpolitischen Interessen nach wie vor den Gegenstand besonderer Fürsorge der Slaatsrcgierung bilden und auch in Zukunft nachdrücklich wahrgenommen werden, wird dadurch sichergestellt, daß im Handelsministerium eine Sozial- und Gewerbeabteilung neu gebildet wird. Demgemäß wird das Handelsministerium künftig au » den Rainen eines Ministeriums für Wirtschaft und Arbeit erhalten. Im übrigen wurden die Geschäfte des Wohl- fchrtsmi-niisterium in der Weise auf geteilt, daß a) die Mediz.nclverwaltung und die Angelegenheiten der öffentlichen Fürsorge und der Wohlfahrtspflege wieder auf das Ministerium des Innern, b) die Jugendpflege wieder auf das Kul- tisministerium, c) die Abwicklung der versehie° Jenen Fonds auf das Finanzministerium, d) der Rest, insbesondere die wohnungs- und städtebau- wirtschaftlichen Angelegenheiten auf das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit über gehen. Oie Stellungnahme des Reichspräsidenten. , Berlin, 29. Oft. (WTB.) Der Reichsprä- I i d e n t hat den R e i ch s k a n z l e r damit beauftragt, dem bayerischen Ministerpräsidenten darüber aufzukiären, daß der Beschluß des bayerischen Gesamiministeriums von falschen Voraussetzungen ausgegangen fei. Die Maßnahmen des Reiches hielten sich völlig innerhalb der Befugnisse, die dein'Re ich s- komrnissar durch das Urteil des Staatsgerichtshofes zuerkannt feien. Krisenstimmung n Japan. Tokio, 28. Okt. (TU.) Die japanische politische Polizei hat mehrere Angehörige einer revolutionären terroristischen Organisation verhaftet, die sich bekanntlich seinerzeit an der Ermordung des japanischen Ministerpräsidenten Jnukai beteil'qt hat Die Verhafteten sollen nach Mitteilung der Polizei Anschläge auf den Hofminister Baron M a I i n o und auf den ehemaligen japanischen Kriegsminister General Ugoki, der jetzt die Stellung des Generalgouverneurs von Korea bekleidet, geplant haben. Die Zahl der Berhafteten wird von der Polizei nicht mitgeteilt. Wie weiter gemeldet wird sollen auch noch in anderen Städten Japans Verhaftungen oorgeiiommen werden. Der Grund für die geplanten Anschläge ist darin zu sehen, daß ein Teil der politischen Führer Japans mit d e r P o l i t i k S a i toll sch ida-Ara ki unzufrieden ist und ein n eues j^ab i nett unter Führung Ugaki s und Makinos bilden sollte. Dieses Kabinett wurde liberal fein und eine wesentliche Aende - run g der innen- und außenpolitischen Haltung Japans vornehmen. mächt'gungsvcvordnung des Reichspräsidenten vckm 24. August 1931 erlösen. Diese Verordnung g.bt aber nächst dem Reichskommissar, sondern der Landesregierung das Recht, Rot- verOrdnungen zu erlassen. Rach der Entscheidung des Staatsgerichtshofes ist Landesregierung nur die preußische Staats- regier ung. Wie es in den Gründen der Ent- scheidpng wörtlich heißt, kann „an die Stelle der Landesregierung auch vorübergehend fein anderes Organ gesetzt werden". Es war daher auch aus diesem Grunde unzulässig, die Verordnung auf Grund der Dietramszeller Verordnung, nod) dazu mit der Unterschrift „Preu- tz.sches Staatsministerium'‘, zu erlassen". Ergänzend hört das Rachrichtenbureau des VDZ. noch in unterrichteten Kreisen, daß bisher nicht gesagt werden könne, ob es bei dieser Kund- gebung der Staa-tisregierung allein verbleiben werde. Eine neue staalsrechttiche Auseinandersetzung scheine sich bei den verschiedenen Aufsa ungen in dieser Sache mindeskens anzudeulen. Rein materiell bezeichnet man es in der preu- st schcn Regierung nahestehenden Kreisen als versehrt, das preußische Wohlfahrtsministorium in der gewährten Form auseinanderzureißen, solange nicht über die Frage einer engen Verbindung der preußischen mit den betreffenden Re:chs--Fachr:ssorts in der Zentralinstanz des Reiches entschieden sei. Wenn der Dualismus Zw schön Preußen und Dolch beseitigt werden solle, dann müßten die entsprechenden preußischen Ministerien mit denen des Reiches verbunden werden, sonst würde in absehbarer Zeck abermals eine Verwirrung erzeugende neue Aufteilung der m'm Arteriellen Sachstoffe zwischen Preußen und dem Reich er- forderl'.ch werden. Keine Einigung zwischen Braun und papen D.e Besprechung beim Reichspi-äsideiüen.