182. Jahrgang Somstag, 30. Juli 1932 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dnttf und Verlag: vrühl'sche Univer^räts-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftlettung und GeschäftrfteNe: Sch'.il'ttaße 7. i f i Annahme von Anzeigen für die lagcsnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärt» 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Ncichspfennig, Platzvorfchrist 20” „ mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Will). Lange; für Feuilleton Dr H.lhgriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfcheia und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Ot.177 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familien blätter Heimat im Bild • DieScholle Monats'vezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zentsprechanschlüsse anter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: firanffurt am Main 11686. letzte Kundgebungen im Wahlkampf. Oer Wahlkampf in der Reichshauptstadi. Ein Fahnenwald über Berlin. Don unserer Berliner Redaktion. Der Wahlkampf tobt. Die Zettelverteiler schwitzen in der prallen Iulisonne und sind eifrig besorgt, dast keiner vorübergeht, ohne das unfehlbare Desserungsrezept der jeweiligen Partei in die Hand gedrückt zu bekommen. Das geduldige und wehrlose Papier liegt zertreten in den Gossen, staut sich in den Abflußvertiefungen, und wenn der Himmel in diesen Tagen einen Wolkenbruch schicken würde, gäbe es arge Verstopfungen in der Kanalisation. Die Wahlpropaganda sucht nach immer neuen Mitteln, um die Wahlfreudigkeit der Wähler wachzuhalten, den letzten Mann an die Urne zu bringen. Reben Parteiversammlungen werden politische Sommerfeste abgehalten, deren Hauptattraktion ein, wie es immer so schön heißt, „Riesen-Brillant-Feuerwerk" ist. Die Schlagworte verfangen nicht mehr, das Gehirn der Wähler ist unempfindlich dagegen geworden und an ihre Stelle tritt der Augen- reiz. Mit Farben und Emblemen sucht man den Wähler zu kirren. Die Zahl der Fahnen soll es machen. Berlin prangt in einem Flaggenschmuck, wie er nicht einmal in den ersten Tagen des Weltkrieges zu verzeichnen war. Kaum ein Haus ohne Fahne, an manchen Häusern kaum ein Fenster ohne Fahne. Die Kinder auf den Strafen und Spielplätzen spielen mit Parteifähnchen, jeder Verkäufer einer Parteileitung pflanzt die Fahne seiner Partei an seinen Stand auf. So hat der WgDslkampf auch sein Gutes. Die Fahnenfabriken werden sich alle Vierteljahr so einen Wahlkampf wünschen. Sie wüßten dann nichts von Absatzstockungen und Kassenschwierigkeiten. Manche Fahnenfabriken sind gar nicht imstande, die eingelaufenen Bestellungen noch rechtzeitig vor der Wahl auszuführen, trotzdem sie ununterbrochen Tag und Rächt die Räh- 1 Maschinen laufen lassen. Roch vor keiner Wahl war das Fahnengeschäft so stark wie diesmal. Seit Wochen wird in den Fabriken in drei Schichten gearbeitet und der Ansturm der Käufer hat noch bis zwei Tage vor der Wahl unvermindert angehalten. Die Rot mag noch so drückend sein, für eine Mode, eine Laune ist noch immer Geld da. Eine kleinere Fahne kostet 2 Mark. Diese 2 Mark opfern arme Leute, um ihrer parteipolitischen Lieberzeugung vom Fenster aus sichtbaren Ausdruck zu geben. Es werden aber auch ganz große Fahnen bestellt, die ungefähr 250 Mark kosten. Der Inhaber einer Berliner Fahnenfabrik schätzt, daß allein für Berlin etwa 300 000 Mark für Fahnen ausgegeben worden sind. der zur Achse aller Staatsgesinnung zu machen. Mit dem Ausdruck meiner ehrerbietigsten Hochachtung und aufrichtigen Empfehlungen bin ich Eminenz ganz ergebener lgez.) v. Papen." Hitler in der Pfalz. Reustadt a. d. H., 29. 3ulu (WSR.) In einer von etwa 40 000 Personen besuchten Wahl- kundgebung der RSDAP., die heute abend im hiesigen Stadion abgeha.ten wurde, sprach Adolf Hitler. Er führte u. a. aus, die RSDAP. wisse, worum es in diesem Wahlkampf gehe. Aus der Vergangenheit sei wenig Gutes geblieben und cs sei merkwürdig, daß sich die politische Diskussion in diesem Wahlkampf lediglich auf die Ereignisse und Geschehnisse der letzten sechs Wochen beschränke; von den letzten 13 Jahren rede niemand. Diese Taktik könne seiner Partei schließlich gleichgültig sein, denn die RSDAP. habe weder v. Papen noch v. Hinden- Berlin, 29. Juli. (TLI.) Am Freitagabend sprach für die RSDAP. Gregor Strasser im Rundfunk. Er sprach einleitend über den Sinn der Bewegung. Wir sind die erste Bewegung in Deutschland, die die Gegensätze in ihren Reihen aus geschaltet hat, die Gegensätze zwischen Altersstufen, Beruf und Ständen nicht mehr kennt. Die erste, die Land und Staat, Bürger und Bauern, Geschäftsleute und Beamte zu einheitlichem Wollen zusammenfaßt. Die erste Bewegung für die Unterschiede zwischen Rord und Süd, Unterschiede in den Staatsgrenzen, die erste Bewegung, für die Konfessionsunterschiede keine Rolle mehr spielen. Wir sind entstanden a l s Protest des gesund denkenden Teiles unseres Volke« gegen einen Staat, der, nach außen machtlos geworden, nur Untertoerfung unter das Diktat der Feinde und Tributzahlung an die Ruhnießer des Weltkrieges, die internationale Hochfinanz, kennt. Wir sind entstanden als die feste Säule gegen einen Staat, der seinen Volksgenossen das Recht auf Arbeit verweigert. als Protest gegen einen Staat, der eine Wirtschaftsordnung erlaubt und möglich macht, die den Ertragsreichtum der Ratur vernichtet, Weizen, Kaffee ins QHeer wirft, notwendige Leben, üter in sinnloser Weise verderben läßt, alles nur zu dem Zweck, die Preise und die Gewinne der Börse in die Höhe zu treiben. In uns protestiert das deutsche Volk gegen eine Wirtschaftsordnung, die nur an Geld, Besitz und Dividende denkt und die vergessen hat, die Arbeit und Leistung als den Wertmesser der Menschen anzucrkennen. bürg gewählt. Aber man hätte ihm. Hitler, sogar die Verantwortung für die Ereignisse der letzten sechs Wochen aufbürden wollen. Er übernehme sie aber nur dann, wenn die andern bereit wären, auch die Verantwortung für die letzten 13 Jahre zu übernehmen. Man mache ihm auch den Vorwurf, undeutsch zu sein. Demgegenüber stelle er fest, daß er diesen Vorwurf auch auf sich nehme, wenn national und deutsch gleichbedeutend sei mit Uneinigleit und Zerrissenheit. Rach feiner Auffassung aber seien Einigkeit un d Stärke die Grundlagen des Rationalseins, und nach seiner Rieinung stehe nur hinter dem Recht die Macht. Hitler wandte sich dann an die Wähler und ermahnte sie, am 31. Juli eine gute Wahl zu treffen. Man möge Konfession, Geburt, Stand. Partei endlich einmal beiseite lassen r nd n u r a n D e u t s ch- land denken. — Hitler begab sich anschließend zu einer weiteren Kundgebung nach Karlsruhe. Lösung des größten Problems unserer Zeit herangegangen werden: Die Ueberwindnng der Arbeitslosigkeit durch Arbeitsbeschassung und Wiederherstellung einer rentablen Wirtschaft. Die Lösung des Problems darf nicht vom Gelde her, sondern muß von der Arbeit her angefaßt werden. Wenn der Zinsfuß in Deutschland von seiner heutigen unsittlichen Höhe auf ein erträgliches Maß zurückgc- schraubt wird — eine Maßnahme, die jeden Tag möglich ist —, dann wird die private Unter- nehmungslust angeregt und Millionen von Arbeitsaufträgen, die heute wegen des Zinsfußes und wegen der Unsicherheit der politischen Lage liegen bleiben, werden zur Ausführung kommen. Vor allem wird das Vertrauen zur Staatsführung auch eine unerhörte Wirkung auf die Wirtschaft haben Die Finanzierung all dieser Arbeitsbeschaffungsmaßnahn'en muß möglich sein und ist auch möglich. Der Weg der Eingliederung der Erwerbslosen und der Wiedergewinnung der wachsenden Steuerkrc fi. Ersparung der Arbeitslosenbeträge bei der Sozialversicherung. werden einen großen Teil der Finanzierung sicherstellen. Der Rest muß durch geeignete Maßnahmen des Staates gedeckt werden, die unbedenklich sind, solange rentable Arbeit geleistet und neue produktive Arbeit geschaffen werden. Rie wird der Rationalsozialismus die Zerstörung des Volks- Vermögens durch eine zweite Inflation dulden. In einem Volk, in dem oben und unten die kurz von mir skizzierten Grundsätze durchgesührt sind, werden wir in der Lage sein, jene Außen- p o l i t i k zu treiben, die die Weltgeltung Deutschlands so wieder herstellt, wie st« Deutschland nach seiner Geschichte, nach der Größe und dem Wert seines Volkes verlangen kann. Ein solches Deutschland ist dann wieder bündnisfähig und w'.rd in der Welt sehr schnell jenen Respekt wieder sich erwerben, den es braucht. Oas Wahlabkommen der Deutschen Voikspariei. Alle Stimmen gesichert.—Vollkommene Handlttngüfretßkit. Berlin, 29. Juli. (XU.) Die Pressestelle der Deutschen Volkspartei teilt mit: Gegenüber irreführenden Verlautbarungen weist die Deutsche Volkspartei noch einmal darauf hin, daß ihr Wahlabkommen mit der 3 c u 11 d) - nationalen IBolf spart ei für die Re ich s- lifte keinen anderen als einen wahl- tech n i s cb e n Charakter trägt. Cs soll damit die Gefahr der Zersplitterung und des Stimmenverlustes bürgerlicher Wähler vermieden werden und dem Ziele gedient sein, alle, national-bürgerlichen Stimmen gegen die Wiederkehr einer Mehrheit, die in der •Oauptfadje aus Sozialdemokraten und Zentrum besteht, einzusetzen. Gleichzeitig ist damit die Sicherheit geschaffen worden, daß alle Re st st Immen der Deutschen Volkspartei, die in den Wahlkreisen zur Erringung von Mandaten nicht ausreichen sollten, denjenigen volks- parteilichen Kandidaten zugute kommen, die auf dem R e i ch s w a h l v o r s ch l a g der Deutjchiiationalen Volkspartei in ausreichender Zahl aufgestellt sind. Die Verhandlungen, die zwi- . schen den beiderseitigen Parteileitungen vor Wochen ' stattgefunden haben, ergaben eine völlige Heber- einstimmung dahin, daß eine Regierung d e r Weimarer Koalition oder deren Tolerierung weder für die Deutsche Volks- Partei noch für die Deutsch nationale Volkspartei in Frage kommt. Das entspricht der politischen Linie, die von der Deutschen Volkspartei nach ihren eigenen Entschlüssen seit einem Jahre feststcht. Darin waren sich die vertragschließenden Parteien vollkommen einig, ebenso darüber, daß die Deutsche Volkspartei in ihrer künftigen parlamentarischen Haltung vollkommen frei ist und nach ihren eigenen Entschlüssen handeln wird. Dementsprechend hat die Deutsche Volkspartei in der Wahlbewegung einen selbständigen Kampf geführt und die politischen Grenzen gegenüber anderen Parteien ausnahmslos klar gezogen. VlMmgs A-iIwlN an HMnbm mid Schacht. Wahlreden im Rundfunk. Gregor Straßer spricht für die NSDAP. Oer Reichskanzler an Kardinal Bertram. Berlin, 29. Juli. (WTB.) Reichskanzler von Papen hat an den Vorsitzenden der Fuldaer Bischofskonferenz Kardinal Bertram Fürst-Erzbischof von Breslau das nachstehende Schreiben gerichtet: Ew. Eminenz beehre ich mich auf das gefällige Schreiben vom 16. Juli folgendes ergebenst zu crwide'm: Die Ausfassung der Mitglieder der Fu'daer Bischosskonferenz, daß besonders in der letzten Zeit vor der Deichstagswahl jeglicher Terror verhindert werden müsse, teile ich durchaus. Die Ausschreitung en, welche der politische Kampf in zahlreichen