Nr. 256 Erstes Blatt 182. Jahrgang Montag, 31. Oktober 1932 Pnrd und Verlag: vrühl'jche Univerfitäts-Vlich- und Lteindruckerei R. Lange in Sietzen. Lchriftleitung und Sefchäfirftelle: Schulltratze 7. Die Parteiführer im Wahlkampf Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 V, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton l)r. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein undfürdenAn- zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Biegen. Schwerer Raubüberfall in Erfurt 50 000 Mark sollten geraubt werden. - Ein Bankangestellter erschossen. davon. Der Polizeibeamte feuerte aus seiner Pistole sieben Schüsse hinter dem Kraftwagen her und verletzte dabei den Beifahrer. Die anderen Schüsse haben den Wagen getroffen. Der Polizeibeamte hatte die Geistesgegenwart, ein auf der Straße stehendes Motorrad sofort anzutreten und den Räubern nachzujagen. Er verlor aber das schnell fahrende Auüo bald aus den Augen. Autodiebe rauben in München 7000 Mark. München, 31. Ott. (WTB. Funkspruch.) In Schwabing wurde heute ein schwerer Raubüberfall verübt. Zwei Angestellte des Wohlfahrtsamtes sollten 7 00 0 Mark beim Wohlfahrtsamt abliesern. Als sie das Wohlfahrtsamt betreten wollten, sprangen zwei Burschen aus einem Auto, das die Angestellten verfolgt hatte, schlugen die Beamten mit Gummiknüppeln nieder, raubten den Geldbetrag und entflohen im Kraftwagen, ohne erkannt zu werden. Das Auto ist kurz vorher gestohlen worden. Washington, 31. Off. (TU.) Die aus diplo- malis^.n Kreisen bekannt wird, ist die Regierung der vereinigten Staaten bereit, Frankreich im Austausch gegen eine wesentliche Abrüstung weite st gehende Sicherheitsgarantien zu gewähren. Staatssekretär Stirn- f o n wolle vorbehaltlich einer endgültigen Regelung den Brianö-fir’lloggpaft als bindend anerkennen, d. h. im Falle drohenden Krieges eine friedliche Beilegung des Konfliktes zwischen den Beteiligten anskreben, und, falls diese erfolglos verlaufen sollte, Finanz- und Mirkschafts- boyfott gegen die Angreifernation in Erwägung Ziehen. Frankreich wolle dagegen das stehende Heer, die schwere Artillerie und die Tanks vermindern, falls die amerikanische Regierung die französischen Grenzen, besonders die gegen Deutschland, garantiere. Die Regierung der Vereinigten Staaten sei bereit, Frankreich diese Garantie in Form eines Gentleman agreements zu geben, falls Frankreich tat- sächlich abrüste und der amerikanische Senat seine ablehnende Haltung gegenüber jeder Art von 2Hili- tärbündnissen ändere. — Dieser Plan wird haupt- verhandlungsgegenstand des amerikanischen Sachverständigen Rorman Davis in Genf sein. Amerika garantiert Frankreichs Sicherheit? Gegenlei ung für Abrüstung Frankreichs? Rachdruck gefordert werden, daß solche Dinge von einem breiten Volkswillen getragen würden. Breitscheid spricht in Sachsen. Eheinnitz, 30. Ott. Sonntag nachmittag sprach in einer Kundgebung der Eisernen Front in der Sporthalle Dr. Breitscheid vor etwa 12 000 Menschen. Der reaktionäre Charakter des Kabinetts P a p e n ergebe sich, so sagte er, schon aus seiner Zusammensetzung. Papen hat sich selbst charakterisiert, als er in seiner Rede bei seiner Einzeichnung in das Goldene Buch in München gesagt habe, das Ziel sei die Wiederherstellung des Reiches in seiner alten Herrlichkeit. Die Methoden, mit denen die Regierung Papen die Arbeitslosigkeit bekämpfen wolle, seien verhängnisvoll. Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit gebe es nur einen Weg, und dieser sei die Stärkung der Kaufkraft. Mit den Kontingentierungsmaßnahmen zugunsten der Landwirtschaft verhänge Deutschland die Selbstblockade über sich. Die Isolierung Deutschlands werde infolge seines Aufrüstungsgedankens immer größer. Die Sozialdemokraten wollten zwar auch die G l e i ch h e i t i n d e r R ü st u n g , aber nicht durch Auf-, sondern durch A b r ü st u n g. Papen sage, er wolle unabhängig vom Volke und dessen Willen sein. Wenn Papens Herrlichkeit vorüber sei, werde der Sozialismus etwas neues aufbauen. Erfurt, 31. Oft. (MTB. Funkspruch.) Dor dem Gebäude der Deutschen Dank und Disconto- Gesellschaft wurde heute morgen ein schwerer Raubüberfall verübt. Mehrere Personen, die in einem Kraftwagen vorgefahren waren, überfielen einen Lohngeldträger und raubten ihm 5 0 0 0 0 Mark. ZweiBotender hiesigen Filiale der D e u t - schen Bank und Disconto-Gesell- schäft hatten von der Reichsbank 50 0 0 0 M k. a b g c h o l t und befanden sich auf dem Wege zur Deutschen Bank. Kurz vor deren Eingang sprangen plötzlich aus einem vor dem Bankgebäude haltenden Kraftwagen mehrere Männer heraus und gaben ohne irgendeinen Anruf auf die Dgnkboten zahlreicheSchüsseab. Einer der Boren sank sofort tot zu Boden, der andere erhielt einen schweren Bauchschuß. Die 50 000 Mk. waren in einer K i st e verpackt, die zur Erde fiel. Die Räuber wollten sich der Kiste bemächtigen, wurden jedoch durch das Dazwischenspringen eines De rkehrspolizisten daran gehindert. Die Räuber bestiegen schleunigst ihr Auto, das eine Hamburger Rümmer zeigte, und fuhren im schnellsten Tempo Kerne Antwort Deutschlands. Berlin, 31. Oft. (ERB. Funfspruch.) Zu dem morgen, 1. Rovember, ablaufenoen Abfommen über einen einjährigen Rü st ungs st instand, das von der Dölkerbundsversammlung im vorigen Jahre auf die Initiative Grandis abgeschlossen wurde, erfahren wir von zuständiger Seite, daß die deutsche Regierung die kürzlich erhaltene Umfrage des Generalsekretärs des Dölkerbundes, ob die beteiligten Regierungen mit einer Verlängerung dieses Abkommens um weitere 4 Monate einverstanden seien, nicht beantwortet hat und auch nicht beantworten wird, bevor die Frage der deutschen Gleichberechtigung geklärt ist. Maßgebend für die Haltung Deutschlands ist die Tatsache, daß, nachdem dieses im vergangenen Jahre von der Völkerbundsversammlung geschlossene Abfommen in den Zuständigkeitsbereich der Abrüstungskonferenz üdergegangen ist, Deutschland mit einer Antwort z u Maßnahmen der Abrüstungskonferenz Stellung nAjmen würde. Das will aber Deutschland nicht, so lange die Frage der Gleichberechtigung nicht geklärt ist. Diese Haltung Deutschlands ist auch in dem Schreiben der deutschen Regierung an den Präsidenten der Abrüstungskonferenz, Henderson, vom 14. September zum Ausdruck gekommen. Taten vollbracht habe: den Sturz des schwarzroten Systems in Preußen und im Reich und trotz des Leipziger Urteils die Beseitigung des Dualismus Reich-Preußen. Das Urteil des Staatsgerichtshofes erwecke den Eindruck, daß es aus allzu juristischen Hirnen hervorgegangen sei und die Praxis und die Wirklichkeit nicht genügend berücksichtige. Es habe zu dem absonderlichen Ergebnis geführt, daß jetzt zwei preußische Regierungen beständen. Das Urteil sei aber nicht besonders tragisch zu nehme n, und es sei zu erwarten, daß die Regierung v. Papen auch die sich daraus ergebenden Schwierigkeiten bald werde Überwinden können. Brüning vor dem Zentrum Westfalens H a g e n , 30. Oft. (TU.) Die Zentrumspartei Westfalen hatte für Sonntag zu einer großen öffentlichen Wahlfundgebung in der Stadthalle aufgerufen, in der Dr. Brüning sprach. Er halte es für seine Pflicht, so sagte er, gerade auf die Vor- gesch.chte dieser Wahl hinzuweisen als Warnung für die jetzige Reichsregierung, endlich die Verbindung mit den verfassungsmäßigen Vertretern des Volkes zu suchen. Die Regierung von Papen, die eingesetzt worden sei, um die Nationalsozialisten in die Verantwortung hineinzubringen, habe die Pflicht, streng bei der Wahrheit und Wirklichkeit zu bleiben und zu verhüten, das Volk in einen übertriebenen Optimismus zu versetzen. Sie müsse mit allen Mitteln versuchen, den Reichstag arbeitsfähig zu machen. Leute, die glaubten, aus dem Artikel 48 der Reichsverfassung jede Maßnahme und jede Möglichkeit begründen zu können, hätten in dem Urteil des Staatsgerichtshofes eine starke Niederlage erlitten. Er gebe zu, daß es notwendig sei, die Verfassung in einigen Punkten zu ändern. Die Aenderung der Verfassung dürfe jedoch nur auf verfass sungsmäßigem Wege erfolgen. Sie dürfe nicht das Ziel haben, das demokratische Grundprinzip der Weimarer Verfassung offen oder geheim zu beseitigen. Die Außenpolitik der Regierung von Papen müsse sich in erster Linie Hitler in Dortmund. Dortmund, 30. Oft. (TU.) Aus einer Wahl- propagandafahrt durch Westdeutschland sprach Adolf Hitler am Sonntag spätnachmittags in der Westfalen-Halle, die wegen