-Draun Widerspnch: derDcrwaaungs- reform des Ne.chskomm ssars. alsdann Verhandlungen zwischen der Reichsregierung und der preußischen Regierung stattfinden. Reichskanzler v. Papen erklärte zunächst, daß die Äeichsregierung die p e r s ö n l i ch e Integrität des preußischen Ministerpräsidenten und seiner Arntslollegen nie angezweifelt habe, und daß nur staatspolitische Erwägungen zu ihren Maßnahmen geführt hätten. Er legte dann seine Auffassung der Lage dar und betonte, daß der Reichskommissar sich nicht darauf beschränken könne, nur für den Schuh von Ruhe und Ordnung zu sorgen, sondern weiterhin die gesamte Exekutive einheitlich in der Hand behalten müsse. Daraus ergebe sich ohne weiteres die Verpflichtung, die als notwendig erkannte Reform der preußischen Verwaltung durchzuführen und damit eine spätere endgültige Regelung dieser Frage durch die gesetzgebenden Körperschaften vorzubereiten. Personelle Veränderungen seien nur aus sachlichen Gründen vorgenommen worden. Der Reichskommissar werde der preußischen Staatsregierung die Möglichkeit geben, die ihr guerfannten Rechte auszuüben, Eingriffe in die Amtsbefugnisse des Reichskommissars aber nicht dulden. Der preußische Ministerpräsident betonte, daß er demgegenüber auf feinem eingangs dargelegten Standpunkt beharre und insbesondere der Durchführung der Verwaktungs- r€ ohue Verständigung mit der Preußischen Slaats.egierung widerspreche. Eine Einigung hierüber wurde nicht erzielt. Im Lauf' der Besprechung hob der Re ichs- prai'vent hervor, daß es zur Wiederherstellung gefestigter Verhältnisse we.terhm notwendig sei, die staatlichen Machtmittel Preußens und des Reiches in einer Hand zu behalten und die Politik Preußens und des Reiches in einheit- lichen Bahnen zu führen. Zum Schluß gab er der Hoffnung Ausdruck, daß über d.e Ausübung der Rechte, die der £rtUrcben Staatsregierung nach der Ent.che.dung des Staatsgerichtshofes zuständen, eine Verständigung erzielt werden möge. Es wurde vereinbart, daß hierüber weitere Verbindung zwischen der preußischen Staatsregierung und dem Reichskommissar gehalten: werden soll. Das bayerische Kabinett an H nöenburq. München, 29. Okt. Amtlich miri> mitaeleilt: X)em Reichspräsidenten v. Hindenburg wurde folgender Beschluß des bayerischen Gesamt- m i n i ft e r i u m 5 zur Kenntnis gebracht: Der Mi nist er rat hat sich soeben auf Grund der ihm zugegangenen Mitteilungen mit den Plänen öer Reichsregierung wegen der Neugestaltung Preußens befaßt. Nach seiner lieber- Zeugung enthalten die Pläne schwere Eingriff e in die verfassungsmäßige Stellung aller deutschen Länder gegenüber dem Reich und untereinander. Das Vorgehen der R.ichsreg.eruna bildet eine schwere Enttäuschung für alle, die >m Vertrauen auf die Erklärungen der Reichsregierung damit gerechnet haben, daß eine Reichs- reform nur auf gesetzlichem Wege und nur nach ^"rh^dlungen mit den Ländern eingeleitet wird. Der Ministerrat bittet deshalb den Herrn Reichspräsidenten, keine Entscheidung zu treffen, bevor nicht mit den übrigen Ländern verhandelt worden ist. Zu 3. Die Doppelarbeit zwischen Reich und Preußen wird vor allem in den beiden Wirtschaftsressorts, dem Handels- und dem Landwirtschafts- Ministerium, beseitigt. Jrn Hinblick auf die in den letzten Jahren eingetretene Schwergewichtsverlagerung gibt Preußen die S p e zi a lb ea r b e i t u n g derjenigen wirt- schaftspolit.fchen Angelegenheiten auf, die auch im Reich, und zwar dort federführend, erledigt werden. Daß der Einfluß Preußens auf die Neichs- geschäfte nicht verloren geht, wird durch die Bereitstellung ausreichender Generalreferate auf diesen Sachgebieten sicherge stellt. Zur Vorbereitung einer weiteren verwaltungsmäßigen Zusammenarbeit zwischen Reich und Preußen ist überall besonderer Wert darauf gelegt worden, daß die preußischen Zuständigkeiten mit denen in den Reichszentralbehörden parallel geschaltet werdew Bei den einzelnen Ministerien ist noch folgendes hervorzuheben: Trotz einer weitgehenden Vereinfachung seiner geschäftlichen Betätigung bleibt für das Landwirtschaftsministerium ein wichtiger Ge- schästsbe.eich bestehen, der Lic Auf.e.hterhaltung eines preußischen Landwirischaftsministeriums erfordert und rechtfertigt. Damit ist eine sachgemäße und nachdrückliche Vertreiung der landwirtschaftlichen Interessen in Preußen weiterhin gesichert. Beim Kultusministerium hat die Reuordnung des Geschäftsplanes die Möglichkeit eröffnet, das älnterrichtswefen in einer einheitlichen Abteilung zusarnmenzufassen. Protesterklärung des Kabinetts Braun „(£ittflriff in ein unveräußerliches Hoheiisrecht." Beim preußischen Jnnenministeri- u m konnte die bisherige Friedensabteilung aufgelöst werden. Die Re.erate, die weiterhin eine selbständige Bedeutung erhalten, insbesondere die Grenzreferate, bleiben bestehen. Im Finanzministerium wird in Zukunft die Bearbeitung der haushalte der einzelnen Verwaltungen in einer Abteilung einheitlich zusammen- gefaßt. Die