Füllen zur Folge gehabt hat, sind aufs tief st e zu beklagen. Hm nach Möglichkeit Zusammenstöße zu ver. meiden, hat die Reichsregierung schon am 13. d. M. ein allgemeines Verbot aller Ver- saminlungen unter freiem Himmel undaller Auszüge erlassen. Weil die öffentliche Sicherheit und Ordnung in dem größten deutschen Lande, in Preußen, nicht genügend gewährleistet erschien, hat die Reichsregierung ferner nicht gezögert, den Herrn Reichspräsidenten dcm Erlaß einer Verordnung vorzuschlagen, welche die Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Gebiete des Landes Preußen zum Zweck hat. Wie Ew. Eminenz bekannt ist, bin ich für die Geltungsdauer dieser Verordnung zum Reichskommissar für das Land Preußen be stellt worden und werde auch in dieser Eigenschaft weiter alles tun, um Z u - sa mmenstöße zu verhindern, die von jedem ordnungsliebenden Deutschen mit Recht verabscheut werden. Ew. Eminenz haben in Ihrem Schreiben vom 16. Juli mit Recht betont, daß allen treu christ- lich gesinnten Kreisen das Gebot des göttlichen Meisters heilig fei, Achtung und Gehor- sam der obrigkeitlichen Gewalt zu leisten Die Reichsregierung vertraut darauf, daß dieser christliche Fundamentalsatz auch bei den christlichen Kreisen Beachtung findet, die einzelnen politischen Maßnahmen einer Regierung ablehnend gegenüberstehen, deren vordringlichstes Wollen es ist. diechristlicheWeltanschauungwie- Diese große antikapitalistische Sehnsucht Hal heute vielleicht schon 95 v. h. unseres volles bewußt und unbewußt erfaßt, obwohl sie nichts, aber auch gar nichts zu «un hat mit einer Ablehnung des aus Arbeit und Sparsinn entstandenen, sittlich berechtigten Eigentu ns. Wir Nationalsozialisten bejahen die deutsche ; Arbeiterbewegung in ihrem Entstehen als den Ausdruck von Mill onen und ihrer Sehnsucht, als gleichberechtigt in die Nation ausgenommen zu werden. Wir bedauern aufs tiefste, daß die damals bürgerliche Führung Deutschlands dieses Problem > nicht erkannte und im Rahmen der Nation gelöst hat. Wir sehen aber im heutigen Marxismus eine Verfälschung der deutschen Arbeiterbewegung, die Verdammung zur ewigen Erfolglosigkeit. Wir wissen, daß man die Lösung sozialer Probleme nur dann durchführen kann, wenn man Herr im eigenen Hause ist. Die Auseinandersetzung mit ' dem Marxismus muß kommen, wenn Deutschland ! leben will. Eine Auseinandersetzung nicht mit dem [ deutschen Arbeiter, sondern mit denen, die ihn falsch ! geführt und zum Sklaven der W e 11 f i n a n z gemacht haben. Mit allen Mitteln des Staatsapparates werden mir jenes neue Denken im deutsch cn Volk durchsetzen, wonach in Politik und Wirtschaft, in Kunst und in Literatur, in Sport und in Theater nur noch ein einziger Maßstab gelten wird, das ist das Wohl der Nation. Die Erziehung verdeutsch enIugend wird geändert werden müssen. Richt die Vermittlung mechanisierten Wissens und seelenloser Paragraphen ist die Hauptsache, sondern die Er. Ziehung des jungen Deutschen zu einem Staatsbürger ohne Standesdünkel und ohne K l a s s e n ha ß. Darum wird der nationalfozia. listische Staat die Schule niemalsausseiner Hand geben, wenngleich er den Konfessionen zur Erteilung des Religionsunterrichts die von ihnen für notwendig gehaltene Zeit immer zugestehen wird. Die Arbeitsdienst pflicht wird das große Erziehungsmittel des zwanzigjährigen, auf dem Asphalt der Straße heimatlos gewordenen deutschen jungen Menschen. Wenn die Slaalsauloriläl im wahren Sinne des Wortes in einem gerechten, sauber und sparsam verwalteten Staat wieder gesichert und das vertrauen des Volkes zur Slaatsfuhrung wieder vorhanden ist, dann muß mit allen zur Mitarbeit bereiten Kräften der Ration an die Der ehemalige Reichskanzler auf einer Zentrumskundgebung im Berliner Sportpalast. Verlin, 29. Juli. (TU.) Der Wahlkampf der Zentrumspartei in Berlin erreichte am Freitagabend seinen Höhepunkt mit einer M assen- kundgebung i ni Berliner Sportpa - l a st Eine Parallelversammlung wurde notwendig, die im Westen Berlins in den Tennishallen stattsand. Rach dem Einzug der Fahnen und Banner in den von etwa 15 000 Personen dicht besetzten Saal begrüßte der Vorsitzende d s B:r- liner Zentrums, Krone, den Bischof von Berlin, Dr. Schreiber, Minister a. D. Dr. Hirt- sie f er, und Polizeikommandeur a. D. Hei - mannsberg. Unter Hochrufen betrat dann Dr. D r ü n i n g den Saal. Aach einem ehrenden Gedenken für die Tölen der „Riobe" erinnerte Dr. Brüning an sein Eintreten in Versammlungen in ganz Deutschland für die Wiederwahl und die Autorität des Reichspräsidenten von Hindenburg, wobei er betonte, wenn irgendwann die Qlutorirät vor Erschütterungen bewahrt werden müsse, so sei dies in diesen bewegten Zeiten notwendig gewesen. Hätte man die Krise im Reichskavinett nicht so beschleunigt, so wäre es möglich gewesen, wie ich es wollte, alsbaldzueiner Regierung mit der Rechten zu kommen. B'^n konnte zur Umbildung im Reich den dafür günstigsten außenpolitischen Moment abwarten. Was hugenberg in seinem Telegramm an mich behauptet, daß ich in meinen Reden die alte Unwahrheit wieder vorgcbracht hätte, es sei d e r R e ch t e n wahrend meiner Reichskanzlertätigkeit wiederholt (9 e • lege n Ij eit gegeben worden, s i ch an der Regierung zu beteiligen, ist so formuliert, daß Hugenberg einen Fall herausnimmt. Ich stelle dazu fest: Ich habe das schwere Amt des Reichskanzlers auf Grund der mir im Frühjahr 1930 gemachten Mitteilungen übernommen, daß Hugenberg für die Uebernahme der Verantwortung nach dem Sturz des Kabinetts Müller nicht in Frage kam. Ich habe ein Kabinett gebildet, das sich aus ton« f e r d a t i d e n Männern zusammensetzte, das auf der Unterstützung der Deutschnationalen fußte und im Anfang ist es gelungen, die DNDP. größtenteils für die Unterstützung dieses Kabinetts zu gewinnen. Das ist der entscheidende Fall und darüber habe ich in meiner Rede gesprochen. Ich habe damals in Zeugengegenwart Hugenbera in einer Unterredung gesagt, wenn er d i e N e g i e r u n g mit der D N V P. u n t e r st ü tz e, sei es s e l b st v e r st ä n d l i ch , daß dann die Zent.umspartci, wenn die Sozialdcmokra- tie im Reich in der Opposition zur Regierung stehe, die Konsequenzen in Preußen nach einiger Zeit ziehen werde. Das war die klare Schicksalsfrage. Damals hat sich Herr Hugen- berg versagt. Das ist der Gruno der Entwicklung für die Zukunft gewesen. Ich habe außerdem nach der Reichslagch'vahl an sämtliche Parteien das Programm der Reichsregierung herangebracht, auch an die Deut sch nationalen. Ich habe mit ihnen darüber gesprochen und als Antwort b.bmm.n, d ß d e D nVP. daran nicht Mitarbeiten lönnle. 2m Dezember 1930 habe ich versucht, bei den Parteien zu sondieren, ob in Crmächtigunasgesetz zustandegebracht werden lönnte. Damals chabr ich sehr lange mit Hugen- beog verhandelt und lein Angebot gemacht. Das habe ich in der Unterhaltung mit ckhm festgestellt, und weiter nichts. Wer die schwere Verantwortung übernehmen wollte, mußte sinterst ützung suchen, wo er sie bekommen konnte. Man konnte mir allerdings nicht zumuten, mich auf Verhandlungen einzulassen, die dem Zweck dienten, mich festzulegen. Ich nehme zugunsten Hugenbergs an, daß er nicht weiß, daß ich nach meinen Septemberbesprechunzen mit den Parteien im Oktober dem Reichspräsidenten vorgeschlagen habe, eine Rechtsregierung ohne mich unter gewissen Vor- aue'ehungen zu bliben. Es hat nicht an mir gelegen, wenn dieser Vorschlag nicht angenommen worden ist. Ich habe Hugenberg gegenüber auch bei der Vorbereitung der Reichs- Präsidentenwahl betont, daß meine Person bei diesen Dingen überhaupt keine Rolle spiel«. Ich muß die Ausdrucksweise im Briefe Hugenbergs als eine Behauptung zu- rückweisen, für die es einen parlamentarischen Ausdruck überhaupt nicht gibt. Brüning nahm bann zu dem offenen Brief des Rkichsbankpräsidenten a. D. Dr. Schach! mit folgenden An-führungen Stellung: Herr Dr. Schacht hat bei mir angefragt, ob die in tinem Auszug des WTB. miebergegebenen Aeuße- rungen, die ich in meiner Freiburger Rede genracht haben soll, den Tatsachen entsprechen. Ich habe Herrn Dr. Schacht, da ich dauernd von Berlin abwesend war, daraufhin am 23. Juli initteilen lassen, daß ich versuchen würde, ihn nach meiner Rückkehr nach Berlin den authentischen Text meiner Freiburger Rede zur Verfügung zu stellen. Herr Dr. Schacht hat das nicht aogewartet. sondern fußend auf einen vollständia unzulänglichen Bericht des WTB. in einem Bries vom 25. Juli schwere Angriffe gegen mi ch gerichtet. Was ich in Freiburg geäußert habe, ist folgendes: Gegenüber den Ausführungen, die Herr Dr. Schacht in der „DAZ." gemacht hat, wonach das von mir geleitet« Kabinett die Vorbereitungen zur Lausanner Konferenz nichtaus dem Gei st e des Kämpfens, sondern aus dem Geiste des Duldens getroffen habe, bin ich kurz auf die Vorgeschichte des Vounaplanes eingegangen und habe die Verantwortlichkeit des Herrn D r. Schacht f e st g e st e l l t. Ich habe auf die zu frühe Inangriffnahme der Reoi - fionsoerhandllungen des Dawcspla- n e s hingewiesen und auf die später bei den Verhandlungen in Paris gemachten Fehler. Diese Auffassung muß ich aufrecht erhalten, denn sie entspricht der historischen Wahrheit, wie sie aus den beim Reichsarchlo niedergelegten Urkunden festgestellt werden kann. Es war ein Fehler, die Verhandlungen am Ende einer deutschen Hochkonjunktur zu beginnen, unid es bleibt in meinen Augen ein Fehler, daß ein festes Angebot in Paris durch Herrn Dr. Schacht gemacht worden ist. Wer wie ich ein Jahr lang in zahlreichen Bespre- chunhen mit Staatsmännern und Finanzsachverständigen die Verhandlungen über die Reparationsfrage geführt hat weiß wie stark alle Argumente gegen eine Beseitigung Der Reparationen auf diesem Aß- gebot aufgcoaut waren. Nachdem durch die Arbeit meines Kabinetts es gelungen war, schrittweise die Welt davon zu überzeugen, daß eine weitere Reparationszahlung unmöglich war, muß Ich es auch angesichts des von Herrn Ministerpräsidenten Dr. Held neulich in Köln festgestellten öffentlichen Eintretens des Herrn Dr. Schacht für den Poungplan als einen unerhörten Vorwurf betrachten, wenn gerade diese Persönlichkeit derartige Angriffe gegen das von mir geführte Kabinett erheot. Wenn Herr Dr. Schacht üoer die späteren Verhandlungen spricht, die ich in Freiburg nicht erwähnt habe, ob es richtig gewesen lei, im Jahre 1 9 2 9 /30 den Poungplan abzulehnen und auf die Befreiung des Rheinlandes auf Jahre hinaus nachträglich zu verzichten, so sind das Fragen, die sich zum Teil zwangsläufig entwickelt haben und über die auch die Auffassung des Herrn Dr. Schacht mehrfach gewechselt hat. Ich muß däher den Vorwurf der bewußten Unwahrheit auf das schärfste zurück- weisen. Eine Erklärung national- sozialistischer Hochschullehrer. München, 29. 3ult (Priv.