nr. 281 SvühauSsabe 182. Zahrgang Dienstag, 29. November 1952 Lrfchetni täglich,nutzer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblätter Heimat m Bild - Die Scholle monat$:Be$ugsprei$: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn. Postscheckkonto: Krontsurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vn'S und Verlag: Vrühl'sche Univerfiläts-Vuch- und Sttinöruderei TL Lanze in Gießen. Zchriftleitunz und Geschäftrstelle: Zchul^tra^e 7. Annahme von Anzelgen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- hlameanieigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20" . mehr. ^Ihesredakteuc: Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Or.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Gietzen. Landnöten. Die Portemvnnaiefabriken haben große Zeiten, der Deutsche muß sich wieder einmal umstellen. Nachdem wir während der Inflationszeit auf das Hartgeld mehr und mehr verzichten und nur mit Papiergeld auskommen mußten, also auch unsere Geldbörse entsprechend einrichteten, hat die Reichsbank den Kurs um» gestellt und arbeitet jetzt wieder in weitestem Umfange mit Silber. Darauf aber sind unsere Rotentaschen nicht eingerichtet. Der Staatsbürger ist also gezwungen, sich wieder ein Portemonnaie zuzulegen von der Art, wie es in Friedenszeiten üblich war. Erstaunlich ist das nicht, denn die Vilbermünzen, mit denen wir jetzt rechnen, sind schwer und unhandlich. Sie bedeuten rein körperlich «ine starke Belastung; und wer einmal die Tasche eines Gedbriesträgers in der Hand gehabt hat, unmittelbar nachdem er das Postamt verließ, der wird sich eine Borstellung machen können von den Gewichten, die jetzt umgesetzt werden müssen. Wirklich müssen? Könnten wir nicht ebenso gut bei dem handlichen und leichten Papiergeld bleiben? Das ganze ist eine Angelegenheit der Währungspolitik. Die Reichsbank hat ein Interesse daran, um das internationale Vertrauen zur Mark zu erhalten, die ohnehin reichlich kurz gewordene Golddecke zu strecken. Nach dem Gesetz aber gilt Silber als Scheidemünze und wird bei der Berechnung der Golddeckung nicht in Ansatz gebracht. Deshalb ist seit der Inflation das Recht zur Ausprägung von Silbermünzen in rascher Folge von ursprünglich zehn auf zwanzig und zuletzt dreißig Mark für den Kopf der Bevölkerung gestiegen. Wir können also bei sechzig Millionen Einwohnern über zwei Milliarden Silbergeld in Umlauf setzen. Doll ist diese Quote noch nicht ausgenutzt, aber wir kommen doch langsam hart an die Grenze l>eran. Denn das Reich verdient außerdem bei dem Geschäft. Das Silber ist im Vergleich zum Gold stark unterwertig, so daß bei einer Neuausgabe von Silbergeld jeweils einige hundert Millionen in den Händen des Reiches bleiben, die zum Ausgleich des Etats gut benutzt werden können. Die Schwierigkeit bestand nur darin, daß der Verkehr sich gegen diese Ueberschwemmung mit Silbergeld wehrte und das Geld sehr rasch wieder an die Reichsbank zurückfließen ließ. Deshalb hat zunächst der Zehnmarkschein dran glauben müssen, der fast spurlos verschwunden und zwangsweise von der Reichsbank durch Silbergeld ersetzt worden ist. Es scheint auch, als ob jetzt der Zwanzigmarkschein einen ähnlichen Weg gehen soll. Jedenfalls wird er immer seltener. Dafür werden die Beträge, die in Silber ausgezahlt werden, dauernd größer. Die Reichsbank sollte ober doch den Bogen nicht überspannen. Denn tatsächlich bedeutet der Silberzwang für jeden einzelnen eine Unbequemlichkeit, die im Interesse der Währung in bestimmten Grenzen in Kauf genommen wird, die aber doch Verstimmung schafft, wenn sie schließlich dazu führen sollte, daß alle Beträge unter fünfzig Mark überhaupt nur noch in Silber ausgezahlt werden können. Es gibt wohl kaum «in« Ration, di« nicht über sogenannt« Wehr verbände verfügt. Rur unterscheiden sich die ausländischen Organisationen von den deutschen grundsätzlich darin, daß sie «in« ausgesprochen militärische Reserve darstellen, daß sie zumeist bewaffnet sind und ihre Mitglieder im Waffengebrauch üben, wah- rend di« deutschen Verbände weder mit der Landesverteidigung etwas zu tun haben, noch Waffen besitzen, sondern lediglich erzieherisch« vaterländische Arbeit leisten. Trotzdem gibt es viele Deutsche, die an di« in der französischen und polnischen Press« ausgestreuten Märchen glauben und dabei gänzlich die Verhältnisse jenseits unserer Grenzen übersehen. Frankreich, der stärkste Militärstaat, kennt zwar keine Wehrverbände, dafür ist die militärische Iugendausbildung so gut durchorganisiert, das) heut« jeder junge Franzose über 16 Sabre einem Durchschnittssoldaten gleichgesetzt, werden kann. Besonders ausgeprägt ist das System der bewaffneten Militärverbände in Polen. Die Föderation der vaterländischen Verbände umfaßt 26 Militärbünde mit 400 000 Mitgliedern. Der Sokolverband zählt 120 000 Angehörige, beim Schützenverband sind es 300 000 Mann. Außerdem gibt es noch die großpolnische Legion. Alle Organisationen sind offiziell als „ziviler Grenzschutz" anerkannt, straff organisiert und zum Teil bewaffnet. In der Tschechoslowakei sieht «s ähnlich aus. Die Sokolverbände umfassen 630 000 Männer, di« zu einem hohen Prozentsatz mit allen modernen Waffen vertraut gemacht werden. Die Ausbildung wird durch aktiv« Offiziere und Unteroffizier« vorgenommen. Hebungen finden regelmäßig statt. Der Staat stellt erhebliche Geldmittel zur Verfügung. Da die Sokolver- bände als Bestandteil der Arme« angesehen werden, genießen ihr« Mitglieder den gleichen Schutz, der den Heeresangehörigen zu- steht. Reben den Sokolverbänden gibt es noch einen „Tschechoslowakischen Schützenverband", der ebenso wie di« „Rationalgarde" über die besten Beziehungen zur Armee verfügt. Auch hier wird auf die praktische militärische Ausbildung, vor allem aber auf die Pflege des Schießsportes hoher Wert gelegt. Die Heeresverwaltung stellt den Bünden sämtliche Schieß- und Hebun^splätze zur Verfügung. Heber den Charakter dieser Verbände schweigt sich die gegnerische Press« natürlich nach Kräften Das Ringen um die Kriegsschuldenzahlung. Amerikas Einstellung Für England Verständnis, füt Frankreich glatte Ablehnung. Washington, 28. Rov. (WTB.) Präsident Hoover hatte heute mehrstündige Beratungen mit Staatssekretär S t i m s o n und Schatzsekretär Mills über die Schuldensrage. Man bedauert hier sehr, daß England sein Anliegen gleichzeitig mit Frankreich anmeldet; denn wahrend die englische Finanznot hier Verständnis und Anteilnahme findet, stößt Frankreichs Forderung auf allseitige glatte Ablehnung. In der Presse wird in Leitartikeln und Karikaturen immer wieder betont, daß Frankreich, das über reichliche Goldreserven verfüge, nicht den geringsten Grund habe, sich seiner Zahlungsfrist jetzt zu entziehen. Dagegen wird die Stimmung für eine f reundliche B e- handlung Englands täglich besser. Man wird nicht auf die Zahlung der Dezemberraten verzichten; aber man dürfte gestatten, England den fälligen Betrag in Pfund Sterling zugunsten .Amerikas zu kreditieren. Inzwischen traf heute ein Memorandum des lettischen Generalkonsuls in Reuyork ein, in dem der Wunsch ausgesprochen wird, die am 15.Dezember fälligen Z inszahlungen von 111 000 Dollar a u f z u s ch l« b e n. Für die let- tisch« Kapitalschuld hat Lettland bereits ein Moratorium erklärt. „Washington Rews" erklärt, daß offenbar jetzt alleGläubgerDeulsch- lands sich um die Bezah.ung ii)ter Schulden an Amerika drücken wollten. Das Blatt betont, daß die Tschechoslowakei, deren Amerikaschuld nur 1,5 Millionen Dollar betrage, behaupte, diese Schuld nicht zahlen zu können, während sie in diesem Jahre über 53 Millionen Dollar für Rüstungen ausgegeben habe. Eng andszwelleAoteonAmerika London, 28. Rov. (TH.) Am Sonntagabend setzten Macdonald, Simon, Reville Chamberlain und Baldwin die Antwort auf die letzte Rote Amerikas, in der Schuldenfrage auf. In der Rote werden die Gründe auseinander gesetzt, die England zu dem Etundungs- antrag für die am 15. Dezember fällige Schuldenrate veranlaßt haben. Die Frag«, ob England am 15. Dezember zahlen solle, wurde nicht erörtert, da man in Kabinettskreisen der Ansicht ist, daß zunächst der Eindruck der jetzigen englischen Rote an Amerika abgewartet werden muh. Die^englische Regierung hofft, daß die amerikanische Antwort bald erfolgt. Heber den Inhalt der neuen englischen Rote an Amerika macht die „Times" eine Reihe von Andeutungen. Die Rote werde sich nicht mit der allgemeinen Frage der Schuldenrevision befassen. Di« Schwierigkeit sei, aus der Wucht des Teweisrnaterials die Gründe auszusuchen, die am überzeugendsten auf den Durchschnittsamerikaner wirken wurden. Eine Steuererhöhung in England würde ihn nicht interessieren. Amerika würde jedoch unmittelbar durch die Rückwirkungen auf die Währung und den internationalen handel berührt, da durch die Geldüberweisung der Sterling sinken und die amerikanische Ausfuhr sich verschlechtern müßte. Roch ernster wäre es, daß das Abkommen von Lausanne ins Wanken geraten und dadurch das vertrauen wieder erschüttert werden würde, das sich schon etwas gestärkt habe. Die welt- wirtschaftskonferen; würde schließlich jede Aussicht auf Erfolg verlieren. Sollte Amerika auf der Zahlung bestehen, so würde England trotz der weitgehenden und schädlichen Folgen bezahlen. „Daily Telegraph" sagt, der Amerikaner müsse davon überzeugt werden, daß die großen Goldvorräte die Hrsache für den Fall der Preise, den Fehlbetrag im Staatshaushalt, die Arbeitslosigkeit und die Krise seien. Es liege weder im Interesse Englands, noch Amerikas, das Pfund weiter sinken zu lassen. Die „M orningpost" macht den Vorschlag, die Zahlung in Gold zu leisten. Bei einer Zahlung in Gold würde man nur 23 Millionen Pfund benötigen, gegenüber 23 Millionen bei einer Bezahlung 'in Sterling. Die 23 Millionen Pfund würden ungefähr dem Gyldzuwachs der Bank von England in den letzten 12 Monaten entsprechen. Dem Washingtoner Berichterstatter der „R e w - York Herald Tribüne" zufolge wird in Washingtoner nichtamtlichen Kreisen die Möglichkeit erörtert, daß England die Vereinigten Staaten gemäß dem englisch-amerikanischen Fundierungsabkommen um eine Stundung der Kapital- rückzahlungssurnrne der am 15. Dezember fälligen Schuldenrate ersuchen würde, die sich zur Zeit auf rund 30 Millionen Dollar beläuft, während die nicht stundbaren Zinsen 65 553 000 Dollar betragen. In diesem Fall« müßte Amerika sich zu einem Verzicht auf die Bedingung der dreimonatigen Kündigungsfrist des Stundungsgesuches für die Kapitalsvmme bereit erklären, die England seinerzeit ungenützt verstreichen ließ. Differenzen in London? London, 29. Rov. (WTB.-Funkspruch.) Verschiedentlich wird in der Morgenpresse angedeutet, daß über di« britische Haltung im Falle einer Ablehnung des Zahlungsaufschubs Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Gouverneur der Bank von England und dem Schatzamt bestehen, und daß diese Wei- Schleichers Aesprechimen vor dem Abschluß. Bemühungen um eine außerparlamentarische Basis. — Fühlungnahme mit den Gewerkschaften. Berlin, 28. Roo. (ERB.) General v. Schleicher hat seine Fühlungnahme mit einer Reihe von Persönlichkeiten des wirtschaftlichen, fozialen und politischen Lebens heute fortgesetzt, und diese Besprechungen werden auch morgen weitergehen. 