Aritag, 50. Dezember 1932 Nr. ZOiKvühaussabe 182. Jahrgang GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen Crrd und Verlag: vrLHI'lche Univeifiläts-Vuch- und Steinbruderei R. Lange in Sletzen. Lchristleitung und S-sch-stsltele: SchuMale 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 nun Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Ne« klameaineigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorfchrist 20u , mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Or H.THyriot; für den ühcigen Teil Ernst Dlumschein und würden An« zeigenteil i.D. Th.Kümmel sämtlich in (Siegen. Erschelnt täglich, autzer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Giegener Familienblätter Heimat m Bild Die Scholle llbrnatr-Sezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bet Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Zronlsurtam Main 11686. Das Zusatzabkommen zum deutsch-französischen Handelsvertrag. Aufrechterhaltung der Meistbegünstigung, aber Lockerung der Zolltarifbindungen. 'Berlin, 29. Dez. (LU.) Der Deutsche Reichs- ] anzeiger Qlr. 3C5 vom Donnerstag veröffentlicht den Wortlaut des Zusatzabkommens zum deutsch-französischen Handelsabkommen einschl. der Listen und Les Zeichnungsprotokolls. Amtlich wird dazu folgendes mitgeteilt: Die ersten vier Artikel dieses Abkommens regeln die Frage der Meistbegünstigung. Praktisch ist die gegenseitige Meistbegünstigung voll aufrechterhalten worden. Die gegenseitig meistbegünstigten Waren sind in zwei Li st en enthalten, die dem Abtvmmen beigefügt sind. Von der Meistbegünstigung ausgenommen sind lediglich solche Waren, an denen die Vertragspartner kein Interesse haben. Der wichtigste Artikel des Abkommens ist dann der Artikel 5, der die Bestimmungen über die Auflockerung der Tarifanlagen des Handelsvertrages enthält. Die neue Regelung ist so, daß zwar die Listen des alten Abkommens auf- rechterhalten bleiben und keine Aenderung der Sähe festgelegt ist, aber jedem Derkragsleil ist jetzt die Möglichkeit gegeben, einzelne oder mehrere Positionen mit 14f äglger F r i sl aufzukündigen. Der betroffene Bertragsteil kann jedoch Derhandlungen beantragen, wenn er glaubt, datz durch die Kündigungen das Gleichgewicht verschoben worden ist. Falls es dabei nicht binnen zehn Tagen zu einer Einigung kommt, kann der betroffene Bertragsteil auf dem ganzen Gebiet der Listen Zollerhöhungen vornehmen. Das Ausmatz dieser Zollerhöhungen darf aber den anderen Teil nicht stärker belasten, als dessen Kündigungen ausmachen. 3n Artikel6 Les Zusatzabkommens sind die Ausnahmen von der Meistbegünstigung neu geregelt. Der Artikel enthält auch eine Währungsschuhklausel, wonach Bei einer Verschiebung der Währung des einen Teils gegenüber derjenigen des anderen Teils um mehr als 10 v. H. Zollzuschläge erhoben werden 15 inen. Zu der Vorgeschichte und den Ergebnissen des Zusatzabkommens erfahren wir noch, Latz die Frage einer etwaigen Kündigung des Handelsvertrags dadurch au. geworfen wurde, datz auf französischer Seite das seit etwa einem Jahr bestehende Kontingentierungssh st e m als nachteilig und ungeeignet zum Preisschutz für Lie französische Wirtschaft empfunden wurde. Aus deutscher Seite bestand aber angesichts der unsicheren Wirtschaftsverhältnisse gleichfalls das Vestreben, die bestehenden starren Vindungen in elastischere um zu- wandeln. Die agrar.s,en Interessen spielten dabei deshalb eine geringere Rolle, weil die Gesamteinfuhr Frankreichs nach Deutschland in solchen Erzeugnissen nur etwa 9 Millionen Mk. in den abgelaufenen dreiviertel Zähren von 1932 ausmachte. Das Abkommen bringt eine neuartige Metho'.e, um ohne Vertragskündigung beiderseits zu einer gewissen Handlungsfreiheit zu gelangen. Der Vertrag wird ausrecht erhalten. Lessen Ausfall angesichts der zahlreichen Durchlöcherungen des Handels- Vertragssystems sehr unerwünscht gewesen wäre, besonders auch, weil der Export nach Frankreich inGoldvaluta und ohne Devisenrestriktionen bezahlt wird. DieOeuischnationalen fordern Llmstellung derHandelspoUtck. Berlin, 29. Dez. (Lil.) Die „Mitteilungen der DRVP." fahren mit der Veröffentlichung der auf der letzten Dorstandssitzung der DRVP. angenommenen Richtlinien für die Behebung der deutschen Rot fort. Die DRVP. fordert seit Zähren einen Kurswechsel unserer Handelspolitik, die einer grundsätzlichen Umstellung bedarf. Rach dem Raub seines Auslandsvermögens ist Deutschland gezwungen, unter allen Umständen aus feinem Außenhandel einen Ausfuhrüberschuß herauszuwirtschaften, um seine gewaltigen Außenschulden (zur Zeit noch über 20 Milliarden) anzahlen zu können. Die durch die deutsche Ausfuhr erworbenen fremden Zahlungsmittel müssen in erster Linie zur Bestreitung der notwendigen Einfuhr verwendet werden. Rotwendig ist die Einfuhr ausländischer Rohstoffe für die deutsche Zndustrie. Ohne diese Ausfuhr können wir weder den deutschen Znlandbedars befriedigen, noch die deutsche Ausfuhr ausrechterhalten. Erst in zweiter Linie können nicht notwendige Einfuhrbedürfnisse, z. D. an Lebensmitteln, befriedigt werden. Die Katastrophe der deutschen Landwirtschaft und die durch sie hervorgerufene Arbeitslosigkeit verlangt gebieterisch eine Beseitigung der Einfuhr von solchenLe- b e n ö m i 11 e l n, die w r n Deu schlank» erzeugen bzw. überhaupt entbehren können. Mit diesen nattonalwirtfchafllichen Interessen trifft drittens das Währungsintereffe zusammen, weil nur durch p-ianmäfeige Senkung überflüssiger Einfuhr und Steigerung des deutschen Jndustrie- exportes der für den Schuldendienst erforderliche Devisenbedarf gedeckt werden kann. £>as Mittel zu einer solchen Umstellung der Handelspolitik können die Hanbelsver- r ä g e mit dem Grundsatz der Allgemeinen Meistbegünstigung nicht bieten, denn nach diesem System ist eine toirtfame Regelung der Einfuhr unmöglich. Auch die Devisenzwangswirtschaft bietet feinen" Ersatz, da sie mehr oder weniger schematisch vom Devisenbedarf der einzelnen Firmen in der Vergangenheit ausgeht. Eine staatswirtschaftlichs Regelung des Außenhandels ist nur von der Wa re nsei te her möglich. Die Mehrzahl der europäischen Staaten ist bereits z u Kontingentierungen, d. h. zur mengenmäßigen Regelung der Einfuhr aus den einzelnen Bezugsländern übergegangen. Dieses System ist das einzige, das zur Zeit wirkliche Rettungsmöglich- feiten bietet. Die Kontingentspolitik bietet auch die Möglichkeit, die einzelnen Länder in dem Maße verschieden zu behandeln, der ihrer Bedeutung als Kunden Deutschlands entspricht. Jede Regelung des I Außenhandels aber bleibt unvollkommen, wenn nicht durch. ein Schuldenabkommen die Last der deutschen Außenschulden auf ein der deutschen * Leistungsfähigkeit entsprechendes Maß herabgesetzt wird. Oer Heichslandbund fordert völlige Sperre der Buttereinfuhr. B e r 1 i n , 29. Dez. (ERD.) (Eigene Meldung.) Die Pressestelle des Reichslandbundes gibt ein Telegramm bekannt, das der ge'chästsführende Präsident des Re.chslandbunds, G r a f v. K a l ck- reuth, in Anbetracht des Zusammenbruchs der Buttervreise an den Reichskanzler gerichtet hat. Die Butterpreise haben heute mit 95 Mark gegenüber 135,50 Mark im Dezember 1913 je Zentner Berliner Quotierung einen neuen Re - kordtief st and erreicht. Der Reichslandbund fordere schnellstes energisches Eingreifen und bis zur Herstellung geordneter Marltverhältnisse völlige Buttereinfuhrsperre. Der Reichslandbund halte sich für verpflichtet, allen Ernstes auf die ständig wachsende bedrohliche Erregung in der gesamten deutschen Landwirtschaft hinzuweisen. Kaplan GMs über die Grenze abgeschoben Um Anteilnahme der Bevölkerung zu verhindern vor Ablauf der Zeit von belgischen Gendarmen ausgewiesen. Aachen, 29. Dez. (TU.) Der am heutigen Donnerstagabend dem reichsdcutschen Kaplan (511- les aus Eupen zugestellte Ausweisungsbefehl aus Belgien war angesichts der haiiung der Bevölkerung, die dem Geistlichen in hohem Matze zugetan war, bis Freitag 24 Uhr b e - friftet worden. Für Donnerstag abend hatten nun der Gcfangchor und der Iüngllngsverein Eupen, dessen Präses der Ausgewiesene war, eine Ehrung des scheidenden Kaplans geplant. Gegen 15.45 Uhr am Donnerstag erschienen jedoch in der Wohnung des Ausgewicsenen zwei belgische Gendarmen in Zivil, die ihn aufforderten, ihnen zu folgen. Kaum eine viertel st unde Zeit hatte der Kaplan, um seine notwendigsten Sachen zu palen. Zunächst begleiteten die beiden Gendarmen ihn zum Bürgermeisteramt, wo ihm seine Papiere ausgehändigt wurden, darunter auch der Ausweisungsbefehl, dessen ursprüngliches Datum 30. Dezember in 2 9. D e - jetnbet umgeändert war. Er wurde dann in Begleitung der beiden Gendarmen in einem Auto an die deutsche Grenze gebracht, wo er abgeseht wurde. von hier