W -SK 16«« hule JllbnÄ04 Hl, -HP uKZ ÄZL -".-STA "N UfoM S Ahausen 11,15 M te-’Ätfi? *‘r-. Trsis a.b ßbn S“? 44,70 3R«? Alheim 10,60 mOrt 4. iUtn. Ahenfahrte« >aiendet)er. Wit ’.W und mit ' Mmsurch, Dr. mann Tn« und Dr. gegeben ton Oberft telenben Lvrschwde, Ot2L Mit einem^1- r Durgeners und 25 Kttrf, ©anikinen 8,50 agsgesellschaft Zweig« iges und vorteilhaftes erntend) für das tag» Wenninger. 2. verd. ge. 84 6. 1,50 Marl, churt a.L, Eiserne iieichsbank zeigte sich , 0,75 n.jj.) Onlereiic, itzanleihe 58,40 fliach» «leihe 6,05, Aeichbbank rkirchen 43 bis 42,50, aerweike 43 bis 42,50, 29, Rheinstahl 70,25, ), ASS. 33.40, ffonii- 5,25 CJladjbörje 95,13), verte 41,13, Siemens -91,50, Hapag 16,75, tcxDtbötit. TO. Drahimldung.) eginn der neuen Woche alte Tendenz. 3n iqcbot verstärtt, jo W inaelnben Kauflust e>n f zu verzeichnen war. 1 nach, und auch Hoher > -urück. Sommergerltk „ uub b« M,»d SqOwi « Brauzwecke IbU °J W bis 140, ME i n\ 2925 bis 30,"A 1°}A bis 29.75, ^eizÄeie8bis8,15, 1, Palmkuchen 8,7a fi,u (Bha-W5' S“1 WS ? iggonbejug. Ötlö Ä >1 n w )l )1 )6 16 78 olffl- 58,11 69,8« 13- 16-41 168,8? 21-48 69,21 i'fi n'f. 80-74 34-26 <8,35 ,g:S '59 9'9 81-5? 34,44 51,95 12,465 3,057 169,33 69,38 70,Z 72,?8 13,46 0,878 4,209 58, 21- 16-47 8O.?2 34,40 81.83 OF? 0,294 5-6^ 12,76 noticm^ I Sck__ —T5w 52,05 12,485 ,3.0g 's,52 70,37 73,1 13.M 0,882 ü:?i7 58.39 21-55 16-51 81-08 34-46 82,01 .881 .296 MÄ 12,?8 Dienstag, 29. November 1932 182. Jahrgang M. 281 Erstes Blatt GiehenerAn;eiger General-Anzeiger für Oberhessen VrvS und Verlag: vrühl'sche Univerfitals-Vuch- und Zteindruckerei K Lange in Gießen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchullttaße 7. Annahme von Mnjeigen für die lagesnumirzr bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20" , mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein undfürdenAn. zeigenteil i. D. TH.Kümmel sämtlich in (Biegen. Erscheint täglich, auf;« Sonntage und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte (Biegoier Familienblätter Heimat tm Bild Die Scholle Monats,Bezugspreis: Mit 4 Beilagen 7111.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüfse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Siehe«. Postscheckkonto: gronlfrrt am Main 11686. Vor -er Entscheidung Hindenburgs. Für Mittwoch wird die Berufung des neuen Reichskanzlers erwartet. papen oder Schleicher. Don unterer Berliner Redaktion. Berlin, 29. Rov. Dis zur letzten Stunde vor der Entscheidung hat das politische Ringen gedauert, das sich an die Rainen der beiden im Dordergrunde stehenden Kanzlerkandidaten Papen und Schleicher knüpfte. Der Ausgang war so lange ungewiß, weil das Problem zwischen diesen beiden Ramen nicht klargestellt war. Es handelte sich nicht nur um die mehr oder weniger grohe Dasis, die der eine oder der andere als Grundlage der politischen Arbeit vorweisen konnte. Wenn es danach gegangen wäre, toenn man vor allem die Imponderabilien ehrlich und ohne Selbsttäuschung eingerechnet hätte, sc mühte der Regierungsauftrag an Schleicher schon Ende derr vorigen Woche erfolgt sein. Es besteht natürlich zwischen den beiden Männern nicht die persönliche Spannung wie zwischen Hitler und Papen. Aber die Systeme, die Papen oder Schleicher verkörpern würden, liegen doch sehr weit auseinander und sind in wesensver- schienenen politischen Weltanschauungen verwurzelt. Papen vertritt das autoritäre Prin- zipaufdemDodeneinerindividuali- stischenWirtschaftsauffassung. Schleicher seht sich zwar auch für den Gedanken der autoritären Staatsführung ein, aber er möchte eine innerliche Verbindung zum Volksbewußtsein schaffen und damit dieautoritäreStaats- führung demokratisch beleben. Im Gegensatz zu dem Individualisten Papen neigt Schlei- chcr planwirtschaftlichen Plänen zu, die ihn sowohl Straßer wie dem Gewerkschaftsführer Leipart nahegeführt haben. So wollen beide Männer, auf die sich das Interesse konzentrierte, zu einem Druch mit bestehenden Zuständen gelangen, wobei der eine in erster Linie auf politische und staats- rechtliche Umwälzung zielt, während der andere unsere Wirtschaftsverfassung mit kühnen Plänen in Bewegung zu bringen trachtet. Daß sich unter Diesen Umständen die besonderen politischen undHpirtschafllichen Interessengruppen an die Rockschöße der beiden Männer gedrängt haben, ist nicht zu verwundern. Diejenigen, die es angeht, wußten genau, was gespielt werden sollte. In solchen Lagen seht sich in der Regel das Schwergewicht des Bestehenden durch, wenn nicht eine äußerste Zuspitzung der Gefahren die Entwicklung zu einem Rotausgang drängt. Man muh es als ein ganz besonderes Glück empfinden, dah die beiden Männer, die sich für die verschiedenen Systeme einsetzen,^sich menschlich so nahe stehen, daß die sachlichen fragen nicht durch persönliche Dinge getrübt werden konnten. General von Schleicher hat seine Verhandlungen durchaus nicht für sich geführt. Man weih, dah er in sehr loyaler Weise bemüht war, dieArbeitsbasisfürdenReichs- Ianaler von Papen zu schaffen, dah er allerdings dabei nie die Hoffnung aufgegeben hat, den Kanzler allmählich auch sachlich für sich zu gewinnen. Es ist unverkennbar, daß Papen von seinem starken Temperament nach vorn gedrängt wird, während Schleicher im Hintergründe bleiben möchte, um das in seinen Händen befindliche Machtinstrument des Staates nicht zu gefährden. Gerade die Gründe, die er in dieser Richtung vorbringen muhte, konnten auf den Reichspräsidenten nicht ohne Eindruck bleiben. Der Einsatz dieser bisher noch nicht verbrauchten Kraft kann nur dann gewagt werden, wenn die Derkrauensatmosphäre um ihn herum sofort die notwendige politische Realität zu schaffen vermag, die wenigstens zunächst den politischen Bruch, den Sprung ins Dunkle über die Grenzen der Verfassung hinaus vermeidbar erscheinen läßt. So ergab sich als beherrschende Frage die, ob d. Schleicher die Nationalsozialisten wenigstens so weit bringen könnte, daß sie sich einer Mehrheit zugesellen würden, die dem Reichstagspräsidenten die Einberufung des Reichstags über« läßt. In diesem Falle müßte allerdings die Mehrheit so groß sein, daß sie die Kommunisten in ihrem Verlangen nach dem Reichstag isolieren könnte. Hier ist der Grund dafür zu suchen, daß v. Schleicher auch mit dem sozialdemokratischen Führer Breitscheid Fühlung gesucht hat. Durfte man es wirklich für möglich halten, die Zustimmung einer so breiten Parteienfront zu einem, wenn auch noch so begrenzten politischen Waffenstillstand zu erlangen? Das einzige, was dieser Hoffnung Nahrung gab, war die Annahme, daß sowohl die Nationalsozialisten wie die Sozialdemokraten in gleicher Weise Angst vor durchgreifenden oerfassungspolitischen Maßnahmen wie vor Neuwahlen zu einem baldigen Zeitpunkt hab^n müssen. Sobald sich herausstellte, daß dieser Annahme oder die aus ihr abgeleitete Folgerung falsch war, mußte beim Reichspräsidenten die Erwägung wieder im Vordergrund stehen, daß es unter diesen Umständen sinnlos werden könnte, die Kräfte eines neuen Staatsmannes dem schnellen Verbrauch auszusetzen, der mit dem Kampf im Vordergrund der politischen Bühne in diesen bewegten Zeitläuften unausweichlich verbunden sein muß. Wird Hitler mit Schleicher sprechen? Die Nationalsozialisten sagen ab. B e r (i n , 29. Jloc. (OB. Funkspruch.) Das Bild der innerpolitischen Situation hat sich heute mittag wieder grundlegend verändert. Die Nationalsozialisten fjhben den für heute in Aussicht genommenen Besuch von Straßer und Frick beim Reichswehrminister wieder abfagen lassen. Den Grund dafür sieht man in politischen Berlin, 29. Rov. (M.l Die Aussichten für eine „Schleicher-Lösung" sind nach der „DAZ" im Steigen begriffen. Dienstagabend soll ein gemeinsamer Empfang des Reichskanzlers von Papen, des Reichswehrministers von Schleicher und des Staatssekretärs Meißner beim Reichspräsidenten stattsinden. Er soll die Grundlagen für die Entscheidung Hindenburgs bringen. Rach der „DAZ" wird als Rachfolger des Reichsarbeitsministers Schäffer der Schlichter für Berlin, Drahn, genannt. Das Reichswehrministerium werde in einem Kabinett Schleicher vermutlich kommissarisch durch den Chef der Heeresleitung, General von Hammer st ein, verwaltet werden. Der „Tag" weist darauf hin, daß die personelle Zusammensetzung des neuen Kabinetts natürlich auch ihren Einfluß auf die Haltung der Reichstagsfraktionen ausüben werde, insbesondere dann, wenn etwa der kommende Reichskanzler durch die auch von den Deutschnationalen geforderte Neubesetzung des Kabinetts auf mehreren Posten einen grundsätzlichenWan- del in der Politik des Reichskabinetts zum Ausdruck bringen sollte, sei es auf politischem, sei es auf wirtschaftlichem Gebiet. Es müssen Experimente vermieden werden. Die Gerüchte von einer Aufnahme von Dr. Gereke und v Kne- bel-Döperitz in das neue Kabinett machten es notwendig, diese Forderung energisch zu unterstreichen. Der „Lokal-Anzeiger schreibt, die Maßnahmen für den Fall eines Scheiterns aller Verhandlungen könnten in einer Auflösung des Reichstages mit fristgemäßen Neuwahlen oder in Maßnahmen des Reichspräsidenten bestehen, bei denen ein Notstand in Anspruch genommen werde. „Der Deutsche", das Blatt der Christlichen Gewerkschaften, meint, Hindenburg fei sich zweifellos darüber klar, daß Papen nicht der Reichskanzler sein könne, selbst wenn die anstößigen Minister des bisherigen Kabinetts (von Gayl, von Braun, Schäffer) beseitigt würden. Das Blatt sagt Schleicher nach, daß er Bedenken gegen die sozialpolitische Ermächtigung in der entscheidenden Notverordnung Papens, wie auch gegen die allgemeine Variflohn- fentung gehabt und der Kontingentpolitik und den Sondermoßnahmen zugunsten des Großgrundbesitzes kritisch gegenübergeftanben habe. Er sei auch nicht für denWcg der Gewalt und des Verfassungsbruches. Aus alle dem ergebe sich die Grundlage, auf der ein Kabinett Schleicher gebildet und ausgerüstet würde. Die Lösung der Frage Reich- Preußen dürfte allerdings auf große Schwierigkeiten stoßen. Ohne die Nationalsozialisten sei eine Tolerierungsmehrheit nicht m ö g- l i ch. Es sei aber damit zu rechnen, dah der Reichswehrminister mit seinem Kabinett und mit Abänderungsvorschlägen für die Notverordnungen Papens vor den Reichstag tritt. Falls die nationalsozialistisch-kommunistische Mehrheit die Aufhevung aller Notverordnungen beschließen sollte, so wäre allerbinga mit einer Auflösung des Reichstages zu rechnen. München, 28. Nov. (TU.) Zur innerpolitijdjen Lage bemerkt der „Völkische Beobachter": Die Wiederkehr von Herrn von Papen würde eine sehr schnelle Verschärfung des Konfliktes mit sich bringen. Jedenfalls fei eine Wiederbetrauung des Herrn von Papen ohne weitgehende Maßnahmen gegenüber dem Reichstag undenkbar. Herr von Schleicher persönlich scheine keine allzugroße Neigung zu besitzen, als Lückenbüßer einzuspringen. Als gewiegter Politiker werde er sich auch keinem Zweifel darüber hingeben, daß die Chancen eines Präsidialkabinetts unter feiner Führung gegenüber dem Reichstag nicht um ein Haar besser wie diejenigen seines Vorgängers lägen. Ohne Fühlungnahme mit dem Volk in offenbarer Gegner- fchaft zum Volk aber würde er von der politischen Bühne ab treten müssen, wie jeder andere, da nun einmal ein jedes Minderheitskabinett, ohne von dem stärksten Impuls des Volkes getragen zu werden, ein Unding an s i ch sei. Dazu käme noch, daß er als Repräsentant fireifen darin, dah sich die unversöhnliche Richtung innerhalb