3n politischen Kreisen wird die überaus sachliche Darstellung viel beachtet, die die Freien Gewerkschaften von dem Empfang ihrer Vertreter Lei- part und Eggert beim Reichswehrminister gegeben haben. Ob die Besprechung auch mit den E h r i st - lichen Gewerkschaften schon stattgefunden hat, läßt sich im Augenblick nicht feststellen, da der Vertreter dieses Gewerkschaftskreises, Bernhard Otte nicht in Berlin zu sein scheint. Dagegen hat General v. Schleicher auch schon mit führenden Kreisen der Arbeitgeber Fühlung genommen. vielleicht lassen sich die Besprechungen so erklären, daß es sich immer mehr als unmöglich herausstellt, im Reichstag eine Mehrheit zu finden, die eine neue Reichsregierung durch tätige Mitarbeit unterstützen oder zum mindesten tolerieren würde. Dann würde es notwendig sein, die Basis des kommenden Präsidialkabinetts durch eine engere Verbindung auch mit anderen als nur parlamentarischen Kräften zu verstärken. Es seht sich immer mehr die Auffassung durch, daß es in den nächsten schweren Monaten vor allem darauf ankommt, alle Anstrengungen auf die Besserung der wirtschaftlichen Lage und die Eindämmung der Arbeitslosigkeit zu konzentrieren, und so dürften auch in den Besprechungen des Generals v. Schleicher nach der sachlichen Seite hin die wirtschaftlichen Fragen die Hauptrolle spielen. Am Montagabend hatte der Reichswehrminister auch noch eine sehr lange Aussprache mit dem Prälaten K a a ß. 3m Lause des Dienstags wird auch eine Besprechung mit zwei führenden Persönlichkeiten derRSDAP. slatlsinden. Erst dann wird der Reichswehrminister einen a b - schließenden Ueberbl 1 ck über die Situation haben. Es ist in Aussicht genommen, daß darauf eine neue Konferenz beim Reichspräsidenten gleich der vom letzten Samstag folgt. Sie wird wahrscheinlich et ft am Mittwoch möglich fein, von ihr wird die Entscheidung des Reichspräsidenten abhängen, so daß also Mitte der Woche über di e Persönlichkeit des neuen Reichskanzlers Klarheit zu erwarten ist. Bisher haben die Besprechungen des Reichswehr- minisiers sich offiziell noch aufderBafi seines neuen Kabinetts Papen bewegt; die Aussichten für die praktische Verwirklichung dieses Gedankens haben sich aber, auch nach der Stimmung in den Kreisen der Wirtschaft, zumindest nicht gebessert, und so steht nach Auffassung gut unterrichteter politischer Kreise als wahrscheinlichste Lösung ein Kabinett Schleicher im Vordergrund. Man kann wohl annehmen, daß auch dieser letzte Ausweg in den augenblicklichen Besprechungen bereits erörtert wird. Uebrigens haben auch Staatssekretär Meißner und Reichskanzler von P a p e n in den letzten lagen Unterhaltungen mit einer Reihe von Persönlichkeiten gehabt, die außerhalb des parlamentarischen Getriebes stehen. Dadurch wird der Eindruck verstärkt, daß die hauptsächlichste Bedeutung schon bei Öen Besprechungen liegt, die der Heranziehung außerparlamentarischer tragender Volkskräfte zur Untermauerung der Regierungsplattform dienen. GimMerGindruck beimZentrum Die Unterredung zwischen Kaas und Schleiche r. Berlin, 29. Nov. (TU.) lieber Schleichers Unterredung mit dem Führer des Zentrums, dem Prä- laten K a a s, verlautet aus Zentrumskreisen, daß der General in der Unterredung über Art und Umfang des ihm vom Reichspräsidenten zuteilgeworde- neu Auftrages berichtet. Wie es heißt, ist der Gesamteindruck beim Zentrum günstig und es wird nicht für ausgeschlossen gehalten, daß aus der Grundlage dieses Auftrages eine Verständigung zu erreichen sei. Als Begründung hierfür wird angeführt, daß ine gesamte Lage neuerdings auch bei der Linken nüchterner als bisher beurteilt werde. Auch sei den Gewerkschaften ein starkes Entgegenkommen hinsichtlich der sozialpolitischen und lohn- politischen Notverordnungen, zum Teil sogar auch ihre Aufhebung zugesagt worden. Oie Besprechungen mit dem AOGB. Berlin, 28. Nov. (ENB.) Wie der Allge- meine Deutsche G e w e r k s ch a s t s b u n d mitteilt, hat Reichswehrminister v. Schleicher heute vormittag Vertreter des Vorstandes des A D G B. zu sich gebeten. In der Besprechung, an der ßeipart und Eggert teilnahmen, wurden die vordringlichsten wirtschaftspolitischen und sozialpolitischen Fragen erörtert. Die Vertreter der Ge° werkschgften haben als d i e wichtigste Aufgabe die Arbeitsbeschaffung im Wege öffentlicher Arbeiten bezeichnet und außerdem erneut die Aufhebung der lohnpolitischen Bestimmungen der Notverordnung vom 5. September gefordert; sie haben sich auch für eine unter wirtschaftlichen und sozialen Gesichtspunkten durchgeführte Siedlung eingesetzt. aus. Es gilt eben nur, ben deutschen Wehrsport als fried«vsstör«nd anzuprangern und ihm eine übertriebene militärische Bedeutung beizulegen. Wir glauben, daß unsere Verbände froh wären, wenn sie auch nur einen Bruchteil dessen sein könnten, was di« polnischen und tschechischen Schützen- und Sotolvereine sind. Aber selbst das ist nicht der Fall. Sie sind reine Sportabteilungen mit vaterländischem Einschlag, während di« Organisationen der anderen Staaten die stille militärische Reserve darstellen, auf die jederzeit zurückgegriffen werden kann und di« wegen der ausgezeichneten Ausbildung der Mitglieder ebenso gut funktionieren wie die Reservistenjahrgänge der Armee. Ist der Urwald krieg zu Ende? Oder fließt noch immer Blut um die Blockhütten im Herzen des Chaco, die in den Schlachtenmeldungen recht hochtönend als Forts bezeichnet werden? Bald heißt es, die Regierungen in La Paz und in Asuncion hätten die Friedensvermittlung in Washington angenommen, dann wieder werden aus Paraguay neue Siege gemeldet, und in Bolivien schwört man, bis zum letzten Blutstropfen kämpfen zu wollen, um die Ehre der Nation zu retten. Die sonst so friedlichen Paraguayer sind tapfere Soldaten, sie haben eine Heldentradition, um die sie manche beneiden könnten, wenn sie um einige Jahrzehnte zurückblicken wollten. In den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts mußte das kleine Paraguay nach drei Fronten, gegen den brasilianischen Riesen, gegen Argentinien und Uruguay Krieg führen. Der Diktator Lopez kämpfte durch zwei Jahre wie, ein Löwe gegen die erdrückende Uebermacht. Schließlich im Urwald in die Enge getrieben, umgeben von nur noch 300 Getreuen, überredeten ihn seine Offiziere, sich zu ergeben. Lopez sah, daß jeder Widerstand vergeblich gewesen wäre. Da besohl er seiner Ordonnanz, ihm eine Lanze in die Brust zu stoßen. Verblutend rief er seinen Leuten zu: „Sterbt, aber ergebt euch nicht!" Und die Soldaten starben, wie einst die Garden Napoleons. Wenige Männer überlebten den blutigen Dreiländerkrieg, in dem zuletzt auch die Frauen zu den Waffen griffen und „Bataillone der Freiheit" bildeten. Als dann der Frieden geschlossen war, da gab es keine jungen Männer mehr. Die Väter gaben ihre Töchter an durchziehende Fremde, damit sie ihrem Lande Soldaten schenkten. Die Großsöhne jener Generation kämpfen heute im Chaco gegen Bolivien. Sie haben ihrer Heldentra- dition Ehre gemacht. Stteifkolonnen der Paraguayer sind im dichten Dschungel des Chaco Boreal auf die Leichen von 15 0 Bolivianern gestoßen, deren Todesursache der Durst gewesen zu sein scheint. Ein furchtbares Drama muß sich dort abgespielt haben. Die Bolivianer sind inmitten unbeschreiblicher Fülle verschmachtet, inmitten eines Orchideenpar- terres, inmitten eines Treibhauses von insektenfressenden Blumenungeheuern. Rund herum stehen blütenschwere Bäume, um die sich in wilder Umarmung von Ast zu Ast Lianen emporschlingen, und schwüle Feuchtigkeit steigt aus dem Boden. Das Fieber muß sie im grünen Tropenparadies überwältigt haben, so daß sie nicht mehr die Kraft fanden, sich einen Weg zu den vielen Wassertümpeln zu bahnen, und, umgeben von Ueberfluß, verdursteten. Die Bolivianer sind Söhne der Berge, sie leben auf einer rauhen, in den Nächten eiskalten Hochebene von über 4000 Meter. Dort herrscht die furchtbare Höhenkrankheit, die Puna, die das Blut aus den Ohren und aus der Nase herausfließen läßt, Schwindel verursacht und den Blick ttübt. In ihre Decken aus Lamawolle gewickelt, am glimmenden Feuer aus Lamadung in niedrigen Steinhütten leben die bolivianischen Indianer ihr primitives Leden und verehren die sagenhafte Gottheit, die angeblich im Eistempel auf dem 7200 Meter hohen Jllimani über der Hauptstadt La Paz thront. nungsverschiedenheiten auch im Kabinett zum äluSDtUil kommen. Der Dankgouverneur sei der Meinung, daß ein Zahlungsverzug eine Katastrophe für den britischen Kredit bedeuten würde, während das Schatzamt von einer sofortigen Zahlung die schlimmsten Folgen für die Finanz- und Wirtschaftslage des Landes erwarte. Ein Blatt berichtet, daß der britische Botschafter in Paris gestern spat abends in London ein» getroffen sei und heute im Auswärtigen Amt vorsprechen werde.^>as Blatt hält es für sicher, daß dieser unertoawete Besuch mit der Kriegsschuldenfrage Zusammenhänge. Ztaiienischer Appell an Amerika. Eine i (merkenswerte Rede in Gegenwart Musso in o. TU. Rom, 28. Roo. Am Montag fand In Rom tm Beisein Mussolinis die ordentliche Generalversammlung der Bereinigung der italienischen Akt'iengesellschaften unter dem Vorsitz des Präsidenten, des Senators Pirelli, statt. Dieser erstattete einen umfangreichen Bericht, In dem er heroorhob, daß besonders verdienstvoll die Wiederbelebung der Wirtschaft durch Mussolini gewesen sei. Von ihr aus werde, so sei zu hoffen, die gesamte Wirtschaft gesunden. Zur Kriegsschuldenfrage sagte Pirelli u. a. folgendes: In Lausanne habe man ein gutes Beispiel gegeben, in dem man die Lösung angenommen habe, die Italien schon lange offen als einen der wichtigsten Punkte der Wiederaufbaupolitik gefordert gehabt habe. Zur Ueberwindung der Krise seien nicht vorübergehende Maßnahmen, sondern ein „Schwamm drüber" notwendig. Wer könne leugnen, daß die Frage der Kriegsschulden gegenüber den Vereinigten Staaten nicht dasselbe Aussehen habe. Als Folge von Lausanne seien 130 Millionen Bürger der großen europäischen Gläubigerländer bereit, Deutschland eineinhalbmal so viel zu schenken, als die ungefähr 130 Millionen Amerikaner ihrerseits Europa schenken müßten. Die ganze Frage müsse in ihrer Beziehung zur schweren Weltwirtschaftskrise betrachtet werden. Unter diesem Gesichtspunkt scheine es außer Zweifel, daß das Interesse der Vereinigten Staaten am Wiederaufblühen der Weltwirtschaft weit größer sei, als das Interesse, unsichere Guthaben politischen Charakters aufrechtzuerhalten. Eine wirtschaftliche Erholung würde durch Streichung der gesamten Kriegsrechnungen gefördert. Schließlich sei Europa der beste Kunde der amerikanischen Ration. So habe Europa in den letzten Jahren rund 50 Prozent der amerikanischen Ausfuhr