-Tel.) 3m „Völkischen Beobachter" veröffentlichen eine Reihe Unidersitäts- und Hochschullehrer eine Erklärung zur Reichstagswahl, in der u. a. folgendes auSgeführt wird: Wir unterzeichnete deutsche Universität-- und Hochschullehrer haben in den 3ahren nach dem Kriege mit wachsender Ablehnung die verderbliche Wirkung des herrschenden politischen Systems auf das geistige und materielle Leben unseres Volkes gesehen. Der intellektuell schassende Volksteil, dem auch wir angehören, und der in engerem Sinne Bürgertum genannt wird, hat wohl versucht, die geistige Bildung gegen Verflachung zu schützen. Die materielle Verstrickung aber des ganzen deutschen Lebens in die Einflüsse des internationalen Finanzkapitals hat jenes scheinbare Gleichgewicht der wirtschaftlichen und sozialen Ordnung hervorgebracht, mit dem auch das Bürgertum sich zufrieden gab. So hat es in diesen 3ähren seine sittliche Aufgabe als Führerschicht verfehlt. 3n dieser selben Zeit ist aus der letzten Kraft instinktiven nationalen Lebenswillens heraus eine Volksbewegung entstanden, emporgetragen von Männern, deren deutscher Charakter, Gesinnungsreinheit und Organisationskraft heute nicht mehr in Zweifel gezogen werden dürfen. Auch wir akademische Lehrer sind durch alle Bedenken hindurchgegangen, die den intellektuellen Menschen bei einigen Zielgedanken der nationalsozialistischen Bewegung kommen. Die wesentlichen Gedanken aber, vor allem: die Bekämpfung des fremdrassigen Einflusses in unserem Volksleben, die Einschränkung des Eigennutzes auf allen Gebieten, soweit er dem allgemeinen Nutzen entgegen handelt, der Wille zur Befreiung des Staates und des sozialen Lebens von der materialistischen Fessel des Finanzkapitals, diese wesentlichen Zielgedanken sind durch alle einzelnen Bedenken hindurch von uns als grundsätzlich richtig erkannt. Die von vielen gefürchtete Einschränkung der geistigen Freiheit durch ein engstirniges nationalistisches Schema fürchten wir nicht, nachdem wir die geistige Oede und Unduldsamkeit des unter dem Scheine geistiger Freiheit wirkenden internationalen Schemas in Kunst, Film und Rundfunk kennengelernt haben. Diese national-sozialistische Bewegung stellt den intellektuell schaffenden bürgerlichen Volksteil vor die letzte Entscheidung, die ihm in der Geschichte unseres Volkes gestellt ist. Wir erwarten zuversichtlich von nationalsozialisti- scher Führung im Staate die Gesundung unseres ganzen öffentlichen Lebens und die Rettung deut- scheu Volkstums und sind entschlossen, jeder an seinem Teil dafür zu wirken. Die Erklärung trägt 51 Unterschriften, darunter die Namen her Professoren Haller, Tübingen; Emge, Jena; Hans F. K. Günther, Jena; Lenard, Heidelberg; Krieck, Frankfurt; Endemann, Heidelberg; Rudolf Herzog, Gießen; Philalethes Kuhn, Gießen; Fabricius, Berlin; Rothacker, Bonn; Jaensch, Marburg; Koellreuter, Jena; Baeumler, Dresden; Hans Naumann, Bonn; Haberland, Köln; Banse, Braunschweig. Vurgsriede vom 31.3uli bis 10. August. Eine Verordnug des Reichspräsidenten erläßt für zehn Tage nach der Wahl verschärftes Versammlungsverbot. Berlin, 29. Juli. (IBIB.) Amtlich. Auf Grund des Art. 48 Abs. 2 der Reichsverfassung wird folgendes verordnet: Für die Zeit vom 31. 3uli 1 932 bis ZUM Ablauf des 10. August 1 9 3 2 sind alle öffentlichen politischen Versammlungen verboten. Als politisch im Sinne dieser Vorschrift gelten alle Versammlungen, die- zu politischen Zwecken oder von politischen Vereinigungen veranstaltet werden. Auch alle politischen Versammlungen unter freiem Himmel, die In sesiumfriedeten, dauernd für Massenbesuch eingerichteten Anlagen stattfinden sollen, sind verboten, wer eine solche Versammlung leitet, in ihr als Redner auftritt oder den Raum für sie zur Verfügung stellt, wird mit Gefängnis bestraft, neben dem auf Geldstrafe erkannt werden kann. Wer an einer solchen Versammlung teilnimmt, wird mit Geldstrafe bis zu 150 Mark bestraft. Zu der Verordnung wird amtlich mitgdeltt: Der Herr Reichspräsident hat durch eine auf Grund des Art. 48 RV. erlassene Verordnung e i n mit dem Wahltage in Kraft tretendes Verbot aller öffentlichen politischen Versammlungen, also auch solcher in geschlossenen Räumen, erlassen, das zu dem in Kraft bleibenden Demonstrationsverbot hinzutritt. Das verbot aller öffentlichen politischen Versammlungen ist auf die Tage vom 31. Juli bis 10. August befristet. Rach der starken politischen Erregung, welche d l e W a h l z e i t mit sich gebracht hat, soll das verbot denpolitischenFrieden fördern. Der Wunsch des Herrn Reichspräsidenten und der Reichsregierung Ist, daß nach durch- fochtenem Wahlkampf die politischen Leidenschaften wenig st ens einige läge lang ruhen sollen. Die letzten Wochen haben, wie der Bevölkerung bekannt ist, außerdem an den Dien st der polijeibeamlen so ungewöhnlich hohe Ansprüche gestellt, daß auch Ihnen eine Ruhe- und Erholungspause gegönnt werden muß. 3ur letzten Landtagssitzung. Neuer Antrag auf Verfassungsänderung. Ein Vorschlag der Bolkvpartei zur Beendigung geschäftsfützrenver Regierungen. Darmstadt, 29. Juli. sWSR.) Ein volksparteilicher Antrag auf Abänderung des Art. 38 der Verfassung fordert folgendes: Artikel 38 Absatz 1 der Verfassung bleibt unverändert. Absatz 2 wird wie folgt verändert: Wenn das Gesamtministerium zurücktritt, so muß es die Staatsgeschäfte solange fort» führen, bis der Landtag den Staatspräsidenten neu gewählt und die von ihm berufenen Mitglieder des Gesamtministeriums bestätigt hat. n? / ^Ablauf des 3 0. Tages nach seinem Rücktritt, oder, wenn innerhalb dieser Zeit der Landtag aufgelöst wird, mit Ablauf des 30- Tages des neuen Landtags, erlischt diese Pflicht. Der Präsident des Oberlan- P e gerichts übernimmt alsdann die Oe* * Hoste des Staatspräsidenten bis zu dessen nach Artlkel 37 erfolgenden Neuwahl und beauftragt für die gleiche Zeitdauer den obersten Beamten in jedem Mini- sterium mit dessen Leitung und mit der Wahrnehmung der Dienstgeschäfte eines Mitgliedes des Gesamtministeriums. Diese Beamten bedürfen nicht der Bestätigung des Landtags. 3m Falle der Verhinderung des Präsidenten des Oberlandesgerichts tritt an seine Stelle der Präsident des Verwaltungsgerichtshofes. 3n einem Eventualantrag wird im Falle der Ablehnung des vorstehenden Antrags verlangt: Artikel 38 Absatz 3 der Verfassung erhält folgende Fassung: Der Landtag kann jederzeit die Abberufung einzelner Mitglieder des Gesamtministeriums verlangen. Dies gilt auch für die Mitglieder eines nach Absatz 2 des Artikels 38 geschäftsführenden Gesamtministeriums. 3m Falle der Abberufung eines geschäftsführenden Ministers hat der geschäftsführende Staatspräsident den obersten Beamten seines Ministeriums mit dessen Leitung und der Wahrnehmung der Dienstgeschäfte eines Mitgliedes des Gesamtministeriums bis zu dessen gemäß Artikel 37 erfolgenden Neuwahl zu beauftragen. Dieser Beamte bedarf nicht der Bestätigung durch den Landtag. Wird der geschäfissührende Staatspräsident abberufen, so übernimmt mit Ablauf des auf die Abberufung folgenden Tages der Präsident des Oberlandesgerichts die Geschäfte des Staatspräsidenten bis zu dessen nach Artikel 37 erfolgenden Neuwahl. Aus aller Well. Der Präsident des Hessischen Landtags. Prof. Dr. Ferdinand Werner, bittet uns um Verösfentlichung folgender Erklärung: 1. Das Verhalten Des Vizepräsidenten Weckler war ein in der Geschichte des Parlamentarismus kaum dagewefener grober Verstoß gegen die Geschäftsordnung, denn das Haus war beschlußfähig, da 35 Abgeordnete als anwesend festgestellt wurden. 2. Es ist unwahr, daß Herr Weckler gegen feinen Willen seit drei Stunden nicht abgelöst wor- ioen sei. Wahr ist, daß ich um 5i Uhr den Präsi- denken Weckler ablösen wollte. Herr Weckler lehnte ab. 3. Erst nach Entfernung der Sozialdemokraten, Zentrumsabgeordneten uno Kommunisten wollte Herr Weckler ab gelöst sein, um sich ebenfalls zu entfernen. Diese Absicht haben Präsident Klostermann und ich durchkreuzt, weil wir um unserer Anträge (Hochwasserschäden, Polizeiübergriffe) willen das Haus beschlußfähig erhalten mußten. gez. Dr. F. Werner. Präsident Werner stellt weiter fest, daß von einer Illoyalität der nationalsozialistischen Fraktion gegenüber den anderen Parteien keine Rede sein könne. Zwischen dem nationalsozialistischen Fraktionsführer Lenz und dem Vizepräsidenten Weckler sei vereinbart gewesen, daß die bei- den Punkte Hochwasserhilfe und Entlassung von Polizeibeamten unbedingt noch erledigt | werden sollten, auch wenn Die Sitzung etwas länger Dauern würde. Die Sitzung habe sich allerdings etwas hinausgezögert und die NSDAP, habe auf selbstverständliche Erledigung bestanden. Da das Zentrum versucht habe, die Behandlung des Polizeiantrags durch Beschlußunfähigkeit des Landtags unmöglich zu machen, indem der Vizepräsident Weckler aus dem Präsidium gezogen werden sollte, habe die nationalsozialistische Fraktion selbstverständlich dieses Manöver durchkreuzt. Der Landtag sei tatsächlich beschlußfähig gewesen, denn bei der Feststellung der Beschlußfähigkeit des Plenums seien nach der Geschäftsordnung alle Stimmen, auch die Enthaltungen, -usammenzurechnen. Der Abbruch der Sitzung sei daher völlig unzulässig gewesen. Die nationalsozialistische Fraktion habe in jedem Falle völlig korrekt gehandelt. Wie wir hören, ist ein Termin für den Wiederzusammentritt des Plenums noch nicht! a n g e s e tz t. In den ersten Aupufttagen Dürfte sich der Aelteftcnrat mit Der Geschäftslage befassen. I Deutsche Baukunst-Ausstellung in Tokio. Im Rahmen der verschiedenen Veranstaltungen, die aus Anlaß des Goethe-Jahres auch in Japan zu verzeichnen waren, hat in Tokio auch eine große Ausstellung n e u z e i t l i ch e-r d e u t s ch er B a u k u n st stattgefunden, die einen außerordentlich großen Erfolg hatte; an der Schlußfeier haben neben anderen hohen Persönlichkeiten auch mehrere kaiserliche Prinzen teilgenommen. Veranstalter der Ausstellung war das deutsch-japanische Kultur-Institut in Tokio. Der Präsident dieses Instituts hat in einem Telegramm allen Iapanfreunden in Deutschland, Die an dem Zustandekommen Der Ausstellung mltgeholsen Haden, seinen herzlichsten Dank zum AusDruck gebrachte die Ausstellung habe bestimmt Das Ansehen Deutscher Kultur und Wissenschaft in Japan gefördert und das ihrige dazu beigetragen, Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern noch herzlicher und verständnisvoller zu gestalten. Autobußunglücf in Frankreich. — Zwei Tole. Wie ein Funkspruch aus Lyon meldet, fuhr ein mit Ausflüglern besetzter Autobus, Der das bekannte Kloster Grande Chartreuse besucht hatte, bei der Rückkehr infolge falscher Steuerung gegen einen Baum. Zwei Insassen wurden getötet, fünf wurden schwer verletzt. Serien mit Renate. Von Harry Schreck. Renates Leben hat als Hintergrund Die klein« Stadt am Rand Der Ostsee, wo Die Bewohner gerne Baurenfeind, Begasse, Wasserstradt umd Fokuhl heißen. Natürlich ist Die kleine Stadt gar keine kleine Stadt. Denn die Begasses und die Wasserstrodts, die Baurenfeinds und Die Fokuhls würDen Das nie glauben; und in Der Tat, sie haben doch ein Rund- fahrtauto, in Dem sechs Fremde Durch Die alten Straßen fahren können; und dann, im Winter haben sie am Stadttheater schon die Dretgroschen- oper aufgeführt. Was kann man mehr von einer Stadt verlangen, zumal Renate selb st verständlich auch in diesen Großstadt-Mauern weilt? Renate — fünfzehnjährig, schlank und neroenlos und straff — tjat jetzt den ehrenvollen Auftrag, den Herrn, Der auf Besuch kam, hübsch zu unterhalten. * Der Herr, der auf Besuch kam, ist zunächst verlegen. Er hat Renate sieben Jahre nicht gesehen und merkt verdutzt, daß er wohl anders reden muß, als er vor sieben Jahren mit Renate redete. Er schaltet ungestüm im Hebelwerk des Gehirns und sucht nach einem Ausspruch, Der nun angemessen wäre. Zu feinem lebhaften Bedauern kommt er bloß darauf, zu sagen: „Ja, wirklich — nein, wie du groß geworden bist! Und wie die Zeit vergeht!" Renate lächelt höflich und mit zarter Nachsicht. Der Herr, Der auf Besuch kam, spürt, daß sein Beginnen nicht gerade glücklich war; er stiefelt schweigend mit Renate durch Die Stadt und hofft sich Daran zu gewöhnen, daß sie heute fünfzehnjäh. rig ist, daß sie ein Baskenmützchen auf Dem kurzen Schwarzhaar trägt, daß sie hochbeinig, schlank und neroenlos und straff an seiner Seite geht und überhaupt nicht ineyr Die frühere Renate ist ... Der Herr, der auf Besuch kam, schaltet immer noch. * Renate schwenkt mit ihm vorerst zum Tennisplatz. Der Herr, Der auf Besuch kam, sieht dort Hartwig Drücke wieder. Indes, dies ist nicht richtig; er sicht ihn aber gar nicht wieder; denn Hartwig Drücke ist nicht mehr der Hartwig Drücke; der Hartwig Drücke, der dort knapp und hort Den hellen Ball ins gegnerische Feld hinüberhaut, ist ein Athlet, ein Heros in dem braunen Glanz von sechzehn Jahren. Er grüßt mit freundlich lärmendem Gebrüll. Renate salutiert mit ihrem Tennisschlägergrisf... Aus der Achteten kehle Hartwig Drückes dröhnt es donnernd: „Was meinst Du dazu ... sechs zu zwei!" Renate lächelt achtungsvoll zurück und fragt Den Herrn, der auf Besuch kam, harmlos aus, was er von Halb klug-Bällen halte unh ob er ihrer Ansicht sei, daß Hartwig geradezu fürs Doppelspiel geboren fei, sofern er nicht so nah ans Netz vorginge und dort nur an den Angriff dächte...? Der Herr, der auf Besuch kam, spielt auch Tennis. * Man geht zu Drltt spazieren durch das Städtchen. Ein schlankes Auto, blau lackiert und nickelglänzend, parkt still an einem Straßenrand; der Herr, Der auf Besuch kam, wirft nur einen schnellen Blick nach Dem Gefährt ... indes, Renate kreist bezaubert und erregt um Nickel, Lack unD Glas herum. „Ich möchte wissen", wendet sie sich an den Herrn, der auf Besuch kam, „ob Der hydraulisch doppelseitig bremst und Vierzylinder-Viertaktmotor hat." Der Herr, der auf Besuch kam, lächelt überrumpelt. Der sechzehnjährige Athlet (Der braun« Heros Hartwig) ist rücksichtsvoll genug, um keine Paus« zuzulassen. „Natürlich, Dierzylinder-Diertalt! Das heißt hydraulisch bremst er schlecht." Renate lächelt achtungsvoll zurück; sie Ist zu höflich, um sich zu verwundern, daß ihr Der Herr, der auf Besuch kam, hier keine Antwort geben konnte; und Hartwig Drücke lärmt Die dumme Pause ruhig zu. Der Herr, Der auf Besuch kam, wird ein wenig rot ... * Der Herr, Der auf Besuch kam, ändert das Gespräch. Er fragt mit einem leisen und befangenen Zaudern, ob wohl Renate gerne lese. Renate lächelt knapp und äußerst höflich, daß sie Dies gelegentlich schon tue. Erleichtert fährt Der Herr, Der auf Be° fud) kam, Im Gespräch fort; er fragt mit einem Eifer, Der ihm selber nicht geheuer ist, was Denn Renate — gelegentlich natürlich — lese. Renate teilt ergeben seufzend mit: „Wallace". Der Herr, Der auf Besuch kam, lieft nicht Wallace. Indes, er wünscht In diesem Augenblick, er hätte Wallace doch einmal gelesen — genau so, wie er wünscht, er kennte sich in Halbslug-Bällen und einem Automotor aus. Er äußert aber leider wider seinen besseren Glauben, daß er ganz andere Dinge schätze, denn Menschen vom Geschmack ... und über- Haupt, nicht wahr, natürlich ... und Menschen von Kultur — (er murmelt eine ganze Zeit so fort). Renate läßt ihn zart, doch melancholisch stehen. * Am nächsten Morgen aber kommt Renate wieder her. Sie lächelt fünfzehnjährig, also höflich ernst, und sieht den Herrn, der zu Besuch kam, liebenswürdig an, um schließlich die Erkundigung an Ihn zu richten, ob er denn in der Tat Damit den Lebensunter, halt verdiene, indem er schreibe, um gedruckt zu werden. Der Herr, Der auf Besuch kam, nickt geschmeichelt und denkt hierbei, daß doch Der Augen- 'schein oft trüge. Wie reizend, daß Renate ... Renate zückt — ermutigt — schnell ein Heftchen. „Wir haben nämlich", meint sie plötzlich leicht bekümmert, „wir haben nämlich Ferienaufsatz; und da ... da habe ich plötzlich gedacht —", „Ach so!" bemerkt der Herr, der auf Besuch kam, „Den sollen wir wohl jetzt gemeinsam machen?" Renates Auge zieht sich überrascht zusammen: „Ich glaube aber, daß es besser wird, wenn einer das allein anfängt. Und dann ... wir haben Drüben grab’ das Grammophon." Der Herr, Der auf Besuch kam, nimmt Die Arbeit an. * Der Herr, der auf Besuch kam, schreibt und brütet. Er kann es manchmal kaum verhindern, daß seine Achtsamkeit vom Thema abschweift, das ein Stu- dienrat ersann. Statt geistreich jenem Sprichwort nachzugehen, Das steif darauf beharrt, daß Wohltun Zinsen trägt — statt dessen sieht er gern zum Grammophon hinüber, in dessen Nähe Hartwig und Renate tanzen. „Wie reizend", denkt er, „doch Renate tanzt — schlank, nervenlos und straff ... I" Renate zwitschert etwas Mahnendes zum Disch hin. Der Herr, Der auf Besuch kam, schreibt und brütet, warum das Wohltun Zinsen trägt. Er schreibt es nicht ganz ohne leisen Unmut ... doch immerhin, er schreibt es in dem philosophisch durchgeformten Stii uhD mit Der Eleganz, auf die er in Der Tat sehr stolz ist. Der Studienrat muß endlich doch einmal erfahren, weshalb, zu welchem Ende, zu welchem Zrvecke 'Das Wohltun auf Der Welt besteht... Renate hofft, «daß er Das „fast genügend" findet. * Der Herr, Der auf Besuch kam, sieht sich (Die Hoffnungslosigkeit Im Blick) nach Beistand um. Er findet ihn; Renates Mutter nickt ihm sreundlich zu. Renates Mutter spielt nicht Tennis; Renates Mutter legt auf Vlerzylinder-kiertakt wenig Wert; Renates Ätutter lieft nicht Wallace, Renates Mutter pflegt auch nicht mit Hartwig Drücke um Das Grammophon zu tanzen. Renates Muster ist gescyeit und liebenswürdig; sie plaudert über Bücher, spricht von Reisen um Die West; sie nimmt sich des Verlassenen an: ja, sie verspricht sogar Den Aufsatz, her von Wohltun und Zinsen handelt, gelegentlich zu lesen und zu loben ... „Es ist ein Jammer", denkt Der Herr, Der zu Besuch kam, „es ist ein Jammer, daß nicht sie Renate ist ... Renate fünfzehnjährig, schlank und straff...!" Der Rekord auf dem Nagelbett. Vielerlei Nekorde werden aufgestellt. Eine« hält Den Nekord im Astsiben, Der andere im Dauertanz, wieder ein anderer ist stolz auf den Nekord, daß es ihm gelungen ist, tagelang hintereinander ohne Pause auf dem Klavier zu spielen. Ehrenvoller wäre der' Nekord desjenigen, dem es gelänge, ebenso lange zuzuhören. Aus triftigen Gründen hat man noch keinen Nekord aufgestellt im „Liegen auf dem Nagelbett". Nägel haben Eigenschaften, die der Aufstellung eines Nekords abträglich sind. Selbst die indischen Fakire werden mit der Länge Der Zeit gegen spitze Nagelmatrahen empfindlich. Aber es steht fest, daß die Fakire im Nucken weniger empfindlich sind, als in ihrer Berufsehre. 3n einem italienischen Varietö produzierte Der Fakir Manetti seine Künste. Er verschluckte Nägel, wie ein Neapolitaner Spaghetti, stach sich Hutnadeln durch die Zunge, als sei es Großmutters Dutt, lies mit bloßen Füßen über scharf geschliffene Degen, dehnte sich behaglich auf dem Nagelbett usw. Kein Stich konnte ihm etwas anhaben. Als ihm aber aus einer Loge zugerufen wurde, daß das alles nur Suggestion sei, da empfand er doch einen Stich. Er parierte mit einer Herausforderung an jedermann. Er wolle sich mit jedem Fakir der Welt in seinen Künsten messen, niemand würde ihn übertreffen können. Es wurde ein Richteramt gebildet, und der Wettkampf soll demnächst in Nom ausgefochten werden. Noch ist unbekannt, welche Kapazitäten auf dem Gebiete der Fakirkünste sich an dem Wettkampf beteiligen werden; das Interesse der Kunstgenossen ist aber sehr groß, und daher kann man heute schon Herrn Manetti angenehme Ruhe wünschen, wenn er sich zur Rekordleistung auf das Nagelbett legt. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 30. Juli 1932. »Bürokratismus in der Stadtpost.^ Zu dem Eingesandt vom 23., „Bürokratismus in der Stadtpost", schreibt uns das Postamt: Auf der Rückseite der Formblätter zu Postanweisungen und Zahlkarten befindet sich außer einer Zusammenstellung der Gebühren die Borschrist des § 51 der Postordnung vom 30. Januar 1929 tAmtsbl. des RPM. Nr. 13 S. 49 und des RGBl. I S, 33), sowie der Postscheckordnung vom 16. Dezember 1927 (RGBl. S. 459), daß der Einlieferer eine Freimarke in Höhe der Gebühr auf die Postanweisung oder Zahlkarte zu kleben hat. Die Post bittet im übrigen durch ihre „Beachtenswerte Regeln für den Verkehr an den Postscholtern", die sich seit jeher als Aushang im Schaltervorraum und auf der Rückseite der Posteinlieferungsscheine befinden, „auf allen freizumachenden Sendungen die Marken vor der Einlieferung aufzukleben, wozu bei Briefsendungen, Postanweisungen und Zahlkarten eine Verpflichtung besteht". Jedenfalls handelt es .sich keineswegs um eine Neuerung, ober um ein Sonderverfahren beim Stadtpostamt, bei dem ja auch Schalterbeamte des Hauptpostamts im öfteren Wechsel tätig sind. Die Bestimmungen, denen sich durch eine kleine Vor- ratshaltung an Marken (Markenheftchen) im Einzel- falle bereits zu Haufe leicht entsprechen läßt, gelten vielmehr für das ganze Reichspostgebiet. Erst recht ist aber bei Massenauflieferung die ooherige Freimachung der Postanweisungen und Zahlkarten geboten, da sich sonst der Aufenthalt anderer Schaltergäste unbilligerweise in die Länge zieht. * Dienstjubiläum beim Gewerbe- a u f s i ch t s a m t. Am 1. August ist Gewerbe- Inspektor Melcher 25 Jahre am Hessischen Gcwerbeaufsichtsarnt Gießen tätig. Aach feinem Dienstantritt am 1. August 1907 erhielt der Jubilar am 1. April 1914 seine Anstellung und wurde am 1. Januar 1927 zum Gewerbe-Inspektor ernannt. Während dieser 25 Jahre hat er seine Diensttätigkeit in vorbildlicher Weise ausgeübt. Die Beamten der genannten Behörde ehrten ihn in entsprechender Weise. ** Dienstjubiläum in der Medizinischen Klinik. Der Dadewärter und Masseur Emst Duckelshauß kann am 1. August auf eine 25jährige Tätigkeit im Medico.mechanischen Institut der Medizinischen Klinik zurückblicken. Dor seinem Eintritt in das Medico-mechanische Institut war er von 1897 bis 1903 als Oberpfleger in der Aniversitäts-Dervenklinik Gießen, später in gleicher Eigenschaft in Halle tätig. Seit dem 1. August 1907 übt er seine gegenwärtige Tätigkeit auS. Der Jubilar erfreut sich bei den Aerzten, bei den Patienten und beim Publikum allgemeiner Beliebtheit. •* S A.- P la tz m u s i k. Die Kreisleitung Gießen der NSDAP, veranstaltet am heutigen Samstag um 19 Uhr in der Südanlage (am Gymnasium) ein Platzkonzert der SA.