der RSDAP., die nach dem Ausgang der Verhandlungen Adolf Hitlers unter keinen Umständen paktieren will, durchgeseht hat. Diese Absage scheint nicht ohne Rückwirkung auf die fiandldatur des Generals von Schleicher für das Kanzleramt zu bleiben. Man weih, dah der Reichswehrminister dieses Amt ohnehin nur mit wider st reben übernehmen würde. Diese Einstellung Ist durch die Antwort der Nationalsozialisten offenbar noch verstärkt worden, von unterrichteter Seite wird hinza- gefügt, dah die Besprechungen Schleichers w e i t ergeh e n. Minister Frick hat nämlich mit feiner Absage der Besprechung zu dritt die Mitteilung verbunden, dah Verhandlungen nur von Adolf Hitler geführt werden könnten. Steht Hitler zu einer Besprechung zur Verfügung, fo wäre cs möglich, dah General von Schleicher unter Umständen morgen vormittag erst noch mit ihm fpricht. der Reichswehr in der Eigenschaft als Kanzler unter den gegebenen Umständen nur jene Kluft wieder aus reihen könnte, die zu überwinden bisher gerade noch gelungen gewesen fei. Auch mit den Bajonetten der Reichswehr lasse sich das steigende Elend eines falschen Kurses nicht bekämpfen. Am Reichswehrminister liege es, zu verhindern, daß die Kanzlerschaft des Herrn von Schleicher auch nur einen Augenblick die innere Wehrhaft» machung der Nation bedrohe. Die »Kölnische Volkszeitung" (Zentrum) schreibt zu den Demühungen Schleichers u. a.: Selbst wenn sich keine positiven Zusagen aller Parteiführer ergeben sollten, müßte der Weg bis zum Ende durchgeführt werden . Dazu würde gehören, daß das neue Kabinett mit seinem Programm vor den Reichstag trete. Es würde unter allen Umftänöen eine andere Der 1 in, 28. Rov. (TU.) In Berliner politischen Kreisen erregt die unmittelbar bevorstehende Unterzeichnung des russisch-französischen Richtangriffsvertrages naturgemäß großes Interesse. Es wäre aber verfehlt, wenn man dem endgültigen Abschluß der Paktverhandlungen eine Bedeutung zumessen wollte, die ihm nicht zukommt. Rachdem seinerzeit die russisch-rumänischen Richtangriffs-Derhand- lungen als gescheitert betrachtet werden mußten, konnte man mit polnisch-russischen und franzö.isch- russischen Verhandlungen rechnen. Der durch Havas bekanntgegebene Wortlaut des russisch-französischen Richtangriffs'oertrages entspricht dem bereits vor einem Jahr paraphierten Vertrag. Reu ist lediglich die Klausel, die sich auf Rumänien bezieht. Für Sowjetrußland dürfte der hauptanttieb zum Abschluß des Paktes darin gelegen haben, Sicherheit gegen Angriffe von außen zur Durchführung der wirtschaftlichen Maßnahmen im Innern zu gewinnen, vielleicht hat auch der Gedanke eine Rolle gespielt, gewisserrnahen einen Ersah für die Nichtrnitgliedschast im Völkerbund zu finden. Aber auch die Absicht, aus dem Vertrag mit Frankreich Ruhen auf wirtschaftlichem Gebiet zu ziehen, dürfte zweifellos mitgespielt haben. Es ist mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, daß die Einbeziehung Sowjetruhlands in den fireis der europäischen Mächte auch in Berlin begrüßt wird. Dabei ist festzuhalten, daß durch den Pakt keine Aenderung der Sowjetpolitik gegen Deutschland eintritt. Es ist infolgedessen falsch, toenn in der französischen und in der polnischen Presse der Pakt als ein Mittel zur Isolierung Deutschlands h.ngestellt wird. Eine G re nz g a r a n t i e ist den Polen in dem russisch-polnischen Pakt nicht zuge- standen. Die polnische Absicht, sich zum Wortführer der Oft floaten von Rumänien bis zu den Rand- ftaaten und Finnland zu machen, ist angesichts der geschickten sotojetrussischen Politik als gescheitert zu betrachten. Politisch darf der Abschluß der Richtangrifss- Paktverhandlungen ohne Zweifel als ein Erfolg Sowjetruhlands bewertet werden. Die Richtangriffsverträge, die Sowjetrußland nunmehr abgeschlossen hat, vermindern auf jeden Fall die akute fionfliftsgefafjr im Osten und dienen sicherlich auch im Abrüstungsgedanken. Die Ruhlandpolitik Deutschlands beruht, zum Schluß muß das nochmals ausdrücklich gesagt Position vorfinden, als die Regierung Papen, und ein gut fundiertes Wirtschaftsprogramm könnte viel größere propagandistische Wirkungen haben, als es schon jetzt vorauszusehen ist. Die Lösung Schleicher und ein Tolerierungspakt mit dem Reichstag ist getoiß alles andere als ideal. Sie ist aber besser, als eine Konfliktspolitik, die mit dem Wiedererscheinen Papens ihre verhängnisvolle Fortsetzung finden mühte. Der Sansabund fordert Beibehaltung der Wirtschastslinie von papens. Hamburg, 28. Nov. (CNB.) Auf einer Tagung des Präsidiums des Hansabundes sprach Präsident Dr. Fischer vor mehreren hundert Ham- burger Wirtschaftlern und Vertretern des Senats. Dr. Fischer unterstrich sehr stark, daß die M ü n - sterer Rede des Reichskanzlers v. Popen ein historischer Augenblick gewesen sei, weil zum erftenmale wieder eine Reichsregieruna erkannt habe, daß es nicht ihre Aufgabe fei, die Not lediglich zu verwalten, sondern sie zu meistern auf dem Wege der freien Entfaltung der unternehmerischen Kräfte. Man müsse mit aller Entschiedenheit fordern, daß die Grundsätze des Papenschsn Wirtschaftsprogramms auch die wirtschaftspolitischen Leitsätze der kommenden Reichsregierung würden. Dr. Fischer kam in diesem Zusammenhang auf die bekannte Rundfunkrede des Reichswehrministers d. Schleicher zu sprechen, in der dieser feiner Zeit sagte, die Reichswehr wolle keine übernommenen Wirtschaftsformen schützen, und erklärte hierzu, daß jeder Burger, der auf die deutsche Reichswehr stolz sei, nur dringend wünschen könne, daß diese sich nicht in die wirtschafts politisch en Auseinandersetzungen individualistischer und kollektivistischer Wirtschaft einmische. Der Redner betonte, daß zweifellos ein gewisser Aufstieg in der Wirt- schäft zu bemerken sei, daß nun aber alles auch darauf ankomme, daß die Wirtschaft nicht mehr ständig von der Politik gestört werde. * Das Präsidium des Hansabundes hat an den Reichspräsidenten d. Hindenburg ein Telegramm gerichtet, in dem der Hansa- buNd die dringende Bitte ausspricht, die deutsche Wirtschaft durch Verwirklichung des Wirtschafts- Programms von Münster frei von allen p o ° litifchen Störungen zu sichern. Das deutsche Schicksal sei davon abhängig, daß durch die Freimachung der produktiven Kräfte der Privatwirtschaft die sozialen und staatspolitischen Notstände schnell überwunden werden. werden, nach wie vor auf den bekannten Verträgen. Deutschlands politische Ziele werden mit rein friedlichen Mitteln verfolgt und erfordern deshalb das weitestgehende Einvernehmen innerhalb der Döllergemeinschaft und besonders innerhalb Europas. Es besteht also kein Anlaß, so schließt die „Deutsche Diplomatisch-Politische Korrespondenz", auch nur gefühlsmäßig dem neuen Einvernehmen zwischen Moslau und Paris irgendwie zu widerstreben, oder sogar nach irgendeiner Richtung hin einer Revision zu unterziehen. Ein englisches Llrieil. London, 28. Rov. (WTD.) Der Pariser Korrespondent des „ManchesterGuardian" gibt der Ansicht Ausdruck, dah der französisch-russische Nichtangriffspakt hauptsächlich von politischem Interesse füt_ Frankreich und von wirtschaftlichem Interesse für Rußland sei. Sein Zweck sei vom realistischen französischen Standpunkt aus, Rußland von einem möglichen Konflikt zwischen Polen und De u t s ch l a n d abzuhalten und die d i p l o m a - tischen Bande, die seit Rapallo zwischen Rußland und Deutschland bestünden, zu schwächen. Vom ideellen Standpunkt sei der Pakt dazu bestimmt, ein weiteres Hindernis gegen den Krieg zu schaffen und den Boden für ein Ost-Locarno vorzubereiten. Das Ergebnis der belgischen Kammerwahlen KeineAenderungderMehrhcitsverhältnifte Brüssel, 28. Rov. (TU.) Rach voraussichtlichen Berechnungen wird sich die neuge- wählte belgische Kammer wie folgt zu- sammensetzen (bisherige Sitze in Klammern): Katholiken 80 (76) Liberale 23 (28) Sozialisten 73 (70) Flämische Rationalisten 8 (10) Kommunisten 3 (1) Es ist wahrscheinlich, daß noch einige Verschiebungen eintreten werden, da die Bestimmungen über die Listenverbindungen derart verwickelt sind, daß vor Dienstag oder Mittwoch keinesfalls mit einer endgültigen Verteilung der Kammersitze zu rechnen ist. Trotzdem ist Me Tendenz dieser Wahl deutlich genug hervorgetreten. Gewinner des Tages sind die Katholiken, die den flämischen Rationalisten mehrere Sitze abnehmen konnten. Der Rückgang der letzteren ist vor allem auf die Richtungskampfe innerhalb Welche Aussichten hat Schleicher? preffestimmen aus Berlin und dem Reich. Deutschland und der rnsffch-sranMche palt. der nationalen flämischen Gruppe -urückzusühren. Der verhältnismäßig starke Verlust der Liberalen geht auf gewisse örtliche Vorgänge in Antwerpen zurück, wo die Liberalen den Kommunisten den Kulturkampf ansagten, was den letzteren einen unerhörten Auftrieb gab. Zieht man die praktischen Folgen aus diesem Wahlausgang, so muh festgestellt werden, daß die bisherige katholisch-liberale Mehrheit unerschüttert dasteht, dah also das gegenwärtige Kabinett unverändert weiterbestehen könnte. Die Wahlen in Belgien endeten, wie vorauszusehen war, ohne äleber- raschung. Eupen-Malmedy Berlin. 28. Noo. (CNB.) Die „Germania" weist in ihrer Würdigung des Wahlergebnisses von Eupen-Malmedy darauf hin, daß die Parteien, die für eine Wiederholung der 21 b • ftimmung in den abgetretenen Gebie- t e n eintreten, eine Zweidrittelmehrheit erzielen konnten. Sie schreibt dazu: „Diese Abstimmungsparteien haben insgesamt nur den geringen Rückgang von 200 Stimmen zu verzeichnen. Wenn man aber die erheblich höhere Wahl- beteiligeng gegenüber dem Jahre 1929 in Rechnung stellt und sich vor Augen hält, daß die belgische Katholische Union ihre Stimmen auf einen Schlag nahezu verkoppelt hat, so geht man nicht fehl, wenn man nach besonderen Gründen für diese überraschende Erscheinung sucht. Es liegt klar auf der Hand, so heißt es weiter, daß diese Krästever- schiebung durch den von uns milgeteilten ungewöhnlichen Eingriff des Bischofs von Lüttich verursacht worden ist, der durch die Unterstützung des Kardinals von Mecheln eine noch schärfere Unterstreichung erfuhr. Es verdient, besonders erwähnt zu werden, daß der katho- lische Klerus in Eupen-Malmedy überwiegend aus den altbelgischen Gebieten entnommen wird, so daß dem bischöflichen Erlaß über seine bloße Kundgebung hinaus noch besonderer Nachdruck durch die pfarramtliche Autorität verliehen werden konnte. Man muh leider feststellen, dah in der Frage der kirchlichen Betreuung das Deutschtum in Eupen-Malmedy noch schlechter gestellt ist, als in Südtirol, wo wenigstens die Betreuung durch deutsche Pfarrer trotz aller behördlichen Ein- mischungsoersuche sichergestellt ist. Wir haben bereits unserer Erwartung Ausdruck gegeben, daß man sich an höherer kirchlicher Stelle auf Grund des dringenden Gesuches der Christlichen Volkspartei an den Kardinalstaatssekretär Pacelli mit dem Vorgehen des belgischen Episkopates beschäftigen wird, und wir glauben, daß auf Grund des Wahlergebnisses diese Frage besondere Dringlichkeit beansprucht. Wir hoffen, daß bis zu den neuen Abstimmungen, die in Eupen-Malmedy bevorstehen, die unzulässigen rno- ralischen Bindungen von kirchlicher Seite weg gefallen sind und der deutschen katholischen Bevölkerung ein Bekenntnis zu ihrer eigenen Partei freigegeben wird. Politische Demonstrationen in der Leipziger Universität. Leipzig, 29. Nov. (WTB. Funkspruch.) In der Universität kam es heute früh zu einer