ausgenommen, darunter allein 80 Prozent der Baumwolle und 80 Prozent des Getreides. Es habe in der kurzen Zeit ständig stei- gende Mengen von Fertigwaren aus Amerika be- zogen. Amerika würde an Kriegsschulden in den nächsten Jahren ungefähr ein viertel Milliarden Dollar jährlich erhallen, feine Ausfuhr fei aber infolge der Krise um eine zehnmal höhere Summe gesunken. Nachdem Pirelli noch weitere Verluste der ame- rikanischen Wirtschaft durch die Krise vergleichsweise angeführt hatte, erklärte er es als einleuchtend, daß das Interesse Amerikas darin liegen müßte, nicht weiter Tausende von Millionen von Dollar im Jahre infolge der Wirtschaftskrise zu verlieren, um dafür aus dem erschöpften Europa ein paar hundert Millionen Dollar Iahreszahlungen an Kriegsschulden herauszuholen. Frankreich will zunächst Zeit gewinnen. Paris, 29. Rov. (WTB. Funkspruch.) Die Antwortnote, die die f r a n z ö s i s ch e Regt e r u n g gegenwärtig auf die amerikanische Oberhessischer Kunstverein. „Iahresschau oberhessischer Kunst." Die am Sonntag eröffnete Weihnachtsausstel- lung erscheint diesmal unter der Lieberschrift „Iahresschau oberhessischer Kunst", womit zunächst angedeutet wird, daß die Ausstellung — im Gegensatz zu der Gepflogenheit früherer Jahre — auf Arbeiten aus unserer Provinz beschränkt bleibt: doch soll die soziale Idee der Künstler- Hilfe keineswegs in den Hintergrund treten. Da ein Lieberblick über die Produktion aller Zweige der bildenden Kunst angestrebt wurde, hat man diesmal begrüßenswerter auch der Architektur einen (toenn auch vorerst bescheidenen) Platz eingeräumt. Die Iahresschau gliedert sich nach Disziplinen, diese wiederum nach Stosskreisen oder Motivgruppen: der Zweck solcher Anordnung ist in der Vornotiz vom Samstag begründet worden. Die Malerei nimmt, wie gewöhnlich, den breitesten Raum ein. Don Lotte Droese, die aus der vorjährigen Ausstellung „Drei Frauen der Gegenwart" hier schon bekannt ist, findet man fünf figürliche Kompositionen, die alle den persönlichen Stil dieser Malerin, ihre fast männliche Handschrift und ihre eigentümliche, zarte und doch leuchtkräftige Farbgebung aufweisen: wir nennen besonders: „Mädchen mit Gaukler" wegen der aparten Wirkung von Grün und Rot, die Gruppe „Mutter und Kind", und die „Frauen im Sturm", deren Zusammenklang von Kobalt und Gelb wohl aus der Rohlfsschen Schule stammt. — Qlenc Bilder von Mueller-Le utert: zwei Maler- Porträts, Garvö und Steinbach, sehr energisch und lebendig in Haltung und Kolorit: zarter und weicher daneben das Bildnis „Marianne": ganz romantisch: „Mädchen mit Sonnenblume": und das für unser Gefühl reifste, überhaupt eines der schönsten Stücke der Iahresschau: „Die Sandgrube" (an der Marburger Straße). Aus Dad-Rauheim kamen Kraus mit einem großen und markanten Delbstporträt (ganze Figur) und Kutscher mit einem skurrilen Stilleben. Don K l i p st e i n in Laubach sieht man diesmal, außer der gewohnten Graphik, auch einige kleine feine Malereien älteren Datums: daneben eine Reihe trefflicher Radierungen: Landschaften, Köpfe, Tiere. Eimer bringt neben einer heimatlichen Ernte-Landschaft einige märchenhaft-humoristische Phantasiestücke. Hans Ewald Kleine, ein begabter junger Gießener, jeigt neben etlichen gut gesehenen Bühnenbild- Entwürfen ein Helle- Seestück von der Kurischen Rote in der Schuldensrage vorbereitet wird, wie „Petit Parisien" ankündigt, weder eine Annahme, noch eine Verweigerung des Fälligkeitstermins vom 15. Dezember enthalten. Die endgültige Entscheidung über .ihre Stellungnahme werde Die französtzche Regierung erst nach der Antwort der ameri- konischen Regierung auf die neue Rote treffen. Damit gewinne $) e r r i o t eine gewisse Frist und werde nicht nötig haben, wie man zuerst geglaubt habe, die Vertagung der für kommenden Freitag in Gens vorgesehenen Fünferkonferenz zu fordern. N e Beilegung des Konflikts zwischen Danzig und polen. Genf, 28.Rov. (TLl.) Der Völkerbunds- rat genehmigte am Montag ohne weitere Aus- Rehrung und ein paar impressive Llmrih-Skizzen aus dem Zoo. Von Will sind zuvörderst zwei tüchtige Porträtköpfe aufzuführen, auch zwei freundliche Landschaften und eine Anzahl älterer Radierungen (Gießener Strahenbilder und Architekturstücke). Der Bildhauer K ö d d i n g überrascht mit mehreren Gemälden: einem auf vier Grundfarben ausgebauten Frauenporträt und zwei h-essischen Landschaften. Ludwig De eg bringt neben einem großen (farbig etwas harten) Porträt ein duftiges Dlumenstück und zwei Landschaften, von denen der koloristisch sehr sein und locker gemalte „Dorstadtwinkel" uns einer besonderen Empfehlung wert scheint. Eine Reihe hübscher, hessischer Motive findet man bei dem Orten berget Fri? s , bei Kinzenbach, bei Pfaff (auch etliche Dlumen- stilleben), Barthel (auch Miniatur-Radierungen), C. von Reuter und Rohrbach. Stephan zeigt seine hier schon bekannten, charakteristischen Radierungen aus Oberhesfen. Ernst Thome ist mit etlichen großzügigen, teilweise ganz leicht getonten Berglandschasten aus Mittenwald vertreten. Don Klingelhöfer verzeichnen wir ein Stilleben, „Wicken und Aepfel", von Jost ein farbenfrohes Mädchenbildnis, von D i e h m a n n die „Räher^n": ein tüchtiges Bild in ruhiger Farbgebung und sympathischer Haltung. L i st bringt eine auf wenige Linien und Farbtöne vereinfachte Landschaft: auch Barnas ist mit einer Gruppe kleiner hessischer Landschaften wieder zur Stelle. * i Die Plastik wird von überwiegend neuen Arbeiten des Gießener Bildhauers Bourcarde vertreten: eines der schönsten Stücke ist der zarte und ganz verinnerlichte Frauentvrso „Werdende Mutter": daneben eine nobel gegliederte „Weibliche Figur", eine gedrungen durchmodellierte Holzplastik „Mein Dater", ein paar charakteristisch belebte Porträtköpfe (Alfred Bock, Fräulein G.), außerdem zwei neue Relief-Entwürfe. In der Architektur-Abteilung sieht man Lichtbilder nach Entwürfen des Hess. Hochbauamtes Friedberg: von Reg.-Baurat Braun (dörfliche Kriegerdenkmäler) und Reg.-Baurat Metzger (Ausnahmen vom Kerckhosf-Institut und vom Kvnihky-Stift in Dad-Rauheim, ferner vom Krieger-Ehrenmal in Friedberg). Die Lichtbilder des Hochbauamtes Büdingen, Reg.-Baurat Frey, zeigen ebenfalls Entwürfe von Kriegerdenkmälern I und zur Restaurierung hessischer Landkirchen I (Ober-Widdersheim, Ridda, Gettenau und Hitz- 1 kirchen). spräche das am Samstag zwischen Danzig und Polen abgeschlossene Abkommen, in dem sich die polnische Regierung u. a. zur Zurückziehung des Zlotyabkommens verpflichtet. Der Rat beschloß dann, einen Dreierausschuh einzufetzen, der die Revision des bisherigen Derfahrens in der „action directe“ prüfen und im Januar Bericht erstatten soll. Die polnische und die Danziger Regicruiig werden aufgefordert, bis zum 10. Januar ihre Stellungnahme dem Dreierausschuh einzureichen. In einer anschließenden Geheimsitzung beschloß der Rat, das Mandat des amtierenden Dölker- bundskommissars Rofting bis zum 1. Februar zu verlängern. Die Ernennung des künftigen Danziger Vö'kerbunds.ommissars, für den ein englischer Diplomat vorgesehen ist, soll möglichst noch im Laufe der gegenwärtigen Ratstagung erfolgen. Die Iahresschau wird durch eine Reihe kunstgewerblicher Entwürfe, die hier schon mehrfach ausgestellten, gefälligen Silberarbeiten von Küchel, abgerundet. -y- Gießener Konzrrtverein. Zweites Konzert: Marta Linz. Mochten auch einem LIneingeweihten vielleicht die Pressestimmen aus Italien und Spanien über Marta Linz mit ihren Lobeshymnen übertrieben erscheinen, so wird doch derjenige, der die Entwicklung der Künstlerin im Laufe der Jahre verfolgt hat und das Erlebnis des letzten Konzerts in sich aufgenommen hat, das dort Gesagte vollauf bestätigen müssen. Marta L i n z ist eben eine Geigerin, nicht nur eine Dirtuosin, die alle die verschiedenen musikalischen Auswirkungsmöglichkeiten in umfassendster Weise in sich vereinigt. Sie kann an alles herantreten, ob Barock, ob Klassik oder Moderne, ob Virtuosität ober musikalische Gestaltungskraft gefordert wird, ob deutsche oder romanische Kunst, jedem wird sie gerecht werden, nie in Einseitigkeit, ob durch Reigung oder Veranlagung oder Schulung bedingt, verfallen. Als Geigerin wird sie ebenso wenig die Züge bewuht herauskehren, die nicht zum Wesen des Frauenhaften gehören, wie sie andrerseits nie das Typisch-Weibliche in den Vordergrund stellt. Wiederum bestätigte sich das, was an dieser Stelle schon einmal vor sechs Jahren ausgesprochen werden konnte, und was bei keiner der Geigerinnen, die in der Zwischenzeit hier gewesen sind, in so starkem Grade beobachtet werden konnte: die innige Verbindung des musikalischen Erlebens sowohl mit Dem Körperlichen wie auch mit dem Motorischen selbst auch in den Momenten stärksten lern- peramentaufwallens wird diese innere Harmonie nie gestört. Denn immer wieder ift es die Schlichtheit, Unaufdringlichkeit, das Freisein von jeglicher Pose, wodurch die Geiaerin die Sympathie der Hörer gewinnt. Marta Linz steht nicht etwa ruhig auf dem Podium, aber ihre Bewegungen, Gebärden sind spielbedingt, organisch fundiert. All ihr Gestalten erwächst ihrem Inneren mit zwingender Notwendigkeit: alles gelingt ihr mit fast somnambuler Sicherheit, so daß man wohl kaum von ihr enttäuscht werden könnte. Zwei Säulen gleich, standen am Eingang des Programmes Ioh. Seb. Bachs Partita in E-Dur und Beethovens Kreutzer-Sonate (A-Dur). Mit weich' innerer Gespanntheit erwuchs das Präludio: da waren die Passagen energiegeladene Kurven, die mit stupender Griffsicherheit gemeistert wurden. Jeder einzelne Satz wurde mit der sowohl rein- musikalisch wie auch historisch gebotenen Stilcharakteristik erfaßt, mit der Gegensätzlichkeit in der ter rassenweisen, den die evangelischen Kirchenführer in der Abrüstungsfrage bei der Regierung ihres Landes unternommen haben. Oie Scheidung zwischen Warenhäusern und Einzelhandel. Berlin, 28. Rov. (ERB.) Der Vorstand und die Generalversammlung des Warenhaus- Verbandes haben heute den Austritt aus de rHauptgemeinschaftdesDeutschen Einzelhandels einstimmig gebilligt. Der Warenhausverband nimmt von jetzt ab die Interessen seiner Mitglieder bei den Behörden und vor der Oefsentlichkeit als Epihenverband selbständig wahr. Er ist auch zu weiterer Zusammenarbeit mit dem übrigen Einzelhandel in dem bestehenden Sonderausschuß für Wettbewerbsfragen unter der Voraussetzung bereit, daß er in Zukunft in diesem Ausschuß durch eine eigene Delegation vertreten sein kann. Steigende E »nahmen der Znva idenversicherung. Berlin, 28. Noo. (TU.) Neben den Krankenkassen verzeichnen auch die Landesversicherungsan st alten seit den Sommermonaten ein stetiges Ansteigen der Beitragslei- ftungen als deutliches Zeichen einer Besserung Der Lage auf dem Arbeitsmarkt. Es find im Juli 51,3 Mill. Mk. Beiträge zur Invalidenversicherung eingegangen, im August 52,3, im September 55,1 und im Oktober 56,9 Millionen Mark. Die Beitragsleistung war also im Oktober um 5,6 Mill. Mk. höher, als Im Juli. Da Beitragserhöhungen nicht