!Wur«‘n. i Ut die ?u8 den D-»?.^urch N •®Ul§eTi; $21niit 118 &:?«$ J*WJWn. ’ kt 5*. gebnis tiefes cn . ™M 86?Ä'" Wß »ÄS WZ iS m °'nem 3er: am LbtVt9en' 131,1 ?V;t «Menem !r ^ers m Hanau 93 ‘«n Punkt zu reiten. Ro,. ull"9 Sportfreunde 3 2 ^1 mager mit l;0, ' chast. e Stillegung des '"s yofch. DqS (Eijen. n=M(en, gibt bekannt, ngels gezwungen fei, den egchnd (tiltjulegen. Me auf den Zeitpunkt vom eßlich. Bisher waren nur gezwungen, bis zu 14 der Großhandels. Ischen Reichsamt für den ihandelszifser ist mit 943 m 0,2 v. h. .zurülkgegan- r Hauptgruppen lauten: ),4 o.h.), Kolonialwaren nbuftrielle Rohstoffe und 2 v.h.), und industrielle s 0,2 v.h.f. Der Inder !trägt 117,4 (minus 03 r 114,0 (minus 0,1 v.h.f. i für verschiedene Noä) vor Nbffluf) der tfnttify ®irifd)oftepro‘ rung, roie WTS.-Ho/r« eine Reihe von M' cha'züichen Grzrugniffen jöhungen deireffen Gur- und geschlachtete Gänse, pflanzlichen Talg, außer- zszwang für Inlandswein Wemutwein und ©ein« Eiermarkt. 7. Aug. Der Absatz war i5 reger, weil jeder noch ’rfte, später würbe es aber a.M.: Bulgaren 6« W 5 7 Russen 6 bis 614, fönen VA bis 8, deutsche Fn ch- 914 jn- und ausländische bis'ö, Rumänen 6j ms 1. Wicrmarki. Aua. Die Lage am N- wesentlich 9^^’ SbnHönSen^ «4 3,057 169,73 73,ß 77,52 74,73 I4j7 0,893 4,209 51,« 21-3 16,50 81.Z 33,82 81.37 0,943 0,324 6.691 13,29 "£20 58,25 P 14,53 16.6 169,36 21-55 72-85 2^49 ti 27.auguß 6.276 52.05 12.48- 3,063 170,07 73, n 77,Z 74,87 14,61 0,897 4,2'7, 58,53 21 ,Ö 16-54 81,88 33.88 82.13 0,951 0,326 6,707 13-31 d 58,49 77-66 14,59 16,52 l70.g 21.63 73-15 2J1 81'5 jJ.«2 T264* 51.95 12,465 °>9 id__ 276 ,05 435 063 ,07 ,17 ',68 1,87 ,60 ,897 ,217 8.53 1,64 6,54 1,94 3,88 6,13 1,951 1,326 i,707 3,31 tzotell. llr. 202 Erstes statt Montag. 29. August 1952 182. Jahrgang Erf chetnt lügltch,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblatier Heimat im Bild • Die Scholle Monats*Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. . -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Liehen. Postscheckkonto: Krank surr am Main 11686. Siebener Tintiger General-Anzeiger für Oberhessen vnitk tmö Verlag: vrühl'fche Umver^lüts-Vuch' und Stehtöruderei H. Lange in Gießen. Zchriftlettnng und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für No» Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20°/. mehr. Chefredakteur: Dt. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.Thyriot,' für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Gießen. Neue Erklärungen des Reichskanzlers. Unferrehung mit einem Pressevertreter. — Am Borabend weittragender politischer Entscheidungen. Münster, 28. 2Iug. (WTB.) Reichskanzler von Papen bcantroorictc einem Redaktionsmitglied der „Rheinisch-Westfälischen Zeitung" bei einem Empfang einige Fragen, die im Zusammenhang mit der Rede auf der westfälischen Bauerntagung stehen, und erklärte u. a . Ich bin der Ansicht, daß Arbeit Kapital schafft, und ich freue mich, daß die Reichsregierung mit dem Programm, das sie dem Reichspräsidenten vorschlägt, auch einen Teil der wünsche der NSDAP, erfüllt. Ich hoffe, daß die gleiche Richtung unserer Wünsche und die Gemeinsamkeit des Zieles zu einer Zusammenarbeit auf sachlichem Boden führt, durch die die rein parteipolitischen Momente in den Hintergrund