nr. 125 Erster Matt 182. Jahrgang Dienstag, 31. Mai 1932 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.9S Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. 5ernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Lietzen. vsstscheckkonto: grannurt am Blain 11603. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnttf «nb Verlag: vrühl'sche UniversitStr-vuch' und Sleiübnitferei H. Lang« in Sieben. Schriftleitnng und Geschästrstelle: SchnlNrabe 7. Annahme von Rnzeiaen für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- hlameanjeigen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig. Playvorschrist 20*. mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Dich. Lange. Berantwortlich für Politik Dr. Fr. Dich. Lange; für Feuilleton Dr H.Tdnriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Oie Parteiführer bei Hindenburg. Oie erste Sondierung der neuen Lage. — Hitlers Empfang beim Reichspräsidenten. — Kür morgen wird die Beauftragung des neuen Kanzlers erwartet. Berlin, 30. Mai. (ZIL) Der Reichspräsident hat unmittelbar nach dem Rücktritt des Reichskanzlers Dr. Brüning dIe Verhandlungen zur Neubildung der Reichsregierung ausgenommen. Er hatte zunächst zu diesem Zweck Besprechungen mit einer Reihe von Parteiführern. Er empfing am Montagnachmittag zuerst den Reichstagspräfidenten £ ö b e , hierauf b l e Führer der S P D., Wels und Breitscheidt, um 18.30 Uhr wurden sodann der Führer der NSDAP., Adois Hitler und der Abg. Hauptmann a.D. Göring, empfangen. Vie Aussprache mit den Nationalsozialisten war sehr eingehend und dauerte etwa eineinhalb Stunden. Der verlaus der Besprechung mit den Nationalsozialisten wird von diesen als besriedigend bezeichnet. Die Besprechungen des Reichspräsidenten zielen anscheinend aus die Bildung einer überparteilichen Regierung ab, die durch Fachleute ergänzt wird. Die Regierung soll parlamentarisch durch die Parteien vom Zentrum bis zur Rechten unter Einschluß der Nationalsozialisten gestützt werden. Die (Empfänge werden am Dienstag, vormittag um 10.30 Uhr sortgeseht. Ls werden dann die Führer de» Zentrum», der veutschnationalen und der anderen Parteien empfangen werden. Reichskanzler Dr. Brüning ist entgegen feinen ursprünglichen Absichten in Berlin verblieben. Ueber die Besprechung des Reichspräsidenten mit den sozialdemokratischen Parteisührern erfährt das VVZ.-Bnreau aus parlamentarischen Kreisen, daß Hindenburg energisch betont habe, siir ihn sei nach seiner ganzen Vergangenheit der Schutz der Verfassung eine Selbstverständlich- k e i t. Daraus werde man entnehmen können, daß der Reichspräsident den Wunsch habe, ein Kabinett zu bilden, das mit einer par lamen «arischen Mehrheit zu regieren versucht. Hindenburg scheine sich allerdings auch darüber klar zu fein, daß ein neues Kabinett ebenfowenig wie da» bis- herige ganz ohne Notverordnung auskommen könne. Ls dürfte sich bei den bisherigen Absichten des Reichspräsidenten wiederum um ein Kabinett öer mitte handeln, an den in der Oeffenl- Uchkeit vielfach als Kanzlerkandidaten genannten Freiherrn von GayI solle jetzt nicht gedacht sein, sondern an eine mehr nach der Mitte tendierende Persönlichkeit, etwa den G r a s e n w e st a r p, der im Reichstage der Volkskonservativen Gruppe angehürt. Der Reichspräsident hasse, den neuen Reichskanzler bereit» am Mittwochernennen zu können, wenn die von ihm betraute Persönlichkeit nicht auf allzu große Schwierigkeiten stößt, so könnte man also damit rechnen, daß da» neue Reich»kabinett Ende der Woche zusammengestellt wäre. Vie „D A Z.) berichtet u.a., daß die Frage der Neuwahlen in den Vordergrund getreten sei. Der Reichspräsident sei offenbar von sich aus grundsätzlich zu dem Entschluß gelangt, den Reichstag auszulösen und Neuwahlen auszuschreiben, um aus diesem Wege volle Klarheit in der innerpolitischen Entwicklung herbelzusühren. Die Neuwahlen würden selbstverständlich mit Rücksicht auf die schwierige außenpolitische £agc nicht sofort vorgenommen wer- den. Ls fei vielmehr anzunehmen, daß sic er ft im herbst ftattfinben sollen. Vas neue Kabinett würde bann die Funktion eines Treuhänders übernehmen, der bis zur neuen Befragung des Dolle» die Macht zu verwalten hätte, und zwar gestützt auf eine möglichst breite parlamentarische Konstellation. E» erscheine durchaus denkbar, daß die Nationalsozialisten einem solchen Uebergangskabinett ihre Unterstützung geben. Darüber hinaus würde es allerdings auf die Tolerierung des Zentrum» angewiesen fein, die man zu gewinnen hoffe. Weitere Empfänge. Berlin, 31.Mai. (Q3D3- Funkspruch.) Wie das Nachrichtenbureau des DDZ. meldet, fegte Reichs- Präsident von Hindenburg am Dienstag- vormittag die Besprechungen für die Regierungsneu. bildung fort. Zunächst erschien der Führer des Zentrums Prälat Dr. a a 5, beim Reichspräsidenten. Ihm folgten für die Deutfchnationale Dolkspartei die Abg. Dr. h u g e n b e r g und Dr. von W i n ter • seid hierauf wurde der Führer der Deutschen Dolkspartei, D i n g e I d e y , empfangen. 3n den frühen Nachrnittagsstunden sind die Rührer der Wirtschaftspartei Drewitz und Mollath zum Reichspräsidenten berufen worden. Die Wirt- schastspartei hatte bereits vorher in einer Fraktions- sitzung im Reichstage die Lage durchgefprochen, wah. renb der Abg. Dingeider) feiner Fraktion am Nachmittag über das Ergebnis der Besprechungen mit Hindenburg Bericht erstatten will. Im Lause des Nachmittags werden vom Reichspräsidenten noch empfangen der Führer der Staatspartei, der gleichfalls im Anschluß daran vor seiner Frak- tio.i sprechen will, sowie der I ü h r e r d e r B a ye - rischen Dolkspartei, deren Fraktion nuf Mittwochvormittag einberufen ist. Wieder ein Zenirumskanzler? Die Favoriten des Zentrums. ‘Berlin, 31. Mai. (Priv.-Tel.) Aach zuverlässigen Informationen sind die Besprechungen über das künftige Kabinett einen guten Schri tt vorwärts gekommen, und sie werden aller Voraussicht nach die Situation heute abend so weit geführt haben, daß morgen früh persönliche Fühlung mit den Männern genommen werden kann, die heute a l s 2Ln toärter auf den Ka nzler- posten genannt werden. Reichspräsident von Hindenburg hat zunächst den Parteiführer des Zentrums, Prälat K a a s, empfangen. Die zukünftige Haltung des Zentrums scheint demnach schon klar zu sein, und auS dem, was man jetzt hört, geht eigentlich deutlich her- Berlin^ 31. Mai. (ERB. Funkspruch.) Bisher haben alle Parteien, mit deren Derttetern der Reichs- Präsident gesprochen hat, erkennen lassen, daß sie bereit sind, an der Lösung der Regierungskrise mitzuwirken. Fedoch haben die Führer des Zentrums erklärt, daß ihre Partei nicht in derLage sei, sich an irgendeiner Kombination zu beteiligen. Die Stimmung geht beim Zentrum offenbar dahin, zunächst abzuwarten, wie die neue Regierung aussieht. Eine positive Beteiligung des Zentrums an dem Präsidialkabinett kommt aber nach diesen Erklärungen nicht in Frage. Dadurch würde freilich die lolertcrungsbafis des neuen Kabinetts im Reichstage vorläufig nicht gefchmälert. Aber es gilt — und das wird in maßgebenden Kreisen fehr bedauert — nun als sicher, daß keine Hoffnung mehr besteht, Dr. Brüning für das Auswärtige Amt zu gewinnen, wie es dem Wunsche des Reichspräsidenten entsprochen hätte. Selbstverständlich wird der Reichspräsident heute nachmittag seine Bemühungen in der bisherigen Linie fortführen, und man rechnet weiter damit, daß cs ihm bis heute obcfib gelingt, soweit Klarheit zu schaffen, daß er morgen mit den Persönlichkeiten Fühlung nehmen kann, die nach seiner Auffassung in erster Linie für das Kanzleramt in Frage kommen. DieMionalsozialjstenzurlleber- nahme der Verantwortung bereit Vorbehaltlich einer Auflösung vcs Reichstags. Mückchen, 31. Mai. (DDZ- Funkspruch.) Wie hrm Rachrichtenbureau des Vereins Deutscher Zeitungsvcrlegcr von nationalsozialistischer Seite erklärt wird, nahmen die Besprechungen Adolf Hitlers und Göhrings mit dem Reichspräsidenten einen befriedigenden Verlaus. Dieser Eindruck bei den nationalsozia- Oie Rechte. In den Betrachtungen der Berliner Preße kommt allgemein zum Ausdruck, daß das Gesetz des handelns auf den Reichspräsidenten übergegangen fei, durch dessen alleinigen Willen ein völliger Kurswechsel zu erwarten sein dürste. Man glaubt, daß sich die Dorhandlungen um die Neubildung der Regierung noch einige Tage hinziehen werden und daß das neue Kabinett notfalls das Mandat zur Auflösung des Reichstages erhalten wird. Der nationalsozialistische „21 n ■ griff“ fordert in diesem Zuftmimenhang, daß Brüning verschwinden müsse, um niemals mehr eine politische Rolle zu spielen. Das Blatt bezeichnet den Zusammenbruch der von Groener und Seve- ring erhobenen Landesverratsklage gegen die SA. sowie den überwältigenden nationalsozialistischen Wahlsieg in Oldenburg als den letzten An- stoß zum Sturz Brünings und fährt fort: »Hetzt oder nie ist der Augenblick gekommen, da der Reichspräsident eine geschichtliche Stunde vorfindet, der er entsprechend begegnen muß. Das Recht der NSDAP, auf die Staatsführung ist von neuem und doppelt bestätigt. Will sich der Reichspräsident dieser unaufhaltbaren Entwicklung einfach entziehen? Das ist unmöglich? Die Stunde der NSDAP, ist gekommen!“ Der deutfchnationale „Berliner Loka kanzel g e r“ erklärt, es stehen sehr erhebliche Schwierigkeiten für die Neubildung eines Kabinetts dann vor, daß bet ‘Reichspräsident durchaus geneigt ist. Männern aus Z c n t rum s krei se n den Kanzlerposten anzubieten. AI» solche werden genannt Frhr von Lüninck, der Essener Oberbürgermeister Bracht, der schon wiederholt bei Kabinettskrisen als Anwärter auf einen Ministerposten genannt wurde, und schließlich der Abgeordnete von Pazen, der vielleicht die meisten Aussichten hat. Da das Zentrum aber Dr. Brüning nach wie vor als seinen politischen Vertrauensmann ansieht, so würde wohl eine Mebcmabme des Kanzlerpostens durch einen der genannten Männer davon abhängig sein, wie sich das neue Kabinett zu dem bisherigen Regierungsprogramm Dr.Drünings stellen wird. Ueber die Besetzung der einzelnen Ressorts verlautet so gut wie noch gar nichts. Deswegen erübrigt es sich auch, irgendwelche Prophezeiungen nach dieser Richtung hin anzustellen. Denn die Besetzung der einzelnen Ministerposten wird durchaus in den Händen deS mit der Kabinettsbildung beauftragten neuen Kanzlers liegen. listischen Unterführern sei daraus zurückzuführen. daßReichspräs ident v-H i n d e n b u r g sich in dem Gespräch nicht abgeneigt gezeigt habe, einer neuen Reichsregierung die Ermächtigung zurReichstagsauflösun g au geben 3m übrigen Dürfte Hitler erklärt haben, daß für die Rationalsozialisten keine Regierung, wie sie auch immer aussehen möge, tragbar fein würde, d ie den Eharak- ter einer Kompromißlösung haben würde. Andererseits aber seien b i e Rationalsozialisten jederzeit bereit, bic volle Derantwortu-ng zu übernehmen, immer allerdings unter der Voraussetzung, daß der Reichstag neu gewählt werde. 3m übrigen verlautet in parlamentarischen Kreisen, daß die Kandidatur des Grafen Westarp für das Kanzleramt in den Hintergrund getreten fei und daß man jetzt an den rechts gerichteten Zentrumsführer v. Papen benic Adolf Hitler dürste jedoch auch darüber keinen Zweifel gelassen haben, daß v- Papen gleichfalls nicht auf eine Tolerierung durch d i e Rationalsozialisten rechnen könne. 3n nationalsozialistischen Kreisen denkt man sich die weitere Entwicklung offenbar so. daß ein Kabinett unter nationalsozialistischer Führung und unter Beteiligung der Deutschnationalen wie der Deutschen Volkspartei geführt werde, daß man eine Regierungserklärung dem Reichstag gebe und diesen bann auflöse. Die Einberufung bes Reichstages würbe bann allerdings so verzögert werden müssen, daß d i e Reuwahlen, die nach Artikel 23 der Reichsverfassung spätestens am 60. Tage nach der Auflösung stattzufinden haben, erst nach der Ernte, allo Mitte September, vorgenommen werden konnten. Rach Absatz 2 des Artikels 23 mühte der neue Reichstag zum ersten Male spätestens am 30. Tage nach der Wahl zusammentreten. bevor, wenn nicht ein völliger Systemwech- s e I vom Reichspräsidenten für richtig befunden wird. Es ist zu erwarten, daß besonders der Führer der Deutfchnationalen und der Führer der Na- tionalfozialiften den Reichspräsidenten über die wirkliche Lage völlig aufklären werden und damit die Aussichten über die Möglichkeit einer .^Zwischen- löfung" erschüttert werden. Der .Lokalanzeiger" meint, es sei nicht verwunderlich, daß dieses System zusammengebrochen sei. Zu bewundern sei nur die Elastizität, mit der der Kanzler dieses System ohne die allergeringste Fühlung mit den lebendigen Kräften des deutschen Dolkes in geheimer Klause der Reichskanzlei immer wieder zu retten vermocht habe. Entscheidend sei, daß dieses System andern Punkte zusammengebrochen sei, in dem seine Stärke lag, nämlich an dem Der- trauensoerhältnis zwischen Brüning und Hindenburg. Daß der Reichspräsiden! d. Hindenburg schließlich in der Stille von Neudeck die Fehler der Regierung mit Notverordnungen entdeckt habe, darin liege das Todesurteil über eine Regierungsmethode ausgesprochen, die für Deutschland niemals zu gebrauchen sei. Oie Mifte. Die.DeutscheTageszeitung" (ßanbbb.) fordert, daß jetzt die Losungen gesucht und gefunden werden mühten, deren Rotwendigkeiten über Gebühr lange geleugnet worden seien. 