Lieberfüllung polizeilich geschlossen werden mußte. Er betonte einleitend, daß die Partei fest und uner- schü11erlich dastehe, wie nie zuvor. Er fefcte sich sodann mit den Zuständen auseinander, , die zu jener Zeit herrschten, da man ihm den I Eintritt in die Regierung angeboten habe. Er habe den ihn angetragenen Sitz im Regierungszug abgelehnt, um nicht später wieder aussteigen zu müssen. Auch sei der Zug nicht dorthin gefahren, wohin die RSDAP. gewollt habe. Wenn der Rationalsozialismus in die Regierung einziehe, werde Deutschlands große historische Stunde schlagen. Dann 'werde sich auch Herausstellen, daß die Maßnahmen der gegenwärtigen Regierung unzulänglich seien. Schon vor 13 Jahren sei ihm, Hitler, bewußt gew,sen, daß das zersplitternde Parteien- shstem Deutschland auf dem Gebiete der Politif und der Wirtschaft zugrunde richte. Denn nur eine machtvolle Einheit des nationalen Willens und Handelns könne herrschen. Als Mann allein sei er, Hitler, im Vergleich nicht stärker als Papen oder Gahl. Aber die 14 Millionen Deutscher, die er für das künftige Reich gewonnen habe, seien sein Verdienst und d.e Krone mühevoller Arbeit. Die Eine Erklärung des Präsidenten des Herrenkiubs. Berlin, 29. Oft. (TU.) Graf Hans-Bodo von Alvensleben, der Präsident des Herrenklubs, richtet an die Telegraphen- Union eine Zuschrift, in der es u. a. heißt: „Ich habe bisher geschwiegen und mich nicht gewehrt, weil ich mir sagte, daß jeder vernünftige und einigermaßen unterrichtete Politiker doch selbst weiß, wie unbeteiligt der Herrenklub als solcher und gerade auch seine leitenden Persönlichkeiten an den politischen Entscheidungen der ganzen Jahre gewesen sind. Herrn von Papen sahen wir nur selten in unserem Kreise, und er hat seine ad- weichende Meinung auch mehrfach dokumentarisch niedergelegt. ^Inzwischen ist unser Klubfreund Herr von Papen Reichskanzler, und Herr von G a y l — den wir leider noch seltener als Herrn von Papen bei uns gesehen haben — ist Reichsinnenminister geworden. Aber wir haben schon damals, als die beiden Herren noch sozusagen Privatleute waren, keinen Einfluß auf ihre Entscheidungen genommen. Wer auch nur einigermaßen weiß, wie locker das Zusammenleben in einem Klub ist — die Ungebundenheit ist da ja das Wesen des Klubs, im Gegensatz zu einem Verein oder gar einem Bunde — kann nur lächeln über die Mär- ch e n, die seit Anfang Juni von allen Seiten über den Herrenklub verbreitet worden sind. Wir sollen den Sturz von Brüning veranlaßt und die Berufung von Papen durchgesetzt haben! Dabei weiß doch jeder politische Laie, daß der Reichspräsident von Hindenburg seine Entscheidungen völlig unabhängig trifft. Der Klub hat seiner Bestimmung und seinen Satzungen nach auch gar nicht den Ehrgeiz, als sol- cher politischen Einfluß zu nehmen. Sein Zweck ist lediglich, Gelegenheit zu politischer Aussprache zu geben und damit der Sammlung und Information unabhängiger Persönlichkeiten zu dienen, die über Partei- und Organisationsschranken hinweg sich verantwortlich fühlen über Volk und Staat. Wenn eine Regierung in dieser Grundeinstellung mit uns über- einstimmt und wir in diesem geistigen Sinne eine Verbindung zwischen Regierung und Volk darstet- len, so ist gegen eine solche Funktion doch sicher von keiner Seite etwas einzuwenden. Um so ent« schiedener können wir aber die Behauptungen mi.be Hegen, die dahin gehen, daß die Mit- glieder der Regierung an Beschlüsse des Herrenklubs gebunden wären und damit von anderen Kreisen des Volkes ausgeschlossen würden." Gouverneur Or. Schnee tritt aus der OVp. aus. Dv r I i n, 29. Oft. (ERB.) Gouverneur z. D. Dr. Schnee hat an den Vorsitzenden der Deutschen Volkspartei, Reichstagsabgeordneten Singe ldeh, ein Schreiben gesandt, in dem er seinen Austritt aus der Deutschen Volfspartei erklärt. In diesem Schreiben sagt Dr. Schnee u. a., daß er die Zusammenfassung aller nationalen Kräfte zum Wiederaufbau Deutschlands und zu seiner Befreiung vom Druck des Versailler Diktates für ' eine unbedingte Rotwendigkeit halte. Hierfür sei die Mitwirkung der nationalsozialistischen Bewegung unerläßlich. Es erfülle ihn mit großer Sorge, daß die innenpolitischen Ereignisse zur entgegengesetzten Entwickelung geführt hätten. Seiner Ueberzeugung nach mache es die außenpolitische Lage notwendig, daß die gegenwärtig mangelnde breite Grundlage im deutschen Volke geschaffen werde. Gegen Schluß seines Briefes schreibt Dr. Schnee, daß er von dem Standpunkt aus, von dem aus er sich in den vergangenen Jahren politisch betätigt habe, keine Möglichkeit mehr sehe, im Rahmen der Deutschen Volkspartei weiterzuwirken. Die „Rationalliberale Correspondenz" schreibt zu der Austrittserklärung des Gouverneurs z. D. Dr. Schnee: „Der frühere Reichstagsabgeordnete Dr. Schnee hatte die Deutsche Volkspartei gebeten, von einer Wiederaufstellung zum Reichstage abzusehen, weil er sich ausschließlich der Leitung der von ihm geführten Verbände widmen auf die Abrüstung und nicht auf die Aufrüstung beschränken. Das deutsche Volk würde nicht in der Lage sein, in den nächsten Jahrzehnten finanziell Schritt zu halten mit den Rüstungen der Nachbarn. Unsere stärkste Waffe sei daher die A b r ü st u n g s- forderung. Durch die K o n t i n g e n t s p o li - t i k der Reichsregierung fei unsere auf Ausfuhr eingestellte Industrie geschädigt. Außerdem sei unsere Landwirtschaft durch die Nichterfüllung von Versprechungen auf diesem Gebiete enttäuscht worden. Recht, Sicherheit und Verfassungssicherheit seien die Grundlage jeder Staatsführung und notwendig zur Aufrechterhaltung jeglicher Staatsautorität. Die Zentrumspartei kämpfe für eine autoritäre Regierung, die in völliger Verantwortung führe, keine Prestigepolitik treibe und den Mut habe, sich im Reichstag mit den verfassungsmäßig gewählten Vertretern des gesamten deutschen Volkes auszusprechen. Brüning forderte zum Schluß dazu auf, für das Vaterland, für wirkliche Autorität, für die Grundlage einer wirklichen Wirtschaftsbesserung, für Wahrheit, Recht und Freiheit zu kämpfen. Die Ausführungen Dr. Brünings wurden mit starkem Beifall ausgenommen. Siegerwald zur Verfaffungsreform. Solingen, 30. Oft. (ERB.) In einer Versammlung der Zentrumspartei beschäftigte sich am Samstagabend Minister a. D. Dr. Steger - Wald mit der Rede des Ministers v. G a h l vor dem Verein Berliner Presse. Die Aenderung des Wahlrechts durch Verkleinerung der Wahlkreise Heraufsetzung des Wahlalters au 25 Jahre die Erteilung von Zusatzstimmen an Familienernährer und Kriegsvcrletzte seien Dinge über die man sprechen könne. Die Meinungen gingen auseinander über den Weg der hierbei einzuschlagen sei. Die Zentrumspartei wehre sich mit aller Entschiedenheit dagegen, daß solche einschneidenden Aenderun- gen durch Verordnungen getroffen würden. Wenn auch in der Haltung des Ministers eine starke Annäherung an den Standpunkt des Zentrums festzustellen sei, so müßte doch mit allem B e toegung werde weiter wachsen. Er lasse sich nicht davon abbringen, daß es eine Volksgemeinschaft geben müsse, die berufen sei, das wahrhaft freie und nationale Reich zu errichten. Rerchstagspräsident Göring spricht in Frankfurt. Frankfurt a. M., 29. Oft (WSR.) In der FosthaUe veranstaltete heute abend die RSDAP. eine Massenkundgebung, in der Reichstagspräsident Göring das Wort ergriff. Der Redner zählte die Ereignisse seit der letzten Reichstagswahl auf und ging besonders eingehend auf die Gründe ein, die Adolf Hitler veranlaßten, die ihm angebotene Vizekanzlerschaft abzulehnen. Vor den Olamen Hitler gehöre nicht das Wort Vize oder Stellvertreter. Uebrigens habe Hitler nicht die gesamte Macht verlangt, wie man es jetzt die Wähler glauben machen wolle, sondern die Staatsführung, und Hitler hätte nicht nur das Recht, sondern die Pflicht gehabt, diese Staatsführung zu verlangen. Die RSDAP. fordere endlich die Macht, um Deutschland retten zu können. 2m letzten Augenblick, als die Verhandlungen um die -Regierungsbildung noch nicht vollkommen gescheitert gewesen wären, sei aus dem Halbdunkel gewisser Klubs eine neue Machtgruppe in Erscheinung getreten, die v. Papen vorgeschoben habe, nicht um das Volk zu -retten, sondern um die Sonderinteressen dieser Gruppen zu verteidigen. Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen übte Göring dann außerordentlich scharfe Kritik an der Regierung Papen, an der Art und Weise, wie sie zur Regierung sich gedrängt habe, wie sie bis jetzt ihr Amt ausgesührt habe. Den Klassen- kämpf habe die Regierung neu heraufbeschwo- ten, ein hohles Wirtschaftsprogramm führe Deutschland in weiteres Elend und die Papensche Außenpolitik habe Deutschland jetzt mehr denn je in der Welt isoliert. Auch die Deutschnationalen und der Stahlhelm erfuhren scharfe Angriffe seitens des Redners. Die DRVP. müsse doch eigentlich froh fein, daß die Hitlerbewegung ins Leben gerufen worden sei, denn sonst gäbe es gewiß keine Deutschnationalen mehr. Hitler habe doch erst dafür gesorgt, daß man in Deutschland wieder national denken lernte, und wenn die Hitlerbewegung einmal zerschlagen würde, dann auch wehe der Deutschnationalen Volkspartei. Hugenberg über seine Ziele. Leipzig, 29.0kt. (ERB.) Der deutschnationale Parteiführer Dr.Hugenberg sprach in einm: Wahlkundgebung der DRVP. In einem geschichtlichen Rückblick verteidigte er die Haltung seiner Partei, die sich stets treu geblieben sei- Hierbei wandte er sich in sehr scharfer . gegen die Rationalsozialisten. Mit Unrecht werde die DRVP. von den Rationalsozialisten des Plagiats bezichtigt. 2n Wirklichkeit sei das nationale Gedankengut nicht von ihnen erfunden, sondern stamme aus der nationalen und alldeutschen Bewegung. Auch das Wort vom „Dritten Reich" habe er im Jahre 1919 auf dem Deutschnat nalen Parteitag in Berlin zum erstenmal geprägt, und seine Partei behalte das Ziel des Dritten Rei- chesfest undunerfchütterlich imAuge, weil sie davon überzeugt sei, daß das jetzige Reich dem deutschen Volke niemals Glück und Segen bringen tonne. Sie DRVP. habe mit ihrer Politik die Verewigung der marxistischen Herrschaft verhindert und das Bürgertum, d. h. alle nichtsozialistisch denkenden Kreise, gerettet. Es sei zu hoffen, daß ter Weg zur Errettung Deutschlands durch die Regierung Papen beschritten sei. Bei aller inneren Unabhängigkeit der Partei von der Regierung v. Papen müsse anerkannt werden, daß sie zwei große Erlcheinl täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Jllustrterte Gieyener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Aernsprechanschliisse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten^ Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: firanffitrt am Blain 11686. MtzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen wolle. Run veröffentlicht Dr. Schnee einen längeren Brief an den Abgeordneten Dingeldey, in Lern er seinen Austritt aus der Partei mit einer politischen Begründung versieht, die sich gegen die Politik de- xabinettS v. Popen richtet. Wenn Dr. Schnee die Heranziehung der Ra- tivnalsozialisten zur Verantwortung befürwortet, so weih er selbst sehr genau, dah die Deutsche Dolkspartei diese Forderung schon seit Jahren vertreten hat. Gr weih ferner, dah die Nationalsozialisten am 13. August das Angebot deS Reichskanzlers und deS Reichspräsidenten, an der Regierung mit starken Machtpositionen beteiligt zu sein, abgelehnt haben. Insofern fehlt dem Austritt von Dr. Schriee jede stichhaltige Begründung." Oie neue kommiffarische Preußenregierung. Berlin, 31.Oft Die Ernennungen der neuen Kommissarischen preustenregie- r u n g werden jetzt veröffentlicht nachdem die Urkunde bereits vollzogen worden ist. Mit der Wahrnehmung der Geschäfte der preußischen Minister werden beauftragt: Inneres: Dr. Bracht, der zvm Reichsmini- ster ohne Geschäftsbereich ernannt worden ist; Finanzen . Dr. p o p i h, der ebenfalls zum Reichsminister ohne Geschäftsbereich ernannt wurde; Landwirtschaft: Reichsernährungsminister von Braun; wirtschaft und Arbeit: Staatssekretär L r n st; Kultus: Prof. Dr. Koehler (Greifswald); Justiz: Staatssekretär Hölscher. Schwere Zusammenstöße in Hamburg. Hamburg, 30. Oft. (XU.) Gestern gegen 16.30 Uhr kam eS tm Stadtteil Eimsbüttel zu einer Schlägerei zwischen Reichsbanner leuten und einigen Äationalsozia- listen. 3m Verlause dieser Schlägerei blieb ein AeichSbannerrnann tot am Platze. Eine »weite Person erhielt einen Oberarmschuh.Es hatte sich beim Plakatekleben eine Auseinandersetzung entsponnen. Eine gröhere Kolonne AeichSbanner- leute wollte einen Rationalsozialisten verprügeln. Dieser ergriff die Flucht und wurde nachher gestellt. Cr soll, da er sich bedroht fühlte, eine Pistole gezogen und mehrere Schüsse abgegeben haben. Ein Mann, der ein Abzeichen der antifaschistischen Aktion trug, wurde am Oberarm durch einen Schuh verletzt. Als der Tat verdächtig wurden der 26jährige Expedient 3ohann Asmus unb sein 24jähriger Bruder, der Handlungsgehilfe Kurt ASmus festgenommen. Beide sind Mitglieder der RSDAP. Bon der Gaupvessestelle der NSDAP, wird eine längere Erklärung veröffentlicht, in der gesagt wird, Loh der Tater von etwa 20 Reichsbannerleuten überfallen worden sei und zunächst Schreckschüsse in die lluft abgegeben habe. Als die Angreifer nicht von ihm abgelassen hätten, hätte er schließlich auf diese geschossen, wobei ein Reichsbannermann, der schon verschiedentlich an Uebersällen auf Rational- sozlalisten beteiligt gewesen sei, den Tod erlitten habe. Der Täter soll schon häufig von politischen Gegnern überfallen und verletzt worden sein. 3m Laufe des heutigen Sonntags ist es in Hamburg wiederum zu sehr schweren Zwischenfällen gekommen, in deren Verlauf mehrere Personen mehr oder weniger schwer verletzt wurden. Die schwersten Zusammenstöße spielten sich in den Stadtteilen Hammerbrook und B a r m b e ck ab. In fast allen Fällen entwickelten sich die Zusammenstöße aus Streitigkeiten mit nationalsozialistischen Werbekolonnen, die am Sonntagsrüh in verschiedenen Stadtteilen eingesetzt worden waren. Als eine solche Werbekolonne tue Wenden st raße durchzog, wurde sie plötzlich von Kommunisten und Reichs- bannerkulen angegriffen. Es fiel eine große Anzahl Schüsse und die sich entwickelnden Schlägereien zogen sich durch mehrere Straßen hin. (Eine schwere SdHcfjerel sand auch vor einem nationalsozialistischen Berkehrslokal am Hei- dcnkampweg statt. Die Polizei erschien überall mit großem Aufgebot und mit zwei bzw. drei Schnellwagen, jedoch verschwanden bei ihrem (Eintreffen die Täter sofort von den Straßen. Sogar d i e Verletzten wurden In den m ei ft en gälten mitgenommen Die genaue Zahl der Opfer läßt sich nicht übersehen. Auf nationalsozialistischer Sette werden zwei S A.-L e u t e mit Rücken st ichen, ein SS -Mann mit einer schweren Kehirnverletzung und ein weiterer SA.-Mann mit Kopfverletzungen Semelbet, die von Schlägen mit einer mit Nägeln ewehrten Latte herrühren, ferner sieben Leichtverletzte. Das Reichsbanner meldet einen Schwerverletzten und eine Anzahl Leichtverletzter Weiterhin kam es am Sonntag gegen 13 Uhr 50 in der Holstenstraße an der Wandabeker Seite zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten noch zu einer dritten Schlägerei, in deren 'Verlaus auch einige Schüsse fielen. Hierbei wurde der in Wandsbek wohnende 4-1jährige Hch. Schwarz, der Mitglied der KPD. ist, durch Bauchschuß verletzt. Einschreitende Polizeibeamte wurden gleichfalls beschossen, mit Steinen beworfen und jo hart bedrängt, daß sie auch ihrerseits von der Schußwaffe Gebrauch machen mußten. Dadurch wurde der in Wandsbek wohnende 27jährige Bruno Borowski, als er einen Stein auf die Beamten werfen wollte, durch Kopfschuß verletzt. Auch Borowski soll Angehöriger der KPD. sein. Oie Königsberger Unruhen vor Gericht. Königsberg i. Pr-, 29. Okt. (WTB.) Dor dem Sonderger cht fand heute der Prozeß gegen 19 Nationalsozialisten statt die beschuldigt wurden, an den Unruhen vorn 1. August beteiligt gewesen zu fein. Zunächst wurde gegen 11 Angeklagte verhandelt, denen oorgeworsen wird, einen zweistöckigen Schuppen und eine Laube vorsätzlich in Brand gesteckt und mehrere Wohngebäude beschädigt zu haben. Am Tagender Reichstagswahl waren die Angeklagten bis etwa 22 Uhr in einem Lokal versammelt. Von hier aus begaben fi« sich in die Wohnung eines Parteigenossen, in der man die durch Radio übertragenen Wahlergebnisse abhörte. Um etwa 4 Uhr verteilte der Angeklagte Diplomhandelslehrer Burow, der Sturmführer des Sturmes 12, an einzelne Mitangeklagte Flaschen mit Sprengstoff, die bann zwischen 5 und 6 Uhr durch einige Angeklagte in dem Vorort Kalt- Hof auf einige Grundstücke geworfen wurden. Die Angeklagten haben in ihren Aussagen erklärt, daß sie hierbei einem Befehl gefolgt seien. Sie sollten In Kalthos Unruhe stiften und die Flaschen aus- roerfen, es aber vermeiden, Personen- ober Sachschaden anzurichten, desgleichen sollten