Demon- ftration nationalsozialistischer Studenten gegen Professor Keßler, der am Montag in einer Leipziger Tageszeitung einen Leitartikel unter der Ueberschrift ,,Deutschland erwache!" veröffentlicht hat, in dem er sich fegen Hitler und den Rationalsozia- Ismus wendet. Professor Keßler konnte infolge der Demonstration seine Vorlesung nicht durchführen. Das vermittelnde Eingreifen des Rektors der Universität blieb erfolglos. Kleine politische Nachrichten. Die beiden Abgeordneten des Württembergischen Bauern- und Weingärtnerbundes, Freiherr von Stauffenberg und Haag, und der auf der Liste des Thüringischen Landbundes gewählte Abgeordnete A o i ch t sind der deutschnationalen Reichstragsfraktion beigetreten. * In Berlin wurde der kommunistische Schwarzsender, um dessen Ermittlung die Behörden seit längerer Zeit bemüht sind, erneut gehört. Es wurden etwa 45 Minuten lang kommunistische Hetzreden, u. a. auch gegen die Regierung und gegen die Nationalsozialisten gehalten. In verschiedenen Stadtteilen Berlins wurden von unbekannten Tätern, vermutlich Kommunisten, Schaufen st er von Scherl-undUll ftein- Filialen durch Steinwürfe zertrümmert. Die Steine waren in Packpapier eingewickelt, das die Aufschrift trug: „Nieder mit dem Verbot der „Roten Fahne"! Heraus zum Massenstreik!" Mit einbrechender Dunkelheit versuchten in verschiedenen Stadtteilen Kommunisten, Demonstrations- zöge zu bilden. Kreuzer „Ka r l s r u h e" ist in Vigo (Nordspanien) eingelaufen und wird am 31. Dezember nach Kiel in See gehen. Norwegen hat das Einreisegesuch Trotzkis abgelehnt. Aus aller Welt. Eine Erklärung des Rektors der Technischen Hochschule Braunschweig. Der Rektor der Technischen Hochschule Braunschweig teilt mit: Zu den Pressemeldungen über meine Ernennung zum Leiter der Biologischen Reichsanstalt stelle ich fest, daß eine Ernennung nicht erfolgt ift. Richtig ist, daß ein Ruf als Vachfolger von Geheimrat Pros. Dr. Appel an mich ergangen ist, und daß ich mit dem Ernährungsministerium Verhandlungen über die Vachfolgeschaft aufgenommen habe. — Wenn von einem Teil der Presse diese Berufung mit dem Braunschweiger H och s ch u l k o n f l i k t in Verbindung gebracht wird, so stelle ich demgegen- über eindeutig fest, dah auch nicht der geringste Zusammenhang zwischen der Berufung und den Vorgängen an der Technischen Hochschule Braunschweig besteht. Ich stelle weiter fest, dah meine Berufung bereits vor dem Braunschweiger Hoch- schulkonflikt in Aussicht genommen worden war. (gez.): Professor Dr. G. Gähner. Durch einen Doxhieb getötet Dem Vernehmungsrichter im Berliner Polizeipräsidium wurde der frühere Boxer Otto Iacksch unter der Beschuldigung vorgeführt, den SA.-Mann Erwin I ä n i s ch in der Nacht vom 25. zum 26. November durch einen Boxhieb so zu Boden gestreckt zu haben, daß Iänisch an den Folgen des Schlages verstorben ist. Gegen Iacksch wurde Haftbefehl wegen Körperverletzung mit Todeserfolg erlassen. Der Tod des Füllers Moithowski. Zu dem Tode des Füllers Woithowski, der auf dem Rebenflöz der Delbrückschächte in Hindenburg eingeschlossen und bereits bis auf die von einer mächtigen Steinplatte eingeklemmten Fühen freigelegt war, erfahren wir, dah die Rettungsmannschaft sich auf dem Llmgehungsweg bereits in allernächster Rähr des Verunglückten befand. 3n der weichen Kohlenschicht hatte die Rettungsmannschaft mit einem Draht vorgefüblt und geglaubt, die Deine des Verunglückten bereits in einem halben Meter Entfernung gefühlt zu haben. Sein Tod tarn der Rettungsmannschaft vollkommen überraschend. Dem älnglücklichen waren zur Stärkung Sekt und Aepfel gereicht worden. Auch sonst war Woithowski soweit gesichert, wie es irgend möglich war, so dah sein Oberkörper verhältnismäßig außer Gefahr war. Als Todesursache bleibt nur die Erklärung, daß Herzschwäche eingetreten ift Da nunmehr die Rettungsmannschaft nur noch auf sich selbst Rücksicht zu nehmen hat, kann sie etwas schneller an der De rgung der vier Leichen arbeiten, die das llnglüd gefordert hat. Aufsehenerregender Selbstmordversuch eines Hamburger Arztes. Der Hamburger Arzt Dr. E n o ch war vor einigen Tagen verhaftet worden, weil er beschuldigt worden war, minderwertige Seren hergestellt und gefälschte Kontrollplomben zum Vertrieb gebracht zu haben. Wie jetzt bekannt wird, hat Dr. Enoch kurz vor seiner Verhaftung einen Selb ft- mordversuch unternommen. Er dürfte kaum mit dem Leben davon kommen. Als Dr. Enoch von seiner bevorstehenden Verhaftung erfuhr, brachte er sich am linken Unterarm eine kleine Verletzung bei und brachte Tetanus-Toxin in die Wunde. Als die Kriminalbeamten bei ihm eintrafen, mußte er sofort ins Hafenkrankenhaus übergeführt werden. Seinem Rechtsanwalt gegenüber hat Dr. Enoch die Herstellung minderwertiger Seren b e ft r i 11 e n , aber zugegeben, daß er in dringenden Fällen nachts, wenn keine Kontrollbeamten mehr anwesend waren, das Serum ohne behördliche Kontrolle hinausgehen liefe. In diesem Falle habe er bann das Serum mit einer anderen Plombe versehen. 5000 Zentner (Betreibe verbrannt. In Stuhm (Ostpreußen) brach in dem Mühlengebäude der An- und Verkaufsgenossenschaft GmbH. Grohfeuer aus, dem 5 000 Zentner Getreide zum Opfer fielen. Der Gesamtschaden dürfte sich auf 100 000 Mark belaufen, ist aber durch Versicherung gedeckt. Für 50 000 Mark pelze gestohlen. Aus den Lagerräumen einer großen Berliner Firma in der Leidiger Straße wurden bei einem Einbruch Edelpelze im Werte von 50000 Mark gestohlen. 3n Notwehr erschossen. In dem Büro der Brockensammlung in der Ackerstraße in Berlin wurde der 26 Jahre alte Arbeiter Karl Merkle von einem Kriminalbeamten Inder Notwehr erschossen. Wie zu dem Vorgang gemeldet wird, erschien bei der Kriminalpolizei des zuständigen Polizeireviers ein junger Mann und gab an, daß er von Merkle mit einer Pistole bedroht worden sei. Daraufhin erschien ein Beamter in dem Büro der Brockensammlung und forderte von Merkle die Herausgabe der Pistole. Merkle zog einen Trommelrevoloer aus der Tasch und ging mit den Worten „Kriegst auch noch ein Ding verpaßt" auf den Kriminalbeamten los. Der Beamte wehrte den Angriff ab. Es kam zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf der Kriminalbeamte einen Faust schlag ins Gesicht erhielt. Merkle drohte dem Beamten nochmals mit Schießen. In seiner Bedrängnis gab der Beamte einen Schüfe aus seiner Dienftpjtote ab, der seinen Angreifer in die Brust traf. Phosgengas im härsaal. 3n einem Hörsaal des Physiologischem Institutes der Universität Halle ereignete sich ein aufregender Vorfall. Als man damit beschäftigt war, einige Stahlslaschen, in denen sich Reste von Phosgen befanden, versandfertig zu machen, wurde eine Flasche aus ungeklärter älrsache undicht. Das außerordentlich giftige Phosgengas strömte aus und verbreitete sich sehr schnell Im Hörsaal, der von den Studenten fluchtartig verlassen wurde. Der Feuerwehr, die mit schwerem Gasschuhgerät verging, gelang es, das Ventil abzudichten und so jede weitere Gefahr zu beseitigen. Gesundheitlichen Schaden hat niemand erlitten. Riesenbrand in Reuyork. Im Dergnügungszentrum Neuyorks ist ein Nie- fenbranb ausgebrochen, der den gesamten Verkehr auf dem belebten Broadway zum Stillstand brachte. Das Feuer war in einem von Russen geleiteten Nachtklub entstanden und nahm bald Riesen- ausmaße an. Zur Bekämpfung des Großfeuers waren mehrere Feuerwehren Neuyorks aufgeboten worden, die aber nicht verhindern konnten, dafe die Gaststätte vollkommen ausbrannte. Starke Rauchschwaden zogen sich den Broadway entlang, so daß ein Verkehr nicht mehr möglich war. Durch den Qualm wurden nicht weniger als 30 Feuerwehrleute betäubt und mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Der Sach- schaden beläuft sich auf 35000 Dollars. Spiegelpanzer zur llnsichtbarmachung von Truppen und Geschützen. Der Madrider „Heraldo" berichtet über die Erfindung eines spanischen Ingenieurs namens Omedes, durch die die „Llnsichtbarmachung" vonTruppenund G e schützen ermöglicht werden soll. Es handele sich um eine Art Spiegelpanzer, der in einem bestimmten Winkel zum Erdboden derart eingestellt werden könne, daß die vor ihm liegende Fläche wiedergespiegelt werde, während alles, was sich hinter ihm befindet, infolge der Undurchsichtigkeit dieses „Spiegel-Panzers" verdeckt würde. Tie Erfindung könne jedem einzelnen Soldaten zugute kommen, und ein hinter dem Spiegelpanzer ver- borgenes Geschütz beispielsweise sei auf wenigstens 250 Meter unsichtbar. „Heraldo" kündigt an, daß diese Erfindung offiziell geprüft werden würde. Verbrennungstod eines Motorradfahrers. Frankfurt a. M., 28. Vov. (WSR.) Auf der Homburger Landstraße fuhr am Samstagabend ein mit zwei Personen besetztes Motorrad auf einen nach Viedereschbach fahrenden Dreschmaschinenzug auf. Dabei explodierte der Benzintank des Motorrades, das sofort in Flammen stand. Der Führer des Motorrades, der 24jährige Ferdinand Hart aus Wehrheim (Taunus), verbrannte. Der Soziusfahrer wurde in weitem Dogen auf das freie Feld geschleudert und erlitt glücklicherweise nur I leichte Verletzungen. Der Dreschmaschinenzug war vorschriftsmäßig beleuchtet, die Laterne lag zertrümmert am Änglücksort. Aus der Proviuzialhauptstadt. Oie hessische Schlachtsteuer. Die von her hessischen Regierung schon vor einiger Zeit angekündigte Einführung einer Schlacht st euer ist nunmehr auf dem Verordnungswege erfolgt. Es werden danach eingeführt eine Schlachtsteuer für die Schlachtung von Rindvieh, Schweinen und Schafen, sowie e>ine Ausgleichsabgabe auf die Einfuhr von Fleisch von Rindvieh, Schweinen und Schafen in frischem oder zubereitetem Zustande, sowie von Fleisch- und Wurstwaren in das Gebiet des Dolksstaates Hessen. Steuerpflichtig ist jeder, der auf eigene Rechnung schlachtet ober schlachten läßt. Der Steuerpflichtige hat die Schlachtung bei der für den Ort der Schlachtung zuständigen Steuererhebestelle anzumelden und gleichzeitig die Steuer zu entrichten, und zwar vor der Schlachtung, bei Notschlachtungen vor der Fleischbeschau. Steuererhebestelle ist die Gemeindekasse, in Gemeinden mit Schlachthauszwang kann die Bürgermeisterei auch eine Sonderkasse (z. B. die Schlachthauskasse) damit beauftragen. Die Gemeindekasse hat die Steuer durch Vermittlung der Kreiskasse an die Hauptstaatskass^ abzuführen. In diese fließt auch die Ausgleichsabgabe. Nach den Durchführungsbestimmungen gelten als steuerpflichtige Schlachtungen auch die Not - und Hausschlachtungen. Eine Hausschlachtung im Sinne der Verordnung liegt dann vor, wenn das Schlachttier von dem Steuerpflichtigen in eigener Wirtschaft gezogen wurde, und das Fleisch ausschließlich im eigenen Haushalt (Familie nebst Dienstpersonal) verwendet werden soll. Als in eigener Wirtschaft gezogen gilt ein Stück Großvieh nur dann, wenn es mindestens 6 Monate, ein Kalb, wenn es mindestens 14 Tage, ein Schwein oder Jungrind, wenn es mindestens 4 Monate vor der Schlachtung dem Viehbestand des Steuerpflichtigen als dessen Eigentum ununterbrochen angehört hat. Eine Hausschlachtung liegt nicht vor, wenn die Schlachtung aus Anlaß von Familienfeierlichkeiten, z. B. Hochzeiten, erfolgt. Der Begriff der Haus- Schlachtung fällt weg, wenn das Fleisch aus Hausschlachtungen gegen Entgelt veräußert, oder ge- werbsmäßig verwendet wird. In diesen Fällen ist die Steuer wie bei den übrigen Schlachtungen festzu- setzen. S t eu e r f r e i ist die Hausschlachtung eines Schweines innerhalb eines