3etzt stehe auch vor den politischen Parteien und Das Ergebnis der ersten Fühlungnahme. Keine aktive Beteiligung des Zentrums? Die Berliner presse zum Sturz Brünings. vor den politisch maßgebenden Kräften die Verantwortung für die Neugestaltung der Dinge, jetzt flehe die Opposition eindeutig und klarvor derDerantwortung. Was lange und vergeblich angestrebt worben sei, baS könne, das müsse jetzt verwirklicht werden. Die „D A Z" (gemäßigte Rechte) meint, daß der Rücktritt erfolgt sei, weil seit dem politisch unglaublich kurzsichtigen Verbot der SA -Abteilun- gen eine Spannung zwischen Regierung und Reichspräsident bestanden habe, die gelöst werden mußte. Woraus es ankomme, sei eine solche Auswahl des neuen Reichskanzlers und seiner Ministerkollegen, daß die ehrliche Berücksichtigung der an die Macht drängenden Volksbewegung offenbar werde. Die Rationalsozialisten müßten endlich auS der reinen Opposition-st el- lu n g herausgesührtund vor die großen Ausgaben De» Staates gefiel lt werden. Rur auf diesem Wege könne eine ruhige Konsolidierung unserer inneren Verhältnisse an- gebahnt werden. Zugleich werde sich zu zeigen haben, daß die Hitler-Partei unbedingt auf die Mitwirkung erprobter und angesehener Praktiker der Politik und des Wirtschaftslebens angewiesen sei. Oas Zentrum. Unter der Ueberschrift „Der Sprung ins Dunkle" schreibt die „Germania“ (Ztr): Diefes Kabinett, zwei Jahre hindurch Träger einer Politik, die Deutschland inmitten der größten Krise aller Zeiten vor. dem hoffnungslosen Absturz bewahrte, ist einer dunklen Krisenatmosphäre erlegen, die vorher bereits das Opfer des Reichs- roehrminlfters Groener gefordert halt«, einer Atmosphäre, Sie feit vielen Wochen die mühevolle Arbeit der Reichsregierung ungeheuer erschwerte und schließlich auch ihre Existenz entscheidend berühren mußte. Das Ausscheiden Brünings ist ein Borgang von europäischer, ja von weltweiter Resonanz. So ist über Nacht in Deutschland eine Situation entstanden, die von allen maßgebenden Führern, wenn sie nicht zum großen Schaden unseres Landes auslaufen soll, ein ungewöhnliches Maß von Besonnenheit und Der- antwortungsbewußtscin fordert. Der jetzige Zeitpunkt ist zweifellos alle»- andere, als günstig. Die Krise des Kabinetts Brüning ist mehr als eine Kabinettskrise. Man hat einen kühnen Sprung gewagt, von einem Schiffe, das gewiß keine leichte Fahrt hatte, ohne zu wissen, ob der Fuß auch einen sicheren Boden erreichen wird. Man darf der Persönlichkeit des Reichspräsidenten das unerschütterliche Bertrauen entgegenbringen, daß er aus dieser ernsten Lage einen Weg finden wird, der auf der Grundlage des bisher Geschaffenen und in schwerster Zeit Erhaltenen eine kontinuierliche Fortentwicklung der deutschen Politik unter Verzicht auf alle gefährlichen Experimente bringen wird. "Mit Reichskanzler Dr. Brüning scheidet ein Mann aus der Führung des Reiches, der die deutsche Politik wie keiner feiner Vorgänger aus einem schöpferischen Geiste -heraus gestaltet hat. Er verläßt letzt das Amt als ein Staatsmann von internationalem Rufe, als ein Kanzler, besten Wirken in den schwersten und ent- scheidensten Nachkriegsjahren der Geschichte an- gehören wird. Der „Deutsche“ (Christi. Gewerschaften) spricht von einer Politik im Dunkeln, die ein Kreis aus Großagrariern, Industriellen und „unabhängigen“ Persönlichkeiten getrieben habe. Das Streben der Regierungsstürzer gehe letzten Endes darauf hinaus, daß die oft leichtfertig gemachten Schulden der „Größen in Industrie und Landwirtschaft" vom armen Volk bezahlt werden, und daß diese Kreise frei von den Lasten dieser Notzeit bleiben. Das Wort „Alles durch das Volk!“ werde einen neuen Sinn erhalten, wenn — die Arbeitnehmer sich dieses bieten lassen. Oie Linke.. Die .Vossische Zeitung" (bem.) meint, Brüning sei nicht barum gefallen, weil er nicht der KanHer einer nationalsozialistisch stark butch- setzten Regierung sein wollte. Besehe man es recht, bann sei Brüning in erster Linie gar nicht von den Rationalsozialisten gestürzt worben, sondern eher den ost elbischen Grohgrunb- besitzernzum Opfer gefallen. An Stelle des .abgewirtschafteten" Kabinetts Brüning soll jetzt eine Regierung treten, die in der Hauptsache aus jenen Gruppen gebildet werben soll, die bei den letzten Wahlen fast völlig verschwunden sind. Ein solches Käbinett kann nur den Heber» gang zu einer radikalen Rechtsregierung bilden. Wozu dann die Zeitvergeudung, warum dann einen Sommer der Hn- sicherheit und HngewihheÜ, warum nicht gleich eine klare Situation schassen? — Das .Berliner Tageblatt" (dem.) betont, daß die Möglichkeit von Reichstagsneuwahlen bestehe. Brüning sei zurückgetreteu, weil bet Reichspräsident unter dem Einfluß von Kräften, die vor allem hinter der Szene gewirkt hätten, andere Wege gehen wolle, als er sie mit Brüning gegangen sei. Was jetzt beginne, sei auf jeden Fall ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Der sozialdemokratische „Abend" erklärt: „Mit der Annahme des Rücktritts hat der Reichspräsident die Verantwortung für die weitere Entwicklung der Dinge i n .(c i n e Hände gen 0 m - m e n. Er hat es zweifellos in der r c d l i ch ft e n Absicht getan, und wahrscheinlich auch in dem Bewußtsein der unermeßlich großen Folgen, die seine Entscheidung haben muß. Ob cs ihm aber gelingen wird, die Bewegung zu meistern, die durch seinen Entschluß ins Rollen gekommen ist, das ist eine ganz andere Frage. Der Weg, der jetzt betreten ist, führt iy Zustände hinein, die mit der Verfassung kaum noch zu decken sind. Ausgelöst worden ist die Krise durch Einflüsse aus der Reichswehr upd aus o ft preußischen Groß- grundbesitzerkrcisen. Die Sozialdemokrat tische Partei muß sich bereithalten, binnen kurzem den größten und entscheidungsschwersten Reichstagskampf zu führen, der jeweils in der Geschichte der deutschen Republik dagewesen ist. Stimmen aus der Provinz. llnter der Niederschrift ..Jetzt keine Halbheiten" betont die ..Königsberger Allgemeine Zeitung" (gemäß. Rechte), daß mit dem Rücktritt des Kabinetts Brüning vielleicht wahrhaft der von Millionen glühend herbei- gesehnte Wechsel des Systems eingcleitet werde. Dem Kabinett Brüning sei es nicht gelungen, Brot und Arbeit zu schaffen und daran sei es letzten Endes gescheitert. Seit langem sei cs der Wunsch des Reichspräsidenten gewesen, ein Kabinett der nationalen Sammlung ans Ruder zu bringen. Die Stunde für diese Aufgabe sei gekommen. Cs müsse dem Wunsch der Rationalsozialistcn. die Berantwortung zu übernehmen, entsprochen werden. Eine ..Zwischenlösung" sei ab- z u I c h n e n. Das Gebot der Stunde sei ein Kabinett der nationalen Konzentration. Rur so sei die heillos verfahrene Lage auch in Preuße n zu lösen. Das ..Hamburger F r e m d e n b l a t t" (dem.» hält den Rücktritt der Rcichsregierung für eine außerordentliche Gefahr. Die Stunde verlange ein Reichskabinett, zusammengesetzt aus einer Reihe von sachlichen und energischen und mit den nationalen Stimmungen unseres Bolkes innerlich verbundenen Männern. — Der „S> n m- burger Anzeiger" (liberal) hält es für richtig, daß nunmehr, nachdem politisch das Feld frei geworden ist, auch in der Klärung der politischen Situation ganze Arbeit gemacht werde, daß ein Bertrauensmann der Rationalsozialistischen Partei zur Regierungsbildung berufen wird. -- Dos nationalsozialistische „H a m - bürget Tageblatt" bezeichnet es als erste Aufgabe, den Reichstag aufzulösen. Die „Leipziger Neuesten Nachrichten (gern. Rechte) sagen zum Rücktritt Brünings, nachdem sie besonders festgestellt haben, es sei das erste Mal seit 1918, daß ein Kanzler nicht durch das Parlament sondern durch eigenen Willensakt des Reichsoberhauptes entlassen wurde: Wenn man sich erinnert, mit welchem Vertrauens- varschuß Brüning im Frühjahr 1930 ausgestattet wurde, als er das Kanzleramt übernahm, wenn man daran zurückdenkt, wie dieOpferbereitschaft der Nation in den letzten zwei Jahren st ü ck - weise vertan wurde, dann wird man bei aller Anerkennung der vielen hervorragenden Eigenschaft len Brünings das bittere Empfinden nicht los, daß dieser Mann sich allzu lange an Aufgaben verbrauchte, denen er als Gesamtpersönlichkeit nicht gewachsen sein konnte. Die ..M ünchener Reue st en Rachrichten" (gemäß. Rechte) schreiben u.a.: Brüning hat sich gegen den Reichstag durchgesetzt. 3etzt, wo ihn der Reichstag gehalten hätte, fällt er über die frei gewählte, in der 'Verfassung nicht vorgesehene Abhängigkeit von dem ‘Vertrauen des Reichspräsident en. Dieser Vorgang ist gänzlich neu und eigenartig in der Weimarer Verfassungsgeschichte. Er ist nicht einmal ungefährlich, weil er tatsächlich eine Verantwortung des Reichspräsidenten für die jeweilige Regierung konstruiert, wie sie bisher mit Bedacht vermieden wurde. Es droht, so bemerkt das Blatt weiter, ein völliger Rückschlag des Brüningschen Zieles. das Zentrum der politischen Rechten anzunähern. Dann allerdings schlösse sich wieder der Kreis, den seit Jahrzehnten die besten Geister des Deutschtums vergeblich zu öffnen suchen: der katholische Bolksteil kehrt in die Opposition gegen den deutschen Rationalismus zurück. Die „Kölnische Zeitung" (volksparteil.) schreibt u.a.: Das Kabinett Brüning ist nicht in offener Feldschlacht gefallen, es ist zurückgetreten, obwohl ihm das Parlament kein Mißtrauensvotum erteilt hatte. Brüning und sein Kabinett mußten dem Druck einer Opposition weichen, die übermächtig ist. Die gesamten Kräfte der Rechten Müssen jetzt die politischen parlamentarischen Folgerungen ziehen und sich für die Berantwortung bereithalten. Wir warnen aber auch vor halben Entschlüssen. Es handelt sich nicht um eine Uebergangs- lösung, sondern um eine ganze Lösung: denn die bevorstehenden innerpolitischen und außenpolitischen Entscheidungen lassen keine Halbheiten zu. Das Echo des Auslands. Pans. „Der Lchleier ist gefallen." Paris, 31. Mai. (WTB. Funkspruch.) Die gestrigen Ereignisse in Deutschland sind auch hier das alles beherrschende Thema in der heutigen Presse: „2 o u r n a I“ hält es für bedauerlich, daß fich die Lage in Deutschland so entwickelt Hobe. Allein, es sei noch immer besser, klar zu sehen, gerade jetzt, wo Frankreich selbst beginne, sich über seine politische Orientierung schlüssig zu werden, und sich anschicke, nach Lausanne zu gehen. Hoffentlich würden die kommenden Männer in Frankreich auf bereut s ei n und Deutschland so sehen, wie es w i r k l i ch ist- — ..Petit Parisien" erklärt, am Vorabend der Lausanner Konferenz dürfe man weder in London noch in Washington und Paris allzu- grvße außenpolitische Befürchtungen hegen. Born deutschen Gesichtspunkt aus wäre es sicherlich besser gewesen, wenn Brüning wenigstens bis zur Lausanner Konferenz geblieben wäre, denn der deutsche Reichskanzler habe die deutsche Lage zu maskieren verstanden. Jetzt aber sei der Schleier gefallen und wenn man nun den Dingen ins Antlitz sehen könne, so sei das vom internationalen Standpunkt aus vielleicht besser. Die radikale „R e p u b 1 i q u e" erklärt, es gälte, sich mit dem notwendigen Ernst Klarheit über Deutschland zu beschaffen und,aus den Dingen, die man dann bekäme, den Schluß zu ziehen, daß die französisch-italienische Annäherung vorbereitet und perfekt werden müsse." — „Temps" schreibt, der Reichskanzler stürzte unter den Schlägen, die die Rechtsparteien mit der Militärkamarilla verabredet hätten. Wenn man nicht direkt zu einer Diktaturregierung übergehe, sei es wahrscheinlich, daß die Auflösung des Reichstages der Demission des Reichskanzlers Brüning auf dem Fuße folge. — Journal des D 6 b ä t s" ertlärt, Reichskanzler Brüning sei zurückgetreten, obwohl er den Nationalisten Unterpfänder zugestanden habe. Er werde von der Hitlerbewe- gu n g hi n w e g g e [p ü 11. Der Sturz Brünings werde an dem deutschen Programm nichts ändern, er werde aber einen Wechsel in der Methode ermög- lichen. Brüning ^sei ein Friedensapostel nach der Art des Bismarck-Schülers Dr. Stresemann gewesen, oeine letzte Rede mit dem Verlangen Deutschlands, nicht zu bezahlen und frei zu rüsten, sei (charf und wagemutig gewesen. Trotzdem habe Brüning dem neuen Deutschland nicht genügen können. — Die nationalistische „Liberi jdjreibt: Glcich- oicl, welche Regierungskoalition nunmehr in Berlin Auftanbcfomme, Frankreich wisse, daß es sich künftig dem Herrn Deutschlands, nämlich Hitler, gegen- überbefinde. Es sei vielleicht besser, daß die wirklichen Beauftragten Hitlers Deutschland auf der Abrüstungskonferenz und auf der Lausanner Konferenz verträten. Londoner Stimmen. London, 31. Mai. (WTB. Funkspruch.) Die Nachricht von dem Rücktritt des Kabinetts Brüning wird von der ganzen Presse in ihrem vollen Ernst erkannt und gewürdigt. Die Blätter richten vor allem ihre Aufmerksamkeit auf die außenpolitischen Folgen des Ereignisses, insbesondere im Hinblick auf die Konferenzen in Lausanne und Genf. Besonders ausführlich befaßt sich die „Times" mit dem Rücktritt. Dr. Brüning habe während zweier Fahre sein Amt mit einer Stetigkeit, Entschlossen- heit und politischen Geschicklichkeit geführt, die ihm einen gesicherten Platz unter den hervorragendsten Staatsmännern Europas verschafft habe. Sein Ausscheiden könne die ernstesten Folgen für die innere Stabilität Deutschlands haben. Das Blatt wendet sich bann dem Notverordnungswerk der verflossenen Regierung zu, von dem es erklärt, es sei „der st ä h l e r n e Rahmen" gewesen, der „das zerreißende Gewebe" zusammengehalten habe. Es sei nur natürlich, daß solche Maßnahmen nicht zu Brünings Volkstümlichkeit beigetragen haben, aber daß sie ohne Hellen Aufruhr entgegengenommen wurden, beweise, daß die Mehrheit des deutschen Volkes tiefes Vertrauen in das Pflichtgefühl und die selbstlose Vaterlandsliebe von Reichskanzler und Reichspräsident gesetzt habe und in der Tat schließe Dr. Brünings Charakter jeden Verdacht parteiischer oder niedriger Beweggründe aus. „Financial News" bedauert, daß noch ein weiterer Faktor der Unsicherheit in eine an sich fchvn ausreichend schlechte Lage gebracht worden sei. Dr. Brüning habe als der starke Mann gegolten, unter dessen Führung Deutschland imstande gewesen wäre,,dem Sturm zu widerstehen. Mit ihm verschwinde ein Bollwerk gegen den Radikalismus von links und rechts. Dadurch würden Kämpfe kommen, deren Größe im Augenblick noch nicht zu übersehen sei. Dennoch drückt das Blatt die Hoff- nung aus, daß Deutschland in Genf und Lausanne eine entgegenkommende Haltung zeigen werde. In der Reparationsfrage stehe zwar die deutsche Haltung fest, aber eine mehr parlamentarische Regierung werde vielleicht eher in der Lage sein, gegenüber anderen Staaten versöhnlicher aufzutreten als eine unbeliebte diktatorische Regierung. Der Wahlsieg der NSDAP, in Oldenburg. Die Nationalsozialisten sind aus dem Oldenburger Wahlkampf mit einem unbestreitbaren Erfolge zu- iückgekehrt. Sie haben ihre Stimmen um ein volles Drittel vermehrt und haben zu- dem das Glück gehabt, daß der Mandatsschlüssel ihnen günstia war. Sie haben im Landtag die absolute Mehrheit, obwohl sie nicht die Hälfte aller stimmen erhalten haben, sind also auf die Unterstützung durch die Deutschnatio- nalen oder des Landvolks nicht ange- wiesen, sondern können ihr Regierungsprogramm ganz nach den eigenen Bedürfnissen aufstellen. Wo- bei übrigens doch stark unterstrichen zu werden ver- dient, daß sowohl das Zentrum wie die Sozialdemokraten und Kommuni st en diesmal auf der Seite der Verlierer gewesen sind. Das Zentrum hat fast ein Viertel seiner Mandate verloren, die Sozialdemokraten etwas weniger und die Kommunisten ein Drittel. Die National- sozialisten haben also diesmal nicht nur die bürgerliche Mitte aufgerollt, sondern sie haben wenigstens Ansätze dazu gemacht, in den Zentrumsturm und in die sozialdemokratischen Organisationen einzudringen. Die Folge also ist, daß das Beamten- kabinett in Oldenburg zurücktritt und eine nationalsozialistische Regierung ans Ruder kommt, die zum erstenmal in einem deutschen Londe zeigen soll, was sie a l (e in zu leisten imstande ist. Einmal