aus hat der Kaplan mit der Straßenbahn seine Fahrt nach Aachen fortgesetzt, wo er vorläufig bei verwandten verweilt, um sich am Freitag dem Bischof von Aachen zur Verfügung zu stellen. Offenbar wollte die belgische Behörde mit der plötzlichen Ausweisung verhindern, datz — wie mit Sicherheit vorauszusehen war — die Eupener Bevölkerung sich an der Abschiedskundgebung für den Geistlichen in größtem Ausmaß beteiligte. * Kaplan Gilles war im Kriege Feldgeistlicher gewesen uni) hatte sich gleich nach seiner Rückkehr aus dem Felde um eine Stelle in seiner Heimat bemüht, di« ihm auch damals von der Diözese Eupen-Malmedy z u gesagt wurde. Zunächst ist ihm aber Lunn die Einreiseerlaubnis verweigert worde-n. Später ist bann eine Anfrage von Lüttich aus an ihn ergangen, ob er zur Annahme bereit fei. Er hat daraufhin eine Kap Ian st eile in Eupen übernommen, die er jetzt trotz des Widerspruch- des Bischofs von Lüttich auf Veranlassung der politischen Polizei verlassen mußte. Oie französische Kammer genehmigt die Anleihegarantie für Oesterreich. Heftiger Widerstand der Rechten. - panl-Doncour stellt die Vertrauensfrage. Paris, 29. Dez. (WTD.) Die heutige Kam- mersihung, auf deren Tagesordnung der österreichische Anleiheplan steht, für den der französische Staat einen Betrag von 100 Millionen Schilling garantieren soll, begann mit einem Angriff des Abgeordneten Louis Marin, der die Gelegenheit benutzte, sämtliche Argumente gegen die Vorlage anzubringen, die von der rechtsstehenden französischen Presse in den letzten Tagen angeführt worden waren: Frankreichs Finanzlage sei mehr a'.s schlecht, und nachdem man die Amerikaner nicht bezahlt habe, könne man unmöglich an die Oester reicher Geld geben, um so weniger, als Oesterreich ein Faß ohne Boden sei, und irgendwelche Garantien gegen den Anschluß illusorisch blieben. Der Generalberichterstatter Lamoureux, der ex officio bestellt worden war, da kein anderes Mitglied des Finanzausschusses sich zur Heber- nähme des Berichts bereitfinden wollte, wies darauf hin, daß das Protokoll vom 15. 3uli ausdrücklich an d i e Verpflichtung desPro- to kolls von 1 922 erinnere, nach dem Oesterreich versprach, seine Unabhängigkeit nicht zu veräußern und von jeder wirtschaftlichen und finanziellen Verhandlung abzusehen, die diese Unabhängigkeit gefährden könnte. Der ehemalige Finanzminister F l a n b i n sprach von der „deutschen Karte , die Bundeskanzler Schober mit seinem Zollunionsplan zum Schaden Oesterreichs ausgespielt habe. Jetzt solle das Ausland wieder Geld geben für den Zweck, eine ausländische Bank zu sanieren. Die gegenwärtige Anleihe werde nicht ausreichen, um Oesterreich zu sanieren. Die Lage Oesterreichs sei unlösbar, solange die gegenwärtige wirtschaftliche Belastung anhalle. Die Abkommen von Strefa würden ohne Ergebnis bleiben, wenn man die französische Anleihe ratifiziere, weil man dann keine Möglichkeit mehr habe, die notwendigen solidarischen Maßnahmen den übrigen mitteleuropäischen Ländern aufzuzwingen. Es sei auch falsch zu behaupten, daß die Anleihe die Friedensgarantie auf 20 Jahre verlängere, denn Oesterreich habe das Recht, sich von seinen Verpflichtungen in zehn Jahren zu befreien. Ueberbies sei zu befürchten, daß die österreichische Regierung immer noch nicht die Zollunion mit Deutschland aufgegeben habe. H e r r i o t trat mit Nachdruck für den Gesetzentwurf ein, wobei er darauf hinwies, daß Frankreich, wenn die österreichische Anleihe nicht zustande käme, bis 1943 für 7 5 0 Millionen Fran- k e n Zinsen einzustehen habe. Auch müsse man sich die politischen Rückwirkungen vor Augen hallen, wenn man die österreichische Regierung des vierten Teiles ihrer Einnahmen beraube. Die Not Oesterreichs dürfe nicht dazu dienen, den Traum der Alldeutschen zu verwirklichen. Es handele sich um die politische, wirtschaftliche und moralische U n - abhängigkeit Oe st erreich s. Ministerpräsident Paul-Boncour forderte nachdrücklich die Gewährung der An- le'.hegarantie. Das Protokoll von Lausanne sei eine Folge des Protokolls von 1922 und des Friedensvcrtragcs von Sain Germain. Alle Hoffnungen auf eine Wiedergesundung Mitteleuropas würden in Frage gestellt sein, wenn die Anleihe abgelehnt würde und man wisse, daß die Rotlage zu allerhand kriegerischen Versuchungen führen Jonne. Da es sich um einen Grundstein der gesamten französischen Außenpolittk handele, sehe er sich genötigt, die Vertrauensfrage zu stellen. Rach einem lebhaften Rededuell zwischen den Anhängern unö Gegnern der Anleihegarantie nahm die Kammer in den späten Abendstunden den Gesetzesvorschlag der Regierung über die Garantte für die österreichische Anleihe mit 352gegenl88Stimmenan. Ein Zusatz- antrag des Abgeordneten Marin, den Zinssatz auf das in Frankreich übliche Maß herabzufetzen. wurde schon vorher mit 337 gegen 189 Stimmen abgelehnt. to Das ArbeitsbeschaWgsprogramm. Die Bc gebung der Arbeiten. Berlin, 29. Dez. (WTD.) Reichskommissar Dr. Gereke beantwortete Fragen int Zusammenhang mit dem Arbeitsbeschaßungsprogramm. Die erste Frage bezog sich auf die Träger der Arbeiten, die im Rahmen dieses P" gramms in Frage kommen, und auf die Darlehensbedingungen für die Gelder, die zu ihrer Durchführung bereitgestellt werden. Der Reichskommissar erllärte: Zm Augenblick muh vor allem die ileberlegung angestellt werden, welche Arbeiten die Träger des Programms ausführen können. Auf Grund dieser Erwägung Ibnnen erst die Vorarbeiten geleistet werden, die in der Anfertigung von Zeichnungen und Plänen und in der Aufstellung von Kostenanschlägen bestehen, wonach grundsätzliche Beschlüsse der zuständigen Organe der Träger — also der Gemeindevertretung, Stadtverordnetenversammlung usw. — herbeigeführt werden müssen. Bis das alles erledigt ist, werde ich die Richtlinien veröffentlicht haben, aus denen sich auch die Anschrift für die Darlehensanträge ergibt. Das Sofort-Programm umfaßt zunächst 500 Millionen Mark. Für deren Vergebung gilt vor allem, daß keine Kredite an Private gewährt werden. Die Arbeiten vergeben nur die Glieder der öffentlichen Hand aus den Krediten, die ihnen zu Aufbauzwecken gegeben werden. Es entsteht also durch eine solche Auftragserteilung an die private Wirtschaft bie Arbeit zu vollem Tariflohn für den Arbeiter und zu gerechtem Preis für den Unternehmer. Ein besonderer Vorteil für die Wirtschaft besteht in der B a r b e z a h - lung, und, wo irgend möglich und nötig, auch in der Leistung entsprechender Anzahlungen, wie das früher bei solchen Arbeiten üblich war. ileberschre'iiungen des Voranschlages müf'en vom Unternehmer selbst getragen werden, a."o Rachbewilligungen werden auf keinen Fall gewährt werden. Soweit noch St e ue r g u t sch e i n e für Einstellungen gegeben werden, können diese an der Unternehmer-- schluhrechnung abgesetzt werden. Gelder dürfen nur für die Arbeiten verwandt werden, für die sie gegeben sind, nicht etwa für sonstige Zwecke: darüber wird genaue Kontrolle geführt, sowohl bei dem Träger der Arbeit wie bei dem Unternehmer. Zahlungen werden voraussichtlich von den Finanzkassen durch- geführt. Ein Eingriff in die Auszahlungssummen, eltoa durch die Finanzämter, ist nicht zulässig, sie können also nicht etwa gegen Steuerschulden aufgerechnet werden. Ebenso wird ein Schutz gegen d i e private Zwangsvollstreckung gewährt, die s a unter ilmstän.en den arbei schaffenden Zweck der Ecld- hergabe illusorisch machen könnte. Das wird z. B. so erreicht, daß etwaige Awzahlungen juristisch Eigentum der a u f t r a g g e b e n d e n Stelle bis zur Abnahme der Arbeit bleiben. Forderungen des gewerblichen Mittelstands. Hannover, 29. Dez. (ERD.) Der Zeitungs- dienst des ReichsverbanLes des Deutschen Handwerkes tritt in seinem Zahresrückblick für weitgehende Reformen des gewerblichen Mittelstandes ein. Zn diesem Rückblick werden u. a. die Forderungen des deutschen Handwerks auf Einschränkung der Gewerbefreiheit erwähnt. Danach soll die Ausübung eines Handwerksbetriebes von der Ausfertigung einer Handwerkerkarte abhängig gemacht werden, die auf der Grundlage der Handwerksrolle auszustellen ist. Ferner wird als Voraussetzung für die Ausübung eines Handwerks- betriebet die Berechtigung zur Führung des Meistertitels verlangt. Zur Rundfunkrede des Reichskommissars fün Arbeitsbeschaffung wird bemerkt, diese Rede habe die Bedenken des Handwerks nicht zu zerstreuen vermocht, daß eine unmittelbare Belebung der Wirtschaft nicht zu erwarten sei. Arbeitsbeschaffungsprogramme für die öffentliche Hand blieben doch immer „Krücken für die Wirtschaft". Die Regierung Popen habe durch die Bereitstellung von 50 Millionen Mark für Althausreparaturen eine recht günstige Seilbelebung der Wirtschaft erreicht. Dieser Weg sollte mit aller Energie weiter beschritten werden. Der Reichsverband des Deullchen Handwerks habe die Errichtung eines besonderen Reichsmini- steriums für den gewerblichen Mittelstand gefordert. Der Fall Hentsch. Die Leichenöffnung. — Auslieferungs- begeßren an Italien. Dresden, 29. Dez. (Sil.) lieber das Ergebnis der Oeffnung der Leiche des Rationalsozialisten Hentsch, die am Mittwoch erfolgte, erfahren wir noch folgendes: Der Befund ergab, daß drei Schüsse auf den Ermordeten abgegeben worden sind. Der eine der Schüfe.», der beim Durchgang durch die Lunge eine Ar-° terie abgerissen hat, hat den Tod des Hentsch herbeigeführt. Zm Körper des Ermordeten wurde ein Geschoß gefunden, ein weiteres Geschoß, wahrscheinlich das, welches die Lunge durchbohrte, steckte in der Kleidung an der Stelle des Rückens. Der Tod Hentchs ist nicht durch Ertrinken, sondern infolge des ßungen- fchusses eingetreten. Wie die „DAZ." erfährt, befinden sich die drei des Mordes an Hentsch beschuldigten SA.