Zusammenstöße mit der Polizei ober Reichswehr vermieden werden. Da- Urteil lautete: Der Angeklagte Raether wird freigesprochen. Die übrigen Angeklagten werden unter Freispruch von den übrigen Anklagen verurteilt: Günther. Largel, Gerhard Kuhn, Bruno Kühn, Otto Kuhn, Liß, Müller, Gust und Wetzel, sämtlich wegen schwerer Brandstiftung in Tateinheit mit vollendeter einfacher Brandstiftung, Burow wegen Anstiftung dazu. Tie Strafen wurden wie folgt erkannt. Durow zu l>/2 Jahren Zuchthaus, Müller ein Jahr Gefängnis, der Zugendliche D a r g e l zu fünf Monaten Gefängnis, alle übrigen zu neun Monaten Gefängnis. Die von den meisten Angeklagten erlittene Untersuchungshaft wird voll angerechnet. Anschließend trat daS gleiche Dondergericht sofort erneut zusammen, um gegen die wegen der Tankstellenattentoie vorgesührten acht Angeklagten zu verhandeln. Die Anklage legte sieben Angeklagten versuchte Brandstiftung an einer Tankstelle zur Last und dem angeklagten 'Buchhalter Erich Walter Anstiftung zu diesem Verbrechen. Walter wurde zu neun Monaten Gefängnis, die übrigen Angeklagten zu fünf bis sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Aus Oer Provinzialbauptstadt. Gießen, den 31. Oktober 1932. Bunter Herbst ... Jede Jahreszeit hat ihre eigenen Farbtöne, in die, von unsichtbarer Hand, auf Berge, Wiesen, Wälder und weite Ebenen getaucht werden. Das unendliche Weiß des Winters wird abgelöst durch die ersten hauchdünnen, zaghaften Farbklänge des erwachenden Lebens der Ratur, und zum Sommer hin vertiefen sich diese Farbmelodien, werden ausdrucksvoll und stolz vor Kraft. Und fie beginnen zu verblassen, wenn der erste kühle Lufthauch sie streift. Das ist der Vorbote des Malers, dessen Tuschkasten so viele Farben enthält, daß die einzelnen Klexe durcheinanderpurzeln und neue, ungeahnte Farbspiele bilden. So reich an Phantasie ist niemand außer ihm. so bielgeftaltenb, lebendig und stimmungswechselnd. Jedes Blatt, das der einschlafende Baum herabwirft, hat ein anderes Gesicht, spricht an einem Zipfel noch von den Freuden des Sommers, und gegenüber die andere Zacke hat die Farbe schon verloren und die Kraft, und die feinen Adern pulsieren nicht mehr so freudig Das Blatt ist müde. Wo wir Hinschauen: immer wieder entdecken wir diesen Kontrast, der Leben heißt. Bunt ist alles um uns geworden, und bunter noch regt es sich in unseren Gedanken. Denn alle Stimmungen, die uns gefangennehmen, finden einen Widerhall in der Äatur. Und alles Gedachte, das fönst nur heimlich, ohne Form und Farbe in uns wuchs, findet plötzlich fein Bild dort draußen, wo die Gräfer und die Bäume ihr Kleid wechseln. Die Sonne scheint, aber sie wärmt nicht mehr sehr. In den Wäldern tropft es bunt von den Bäumen und rauscht geheimnisvoll. Denn alles, was dort lebt, ist dem Herbst untertan, der seine eigene Freude am Spiel von Mosaikgebilden hat. Und der Mensch, der durch diese buntgemalte Landschaft geht, wird nachdenklich und oft genug sich dessen nicht bewußt, daß er nur ein Glied in dieser Kette ist. die in ihren hellen und dunklen Farbklexen über daS Sichtbare hinaus eine Welt von Stimmungen in sich trägt, die verzaubert ist, um dem Schlaf entgegensuträumen. E. M. Eine Familie wegen Hehlerei verhaftet Der Polizeibericht meldet: Am Samstag wurde in Wieseck die Familie des SchneiberS U.. bestehend aus Mann, Frau und zwei Söhnen, unter der Beschuldigung der Hehlerei bzw. des Einbruchs verhaftet. Die Festgenommenen wurden gestern dem Amtsgericht zugelührt, das gegen die Sltem und einen Sohn Haftbe'ehl erließ, während der andere Sohn schon von der Polizc wieder auf freien Fuß gesetzt war. Die verhafteten Eltern haben sich bei den gemeldeten zahlreichen Diebstählen in der letzten Zeit in Gießen und Umgegend der Hehlerei schuldig gemacht. Bei der Haussuchung in ihrer Wohnung fand man Kleidungsstücke und Stosse, die aus dem Einbruch in Grün- berg herrühren. sem:r elektrische Haushaltsgeräte, die aus einem Einbruch in Klein-Linden stammen. Bei einer in Gießen wohnenden Tochter wurde gleichfalls Diebesgut gesunden, das der Familienvater dort hingeschafft hatte. Während die Eltern der Hehlerei beschuldigt werden, kommt der Sohn als Mittäter bei den Einbrüchen in Betracht. Der junge Mann hat ferner mit einem Floberlqewehr am Ortsrande von Lollar eine Anzahl Hühner abgeschossen und diese Beute ebenfalls mit »verschärft". DaS Ermittlungsverfahren in der großen Diebes- und Hehlerafsäre nimmt seinen Fortgang. Daten für Montag, 31. Ettobcr. 1517: Luther schlägt seine 95 Thesen gegen den Ablaßhandel an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg an. Bornotizen. — Tageskalender für Montag: Ev. Kirchengemeinde Gießen, 23.15 Uhr, Turnhalle am Oswaldsgarlen, Gustav-Adolf-CecächniS eier. — Volkshochschule, 20 Uhr, Universität (1. Stock). Kursbeginn. — Dezirkssparkasse Gießen, 9 bis 18 Uhr Turnhalle der Pestalozzischule, Ausstellung: Kinderland und Spargedanke. — HauS der Handarbeit, Hotel Hindenburg 11 bis 13, 15 bis 19 Uhr. HandarbeitS-Ausstel'u „ — Lichtspielhaus Bah hofstrase: »Flucht von der Teufelsins.l'. — Astoria-Lichtspiele. Settec»u,vg: 17, 19 und 21 Uhr, .Das Geschlechtsleben". — Aus dem Stadttheaterbureau wird unS geschrieben: Morgen, 20 Uhr, 5. Vorstellung im Dienstag»Abonnement, Wiederholung deS Lustspiels: .Roulette", von Ladislaus Fodor. Spielleitung: Karl Hehser. Gewöhnliche Preise. Ende 22 Uhr. Am Mittwoch, 2. Rovern der, Erstaufführung des StückeS: .Sechs Perfcmen suchen einen Autor", ein Stück, das gemacht werden soll, von Luigi Pirandello. Mit der Erstaufführung dieses b.zarr anmutenden Werkes wirb an unserer Buhne erstmalig ein Werk des bekannten Italieners in den Spielplan ausgenommen. Spielleitung dieses in seiner Idee neuartigen Stückes hat Oberspielleiter Peter Fas sott. Die Erst- aufsührung ist die 5. Vorstellung im Mittwoch- Abonnement. Spieldauer von 20 bis 22 Uhr. ** Zentralstelle für Srf orschung der Kriegsursachen. Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers a. D. Dr W. Marx veranstaltete die .Gesellschaft für Erforschung der Kriegsursachen" am vorigen Freitag in Berlin ihren ersten Vortragsabend vieles Winters. Professor Dr. R o l o f f von der Universität Gießen sprach über das Thema .Verantwortlichkeit am Weltkrieg". An der sich an den Vortrag anschließenden angeregten Aussprache beteiligten sich u. a. Staatssekretär a. D. Zimmermann, Professor Dr. J) c r r c, Prof. Dr. Görcke, Dberftubien« bireftor Dr. Reiinann, Dr. von W e g e r e r. Gustav.Adolf - Gedächtnisfeier. Veranstaltet von der evangelischen Kirchengemeinde Gießen, findet heute abend in der Turnhalle am Oswaldsgarten die Aufführung eines Spieles von Josef Schieber unter dem Titel .Gustav Adolf" statt, das in eindrucksvollen Bildern der Kirche Rot und Rettung schildert. Das Stück wurde dieser Tage bereits in Bad-Rauheim mit großem Erfolg aufgesührt. Darsteller sind Dad-Rauheimer Laienspieler. Der Verein für christliche Musik hat seine Mitwirkung zugesagt. "Kursusbeginn an derVolkShoch- schule. Heute, Montag. 31. Oktober. 20 Uhr, beginnen in der Universität die Kurse „(StbiT, »Unsere Muttersprache", .Englisch!" (für Anfänger), »Englisch l!" (für Fortgeschrittene). Näheres ist auS der heutigen Anzeige ersichtlich Oer Wahlkampf in Gießen. NSDAP. Die Ortsgruppe Gießen der RSDAP. hielt gestern abend im Cafe Leib eine Wahlkundgebung ab. Redner deS Abends war Prof. Dr. Suchen- wirt, Wien. Cr sprach über das Thema .Pa - pen oder Hitler?" und führte u. a. aus: In Deutschland sei man verständlicherweise wahl- mübe. Die RSDAP. sei daran nicht schuld. Der letzte Wahlkampf sei begeistert geführt worden. Hitler zog mit den bisher je auf eine Partei vereinigten größten Anzahl von Abgeordneten in den Reichstag ein. Man hoffte, daß ihm der Auftrag zur Regierungsbildung zuteil werde, wie eS nach geübtem Brauche bisher immer der Fall war. daß der stärksten Partei der Auftrag zur Regierungsbildung wurde. Am 13. August habe man aber eine harte Enttäuschung erleben müssen. Dem Führer der größten Partei hätte die Führung überlassen werden müssen. Das wäre keine unberechtigte Forderung gewesen. Hitler habe auch nicht unrecht daran getan, den Posten des Vizekanzlers abzulehnen. Den Erfolg feines Kampfes habe er nicht um ein Linsengericht preisgeben dürfen, denn die Macht wäre doch weiter bei Popen geblieben. Die Annahme der angetragenen Aemter hätte für die Bewegung den Tod bedeutet und damit den Tod für dos deutsche Volk, denn die RSDAP. fei heute das deutsche Volk. Die Aokehnung der Uebergabe der Macht an Hitler sei kein Ruhmesblatt für Hindenburg. Heute spiele der Herrenklub eine große Rolle. 