muß der Anfang gemacht werden, die Nationalsozialisten in die bengalische Beleuchtung der Regierungsverantwortlichkeit zu rücken. Oie französischen Sozialisten grundsätzlich zur ^egierungsbeieiligung bereit. Paris, 30. Mai. (WTB.) Der sozialistische Parteitag hat heute die Diskussion über die Frage der Beteiligung der Sozialisten an einem bürgerlichen Ministerium fortgesetzt. Der Abgeordnete Vincent A u r i o l war für eine bedingte Beteiligung. Die Tatsache, daß die Sozialisten von vornherein in die Opposition treten, würde nur die Bildung einer Konzentra- tionsregierung zur Folge haben. Werde Frankreich auf der Lausanner Konferenz etwa auf der Haltung beharren, daß es seinen Gläubigern nur Zahlungen leiste, sobald es selbst Zahlungen erhalte? Sei es nicht besser, ein loyales Sachverständigenurteil in die Wege zu leiten, um darüber Klarheit zu gewinnen, ob Deutschland die von ihm angerichteten Schäden wieder gut gemacht habe? Man habe Deutschland alle internationalen Schulden aufgehalst. Aber ein Land fonnfrnur nach der Maßgabe seines Ausfuhrüberschusses zahlen. Der frühere elsäßische Abg. Grumbach sagte, er sei für eine vorbehaltlose Regierungsbeteiligung, auf der Grundlage eines konkreten Programms. Die Ironie der Ereignisse wolle, daß in dem Augenblick, in dem in Frankreich die Linke ans Ruder komme, in Deutschland das Gegenteil der Fall sei. Man müsse aber b i e Gründe der Entwicklung der Hitler-Bewegung verstehen. Die französischen Sozialisten müßten verhindern, bei den Anhängern Hitlers die Hoffnung aufkommen zu lassen, daß Deutschland eines Tages wieder auf- : rüfUn könnte. Abg. Leon Blum führte aus, fast alle Entschließungen der sozialistischen Dezirksverbände bejahten grundsätzlich die Regie- rungsbeteiligung. Die Sozialisten stellten aber eine Reihe von Forderungen auf, die der gegenwärtigen Lage entsprechen würden. Wer daran denke, daß cs mit einer Verständigung über einige Programmpunkte getan sei, der irre sich. Ein Kampfministerium müsse sich auf allen Fronten schlagen und die Hilfe der Arbeiterklasse könne nur erzielt werden, wenn man ihr große Ideen biete. Die Abrüstungskonferenz werde nur insoweit zum Ziele führen, als Frankreich seine eigenen Militärausgaben herabsehe. Die Abrüstung werde in Zukunft noch notwendiger sein, wenn die Hitler-Bewegung in Deutschland zur Regierung gelange. Im Rcsolutionsausschuß des sozialistischen Parteitages brachte Leon Blum einen Entschließungsanträg ein, der 24 Stimmen gegen 14 auf sich vereinigte und solgcndLrmaßen lautet: „Die Partei ist der Ansicht, daß d r n ft der außen- und innenpolitischen Lage es ihr nicht gestattet, ein Angebot der radikalen Partei zur Zusammenarbeit an der Regierung mit einem glatten Rein zu beantworten. Eine Zusammenarbeit zwischen len verschiedenen Parteien setzt aber notwendigerweise ein gemeinsames Programm voraus. Die Partei hat einen Ausschuß zur Ausarbeitung dieses Programms eingesetzt. Zu unserer gestrigen Meldung über das Wahlergebnis in Oldenburg ist nachzutragen, daß die „R a t i o n a l e Vereinigung" von der Deutschen Volkspartei und der Wirtschaftspaket gebildet war, die bei der letzten Landtagswahl zusammen 15 012 Stimmen aufgebracht hatten. Goebbels fordert Reichstagsauflösung. Tie NSTAP. nach dem Rücktritt Brünings. Berlin, 31. Mai. (TU.) ReichstaDsabgeordneter Dr. Goebbels nahm in cin’cr von ungefähr 7000 Amtswaltern besuchten geschlossenen Versammlung der Nationalsozialisten zu den neuesten politischen Vorgängen Stellung. Er kam zu dem Schluß, daß durch den Sturz des Kabinetts der grundlegende Sy st em - und Kurswechsel in Deutschland ein geleitet worden sei. Vorbedingung sei, daß den' Nationalsozialisten nunmehr auch entsprechend dem in allen Wahlen zum Ausdruck gekommenen Volkswillen d i e Macht in Deutschland gegeben würde. Demzufolge sei es notwendig, daß e r st einmal der Reichstag aufgelöst würde, um so klare und eindeutige Machtverhältnisse zu schaffen. Voraussetzung für diese Wahlen sei aber, daß sämtliche einschränkenden Notverordnungen hinsichtlich Presseknebelung, SA.-Derbot usw. aufgehoben würden, um so ein unbeeinflußtes Bild der wahren Volksmeinung in Deutschland zu bekommen. Weiter wandte sich Dr. Goebbels der Frage zu, wie nunmehr die Verhältnisse in Preußen gestaltet würden. Hier führte er u.a. aus, daß durch die letzten Notverordnungen das Eigenleben der Länder so beschnitten worden sei, daß eine Aenderung nur über dasReich durchgeführt werden könne. Koalitionen könnten von den Nationalsozialisten nur dann eingegangen werden, wenn sie die Gewähr hätten, daß die grundlegenden programmatischen Forderungen der Na- tionalsozialisten zur Ausführung gelangten. Papst Pius XI. 25 Jahre alt. Papst Pius Xl. feiert am 31. Mai den 75. Geburtstag. Schon als vor zehn Jahren, am 6. Februar 1922, im Konklave, brr Wahlversammlung der Kardinäle, In der Sixtinischen Kapelle zu Rom das Hohe Amt des Pontifex Maximus auf die Schultern des damaligen Erzbischofs von Mailand, A ch i l l e R a 11 i, gelegt wurde, hatte sich dieser in der päpstlichen Diplomatie bereits einen Rainen gemacht, der ihn auch in Beziehungen au Deutschland brachte. In einer aufgewühlten Zeit, im April 1918, wurde Ratti als apostoli- scherBisitator nach Polen entsandt, das damals noch von den Deutschen beseht war. Im Juli 1919 war Ratti zum R u n t i u s in Warschau ernannt worden, in welcher Eigenschaft er dem polnischen Klerus die politische Agitation in Oberschlcsien untersagte. Die von Benedikt XV. angebahnte Politik der Versöhnlichkeit zwischen dem Vatikan und dem italienischen Staat fand ihre Vollendung in dem Lateranvertrag, der den feit September 1870 bestehenden Zustand, nach dem sich der Papst als der Gefangene des Quirinals betrachtete, aufhob und die Gründung einer Stadt des Vatikan s vorfah. Oie Kaiser Wilhelm-Gesellschaft tagt in Frankfurt. Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wifsenschaften hielt ihre 21. Hauptversammlung in Frankfurt ab. Der Präsident der Gesellschaft, Geh. Rat Professor Dr. Mar Planck, eröffnete die Hauptversammlung mit Begrüßungsworten. Daß die Tagung dem Rahmen der Frankfurter Goethe-Gedächtnisfeiern eingefügt sei, nehme die Gesellschaft als ein Zeichen für ihre innere Ver- bunbenheit mit dem unvergleichlichen Manne. Planck wies dann auf die wirtschaftliche Not hin, in deren Zeichen auch die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft stehe. Man dürfe aber Än dem Vertrauen festhalten, daß es mit unserem Vaterland auch einmal wieder auswärts gehen werde. Er schlug ein Telegramm an den Reichspräsidenten vor, in dem ihm die ehrerbietigen Grüße der Kaiier-Wilhelm-Gesellfchaft entboten und der Dank für die der Gesellschaft in schwerster Notzeit von feiten der Reichsregierung zuteil gewordene Hilfe ausgesprochen wird. Der Präsident erstattete dann den Tätigkeitsbericht für das abgelaufene Geschäftsjahr. Allgemein wird fest- gestellt, daß es sich um ein besonders schwieriges Berichtsjahr handelte, da sich die allgemeine Krisis auch auf die Zuschüsse der öffentlichen Hand und der privaten Gönner in erheblichem Maße auswirkte. Es wird die dringende Hoffnung ausgesprochen, daß weitere Abstriche an den Mitteln der Forschung unterbleiben werden. Der Reichspräsident beschloß, die von ihm gestiftete Goethe-Medaille für Verdienste um Wissenschaft und Kunst dem Präsidenten der Gesellschaft, Geheimrat Planck, und dem Vizepräsidenten Krupp von Bohlen und Halbach zu verleihen. Aus aller Wett. AmGedenktag derSkagerrak-Schlachi. Am Gedenktag der Skagerrakschlacht wird alljährlich auf besonderen Wunsch des Reichspräsidenten die ständige Ehrenwache vor dem Präsidentenpalais von der Reichsmarine übernommen. In diesem Jahr wird dieser Ehrendienst von der Besatzung des Linienschiffes „Schlesien" unter Kommando des Kapitanleutnant von D o t h aus- geübt. Zum Aufzug der Wache hatte sich trotz des regnerischen Wetters eine große Zuschauermenge eingefunden, llnter klingendem Spiel marschierte die Truppe von der Kaserne in Alt-Moabit über den Platz der Republik zur Wilhelmstraße. Am Brandenburger Tor erreichte die Begeisterung der vieltausendköpfigen Menge ihren Höhepunkt. Reichspräsident von Hindenburg erwartete bereits im Beisein seines Sohnes, Oberst von Hindenburg auf der Vortreppe des Palais die im Paradeschritt anrückende Ehrenwache und begab sich nach erfolgtem Ablösungszeremoniell zu den Wachsoldaten, um hier an jeden einzelnen einige persönliche Worte zu richten. Die vor dem Palais stehende Zuschauermasse brachte immer wieder Hochrufe auf den Reichspräsidenten aus, in die sich auch vereinzelte Rufe „Deutschland erwache!" und „Heil Hitler!" mengten. Ein Teil der Wache marschierte zum Reichswehrministerium weiter, wo ebenfalls unter großer Anteilnahme des Publikums und unter stürmischen Heilrufen die Ablösung der Reichswehrwache durch Marinesoldaten erfolgte. (Eine Lühen-Gedenkfeier des Deutschen Evangelischen siirchenbundes. Von Wittenberg kommend, trafen die Führer des Deutschen ©banget. Kirchenbun- des inLützen ein, um am Schwedenstein eine schlichte Gedenkfeier für Gustav Adolf zu veranstalten. Den Auftakt zu der Feier bildete eine Andacht in der Dorfkirche zu Meuchen, in der Gustav Adolf, nach der Schlacht bei Lützen zuerst aufgebahrt word-en war. Dann fand ein Festakt vor der Gustav-Adolf-Kapelle statt. Die Hauptansprache hielt der Präsident des Deutschen Evangelischen KirchenausschusfeZ D. Dr. Kapler. Gustav Adolf könne in der gegenwärtigen inneren seelischen Rot und äußeren Bedrängnis zeigen, was eine evangel ische Persönlichkeit vermag, die sich ganz in den Dienst Gottes stelle und den Kampf auf Leben und Tod nicht scheut. Schon Gustav Adolf sei von dem Gedanken der Zusammengehörigkeit und des Zusammenschlusses aller evangelischen Glaubensgenossen erfüllt gewesen und habe so den Weg bereitet, für den Deutschen Evang. Kirchenbund, der mit seiner Wirksamkeit über die Grenzen des deutschen Vaterlandes hinausgreife und sich auch die Pflege glaubensbrüderlicher Beziehungen zu den nichtdeutschen evangelischen Kirchen angelegen sein lasse. Als Vertreter de rschwedischenKirche gab Bischof D. Aurelius seiner Freude Ausdruck über die deutsch-schwedische Verbundenheit im Zeichen Gustav Adolfs und betonte, daß die Stärke des schwedischen Königs sein kindlicher Gottesglaube gewesen sei. 3m Anschluß fand ein Gottesdienst in der Gustav-Adolf-Kapelle statt, bei dem Bischof D. Mordhorst (Kiel) die Predigt hielt. Die Reichslagung der kriegsblinden. 3m Rahmen der Hamburger Tagung des Bundes erblindeter Krieger fand eine öffentliche Kundgebung statt, an der auch zahlreiche Ehrengäste teilnahmen. Die Veranstaltung stand unter dem Leitgedanken „Die seelische Rot- Wendigkeit der Arbeit". Das Philharmonische Orchester eröffnete die Kundgebung mit der „Freischütz"-Ouvertüre. Darauf hieß zunächst Senator Reumann die Kriegsblinden im Ramen des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg willkommen. Der Bundesvorsihende, Amtsgerichtsrat Dr. Plein. Berlin, dankte allen, die das Los der Kriegsblinden erleichtert haben. Sein besonderer Dank galt dem Reichspräsidenten v. Hindenburg, der stets seine Anteilnahme und kameradschaftliche Verbundenheit mit den Kriegsblinden betont und ihnen immer ein treuer Helfer g c to e f en sei. Leider seien noch nicht alle Forderungen der Kriegsblinden erfüllt. Vor allen Dingen gelte cs. bic Sorge für dieHinterbliebenen sicherzustellen. Ministerialdirektor Re ttig, der Leiter der Versorgungsabteilung im Reichs- arbeitsministerium sprach über die Arbeitsfürsorge für die Kriegsblinden und stellte fest, daß bei den Behörden des Reichs, der Länder » -er c a011 J jni d* h il|n®r6dl‘”'Lr t^jchi nur'" eö "(Än «ul fi* ’a. WlilarijierunS in Inner JrflUer fordert, datz 'J1 ^rü ti 9 ‘ Tagung der der deutscher, L gsss redlichen ü°r bet Mgemcmfchast u Teilnehmer wurden v Technischen gewißen. 3m Wfo Mat wurde eine von moto, von dem Ham Aeh ausgesuhrte V u s^n Forschungsreifi Grazer Lnivcrlitätspi in Gegenwart der Di des Verstorbenen entl dors hielt die Seden a. D. Sch knidt - Ot rcrsität übergab. Der Mtgemeinschast sür-d Ostac Daübmanns Crli Der frühere Feldv Kriegsgefangenschaft t dingen im KaiserstuI Daubmann hatte ihn beachtete jetzt über Daubmanns. Danach j wundet in französische nach einem Fluchtver zu 20 Jahren Zuchth dort Constantin hatte. Wegen seiner ( nach vierjährige bere Behandlung zuge beim Tau von W beforsten tzimaiischer 40 bis W Grad fclfui — forderten unter ' ches Todesvpfe den die Sträflinge a gefesselt geführt konnte Daubmann u Postensperrkette bell gelang es ihm, sich die Flucht zu er, unterbrochen geritten zusammenbrach. Vic Flüchtling nur b o n ' 3[fronen. Als e Küste bei Tunis ei an Dord eines I c r s, dessen Kapitö von einet Denachriä nahm Daubmann h< telnd durchgeschlagen Dienssslrasversi der Technischen Aus Veranlassung t miniftenums wurde J’IJen Hochschule, P °09 lormliche Dienst kflenW haben b tte-» aftsÄ* Der ahrenc n n ber ( fiJe n-l eJCn N. Nfolger bet h nQt for des »?,es ^zeiti Ä1; Wich «Jtt um «ifrn, ■ yWPräfibtnit; '°lbad) m D(r, MbL saSSg wi toürho- 'J'1? '- li%- Äki'^,7 'k St,V'“1 ’ftte'S 'Ä» ^Hgtbot n«b«itÄ 3Ia len Akin ?*“ rd>L ,b« nottoenbigcr. ,r,°9tamm vor. 'l'fi ’Ä > ;«ä !'r>Ks Äs n Jm W“rfl nsestadt Minis' rrl'Wde' flfitn, LZM «KS'K A K-«'! i« 6.K|Knir f* * k(i. rratoWodit flacht wird all. bis Äeich-prgh. envachk vor >s von bet men. 3n bicle^ vn brr DrlHunz n“ unter Äom« on Dolh aui» e Halle sich tret e große Zu- Unter klinacnbrm von ber Jtaleme der Republik wr ger Tor erreichte dlöpsigen Menge räfibenf von" rcitß im Beisein >enburg auf ber . die im Parade- ab begab sich nach [ zu den Dach- iffnen einige ttr« vor btra fyafoii immer vie- Reid)4t>rä|i» vereinzelte Hufe \\ Eitler!