Kalenderjahres, ferner eines zweiten Schweines innerhalb des gleichen Zeitraumes, falls der Haushalt des Steuerpflichtigen aus mehr als 5 Personen einschließlich Dienstpersonal besteht. Ferner sind von der Schlachtsteuer befreit Kälber mit einem Lebendgewicht bis 30 Kilogramm einschließlich, Schweine bis zu 40 Kilogramm Lebendgewicht einschl., und Schafe bis zu 20 Kilogramm einschl. Das Fleisch der geschlachteten Tiere kann solange mit Bescylag belegt werden, bis die Steuer entrichtet ist. Der Tarif für die Schlacht st euer ist gestaffelt, je nach dem Lebendgewicht. Der Höchst- betrag ist 25 Mark für Ochsen von über 750 Kilogramm Lebendgewicht. Die Schlachtsteuer für Schweine beträgt bei Hausschlachtungen für den ausschließlichen Gebrauch im eigenen Haushalt, sofern nicht wie oben erwähnt, Steuerfreiheit gegeben ist, unabhängig vom Gewicht, 2 Mark. Im übrigen beträgt die Schlachtsteuer für Schweine, je nach dem Lebendgewicht, 4 bis 8 Mark. Schweine bis 40 Kilogramm sind steuerfrei. Die Ausgleichsabgabe für eingeführtes Fleisch in frischem Zustande beträgt 10 Pf., für Fleisch in zubereitetem Zustande 12 Pf. und für Fleisch, und Wurstwaren 15 Pf. für jedes angefangene Kilogramm. Für die örtliche Verwaltung der Schlachtsteuer und der Ausgleichsabgabe wird eine Vergütung gewährt, deren Höhe das Gesamt- Ministerium bestimmt. Auf die Verwaltung der Schlachtsteuer finden die für die Verbrauchssteuern geltenden Bestimmungen der Reichsabgabenordnung Anwendung mit der Maßgabe, daß an die Stelle des Finanzamtes das Kreisamt tritt. Nach den vom hessischen Finanzminister erlassenen Durchführungsbestimmungen tritt die Schlachtsteuer vom 1. Dezember 1932 in Kraft. Gemeindeabend der Matthäusgemeinde Gießen. Es gehört zur Tradition in der Matthäus- gemeinde, daß sie sich am 1. Advent zu einem schlichten, ernsten Gemeindeabend zusammen- findet. Wie groß das Bedürfnis nach einem solchen Zusammensein ist, zeigte am Sonntagabend der überfüllte Saal des Cas6 Leib. Nach einem vom Frauenchor der Stadtkirche schlicht und fein vorgetragenen Choral begrüßte der Vorsitzende der Männer- und Frauenvereinigung, Lehrer Wehrheim, die zahlreich erschienenen Gemeindeglieder. So wie sich jetzt in den grauen und nebeligen Tagen der Dorweihnachtszeit die einzelnen Familien in ihrem Heim zusammenfinden, so sei auch das der Sinn dieses Abends, daß sich die Matthäusgemeinde wie eine Familie zusammenfinde, um auf der dunklen und finsteren Wanderung des Lebens immer wieder neu einen Strahl von dem Licht aufzufangen, auf das uns die Adoentszeit mit besonderem Nachdruck Hinweise: Jesus Christus. Von diesem Gedanken her war auch das Programm des Abends bestimmt, und man sah, daß auf die Zusammenstellung sehr viel Mühe verwandt war, damit der Gemeinde nicht nur eine nette Unterhaltung und ein schöner Abend geboten würde, sondern daß durch alles, was gesunken, musiziert und gespielt wurde, etwas hindurchklänge von dem einzigartigen, heiligen Auftrag, der gerade in der heutigen Zeit in besonderem Maße einer christlichen Gemeinde von Gott gegeben ist. In diesem Gedanken bewegte sich auch die Ansprache des Gemeinde- Pfarrers, der deutlich den Unterschied zwischen einem Familienabend eines Vereins und einem Gemeindeabend heroorhod. Daß durch einen solchen Abend das Verantwortungsbewußtsein der Gemeinde gegenüber Gott, gegenüber sich selbst und gegenüber der Welt gestärkt werden solle und dafe eine Kirchen- gemeinde in all ihrer vielgestaltigen Arbeit in den einzelnen Gemeindevereinen keine andere Aufgabe habe, als die: in dieser Zeit der Not das Wort des hl. Gottes zu hören und es weiter zu sagen und zu rufen in die Dunkelheit und Finsternis der Welt. Die Vortragsfolge stellte sowohl an die Ausführenden, als auch an die Zuhörer hohe Anforderungen. Es hatten sich für die Durchführung des Abends in uneigennütziger Weise zur Verfügung gestellt: Frau Kachinka Flimm, Gießen (Sopran), Fräulein Magda Zimmer, Gießen (Violine), Fräulein Hilde Dayersdorf, Gießen (Klavier) und Pfarrassistent K n e 11, Gießen (Violine). Außerdem wirkten mit der Frauenchor der Stadtkirche, der Singkreis und die Spielschar der Jugendvereinigung der Matthäusgemeinde. Frau Flimm sang, von Lehrer Simon am Klavier gut begleitet, einige Advents- und Weihnachtslieder, von denen das Adventslied: ,,£) du, mein Trost und süßes Hoffen" am besten gefiel. Sehr großen Beifall fand eine von Fräulein Zimmer (Violine), Pfarrafsistent K n e 11 (Violine) und Fräulein Bayersdorf (Klavier) gespielte Sonate von Händel, bei der besonders der Allegro°Satz sehr flüssig und schwungvoll zum Vortrag kam. Schon hier fiel der volle, warme Ton des Spiels von Fräulein Zimmer auf, der bann in zwei mit viel Musikalität vor- getragenen Solostücken, einem Adagio von Tartini und einem Adagio von Corelli in der Bearbeitung von Busch, besonders zum Ausdruck kam. Fräulein Bayersdorf am Klavier bewältigte ihren Part mit großem musikalischen Verständnis und feiner Anpassungsfähigkeit. Biel Freude machten auch die Chöre des Singkreises der Jugendver» e i n i g u n g , der alte Weihnachtslieder in zwei-, drei- und vierstimmigen Sätzen sang. Den Abschluß des Abends bildete ein größeres Laienspiel: „Wir sind die drei Könige mit dem Stern" von Adolf Wurmbach. Es knüpft an die alte Sitte an, daß am Weihnachtsabend arme Menschen als die drei Könige verkleidet singend vor die Häuser der Reichen ziehen, um dort um milde Gaben zu bitten. Das Spiel zeigte solch drei Bettelkönige, tue auf ihrer Wanderung durch die Stadt unversehens zu einer ganz armen Familie kommen, die in einer Stallwohnung hauste. Ueberwunden durch dieses Elend, das noch größer als ihr eigenes ift, schenken sie alte ihre eingesammelten Gaben diesen armen Menschen und erleben in diesem ihnen selbst unbegreiflichen Tun das Wunder der Weihnacht. Das Spiel, das lange Dialoge und wenig dramatische Handlung hat, stellte an die Spieler hohe Anforderungen, denen sie sich aber gewachsen zeigten. Es hinterliefe bei allen, die es gesehen haben, einen tiefen Eindruck und unterstrich noch einmal den Hauptgedanken des Abends, dafe es im Dunkel der Zeit, auch in Elend und Not nur ein wirkliches Licht gibt: das Kind in der Krippe, Jesus Christus unser Herr. Weihuachismeffe des Verbandes für Deutsche Frauenkultur. Tie Ortsgruppe Gießen des Verbände« für Deutsche Frauenlultur zeigt im CasS Amend wieder eine Ausstellung deutscher Wertarbeit, eine Weihnachtsausstellung von seinem Reiz, die zu besuchen sich keine Hausfrau entgehen lassen sollte. Auf kleinem Raume ist in geschmackvoller und übersichtlicher Form vieles vereinigt. Tie Schau wurde organisiert unter dem maßgebenden Gedanken: „Für wenig Geld viel Freude!" Tie Dinge, die in der Ausstellung zusammengetragen sind, erscheinen sehr wohl geeignet, Freude zu machen. Eine Reihe bekannter Gießener Firmen hat zu der Schau beigesteuert. Tie Firma E. R o h r L C o. hat in einem Rebenraum des Billardsaales eine vielfälttge Ausstellung aufgebaut. Breiten Raum nimmt darin das Schützer Leinen Srhättlidz in den OSRAM ‘Verkaufsstellen. \ »*.'4 I8io6 Wete, “‘«uites«. ßSÄ ■Jthärf art. lag Iaht tzS S*™ dem Licht ^oentszeit mit be- •|u» Christus. °°r auch dos $ro= und man sah, haf> ^Mh-vLndt nuJ eine nette Un- "env geboten würde ' WMn, musiziert ^mchtbingk von dem Z. °n .tzmk in der yoftt emee chGichen ■ f dichmLetmten he des Eemeinde-. 1 Unterschied poischen Greins und einem Te- i durch einen solchen DU^tfein der Gemeinde h !elbsl und gegenüber und daß eine Kirchen- faltigen Arbeit in den keine andere Aufgabe der Not das Wort der leitet zu jagen und zu Finsternis der Well, iwohl an die Ausfüh- ürer hohe Anforderun- rchfuhrung des Abends ir Verfügung gestellt: iehen (Sopran), grau- jen (Violine), Früulm n (Klavier) und #rr- )!ine). Außerdem »ir!« Stadtkirche, der 5ing^ Jugendvereinigung der iimm fang, von Leh- it begleitet, einige Ad- , von denen das Ad- st und jüßes hosien" ,en Beifall fand eine Wine), MomMent 'em IBaqcrüborf tzändet, bei der 6e« » und Ww n Heer K * »ein Zimmer viel MustkaM cor- m Adagio von lartim >tti in der Bearbeitung lusdruck kam. 5raultin bewältigte ihren Tart Serständnis und ftmer reube machten auch bieder Jugendver« hnachtslieder m Mei-, rS' -'N 0Ä drei Könige mit J Es knüpftanbiealte sabend arme MnM tassjg -SS 'V? £ armen i n ^ibft unbe- 5® Z w'r -bentaum ein. Hochwertige Wäsche, prächtige handgewebte. Teppichs. Kleiner, Anzüge, Decken, Kissen unb \ noch vieles andere, aus den bekannten Hand- rvcbstühlen hcrgestellt, ist zu sehen. Frau Hede Dietz i|i* wieder mit ihren Handarbeiten vertreten, in denen viel Wert und ebensoviel sorgfältige Arbeit vereinigt sind. Frau Helene Roese zeigt eine Fülle von handgewebten Stoffen in ausgesuchten Farben mit schönen Mustern, Stosse für mannigfaltigste Verwendung; in einer kleinen besonderen Abteilung aber auch künstlerischen Schmuck, silbergetriebene feine Stücke. Zwei Buchhandlungen haben ebenfalls wieder ausgestellt. Die Pfeiffersche Buchhandlung, wie auch die Ferbersche älniVersi • tätsbuchhandlung haben in sorgfältiger Auswahl Bilder- und Märchenbücher zu kleinen Ausstellungen vereinigt und lassen damit einen Ueberblid gewinnen über 1>as, was auf dem Gebiete des Kinderbuches in verantwortungsbewußter Arbeit geschaffen wurde. Es sind viele lustige Dinge dabei. Stark ist das Kunstgewerbe in der Ausstellung vertreten. Die Kunsthand- lung I. Hirz hat neuzeitliches Porzellan in harmonischsten Formen, künstlerischen Schmuck, feine Gläser, Schalen, ausgezeichnete Plastiken, originelles Spielzeug aus Holz und anderem Material, Taschen aus Bast und zartem Schaf, lebet, Lampen in elegantesten und dezenten For- men, sowie noch viele andere Dinge ausgestellt, die wert sind, eingehend gewürdigt zu werden. Aicht weniger gute Dinge ähnlichen Eharakters zeigt das Dürerhaus Kühn. Hier gefallen schöne We.hnachtstransparente, Ehristbaumschmuck in einfachen Formen, aus Holz geschaffen, handgewebte Decken in geschickter Kombination der Farben und der Muster, schließlich aber auch Kinderspielzeug, das (einzelne Stücke wenigstens) unverwüstlich zu sein scheint. Die Töpserwaren vom „DiPPelouis" lLudwig Kehler, Wie- seck), lenken wieder den Blick auf ein altes deutdeutsches Handwerk, das hier bei allem Festhalten u? kochenden Der Slraßenbahnverkehr nach Wieseck. Wiederaufnahme des Straßenbahndienstes durch die Bahnhofstraße. 