Hochbauabteilung übernimmt die Baupolizei. Im ganzen bedeutet die Verordnung, die auf der Ermächtigung der sog. Dietramszeller Notverordnung beruht, eine weitreichende Verbilligung für die preußische Verwaltung. Wie bereits die in der Lokal- und Mittelinstan; durch- geführte Verwaltungsreform, wird auch die Umbildung der preußischen Ministerien dazu beitragen, die preußische verwallungsarbeit zu reibungsloserem Arbeiten zu befähigen und ihre Wirksamkeit im Interesse der Bevölkerung Preußens nachhaltig zu verstärken. In organisatorischer Hinsicht kann die Verordnung noch nichts Endgültiges bringen, weil die Entschließungen des Reiches auf dem Gebiete der Verwaltungsreform noch bevorstehen. In der Verordnung wird bereits zum Ausdruck gebracht, daß sich im Zuge der mit dem Reich hierüber zu führenden Verhandlungen weitere Maßnahmen zur Vereinfachung und Verbilligung der preußischen Staatsverwaltung ergeben werden. Preu ßen hat nunmehr die ihm obliegenden Vorbereitungsmaßnahmen für die organische Neuordnung der Verwgltungsbeziehungen zwischen Reich und Län- * dern getroffen. ° । die Notwendigkeit einer einheitlichen -I Reichspolitik wahre. MLnisierpräsioeni Braun Berlin, 29. Okt. (VDZ.) Wie das Nachrichtenbureau des VDZ. meldet, wird zu der heutigen Verordnung des Reichskommissars für Preußen über die Auflösung des preußischen M i - nisteriums für V o 1 k s w o h 1 s a h r t von feilen des preußischen S t a a t s Ministeriums folgendes erklärt: „1. Eine Verringerung der Zahl der preußischen Ministerien war von der preußischen Staatsregierung für den August d. I. in Aussicht genommen; an der Durchführung dieses Planes ist sie durch die Einsetzung des Reichskommissars vom 20. Juli verhindert worden. Trotz der Bereitschaft der Staats- regierung zu einer Verständigung über diese Frage haben die R e i ch s r e g i e r u n g und der Reich s- k o m m i [ f a r die heutige Verordnung ohne vorherige Fühlungnahme mit der 'Staatsregierung erlassen. Diebetreffende Nummer der Preußischen Gesetzessammlung wurde zur gleichen Zeit ausgedruckt, in der die Unterhaltung zwischen dem Reichskanzler und dem Ministerpräsidenten Braun beim Herrn Reichspräsidenten statt fand. Damit hat die Reichsregierung nach Auffassung der preußischen Staatsregierung nicht nur die vom Staatsgerichkshof ausdrücklich gewünschte loyale Zusammenarbeit mit der StaatsrcgUrung außecacht gelassen, sondern auch in ein unveräußerliches hoheitsrechk der preußischen Staatsregierung eingegriffen, nämlich in das früher dem Träger der Krone zuftchende Organisationsrecht hinsichtlich der Bestimmungen der । preußischen Ministerien. I Für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung war ein solches Vorgehen des Renhskomrnisfars keinesfalls erforderlich. 2. Der De:chÄommi,sar hat die Verordnung | auf Grund der sogenannten Dielramözaller Er- I Deutschland und der plan HerriotS! Oie Beurteilung der französischen Vorschläge in Berlin. Berlin. 29. Ott. (TU.) Zu den Erklä- rungen Herriots in der Kammer über das Abrüsiu.gsproblem erklärt man an Der- linerzuständiger Stelle, dah der Wortlaut der Herriot-Erklärung noch nicht in Berlin vorliege. Man könne sich daher noch kein ab- schließendes Bild über die Erklärungen machen. Man könne aber schon jetzt sagen, das) die Rede herriots insofern sehr interessant sei, als der französische Ministerpräsident ;um erstenmal den Standpunkt verlassen habe, daß der Versailler Vertrag "in noli me tangere bedeute. Es sei falsch, wenn Herriot das deutsche G l e i ch- berechtigungsverlangen mit einer Forderung auf Aufrüstung identifiziere. Was von Deutschland unter keinen Umständen angenommen werden könne, sei, daß nach zweierlei Mast gemessen werde. Darüber vermisse man noch e-ndeut'ge klare Ausführungen Herriots. Zu der Behauptung Herriots, daß die gröhte Kriegsgefahr in den Berufsarmeen liege, erklärt man an Berliner zuständiger Stelle, eine solche Berufsarmee könne Deutschland unmöglich zum Borwurf gemacht werden, da diese Heeresform ihm ja im Versail - ler Vertrag aufgezwungen worden sei. Was die Erklärung Herriots über die Miliz anbei rosse, so könne man sagen, dast Frankreich die Miliz ja als D e fe n s i v - W a f f e auf- fasse. Es sei also unlogisch, wenn die deutsche Forderung nach einer Miliz als Bedrohung anderer Staaten aufgefaßt werde. Die Ausführungen Herriots seien teils unklar und teils wideriprechend. Wenn Frankreich in Genf der Aussprache mit Deutschland nicht ausgewichen wäre, hätte man damals schon die ganzen Angelegenheiten klären können. Jür