“ meng- liertc zum Beicht- msalls unter gro- z und unter ftür- ; der Reichswehr- olgte. frirr iirchfsibundn. •afen die M« Kirchenbun- chvebenftein eine zultav 2dvU bei Feier bildete \x Meuchen, in der t bei Wen zurr'! t fand ein Festalt • ftatt. Die Haupt- ■i Deutschen Lran- ). Dr. Kavler. •ntoärtigcn inneren fedrängnis jtiflen. )erIbnUchkt't LSS SÄS 10,len erfüllt^; tet, für den $Vu * mit fein* ®rf# Km hb-eMg-L iu den nfchtdrut Liegen lem.la^ i chenS'rche ''r Freud: Aus- ?e Verbunds betonte. dah ° ° icinlin*® : hluh sandemS^ Kapelle N1- . t Krawallen kam <• auch an der Un-.ocrfitot, die wahrend der Vorlesungen zweier wdiichcr Pro- sesioren ihren Anfang nahmen. Nach den Angaben der Polizei sind im ganzen neun ctubrnun verletzt worden. Die liefere Urfache der Unruhen liegt an. fltblid) darin, daß einer Reihe rcichsdeutfchcr Hoch schuler die nachgefuchtc Gleich ft etlung mit den Inländern hinsichtlich der Gebühren nicht gewahrt morden ist, während andere nichtofter. reichliche Fachschüler solche Bergunstigungen erhalten haben. Im Zusammenhang mit den Vorfällen hat sich da? Universitäts-Rektorat veranlaßt gelehen, bk Universität bis auf weiteres zu schließen Jlugirugfalaftrophr von Geretteten des „Georges Philippar". In Dervli, nicht weit von Rom. iß ein fran- zofischcs Flugzeug, das zwei Utberkbcnbf der „Georges Philippar" in die!Heimat bringen wollte, obgestürzt Die Unglücksstattc liegt etwa fünf stunden vom Orte cnlfcrnt in einer lehr un- roefliflcn Gegend, die man nur mit Mauleseln erreichen könne. Die Trümmer des Flugzeuges lagen an einer stelle, die etwa 2 000 Meter hoch ist. 20 Meter von dem zerschmetterten Flugzeug entfernt hat man b i c Reichen gefunden Die Gegend ist voll von Wölfen und Fuchfen, und man befurchtet, dah dieie sich an die Opfer herangemacht haben könnten, ehe man sie sand. Jetzt wird die Unglucksstätte von fafchistischer Miliz bewacht. Aus der Prvvmzialbauptsiadt. Gieß en, den 31. Mai 1932. Mitesser und Pickel. Don Dr. med. Ernst Schlohmann. Vier Sorgenkinder wollen wir vornehmen Mitesser, Pickel, fettigen Glanz der Nase und grobe Poren. Diese vier machen die „unreine" $)aut aus. Jede Frau und jedes junge Mädchen kennt sie und erklärt ihnen den Kampf. Man muß aber die Herkunft dieser liebel wissen, um sic erfolgreich bc kämpfen zu können. Alle vier sind Degleiterscheinungen oder geradezu verschiedene Merkmale ein und desselben Grundübels, vom Artt „Seborrhoe" genannt. Das Ucbcl kommt |o häufig vor. dah es schon als eine bestimmte körperliche Leranlagung anzusehen ist. Die „Seborrhoe" tritt im Entwicklungsalter zuerst auf und bessert sich meist mit zunehmendem Alter. Zwischen den vierziger und fünfziger Jahren flackert sie manchmal wieder auf, um bann im Alter ab zuklingen. Daraus läht sich schließen, daß wahrscheinlich ein Zusammenhang mit bestimmten Organen, auch mit den Drüsen der „inneren Sekretion", besteht. Ebenfalls besteht ein sehr inniger Zusom- menhang mit dem Derdauungsstzstem. Jede noch so geringfügige Störung im Magen-Darmkanal kann sich als „unreine Haut" bemerkbar machen. Viererlei müssen wir wissen: 1. Es handelt sich um eine vermehrte Absonderung der in der Haut gelegenen Talgdrüsen. Sie bewirkt, daß das Gesicht kurze Zeit nach der Reinigung schon wieder einen störenden, fettigen Glanz auf- weift. 2. Durch die übermäßige Absonderung erweitern sich allmählich die Poren. 3. In den Poren staut sich oft das abgesonderte Fett, und aus diesem Talg, zusammen mit ein paar abgestorbenen Hautzellen, formen sich kleine, zylinderförmige Gebilde, die die Oeffnungen der Talg brüten verstopfen. Es sind die allen bekannten Mitesser. Die Schwarzverfärbung an der Oberfläche, die die Mitesser zu einem häßlichen Aergernis macht, beruht nicht auf Schmutz oder Ablagerung von Staub, sondern auf chemischen Vorgängen. 4. Die erkrankten und übermäßig Fett absondern- den Talgdrüsen können sich nun noch entzünden durch Hinzutreien irgendwelcher Bakterien, die durch die erweiterten Poren einwandern und hier einen guten Nährboden finden. Dann kommt es zum „Pickel". Von dem roten erhabenen Fleck bis zum kleinen eitrigen Bläschen gibt es vielerlei Möglichkeiten. Es ist von der Natur häßlich eingerichtet, daß sich dieses Hautleiden mit Vorliebe gerade dort fest- setzt, wo es am wenigsten lieb ist, nämlich im Gesicht, ferner an Hals und Rücken, gerade dort, wo der Kleiderausfchnitt sitzt. Jeder will verständlicherweise auf alle mögliche Art seine Haut verbessern, aber allgemein gültige Regeln dafür kann man nur in ganz großen Zügen geben. Kein Hautleiden verlangt so wie dieses eine persönliche, dem Fall angepaßte Behandlung. Hier heißt es: Ausprobieren, was jedem am besten tut, und vor allem: sehr viel Geduld haben. Nur bei äußerster Geduld und bei größter Gewissen- Hastigkeit wird das liebel sich beffern. Wichtig ist cs, die Gesichtshaut regelmäßig von den fettigen Taladrusen-Absonderungen zu reinigen, ohne dabei die Haut zu stark zu entfetten und aus- zutrocknen. Hier muß jeder für sich die goldene Mittelstraße finden. Die fettige Gesichtshaut ist die einzige, die mit Seife in Berührung kommen darf Man wasche sich also einmal täglich — nicht mehr! — mit Wasser und Seife, und zwar bekommen den meisten Menschen ganz heiße Laschungen sehr gut. Tags- über trage man reichlich einen möglichst stumpfen Tagescreme, oder eine vom Arzt verordnete Salbe aus und pudere darüber hin. Für glänzende oder rote Naien gibt cs eigene Cremes, die besonders stumpf sind. Wenn der Glanz wiederkommt. frisch pudern. Einmal täglich tpuß das Gesicht «orgfoltig gereinigt werden. Man entfernt die schicht von Puder, Creme. Staub- und Hautfett (bester Nährboden für Bakterien) gründlichst mit Reinigungscreme und betupft das Gesicht mit einem ganz leicht alkoholischen Gesichtswafier. Jetzt kann man von neuem stumpfen Tagescreme und Puder auftragen. Am Abend muß man nach der Reinigung das Gesicht mit Gesichtsspiritus betupfen. Hier probiere jeder aus — am heften mit Hilfe des Arztes — was ihm bekommt' und der Gemeinden rund 300 Kriegsblinde im Beamten- und 2t n g c ft e 11» tcnverhältnis beschäftigt seien Sie seien nicht nur in der reinen Verwaltung, sondern auch im Bereich der Rcichspost, der Reichsbahn, der Justiz usw. tätig. Weiter seien Kriegsblinde in freien Berufen tätig und ständen überall voll und ganz ihren Mann. GS bleibe jedoch immer noch viel zu tun übrig Aber bei der gegenwärtigen Krise sei eS nicht so leicht, überall schnelle und wirksame Hilfe zu schaffen. Bunbtslagung de, Deutschen Oflbunbes. Der Deutsche 0 ft b u n b hielt in Berlin seine Bundestagung ob, die von Vertretern seiner rund 500 Ortsgruppen und angclchlossenen Organisationen aus allen Teilen des Reiches -zahlreich befuchk mar Die Bundesversammlung nahm cm« Eni schließung an, in der es heißt: Der Deut'che Oft• bun-,stellt mit tiefster Besorgnis die großen Gefahren fest, die Ostpreußen und anderen Teilen des Reiches sowie dem zu Unrecht vom Reiche los- gerissenen F r e i st a a t Danzig von polnischer «eite drohen. Er macht auf die Gefahr für den Weltfrieden aufmerffam die in der unausgesetzten militärischen Aufrüstung Polens und In feiner Militarisierung auch der Zioilbevolksrung, einschließlich der Frauen und der Jugend, liegt. Er fordert, daß diesem verderblichen Treiben durch Bescheisse auf der Abrüstungskonferenz in (Beni ein. Ende gemacht wird. Der Jahresbericht gab ein umfassendes Bild von der Tätigkeit des Ostbundes auch bmfichtlich der Aufklärung über die Bedeutung der Ostsragcn im In. unj> Auslande durch fortgesetzte Publikattonen und Wanderausstellungen. Tagung der Uotgemelnschaft der deutschen Wissenschaft In Graz. Die Rvtgemeinschaft der deutschen Wissenschaft ist unter dem Vorsitz ihre- Präsidenten. des Reichstagsabgeordneten Lobe, zu ihrer dies- zährigen Tagung zusammengetrcten, in der insbesondere darüber beraten wird, welche österreichischen Forschungsprojekte von der Rotgemeinschast unterstützt werden sollen. Die Teilnehmer wurden von dem Rektor der Grazer Universität Dr. Rintelen und dem Rektor der Technischen Hoch'chule Dr. Dort sch willkommen geheißen Im Phpsikalischen Institut der Universität wurde eine von der Rotgemeinschast gewidmete, von dem Hamburger Bildhauer Wilhelm Reh auSgesührte Düste des bei einer grönländischen Forschungsreise ums Leben gekommenen Grazer Universität-Professor- Dr. 2. W e g e n c r in Gegenwart der Witwe und der drei Schwestern detz Dcrstorbenen enthüllt. Professor Dr. Benndorf hielt die Gedenkrede, woraus Staatsminister a. D. L- ch M I d t - O 11 die Düste der Grazer Universität übergab. Der Rektor dankte der Deutschen Rotgemeinschaft für bic Ehrung. Oskar Vaubmanns Erlebnisse In der Kriegsgefangenschaft. Der frühere Feldwebel de» nach Ibjähriger Kriegsgefangenschaft in sein Heimatstädtchen En- bingen im Kaiserstuhl zurückgekehrten Kaspar Daubmann hatte ihn in Ehiasfo abgeholt und berichtete jetzt über die Kriegsgefangenschaft DaubmannS. Danach geriet Daubmann 1916 verwundet in französische Gefangenschaft und wurde nach einem Fluchtversuch, wie bereits berichtet, zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt, die er i m Fort Constantin in Algier zu verbüßen hatte. Wegen seiner guten Führung wurde ihm nach vierjähriger Einzelhaft eine mildere Behandlung zugebilligt, und zwar hatte er beim Dau von Wegen mitzuarbeiten. Die besonderen klimatischen Verhältnisse — bei Tage 40 bis 60 Grad Celsius, des Rachts bittere Kälte — forderten unter den Wegearbeitern manches Todesopfer. Zum Arbeitsplatz wurden die Sträflinge an Händen und Füßen gefesselt geführt. 3m letzten 3ahr endlich konnte Daubmann ungefesselt sich innerhalb ber Postensperrkette bewegen. 3m Dezember 1931 gelang es Ihm, sich cm Pferd zu beschaffen und die Flucht zu ergreifen. Er ist so lange ununterbrochen geritten, bis das Pferd unter ihm zusammenbrach. Dior Monate lang lebte der Flüchtling nur von Datteln. Orangenund Zitronen. AIS er bann bie nordafrikanische Küste bei Tunis erreichte, kletterte er nachts an Dord eines italienischen Dampfers, dessen Kapitän auf Ditten des Flüchtlings von einer Benachrichtigung der Polizei Abstand nahm. Daubmann hat sich dann biS Reapcl bettelnd durchgeschlagen. Dienststrafverfahren gegen den Rektor der Technischen Hochschule vraunschweig. Aus Veranlasiung des Braunschweigischen Staats- Ministeriums wurde gegen den Rektor der Tech- nilchen Hochschule, Pros. Dr.-Ing. Otto Schmitz das förmliche Dienststrasoerfahrcn mit dem Ziele der Dienstentlassung wegen Verstoßes gegen Paragraph 13 des Staatsbeamten- ge s e tz e s eingeleitet. Gleichzeitig wurde Prof, schwitz bis zur rechtskräftigen Entscheidung von dem Amte eines Rektors der Technischen Hochschule und eines Hochschulprofessors enthoben. Professor Schmitz soll sich schwerer Verstoße gegen den Paragraphen 13 des Staatsbeamtengesetzes schul- drg gemacht haben, der die Beamten oerpslichtct, Gesetz und Verfassung zu achten und in. und außerhalb ches Dienstes die Wurde ihres Amtes zu wah ren. Wie die Braunschweiger Neuesten Nachrichten erfahren, liegen der Einleitung eines Dienststrafverfahrens gegen Prof. Schmitz politische Motive nicht zugrunde. Die Grunde sollen allein sachlicher Art sein. Prof. Schmitz befindet sich seit Anfang des Monats auf einem längeren Urlaub. Nachfolger des derzeitigen Rektors wird der Dirck- tor des Botanischen Instituts Prpf. Dr. Gustav Gahna. Schwere Zusammenstöße an der wiener Universität. In der H o ch s ch u l e f ü r W e l t h a n d e l kam es zu Zusammenstößen zwischen nationalsozialistischen und sozialdemokratischen Hörern. Das Rektorat führte daraufhin Ccgitimationszwang ein Zu ähnlichen Mitesicr und Pickel müllen ausgedruckt werden, aber möglichst nicht allein daran brrumquetidxn! Das gibt . hr häßliche rote Flecke, die oft wochenlang das Gesicht verunzieren, Rur der Arzt oder ftn Schonh,us'achverstandiger wiffen, wann em Pickel rei' ift. Da man aber nicht wegen icbes Pickels zum Arzt gehen kann, joll man wenigstens vorsichtig und nü tauberen Fingern arbeiten Dampigesichtsl'äder erleichtern das Entfernen der Mitssfer. Man soll stets daran denken, daß Pickel zwar harmlos, ober ansteckend find' Darum nach der Behandlung immer mit Gesichtsspiritus desinfizieren. Statt der Puderquaste benutze man lieber Watte, die man zedesmal erneuert! Die gebrauchte Watte gleich fort tun' Nicht die Puderdose verborgen, sie auch nicht von anderen Ausleihen. Höhensonne kann oft von Nutzen sein, aber nur in der Hand des Arztes. Die tägliche Gesichtspflege erfordert viel Geduld, ist aber unerläßlich Sie ist dte beste Vorbeugung vor Mitessern und Pickeln, und nur größte Gewissenhaftigkeit führt hier zum Ziel. Die fettige Haut braucht Creme und Gesichtswasier zur Reinigung, man kann Arztkosten sparen, wenn man durch Pflege vorbeugt Man achte stets auf regelmäßige Verdauung Die kleinste Vernachka'sigung kann zur Sünde werden, die sich rächt. D.at (Obst, Gernule, Vollkornbrots, Bewegung in sri'cher Luft, mäßiger Sport, tun . hierbei gute Dienste. Wer tiber glänzende Gesichtshaut. Mitesser und Pickel klagt, sollte immer seine Kopshaut beobachten. Meist wird sie fettig sein, oder es finden sich vernachlässigte Schuppen. Allo schleunigst behandeln, denn bei ungepflegter Kopihaut wird man niemals eine reine, zarte Gesichtshaut erzielen. (Sommerfafyrplan der Krastpostlinie Gießen-Gambach. Dom Postamt wird' uns mitgeteilt Der Herr Minister des Innern hat den von der Direktion der Butzbach- Licher Eisenbahn gegen die Erweiterung der Kraftpostlinie Gießen G a m b a ch erhobenen Einspruch als unbegründet lurüdgctoicfcn. Ab 1 Juni werden die Orte Dorf -Gill. Eberstadt. Oberhörgern und die Haltestellen Abzweig Kloster Arnsburg und Abzweig Münzenberg in die Kraftpost Gießen Gambach einbezogen. Dio Linie hat dadurch für die Verkehrsbeziehun- gen der Stadt Gießen eine günstige Aenderung erfahren. Rach der Aushebung des Finanzamts Butzbach sind die vorgenannten Orte dem Dienstbereich des hiesigen Finanzamts zugeteilt worden. Runmehr ist auch dem erhöhten Verlangen dieser Orte nach einer besseren Derbindung mit Dießen Rechnung getragen worden Don den Ausslüglcm wird die Möglichkeit, künftig täglich vor- und nachmittags bis in die Rähe der beliebten Ausflugsorte Kloster AmSburg und Burg Münzenberg mit der Kraftpost fahren oder zurück- reifen au können, gewiß freudig auf genommen; denn diese Ausflugsorte waren biSber von Gießen nur mit Umständen zu erreichen. Die Fahrpreise sind wegen der kürzeren Fahrstrecke billiger, als sonst. Gjetzcncr Wochcnmarktpreise. • Gießen, 31. Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten; Süßrahm- und Landbutter je 130 Pfennig das Pfund. Kochbutter 100, Matte 25 bis 30. Wirsing (neuer) 20, Gelbe Rüben (neue) (Bund) 18 bis 20. Rote Rüben. Spinat. Römisch- kohl, Mischgemüte je 10 biS 12. Spargel 30 bis 60, Erbsen 30 bis 35. Tomaten 60 bis 70, Zwiebeln 15. Meerrettich 30 bis 60. Rhabarber 8 biS 10, Kartoffeln 41/?. Aepfel 10 bis 20, Dörrobst 25 bis 30, Kirschen 60 bis 70, Erdbeeren 160 bi» 200, Honig 40 bis 45, Suppenhühner 70 bis 80. junge Hähne 80 bis 90; Taubcrn, daS Stück 50 bis 70. Käse 5 bis 10. Eier 7 (10 Stück 65). Blumenkohl 30 bis 70. Salat 8 bis 10. Salatgurken 40 bis 60. Ober-Kohlrabi 10 bis 15. Lauch 5 bis 10, Rettich 15 bis 20, Sellerie 10 bis 30, Radieschen, das Bündel 10 bis 15 Pfennig; Kartoffeln, der Zentner 3,80 bis 4,00 Mark. Bornotizcn. — Tageskalender für Dienstag: Stadttheater. 20 bis 22.30 Uhr. .Volk in Rot" Gießener Studentenhilfe. 