-Leute Schenk, Fränkel und Woicik in Südtirol und zwar in Bozen, lieber die Flucht selbst, den Fluchtweg, die Vorbereitungen und die Beihilfe, die ihnen zuteil geworden ist, hätten die Ermittlungen bereits bestimmte AnhaltspuiTkte ergeben. Auch die Braut des vermutlichen Haupttäters Schenk, deren Bruder schon verhaftet worden ist, soll i n - zwischen flüchtig geworden sein und sich wahrscheinlich ebenfalls nach Bozen begeben haben. Das sächsische Justizministerium hat bereits an das Auswärtige Amt das Ersuchen gerichtet, einen Antrag auf Auslieferung der Verdächtigen bei der italienischen Regierung zu stellen. Es wird zur Zeit erforscht, wer den 'bret Flüchtigen die Mittel zur Flucht gegeben, wer sie zur Flucht veranlaßt hat und von wem sie heute noch im Auslande unterstützt werden. Der flüchtige Sturmführer Schenk ist im Juni 1931 aus der Reichswehr entlassen worden. Er war Oberjäger beim 10. Infanterie-Regiment in Dresden. Gegen Schenk war seinerzeit ein militärisches Entlassungsverfahren eingeleitet worden, weil er verbotenerweise enge Beziehungen zu der nationalsozialistischen SA. unterhielt. Während dieses Verfahrens hatte Schenk seine Verlobungsanzeige, mit einem Hakenkreuz versehen, in der Dresdner nationalsozialistischen Zeitung veröffentlicht, was wiederum zu einem Strafverfahren gegen ihn führte. Kunst und Wissenschaft. Ausstellung von Richard-D^gner-handfchriften in Bayreuth. Das bevorstehende Wagner-Gedenkjahr 1953 wird dir unter dem Äamen »W a h n f r i e d- Archiv" bekannte und berühmte Hunds'^risten- sammlung des Hauses Wahnfried zum erstenmal der OefsentliHkcit zugängli ch machen. Diese Sammlung umfaßt alle irgendwie erreichbar gewesenen handschriftlichen Urkunden Richard Wa-ners. von den Reinschristpartituren seiner großen Werke über die Orchester- und Kornpositionsski^en zurück bis zum flüchtig hingeworsenen ersten Einfall auf losem Zettel und endlich auch die Urschriften seiner zahllosen Briefe. Die Sammlung wurde bisher streng vor der Oeffentlichteit behütet. Dank d m Entgegenkommen von Frau Winifred Wagner ist nun die Stadt Bayreuth in den Stand gesetzt, eine nach einem bestimmten Plan zu treffende, die Schafsensweise Richard Wagners gut veranschaulichende Auswahl aus den kostbaren Schätzen des Wahnfried-Archivs in Gestalt einer Ausstellung in den Sommermonaten des 2'ahres 1933 den Besuchern Bayreuths und den Festspielgästen darzubieten. Mit der Zusammenstellung und Leitung dieser einmaligen Ausstellung wurde der Wagner-Forscher Dr. Otto Strobel beauftragt. Aus aller Welt. Karl Lindstrom s. In Berlin starb nach kurzem Krankenlager der Gründer der Karl Lindstrom AG., Karl Lindstrom, im Alter von 63 Jahren. Die Lindstrom AG. fabriziert die Schallplatten-Marken Columbia, Odeon, Parlophon und Beka. Gutsbesitzer von Räubern überfallen und getötet. Drei maskierte Räuber drangen in einer der letzten Nächte in das Besitztum des Gutsbesitzers Schulze-Wedding in Appelhülsen bei Münster (Westfalen) ein. Der Gutsherr wurde von den Räubern durch einen Schuß getötet. Ein Einbrecher im Kampf mit einem Polizeibeamten erschossen. In der Nacht drangen zwei Einbrecher in den Keller eines Koloniolwarengeschäfts in Reinicken- dorf-Ost bei Berlin ein. Hauseinwohner benachrichtigten einen im gleichen Hause wohnenden Hauptwachtmeister. Als dieser den Keller betrat, wurde er von den Einbrechern mit einer Brech st ange zu Boden geschlagen. Der Beamte erhielt eine schwere Kopfverletzung. In der Notwehr gab er einen Schuß ab und verletzte den einen TerVordhulid rettet ein deutsches Ll-doot vor dem Untergang. Von E Freiherrn von Spiegel. Nachdruck verboten. Der Verfasser ist ein bekannter deutscher U-Bootführer des Weltkrieges, dessen Erlebnisse auch einem Film <,Morgenrot") zugrundegelegt wurden. Dies ist eine eigenartige Geschichte, denn sie Zeigt, wie ein kleiner Hund ein großes deutsches U-Boot zweimal norm Untergang bewahrte und feiner 45-Mann-Besatzuna das Leben rettete. Es handelt sich um unseren Bordhund M a s k i, seines Zeichens ein fuchsfarbener, chinesischer Chow- dog, ähnlich den Polarhunden mit der topischen schwarz-blauen Zunge. Als ich ihn vier Jayre vor dem Krieg als rotes Wollknäuel in dem Chinesen- zampan entdeckte, der im Hasen von Hongkong neben dem Fallreep unseres Kanonenbootes jchau- feite, und einen Silberdollar für ihn runterwarf, kam ein hutzeliges Chinesenweib heraufgewatschelt und übergab ihn mir mit dem typischsten aller Chinesenworte: „maski", „bitt' scyön — never- mind." Die tropenheißen Planken des Südsee-Kanonen- boots wurden seine Heimat, und als er größer wurde, machte er zu seinem Stammbaum den Fockmast. Das Land verachtete er, sein einziges Interesse galt dem Wasser und allem, was sich um unser Schiff herum auf dem Wasser abspielte. Das wurde mit Gebell begrüßt, egal, ob es Treibholz, vorb eiziehende Schiffe, springende Delphine oder spielende Möwen waren. Maski wurde unser treuer Begleiter auf allen unseren fernen U-Boottsahrten im Krieg. Nur, wenn wir einen besonders gefährlichen Auftrag hatten, ließen wir ihn an Land zurück. * Wir hatten in Sicht der irischen Küste einen englischen Dampfer torpediert, dessen Besatzung nun in zwei Booten auf dem Wasser lag. In halbauf- getauchtem Zustand ließ ich das Turmluk öffnen, kletterte heraus und befahl dem Kapitän des gesunkenen Schiffes, mir feine Schisispapiere und Ladelisten längsseits zu bringen. Da wir stundenlang unter Wasser gefahren waren, hatte ich Maski aus bestimmten Gründen an Deck gesetzt. Pflichtgemäß eilte er zur Ankerklüse, denn er war ein vollkommen decksreiner Bordhund. Einbrecher schwer, der zweite flüchtete. Der Einbrecher st a r b vor seiner Einlieferung ins Kranken» Haus. Reue erfolgreiche Probefahrt des „Fliegenden Hamburgers". Der neue Schnelltriebwagen der Reichsbahn, der sog „Fliegende Hamburger", der feine jüngste Fahrt mit einer ganzen Reihe bekannter Persönlich feiten als Fahrgäste unternahm, brauchte für die Strecke Berlin — Hamburg nur 138 Minuten gegenüber 142 Minuten auf seinen früheren Probefahrten. Unter den Fahrtteilnehmern befanden sich u. a. Staatssekretär Dr. Meißner als Vertreter des Reichspräsidenten, Staatssekretär Planck als Vertreter der Reichste gierung, der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn Dr. Dorpmüller, ferner mehrere höhere Beamte des Reichsoerkehrsm:n:steriums, Professoren der Universitäten und Technischen Hochschulen usw. Unter den geladenen Hamburgern befanden sich u. a. der Präsident der Hamburger Handelskammer N o 11 e b o h m, Geheimrat Dr. Cuno, Dr. Melchior und Max Warburg. Feuerwehrauto verunglückt. — Lin Toter, vier Schwerverletzte. Die Motorspritze aus dem toürttembergischeu Schwarzwalddorfe Stockach wurde zu einem Brande nach Mühlingen gerufen. 3n der Rähe der Kosakenbrücke kam der schwere Wagen in einer scharfen Kurve infolge Glatteis ins Rutschen, durchbrach Las Geländer der Brücke, stürzte eine steile Böschung hinunter und legte sich im Bach auf die Seite. Von den 15 Mann Besatzung war der Friseur Hepp sofort t o t, vier andere Feuerwehrleute erlitten schwere Verletzungen und wurden nach dem Krankenhaus Stockach übergeführt. Bei dem Brand in Mühlingen wurden die Scheune, die Stallungen und das Sagewerk eines Landwirts ein» geä schert. 62 Tote des Unterweltkrieges in Lhikago. 3m 3 ahre 1 932 sind bisher bei den Schießereien in der Chikagoer Unterwelt 4 3 G a n g - sters und 19 Sch uh leu te getö tet worden. Wie sehen uns die Andern? Eine weltpolitische Rundschau unserer Ausländskorrespondenten zur Jahreswende 1932/33 Die Reiche des Nordens. Vom No dmeer zum Belt. Von unserem Dr. P. ^.