-Kapelle Friedberg und des Spielmannszuas der Standarte 116. Man beachte die Anzeige in unserer heutigen Ausgabe. " Die Gießener H a u s f r au e n - Bern t u n g (OrtSgruvpe des Deichsverbandes deutscher Hausfrauen-Derein« E. B., Berlin) war — so berichtet man uns — vor kurzem gezwungen, ihren Mitgliedern in einer im 6af6 Leib ab- gehaltenen Genercvl-Dersammlung di« betrübende Mitteilung zu machen, daß ihr« Gründerin und 1. Borsitzende, Frau Elisabeth Koeppe, von Gießen verzieht und aus diesem Grunde ihr Amt niederlegen mußt«. Dach der besonderen Art, die dieser Bund unter der Leitung von Frau Koepp« in seinen Leitsätzen und in seinem ganzen Wirken entfaltet hatte, war es zu verstehen, daß di« Mitglieder Frau Koeppe nur mit tiefstem Bedauern scheiden sahen. Entsprechend den von Frau Koeppe gemachten Dorschlägen wurde di« bisherig« 2. Vorsitzende, Frau W i m b e r , die sich mit Frau Koepp« in die organisatorische Arbeit geteilt hatte, zur 1. Dorsitzenden gewählt, während Frau Kalbfleisch, wie bisher, den mit der Lehrküche und dem Unter- rjchtswesen verbundenen Teil selbständig weiterleitet. Frau W i m be r richtete an die Mitglieder und Gäste die dringende Bitte, noch mehr als bisher auch tätig an den Aufgaben und Zielen dieser Hausfrauen-BerufSorganisation mitzuarbeiten, da die Bürde der Hausfrau auch in Zukunft nicht leichter werden dürfte, im Gegenteil nur durch restloses Auswerten aller durch den Zusammenschluß erzielten praktischen Erleichterungen und der geistigen Anregungen die besonderen Aufgaben der Hausfrau in der jetzigen Dotzeit richtig erfüllt werden können. Eine gemeinsame Abschiedsfeier im Saale von Engelhardt in Annerod für Frau Koepp« brachte in hervorragender Weise zum Ausdruck, wie sehr Frau Koeppe aufs engste mit ihrem Wirkungskreis, der gerade in seiner Entstehung und Anfangsentwicklung viel Arbeit und persönliche Opfer gefordert hatte, verbunden war. 3n mehreren Ansprachen wurde sie gefeiert und durch Gedichte und Dorträge auch aus dem Mitgliederkreise chr die ganze Liebe gezeigt, die sie sich während ihrer erfolgreichen Steilung erworben hat. Auch Frau Koeppe trennt sich nur schwer von dem ihr liebgewordenen Wirkungskreis und legte den Mitgliedern ans Herz, daß der beste Dank in der Treue liege, die auch weiterhin dem Bunde gewidmet würde. Klemstwohniingsbau. - Slkaßenbahnenveilening. Der Gießener Stadtrat hat am 29. Juni einer Vor» läge der Stadtverwallung auf Errichtung von 100 Klein ft Wohnungen beide rje i t s der Krofdorf er Straße zugestirnrnt. Maßgebend für die Annahme dieses Projektes war der Hinweis des Städtischen Wohlfahrtsamts, daß durch diese Kleinstwohnungsbauten den Wohnraumbedürfnissen einer Anzahl Familien, die zur Zeit auf der Mar- garetenhütte untergebracht find Rechnung getragen und eine Entlastung des Wohlfahrtsetats her- beigeführt werden soll. Die Vorlage hatte im Bau- ausschuß einstimmige Annahme gefunden und wurde auch im Plenum des Stadtrats innerhalb weniger Minuten ebenso einstimmig glatt verabschiedet. Sehr bald aber zeigte sich, daß der Weg zur Verwirklichung des Bauvorhabens ernstliche Hindernisse aufweist. Die Bürgervereinigung Sachsenhau- s e n hat in einem längeren Schriftsatz vom 14. Juli bei der Bürgermeisterei scharfen Protest gegen die Errichtung der geplanten Kleinstwohnungen .in der Krofdorfer Straße erhoben. Ferner ist von der Leitung des Landwirtschaftlichen Instituts der Universität im Interesse der Universitätsoer- suchsgüter Einspruch bei der Stadtverwaltung erfolgt. Außerdem haben mehrere Anlieger Klage beim Provinzialausjchuß von Oberhessen gegen jenen Stadtratsbeschluß eingereicht mit der Begründung, daß der Bebauungsplan für diese Bauten weder vom Stadtrat genehmigt ist, noch ein solcher Plan für die Anlieger und Inter- essenten des fraglichen Stadtviertels in der gesetzlich vorgeschriebenen Frist offengelegen hat. Weiter haben 2 7 5 Hausbesitzer, Garteneigen- tümer, Pächter und Mieter des Stadtteils jenseits der Lahn zur Unterstützung des Vorgehens der Bürgervereinigung Sachsenhausen schärfsten Pro- test erhoben, schließlich ist auch ein energischer Einspruch des Ob st - und Gartenbauvereins an die Bürgermeisterei gerichtet worden. In sämtlichen Protestschriften wird geltend gemacht, daß durch die Verwirklichung des Planes des Wohlfahrtsamtes und der Bauverwaltung schwerer Nachteil für das Stadtviertel jenseits der Lahn entsteht und u. a. auch eine Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Versuchsarbeiten auf den Feldern der Universitätsversuchsgüter zu befürchten wäre. Beim Studium der Protestschreiben gewinnt man den Eindruck, daß bei den Vorarbeiten für diese Bauvorlage sehr gewichtige Gesichtspunkte nicht oder nur unzureichend beachtet wurden. Mittlerweile sind auch manchen Stadtratsmitgliedern ernstliche Bedenken gegen die Vorschläge der Verwaltung gekommen. Man gibt zu, daß es wohl am besten wäre, die ganze Angelegenheit noch einmal (ehr gründlich unter d i e Lupe zu nehmen. Dieser Ansicht, die übrigens auch in einer besonderen Sitzung des Vorstandes des Verkehrs- und Verschönerungsvereins allgemein vertreten wurde, möchten wir in vollem Umfange zustimmen. Dom Standpunkt einer weitschauenden Kommunalpolitik aus muß es im höchsten Maße bedenklich erscheinen, wenn man gegen den sachlich gut begründeten Widerspruch eines ganzen Stadtteils ein Vorhaben durchdrücken wollte, dem so viele Schattenseiten wie im vorliegenden Falle eigen sind. Das Projekt der Verwaltung würde bei 100 Kleinstwohnungen zu je 2000 Mark einen Kostenaufwand von insgesamt 200000 Mark erfordern. Zunächst ist die Schaffung von 30 Wohnungen vorgesehen, so daß also unmittelbar eine Ausgabe von 60000 Mark entstünde. Dabei sollen diese Wohnungen — die von der Bürgervereinigung Sachsen- Hausen wohl nicht ganz mit Unrecht als Baracken bezeichnet werden — in einstöckiger Fachwerksaus- siihrung ohne Unterkellerung und ohne Gas- und Elektrizitätsversorgung errichtet werden. Es handelt sich mithin um eine Bausache, der ihrer ganzen Art nach der Charakter eines Provisoriums an- haftet. Wir find der Meinung, daß gerade in der jetzigen schwierigen Zeit, in der die Kommunen mit größten Finanzsorgen zu kämpfen haben, Aufwen- düngen in so erheblichem Ausmaße nicht für eine vorläufige Lösung von Schwierigkeiten gemacht werden dürfen. Wenn man schon für Wohnraum sorgen will und muß, so stecke man lieber d i e Bauziele zunächst etwas enger und schaffe orbeni- l i ck e H ä u s e r, die für die D a u e r Bestand haben. Daoei bestrebe man sich, billig und doch gut zu bauen. Man lasse Einrichtungen beiseite, die man in früheren städtischen Kleinwohnungen geschaffen hat, und die einen gewissen Wohnungsluxus darstellen, den die interessierte Mieterschaft angesichts ihrer geringen Geldmittel zweifellos gern entbehren wird, weil sie ihn doch bezahlen muß, da die Stadtkasse für solche Einrichtungen keine Gelder mehr aufbringen kann. Es erscheint uns auch nicht angebracht, ein einziges Stadtviertel allein mit einem Wohnungsprojekt zu „beglücken", bei dem man nur sehr gemischte Gefühle in der Bürgerschaft auslöst. Die Forderung der Sachsenhäuser, daß im vorliegenden Falle eine Verteilung auf verschiedene Stadtgegenden vorzunehmen wäre, erscheint nicht unbillig. Erwägungen, die mit der Wohnungsbaupolitir an sich nichts zu tun haben und die mehr auf dem Gebiete der Sicherheitsbehörden liegen, dürfen keinen ausschlaggebenden Raum gewinnen, wenn dadurch ein ganzer Stadtteil sich benachteiligt fühlt. Mittlerweile sind nun die Bauarbeiten zum Teil schon ausgeschrieben worden. Die interessierten Handwerkerkreise drängen — was wir durchaus verstehen — auf Zuteilung Der Aufträge, da sie Arbeit Haden möchten. So verständlich und so berechtigt dieser Wunsch des Sau- gewerbes und des übrigen Handwerks ist, so darf doch um den Preis seiner Erfüllung ein s o weittragendes Bauprojekt wie das vorliegende nicht kurz und bündig verwirklicht und der städtebaulichen Entwicklung eines Stadtteils für lange Zeiten Abbruch getan werden, zugleich aber auch die städtischen Finanzen eine Belastung erfahren, die mit einem Provisorium nicht zu rechtfertigen wäre. Hoffentlich wird von den zuständigen städtischen Stellen noch einmal sehr gründlich geprüft, inwieweit an der Vorlage — auch ein Beschluß des Stadtrats kann ja jederzeit durch eine neue Beschlußfassung revidiert werden — grundlegende Aenderungen vorzunehmen sind. Bei dieser Betrachtung drängt sich die Frage der Arbeitsbeschaffung erneut stark in den Vordergrund. Dabei möchten wir wieder einmal die Frage aufwerfen, wann denn eigentlich die Er- Weiterung der Straßenbahn nach Wiese ck in Angriff genommen werden soll. Seit mehreren Monaten sieht diese Angelegenheit im Mittelpunkt des Honens und Harrens weiter Kreise der Bürgerschaft. Die Konzession zu dem Bau ist von der Regierung erteilt worden. An der Möglichkeit der Finanzierung aus der Betriebsrücklage der Straßenbahn kann nicht gezweifelt werden. Uns ist auch nicht unbekannt, daß durch kluge und geschickte Maßnahmen Der zuständigen Verwaltungsstellen eine erhebliche Verbilligung des Erweiterungsbaues möglich sein wird, so daß die Finanzen der Straßenbahn nicht allzu stark belastet werden. Diese Umstände sprechen dafür, den Er- roeiterungsPau nun endlich in Angriff zu nehmen, damit für eine Reihe von Arbeitsleuten und Handwerkern Schaffens- und Verdienst- Möglichkeit erschlossen wird. Darüber hinaus sollte aber auch noch ernstlich geprüft werden, ob man nicht endlich die Jnnenbauarbeiten in dem Schulhaus in den Eichgärten wieder aufnehmen lassen könnte. Die Straßenbahnerweiterung und der Innenausbau des Schulhauses würden für die nächsten Monate in so reichlichem Maße Arbeitsgelegenheit schaffen, daß damit unserem Handwerk für einen möglichen Ausfall bei dem jetzigen fragwürdigen Kleinstwohnungsbauprojekt ein Aequivalent geboten werden könnte. Erforderlich ist aber, daß nunmehr, nachdem schon mehrere wertvolle Sommermonate ungenützt verstrichen sind, rasch und entschlossen entschieden wird, denn eine weitere Verzögerung in der Frage der Arbeitsbeschaffung kann nicht gutgeheißen und vor der schwer ringenden Handwerker- und Arbeiterschaft auch nicht vertreten werden. Robinson mit Vorortskarte. Abenteuer in der Lüneburger Leide. Don Kar! Sy. H. 0er eiserne Bestand. 