Deutschland sei allein mastgebend, dah alle Abrüslungsm^hnohmen für alle Staaten gleich- mähig gellen mühten. Es fei auffällig, dah Herriot in feiner frommer» crtlärung nicht die Frage der Sicherheit in den Vordergrund gestellt habe. Was die Vorschläge Herriots im einzelnen angehe, jo müsse man sagen, daß Deutschland nicht alle annehmen könne. Da Herriot aber Verhandlungsmöglichkeiten offengelassen habe, so sei gegen eine eventuelle Aussprache über diese Punkte nichts einzuwenden. Auch über die internationale Polizeimacht könne man reden. Sie habe aber nur Zweck, wenn sie so stark sei, dah keine Macht sich dagegen wehren könne. Der bisherige fron- fische Plan sei nicht durchzuführen, da er nur zur Stärkung der Starken und zur Schwächung der schwachen Staaten geeignet sei. Herriot habe aber anscheinend nunmehr diesen Standpunkt aufgegeben. Wenn Deutschland in gleichem Maste wie die anderen Staaten an einer solchen Polizeimacht beteiligt würde, so hätte es nichts gegen diese Institution einzuwenden Die Schiedsgerichtsbarkeit müsse die Sicherheit dafür bieten, dah auch politische Fragen gerecht und unparteiisch behandelt würden. Zusammenfassend könne man sagen, so' unbestimmt die Vorschläge Herriots seien, so sei doch festzustellen, daß die Belange anderer Staaten diesmal in höherem Maste gewahrt würden, als bisher. Eine Erörterung der französischen Vorschläge sei immerhin möglich Vorbedingung sei selbstverständlich, dah die Gleichberechtigung aller Staaten, also auch die deutsche Gleichberechtigung, gewährleistet sei. Oer Amerikaner OaviS informiert sich in Paris. Paris. 29. Olt. (WTB.) Ministerpräsident Herriot hatte heute nachmittag eine fast 8/4- stündige Unterredung mit dem Führer der amerikanischen Delegation aus der Abrüstungskonferenz, Rorman Davis. Hierüber berichtet die Agentur Havas, Davis habe Herriot über seine Unterredungen in London mit Macdo- n a I d und Sir Jo(jn Simon berichtet, in der Hauptsache aber habe die Besprechung dem kon- struktiven Plan gegolten. Davis habe nämlich ergänzende Aufklärungen über gewisse Punkte der Ausiührungen, die Herriot gestern in der Kammer gemacht hat, gewünscht, insbesondere über die die Bereinigten Staaten direkt angehenden Fragen. 3m Anschluß an diese Besprechung hatte Davis eine Unterredung mit Kriegsminister Paul- Doncour, um sich über das Vers ähren zu unterrichten, das Paul-Boncour auf der Abrüstungskonferenz einzuschlagen gedenke. 3n diesem Zusammenhang bezeichnet es die Agentur Havas als wahrscheinlich, dah Paul-Boncour sich in der Sitzung der Abrüstungskonferenz am 3. Rovernber darauf beschranken wird, den f ran» zösischenPlan in seinen Grundzügen mündlich mitzuteilen, da ein Memorandum ausgearbeitet werden soll, das erst nach der Rückkehr des Ministerpräsidenten nach Paris, die für Ende kommender Woche vorgesehen ist, in Angriff genommen werden kann. Doch noch Viermächlekonserenz? Amerikanische Bedenken gegen Herriots Plan. Paris, 30. Oft. (WTB.) Die gestrige Unterredung des amerikanischen Senators Rorman Da- vis mit Ministerpräsident Herriot wird vom „3ournal“ dahin beurteilt, dah sie Veranlassung gegeben habe, den Gedanken der Einberufung einer Vier- oder Fünfmächtekonferenz wieder aufleben zu lassen. Rorman Davis soll, „Chicago Tribüne" zufolge, sich gestern abend vor seiner Abreise nach Genf optimistisch geäußert haben. Jn pariser amerikanischen Kreisen glaube man, dah man mit Deutschlands Rückkehr auf die Abrüstungskonferenz in zwei oder drei Wochen rechnen könne. Den konstruktiven französischen plan halte man für eine gesunde Verhandlungsgrundlage. Allerdings verhehle man nicht eine gewisse Abneigung gegen den von herriot angeregten konsullativpakt, da ja bereits das Jieunmädjteabfommen, der Londoner Vertrag und das Pazifikabkommen derartige Konsultationen im Falle einer Vertragsverletzung vorsähen. Aach den von einigen Blättern gegebenen Berichten hat P a u l - D o n c o u r bei der gestrigen Besprechung auch betont, daß die Luftflotte und die M a r i n e als zu den im Mutterland stehenden, für die Rüstungsherabsehung in Frage kommenden Waffengattungen anzusehen seien. Der konstruktive Plan sehe übrigens nicht nur eine Herabsetzung der Personalstärke. sondern auch des Kriegsmaterials vor. Paul-Boncour über den plan. Paris, 30. Oft. (WTB.) Kriegsminister Paul-Boncour hat einem Havas-Dertreter u. a. folgendes erklärt: Der allgemeine Gedanke des konstruktiven Planes ist, zu einer effektiven und gerecht verteilten Herabsetzung der Rüstungen zu gelangen und den verschiedenen im Mutterland