oorgenommen worden sind, muß also die Zahl der Arbeitnehmer entsprechend gestiegen fein. Aus aller Welt. Zwei neue Rahbeben im Ruhrgebiet verspürt. Montag früh verzeichneten die Seismographen der Bochumer Erdbebenwarte wiederum zwei kleine Nahbeben, von denen das Erste nach Tlelbungen aus Essen auch von Personen deutlich verspürt worden ist. Das erste Beben begann um 5 Uhr, das zweite um 6.42,6 Uhr. Bei beiden Beben setzte nach etwa 14 Sekunden die zweite Bewegungsphase ein, was einer Entfernung des Bebenherdes von.etwa 125 Kilometer entspricht und den Schluß zuläßt, daß der gleiche Herd rode bei dem Beben in der letzten Woche, also Holland, in Frag« kommt. Die größten Bewegungen betrugen in Bochum */»5 Millimeter, also etwa halb soviel roi« bei dem ersten Beben. Nach dreiviertel Minuten war in beiden Fällen der Boden wisder ruhig. * In verschiedenenOrten der holländischen Provinzen Limburg und Nord-Brabant wurden wieder Erd- st ö ß e wahrgenommen. Besonders stark waren die Stöße in der Stadt Herzogenbusch zu verspüren. Sturm über England. — Starke Schneefälle in Schottland. Während der letzten Tage und Rächte wütete ein starker Sturm über Rord- und Mittelengland, der teilweise eine Stundengeschwindigkcit von 110 Kilometer erreichte. Der Dampfer „Bri- tannic“ traf erst mit 24 Stunden Verspätung in Liverpool ein. — Auf dem Flusse Wear stießen zwei Dampfer zusammen. Bei der Insel Islay lief ein Fischdampfer auf. An einigen Stellen in Schottland kam es zuS ch n e e- stürmen, die d:n Berk.hr sehr start behinderten. Bei Inverneß mußten zwölf fteckengeblie- bene Kraftwagen von den Insassen verlassen werden, die ihre Reife zu Fuß fortsetzten. Lin drittes Todesopfer des Seilbahnunglücks bei jreiburg. Der bei dem Llngnck aus der Seilschwebebahn auf dem Schau-ins-Land schwer verletzte britische Staatsangehörige Willy Kühlental aus London ist im Krankenhaus geworben. Er stand im 70. Lebensjahr. artigen Abstufung des Dynamischen, mit dem $4 fintierten, der durch die einzelnen Formen geforderten thematischen Kontrastierung. Der unbedingte Höhepunkt der Veranstaltung wurde Beethovens ^-Dur-Sonate, die der Meister seiner Zeit zunächst für den Mulatten Bridgetower bestimmt, sie aber spätes: dem Geiger Rudolph Kreutzer zugeeignet hatte; ein Werk, das seiner Anlage nach auf der Grenze zwischen dem Rein-Kammermusikalischen und dem Kon- zerthaften steht und das von jeher als ein bevorzugtes Lieblingsstück des bedeutendsten Geiger gegolten hat. Marta Linz und Paul Meyer ließen die Sonate in ihrer kraftüberfüllten Dämonik erstehen; fernab von nüchterner Versachlichung, mit Der man in unserer Zeit selbst Beethoven gegenüber treten zu müssen glaubte. Mit persönlicher innerer Anteilnahme, mit stärkstem inneren Dabeisein der beiden erwuchs das Werk mit lebensnahem Atem: das war ein gegenseitiges Geben und Nehmen ein gegenseitiges Sich-Fördern im Wachsen und Werden, sich steigernd zu höchsten Momenten musika- lischer Evolution. Die Adagio-Einleitung wie auch der Kopfsatz wurden in ihren Entwicklungsphasen mit eindeutiger Klarheit des Ideenganges ausge- breitet, jede thematische Episode wurde dem geistigen Gesamtverlauf organisch eingegliebert! mit starker Wucht der Kontraste gipfelten die Akzente. Dazwischen die wechselvolle Vielgestaltigkeit in den Variationen. Mit schimmernder Klarheit leuchteten die satztechnischen Feinheiten auf; immer wieder war es ein Ineinander-Aufgehen der beiden miteinander konzertierenden Instrumente; filigran al eich durchsichtig fügte sich Das Figur en werk. Mit ständig wachsendem Impulse treibend, schäumend, war das Finale. So fpohtan, so plötzlich hervorbrechend, wie nach der Kreutzer-Sonate, wird man selten im Konzertsaal Beifall beobachten können. Es ist besonders erfreulich, daß einen starken Anteil daran Paul Meyer hatte, der sich hier als ein Kammermusi kspieler von ganz besonderen musikalischen und pianistischen Fähigkeiten erwies. Die sich anschließende Folge von kleineren Stücken liehen die unerschöpflichen Vorzüge der Konzertgeberin immer wieder aufs neue erkennen; ihre verinnerlichte Kantilene, nachgiebig bis zum feinsten, fast ätherischen Tonhauch (Pargo- l e s i : Aria), ein eminentes violinistisches Können (Arpeggien, Triller, Doppelgriffe) in den Martini -Variationen über ein C o r e l l i sches Thema. Ein Spieltemperament, das auch der musikalischen Eigenart fremder Rationen voll gewachsen ist, vielseitige musikalische Gestaltungsfähigkeit und bestrickender Charme im Spiel zogen die Zuhörer in ihren Dann, so daß Zugabe auf Zugabe folgen mußte. Dr. H. Abrüstung und Gleichberechtigung. Simons Bericht. Herriöt sott nach Genf kommen. London, 28. Nov. (WTB.) Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet: Sir John Simon, der am Sonnabend aus Genf zu- rückgekehrt ist, wird feine Kollegen im Kabinett über das Ergebnis feiner privaten Besprechungen mit Norman Davis, Freiherrn o.Neurath, -aszun in0juo0j«)nüflj qun tJiojjg uojdQj richten. paul-Boncour Hal es hartnäckig abgelehnt, in die deutsche Forderung noch Gleichberechtigung einzuwilligen, bevor Deutschland dem französischen Sicherheitsplan zugestimmt hat. Dieser Plan muß aber von der Abrüstungskonferenz erst erörtert werden und wird möglicherweise u. a. für Amerika, Großbritannien und Italien unannehmbar sein. Da Paul-Boncour anscheinend infolge seiner Instruktionen nicht in der Lage ist, von seinem Standpunkt abzuweichen, wird von London aus auf Herriot eingewirkt, um ihn zu veranlassen, persönlich an den unformellen Erörterungen teilzunehmen, die in der zweiten Hälfte Dieser Woche in Genf beginnen sollen. Falls Herriot einverstanden ist, bann ift mit Sicherheit zu erwarten, daß auch Macdonald nach Genf geht. Herriot und Oav»s beraten. Paris, 28. Rov. (TLl.) Der amerikanische Ab- ordnungssührer Rorman Davis hatte am Montagvormittag eine zweistündige Unterredung mit dem französischen Ministerpräsidenten Herriot. Aus die Fragen französischer Pressevertreter erklärte Rorman Davis u. a., Herriot sei ein guter Freund von ihm. Im Verlauf der Llnter- redung sei die Schuldenfrage mit feinem Wort berührt worden. In einem Augenblick, in dem alle Geld brauchten, habe man die sranzösisch- amerifanische Freundschaft nicht durch Geldfragen trüben wollen. Was die A b r ü st u n g z u r S e « angehe, so sei keine Einigung erfolgt. Die Sachverständigen setzten ihre Arbeit fort. Herriot erklärte ebenfalls, daß er für Rorman Davis Freundschuft empfinde. Er sei ein Mann, mit dem man freimütig sprechen könne, da er sehr loyal sei und im übrigen über die europäische Gage sehr gut unterrichtet sei. Sein Gespräch mit Rorman Davis habe sich ausschließlich auf Fragen, die in Genf auf der Tagesordnung stehen, bezogen. Wir haben, so erklärte der französische Ministervräsident zum Schluß, heute morgen nützliche Aroeit geleistet. Am Dienstag wird ein Kabinettsrat stattfinden. Es steht noch nicht genau fest, wann Herriot nach Gens abreisen kann. Vor seiner Abreise wird jedenfalls noch ein Ministerrat ein* berufen werden, der die französische Antwort an die Vereinigten Staaten gutheißen muh. Kampf um General Weygand. Paris, 28. Nov. (CNB.) Obgleich von offizieller Seite Dementiert wurde, daß zwischen dem Kriegsminister Paul-Doncour und General Wey - gand Differenzen entstanden seien, gehen die Kommentare weiter ihren Weg. Im Zusammenhang mit der Um* bzw. Reubesetzung verschiedener militärischer Kommandostellen, die kürzlich erfolgten, wurde der Raine des Generals Georges, der in den Obersten Kriegsrat berufen wurde, als möglicher Rachfolger des Generals W e y g a n d auf den höchsten militärischen Posten des Generalinspekteurs der französischen Armee, das heißt des Generalissimus genannt. Evangelische Kirche und Reichsreform. Forderungen des Deutschen evangelischen Kirchenausschusses. Berlin, 28. Rov. (TLl.) Der Deutsche evangelische Kirchenausschuh befaßte sich auf feiner Wintersitzung in Berlin erneut mit den Fragen der R e i ch s r e f o r m. Er erörterte eingehend die Grundsätze, die -für die Stellungnahme der Gesamtheit der deutschen evangelischen Landeskirchen maßgebend sind. Angesichts der Tatsache, daß durch die Reichsreform auch kirchliche Interessen wesentlich berührt werden, wurde erneut mit Rachdruck die Forderung erhoben, daß der Kirchenausschuß als das hierfür zuständige kirchliche Organ möglichst frühzeitig gehört werde. Im Rahmen seiner schulpvlitischen Beratungen erhob der Kirchenausschuß von neuem die Forderung nach einem Reichsschulgesetz. Für feine grundsätzliche Stellung zu den Schul- f ragen bleibe nach wie vor maßgebend das Schulprogramm des Deutschen evangelischen Kirchentages vom Jahre 1921, in dem u. a. für die evangelische Bekenn tnisschule volle Entfaltungsfreiheit gefordert wird, bei Anerkennung Les geschichtlichen Rechtes der christlichen Simultanschule, soweit sie sich in einzelnen Gebieten eingebürgert hat. In der Berufsschule, für die sich der Kirchenausschuß mit Entschiedenheit einsetze, sei nicht allein eine Fach-, sondern eine Erziehungsschule zu erblicken und damit die Einführung des Religionsunterrichts als ordentliches Lehrfach anzu- streben. Die Berichte der Vertreter des Kirchenbundes auf den jüngsten ökumenischen Tagungen ließen erkennen, daß das Verständnis für die Lage und die Lebensnotwendigkeiten des deutschen Volkes im Auslande auch Dank der Mitarbeit der deutschen Kirchen im Wachsen sei. Cs fei hier u. a. auf den vielbeachteten Schritt hinzu- Aus -er Provinzialhaupista-t. Weihnachtsbitte. Der Direktar der Nieder-Rom st ädt er An> statten für Epileptische, Schwachsinnige und Krüppel, Pfarrer Schneider, bittet uns um die Aufnahme folgender feilen: Im vergangenen Jahre haben uns so viele freundliche, opferwillige Hände geholfen, unseren Kranken eine Weihnachtsfreude zu bereiten, daß unsere vorzeitige Sorge recht beschämt worden ist. Es drängt uns, auch auf diesem Wege dafür noch einmal recht herzlich zu danken. Inzwischen sind die wirtschaft- Uchen Nöte gewachsen, dazu ist unser« Aufgabe großer geworden, weil 60 Pflegebefohlene mehr an unserem Weihnachtstisch sitzen werden. Unsere Erfahrung aber gibt uns die Freudigkeit von neuem zu bitten: helfen Sie uns wieder den Weihnachtstisch decken für die hessischen Fallsüchtigen und fuüp- pel und alle anderen Pfleglinge der Nieder- Ramstädter Anstalten! Helfen Sie mit trotz aller eigenen Sorgen daß die helle Sonne der Weihnachtsbotschaft, der Weihnachtsfreude und der Weihnachtsliebe hell hineinscheine in das Leben von 400 Menschen, das von schwerem ßeib verdunkelt und oft so einsam ist. Der- gessrn wir nicht über den gewaltigen Notständen, die auf uns und unserer Zeit lasten, den Jammer, der in der Stille hinter Anstaltsmauern sein Dasein fristet, und nicht über den neuen Nöten unserer modernen Zeit das alte Krankheitselend, das immer da war und immer auf die brüderliche Liebe angewiesen bleibt. Für jede, auch die kleinste Gabe, sind wir dankbar und bitten, sie auf unser Postscheckkonto (Frankfurt a. M., Nr. 4992, Nieoer-Ramstädter Anstalten) einzuzahlen oder zu Überweisen. Sängerführer-Tagung in Gießen. " 21m Samstagnachmittag waren die Gau vor» iitzenden der Sängerbünde Oberhes- e n s in Gießen zusammengekommen, wie auf dem Sängertag des Hessischen Sängerbundes in Bad- Nauheim beschlossen, um über eine Neueintei - lung der Gruppe Oberhessen irn Hessischen Sängerbund, sowie zu dem Antrag des Bezirks „Sängerbund Hüttenberg-Schiffenberg auf Erhebung zum selbständigen Gau Stellung zu neymen. Die Tagung wurde von dem Provinzialvorsitzenden Wendler (Bad-Nauheim) geleitet. Der Borsitzende des Hessischen Sängerbundes, Ministerialrat Dr. S i e g e r t - Darmstadt, war anwesend. Man beschloß, den Antrag des Bundes Hüttenberg-Schiffenberg beim Bundesvorstand zu befürworten. Jedoch wird dem Bunde zur Auslage gemacht, die zur Selbständigkeitserkläruna notwendige Zahl von Vereinen nachzuweisen. Zur' Gaueinteilung wurde beschlossen, die Gebiete der ein- zelnen Gaue genau zu begrenzen, doch soll ein gewisser Spielraum in den Grenzgebieten gelassen uno Wünsche neu ^tretender Vereine, soweit dies sich mit den beschlossenen Richtlinien verein- baren läßt, berücksichtigt werden. Der Lahntal- Sängerbund, der gana besondere Verhältnisse auf- weist, soll als historisch gewordenes Ganges in seinem Bestände nicht angegriffen werdtn. Uebertritte von Vereinen in andere Gaue können nur mit Zu- Haussammlung für die Winternothilfe! Zur Versorgung der hilfsbedürftigen Familien unserer Stadt mit Lebensrnitteln und Bekleidungsstücken aller Art braucht die Winternothilfe fortlaufend Geld. Die bisherigen dankenswerten Spenden haben schon manche Not lindern helfen, aber trotzdem bleibt noch sehr viel zu tun. Um wenigstens den dringendsten Erfordernissen entsprechen zu können, wird jetzt die Geldsammlung bei allen Mitbürgern durchgeführt. Gebe jeder nach besten Kräften! Jede Spende wird mit Dank angenommen. Das Bewußtsein, dem hilfsbedürftigen Nächsten auch mit dieser Spende bcigeffantcn zu haben, wird allen freundlichen Gebern zur inneren Befriedigung werden. Helstalle durch die Geldspende! ftimmung des Bundesvorstandes nach Anhörung und Genehmigung der in Frage kommenden Gau- Vorstände erfolgen. Zwei Gießener Neichswehrsoldaten schwer verunglückt. 3n der Nacht zum Montag ereignete sich auf der Straße H e r b o r n — W e tz l a r in einer berüchtigten Kurve nahe dem Kreisorte Werdorf ein schweres Verkehrsunglück (bereits das dritte in diesem Jahre). Ein Motorradfahrer, der dort die Straße passierte, horte plötzlich ein Röcheln, dem er sofort nachging. Er fand im Graben zwei Reichswehrsoldaten bewußtlos in ihrem (Blute liegend auf. Daneben lag das zertrümmerte Motorrad. (Bei den beiden Verunglückten handelt es sich um Angehörige des hie- Sängertagung im Lahntalsängerbund. I Wetzlar, 27. Nov. Heute fand hier im Gast- Haus „Zur Post" ein ordentlicher Sänger- tag des Lahntal-Sängerbundes (Gau im Hessischen und Deutschen Sängerbund) statt. Zu Beginn gedachte der 1. Vorsitzende Berufsschullehrer Gengnagel (Grünberg) des Altmeisters Goethe, der in unserer Stadt einen Abschnitt seines Lebens verbrachte. Eine Ehrung der im letzten Jahr verstorbenen Sanger des Bundes schloß sich an; hiermit verband man bös Gedenken an zwei Männer, die berufen waren, an hervorragender Stelle im Dienste des deutschen Liedes zu wirken: des Führers des Deutschen Sängerbundes, Geheimrat H ammer- schm i dl, und des ersten Bundescyormelsters des Hessischen Sängerbundes, Dito Naumann. Im Rahmen dieser Ehrung sang der Männergesangver- ein Wetzlar unter Leitung seines Dirigenten, Kapell- meisters Cuj6 (Wetzlar) die Chöre „Sanctus aus der Deutschen Messe" von Schubert und „lieber allen Wipfeln ist Ruh" von Kuhlan auf einen Goe- theschen Tert. Nachdem ber Vorsitzende des Männergesangvereins Wetzlar, Herr Rüdiger, die Sänger willkommen geheißen hatte, eröffnete der Bundesvorsitzenbe die Tagung. Er begrüßte vor allem die Gäste und drückte sein Bedauern darüber aus, daß der frühere Bundesoorsitzende Stroh krankheitshalber nicht anwesend sein kann. Herzlich begrüßte der Redner auch die Vertreter des Gesangvereins Frohsinn Bad-Nauheim, der Aufnahme in den Lahntalbund sucht, ferner die Veteranen, die Chormeister, die Vertreter der Presse. Seine Ausführungen gipfelten in dem Wunsche, in Einheit und Brüderlichkeit treue Arbeit zu leisten die Volk und Vaterland zugute kommt. Herr F u'n k (Wetzlar) begrüßte nach einem schwungvollen Rheinlied des MGV. in Versen die Sänger. Hierbei erfuhr man, daß der Bund nach einem jetzt aufgefundenen Dokument bereits 1845 bestand und hier sein erstes Bundesfest feierte. Es folgte der Vortrag des neuen Sängerspruches „Es ist das Lied ein Kamerad auf deutscher Männer Lebensfahrt", gedichtet von dem verstorbenen Vorsitzenden Storch und komponiert vom früheren Bundesvorsitzenden Stroh. — Folgende Ehrungen wurden alsdann vorgenommen: Für 40jährige Sängertätigkeit erhielten die Ehrennadel die Sänger Adolf Hofmann (Eintracht Hungen), Wilhelm Z ö r b (Frohsinn, Lang-Göns), Wilhelm Gadebusch (MGV. Braunfels). Die Ehrennadel für 2 5 j ä h r i g e Vorstands- tätig keit des Hessischen Sängerbundes mit der Inschrift „Für Verl enfr erhielten: Wilhelm Zörb (Frohsinn, Lang Gons), Ludwig Schneider (Eintracht, Hungen), .August Hofmann (Eintracht, Hungen), Josef S t a u b a ch (Frohsinn, Gießen). Die Ehrennadel des Lahntalsängerbundes für 2 5» jährige Sängertätig teit im Bunde wurden verliehen: Wilhelm Neuweiler (Harmo- nie-Gemütlichkeit, Gießen), Karl Kambei^, Fritz K ä ch 1 e r, Johann Dietrich (Rothscher Männer- chor Lich), Ludwig Schöne (Cäcilia Lich), Friedrich Thomas (Orpheus, Butzbach), Emil Wolff (Cäcilia, Lich), Ernst Naumann (Liederkranz Dillenburg), Wilhelm N a p p (MGV. Wetzlar). Der Jahresbericht teilt u. a. mit, daß der Bund 22 Vereine mit über tausend Sänger zählt. Das 72. Vereinsjahr stand im Zeichen des Niedergangs der deutschen Wirtschaft, und demgemäß war auch das Vereinswesen erschüttert und bedroht. Nahezu 400 Sänger des Bundes find erwerbslos. Eine Bundesveranftaltung hat im abgelaufenen Jahr nicht ftattgefunben, die musikalische Tätigkeit erstreckte sich auf die Arbeit inner- Sialb der Vereine. Diele Sänger mußten es sich ver- agen, am Deutschen Sängerfest teilzunehmen. Trotzdem waren sämtliche Bundesvereine, bis auf zwei oder drei, wenigstens mit einer Fahnenabordnung, oder mit einer Abordnung vertreten. Der Lahntal- [ängerbunb war der einzige Bund oder Gau von Oberhessen, der sich so geschlossen am Fest aber am Festzug beteiligt hat. Am 17. April fand in Lollar ein außerordentlicher Bunbessänaertag statt, bei bem die „Sängervereinigung Lollar" den musikalischen Teil bestritt. Sitzungen des Vorstandes sanden statt; am 28. Februar in Gießen und am 13. November in Braunfels. Vom Hessischen Sängerbund wurden im abgelaufeneW Jahre zwei Freichüre geliefert. Der Bundesoorsitzende legte im September o. I. sein Amt als Provinzialvorsitzender nieder. Die Zertrümmerungsoersuche, so führte er zum Schluffe des Berichtes aus, feien als zwecklos eingestellt. Der Lahntalfängerbund werde als trotzige Eiche, die schon sieden Jahrzehnte überdauert hat, bestehen bleiben. Zu dem Gesuch des GV. Frohsinn Dab-Nauheim um Ausnahme in den Bund erklärte der Vorsitzende, daß die Schwierigkeiten, die bem entgegenftanben, nunmehr beseitigt seien unb bie Wiederaufnahme in ben Hessischen Sängerbunb balbigt zu erwarten sei. Ein Antrag auf Aenberung des § 13 der Bunbes- fatzung wurde angenommen. Hiernach können von jetzt an Bundessänger nach 25- oder 50jähriger aktiver Sängertätigtett, auch wenn sie früher Gesangvereinen angehörten, die nicht im Bunde sind, mit der Bundesnadel ausgezeichnet werben. Rechner Becker erstattete ben Kassenbericht, aus bem hervorging, baß ber Bunb über ein Vermögen von etwa 700 Mark verfügt. Nach der Prüfung der Rechnung wurde ihm und dem Vorstand Entlastung erteilt. Der Vorsitzende dankte dem Rechner für feine treue Arbeit. Das Bunbessest soll 1933 in Marburg statlfinden (ba ber bortige Bunbesoerein im fommenben Jahre auf ein 70jähriges Bestehen zurückblicken kann), unb zwar in Form eines Ehrenfingens, an bem sich jeder Verein mit einem freigewählten Liede beteiligt, bas sich in ben von ber Dirigentenver- fammlung festgelegten Rahmen „Die Natur im deutschen Liede" einfügt. Als Zeitpunkt wurde Anfang Juni festgelegt. Die Teilnahme ist für alle Vereine verbindlich. Bundeschormeister K a st e n - Gießen bittet um gewissenhafte Einübung der Mas- senchöre. Vorproben unb Hauptprobe werben burch ihn ftattfinben. Für bas Bunbessest 1 934 lag ein Antrag bes Bunbesvereins Grünberg vor, ber bas Fest wünscht, ba er in bem Jahre auf ein lOOjähriges Bestehen zurückblicken kann. Da in bemfelben Jahr auch das Bunbessest bes HSB. in Gießen geplant ist, soll burch ben Bunbesvertreter beim HSB. bar- auf hingewirkt werben, baß bieser fein Fest bis 1935 verschiebt, um bas Lahntalbunbesfest in Grün- berg nicht zu beeinträchtigen. Schon jetzt wirb ber erste ober zweite Sonntag im Juli für bas Fest in Grünberg vorgesehen. Der Bundesvorsitzenbe machte noch einige Mitteilungen über den Sängertag in Bad-Nauheim. In seinem Schlußwort dankte er allen Vertretern, be- sonders bem MGV. Wetzlar, ber anschließenb noch durch einige Liebervorträge erfreute. Ein gemütliches Beisammensein, bei bem eine aus Sängern bestehenbe Kapelle konzertierte, beschloß bie Tagung, bie ein schönes Bild von der inneren Geschlossenheit unb Verbundenheit bes Lahntalbunbes gab. sigen Bataillons, unb zwar um zwei Schuhen der Malchinengeweh-kvm a üe. Der Lb:rschühe Puh- l e r, der bas Kraftrao führte, hatte einen O b c r- schenkel-, sowie einen Oberarmbruch unb eine Knieverletzung erlitten; der Beifahrer, Schütze Schultheiß erlitt dagegen einen Schädelbasisbruch und liegt noch zur Stunde bewußtlos. Das Befinden der beiden Verunglückten ist sehr ernst. Wie das Unglück zustande kam, konnte bisher nicht ermittelt werden, da die Soldaten noch nicht vernehmungsfähig sind und (da sie transportunsäh.g find) noch in Ehringshausen liegen. rvornoNzen. — Aus dem S t ad 11hea ter-Dureau wird uns geschrieben: Heute, 20 Llhr, 9. Dienstags-Abonnementsvorstellung mit Djörnsons Schauspiel: .Lieber unsere Kraft" (Spielleitung Wolfgang Kühne). Spieldauer von 20 bis 22 Llhr. Gewöhnliche Preise. — Morgen in neuer Inszenierung zum erstenmal in dieser Spielzeit Franz Grillparzers Lustspiel: .Weh' dem, der lügt", 5 Aufzüge in 8 Bildern unter der Spielführung Karl H e y s e r s. 8. Vorstellung der Mittwoch»Abonnenten. Gewöhnliche Preise. •• Der Straßenbahnverkehr Gießen— Wieseck bis zur Gemarlungsgrenze wurde heute früh fahrplanmäßig ausgenommen. Gleichzeitig hat damit auch der Straßenbahnverkehr durch die Marktstraße und Bahnhofstraße zum Bahnhof wieder begonnen. Aufgehobene Straßensperre, mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil-Club E. V. (A. o. D.), Gießen: Die Sperre auf ber Provinzial- straße