20.30 Uhr. ReueS Studentenhaus. ordentliche Mitgliederversammlung. -- RSDAP. (Safe Leib. 20.30 Uhr, Dersamm- lung. DDA., 20 Uhr, .Zum Andres", Dvrtrag über „Die Lage in Oesterreich und an der unteren Donau". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: .Familie Raffke gibt einen Ball". — Aus dem Stabttbcatcrburcau wird uns geschrieben: Heute, Dienstag, als letzte Vorstellung der Spieljcü Wiederholung des Schauspiels „Volk in Not", ein deutsches Heldenlied von Karl Schönherr. Die heldenhaften Kämpfe der Tiroler unter Andreas Hofer gegen die napoleonifche Fremdherrfchaft bilden das Thema des Stuckes, das von jeher einen bedeutsamen Erfolg der Bühnen darstellte. Die Aufführung steht unter der Spielleitung Peter F a s s o 11 s. Die Intendanz hat für diese letzte Vorstellung kleine Schauspielpreise angesctzt. Beginn 20 Uhr, Ende 22 Uhr. — Eine Versammlung der RSDAP. findet heute um 20.30 Uhr im Gase Leib statt. Redner: Graf Solms und Dr. Blank. (Siehe heutige Anzeige.) • • Von unserer Garnison. Unser Da- taillon wird morgen. Mittwoch, um 122 Uhr vom hiesigen Bahnhof aus nach Ohrdruf ab* fahren. Aus dem Truppenübungsplatz Ohrdruf wird cs Hebungen im Bataillons- und im Re- gimcntsvcrband mit den anderen Formationen des Inf.-Rcgts. 15 abhalten. Am 27. 3uni wird das Bataillon hierher zurückkehren. • • Maienblafen. Das letzte diesjährige Maiendlafen findet heute. Dienstag. 19 Uhr, vom Turme der 3ohanncskirchtz aus statt. ES werden folgende Stücke zu Gehör gebracht: 1. Wenn ich. o Schöpfer, deine Macht 2 Gott grüße dich. 3. Deutfchland. Deutfchland über alles " Der D a 11 e r i d>" in Gießen! Man schreibt uns Da fchon rege Rachfrage noch Karten zu der Bencllzvorstellung der Mitglieder unteres Stadttheaters am Samstag 4 3uni. ein* gefetzt hat. wird gebeten, sich um die Platzkarten rechtzeitig zu bemühen 3m 3ntereffe der Gießener Ge'cha'tswelt beginnt die Vorstellung nicht wie üblich um 20 Uhr fondern erst 2015 Uhr Die bekannte hettifche Lokalpvtte wird von Heinrich Hub iNfzenicrt Das getarnte Schaufpielperfonal wird sich in dieser Vorstellung von seinen Theaterfreunden für die Sommermonate verabschieden Mit Heinrich Hub als Datterich und dem fpnfugen Drum und Dran wird das Publikum an biefem Abend drei lachfrohe Stunden genießen •• Skagerrak-Gedenkstunde desMa- rine-Vereins Gießen- Am Samstagabend vereinigte der Marine-Verein Gießen feine Mitglieder und eine Anzahl Gäste ,m Heim der Kameradschaft am Wihmarer Weg zu einer Gedenkstunde anläßlich des Jahrestages der See- chlacht am Skagerrak Die Veranstaltung war Io stark betucht, daß der Saal des Heims überfüllt war Der Vereinsvvrtitzende Link entbot zunächst den Willkommengruß des Veretnsvor- standes. insdelondere an den Vertreter des Ofh- zierkorps. Oberleutnant 3 o r d a n. ferner an eine Abordnung des Unterofflzierkorps und der Mannfchasten unteres Bataillons, außerdem an einige weitere Ehrengäste Hierauf würdigte er die heldenhaften Leistungen der deutschen Kriegsflotte in der Schlacht am Skagerrak Er gab dabei ein Vild von ber großen militärischen und technischen Bedeutung dieser Waffentat. wie auch von dem Heldentum der Besatzungen unterer Schiffe. Anschließend übermittelte Oberleutnant Jordan die Gruße des Bataillonskomman- deurs. des Offizierkorps und des Bataillons, wobei er die innige kameradschaftliche Zusammengehörigkeit der aktiven Soldaten mit den alten Kämpfern der Weltkriegsasinee und der alten Flotte hervorhob Rach einem Prolog hielt Herr H a s f e l b a ch einen aufschlußreichen Vortrag über ..Die Unterseeboote während des Weltkrieges". Der Redner machte zunächst mit den Anfängen deS Tauchbootbaues bekannt, gab sodann ein Bild von der Entwicklung dieser Waffe über die verschiedensten Stadien hinweg bis zu dem Tauchboottyp beim Ausbruch des Weltkrieges und beim Ende des großen Ringens zu Lande und zu Wasser. Man lernte bei diesen Darlegungen nicht nur in technischer Hinsicht mancherlei wertvolle Einzelheiten kennen, sondern bekam auch einen starken Eindruck von dem ent- faaungsvollen, schweren und außerordentlich gefährlichen Dienst unserer blauen Jungen auf diesem Kriegsfahrzeug D>e zur Erläuterung de« Vortrages gezeigten Lichtbilder waren sehr auf- fchlußreich und konnten durch gute technische Vorführung wefentlich zur Belehrung der Zuhörer beitragen Dem Vortragenden wurde für seine interessanten Darlegungen mit herzlichem Beifall gedankt- Eine kleine Hauskapelle bereicherte den Abend mit schneidigen musikalischen Vorträgen. •• AuS dem Zuge gestürzt. Gestern ereignete sich auf dem Bahnhof Großen-Lin- d e n bei der Einfahrt des PersonenzugeS um 18.28 Uhr aus Richtung Frankfurt ein UnglückS- fall, bei dem eine Frau zu Schaden kam. Mit dem Zuge fuhr die in Grohen-Linden wohnhafte Frau Marie Menges, die etwa 100 Meter vor der Einfahrt in den Bahnhof schon die Abteiltüe öffnete, anscheinend um im Bahnhof bei dem Zugaufenthalt von nur einer Minute schnell auS dem Wagen herauskommen zu können. 3nft>Igc des frühzeitigen Oeffnen« der Tür stürzte sie aber au« dem fahrenden Zuge heran» und erlitt dabei eine Gehirnerschütterung, sowie Verletzungen an beiden Knien. Die bedauernswerte Frau wurde zunächst nach ihrer Wohnung und dann nach erster ärztlicher Hilfeleistung von der herbei- gerufenen Gießener Freiwilligen SanitätSkolonne vom Roten Kreuz der Ehirurgischen Klinik in Gießen zugeführt. •• Freie Lehrer st elfen. Erledigt sind je eine Stelle für einen evangelischen Lehrer an den Volksschulen in Obbornhofen (Dienstwohnung wird demnächst frei), in Weiterhain (Dienst- wohnung ist frei) und in Münzenberg (Dienstwohnung ist vorhanden). welkere Lokalnachrlchten im 2. Blaff. Wettervoraussage. Die nach Polen abziehende Störung läßt an ihrer Rückseite durch die Zufuhr kühler Luft noch wechselhaftes Wetter mit einzelnen Regensallen auftreten. Da wir in den Bereich des Zwischenhochs kommen, ist wohl eine vorübergehende Befserung zu erwarten. Sie wird jedoch nicht von langer Dauer (ein, denn die neue Atlantikstörung schiebt ihre Warmluft vor und wird neben Erwarmung und Barometerfall wieder Bewolkungsaufzug und Niederschläge verursachen. Aussichten für Mittwoch: Wärmer, nach vorübergehender Besserung wieder Bewolkungs« Zunahme und auskommendc Niederschläge. Aussichten für Donnerstag: Milde» und meist wolkiges Wetter mit einzelnen Niederschlägen Lufttemperaturen. Am 30. Mai: mittags 14,9 Grad, abends 13,5 Grad: am 31. Mai: morgens 12,3 Grad Celsius. Maximum 14,9 Grad, Minimum 12,0 Grad Niederschläge 0,1 mm. — Erdtempera- turen in 10 cm Tiefe. Am 30 Mai: abends 14,8 Grad; am 31. Mai: morgens 12,8 Grad Celsius. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag- nachmittag geschloffen. Jür unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. »ESCH*ÄFT($ Von Mittwoch, dem 1. Juni bis Samstag, den 4. Juni auf alle Waren (mH Ausnahme weniger Artikel) doppelte Rabattmarken! Auf Wunsch statt Rabatt bei Einkauf für 2 RM ein schöner Dessertteller, bei Einkauf für 3 RM eine feine Tasse mit Untertasse aus echt bayerischem QualitSts-Porxellan. KAISER S KAFFEE- 10 Sporttage von Mittwoch, den 1. bis Montag, den 13. Juni Unser Haus steht im Zeichen des Sports. Sie finden während dieser 10 Tage wirkliche Rekordleistungen in Auswahl, Preisen und Ausstattungen. krensdort ist und bleibt führend in Sportbekleidungen. Alleinverkauf der berühmten Loden-u. Sportfabrikate von J. G. Frey-Münch en Sportanzüge 2tlg., m. Knickenbockef od. lang. Hose, neueste Dessins . . 32.-, 24.-, 1975 Sportanzüge 2-, 3- und 4tlg., fesche AA Form. u. Ausmusterg. 78.-, 62.-, 56.-, 48-, VJv Sportsakkos grau, beige, braun, 21.-, 19.50, 14 Kletterwesten in allen Farben . . 9.50, 8.75, 7 Flanellhosen in einfarb., grau u. sonstig. Modef., uner. Ausw„ 14.75, 12.50, 10.75, 9.75, 8.50, 675 Giefeen Größtes Spezialhaus Oberhessens für Herren-, Knaben- und Sportbekleidung Geben Sie uns Gelegenheit, die unerreichte Aus wahlig, obigen Artikeln Ihnen vorzulegen. Sie werden sicherlich das Richtige finden Sportanzüge . Sporthosen Sportblusen Janker Während den Sporttagen zeigen wir in unseren Fenstern aktuelle Sportbilder Knaben- Gegen Pickel, Mitesser Stärke A Drogerie Winterhoff, Kreuzplatz 9/10, Hindenburg-Drog., Seltersweg 68a. ibmV Ihre Füße? Dann tragen Sie stets die paßgenauen orthopädischen NORD-WEST SCHUHE „ prossen ' werden unter Garantie durch II Eli IIQ Stärke B besel- VLIlUU ligt. J4 1.60, 2.75. HJIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIILE 4085 A = Große Auswahl z.OriginabFabrikpreisen Samenhaus Heinrich Hahn Bahnhofstraße - Fernsprecher Nr. 3405. Rasenmäher Wolf- Zweireihen- Ziehhacke Ein Gärtner ohne Wolf-Gerät Das ist ein armer Wicht Der muß sich plagen früh bis spät Kommt zu sich selber nicht Sehen Sie sich die zeit- und arbeitsparenden Wolf-Geräte an. Wir führen sie Ihnen unverbindlich vor J.B. Häuser Gießen, am Oswaldsgarten intelligenter junger Mann mit abgeschlossener Handelsschulbildung, nicht üb. 18 Jahre alt, als Lehrling für die kaufmännische Abteilung eines größeren Betriebes zum 1. Juli gesucht. Bewerbung mit genauen Angaben Über Vorbildungsgang unt. 03413 an d. G. A. Gießen, den 30. Mai 1932. 03392 Gießen, den 31. Mai 1932. 03407 Für die liebevolle Anteilnahme, die uns bei dem Hinscheiden unserer lieben Entschlafenen in so reichem Maße zuteil geworden ist, sagen wir unseren innigsten Dank. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen sagen wir auf diesem Wege allen unseren innigsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Emilie ßei6, Seh. Bender, nebst Kindern. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Conrad Rübsamen jr. Vollständige Ausbildung in allen Zweigen der Hauswirtschaft, Molkerei und Kleintierzucht. Ferner gründliche Unterweisung in der Fertigung von Handarbeiten, im Weißzeugnähen, Kleidermachen, sowie theoretischer Unterricht auf den verschiedensten Gebieten. — Billigster Pensionspreis einschließlich Schulgeld usw. Beginn des nächsten Kursus am 2. Juli 1932. Auskunft sowie Versand der Aufnahmebedingungen durch die Landwirtschaftskammer in Darmstadt, Rheinstraße 62. 4033 d Fünfmonatige Kurse an der Baisialtinis-SElmle der Landwirtschaftskammer in Michelstadt im Odenwald. Wen MleösUlWW verkaufe ich im Auftrage Mittwoch, den 1. Juni, und folgende Tage im „Löwen", Neuenweg Nr. 28, folgende Möbel: 4197D ein-, zwei- und dreitürige Kleiderund Wäscheschränke, Büfetts, Küchenschränke und Tische, 1 Schlafzimmer (Eiche), 1 Fremdenzimmer, Waschtische. Ferner: einzelne Bettstellen, Trumeauspie- gel, große Wandspiegel, 1 Harmonium, eine fast neue Badeeinrichtung, ein gebrauchtes Damenrad, 2 Eisschränke, 1 gut erhaltene Nähmaschine, 1 Kinderbett, 1 zweirädrigen Handwagen, 2 Schreibtische, 1 kleinen Kassenschrank, 1 große Sendung Herren- und Damenräder. Ludwig hartmeh Neuenweg 28 — Telephon 3414 Frische Fische Feinster Kabeljau und Seelachs o.K.Pfd.25-ö, im Ausschnitt Psd. 30 Bratschellfische,Seehccht,Goldbarsch ff. grober Schellfisch . .Pfd. 35—40 4 Frische Fischfilets 03416 ohne Hautu.Gräten, Pfd.40,50 u. 60 4 Rich. Grünewald Bahnhofstraße 27 Telefon 3631 Haarwuchsmittel von Hofapoth. Schaefer ohne teure Verpackung. Echt. Brennesselhaar- wasser '/< Ltr. 0.76. Echt. Birkenhaarwasser Maiengold V, Ltr. 1.- gegen Schuppen, Haarausfall, Eopfjucken. Fein parfümiert! 3829 v Flaschen mitbringen! Allein-Verkauf: Apoth.z.gold.Engel. | Vermietungen | 6-Zimm.-Wohn. i. d. Anlage 1. Et. f. 100 Mk. zu verm. Schriftl. Anfr. unt. 03411 a.d. Gieh.A. Wohnungen 3 und 4 Zimmer, einger.Badez. Nähe Klinitenf.80 Mk.zu verm. Schr. Ang. u. 03410 a.d. GH.Anz. Möbliertes Win-ii.Schlalzinwr zu vermieten. 034,8 Südanlage 161. Sonniges grobes Zimmer nebst gr. Wohnküche m. Zubehör in I.Et. an innges Ehepaar zuml.Auä.zuverm. Schriftl. Ang. unt. 03420 a. d. G. A. | Mietgesuche | Zum 1. Juli oder später suche 5-7-Zimmer- Wohnung mit allem Zubehör. Bad,Mansarde usm. Schriftliche Angeb. unter 4193D an den Gieh. Anzeiger erb. 2 Zimmer m.Küche perl.Juli gesucht. Schr. Ang. m. Preisang. unter 03398 a. d. G. A. | Stellenangebote | Vertreter ges., für Wasch- und Seifenartikel. Schr. Angebote u. 03417 an o. Gieb. Anzeig. Herren m. gr. Bekanntenkreis, Kassierer und Vertreter von Versicherungen usw. v. Grob-Unternehmen b. gutem Verdienst gesucht. Fahrgelder u. Speien bei auswärtiger Tätigkeit. Vorzustellenm. Papieren Mittwoch, d. 1. 6. zwischen 2 bis 4 Uhr bei Herrn Grofch,Eifenbahn- Hotel._________*2^V Wreler(in) ges. fürmeinWäschever- sandhausm. eigener Fabrikation suche ich geeigneten Herrn od. Dame als Vertreter zum Besuch bessererPrioatkund- schast gegen Provision. Die Kollektion enthält Proben sämtlicher Wäsche- teile, Betten usw.oie im Haushalt gebraucht werden. Julius Schmeltzor 4i„md Bielefeld. Junges 08108 MM f. kleinen Haushalt sofort gesucht. Vor- zustell.v.10—lUhr. Friedrichstr. 57 p. r. Mädchen für halbe Tage zum l.Juniges.Näheres Oss«» fllaebrechtstr.l Soziale der Aufgeber v. Stellen» Angeboten ist es, die ein» gegangcn-Setoerbungd» unterlagen (Zeugnisse, Zeugnisabschrift., Licht» bilder u.dgl.) schnellstens Blckzus. Die Stellung» enden sind dankbar ir, wenn man ihre Bemühungen zur Erlangung em. geeigneten Tätigte,! aus diese Meise unterstützt und sind aus diese selbstverständliche Pflicht auch angewiesen. Gietzenev Anzeiger Gesucht wird perfekte ! Schneiderin die ins Haus kommt. Zu erfraget in der Geschäftsst. d. G. A. [Stellengesuche! Konloristi» 23 Jahre., Perfekt in Stenographie, Maschinenschreiben und allen Büroarbeiten sucht zum 1. Juli Stellung. Schriftl. Ang. unt. 4200D a. d. G. A. [ Verkäufe | Etagenhaus nahe Südsmlage z. halben Frredenspr. zu verk. 5-Zimmer- Wohn. beziehbar. J. Baer 034a Ostanlage 431. Auto- Gelegenheitskäufe 4 PS Opel-Limousine, generalüberholt, ta- delloserWagen,sehr billig. Opel, Gießen, Frankfurter Str. 62, Telefon 2847. 3n9A Kleinauto Viersitzer, geschloss., B.M.W., Bauj.1929, gut erhalten,-» verkaufen. Schr.Ang.u. 03424 a.d.Gb.Anz. Einige Wand-Bohrmaschinen bis 30 mm Bohrl., für Hand- und evtl. Kraftbetrieb, billig zu verkaufen. 430,d Heyllgenstaedt&Co., A.-V., fließen. S.M.-Stahl u. gezog. Eisen in allen gangbaren Dimensionen,einige gebrauchteT-TrLger, Schienen und gebr. Riemen bill. zu verk. Beylifienstaedt L Co.. A.-G., Gießen. nrM Preissenkung für Flaschenbier Oie unterzeichneten Brauereien haben eifie weitere Senkung der Ilaschenbierpreise eintreten taffen, und zwar beträgt der Abschlag mit Wirkung vom 1.3uni 1932 an für die große Flasche NM. 0.02 für die kleine Flasche NM. 0.01 4I88D Die Brauereien von Gießen ».Umgebung Cafö-Restaurant »Bürgerhof« Ab Mittwoch, den 1. Juni Sensations - Kapelle Tarantella KONZERT- UND JAZZ - SINFONIKER täglich von 4% Uhr nachmittags an zu hören. 03415 Es ist noch Zeit zum Glucken setzen. Festsitzende Glucken abzugeben. (Gluckemitl2Brut- eiern3.50M.). 