-Berichterstatter. Stockholm, Ende Dezember 1932. Bis in die graue Vorzeit ragen die Beziehungen zwischen Deutschland und beim germanischen Norden zurück. Nicht immer waren sie ftvedLicher Art. Doch die Bande der gemeinsamen Abstammung, der Verwandtschaft in Wesen, Sprache und Kultur verleugneten sich nie. Von Deutschland aus fand das Christentum, fand das Werk Martin Luthers und alle großen Kultur strömungen den We g über die Ostsee nach dem Norden. Gerade jetzt haben Deutschland und das größte der Nordländer g-cm:'infam die Erinnerung an den schwedischen H e l d e n k ö n i g gefeiert, der vor 300 Jahren auf deutscher Erde den Heldentod starb. Siandinav.en ist weder politisch noch wirtschaftlich eine Einheit und es ist daher unmöglich, fein Verhältnis zu Deutschland mit einem Wort zu bezeichnen. Eine Neibungsfläche besteht nur an der deutsch-dänischen Grenze. Zwischen Deutschland und Schweden sind die alten Freundschaftsbande — trotz zeitweiliger handelspolitischer Trüburgen — doch nie ernsthaft auf die Probe gestellt worden. Von der Animosität, die in Norwegen in manchen Devölkerurgskrcisen während des Weltkrieges gegen uns zum Ausdruck kam, ist jetzt nur selten mehr etwas zu spüren. Mit Finnland schließlich verbindet uns die Blut- gemeinschaft des finnischen Freiheitskrieges, wo deutsche Regimenter Seite an Seite mit Finnlands weißer Garde aus dem russischen Großfürstentum das freie Finnland erstehen ließen. Die Frage: ..Sind die Nordländer deutschfreundlich?" wird oft gestellt, läßt sich aber weder für ganz Skandinavien, noch für die einzelnen Nordländer mit einem glatten 3a und noch viel weniger mit einem Rein beantworten. So viel kann man jedoch sagen, daß im besonderen di e akademische 3ugend noch immer d i e deutschen Hochschulen bevorzugt, daß deutsch — vor oder neben englisch — die wichtigste Fremdsprache ist und daß unter den Gebildeten, in der Kaufmannschaft und gerade in den Berufen, die mit dem Ausland eine direkte Fühlung haben, ein großer Teil sich ohne Vorbehalt als Deutschfreunde bekennt. Seit langem hat im besonderen d ie französische Kulturpropaganda zielbewußt versucht, den deutschen Kultur ftnfluß zurückzudrängen. 3n den letzten Monaten haben wir es erlebt, daß die Dalutaentwicklung das Wirtschaftsleben der Nordländer in ein enges, beinahe Ab h ä n g i g ke i t s ver h ä l t ni s z u England brachte und daß überall in Skandinavien eine wirtschaftspolitische Reuorientierung: »weg von Deutschland, hin zu England!" propagiert wurde. Doch diese Rufe find schon jetzt sehr viel schwächer geworden. Die deutsch- nordischen Handelsbeziehungen sind so fest und er- Wie ich nun oben auf dem Turm stehe und in die Bücher und Papiere sehe, die der englische Gupta in mir reicht, und mir Notizen für das Kriegstagebuch mache, höre ich plötzlich Maski vorne am Bug bellen. Natürlich blicke ich hoch und sehe, wie er mit gesträubtem Kragen etwa drei Strich nach Steuerbord wütend in die Gegend kläfft. Und als meine Augen der Richtung seines Körpers von der fahnenartig ausgestreckten Rute bis zu der spitzen Fuchsnase folgen, sehe ich in geringem Abstand die Spitze eines U-Boot- sehrohrs munter schäumend durchs Wasser ziehen. Heilige U-Johanna, das konnte nur ein Engländer sein! Also: ,^>art Backbord! — Backbord Maschine äußerste Kraft zurück! Steuerbord voraus!" Na, also ich versichere unter Eid, — es war der letzte Augenblick. Unser braves Boot drehte unter dem Druck von Schrauben und Ruder wie ein Skimeister im Telemack und war kaum 90 Grad herum, da waren die englischen Torpedos schon heran und passierten, weiße Luftstreifen hinter sich herziehend, unsere Steuerbord- und Backbordseite. Hätte unser wachsamer Ausguck am Bug den bösen Feind nicht durch fein Bellen verraten, bann hätten wir ihm unsere Breitseite geboten und wären mit größter Wahrscheinlichkeit von seinen Torpedos getroffen und vernichtet worden ... * Das zweitemal war noch sonderbarer. Wir hatten einen kleinen Dampfer in der Biskaya durch Warnungsschuß zum Stoppen gezwungen und fuhren, nachdem die Besatzung das Schiff in zwei Booten mrlassen hatte, in seine Nähe, um es mit wenigen Granaten zu versenken. Für einen Torpedo erschien uns das Objekt nicht wertvoll genug, denn die wenigen Torpedos sparten wir für fettere Happen. Die See war glatt wie ein Teich, und außer dem verlassenen Dampfer weit und breit nichts in Sicht. Ich stand an Deck zwischen Turm und vorderem Geschütz, um nach beiden Seiten Befehle erteilen zu können. Der Geschützführer hatte bas Auge im Fernrohr und den Finger am Abzug und wartete darauf, losgelassen zu werden. Dor mir auf dem Tauchtank stand Maski und bellte den immer näher kommenden, verlassenen Dampfer aus vollem Halse an, was natürlich sein gutes Recht war, denn wie sollte sonst ein Bordhund auf seine Kosten kommen. Grade will ich stoppen und die Schrauben rückwärts schlagen laßen, als ich glaube, ich hörte nicht recht. Und mir war plötzlich so, als ob ich drei Hände voll Ameisen unter der Ledermütze hätte, — denn drüben antwortet hell und unverkennbar eine keifende Hundestimme auf das melodische Bellen gänzen sich so glücklich, daß eine dauernde Störung kaum denkbar ist. Doch gilt es, auf der Hut zu sein. Machtpolitisch haben seit mehr als einem 3ahrhundert zwischen Deutschland und dem eigentlichen Skandinavien niemals ernste Gegensätze, sondern nur freundschaftliche Beziehungen bestanden. 3m besonderen wird das mannhafte Eintreten Schwedens — in einer Zeit, wo sa't die ganze Welt gegen und stand — bei uns unvergessen bleiben. Von Kairo bis Kapstadt. Don unserem l-.Berichterstatter. Kairo, im Dezember 1932. Um in der Sprache englischer Thronreden zu sprechen: die Beziehungen Deutschlands zu den verschiedenen Ländern Afrikas, soweit sie nicht ausgesprvche. .e Einfluß geb iete europäischer Großmächte sind, haben sich seit Ende des Krieges erfreulicherweise von 3ahr zu 3ahr ver- bessert. Ein Blick auf die Außenhandelsstatistik zeigt, daß Afrika ein immer stärkeres Absatzgebiet für deutsche Erzeugnisse wird. Das ist um so bemerkenswerter, als der deutsche Handel in den sogenannten Mandatsgebieten, die früher deutscher Kolonialbesitz waren, auf alle möglichen unnatürlichen Hindernisse stößt. Es geht nicht an — und das Genfer äleberparlament sollte sich dieses Falles einmal annehmen —, daß die Mandatare die Lieferungsausträge, die ihre Schützlinge zu vergeben haben, ausschließlich in ihren eigenen Ländern un- terbringerr. Aber das sei nur nebenbei erwähnt. Mit Aegypten ist Deutschland durch freundschaftlichste Beziehungen verbunden. Das ist eine Tatsache, die auch nicht durch den Fall der in Berlin verbliebenen Büste der Königin Nofretete getrübt werden konnte. Die deutsche Wissenschaft findet auch heute noch in Aeoypten ständig verständnisvolle Förderung und Unterstützung, und beide Völker ergänzen sich auf wirtschaftlichem Gebiet. Das große Interesse, das England an Aegypten als eine der großen Schlüsselstellungen des englischen Weltreiches hat, ist dank dem Streben der ägyptischen Regierung und Wirtschaft wenigstens nach ökonomischer Unabhängigkeit auf den Handel mit Deutschland ohne sichtbaren Ein- f l u ß. Das ist ein Kennzeichen auffteigenber Entwicklung. Schon der Vater des zur Zeit regieren* den Königs Fuad hat vor vielen Jahren als Khe- dive das Wort geprägt: „Aegypten liegt in Europa — nicht mehr in Afrika." Das moderne Aegypten hat diesen Leitspruch in die Tat umgesetzt. Die seit drei Jahren herrschende Weltwirtschaftskrise hat auch für die wertvolle ägyptische Baumwolle im Zusammenhang mit der Devisenfrage Absatzschwierigkeiten gebracht. Was lag näher, als mit anderen Ländern, die für Aegypten brauchbare Güter bereithielten, Warenaustausch - Abmachungen zu treffen. Einer der ersten Staaten, deren Handelsinteressenten sich zu diesem vernünftigen Verfahren entschlossen, war Deutschland. Im Herbst dieses Jahres wurde mit Zustimmung der zuständigen deutschen Stellen ein Vertrag perfekt, wonach die ägyptische Regierung vom Stick* t ■ 11 I I I III »ill !