Kaichen—Helbenbergen sowie ber Strecke Alsfeld—Romrob wirb ab 1. Dezember aufgehoben. Oer Klassiker -er französischen Oper. Zum 300. Geburtstage des Komponisten Jean Baptiste Lully. Unter den Künstlererscheinungen, bie bas Zeitalter bes „Sonnenkönigs" Ludwig XIV. in Frankreich aufzuweisen hat, steht neben ben großen Dichtern, Architekten unb Malern ebenbürtig ein Musiker. Jean Bap11ste Lully, ber Schöpfer der französischen Oper. Dieser Klassiker ber franzö- fischen Musik, war ein geborener Italiener; er erblickte am 29. November 1632 in Florenz das Licht ber Welt, unb „ber Florentiner" würbe ber merkwürdige Mann, der durch seine Brutalität, seinen Geiz unb sein lebhaftes Temperament am Hole so manchen Feinb fanb, auch später noch verächtlich genannt. Als er im Alter von 12 oder 13 Jahren von einem französischen Adligen mit nach Paris genommen wurde, da konnte er nur singen und etwas Gitarre spielen. In Paris wurde er bei „Mademoiselle", der Tochter des Königs, Küchenjunge, unb hier entbeefte er ein neues Talent: er kratzte die Geige. Zufällig hörte ein Graf ben Küchenjungen spielen, wurde auf sein Talent aufmerksam unb ließ ihn studieren. Rasch schwang er sich zum ersten Geiger feiner Zeit auf, unb sein Spiel wurde geradezu sprichwörtlich, so daß Mme. be S 6 d i g n 6 in einem ihrer Briefe einen Virtuosen nicht mehr rühmen fanrr als daß sie von ihm sagt: „Er spielt noch besser Geige als Baptiste". Lully kam nun in bas königliche Orchester, erhielt bann die Oberaufsicht über bie Geigen des Herr- chers unb die Leitung einer neuen Kapelle. Aber ein Ehrgeiz ging weiter, unb durch die Macht seines Willens brachte er es schließlich zum Sekretär bes Königs^ zum Diktator in allen Fragen ber Musik unb zum schwerreichen Manne. Das Geheimnis, burch das ber kleine unb häßliche Mensch, ben man den „Knicker", ben „Vielfraß" unb einen „öiberroäringen Burschen" nannte, soviel erreichte, lag in der Macht seiner Persönlichkeit. Er verband geniale Begabung mit ebenso großer Schlauheit und Rücksichtslosigkeit. Seine dämonische Leidenschaft wirkte sich ebenso aus in ber Fülle seiner musikalischen Schöpfungen wie in ber Aufführung seiner Werke, in ber Behanblung des Künstlervolkes, bei ber er selbst vor gröbsten Tätlichkeiten nicht zurück- schreckte, wie in ber Zusammenraffung großer Reichtümer. Als er starb, hinterließ er neben großen Golb- unb Süberschätzen ein Vermögen von etwa zwei Millionen Mark. Sein wildes Temperament verursachte auch seinen Tob. Beim Dirigieren eines Tedeum schlug er sich am Schluß mit dem Taktstock so heftig an ben Fuß, baß er ein Geschwür bekam, das brandig wurde. So starb er am 22. März 1687 im Alter von 54 Jahren. Noch auf dem Totenbette soll er versucht hoben, zu mogeln. Denn es wirb erzählt, daß ber Beichtvater ihm nur unter der Bedingung Absolution erteilen wollte, daß er bie Hanbschrift seiner neuesten Oper ins Feuer werfe. Lully übergab bie Partitur gehorsam ben Flammen, als ihn dann aber einer ber Prinzen besuchte unb fragte, warum er seine herrliche Musik vernichtet habe, da flüsterte ihm Lully ins Ohr: „Pst, gnädiger Herr! Ich wußte schon, was ich bat: ich habe noch eine Abschrift davon." Die Oper, deren Schöpfung in Frankreich Lullys Großtat wurde, ist durch ihn zu einem Kunstwerk gestaltet worden, das sich von der von den Italienern begründeten Form durchaus unterschied. Wohl sehlte es ihm an der Fülle bes Wohllauts, mit der seine Landsleute das bunte Durcheinander ihrer Stoffe zu durchdringen wußten, aber er lieh dafür ber neuen Gattung bie Klarheit und Ordnung, die in bem Stile Lubwigs XIV. triumphierten. Er war so ganz zum Franzosen geworben, baß er zunächst bie von den Italienern erfundene Oper überhaupt ablehnte. Erst nachdem er in Qu i na ult einen kongenialen Textdichter gesunden hatte, wandte er sich der Opernkomposition zu und schrieb nun von 1672 bis zu seinem Tode jedes Jahr eine Oper. Dieser Arbeit widmete er drei Monate, während er den übrigen Teil des Jahres auf das (Ein- studieren unb die szenische Ausgestaltung des Kunst- Werkes verwandte. Hatte er sich über das Textliche mit seinem Mitarbeiter geeinigt, bann setzte er sich ans Klavier unb sang Die Worte immer wieder, wobei er heftig schnupfte, so daß die Tasten ganz mit Tabak beschmutzt waren. Als echtem Musiker dienten ihm alle Klänge ber Umwelt für feine Zwecke; so soll ihm ber Schritt seines Pferdes einmal ben Gedanken zu einem Geigenstück gegeben haben. In feiner Opernkunst wußte er die gegensätzlichsten Dinge zur Einheit zusammenzufügen. Das Rezitativ formte er ganz nach ber Deklamation des klassischen Dramenoerses, wie ihn Racine ausgebildet hatte. Die Einleitung b-Ubete eine mächtige Ouvertüre von symphonischer Form, bann folgte ein Prolog, in bem alle Hilfsmittel bes Orchesters, der Stimmen unb Tänze vereinigt waren. Im Innern der Oper herrschte ein wohl abgewogenes Gleichgewicht, unb der Schluß gipfelte in einer Apotheose von Chören unb großem Ballett. Auch die Einstudierung ber Tänze leitete Lully selbst, unb obwohl er selbst nie tanzen gelernt hatte, zeigte er sich doch auch darin als Meister. „Lulln ist kein großer, kein ungewöhnlicher Musiker, aber dennoch ein gewaltiger Künstler", hat Kretzschmar von ihm gesagt. „Die Gaben, die die Renaissancezeit auch für ben Musiker in ben Vorbergrunb stellte: scharfe Beobachtung, einfache sichere Wiebergabe menschlicher Zustänbe und Charaktere, besitzt er in tjeroorragenbem Maße. Wo ihn bie Ballettpflichten nicht hemmen, ba kommt in seinen Opern ein echter Dramatiker zum Vorschein. Seine Erfinbung ist vielseitig, Scherz unb Zärtlichkeit finb ihm ebenso geläufig wie Schreck unb Verzweiflung. Im Dämonischen hat er sich für alle Zeiten ausgezeichnet." Seine Arien brangen in alle Klassen ber Gesellschaft, würben selbst in ber be- scheibensten Hütte-Lesungen, unb sein Werk hinterließ fast ein Jahrhunbert lang tiefe Spuren in ber Opernkunst bis zu Gluck. Buntes Allerlei. Aeuer englischer Text von Haydns „Schöpfung^. Die „Schöpfung" Haybns ist jetzt im Jahre seines 200. Geburtstages von bem philharmonischen Chor in Lonbon ausgeführt worben unb babei würbe eine neue Fassung bes Textes verwenbet, bie von Fox-Strangwoys unb Stuart Wilson geschaffen ist. Die bisherige Uebersetzung ber beutschen Worte hatte viele Mängel, und manche Sätze waren büret« ter Unsinn, ber überhaupt nicht zu verstehen war. Die Kritik rühmt bie neue Uebertragung, bie in ben meisten Fällen eine Verbesserung gegenüber ber alten darstellt, unb bie Schönheiten bes Werkes erst ins rechte Licht stellt. Zu viele Briefmarken. Markenhänbler unb Briefmarkensammler aus allen Teilen ber Welt haben bei ber Internationalen Post-Union Einspruch erhoben gegen bie Ausgabe zu vieler Erinnerungsbriefmarken, bie in ber letzten Zeit erfolgt ist. Da jede Sammlung von Wert eine gewisse Dollstänbigkeit haben muß, so wirb daburch ben Philatelisten für ihren Gelbbeutel zu viel zugemutet. Briefmarken finb für bie Regierungen eine wichtige Einnahme-Quelle, auch wenn man nicht ihren praktischen, fonbern ihren Sammelroert berücksichtigt. Es gibt Millionen von Briefmarkensammlern, deren Aufwendungen für europäische Marken allein auf eine Summe von 20 Millionen Mark jährlich geschätzt werden. Für bas nächste Jahr ist nun eine neue Ueberflutung mit Erinnerungsmarken zu erwarten. Die russische Regierung allein will neun solcher Serien aus- geben, barunter befinden sich Marken zum Andenken an die 15-Jahr-Feier ber Schöpfung ber Roten Armee, an ben 50. Tobestag von Karl Marx, an die Ermordung von 26 Kommunisten in Baku, an bie Gründung des Ordens der Roten Fahne usw. Italien ist ebenfalls fleißig in ber Ausgabe solcher Markenserien, so jetzt zur 10-Jahrfeier bes Mar- (dies nach Rom. ßettlanb beabsichtigt bie Ausgabe von Marken, bie bie Eroberung ber Luft oerherr- liehen. Die Vereinigten Staaten haben ebenfalls in letzter Zeit ben Gelbbeutel ber Sammler stark in Anspruch genommen. Oer kühne Seefahrer. Bei ber Ausbilbung junger Leute zu tüchtigen Seeoffizieren ereignen sich manche heiteren Zwi- fchenfälle. Auf einem beutschen Schulschiff, bas ge- rabe auf Auslanbsfahrt war unb sich im Pazifischen Ozean befand, sollte ein Seekabett seine Navigationskenntnisse beweisen. Er würbe vor die Aufgabe gestellt, den geographischen Standpunkt des Schiffes genau nach Längen- unb Breitengraben zu bestimmen. Der Kapitän ließ sich bie Berechnungen bes jungen Mannes vorlegen unb rief ihn baraufhin zu sich. „Junger Mann, nehmen Sie Ihre Mütze ab!", sagte er zu ihm mit feierlichem Ernst, „wir befinben uns an heiliger Stätte ..." In ratloser Verwirrung tat ber Aspirant, was ihm geheißen war. „Jawohl", sagte ber Kapitän, „wenn Ihre Berechnungen genau stimmten, fahren wir jetzt gerabe burch ben Wiener Stephans- oom!" Taucher-Kongreß. Unter ben mertroürbigen Kongressen, bie alljährlich in Paris ftattfinben, befinbet sich auch bie Versammlung ber Französischen Nationak-Liga zum Schutz ber Raucher, bie bieser Tage zum drittenmal tagte. Die Abgeordneten vertraten die 23 000 Mitglieder dieses über das ganze Land verbreiteten Bundes. Natürlich wurde bei ben Verhandlungen tüchtig geraucht, und sogar der „Beobachter", der von der Gesellschaft gegen ben Tabak-Mißbrauch gesandt worden war, rauchte. Das Programm wurde in wenigen Stunden erledigt, und unter den Resolutionen befand sich auch eine einstimmig angenommene, bie bagegen Einspruch erhob, daß ber von ber französischen Regie verkaufte Pfeifentabak so trocken sei. Ein tüchtiges Mädchen. Die Bauern bes Dorfes Lisischitsch in Dalmatien haben eine beträchtliche Summe gesammelt, um damit bie 19iährige Anbia Surabi zu belohnen, weil sie den Ort von zwei gefährlichen Viehbieben befreit hat, bie bereits großen Schaden angerichtet hatten. Die Diebe brachen des Nachts in den Stall der Besitzung ein, die dem Vater des Mädchens gehörte, als bie Männer nicht zu Hause waren. Anbia aber, bie nicht nur sehr hübsch, fonbern auch sehr kräftig ist, griff bie Diebe energisch an. Wäh« renb einer durch ein Fenster enttarn, packte fie ben anbern uni hielt ihn To lange fest, bis ihre betagte Großmutter (!) zu Hilfe kam. Die beiden Frauen banden die Arme bes Mannes mit einem Strick fest auf ben Rücken unb Anbia stieß ihn bann vor sich her, bis zum Polizei-Revier. Der Dieb gestand ben Namen seines Helfers, ber kurz banach ebenfalls verhaftet werben konnte. Die tüchtige Anbia ist feitbem bie Helbin bes Dorfes. 