Nr. 255 Erstes Blatt 182. Jahrgang Samstag, 29. Oktober 1952 Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblätter Heimat m Bild • Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Kernsvrechanschlüfse unter Sammelnummer 2251. An|christ lür Drahtnachrichten^ Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vn'ik vnb verlaa: Vrühl'sche Univel fitüts-Vuch- und Zteindruckerei R. Lanlze in Sieben. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulllraße 7. Annahme von Anze.gen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20u, mehr. Chefredakteure Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Zeil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil i.V.TH.Kümmel sämtlich in (Biegen. Außenpolitische Umschau. Von -Dr. Otto Hoe sch, o. ö. Pros, der Geschichte an d r Universität Berlin Unter den Kundgebungen zum 10. Gedenktag -des Marsches auf Rom ist M u s s o l i n i s T u - riner Rede die wichtigste. Gehalten wurde sie in ter Hauptstadt von Piemont, wo die monarchistische Ueb-erzeugung am stärksten ist — man hat manchmal gejagt, dah die aus Piemont kommenden Offiziere, um ein bestimmtes Mitglied der Königsfamilie herum, die stärksten Gegner Mussolinis seien. Runmehr war Mussolinis Rede in Piemont der Ausdruck dafür, daß Piemont die Verbindung mit dem Faschismus gefunden habe, und aus dieser Rede wie auch aus den folgenden klang überhaupt ein großes Vertrauen auf die Zukunft, ein starkes Siegerbewuhtsein, von dem man nicht sagen kann, daß ^s unberechtigt oder phrasenhaft wäre. Die Rede war zugleich eine außenpolitische Kundgebung, insonderheit zu Völkerbund und Abrüstung. Hir uns nicht überraschend, legte Mussolini f$t, dah Italien, an seinem bekannten Programm iesthaltend, imDöl- kerbund bleibe, gerade «des halb, weil er sehr krank • sei. Wenn also, was! auch Mussolini für möglich hält, Deutschland fti) gezwungen sehen würde, den Völkerbund zu verlassen, wird ihm Italien nicht folgen, und Iswir fügen als unsere Meinung hinzu, dah, so sehr sich der fernöstliche Konflikt mit dem DLkerbund verschärfen mochte, auch Japan bi ebn nicht verlassen wird. In bezug auf Deutschland sprach Mussolini aus, was wörtlich festgelalten werden muh, namentlich auch in den kleineren Nuancen: „Die deutsche Forderung auf juristische (dies Wort stand nicht in den deutschen Verichten) Gleichberechtigung im berechtigt. Man muh sie anerkennen, je früher Äm so besser. Aber zu gleicher Zeit ist richtig, ^daß Deutschland nickt eine Aufrüstung, welcher Art sie auch sei, fordern tonn, so lange die Abrüstungskonferenz dauern wird. Aber wenn diesAbrüstungskonfe- rewz gescheitert fein wird, so Mrd ^Deutschland nicht mehr im Schoß des VöRrrbimdes bleiben können, so lange nicht diese Zurücksetzung beseitigt ist." (Im ..Lemvs"°Rericht!fehlte bezeichnenderweise der letzte Rachsatz.s 't>iefe Aeußerung sagt nun nichts Neues. Um s( mehr soll man auf sicher wohlüberlegte Einzelieiten dabei achten: das Wort juristische Gleiaberechti^ung, an das ein Teil der französischen Äresse gleich anhakt. und die Schlußformel. Um schließlich sieht Deutschland ganz genau, b i s irr e weit es auf Italiens Vundesaenostenschaft iü keinem Kampfe rechnen kann und bis wie weit nizjt. Sehr gut hat die Reichsregie^ng noch einmal den deutschen StandpuNjt zusammengefaßt: allamne-ne Abrüstung entsifechend den besonderen Verhältnissen ndes L^bs entsprechend dem Deutschland durch den D^illler Vertrag auferlegten Abrüstunasstand. 7rrb dem nicht Rechnung aetraoen: jeder>s"lsz Ajschgiluna von zweierlei Recht: die zu beschl'e^enf" l)lbrüstunas- konvention muß auch auf Deutschland an - gewendet werden das auch Ä d'^^em ornfrüftung nicht fordert aber uö dürlen nicht Waffen verboten fein, die on^-rel (=5+gaten als Derteidigungsmittel erlaubt bleibe^ sollen. Verwickelt wird diese Lage je/ unvermutet durch die Schuldenfrage. Disc war etwas zurückaetreten, der nächste Zahluwstermin der interalliierten Schulden an Amerid ist ja erst am 15. Dezember fällig. Durch Inaskretion aus dem Auswärtigen Ausschuß der Passer Kammer ist die Sache nun vor der Zeit aufgfrollt worden und hat das Mißtrauen Amerikas Uregt. Cs ist Herriot nämlich die Frage gestellt worden, wie er zum nächsten Termin stehl. Dabellhat er versucht, d i e Unterscheidung zwschen politischer und Handelsschuld i wiederzu beleben, die durch das französisch-i^ierikanische Schuldenabkommen beseitigt ist. Unddamit wieder ist die Frage überhaupt erneu,j aufgerollt worden: f o 11 Frankreich zwilen, da Deutschland durch das (im übrÄn ja noch gar nicht ratifizierte) Lausanner Abttnmen von seiner Zahlung befreit ist? Und soas wird England tun? Beide Staaten hattti die Beträge für den 15. Dezember nicht s in ihren Haushalt eingestellt. England scheint Unter der Hand sich auf die Zahlung vordere'.teözu haben und Frankreich weiß wohl noch nicht, Ois es tun soll. Jedenfalls hat Herriot mit feiid Aeuße- rung im Ausschuß und der Antwor, die er daraufhin Amerika geben muhte, sich 4paä zwischen die Stühle gesetzt. Zu Haus: sagiman ihm sehr deutlich, Schuldenzahlung grantreü)3 sei ja mit deutscher Reparation uRrenn* bar verbunden. Nichtzahlung des,letzteren zöge also von selbst Nichtzahlung de/ersteren nach sich. In Ameri.u, das Herriot kruhigen will, wurde man mißtrauisch, und das Weber ist Herriot gerate jetzt sehr unbequem, woisr offensichtlich die Politik verfolgt, mit feinest „k o n - struktiven Plan" in der AbrüstuHs- und Sicherheitsfrage Amerika an seine Seiteiu bringen. Man sieht, die Dinge sind verwichlt, und die deutsche Politik hat allen Anlaß, &»r aufzumerken und dafür zu sorgen, daß bah alles ohne uns, d. h. gegen uns ausgehandst wird. In Bukarest trat am 22. Oktober d i e 3^B a l - kankonferenz zusammen. Die erste par in Athen, die zweite in Konstantinopel. D4 Sinn dieser Konferenzen ist nicht nur die Flhlung- GroßeAbmfiungsdebatte in der französischen Kammer Nie Grundzüge des konstruktivenplanspaul-Boncours.-Frankretch fordert neue internationale Sicherheiten. — Vertrauensvotum der Kammer für Herriot. Paris, 28. Oft. (Täl.) Die Französische Kammer begann die angekündigte Aussprache über die französischen Abrüstungspläne. Als erster Redner wies der neue unabhängige Abgeordnete der Linken, C h a f f e i g n e, darauf hin, dah Frankreich einen großen Fehler begangen habe, als es den Hoovers ch en Abrüstungsplan nicht vorbehaltlos angenommen habe. Die französischen Manöver der letzten Iahre bewiesen, daß der Große Generalstab ein Heer auszustellen wünsche, das gleichzeitig ein Berteidi- gungs - und Angriffsheer darstelle und in der Lage sei, bis zum Rhein und über die Alpen hinaus tior^ubringen. Der Redner wies dann auf gewisse Bündnisse Frankreichs hin, die dasGegenteilvon Sicherheit s- f a k t o re n bedeuteten und bezeichnete Polen und Rumänien als Raubstaaten. Ministerpräsident Herriot erhob sich bei diesen Worten und erklärte, daß Rumänien seine Freiheit der Hel- denmüt"gleit seiner Söhne verdanke, während P o- len der Typ eines Märtyrers! Lates sei. C h a s s e i g n e erwiderte, daß Polen unter dem Zaren viel gelitten habe, heute seien es aber b i e Regierungen, die die Rolle des Zaren übernommen hätten. Auf alle Fälle könne Frankreich derartige Bündnisse nicht als Sicherheitsfaktoren betrachten. Die wahre Sicherheit liege vielmehr in der Abrüstung und der Schiedsgerichtsbarkeit. Man müsse ein Europa aufbauen, das anders als dasjenige sei, das aus dem Versailler Vertrag geboren sei. Leon Blum wies darauf hin, daß sich Frankreich heute vor der Gleichberechtigungsforderung Deutschlands befinde und vor dem Aufrüstungswillen der gegenwärtigen Reichsregierung. Er und seine Anhänger hielten die Gleicbberechtigungsforderung grundsätzlich für gerechtfertigt, denn alle hätten einRecht auf Gleichheit. Das sei zwar nicht juristisch, aber politisch und moralisch begründet. Ein Friedensvertrag sei kein Kontrakt, denn an der Wurzel jedes Friedens- Vertrages gebe es kein freies Bestimmungsrecht des Besiegter. Dennoch habe Frankreich in dem Friedensvertrage öie Verpflich tung zur Abrüstung übernommen. Die französische Kammer habe am 3. Oktober 1919 eine sozialistische Cntschl'eßung angenommen, in der der Artikel 8 des Paktes als Verpflichtung Frankreichs ausgelegt worden sei. abzu- rüsten. Die Gleichbe.echtigungsforderung Deutschlands dürfe aber nicht zur Wiederaufrüstung führen. Diese Wiederaufrüstung könne nur durch eine allgemeineAbrüstung verhindert werden, die nach und nach zu einer Rüstungsgleichheit auf niedrigster G ru n d l a g e führen müsse. Gewisse Verlautbarungen ließen die Meinung aufkommen, als ob der französische Generalstab einer gewissen Aufrüstung Deutschlands eher zustimmen werde, als e'ner Abrüstung Frankreichs, vorausgesetzt, daß zw sche i De :tschl ni) und den 6'egerfloaten eine g:wis e Spanne bestehen bleibe. Die Abgeordneten Francois-Albert und Genossen von der radikalen Kammerfraktion haben eine Tagesordnung eingebracht, der die R e - gierung zugestimmt hat. In der Entschließung heißt es u. a.: Die Kammer billigt die Erklärungen der Regierung und vertraut darauf, daß sie eine auf folgende Grundsätze auf- gebaute Politik betreiben wird: 1 .Respektierung der durch den Völkerbundspakt aufgesfellien Grundsätze, in bezug auf die Verurteilung wirklichen Angriffs. 2 . Allgemeine Herabsetzung der wirksam kontrollierten Rü st ungen und Erweiterung der Befugnisse des Völkerbundes zwecks Sicherung der Gleichheit der Völker in der internationalen Sicherheit. 3 .Beseitigung der privaten herstel- tung von Waffen in allen Ländern, Kontrolle jeglicher Herstellung und jeglichen Handels mit Waffen und Kriegs- Maschinen. Der Abg. Franklin-Bouillon erklärte dann, Deutschland habe unaufhörlich den Ver- ailler Vertrag verletzt. Der Völkerbund ei unfähig, dem Versailler Vertrag Respekt zu ver- chasfen. Herriot spreche von seinem „Freunde" Dl a c t> o n a l b. Man müsse hochgehen, wenn man so etwas höre. „Mit diesem Menschen" würde Frankreich unter das Joch Deutschlands geraten. 1914 habe Macdonald verzweifelte Anstrengungen gemacht, um England zu hindern, an Frankreichs Seite zu treten und während des Krieges habe Macdonald seine politischen Manöver gegen Frankreich fortgesetzt. Man stehe vor dem großen Betrug von Locarno, mit dem man das Land seit sieben Jahren getäuscht habe. Deutschland bereite nur eines vor, den Revanchekrieg. (Beifall rechts.) Seit zehn Jahren litten Frankreich und seine Alliierten und die Welt unter einer Krise der Kleinmütigkeit und der allgemeinen Heuchelei. Der radikale Abg. C o t unterbrach Franklin- Bouillon und erklärte, wenn man von Heuchelei spreche, so liege die Heuchelei darin, die Verträge für unantastbar zu halten. Die Verträge könnten nicht ewig dauern. Er erwarte eine Vertragsrevision durch gerechte Lösungen. Im anderen Falle würde man gewisse Völker zur Verzweiflung treiben. Ministerpräsident Herriot betrat dann unter großem Beifall die Tribüne: Wäre Frankreich nicht nach Lausanne gegangen, so sagte Herriot, dann hätte die deutsche These gesiegt. 5m Ausland sei man sehr ungerecht gegenüber Frankreich gewesen, das doch am st ä r t ft e n a b = a e r ü ft e t habe. Deutschland habe die Frage der Gleichberechtigung aufgeworfen, auf die Sir John Simon mit juristischer Schärfe geantwortet habe. Gleichberechtigung sei übrigens eine sehr abstrakte Formel, die verschieden ausgelegt werden könne, und für die es auch verschiedene Lösungen gebe. Die deutsche Forderung könne man dahin auslegen, daß Deutschland damit nicht nur bis auf das Niveau der anderen Mächte aufrüsten wolle, sondern noch eigenem Belieben. Die von Deutschland geforderte Gleichberechtigung, sowie sie in der deutschen Note enthalten ist, bedeutet eine Aufrüstung. Ich habe die deutsche Note, die von nebelhaften Formeln umgeben ist, mehrere Male gelesen. General v. Schleicher hat in Erklärungen und Unterredungen seiner Auffassung freien Lauf gelassen. Deshalb kann auch ich das Recht in Anspruch nehmen, frei zu sprechen. Die deutsche Note fordert eine Herabsetzung der WUilärdienslzeit auf sechs Jahre, die Ausrüstung der Reichswehr mit schwerer Artillerie und die Schaffung einer Bürgergarde von 30 000 bis 40 000 Wann, die auf drei Wonate verpflichtet werden. Es handelt sich also um eine Aufrüstungsforderung. England ist ebenfalls davon überzeugt, dah Deutschland aufrüsten will. Was aber besonders auffäUt, ist, dah das Aufrüstungsprogramm Deutschlands, so, wie es in der Note enthalten ist, das Programm des grohen Generalstabes und dasjenige des Generals von Seeckt darstellt, d. h. die Schaffung von zwei Heeren. Die erste soll eine Angriffsarmee sein, die auf sechsjährige Dienstzeit verpflichtet wird, und die andere eine Bürgergarde, die dazu bestimmt ist, den Schuh der Grenzen zu garantieren und gegebenenfalls Ersah für die erste Armee zu stellen. Nachdem Herriot mehrere Male darauf hin-- gewiesen hatte, daß Deutschland aufrüsten wolle, ging er auf die Möglichkeiten ein, die für die Stärkung der Sicherheit gegeben feien. Man könne zunächst daran denken selbst aufzurüsten. Dies würde aber eine Verletzung der Verpflichtungen darstellen, die Frankreich übernommen habe. Ein Mißlingen der Abrüstung würde einen Rüstungswettlauf zwischen Deutschland und Frankreich bedeuten. Die Frage sei dann, wer hierbei im Vorteil sei: Deutschland mit seiner Schwerindustrie und dem Rüstungspotential, oder Frankreich. Das Schlimmste, was eintreten könne, fei, daß Frankreich isoliert gegenüber einem freien Deutschland dastehe. Wenn Frankreich den Weltkrieg gewonnen habe, so verdanke es dies diesmal der Heldenhaftigkeit seiner Soldaten, dann aber auch feiner Unschuld. Herriot iging sodann auf die großen Richtlinien des Abrüstungsplanes über. Frankreich würde für einen noch zu bestimmenden Zeitpunkt die Verallgemeinerung der Herabsetzung der kurznahme der Dalkanstaaten und das Bestreben, das, was man nun einmal dort i.m Süd osten gemeinsam hat, auch zu einem wirklichen, festen, vertragsmäßigen Ausdruck zu bringen. Das ist c>twas sehr Verständiges, aber auch ungeheuer Schwieriges. Der wirtschaftliche Zusammenschluß stößt auf die Schwierigkeit, daß ja alle diese Länder Rohstoffe und Lebensmittel produzieren und sich gegenseitig im Auslande Konkurrenz machen, aber durch einen Zusammenschluß allein wenig gewinnen können. Sofort sehen sie in solcher Beratung, daß ohne Deutschland und Italien wirtschaftlich nicht voran zu kommen ist und damit ist man wieder an der alten Stelle. Der andere Weg ist, einen sogenannten D a l k a n p a k t zu versuchen, einen gemeinsamen F eundschaf.s-, Schiel, sgir.chtsbar.eits- und Sicherheitspakt. Das wäre der erste Schritt zu einer sogenannten Balkanföderation. Auch das ist eine verständige und zweckmäßige Sache. Die Schwierigkeiten hier sind aber auch sehr groß und zwar wegen der Minderheitenfrage, insonderheit zwischen Bulgarien und Jugoslawien. So wird auch diesmal aus der Konferenz nicht allzu viel herauskommen. Aber trotzdem darf man in dem fürchterlichen Wirrwarr und dem Auseinanderfallen in Wirtschaft und Politik heutzutage derartige Bemühungen nicht übersehen, gemeinsam aus einer gemeinsamen Rot Heraus und vorwärts kommen zu wollen. • Ja, die Krise auf der Balkanhalbinsel, in -Südosteuropa ist sehr groß! Die rumänische Regierungskrise ist nicht gelöst mit der Bildung des Ministeriums Maniu-Titulescu, die finanziellen und Wirtschaftsschwierigkeiten sind schier unüberwindbar. Dann — was geht in Jugoslawien vor? Ein dichter Schleier, der das Durchkommen von Informationen verhindert, liegt um das Land. Aber es sieht doch so aus, als stecke es tief