■ IWIIWII TI 11| II —HIIMWII ■! I IMII Bll Wl IUI III unseres Maski. Ein Hund auf dem verlassenen Schiff? Der Leutnant neben mir hat es auch gehört, denn er fährt herum und sieht mich entgeistert a i. Wir dachten in Sekundenschnelle dasselbe: W o ein Hund ist, sind auch Menschen. Kein Seemann läßt ohne Not seinen Hund zurück. Und wo Menschen sich versteckt halten, da stinkt etwas. Da ist dicke Lust, — Gefahr! U-Bootsfalle! Himmel- kreuzdonnerd'ck! „Beide Maschinen dreimal äußerste voraus! H-art Backbord! Geschützbedienung ans achtere Geschütz! Beide Hecktorpedorohre fertig zum Schuß!" Hei, da kam Leben in unser Boot. Mit einem Satz war ich oben auf dem Turm. Der Leutnant sprang mit Maski unter dem Arm hinterher. Der Hund bellte noch den Dampfer an. Schon donnerte unser erster Schuß vom Heckgeschütz und die Schrauben quirlten weißen Schaum, als der Dampfer sich tatsächlich als Falle demaskierte und hinter rasselnden Klappen Kanonen erschienen. Und auf die englischen Granaten brauchen wir nicht lange zu warten. Aber da die Entfernung schnell zunahm und unser Heckgeschütz auch nicht schlecht schoß, kamen wir mit einem lacken Oeltank und zwei Leichtverwundeten davon. Wer aber kann wissen, was geschehen märe, wenn die Stimme unseres braven Maski nicht das Echo feiner englischen Bruderseele heroorgelockt hätte, das uns im letzten Augenblick davon abhielt, uns vertrauensselig mit gestopptem Boot neben unser Verderben zu legen. Ich bezweifle nur, daß es dem Bordhund der U Bootsfalle, der nur seine Hundepflicht getan und doch fein Schiff um die ersehnte Beute gebracht hatte, in den nächsten Tagen ebensogut ergangen ist wie unserem Maski, der sich vor Liebesgaben nicht zu retten wußte und in der Not seines Magens zum erstenmal feit feiner Südseejugend die heiligen Planken eines Kriegsschiffsdecks beschmutzte. Was aber auf einem U-Boot nach dem nächsten Tauchen nicht mehr zu sehen war ... und überhaupt ..., auf so einem U-Boot! Oie honorierte Grobheit. Der Maler 6t in Hannover war in alten schönen Zeiten lange vor dem Krieg als saugrobes Genie bekannt. Einmal bekam ein Buchhändler von einem Sammler den Auftrag, ihm ein Autogramm dieses Künstlers zu besorgen, etwa für 100 Mark. St. gab aber keine Autogramme, grundsätzlich nicht Der Buchhändler wußte sich Rat Er schickte an St, den er kaum kannte und noch nie als Kunden gehabt hatte, eine betrqcht- stoffsyndikat 50 000 Tonnen Stickstoff im um eren Wert von 5 Millionen Mark kaufte. pten dagegen lieferte an eine Gruppe von Bremer Baumwollhäusern ein im Werte gleiches Quantum ägyptischer Baumwolle. Das Geschäft ist der deutschen Baumwollindustrie sehr zustatten gekommen, und die Devisen sind im Lande geblieben. Aegypten ist für Deutschland auch heute noch das bedeutendste Absatzgebiet in Afrika. Die deutsche Ausfuhr in das Nil-Land hatte sich 1929 im Vergleich zu 1914-13 fast verdoppelt und ist auch heute noch erheblich höher als im letzten Jahre vor dem Kriege. Ein Land großer Möglichkeiten für deutschen Llntemehmungsgeist ist Abessinien, von dem man in Deutschland leider viel zu wenig weiß. Die weitgehende Motors erung des ganzen Erdteils, die die Bedeutung der afrikanischen Absatzmärkte so stark vermehrt hat, ist der Grund, warum auch das Land des großen Haile Se- lassie I. (Ras Safari) immer mehr in den Bereich des internationalen Handels rückt Die Durch seine enge Verflechtung mit dem britischen Weltreich ist E ü d a f r i k a für die deutsche Wirtschaftspolitik ein nicht immer leicht zu behandelndes Gebiet gewesen: aber auch hier gilt der Grundsatz, daß sich mit Klugheit und Takt manches erreichen läßt. Wenn auch die Handelsbilanz miC Südafrika zur Zeit leicht Passiv ist, so gehört Südafrika neben Aegypten doch zu den für Deutschland wichtigsten Absatzländern des Kontinents. Cs ist zu hoffen, daß durch die Verpflichtungen, die Südafrika in, Ottawa eingegangen ist, der deutsche Handel nicht allzu stark betroffen wird. Auf die Prä- ferenzklausel haben wir leider verzichten müi?:n. 3mmerhin kann der Güte deutscher Waren durch keinerlei vertragliche Bestimmungen Abbruch getan werden. Die Hilfe der deutschen Wissenschaft bei der Goldgewinnung hat unser Ansehen stark gehoben, und es hat sich gezeigt, daß die Einverleibung Deutsch-Südwests wenigstens nicht zu unserem Rachteil ausgeschlagen ist. Ein ausgesprochener 'Erfolg jüngeren Daiums ist sogar die Zulassung der deutschen Sprache als Amtssprache in diesem Gebiert Die S'arkung des Deutschtums in Südwest wird dazu beitragen, die regen Handelsbeziehungen zu Südafrika insgesamt noch weiter auszubauen. 3n Südafrika findet der deutsche Auswanderer, sofern er über leidliche Mittel verfügt, eine gute Aufnahme und ein verwandtes Volkstum. lich hohe Antiquariatsrechnung und schrieb dazu: Herr St. hätte sich nun wohl Zeit genug gelassen, die Rechnung zu bezahlen: jetzt aber platze ihm die Geduld und er bitte Herrn St. so dringend wie höflich, die Zahlung sogleich usw. St. war, wie Augenzeugen berichten, starr. Richt lange: dann setzte er sich hin und schrieb dein Buchhändler einen Brief — einen Brief . . .! Sv herrlich und geistvoll saugrob, daß der Buchhändler im siebenten Himmel war und seinem Kunden statt hundert Mark einhundertsün^zig mit Leich tigke't für dieses originelle Autogramm advertangen konnte. Oie älteste Katze der We^t. Unter einer Menge fossiler Knochen, die von der Scott-Fund-Expedition in Süd-Dakota auegegra« den wurden, sand sich auch der Schädel eines prähistorischen Säbelzahntigers, dessen Alter auf acht bis neun Millionen Jahre geschätzt wird. Von dieser Tigerart stammen alle noch heute lebenden Katzen ab. Da der Schädel in einer älteren Schicht lag als alle bisher aufgefundenen Katzenfossilien, darf man seinen Träger mit Recht als die birlang älteste Katze der Welt betrachten. Unsere Hauskatze stammt natürlich nicht unmittelbar von diesem Katzen Urvater ab. Ihre unmittelbaren Ahnen sind die ägyptische Falbkatze und die nordis^e Wildkatze. 6of6n. Das Ordinariat für römisches und bürgerliches Recht an der ilniDerfität Frankfurt ist dem o. Professor Dr. A. B. Schwarz in Freiburg angeboten worden. Zur Besetzung des Frankfurter botanischen Lehrstuhls ist ein Ruf an Professor Dr. E. G. Pringsheim in Prag ergangen. Dem o. Professor für Mirtschafts- und Sozial- wissenschasten an der Llniversität 3e n a, Dr. rer. pol. C. von Diehe ist ein Lehrstuhl für Dationalökonomie an der Llniversität Berlin angeboten worden. Der Privatdozent der Zoologie an der Llniver- sität Münster, Dr. C. K o h w i g , hat einen Ruf an die Technische Hochschule in Braunschweig erhalten. Professor Dr. rer. nat. G. Woermann an der Technischen Hochschule in D a n z i g hat einen Ruf auf den Lehrstuhl der landwirtschaftlichen Betriebslehre an der ^Universität H a l l e erhalten. Ars der Vrovinzialhauptfladt. Spende für die Winiernothilfe. « Von der Gechäfisstelle der Gießener Winternot- Mift wird uns folgende neue Spende mitgeteilt: M Willy (B r ü t ft e i n, ßrönen. und Wäschegeschäft, Äiefr'gftra&e, enon Posten Textilwaren. I Weitere Spenden werden mit Dank angenommen, ^ornoi^cn. I — Aus dem Stadttheaterbureau Kpird uns geschrieben: Heute, 23 Uhr, zum letzten- >^nnl „Der D.eb", Schauspiel von Bernstein (Sp'.el- ^’eilung: Karl Heyser). 12. Dorstellung im s>Are:tag-Abonnement. Gewöhnliche Preise. Ende j 22 Uhr. — Am Silvesterabend um 20.15 Uhr L 6töpfel“ von Arnold und Dach. Oberspielleiter ' 'ßcter Fasso11 und die Mitglieder des En- s embles mit Heinrich Hub in der Hauptrolle, tote Regle hat für die Silvesteraufführung eine vaanze Reihe hübscher Abwechslungen eingelegt, o e unter der Leitung Kapellmeister Moehls ' und Ballettmeister Bäulkes eine amüsante Ueberralchung bedeuten. Die Darstellung, außer Abonnement und zu ermäßigten Preisen, endet 22.30 Uhr. — Sonntagnachmittag, 1. 3anuar, in 'cchs bunten Märchenb.ldern mit Gesang und Tanz „Aschenbrödel". Spieldauer von 15.45 bis 18.15 Uhr. Für den Reujahrsabend sieht der Lpielplan einen „Kabarett"-Ab nd vor. Das sorgfältig ausgewählte, reichhaltige Programm bringt i'unter der Eesamtleitung Wolfgang Kühnes, der auch die Ansage übernimmt, eine neue bunte Dortragsfolge. Das Programm umfaßt Sketsch, Musik, Gesang, Rezitation und Tanz. Erstmalig wirkt der oberhessische Heimatdichter Gg. Heß ‘mit, der in Originaltracht eigene Dichtungen hes- sicher Mundart zum Vortrag bringt. Beginn des Kabaretts 20 Uhr, Ende gegen 22.30 Uhr. Danz kleine Preise. e •• Der Postdienst am Reujahrstage. Wie das Postamt Gießen uns mitteilt, werden am Reujahrstage der Schallerd.enst und die Briefkastenleerungen wie an den Sonntagen durchgeführt. Die Ortsbrieszustellung wird um 8 Uhr und um 14 Uhr stattsinden, ferner wird eine Orts- Geldzustellung ohne Rachnahmen und Postaufträge erfolgen, dagegen die OrtS-Paketzustellung ruhen. Rach allen Landorten wird eine Briefzustellung durchgeführt werden. ** Kommt Schnee? Die Umgestaltung der Großwetterlage, so wird von berufener Seite geschrieben, zu einer winterlichen Rormalwetterlage hat seit den Feiertagen bereits Fortschritte gemacht. Dabei ist auch die für Schneesportler erfreuliche Tatsache zu verzeichnen, daß in den höheren Lagen jetzt durchweg wieder Frost herrscht und in den Gebirgen des nordwestlichen Deutschland, so auf dem hohen Westerwald und im Sauerland nennenswerte Schneefälle niedergegangen sind. Da die Entwicklung der Wetterlage m gleichem Sinne fvrtschreitet, kann in absehbarer Zeit auch in den uns benachbarten Gebirgen mit