5. Dezember. Am Sonntag, 4. Dezember, nachmittags, erfolgt unter Anteilnahme ter Feuerwehr- verbände und Behörden die Einweihung ter Feuerwehrfachschule in ter früheren Bergkaserne, die sich für den genannten Zweck hervorragend eignet Gestern vormittag fand die lantespolizeiliche Abnahme der neugebauten Straßenbahn st recke von der Marburger Straße / Ecke Wie - ecker Weg 11 s zur Gießener Senior- ungsgrenze ^mittelbar vor Wieseck tatt. Der Bau wurte in allen Teilen als einwand- rci befunden, so daß Strecke für den Verkehr reigegeben wurde. Gestery nachmittag unternahmen unter Führung von Bürgermeister Dr. Seid und Direktor Stolte die Mitglieder der Detrieds- deputation des Stadtrats uHb die Vertreter der Presse eine Besichtigungsfahrt auf der neuen Strecke, bei der man volle Zufriedenheit mit dem geschaf- enen Werk hören konnte. Gelegentlich dieser Be- ichtigungsfahrt wurden auch die weiteren Streckenbauarbeiten in Wieseck selbst in Augenschein genommen. Die Leitung der Straßenbahn hofft, den Slraßenbahnverkehr innerhalb Wiesecks etwa Mitte Dezember aufnehmen zu können. Heute früh setzte nun der fahrplanmäßige Straßenbahn- verkehr zwischen Gießen und Wieseck ein. Hierbei wurde der erste Wagen, der planmäßig die Strecke befuhr, von dem Wagenführer Beyer geführt, während am Motor des zweiten Wagens der Wagenführer Becker stand. Für beide Wagen- ührer handelte es sich dabei um ein Ereignis besonderer Art, denn sie gehören beide zu dem Personal, das vor 23 Jahren bei der Ersetzung des damaligen Omnibusbetriebes durch die Straßen- Lavaseen, die zur Rächt einen einzigartigen Anblick bieten mögen. Der letzte Teil des Bildstreifens führte auf die Insel ter Verbannten, auf die Insel derer, die nie zur Menschheit zurückkehren dürfen, auf die Insel der Aussätzigen. Von mancherlei Eindrücken erfüllt, verlieh man dankbar das Haus. ** Hessische Vereinigung für Volks- kund e. Am Montag, 5. Dezember, findet in Darm- tobt die ordentliche Mitgliederversammlung der Hessischen Vereinigung für Volkskunde statt. An die Versammlung schließt sich ein Vortrag von llnioer- itätsprofessor Dr. Friedrich Maur e r (Erlangen, rüher in Gießen) über „Zeitliche, räumliche und chichlmäßige Betrachtung in der neueren Sprach- und Volkskundesorschung" an. * Schwesternschaft deS Iungdeut- schen Ordens. Man schreibt uns: Dieser Tage veranstaltete die Schwesternschaft des Iungdeut- scheu Ortens ihren Schwestern abend, den Frau Gebhardt leitete. Anläßlich des Totensonntags gedachte sie eingangs ter verstorbenen Schwestern. Rach Erledigung interner Angelegenheiten wurde das von dem Hochmeister Artur M a h r a u n neu herausgegebene Heft »Der große Plan“ eingehend erörtert, welcher sich sehr aus- führlich mit dem Siedlungsproblem befaßt. Es sollen zirka 1 Million Siedlerstellen geschaffen und die Beseitigung ter Arbeitslosigkeit eingeleitet werten, so daß Handwerker der verschiedensten Zweige, sowie die Industrie Arbeit erhalten. Ferner wurde die herannahente Adventsfeier besprochen, die am 13. Dezember stattfinden wird und zu deren Gelingen alle beitragen sollen, um auch den eingelatenen Freunden und Gästen einen bleibenden, eindrucksvollen Abend zu bieten. ** V H C. Gießen. Man berichtet uns: Am Sonntag veranstaltete der DHC. Gießen seine letzte diesjährige Vereinswanderung. St. Petrus hatte, wohl als Entschädigung für die Unbilden der beiden vorherigen Wanderungen, den 60 Teilnehmern einen prächtigen Wandertag beschert. Sogar die Sonne, die sich in letzter Zeit so rar gemacht hat, gab der stattlichen Wanderschar auf der ganzen Strecke das Geleite. Der Marsch führte dem Schrei- berwcg entlang zum Alten Watzenborner Weg und von da auf manchmal recht weichen Waldpfaden hinauf zur Theodorsruh, wo sich die Teilnehmer an dem hübschen Blick nach dem Schiffenberg erfreuten, weiter an der Nicolausquelle vorbei zur Rast nach der Rindsmühle. Nach genügender Er- holung ging es auf den meist unbekannten Wegen über einen Höhenrücken nach Klein-Linden. Klare Luft ermöglichte unterwegs wunderbare Ausblicke nach den Höhen des Taunus, des Westerwaldes und den Lahnbergen. Bei der Schlußrast in Klein- Linden, wo sich noch viele Nachzügler eingefunden hatten, erschien auch zur großen Freude der zahlreichen Kinder Knecht Ruprecht, um in reichlichem Maße seine Gaden auszuteilen. Auch der humorvolle Bericht eines Vereinsbruders über die verregnete Septemberwanderung erweckte viel Heiterkeit. Unter dem Gesang einiger Wanderlieder wurde am Spätnachmittag der Heimmarsch angetreten. Amtsgericht Gießen. Der verantwortliche Redakteur ter „Ober* hessischen Tageszeitung" in Gießen hat am 20. Juli in Rr. 39 unter der Ueberschrift „Ein merkwürdiger Vertreter ter Landwirtschaft" einen Artikel erscheinen lassen, in dem dem Vorstand des Landwirtschastsamts in Büdingen u. a. zum Vorwurf gemacht wurde, er traktiere die Schüler im Unterricht mit Zentrumspolitik und habe in ter Schule Ausdrücke gebraucht, die den landwirtschaftlichen Berufsstand als solchen schwer kränken müßten. Das sind nach der erhobenen Klage nicht erweislich wahre Tatsachen, die geeignet sind, den Beamten in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen. Seine vorgesetzte Behörde, das Ministerium der Finanzen, Abteilung für Ernährung und Landwirtschaft, stellte deshalb gemäß § 196 StGBs. Strafantrag wegen Beamtenbeleidigung. Der Beleidigte schloß sich ter öffentlichen Klage als Rebenkläger an. Ein Vertreter des vorgenannten Ministeriums war in ter Hauptverhandlung erschienen. In ihr versuchte ter Angeklagte, der den Artikel nicht selbst verfaßt hat, aber glaubte, auf die Zuverlässigkeit seines Gewährsmannes bauen zu dürfen, den Wahrheitsbeweis zu erbringen. Es gelang ihm aber nicht; auf Grund ter Beweisaufnahme gewann er vielmehr die lleberxeugung, daß er bie beiden Vorwürfe nicht aufrechterhalten könne. Der Redakteur gab auch eine diesbezügliche Erklärung ab und nahm die Vorwürfe unter dem Ausdruck des Bedauerns zurück, verpflichtete sich auch, alle Kosten, einschließlich derjenigen ter Rebenklage, zu zahlen. Der Vertreter des Finanzministeriums und ter Rebenkläger zogen daraufhin ihre Anträge zurück unter ter Voraussetzung ter Zahlung der Kosten bis zu einem bestimmten Zeitpunkt. Erfolgt diese nicht, so wird das Der- fahren wieder ausgenommen. Dem Beleidigten wurde auch die Befugnis zugesprochen, nach der Einstellung des Verfahrens die Erklärung des Angeklagten in dem „Büdinger Allgemeinen An- aeiget“ zu veröffentlichen. bahn von der Stadt Gießen mit übernommen wurde. Beide machten damals die letzte Omnibusfahrt von Wieseck nach Gießen. Nunmehr hatten sie Ge- legenheit, eine neue Linie nach unserem Vorort mit einem neuen und besseren Verkehrsmittel zu eröffnen. Herr Beyer steht jetzt übrigens seit 25 Jahren im Dienste unseres Verkehrswesens, und zwar war er 2 Jahre bei dem Omnibusbetrieb tätig, feit 23 Jahren ist er bei der Straßenbahn. Herr Becker kann im Jahre 1934 fein 25jähriges Dienstjubiläum begehen. Seit heute früh ist auch der Straßenbahn- verkehr durch die Markt st raße und Bahnhof st raße zum Bahnhof wieder im Gange. Damit ist der Verkehrszustand wiederhergestellt worden, der am 31. Dezember 1930 durch die Stillegung der Dahnhofstraße-Linie beendet worden war. Nach nahezu zweijähriger Ruhezeit auf der Bahnhofstraße-Strecke konnten nunmehr durch die Derkehrserweiterung nach Wieseck auch die Wünsche der Bahnhofstraße usw. nach Wiederaufnahme des Straßenbahnoerkehrs erfüllt werden. Die Wagen der roten Linie verkehren nunmehr von der V o l k s h a l l e über den Marktplatz durch die Bahnhofstraße zum B a h n h o f und umgekehrt, die Wagen der grünen Linie fahren von Wieseck über den Marktplatz durch den Selters®eg zum Bahnhof und in gleicher Weise zurück. Als am 11. Juni 1932 eine Anzahl Rationalsozialisten, unter ihnen der in Aussicht genommene Redner, einKellner, inLollar auf demHeimweg von einer Versammlung begriffen war, Die von ter RSDAP. einberufen, aber alsbald wegen mangelnder kreisamtlichen Genehmigung ter Auflösung verfallen war, folgte ihnen fast auf dem Fuße unter lautem Gejohle eine Menge Versammlungsteilnehmer, meist politische Gegner, darunter die vier Angeklagten. Der jüngste von ihnen — 18 Jahre alt — hat die dann folgende Schlägerei heraufbeschworen, intern er mit dem angefugten Redner anband und ihn schwer beleidigte. Die Rationalsozialisten wurden von den Angeklagten gemeinschaftfich geschlagen und getreten, einer auch durch eine Luftpumpe verletzt. Soweit elftere sich wehrten, befanden sie sich in Rotwehr. Sie waren die Angegriffenen. Die beiten Angeklagten, die gleichzeitig einer Beleidigung für schuldig befunden wurden, erhielten eine Gesamtgefängnisstrafe von je drei Monaten und einer Woche; ter dritte Angeklagte wurde zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, der vierte wegen mangelnden Beweises freigesprochen. Die Bestrafungen wegen ter Körperverletzungen, denen fraglos politische Beweggründe zugrunde lagen, erfolgten in Anwendung des § 223 StGBs. und des § 12 ter Verordnung des Reichspräsidenten gegen politische Ausschreitungen vom 14. Juni 1932. Mildernde Umstände wurden auf Grund der gleichen Verordnung versagt. Einweihung der Zeuerwehrfachschule für Hessen. Friedberg, 28. Rov. (WSR.) Die vom Landesverband der hessischen Feuerwehren ins Leben gerufene Feuerwehrfachschule für Hessen beginnt ihren Unterricht erstmalig am Großfeuer im Oittkreis. (D Niederweidbach, 28. Nov. In der Nacht zum Sonntag gegen 2 Uhr brach in dem Anwesen des Wilhelm W a l b r e ch t von hier Feuer aus. Als es bemerkt wurde, stand die Scheune bereits in hellen Flammen. Das Feuer breitete sich rasch auf Nebengebäude aus, so daß auch von dem Anwesen des Karl Neuhaus Stall und Scheune ein Opfer der Flammen wurden. Die Gebäude brannten vollständig nieder, doch konnte das Vieh rechtzeitig gerettet werden. Die herbeigeeilten Feuerwehren des Ortes, sowie von Ahrdt, Roßbach, Oberweidbach und die Motorspritze von Bischoffen konnten ihre Aufgabe nur darin erblicken, die angrenzenden Gebäude zu schützen. Die Ursache des Brandes ist noch nicht festgestellt, doch sind Untersuchungen seitens des Staatsanwaltes in Marburg eingeleitet. Wettervoraussage. Der hohe Druck über der Biskaya und Frankreich hat seinen Weg ostwärts nach dem Kontinent genommen, dabei einen Kern über Nordfrankreich und den anderen über Ostdeutschland entwickelt. Ab- sinkende Luft wird die Wolkendecke auflösen, so daß nachts leichter Frost auftritt. Die Störungstätigkeit im Norden, besonders das Herannahen einer neuen Störung über Island, dürfte aber später wieder maritime Luft nach dem Festlande vorschieben und Milderung, sowie Bewölkung bringen. Aussichten f ü r Mittwoch: Leichter Nachtfrost, bewölkt mit Aufklaren,' trocken. Aussichten für Donnerstag: Anfänglich leichter Nachtfrost, dann Uebergang zu milderem Wetter mit Eintrübung und Niederschlagsmöglichkeit. Lufttemperaturen am 28. November: mittags 6,2 Grad Celsius, abends 5,6 Grad; am 29. November: morgens 0,6 Grad. Maximum 6,5 Grad, Minimum 0,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. November: abends 4,9 Grad; am 29. November: morgens 2,4 Grad Celsius. — Niederschläge 0,1 mm. „Daß Du mit Deinen Hämorrhoiden Immer noch diese schwere Arbeit machen kannst, ist nicht zu glauben!“ „Es war einmal, Karl. Der Meister hat mir ein glänzendes Mittel empfohlen Das habe ich 14 Tage angewandt Jetzt bin ich die Hämorrhoiden los. Ich bin wie neugeboren. Es heißt Posterisan und ist in jeder Apotheke erhältlich. Die Salbe für HM. 1,59, die Zäpfchen für RM 2,37, Geld für Zigaretten ausgeben möchten. Es ist natürlich schwer, für jemanden,der sich an bessere Marken gewöhnt hat,billigeren Sorten Geschmack abzugewin« nen.Wenn Sie Jhrer Frau die kleine Freude machen wollen,ohne selbst ein Opfer zu bringen, dann sollten Sie OBE RST rauchen,die aufd'/sPfg herabgesetzte 5Pfg- Zigarette. Die ist echt macedonisch, die ist mild und aromatisch, wie Sie’s gewöhnt sind. "beider nach teurer JdarkenJlrt sich Jtilde mit AROMA paart. 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Ganz besonders danken wir Herrn Pfarrer Steiner, Hausen, für die zu Herzen gehenden trostreichen Worte. Auch möchten wir an dieser Stelle unserer (in der Todesanzeige durch einen ungewollten Zufall leider nicht genannten) Mitleidtragenden. Familie Heinrich Schienbein und Familie Friedrich Kirchmann, Hausen, gedenken. Die trauernden Hinterbliebenen. I. d. N.: Heinrich Röder. Dörf-Gill, Hausen, den 28. November 1932. (kwD arbeiten erfahren, sucht Stelle i. Haushalt. Schr. Ang. u. 06965 a.d.Gieh.Anz. Reinrass, deutscher Schäferhund in gute Hände abzugeben. Schr. Angebote unter 06979 a. d. (Siebener Anz. GntesHausschlacht- schwcin zirka 250 Pfd. schwer Mitte Dez. z.vk. Zu erfragen i.d.Ge- schäftsst.d.Gietz.Anz. 