in einer Gärung, in den Anzeichen einer kommenden Umwandlung. In Ungarn hat Gömbös bemerkenswert und realpolitisch sicher das Heft in die Hand genommen. Allein aber wird er der Krise ja nicht Herr. Don Oesterreich sprechen wir schon gar nicht, das ein jammervolles Bild der Wirtschafts- nöt und der politischen Zerrissenheit bietet und offenbar immer starker von der augenblicklichen Regierung nach Paris hin gesteuert wird, von wo ihm auch keine Hilfe kommen wird. Schließlich die Tschechoslowakei. Die Wirtschaftsnot, d. h. die Agrarkrise und die Krise der Staatsfinanzen haben das bisherige Kabinett Udrzal gestürzt, ein neues Kabinett Malypetr ist gebildet aus den bisherigen Koalitionsparteien, mit den bisherigen deutschen Ministern Spina und Czech und mit Bene sch als Außenminister. Ein neuer Finanzminister fand sich nicht. Der bisherige bleibt, obwohl seine Abbaumaßrcgeln gerade den Grund zur Regierungskrise legten und so wird selbst in diesem reichen Lande ohne nennenswerte Ausland- schulden eine der ersten Maßnahmen der neuen Re- g.erung — ein starker Abbau der Staatsbeamten» gehälter — sein. * Aber auch Krisen im Westen! Belgien hat eine Kabinettskrise gesehen. Ein neues Kabinett d e Broqueville ist gebildet worden, ein Kabinett der „Persönlichkeiten" oder starken Männer, das das Parlament sofort aufgelöst hat Sowohl der Ministerpräsident wie der Kriegcminister Theu- nis, und der Justizminister Janson sind Anhänger des Militärbündnisses mit Frankreich. Nun wird versucht, eine neue Auslandanleihe bei Frankreich unterzubringen, und die Brücke dazu hat herzustellen der bekannte bisherige Leiter der belgischen Zentralbanken, der „Sociäte gön^rale Belgique", aus vielen internationalen Verhandlungen bekannt, Frangui, der in einem „Comitö du tresor" der Regierung mit dieser für den belaischen Kredit in der Zusammenarbeit mit Frankreich tätig sein wird. * Noch wichtiger ist die Lage in England. Das Mißtrauensvotum gegen Macdonald ist zwar abgelehnt, aber was hat man ihm in der Kammersitzung vorgehalten! Der Pfundkurs jetzt auf dem tiefsten Stand des Jahres, die Ausfuhr des letzten Monats gleichfalls auf tiefstem Niveau und die Arbeitslosenziffer entsprechend auf höchstem Stande. Und draußen die beunruhigen- gen, immer stärker werdenden sog. Hungermärsche der Arbeitslosen, mit denen das amerikanische Vorbild des Marsches der hungernden Kriegsteilnehmer nach dem Capitol nachgeahmt wird. Diese Hungermärsche zeigen als ganz starkes Symptom die Abwärtsentwicklung, die England im letzten Jahre gegangen ist. Immer stärker sind die Demonstrationen geworden, die besonders aus Snowdens Reform der Arbeitslosenversicherung entstanden sind. Der Boden der englischen Wirtschaft und der englischen Währung zittert vedenklich. Die Regierung steht ja noch sicher. Daß der Parteitag der Labourpartei einen scharfen Angriff und eine Aktion beschloß, hat keine reale Bedeutung. Auf dem konservativen Parteitag aber wurden die gegen das Kabinett aggressiven Elemente zurückgedrängt und zurückgehalten. Deshalb aber wird das Kabinett Macdonald nicht stärker. Gehalten wird es ja nur durch die Loyalität und Klugheit Baldwins, der mit Macdonald solange arbeiten will als es geht, und wenn es nicht mehr geht, dann Neuwahlen mit ihm verabredet hat. Die in der ganzen Lage begründete Schwäche der Regierung wird aber durch Macdonalds persönliche Schwäche noch mehr unterstrichen, und das wieder tritt besonders in der Außenpolitik hervor, in ihr vor allem in der A brüst ungs- fr a g e. Henderson gibt sich ja alle Mühe, den toten Punkt der Abrüstungskonferenz zu überwinden, aber die Politik seines eigenen Landes stützt ihn dabei doch nur durch Reden, von denen die Welt nun genug gehört hat. Die öffentliche Meinung in England hält ihrer Regierung vor. daß sie in der Abrüstungsfrage h i n und her schwanke. Wenn nun die Regierung sich darin wirklich zu etwas entschließt, so ist es kein Wunder, daß sie dann eben sehr schnell bei dem ankommt, was sie sozusagen als Fels in der Brandung betrachten muß: die französische Sicherheitspoli- t i k. Und darum sehen wir mit Mißtrauen auf das, was Macdonald und der Amerikaner Davis jetzt miteinander reden und wohinein sich Herriot schiebt. Das Bemühen Macdonalds, die Karre vorwärts zu bringen, ist gewiß anzuerkennen. Aber wir haben den Glauben verloren, daß er der Mann ist, das in einem Sinne zu erreichen, der der Welt eine befriedigende Lösung in dieser Frage brächte. triftigen Dienstzeit für die im Mutterlande stehenden Landstreitkräfte unter folgenden Bedingungen an nehmen: ). daß alle Formationen, die dieser heeresorgani- sation zuwiderlaufen, wie die Reichswehr, auf- gelöft und die Polizei st reitkräste reglementiert würden; 2. daß die internationale Kontrolle organisiert und das 3noeftigatlons- re ch t obligatorisch einbegriffen wurde, 3. daß, um den Locarnovertrag zu ergänzen, ein regionaler Pakt für gegenseitige Hilfeleistung derart abgeschlossen würde, daß jede europäische Ration daran teilnehmen könne und daß die auf diese Weise vorgesehene Kollektiomacht ausreiche, um den Angriff zu unterdrücken, wobei diese Streitmacht eine erste Staffelung von nationalen spezialisierten Kontingenten umfassen mühte, die sofort verfügbar wären und über ein mächtiges Material verfügten; 4. dah d l e vereinigten Staaten Sich e r h e i t s g a r a n t i e n, wie sie sie selbst ins Auge gefaht haben, bewilligen würden; 5. dah die Mitgliedsstaaten des Völkerbundes sich verpflichten würden, alle Verpflichtungen aus Artikel 16 des völkcrbundspaktes (Sanktionen) zu erfüllen und 6. dah das Schiedsgerichtsverfahren für alle Teilnehmer am Pakt obligatorlfch fein würde. Nachdem Herriot den Inhalt des konstruktiven französischen Plans bekanntgegeben hotte, schloh er mit der Bemerkung, wenn dieser Plan ab gelehnt werde, könne Frankreich nicht für das Scheitern der Konferenz verantwort- l i ch gemacht werden. Louis Marin bedauerte besonders das Fehlen von Sanktionen bei sämtlichen internationalen Vereinbarungen. Er forderte eine internationale Justiz, die eine Kvntroll- Möglichkeit besitzen müsse. Locarno fei eine Illusion gewesen. Frankreich habe weder von Deutschland, noch von seinen Alliierten bisher für seine Opfer Dank geerntet. Der Dawes-Plan sei durch den Poung-Plan erseht worden, und dann habe Dr. Brüning erklärt: „Wir zahlen nicht mehrl" Herri ot wirft ein: „Wir sind sehr gut bezahlt worden, solange wir in Berlin einen amerikanischen Kontrolleur hatten. Dann aber kam das Hoover-Moratorium. Es enthielt wohl Impli- zite-Versprcchungen, von denen aber bisher nichts gehalten wurde." — Marin wirft Herriot vor, dah Frankreich in Lausanne die Reparationen verloren habe. Marin behauptet, dah Deutschland bereits auf- flerüftet sei. Als Marin von dem militaristischen Geist Deutschlands spricht, hält ihm der Abg. Chasseigne entgegen, die nationale Bewegung in Deutschland sei das Ergebnis des Elends. Marin läht sich aber dadurch nicht beirren, seine grotesken Behauptungen fortzu- se en. Deutschlands Rüstungen seien aggressiv und seine territorialen Forderungen äußerst gefährlich. Das Vertrauensvotum. Als Abfchluh der auhenpolitifchen Aussprache wurde der Regierung mit 430 gegen 20 Stimmen das Vertrauen ausgesprochen. Die restlichen 163 Abgeordneten haben sich zum Teil der Stimme enthalten, zum anderen Teil waren sie beurlaubt. Für die Vertrauenstagesordnung stimmten die Sozialisten, die Radikalen und die meisten Mitglieder der Abgeordnelen der Milte. Die 20 Gegner gehören der Rechten und der Republikanischen Föderation (Louis Marin) an. Gute Aufnahme in London. London, 29. Oft. (WTB. Funkspruch.) Die Pariser Qlk'Ibiiiigen über den von Herriot in der Kammer mitgeteilten Abriistungsplan nehmen in der heutigen Morgenpresse breiten Raum ein. „Rews C h r o n i c I e“ schreibt, wenn die Rede wirklich bedeutet, was sie zu bedeuten scheint, dann ist der Plan durchaus nicht kleinlich. Gr läuft in der Tat auf eine praktische Anerkennung der deutschen Forde- *r u n g hinaus. Die meisten Punkte der Vorschläge Herriots werden von England sicherlich angenommen. Frankreichs Bereitwilligkeit, Deutschlands Rückkehr zur allgemeinen Wehrpflicht mit anznsehen, mag einiae Ueberraschung verursachen. Aber Frankreich suhlt wahrscheinlich, daß Die allgemeine Wehrpflicht ihm weniger gefährlich Ist als eine Berufsarmee. Jedenfalls ist sicher, dah der Plan einen entschiedenen und so- gar dramatischen Wechsel in der Abrüstungspolitik Frankreichs bedeutet. Frankreich fühlt sich der türkischen Kriegsmarine unterlegen. Tic .MiUlcßiiiig bcö Kreuzers „Dunkerque". Pari«, 28. Olt. (WTB.) Zu der Meldung über die sofortige Kiellegung deS Kreuzers .Dunkerque" berichtet der „Petit Parisien", Marineminister Leygues habe im Ministerrat geltend gemacht, daß Frankreich im Vergleich zu gewissen anderen Rationen bezüglich seincrKriegS- marine sich bereits in einer unterlegenen Stellung befinde. 3n diesem Zusammen- Hang ermähnt das genannte Blatt nicht nur die deutschen Kxeuzerbauten, sondern auch die italienischen Flottenrüstungen und die Tatsache, dah die Türkei den früheren deutschen Panzerkreuzer „(Soeben" modernisiert habe, wodurch Frankreich gehandicapt sei. England, das über die Bauabsichten der fron- Mischen Regierung unterrichtet worden fei, habe den französischen Schritt als berechtigt erachtet. Wenn später einige weitere Schiffe der „Dunkerque"-Klasse gebaut sein sollten, werde man die Sicherheit der französischen Küsten und der französischen Verbindungswege nach Ueberfee als gewährleistet ansehen können. Oie Zehnjahresfeier -es Marsches auf Rom. Die Kriegsverletzten paradieren vor Mussolini. 2t o m, 28. Oft. (TU.) Am Dormittag des Freitag des 10. Jahrestages des Marsches auf Rom erreichten bi« Feierlichkeiten in Rom mit dem Vorbeimarsch der Legionen der Kriegsverletzten vor Mussolini auf der Neuen Strahe zum Collosseum ihren Höhepunkt. Mussolini hatte bereits um 10 Uhr die in der Via Razionale ausgestellten Kriegsverleh- ten-Legionen besichtigt uib war dann zu Pferd an ihrer Spitze zur Piazza Venezia gezogen, wo er in die Reue Strahe «inbog und in der Mitte Aufstellung nahm. 3n seinem Gefolge befanden sich der Kriegsminister und der Generalstabschef der Miliz sowie zahlreiche hohe Würdenträger und die Militärattachöes der in Rom vertretenen Länder. Den Vorbeimarsch eröffneten die Standarten mit den Abordnungen sämtlicher Legionen der faschistischen Miliz. Es folgte ein aus allen der in Rom stationierten Waffengattungen zusammengesetztes Ehrenbataillon, und dann begann der endlose Vorbeimarsch der Kriegsverlehten-Legionen, die in Reihen von 18 Mann defilierten. Es schlossen sich einige Abtei- lungen der Avantgardisten und .jungen Italienerinnen" an, denen zuletzt die gesamte faschistische Jugend Roms folgte. Die Wirtschaftslage der Schweiz. Kein Abgehcn vom Goldstandard. Genf, 28.Ott. (WTB.) Die Behauptung englischer Blätter, daß führende Schweizer Dankkreise mit der Aufhebung des Goldstandards in der Schweiz rechneten, wird von der „Neuen Züricher Zeitung", dem bekannten Finanz- und Handelsblatt, zurückgewiefen. Das Blatt schreibt: Naturgemäß ist auch die Schweiz von der Krise betroffen worden, und die sich immer höher auf- türmenden Handelsschranken haben ihren Außenhandel und Fremdenverkehr in bedeutendem Maße zurückgehen lasten. Aber ein Vergleich mit der Wirtschaftslage der übrigen Länder dürfte dennoch zu ihren Gunsten aus- fallen. Gerade die Währungspofition der Schweiz ist außerordentlich stark. Eine Anspannung der Devisenbilanz ist während der vielen hinter uns liegen» Krisenmonate nicht eingetreten, weshalb der Schweizer Franken nach wie vor seinen Kurs aus Goldparität zu halte n vermag. Die Erklärungen des Bundesrats und der Nationalbankleitung lasten auch keinen Zweifel darüber, daß ein Abgehen vom Goldstandard für die Schwei,; nicht in Frage kommt. Abgesehen davon, daß eine solche Maßnahme unsere Wirtschaft schwer erschüttern müßte, dürften auch die Erfahrungen, die England mit feiner „manipulierten Währung" macht, keineswegs zur Nachahmung ermutigen. Oie Parteien im Wahlkampf. Oingeldey spricht in Berlin. Berlin, 29. Oft. (IUJ In einer Wcchlkund- gebung der DBP. in der Philharmonie sprach der Parteiführer D i n g e l d e y. Durch das Wirtschafte- Programm der Negierung von Papen werde endlich mitten im Wirrwarr der Zeitverhältnisse, der sachlichen Arbeit eine Gaffe gebaut. Die Mehrheiten, die sich im Parlament unter den Par- teien zusammengesunden hätten, feien von Haß diktiert gewesen und nicht vom Willen zum Wiederaufbau. Hitler machte Din gelbe t) den Dorwurf, daß er sich der großen Verantwortung gegenüber den ihm anhängenden Massen nicht bewußt fei. Hitler schwanke zwischen Faschismus, Weimarer Parlamentarismus und feiner eigenen Methode und könne keinen rechten Weg finden. Am 13. August habe er feine große Stunde nicht erkannt, als er sich mit feinen Anhängern nicht unter die Autorität Hindenburgs stellte. Er habe damals die ganze Macht ohne Einschränkung für sich verlangt. Heute im Wahlkampf wolle er das nicht mehr ivahrhaben. Die Deutsche Dolkspartei unterstütze alle Bestrebungen, den Dualismus zwi- chen Reich und Preußen zu beseitigen. Das Urteil des Staatsgerlchtshofes laste es dabei, daß die Gewalt in Preußen in den Händen des vom Reichspräsidenten eingesetzten Reichskommissars verbleibe. Das Ministerium Braun sei gut beraten, wenn es erkläre, daß es eine ruhige Entwicklung der Verhältnisse abwarten wolle. Der nationalsozialistische Führer Gregor Straßer habe vor einigen Tagen das nationalsozialistische Wirtschastsprogramm ent- wickelt. Am Ende tauche dabei aber immer die Frage aus, woher die Milliarden für die Durchführung dieses Programms kommen sollten. Dahinter stehe stets das Gespenst der Inflation. Das Papen-Programm sei Im Augen- blich das einzig Mögliche. Unzählige seien aus dumpfer Hoffnungslosigkeit aufgeweckt worden und wollten Hand anlegen und helfen, die wirtschaftliche Not zu überwinden. Auf einer gesicherten wirtschaftlichen Basis müsse dann um Deutschlands Gleichberechtigung, Freiheit und Sicher- holt gekämpft werden. Hitler spricht in Altona. Altona, 29. Oft. (TU.) Hitler sollte ursprünglich in Reumünster und in Altona sprechen. Da jedoch das Riesenzelt, in dem die Veranstaltung in Neumünster auf dem dortigen Reitturnier- platz errichtet worden war, durch Sturmschäden unbenutzbar geworden war, mußte man sich auf die Altonaer Kundgebung beschränken, die iü der großen Ausstellungshalle stattsand. In den Mittelpunkt feiner Rede stellte Hitler wiederum den 13. August. Dabei wiederholte er auch den begleich von dem falschen Zug, in den er nicht hab« einsteigen wollen, da dieser niemals bis zur Endstation gegangen, sondern vorher entgleist wäre. Hitler fuhr dann u. a. fort: Heute wirft mir der Reichskanzler vor, ich wollte die Führung beanspruchen. Jawohl, das wollte ich und mit einem ganz anderen Recht als Herr v. Papen sie mir verweigert. Hätte ich damals das Angebot angenommen, so hätte ich es heute schon nicht mehr verantworten können. Es scheint jetzt so, als ob das Wirtschaftsprogramm versage. Ja, es scheint nicht nur so, sondern es versagt bereits. Hätte ich damals nachgegeben und wäre in die Regierung eingetreten, so hätte ich heute für den wirtschaftlichen Mißerfolg, an dem ich unschuldig wäre, geradestehen müssen. Die nationalsozialistische Bewegung kann nur dann eingesetzt werden, wenn wirklich Deutschlands ganz große Stunde ge- k o m m e n i st. Ich habe in den 13 Jahren meines Kampfes Millionen wertvoller Menschen erobert. Ich habe das Bewußtsein, daß ich