Schneefällen gerechnet werden. Doch wird die Urngestaltunng ganz langsam fortschreiten. " Identifizierter Toter. Der am Mittwvchvrrmittag, wie gestern bereits berichtet, aus der Lahn bei Gießen geländete Tote wurde als der 29 Jahre alte verheiratete Schreiner Christian Hantel aus Erda erkannt. Der bedauernswerte Mann, der schon seit 30. Oktober von zu Hause verschwunden war, litt an Gemüts- erkranlung. Ein Verbrechen ist bei dem Tode des Mannes ausgeschlossen. Der Verstorbene hinterläßt seine Frau und drei unmündige Kinder. Dienst an der Gesamtheit. I „Zwischen den Jahren" in der Zeit der Nach- tzirnklichkeit und dem Rechenschastgeben wollen auch ■Dir, meine Freunde und Kameraden der hessischen |3ugcnb, uns darauf besinnen, ob wir die Zeit recht «nutzt haben, die unserem Wirken gegeben war. L Wir gingen mit Sorge in das nun ablaufende ^Jahr 1932. Die Sorge begleitet uns weiter. Bereiten soll uns aber auch der Wille, Hand an- iju'egen, wo immer man unser bedarf und die Bo f f n u n g, daß aus unserem Miteinander [Immer stärker ein Füreinander werde und ein Zwischen den Jahren. kinWoftandieFreundeun-KameradenausZugend-un-VorköbildungSbewegrrng Don Heinrich Hafsinger, Darmstadt. ner, der Volkshochschulen und der Organisationen mit kultureller Zielsetzung. Sie wurden unterstützt vom Staat, verantwortungsbewußten Gemeinden und den Gemeinschaften der Kirchen und Weltanschauungen, sowie den Jugendpfarrämtern. Kein Zweig der Jugendarbeit brauchte vernachlässigt zu werden, weil sich herausstellte, daß die gesunden Kräfte, die aus der Jugendbewegung und der Volksbildung strömen, ihren dauernden Wert gerade in unserer Notzeit erwiesen. Gibt es, um mit dem bekanntesten zu beginnen, einen schöneren Beweis für die Richtigkeit auch des Tempos, mit dem unsere Jugendherbergen ausgebaut wurden, als den, daß sie auch im vergangenen Jahre und nahezu stärker als früher den wandernden Jugendlichen aller Schichten und jeden Herkommens billige und gute Unterkunft bieten konnten und so der jugendlichen Sehnsucht in die Ferne und in die Freiheit dienten? Die Jugendburgen gaben ihre Räume für Freizeiten der Arbeitslosen, ermöglichten Stadtkindern den Ferienaufenthalt, sie stellten sich mit in die Reihe der Kämpfer und Helfer gegen die Not. Was sie den erholungsbedürftigen Körpern boten, das boten die geistigen Burgen, unsere Volkshochschulen und Volksbüchereien dem Verlangen nach Weiterbildung und sinnvoller Ausnützung der freien Zeit. 2Han muß es deutlich sagen, daß es eine Ruhmesfeite in der deutschen Nokgeschlchte darstellt, daß das Bedürfnis, an den geistigen Gütern des Volkstums und der Menschheit teil- zuhaben, gerade in der Notzeit gewachsen ist und daß es nicht so ist, wie man manchmal hörte, daß die Not oberflächlich und leichtsinnig machen mühte. Ueberraschend im Steigen begriffen ist die Inan Ipruchnahme der Volksbücherei: sie hat fiel- lfnweise dazu geführt, daß die Leserzahl „kontigen- tiert werden mußte. Das kann nur mit Bedauern feftgefteüt werden und sollte eine Mahnung an alle Verantwortlichen sein, die Bücherei Hilfe auszubauen. Alle guten Geister unseres Volkes sollen mobilisiert werden, um der Not, auch der geiftigen Not einen Damm entgegenzusetzen. In diesem Sinn wollten wir auch wirken, wenn im letzten Jahr auch der Pflege des deutschen Liedes, der Hausmusik, des Laienspieles und des Volks- tanzes die gleiche Aufmerksamkeit zugewandt wurde und möglichst auch die gleiche Förderung. Unsere Gesangvereine, deren gemeinschaftsbildender Wert nicht abzuleugnen ist und die unter der Massenarbeitslosigkeit ihrer Mitglieder sehr zu leiden haben, dürfen mit allen der Volksbildung und Heimatpflege dienenden Verbänden und Vereinen den Anspruch auf Treue und Förderung bei all denen geltend machen, die über ein Einkommen verfügen. Auch im privaten Haushalt darf der Kulturetat nicht ohne die zwingendste Not beschnitten werden. Zu dieser Mahnung glaube ich mich um so mehr berechtigt, als ich auf Grund einer nunmehr fünfundzwanzigjährigen Tätigkeit im Dienste der Volksbildung und Jugend doch einigermaßen ermessen kann, welche starken Kräfte des Ausgleiches und der Kameradschaft, aber auch der Lebensweitung für den Einzelnen von ihnen ausgehen. Nur wenig wird nach außen bekannt, wie der Geist der Hilfsbereitschaft auch in ihnen in den letzten Jahren wirksam gewesen ist. Was ober die Pflege deutschen Liedes und Spieles für eine Gemeinschaft bedeutet, das haben wir in unseren Arbeitslagern ersehen können. Wir hoffen, daß deren Teilnehmer dereinst sich auch einreihen in die Front derer, denen an der Schaffung einer neuen Volkskultur und veredelten Formen der Geselligkeit liegt. Unser Arbeiten geht dahin, daß Geist und Körper eines Volkes nicht getrennt werden. In diesem Sinne haben unsere Turn- und Sportvereine ihre Aufgabe auch in diesem Jahre zu erfüllen gesucht. Auch sie wollen nicht eine einseitige Körperkultur. Körperzucht und Willensbeherrschung bedeutet ihnen noch lange nicht das einzige Ziel. Den Geist per Kameradschaft, die Pflege der ge- wüthasten Werte von Volkstum und Heimat lasten sie sich ebenso angelegen fein. So faste ich auch den -oegrisf derJugendertüchtigung auf, dem nun von Reichs wegen eine besondere Organisation Dient. Unb ich weiß, baß auch Hessens Jugend für eine solche umfassende Deutung aufgeschlossen ist und jede Einseitigkeit ablehnt. d Am Anfang und am Ende unseres Tuns stand tllnd steht das Vertrauen. Es ließ die Jugend D einem Ring der Hilfe sich zusammenschließen B&er die Grenzen der Parteiungen, der Welt- kwschauungen, der Klassen und der Stände: es ließ Mngrisse solcher, die aus Sonderinteressen unser Gemeinsames Werk nicht verstehen wollen, in Wd) selbst zusammenbrechen. Wir werden der Der- ikindnislosigkeit nicht einen gleichen Geist der Zwie- «acht entgegensetzen, sondern als Weggenossen je- Ivtn mit uns gehen lasten, der gleichen guten Wil- Wns ist und der auch im Jugendlichen anderen »denkens den Juge.idkameraden und ehrlichen Strei- rer sieht, anerkennt und achtet. Wo aber die Waffen Wicht rein sind, gibt es der Selbstachtung wegen kein Wrmeinsames Marschieren. »Nur im Miteinander konnten wir bisher und kerben wir in Zukunft unsere Ausgaben lösen kön- Intn. Im Mittelpunkt all unseres Sinnens wird Weiter stehen die Frage, wie wir unseren c r - »vr b s l o s e n Jugendlichen auch von uns »us helfen können. Im Zusammenwirken mit den Hntänbigcn Stellen des Reiches, mit Unterstützung Itr Regierung unseres hessischen Volksstaates (dank- W»r sei dessen gedacht!) haben die Kräfte der Volks- Wdung und die Mitstreiter der Jugend dem Hes- W s ch e n Heimatwerk eine Wirkungsmöglich- ftit gegeben, die es mit an die Spitze aller gleich- Mrichteten Bestrebungen in unserem Vaterlande ■stellt hat. ■Durch die vom heimatwerk unb den ihm an- U geschloffenen und befreundeten Organisationen ■betreuten Lager des freiwilligen Arbeitsdienstes ■ sind im letzten Jahre weit über 15 000 Jugend- ■ tiche gegangen. Jetzt, an der Jahreswende, W Zählen unsere Lager immer noch mehr als I 8000 Teilnehmer. Doch uns sind die Arbeits- »dienstfreiwilligen mehr als Zahlen und Jlum- ■ meai. Wir wollen uns bewußt bleiben, daß I hinter jedem Einzelnen ein Menfchenfchickfal I st>l und wir wollen jedes die'er Schick'ale M ernst nehmen. Darum wird uns auch der Aus- | bau des „Notwerks der Jugend" ein wichtiges Anliegen fein. BUl denen, die nsit ihrer 'Zeit und mit ihren Gaben »laugen in den Lagern den Jugendgenosten auf- »merungsvoll unb ohne äußeren Gewinn dienten, ÖCr -nxf 6etr .Sefamten Jugend. (Wer Zahlen L.;[cn ™lU' Am fei es gesagt, daß im letzten Herbst |Sn "ber 300 freiwillige Helfer tagaus tagein als f"h»eude und Vortragende draußen waren.) I Dir freuen uns auch der Anerkennung, die dem Mrk-n der Volksbildner unb ber Arbeitslager Hes- öen berurenen bebörblidjen Stellen zuteil iKÄ Unb, dazu führte, daß dem Hessischen E ^r das Gebiet unseres Landes auch «e Ausbildung der künftigen Lagerleiter im LurL L9Cr Arbeitsdienst Übertragen J6urbe Bisher sind es über hundert, und bis zmn Echften Frühjahr durften es mehr als zweihundert lÄrl.