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November 1932. hessisches Amtsgericht. Soziale Dflitbi der Ausgeber v. Stellen» angebolen tsi eck, die ein- gegangn.LewerbungS- unterlagen (Zeugnisse, 3eugnldab(d)nfL, Lichi« bilder u.dgl.l schnellstens jurüifjuf. Di e Elellung« suchenden sind dankbar Dafür, wenn mar. ihre Bemühungen zur Erlangung ein. geeigneten Tätigte»! aus diese Weise unterstützt und stnd auf diese selbstverständliche pflicht auch angewie en. Gietzenev Änreisev Äuiscr ~Jtla£azin • fclicrsncg 2 E Inh.: Else Mahnkopp Witwe ________________________ 836 D Konkursverfahren. In dem Konkursverfahren, über das Vermögen der Firma Richard Andrea in Gießen ist zur Abnahme der Schlußrechnung des Verwalters, zur Erhebung von Einwendungen gegen das Schlußoerzeich nis der bei der Verteilung zu berücksichtigenden Forderungen — und zur Beschlußfassung der Gläubiger über die nicht verwertbaren Vermögensstücke — der Schlußtermin auf: 8371V Freitag, den 16. Dezember 1932 vormittags 10 Ahr vor dem hessischen Amtsgericht, Hierselbst, Zimmer 107, bestimmt. Gießen, den 23. November 1932. Hessisches Amtsgericht. Name für Geschäftsreisen in Hessen gesucht. Verdienst monatlich 300 Mark nachweisbar. Kaution M. 100 erforderlich, da Inkasso verbunden. Vorzustellen zwisch. 4 it.5 Uhr m Hotel Besondere Belegenheiten in Schreibmaschinen bei Niederhausen Seltersweg 17,1. Stock v. Kleiderhaus KBhlergaMü Detektiv K. Gerz, Bad-Nattheim, Kur- »traöe 17 erledigt alle vertrauliche Privat- iL GeichäftSanaele- genbeiten, roie Auskünfte, Beobachtungen, Ermittlungen Beschaffung v Be- roeiSmat. in Straf- u. Miotlorox nreni' diskr Svremst.!9b 19»/, q--c Uhr Halbdaunbett. Mit Kissen 15,-. Preis!, gr. Kirschberg, Berlin W. 30. O6S63 Für meinen grüß, landwirt Haushalt suche sos. eine (mmD Stütze diei.Kochen,Backen, Einmachen erfahren ist, etwas Nähkennt. besitzt u.überall mit Hand anlegt. Mädchen vorh. 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Es ist die Gegend, wo die Diederschlagsmenge langsam zu steigen anfängt, aber noch nicht die Hohe erreicht, um einen geregelten Ackerbau zuzulassen. Daraus ergibt sich das eigentümliche Bild dieser Landschaft, die grauen, im Sommer dicht mit Staubwolken verhängten dürren Berghänge, aus denen Gestrüpp nur mühsam fortkommt, dazwischen Täler mit Flüssen, die im Sommer häufig austrocknen, die aber immerhin noch soviel Wasser enthalten, um eine künstliche Bewässerung erlauben. Die Regierung Ibanez hatte sich sehr bemüht, diese günstige Lage durch die Anlage gewaltiger Staudämme hoch im Gebirge zu verbessern. Dort sollte das Wasser der winterlichen Diederschläge aufgefangen und sorgfältig über das ganze Jahr verteilt werden, und so eine Obstkultur größten Ausmaßes ermöglichen. Die Weltwirtschaftskrise hat diese Pläne zerstört, die Anleihen versagten, die Arbeiten muhten eingestellt werden. 3m selben Jahr 1930 erlebte die Landwirtschaft, einen Preisrückgang sondergleichen, und um das älnglück vollzumachen, entließen die Salpeterwerke im Dorden die jungen und kräftigen Männer, die dort als Sachsengänger «inen schönen Berdienst in ihre kärgliche Heimat mitzubringen pflegten. Das Elend des kleinen Dordens war unbeschreiblich, Handel und Wandel stockten, der Hunger herrschte in diesem Gebiet. Seit einem halben Jahr hat sich diese Lage vollständig verändert, so daß gerade diese Gegend heute am besten in der ganzen Republik dasteht. die Arbeitslosigkeit ist verschwunden, Handel und Wandel blühen, eine fieberhafte Tätigkeit hat die Bevölkerung ergriffen. Es ist keine Veränderung der klimatischen Verhältnisse eingetreten, der Goldrausch hat alle Welt ergriffen. Seit den ältesten Zeiten ist Chile wegen seines Goldreichtums bekannt gewesen, aber es war niemals das Gold wie es m Kalifornien oder Australien vorkam, in großen Goldklumpen, die die Phantasie anreizen durch den mühelosen Gewinn märchenhaften Reichtums. Das chilenische Gold ist in geringen Prozentsätzen in dem Sande der aus dem Hochgebirge berunterbrausenden Bäche und Flüsse enthalten, und nur langwierige, mühsame Arbeit läßt täglich ein bis zwei Gramm gewinnen, also nach deutschem Gelde 3—5 Mark. Die Kursentwicklung hat nun die Grundlagen der Rentabilitätsberechnung für die Goldgewinnung vollständig verschoben. Der Zusammenbruch des Außenhandels auf Grund der Ueberpro- duktion in der ganzen Welt in Kupfer und Stickstoff ließ, den, chilenischen Peso im Jahre 1932 a p_L ein Achtel seines ursprünglichen Wertes sinken, ohne daß im Innern eine entsprechende Preisentwicklung für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse und vor allem für die Arbeitslöhne hätte folgen können. Die große Arbeitslosigkeit von 120 000 Menschen, in diesem menschenarmen Lande mit den gewaltigen unausgenützten Flächen eine unermeßliche Katastrophe, ließ 1931 die Löhne auf einen Bruchteil von denen des Jahres 1929 sinken, und auch 1932 konnten die jenes hochkonjunktur- jahres nur knapp erreicht werden, aber wohlgemerkt in den entwerteten Pesos, nicht in Gold. Das bedeutet, daß heute Gold in Chile den achtfachen Kauf wert hat oergl.chen mit den Arbeitslöhnen, als vor drei Jahren! Aus diesem Umstande allein ergibt sich der Goldrausch, der vor allem die nördlichen Provinzen erfaßt hat. Dazu kommt, daß Gold von Markt und Krise unabhängig ist, ohne Schwierigkeiten verkauft wird, ja daß die Nachfrage niemals das Angebot erreichen kann. Rechnet man damit, daß ein Arbeiter am Tage ein Gramm Gold auswaschen kann, so würde er dafür heute 16 Pesos von der amtlichen Minenauf- sichtsstelle bekommen, von den Goldaufkäufern sogar das Doppelte. Bedenkt man dagegen, daß der Arbeitslohn in der Industrie um acht Pesos pro Tag schwankt, in der Landwirtschaft sogar noch bedeutend niedriger ist, so versteht man den Andrang zu den Goldwäschereien. In den letzten Monaten sind etwa 40 000 Menschen allein in der Provinz Coquirnbo in den Goldwäschereien unteraekommen, besonders viele in der Gegend von Jllapel. Wieder stehen die Arbeiter wie in den Zeiten der Spanier an den Bächen und Wasserläufen und waschen von morgens früh bis abends spät, unermüdlich. Sklaven des gelben Metalles. Ist dieser Zustand nicht eine furchtbare Mahnung für ganz Südamerika? Wenn die Weltwirtschaftskrise nicht bald vorübergeht, so sinkt der ganze Kontinent in jene Zeit zurück, wo die breiten Massen der Bevölkerung in furcht- barstem Elend lebten. Das, was für die Spanier das Merkantilsystem und die staatlichen Verbote gewesen sind, das heißt heute Devisenvorschriften und Wechselkurs, was damals der Goldhunger des spanischen Mutterlandes war, sind heute die ungeheuren finanziellenVer- pflichtungen an das Ausland, in erster Linie an die Vereinigten Staaten. Was bedeutet es aber, wenn Südamerika in die kolonialen Verhältnisse zurücksinkt? Wir sind es heute überall gewöhnt, daß die Produktionsmaßstäbe trotz der erhöhten Bevölkerung, trotz der gesteigerten technischen Leistungsfähigkeit hinter deuen vom Jahre 1900 zurückbleiben, daß alle Staaten der Erde unter der Arbeitslosigkeit seufzen: aber für die großen Industriestaaten bedeutet das eine vorübergehende Entbehrung, für Südamerika bedeutet es das. Ende einer Kultur. Der „kleine Dorden" Chiles ist noch günstig daran, er hat noch Gold, und fein Goldrausch ist nur das Anzeichen dafür, wie tief sein Lebensstandard gesunken ist, um LiMn^ Rausch auszulösen. Hessischer Landesverein vom Noten Kreuz und Aiice-Verein. WSD. D a r m st a d t, 27. Dov. Die ordentliche Hauptversammlung des Hessischen Landesvereins vom Roten Kreuz, die Samstagvormittag ftattfanö, war außerordentlich gut besuch?. Präsident Geheimrat v. Hahn hieß die Vertreter der Behörden, die Mitglieder, Aerzte. Vertreter der Kolonnen usw. willkommen. Der Geschäftsbericht, der gedruckt vorlag, wurde in großen Zügen erläutert. Der wert der ausgebildeten- Truppe zur ersten Hilfe fei erfreulicherweise immer mehr erkannt worden, so daß eine Reihe neuer Sanitätskolonnen entstehen konnte. In den Zweigoereinen und Sanitätskolonnen wurde im letzten Jahre intensive Arbeit geleistet. Im Jahre 1931 waren 16 Krankenkraftwagen in Betrieb. Cs wurden 9767 Krankentransporte und 17 310 Hilfeleistungen ausgeführt. Das Jahr 1932 brachte eine erhebliche Steigerung der Leistungen. Es wurden von 19 zur Der» fügung stehenden Krankenlraftwagen 10 379 Krankentransporte und 19 297 Hilfeleistungen ausgc- führt. Besondere Sorgfalt wurde der Ausbildung der Kolonne im Gasschutzdienst gewidmet. Die finanzielle Leistungsfähigkeit wurde durch die wirtschaftliche Rot schwer getroffen. Um so anerkennenswerter ist cs, daß verschiedene Kolonnen sich, wenn auch mit einfachen Mitteln, eigene Heime geschaffen haben. Dach kurzer Aussprache erstattete Finanz- direltor Linden st ruth den Rechenschaftsbericht des Schatzmeisters. Der Vermögensbestand konnte einerseits erhöht werden, anderseits hat sich allerdings die Dotzeit namentlich dadurch ausgewirkt, daß der kreis der Spender zurückgegangen ist. Dem Vorstand, dem erweiterten Vorstand und dem Schatzmeister wurde Entlastung erteilt. Cs wurden dann e Ersatzwahlen zum Hauptvorstand vorgenommen, und zwar wurden einstimmig die Herren Oberkirchenrat Dr. B ü ch l e r , Generalkonsul Mayer, Regierungsrat Schäfer, Ministerialrat Heyl wiedergewählt. In den erweiterten Vorstand wurden für Dr. Simmet-Birkenau Kreisdirektor Pfeiffer, für Beigeordneten Ploch-Butzbach Kolon- nenführer Bellinger- Alsfeld, für Generaldirektor Bonhard-Worms Major v. Gusted- Worms gewählt. Der Voranschlag 1932 33 wurde einstimmig angenommen. Der Versammlungsleiter regte u. a. an. daß eine enge Zusammenarbeit zwischen Kolonnen und Zweigvereinen stattfinden möge. Am Nachmittag fand die Sitzung des Landes- ausschujsesdeshessifchenRotenKreu. z e s statt, die von dem Präsidenten Geheimrat von Hahn geleitet wurde. Aus dem Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß die Arbeitsgemeinschaft des hessischen Landesvereins vom Roten kreuz mit dem Alice-Frauen- verein, der jetzt neun Jahre besteht, sich auch in den beiden letzten Jahren bewährt hat. Im Jahre 1930 flössen dem hessischen Roten Kreuz 16 300,76 Mark zu, wovon 3548,29 Mark an das Deutsche Rote Kreuz nach Berlin abgeführt wurden. Im Jahre 1931 betrug der Anteil des hessischen Roten Kreuzes 13 508,57 Mark und es wurden 3001,93 Mark nach Berlin gesandt. Im Jahre 1932 ist die Einnahme weiter zurückgegangen, sie betrug 11 428,81 Mark, die Ablieferung nach Berlin 2616,11 Mark. Nach den angeführten Zahlen kann man an nehmen, daß die Gesamtsumme, die den Rotkreuzoereinen in Hessen an den Rotkreuztagen zugeflossen ist, im Jahre 1930 54 000 Mark, im Jahre 1931 45 030 Mark, im Jahre 1932 38 090 Mark betrug. Auch in diesem Jahre werde die Winterhilfe mit den auf Anregungen des hessischen Roten Kreuzes 1930 zusammengeflossenen Landesverbände der freien Wohlfahrtspflege durchgeführt. Im ganzen wurden in Hessen bis 31. März 1932 Werte von zusammen 571 500 Mark für die Winterhilfe gesammelt. Präsident von Hahn schloß mit warmen Worten des Dankes an alle, die ihre Kräfte zum Wohl der notleidenden Mitmenschen eingesetzt haben. In der folgenden Aussprache berichtete Frau Profesior Kramer (Gießen) über Winternot- hilfearbeit in Gießen, woran der Alioe- Frauenoerein maßgebend beteiligt sei. Die R e ch - nungsablage und der Voranschlag für 1932/33 würben einstimmig angenommen. In den Alice-Frauenverein wurde für den verstorbenen Dr. Darapski (Mainz) Dr. Müller (Mainz) für Frau Kreisdirektor D r a u d t (Alzey), Frau Baronin von Gemmingen (Bingen) gewählt. In den Vorstand des Landesausschusses des hessischen Roten Kreuzes wurde für Reichsbankdirektor Müller Bankdirektor Brink, für Kaufmann Stemmer Polizei ob erst Schröder, für Beigeordneten Ploch (Butzbach) Pfarrer Laut (Nidda), für Direktor Bonhardt Fabrikant Dalkenberg (Wonms) gewählt. Polizvioberst Schröder sprach sodann über die Beteiligung der Rotkreuzveveine am Gasschutz und zivilen Luftschutz. Seine Ausführungen wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Mit Worten des Dankes schloß Geheimrat von Hahn die Landesausschußsitzung. SJL-tfpont Derbandöspiel-Ergebniffe aus dem Gau Gießen-Wehlar. Dezirksklasse II: Biskirchen — SC. Wetzlar 6:2 (3:2); Steindorf — Burgsolms 0:3 (0:2;; Weilburg — Disfenberg 1:5; Lollar — Leihgestern 8:8 (5:1); Steinberg — 1900 Gießen h ausgefallen; Butzbach — Ettingshausen 6:0 (3:0). Gauklassel: Ulm — Hirschhausen 15:0; Holzhaufen — Allendorf 3:0 (1:0); Stockhausen — Merenberg 4:0 (1:0); Weilburg 11. — Löhnberg 11. 