in diesen Menschen im Deutschen Reich und im deutschen Staat das Kostbarste gesammelt habe, das es gibt, nämlich eine tragende Schicht, und wenn mir heute jemand sagt, ich solle in die Regierung «hüteten, dann muß ich erwidern: „Ja, aber nur, wenn dieses Fundament, das ich geschaffen, zugleich das Fundament des neuen Staates wird." Wenn mich jemand allein haben will, muß ich sagen: „Allein taug« ich nichts, mein Wert liegt in dem, was ich mitbring«." Ich habe d:m kommenden Deutschen Reich säst 14 Millionen deutsches Volksgut gesammelt, und wenn ich von einem Dritten Reich rede, dann habe ich nicht nur ein Recht dazu, wenn ich es auf dieser breiten Plattform bauen kann. Wenn aber jemand verlangt, ich solle ihm das gesammelte Volksgut übergeben, dann antworte ich: „Das kann ich nicht, ich habe nicht 13 Jahre lang geschafft, damit ihr in 13 Monaten wieder alles vergeudet, was ich zusammengetragen habe." Ich habe ein Recht, die Verwaltung dieses Gutes selbst zu fordern. Ich werde mich niemals von diesem Volk trennen. Ich bin ein Kind dieses Volkes und bleibe ein Kind dieses Volkes. Leih-Wetzlar über papens Wirtschastsprogramm. Die Staatspartei für Tolerierung des Reichskabinctts. Kassel, 28. Oft. (TU.) In einer Versammlung der Deutschen Staatspartei sprach der Spitzenkandidat im Wahlkreis 19 (Hesten-Nasfau), Fabrikant Leitz lW e tz l a r). über die Stellung der Partei im Wahlkampf. Das wirtschaftliche Denken und Handeln sei in der Politik der vergangenen Jahre zu kurz gekommen. In der Hinneigung zur Autarkie seien politische Kräfte im Begriff, die Wirkungsmöglichkeit für die deutsche Industrie immer weiter einzuengen, obschon erwiesen sei, daß die deutsche Industrie ohne den Weltmarkt nicht existieren könne. Als zuverlässige Hüterin der freien wirtschaftlichen Betätigung habe die Staatspartei auch immer gegen die Hemmungen im Innern des Reichs angekämpft. Wenn man auch gegen die Regierungsmethode des jetzigen Kabinetts und einzelne seiner Vorschläge ernste Bedenken haben könne, so sei doch nicht zu verkennen, daß in dem W i r t s ch a f t s p r o - gramm der Regierung viel Wertvolles enthalten fei, von dem man bei vernünftiger Anwendung eine Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse erwarten dürfe. Bei aller Gegensätzlich- feit der staatspolitischen und kulturellen Anschauungen werde daher die Deutsche Staatspartei das Kabinett Papen tolerieren, ohne dabei auf Kritik zu verzichten. Glegerwald in Frankfurt. Frankfurt a. M., 28. Oft In einer Zentrumswahlkundgebung im Zoo sprach der ehemalige Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald. Der Ausgang der letzten Wahl habe überzeugend gezeigt, daß die Rationalsozialisten nie die Mehrheit in Deutschland erringen würden, heute sei die G-esahr einer Herrenkastendiktatur viel größer, als die Gefahr einer Hitlerdiktatur. Der Redner wies den Vorwurf zurück, warum das Kabinett Brüning nicht auch drn Versuch gemacht habe, ein Wirtschaftsprogramm ähnlich oder besser wie das der Papenregierung aufzustellen. Die Lausanner Konferenz mußte erst beendet werden, um die Voraussetzung für ein neues Wirtschaf tsprogramm zu schaffen, weiter sei der Tiefstand der Wirtschaftskrise noch nicht dagewesen, der Maßnahmen wie die jetzigen gerechtfertigt habe, ferner habe Brüning die große Aufgabe gehabt, zunächst einmal die Welt und Deutschland von der falschen Ansicht abzubringen, als befände sich Deutschland finanziell und damit auch wirtschaftlich in einer verhältnismäßig guten Lage, außerdem mußte der Etaatsbankrott und der Bankrott der deutschen Wirtschaft überhaupt ferngehalten und damit zusammenhängend die Stabilität der Währung gesichert werden. Das alles habe Brüning getan. Das Zentrum habe im April dieses Jahres Hindenburg gewählt, um eine Hitlerdiktatur zu verhindern, nach dem 13. August hätte das Zentrum dann mit den Nationalsozialisten verhandelt, um eine Reaierung zu bilden, um die Diktatur der Herrenkaste zu verhindern. Oie Belebung der Wirischafi. B e r l i n, 28. Oft. (OB.) Zu den in der presse in letzter Zeil sich ständig wiederholenden Polemiken gegen das wirtschastsprogramm der Reichsregierung, in denen eine Belebung der Wirtschaft bestritten wird, wird amtlich auf die Jeftftellungcn des 3 n ft i t u t c s für Konjunkturforschung hingewiesen. Rach diesen Feststellungen find in einer ganzen Reihe von Industriezweigen tatsächlich Produktions st eigerungen erfolgt. Jüt den Steinkohlenbergbau ergibt sich — die Produktton des 3ahres 1928 = 100 —, dah die Produktion im August d. 3. 62,9, im September 66,5 betrug. Jur Roheisen stellt sich die Produktion im August auf 27,0, im September auf 28,2, für Dalzwerkprodukte auf 29,2 im August und auf 33,1 im September, für das Baumwollgewerbe auf 87,8 im August und auf 1013 im September. die Erholung von den Aufregungen und der Hast des Toges —- ein gemütlicher Abend zu Hausei Für den richtigen Genuß solcher Stunden sorgt erst ein Mende 138. Ein - in bezug auf Leistung und Preiswürdigkeit - unvergleichliches Gerät. Die Bedienung nur eines Knopfes genügt, um alle maßgebenden Stationen Europas lautstark, trennscharf und klangrein zu hören. Dabei kostet dieser 4-Röhren-Fernempfänger nur 138.- RM, mit dynamischen Lautsprecher 180.- RAA. Mende schafft Lebensfreude! MENDE 158 OieVerwottungsreformin-en preußischen Ministerien. Auflösung dcS 'LüohlfahrtSministeriums. )lt. (WTB.) Amtlich wird mit Berlin, 28. geteilt, daß die tierung landwirl nächster Zei Regelung der Einfuhrkontingen- cha,tlicherErzeugnis e in allerdurchgeführt werden wird. Sie wird all J Erzeugnisse umfassen, die der ReichSevaährungsminister in seiner Münchener Rede bcLanntgegeben hat. Nach Rückkehr der zur Zeit in'Kopenhagen verhandelnden Kommission und nach beschleunigter Klärung einiger rein technischer fragen wird die Verordnung über die .Kontingentierung veröffentlicht j»erben. Berlin, 28. Olt (TU.) Das preußische Staatsministcrium ist unter Vorsitz des Re.chskommi'sarS für Preußen, des Reichskanzlers v. P a p e n, am Freitag um 23 Ubr zu einer Rachtsihung zusammengetrctcn, um abschließend die Dcrwaltungsresorm in Preußen zu beraten. Die Derwaltungsresorm hat zum Ziele, alle ressortmäßige Doppel a r b e i t zu vermeiden und die Aufgabenbereiche zu vereinfachen. Gs handelt sich dabei um eine Bereinigung der Ressortfragen sämtlicher preußischer Ministerien, in deren Zuge das Wohlfahrtsministerium in der bekannten beabsichtigten Weise aufgelöst werden soll. Die Aufgaben des Wohlfahrtsministeriums werden von anderen Ministerien übernommen werden. So plant man, seine Abteilung I (Medizinalsachen) dem preußischen Kultusministerium zu übertragen. Seine Abteilung II (Wohnungs- und Siedlunaswesen) soll in der Hauptsache, da e» sich hier vorwiegend um Kredit- und Zuschuhfragen handelt, ans preußische Finanzministerium übergehen. Die Abteilung III (Wohlfahrtspflege) wird voraussichtlich vom preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe übernommen werden. DaS Ministerium, das stark verkleinert werden soll, wird dann nach den bisherigen Plänen umge- tauft werden zu 'einem Ministerium f ü r Wirtschaft ul b Arbeit. DaS preußische Landwirtschaftsmi^isterium soll seine Veterinärabteilung an dal" preußische Innenministerium abgeben. Die ursprünglich geplante ilebetpabe bet preußischen Gs stütsverwaltung an bas Reichs- Wehrministerium sann nach bem Leipziger Urteil nicht durchgeführ werben, ba bi« preußischen Hoheitsrechte vergeht würden. Keine Abäntierung oder Ausschiebung der Kon ingentierungspläne. Ays aller Welt. Der neue »Droh-Rundfunksender Leipzig. Dei der Feij:r aus Anlaß der Inbetriebnahme de' neuen Groß-Rundfunksenders Leipzig wies der Präsident der Oberpostdirekt 'on Leipzig, Bergs, in seiner Ansprache barau1 hin, daß es sich bei dem neuen Sender umdetmodernstenRundsunksen- öer mit (50 Kilowatt Sendestärke handele, dessen Radius auSreiche, den gesamten mitteldeutschcu Sendebezirk einwandfrei zu versorgen. Der rneue Sender sei auch dazu da, e-1 neues Dandsnit den vielen Millionen Ausländsdeutschen zuj knüpfen, die deutsch« Darbietungen hörten. Ims ähnlichen Sinne äußerten sich auch die übrigen/ Redner. Ministerpräsident Schieck wies auf di - Verpflichtung hin, im Dienste am deutschen V )lk deutsche Art und deutsche Sitte wirksam zu^pflegen. Schnellzug Nanking—Schanghai verunglückt. — I' ■ 1/ Der Schn llzug Nanking—Schanghai ist bei 6ou- chen entA eist. Der Lokomotivführer hotte die Haltesignals die Rottenbauardeiten anzeigten, über- sehen. Die '^ahl der Toten und Verwunde- t e n wird J üf etwa 90 geschätzt Gerücht über ein schweres Eisenbahnunglück (b bei Moskau. Durch »Knen in diesen Tagen eröffneten Prozeß gegen für L Angestellte der Kursker Eisenbahnlinie wird erst f'jetzt bekannt, daß sich am 16. Oktober d. 3. beirC Bahnhof Lublino, 11 Kilometer von Moskau b deutsche Sitte Otting " S" enbahnu^ ? Minetrr w tums in unseren früheren Kolonn 1 Frauenbundes der Deu ch........ nialgesellschaft, dessen Avitsfeld Haupt« sächlich auf kulturellem Gebiet lie - — Besitz zählen, Wohl unterstehen hch alle deutschen Gebiete in Ueberfee, die voDem Kriege durch deutschen Fleiß zu wertvolleWirtschafts- provinzen und zu Lebensraum fürSeutsche geworden waren, fremden „Mandaten". Aber ners, in dem dieser von einem schweren Eisenbahnunglück berichtet, das sich am Sonntag vor acht Tagen bei Moskau zugetragen haben soll. Dem Brief nach soll die Zahl der Toten etwa 10 0, die der V e r l e h t e n f a ft 300 betragen. Das „Kölner Tageblatt" knüpft daran die Bemerkung, daß das Unglück von der GPU. verheimlicht worden fei. Der Chefchemiker hatte sich mit seiner Familie am Schwarzen Meer auf- gehalten und war mit dem Unglückszug nach Moskau zurückgekehrt. Wie es in dem Brief heißt, stieß der Zug kurz vor der Einfahrt in den Moskauer Bahnhof in voller Fahrt mit einer Lokomotive zusammen. Dabei entgleis ften Lie ersten sechs Wagen und wurden vollständig zertrümmert. Der Chefchemiker kam — ebenso wie seine Frau und fein Töchterchen — wie durch ein Wunder ohne Verletzungen davon. Der große Brückenbogen der Tangermünder Elbbrücke etngefdjtoommen. Tangermünde hatte seinen großen Tag. Rach mehr als einjähriger Bauzeit wurde der große Brückenbogen, der aus der Tangermünder Seite Verwundetenpflege seine Aufgabqieht. Wohl dürfen wir zur Zeit keine Koloni In keinem Land Europas hat die Arbeiterbewegung früher Fuß gefaßt als in E n g« l?n d. Der Leveller-Aufstand im 18. Jahrhundert, bie Revolten Der Maschinenstürmer im 19. Jahrhundert gehören zu den ersten großen Manifestationen des vierten Standes in Der Weltgeschichte überhaupt. Aber mit Der Zeit sind Die revolutionären Exzesse auf Der britischen Insel merkwürdig selten geworden, obwohl man nicht gerade behaupten kann, daß Die Lebenslage der arbeitenden Klasse und vor allem der Arbeitslosen Dort besser ist als auf Dem Kontinent. Schon in Den vierziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts sprach ein National- okonom von der großen „industriellen Re- fervearmee", Die sich Dort, ohne durch Arbeit ihr Leben fristen zu können, in den Fabrikzentren des Landes angesammelt habe. Und das Elend das in Den östlichen VorstäDten Londons herrscht, ist geradezu sprichwörtlich. Kaum eine andere Stadt roetjt einen solchen Prozentsatz von Bettlern und Obdachlosen auf wie London. Ader auch diese Massenverelendung ist, wie so vieles andere in die- lem erstaunlichen Land, sozusagen zur Tradition geworden. Jahrzehntelang fiel das Unglück dieser Arbeitslosen, wenn man sich so ausdrücken kann, nicht weiter auf. Anderseits war Die Arbeiterbewegung auf Der Basis Der englischen Gewerkschaften, Der *• r„a d e - U ni 0 n s, so weit in ein frieDliches, un- veränDerliches Fahrwasser gelenkt worden, daß man faft doh einer freundschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaftsführern und Unternehmern sprechen kann. Dies sind vielleicht einige Ursachen, warum England seit Jahrzehnten nicht mehr Der Schauplatz sozialer Erhebungen gewesen ist. Nun scheint aber, daß, nachdem vor Jahren schon Die Krise Großbritannien in einem überaus heftigen Maße ergriffen hat, auch England am Ende seiner stabilisierten Verhältnisse von Arbeiterschaft und Arbeitgebern ist. Der Auftakt zu den Unruhen, die sich jetzt zu entfachen scheinen, bedeutete vor Wochen eine empfindliche Kür- Zung d e r Unterstützungssätze, Die bekanntlich in England nicht so regelmäßig ausgezahlt werden wie in Deutschland. Man wollte'die Arbeitslosenunterstützung insofern reorganisieren, als b l 0 ß noch die Bedürftigsten einen Zuschuß vom otaat erhalten sollten, Der gerade ausreichte, um sie vor dem nackten Hungertode zu bewahren. Da diese Maßnahme in Anbetracht des großen Arbeitslosenheeres in England aber eine soziale Härte bar« 2)er Erneuerungsbau der Karcher Eisenbahnbrucke, Die Die Verbindung Des vorpommerschen Festlandes 5frc3tnieI UfCÖ°? ^crftetti2)ie Brücke wies früher zwei Drehbrücken auf, um Der Schiffahrt eine Durchfahrt zu ermöglichen Beiden jetzigen Erneuerungen wird das veraltete Prinzip durch eine Hud- brucke ersetzt, bei der wahren der Durchfahrt des Schiffes ein Brückenbogen durch einen riesigen Fahrstuhl (Geru^im Hintergrund) 38 Meter über Wasser gehoben wird. Deutsche K ,tet5 g|e ,, paUe lb'E,?b«sle IU . . . — Errichtung und Erhaltung deutscher Schulen Id Schulpensio- nate in Südwest- und Ostafrikq Stiftung von ttelter Eltern 2m Rahmen der großen Tagrg, die die Koloniale Reichsarbeitsemeinschaft vor kurzem in Berlin abgeha ' ' auch die Arbeitstagungen der verbände statt, die sich der Pfl ff Vmöge”-. obier.en Wählen- ei*16 SD6 0 y ■ W r ■ Veranstaltet vom: andarbeits aus der Ausstellung Zugunsten der Gießener Winternothil'e 10 Pfennig Ein’ritt Besichtigung zwanglos. Kein Verkauf 7560 A 2 möblierte Si w*™«' •Btnhnimn mit Jflrth auch 6. LchlalZ. M. auch a. ( Wohnung mit Bad mieten. 06321 0632; Warum warten gewrrbl. d. G. A. 06334 geeignet, sos. ganz Löberstraste 11 p. 