2US ich am anderen Morgen den stillen Heidepfad «inschlug, der ins Nichts oder ins Abenteuer führte, sagte ich dem Wirt auf feine Frag« nach dem Wohin: »Ich will einen Tag in der Heide kampieren und dann nach Läzen wandern. Proviant habe ich ja. Adschüh." In Katendorf hatte ich mir ein Pfund gemahlenen Kaffee, einige Dollen Zwieback, Salz. Pfeffer und einen kleinen Eimer mit irgendeiner Marmelade gekauft, da ich diesen Dehälter auch als Kochtopf, den Deckel als Bratpfanne benutzen wollte... Ferner eine Tüte Tee, zwei Flaschen — Pardon — Kognak und einen stattlichen Dorrat an Tabak und Zigarettenpapier sowie Streichhölzer. Das alles war im Rucksack verschnürt. In der Tasche meiner Manchesterhosen trug ich ein starkes Messer, einen Trinkbecher, zwei Taschentücher, eine Anzahl Dägel und Bindfaden. An Geld nahm ich in die Wildnis der Heide «inen Silberdollar und rund 30 Mar? mit. Es hätten aber auch 30 Pfennige oder 3000 Mark sein können. Das wäre egal gewesen, denn kaufen konnte ich mir nichts. Aber als ich später mein Robinsonleben abbrach, hatte ich auf einem Fetzen vergilbten Zeitungspapiers eine Anweisung auf «in Vermögen bei mir, wenn nicht... Aber alles der Reihe nach. — Suche nach der festen Bleibe. Ss ist ein weit verbreiteter Irrtum, daß man Abenteuer nur in fernen Ländern finden kann, daß der Glanz der Tropen, die Dacht der Arktis oder das Tohuwabohu fremder Weltstädte dazu gehört, um dem Angewöhnlichen, dem Geheimnisvollen, dem Unerwarteten zu begegnen. Es ist ein Irrtum, aber er ist über die ganze Welt verbreitet. Für jeden Jungen, der heute in Königsberg, in Hamburg oder im Rheinland sitzt und mit sehnsüchtiger Stimme vor sich hinflüstert: .Hongkong" — .Honolulu" — ,O m a h a“, sitzt in den öffentlichen Schulen dieser Städte ein kleiner Ehi- nes«, ein kleiner Hawaianer oder ein kleiner QJanfec vor seinem Atlas und zittert vor Wander- und Abenteueverlust, wenn er die Städtenamen hört, mit dem ihm fremden, lockenden romantischen Klang: .Königsberg" — .Hamburg" — »Wie s ba den". — Das Abenteuer wartet genau wie das Glück nur au oft gleich um die nächste Ecke und wird gerade deshalb übersehen, wie so vieles, was nicht »von weither" ist. And beide tragen nur für zwei Arten Menschen meistens die Tarnkappe: Wer zuviel Geld in der Tasche hat, wird unter der bunten Mask« des Abenteuers fast immer den schalen Depp finden, wer zu arm am Herzen ist, au scharf seinen Dorteil zu berechnen versteht, wird zwar die blaue Blume sehen, sie aber als »unverwertbar" am Wege stehen lassen, um sich der nahrhafteren Kartoffel zuzuwenden. And weiter: Als kürzlich die Meldung und die Photos eintrafen, nach denen ein Berliner Doktor mit seiner Gefährtin einRobinsonlebenauf den Galapagosinseln führe, da ging ein Seufzer des stillen und lauten Deids durch Mil- lionen Herzen: »Ach könnte ich auch einmal heraus. Fort von allem, was mich drängt und quält." Aber mutz eS denn immer die 6übfee feilt bia Galapagosinseln oder ein anderes weltfernes Asyl, das unS zeitweise abschlieht von Steuerzct- teln, Mahnbriefen, Extrablättern und dem Telephon? Kann man nicht auch überall in Deutschland in der Dähe einig« Wochen Robinson sein? Am Lagerfeuer. Diese Gedanken beschäftigten mich, während ich durch den prallen Julimorgen heideinwärtS schlenderte. Jetzt gab eS auch nicht einmal mehr dig Andeutung von Fußpfaden. Soweit das Auge reichte, dehnte sich das sanfte Hügelland mit Heidekraut, das nur hier und dort von Dadel- baurn- und Birkenwäldchen unterbrochen wurde. Ein ganz fernes Tuten verkündete freilich, dah einig« Meilen entfernt noch ein Bimmelbähnchen seinen Fahrplan einhielt. »Hamburger Butterblumen" — zerbrochene Flaschen und Papierreste — bewiesen, dah Wanderer hier kampiert haben mußten. Aber es regte sich nichts. Kein Windhauch, nicht das leiseste Geräusch eines TierlebenS. Dur Ameisen, — große braune Gesellen — krabbelten emsig hin und her. Dach einem dreistündigen Marsch querfeldein machte ich Mittagsrast mit einem anschließenden Schläfchen. Dann ging eS wieder weiter, aber jetzt mit beobachtenden, abwägenden Augen, denn letzt glaubte ich weit genug von der Kultur entfernt zu fein, um mein Dauerlager aufschla- gen au können. Es gab herrliche Plätze, Grotten zwischen mächtigen Steinen, Birken- und Fichtenhaine, wo man leicht ein provisorisches Dach hätte anbringen können, aber allen ging die Hauptsache ab: das Wasser. Gewiß, die Lüneburger Heide ist nicht ganz so wasserarm, wie man vielfach annimmt, aber die Strecken, wo flinke helle Bäche durch den Sand fließen, sind parzelliert, viel bewandert, gegen das Robinsonleben gewissermatzen gesetzlich geschützt. Schon dämmert« der späte Abend, als ich endlich den idealen Fleck entdeckt zu haben glaubte. Es war wieder ein kleiner Kiefernhain inmitten zweier Heidedünen, und vielerlei Tierspuren kündeten mir an, daß sich in der Dähe eine Rehtränke befinden mutzte. Es dauerte nicht lange, bis ich sie fand, ein Tümpel von Zimmergröße, aber mit kühlem wenn auch etwas unklarem Wasser, also wahrscheinlich eine Sickerquelle. An diesem Abend verzichtete ich darauf, mir mein Menü aus den Erträgnissen des toten Landes herzustellen. Ich kochte Kaffee, tat statt der fehlenden Milch einen Schuh Kognak hinein, ah einige Zwiebäcke, paffte zwei Zigaretten und schlief, lang auf dem Heidemoos hingestreckt, unter freiem Himmel ein. — And als mich am taufrischen Morgen die ersten Strahlen der Sonne und das heimische Dogel- konzert weckten, da hatte ich zwar an meiner Aase ein Stückchen Spinngewebe, an meinem Arm krabbelten drei Ameisen, das Kreuz fühlte sich nach Gußeisen an und im Magen spürte ich eine merkwürdige Kälte, wie immer nach einer Dacht unter freiem Himmel, aber mir kam es auch vor. als ob mir zehn volle Jcchre vom Buckel gefallen seien, als ob nicht zwei Eisenbahnstunden östlich das groß« Hamburg läge... (Fortsetzung folgt.) Buntes Merkwürdige Eides-Zeremonie. Infolge der Entdeckung von Goldfeldern in der afrikanischen Kenja-Kolonie sind in das Ein- geborenen-Schuh-Gebiet von Kakamega viele Abenteurer eingedrungen, die hier schnell reich werden wollen. Der Deger bemächtigte sich infolgedessen große Aufregung, und sie fürchteten, dah sie ihr Land verlieren könnten. Am sie zu beruhigen, veranstaltete der englisch« Gouverneur Der Kenja-Kolonie Sir Joseph Byrne eine Versammlung in der Dähe der Goldfelder, an der Tausende von Eingeborenen teilnahmen, und versicherte, daß die Regierung dafür sorgen werde, dah sie nichts von ihrem Eigentum verlieren sollten. Als der Gouverneur seine Rede beendet hatte, bat ihn ein alter Häuptling, er möge, um sie ganz zu beruhigen, seine Zusicherung nach den alten Kakamega-Drauchen beschwören. Er brachte einen • Hund herbei und ein altes Schwert und forderte Sir Joseph auf, den Kopf des Hundes zu halten, während er selbst als Vertreter seines Volkes den Schwanz ergreifen werd«: bann sollte der Gouverneur mit dem ^eiligen Schwert den Hund in zwei Teile zerschneiden, dah das Blut weit nach allen Richtungen hin verspritze, und geloben, dah das Land für alle Zeit den Eingeborenen gehöre. Der Beamte sah infolge dieses merkwürdigen Ansinnens zunächst recht verdutzt drein, dann aber faßte er sich und lehnte diese Eideszeremonie ab, indem er versicherte, fein Wort genüge. Zrühstückskäse, Liebe und Betrug. Fräulein Meta Z. erhält eines TageS einen Brief auf feinem weihen Büttenpapier mit folgendem, sehr pompös gedruckten Kopf: »Wachholz und Dühsam G. m. b. H. Lebensmittel en gros und en detail. Spezialität Frühstückskäse." Fräulein Meta Z. ist begeistert, und ein jungfräuliches Herz in vorgerücktem Alter schlägt höher. Schreibt nicht Herr Wachholz persönlich, der stattliche Herr Wachholz, der die besten Mannesjahre erst um Weniges überschritten hat? And weih sie. Meta Z., nicht ganz genau, daß Herr Wachholz nicht nur eine Generalvertreterin sucht, sondern, dah er darüber hinaus ein Herz hat, das sich nach Liebe sehnt? Fräulein Meta Z. wußte zu diesem Zeitpunkt nur eines noch nicht: sowohl die G. m. b. H., als auch das liebessA- nende Herz waren nur Atrappen für zwei ge- rissen« Heiratsschwindler, die eine große Anzahl ältere Mädchen um ihre letzten Ersparnisse betrogen haben. An einem schönen Maientage lernten sich auf dem Gefängnishof Wachholz und Rühsam kennen und berichteten sich gegenseitig, angeregt durch die Frühlingsatmosphäre über ihre zahlreichen Gr- folge in der Liebe. Dühsam, der jüngere, war ein findiger Kopf, er hatte seine Tüchtigkeit auch dadurch bewiesen, dah er im Gefängnis während eine« Jahres 700 Mk. mit Tütenkleben verdiente. Rühsam schlug die G. m. b. H. vor. Vachholz Allerlei. als der Qleltere und Erfahrenere hatte die Ausgabe, die Dräute erst einmal herbeizuschaffen. War er selbst zum Heiraten nicht mehr begehrenswert genug, so sprang Rühsam als der Jüngere gern ein. Don der Firma bestand nicht mehr als der Briefbogen. Konferenzen mit den betreffenden Damen wurden in der Wohnung der Freundin von Wachholz abgehalten, die einen nicht sehr angesehenen Berus ausübte. Diese Wohnung wurde jeder Braut als Morgengabe des Bräutigams versprochen. Jahrelang konnten die Betrüger dieses Spiel ungestört fortsetzen. Keine der Betrogenen wurde mißtrauisch, — bis jetzt endlich der ganze Schwindel herauskam. And vor Gericht erschien in langem Zuge die Reihe der Dräute. Man möchte den Kopf schütteln, ob der Tatsache, dah diese Mädchen, die so versorgt und nüchtern aussehen, deren Bewegungen, deren Sprache so eckig und altjüngferlich sind, sich von diesen Detrügern Liebe vorzaubern und di« letzten schwer erarbeiteten Geldstücke auS der Tasche ziehen lassen konnten. — Wachholz erhielt drei Jahre Zuchthaus, Rühsam drei Jahre Gefängnis. Oer Mörder von Schwanheim stellt sich der Polizei. WSN. Frankfurt a. M., 29. Juli. Wir berichteten gestern über eine Bluttat, Die sich im Frankfurter StaDtroalD zugetragen hat unD bei Der einem 18jährigen Mädchen mit einem Rasiermesser mehrere Schnitte in Den Hals beigebracht würben, Die den sofortigen Tod herbeige- führt haben. Der Täter, ein 30jähriger Optiker Wilhelm Wied aus Münster bei Stuttgart, hat sich gestern auf einem Polizeirevier in der Innenstadt s e l b st g e st e l l t. Er ist die ganze Zeit in der Stadt umhergeirrt, und da er ziemlich mittellos war, sah er keinen anderen Ausweg, als sich der Polizei zu stellen. Er gibt die Tat zu, erklärt aber, von dem Mädchen, das lebensüberdrüssig gewesen sei, zu der Tat mehrfach gedrängt worden zu fein. Er selbst habe nie die Absicht gehabt, Selbstmord zu begehen. Wegen Totschlags in Llntersuchungshast WSN. Mainz, 29. Juli. Der Polizeibeamte Adam Jung,, der am vergangenen Samstag den 19jähriaen Maurer Gustav Go'ld durch zwei Kopfichüsfe derartig schwer verletzt hatte, daß dieser am Mittwoch gestorben ist, ist jetzt in Haft genommen worden. Durch die Zeugenaussagen wurde festgestellt, daß der Beschuldigte an dem betreffenden Tage dienstfrei war und rm Lause des Abends ein Kino besucht hatte. Er begab sich später in drei verschiedene Wirtschaften, in denen er abwechselnd Bier und Wein trank. Der Verhaftete wurde in das Landgerichtsgefängnis überführt. Sprechstunden der Redaktion. 1L30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstag pachmittag geschloffen. __ S.jf.-fpor/ Vor dem Abschluß der 13. Rhön. Die vorläufigen Wertungen. 3m Verlauf des Freitagvormittag kehrten die am Vortage auf Strecke gegangenen Flieger wieder ints Fliegerlager Wasserkuppe zurück. Auch der heutige Lag brachte eine kleine Sensation: Dem unermüdlichen württembergischen Hebungß- flieget Haken-Jost gelang es auf „Lore", die Bedingungen des Milseburg-Preises zu erfüllen, der mit 2500 Mk. dotiert ist. Dem eifrigen 3imgflieger fällt damit auch der „Rehring-Ge- dächtnis-Preis" des Kreises Gersfeld zu. 3m älebungs-Wettbewerb kommen als erste Anwärter für den 1000-Mark-Preis für die größte Ge- samtflugdauer der 3unioren in Frage: Ditt- mar mit 181/» Stunden, 3ans mit 11^/. Stunden, und Renner mit 81/* Stunden. Bel den fortgeschrittenen Segelfliegern stehen an erster Stelle im Preise für die größte Flugdauer Hake n - 3 o st mit 201/o Stunden, Peters mit 16Vr Stunden, und Künzer mit 8 Stunden. 