stehenden Armeen Kontinentaleuropas rein defensiven Charakter zu geben, wobei der geographischen Lage jeder Macht Rechnung zu tragen ist Dieser Defensivcharakter soll so start wie nut möglich ausgeprägt sein. Da es sich um eine internationale Frage handelt, ist die Dauer der Dienstzeit im nationalen Rahmen abhängig von den für die Allgemeinheit in Aussicht genommenen Reduktionen. Erst wenn und sobald dieser allgemeine plan angenommen ist, darf die Herabsetzung der Die Eröffnung der pariser Goethe-Ausstellung. Den Höhepunkt der französischen Veranstaltungen zum Goethe-Jahr 1932 bildet die große Goethe- Ausstellung, die jetzt in der Nationalbibliothek in Paris feierlich eröffnet wurde. — Don links nach rechts: Attache Forster von der Deutschen Botchaft: der franzöfische Luftsahrtrninister Pa in- 1 e v e , der Direktor der Nationalbibliothek C a e n : Unterrichtsminister de Monzie, der bekannte Dichter und Goethe-Fnterpret Paul Valery, Mitglied der Französischen Akademie. Dienstzeit in Angriff genommen werden, wobei selbstverständlich ihre Errechnung und Anpassung Sache der technischen Stellen des Generalstabes sein muh. Der konstruktive Plan sei von einer Reihe von Sicherheitspakten umrahmt zuerst der all* gememe Konsultat vpakt, der die B e r e i n i g t e n Staaten miteinbegreifen könne, ferner der Völkerbundspakt und die aus ihm abgeleiteten Abkommen wie der Locarno-Pakt, ferner der auf den Beitritt der Kontinentalmächte beschränkte, oben analysierte Militärpakt, aus dem sich außer der gegenseitigen Hilfeleistung die Vereinheitlichung und Einschränkung der Armeen ergeben würde. Die Grundsätze dieses Planes seien in Genf im Einvernehmen mit den militärischen Sachverständigen der französischen Delegation und im Einvernehmen mit Benes ch, Politis und anderen Delegierten der Abrüstungskonferenz ausgestellt worden Aus oller Welt. Deutsches postflugzeug London-Köln verunglückt. Die Piloten vermißt. Berlin, 30. Oft. Das Postflugzeug D2017 der Strecke London—Köln, das am Samstag um 19 Ahr von London abgeflogen war, sandte etwa 40 Minuten nach dem Start sunkentelcgraphische Hilferufe. Da sich .s Flugzeug zu dieser Zeit in der Rähe des Kanals befinden mußte, wurde sofort der gesamte Küstenwachtdienst alarmiert. Es gelang jedoch nicht, eine Spur von dem vermißten Flugzeug zu finden. 3m Kanal herrschte schweres stürmisches Wetter. Auch die Besatzung eines heute nach Tagesanbruch zur Rachsuche von Köln nach London entsandten Flugzeuges tonnte keine Feststellungen machen, so daß man wegen des Schicksals der Flieger bereits starke Besorgnisse hegte. Entgegen einem Gerücht aus Brüssel, das von der Rettung der Besatzung des verunglückten deutschen PostslugzeugS sprach, fehlen bi- Aur Stunde alle Rachrichten über deren Schicksal. Wie verlautet, sollen Teile der Maschine nahe der englischen Küste westlich treibend gesichtet worden sein. Das deutsche Gegenslugzeug D 2009 hat sich auf die Suche nach den Resten und nach der Bemannung des verunglückten Flugzeugs begeben und wird über dem Kanal kreuzen. Man nimmt an, daß ein Brand den Unfall verursacht hat, weil Kanaldampser in den gestrigen Abendstunden Flammen in der Lust beobachtet haben wollen. Die verunglückten Postslieger sind der Flugzeugführer Wilhelm Cuno, der bereits 300 000 Kilometer im Luftverkehr und davon allein auf der Rachtstrecke nach London 120 000 Kilometer zurückgelegt hat, und der Funker und Maschinist Werner Drebes, der bereits feit zwei 3ähren mit Cuno auf dieser Linie fliegt. Gronau in Bagdad. Der deutsche Flieger Wolfgang von Gronau hat am Sonntagmorgen mit der Bordstation im „Dornierwo!" wieder die direkte Funkoerbin- düng mit der Heimat ausgenommen. Trog der großen Entfernung und trog der geringen Energien, die diese Bordstation besitzt, ist die Verständigung ausgezeichnet. Der folgende erste Radiospruch des Weltfliegers erreichte die Hai> >>irqer Heimatstation am -conntag in den frühen Mittagsstunden: „Wir freuen uns, Sie rou^r zu hören. Bitte grüßen Sie Deutschland." Start heute 5 Uhr 43 MEZ. in Dender Abbas, Standort 6 Uhr 24 Rasna (Persien), 6 Uhr 43 Lujhir, 6 Uhr 58 Breite 29 Grad 20 Minuten Nord, Länge 49, 25 Ost Fliegen mit 120 Kilometer Stundendurchschnitt. Landen in 50 Minuten in Basra, um zu tanken. Start dann gleich wieder nach Bagdad. Gehen nicht nach Alexandrette, sondern nach Limassol auf Zypern, Eintreffen dort voraussichtlich Montag." Gronau ist, wie ein Funkspruch aus Bagdad meldet, dort eingetroffen. Oer bucklige Geiger. 