1918 habe man nichts von ihm gehört, jetzt aber maße man sich dort größte Rechte an und wolle das Volk wieder in Abhängigkeit zwingest. Die deutsche Erde müsse für die Zukunft dem deutfchen Menschen gehören: er d.ürfe nicht Proletarier im eigenen Lande sein. Ter Wahlkampf gehe heute um die Frage: Popen oder Hitler? Herr von Papen, Freiherr, fei ein Mann mit vielen einflußreichen 'Verbindungen. ein reicher Mann, der dem Volke fern- stehe. Überwältigende Erfolge feien ihm nicht nachzufagen. Jetzt sei er auf dem besten Wege, Deutschland mit feiner außenpolitischen Führung völlig zu isolieren. Hitler habe mit Herrn von Papen nichts gemein. Er sei aus der Familie eines kleinen Beamten, habe früh arbeiten lernen müssen und erlebt, daß der deutsche Arbeiter marxistischen Utopien nachjage, er habe hungern müssen und die Sehnsüchte des Volkes begreifen lernen, um Weltkriege in vorderster Linie gekämpft und bann später feine Mission erfühlt, die Menschen zu begeistern, ein Volk zu führen. Er führe die Menschen zum Glauben an eigene Kraft. Am Sonntag werbe bas Volk bie unjtoci“ heutige Antwort geb:n: Für H tle un^RSLAP! Die arbeitende Menschheit, die Jugend insbesondere, erwarte von einer Regierung, dah sie die Möglichkeit schafft, die Glieder wieder nutzbar regen zu können. Die wirtfchaftllchen Maßnahmen der Regierung Papen müßten bereits als fehl- gefchlagen betrachtet werden. Mit Steuergutscheinen sei die Wirtschaft nicht zu retten. Es würden nur wieder Opfer von den Aermsten gefordert. An der Spitze des Volkes müsse ein Mann stehen, der (und mit ihm viele andere) für die Idee zu sterben bereit fei. Für die Ideen von Papens wolle niemand sterben, für Hitler opferten aber schon viele ihr Leben. Ernten müsse der, der gesät und geopfert habe. DaS deutsche Volk verlange den Führer aus eigenem Blute. Am 6. Ro- vember dürfe keine Stimme den reaktionären Parteien, keine Stimme für Papen gegeben werden. 2m Schlußwort wies der Redner darauf hin, daß der Deutsche in der ganzen Welt mit Spannung und hoffnungsvoller Erwartung auf die Geschehnisse im Mutterlande schaue Der AuSland- deutsche harre des Tages, da aus der Kraft des Mutterlandes das Ansehen der Deutschen im Ausland neu erwachse. Das Schicksal der deutschen Volksgenossen in aller Welt werde jetzt im Mutterland gestaltet. 2m Osten droh: daSDeutschtum in Trümmer zu gehen, die deutsche Sprache werde und sei in der Tscheche! und in Polen verboten, die Gefahr wachse mit jedem Tag. Dem Deutschen helfe nur eines: Großdeutschland! Gebildet aus Reich, Oesterreich und Danzig. Das werde bann wie ein Magnet sein für btc Deutschen in aller Welt. Dann werde daS deutsche Volk wieder im Mittelpunkte Europas stehen Die deutsche Landschaft, die Geschichte verpflichte uns zu sich. Das deutsche Land (da« der Redner in seinen vielen Erscheinungsformen vor das geistige Auge seiner Zuhörer führte) sei voll der wartenden Kraft, um allen zu geben. Man könne noch da und dort kultivieren, dem Meere Land abgewinnen neue Dörfer schaffen, wenn nur das größte Kapital, bie erfinbungs- reiche beutfche Arbeitskraft, mobilisiert werde. Wenn Ihr Mann abgespannt und nervös Ist wenn Ihn der Beruf aufreibt und wenn er müde und blab aussieht, so neben Sie ihm regelmäßig als Frühstücksgetränk und zu den ZwischenmahizeitcnOvomal- tlne. Sie enthält die wertvollsten Nährstoffe für Körper und Nerven und steigert in kürzester Zeit die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit auf gesunde, natürliche Weise Ovomaltine schmeckt sehr gut und Ist leicht verdaulich. Auch Ihnen selbst wird sie gut tun. Lieber an etwas Anderem sparen, aber Ovomaltine nehmen! Originaldosen zu RM. 1.15, RM. 2.15 und RH.4.— in allen Apotheken u. Drogerien. Ein Gratismuster erhalten Sie von der Fabrik Dr A. 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Autklärungs-Filmweik: Gestern vormittag 10 Uhr entschlief nach kurzer Krankheit, plötzlich und unerwartet, im festen Glauben an seinen Erlöser, mein lieber, herzensguter Mann, unser Bruder, Schwager und Onkel Im Ldwett, Neuenweg 28 Ab 9 Uhr vorm.: Wellfleisch mit Kraut. Abends: die bekannt guten Blatten. 2schläfrig. Bett mit Svrungr. u. Keil b. abz.Wo?s.d.G. o«386 Vergleichsverfahren. Heber das 23ei mögen des Bernhard! Süfj, Schajtjleppcrci, Giehen, Dahnhof- slrahe 65, ist am 28. Ditober 1932, 17.30 Uhr, das Vergleichsverfahren zur Abwen- düng des Konkurses eröffnet worden. Der Geschäftsführer Hermann Kirchner in Giehen. Am Nahrungsberg 16, ist zur Derfrauensperson ernannt. 7671V Termin zur Verhandlung über den Der- gleichsvorschlag ist auf Montag, den 28. November 1932, 9 Uhr, vor dem Amtsgericht in Gießen, Zimmer 112, anberaumt. Der Antrag auf Eröffnung des Verfahrens nebst seinen Anlagen und das Ergebnis der weiteren Ermittlungen find auf der Geschäftsstelle zur Einsicht der Beteiligten niedergelegt. Gießen, Den 28. Oktober 1932. Geschäftsstelle des Hessischen Amtsgerichts Gießen. Gießen, den 31. Oktober 1932. Neuenweg 52 Die Beerdigung findet Mittwoch, den 2 November, nachmittags 2 Uhr, von der Kapelle des Neuen Fried' hofs aus statt In tiefer Trauer: Klara Dörsch nebst Angehörigen, Gestern mittag entschlief infolge eines Schlaganfalls meine liebe Mutter, Schwiegermutter, Grobmutter, Schwester und Tante Frau Louise Jung Montagabend: Abschieds-Abend der seitherigen Kapelle Eliadis-Göller Astoria-Lichtspiele Gieften Nlir Montag, den 31. Oktober, 11 Ul Dienstag, den 1. November j Stadttheate Gießen. 7msD Dienstag, 1. Nov. 20—22 Uür 5. Dienstag-Abonn. Gewöhnliche Preise Noulette Lustsviel in 3 Akten ö. Ladislaus Aodor. Deutsch S. Getier. Frdl. möbi. Zimmer zu vermieten. 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Bon G. von Wer im Laufe der letzten Jahre, während eine vorbereitende Abrüstungskonferenz nach der anderen die klare Aufgabe der Abrüstung verzerrte, ins Ausland kam, konnte hier auf den Standpunkt flößen: Deutschland ist gar nicht abgerüstet In Frankreich, wie in Rumänien, in der Tschechoslowakei, wie in Polen wurde dem Reisenden versichert, daß die Deutschen dank ihrem großen technischen Können in der Lage seien, heim Ausbruch eines Krieges in Kürze alle europäischen Gegner zu übertrumpfen Unzweifelhaft sind diese Versicherungen von leitender Stelle aus wider besseres Wissen und Gewissen, verbreitet worden, um die eigene Nichtabrüstung zu rechtfertigen Ebenso wenig ist aber daran zu zweifeln, daß weite Schichten der Völker im Osten und Westen vorn Weltkriege her eine so hohe Meinung vom deutschen Können haben, daß sie das Unmögliche für möglich halten und diesen bewußten Falschmeldungen Glauben schenken Es ist von Interesse,' daß gleich nach dem Ab- -schluß dos russisch-polnischen Nichtangriffspaktes die Leningrader „Krasnaja Gazeta" aus der Feder ihres militärischen Mitarbeiters Kaisarow einen Artikel über die „Militärische Macht Deutschlands" bringt, in dem (ogl. „Gießener Anzeiger" Nr 199 vom 25. August D Red.) alle Lügenmeldungen über die deutsche Kriegsmacht ausgenommen werden Die deutsche Reichswehr sei eine Fabrik hochqualifizierter Unteroffiziere und damit nur das Skelett für eine Armee von 1 bis 14 Millionen Soldaten aus den halbmilitärischen Privatorganisationen An versteckten Gewehren und selbst schweren Geschützen (?!) sei kein Mangel Weiter wird das Märchen von der leichten Umstellung der Zioilflutzzeuge in Bombenflugzeuge aufgewärmt, das bisher Patent der großen französischen Mili- tarflugmacht war Es folgt der Hinweis auf die chemische Industrie Deutschlands, die mit ihrer Giftgasfabrikation alle Nachbarn schlagen werde. Wahrscheinlich will das Sowjetblatt mit dem Schreckgespenst der deutschen Kriegsmacht Polen Willfähriger machen, den Nichtangriffspakt zu ratifizieren Es ist nicht lange her, daß von französischer Seite behauptet wurde, die Hauptbasis der deutschen Rüstungen, besonders auf dem Gebiet des Flugwesens, liege in — Moskau. Die Mehrheit der Deutschen war nach dem Zusammenbruch kriegsmüde, kriegsfeindlich und ehrlich bereit, durch die eigene Abrüstung den Weltfrieden herbeizuführen Diese Stimmung war so stark, daß sie trotz der schmerzlichen und zum Teil mit unnützen Zerstörungen verbundenen Abrüstung, trotz der damit verbundenen Demütigungen und kleinlicher