gerückt werden. Ich bin überzeugt, daß gerade eine Partei, die die s a ch l i ch e A r b e i t auf ihre Fahne geschrieben hat, ein solches Programm der unmittelbar praktischen Arbeit und Arbeitsbeschaffung frei von allen politischen Bindungen prüft. Die Reichsregierung ist eine autoritäre Regierung, sie ist gegenüber Forderungen parteipolitischer Art völlig frei und unabhängig. Gerade deshalb hofft sie, das Arbeitsprogramm in breitem Rahmen und abseits von allen Einzelinteressen durchführen zu können. Damit ist die beste Sicherung für die 93er- wirklichung des gesteckten Zieles gegeben. Auf die Frage, obdieOrganisationender Wirtschaft', und zwar der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer, in ihrer Mehrheit auf dem Boden dieses Programms treten und es als das ihre durchführen werden, erwiderte der Reichskanzler: Die Reichsregierung hofft bestimmt, Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf dem Loden dieses Programms zu vereinigen. Die Befruchtung der Wirtschaftsprozesses, die die Reichsregierung herbeizuführen sucht, liegt ganz be- sonders im Interesse der Arbeitnehmer. Die Dor- schläge, die die Reichsregierung macht, haben wesentlich das Ziel, 1 bis 2 Millionen Menschen wie- der in den Arbeitsprozeß einzugliedern. Die Frage, ob es der Reichsregierung als unsoziales Verhalten ausgelegt werde, wenn sie auch den noch in Arbeit stehenden ^ r - beitnehmern Lasten auferlege, beantwortete der Reichskanzler mit den Worten: Unsozial ist heute der, der die Arbeitsmöglich' feilen vermindert. Durchaus richtig dagegen ist das wort: „Sozial ist, wer Arbeit schafft?". 3m übrigen bleibt die Grundlage der Tarifverträge und damit ihre soziale Wirkung in vollem Umfange aufrechterhalten. Rach wie vor bleibt das T a r i f r e ch t b e st e h e n zum Schuhe gegen Lohnausbeutung und zur Abwehr etwaiger Wil - für der wirtschaftlich Stärkeren. Eine solche Willkür ist nach wie vor absolut ausgeschlossen. Der Reichskanzler wurde sodann befragt ob es im Zusammenhang mit der Durchführung dieses Programms möglich wäre, auch eine 21 u f- Iockerung der im Wirtschaftskarnpf gegenüber st ehenden Fronten zu er- “^ertoiberte: Die Reichsregierung ist durchaus der Auffassung, daß die Zeit reif dafür geworden ist, um diese starren Fronten zu lockern. Wir scheint, daß man durch eine Verkleinerung der Tarifbezirke und durch Trennung nicht zusammengehöriger Be- rufsgruppen Arbeitgeber und Arbeitnehmer einander näherbringen kann. 3n solchen, nach regionalen Gesichtspunkten und Derufsarten gegliederten Tarifbezirken und Ta- rifgebieten ist es leichter möglich, die Interessen der am Wirtschaftsprozeß Beteiligten auf einen gemeinsamen Renner zu bringen. Dieser gerechte Ausgleich der Interessen ist ja die Kardinalfrage der Wirtschaft überhaupt. Ruf den Vorwurf, daß keinVer tr e te r der Rrbeitnehmer ein Ministeramt bekleide, erklärte der Reichskanzler: Das Regierungsprogramm beruht auf einer fundamentalen sozialen Erkenntnis, so wie ich es im ersten Teile meiner Rede angedeutet habe, tfur eine Regierung, die es unternimmt, ein solches Programm durchzuführen, ist es ganz selbstverständlich daß sie die Interessen aller Volksschichten aufs genaueste gegeneinander abroägf, insbesondere die Cagc des Arbeitnehmers berücksichtigt, der wegen