13on Wilhelm Schäfer. In Honnef war ein buckliger Geiger mit solcher Kunst begabt, daß, wer ihn einmal horte, nicht gern mehr nach einer andern Musik tanzen mochte, jo sehnsüchtig quoll sein Ton. Sie riefen ihn weithin zu spielen, und wenn's ihm nur ums Geld gewesen wäre, so hätte er ein schönes Leben haben können. Doch'war er inwendig voll Gram und Sehnsucht, denn weil er selber noch ein Jüngling war, geschah es einmal daß er mit seiner Geige dazwischen sprang und miltanzte: obwohl sein Ton nun erst recht wie eine Amsel zur Freude lockte, stob alles im Gelächter um seinen Buckel auseinander So kam es, daß er wochenlang in seiner Kammer faß und nirgendhin spielen ging, so daß die Mutter, eine kranke Frau, viel Not mit ihm und den sangen Leuten hatte, die seiner zum Tanz benötigten. Da ging er einmal tief hinein ins Land, weit über das Gebirge und spielte in einem fremden Dors, und als sie alle luftig waren und die Augen der Tänzerinnen vom fr lang seiner Geige brannten, da wagte er es noch einmal und hüpfte mitten unter sie Die Mädchen aber kreischten auf, und die Burschen klopften ihm den Buckel wie eine Trommel: drum holte er sein Messer vor, schnitt die Saiten mitten durch mit einem Schnitt und lief hinaus bis in die sieben Berge, sich aufzuhängen. Doch als er in der stillen Waldluft an die blasse Mutter dachte, und daß sie keinen Sorger hätte, oe* sann er sich und schlich um Mitternacht nach Haus, die Nachtigallenschluchl hinunter. Da trat ihm aus bei Waldrand ein feines Mädchen In den Weg: bas war zu weiß unb windig für die Nacht gekleidet und hatte eine Stimme, die dünn wie Heim- chenzirpen klang. Sie bat ihn innig, er möge hier am alten Eichenbaum zum Tanz aufspielen, damit sie auf dem Wiesenplan dahinter tanzen könnte, und als der Geiger ihr mürrisch seine Fiedel zeigte, darauf kein Steg und keine Saite mehr war, nahm sie Mondstrahlen her und stellte ihren Silberkamm darunter. Er hatte sich schon selber um seiner Bosheit willen gescholten, griff freudig in die Saiten, und als sie heil und silbern klangen, nahm er den Bogen in die Hand und spielte, was der Mond ihm sagte. Es war kein Walzer und kein Rheinländer, und roa die Elfenkönigin mit ihren Gespielen danach tanzte, sah aus, wie wenn ein Rauch von Wind im Kreis getrieben würbe. So spielte er bis in den Morgen unb buchte nicht daran, selbst mitzutanzen. so wohl tat feinen Augen bas Gewoge ber silbernen Gewänder. Und als die erste Frühe kam, da wurden ihre Leiber blaß: doch sah er sie noch alle, wie sie in stiller Ruhe tarnen, ihm für fein Spiel zu danken. Und während er bedachte, daß dies viel schöner als mit Gold zu lohnen sei, tat ihm die Königin einen Schlag auf seinen Buckel, daß er den Stab zerbrechen hörte. Sogleich verschwanden alle in ber Helligkeit, unb nur ihr klingendes Gelächter blieb lange in ber Lust. Da glaubte er sich hier wie sonst verhöhnt und stieg mit bitterem Herzen in fein Tal zurück. Zu Hause stand seine Mutter vor der Tür am Wasser und wusch sich den Schlaf aus ihren Augen, sie tat vor Freude einen Schrei: unb als er seine Geige fast in den Strom geworfen hätte, so weh tat ihm das: da riß sie ihn am Arm zum Wasser hin, unb in ber grünen Morgenflut sah er sein Spiegelbild wie einen schlanken Lebensbaiiin------ Bayerisch. Was nicht im Wörterbuch steht. 3n ber bei Piper & Co. in München erscheinenden Serie „Was nicht im Wörterbuch steht" — aus der wir früher schon den Band „Sächsisch" vvn Hans Reimann hier angezeigt haben — ist ein neues Büchelchen erschienen, das sich äußerlich zwar kanariengelb präsentiert, innerlich aber und seinem Wesen nach brav und kernig die blau-weiße Rautenfahne hochhält, denn es handelt vom Lande und Volksstamm der Bayern. Der Verfasser heißt 3oseph Maria Lutz, und es ist ein schönes, lustiges und äußerst anschauliches Buch') geworden, mit Liebe und tiefer Sachkenntnis geschrieben von einem, der dazu berufen war, weil feine Wiege in Altbayern stand. Wer es gelesen hat, der weiß Bescheid: er wird mit Gründlichkeit. Schritt für Schritt gewisser- maßen, in die weihblauen Bezirke und 'Belange eingeführt. Lind wer im nächsten 3ahr nach Bayern fährt, in die Sommerfrische oder aus anderem Anlaß, der stecke sich das gelbe Bändchen ein als Baedeker und Wörterbuch. *) Dayerisch. Don 3oseph MariaLutz. Mit vielen Federzeichnungen von Karl A r - nolt) und Paul Reu. Farbiger Umschlag von Walter Trier. Flexibel kartoniert 3,20 Mk., in Ganzleinen 4,50 Mk. München, R. Piper & Co. — (256.) - Erst lernt man die Landschaft kennen, den Menschenschlag und den Dialekt. Die Graminatik ist mit vielen kernigen