3:2 (2:1); SC. Wetzlar 11. — Herrnann- ftein 1:5 (1:3); Wetzlarer SD. 111. — Dauborn 1:4 (1:1); Werdors — Burgsolms II. 2:1 (0:0); Lich — DsD. Gießen lh. ausgefallen; Butzbach 11. — Großcn-Duseck 6:3 (1:1): Garbenteich — 1900 Gießen IIi. ausgefallen; Heuchelheim — Wieseck ausgefallen. ©autlaffe 1 1 : Hasselbach — Odersbach2:3 (0:2); Arborn — Waldhaufen 6:0 (0:0); Laubuseschbach — Wirbelau 1. 4:3 (2:2); Stockhausen 11. — Holzhaufen II., Holzhaufen nicht angetreten; Werdors 11. — Bechlingen 2:3 (0:3); 1900 Gießen IV. — Bieber 2:1 (1:0); Butzbach 111. - Steinberg II., verlegt; Mufchenheim — Dieder- Weifel II., verlegt; Donnenroth — Weickartshain 3:1 (1:0); Flensungen II. — Ruppertsburg, ausgefallen. Handball der Sp.-Dg. 1900. 1900 I — Polizei Ruhbach I 5:5 (4:2). Die erste eigentliche Ueberraschung in der diesjährigen Handballsaison: die 1900er trotzen den Butzbacher Polizisten ein Unentschieden ab! Das Ergebnis entspricht dem Spielverlauf. Mit dem Wind als Bundesgenossen waren die Spieloereinigungs- leute sofort tonangebend. Sie gingen mit einem durch den Mittelstürmer Betz verwandelten Straf- wurs in Führung. Bald darauf erhöhte der gleiche Spieler durch schönen Flachball auf 2:0. Die Gäste holten kurz darauf ein Tor auf, konnten jedoch nicht verhindern, daß die Platzbesitzer weiter überlegen blieben und dies bis zum Seitenwechsel durch je ein Tor von A u er und Herbert 1 zum Ausdruck brachten Allerdings konnte bis dahin der gefährliche Butzbacher Stürmer Becker den 1900er Hüter zum zweitenmal überwinden. Nach Halbzeit hatten die 1900er nun einen fchwe- rcn Stand. Es wollte zunächst nichts rechtes gelingen, wohingegen Butzbach immer mehr aufbrebte. Mit meist sehr raffiniert angebrachten Bällen holten die Gäste nicht nur auf, sondern gingen sogar 5:4 in Führung. Lobenswerter Weise versuchten die Blauweißen immer wieder, das Ergebnis zu verbessern. Es wurden verschiedene gefährliche Würfe angebracht, einigemal war die Querlatte der Retter. Drei Minuten vor Schluß wurden die Bemühungen von Erfolg gekrönt: der Mittelläufer Schott war durchgebrochen und erzielte durch kraftvollen genauen Wurf den Ausgleich Neben den bereits genannten Spielern der Gießener Mannschaft verdient noch'das Schlußdreieck mit Enders, F i - scher und B i r k e n st o ck genannt zu werden. Schiedsrichter Bauernschub Halle das bis zuletzt in flottestem Tempo durchgeführte Spiel stets in der Hand. 1900 II — O5L. I 1:2 (0:1). Das Spiel begann infolge Ausbleibens des an* gefetzten Schiedsrichters mit saft einftünbiger Per- spätung. Das wirke sich für Die 1900er insofern nachteilig aus, als dadurch auf Mittelstürmer und Mittelläufer verzichtet und das Treffen mit zehn Mann bestritten werden muhte. Das Spiel war ausgeglichen. In technischer Hinsicht wurde nichts Besonderes geboten. Der OSC. stellte die körperlich stärkere Mannschaft. Der 1900er Sturm konnte sich nicht recht durchsetzen und vergab kurz vor Schluß sichere Ausgleichschancen. Wirtschaft. Oer Abschluß der Opel-AG. Frankfurt a. M., 28. Dov. Die Adam Opel AG., Rüfselsheim-M., erzielte im Geschäftsjahr 1931 einen Bruttogewinn von 11,35 (12,49) Mk., dem Handlungsunkosten von 8,45 (10,49) Mk., soziale Abgaben von 1,28 (1,30), Steuern von 1,12 (2,38), Zinsen von 0,67 (0,88) und Abschreibungen von 3,22 (7,19) Mill, gegenüberstanden. Somit ergab sich ein Verlust von 3,38 Mill. Mk., der nach den Beschlüssen der am 17. Dovember abgehaltenen Generalversammlung einschl. des vorjährigen Derlustvortrages von 12,19 Mill. Mark in Gesamthöhc von 15,57 Mill. Mk. vorgetragen wird. . Dach dem Geschäftsbericht haben sich die 1,8- Liter-Personen- und -Lieferwagen bisher erfolgreich eingeführt, ebenso auch die Blitz-Lastwagen, für die, insbesondere von ausländischer Seite, schärfste Konkurrenz bestand. Auch der im Herbst eingeführie 1,2-Literwagcn fetzte sich bald an die Spitze seiner Preisklasse. Das Fahrradg-schäft hat sich befriedigend entwickelt. etwa 80 v. H. der Fahrräder werden jetzt auf Dorauskaffe-Basis verkauft. Da sich das Preisniveau weiter verschlechtert hatte, mutzten erhebliche Abschreibungen bei den Beständen vorgenommen werden. Die Entwicklung des Fahrrad- geschäfts im Jahre 1932 rechtfertige die Hoffnung, daß sich dieser Fabrikationszweia zu einem gewinnbringenden Teil des Unternehmens gestalten wird. Der gesamte Export von Opel-Automobilen betrug von Januar bis Ende September 1932: 5566 Wagen gegen 5228 in der gleichen Zeit 1931 und 1256 in den ersten neun Monaten 1930. Berlin verstimmt. Berlin, 29. Nov. (WTB. Funkspruch.) Der Beginn des offiziellen Verkehrs an der heutigen Effektenbörse stand völlig im Zeichen der Nachrichten über die großen Schwierigkeiten des Herrn von Schleicher bei seinen Besprechungen zur Vorbereitung der Regierungsbildung. Aus der Absage Straßers, die ein Zeichen für die weiter unnachgiebige Haltung der NSDAP, ist, schloß man, daß nun wohl ein Kampfkabinett Popen kommen werde, wodurch ein scharfer Konflikt mit dem Reichstag nahezu unvermeidlich geworden wäre. Diese Mutmaßungen — vorläufig ist noch Jeinc Entscheidung gefallen — wirkten sich auf die Stimmung kräftig aus. Während von feiten des Publikums noch kleine Kauforders vorlagen, die ihre Ursache in günstigen Wirtschaftsmeldungen, wie der Vermehrung der Belegschaft bei Bemberg, den steigenden Sparkasseneinlagen und der flüssigen Bilanz bei Schwartzkopss- Maschinen hallen, schritt die Spekulation, unbeeinflußt durch die günstige markttechnische Loge — die Lombard- und Exekutionsverkäuse kamen in Fortfall, da morgen Zahllag ist — zu 21 b gab en. Die Kursgestaltung war durchaus unregelmäßig. Zahlreichen Abschwächungen bis zu 2 Prozent, ver- einzell bis zu 2% Prozent, standen Gewinne bis zu etwa 1% Prozent gegenüber. Eigentlich schwach waren eben nur die von der Spekulation bevorzugten Werte. Im Verlaufe blieb die Unterneh- inüngslust im großen und ganzen klein, die Abweichungen gegen den Anfang waren nicht ganz einheitlich. Renten lagen heute ziemlich einheitlich s ch w a- ch e r. Deutsch» Anleihen bröckelten leicht ab, Reichsschuldbuchforderungen und Reichsbahnvorzugsaktien gaben bis zu V, Prozent nach, variabel gehandette Jndustrieobligationen verloren bis zu 1 Prozent. Pfandbriefe usw. zeigten kein ganz einheitliches Aussehen, do hier verschiedenllich noch Publikums- orders zur Ausführung gelangten. Ausländer zeigten ein unregelmäßiges Aussehen, Bosnier gaben erneut Vi Prozent nach; heute wurden die 4^pro-- zentigen Quantebek nach anfänglicher Plus-Plus- Notiz % Prozent höher festgesetzt. Sronffurf unsicher und schwächer. Frankfurt o. M.29. Nov. (WTB. Drahtmcl- düng.) Die plötzliche Wendung, die die innerpoli- tische Situation heute vormittag genommen hat, hat an der heutigen Börse sehr überrascht und die bestehende Zurückhaltung in Börsen- kreisen v e r ft ä r f L Im Hinblick auf die Weiterentwicklung, insbesondere die evtl. Rückkehr Popens auf den Reichskanzlerpoften, ergab sich eine unsichere Stimmung. Die Spekulation, die noch gestern auf Grund der Möglichkeit eines Kabinetts «Schleicher Engagements eingegangen war, stellte heute wieder glatt Die wenigen noch vorliegenden Publikumsaufträge für einige Spezialpapiere reichten nicht aus, um Kursrückgänge von durchschnittlich 0,5 bis 1 v. h. gegen die schon abbröckelnde Abendbörse zu vermeiden. Einige Spezialwerte, wie harpener Bergbau, Rheinstahl, Gelsenkirchen, Deutsche Erdöl und Schlickert, verloren darüber hinaus etwa 1 bis 2 v. h. Schwacher eröffneten ferner Mannesmann, Otaoi Minen, Zellstoff Waldhof, Scheideanftall und AEG., die Rückgänge von 0,5 bis 0,75 o. h. aufwiefen. Anderseits blieben hapag, Phönix Bergbau, Stahloerein, Bekula und IG. behauptet. Nach den ersten Nolle- rungen stockte das Geschäft fast vollkommen, und die Kurse bröckellen weiter etwas ab. Der Rentenmarkt wies bei sehr geringer Umsatztätigkeit gleichfalls Meine Rückgänge auf, so für Altbefitz und späte Reichsschuldbucbsorde. rungen und Stahlvereinbonds. Von fremden Werten konnten sich Salonic-Monastir erneut um 0,25 o. h. befestigen, ebenso waren Ungarische Goldrenten etwas höher, wogegen Rumänen nur knapp gehallen waren. Der Pfandbriefmarkt lag sehr still bei eher leicht nachgebenden Kursen. Allbesitz und Reichs- schuldbuchforderungen waren später um Bruchteile eines Prozents hoher. 3m Sechstagerennen bei Berlin haben sich am besten die Evnttnental-Reifen bewährt. Dur diese sind einer solchen Strapaze fähig 8388 V MAGGI5Würze k vejctokqew. Sie von Mvcewt* UävMes Auch auf andere MAGGI-^Zeugnisse, wie MAGGisSuppen und MA GGIS Fleisch brüh würfel, gibt es Gutschei Seiner Hände Werk ZRoman von Klothilde von StegmanmStein. Copyright by Martin Feuchtwangrr, Halle (Saale) 28 ^ortleRung Nachdruck verboten Hebet? die Gesichter der beiden jungen Männer ging ein jähes Zucken des Schreckens und der Wut: aber sie faßten sich und folgten in anscheinend harmlosem Gespräch dem Herrn wieder zurück ins Hotel. Wie drei Geschüftsbekannte, die ein Geschäft fortführen, wandten sie sich dem Lift zu und fuhren zu dreien hinauf in den ersten Stock. Riemand von den Gästen, die nun in steigender Zahl die Halle des Hotels durchquerten, ahnte etwas davon, was der Herr im braunen Allster in Wahrheit mit den beiden Herren zu verhandeln hatte, mit denen er jetzt in einem Zimmer der ersten Etage verschwand. Rur der Geschäftsführer sah mit einem fassungslosen Gesicht immer noch auf den Lift und wandte sich völlig geistesabwesend seiner Post zu. Mit bleichem, verkniffenen Gesicht standen nun in dem stillen Zimmer Axel Ivarsen und Gerj- stam dem Kriminalkommissar gegenüber. „So, meine Herren", meinte der und setzte sich, den entsicherten Revolver griffbereit vor sich, ..bitte, nehmen Sie doch Platz! Wir wollen uns einmal ganz in Ruhe über die Vorgänge auf Dremerwert unterhalten. Ze offener <5ie_ Ihre Karten aufdecken, um so besser wird es für Sie sein. Zeder Versuch, die Angelegenheiten zu verschleiern, wird späterhin die llntersuchungs- haft verlängern. Aber ich denke, daß ich mich mit so intelligenten