feiner wirtschaftlichen Schwäche auf soziale Ge- rechtigkeit ganz besonderen Anspruch hat. Zum Schluß der älnterredung betonte der Reichskanzler sehr eindringlich: Es muß von diesem Programm cm starker Impuls ausgehen, und es mutz im ganzen Volke eine V e r t r a u e n s s p h a r e Entstehen, m der die heute darniederliegenden Kräfte sich frei und stark wieder entfalten können Die gemeinsame Arbeit am gemeinsamen Kel der Zukunft von Volk und Vaterland muh die Brücke bilden zum Rusgleich der politischen Gegensätzlichkeiten, in dieser Arbeit mutz das deutsche Volk sich wie- derfinden und soziale und politische Hindernisse überwinden. In Zukunft muh zeder Einzelne wieder die Tleberzeugung haben, daß der Ertrag seiner Arbeit nicht in ein Faß ohne Loden, in» Leere fällt, sondern ihm, seiner Familie, seinen Kindern und dem ganzen Volke zugutekommt. Das Programm der Tai. Don unserer Berliner Redaktion. Völker wollen nicht nur verwaltet, sondern geführt werden. Allein in dem Bewußtsein, unter einer straffen, zielklaren Führung für eine bessere Zukunft zu kämpfen, ertragen die Völker alle Röte der Gegenwart. Der gestrige Sonntag, an dem der vorn Reichspräsidenten berufene Reichskanzler von Papen die Grundgedanken seines Aufbauprogrammes entwickelte, hat in diesem Sinne in der Geschichte der letzten zwanzig Jahre kein Beispiel. Im Krieg ohne klare Ziele, in der Rachkriegszeit politisch und wirtschaftlich von der Hand in den Mund lebend, ist das deutsche Volk in die Trostlosigkeit seiner heutigen Lage versunken. Was es dagegen ausmacht, wenn ein Volk eine klare und energische Führung über sich weih, das beweisen Italien und besonders Rußland, wo allein schon die Idee eines „Fünfjahresplanes" das Volk zu neuem Glauben fort- rih. Dom gestrigen Sonntag an besitzt nun auch das deutsche Volk einen solchen „Aufbau- p l a n“. Hinter ihm stehen der Wille zur Führung und der Mut jur Verantwortung. Das ist viel in einer führerlosen und verantwortungsscheuen Zeit. Reichskanzler von Papen geht von dem Grundgedanken aus, dah in einer Zeit, in der die Flammen des Bürgerkrieges bereits zu schwelen beginnen, nur eine solche Regierung zur Führung berufen ist. die bewußt über allen Parteien. Ständen und Klassen steht. Das besagt nicht, dah die in den Parteien vorhandenen geschichtsbildenden und staatsschöpserischen Kräfte unterdrückt werden, oder unausgenutzt bleiben. Gerade in seiner Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Partei wies der Kanzler darauf hin, dah, wenn die Führung dieser Partei das Mollen der Bewegung, nämlich den Rechtsstaat, nicht zu verwirklichen imstande sein sollte, er als Kanzler des deutschen Volkes die Pflicht habe, diesen Kernpunkt des nationalsozialistischen Wollens zu verwirklichen. Es "ist in den Tagen vor der Rede viel von staatssozialistischen und planwirtschaftlichen Tendenzen der Regierung die Rede gewesen. Das Regierungsprogramm bekenntsichzurPri- vatwirtschaft und zur Initiative des freien Unternehmers. Dennoch aber richtet es mit Recht die Staatshoheit über jenen De trieben auf, die sich in den letzten Jahren ihre Verluste sozialisieren ließen. Der Staat gewinnt damit an Macht, und er besitzt die Möglichkeit, in Zukunft die gesamte Wirtschaft zu führen, anstatt ihr durch einen übertriebenen