3m I500-Mk.-Preis für die größte Gesamthöhe führen Haken-Jost mit 2320 Meter, der Pole La - p a t n i n k nut 1530 Meter, und Dittmar mit 1370 Meter. 3m Streckenflug liegt Peters an erster Stelle (45,9 Kilometer) vor Di11mar (43,5 Kilometer) und Haken-3ost mit 42,2 Kilometer. Aller Voraussicht nach dürfte Haken-Jost mit Dittmar als Sieger aus dem plebungs-Wettbe- werb hervorgehen. 3m Leistungs-Wettbewerb steht noch der Fern-Ziel-Flug aus. Den 1500-Mk.-Streckenflug und Ermunterungs-Preis für die Flieger, die noch keine 30 Kilometer geflogen haben, konnten sich Deutschmann mit 66,4 Kilometer, und Pernthaler mit 59,2 Kilometer sichern. Der Fern-Segelflug-Preis, der mit 2500 Mk. ausgeschrieben ist, fällt an Wolf Hirth mit 154 Kilometer und Mayer -Stettin mit 125 Kilometer. Mayer konnte auch die Bestimmungen deS Höhen-Forschungs-Preises erfüllen. Da mit dem heutigen Tag die Zahl der Flüge auf 450 gestiegen ist, rechnet man damit, daß die Dor- jahressumme von 500 Flügen wieder erreicht wird. Olympisches Tagebuch. 3um Beginn der Olympiade. Los Angeles' männliche Pythia äußerl sich ... In letzter Minute wurde zu den olympischen Vorbereitungen ein großer Fachmann zugezogen — nämlich der Hellseher von Beverley Hills, der Villenvor- stadt von Los Angeles. Er sollte sich über die Aussichten der nationalen Mannschaften äußern. Wie lautete seine Prophezeiung? Im Gesamtklassement werden die Japaner an erster Stelle, die Amerikaner an zweiter, und die Deutschen an dritter Stelle stehen. Aenderungen vorbehalten! Soweit der Spruch der männlichen Pythia von Kalifornien. Noch interessanter als das, was er sagte, ist vielelicht, was er verschwieg. Man hätte gern erfahren, ob der finnische Meister Nurmi endgültig zum Marathon-Lauf zu- gelassen werden wird, ob Ben Castmnn seinen körperlichen Zusammenbruch überwinden wird, ob Metzner, unbeschadet seiner verstauchten Zehe, ob Paul de Bruyn trotz seines Uebertrainings gut abschneiden wird ... 200 hoffnungsfrohe Japaner sind da! Diese Männer, deren Können der Hellseher so hoch einschätzt, sind in drei Raten, auf drei Schiffen, in der phantastischen Stärke von 203 Mann in Los Angeles eingetroffen. Allein 150 von ihnen find aktive Leichtathleten, der Rest besteht aus Journalisten, Trainern, Köchen. Es find sehr ehrgeizige Leutchen, diese Japaner. Sie setzen alles daran, um die übernächste Olympiade des Jahres 1940 für Tokio zu sichern. Sie haben bereits einen heiligen Eid darauf abgelegt, daß in ihrem tausendjährigen Kalender für dieses Jahr kein Erdbeben vorgesehen ist. Zum Zeichen ihrer unverbrüchlichen Treue für Olympia haben sie bereits die Häuschen aufgcfauft, die sie in der olympischen Siedlung während der Zeit der Wettkämpfe bewohnen werden. Sie wollen sie im Triumph über den Stillen Ozean bringen, um sie auf japanischen Boden zu verpflanzen. Vielleicht wollen sie sie auch in Gold rahmen lassen. Neues aus dem deutschen Lager. Aber noch vor Tokio 1940 ist Berlin 1936 an der Reihe. Den Deutschen werden allenthalben in Los Angeles die größten Sympathien entgegengebracht. Sie haben es verdient. Sie sind so fleißig, wie der deutsche Michel es im Bilderbuch zu sein pflegt. Namentlich die deutschen Sprinter bestechen durch glänzende Form. I o n a t h ist ganz groß — selbst nach amerikanischem Urteil. Und wenn Metzner seinen Verband, den er an der einen Zehe trägt, rechtzeitig ablegen kann, so wird auch sehr ernsthaft mit ihm zu rechnen sein. Ob die amerikanische Sprin- termannschast tatsächlich die deutsche schlagen kann? Die beiden populärsten Figuren im deutschen Lager sind übrigens der Münchner Schwerathlet Rudolf I s m a y r , ein prächtiger Bursche, und die Wiener Athletin Mady E p p l i, die so viel kann wie drei Schlangenmenschen und Aga, die schwebende Jungfrau, zusammengenommen... Bittersüßen Gesichts läßt Uncle Sam zwei Neger für Amerika laufen. Das heißt — da sind immerhin in der amerikanischen Mannschaft zwei Gentlemen, die den Deutschen eine harte Nuß zu knacken geben werden. Metcalfe und Tolan. Und — Wunder über Wunder! — beides sind Neger. Hier hat im Sport sich einmal wirkliches Können allen Rassenvorurteilen zum Trotz durchgesetzt. In den Vorkämpfen ließen alle beide die weiße Garde hinter sich. Mit sauersüßem Lächeln haben die Amerikaner diese ausgezeichneten Sportler als ihre Spitzenkandidaten für kurze Strecken nominiert — was blieb ihnen schließlich auch anderes übrig? Denn ihre Kurzstreckenläufer gehören nicht unbedingt zur ersten Weltklasse. Die Stärke der Amerikaner liegt in den großen Distanzen von 400 und 800 Meter. Sie liegt in darr und Eastman — wenn Eastmann überhaupt im olympischen Stadion starten kann. Wasser — stark gefragt! Sehr aufschlußreich ist es, den Kassenapport für die ersten olympischen Tage durchzusehen. Da stellt sich heraus, daß, obwohl die leichtathletischen Veranstaltungen naturgemäß den Kern des olympischen Programmes bilden, jetzt schon sämtliche Karten für die Schwimmtage restlos vergriffen sind. Auch bei fliegenden Händlern ist keine einzige Karte mehr erhältlich. Von diesen Vorführungen scheint man sich Wunderdinge zu versprechen. Birken für Finnland. Nicht nur für die Trainingsmöglichkeiten, sondern auch für das Wohlergehen der einzelnen Sportler ist denkbar intensiv vorgearbeitet worden. Ein Beispiel: Dor wenigen Tagen traf aus Alaska ein großer Posten Birkenzweige ein. Für wen? Für die finnische Mannschaft. Und wozu? Nun, die Finnen können es nun einmal nicht lassen, sich in ihrem Dampfbad nach der Kur mit Birkenzweigen abreiben zu lassen. Für sie ist nun einmal ein Dampfbad ohne Birkenruten kein finnisches Dampfbad. Der Olympia-Film fehlt nicht! Die aktuellste aller Filmreporter, der pfiffigste aller Hollywooder Routiniers, Douglas Fairbanks, hat noch vor Beginn der olympischen Spiele einen besonderen Olympia-Film herausgebracht, der hier als besondere Sensation vorgeführt wird. Natürlich muß er der Hauptdarsteller fein. Allerdings glaubt man ihm noch, dem rüstigen Herrn, seine sportlichen Fähigkeiten. Gelegentlich, etwas weiter im Hintergrund tauchen bann auch die richtigen Sportkanonen auf. Barnes, der Stabhochspringer, ist dabei, der Sprinter Wykoff, der Leichtathlet Brix. Merkwürdigerweise alles Leute, die nicht zur amerikanischen Mannschaft gehören. So ist die Propagandaaktion, als die dieser Film in ziemlich anspruchsvollem Maßstab gedacht war, ein wenig ins Wasser gefallen ... Kaffee! Kaffee! Die brasilianische Mannschaft ist hier mit einem großen Sack Kaffee eingetroffen, aus dessen Erlös sie ihre Ausgaben zu decken hofft. Ihr Hauptquartier ertrinkt in schönen, ungerösteten Kaffeebohnen. Allerdings stehen ihre Aussichten in dieser Beziehung herzlich schlecht. Denn Los Angeles hat mehr als genug Kaffee für die 325 300 olympischen Gäste. Und sogar in Brasilien soll man ja wiederholt Kaffee ins Meer geschüttet haben, nur um die Preise dieser billigen Ware hochzuhalten ... Los Angeles Hal das Geschäft schon sorgfältig ausgerechnet. Am 30. Juli wird über dem Haupteingang der Olympiade jene Fackel angezündet werden, die 16 Tage lang ununterbrochen den Kampfplatz beleuchten soll. Diese Olympiade soll ein lichtvolles Unternehmen werden — in mehr als einer Hinsicht, lieber den Sport hinaus verspricht sich der Staat Kalifornien Wunderdinge von dieser Sensation. Er hofft nämlich auf ein ganz großes Geschäft. Man hat ausgerechnet, daß etwa 325 300 Bssucher zu den Wettkämpfen in Los Angeles erscheinen werden. Diese Leute werden während der 16 Tage zur Deckung ihres Lebensbedarfs eine tägliche Durfchnittsfumme von 1 977 900 Dollars ausgeben. Dies ergibt, wenn man die Eintrittskarten zum Stadion noch nicht einmal mitrechnet, eine Gesamtsumme von 37 581 400 Dollars die der olympischen Stadt zugute kommen sollen. Diese Rechnung basiert auf der Statistik des vorigen Jahres, aus der hervorgeht, daß jeder Besucher Südkaliforniens sich durchschnittlich 19 Tage in diesem Lande aufhielt und durchschnittlich 6,08 Dollars am Tag ausgegeben hat. John Becker. Um den Davispokal. Frankreich—Amerika nach dem ersten Tag 2:0. Entgegen den Erwartungen konnten die Franzosen im Endkampf um den Davispokal in Paris bereits am ersten Tage eine Führung von 2:0 herausholen. An einem französischen Endsiege ist kaum noch zu zweifeln. Den ersten Kamps des Tages gewann der wieder herangezogene alte B o r o t r a gegen den amerikanischen Meister und Wimbledonsieger Bin es mit 6:4, 6:2, 3:6, 6:4. 3m zweiten Kampf des Tages gewann Henry C o che t gegen den Amerikaner Allison 5:7, 7:5, 7:5, 6:2. Allison war von den Amerikanern an Stelle von Shields für die Einzelspiele eingestellt worden. Die Vankees hatten keinen schlechten Griff getan, denn Allison setzte Frankreichs „Aß" einen starken Widerstand entgegen, wie die knappen Ergebnisse der ersten drei Sätze beweisen. Die Amerikaner führen damit 2:0. Kurze Sporinoiizen. Anerkannt wurde vom DSV. der am 13. 3uli von Gerda Stegemann aufgestellte deutsche Rekord im 800-Meter-Kraulschwimmen mit 13:06,4. Gar Wood, der amerikanische Motorbootrennfahrer, hat noch nicht die Absicht, den Weltrekord von Kaye Don schon m nächster Zeit anzugreifen. Er wird diesen Versuch erst nach dem Rennen um die Harmsworth-Trophae unternehmen. * Zu den deutschen Rudermeister- sch asten in Passau haben 40 Vereine mit 119 Booten und 507 Ruderern gemeldet. Eine Vereinsfusion gab es in Worms, wo sich Alemannia und Olympia Worms zu einem Verein zusammengeschlossen haben. * Eduard Martini, der bekannte süddeutsche Fußballführer, ist am Mittwochabend in Nürnberg an einer Fleischvergiftung gestorben. Wieder ein neues Verkehrsmittel. Neue dieselelektrische Triebwagen mit 100 Kilometer Geschwindigkeit. WSR. Frankfurt a. M., 29. 3uli. Die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. setzt zum erstenmal einen schweren dieselelektrischen Triebwagen für den Personenverkehr ein, welcher von der Eifenbahn-Verkehrsmittel A. G. Berlin, Werk Wismar, in Verbindung mit den Maybach-Motorenwerken Friedrichshafen erbaut worden ist. Diese Wagen sollen zunächst auf den Strecken Frankfurt—Wiesbaden, Frankfurt— Mainz und Frankfurt—Darmstadt verkehren. Zwei weitere Wagen werden voraussichtlich in Kürze folgen. Diese drei Wagen sollen den Dienst der bisherigen Dampfkleineilzüge übernehmen. Sie werden eine Geschwindigkeit von 95—100 Kilometer entwickeln. Der Triebwagen enthält 16 Plätze 2. Klasse und 56 Plätze 3. Klasse. Die Heizung geschieht durch das Motor-Kühlwasser. Die Beleuchtung ist elektrisch. Der Antrieb geschieht durch einen 12-Zylinder-Mahbachmotor von 410 PS. Die Steuerung des Triebwagenzuges kann sowohl vom Triebwagen, als vom Anhänger aus erfolgen, so daß ein Wenden nicht notwendig ist. Heute vormittag fand eine Probefahrt dieses neuen Verkehrsmittels statt, zu der die Presse eingeladen war. Sanft gleitend verließ der Wagen die Bahnhofshalle und hatte schon bald eine erhebliche Geschwindigkeit erreicht, ohne daß man dabei auch nur im geringsten irgendwelche Erschütterungen verspürte. Mit 70 Kilometer schon ging es über die Mainbrücke, und in Reu-3senburg hatte die Maschine 100 Kilometer „drauf". 