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Merkwürdig, daß ich nach 32 Jahren gerade an dem Lag wieder in Bagdad bin, wo diese Nachricht aus ©enf ankommt! Sie wurde erwartet, die Fahnen und Fähnchen und die hundert Schuh Salutmunition waren in Vorbereitung, und auch die Verkündigung für die Behörde ist schon heraus: Drei Tage dienstfrei! Formal ist die Aufnahme in den Völkerbund jedenfalls ein starker Erfolg für König Feisal, und es lohnt, sich etwas mit dieser feinen, klugen und sehr aristokratischen Persönlichkeit zu beschäftigen. Feisal ist ein Haschemite, d. h. er entstammt des ältesten arabischen Hochadel. Sein Vater Hussein war Scherif, geistlicher Herr in Mekka, als der Weltkrieg ausbrach. Er fiel von seinem Oberherrn, dem Sultan von Konstantinopel, ab. weil die Engländer ihm Hoffnung machten, er könne König eines arabischen Großreichs vom Mittelmeer bis zum Indischen Ozean werden. Der groharabische Gedanke ist auf diesem ganzen Raum lebendig. Ich erinnere mich an zwei Llnterhaltungen: eine mit einem vornehmen Araber aus Aleppo, der mit einem geradezu wütenden Haß von den Fran- zosen sprach, die Syrien unterjocht hielten, und an eine andere im Wüstenautobus, mit einem Beamten der Jrakregierung: „Small minded men“ (Schwachköpfe also) meinte er, „sprechen so, als ob Syrien, Arabien, Aegypten und Irak Länder sind, wie England, Deutschland und Frankreich: sie sind aber allesamt arabische Länder und einmal werden sie auch ein arabisches Reich sein." Hussein nahm den Konigstitel an, die Engländer gaben ihm reichlich Geld, und dazu einen Ratgeber, der auch die unabhängigen Wüstenstämme gewann, in dem genialen Abenteurer Wallace. Damit rüstete Hussein ein bewafs- netes arabisches Heer aus, und diese Truppen taten das Meiste, um schließlich die hungernde und mit allem Nötigen schlecht versorgte türkisch-deutsche Palästinafront unter General Kreß v. Kressenstein zum Weichen zu bringen. Englands Dank war, daß Syrien nach lange vorher getroffenen Abmachungen den Franzosen preisgegeben wurde. Hussein — er war schon ein alter Mann — kam nach Chpern in die Verbannung. Von feinen Söhnen versuchte Feisal, sich auf eigene Faust in Damaskus zu behaupten, wurde aber von den Franzosen mit Waffengewalt vertrieben. A l i konnte sich in Mekka nicht gegen den Waha- bitenfürsten Ibn Saud halten, dem jetzt fast ganz Arabien gehorcht, und Abdallah wurde EmirvonTransjordanien von Englands Gnaden. Er sitzt noch in seiner Hauptstadt Amman Auf der Flucht von Damaskus kam Feisal nach Bagdad. Dort fand er seine Königsmacherin, Miß Getrude Bell. Sie war Engländerin, eine ungewöhnliche Frau, ursprünglich Archäologin, aber durch langjährige Arbeit im Irak so mit allen Verhältnissen und namentlich mit dem arabischen Wesen vertraut, daß die englischen Militärs, mit denen sie nach Bagdad zurückkehrte, ihrem Rat in allen Dingen folgten. Sie erkannte Feisals große politische Begabung, und ihr hatte er es zu verdanken, daß er als „King Feisal" zunächst englischer Va- sallenfürst für das Mandatsgebiet des Irak wurde. Gertrude Bell ist nicht mehr am Leben, sonst hätte sie ihre Freude an den 100 Kanonenschüssen gehabt, die heute die „Souveränität" des Irak verkündeten. Sie hat ihren Landsleuten immer geraten, ihre neue arabische Interessensphäre sich möglichst durch sich selb st regieren zu lassen. Es kommt dazu, daß der englische Imperialismus nicht mehr die großen Schwingen hat, mit denen er vor 30, und noch vor 20 Jahren den „mittleren Osten" nicht nur politisch überschatten, sondern auch zu einem neuen Leben unter englischer Führung fortreißen wollte. Dem heutigen, durch den Weltkrieg müde gewordenen England ist es ziemlich gleichgültig, wie sich das Irakgebiet, Transjordanien, Palästina entwickeln. Cs werden nur noch zwei Ziele verfolgt: die sichere Landverbindung zum Persischen ® o If; und damit auch nach Indien, und das Petroleum von Mos- s u l. Dazu muh England das Dreieck Haifa—Mos- sul—Bagdad mit seiner südöstlichen Verlängerung bis Basra beherrschen. Es hat der irakischen „Selbständigkeit" zugestimmt, um hier Geld zu sparen und um die öfters unbequeme Verantwortlichkeit für das Mandat loszuwerden. Don den drei großen F l i e g e 11 a g e r n., die das Land militärisch absolut beherrschen, werden zwei, die von Bagdad und M o s s u l, nach Ramadi am Euphrat, und nach Erbil, nahe den Petroleum« guellen, verlegt, um der Oeffentlichkeit nicht so unter den Augen zu sein: das dritte, das von Basra, bleibt an Ort und Stelle. Sachlich ändert sich nichts daran, daß die Engländer in dem nunmehr verbündeten Irak d i e Herren sind. Die im Bau begriffene Petroleum-Leitung Haifa— Mossul, und die kommende Dahn Haifa—Bagdad werden zwei englische Adern fein, die das Land durchziehen, und die groharabische Idee wird im Stillen weiterwachsen, bis sich eines Tages für England (und auch für Frankreich in Syrien) eine ähnliche Konfliktslage ergeben wird, wie heute in Indien Aus der proviuzialhauptstadt. G i e h e n, den 29. Oktober 1932. Heimat. „Wo dir Gottes Sonne zuerst schien, wo dir die Sterne des Himmels zuerst leuchteten, wo seine Blitze dir zuerst seine Allmacht offenbarten, und seine Sturmwinde dir mit heiligen Schrecken durch die Seele brauseten: da ist deine Liebe, da ist dein Daterland, deine Heimat!" (M. Amdt.) Kein Wort hat so vertrauten Klang und besitzt solchen Wohllaut, wie das Wort Heimat. In unzähl'gen Gedichten und Erzählungen wird uns die ßiebe zur Heimat, die Sehnsucht nach ihr geschildert. In alten Tagen gilt die Erinnerung der verlorenen Heimat. Wir träumt, ich ruhte wieder vor meines Vaters Haus und schaute fröhlich nieder ins alte Tal hinaus, die Luft mit lindem Spielen ging durch das Frühlingslaub, und Blütenflocken fielen mir über Brust und Haupt. (Eichendorff.) Wie fest saugt sich das Bild der Heimat in unser Herz, wenn wir Abschied nehmen müssen. Als vor Jahren unsere Krieger hinaus in den Kampf zogen, standen am Abend vorher viele noch einmal still auf einsamer Höhe und überblickten das schmale Tal, den von Wiesen ein- gerahmten Bach, die Bäume und Büsche ringsum. Hnb dieses Bild von der Heimat nahmen sie mit hinaus in den Krieg, es gab ihnen Mut und Ausdauer. Wenn die Bäume in Feindesland blühten, wellten ihre Gedanken in der Heimat, wenn die Frucht reifte, sahen sie im Geiste die heimatlichen Fluren, und wenn Sturmwinde über das Land fuhren, wenn Eis und Schnee die Erde bedeckten, dann stand immer wieder das Bild der Heimat vor ihnen. ilnö wie mag den Auswanderern die Erinnerung an die Heimat in der Fremde geholfen haben! Sehnsucht nach ihr erfüllte ihre Herzen, mit zusammengebissenen Zähnen erarbeiteten und schafften sie sich eine neue Heimat, ober unverrückbar und unaustilgbar stand die alte vor ihren Augen. Dieses enge Verbundensein mit der Heimat gibt unferm Dasein! erst den rechten Inhalt.- Und jeder Mensch ha>. — oft versteckt im innersten ^nen — eine Sehnsucht nach seiner Heimat, auch in dem Lärm der Stadt, im Hasten und aufregendem Treiben der Arbeit. Das Heimatgefühl schlummert nur, aber eines Tages kommt das Erwachen. Die Erinnerung an die Kindheit weckt unwillkürlich auch die Sehnsucht nach der alten Heimat: Selbst wenn es nur eine freundliche Ecke im Hofe eines Mietshauses war, oder ein alter Apfelbaum an der Straße, oder ein kleines Gärtchen hinter dem Hause. Es ist doch die Heimat. „Der Jugend Zauber für und für, ruht lächelnd doch auf dir. auf dir!" Und so sehen wir jetzt — im Gegensatz zu den letzten Jahrzehnten — ein langsames Abwandern aus den Städten nach dem flachen Lande. Die Liebe zur Scholle ist wieder neu erwacht. Man träumt wieder von einem eigenen Garten, von einem Haus draußen im Grünen. Nichts hat mich mehr gerührt als die Mitteilung eines Bekannten, der in der Stadt angestellt ist, sich aber nun in seinem Heimatdorf eine Wiese gekauft hat. „Da kann ich in meinen Ferien drauf liegen, da kann ich Purzelbäume schlagen, und kein Mensch hat mir da etwas zu sagen." Es ist kein Garten, kein Bauplatz, nur ein Stück Grünes. Aber er will es besitzen. Seine Sparpfennige hat er zusammengekratzt, um sich diese Freude zu machen. Im ewigen Wechsel der Erscheinungen, in dem fast alle Stände aus ihren ursprünglichen Kreisen herausgetreten sind, hat sich nur der Bauernstand nicht verändert. Er ist geblieben, wie er war. Er sitzt auf seiner Scholle, er hat seine Heimat. Er allein weiß eigentlich nur, was das Wort Heimat umschließt. Sein Haus, umgeben von Gärten und Wiesen, überschattet von hohen Bäumen, ist seine Burg. Hier, wo schon Vater und Großvater und alle Vorfahren wirkten und schafften, Leid und Freud trugen, hier ist seine Heimat, seine Welt. Erst wenn wir unsere Heimat verloren haben, kommt uns zu Bewußtsein, was sie uns bedeutete, und glücklich ist der zu preisen, der nach langer Lebenswanderung einen Rückweg zu seiner alten Heimat findet, der von sich sogen kann: „Ich bin wieder zu Hause!" P. $rau Minna Naumann t- Nach langem Leiden ist am Mittwoch die frühere Stadtverordnete und langjährige eifrige Vorkämpferin der Frauenbewegung in Gießen Frau Minna Naumann im Alter von 79 Jahren verstorben. Mit dem Heimgang der Entschlafenen hat unsere Gießener Frauenwelt eine Führerin verloren, die stets in allen Fragen des Frauentums im öffentlichen Leben ausgezeichnet zu wirken verstand. Die Verewigte war an der Gründung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins in Gießen beteiligt. Von 1911 bis zum November 1929 stand sie als Vorsitzende an der Spitze dieses Vereins, für dessen Ziele sie immer in aufopferungsvoller und vorbildlicher Weise tätig war. Die hohe Geltung der Frauenorganisationen und ihrer Arbeit in unserer Stadt ist in besonderer Weise ein Verdienst der Entschlafenen, deren Arbeitskraft und Interesse für die Sache der Frauen schier unerschöpflich war. Das Vertrauen der Mitbürger übertrug Frau Naumann im Jahre 1919 ein Mandat in der Stadtverordnetenversammlung, der sie als Mitglied der Deutschen Dolkspartei von 1919 bis 1929 angehörte. In dem zehnjährigen Wirken im ehrenamtlichen Kommun al dienst hat sie ihre Arbeitskraft und ihr Wissen, aber auch ihr alle- zeit frauliches Empfinden in ausgezeichneter Weise Z»mlS.lahreM der bolschewisiischen Revolution 4 L Am 7. November neuen Stils begeht Sowjetrußland die Erinnerung an den gewaltigen Umsturz, der vor nun 15 Jahren die Bolschewisten in die Macht einsetzte. — Unsere Bilder zeigen oben links: Lenin, den Führer der Revolution von 1917, der bis zu seinem Tode im Jahre 1924 die Geschicke der Sowjetunion leitete; unten rechts: Stalin, den heutigen Diktator Sowjetrußlands: oben rechts: Zar Nikolaus II., neben ihm Großfürst Nikolai Nikolajewitsch, Oberbefehlshaber der russischen Truppen im Weltkrieg, deren Niederlage das Kaiserreich ins Wanken brachte und die Revolution heraufbeschwor; unten links: Ein Panzerauto mit Anhängern der siegreichen Bolschewisten in den Umsturztagen vor dem Smolny-Jnstitut in Petersburg, damals der Sitz des Zentralausschusses der roten Arbeiter- und Soldatenräte. Straßenbahn Gießen—Wieseck. Günstiger Stand der Verhandlungen zwischen Wieseck und Gießen.— Oie Einigung auf dem Marsche. In den letzten Tagen haben zwischen Vertretern der Gemeinde Wieseck und Vertretern der Stadt Gießen Verhandlungen über den Bau des S t r a ß e n b a h n n e tz e s nach Wieseck hinein stattgefunden. Die Verhandlungen sind nach unserer Kenntnis der Dinge gestern soweit gediehen, daß man den gegenwärtigen Stand der Angelegenheit als günstig für eine gedeihliche L ö - s u n g der Frage bezeichnen kann.' ID fr glauben nicht zuviel zu sagen, wenn wir mitteilen, daß die Einigung zwischen den beiden Gemeinden auf dem Marsche ist. Hoffentlich werden nicht etwa noch in letzter Minute neue Hindernisse in die Angelegenheit hinein- getragen, die den endgültigen Abschluß in Frage stellen würden. Wie die Verhältnisse liegen, ist die Möglichkeit für Wieseck, die elektrische Straßenbahnverbindung in den Ort hineinzubekommen und dadurch jedem Einwohner die Fahrmög- lichkeit nach Gießen aus dem Orte heraus sicherzu st eklen, gegenwärtig so günstig, wie noch nie zuvor. Man muß beachten, daß die Bauarbeiten unter Heranziehung von Fürsorgearbeitern vorgenommen werden, wodurch natürlich die Anlage des Straßenbahnnetzes außerordentlich verbilligt wird, ein Vorteil für beide Gemeinden, der sich — wenn jetzt noch Schwierigkeiten gemacht würden — in Zukunft wohl kaum noch einmal bieten dürfte. Es gilt jetzt, die günstige Ehance, den Straßen- bahnbau so billig wie möglich herzustellen und dabei auch für erwerbslose Leute Arbeit zu schaffen, unter ollen Umstünden zu nützen. Wir würden es begrüßen, wenn wir bereits in den nächsten Tagen nach der Zustimmung der maßgeben, den Stellen von Wieseck den endgültigen Abschluß und damit den Beginn des Straßenbahn- baues nach Wieseck hinein zur Kenntnis unserer Leser bringen könnten. Berkehröverein, Bahnhofstraße und Straßenbahn. Der Vorstand und Ausschuß des Verkehrs- und Derschönerungsoereins beschäftigten sich gestern abend in einer Sitzung u. a. auch mit der Eingabe des Bahnhofsstraßenviertels an die Stadtverwaltung zwecks Wiederaufnahme des Straßen- bahnverkehrs durch die Bahnhofstraße. Nach längerer Aussprache, in der man sich auch mit Genugtuung über den Straßenbahnbau nach Wieseck äußerte, wurde einstimmig beschlossen, zur Unterstützung der Anwohner der Bahnhofstraße und der benachbarten Straßen bei der Stadtverwaltung dahin vorstellig zu werden, daß baldmöglichst der Straßenbahnverkehr durch die Bahnhofstraße in der früher betriebenen Welse wieder aufgenom- 'men wird. dem Dienste für das Gemeinwohl -zur Verfügung gestellt. Vom Plenum des Stadtrats in die Ausschüsse für Lebensmittel- und Kohlenversorgung, für das Marktwesen, in die Theaterdeputation, den sozialpolitischen Ausschuß, den Wohlfahrtsausschuß und die Wohlfahrtsdeputation, den Schulvorstand und das Kuratorium der Höheren Mädchenschule entsandt, hat Frau Naumann immer durch opferfreudige Mitarbeit beigetragen zur Lösung schwerwiegender Aufgaben und zur Ausgestaltung bedeutender städtischer Einrichtungen. Im Plenum des Stadtrats trat sie weniger hervor, da sie das Schwergewicht ihrer ganzen kommunalpolitischen Tätigkeit auf die Arbeit in den Ausschüssen verlegte, in denen ja auch in der Hauptsache alles wesentliche zu leisten ist. Durch ihr liebenswürdiges Wesen, ihre außer-- ordentliche persönliche Bescheidenheit, ihr warmes mütterliches Mitgefühl für alle Bedrängten und Hilfsbedürftigen, aber auch durch die eindringliche Kraft ihres Werbens für die als richtig erkannte Sache hat sich die Heimgegangene nicht nur im Gießener Stadtrat, sondern weit darüber hinaus in der Bürgerschaft ein hohes Maß von Anerkennung und Wertschätzung erworben. Das Andenken an diese vorbildliche Frau wird hier immer in Ehren sortbestehen. Grenzlandaben- im OHL. Im Rahmen der Winterbildungsveranstaltungen der Ortsgruppe Gießen im Deutschnationalen Hand- lungsgehllfen-Verband sprach am Donnerstag im Derbandsheim Studienrat Dr. König (Gießen) über: „Das Saargebiet im Rahmen de r deutschen West fragen". Der Redner behandelte zunächst die geographisch-politische Lage des Saargebiets. Schon zweimal sei Frankreich an der Saar gewesen. Das Saargebiet bilde für Frankreich das Ausfalltor nach dem Nordosten, nur über das Saargebiet könne der Weg zum Rhein gehen. Deshalb rede der Franzose auch von der Saar als vom „kleinen Rhein" und, obwohl das Saargebiet Dölkerbundsland sein soll, ist es in Wirklichkeit so, daß Frankreich heute den maßgebenden und entscheidenden Einfluß auf das Saargebiet ausübt. Mit kaum zu überbietender Geschicklichkeit verstehe es Frankreich, einen moralischen unb rechtlichen Anspruch auf das Saargebiet vorzutäuschen, obwohl die Bevölkerung stets deutsch war und schon 1815 in zahlreichen Petitionen den Anschluß an Preußen forderte, was damals auch durch den zweiten Pariser Frieden geschah. Frankreich hat bei Abschluß des Versailler Vertrages die Einverleibung des Saargebiets in die französische Republik gefordert. Poincare brachte damals 150 000 Unterschriften von Saarländern bei, die den Anschluß an Frankreich forderten. Diese Unterschriften konnten aber als Fälschung entlarvt werden, denn sie stammten von der lothringischen Saar, nicht vom Saargebiet. Dieser Vorgang sei bezeichnend für die Methoden, deren sich Frankreich bediene. Frankreichs Wunsch wurde in Versailles nicht restlos erfüllt. 