03406 Geflügelfarm Dittmar Gleiberger Weg 81 Sine Mem- ilötefflermoföilnt tadell. erhalt., billig zu verkaufen. 4175 a üerjiigenHoeöt & Go„ A.-G., Giehen. Hllllllllllllllllllllllllllllllllll Billig zu verkaufen: Kommode, svan. Wand, eis. Waschtisch, vol. Bett und Matratze, Nachttisch,4Biedermeier- Stiihleu.dt.Sviegcl Liehet Straße 2 nächst Kaserne, vormittags. 4UmD (llllllllllllllllllllllllllllllllin | Kaufgesuche | psautauben- Männchcn z. kauf, gesucht. 01fe8 Wolkengasse 17. SDüfe 3- ober 4-3lmmetöflU5 auch Einfamilienhaus. Schr. Angeb. mit Preisangabe u. 03121 a.d.Gb.Anz. Gebrauchtes Omn-FaM gut erh., zu kauf. ges. Schriftl. Ang. unt. 03405 a. d. G. A. SCHUHE bei jedem Schritt Uber den guten Sitz Ihrer bequemen [Verschiedenes! 500 Mark gegen 1. Hypothek od. monatliche Rückzahlung von Selbstgeber gesucht. Schr.Ang.u. 03403 a.d. Gieh. Anzeiger. Die Ausführung der Verputz- und Anstreicherarbeiten am Empfangsgebäude des Bahnhofs Lich sollen öffentlich vergeben werden. Angebote können, solange Vorrat, zum Preise von 1 NM. oderEinsendung des Betrags und Porto fürZusendung, vom Reichsb.-Betriebs- amt Gießen 1 bezogen werden. Briefmarken und Nachnahme nicht zulässig.— Termin für Oeffnung der Angebote 9. Juni 1932, 11 Uhr, beim Rcicksbahn- Bctriebsamt 4195 v(6iehen2 Gehe nach wie vor als 03404 leictalraii Frau Wacker Zu den Mühlen 2 Achtung Bauinteressenten! Ein günstiges Anteil der Deutschen Bau- und Siedlungsgemeinschaft abzugeb. Schx. Ang. u. 03401 a.d.Gieh.Anzeiger. Hühneraugen Warzen,Hornballen beseitigt restlos auch in den hartnäckigst. Fällen totsicher unt. Gar. innerh.5-6 Ta. öiihoepaugeD-Rapifl Erhältl. nur: Löwen- Drogerie W. Kllbinger Nacht, Seltersweg 69. Nachweisk. gutgeh. Hestaurani inderNäheGiehens zu pachten gesucht. Evtl, später Kauf. Schr. Ang. u. 03414 an den Gieh. Anz. Ein deutscher SWrWS zugelaufen. Abzubolen geg. Er« stattung der Futterkosten und Einrük- kungsgebühr bei Schneidermstr. Steul Bettenhausen 4192D Kr. Giehen. Detektiv K. Gerz, Bad-Nauheim, Kurstraße 17 erledigt alle vertrauliche Privat- u. Geschäftsanaele- genheiten,wie Auskünfte, Beobachtungen, Ermittlungen, Beschaffung v Beweismat. in Straf- u. Zivilproz. streng diskr Svrechst.: 9 b. 12'/,". 3—6 Ubr. 100 Rasierklingen a. f.Edelst. Haarsch. nur RM. 3.30 Nachn. 50Stück RM.2.20 „ Rasierkl. Spezialh. 0. Arnold. Kölo-Longerich Vereine I.B.C. Gießen 4194 D Freitag, den 3.Juni anherordentliche HaaptverfammlanO bei Hovfeld. Anschließend Grüner Abend. Eisenbahn-Verein Gieffen. Die Ausflugs-Son- derziige am 5. und 12. Juni fahren ab: Bieten 10.30 vorn. Friedrichsdorf 20.12 nadun. os (Jin Leuchtturm mitten im gifchtenden Wogen. st«-ht die alte Säule auf der Piazza Colonna. Aicr ist das Herz von Rom und wer eine Photographie davon kauft, der meint verblüfft, c« sei stehengeblieben Da sieht man noch einen unter der Sonnenglut ausgestorbenen Platz mit Gaskandelabern, zum Einschlafen — denn die römischen privilegierten Photographen haben e« nicht für nötig gehalten, im Strom der Zeit mitzufchwimmen In Wirklichkeit branden um den Sockel der Säule in den man früher hmein- flüchten konnte, die Automobile und um die Gloriole des heiligen Paulus und um fein blanke« Schwert schwirren die Flugzeuge mit ihrem kaum mehr lyrischen Tirili. Dazwischen nicht« als Kamps und Schlacht und Tod und Heldentum Das schraubt sich als wildbewegtes Filmband hinaus, das raffelt herab als flugakrobatifcher Pfropfenzieher, und kein Cicerone fände eine Sekunde Zeit, um zu behaupten, daß das Relief gegen die Markomannen gedacht ist und eigentlich Marc Aurel an der Stelle von Paulus stand Was kümmern uns solche Haarspaltereien, es genügt uns zu wissen, zu sehen und zu hören, daß heute wie gestern nichts ist als Kampf und Schlacht und Tod und Heldentum. Rur die Kampf hätten sind erweitert worden, man stürmt jetzt über den Alpenwall wie «über den Limes und aus dem Rheinübergang wurde ein Ozeanflug An der Stelle Marc Aurels steht Mussolini und Krieger aller Rationen ziehen an ihm vorbei Das ist durchaus wörtlich zu nehmen. In dieser Woche zertrümmern noch zehnmal mehr Propeller die Lust über der Stadt und schlagen das Blau in Trümmer. Der Duce hat alle Ozeanflieger nach Rom gerufen und der ..Radio-Äuto- Avio-Raduno' rafft alles zusammen, was Räder und Flügel hat um den geballten Fortschritt der Zeit über Rom an» Meer zu lenken wo der dynamische Mann unserer Zeit die Parade abnimmt. Alles nach Rom zum Oiorno dcll’ala. Tag der Flügel und Motoren' Alle Wände schreien c«. über die Straßen wird der Rus gespannt. über Berge und Meere strömt es herein aus die Halbinsel, und die Schwalben wzl'en nicht mehr aus und ein. Geheimnisvoll wie ein unbekanntes Flugzeug in dunkler Rächt dröhnt dieses Wort Radio — Auto — Aviv — Raduno Um es mit luftgekühlter Sachlichkeit zu erklären Raduno heißt soviel wie Versammlung oder Treffen. Das Treffen findet m Rom statt, und wer daran teilnehmen will, braucht sich nur in sein Auto ober Flugzeug zu setzen, gleichviel, wo er sich gerade befindet Das Ucbrige wird durch Radio besorgt, das heißt, durch Funkfpruch erfährt jeder, welche Straße er zu fahren hat und in welcher Zeit In zwei Tagen muffen 800 Kilometer zurückgelegt werden, in einer I Stunde soundfoviel, je nach Kategorie, jede Minute zu frühen oder zu späten Eintreffens wird bestraft Die unsichtbaren Wellen^ die jeder nach Belieben mit einem Kofferempfänger ober einer am Wagenaufbau angebrachten Antenne auffangen kann, lenken bas ganze Heer der Straßen und Lüfte an den Strand von Ostia, der jetzt der römische Lido heißt, und vorbei am Duce Wer möchte da nicht mitmachen? Im Mittelpunkt des Geschehens stehen jedoch heuer die „Tran-^tlantia1" oder „Transoceanici“, die ruhmbedeckten Ozeanflieger aller Rationen. Wie sie Mussolinis Flugminister. Italo Balbo. im Popolo d'Italia' begrüßt das ist kein Leitartikel mehr, das ist das Epos der modernen Argonauten Fast alle haben im Ksiege mit- gekämpst. aber niemand fragt, unter welcher Flagge, und wenn Gegner sich treffen, so ziehen sie um so ritterlicher den Hut Kampfadler über Rom' Kreise ziehend, er» scheiyen sie über dem Meeresufer wie über der Peterskuppel um bann in der Tibermündung oder am Liktorienflugplatz niederzugehen Geschwader stürzen ihnen entgegen, begleiten fie über die dreizehn Hügel Immer sieht man die germanische Kcilform über Pinien. Die Ohren klingen uns. des Dröhnens ist kein Ende mehr. Im funtelncuen riesigen Luftwehrmlnisterium versammelt Balbo die Preffeleute Er nennt sie alle, die da die Meere überwunden haben, kennt ihre Geschichte Da ist der große Richardson, da der unverwüstliche Gronau, da Endres, dessen ..Gerechtigkeit für Ungarn“, so sagt er wörtlich. Ehre und Ruhm für fein ritterliches Vaterland zurückfordern' Tags darauf auf dem Liktorienflugplatz Strahlende Sonne. Blau der Ewigkeit, und wie em fremder Stern erscheint das Flugzeug des Ungarn am römischen Himmel und schießt brennend zur Erde Flaggen «ruf Halbmast. Mussolini läßt ein Bankett adfagen. aber nun ist es in aller Munde, das truhige Wort Gerechtigkeit für Ungarn’ Das wurde der Sinn des Opfers auf fremder Erde Dtp Sonne zieht ihre Bahn, und die Adler muffen mit ihr aufsteigen, fo lange fie leben. Stippvisite bei Muffolini. über der Pinienoafe der Villa Torlonia Er steht zwilchen jonischen Säulen und schaut in die ticfflicgcnöcn Schwärme. Er steht aut fron’ Kapitol, um die fremden P'lotcn nach ihrem blumenüberfchütietcn Triumphzug durch den Korso vor der Statue Eäsar« zu begrüßen Er lädt sie abends zu Tisch, ins größte Hotel. Ern Bankett Mussolinis, da« ist ein seltenes Ereignis, man weiß die Ehre zu schätzen Er sitzt Dalbo gegenüber, zwischen den Botschaftern von Deutschland und England. Frankreich und Amerika Wie er nach Rom gekommen sei. geht die Frage an den biederen Schwaben Köhl, mit einem Doppeldecker? Rein, höre ich ihn schwäbeln, mit einem ganz kleinen Wägelchen Der Duce lächelt und hangt ihm einen ganz großen Orden um. Am Fronleichnamsmorgen verdunkeln Adler- schwärme die Sonne Da« fängt an wie Strawinskys ..Zeuervogel". wälzt sich dumpf und schwer heran wie Vulkanstöße und Berggewitter steigt plötzlich als donnernde Steilbrandung an felsiger Küste hoch und zerkracht wie Walhalls berstende Burg, in Stücke stößt sich der Himmel Eisgang der Lüfte, bis unangreifbar klar das Leitmotiv durchschmettert. Ja. das ist Siegfrieds Horn! Und schon — zischt Hagens Speer Rom wird bombardiert. In der großen Tiber- schleife, dort, wo Ungarns Stern zerflammle hat man Häuser errichtet. Fabrikanlagen, ein Schiff aufgebaut Was sind die Fortschritte der Zeit anderes als Ziele unterer Bomben? Jetzt sollen die Adler zeigen, was fie können. Jetzt haben die Militärflieger da« Wort Und wiffen cs zu gebrauchen in dieser Uebermaterialfchlacht der Lüfte. Qualm und Schlag, künstliche Rau4° wölken droben, echte unten Am Kolosseum wie an der Peterskuppel bricht sich da« Gctöle. Die Vernichtung rast Die umgetauften „Do X wuchten wie Dreadnoughts durch Torpedogewimmel. Das Malchinengewehrgeknatter ist nur ein sinder Fruhlingsrcgen gegen den Hagel der modernen Dordgefchütze Aber was wollen hier Vergleiche was kümmerliche Menlchenwortc lagen1 Und das Volk, mit Sonderzugen hergebracht. füllt offenen Mundes und beklommenen Herzens die Arena, in der es blühen und summen würde vor Sommerluft, Wenn nicht Gaswolken alles einhullen würden daß es wieder ist wie vor der Schöpfung. Ist deyn kein Gott mehr, der schiede Wafser und Land? Schwalben — vielleicht Werden morgen Wieder Schwalben jubeln durchs Blau. Millionen (L V. 4,1 Mill.) RM. im Etat eingestellt ist. Das Defizit entsteht hauptsächlich durch die außerordentlich gestiegenen Aufwendungen für die Wohlfahrtsfürsorge, die allein fünf Millionen (i. D. 4,7 Mill.) RM. erforderte. Oie Bad-Nauheimer Wirtschaft an den Reichsfinanzminister. WSR. Dad-Rauheim, 30. Mai. 3n her letzten Gefamtausschuhsitzung des hiesigen V e r ° kehrsvereins, dem sämtliche Wirtschaftsorganisationen des Bades angehören, wurde eine Eingabe an den Reichsfinan^mini- st e r genehmigt. Die Eingabe behandelt die wirtschaftlichen Verhältnisse in Dad-Rauheim, stützt sich auf entsprechendes Zahlenmaterial und legt anhand der in den Jahren 1930 1932 entstandenen Lage im Hotelgewerbe. Einzelhandel, Handwerk und der im Gesundheitswesen beschäftigten Berufe die Notwendigkeit der Kredithilse für einen Weltkurort Dem Bange unserer Dadestadt dar. Der Beichsfinanzminister hat sich bereit erklärt, nach Prüfung der Eingabe mündliche Erläuterungen dazu entgegenzunehmen, und man hofft, daß sich auch die Reichsregierung der Sachlage nicht verschließen und der Schlußfolgerung zustimmen wird, einen nach seiner Struktur und wirtschaftlichen Rolle so bedeutungsvollen Weltkurort zu schützen und in seiner Steuerfähigkeit zu erhalten. 21,7 Mill. RM. Mindereinnahmen bei den Krankenkaffen. WSR. Frankfurt a. M„ 30. Mai. 3n einex Mitgliederversammlung des Landesverbandes Hessen und Hessen-Rassau des Hauptverbandes DeutscherKranken- k assen erstattete der Geschäftsführer Stock über die finanzielle Situation der ongeschlossenen Kassen und die notwendigen Sanierungsmaßnahmen Bericht. Von den dem Verbände angeschlossenen 90 Kassen haben im Geschäftsjahr 1931 75 Kassen ihren Vermögensstand verschlechtert. Einzelne Kassen haben Verluste, die ihr Vermögen übersteigen. Die Mitgliederzahl der angeschlossenen Kassen ist um 72 000 Mitglieder zurückgegangen. Die Einnahmen sind um 2 1,7 M i l l. Markzurückgegangen, die Ausgaben aber nur um 5,12 Mill. Mk., so daß also ein Minus von 1 6,5 Mill. Mk. im Berichtsjahr entstanden ist. Der Referent betonte, daß eine Verbesserung der finanziellen Situation erstrebt werden müsse ohne Erhöhung der Beiträge. Seine Vorschläge gehen vor ollem auf Reduzierung der Ausgaben für Krankenhaus-, Arzt- und Apo- thekerkosten. Furchtbare Familientragödie. Lin Rüsselsheimer Händler erschießt seine Frau, seine drei Kinder und sich selbst. WSN. Rüsselsheim, 30. Mai. heute gegen 16 Uhr wurde an der Grenze zwischen Bischofsheim und Rüsselsheim der in Rüsselsheim ansässige Händler Ludwig Schmidt zusammen mit seiner Frau und seinen drei Kindern im Alter von acht, fünf und drei Jahren erschossen aufgc- funden. Die Mordkommission eilte sofort an die Fundstelle und nahm hier den Tatbestand auf. Nach den bisherigen Feststellungen ist bestimmt damit zu rechnen, daß Schmidt im Einverständnis mit seiner Frau die furchtbare Tat begangen hat. In einem hinterlassenen Brief steht u. a. der Satz: „Die Mutigen werden nicht alt." Die Leichen der fünf Personen wurden nach dem Leichenhaus in Bischofsheim gebracht. Schmidt betrieb in Rüsselsheim ein kleines Zigarren- und Zeitschriftengeschäft. Schweres Explosionsunglück bei der ZG.-Farbenindustrie. Frankfurt a. M., 30. Mai. (WSN.) In einem Laboratorium der Essigsäurefabrik des Werkes höchst der IG. - Farbenindu- st r i e AG. ereignete sich heute gegen Mittag eine Explosion, die ein Menschenleben forderte. Zwei in dem Laboratorium beschäftigte Personen, ein Chemiker und ein Laborant, erlitten schwere Brandwunden im Gesicht und am Körper. Die Verletzungen des Laboranten waren so schwerer Natur, daß er bald nach seiner Einlieferung in das Krankenhaus verschied. Für den Chemiker besteht keine Lebensgefahr. Der verursachte Sachschaden ist unerheblich. Oberheffen. Landkreis Gießen. CO Klein-Linden, 30. Mai. Eine Ortssammlung zum Besten des Vereins für das Deutschtum im Auslande, von Kindern der hiesigen Volksschule vorgenommen, ergab den Betrag von 21,50 Mark. Außerdem wurde noch ein namhafter Betrag durch die hiesigen Schüler, die die höheren Schulen in Gießen besuchen, den Sammelstellen in Gießen zugeführt. 