3n knapp 20 Minuten war Darmstadt erreicht. Auf der Rückfahrt das gleiche Gefühl einer angenehmen Reise. Viel ruhiger und sanfter wie in den Eil- oder Schnellzügen sausen wir dahin, und dabei hat man absolut nicht den Eindruck, als ob man mit 100 und mehr Kilometern durch die Landschaft rast. Zurück dauerte es gar nur 17 Minuten. Wirtschaft. • Frankfurter Maschinenbau AG., vorm. Pokorny & Wittekind, Frankfurt a. M. 3n der heutigen Generalversammlung der Franlfurter Maschinenbau AG., vorm. Pokorny & Wittekind, Frankfurt a. M., wurde der Abschluß für das Geschäftsjahr 1931 einstimmig genehmigt. Die Verwaltung bemerkte hierzu, daß sich die durch die Sanierung ermöglichte reichliche Dotierung der Reservekonten sehr bewährt hätten, so daß man noch in das Jahr 1932 mit einer Sonderreserve hätte eintreten können. Der Beschäftigungsgrad in der Maschinenindustrie sei nunmehr auf 27 Prozent des Solls herabgesunken, bei der FMA. sei der Prozentsatz noch geringer, da bei ihr die in dieser Zahl berücksichtigten Russenaufträge fehlten. Die Höhe des Auftragsbestandes sei völlig unzureichend, und man bemühe sich weiter, die Unkosten dem Produktionsrückgang entsprechend zu senken. Gegenüber manchen Anzeichen, daß dec Tiefpunkt der Krise überschritten sei, wäre die Verwaltung skeptisch. * Wayß & Frey tag AG., Frankfurt a m M a i n. 3n der gestrigen GV. wurde der bekannte Abschluß für das Geschäftsjahr 1931 32 ohne Aussprache genehmigt, ferner wurde Mitteilung gemäß § 240 HGB. gemacht. Vorstand und AR. wurden entlastet und es wurde der Verwaltung die Erlaubnis zur Errichtung der „Baugesellschaft Wayß & Freytag AG." in der vor- geschlagenen Art erteilt. Dor dem Eintritt in die TO. machte der Vorsitzende einige Ausführungen über die Ereignisse, die zu der Kapitalzusammenlegung 12:1 geführt hätten. Sieber das Wesen der beiden Gesellschaften erklärte der Vorsitzende auf Anfrage, daß die alte Wayß & Freytag nur mehr die noch laufenden Arbeiten, mit Ausnahme der auf die neue Gesellschaft übertragenen Bauten in Dünkirchen und 3stanbul, erledigen und keine neuen Aufträge mehr entgegennehmen wird. Bei Dünkirchen handele es sich um ein langfristiges Geschäft bis 1935, an dem die Gesellschaft in Gewinn und Risiko zu einem Drittel beteiligt sei. Auch nach Ablauf des Hoover-Jahres« würden für die Durchführung keine Schwierigkeiten erwartet. Der Auftrag für die Kanalisation in Istanbul sei um eine Kleinigkeit gekürzt worden, was jedoch durch die Vergrößerung des Auftrags für Pera mehr als ausgeglichen würde. Für die holländischen Bauausführungen stelle die Ballast Mij. Kapital zur Verfügung. Von den deutschen Behörden seien der Gesellschaft verschiedene Projekte zur Bearbeitung überwiesen worden. Die Finanzierung der neuen Gesellschaft sei durch sichere Debitoren, durch die laufenden Einkünfte und durch die holländische Firma gesichert. * Finanzhilfe f ü r Junkers Hauptbüro und Forschungsan st alt. Zwischen den drei Banken, DD-Bank, Commerz- und Privatbank und Abteilung Anhalt-Dessauische Landesbank der ADCA. einerseits und Professor Junkers anderseits ist unter Mitwirkung von Staat und Stadt Dessau ein Abkommen zustande gekommen, wonach die Banken Professor Junkers Mittel zur Befriedigung der Angestellten des Junkersschen Hauptbüros und der Forschungsanstalt zur Verfügung stellen. Damit ist ein weiterer Schritt auf dem Wege zur befriedigenden Ordnung im Rahmen des Vergleichsverfahrens getan worden. Frankfurter Abendbörse behauptet. Franksurt a. M., 29. Juli. Nach den Befestigungen zum Schluß des Mittagsverkehrs setzte die Abendbörse aufgrund der meist schwächeren Auslandsbörsen zunächst nur knapp behauptet ein, zumal man auch wegen der Wahl wieder Zurückhaltung bekundete. Später wurde die Haltung wieder fester, wobei man auf die im Verlauf befestigte Neuyorker Börse verwies. IG. Farben stiegen bis auf 88,5 v.H. nach einem Eröffnungskurs von 88,13 v. H., um aber im Verlaufe wieder auf 88,25 v. H. abzubröckeln, ba von Großbankseite etwas Material abgegeben wurde. Die Umsätze hielten sich in engen Grenzen. Der Renten markt lag zwar sehr ft i 11, die erhöhten Kurse für deutsche Anleihen und Reichsschuldbuchforderungen blieben aber behauptet. In Goldpfandbriefen fanden keine Umsätze statt. Neubesitzanleihe 5,70, Altbesitzanleihe 45,5, Reichsbank 125 5, Gelsenkirchen 32,75, Phönix 14,25, Stahlverein 12,25, AEG. 28.25—28,5, IG. Farben 88,13 bis 88,25, Gesfürel 60,25, Schuckert 64,39. Südd. Zucker 107, Reichsbahn-VA. 75,5, Hapag 12. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Deolfenmatfl Berlin — Frankfurt a. M. Berlin IVranftun a. M. .yranliur. u. Dl. ■öeriiu e»;;6- SÄ' börie I börse 28.7. ! 29.7 Datum 88.25 88,25 86,9 86,65 40,5 42,65 68,5 68 31,5 32,5 78,75 79,5 68,5 Banknoten. 68 6,5 Datum | 4,65 3,25 3,35 3,35 4,05 31 36 31 17,13 32,25 24,25 10,5 1,05 6 12 2 9 11 14 12 8 7 7 0 3,3 3,3 8 7 8 133.25 16.5 32,25 24.75 31,5 36 31 4 62 66,15 17 32.65 25.25 o| • 0 . 6 . 7 . 9 KD io ey. 45,5 5,7 10,25 1,05 6 6,5 7.4 3.75 17,25 3.6 17 4,9 3,25 . 5 . 8 . 0 . 6 10 . 6 . 6 . 0 . 8 *Vi 10 . 6 133,5 17 32,25 25 I Franktuner Maschinen . . Gritzner........ Mamkrastwerke Höchst a. M. Süddeutscher Zucker . . . Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o H, Lombardzinsfuß 6 v. H. 28.7 29.7. 4% Oesterreich«cke Golvrenie . . 4,20% Oesteneichische Silberrente 4% Ungarische Goidrente .... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4Y,% desgl. von 1913 .... 6% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie I . . . . 4% desgl. Serie II..... fr%fRumän. vereinh. Rente 0.1903 4^,%Rumänseretnh.Rentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente i Anatolier..... Schultheis Patzenhoser . . . Aku «Allgemeine Kunstseide) Bemberg......... Zellstoff Waldhos..... Zellstoff Aschaffenburg . . . Dessauer Gas...... • Daimler Motoren . . . . Deutsche Linoleum . . . . Orenstein & Koppel . . . . Leonhard Tietz...... SvenSka......... Thade.......... Philipp Holzmann . . Zementwerk Heidelberg Cementwerk Karlstadt. Wayß & Freytag . . 5rant|urt a. M. JJerlin Schluß- kurs Schluß«. Abend« börs- Schluß« lure Schluß!. Mlltag- börse ■Datum 28 7 297 28 7. 29 7 Rieveck Monian . . . . . . 7,2 — — — — Vereinigte Stahlwerke . ... 4 12 12,25 12,5 12,13 Otavi Minen .... . . 16’/, 10,5 11 10.65 11,25 Kaliwerke Aschersleben . . . 10 91 —— 91.5 93 Kaliwerke Westeregeln . . . 10 101 102 100 102 Kaliwerke Salzdetsurih . . . 15 159 161 159 160 28-Juli 29. Juli Amllichc Notierung (Viflh | Stic1 Amtliche Notierung Geld 1 Arie' Helsingfor« . Wien...» 6,374 6,388 6,344 6,356 51,95 52,05 51,95 52,05 Prag . . . 12.465 12,485 12,465 12,435 Budapest . . — — — — Sofia . . . 3,057 3,063 3.057 3,063 Holland . . 169,63 169,97 169,53 169,87 Oslo. . . . 74.28 74,42 73,93 74,07 Kopenhagen. 79,87 80,03 79,42 79,58 Stockholm . 76.07 76,23 75,72 75,88 London. . . Buenos Aires 14,81 14.89 14,73 14.77 0,918 0,922 0,913 0,917 Neuyork . . 4,209 4,217 4.209 4,217 Brüssel. . . 58.30 58,42 58,31 58,43 Italien. . . 21,44 21,48 21,42 21 .46 Paris . . . 16,475 16,515 16,465 16.505 Schweiz . . 81,84 82,00 81,77 81,93 Spanien . . 33,62 33,68 33,72 33,78 Danzig. . . 81,97 82,13 81,92 82,08 Japan . . . 1,159 1,161 1.159 1,161 Rio De Ian.. 0,325 0,327 0,325 0,327 Jugoslawien. 6,693 6,707 6.693 6.707 Lissabon . . 13,59 13.61 13,49 13,51 Schluß« kurs Schluß!. Abend« börse Schluß» turs Schluß!, mittag« börie 28 7 29 7. 28 7. 29.7. 11,25 12 11,5 12 — —— — — — — — 17,5 12,75 13,5 13 13,4 28 29 28,5 29,5 90 89 90 89,5 16 16 53,5 53.5 18,25 18,5 18,5 18,5 75 75 75 75 18,25 18,5 18,5 18.5 124 125,5 124,65 125,65 27 28,5 27,25 28,13 ■ —— —— 21 — — 60 59 69,5 72.5 69,5 72 36 36 35,75 37,25 57,5 60,25 58,5 60,25 64.5 — 65 63,5 62,25 64.4 62 63,5 121 121 120.9 121,25 79,5 82 — 81,65 25,5 26 25.5 26 69.25 71,5 69,65 70,75 32,5 32.75 32,75 33,25 49 50,5 49,25 50,75 — 21,13 22 — — 128,5 126 — —— 92 93 —— 21,5 21,75 21,5 36,5 36.4 36 36,75 1 . 11 11 — 11 — 29.25 30,13 14,25 14,25 14,4 14,5 173 172 173 171 46,5 47.5 47 47,25 62.5 62 Hamburg-Amerlla Pakei 66,25 66,75 Hamburg-Südam. Dampfschiff 57.75 59 Hansa Dampfschiff . . . Norddeutscher Lloyd .... 44,25 45,65 Sl.G. für Verkehrswesen Aki. 5,5 5,75 Berliner Handelsgesellschaft . Commerz, und Privat-Bank . 52,5 50 Darmstädter und Nalwnalbank Deutsche Ban! und — — Disconto-Gesellschafl. . . Dresdner Bank ...... 41,6 42 Reichsbank........ — — A.E.G........... Bergmann........ •— — Elektr. LiefernngSgesellschaft. Licht und Straft...... — — Felten & Guilleaume.... Gesellschaft für Elektrische —. Unternehmungen .... Rheinische Elektrizität . . . 68,25 68 Schuckert & Go. ..... . Siemens 8 Halske ..... — — Lahmeyer & Go. - ..... 10,9 10,75 Buderus......... 1,05 Deutsche Erdöl...... 6 5,9 6,6 5,13 Gelsenkirchener...... 6,6 5,25 Harpener......... Harsch Eisen........ 4,75 Ilse Bergbau....... Ilse Bergbau Genüsse . . . 3,35 3,4 ielocknerwerte....... 3,3 3,4 Mannesmann-Röhren . . . 3,4 3,45 Manssclder Bergbau .... 4,05 Oberschles. Kokswerke . . . 7,7 3,8 3,65 Phönix Bergbau...... Rheinische Braunkohlen. . . 17,3 17,25 Rheinftahl........ 6% Deutsche Retchsanleihe v. 19‘2'. 61 7% Deutsche Reichsanleihe v. 1929 65,5 6y,% Doung-Anleihe von 1930 . Deutsche Anl.-ALlös.-Schuld mit — Auslos.-Rechten....... 44 DeSgl. ohne Auslos.-Rechte . 8% Hess. Bollsstaat von 1929 5,4 (rüctzahlb. 102%)...... Oberhessen Provinz-Anleihe mit — Auslos.-Rechten....... Deutsche Komm. Sammelabl. — Anleihe Serie 1....... 8% Franks. Hyp-Bank Boldpfe 41 15 unkündbar bis 1935 . . 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse unkündbar bis 1936 Serie 16 . ty,% Franks. Hyp.-Bank Ligu.« 69 — Pfandbriefe......... 4y,% Rheinische Hyp-Bank-Lign 78 Goldpse........ ■ 8% Pr. LandespsandbriesaNstalt 79,75 Pfandbriefe R. 19...... 7% Pr. Landespsandbriefanstalt, 68 Pfandbriefe R. 10 68 I. ®. Farben-Industrie . . . Verein, diem. Industrie Frank- 12 flirt q 9J7......... Scheioeanstalt....... 10 0 JRfitnprÄHiprfp ....... 5 Metallgesellschaft...... b 15 _ _ 54,75 55 O 34,25 34,75 34 35 0 29,5 30 28,75 30 18 27,5 28 27 27,75 6 18,5 20 19,75 20 . 9 — 85 86 . O 12 12.5 12,4 13 . 5 10,5 31 31,5 30,25 . O —— 21 21,5 . 8 44 44 44,5 45 15 — — —— — 172 171 169,5 171 . O — —. . 0 17 17 — . 6 47,5 —- 10 106 107,25 106,5 — Berlin, 29.Juli Amerikanische Noten....... Geld 4,20 »rief 4,22 Belgische Noten......... 58,15 58,39 Dänische Noten......... 79,24 79,56 Englische Noten......... 14,69 14,75 Französische Noten........ 16,425 16,485 Holländische Noten........ 169,16 169,84 Italienische Noten........ 21,38 21,46 Norwegische Noten........ 73,75 74,05 Deutsch-Oesterreich, 4 1OO Schilling — — Rumänische Noten........ 2,49 2,51 Schwedische Noten........ 75,55 75,85 Schweizer Noten. 81,59 81,91 33,58 33,72 Ungarische Noten ........ — —