Schikanen der vielen triumphierenden „Siegerstaaten", trotz schimpflicher Kontrolle und immer wiederkehrender Verleumdungen standhielk Die Abrüstung wurde restlos durchgeführt, und Deutschlands Politik rechnete nur mit friedlichen Mitteln. Es gab. eine Zeit, wo der Pazifismus in Deutsch- Kügelgen. land herrschte und leider der Wehrwillen weiten Schichten des deutschen Volkes verloren gegangen war Man hatte bedauerlicherweise seine Freude an allem, was der «»0'ichen Vergangenheit Abbruch tat und den „Militarismus" herabsetzte Hätten die Sieger- ftaaten die versprochene Abrüstung damals in die Wege geleitet, wäre diese Stimmung wahrscheinlich in Deutschland außerordentlich vertieft und gefestigt worden Doch schon vor dem blamablen Zusammenbruch der Abrüstungsidee in Genf legten der drohend emporwachsende Festungsgürtel im Westen und die rastlosen Bemühungen zur Schaffung noch nicht dagewesener Kriegskräfte z u Wasser, Z u Lande und in der Luft bei allen Nachbarn Deutschlands Zeugnis für die Ueberzeugung ab, daß Deutschlands Abrüstung die Macht des deutschen Volkes nicht gebrochen habe Angesichts der steigenden Unsicherheit Deutschlands, hundertfach furchtbarer als die Unsicherheit des im Panzerkleide ruhenden, aber ängstlich nach Sicherheit rufenden Frankreich, mußte im deutschen Volk der Wehrwi11e erwachen. Das Beispiel des kriegsrüstenden Frankreich und seiner Verbündeten mußte schließlich auch auf die friedensgläubigsten deutschen Spießbürger wirken. Polens Eroberungs- und Kriegsgeschrei mußten Abwehrgefühle im Deutschen wecken Die langjährige Abrüstungskomödie war ein fortlaufender Anschauungsunterricht für die Stärkung des Wehrwillens. Die Erfolge der jungen Türkei, die von Polen, Litauen und Japan glänzend gelieferten Beweise für den Standpunkt: Macht geht vor Recht! mußten die begeisterten Verfechter des Völkerbundes, Völkerfriedens und der internationalen Gerechtigkeit immer weiter zurückdrängen. So ist erfreulicherweise der Wehrwillen im deutschen Volk von Jahr zu Jahr wieder gewachsen. Die Jugendbewegung und die Bünde, die großen nationalen Organisationen des Wehrgedankens und die nationalen Parteien haben den Wehrwillen bewußt gepflegt und in immer neue Schichten des Volkes getragen. Zuletzt hat dieser Wille in den Sturmabteilungen der Nationalsozialistischen Partei machtvollen Ausdruck gesunden. Das deutsche Volk in seiner Mehrheit ist wieder wehrwillig. Uni) damit hat es die wichtigste Grundlage einer jeden Landesverteidigung neu geschaffen. Denn trotz aller modernen Technik kommt es jetzt, wie zu allen Zeiten, noch mehr auf den Träger der Waffe, als auf die Waffe an. Wenn kein Wehrwillen vorhanden ist, hilft auch die beste Ausrüstung nichts. Ist aber das Volk wehrwillig, wird es sich auch schließlich die notwendigen Waffen schaffen. S.VundeMgdesSessischenSängerbundes Bad-Nauheim, 30. DEL (WSN.) Am Sams- lag und Sonntag hielt hier der etwa 800 Vereine als Mitglieder zählende Hessische Sängerbund seinen 9. ordentlichen Bundestag ab. Bei den Verhandlungen, d>e im Kurhaus stattfanden, waren insgesamt 530 Bundesvereine aus Rheinhessen, dem Nahegau, dem Ried, der Bergstraße, dem Neckarlai, dem Odenwald, dem bayerischen Mäintal, dem Spessart, dem Hohen Vogelsberg, den Grenzgebieten vberhessens, der Wetterau und des Lahn- und Dillgebiets vertreten. Nach einer Bundesvor- standsfitzung am Samstagnachmittag, die der Vorbereitung der Beratungen galt, folgte abends eine Begrüßungsoeranftaltung, bei der 'Ministerialrat Dr. Sieger! (Darmstadt), der erste Vorsitzende des Hessischen Sängerbundes, die (Ernennung von Studienrat Kuhn (Friedberg) ;um Ehrenchormeister nitteilte. Der Bundestag am Sonntag begann mit einer musikalischen Feierstunde, in der nach einem Massen- hor von 400 Sängern Ministerialrat Dr Sieger! der Toten des letzten Jahres gedachte, vor allem des ersten Vorsitzenden des Deutschen Sängerbundes, Geheimrat Dr. Hammerschmidt, und ■)e5 Bundeschormeisters des Hessischen Sängerbundes, Otto Naumann (Mainz) Nach Begrüßung ’oer Behördenoertreter — unter ihnen befand sich ioud) als Vertreter des hessischen Kultusministeriums Oberschulrat Hassinger (Darmstadt), dessen enge Verbundenheit mit dem Hessischen Sängerbund besonders betont wurde — nahmen die eigentlichen Verhandlungen ihren Anfang JDem Bench! des Bundesvorsitzenden ist zu entnehmen, daß mch im Geschäftsjahr 1931/32 der Bund ieinn Besitzstand wahren konnte, so daß es ihm erfreulicherweise auch unter den schwierigen wirt- chafklichan und politischen Verhältnissen der Gegenvar! gelang, in bet seitherigen Weise den kulturellen und wirtschaftlichen Interessen feiner Mitglieder zu bienen Bei Bergung der Anträge wurde u. a. die Gaueinteilung angeschnitten, zu der mehrere ober- hessische Anträge vorlagen. Die Entscheidung darüber wurde an den Provin- sialvorstand Oberhessen verwiesen, der die Angelegenheit im Einvernehmen mit dem Bundesvor- jtanb regeln soll Alsdann würben eine Reihe von Satzungsänberungen beschlossen. Wichtig ist davon die neue Bestimmung, daß Uebertritte von Vereinen von einem Gau in den andern nur aus zwingenden Gründen erfolgen können und ferner der Zustimmung der beiden beteiligten Gauoor- ftänöe sowie des geschäftsführenden Bundesvorstandes bedürfen. Als nächsten Tagungsort wählte man Bingen, nachdem Mainz zurückgetreten war. Die Beiträge wurden auf dem bisherigen Stand belassen. Nach der Mittagspause entwickelte, nachdem der Bundesrechner entlastet worden war, der Bundesvorsitzende das zukünftige Arbeitsgebiet, das u. a. die Auswahl der Gau-Wertungschöre durch den demnächst vom Musikausschuß neu zu wählenden Bundeschormeister vorsieht und ferner als besonders wichtige Gesichtspunkte die Gewinnung der Jugend für die Ziele des Bundes und eine erhöhte Werbetätigkeit bezeichnet. Der Zweite Vorsitzende des Bundes' Rechtsanwalt Reen (Mainz) nahm vor Beendigung der Tagung Gelegenheit, dem ersten Bundesvörsitzenden für seine Tätigkeit im abgelaufenen Jahr herzlichen Dank auszusprechen. Dann roui^e gegen 16.30 Uhr die in voller Harmonie verlaufene und von Liebe und Begeisterung zur Sache zeugende Tagung mit dem deutschen Sängergruß geschlossen. Oie Wünsche der oberhessischen Gänger. Don besonderer Bedeutung für unsere ober- hessischen Bundesvereine war ein Antrag des Gaues Gießen Stadt und Land, baldigst die dringend notwendige Neueinteilung der Gaue in der Gruppe Oberhessen oorzu- nehmen. Der Bundesvorstand hatte sich in seiner Sitzung am Samstag mit diesem Antrag befaßt. Der Pro- vinzialvorsitzende Wendler, Bad-Nauheim, gab nun bei der eigentlichen Bundestagung hierzu die Erklärung ab, daß der Bundesvorstand beschlossen hat, daß in einer Sitzung der Gauvorstände der Provinz Oberhessen, die am 24. November in Gießen stattfinden soll, d i e Angelegenheit geregelt werden soll. Die < So werden unsere Aaujacken ausgebildet I Wt ML JE Die Bilder stammen aus der Marineschule Kiel-Wik. Für alle Angehörigen der Reichsmarine, die einen höheren Dienstgrad erreichen wollen, ist der Besuch einer solchen Marineschule erforderlich. — Oben links: Maschinistenmaatenanwärter lernen die Bedienung der Kesfeloentile; daneben: die jungen Manchen beim Marsch in Gasmasken. — Unten links: Physikalische Grundgesetze werden an Hand einer Waage erklärt; daneben: Theoretischer Unterricht über die Funktion der Gasmaske. Versammlung erklärte sich damit einverstanden. Der mit dem Antrag des Gaues Gießen im Zusammenhang stehende des Hütten berg- Schiffenberg-Sängerbundes, der die Erklärung zum selbständigen Gau wünscht, wurde ebenfalls bis zu dieser Tagung in Gießen zurückgestellt. 