^Qn^erabfd)aft5fÜ^rer lein- Wir brauchen es JX besonders noch zu sagen, daß diese Führer- pmeraben tn ihrem ganzen Denken auf ben übcr= parteilichen Charakter unseres Wer- ffes eingestellt sind, daß sie ihre Aufgabe im Dienen unb nicht im Kommandieren sehen. Das u rf wird sich nie für irgendwelche Sonber- «Deere hergeben! Und ebenso wird es sich zur Wehr Imv' man ihm falsche Absichten unterstellt! s Wir sehen alle Aufgaben, vor die heute die Ju g e n b unb ihre Führer gestellt sinb, unter »,taQ)e.n Gesichtswinkel des Dienstes r *JX c,niat und Vaterland. Darum (l, ~s nuch m Zukunft keine isolierte Betrachtung ■wr ^5n-0cn der lugenblichen Arbeitslosen mit benen n2en jugendlichen unb ber gesamten Volks- i t . ewegung. Neben bem freiwilligen Arbeits- 'ftirHuih ^ch in diesem Jahr die unterrichtende, irtbübenbe, umschulende Tätigkeit der VolksbildFreunde und Kameraden aus Jugend und Volks- bilbungsberoegung! Wenn wir so zwischen den Iah- reifrunfere „Bilanz" ziehen, bann wagen wir nicht zu entscheiden, ob sie in allem ermutigend ist. Aber das Eine können wir sagen: 2Hutlos ju fein, haben wir keinen Grundi Manches erfüllt uns mit Freude, an vielem sehen wir Fragen erwachsen. Wir wollen keiner Frage aus dem Wege gehen, wir dürfen es nicht, des Zieles wegen und um derer willen, die nach unserem Dienste verlangen. Hinter uns bleibe der Gedanke an persönliche Erfolge. Blicken wir auf die Sach e. Sie zu verteidigen und zu einem guten Ziele zu führen darf es kein Zagen geben. Miteinander — Füreinander! Vorwärts! Mit Gott für Jugend, Volk unb Heimat! Der Mann, dem Europa sein heutiges Gesicht verdankt... Leben und Taten des Königs Eduard VII. von England. Don 7t Schlichters. I. Gilvestergespräch zweier Diplomaten anno!932 ,Zst es wicht merkwürdig, daß wir uns immer wieder zu verzweifelter Rückschau drehen unb wenden?" „Meiner Ansicht nach «in verständliches Beginnen angesichts eines zum Ende rollenden Jahres. Der Mensch, auch wenn er Politiker ist, fühlt sich nun einmal veranlaßt, an solchem Zeitpunkt Bilanz zu machen. Das ist — Geschäftsusance, wie es nüchtern und wirtschaftlich gesprochen heißt." „Und was wird dies Jahr 1933 bringen?" „Uns? — weitere Entwirrung unb Klärung der gigantisch-katastrophalen Erbmasse, die ein einzelner Mensch diesem immer noch in Krämpfen sich windenden Erdteil Europa hinterlassen hat." „Em einzelner —?!" „Frage gegen Frage! —: Wie, glauben Sie, würde das Gegenwartsgesicht Europas aussehen, wenn es keinen — Eduard VII. von England gegeben hätte?!" ,Herrgott, Sie haben recht! Hier liegt Keim und Urgrund zu allem Heutigen! Ohne dies schicksalsschwer« Königsdasein hätte die europäische Mächtekonstellation zu Ausbruch des Wettkrieges vermutlich gänzlich andere Farmen gehabt! — hätte es vielleicht keinen Weltkrieg, sicherlich aber einen anderen Wettkrieg gegeben als den, der unserm Erdteil fein heutiges Gesicht gab unb das tausend- formige Chaos auf ihn niederkeulte, das zu entwirren die Sisyphusarbeit unseres Amtes und Lebens ist?" „Sehen Sie, Bilanz machen heißt: das Fazit aus dem Vergangenen zu ziehen, damit man den „Gegenwartsftatus des Geschäfts" klar überschaut unb die Gegebenheiten zur Weiterarbeit und Entwicklung bis ins Tiefste beherrscht! Und kein Heut-gsr kommt bei solcher Bilanz um Leben, Taten und Planen dieses einen Menschen herum, der sich Eduard VII. nannte." „Die meisten haben da, aus Mangel an Kenntnissen, nur die Möglichkeit, mit angelernten Schlagworten um sich zu werfen —: Lebemann, Spieler, Intrigant —" „Bedauerlich. Denn nebenbei ent raten sie damit des Wissens um ein Lebensdrama von ungemeiner Spannung!" „Drama? — Spannung?!" „Aber gewiß. Bitte, erinnern Sie sich doch!" II. Eine Kronprinzenfugend. „Wie weit sind Sie mit der Denkschrift, Stock- mar?" ,Jch hab« endlich das Gesetz 'ber Vererbung ab- gewickelt. Königliche Hoheit — im Hinblick auf unseren ... unseren besonderen Fall." „Gut." „Ihre Majestät wird nun klar erkennen können, welchen Erbfehlern der hannoverschen Ahnen die Erziehung des Prinzen von Wales entgcgenzu- wirken haben wird." Prinzgemahl Albert aus dem Haufe von Sachsen- Koburg, Gatte der Königin von England, der jungen Victoria, die soeben den ersten Sohn, den Kronprinzen Awert Eduard geboren hatte, nickte «düster vor sich hin. Dor seinem geistigen Auge stieaen die Schatten auf —: der bem Wahnsinn verfallene dritte Georg, der Urgroßvater des Neu- geborenen; dann einst Europas wildester Lebemann, der Großonkel Georg IV.; ferner der brutale Großvater, der Herzog von Kent — unb die Verwandten drüben in Hannover, vor allem ber kranke, blinde Kronprinz ... Den Sinnenben überschauerte es. „Also arbeiten Sie weiter, Stockmar. Es muß der Königin von allem Anbeginn her klar gemacht werden, daß, um diese furchtbaren Erbgesahren im Keim zu ersticken, eine eisern strenge Erziehung, ohne jede Weichlichkeit, vonnöten ist. Schließlich handell es sich um den zukünftigen König von Großbritannien!" „3n zwei Tagen werde ich Eurer Königlichen Hoheit die vollständige Deutsch.ift zur Begutachtung vorlegen können." „Ich danke Ihnen, Stockmar." Baron Stockmar, der einstige Erzieher des Prinzgemahls, dieser eiskalte Rationalist unb düstere Puritaner, zieht sich zurück, zu neuer Arbeit an bem „Erziehungsplan", ber eine ganze Kronprinzenjugend grausam zerknechten sollte. * Die Denkschrift hat ihren Zweck erfüllt. Die junge Königin ist in hysterische Angst hineingehetzt worden vor den Schatten der Ahnen. Im übrigen folgt sie sowieso blindlings allem Wollen, allen Ansichten ihres Gatten, dieses seltsamen Märtyrers seines Pflichtgefühls und Gewissens, der jede Regung ber Freude, der Hoffnung als „Sünde" ansieht unb sie streng verbannt so aus dem eigenen Leben wie aus bem Herzen der Königin. Sie üebt diesen ihr geistig überlegenen Gatten in dem gleichen Maße, wie ihn das englische Volk haßt. Sie ist ein instinktstarkes Geschöpf gewesen: heute schon lebt sie nur noch jenen abstrakten Pstichtbegriffen, die der Prinzge- mahl auf dem Wege immer mehr sich häufender „Denkschriften^ unerbittlich in sie hineinge- fnetet hat. Selbst nach seinem Tobe stets gegenwärtig, wird ber Prinzgemahl unb sein unheim'ich kalter Pflichtbegriff ihr ganzes Leben regieren, wirb lebenslang das Verhältnis Mutter unb Sohn, Königin und Kronprinz zerstörerisch beherrschen — und dies Kronprinzenleben zu der Tragödie machen, als die es sich noch den Heutigen darstellt — unb als die es eine auffällige Parallele in der preußischen Geschichte findet ... — Friedrich II. unter bem eisernen Regiment des Vaters, bes Pflicht- rnenfchen Friedrich Mlhelm I. — Die Stockmarsche „Erziehungsdenkschrift" Hal jegliches „Weiber-regiment" bezüglich ber Erziehung des kleinen blauäugigen Loclenlopfes streng abgelehnt. Strenge — Isolierung — Lernen, Lernen, Lernen! —: das seht für den Kronprinzen, gleichsam in der Wiege schon ein. Er schreibt und- spricht mit sieben Jahren bereits englisch, deutsch und französisch. Tie „Ertüchtigung" des Siebenjährigen legt der Prinzgemahl zunächst in die Hände des Humanisten unb Erziehers Birch. Voraussetzung des Systems: ununterbroch-ene Heber* wachung des Zöglings: geistige Konzentration: unbedingte Unterörüdung sogenannter Freiheit irr jeder Form: und — Führung eines Tagebuches durch den Knaben! Ter Theologe Birch ist milde: er versucht des Vaters Erziehungssystem mit Menschlichkeit zu durchsetzen: es gelingt ihm, sich die Anhänglichkeit des Kindes zu erwerben. — Milde? — weg damit! — Birch wird alsbald entlassen: weinend drückt der kleine Prinz dem scheidenden Erzieher heimlich kleine rührende Geschenke, Blumen und Zettel mit Zärtlichkeitsbeteuerungen in die Hand: das Kind erlebt seine erste Seelentragödie. Birch wird ersetzt durch Mr. Gibbs, einen gescheiterten Anwalt. Mr.Gibbs paukt: gute Manieren. korrekteKleidung, Zweckmäßigkeit und Lernen, Lernen, Lernen. Eine rasende Fülle von Lektüre und Wissensstoffen hat das Kind durchzuackern: der Prinz-emahl, der pathologische Denklchristler, studiert die Geaen- denkschriften des Erziehers wie Fieberkurven. Verkehr mit Gleichaltrigen wird nicht geduldet! Sport: nicht geduldet!. Lernen, Briefe schreiben, Tagebuch führen —: das ist die Kindheit des Prinzen von Wales. Tas Rervenshstem des Knaben wird zer- rüttet Aber vergeblich sucht man jede Regung der Selbständigkeit zu zerlnütteln. Ter Knabe bäumt sich wieder und wieder auf gegen dies unmenschliche Foltershstem der Erziehung. Er berfäOt in rasende Wutausbrüche, vor allem cegen die Eltern. Sie veranlassen den Prinzaemahl jedoch nur, die Kandare noch schärfer anzuziehen. Mr. Gibbs wird entlassen, Mr. Bruce nebst Frau treten auf den Pl nel fei kar un CH mi boc wu um Da hol ode 9 uns me; hat 5 eng in geh klet sun La! Ian Ma Psl ein Wirtschast l Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Deolfenmarfl Berlin - Jranffurl a 2H 61- (Feib 29 I 29,5 I 641 63,5 Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H.. Lombardzinsfuß 5 v. H. 47 56,5 46 30 19 42,5 40 140,5 100,9 47,5 57,5 46 28,25 105 19,5 43,5 40,75 39,25 142,75 29,75 j 29,5 145 i 145,5 , die Tb eit 6,134 5195 12,74 3,057 169,18 72,13 72.58 76,42 14,00 0,858 4,209 58,30 21,55 16,42 80.96 34,37 81,72 0,889 0,269 5,574 12,76 47,5 57,5 45,5 29,25 19 43 I 38,5 I 143 I Ueberschlägt man die Summe der notwend organisatorischen Arbeit, die im Interesse Sportes auch in Gießen geleistet werden mu zieht man das Ausmaß sportlicher aktioer Sei gung in Betracht, dann kann man wohl mit H sagen, daß auch in unserer Stadt durch die D feit der Vereine viel Arbeit an der Jugend leistet wurde, für die man den Verantworte Danf wissen muß. Wenn auch die wirtschaft!, Verhältnisse am Sport nicht unbemerkt vorü gehen können, so - sieht man doch allgemein berechtigten Hoffnungen für die wertvolle We arbeit dem neuen Jahre entgegen. loren. 