9.J.Jpor< „Big Bill^ Tilden spielt in Frankfurt. Das Interesse am Auftreten der Tilden-Temiis Co. ist sehr groß, denn im rhein-muinischen Gebiet hat man schon seit langen Jahren feine Gelegenheit mehr gehabt, Tennisspieler von solcher Klasse im Kampf zu sehen, wie sie am kommenden Samstag und Sonntag in der Festhalle erscheinen werden. Der langjährige Weltmeister Tilden war überhaupt noch nicht in unserem Gebiet. Aber nicht nur Tilden, auch seine Mitspieler finden die größte Aufmerksamkeit. Der junge Deutsche Meister Hans N ü tz- lei n, der unverwüstliche Altmeister Roman Raju ch, der ausgezeichnete amerikanische Nachwuchsspieler Barnes, der Frankfurter Messer- schm i d t und Becker (Wiesbaden) sind Spieler von hoher Klasse, deren Kämpfe überall nicht nur lehr- und beispielhaft, sondern auch beigeisternd gewirkt haben. Am Samstag, wie auch am Sonntag werden alle verpflichteten Spieler, unter denen sich bekanntlich fünf von den acht besten Berufsspielern der Well befinden, in Aktion treten. Oie deutsche Fußballelf gegen Holland. Kampf am 4. Dezember in Düsseldorf. Der Spielausschuß des Deutschen Fußball-Bundes hat am Sonntagabend die deutsche Nationalelf für das am 4. Dezember im Düsseldorfer Rheinstadion stattfindende Länderspiel gegen Holland wie folgt ausgestellt: Buchloh (VfB. Speldorf); Schürz, Stubb (beide Eintracht Frankfurt); Knöpfte (FSB. Frankfurt), Leinberger Spvg. Fürth, M a h l m a n n (Hamb. SV.); Allbrecht, Wigald (beide Fortuna Düsseldorf), K u z o r r a (Schalke), R. Hofmann (Dresdner SC.), K o - bierski (Fortuna Düsseldorf). Ersatz: Tor: Pesch; Verteidigung: Trautwein (beide Fortuna Düsseldorf); Läufer: Horn (Schwarz-Weiß Essen), Bender (Fortuna Düsseldorf); Sturm: Poertgen (Schwarz-Weiß Essen), Röthardt (Schälke 04). — Schiedsrichter ist der Belgier Langenus. VfB. Gießen. VfB. 1. Jugend — Leihgestern 1. Jugend 2:1. Vor dem Spiele der Stadtmannschaft trug die 1. Jugend ein Diplomspiel gegen die 1. Jugend von Leihgestern aus. Der jederzeit faire Kampf endete 2:1 für die DfBer, die sich gegenüber den weitaus körperlich kräftigeren Gästen sehr gut hielten. Kurze Sportnotizen. 92 500 Leichtathleten starteten in der abgelaufenen Saison bei rund 1200 in Süddeutschland abgehaltenen Veranstaltungen. Lim den Doxpokal der Amateure trafen sich in Essen Westdeutschland und Mittelrhein. Der Kampf endete mit einem Siege der westdeutschen Staffel mit 11:5 Punkten. Sn Marseille geschlagen wurde der deutsche Stehermeister Erich Möller. Er belegte in zwei 100-Kilometer-Läufen hinter Weltmeister Paillard Zweiter und in einem 40-Kilometer- Aennen Letzter. Zwei Siege in Frankreich errangen die Fußballer des ASV. Nürnberg. Sie besiegten den SC. Lille mit 4:2 und AS. St. Malo mit 5:0. D ie deutsche Studentenelf. die an Weihnachten den Länderkampf gegen Stalien bestreitet, wird am 17. Dezember in Worms ein Sviel gegen die Dezirksliga-Elf von Alemannia/ Olympia austragen. Englands Elf gegen Oesterreich für den Länderkampf am 7. Dezember in London wird wie folgt antreten: Hibbs; Goodall, Dlen- kinshop; Strange, Harts, Campbell; Crooks, Sack, Hampson, Walker, Houghton. Dom Bücheriisch des Sportlers. — Sicher und schnell Autofahren. Aon Werner Gräff. Wit 30 Bildern. Erschienen im Süddeutschen Verlagshaus G. m. b. H., Stuttgart. (218) — Dieses Buch gibt die Selbstschulung zur Lleberwindung schwieriger Situationen; denn eine Fahrschule besucht haben, heißt noch nicht unbedingt sicher und schnell fahren können. Das zu erlernen ist Sache des Fahrers selbst, der erst die nötigen Erfahrungen sammeln muß. Dieses Buch hilft, ohne Schaden klug zu werden. Die Anleitungen dazu gibt es in lebendigster Form mit ganz einfachen, klaren Worten und vielen guten Bildern. Aus dem Gießener Naßsportlager. Oer Radball-Weltmeister in Gießen. Das Radballturnier des Radclubs „Germania", das am 3. Dezember stattfindet, hat eine ganz ausgezeichnete Besetzung gesunden. Zum offiziellen Meldeschluß liegen folgende Meldungen vor: Sn der A- und Meisterklasse hat neben dem Deutschen Meister und Weltmeister (W. Schreiber und E. Bier sch vom RB. Wanderlust Frankfurt am Main-West) der bereits früher mit den gleichen Titeln ausgezeichnete RFC. 1895 Frankfurt a. M.- Oberrad seine erste und zweite Mannschaft zur Teilnahme angemeldet. Außerdem starten in dieser Klasse RSC. „Opel" Rüsselsheim mit seiner ersten Mannschaft sowie die 1. Mannschaft (A. Daum — W. Stommel) des festgebenden Vereins. Sn der 8-Klasse haben gemeldet: die ersten Mannschaften von RB. 1901 Frankfurt a. M. - Ried, „Schwalbe" Siegen, Gießener Rad"ahrverein von 1885 Gießen, RC. „Germania" Gießen, sowie die erste und zweite Mannschaft des RB. „Wanderlust" Kelkheim. Es steht zu erwarten, daß im Hinblick auf dos vorzügliche Meldeergebnis ausgezeichneter Sport geboten werden wird. Hauptgautag im Lahngau des Bundes Deutscher Radfahrer. Am Sonntag fand in Gießen der diesjährige Hauptgautag des Lahngaues im Bund Deutscher Radfahrer statt. Fast alle Vereine des Gaugebietes hatten Vertreter entsandt. Der Gauvorsihende Bellinger (Alsfeld) konnte eine stattliche Versammlung begrüßen. Sn seinem Bericht über das ab gelaufene Sportjahr gedachte er zunächst des verstorbenen Gauehrenmitgliedes Emil Siep - mann (Marburg). Ferner rief er die Veranstaltungen des Sahres in das Gedächtnis zurück, um mit der Ditte zu schließen, daß die Gaumit- glieder auch im kommenden Sahre dem Radsport und dem Gau die Treue halten möchten. Der Bericht des Gauzahlmeisters Hofmann (Gießen) lag gedruckt vor. Der Kassenprüfer Keßler (Gießen) gab bekannt, daß die Kasse geprüft und in Ordnung befunden worden sei. Anschließend berichteten die verschiedenen Fahrwarte, deren Ausführungen zu entnehmen war, daß in den Dau- vereinen, wie im Gau überhaupt lebhafter Sportbetrieb in einigem Geiste gepflegt wird. Bevor zur Vorstandswahl geschritten wurde, dankte der Dor- sihende allen Vorstandsmitgliedern sowie den Kameraden im Gau für die Arbeit, die im verflossenen Sahre die im Snteresse des Sportes geleistet wurde. Er richtete an alle Teilnehmer der Tagung die dringende Bitte, Sugendrnitglieder für den Radsport zu werben. Die Dorstandswahl selbst zeitigte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender: Karl Bellinger (Alsfeld); 2. Vorsitzender: Adam Kircher (1885 Gießen); Schriftführer: H. Derichs (Alsfeld); Zahlmeister: H. Hofmann (1885 Gießen); 1. Straßenfahrwart: Gauehrenstraßenfahrwart H. Marr (Germania, Gießen); 2. Straßenfahrwart Gg. Kehr (Gießen); Sugendsahrwart: W. H Inders in (Weilburg); Saalsahrwart: W. Göbel (Wehlar-Riedergirmesf; Kraftfah.wart: Troß (1887 Wetzlar); Pressewart: E. Hauck (1885 Gießen); Beisitzer: Hermann (Gießen) und Seibert (Wieseck); Kasfenprüfer K. K e h - ler (1885 Gießen) und A. Stiebeling (1887 Wetzlar). Rach dem zwei Anträge ihre Erledigung gefunden hatten, sollten die Austragungsorte für die Gaumeistersckaften und für das Gausommerfest festgelegt werden. Die Versammlung kam jedoch zu dem Entschluß, die im Sahre 1933 Termine- festsehung bis zum Fahrwarte-, bzw. bis zum Frühjahrs-Gautag zurückzustellen. Als Vertreter zur Dundeshauptversammlung wurde Herr De l- linger (Alsfeld), als dessen Stellvertreter Herr Kircher (Gießen) entsandt. Sm weiteren Verlauf der Versammlung wurde durch S t o m m e l (Gießen) der Vorschlag gemacht, in den Gauvereinen ebenfalls Schülerabteilungen zu gründen, da dem Radsport durch Fußball viel Abtrag getan werde. Die Herren Kehr und H. Derichs verteilten zum Schluß die Auszeichnungen an die Sieger im Straßen- und Saalsport. Mit Wünschen für die weitere Entwicklung des Gaues und des Bundes schloß der Vorsitzende die Tagung. (Straffammer Gießen. * Gießen, 25. Nov. In der Privatklage eines Müllers gegen einen Schuhmacher wegen Beleidigung mar auch ein Gendarmeriehauptwachtmeister als Zeuge vernommen worden. Er hatte eidlich bekundet, der Schuhmacher habe, als er ihn dienstlich von einer von dem Müller gegen seinen Sohn erhobenen Anzeige in Kenntnis gesetzt und Ermittlungen zu dieser Anzeige vorgenommen habe, mit Bezug auf den Müller^geäußert „So'n Sautopp". Der dies bestreitende Schuhmacher wurde daraufhin wegen Beleidigung verurteill. Nun erstattete er gegen den Wachtmeister Anzeige wegen Meineids. Das Ministerium des Innern als vorgesetzte Behörde des Beamten beantragte gemäht Art. 77 des Hess. Ausfüh- rungsgesetzes zum BGB. eine Vorentscheidung des Verwallungsgerichtshofs und dieser erließ im De- zember 1931 Urteil dahin, daß der Gendarmerie- beamte sich einer Ueberschreitung seiner Dienftbefug- nisse nicht schuldig gemacht hat, d. h. daß er einen Meineid nicht geleistet habe. Das Meineidsverfahren wurde daraufhin eingestellt, da die Staatsanwallschaft durch diese Entscheidung gebunden war. Im März 1932 erklärte der Schuhmacher auf einer Fahrt von seinem Heimatdorf nach Gießen, der Wachtmeister habe doch einen Meineid geleistet, und er sage es ihm auch ins Gesicht, wenn er ihn allein treffe. Das Amtsgericht Gießen hatte wegen dieser beleidigenden Aeußerung den Schuhmacher zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt, da nach der Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs feststehe, daß der Wachtmeister einen Meineid nicht geleistet habe. Die Strafkammer hatte sich heute zufolge Berufung des Angeklagten mit dieser Sache zu befassen. Ein Antrag des Angeklagten, Zeugen dafür zu laden, daß der Beamte doch einen Meineid geleistet habe, wurde abgelehnt, da nach gesetz- kicher Bestimmung das Gegenteil festgestellt ist. Da auch die Strafe nach Art und Höhe angemessen erschien, wurde die Berufung verworfen. Ein Arbeller war wegen Betrugsversuchs verurteilt worden, da das Amtsgericht für festgestellt hielt, daß er unter Vorlage einer falschen Arbeits- bescheinigung Arbeitslosen-Unterstützung zu erhalten versucht habe. Die heutige Verhandlung mußte nach erfolgter Beweisaufnahme zwecks weiterer Ermittlung vertagt werden. Spenden für die Arbeit des DOA. Der Landesverband Hessen des Vereins für das Deutschtum im Ausland (VDA.) hat eine Werbewoche veranstaltet, in der in fast allen Gemeinden Hessens für die VDA. - Arbeit Geldsammln n g e n durch die Volks- und die höheren Schulen Dorgenommen wurden. In der Gebefreudigkeit stehen die höheren Schulen Gießens mit an dec Spitze von ganz Hessen. Es wurden gesammell in den Ortsgruppen: Gießen 471,16 Mk., Grünberg 109,30 Mk.; in den höheren Schulen: Realgyrnna- sium Gießen 764,33 Mk., Oberrealschule Gießen 500,68 Mk., Studienanstalt Gießen 669,49 Mark. Gymnasium Gießen 390,15 Mark, Oberrealschule Grimberg 73,60 Mk., Realschule Hungen 51,10 Mk. Von den Volksschulen sammelten: Schillerschule Gie- ßen 119,90 Mk., Goetheschule Gießen 223,04 Mk., Pestalozzischule 68,55 Mk., Schule Albach 7 Mark, Allendorf a. d. Lahn 20,70 Mk., Allendorf a. d. Lda. 18 Mark, Annerod 23 Mk., Bellersheim 21,40 Mk., Bellershain 4,85 Mk., Bersrod 7,65 Mk., Bettenhausen 13,90 Mk., Birklar 10,30 Mk., Burkhards- felden 24,40 Mk., Dorf-Gill 20 Mk., Eberstadt 20 Mk., Ettingshausen 15,20 Mk., Garbenteich 17,25 Mk., Göbelnrod 7 Mk., Großen-Buseck 36,80 Mk., Grotzen-Linden 33,20 Mk, Grüningen 13,40 Mark, Harbach 7 Mk., Hausen 12,05 Mk., Holzheim 52 Mk., Hungen 51,75 Mk., Klein-Linden 21,55 Mk., Langd 12 Mk., Lang-Göns 52,80 Mk., Langsdorf 33,55 Mk., Lauter 12,30 Mk., Leihgestern 43,10 Mk., Lich 68,85 Mk., Lindenstruth 7 Mk., Lollar 49,50 Mk., Lumda 10 Mk., Mainzlar 15,85 Mk., Muschenheim 10,70 Mk., Nieder-Bessingen 8,60 Mk., Nonnenroth 9,15 Mk., Obbornhofen 16 Mk., Ober-Hörgern 12,50 Mk., Odenhausen 7,90 Mk., Queckborn 10,65 Mk., Reiskirchen 16,40 Mk., Rodheim a. d. Horloff 9,50 Mk., Rödgen 5 Mk., Rüddingshausen 11,15 Mk., Ruttershausen 11,60 Mk., Saasen 7,49 Mk., Staufenberg 20 Mk., Steinbach 18,30 Mk., Steinheim 13,65 Mk., Trais-Horloff 14,60 Mk., Treis a. d. Lda. 21,25 Mk., Trohe 4,35 Mk., Utphe 24 Mk., Dillingen 34,50 Mark, Watzenborn-Steinberg 44,70 Mark, Weickartshain 7,30 Mark, Heuchelheim 10,60 Mark. Büchertisch. — DenDergenverfaNen. Alpensahrt«r von Eleonore Roll-Hasenclever. Wit Geleitwort und Lebensbild versehen und mit Beiträgen von Professor Dr. G. Dyhrenfurth, Dr. W. Martin, Professor Hermann Trier und Dr. WM Welzenbach. Herausgegeben von Oberst Heinrich E r l e r, stellvertretenden Vorsitzenden der Sektion Berlin des D.u.Oe.A. Wit einem faf« similierten Brief Alexander Burgeners und 25 Abbildungen. Kart. 6,80 Mark, Ganzleinen 8,50 Mark. Union Deutsche Verlagsgesellschaft Zweigniederlassung Berlin SW 19. — (297.) — — Rechenkniffe. Lustiges und vorteilhaftes Rechnen. Ein Lehr- und Handbuch für das tägliche Rechnen. Don Karl Wenninger. 