2luf eine entsprechende Anfrage des Vertreters des Gaues Solms-Wehlar erklärte der Dundes- vorsihende, daß die Rundfunkgesellschaft grundsätzlich die Liebertragung von Ausschnitten aus Liedertagen und ähnlichen Veranstaltungen ablehne. Die Programme zu den Darbietungen der Vereine im Rundfunk sollen nach den neuen Richtlinien ein halbes Jahr den Ortsvereinen zugestellt werden. Ein Vertreter glaubt, daß das Singen im Rundfunk den Konzertbesuch ungünstig beeinflusse. Demgegenüber betonen Matern (Mainzl und ObersHulrat Hassinger, daß die Rundfunkkonzerte gerade für unsere Sache werben können und zu erhöhtenKunstleistungen erziehen. Weiter wird bemängelt, daß der Rundfunk öfter Chöre deswegen ablehne, um keine Wiederholungen zu bringen. Blaß (Großen-Linden) hält das nicht für unbedingt wichtig, da gerade Wiederholungen Anlaß zum Vergleichen geben, was auch bildend wirke. Die Auswahl des Programmes müsse dem Dirigenten des im Rundfunk singenden Vereins überlassen bleiben. Ein weiterer Antrag des Gaues Solms-Wehlar, Vereinen, die an der Nürnberger Sängerwoche und ähnlichen Veranstaltungen durch Ausführung eines Konzertes teilnehmen wollen, einen Linkostenbeitrag aus Bundesmitteln zu gewähren, wird vom Antragsteller zurückgezogen, da von feiten des Vorstandes erklärt wird, daß man nun allen Ernstes daran denke, hessische Sängerwochen zu veranstalten. Ein weiterer Antrag dieses Gaues, die Abstimmung auf den Sängertagen betreffend, wird abgelehnt. Ein anderer, der stärkere Gliederung der Bilanz verlangt, vom Antragsteller für erledigt erklärt. Oammbruch bei Nordeck. Nordeck, 29. Okt. Gestern, gegen 19.30 Lihr, erlebten die Bewohner der Burgstraße eine unangenehme LIeberraschung. Es flössen plötzlich große Wassermengen die etwas abfallende Straße herunter, ohne daß sich jemand die Lirsache dessen erklären konnte. Als man dem Vorfall nachging, muhte man feststellen, daß bei dem nördlich von der alten Burg im Walde oblegenen Teiche, dem „Hilperlsdorfer- deich" ein Damm gebrochen war. Das Wasser des Teiches toai ourch den anhaltenden Regen bis an den Rand des Dammes gestiegen, hatte den Damm überspült und ausgespült, so daß die Wassermassen sich einen Weg bahnen konnten. Olm meisten wurde durch diesen Llnfall das Anwesen des Hausbesitzers Schönwandt in Mitleidenschaft gezogen. Im Kellergeschoß wurden durch die Wassermassen die KeUersenister eingedrückt, im Hausgarten wurde der Mmter- boden fortgeschwemmt. Die vor einem Jahr durch Arbeitslose instand gebrachte Straße nördlich der Burg wurde zum größten Teil zerstört. Gchloßbrand in Amorbach. WSN. Amorbach, 29. Okt. Heute früh gegen 5 LLhr brach in dem prächtigen, von dem Fürsten von Leiningen bewohnten Schloß Feuer aus. Man befürchtete zunächst ein Liebergreifen des Feuers auf die beiden Ost- und Westflügel. Den vereinten Bemühungen der gesamten Feuerwehren der Umgebung gelang es jedoch, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken, so daß lediglich der Dachstuhl des Derbindungsbaues vollständig ausbrannte. Einige Wohnungen der beiden Schlohflügel mußten geräumt werden. Lieber die Drandursache konnte bis jetzt noch nichts ermittelt werden. Der Brand war um 7 Ahr gelöscht. Das Schloß war bis 1803 ein Kloster und ging dann in den Besitz des Fürsten von Leiningen über. Kunst und Wissenschaft. Goethe-Medaille für Professor Dr. Meinecke. Der Herr Reichspräsident hat dem bekannten Hi. ftoriEer Universitätsprofessor Dr. Friedrich Mei. n e cf e aus Anlaß des 70. Geburtstages feine Glückwünsche ausgesprochen und ihm die Goethe- wedaille für Wissenschaft und Kunst verliehen. Der Reichsminister des Innern hat dem Gelehrten die Auszeichnung mit einem besonderen Glückwunschschreiben übermittelt. Die Ergebnisse der Arktisfahrt des „Graf Zeppelin". In der Zeit von Ende Oktober bis 13. November veranstalte! die Internationale Gesellschaft zur Erforschung der Arktis mit Luftfahrzeugen (Aero Arctik) in der Technischen Hochschule Charlotten- burg eine Ausstellung über bie wissen» schaftlichen Ergebnisse ber vorjährigen Arktisfahrt mit „Gras Zeppelin". Sie wurde durch Dl. Eckener, dem Präsidenten ber Aero Arctik, eröffnet. Dr. Eckener betonte, daß der Vorteil des Luftschiffes, sowie des Flugzeuges darin bestehe, daß sonst unzugängliche Gebiete erforscht werden könnten. Er wies hin auf die Luftaufnah. men der weiten Sumpfstrecken in Sibirien, die eine große Bereicherung der geographischen Kenntnisse gebracht hätten Unter den Anwesenden bemerkte man u a Hauptman a D. Bruns, den Begrün- der und Generalsekretär der Aero Arctik und den Leningrader Professor Samojlowitsch. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12 30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. I ) ETUI / ocLzz dusrtn, /Jagexuout üi bae fillen geska- Freunden näheees bei JhanvZ^EnKändbu! Alle guten Dinge sind 3... Deiner Hände Werk Nachdruck verboten. 3 Fortsetzung. Schuhhaus MEYER Gießen, Bahnhofstraße 30 7579 * -r Dia Ton Woc&e! rZ r (besonders unsere billige Ecke) heute Bezug durch die Eisenhandlungen! BRUMLIK Vornan von Klothilde von Stegmann-cLlein. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale) eti ei 3 anläBlich des labrestags unseres grollen Umzugs ins neue schöne BRUMLII-HIUS Unsere 20 grollen Fenster Voranzeige! Ab Mittwoch der neue Ufa-Grob-Film Das schöne Abenteuer 7673 C *8! rlgi UDERUS MM ÖFEN ^Sie^grützte mit einem freundlichen Lächeln und wandte sich der Terrasse zu. Mit einem tnum- phievenden Gesicht ging Hiltrud an der Seite Des hw,en Schweden in den Garten hinunter. Sie Wie ihren Willen durchgesetzt und Sabine von dem jungen Manne getrennt, den sie seit semem Auftauchen hier im stillen begehrte. Sie wol Velours-Teppiche .»w-- — 39.- Moderne Chintze .... ..«■ «1.35 Plüsch-Divandecken -noa. n«4.30 Stores »>d.«Bit — p* n" Kissen b» Ftuiun< .. p*< w<* U«3o der Mutter sagen, dah man diese ehemalige Schulfreundin, diese Sabine, nicht metzr nach Bremorichlotz einladen sollte. Das fehlte chr ruxh, M sie ihr den ersten Mann mit Beschlag belegte, der sie wirtlich interessierte und der ihr mehr bedeutete als einer ihrer vielen Verehrer. Viertes Kapitel. „Guten Tag!" erklang plötzlich eine Stimme Au Hi-Wrud hin von dem Seitenweg des Parks K-uvt. in einem weihen Anzug, kam rasch auf ^„Garten Tag!" erwiderte Hiltrud, übellaumg wegen der neuen Störung. „Bist du schon zurück? Wir wollen gerade eine Partie Pingpong spielen." Sie ging schnell über den schwellend weichen Rasen auf den grünen Tisch zu, der mut seinem ausgespanuten Retz auf die Spiels wartete. „LIebrigenS kannst du uns die Bälle ausheben", rief sie chm über die Schulter zu. Kurt wurde feuerrot. Aber ehe er etwaS zu antworten vermochte, sagte Erikson: „Das ist doch nur ein Scherz von Ihnen, gna- diges Fräulein?! Sie werden doch nicht im Ernst von Ihrem Herrn Bruder verlangen, dah er uns die Bälle aufsammelt!" ,, . , „Warum denn nicht?" gab Hiltrud schnippisch zur Antwort. Aber als sie auf der Stirn des jungen Herrn Erikson eine Falk des Unmuts aufsteigen sah, meinte sie lachend: „Ich weih nicht, Sie scheinen ebensowenig einen Scherz zu verstehen wie mein Brüdovlein, Ba- ron Erikson — selbstverständlich wollte ich Kurt nicht kränken." „ Aber in ihren matten, blauen Augen flammte etwas Böses auf. Kurt verneigte sich kurz und ging weiter, entfern sah ihm mit einem leisen Bedauern nach. Er mochte diesen frischen, gescheiten, jungen Menschen gern, und er verstand es nicht, dah er hier im Hause von Frau Melanie wie auch von Hiltrud immer spöttisch behandelt wurde. Es warf kein gutes Licht auf Hlltrud. Aber er hütete |ich, etwas zu sagen. Er war hier Gast im Hause. So folgte er denn höflich der voranschreitenden Hvllrud und war bald in ein eifriges Spiel Der- ■Heft, bei dem Hiltrud eine geschickte und schnelle Partnerin war. Jetzt, wo sie sich schneller bewegte, um die kleinen leichten Bälle des Tisch- tennis zu erhaschen, hier und dort lief, nm doch n-och einen Schlag mit dem kleinen leichten Schlager anzulwingen, verlor ihr Gesicht den blas iier- ten Ausdruck. Ihre zarten Wangen glühten, ihre Augen leuchteten; sie sah wie ein strahlend schönes Kind aus in diesem Augenblick. „Wenn Sie wüßten, gnädiges Fräulein , sagte der junge Schwede in einer Spielpause, „wie gut Ihnen solch eine fröhliche und unbekümmerte Beschäftigung steht!" Und er sah mit einem war- men Blick auf Hiltrud. „Viel besser, als wenn sie immer die ferne und in ihrem Wesen sorgfältig abgezirkelte junge Dame der Gesellschaft darsteÄen." r ,, , H-.