1900 ist 14mal in der 20 Bestenliste des Westdeutschen Spielverbandes, 4mal in der 30-Bestenliste der Deutschen Sportbehörde vertreten. Unter dem Titel „Ein Jahr in der Kampfbahn" wurde d-ie Leichtathletik der Spielvereinigung vor einiger Zeit eingehend gewürd gl. Reben der Spielvereinigung trat auch in diesem Jahre wieder der Männer- t u r n v e r e i n m t feiner Leichtathletikabteilung nachdrücklichst in Erscheinung. 271 Siege, darunter 68 erste Siege konnten gebucht werden. Die Ttännerturner wurden den Blauwoißen gefährliche Rivalen MTV. trat im Jahre 1932 mit seinem II. freisoffenen leichtathletischen Wettkampf an die Oeffentbichkeit und führte die Veranstaltung zu großem idealen und sportlichen Erfolg. Auf dem Feldberg errangen die MTVerinnen wieder den Brunhiloisschild, Fräulein B i ck e l h a u p t wurde Erste im Vierkampf, bei dem Kreisf.'st in Trier wunde sie ebenfalls mit Bestleistungen an erster Stelle genannt. Der Verein für Bewegungsspiele hat sich leichtathletisch nicht betätigt. Der Olympische Sportklub Gießen, eine Neugründung des Jahres, hatte guten Start. Die Vertreter des Vereins waren verschiedentlich achtbar erfolgreich. Die Universität verfügt über eine stattliche Anzahl ausgezeichneter Leichtathleten. Bei 4,22 58,42 72,34 14,04 16,4^ 169,43 21,57 72.1^ 2,41 76,41 81,1» 34,31 6,146 52,05 12,84 3,063 169,52 72,27 72,72 76,58 14,04 0,862 4,217 58,42 21,59 16.46 81,12 .34,43 81.88 0,891 0,271 5,586 12,78 Banknoten 6,134 51,95 12,465 3,057 169,18 72,08 72,43 76,32 13,98 0.858 4-209 58.34 21,55 16,42 80,96 34,37 81,72 0,879 0,269 5.574 12,76 100,9 46,13 57 45,65 29,9 106,5 19,4 42 40,75 40 140,13 x sportliche Leben ist aus der Vielfältigkeit der Erscheinungen des Lebens in einem größeren Gemeinwesen, in einer Stadt, nicht mehr fort« zudenken. Man kann und darf das sportliche Le« den nicht ignorieren, und zwar schon deshalb nicht, weil der Sport der Äugend dient. Die Äugend bedeutet die Zukunft. Es erübrigen sich infolgedessen auch weitere Worte über die Bedeutung des Sportes. (Womit durchaus nicht gesagt sein s^ die Äugend im Sport erschöpfen soll!) Äm sportlichen Leben unserer Stadt hat sich im vergangenen Äahre viel ereignet. Es lohnt sich, zurückzublicken. Wer den sportlichen Ereignissen zu folgen Gelegenheit hatte, dem bietet sich in den letzten Stunden des Äahres, in bewußtem Rückblick, die vielfältige Erscheinungswelt des Sports wie ein Bilderbuch, wie ein Kaleidoskop. Cs soll nicht vergessen sein, darauf hinzuweisen, daß Sport auch Wirtschaftsfaktor ist. Fußball nimmt den breitesten Raum ein. Dio beiden hiesigen Bereine sind sehr rührig. Auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe herrscht saft Sonntag für Sonntag regster Spielbetrieb. Auf dem Waldsportplatz, der schönsten Gießener Sportstätte, wurde ebenfalls mancher heftige Kampf ausgetragen. Höhepunkte waren die Loka l t r e f f e n , deren in diesem Äahre nicht weniger denn drei stattfanden. Zwei der Spiele endeten für VfB. (2:1, 5:1), eines älnentschieden (1:1). Ramhafte Mannschaften waren in Gießen zu Gast. Die Gießener kämpften in einer Stadtmannschaft gegen Borussia Fulda: Olympia Lorsch, DfD. Friedberg, Union Riederrad, BfB. Aschaffenburg, Frankfurt-Eckernheim, Germania 94, ^Pfalz" Ludwigshafen, „Kickers" Offenbach, DfR. Fürth usw. gastierten hier und muhten erfahren, daß man in Gießen nicht ohne weiteres die Segel stveicht. Manches ehrenvolle Ergebnis wurde erzielt. Die Mannschaften haben einen guten Ramen. VfB. Gießen mußte mit dem Ende der Spielsaison 1931 32 aus der Tezirksliga ab- steigen. Das wurde allgemein bedauert. 1900 und DsB. spielen jetzt mit ihren 1. Mannschaften gemeinsam in der 1. Tezirksklasse gegen gleiche Gegner. Die Spielvereinigung hält nach der Vorrunde den ersten Platz, VfB. den zweiten Platz in der Tabelle. Die Gegner sind verhältnismäßig starke Mannschaften des Hinterlandes. Für die Gießener gab es in den Derbandsspielen nicht immer Lorbeeren zu ernten. Reben den beiden großen Sportvereinen pflegen noch das Militär und die Studenten Fußballsport, treten aber naturgemäß nicht so häufig in Erscheinung. 1900 marschiert mit 10 Fußballmannschaften an der Spitze. Die Äugend ist sehr eifrig bei der Sache. Die Leichtathletik hat in Gießen eine besondere Pflegestätte. Konjunliurwende auf dem Auiomarki. 'Absatzsteigerung bei Opel. Der monatliche Absatz von Automobilen auf dem deutschen Markt in den Monaten Oktober und Rovember ist z u m e r st e n M a l e in diesem Äahre höher, als in den entsprechenden Monaten des Vorjahres. Während der Absatz vom Januar bis zum September stets niedriger war als im Vorjahr, im April sogar um 57 Prozent, ist er im Oktober um 4,7 Prozent und im Rovember um 28,2 Prozent gegenüber den gleichen Monaten im Äahre 1931 gestiegen. Diese Zunahme ist von grundsätzlicher Bedeutung, denn sie zeigt einen Wendepunkt in der Konjunkturkurve dieses Äahres. Bei Opel in Rüsselsheim ist der Absatz der 12-^t".-Pc:s ne tea e i in) de' Tli -La' w gm, w.e die Gesellschaft mitteilt, in den Monaten Oktober und Rovember gleichfalls beträchtlich höher, als im Vorjahre. Äm Änland konnten im Oktober 1932 75 Prozent, im Rovember 51 Prozent mehr 1,2-Ltr.-Personenwagen und 81 bzw. 75 Prozent mehr Blitz-Lastwagen abgesetzt werden, als in den gleichen Monaten des Vorjahres. Eine noch größere Zunahme gegenüber 1931 hat der Export der Opelwagen nach dem europäischen Ausland und nach Liebersee erfahren. Der Export von 1,2-Ltr.-Personenwa^en wurde im Oktober nahezu verdreifacht, der Lastwagen- Export mehr als verdoppelt. Der Opel-Absatz im Oktober und Rovember weist aber nicht nur gegenüber dem Vorjahre, sondern auch im Vergleich zu den Vormonaten dieses Äahres eine beachtenswerte Zunahme auf. Der Oktober liegt über dem September mit 21 Prozent für 1,2- Ltr.-Personen- und 11 Prozent für Lastwagen, der Rovember über dem Oktober mit 5 bzw. 20 Prozent. Diese Zunahmen sind um so höher zu bewerten, als erfahrungsgemäß — selbst in Zeiten guter Konjunktur — im Herbst ein Rückgang erfolgt, der bekannte „Saison-Abstieg", der für Oktober durchschnittlich minus 16 Prozent, für Rovember minus 24 Prozent gegenüber dem Vormonat beträgt. Auch für den Export war in diesem Äahre der Oktober günstiger, als der September. Der E-port von l,2-Ltr.°Personen- tnagen stieg um 15 Prozent, der Lastwagen-Export um 83 Prozent. SJLSpont Ein Jahr Sport in Gießen 3,t 169, 72, 72, 76, 14, 0,8 4,2 5b, 21, 16, 81, 34. 81, 0,8 0-2 5,5 12, . 0 0 0 0 . 0 , 7 0 0 0 6 18 Helsingrors. Wien...... Prag...... Buvavek ... Sofia..... Holland ... OSIo....... Kopenhagen. Stockholm • • • London..... Buenos Aires Neunork.... »rüffel .... Italien..... Paris..... Schweiz ... Spanten... Tanztg.... Japan..... Rio de Jan. Jugoslawien Lissabon... Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Sam nachmittag geschloffen. * Süddeutsche Zucker AG., Mannheim. Im Geschäftsjahr 1931/32 (31.8.32) der Süddeutschen Zucker AG., Mannhc>im konnten sich die teils schon durchgeführten Produktionsoinschränkungen praktisch noch nicht auswirken. Der Tiefstand der Weltmarktpreise mache einen Export so gut wie Fr.ö11' ÖS; ®iWn/r% Rheintjche Hhp.-Bank-Liau.-Goldpfe..... 6% ehem. 8% Pr. LandeSpsand brlcsanstaU, Pfandbriefe R. 19 6% ehem. 7% Pr. Landespfand brielanltalt. Pfandbriefe R. 10 4% Oesterretchtfche Goldrente... 4,20% Oesterreichifche Silberrente 4% Ungarische vloldrente_______ 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4V2% deegl. von 1913 ........ 5% abgell. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagbadbahn-Anleihe Serie I ............ 4% besgl. Serie II ............. 6% Rumän. veretnh. Rente v. 1903 4'/-°/öRumän.vereinh.Rentev.l91Z 4% Rumänische veretnh. Rente . 3%% Anatolier.......... 76,65 92,5 77 60,13 6,8 74,5 57 56,5 86,75 85,9 86 — 83 4,05 4,15 4,15 5,4 8,75 4.6 2? 25 76.5 52,75 77 61,5 6,9 77 57,75 57,13 85,5 85 85,9 85,9 83,5 83,5 1,05 4,2 4,2 4,2 5,4 8,75 4,5 22,25 76,25 92 77,1 9,7 6,7 77,75 56,25 - 82 — 6,5 4,05 4,25 4,2 9 >' 4,20 58,18 72,06 13,94 1b. 38 168,81 21,49 Norwegische Noten ......• • 71,91 Deutsch Oesterreich, » 1«, Schilling — Rumänische Noten............... 2,46 76,15 Schweizer Noten................. 80,73 Spanische Noten................. 34,23 —