7 Treis an der Lumda, 30. Mai. Unser evangelischer Frauenverein hielt gestern nachmittag in Mills Saal seine Winterschlußfeier ab, zu der auch der Verkehrsoerein imd der Frauen- verein der Lukasgemeinde Gießen zahlreich erschienen waren. Bei Kaffee und Kuchen, mehreren Ansprachen, gemeinsam gesungenen Liedern und Vorträgen unseres Pospunenchores verliefen die Stunden sehr rasch. Ein Gang durch das Dorf und die Besichtigung unserer altehrwürdigen Kirche beschloß die anregend verlaufene Feier. Kreis Büdingen. r Ranstadt, 30. Mai. Die schön verlaufene Baumblüte, die reichen Obstsegen versprach, ist n i ch t gut ausgefallen. Aepfel gibt es nur wenig, auch das andere Obst zeigt keinen befriedigenden Behang. Es wird leider noch zu wenig für die Bäume getan; der Bürgermeister hat in lobenswerter Weife jetzt das Spritzen für die Gemeindebäume eingeführt, damit die Monilia wieder zurückgedämmt wird. Auch für die Düngung der Bäume wird noch zu wenig getan. ? Unter-Schmitten, 30. Mai. Der hiesige Turnverein, dem seit einiger Zeit eineDamen- riege angegliedert ist, hielt gestern Mittag im Saale des „Chausseehauses" ein erfolgreiches Schauturnen ab. Turner, Turnerinnen und Schüler zeigten in allen Abteilungen gutes turnerisches Können. Neben exakt ausgeführten Frei- und Stabübungen wurden prächtige Leistungen am Bakren, Pferd und Reck gezeigt, die den Turnern verdienten Beifall eintrugen. Der als Gast erschienene Turnverein von Ra in rod bot gleichfalls schöne Einzel- und Gesamtleistungen. Den Ausklang der gutbesuchten Versammlung bildete ein 100- Meter-Lauf auf der angrenzenden Landstraße. Kreis Schotten. Schotten, 30. Mai. Durch die Buchwaldsche Operette „Münchhausen im Vogelsberg", die von Dr. Karl Kü Niger nach einer gleichnamigen Erzählung von O. Müller geschrieben wurde, ist die Person des ehemaligen Schottener Oberförsters L a e t u s (Georg Wilhelm Frölich) der Versenkung entrissen worden. Er war am 14. 3. 1776 geboren und starb am 13. Oktober 1847. Als „Lügen- gcneral" und genialer Aufschneider bis zu den höchsten hessischen Regierungsstellen bekannt, bereitete er seiner Familie wegen dieses Umstandes manchen schweren Kummer. In der älteren Generation weiß man noch von manchem Streich zu berichten, den der trinkfeste Spötter sich geleistet. Ein Nachkomme des Oberförsters, der Berliner Schriftsteller Walter Schneider, hat es nun übernommen, eine Lebensgeschichte seines Ahnen herauszugeben, die für die Bewohner unserer Stadt, wie des ganzen Vogelsbergs von großem Interesse sein dürfte. Eich^lsdorf, 30. Mai. In der zweiten Maihälfte tritt die Grippe hier ziemlich heftig auf. Kinder im schulpflichtigen Alter, sowie kleinere, find insbesondere von ihr heimgesucht. Ein 15- lähriger Realschüler starb nach kurzem Kranksein. Man geht wohl nicht fehl, das ständige wechselnde Wetter des Mai mit dem verspäteten Auftreten der Grippe in Verbindung zu bringen. Kreis Wetzlar. 00 Hörnsheim, 30. Mai. Der Gemeinde- r a t verhandelte dieser Tage über den Antrag der Iagdpächter auf Pachter mäßigung,. Nach eingehender Aussprache wurde der Pachtpreis auf 750 Mark herabgesetzt. Die Verfügung des.Regierungspräsidenten, einen Beschluß herbeizuführen, nach dem die D i e n st a u f w a n d s e n t s chä d i- g u n g des Gemeindevorstehers um 33 Prozent gesenkt werden soll, wurde einstimmig abgelehnt. Der bisherige Satz soll beibehalten werden. Wirtschaft. * Philipp Holzmann 21®., Frankfurt a. M. Der in der AR.-Sitzung der Philipp Holzmann AG. vorgelegte Abschluß für das Geschäftsjahr 1931 weist nach 994 612 RM. Abschreibungen auf Baugeräte und Anlagen (i. 23. 1 390 832) einen Reingewinn von 433 553 (1909 225) RM. aus, der nach Verteilung von 6 v. H. Dividende auf die V.-Aktien auf neue Rechnung vorgetragen werden soll (i. 23. 8 v.,H. Stamm- und 6 v. H. V.-Aktien- dividende). Angesichts des verschärften wirtschaftlichen Niederganges im In- und Auslande glauben Vorstand und AR. dem Interesse der Gesellschaft am besten zu dienen, wenn sie die Liquidität der Firma und ihre inneren Reserven zur Deckung der möglichen Risiken erhalten. Der auf den 24. Juni einberufenen GD. wird vorgeschlagen werden, das bisherige AK. der Gesellschaft von 20,09 Mill. RM. durch Einziehung von 1,1 Mill. RM. eigenen im Besitze der Gesellschaft befindlichen Aktien auf 18,99 Mill. RM. herabzusetzen. * Großkraftwerk Franken AG., Nürnberg. In der GV. des Großkraftwerks Franken AG., Nürnberg, wurden die Regularien erledigt. Es kommt eine Dividende von 5 Prozent auf Vorzugsaktien und von 6 Prozent auf Stammaktien zur Ausschüttung. 34 370 Mark werden Dorgetragen. * Büssing N A G„ Vereinigte Nutzkraftwagen AG., Brauvschweig. Die Ende 1930 von der Automobilwerke H. Büssing AG., Braunschweig, und der Nationale Automodilgesell- schäft AG., Perlin-Oberschöneweide, gegründete Büssing NAG. Vereinigte Nutzkraftwagen AG., Braunschweig, legt den Abschluß für 1931 vor. Der Erlös aus 'Warenvertrieb stellt sich auf 7,27 Mill.^RM., dem an Unkosten 6,72, an Beiträgen zu Sozialversicherungen 0,26, an Rückstellungen für Delkredererisiken 0,20 und an Abschreibungen 0,076 Mill. RM. gegenüberstehen, so daß ein kleiner lieber- schuß von 7065 RM. verbleibt, der It. GV.-Beschluß auf, neue Rechnung vorgetragen wird. * Schütte-Lanz, Ak t i e ng e s e I l s ch a f t, Mannheim-Rheinau. Der Bruttogewinn per 31. Dezember 1931 beträgt 298175 Mark, gegenüber 286 834 Mark im Vorjahre. Nach Berücksichtigung der Geschäftsunkosten mit 115 453 (165 478) Mark und 160 564 (100 765) Mark Abschreibungen verbleibt ein Gewinnüberschuß von 36 331 (32 248) Mark, woraus wiederum 5 Prozent Dividende zur Ausschüttung gelangen. Angebot am pfandbnefmarkt. — Aktien gebessert. Berlin, 31. Mai. (WTB. Funkspruch.) Noch hat die innerpolitische Situation durch die Besprechungen beim Reichspräsidenten keine Klärung erfahren. Deshalb übte die Spekulation auch vorbörslich noch stärkere Zurückhaltung und taxierte die Tendenz zu gestern abend unverändert. Zu Beginn des offi. zielten Verkehrs stellte sich aber heraus, daß bas Publikum für fast alle Marktgebiete weiter Kaufneigung bekundete. Der Wunsch nach Sachwerten hatte wohl auch die Tauschoperationen von Renten gegen Aktien ausgelöst, die man schon gestern beobachten wollte. Je mehr die Möglich- feit besteht, daß ein Rechtskabinett zustande kommt, um so größer fajeinen die an und für sich unbegründeten Befürchtungen für eine Markentwer- tung zu werden. Im Zusammenhang mit der Regierungsumbildung spricht man ja bekanntlich auch von bevorstehenden Veränderungen im Reichs- bankdirektorium. Während also am Pfand- briefmarft durchweg Angebot bestand, das sich besonders in Goldpfandbriefen, Stadtanleihen und Kommunalobligationen im Verlaufe noch verstärkte, waren Aktien fast einheitlich 1 bis 1,5 v. H. gebessert. Kaliwerte konnten bis zu 3 v. H. anziehen, Farben gewannen 3,13 v. H., Conti, gummi 4 v. H. und AEG. fast 10 v. H. ihres Wertes. Bemerkenswert schwächer lagen eigentlich nur Linoleum-Aktien. Sonst fielen noch Industrieobligationen durch schwache Haltung auf, ebenso Reichsbahnvorzugsaktien, die 1 v. H. einbüßten. Altbesitzanleihe ging um 0,75 m H. zurück und Reichsschuldbuchforderungen verloren etwa 1 o. H. Don Ausländem neigten 14er Ungarn zur Schwäche, während Anatolier 0,5 o. H. gewinnen konnten. Auch im Verlaufe fetzte sich die Aufwärts- bewegung an den Akttenmärkten fort. Es wurden erneut Gewinne bis zu 1 v. H. erzielt, doch wurde das Geschäft später wieder ruhiger. Gegen 12.45 Uhr erfuhr die Ilmsatztätigkeit wieder eine Belebung, die führenden Aktienwerte erreichten neue Höchstkurse, die bis zu 2 v. H. über Anfang lagen. Der Geldmarkt hat sich zuiü Ultimo weiter versteift, Tagesgeld stellte sich auf 6 bis 8 v. H. und war nur noch vereinzelt mit 5,90 v. H. erhältlich. Monatsgeld blieb mit 6 bis 8 v. H. nominell. Die Nachfrage nach Privatdiskonten hält weiter an, der Satz dürfte aber unverändert bleiben. Feste Tendenz in Frankfurt. Frankfurt a. M., 31. Mai. (WTB. Draht- melhung.) Oluf Hoffnungen, daß die bestehende Regierungskrise in allernächster Zeit durch eine Rechtsregierung abgelöst werde, eröffnete die heutige Börse in f e st e r T e n d e n z. Eine gewisse Tlnsicherheit war jedoch unverkennbar, weil die ganze Situation noch sehr unübersichtlich erscheint. Es lagen aber Dom Publikum durchweg Kauforders oor, denen sich die Spekulation mit Deckungen und Meinungskäufen anschlotz. Dor allem soll die Schwerindustrie m i t g r o ß e n K a u f o r de r s andenMarkt gekommen sein, da sie Dort einer Rechtsregierung besonders steuerliche Erleichterungen erwartet. Da auch die Reichsmark im Auslände eine schwächere Veranlagung zeigte, motiDierte man die Käufe mit einer gewissen Znflationsangst. Bei zeitweise recht lebhafter Ilmsatztätigkeit ergaben sich gegen die Abendbörse Befestigun- g e n Don durchschnittlich 1 bis 2 Prozent. Im Vordergrund des Interesses staüden oor allem Spezialwerte wie IG.-Farben, Reichsbank, Siemens, Schuckert, REG. und vereinzelte Papiere des Montanmarktes, die Erhöhungen bis zu zwei Prozent aufwiesen. Sehr fest tendierten erneut Scheideanstalt mit plus 5,5 Proz. Ruch die Rebenwerte Derzeichneten meist Kurssteigerungen bis zu 1 Prozent. Schwächer lagen nur Holzmann mit minus 0,5 Proz. in Rachwirkung des Dividenden- ausfalls. Ruch im Verlaufe blieb die Tendenz fest, und auf der ganzen Linie waren neue Rvancen festzustellen. Beoorzugt blieben weiterhin Spezial- werte, von denen 3®. weitere 2,5 Proz. gewannen. Siemens zogen 3 Proz. und Reichsbank 2,5 Prozent an. Der Rentenmarkt lag-dagegen ausgesprochen schwach, da Befürchtungen wegen einer neuen Zinskonversion verstimmten imb Angebot auslösten. Die Rückgänge betrugen auf faft allen Marktgebieten etwa 1 v. H., nur LiquidaHonspfand- briefe lagen wenig schwächer. Auslandrenten lagen nur unwesentlich verändert. Am Geldmarkt bestand starke Nachfrage, so daß Tagesgeld erneut um 0,75 o. H. auf 5,5 o. H. erhöht wurde. Amtsgericht Gießen. Familienangehörige, ein Vater, Mitinhaber eines Zimmergeschäftes in einem Rachbarort, und dessen Sohn hatten -sich wegen gemcinschaft- lichen Betrugs zum Rachteil der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung zu verantworten. Der Vater hatte irt einer Bescheinigung. au deren Ausstellung er gesetzlich verpflichtet war, falsche Angaben gemacht, um dem Sohne, der sie dem Rrbeitsamt vorlegte, Krisenunterstützung zu verschaffen. Beide wurden aber freigesprochen. Da nicht nachzuweisen war, daß sie von vornherein die Rbsicht hatten, sich einen rechtswidrigen Vermögensvorteil anzueignen. Doch erhielt der Vater auf Grund des Gesetzes über die Rrbeitsvermittelung undRrbeitslosenDersicherung, dasün den Jahren 1929 unö-1930 in verschiedenen Fassungen erschienen ist, eine Geldstrafe von 2 0 Mark, da das Arbeitsamt aus einem ihm zu Gesicht gekommenen einschlägigen Lieferbuch Feststellungen gemacht hatte, die keinen Zweifel an der Anvollständigkeit und Unrichtigkeit der Bescheinigung zuliehen. Die Ausstellung einer derartigen Bescheinigung ist allein schon strafbar.. Es wurde aber nur Fahrlässigkeit angenommen. 3n einer weiteren Strafsache bildete den Anlaß zu einer Anklageerhebung wegen Beamten- beleidigung ebenfalls die Erwerbslosen- unterstühung, bzw. deren Auszahlung. Bei der Auszahlung war der Angeklagte schon vor der festgesetzten, für ihn geltenden Zeit erschienen und begehrte Zahlung, die ihm aber von dem aus- Aahlenden Beamten des Sandesarbeitsamtes. Der noch einige hundert im Zahlungsraum befindliche Erwerbslose abzufertigen hatte und aus begreiflichen Gründen niemanden bevorzugen wollte, mit dem Hinweis darauf, daß er später, wenn die Reihe an ihn tarne, wiederkommen möge, verweigert wurde. Doch gelang es dann dem Angeklagten, sich aus der Reihe vorzudrängen. Die Auszahlung wurde ihm zunächst wiederum verweigert, die Unterstützung aber später verabfolgt, nachdem er den Beamten mit den Worten, ob er denn verrückt sei, angefahren hatte. Später stellte er letzteren zu Rede und gab ihm eine Ohrfeige, die dem Angeklagten, ebenso, wie die vorausgegangene Beleidigung, eine erhebliche Gefängnisstrafe eintrug. Eine Geldstrafe war bei dem Verhalten, wie es der Angeklagte in Gegenwart einer großen Menge von Arbeitslosen zur Schau trug, nicht am Platze. Die Auszahlungsstelle, deren Beamte ohnedies, wie dies naheliegt, mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, darf unter keinen Umftänhen der Schauplatz derartiger unqualifizierbarer Vorgänge werden. Ein hiesiger Arbeiter beleidigte einen Feldschutzmeister auf offener Straße in der frivolsten Weise. Er warf ihm ohne jede Veranlassung gänzlich unwahre Dinge vor, die für ihn in dienstlicher und moralischer Hinsicht eine schwere Ehren- kränku ng bedeuteten. Auch hier war eine Gefängnisstrafe geboten. Er erhielt eine solche von zehn Tagen. Auch wurde dem Beleidigten, bzw. seiner vorgesetzten Behörde die Befugnis zugesprochen, das Urteil durch Anschlag an der Bürgermeisterei zu veröffentlichen. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 v. H, Lombardzinsfuß 6 v. H. Zrankturi a. ML 25erlin Schlußkur« l«llhr« flurd Schluß« i kur« | Ansong« Rur« Datum 30.5. 31.5. 30.5. 31.5. 6% Seutidie iHetdiionieihe v. 192". 51.5 — 52 7% Deutsche Reichsanleihe v.1929 b'/i^Poung-Anleihe von 1830 . Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mil 60.25 — 59.5 — 55,75 — 56 Auälvs.-Rechten....... 38.13 37,4 38.13 37.4 Detgl. ohne Autlos.-Rechte . . . 8% Hess. Bolkestaat von 1929 sruckzahlb. io >%)...... Oberhel,-n Provinz-Anleihe mit 2.8 2,8 2,8 2,75 43.5 — 44 — Aurlos.-Rechten...... Deutsche Komm. Sammelabl. — — — Anleihe Kerle 1....... 81W$ronlf- HhV -Bank Goldpse ß unkündbar bii 1935 .... 7% Franks. Hyp.-Bank Koldpse — 35,5 — 71 — — unkündbar bi» 1936 Serie 16 . — 58 57 Licht und Strait...... 10 61.5 63 60.75 33,5 62 nehen & Guilleoukye.... 6'- — — 34,5 Gesellschast für Elektrische Unternehmungen .... *4 — 49,75 48.25 50 Rheinisch? Elektrizität . . . . 9 — 63 Schuckert L Eo. ..... . 11 — 57 55 56,25 Siemenk & Haltke..... 14 114 115,75 114 114 Lahvkeyer & (So....... 12 75,75 74.5 77 Buderus......... . 4 23,5 — 23.25 23.5 Deutsche Erdöl...... . 5 —— 57,5 56,25 56,75 Gelsenkirchener...... . 8 39,75 40,75 39.13 40 Haryener......... . 0 37 — 37 37,5 Harsch Eisen........ . 6 — — 24.25 24,25 Ulfe Bergbau....... Klöcknerwerke....... 10 —— — 122,5 124 . 6 — — 22,25 22,25 Köln-Neuessen....... ey, —— — Mannedmann-Röhren . . . . 6 — 37 35.4 36,25 MonSselder Bergbau .... . C 13 — 13 — Oberschlel. Kokiwerle . . . . 8 — — 33.5 33.25 Phönix Bergbau..... Rheinische Braunkohlen . . . 16,25 16.13 16.5 17.65 10 159,5 —— 159,25 160,75 Rheinstohl ........ » 6 *— 35 36,13 1 .srantiun a. M. Derlln Schluß« I furd | 1-Uhr« flurd Schluß-j furd 1 Anfang« Kurs Datum 30.5. 31.5. 30.5. 31,5. Riebeck Montan...... 7,2 — — —— — Vereinigte Stahlwerke . . . 4 14 14,5 13.9 14,13 — 9.5 10 Kaliwerke Aschersleben ... 10 81 — 82 85 Kaliwerke Welteregeln . . . 10 91 —- 91 93.25 Kaliwerke Salzdetfurth . . . 15 — 150 149,5 150 ?|. @. garben-Zndustrie . . . 12 83,9 85,75 83,9 87 Verein, chem. Industrie Frank« — _ _ Scheideanstalt....... 10 130.5 13b — — Goldschmidt........ . 0 16.5 —— 16 17 Rütgerswerke....... . 5 25 25 24.5 25 Metallgeselllchalt...... 25 26,75 25,13 26 Philipp Holzmann . . . ^ . . 8 34,5 35 35 Zementwerk Heidelberg. . . EemerUwerk Karlstadt. . . . 7 — 40 _ — Wagß 8 Ire»tag..... . 0 - - — - Schultheis Patzenhosor . . . 15 — — 53,65 54,5 Aku asten in 3he*etf zu einem Freundschaftsspiel gegenüber In einem flotten, fairen Spiele war Wie'. ck seinem Gegner technisch und taftijd) uberleaen und konnte mit 9:3 Toren verdienter Sieger werden. ADAE.