1935 wird die Saarbevölkerung vor drei Fragen gestellt: 1 Jb die Saarbevölkerung zu Frankreich will, 2. ob die Saarbevölkerung, falls sie nicht zu Frankreich will, den gegenwärtigen Zustand beizubehalten wünscht, und 3. ob sie wieder mit dem Mutterland Deutschland vereinigt werden will. Das Saargebiet stehe heute völlig in wirtschaftlicher Abhängigkeit von Frankreich, denn Frankreich seien die Kohlengruben als Reparationsleistung ausgeliefert, sie stehen heute unter französischer Regie. Frankreich führe ferner im Saargebiet das Zollregime, und die französische Währung gelte. Es bestände kein Zweifel, daß die Saarländer, die auch heute treu zu Deutschland stehen, sich im Jahre 1935 für Deutschland entscheiden werden. Das habe selbst Frankreich eingesehen, das seine Propaganda für einen Anschluß an Frankreich eingestellt habe. Auch die gegenwärtige Propaganda für ein autonomes Saargebiet werde fruchtlos fein. Der Redner legte überzeugend dar, daß man das Saarproblem in Deutschland nicht etwa als gelöst betrachten dürfte. Man müsse die diesbezüglichen Bestimmungen des Versailler Diktats und des sog. Saarstatuts auf sich wirken lassen, um zu erkennen, daß Frankreich eine Menge Möglichkeiten habe, die Wiedervereinigung des Saorgebiets mit Deutsch- land zu erschweren. Der Redner machte die Zuhörer an Hand der einschlägigen Bestimmungen aus dem Versailler Diktat und dem Saarftatut mit den Schwierigkeiten bekannt und begründete seine Behauptung. Die der Saarbevölkerung gegebenen Bestimmungsrechte seien gleich Null. Trotzdem habe die Saarbevölkerung von ihrem Wahlreck)! Gebrauch gemacht uub durch den Landesrat wiederholt die wirkliche Stimmung der Saarbevölkerung unmiß- oerständlich der Welt bekanntgegeben. Zum Schluß behandelte der Vortragende die Schulverhältnisse im Saargebiet und zeigte dabei, wie Frankreich durch die Beeinflussung der Kinder seinem Ziel näherkommen wolle. Um nicht Arbeit und Brot zu verlieren, seien die Väter in den Kohlengruben ge^wungeiu ihre Kinder in französische Schulen zu schicken. Die Tatsache aber, daß von 100 000 Kindern nur 3000 die französischen Schulen besuchen, zeige, daß auch hier Frankreich auf einem aussichtslosen Wege sei. Besondere Agitation entfalte Frankreich im Warntgebiet, nahe der lothringischen Grenze, das mit seinen unausgebeuteten Kohlenschätzen sehr wertvoll sei. Der Redner schloß seine Ausführungen mit der Hoffnung, daß die französischen Pläne zuschanden werden möchten an der Haltung der Saarbeoölke- rung und des deutschen Volkes überhaupt. Starker Beifall dankte dem Redner für seine hervorragenden Ausführungen. Vertrauensmann Schwarz schloß die Veranstaltung mit herzlichen Dankesworten an den Redner. Gietzener Wochenmarktpreiic. * Gießen, 29. Oft. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 130, Landbutter 120, Kochbutter 100, Matte 25-30 Pf. das Pfund, Käse 5—10, Eier, ausländische, 11—13, inländische 1$ Pf. das Stuck, Wirsing, grün, 6—8, Weißkraut 4—6, Rotkraut 7—8, Gelbe Rüben 8, Rote Rüben 8, Spinat 15, Römischkohl 8, Unter- Kohlrabi 5—6, Rosenkohl 20-25, Feldsalat 100, Tomaten 20—25, Zwiebeln 8—10, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 30—35, Kürbis 5—6, Kartoffeln 3, Pfirsiche 35-50, Aepfel 15—30, Dirnen 10—20, Dörrobst 30—35, Honig 40—45, Rüsse 35, Junge Hähne 70—80, Suppenhühner 60—80, Gänse 70—80, Enten 80-90 Pf. das Pfund. Tau» ben 50-60, Blumenkohl 30-60, Endivien 10—15, Ober-Kohlrabi 5—8, Lauch 5—10, Rettich 8—10, Sellerie 10—35 Pf. das Stück Radieschen 10 Pf. das Bund, Kartoffeln 2,50 . Weißkraut 2,20 bis 2,50, Rotkraut 5,00, Wirl^..^, grün, 4,00—4,50, Aepfel 12,00—25,00 Mk. per Zentner. Bornotizen. — Tageskalender für Samstag: Stadttheater, 20.15 bis 22.10 Uhr .Der 18. Oktober". — Deutsche Dolkspartei, 20 Uhr, Cafö Leib, öffentliche Wahlversammlung. — Volksrecht- partei, Sparerbund, Rentnerbund, 17 Uhr, „Zum Aquarium", öffentliche Wahlversammlung. — Volkshochschule, 20 Uhr, Großer Hörsaal der Universität, Eröfsnungsfeier. — Frauengruppe DDA., 20 Uhr, Katholisches Dereinshaus, Diedermeier-Komödien „Großmutters Dratäpfel" und „Ter Herr Doktor". — Bezirkssparkasse Gießen, 9 bis 18 Uhr, Turnhalle der Pestalozzischule, Ausstellung „Kinderland und Spargedanke". — Tv. 1846, 20 Uhr, Turnhalle am OswaldSgarten, Dühnen-Schauturnen. — Haus der Handarbeit, Hotel Hindenburg, 15 bis 19 Uhr, Handarbeits- Ausstellung. — Lichtspielhaus, Dahnhofstrahe: „Quick". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg. „Flucht in die Fremdenlegion" und „Aller Anfang ist schwer". — T a g e s k a le n d e r für Sonntag: Stadttheater, 18.30 bis 21 Uhr, „Die Toni aus Wien". — Oberhess. Kunstverein, Turmhaus am Drandplah, 11 bis 13 Uhr, Ausstellung. — RSDAP., 20.30 Uhr, Cafö Leib, nationalsozialistische Kundgebung. — Dezirkssparkasse, Gießen, Turnhalle der Pestalozzischule, 9 bis 18 Uhr, Ausstellung „Kinderland und Spargedanke". — Haus der Handarbeit, Hotel Hindenburg, 11 bis 13, 15 bis 19 Uhr, Handarbeitsausstellung. — Alice-Schule, 11 bis 13, 15 bis 17 Uhr, Sonnenstraße 2, Ausstellung von Handarbeiten. — Lichtspielhaus, Dahnhofstrahe: „Quick". — Astoticr-Lichtspiele, Deltersweg: „Flucht in die Fremdenlegion" und „Aller Anfang ist schwer". — GinenationalsozialistischeKund- ge bun g findet am morgigen Sonntag, 30. Oktober, 20.30 Uhr, im (Safe Leib statt. Prof. Dr. Suchenwirth (Wieen) spricht über das Thema „Hitler oder Papen?" (Siehe heutige Anzeige.) — Josef Haydn * Gedächtnisfeier. Allgemeinen Wünschen entsprechend, wird die als Haydn-Gedächtnisfeier am Sonntag, 6. Rovember, stattsindende Aufführung des Oratoriums „Die Schöpfung" durch den hiesigen Sängerkranz öffentlich sein. (Siehe heutige Anzeige.) — Der Gesangverein „Heiterkeit" (Chormeister Wilhelm Schöttler, Gießen) gibt am Sonntag, 13. Rovember, 15.30 Uhr in oer Aula der Landesuniversität sein Konzert unter Mitwirkung des gesamten Musikkorps des I. Bataillons 15. Znf.-Regts., persönlich geleitet von Obermusikmcister Krautze. Die Vortrags- folge sieht — wie man uns schreibt — u. a. eine Ehrung Goethes und Haydns vor. Unter voller Würdigung des Ernstes und der Schwere der Zeit darf man dieser Veranstaltung, die lediglich der Pflege. Förderung und Verbreitung des deutschen Liedes dient, vollen Erfolg wünschen. Die Eintrittspreise sind dem wirtschaftlichen Tiefstand entsprechend weitgehend ermäßigt. Auch erwerbslosen Mitbürgern soll die Möglichkeit der Teilnahme an dieser Veranstaltung echten Volkstums gegeben werden. Man beachte die heutige Anzeige. •• Fürsorge-Sprechstunde. 3e einmal im Monat, und zwar am zweiten Mittwoch von 16 bis 17 Uhr, werden im Gebäude des Wohlfahrtsamtes durch Medizinalrat Dr. Frank Fürsorgesprechstunden für Gemüts- und Seelenleidende stattfinden. Räheres ist aus der heutigen Bekanntmachung der Bürgermeisterei ersichtlich. ** Frauen f leih in der Weihnachts - ,3e it. Man schreibt uns: Wie ferne liegen uns noch die Gedanken an Weihnachten. Und doch, ist es für sorgende, schaffende Frauenbünde wirklich noch so lange bis zu dem Fest? Sollte man, besonders in unserer Zeit der wirtschaftlichen Not und Geldknappheit, nicht beizeiten darauf bedacht sein, durch kleine Geschenke möglichst viel Freude in den grauen Alltag zu bringen, denn jede Kleinigkeit, die früher nur vorübergehend Freude erregte, kann in unseren Tagen bestimmt sein, eine fühlbare Lücke auszu- füllen. Kein Ding ist wertlos, wenn es mit Liebe erdacht und von geschickten Händen sinnreich und zweckmäßig gestaltet ist. Ein billiger Stoff, seiner Eigenart nach verarbeitet, kann sich bester dem Heim und der Kleidung einsügen, als ein teures, anspruchsvolles Gewebe. 3n Anlehnung an die Vorbilder der deutschen Volkskunst können auch Ungeübte auf einfache Weise Bubenkittel und Mädchenkleidung widerstandsfähig und schön gestalten. Wie mancher Mutter und Großmutter, die den Kleinen gern solche Gabe unter den Weihnachtsbaum legen möchte, wird es nur an der Anleitung fehlen. Ebenso kann deutsche Volkskunst die Anregung geben zur Herstellung von textilem Hausrat, der sich jedem deutschen Heim gut einfügt. Man muh nur jene einfachen Techniken anzuwenden wisten. Das Vorrecht der Frau, Freude zu schassen und Feste zu bereiten, soll unter der Wirtschaftsnot nicht verkümmert werden. Doppelte, sorgende Liebe muß ersetzen, was der Geldbeutel nicht hergeben kann. Mit geringen Materialkosten geschaffene Gegenstände werden am 30. Oktober von 11 bis 13 und 15 bis 17 Uhr in der Aliceschule, Sonnenstraße 2, zur Anregung ausgelegt. Man beachte die heutige Anzeige. *• Gustav - Adolf - Gedächtnisfeier. Man schreibt uns: Das ganze evangelische Deutschland, ja die evangelische Welt gedenkt in diesem 3ahr des großen Schwedenkönigs Gustav Adolf, der am 6. Rovember 1632 bei Lützen im Kampf für seinen evangelischen Glauben fiel. Insbesondere feiert sein Gedächtnis der große Verein der Gustav-Adolf-Stiftung, der seit 100 Zähren in seinem Geist helfender Bruderliebe den in der Zerstreuung — Diaspora — lebenden Glaubensgenossen im Zn- und Ausland dient. So wirft dieser König auch über den Tod hinaus und sein Geist schafft Großes auch in der Gegenwart durch Pflege und Stärkung evangelisch-deutschen Ge- ineinoelebenS, besonders auch in den deutschen Auslandgemeinden. — Einen tiefen Eindruck von der geschichtlichen Bedeutung dieses Helden gibt das Spiel „Gustav Adolf" von 3ul. Schieber, das in zwei Teilen — von der Kirche Rot und Rettung — ergreifende Bilder zeigt. Dieses Spiel wird am Montag, 31. Oktober, dem Reformationstag, 20 Uhr, in der Turnhalle von einer Dad-Rauheimer Laienspielgruppe aufgeführt. Der Leiter dieser Gruppe, Oskar F e i g e l, der auch zugleich die Titelrolle spielt, ist in unserer Stadt von seiner früheren Tätigkeit am Stadttheater wohl bekannt. Seine Leitung und sein Mitspiel bürgt dafür, daß eS eine gute Aufführung geben wird. Bei der Veranstaltung, die im Ramen der evangelischen Gesamtgemeinde geschieht, wirft ferner in selbstloser Weise noch der Verein für christliche Musik mit. (Siehe heutige Anzeige!) *• Schwesternabend der Zungdeut- schen Schwesternschaft Gießen. Man berichtet uns: Am Dienstag veranstaltete die Schwesternschaft des Iungdeutlchen Ordens ihren allmonatlich stattfindenden Schwesternabend, der von Frau Gebhardt geleitet wurde. Frl. Ria Schmidt berichtete über die am 8. und 9 Oktober in Halberstadt stattgefundene "'ichs- schwesterntagung, an der ungefähr 250. ,ung- deutsche Schwestern teilgenommen haben. Begeisternd schilderte sie den Verlauf der Veranstaltung, insbesondere die Ausführungen des Hochmeisters Artur M a h r a u n über die Beseitigung her Arbeitslosigkeit. Frau Gebhardt wies auf die von der Schwesternschaft des 3ungdeut- schen Ordens wieder zu leistende Arbeit für die diesjährige Winternothilfe hin. Zum Thema des Abends, das „Praktische Weihnachtshandarbeiten" lautete, gab es sodann an Hand zahlreicher schöner Arbeiten aus Material aller Art wertvolle Anregungen für die Ordensschwestern. Mit einem gemeinsamen Lied schloß der eindrucksvolle Abend. LLcttervorausjage Nach dem Festland oorgebrungene Kaltluft hat die seitherige Störung, die gestern noch über dem Nordsee-Küstengebiet und heute morgen bereits über der Ostsee lag, wesentlich abaeflacht. Auch ist dabei der hohe Druck von Nordosten nach Frankreich hin verschoben worden. Er wird sich jedoch nicht stärker auf unser Wetter auswirken können, denn ein neues Tief über dem Nordatlantik führt wieder Warmluft heran, die bereits über Irland und Schottland Temperaturanstieg und Niederschläge veranlaßt hat. Wenn auch bei uns in der kommenden Nacht die Temperaturen etwas unter den Gefrierpunkt zu liegen kommen und leichte Besserung eintritt, so wird durch die neue Störung sich später wieder Milderung einstellen und abermals Niederschlagstätigkeit aufkornmen. Vorhersage für Sonntag: Nach stellen- weisem Aufklaren und kalter Nacht wieder etwas milder, vielfach bewölkt und erneute Niederschläge. Lufttemperaturen anf 28. Oktober: mittags 7,8 Grad Celsius, abends 7 Grad', am 29. Oktober: morgens 5,2 Grad. Maximum 8 Grad, Minimum 5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. Oktober: abends 8,4 Grad; am 29. Oktober: morgens 7,2 Grad Celsius. — Niederschläge 9,7 mm. — Sonnenscheindauer % Stunden. Rektoratsübergabe an der Technischen Hochschule Darmstadt. WSR. Darmstadt. 28. Oft. 3n der Otto- Berndt-Halle fand heute in der üblichen akademischen Form die Rektoratsübergabe an der Technischen Hochschule statt, der u. a. Staatspräsident Dr. Adelung, Finanzmlnister Kirnberger. Oberbürgermeister Mueller und der Rektor der Landcsuniversität Gießen, 3m Zeichen der Abriistuna starrt Europa in Waffen V/F In England wurden jetzt groß angelegte Manöver der Tankwaffe abgehalten, an denen 250 Fahrzeuge teilnahmen. Gleichzeitig hielten die Italiener große Flottenmanöver an der afrikanischen Küste ab, wobei vor allem den jüngsten Waffengattungen, den Flugzeugen sowie den U-Booten, bedeutende Aufgaben zugewiesen waren — Unser Bild zeigt oben eine Tankformation bei den englischen Manövern im Vormarsch; unten: Ein italienisches U-Boot passiert das Flaggschiff des Königs. Im Hintergrund andere Einheiten der vor Tripolis versammelten italienischen Marine. Professor Dr. 3 e h, beiwohnten. Der Prorektor Professor Reuleaux gab zunächst einen Hebet» blick über die Entwicklung der Technischen Hochschule im abgelaufenen Jahr. Dann hielt der neue Rektor Professor Dr. A. Thum seine Antrittsrede über „Technischer Fortschritt, Technische Hochschule und die Rot unserer Zeit". Der Sprecher der Studentenschaft, Heinz H a ck e r t, gab in seinen Ausführungen der großen Befriedigung Ausdruck, daß die starken Spannungen zwischen dem Lehrkörper unb der Studentenschaft, wie sie in letzter Zeit an den verschiedensten deutschen Hochschulen zum Ausdruck kamen und die geeignet sind, das akademische Leben aufs schwerste zu gefährden, in Darmstadt nicht vorhanden sind. Er sprach den Wunsch aus, daß dieses gute vertrauensvolle Verhältnis auch weiterhin bestehen möge. (kingefanbl. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Oeffenkliche Anfrage und Ermahnung. Ich möchte öffentlich anfragen, ob es mit dem Mahnruf oer deutschen Geschäftswelt und Landwirtschaft .Kauft deutsche Waren!" über- einftimmt, wenn in dem Schaufenster eines hiesigen Kolonialwarenhändlers zu lesen ist „Dänisches Schmalz, Pfund 58 Pf., besser als deutsches!"? Vielleicht zieht der in Betracht kommende Geschäftsinhaber, dem ja doch die deutschen Valutasorgen und die große Not unsrer Landwirtschaft nicht unbekannt sein können, daraus die erforderlichen Schlußfolgerungen! L. kirchliche Nachrichten Evangelische Gemeinden. Sonntag, 30. Oktober. 23. Sonntag nach Trinitatis. Stadlkirche. 9.30 Uhr: Pfr.Mahr; 11: Kinder- kirche für die Matthäusgemeinde; Pfr. Mahr; 18: Pfr. Becker. — Iohanneskirche. 9.30: Pfr. Bechtols- Heimer; 11: Kinderkirche für die Lukasgemeinde; Pfr. Bechtolsheimer; 18: Pfr. Ausfeld; 20: Bibelbesprechung im Johannessaol; Pfarrassistent Knell. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr. bic. Waas; 11: Kinderkirche für die Lutheraemeinde; Pfr. bic. Waas. — Elifabelh-Kleinkinderfchule. Aällt aus. — Saal der neuen firippe. 11: Kinderkirche für die Johannesgemeinde; Pfr. Ausfeld. — Klein-Linden. 10; Kirchweihgottesdienst; 11: Kindergottesdienst; 14: hl. Abendmahl für die Aeltesten. — BJiefed. 9.30: Beichte, 10:Gottesdienft;» im Anschluß Feier des hl. Abendmahls. — Alten-Bufcck. 9.30: Beichte (männliche Jugend); 10: Gottesdienst; anschließend Feier des hl. Abendmahls — Trohe. 13-30: Erntedankfest, Beichte und Feier des hl. Abendmahls. — Grohen-Suscck. 10.30: Gottesdienst; 11.30: Beichte und Feier des hl. Abendmahls; 19: Liturgische Gu- stao-Adolf-Feier (Schülerchor, Lichtbilder). — Oppenrod. 13: Gottesdienst. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 11: hl. Abendmahl für die Jugend von Staufenberg; 13.30: Lollar. — Hausen-Garbenleich. 10: Garbenteich; anschließend hl. Abendmahl; 13: Haufen. — Watzenborn-Steinberg. 13.30: Kinderkirche; 19.15: Deichte; 1930: Predigtgottesdienst; im An» schluß Feier des hl. Abendmahls für jünaere Eheleute (Frauen); Kollekte. — (ßrüningen. 10: Haupt- gottesdienst. — Lich. 9.30: Stiftsdechant Kahn, Posaunenchor, Kirchengesangverein Kollekte; 12.30: Kindergottesdienst; Erntedankfestspiel, Kollekte; 14: Stiftspfarrer Draudt. Montag, den 31. Oktober. Reformationstag. Stadtkirche. 9 Uhr: Jugendoottesdienst; Pfarrasst- ftent Knell. — Iohanneskirche. 