2. verb. und stark vermehrte Auflage. 84 S. 1,50 Mark. Verlag Karl Poths, Frankfurt a. M., Eiserne Hand 12. — (300.) — Wirtschaft. 9/76 Millionen RM Sparkasseneinlagen Ende Oktober. Berlin, 28. Nov. Die Sparkasseneinlagen beliefen sich Ende Oktober auf 9758,69 Mil- üonen gegenüber 9732,17 Millionen Reichsmark Ende September d. I. Der Berichtsmonat weift mithin eine Zunahme um 26,52 Millionen auf, gegenüber einer Abnahme um 4,88 Millionen im Vormonat. Im einzelnen betrugen die Einzahlungen 410,74 (366,05) Millionen, davon aus Aufwer- tung 10,53 (6,35) Millionen und aus Zinsgutschriften 0,66 (1,51) Mill. Die Auszahlungen stellten sich auf 384,22 (370,93) Millionen. Die Depositen-, Giro- und Kontokorrenteinlagen stellten sich am Ende des Berichtsmonats auf 1155,39 Millionen gegenüber 1181,47 Millionen Ende September 1932. Frankfurter Abendbörse im Verlaufe nachgebend. Frankfurt a. M., 28f? Nov. An der Abendbörss war nur kleines Geschäft in einigen Montanwerten zu verzeichnen, von denen Gelsenkirchen mit plus 0,75 v. H. wieder bevorzugt wurden. Auch die Mehrzahl der übrigen Bergwerksaktien wies kleine Erhöhungen auf, nur Klöcknerwerke lagen etwas schwächer. Auf den übrigen Marktgebieten bestand Zurückhaltung. Einmal wegen der noch ausstehenden innerpolitischen Entscheidung, zum andern wegen der schwachen Auslandmeldungen, sowie wegen des weiteren Kursoerfalles der Sterlingdevise. Die Grundstimmung war zwar unverändert freundlich, das Geschäft aber gleich Null. Am Rentenmarkt lagen Reichsaltbesitz und späte Reichsschuldbuchforderungen sehr ruhig und eine Nuance leichter, während die Neubesitz- und Schutzgebietsanleihe gut behauptet blieben. Am Pfandbriefmarkt tarnen die Kurse meist unverändert zur Notiz. Im Verlaufe brodelten die Kurse überwiegend etwas ab. Einige anfangs noch nicht zur Notiz gekommene Werte gaben etwa 0,25 bis 0,75 v. H. nach. Für Reichsbank zeigte sich dagegen zu 129 v. H. (plus 0,75 o. H.) Interesse. Neubesitzanleihe 6.60, Altbesitzanleihe 58,40 (Nachbörse 58,25), Schutzgebietsanleihe 6,05, Reichsbank 129, Buderus 41,50, Gelsenkirchen 43 bis 42,50, Kali Westeregeln 111, Klöcknerwerke 43 bis 42,50, Mannesmann 56,75, Phönix 29, Rheinstahl 70,25, Stahlverein 25,75, Aku 55,50, AEG. 33,40, Conti- Gummi 109,50, IG.-Farben 95,25 (Nachbörse 95,13), Metallgesellschaft 34, Rütgerswerke 41,13, Siemens 120, Reichsbahnoorzugsaktien 91,50, Hapag 16,75. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt, 28. Nov. (WTB. Drahtmeldung.) Die Getreidebörse hatte zu Beginn der neuen Woche bei sehr stillem Geschäft matte Tendenz. In Brotgetreide hat sich das Angebot verstärkt, so daß bei Weizen infolge der mangelnden Kauflust ein Preisrückgang van 5 Mark zu verzeichnen war. Roggen gab um 2,50 Mark nach, und auch Hafer ging erneut um 1,50 Mark zurück. Sommergerste blieb hingegen gut behauptet. Das Mehlgeschäft war äußerst still trotz abermals ermäßigtem Mühlen- preis. Der Futtermittelmarkt war zwar sehr ruh!g, doch konnten sich die Preise für Leinkuchen und Erd- nußkuchen, sowie Palmkuchen und Erdnußmehl bis zu 0,25 Mark befestigen, während Sojaschrot im gleichen Ausmaße nachgab. Es wurden notiert: Weizen 207,50 Mark, Roggen 162,50, Sommergerste für Brauzwecke 180 bis 187,50, Hafer (inländischer) 137 bis 140, Weizen- mehl (süddeutsches Spezial 0) 29,25 bis 30,25, Weizenmehl (niederrheinisches, 29,25 bis 29,75, Roggenmehl 23,25 bis 24,50, Weizenkleie 8 bis 8,15, Roggenkleie 8,50, Sojaschrot 11, Palmkuchen 8,75 bis 9, Erdnußkuchen 12,75, Heu (süddeutsches, gut; gesund, trocken) 4,60 bis 4,80, Weizen- und Roggen- stroh (drahtgepreßt) 2,25 bis 2,50, Weizen- und Roggenstroh (gebündelt) 2,25 bis 2,50, Treber (ge- trocknet) 10,75, Jndustriekartoffeln hiesiger Gegend, per 50 kg 1,75 Mark bei Waggonbezug. — Tendenz: ruhig. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beichlosjenen Divid nde an. — Reichsbankdiskont 4 o. H.. Lombardzinsfuß 5 v. H. Sronthirt a. 2)L Berlin .viannun u. jji. 2)ernn Frankfurt a.M. Berlin DeöijenmarkI Berlin — Jranffurl a M. Schluß« furd Schluß!. Abend- börs- Schluß» lurs Schluß!. Mittag« dö'sc Schlußkurs Gchlußk. Abendbörse Schluß- kurs Schlußk. Mittagbörse Schluß« kurs Schlußk. Abend- börs- Schluß» furd Schlußk. Ml iag- bör-e 26-November 28. Nove i> er Amtliche Notierung (Rflf | Ärie Amtliche Notierung Geld | 3rit Datum 26.11. 28.11. 26.11. | 28-11. Datum 26-11. | 28.11. 26.11. 28.11. Datum 26-11- 28.11. 26.11. 28.11. Hclstngfor» . Wien. . . . Prag . . . Budapest. . Sofia . . . Holland . . OSlo.... Kopenhagen. Stockholm . London. . . Buenos Airei Neuyork . . Brüssel. . . Italien. . . Parts . . . Schweiz . . Spanien . . Danzig. . . Japan . . . Mo de Ian.. Jugoslawien. Lissabon . . 5,934 51,95 12,465 3,057 169,38 69,53 70,58 73,18 13,55 0,878 4,209 58,29 21,52 16,47 80,92 34,38 81,85 0,879 0,294 5.634 12,76 5,946 52,05 12,485 3,063 169,72 69,67 70,72 73,32 13,59 0,882 4,217 58,41 21,56 16.51 81,08 34,44 82,01 0,881 0,296 5,646 12,78 Bantnoten 5,934 51,95 12,465 3.057 169,33 69,38 70,23 72,98 13,46 0,878 4,209 58,27 21,51 16,47 80,92 34,40 81,85 0,879 0,294 5,634 12,76 5,946 52,05 12,485 3,063 169,67 69,52 70,37 73,12 13,50 0,882 4,217 58,39 21.55 16,51 81.08 34,46 82.01 0,881 0,296 5,646 12,78 6% Druuche Retchsaruerhe v. 192. 6% ehem. 7%® L ReichScml. V.1S2S 5y-% Young-Anleihe von 1930 Deutsche Anl.-Ablü^Echuld mit AuSlo,.-Rechten..... Seefll. ohne Auslos.-Rechte . - 6% ehem 8%t>eil. «pftiftatB 1929 (tucnahib. iO2%)...... Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ... Deutsche Komm. Sammelabi. Anleihe Serie 1 . 6% ehem. 8% iyranff. Hyp.-Bank Golvple. 15 unkündbar bis 1935 6% ehem. 7% Frankl. Hvp.-Banl Golvvie 16 unkündbar bis 1936 6>/,% ehem. 47j% Franks.Hyp.- Bank Utqu Pfandbriefe 6Vi% ehem. 4^,°/!. Rheinische Hnv -Bant-Liau -Goldpe. . 6% ehem 8% Pr. Lanbespland- btiefanflai Pfandbriefe R. 19 6% ehem. 7% Pr. Landespsand- brtefanftali Psandbrieie R. 10 74.5 89 75,75 57,5 6,5 68,5 55,75 52,5 79,9 83,5 77,5 78 75 89.25 76,35 58,4 6,6 56 53,9 80,25 79,9 83,75 - 78,5 78,5 75 89 75,25 57,3 6,45 68 53,13 77,5 75 89.25 76,75 58,2 6,6 68,5 54,13 78 Hamdurg-Amerua Paic < Hamburg-Südam. Dampfschist. O Hania Dainvsschisi - . . ' Norddeutscher Llohd.....< 2L@. sür Verkehrswesen Akt. . O Berliner Handelsgesellschaft . 4 Commerz- und Privat-Bank . 0 Darmstädter und Nationalbanl O Deutsche Bank uno Disronto-Geiellschast... 0 Dresdner Bant...... 0 Reichsbank..... 1: A.E.G............0 Bergmann.........0 Elektr. LiefcrungSgesellschast. 6 Licht und Straft...... 6 Felten & Guilleaume.... 0 Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 4 Rheinische Elektrizität . . . bv Schuckeri & (So....... 0 Siemens & Halske . . . . . 9 Lahmeyer & (So.......10 16,13 17,25 40,5 89,5 53,5 75 61,75 127,25 32.75 69 97,25 53 71,5 77,5 72,5 119 '12 16,75 17,65 41 89,5 53,5 75 61,75 129 33,4 59,5 96,75 53 72,5 78 73 120 113 16,4 17,4 40,75 127,25 32,5 68,25 97 53,25 71,25 77,5 72,75 120 17 26,25 17,75 41,65 128,25 33,13 70 96,25 53,75 72,4 78 73,5 120 113 Riebect Montan......7,- Bereinigte Stahlwerke .... 0 Otaoi Minen ...... 0 Kaliwerke Aschersleben ... 6 Kaliwerke Westeregeln ... 6 Kaliwerke Salzdetfurth ... 9 I. G. Farben-IndulMe... 7 Scheidcansialt.......V Goldschmidt. ........ 0 Rütgerswerke........0 Metallgeieilschaft. .....0 Philipp Holzmann......0 Zementwerk Heidelberg. ... 4 Cementwerk Karlstadt.....0 Waytz & Frehtag......0 Schultheis Patzenhofer ... 0 Aku (Mgemewe Kunstseide) 0 Bcmberg........ o ßcl’ftoff Daldhos..... 0 Zellstosi 'Aschaffenburg ... 0 Dessauer Gas........? Daimler Motoren......o Deutsche Linoleum.....o Orenstein & Koppel.....o Leonhard Lieh.......6 SvenSla......... o Ebade..........12 Frankfurter Maschinen . . . . o Gritzner..........v Mamkraslwerke Höchst L.M.. . 4 1 Süddeutscher Zucker.....s 25,65 16,75 104,5 110 166 95 140,25 28,5 39,9 34 55 45 55 4,6 56,25 62 43,5 28 19 46 42,5 156,5 29,65 56 25,75 17 106 111 16/ 95,25 141 28,4 41,13 34 55,75 46 55 4,75 55,5 62 44 28 ü 4S 155 30,5 56 136 25,25 16,75 104,5 110 166,5 94,5 28,65 39,75 56 98,25 55,9 61 43 93,75 19 35,13 43,5 29,4 25,5 16,9 106 5 168 95,75 28,5 41,4 56 98,25 56,25 61 43,75 95,75 19,13 46 35,9 45 155 - Serllt Amerikanische Belgische Not Dänische Not Englische Not Französische 9 Holländische 9 Italienische 9 Norwegische Deutsch-Oeste Rumänische 9 Schwedts dye 9 Schweizer No Spanische No Ungarische Rr t, 28-November Geld 4% Oesicrreichilche Goldrenie . 4,20% Österreichische SUberrentr 4% Ungarische Goldrenie .... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 <7i% dksgl. von 1913 6% abgesi. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Iollanleihe von 1911 i% Türkische Bagdadbahn-Anleihc Serie 1 .... 4% desgl. Serie II..... . 5% Sumin, veretnh. Rente v. 1903 4^%Rnmäna>eretnb.Rentev.l918 4% Rumänische vereinh. Rente 8&% . Anatolier...... 10 5,9 5,75 6,75 3,75 3,85 3.8 5,25 4,8 21,8 10 1,05 6,15 7 3,7 3,85 5?5 i 9.15 , 5,025 1 21,8 9,75 6 6,8 3,7 3,8 5,8 9,5 4,8 21,7 9,65 1,1 6,15 6 7 3,7 3,9 3,9 5,95 9.9 4,9 1 21,9 Deutsche Erdöl.......6 Gelsenkirchener.......8 Harpen er..........0 Hoesch Eisen.........6 Alle Bergbau.......10 Alse Bergbau Genüsse..... Klocknenverle . . ..... 6 Mannesmann-Rühren .... 6 Mansselder Bergbau.....v Oberschlei. Kokswerke . . . . s Phönix Bergbau......4% Rheinische Braunkohle»... 10 Rhetnjtahl .........6 40,25 78,25 39,5 97 40 55 20 28,65 178 67,5 41,5 80,25 42,5 78,25 97,5 42,5 56,75 20 29 178,5 78,25 40 77,75 39,75 97,5 40 55,13 39,5 28,25 178 66,9 41,75 81 42,25 79 41,75 130 43,5 56,75 21,5 40,65 29 178 70,13 Noten....... en......... n......... 'N......... loten........ loten........ oten....... loten........ neid), * 1OO Schilling oten........ loten ........ len....... . ten......... teo........ 4,20 58,11 69,86 13,42 16,43 168,96 21,45 69,21 2,47 72,80 80,74 34,26 4,22 • 58,35 70,14 13,48 16,49 169,64 21,53 69,49 2,49 73,10 81,06 34,40