Männern, wie Sie es doch finö, schnell verständigen werde. Also bitte, Herr Ivar« sen!" lind während er das Rotizbuch hervorzog, stellte er seine erste scharfe Frage. Prokurist Degener war inzwischen mit feinem Auto wieder davongefahren. Fritz fuhr auf De- geners Geheiß ein ziemlich scharfes Tempo, wobei der Wagen ab und zu durch die Schneelöcher auf der Chaussee bedenklich ins Schleudern geriet. Fritz sah, wenn eine Stelle glücklich passiert war, durch den Devbachtungssp ,?l ein wenig besorgt in den Fond, in dem Degener sah. Eigentlich war solch eine wilde Fahrt doch nichts für den alten Herrn, der eben vom Krankenlager aufgestanden war. Aber wenn er durch die Scheibe ein fragendes: „Langsamer, Herr Degener?" sandte, so schüttelte Degener nur den Kopf, und auf seinem Gesicht lag ein ungeduldiger, angespannter Zug. Zn der Kreisstadt angekommen, suchte Degener sofort seinen Freund, Direktor Schallert, auf, dem er seinerzeit Erika und ihren Vater empfohlen hatte. Schultert horte mit immer großer werdenden Augen dem Bericht des alten Freundes vom Dremerwerk zu. Dann drückte er auf den Klingelknopf auf seinem Schreibtisch. Alsbald erschien ein junger Mann. „Die Briefe und Ausfertigungen der Schriftstücke an die Nordischen Motorenwerke sind nicht zu befördern: sie sollen aus der Driefabteilung sofort zurückgebracht werden. Außerdem schicken Sie mir einmal den Dotenmeister Schmitt hierher!" Mit einem diensteifrigen Ricken verschwand der junge Angestellte. „Das ist die tollste Geschichte, die mir je in meiner Geschäftspraxis vorgekommen ist", wandte sich Direktor Schallert dann an seinen Freund Degener. „Za, ja, wir werden Großstadt, mein guter Degener. Derartige Hochstapeleien passierten bisher nur an internationalen Plätzen. Wir waren noch nicht soweit." „Zch habe auch gar nicht den Ehrgeiz, daß wir dahinkommen", erklärte der Prokurist wütend. „Das kommt von den ausländischen Firlefan- zereien der Gnädigen: dem gnädigen Herrn wäre so etwas nicht passiert. So gute Freundschaften und Geschäftsverbindungen er im Ausland unterhielt — in unser Dremerwerk hätte er nie jemand anders hineingelassen. Unsere Znduftrie- werke sind ja das einzige, pflegte er zu sagen, was uns Deutschen geblieben ist. Das müssen wir festhalten und ausbauen. — Aus diesem Grunde hielt er auch nichts von ausländischen Beteiligungen, obwohl sie ihm zur Ausnützung der verschiedenen Erfindungen oft genug angeboten wurden. Selbst ist der Mann, war sein Wahlspruch. Was er nicht aus eigener Kraft konnte, das stellte er zurück, bis es möglich wurde. So sind wir im Dremerwerk grvßgeworden, so hätten wir bleiben sollen. Aber der alte Herr starb zu früh, und der Herr Kurt, der ganz sein Ebenbild ist, ist ja noch nicht volljährig. Rur so allein waren solche Vorkommnisse möglich. Run wird's ja damit ein Ende haben." „Hoffentlich noch zur rechten Seit", erwiderte der Direktor der Landschaftsbank ernst. „Ich will Ihnen nicht das Herz schwer machen, mein guter Degener: aber sagen muß ich es Ihnen doch — dazu fühle ich mich nun einmal verpflichtet. Man munkelt von den großen persönlichen Krediten, d'.le sich ihr feiner norwegiischer Schwiegersohn im Romen der Frau Kommerzienrat Dremer hat geben lassem Ich bin ja nicht genau über die Vorgänge in der Kreditabteilung unterrichtet, weil die nicht zu meinem Arbeitsbereich gehört: aber bei der letzten Vorstandssihung hat man darüber gesprochen. Ich hatte sogar vor, an einem der nächsten Sonntage zu Ihnen hinauszufahren, um über diese Gerüchte mit Ihnen zu sprechen. Run aber kommen Sie mir mit Ihrem Desuch zuvor." Der Prokurist war bleich geworden. „Das sind ja sehr unangenehme Rachrichten: aber ich bin Ihnen dankbar, daß Sie mich aufklären. Mir ist von größeren Krediten nichts bekannt — das muh alles in der Zeit eingeleitet worden fein, als ich infolge eines eigentümlichen Anfalls in der Fabrik krank und außer Gefecht gesetzt war. Wenn uns die Spitzbuben das Dremerwerk heruntergewirtschaftet haben, dann soll sie der Teufel holen!" „Ra, zuerst holt sie der Staatsanwalt einmal", meinte der Direktor. Er unterbrach sich. Es klopfte. Auf der Schwelle erschien mit unruhigem Ges'cht der alte Schmitt, Erikas Vater. „Rur keine Angst, lieber Schmitt", ermunterte der Direktor, „hier ist nur ein guter, alter De- kannter, der Ihnen mal guten Tag sagen möchte." Während der Prokurist dem erstaunten Schmitt herzlich die Hand schüttelte, verlieh Direktor Schallert leise das Zimmer. Was Degener dem alten Manne zu erzählen hatte, wurde besser ohne seine Anwesenheit erörtert. Während das Telegramm Degeners an Kurt durch den Aether flog, lag Erlla in hohem Fieber. In ihren wilden Fieberphantasien tief sie immer wieder angstvoll nach Kurt, wehrte sie sich verzweifelt mit umherschlagenden Händen gegen die vermeintlichen Angriffe Axel 2var- sens. Unermüdlich legte Schwester Raffaela, die man aus dem Kloster zur Pflege herangeholt» Eiskompressen auf die fieberglühende Mädchenstirn. Ab und zu öffnete sich die Tür vom Reben- zimmer, und das besorgt-freundliche Gesicht der Frau Baumeister blickte herein: sie zog sich seufzend zurück, wenn immer wieder die sinnlosen Fieberreden des jungen Mädchens von dessen Lippen herübertönten. „Wir müssen Geduld haben, Frau Baumeister", sagte beruhigend die blasse, stille Schwester Raffaela. „Die Krisis ist noch nicht da — der Herr wird schon helfen, das junge Leben zu erhalten." Dann flog ein Hoffnungsschimmer über das gute Gesicht der Frau Baumeister, und diesen Hoffnungsschimmer brachte sie mtt zu dem alten Manne, der da nebenan in verzweifelter Sorge sah und wartete, ob der Tod an seinem einzigen Kinde vorübergehen würde, denn Prokurist De- genec hatte den alten Schmitt im Auto herübergebracht. Der Direktor der Landschaftsbank hatte dem alten Manne bereitwillig llrlaub gegeben. Prokurist Degener hatte inzwischen weitere Schritte unternommen. Er hatte eine ausgedehnte Konferenz mit Iustizrat Coswig, dem alten Sachwalter der Familie, der von Frau Melanie auch auf Betreiben des Schwiegersohnes kaltgestellt worden war. Der Iustizrat hörte mit ernstem Gesicht dem Bericht des treuen Angestellten zu. Das Resultat war, dah er mit Degener zusammen sich auf den Weg zum Bremerwerk machte. Als sie gegen Mittag dort eintrafen, fanden sie alles im Bremerwerk in Heller Aufregung. In dem Hauptkontor, wo Axel Ivcrrsen sein Privatbureau hatte, sah der Kriminalkommissar Brettschneider aus der nahen Stadt mit dem Ober-Ingenieur zusammen und lieh sämtliche Telephongespräche zu sich herüberlegen sowie die Post zu sich bringen. Die wildesten Gerüchte durchschwirrten das Werk, ohne dah irgend etwas Genaues zu erfahren war. Endlich kam Degener im Auto in rasender Fahrt in den Hof gerollt. Moeller atmete auf. „Endlich! — Run werden wir wohl bald weitere Schritte tun können ..." Er unterbrach sich, denn es klopfte: ein vor Aufregung und Reugierde zitternder Angestellter brachte eine Depesche. „Eintreffe morgen früh, Wagen zur Dahn senden. Kurt Bremer", lasen die Herren. „Gottlob", sagte Degener aus tiefstem Herzen. 23. Kapitel. Mit hochmütigem und ärgerlichem Gesicht betrat Frau Melanie Bremer in einem kostbaren Schlafrock aus gestickter japanischer schwarzer Seide das Zimmer, in dem die beiden Herren auf sie warteten. „Was soll das heißen. Herr Degener?" fragte sie sofort beim Hereinkommen brüsk den Prokuristen, ohne seinen höflichen Gruh zu erwidern, „dah Sie mich einfach wecken lassen und auf keinerlei Vorstellungen meiner Zofe eingehen, die weih, dah ich durchaus nicht gestört werden will? Es scheint, als hätten Sie das Gefühl für das, was Sie sich in Ihrer Stellung erlauben dürfen, verloren." In diesem Augenblick erst erblickte sie den chr unbekannten Oberkommissar, der sich in der Fensternische verborgen gehalten hatte. „Und was bedeutet der Besuch dieses Fremden hier? W.e können Sie hier frühmorgens einen unbekannten Herrn in mein Haus mitbringen? Sie scheinen die Gewohnheiten Ihres Kontors mit den gesellschaftlichen Sitten in einem Hause, wie dem meinen, zu verwechseln." Eine dunlle Zornesrote war bei diesen Worten der Kommerzienrätin über das Gesicht Degeners geflossen — er wollte etwas antworten: aber die Kränkung würgte ihm die Stimme in der Kehle, llnd schon trat auch der Kommissar mit einer entschiedenen Bewegung vor die Frau Kommerzienrat hin. „Sie machen Herrn Prokuristen Degener unberechtigterweise Vorwürfe, gnädige Frau", sa^te er ruhig. „Es ist nur feine Pflicht, mich hier- herzubringen — wie es meine Pflicht ist, Sie um eine Unterredung zu ersuchen, und zwar trotz der frühen Stunde. Mein Rame ist Kriminalkommissar Drettschneider." Frau Melanie erbleichte. „Kriminalkommissar", wiederholte sie erschreckt. „Was, mein Herr, führt Sie in mein Haus?" „Die Betrügereien des Barons Axel Ivarsen, Ihres Schwiegersohns", erklärte der Kriminalkommissar bestimmt. Frau Melanie schrie auf; aber sofort faßte sie sich wieder. „Mein Herr", sagte sie eisig, „entweder sind Sie nicht im Besitz Ihres Verstandes oder Sie sind betrunken. Betrügereien meines Schwiegersohnes? Das ist ja eine äußerst lächerliche Behauptung. Sofort verlassen Sie mein Zimmer — und Bremerschloß! Soll das vielleicht Erpressung sein? Man liest ja jetzt häufig derartige Dinge; Sie haben es sich jedenfalls merkwürdig ausgesucht. — Warum machen Sie mir diese lächerliche Mitteilung gerade an dem Morgen, an dem mein Schwiegersohn geschäftlich in der Hauptstadt zu tun hat? Sie würden es nicht wagen, ihm ins Gesicht solche Infamie zu be- hcmpten! Entfernen Sie sich, mein Herr — und Sie, Herr Degener, gleichfalls! Ihres Bleibens im Dremerwerk dürfte auch nicht mehr lange fein. Wenn mein Schwiegersohn heute zurückkehrt, werde ich ihm Ihr unerhörtes Verhalten schildern, und er wird seine Folgerungen daraus ziehen." Der Kriminalkommissar sagte sehr ruhig: „Gnädige Frau sollten froh fein, Herrn Prokuristen Degener zu haben. Er wird in der nächsten Zeit der einzige sein, der aus Dremerwerk für Sie und die Ihren etwas retten kann. Auf die Rückkehr Ihres Schwiegersohns werden Sie nicht rechnen dürfen: Herr Daron Ivarsen ist wegen Patentspionage und Betrugs verhaftet worden." Ein Aufschrei entrang sich dem Munde der Frau Kommerzienrat. Sie wollle etwas sagen: aber plötzlich wurde sie fahl, griff mit den Händen wie suchend um sich und sank ohnmächtig in die Arme des schnell zuspringenden Kriminal- kommissars. (Sortfehun'* folgt) Willst Du nie erkältet sein - nimm /D Wolle Geöffnet 8294 D 6/2//L/2 - /oioengasse 8382 A lAf C D El CD RUCKSACHEN W W 3m Brühl* sehe Druckerei 8381 A SPP^./AL - VOLL3E5CHAFT Ausstellung deutscher Wertarbeit im Äillardsaal des Lass Amend RM 80: D.R.P. D.R.G.M noch bis Mittwochabend 8 Llhr llnlostenbeitrag 20 Pfennig. mit Radiostörschuta SneWMai- diese Strümpfe ille Schmerlen sind weg und Beine habe ich jetzt die man sehen lassen kann! Deutscher Sprachvereii GieOen Vortragsabend Donnerstag, den t. Dez., abends 8.30 Uhr Geheimerat Behaghel spricht über das Thema: 8379D Drogerie Winte rhoff Kreuzplatz 10 Miele - Erzeugnisse In größter Auswahl zu Orlglnalprelsen arn Lager. Um zwanglose Besichtigung wird höflichst gebeten. — Für Händler besondere Vereinbarungen. bmoA J. B. Häuser'Gießen Hani-n.KBchengeräte. AmOswaldigarten, Fernipr.8148,8148 Miele \ I Mellor muniMwilZM fabrikneu, Weltmarke, auf Teilzahlung. Wochenrate 1.50 Mk. 1. Zahlung Ende Januar. 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