9: Jugendgottes- dienst; Pfr. Ausfeld. — TDiejerf. 10: Schulgotte»- dienst (Chorschule); Gustav-Adolf-Kindergabe. — Alten-Buseck. 10: ReformationsfestgoUesdienft, 20: Missionsgottesdienst in der Kirche. — (Brofjen-Bu- feck. 10.30: Gottesdienst (Posaunenchor, Kollekte). — Oppenrod. 8.30: Gottesdienst. — Kirchberg. 10: Kirchberg; Reformationsfest, Kollekte; 20.30: Lollar; Bibelstunde. — hausen-Garbenleich. Schulgottes- dienst. 9: Garbenteich; 10.15: Hauten. — Watzenborn-Steinberg. 9.30: Jugendgottesdienst. — Grü- ningen. 13.30: Jugendgottesdienst. — Lich. 9.30: Stiftspfarrer Draudt; Kollekte. katholische Gemeinden. Samstag, den 29. Oktober. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag. 30. Oktober. 24. Sonntag nach Pfingsten. Lhrist-Königsfest. Gießen. 6.30 Uhr. Beichte; 7: Messe; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Pre- digt; 14: Vesper; 18: Rosenkranzandacht .— Grün- berg. 9.45: Hochamt mit Predigt. — Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. — Lich. 10: Hochamt mit Predigt; 20: Vortrag und Andacht. — Nidda. 830: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30 Hochamt mit Predigt. Montag, den 31. Oktober. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. — Laubach. 7.30: Messe. Dienstag, den 1. November Allerheiligensest. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 14: Vesper mit Segen. 16.30: Beichte; 17.45: Rosenkranz; 18: Predigt und Armseelenandacht. — Grimberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 8: Hochamt mit Predigt; 13: Allerseelenpredigt und Andacht mit Beichte. — Loubach. 1530: Allerseelen- predigt und Andacht und Beichte. — Lich. 10. Hochamt mit Predigt, 20: Allerseelenpredigt und Andacht und Beichte. — Nidda. 830: Hochamt mit Predigt.___________ . Sonntagsdienst d 'Mente iL'M»otbetenam30 10.82 Frau Dr. Rothenberger. Dr. Meyerhofs. Pelikan- Avotbeke. .Kabnar,t: vr. Metz. —,o $ VA* ul Gießen v Größte Ausstellung Reparaturen,komplette Anlagen Nicht hur 3i«”grbßen;'^bndetn 6udr ‘.äleiVieTefli kleinen Stationen mit ihrem Interessanten^ und schönen Programm bringt IUMO P H O N’23 trennscharf und tonrein in dem dynamischen Lauft Sprecher. Der Zweikreis • Dreiröhren - Empfänger IUMOPHON 23 kostet für Gleich- oderWechseP ström als Empfänger RM. 131.—• und als Kombis Nation mit dynamischem Lautsprecher RM. 168.— Drei Ratschläge fürden Radio-Einkauf Q Beachten Sie das Verhältnis von Preis u. Leistung unter Berück« slchtigung der Tatsache, daß IUMOPHON 23 nur 3 Röhren hat. o Prüfen Sie dieTrennschärfe u. gleichzeitig dabei die Einfachheit 'der Bedienung. Sehen Sie auf dieVorzüge der Lumophon-Skalq; (0 Auf die Wiedergabe kommt es an. Hören Sie deshalb Musik u; Sprache. Vergleichen Sie den Klang des dynam. Lautsprechern » lÄmrZMASS» ! T] TTITI Hergeslelli in den Persilwerken» lirge^s^iwh,nirgeadsRtd(e Ö-Glanz injeder Ecke/ a$öl*C’l w w 1 IMIJ ® ist der Wächter der Reinlichkeit - in der Speisekammer, im Badezimmer, in der Toilette, im ganzen Heiml Jeder mit (S) gesäuberte Gegenstand - und das sind hunderte Hausgeräte aus Holz, Glas, Porzellan, Stein, Marmor oder Metall - atmet hygienische Frische. Gerade weil ein gesundes Heim viel Reinigungsarbeit erfordert, brauchen Sie eine flinke, billige Kraft, ein Mädchen für alles:(Al Beim Geschirraufwaschen genügt ein Teelöffel® für eine normale Aufwaschschüssel. So ergiebig ist es) ■■■■■■■ ium Aufwaschen, Spülen, Reinigen, für Geschirr und alles Hausgerät Reste von 12 Pf. d. Rolle Tapetenhaus Nennstiel Goetbestr. 7. I ?zoM Eich. 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Er hatte schon durch die Abschaffung der akademischen Gerichtsbarkeit seine Berechtigung verloren, aber einzelne preußische Universitäten, wie Jena, Leipzig und Rostock. hielten noch an der alten Einrichtung fest, und so konnte der Bruder Studio hier noch Abenteuer erleben, die ihm auf anderen hohen Schulen versagt waren. Diesen Vorzug einzelner Universitäten empfand man als unberechtigt, und so wurde schon vor dem Weltkriege die Karzer-Strafe imme« seltener verhängt. 3n dem Entwurf des neuen studentischen Disziplinar-Rechtes ist die Karzerhaft völlig beseitigt, und damit ist dieses Stück sagenumwobenen Studententums wohl völlig aus dem akademischen Leben verschwunden. Der bekannte Historiker des Studentenwesens, Professor Paul S y m a n k, gibt einen reizvollen Ueber- blick über die Geschichte dieser Institution in der Leipziger „Illustrirten Zeitung". Da die mittelalterlichen Universitäten eine eigene Gerichtsbarkeit besaßen', so muhte ihnen auch ein eigenes Gefängnis zugestanden werden. Die angck'agten Studenten fanden darin während der Untersuchung Unterkunft und muhten dann dort die verhängte Stra'e abbühen. Der Karzer war zuerst überall ein richtiges, dunkles und feuchtes Gemäuer, oft in einem Keller, wie in Königsberg, mit vergitterten Fenstern und nur einem Strohlager ausgestattet. Aber die lustigen Musensöhne wußten sich selbst an diesem unwirtlichen Ort behaglich einzurichten und verbrachten ihre Zeit mit Singen und Zechen. Die strengen Bestimmungen der Einzelhaft wurden immer stärker durchbrochen, und nach 1750 war der Karzer allgemein zum fidelen Gefängnis geworden, zugleich al'erdings auch zum „teuersten Logis, das man auf Universitäten finden kann und das auf den Deutel der Eltern völlig so wirkt wie eine eigentliche Geldstrafe." „Die Studenten leben auf dem Karzer so lustig wie möglich", meldet 1786 ein Beobachter, „laden gute Freunde zu sich, singen und schreien, saufen und spielen, als wenn man sie deshalb hierher gesetzt hätte. Einige meinen, sie wären keine rechten Studenten, wenn sie nicht auf dem Karzer gelegen und ihre schönen Aamen unter die anderen an die Wand oder an den Tisch gegraben hätten." Diele Studiosen, die später berühmt wurden, unter ihnen auch B i s m a r ck, haben im „Hotel zur akademischen Freiheit" im 19. Jahrhundert ihren fröhlichen Einzug gehalten, feierlich geleitet von ihrer Verbindung. Das Gefängnis, das sich meist „in himmlischer Rähe" in den oberen Stockwerken der Hochschule befand, wurde der Schauplatz ausgelassener Gelage und ein ganzer „Karzer-Korn- ment“ war ausgebildet mit Karzer-Salamander und zu der Gelegenheit passenden komischen Trauerliedern. Al'e I,.fassen umschlang das gemeinsame braun-weih-schwarze Karzecband, und das Zusammensein wurde streng geregelt durch die Höhe der „Semester", die nach der Zahl der im Karzer verbrachten Tage berechnet wurde. Wenn man nicht gerade sang und trank, spielte oder schlief upd mit den zu Besuch erschienenen Freunden andere Allotria vollbrachte, dann beschäftigte man sich damit, die weist getünchten Wände dw ch kom'sche Inschriften, derbe Gedichte oder bunte Zeichnungen auszuschmücken. So ist eine ganze „Karzer-Poesie" und „Karzer-Kunst" entstanden, die diese heute verlassenen Stätten der akademischen Rechtspflege zu kuriosen Sehenswürdigkeiten macht. Wer lacht da? Im letzten Sommer wurde in einem Berliner Theater ein englisches Stück „Die Diebin" uraufgeführt, wobei es zu einem seltenen Zwischenfall kam, der kürzlich vor der Künstlerkammer des Berliner Arbeitsgerichts seine Fortsetzung fand. Das an sich sehr ernst gemeinte Stück wurde vom Publikum mit ständig wachsender Heiterkeit ausgenommen. Der Hauptdarsteller, Wolfgang Z i l ze r, wurde von dieser fröhlichen Stimmung derart angesteckt, dast er kurz vor Schluß in einer besonders tragischen Szene sich nicht mehr beherrschen konnte und mit in das Gelächter der Zuschauer einfiel, deren Heiterkeit dadurch noch gesteigert wurde. Natürlich fiel das Stück bei Presse und Publikum durch, und wurde sofort abgesetzt. Dem Theaterunternehmer Wilde, der das Theater eigens für das Stück gepachtet hatte, war aber gar nicht zum Lachen aufgelegt. Er verklagte Zilzer, der nach seiner Meinung durch sein unzeitgemäßes Lachen das Stück zu Fall gebracht hatte, auf Zahlung eines angeblich dadurch erlittenen Schadens in Höhe von 1600 Mk. Zilzer. der persönlich vor Gericht erschien, bestritt seine Schuld, und gab an, daß das Stück schon im ersten Akt nicht mehr zu retten war. Zur Bekräftigung legte er die Pressekritiken vor, von denen „Die Diebin" einstimmig, und zwar nicht wegen seines Lachens, abgelehnt worden war. Aach kurzer Beratung lehnte das Gericht die Klage ab. Dcr Vorsitzende. Amtsger chtsrat Hildebrandt, füh te in der Begründung aus. daß Z lzer zwar gegen seinen Vertrag verstoßen habe da sich ein Schauspieler immerhin so beherrschen müsse, daß ihn das Publikum nicht aus seiner Rolle bringen könne. Iedoch bestehe zwischen seinem unvorschrifts- mäh gen Lachen und der allgemeinen Ablehnung des Werkes kein Zusammenhang. Run kann er weiterlachen. O e Möwen und der Alkohol. Daß sich die Speisekarte einer Seemöwe aus den seltsamsten Gerichten zusammensetzt und die Launen ihres Gaumens höchstens noch mit jenen einer Ziege vergleich? ir sind, ist seit langem bekannt. Die Möwe verschmäht ebensowenig das Aas, das die Meereswogen mit sich führen, wie die Leckerbissen, mit denen sie von den Kai-Ufern oder den Oz andampfern aus gefüttert wird. Vieles, was dieser Vogel bevorzugt, scheint uns wenig Rührwe.t und noch weniger Wohlgeschmack zu besitzen. Aber über den Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten. Immerhin ist es doch etwas absonderlich, daß sich der Appetit der Möwen auch auf Teile von Seeflugzeugen erstreckt, wodurch den Piloten mancher Schaden und mancher Verdruß verursacht werden. Denn gar häufig müssen die Mechaniker und Takelmeister, die auch sonst viele Ausbesserungen an den Flugzeugen vorzunehmen haben, die Bespannung der Flügel erneuern, weil die Vorliebe der Seemöwe für Alkoholgeschmack ihnen immer wieder neue Arbeit schafft. Die auf den Kreuzern mitgeführten Ceeflugzenge stehen stets frei auf dem Deck, da unter Bord für sie kein Raum ist. Um so mehr Raum gewähren ihre Flügel den Scharen hungriger und ermüdeter Möwen, die sich auf ihnen niederlassen. Haben sie schon in früherer Zeit auf Schiffen manchen Schaden angerichtet, so fanden sie doch selten Gelegenheit, ihren Appetit nach Farbe zu befriedigen. Immer wieder finden sich zahlreiche und große Löcher in diesen Flügeln, durch die der Wind hindurch streicht und die ausgebessert und mit neuem „Rauschmittel" getränkt werden müssen. Diese Arbeit, die der Flieger der seltsamen Vorliebe der Möwen zu danken hat, läßt sich auf dem festen Lande verhältnismäßig schnell durchführen: auf einem Schiffe ist sie jedoch keineswegs ein leichtes Werk. Wie aber kann man die Flügel eines Seeflug- zeuges vor den Raubzügen der gefiederten Freibeuter schützen? Der Vorschlag, sie mit Dogel- leim zu bestreichen, ist als zu grausam abgelehnt worden. Ein anderer Versuch sah in der Schiffs- kahe die Retterin aus den Röten. Sie sollte dazu abgerichtet werden, den schmalen Katzensteg, den ein Flügel an seiner Oberseite bildet, als Promenadendeck zu wählen: in einem Falle ist es auch gelungen, auf diese Weise recht gute Erfolge zu erzielen. Von der lebenden Katze zu einer aus Aluminium angefertigten, die, auf dem Flügel des Flugzeugs befestigt, als eine Art Vogel- s cheuche dienen sollte, war nur ein Schritt. Ob aber die Sehnsucht der Möwe nach einem Alkoholfrühstück oder ihre Furchtsamkeit größer ist, das wird erst die Erfahrung lehren. Ein mißglücktes Experiment. Der Friedensrichter Dird aus Ohio (11(501.) ist ein etwas sentimental veranlagter Mann. Er ist überall dafür kekannt, daß in den von ihm geführten Prozessen niemals die Frau Unrecht hat, daß vielmehr immer wieder die Männer verdammt werden. Stets wiederholt er, daß die Frauen weichherzige und anhängliche Geschöpfe sind, denen man dies oder jenes nicht zutrauen könne. Dieser Richter hatte nun einen eigenartigen Gedanken. Schon lange hatte es ihn gequält, daran denken zu müssen, wie einsam und verlassen diejenigen Frauen sich fühlen mühten, die irgendein Fest, etwa ihren Geburtstag, allein feiern müßten, weil der Gatte irgendeines Alkoholvergehens wegen eingesperrt war. Und deshalb schrieb er jeder der 54 Frauen, deren Männer gerade in dem ihn: unterstehenden Gefängnis sahen, einen Dries und forderte sie auf, ihm mitzuteilen, wie sie sich dazu stellen würden, wenn man ihren Ehemännern an ihren Geburtstagen gestatten würde, sie zu besuchen. Mit 54 von Herzenswärme triefenden Antwortbriefen wollte er zu seiner Ober- behörde gehen und seine Vorgesetzten erweichen, so das; sie seinem Plan zustimmten... die gut und deutlich waren, wurden mit großem Interesse verfolgt. Die Briefe waren abgeschickt, — der Richter wartete. Richts kam. Er war geduldig und meinte, die Frauen könnten sich vor lauter Glück vicht fassen. Aber auch als die Frist um war, die selbst das empfindsamste Herz zum Sich-Fassen benötigt, kam noch immer keine Antwort. Und endlich, nach langer Zeit, kam ein Dries, in dem eine Frau schrieb, zum Geburtstag brauche sie den Mann zwar nicht, aber wenn er ihr in der nächsten Woche beim Großreinemachen helfen könnte, so wäre ihr das sehr angenehm. Man ist sehr daraus gefbannt, wie das nächste Urteil des Richters ausfallen wird . . . Oberbeffen. Landkreis Gießen. 4 Reiskirchen, 29. Oft. Gestern abend wurde hier im Saale der Wirtschaft Gundrum der erste Teil des Ribelungensilms im Auftrage der Lichtbild stelle des Kreis- s ch u l a m t s in Gießen gezeigt. Rachmittags war er bereits den Schülern der Orte Reiskirchen, Lindenstruth, Dersrod, Burkhardsfelden und Hattenrod gezeigt worden. Die Bilder, s. Aus der nördlichen Wetterau, 28. Oft. Die Felder find nun abgeerntet. Ganz vereinzelt stehen noch Dickwurz, deren Einbringen man hinausschiebt, um die Blätter noch als Grünfutter verwenden zu können. Länger als in sonstigen Iahren nimmt in diesem Herbst die Aussaat in Anspruch. Die Bearbeitung geht infolge der anhaltenden Regengüsse für Menschen und Vieh sehr mühevoll und langsam vonstatten. Der ausgesäte Roggen zeigt schon überall seine grünen Spitzen, mit der Aussaat des letzten Weizens ist man noch beschäftigt. In manchen Gemarkungen mußten Roggenäcker, die sehr frühzeitig ausgestellt worden waren, schon zum zweiten Male eingesät werden, da sie von den zahlreich auftretenden Ackerschnecken buchstäblich kahlgefressen waren. Kreis Büdingen. I R i d d a , 28. Ott. Wie wir hören, soll die Autobuslinie Ridda — Wallernhausen — Fauerbach — Schwickartshausen — Ober-Lais — Michelnau — Ridda des Zweckverbandes Ridda- Ulfa, die seit dem Frühjahr nicht mehr befahren wurde, zum 1.Rovember wied er inDetrieb genommen werden. Der Zweckverband Ridda- Ulfa ist den Gemeinden durch starke Ennäßigung der Garantiesummen und Festlegung derselben auf einen vorausbestimmten Betrag — während früher sehr hohe, schwankende Zuschüsse geleistet werden mußten — sehr entgegengekommen. Eine der Geldknappheit weitgehend Rechnung tragende Senkung der Fahrpreise wird hoffentlich eine stärkere Benutzung des Verkehrsmittels zur Folge haben. Die Wiederinbetriebnahme der Linie wird überall lebhaft begrüßt. • Ortenberg, 29. Oft Der weithin bekannte Ortenberger Kalte Markt findet vom nächsten Montag, 31. Oktober, bis zum 2. Rovember statt. Am 31. Oktober und 1. Rovember wird Pferde- und Fohlenmarkt stattfin- den, außerdem am 1. Rovember Rindvieh- und Schweinemarll abgehalten werden, und am 1. und Was bietet der Gießener Anzeiger seinen Lesern? Werktäglich Das große Heimat« und Anzeigenblatt die führende Tageszeitung in dem Gebiet zwischen Frankfurt am Main - Kassel und Koblenz-Erfurt Vöchentlich zweimal Gießener Familienbiatter Wöchentlich Die Illustrierte des Gießener Anzeigers Heimat Im Bild Die Scholle In ständigem Wechsel Sonderseiten des Gießener Anzeigers: Turnen, Sport und Spiel Für den Büchertisch Aus dem Reiche der Frau Aus Natur und Technik Jugend und Hochschule Aus der Welt des Films Das Recht im täglichen I eben Zeitfragen des Mittelstandes Jährlich zweimal Taschenfahrplan in Heftform Jährlich Künstlerischer Wandkalender । Deutschlands ältester Bürger feiert Geburtstag. * % Der frühere Landwirt und jetzige Fnjasfe des Altersheims Neidenburg, Friedrich Sadowski, an seinem 107. Geburtstag, den er in voller geistiger und körperlicher Frische begehen konnte. 