^trud errötete leicht. Eie hatte wohl ge'purt, dah in diesem Lob sich auch ein Tadel verbarg. Aber seltsam, von diesem Manne nahm sie so- gar das entgegen, ohne dah ihre Eitelkeit und ihr Trotz ausbegehrten. So sagte sie denn nur: „Aber eigentlich ist es nicht ganz damenhaft, sich so zu erhitzen — wie ich nur aussehe!" H l- trud zog schnell ihr Taschenspiegelchen und ord- nete sich das verwirrte Haar. „Wenn man mich fo sähe!" „Gnädiges Fräulein, man muh nicht immer daran denken, wie wäre es, wenn einem die andern sähen." . Hiltrud blickte den jungen Schweden verwundert an. Alles, was er sagte, war so ganz anders als das, was sie immer von der stet» kühlen, ruhigen Mutter gehört hatte und was auch ihr seit ihrer Kindheit eine Richtschnur bedeutete. Sie wurde ein wenig nachdenklich, ato sie jetzt wieder auf chre Spielseite ging, um den Ball des Schweden zu parieren. Kurt war inzwischen auf die Terrasse zugeschritten, wo die andern Gaste mit der Mutter im Gespräch um den Teetisch versammelt waren. Er ging immer mit einem leisen Dangen der Mutter entgegen, die fast immer irgendeine Ermahnung oder eine spitze Bemerkung für chn hatte. Unwillkürlich strich er sich noch einmal über die Haare; ja, der Scheitel sah korrekt. Auch der Schlips war hoffentlich genau so tadellos gebunden, wie es für die Stiefmutter von äuherfter Wichtigkeit schien. Dann erst ging er rasch die Stufen hinauf und begrüßte zuerst die Mutter mit einem korrekten Handkutz, dann die anderen verheirateten Damen, die alle ein paar freundliche Worte an ihn richteten. Sabine Döring, die von Frau Pastor in ein Gespräch gezogen war, streckte ihm kameradschaftlich die Hand entgegen: _ _ . _ „Tag, Kunst! Ra, wie schmecken die Femen? Gedenkst du auch so sündhaft faul zu sein, wie ich es immer in den Ferien war? Ich kann dir daS Rezept empfehlen." Kuvt wollte gerade eine lustige Antwort geben, da klang die Stimme der Mutter scharf da- ^D,,3rdu‘Iein Sabine, Kurt hat allen Anlah, sehr fleiftig zu sein, um schnell fertig zu werden. Das Universistätsstudium kostet ja genügend." Kurt wurde rot. Und auch Sabine schwieg peinlich berührst. Immer war es Kurt, dem die Kosten seiner Erziehung vorgeh allen wurden. Für Frau Melanies Sohn aus erster Ehe, Hans Egon, war nichts zu teuer, obwohl der schon längst fein Assessorenexamen hätte machen müssen. „Selbstverständlich, mein gnädiges Fräulein , versetzte der junge Mann verbindlich und in tabel- losem Deutsch, „ich unterhielt mich nur mit ^rau Doktor Döring über den gesundheitlichen Schutz der Arbeiter in deutschen Betrieben." ,Hu, wie gelehrt!" Hiltrud zog ein entfette« Gesicht. »Macht dir denn das Späh, Sabine, immerfort nichts als Gelehrsamkeit und toten .Das ist kein toter Äram, Hiltrud", belehrte Sabine Döring die ehemaligeSchulgenossm freundlich, .das ist doch alles sehr wichtig. Kragenur einmal deinen Vater, dessen Betriebe ja vorbildlich sind für alle hygienischen Arbeitseinnch- k^TIein Vater hat einen großen Betrieb. Er ist ja auch schliehlich ein Mann; aber wie das alle« Frauen beschäftigen kann — na ja, du warst ja immer etwas eftraoagant hebe «Sabine... Mnb als sie einen befremdeten OhiSbraa auf dem charaktervollen Gesicht des jungen Schweden sah fuhr sie rascher fort: „Wie wäre e» mttetnet Partie Pingpong, Baron Erikson? Die Diener haben die Tische vorhin ausgestellt — sehen Sie? Ich hätte Lust dazu." Wie Sie befehlen, mein gnädiges Fräulein." Erikson verbeugte sich artig; Sabine Döring machte ein belustigtes Gesicht. Das hatte Hiltrud mal fein angefangen, das Gespräch zwischen ihr und dem jungen Schweden zu trennen, der nun wartend dastand, in der Meinung, dah Hlltruv ihre ältere Jugendfreundin auch auffordern wuroe. Run" rief aber Hlltrud ungeduldig schon von der Treppe herauf, „wo bleiben Sie denn. Baron G^linö? Fräulein Döring?" fragte er leise mahnend zurück. , , „Ah, Sabine spielt ja Wohl nicht — nicht wahr du hast für derartig oberflächlichen Zeitvertreib nicht viel übrig?" rief Hiltrud, ein toentg mokant. Sabine sagte aber ganz ruhig: Du hast recht, Hiltrud. Ueberdies mutz ich mich «sowieso verabschieden — ich habe heute noch zu Sc ZS Vt Kl?i Kurt war die Zornesröte ins Gesicht getfkgeA Brüsk schob er die Teetasse zurück, die der 5>ienet chm soeben nebst einem kleinen Teegebäck serviert hat!e: „Wenn du der Ansicht bist, liebe Mama, dah ich meine Zeit verschwende, dann gestattest du vielleicht, dah ich mich entferne. Ich kann die Zeit besser anwenden, als wenn ich hier in der allerdings sehr angenehmen Gesellschaft verbringe." Lind damit stand er mit einer knappen Verbeugung auf und ging mit harten Schritten tnfl Haus Tiefe Stille war seinem Abgang gefolgt Alle hier gönnten der hochmütigen Frau Me4anie diese Abfuhr. War es doch bekannt, datz sie immer otwas an diesem Stiefsohn auszusetzen hatte, dessen Fleitz und Arbeitsamkeit allgemein bekamt waren. Frau Melanie war erst rot und dann bl atz geworden. „Sie müssen verzeihen, meine Damen", sagte sie mühsam, „Kurt ist noch em sehr unerzogener junger Mann, der die Formen der gesellschaftlichen Hösiichkeit nur mangelhaft beherrscht Das kommt davon, datz er ganz wild und ohne richtige Äinberftubc aufgcwach'en ist Aber ich hoffe, er lernt noch, wie man sich zu benehmen hat." Sie lenkte das Gespräch geschickt auf etwas anderes. Zornig war Kurt ins Haus gegangen. Es war zuviel, zuviel der ewigen Kränkungen, die ihm von selten der Stiefmutter und der Stiefschwester immer wieder angetan wurden. Wäre es nicht um den Vater gegangen, er wäre nicht mehr hierhergekommen und hätte auch die Ferien auswärts verbracht Die Stiefmutter würde sich nie daran gewöhnen, dah man kein dummer Junge mehr war, den man nach Belieben kommandieren und erziehen konnte. Er durchschaute sie ja! Ec durchschaute genau ihre Beweggründe. Eie wollte ihm bas Vaterhaus Dcrleiben, damit Hlltrud und Hans Egon ihn ganz verdrängen konnten. Solange der Vater noch lebte, würde ihnen das ja nicht gelingen. Hm des Vaters willen versuchte Kurt immer wieder, mit der Stiefmutter tm Guten auszukommen. Aber heute war sein Temperament eben mit ihm durchgegangen. Mit finsterem Gesicht stieg er hinauf. Auf bei Treppe zum ersten Stock stieh er mit seinem Stiefbruder Hans Egon zusammen. .Ra, Kleiner", sagte der herablassend, .mal wieder von der teuren Alma mater zurück? Wer » doch auch noch mal fo gut hätte, freier Student zu sein — unsereiner muh sich mit den blöden Akten totschuften." Kurt muhte trotz seiner Wut unwillkürlich lächeln. Wer Hans Egon so sah, im Reitdreh, elegant vom Scheitel vis zur oofrle, rosig und gepflegt, der glaubte nicht recht and Totschuften. (Fortsetzung folgt) z ein en Ihnen einen kleinen Ausschnitt aus der Fülle der Sensations-Angebote, mit welchen wir unseren vielen, vielen Kunden für die uns bewiesene Treue danken wollen. 7- z Kck teil ,||i M < L0«* .M ßPK «Milli iH ft! . ,4 - C t c E k Liditspielhaus / Gieben Nur 2 Tage Heute und Dienstag Ronald Colman In seinem ersten deutschen Tonfilm Flucht von derTeuielsinsel Zum ersten Male ist es auf Grund geschmuggelter Original - Aufnahmen gelungen. im Tonfilm das geheimnisvolle Milieu der Teufelsinsel zu zeigen. säjl5 li wmi i: jhlj tet f Wer gute Schuhe billig kaufen will, geht zu Meyer! FRANKFURT A. M., LIEBFRAUENSTRASSE 1 • 3 6 Zum Aussudien 3 Serien TEPPICHE ca. 165/230 200/300 | 250/350 | 300/400 Vorlagen Serie I 14.- 18-i39.- 64. 8t Serie 11 22.- 29—' 57.- 95.- P Serie m 35.- 48.- 87.- 132.- 3^ jWP SÄ O ?--** P* VE .2^ GA ^«E a s G ö- . ® a * e"=h B 2 8 UZIZ -*-» c zz -*-• LZ-GLd S-A >r> *— :C « ° h E 2 tf5 5;*i § 8 I E a «> s L er T. EL 'j> § £ e Ä B S-g « a ■e N G^GZ S 85 <5 BZ A s «LG 5teL«oS- t98 £ 5 “ LUKZ.3 ZZ to'E tzG3 = G£ r-L K ZS-Z *ti V re O LZLZ> 3 ä a 3 y kZLA to § a Mß-Z-sZ^ »-v - -—- c a L"G^^8ZS A § 23 e ■13? ZL sgs 95 £ e? p in ■£ °» Gs .2 G L t$ 85 £|3f © es» c 3 er v L.2 3 3 cA E o 3^ llfgiits 3 5 '^®5 ,^ÖZ ZZ^G ZZ^ ü 19 2 -EG’ Q3-X 19 3 ßZ^CT ■19^-Eto 219J EL ZÄ-Z P LL »'s» ■A IÄ 00 N H5 <55 u— O 3 E LZ L 83 c"re O Q u n n. ZZK M3 Ö- © > G C. 3" tf> g^p-a *« 2 3 e -. ■s 2 _A «i e^c£5 £855? c-3_ Sägä»g. mA t, _, o» .2 _ c ,n- £ cd #-t rs Ä' 3 GG £ O «tt •£ « 85"aK.2-MZ 2c5& äsa2 . LZ 8 Z 5 ii 1 K*fP Oh en o 2,23 ZK MZ§sK-sZß qh J» G "9 Ji> A (9 ä A ZV * lojrs C67 - 3 =5 cs "5 c 95 Z ^Z he a c J J5- Sö® ..OZ-§ e 2^ J-* -OS L L « Z -er. (9 E- L 9 A m o> — e. E »» (9 -9 Q . , , 4?^LZ«'ZL 8-Ä-S Ö^5?3e m-xi A O Q ~ V“-ää 2^3ifs 3^LssZ. 59s J. s v5 . €> QJÜ 21 A ?E» ; eZMZ LZ :ä"eg5a® ,39.- St.35 „4.30 Z0.48 '0.3« ygS ^1“ «9 3! 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Der's hätte, freier Student sch oil den blöden ®ut MwMlÄch v sch im Leitdreh, ur öchlr, rosig und E ans rotschusten. tolotl G « 7 13 § L J-GE's’GZ p^ ® ©i—30^3^0'£ gSÖEnSa s § dn-S- j- 05 S«SrS¥ |-a„ -.90 0 0 — Z(9 c Ä i* c gig‘EZ ägä'„-e§-a j, füll- *Ä be*ie$C 2 E G ^.L-c- ö<9 Hi •'n «5:c 2. ' ° 2 V e" 9 Z Pg ^!?P »L § ä-A ® 3 & _~E 2» £ Z5Z.Z oG^o8E^§ e- ZFLOEZ^ZAZL^ «e?LL Lv» Lt9TZL< -Z.2 2 8 G^-.£Z3 6?-3 4- g 9 ■?*3t€ p p=s ^=- So=^M- E = 5^B:§19 te — § 25$ ,°» 3 -2 S.^1 .2^7 Z-L gS.2 a-ä 9 a.E lSo?ä Z-LKU rLH s* O § 5 8 ZZ s-S'ÄZ S’G ^^stzZKSs y c-r’ c «

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