Beispielen ausgestattet, mit Redensarten, Sprichwörtern, Schnadahüpfln und Bildern. Dann wird man mit Wesen und tieferem Sinn der altbayerischen Geräte und Werkzeuge vertraut gemacht, als da sind der Mah- frug, die Pfeife und das „im Griff feststehende" Messer, welches bekanntlich in der Hintertasche der „kurzen Wichs" getragen wird und den verschiedensten Zwecken dient. Das Hauptkapitel, sozusagen mit drei Sternen versehen, handelt natürlich vom bayerischen Bier, und es ist sehr lehrreich zu lesen für alle, die sich im Hofbräuhaus mit Anstand zu benehmen und nicht unliebsam-preußisch oder sonst als Ausländer aufzusallen wünschen. Aber auch die bayerische Speisekarte wird gewürdigt, und die weibliche Leserschaft wird ihr Kochbuch gern mit Originalrezepten für „Hallertauer Bauern- Echmalznudeln" oder „Bayerische Topsenratzl" bereichern. Ein merkwürdiges und recht spannendes Kapitel handelt vom Wildern: ein anderes, volkskundlich sehr aufschlußreich, von der altbayerischen Bauernhochzeit: ein weiteres von bayerischen Teufeln und Ge'penstern: und den Beschluß machen die tiefsinnigen Betrachtungen „Vom richtigen bayerischen Sterben" und „Don der schönen ßeicb“. Das Ganze ist, mit vielen heiteren unb illustrativen Zeichnungen von Karl Arnold und Paul Reu geschmückt, kurzweilig unb mit großem Ruhen zu lesen. 7’ Oie Pechsträhne. Heber allerlei Spieler plaubert Hans Kafka im Rovemberheft von Delhagen & Klast n g s Monatsheften. „Den echtesten unb leidenschaftlichsten", so erzählt er, „fand ich in einem Manne, der an der Mole eines Riviera- Hafens herumlungerte. Ein Ausländer trat auf ihn zu und sagte: .Wollen wir nicht ein kleines Spiel riskieren?' Gewiß, warum sollte er nicht, es war Samstag, und in seiner Tasche klimperte ber Lohn. .Also Passe auf. fuhr ber Frembe fort, .das ist ein neues Spiel. 3ch nehme bie eine Pflaume in die Hand, schließe bie Hand, lege sie auf den Rücken — und bu rätst nun, ob die Pflaume ganz ist oder zerquetscht — Verstehst du! Wenn Du richtig rätst, bekommst bu von mir fünf Solbi, wenn nicht, hast bu sie zu bezahlen.' Der Spieler riet: .Zerquetscht' — der Frembe nahm bie Hanb nach vorne, öffnete sie, bie Pflaume war ganz. Der Spieler riet: .Ganz' — aber als er dann in die Hand sah. lag bie Pflaume zerquetscht darin. Das ging so eine Weile weiter, der Mann hatte bereits den Wochenlohn verspielt und setzte nun seine Mühe, seine Weste, seine Schuhe — 3d) nahm ihn einen Augenblick beiseite: .Sind Sie wahnsinnig? Das kann doch niemals für Sie gut ausgehen. Sagen Sie ganz', so zerquetscht er die Pflaume eben rasch hinter seinem Rücken, sagen Sie .zerquetscht', so zeigt er sie 3hnen ganz.' Der Spieler sah mich an: ,3a. ja, es handelt sich um eine Pechsträhne. 2lbcr jetzt kann ich nicht aufhören, wo ich soviel« verloren habe. Einmal muß ich doch gewinnen.'" Oer Ausbrecher als Plastiker. Eine nicht unbedeutende plastische Begabung offenbarte ein berüchtigter Einbrecher namens Balog bei feinem Versuch, aus dem ungarischen Gefängnis von Györ auszubrechen. An dem Abend, bevor er die Flucht durchführen wollte, knetete er aus Brot, das er sich aufbewahrt hatte, eine ziemlich ähnliche Porträtbüste von sich selbst unb legte sie in sein Bett, um die Wärter au täuschen. Den eisernen Ofen in seiner Zelle stellte er so, daß der übrige Teil deS Körper- verborgen war. Rachbem er die Vergitterung burch- gcfeilt hatte, lieh er sich an einem Seil, das er aus Streifen seine- Bettuches gedreht hatte, aus dem Fenster herunter. Aber da- Seil war zu kurz: er mußte herunterspringen und verstauchte sich dabei den Fuß. so daß die Wächter, die durch den Lärm des Falles aufmerksam geworden waren, den angehenden Plastiker leicht wieder einfangen konnten. £od)fd)ulnacf)rid)fcn. Dr. Hermann Mark, außerordentlicher Professor an der Technischen Hochschule in Karlsruhe und Leiter des Physikalisch-chemischen Laboratoriums der 3G-Farbenindustrie AG. in Ludwigshafen, hat den Ruf an die Universität Wien als Rachfolger von Professor R. Weg- scheider angenommen und bereits feine Ernennung zum ordentlichen Professor für Chemie erhalten. und 24. Oktober, 10. und 24. November Mch aus Lagdad Buntes Allerlei üad. ig von (Brom Ser Lordstation im sowie 10. und 28. Dezember 1932 folgenden Lohnzahlung. Tagung der Wnemngehvrigen in Gießen Oie Not der Schauspieler. — Oas Märchen von den Stargagen.