2. Rovember wird Krämermarkt sein. Interessen« len seien auf die heutige Anzeige besonders hingewiesen. Ein Autobus gestohlen. Frankfurt a. M., 28. Oktober. (WSN.) Die Kriminalpolizei nahm gestern einen belgischen Staatsangehörigen namens Rens Lange fest, der mit einem belgischen Autobus, der die Markierung 20 175 trug, über Koblenz nach Frankfurt gekommen war. Der Autobus ist höchstwahrscheinlich irgendwo gestohlen worden. Sonderbarerweise trug der Mann, als er auf dem Führersitz betroffen worden war, weder Strümpfe noch Schuhe, sondern hatte seine Füße mit Fußlappen umwickelt. Er gab an, daß er von Frankfurt nach Bremen fahren und sich dort nach Amerika einschiffen wollte. Büchertisch. — Männer u nd Mä ch t e : D as Kabi- nett Papen — Schleicher — Gayl von Dr. Walther Schotte. R. Kittler-Derlag, Leipzig. 100 Seiten mit Abbildungen. Kartonniert 2,25 Mark. — (226) — Das Kabinett des Reichskanzlers von Papen ist vom Reichspräsidenten weitesten Kreisen ganz unerwartet berufen worden. Die bisherigen Regierungsmaßnahmen haben gezeigt, dast das Kabinett sich nicht als eine Ueber- gangsregierung betrachtet. Wer sind nun die Männer, die das Kabinett bilden, wo kommen sie her. wo wollen sie hin? Diese Frage stellen sich alle, die heute am politischen Leben leidenschaftlich teilnehmen und Aufklärung über die neuen Männer haben wollen. Walther Schotte hat in seinem Buch eine erschöpfende Aufklärung über Wesen und Programm der Regierung gegeben. Der Verfasser steht politisch und persönlich den maßgebenden Männern des Kabinetts nahe. So war er berufen, darzustellen, wie dieses Kabinett entstanden ist, welche Kräfte dahinter stehen, welche Gestalt es Deutschland zu geben beabsichtigt. Das Buch zerstört viele Legenden und teilt Tatsachen mit, die manche Vorgänge der letzten Wochen in einem neuen Licht erscheinen lassen und gerade jetzt im Wahlkampf besondere Beachtung verdienen. — „Paul v. Hindenburg als Mensch. Staatsmann, Feldherr" von Erich M a r ck s und Ernst von Eisenhart Rothe, herausgegeben im Ramen der Hindenburg- Spende von Oskar Karstedt, Derlagsanstalt Otto Stollberg G. m. b. H._ Berlin SW 11. (306) — Schon der Titel dieses neuesten Hindenburg- Buches besagt, daß es nicht die vielen bereits vorliegenden Lebensfchilderungen des Reichs- prüs'denten und Feldmarschalls um eine weitere vermehren will. Richt Einzelheiten aus seinem Leben und Schaffen werden in ihm aneinandergereiht. Vielmehr sucht es aus der Aktualität des Miterlebens, aber auch aus der Distanz historischer Wertung die menschliche, staatsmännische und militärische Persönlichkeit Hindenburg zu verstehen und zu veranschaulichen. Den Menschen und den Staatsmann Hindenburg schildert Erich Marcks, der Olltmeister historischer Forschung, der Biograph Wilhelms I. und Bismarcks. Den Feldherrn Hindenburg veranschaulicht aus der Fülle des Miterlebens im Weltkrieg der General der Infanterie Ernst von Eisenhart Rothe. Mit bewundernswerter Folgerichtigkeit treten die gleichen menschlichen Züge in dem Feldherrn wie in dem Staatsmann Hindenburg zutage, und es ist nicht ohne besonderen Reiz zu verfolgen, wie sich die Grundlinien seiner dem Staatsganzen dienenden politischen Einstellung schon bei dem Feldherrn Hindenburg zeigen. In eindringlicher und überwältigender Klarheit aber erwächst dann der Staatsmann Hindenburg aus der hinreißenden Schilderung von Erich Marcks, der aus einer Fülle besonderer Quellen schöpfen durfte. Vertieft wird die Schilderung durch eine Chronologie der siebenjährigen Reichspräsidentenschaft Hindenburgs. In diesem Teil wird das Wort in reizvoller und fesselnder Weise durch etwa 150 Bilder ergänzt. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schnftleitung.) Rr. 100. Auf Verlangen des Mieters ist der Hausbesitzer verpflichtet, das von ihm nach orts- statutar scher Vorschrift umgelegte Wassergeld zu spezifizieren, da dem Vermieter hierfür die nötigen Unterlagen zur Verfügung stehen und dem Mieter das Recht zusteht, die Höhe seiner Der- Pflichtung nachzuprüfen. SJL-tfpOTt Gpletverelnigung 1900 Gießen. Spiele der unteren Mannschaften. Die Reserve bestreitet am Sonntag ein entscheidendes Verbandsspiel gegen die 1. Mannschaft der Spieloereiniaung Leihgestern. Die Aussichten auf Sieg sind nicht sehr günstig. Die Dritte empfängt auf eigenem Platze die Erste des DfR. Lich. Die (Yäste führen zur Zeit die Tabelle an und werden sich sehr um den Sieg bemühen. Die Hiesigen erwartete man jedoch auf Grund ihrer spielerischen Reife trotzdem als Sieger. Die 4. Mannschaft spielte (ebenfalls auf eigenem Platz) gegen die Erste von Krofdorf. Man erwartet von beiden Mannschaften viel Eifer. Der Sieg ^sollte aber aus Grund des Platzvorteils den lÖOOern Zufällen. Die 5. Mannschaft hat gegen die zweite von Dutenhofen anzutreten. In der Mannschaft der Blauweißen spielen Ansänger, deren Ehrgeiz allerdings für ein lebhaftes Spiel sorgen dürste. Jugendspiele. 1900 A I — 1900 A II. Da beide Mannschaften in einer Gruppe eingeteilt sind, treffen sie am Sonntag im ersten Pflichtspiel aufeinander, das die A I-Iugend auf Grund ihres besseren Könnens gewinnen mußte. 1 9 00 B — Wieseck B.Eine gemischte Jugend- Mannschaft trägt in Wieseck ein Gesellschaftsspiel aus. Do Wieseck seine Elf in letzter Zeit verstärken sonnte, dürfen die 1900er die Sache nicht zu leicht nehmen. 1 900 Schüler — Wieseck Schuler. Die Schüler weilen ebenfalls in Wieseck und müssen be- deutend besser spielen wie seither, wenn sie erfolge reich sein wollen. Handball im Gau Hessen (O.T.) Großen-Linden I — Lützellinden I. Zum DerbandLspiel treffen sich obige Vereine in Großcn-Linden Beide Gegner stehen punktgleich an der Spitze der Tabelle. Da der Ausgang dieses Treffens bedeutsam für die Be- zirlsmeisterschaft sein kann, wird wohl ein äußerst spannender Kamps um die Punkte zu erwarten fein. — Großen-Lindens 2. Mannschaft weilt zum Verbandsspiel in Grüningen. Handball im Lahn Oünslbera-Gau. Der 2. Sonntag der Vachrunde bringt im Kampf um die Gaumeisterschaft als wichtigstes Spiel den Kampf Atzbach — Londorf in Atzbach. Londorf must mit Ersah antreten und hat «inen schweren Kampf zu bestehen, der erst mit dem Schlußpfiff entschieden sein sollt«. 3n Lollar erwartet man di« Mannschaft von Wieseck, die wenig Aussicht auf Sieg hat. „ In der Bezirksklasse stehen sich tm l. Bezirk Waldgirmes und Garbenheim gegenüber. Waldgirmes wird di« im Vorspiel erlittene Vie- devlag« wieder wettmachen wollen, sollte aber doch an der besseren Einheit des Tabellenführers scheitern. Wißmar sollt« Atzbach II. auf eignem Platz sicher abfertigen, wahrend im Spiel Erda — Launsbach dem Plahbesitzer «ine Gewinnchance «ingeräumt werden muh. 3m 2. Bezirk erwartet Ruttershausen die II. von Lollar. Mainzlar und Allenborf 11. sollten sich ziemlich die Waage halten, Kesselbach wird wohl auf eigenem Platz gegen Vordeck die Segel streichen. 3m 3. D ez fr k stehen in beiden Spielen, Burkhardsfelden — Steinbach und Albach — Deu«rn, zwei Spiele auf dem Programm, di« jeweils den Plcchbesihern Punkte «inbringen sollten. Vor einer neuen Oiskonisenkuug. B e r l i rt , 28. Ott. (TU.) Vach der letzten Red« des Reichstanzlers, In der,auch die Diskont- frage berührt wurde, wird eine erneute Herabsetzung des Veichsbankdis- k o n t s wieder stärker erörtert. 3rh letzten Reichs- bankausweis war «in erneuter Tiefstand der Ausleihungen zu erkennen. Der Wechsel- und Scheckbestand des 3nstituts liegt heute um mehr als eine Milliarde unter den entsprechenden Vorjahresziffern. Vach 3nformationen des DHD. scheint auch bei der Veichsbant grundsätzlich die Veigunq zu bestehen, der Wirtschaft di« weiteren notwendigen Erleichterungen zu schaffen. Während man bisher «ine erneute Herabsetzung der Vate um 0,5 auf 3,5 v. H. nicht vor Mitt« Vovember «rtoartete, ist, wie der DHD. hört, damit zu rechnen, daß schon vor diesem Termin die Distondsentung spruchreif wird. Ob sie bereits im Lauf« der nächsten Woche erfolgen wird, ist noch nicht abzusehen. Arbeiiereinstellung bei der Friedberger Zuckerfabrik. Die Zuckerfabrik Wctterau AG. in Friedberg hat dieser Tage ihre diesjährige Kampagne ausgenommen. Etwa 6 0 Leute wurden dazu für eine vier- bis fünfwöchige Beschäftigung eingestellt. Wiederbelebung in der oberhessischen Basaliindussrie. Michelnau (Kreis Büdingen), 28. Ott. Der hiesige Steinbruch, der einen vorzüglichen Basalttuss liefert und seit vielen Monaten wegen Mangels an Aufträgen stillag, ist wieder in Betrieb genommen worden. Die ganze Belegschaft wurde eingestellt. Es handelt sich um einen großen Au f t r a g , da das Basaltwerk die Materiallieferung für den Bau einer italienischen Kirche übernommen hat. Das im Bruche ziemlich weiche Äestein wird tnittels Preßluftbohrern geschnitten. Es verhärtet sehr schnell an der Luft und Schüler: Garbenheim — Atzbach und Waldgirmes II. — Waldgirmes L; Mainzlar — Allendorf I. Spielvei-einigung 1926 Leihgestern. Die 1. Elf der Spielverrinigung Leihgestern empfängt am Sonntag die Reserve der Spielvereinigung 1900 Gießen zum Derbandsspiel. Der Gegner stellt eine routinierte Mannschaft und die Gastgeber werden alle- aufbieten müssen, wenn sie erfolgreich sein wollen. Entscheidend für das Spiel wird fein, tote sich die Gäste mit den Platzverhältnisfen abfinden. Die 2. spielt auf eigenem Platz gegen die 1. von Muschenheiin. Die Gäste sind in Leihgestern unbekannt, so daß Vorsicht geboten, scheint. erweist sich dann als äußerst haltbar und widerstandsfähig gegen Witterungseinflüsse. • A nziehen der Prei.se auf dem Möbelmarkt. Auf dem Schnittholzmarkt macht sich eine Knappheit in gutem Tischler- material und dementsprechend ein Anziehen der Pre se bemerkbar. D e von der Reichsregierung beschlossene Kontingentierung der Einfuhr für ausländisches Vadelschnittholz und die Zollerhöhung für ausländisches Vadelrundholz werden diese steigende Tendenz noch verstärken- Auch die Preise für Glas, 3ute, Schellack und andere von der Möbelindustrie benötigte Materialien sind erheblich gestiegen. Es mehren sich die Zeichen dafür, dast das Tief der Preise überschritten ist. Mit einem weiteren Anziehen der Möbelpreise must daher bestimmt gerechnet werden. Die Käuferschichten standen bisher bei den sinkenden Preisen, die feit langem für Hersteller und Händler verlustbringend waren, d§n Angeboten abwartend gegenüber. Das Preisniveau war zum Teil weit unter die Selbstkosten gedrückt. Bei der steigenden Tendenz auf dem Möbel- markt entschließt sich jedoch das kaufende Publikum mehr und mehr zu Abschlüssen, zumal der Bedarf nach wie vor groß ist. Berlin bei steigenden Kursen zuversichtlich. Berlin, 29. Oft, (WTB. Funkspruch.) Die Um- satztütigkeit an der Effektenbörse war heute für einen Samstag und bei Berücksichtigung der in der letzten Zeit zu beobachtenden Geschäftsstille recht befriedigend. Weitere kleine Publikumskäufe ließen der Spekulation neue Deckungen geraten erscheinen. Die vorliegenden Momente waren fast durchweg anregender Art. Reuyork lag unter Schwankungen fester, an den internationalen Warenmärkten scheint sich eine Beruhigung anzubahnen, das Pfund tendierte stetiger, und die Rede des Reichsinnenministers auf dem Festbankett des Vereins Berliner Presse über die beabsichtigte 23er- fassungsreform, und die ruhige Abwicklung der Angelegenheit zwischen dem Reiche und Preußen waren durchaus dazu angetan, eine zuve r sich t - Wirtschaft. lichere Grund st immung zu unterbauen. Außerdem regte der weitere Kursgewinn der Siemensaktien von 2,5 o. H. an, da er auf die günstigen Auslastungen auf der Aufsichtsratssitzung zurückzuführen war. Verschiedene der Elektrowerte wurden von dieser Bewegung mitgezogen. Auch sonst konnten sich verschiedene Spezialwerte mehr- prozentig bessern. Im allgemeinen gingen die Steigerungen jedoch nicht über 1 v. S). hinaus. Rach Ausführung der zu den ersten Kursen eingegangenen Orders wurde es etwas ruhiger, vereinzelt traten geringfügige Abbröckelungen ein. Leicht verstimmend wirkte ein Rückgang der Allgemeinen Lokalbahn um etwa 2,5 o. H. gegen gestern. Auch einige Braunkohlenwerte hatten Verluste aufzu- weifen. während dieser Markt sonst ziemlich fest lag. Später trafen aber neue Kaufaufträge ein, so daß kleine Abbröckelungen wieder ausgeglichen wurden und viele Werte neue Tageshöchftkurse erreichten. Die Rentenmärkte lagen heute gleichfalls fest; es ergaben sich allgemeine B e s s e r u n- gen. Die Reichsschuldbuchsorderungen lagen bei unveränderten Kursen in sich fest. Don Ausländern waren Anatolier und 4,5-v. H.-Mexikancr stärker befestigt. Im übrigen war die Tendenz dieses Marktes nicht ganz einheitlich. Kurz vor dem Ultimo war am Geldmarkt Tagesgeld natürlich sehr knapp und unter 4,75 v. f). nicht mehr erhältlich. Monats- geiti blieb 5 bis 7 v. 5). Frankfurt befestigt. Frankfurt a. M., 29. Oft. (WTB. Draht- meldung.) Die Wvchenschlußbörfc war anfangs knapp behauptet, jedoch konnte sich sehr bald unter dem Einfluß der Befestigung an den AuS- lanbbörfen, des günstigen Berichts über die Sie- mens-Auffichtsratssttzung, sowie der gestrigen Rede des Reichsinnenministers auf dem Prcsse- bankett in Berlin eine feste Stimmung durchsetzen. Das Geschäft war allerdings nur gering. 3m allgemeinen beliefen sich zunächst bie Besserungen bis zu 0,50 Prozent, nach den ersten Kursen konnte man Erhöhungen bis zu 1,50 Prozent feststellen. Von Svezialwcrten lagen IG. nach an- sanglichem Verlust von 0,39 Prozent gegen gestern abend um 1 Prozent fester, am Montanmarkt gewannen Mannesmann, Rheinstahl und DuderuS bis zu 0,75 Prozent, während Phönix 0,25 Prvz. einbühten. Don Elektroaktien verbesserten sich AEG. um 0,50 Prozent, Licht & Kraft und Siemens um bis zu 1,50 Prozent, Elektrische Lieferungen um 3,75 Prozent und Chadeaktien um zirka 1,50 Mk. Am Derkehrsmarkt waren Vord- deutscher Lloyd mit minus 0,13 Prozent gut behauptet. Don sonstigen Werten erschienen Der- einigte Zellstoff mit Plus-Plus-Votiz. Daimler waren gut gehalten und Eontilinoleum kaum behauptet. Am Rentenmarkt war die Stimmung freundlich. Vach zunächst bestehendem Interesse für Reichsschuldouchsorderungen, die 0,25 Prozent höher lagen, wurde es allgemein sehr still. Reichsalt- und Veubesih lagen unverändert, Stahlvereinsbonds besserten sich um weitere 0,25 Prozent. Don Auslandwerten tendierten Anato- lier im gleichen Ausmaß höher. Am Pfandbriefmarkt waren bei kleinem Geschäft meist Besserungen von 0,25 bis 0,50 Prozent festzustellen. Habe mich In Grollen-Linden, Bahnhofstr.80» als Darauf kommt es an Schotten 7M?D Verlangen Sie kostenlose Offerte. tetartwta» Jede unserer Preislagen bringt Qualitäts-Schuhe! 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Personen, die an Geistes- und Gemüts- ftörungen leiden, sowie deren Angehörige formen, unentgeltlich Rat und Auskunft in allen mit der Erkrankung zusammenhängenden Fragen in der für den Kreis Gießen eingerichteten Fürsorgesprechstunde er- halten. Insbesondere werden auch Aus- fünfte über Vererbung, Eheeingehung, Versorgung, Unterbringung in Anstalten oder Familienpflege und Arbeitsvermltt- lung erteilt. 