-Eifelrennen. Rüttdxn (NSV) bei den Motorrädern, Carracriola bei den wagen stegreich Der Nürburg-Ring hotte mit feinem 10 ADAE - Eifelrennen am Sonntag einen ganz großen Erfolg zu verzeichnen. Die erstklassige Besetzung und damit zu erwartenden spannenden Kampfe hatten 120 uOO Personen angelockt und damit eine Rekord- zuschauermenge aus die Beine gebracht Um 10 Uhr wurden zuerst die Motorräder auf die Reise geschickt. Im Rennen der Solomalchinet? bildete sich bald eine Spitzengruppe mit den beiden NSÜ-Rabrern Rü11chen und R o s e m e y e r. Bauhofer mußte in der 5 Runde wegen Maschinenschadens aufgeben. Ueberbaupt nxiren die Ausfälle groß, denn von 33 Fahrern erreichten nur 10 das Ziel Rüttdxn fuhr ein ausgezeichnetes Rennen und kam unangefochten in der schnellsten Feit des Tages von 2:32,26 bei einem Stuntxnmiltel von 107,7 als Sieger durchs Ziel. Zweiter wurde Rosemetzer, der noch mit dem Kölner Soenius einen harten Kampf zu bestehen hatte. In der Klaffe bis 350 can siegte der Godesberger Loof (Impena) mit 2 Minuten Vorsprung vor Frentzen- Bonn In den am Nachmittag ausgetragenen Rennen der Wagen blieb der erwartete Revanche-Kampf Earracciola — Brauchitsch aus. Auch Frankreichs Meisterfahrer konnte gegen Earracciola nicht mit, der mit feinem wendigen Alfa Romeo und feiner großen Kenntnis des Nurburgringes die Runden in gleichmäßiaer Schnelligkeit durchfuhr und in den letzten drei Runden auf die Rekord- schnelligkeit von 117,5 Kilometer kam. Lediglich der Franzose Dreyfus (Bugatti hielt sich noch einigermaßen gegen Earracciola, während die beiden Mercedes-Benz-Wagen von Brauchitsch und Hans Stuck in den engen Kurven keine Ehancen hatten. Gleich nach dem Start setzte sich Ehiron an die Spitze, aber schon nach dem ersten Passieren der Tribunen jag errat 11 o I a in Front. (Einmal Nil der Spitze ließ sich ..(Tarratid)" nicht mehr vordrängen und siegte mit fast 1) Minuten Vorsprung von Dreysus. Die Ergebnisse der Wagen Klasse. Wagen über 1500 ccm (14 Rd. + 319,305 Kilometer): 1. Earracciola- Berlin (Alfa Romeo) 2:48:22,18 (117,78 Stundenkilometer), schnellste Zeit des Tages; 2. Dretzfus (Bugatti) 2:48:44; 3. v. Brauchitsch (Mercedes Venz) 2 53:18,6; 4. Stuck (Mercedes Benz) 2:57:50.6; 5 Chiron (Bugatti) 2:58:06; 6. Broschek (Mercedes Benz) 3 22:42. Bis 1500 ccm : 1. Täuber! Schweiz (Alfa Romeo) 3:07:24 (102,24 Stundenkilometer>. 2 Viartmnnn- Budapest (Bugatti) 3:17 59; 3. Seibel Dietz «Bugatti) 3:28:52 Bis 800 ccm: 1. Macher Berlin (DKVC) 2:40:29 (85.28 Stundenkilometer); 2. Simons-Berlin (DKW) 2:48:37. wurde die Spitzengruppe der 8 Fahrer überholt. Wahrend Karl Muh!. Gießen, folgen konnte, fiel Emil Mudl vom RV r 1*85 Dietz Pfennig Tage 1 Koab.-Trikothemd,60an lg., 95 Pf. I w. Knab.-Hemd, b. 80 cm lg., 95 Pf. 1 Knab.-Zephirh., b. 60 cm lg., 95 Pf. 1 Herren-Einsatzhemd......95 Pf. 4 SL halbsteife Kragen......95 Pf. 2 St Selbstbinder..........95 Pf. 1 Paar echte Makohosen .... 95 Pf. 1 SL Faßmatte...........95 Pf. 5 SL Scheuertücher.........95 Pf. 1 Kinder-Regenschirm......95 Pf. 1 Kopfkissen mit Einsatz .... 95 Pf. 10m Zwirn.a.Valenc.-Spitz-w.a.Preis Altersfünf des Id. 1 8 4 6 Gießen (Bijringcr, Muller, Strack, Freitag, der 5. Mann fehlte) sichtbar überlegen. Sie schlug nickst nur den DSB (stast, Polz.-Spo Butzbach, 52.47 (26:21), sondern auch den vorjährigen Meister der Klasse, Tgm. Fried berg, 54:53 (31:28) und setzte sich damit an die Spitze der Tabelle. Ueberraschend war, daß sich die Friedberger auch von den Polizisten 49:35 (22:1*0 schlagen ließen und diesen damit den zweiten Platz überlasten mußten. Kaffee Hag: .. so gesund wie er gut ist lVer die Heimat liebt wiedu! Leitwort über diesem Werke flehen, das den Kampf um die ererbte Echolle in den Vordergrund flellt.Die brennende Frage über die Snt- Wicklung der deutschen Zukunft ifl das Schicksal des bo- denflandigen Äauernturns; es ifl bedroht durch finflere Wachte verschiedener Art. «MM,MM! u Vornan von Gert Gothberg. CopyTight by Martin Feuchtwanger, Hall». 28 Fortsetzung. Nachdruck verboten! Er war also frei! Anders frei war er geworden wie er gedacht und doch nie gewünscht hatte. Er wußte auch mit dieser Freiheit nichts mehr anzufangen. Doktor Ansbrück war ein ganz anderer Mensch geworden. Das Ideale in seinem Wesen war fort. In sein schönes Gesicht hatte sich Härte, ja, fast ein brutaler Zug gegraben. Weil er an Frauenliebe und Treue nicht mehr glaubte! Das muhte für einen Menschen wie ihn immer zum Verhängnis werden. War es in gewisser 'Beziehung ja auch geworden! Er gehörte nun zu den bekanntesten Lebemännern der Hauptstadt. Seine Freunde schüttelten die Köpfe, aber, zu sagen wagte keiner etwas. Sie taten ihm zuliebe mit; mancher fühlte sich sehr wohl dabei, mancher nicht. Am unglücklichsten, unzufriedensten war Ans- brück selbst. Ihn ekelte dieses Leben an, aber es war doch der einzige Weg für ihn, um dieses Dasein überhaupt noch ertragen zu können. Er konnte doch nicht jeden Abend dayeim sitzen. Er wäre verrückt geworden. Gewiß, ab und zu nahmen geschäftliche Besprechungen ihn tagelang in Anspruch. Dann war er todmüde und froh, wenn er endlich allein war. Aber cs kamen doch dann wieder lange Wochen, endlose Nächte, die er nicht einsam verbringen konnte. «Heiraten Sic wieder, lieber Freund!" Mehr als einmal hatte inan ihm das gesagt. Meist waren es Väter mit Töchtern, die ihm das wohlwollend rieten. Heber seiner Vergangenheit schwebte geheimnisvoll dos Ende seiner Frau. Aber er stand doch weit ab von diesem Geschehen. lind es war nun bereits ein reichliches Jahr darüber vergangen. Also hätte er heiraten können, lind Ansbrück erwog zuerst auch ganz ernstlich, ob es nicht doch gut fei, irgendein liebes junges Geschöpf in sein einsames Heim zu nehmen. Eine gute Ehe, wunschlos, genügsam, zu führen. Doch dann schüttelte ihn dos Grauen. Wen sollte er denn eigentlich heiraten? Irgendein junges Mädel, dos wohlbehütet zwischen Vater und Mutter stand und ihn süß und unschuldig anlächelte? * Hatte Lisa von Massow nicht auch einst so süß und unschuldig zu ihm emporgelächelt, und was war aus dieser Ehe geworden? lind er hatte sie geliebt! Dann kam Aenne! Mitten in seine zerstörte Ehe hinein kam sie in ihrer blonden Schönheit, lind er hatte noch einmal an Liebe und Treue und an ein großes, reines Glück geglaubt! Dann erfuhr er durch ihre eigene Schwester, daß sie berechnend war. Daß sie dem Verlobten untreu gewesen war, weil sie sich von ihm, dem reichen Manne, mehr versprach! Da war der Zusammenbruch gekommen. Da begann ein neues Leben für* Rudolf Ansbrück. Eine Ehe kam für ihn nicht mehr in Frage. Er wußte, daß er mit dieser Einschätzung der Frau im allgemeinen manchem jungen Mädchen, nwncher edlen Frau llnrccht zufügte; aber er konnte es nicht mehr ändern, daß Glauben und Vertrauen für alle Zeiten zertrümmert am Boden lagen. So begann das Leben, vor dem ihm selbst graute, und doch führte er es weiter. Heute war er von einer längeren Geschäftsreise zurückgekommen. Seine Hausdame, eine liebe, gütige, weißhaarige Dame, freute sich sehr, denn, sie liebte ihn wie einen Sohn. Er küßte ihr die Hand und setzte sich dann mit ihr zu Tisch. Er hatte vor, am Abend zu Hause zu bleiben. Gerade als der Nachtisch aufgetragen wurde, klingelte das Telephon. Er ging hinüber. Vilma von Bandorff! „Ah, doch zurück, Herr Doktor? Guido Lenz erzählte mir eben, daß er Sie an sich vorüberfahren sah. Wir haben hier eine sehr nette, kleine Gesellschaft. Wollen Sie uns nicht noch ein biß« chen die Freude machen?" „Guten Abend, mein gnädiges Fräulein! Ja, ich bin vor zwei Stunden etwa von der Reise zurückgekommen. Wenn Sie es wünschen, komme ich sehr gern und danke Ihnen herzlich für die freundliche Einladung." „Ich freue mich. Sie wiederzusehen, und auch meinen Eltern wird es eine große Freude sein." Dilrnas Stimme klang erregt, er hörte es wohl. Ein grausames Lächeln legte sich um seinen Mund. „Die Freude ist ganz auf meiner Seite, gnädiges Fräulein. Ich bin in einer Stunde da und hoffe, durch die etwas verspätete Ankunft nicht etwa die anderen Gäste zu stören." „Keinesfalls. In einer Stunde also auf Wiedersehen, Herr Doktor." „Auf Wiedersehen, mein gnädiges Fräulein." Doktor Ansbrück blieb ein Weilchen stehen, lächelte. Das Leben ließ ihn nicht in Ruhe, es stürzte sich mit seinem Genuß, seinen heißblütigen Menschen wieder über ihn. Er hatte sich entschlossen, zu gehen, weil er vorhin, während er am Tische saß, wieder jenes grauenhafte, schleichende Etwas kommen sah. Dieses Etwas, das ihm die Waffe in die Hand drücken wollte, um dem verpfuschten Leben ein Ende zu machen. Es würde sich eines Tages vielleicht doch erfüllen. Aber erst dann, wenn er vielleicht in diesem furchtbaren Geben wahnsinnig geworden war! Darum Menschen! Soviel Menschen als möglich! Unb Vilma von Bandorff mit ihren geheimen Wünschen war ein Problem! Er würde sie niemals heiraten, das wußte er schon heute. Doch ihr Wesen reizte ihn immerhin. „Liebe Frau Lormann, ich gehe nun doch noch aus. Vielleicht wird cs sehr spät werden. Ich bin zu Freunden eingeladen." Die alte Dame blickte traurig in sein schönes, braunes Gesicht. Doch sie sagte nichts, nickte nur schweigend. Er ging in fein Schlafzimmer hinüber, um sich fertig zu machen. * Strahlende Helle in allen Gefellfchaftsräumen von Schloß Bandorff. Herr von Bandorff sah feine schöne Tochter forschend an. Dann sagte er: „Du hast die Hoffnung noch immer nicht aufgegeben, trotzdem du weißt, daß man ganz offen von seinem Verhältnis zu der Tänzerin Lilian Verari spricht?" „Ich weiß es! Das ist wahr. Aber ich weiß auch noch mehr. And trotzdem liebe ich ihn. Ich werde heute eine Entscheidung herbeiführen." „Kind, übereile nichts!" Aber Vilma lächelte nur. Hnb dann war Doktor Ansbrück da. Vilma lächelte strahlend und siegessicher, und einige Damen dachten: Ob es ihr doch gelingen wird? Ansbrück war von allen Seiten sehr in Anspruch genommen. Trotzdem widmete er sichVilma, so viel er konnte. Sie bemerkte das mit stolzer Genugtuung. Hub ihre Hoffnung würbe größer, heißer. Einmal burchschritten sie miteinanber allein den Wintergarten. Vilma hatte es sehr geschickt einzurichten gewußt. Unter den Palmen nahmen sie in roten Korbsesseln Platz. Kühl und prüfend ging Ansbrücks Blick über sie hin. Vilma fühlte seine innere Gleichgültigkeit und hätte am liebsten laut aufgeweint. Jetzt zweifelte sie selbst an der Erfüllung ihres heißesten Wunsches. Ihre Lippen zuckten. Er sah es — und lächelte. Dann nahm er ihre Hand. „Gnädiges Fräulein, Graf Osten ist unglücklich. Er liebt Sie. Glauben Sie mir, er ist ein guter Kerl; das bißchen Leichtsinn, das wird sich legen. Er ist viel eher zu bessern als ich. Er bat mich, ein gutes Wort für ihn einzulegen. Ich tue es hiermit. Obendrein kommt es mir von Herzen. Ich habe Osten sehr gern.“ Vilma lehnte sich weit zurück. Ihre Augen schlossen sich halb. „Doktor Ansbrück — ich liebe Sie und nicht Graf Osten." „Oh, ein Scherz, mein gnädiges Fräulein? Männer wie mich begehrt inan -niebt und man liebt sie erst recht nicht." Langsam stand das junge Weib auf. „Sind — Sie ein Teufel?" „Vielleicht! Sie wären bestimmt zu schade, nur ein Experiment für einen Mann zu sein." „Und — wenn ich mir nicht zu schade dazu wäre?" „Ich glaube nicht mehr an Liebe und Treue." „Hnd — ich verlange sie nicht." Seine großen Augen musterten sie erstaunt. Wollte dieses Mädchen sich auf jeden Fall vor ihm demütigen? Warum? Vilma trat auf ihn zu. „Ich liebe Sie!" Plötzlich war es finster. Die matten grünen und rosa Dirnen waren erloschen. Vilma tastete sich zu dem Manne. „Weshalb läßt du mich um ein wenig Liebe betteln?“ Der Mann stand regungdlod da. Plötzlich umschlang er Vilma, küßte sie. 'Lustiges Stimmengewirr! (Fortsetzung folgt.) Soll Ihr Stoff recht preiswert sein, kaufen Sie bei Schmücker ein Eine Elizabeth Arden Behandlung gründet sich auf drei wesentliche Schritte, Reinigen, Stärken und Ernähren. Sie können zu Hause derselben Methode folgen und Elizabeth Ardens Venetian Reinigungscreme, Ardena Hautstärkungsmittel und Orange Hautnährmittel verwenden. Eine kurze Behandlung Ihrer Haut zu Hause jeden Morgen und jeden Abend wird Ihnen eine klare und liebliche Haut schenken. Beratung und Anleitung zur Selbstbehandlung erteilt unsere examinierte Elizabeth Arden Schönheitspflegerin Frau Math. Koch jeder Zeit kostenlos nur im Schönheitspflege-Salon Koch Gießen :: Seltersweg 63 :: Telephon 4026 Parfümerie und Haarfärbe-Salon Aeltestes Fachgeschäft am Platze 4191 D Nationalsozialistische Versammlung Heute Dienstag, den 31. Mai 1932, abends 8.30 Uhr, im Cafö Leib Redner: Graf Solms, Laubach Dr. Blank, Gießen Die neue Lage Unkostenbeitrag 40 Pf. Erwerbslose frei. NSDAP ■ Ortsgruppe Gießen. Arbeitsvergebung. Für die Gemeinde Grohen-Vuseck soll die Verlegung der Wasserleitung in der Straße nach Rödgen auf 350 m Länge vergeben werden. Angebotsvordruckc sind, joweit der Vorrat reicht, bei uns kostenlos erhältlich. 4186V Die Verdingungsunterlagen liegen auf Hessischem Kulturbauamt offen, wohin die Angebote verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei bis zum Eröffnungstermin am Samstag, dem 4. 3uni 1932, vormittags 10 / vhr, einzureichen find. Zuschlagsfrist 2 Wochen. Freie Auswahl bleibt vorbehalten Gießen, den 28. Mai 1932. Hessisches Kulturbauamt gez. Steinbach, Regicrungsbaurat. Bekanntmachung. Am Mittwoch, dem 1., Donnerstag, dem 2., und erforderlichenfalls Freitag, dem 3. Juni 1932, jedesmal von 1 Uhr nachmittags an, werden im Hofe des Anwesens Asterweg 27 eine große Anzahl, teilweise sehr gut erhaltene, aus Nachlässen herrührende Gegenstände wie: 4134D Möbel, Küchengeräte, Porzellan und Glaser, Spiegel und Bilder, Sofas und Chaiselongues usw., öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigert. Bürgermeisterei Gießen (Wohlfahrtsamt). _ Dr. Seid. Wissenscnaftliche Werke tionaergeniet aei Brühl’sctien Druckerei Zinsser- “*v Knoölau(6-5flft tausendfach bewährt bei: Arterienverkalkung, Rheumatismus, hohem Blutdruck, •'derv beschwert,., Asthma, Hämorrhoiden, Leder- und Gallenleiden u. allen Ltoffwech- selstörungen. Flasche Mk.3.— (reicht üWochen) Bersuchsflasche Mk.l.-(1 Woche ausreichend) In Apotheken u. Drogerien a. haben, sonst direkt. Dr.Zinsser & Co.. G.m.b. H. Leipzißl23 Bez.- Vertret, u. Lager: K. Gierga, Frankiert, Lau- nidslraße 25, Telephon 61087. . —I ..... -.111. ® Jungs! hipM macht Wangen rot! Kräuterhaus Jung das Fachgeschäft in der Schulstraße. SvMl täglich 2 Mal frisch in bekannter Güte. W. Sankel Telephon 2612.«»<»v a.- .Betten i*JSchletoni..Kinderbetten. PolflL Sfa hlmatr., ChalecL, an jeden, Teüzahlg. Ke tat fr. aaeniMöoelfabnk Suhl