— Gegen das politische Theater. Die Abführung der Bürgersteuer hat durch den Arbeitgeber alsbald an diejenige Gemeinde zu erfolgen, die die Bürgersteuer für 1931 auf der Steuerkarte angefordert hat. Der Arbeitgeber haftet für die von ihm einzubehaltende und abzu- fuhrende Bürgersteuer und setzt sich im Nichtbeachtungsfalle einer empfindlichen Bestrafung aus. Handarbeits-Ausstellung. Seit Samstagmittag bis heute abend veranstaltet das Haus der Handarbeit im Gasthaus „Hindenburg" eine Handarbeits- Ausstellung, in der aus dem reichen Warenbestände der Firma viele bewundernswerte Stücke zur Schau ausgelegt sind. In übersichtlicher Weise wird den Besuchern ein. Bild von der Vielseitigkeit der Handarbeitskunst geboten, das durch die Sorgsamkeit der Gestaltung der einzelnen Stücke und die Güte und Schönheit der Arbeiten angenehm auffällt. Man sieht Kreuz-, Spannstich- nifge nommen. Trotz trug der geringen besitzt, ift bie 3er» Igc’nbe erfte Aoöio- t bic YM' rnrqec dir zur Vubrr dem Schick-. ■VjjL-Minc ^tmbendM- TesensluWg 1 den Ächen oö verunglückten M» dem Kanal cm ‘3 r a n ö den naldam-ser in den CT in der Last be- eh 22%) Cbrrheiirn 'BtüDinvfilnlelbf mi' 65,5 65,25 65,5 65,75 Darmstadter und Nattonawan Dentiche Bonk und 0 — ■ tz. 0. Farven-Industrie . . 7 96,4 97,25 'äuolo^.iNvdilcn Tcutfdic Komm Sommelabl • 54,75 - — Didcontv-Geiellichasl. 0 75 75 75 75 Scheide anstatt ....... 1' 139.9 140,25 Dresdner Bant...... 0 61,75 61,75 61.75 61,75 Goldichmidt.........0 25,75 27,5 dlnlclh • Sfrir l 46.65 46,9 46,4 46,65 Sieichsham ...... 1 126.75 127,75 126,75 128 Rutgerswerke........0 40,25 41 e% ebem. 8% vrontl Hyv -Boni 32,5 33,25 32,13 33,25 Metallgeiettschaft....... 34,5 35 i'jri 't' . 1 > unkündbar bio 1935 76,5 77 — fl.tt.® . ..... . 0 6°o cbem 7% ,in- Ban ytau «fflüibp c. Selelljchali für (Hekkrijche 70.5 70,5 Davß & Freytag ...... 0, 4,75 4.75 80,5 81 — —* Unternehmungen .... 4 70 70 ehern 8% Br. Lande4v1cmd« 73 «beinliche EleltnjitLt . . . 62< 74 74 — briefantiii ßfanbbricfe R. 10 73 73 72,9 Schulten & Go....... 0 71 71,5 70,25 71,5 5d)ultbeto Pagenhoser ... 0 -lku eiUigemetne Kunstseide) 0 6°o ehern. 7% Br. üandeüpland- Sie mene L Halele..... s 118,5 119.5 116,5 119,75 57 57,5 brielanftm. ‘Blanbbricfe R. V 73,5 73,5 - — tiahmegn & lio....... IC 102,5 - — 106 Lemberg ... 0 55 56 Zellstoss Waldbos..... 0 43 41,25 4% CefterretdiDdie (BolDrente . 4,20"o Defleneid)1fd)«£Ubenent' 4°0 Unflürifdic Wolbrente 4% Unliariirde Gtaattrente v. 1910 4S% OHfll. von 1913 5% abaeft. fflolbmerilaner von 99 4% lurlildic Rcllanlcihe oon 1911 4% Türkische Bandadbabn-Anlelb Seele 1 11,25 1,05 6,45 6,2 6,13 3,3 3,5 11,25 6,4 6,25 6,13 3,35 3,4 11,2 6,45 6,45 6,45 3,3 Z,, 11,1 6,4 6,5 3,4 Bude nn......... Deutsche Erdöl...... Hettenkirchen«...... Harpen«......... Hoejch Eilen........ tzlle Bergbau....... Itte Bergbau Qenülle . . . Mioanenuene .... Äonnedmann-Röhre» . . . . * . 5 . b . 1 . 1 11 . 6 . 6 39.25 73,75 39.65 73 96 32 52 40 73 39.5 74 97 32,5 52,5 72,5 39 72,25 35,5 33 51.65 39.75 73,5 39 73.9 36,25 127,5 97,13 34 52,25 ZeUNoss Aichasjenburg ... 0 Deiiauer ®ae .......7 Daimler Motoren......0 Deutsche Linoleum.....0 '^renstein & Kovpei ..... 0 Leonhard Lieg.......6 Lvenska......... 0 Ibabe..........12 28 19,75 44 44,5 158,5 29,75 20 44,5 45 - 160 4% beflrti. Serie li 5% 9himin dct Inh. Rente o 190? 3,4 5,25 3,3 5,3 3,3 5,3 3,4 5,15 Manöfelber Bergbau .... ObedAlet Koköwerke . . . . 0 . 8 19,5 20 19,5 40 40,75 ,frankfurter Maichtne» . . . . 0 — 455^»Buman.verelnb.Rentev.l919 4% :Kumdntiihe oetelnh- Rente 4,5 8,4 4,6 8,5 4,5 8,45 4,45 Bbönix Bergbau...... Rheinttche VraunloNen. . . 4'/> 10 27 27 165 27 164,5 27 165,75 «eigner..........0 Mainkrak.werke Höchst a.M.. . 4 26 54,5 25,5 52,5 ■Ü% Änatoilet...... 19,75 20 20 20,4 SiheinstaV........ . 6 66.5 — 66 66,75 Süddeutscher Zucker.....8 130 . 130,5 28-Oktober 29-Okto er sämtliche Notierung sämtlich» Rotierung ollandische Roten........ 169,16 169.84 tztaiiennche Roten....... 21,50 21.58 Norwegische Roten........ 70.26 70,54 Deutsch-Lesterreich, 4 100 Sdjtobtg — Rumänische Roten........ 2,47 2,49 Schwedische Roten........ 71.96 72.24 Schwerer Roten......... 80.99 81,31 Lpanische Roten......... 34,39 34,-53 Ungarische Roten........ — — $.1 erl*“" tzonnlüy- 8tiU9tn: Sityener Heimat Monat x»W. anterSa"1 Snsch< nd)ten: 3 ztiM-l- L ®ortn vropagam Qßolf Hl der Mst MeM cinlcitcnv. fchüller fegte sich I1 die zu jen Eintritt in habe den il abgelehnt, zu müssen, sahr.n, wo der Aati gierung grobe h loerde sich nahmen d lid) leien, bemüht ge Mein De und der eine ma nalen herrschen, vergleich Aber die künstge dienst ui Beweg lalle sich To (lägen das wah richten. 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