7603D Die Sprechstunde wird einmal Im neonat, und zwar jeden zweiten Mittwoch, nachmittags von 4 bie 5 Uhr, von Medizinalrat Dr. Frank im Gebäude des Wohlfahrtsamts, Gartenftraße 2, Zimmer 12, abgehalten. Gießen, den 29. Oktober 1932. Bürgermeisterei. — Wohlfahrtsamt. Abt. Gesundheitsfürsorgeamt. Größeres Telzgeschäst mit eigener Kürschnerei liefert Pelzmäntel, Jacken iii allen Fellarten zu itark herab neseütenPreisen gegen mebrmonatl.Natenmblungen bis zu zwölf rnouateu Kredit ohne jeden Aufschlag. Bei Barzahlung 5% Rabatt. 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Kowniikl 06330 Gießen,Ludmigstr.81 .Tel.3417 Städtische Tennisplätze. Die Spielzeit 1932 endet am Montag, dem 31. Oktober 1932. Ab Dienstag, den 1. November 1932, ist das Betreten der Plätze nicht mehr gestattet. 7693C Gießen, den 27. Oktober 1932. Bürgermeisterei Gießen. I. D.: Dr. Seid. Oeffentliche Mahnung. Folgend» Rückstände werden hiermit zur Zahlung bis 7. Rouember 1932 einschließlich gemahnt: 7650C 3. Ziel Vorauszahlung an Gemeinde-, Kreis- und Provinzialumlage, einschl. Sondergebäudesteuer 1932; Schulgeld für die Hessische Studienanstalt für September 1932; Wohnlnigsmiete aus städtischen Häusern für September 1932. Rach Sfblauf dieser Frist erfolgt ahne weitere Mahnung Einzug der rückständigen Beträge auf Kosten der Schuldner. Bei den Steuerzahlungen werden die vorgeschricbcnen Verzugszuschläge erhoben. Gießen, den 29. Oktober 1932, Stadtkasse Gießen. ' Ä ■ e aus zäher Vogelsberger m 1 Gebirgsesche empfiehlt K I nebst Zubehör preiswert MM lMl die Skiwerkstätte Wilh. Grandhomme KARL ROMER 06342 Seiner Sande Werk Roman von Klothilde von Stegmann-Stein. Copyright by Martin Fcuchtwanger, Halle (Saale) 2 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Meberhaupt der Vater! Eine heiße Welle floh durch das Herz des jungen Menschen. Der Vater war alles, niemand kam ihm gleich an Güte, Verstand, Lebenskraft. Kurt verehrte seinen alten Herrn bedingungslos. Rur in einem verstand er ihn immer weniger: in seiner zweiten Heirat. Oft lag es ihm auf den Lippen, wenn er sah, wie selbst der humorvolle, gütige Vater unter dem Mesen seiner Frau und seiner Stieftochter litt: „Va'ter, warum hast du diese Frau zur Rach- kolgerin der Mutter gewählt?" Aber es kam ihm nicht zu, zu fragen. Was der Vater tat, war gut und durfte nicht kritisiert werden. 3m Gegenteil: um des Vaters willen war es seine Pflicht, immer und immer wieder mit der Stiefmutter und Hiltrud auszukommen suchen. Wenn das nur nicht so schwer wäre, so sehr'schwer! — ..Ranu, Junge, du stehst ja da, als wäre dir der Weizen verhagelt", tönte eine Stimme hinter ihm. Kurt fuhr aus seinem Sinnen auf. „Vater!" Er sagte es zärtlich, und das fröhliche Leuchten kam wieder auf sein Gesicht. „Ich bin eben angekommen und habe dich schon gesucht." „So?" meinte der Kommerzienrat lächelnd und blickte mit heimlichem Stolz auf den Sohn. „Ich bin doch kein Kieselstein, daß du mich hier mitten im Hofe auf der Erde suchst. Ich beobachtete dich nämlich schon eine ganze Weile, wie du hier stehst und Locher in den Erdboden schaust." Kurt lachte und schob seinen Arm unter den des Vaters. „Ich muhte denken, Vater." •Mm den Mund des Vaters zuckte es. „Darum sahst du auch so geistesabwesend aus, mein Sohn. Ra, Iah nur, in den Ferien hat man keine Verpflichtung, zu denken, da soll man ausruhen." »Ra, erlaube mal, Vater!" Kurt machte ein entrüstetes Gesicht. „Glaub nur ja nicht, daß ich meine Ferien so nutzlos vertue. Allerdings von dem Dücherkram wiM ich nichts wissen, der hängt mir schon zum Halse heraus; aber die Motoren hier, meine Werkstatt — ach, Vater, wie ich mich freue! Wäre ich nur erst mit der Mniversität fertig und in der praktischen Arbeit! Für die allein bin ich bestimmt, Vater." Der Vater sah mit liebevollem Blick in das Gesicht seines Jungen. Wie glich Kurt doch ihm selbst Zug um Zug, nur dah hier noch die Frische und Degeisterungsfähl gleit der Jugend lebten, wo bei ihm Alter, Resignation und der heimliche Kummer in seiner zweiten Ehe alles matt gemacht. Aber dennoch sein Sohn. biS in jede Falte auch des Hebens. „Ich weih, mein Junge, dah du für die praktisch« Arbeit bestimmt bist. Aber gerade darum sollst du den wissenschaftlichen Boden für diese Arbeit fest und gut gründen. Ich wollte, mein Vater hätte es mir ermöglichen können, in Jahren des Lernens auch die wissenschaftlichen Grundlagen mir anzueignen. Dann wären mir viele sorgenvolle Zeiten und Irrwege erspart geblieben. Mm so wichtiger ist es mir, dah du, mein Junge, in allen Sätteln gerecht wirst. Ich hoffe, du siehst das ein." Kommerzienrat Bremer steuerte auf den linken Flügel des Fabrikgebäudes zu, aber dann hielt er inne. „Du, Junge." sagte er und sah Kurt bedercklich an, „hast du denn schon Mama begrüßt?" Kurt wurde rat „Rein, Vater, ich bin gleich hierhergelaufen zu dir." „O weh!" Kommerzienrat Bremer wiegte den Kopf. „Du, dann mach aber schleunigst, dah du 'rüberkommst. Du weiht, Mama ist gekränkt wenn du ihr nicht zuerst guten Tag sagst. Mnd mach dich ein bissel niedlich, Kurt", setzte er mit grimmigem Humor hinzu, „damit du nicht abstichst gegen die feinen Leute, die da 'rumwimmeln." „Kann ich nicht erst zu den Motoren zu dir, Vater?" Kurt warf einen sehnsüchtigen Blick hinüber zu den Fabrikräumen. „Vein, nein." Kommerzienrat Bremers Gesicht zeigt« etwas wie Sorge. „Geh nur, Kurt, mir zuliebe. Du weiht Mama ist so leicht aufgeregt. Morgen, mein Junge, kannst du alles besichtigen." Kurt zog ohne ein Wort seinen Arm aus dem des Vaters. „Wie du wünscht, Vater", sagte er ehrerbietig. Dann ging er mit feinen langen Beinen über den Hof. An dem Tor. das von dem Fabrikgrundstück hinüber zum Herrenhause führte, sah er sich noch einmail um. Da ging der Vater wieder den Werkstätten zu. Täuschte er sich? Der vorhin so elastische Schritt des VaterS war jetzt müde und schwer, seine Haltung gebeugt Lum ersten Male kam es Kurt erschreckend zum Bewußtsein, dah auch der Vater alt wurde. Drittes Kapitel. Auf der Terrasse, die vor dem Speisesaal des Schlosses Dremerwerk lag, war wie gewöhnlich eine größere Gesellschaft versammelt Die Hausherrin Melanie Bremer, ehemals Frau von Stüb- ben, sah in einem Korbsesset dessen bunte Seidenkissen eine schöne Folie abgaben für die noch immer sehr reizvolle Frauengestalt. Melanie Bremer mochte etwa achtundvierzig Jahre alt sein. Aher ihre Figur war noch Die eines jungen Mädchens, ihr Teink rosig und faltenlos; nur zwei scharfe, abwärtsgehende Falten um den sorgfältig geschminkten Mund zeigten verräterisch, daß die Jugend vorüber war. Das Haar, das in kunstvoll geordneten Wellen über bie Stirn und die Ohren siet zeigte in seiner Schwärze noch keinen einzigen weihen Faden, die Stirn war glatt. Mnd so wäre Frau Melanie Bremer noch immer eine schöne Frau gewesen, Pätte nicht ein Zug von hochmütiger Kälte in ihren Augen gelegen, der dieses gleichmähige, schöne Gesicht beherrschte. Die blahblauen Augen, an sich ein pikanter Kontrast zu dem dunklen Haar, sprachen von maßloser Eigenliebe; es ging eine Kühle von ihnen aus, die jede wärmere Herzensregung ersticken mußte. Man spürte es: diese Frau konnte nie gütig, nie selbstlos lächeln; alles, was sie tat und sprach, war wohlüberlegt, bar jeder umpulsiven Regung. Hier war ein Mensch, dessen Herz beherrscht wurde von einem kalt rechnenden Verstände. Mnd so war auch das ganze Benehmen Melanies von einer abgezirkelten Gleichmäßigkeit die auf impulsive Menschen lähmend wirkte. Jetzt sah sie, kerzengerade, ihr blauweißeS sommerliches Seidenkleid in schöne Falten gelegt, in. ihrem Sessel und unterhielt sich in liebenswürdig herablassender Art mit einer schlicht gekleideter Dame, die neben ihr sah und mit bescheidener Stimme antwortete. Gerade machte Frau Melanie eine entscheidende Bewegung mit ihrer Hand: „Rein, meine liebe Frau Pastor. Sie können mich nicht überzeugen, daß wir in der Stadt noch einen weiteren Kinderhort einrichten müssen. Ich habe schon meinem Manne gegenüber meine ernsten Bedenken ausgesprochen, dah er hier im Werk solch einen Tageshort eingerichtet hat, aber in seine privaten Wohltätigkeitsbestrebungen kann ich ihm nicht hineinreden, obwohl ich sie für sehr übertrieben halte. Aber meinen Grundsätzen so untreu zu werden, dah ich den Ghren- vorsitz mit in dem städtischen Hort übernehme, das können Sie nicht erwarten." Die kleine blasse Frau Pastor schwieg bedrückt. ES war hoffnungslos, diese kaltherzige unl> herrschsüchtige Frau von etwas zu überzeugen, was sie nicht einsehen wollte. Am liebsten hätte sie ihr einmal tüchtig die Meiirung gesagt. Frau Pastor Rüge beschloß, sich an den Kommerzienrat zu wenden. Der hatte ein offene« Herz und eine offene Hand. Er würde auch für den neuen Tages hort etwas stiften; sie hatte gehofft, die Eitelkeit der Frau Melanie durch das angetragene Protektorat zu wecken. Aber wo es um Geld ging, schwieg sogar die Eitelkeit dieser eitlen Frau. Mit versteckter Mißbilliagung sah Frau Pastor Rüge zu der kleinen Gruppe hinüber, die sich dort um Hiltrud Bremer gebildet hatte. Hiltrud lag in einem Schaukelstuhl. Das blonde Haar lehnte gegen ein lichtgrünes Seidenkissen und glänzte in der warmen Rachmittagssonne. Sie hatte die Züge der Mutter, nur jung, zart und durch die Mmrahmung des blonden Haares lieblicher wirkend. Sie wäre vollendet schön gewesen, wenn nicht ihr Gesicht einen Zug von Langweile und Blasiertheit getragen hätte. Wie sie so im Schaukelstuhl lehnte, belebte sich ihr Gesicht nur, wenn sie einen verstohlenen Blick za der anderen Seite der Terrasse hinüberwarf, wo ein großer, hochgewachsener, blonder MaNn sich eifrig mit einer schlichtgekleideten Dame unterhielt. deren Gesicht nicht schön war, aber den Ausdruck wirklicher Klugheit und Herzensgute trug. Unmutig blickte Hiltrud zu dem Paar hinüber, das, in lebhafte Mnterhaltung vertieft, sich um die übrige Gesellschaft wenig kümmerte. Dann wandte sie den Kopf mit einem gelangweilten Lächeln wieder zu dem geschniegelten jungen Herrn, der neben ihr sah und eifrig auf sie ein* sprach. Aber sie war nur halb bei der Sache, und immer wieder glitten ihre Augen hinüber zu Olaf Erikson, dem jungen schwedischen Adligen, der da in eifrigem Gespräch mit der jungen Werksärztin stand, die heute zum ersten Male hier im Hause eingeladen war. Während sie sich von ihrem Gesprächspartner, dem jungen Referendar. allerhand Schmeicheleien sagen ließ, überlegte sie nur, wie sie den jungen Schweden von der Aerzttn fortlocken könnte. In diesem Augenblick schaute Frau Kommerzienrat Bremer zu ihrer Tochter herüber. Die deutete mit einem kaum merklichen Ausblihen der Augen auf das Paar an der Balustrade. Mutter und Tochter verstanden sich auch ohne Worte. „Ach bitte, Herr Referendar", rief Frau Melanie au dem jungen Manne herüber der neben Hiltrud saß, „ich hätte gern von Ihnen etwas über den Sommerball im Tennisklub gehört — Sie sind ja im Festausschuß." / Mit einer höflichen Verbeugung gegen Hiltrud ging der Referendar zu dem Tisch der älteren Damen hinüber, wo er sofort von Frau Kommerzienrat Bremer in ein lebhaftes Gespräch gezogen wurde. Hiltrud schlenderte zur Balustrade der Terrasse, wo der große blonde Schwede mit der jungen Aerzttn zusammenstand. »Sie sind ja so eifrig in der Mnterhaltung, Baron Erikson", meinte Hiltrud, „daß Sie für andere Leute überhaupt nicht mehr zu haben sind" — und sie warf einen unfreundlichen Blick auf die junge Aenttn —, „sicher sehr interessant, waS Sie da zu bereden haben. Vielleicht darf man auch daran teilnehmen?" (Fortsetzung folgt.) Wem» Eure Männer ihre Lebensversicherung verfallen laffen möchten, helft ihnen, fie in Kraft z« halten! Helft mit, an anderer Ttelle fo viel z« sparen, daß Euer Beitrag eingezahlt werden kann! Nur dann seid Ihr und En« Kinder auch in dem schlimmsten Fall geschützt! buch i* schwere« Zeiten gibt es Mittel enb «ege, trat eine Lebensversicherung i« Statt ■■ »* ^halten. Fragt ben Versicherung-.Fachmann — et wird Euch sachgemäß beraten! 05 Gute Statt Karten. Kolter preiswert: Gießen, den 29 Oktober 1932. 06313 Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Kröck IL, Metzgermeister. Am 26. Oktober verschied nach langem, schwerem Leiden meine liebe, unvergeßliche Frau, unsre treue Mutter, Schwiegermutter, Großmutter Ohr. Frans Ludwig Frans Paul Frans. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme sowie für die zahlreichen Blumenspenden beim Heimgang unserer lieben Entschlafenen danken wir herzlichst. b'woll. 3.00, 3.40, 2.90, 2.10 wollene 15.-,12.50,9.80,7.50 bess. 33.-, 27.50,22-15.50 Familie Familie Familie Gießen, den 29. Oktober 1982. In tiefer Trauer: Naumann, Oberst a. D. Gertrud Poppert, geb. Naumann Professor Dr. Poppert Ingeborg Poppert Dieter Poppert, cand. med. Die Einäscherung hat auf Wunsch der Entschlafenen in aller Stille stattgefunden. Von Beileidsbezeugungen jeder Art und von Besuchen bitten wir abzusehen. Kalmuc fGrTisch-und Bettunterlagen Bettbiber 2.10 1.80 1.60 0.98 Gestern morgen entschlief sanft unsre liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Tante Frau Rechnungsrat Minna Franz geb. Arnold Wir betrauern tief das Ableben unseres Heben A.H. Geh. Rat Prof Dr. Albrecht Haupt in Hannover aktiv S. 8.1870 Die G. B. Germania Heuchelheim, den 29. Oktober 1932. 7666 d Frau Minna Naumann geb. Thorwart im Alter von 79 Jahren. Statt besonderer Anzeige. Nach längerer Krankheit entschlief heute im 90. Lebensjahr unsere liebe gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Tante Frau Mathilde Gläfener, geb. Lütges Witwe des Bürgermeisters a. D. Gläßner tiefbetrauert von den Ihrigen Bürgermeister a, D. Richard Gläßner und Familie Elsbeth Eisenach, geb. Gläßner DlpL-Ing. Paul Gläßner und Frau Dr. H. Eisenach. Gießen (Liebigstraße 37), Frankfurt a. M„ Gerknäs (Finnland), den 29. Oktober 1932. Die Trauerfeier findet Montag, den 31. Oktober d. J., nachmittags 3 Uhr, in der Kapelle des Neuen Friedhofes statt 06379 müssen Sie sich UÄDasWorf eh,p';®8?- wenn Sie Ihre tDCU/AUI Hühncra«$en tDC rvvnl los sein wollen. H^!?llereu6ei>"Lebew<>M Bl«chdoae (8 Pflaster) 6« Pf., in Apotheken u. Drogerien. Sicher tu haben, Med.-Drpg. Haus Hindenburg, H. Elges, Seitenweg 68a; Löwen-Drog. W. Kllbinger Nacht., Seltersweg 69; H. Noll Ludwlgsplatz-Dronerio u. Neustadt-Drogerie; Oermanla- Droger e C. Seibel, Frankfurter Straße 39; 0. Wlnterhoff, Drogerie, Krouiplati D-10- fx^g» DieBeerdigrung findet am Montag, dem Sl.Oktober, nachmittags 2V, Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Beileidsbesuche dankend verbeten. __________________________________________________________7637 V C. 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Oktober, abends 8 Uhr, im Lafd Leib: Oeffentliche wahlveriammlung Redner: Herr Oberstudiendirektor Dr. Becker, Rastel Herr Gärtnereibefitzer Schröder, Rrefeld $ür die unS anläßlich unserer Vermählung erwiesenen Aufmerksamkeiten sowie Geschenke banken wir herzlichst. Heinrich Wcimer und Frau. -Lollar, den 29. Ottober 1932. ........... 766 D Zur Scbnecken- bekämpig. u. Düngung Kali 7bsbD Kainit Tünaekalk-Aett- kalk Tbomaomelil '.Vlooc-Torfmull in besten höckitvro- zentigen Qualitäten f)Ältt 5lelnskr.7Z, Tel. 3581. Lieferung frei Haus BETTE M ■ B A R • Q HESSE N I 6 Sonder-Vorstellungen W SaxonlaTon- und Film zeigt das grobe, I aufsehenerreg. Autklärungs-Filmweik: ßfl Das GestMethlsleheii Was muh der Mann vom Weibe VW und das Weib vom Manne wissen? rjjj I Das brennendste u. wichtigste Problem unserer Zeit HEj I Hergestellt im Institut des Professor Dr. K. 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