Staatssozialismus Konkurrenz zu machen. Auch die autarke Abschließung Deutschlands vom Weltmarkt ist im Regierungsprogramm nicht enthalten. Wohl aber — und das ift eine Selbstverständlichkeit — wird der Binnenmarkt den stärk st en Ausbau und die äußerste Bevorzugung erfahren. Dies ist zum Wohle der deutschen Landwirtschaft das dringlich st e Erfordernis. Alles in allem: Was der Kanzler über das Wesen des Rechts, über die Reform des Tarif- rechtes, über den Ausbau des Arbeitsdienstes, über das Ende der allzu starr gewordenen toirt» fchaftserstickenden Deflation, über die 23er- I einfachung der Verwaltung, über die Einschaltung eines praktischen Werkjahres sprach, dies alles rechtfertigt es, hier von einemP r ogramm Das System der Steueraarechmmgsscheme. Inkrafttreten Mitte dieser Woche. Berlin, 28. Aug. (ERB.) Wie das Conti-Nachrichtenbüro erfährt, wird das System der S t e u c r- anrechnungsscheine, dessen Ankündigung das K e r n st ü ck des wirtschaftlichen und finanziellen Teils der heutigen Kanzlerrede bildete, voraussichtlich bereits Mitte dieser Woche durch Notverordnung in Kraft gesetzt werden, und zwar mit Wirkung vom 1. September ober vom 1. Oktober ab. Welcher von diesen beiden Terminen gewählt wird, steht im Augenblick noch nicht fest. Die maßgebenden Stellen haben aber den Wunsch, mit der Anwendung so schnell wie möglich zu beginnen. Die Steueranrechnun g s s ch e i n e werden ausgegeben: für die Hälfte der Umsatzsteuern, zwei Fünftel der Gewerbesteuer, ein Mertel der Grundsteuer und für die Gesamtheit der Beförderungssteuer. Am klarsten wird der Plan vielleicht an einem Beispiel: Nimmt man an, daß jemand für das lausende Steuerjahr 1000 Mark Umsatzsteuer be.^hlt, so erhält er einen Steuerbon in Höhe der Hälfte dieses Betrags, also 500 Mark. Diesen Bon kann er in den Jahren 1934 bis 1938 bei der Entrichtung seiner Reichsfteuern einschließlich der Zölle und Verbrauchssteuern mit Ausnahme der Einkommenssteuer in Zahlung geben. Die Bons haben ein Agio, das einer 4prozentigen Verzinsung entspricht. In dem erwähnten Beispiel würde also der Steueranrechnungsfchein von 500 Mark im Jahre 1934 mit 520, im Jahre 1935 mit 540 Mark eingelöst werden. In jedem der genannten fünf Jahre kann ein Fünftel der Steueranrechnungsscheine für die Steuerbegleichung verwandt werden, so daß also auch der Rückfluß systematisch geregelt ist. Praktisch bedeutet die Ausgabe der Steueranrechnungsscheine eine Steuerermäßigung. Mit Rücksicht auf seine augenblickliche Kassen- und Finanzlage kann das Reich sie nicht sofort gewäh- ren. Es verteilt sie deshalb auf spätere fünf Jahre, fundiert sie aber schon jetzt, indem es ein Papier schafft, das einen inneren Wert hat. Er besteht darin, daß das Reich die Scheine später in Zahlung nimmt. Auf Grund dieses inneren Werts können die Steueranrechnungsscheine als Kreditunterlage benutzt werden. Der große Vorteil, der sich schon daraus für die Wirtschaft ergibt, liegt auf der Hand. Ein weiterer Vorteil er* ixUt z. B. aus folgendem: Die Bons auf die Beförderungssteuer kommen sehr stark der Reichsbahn zugute, die dadurch in die Lage versetzt wird, zusätzliche Aufträge an die Wirtschaft zu erteilen. Weiter liegt es im Charakter dieser Bons, daß sich im Lause der Zeit ein Handel mit ihnen entwickeln wird. Sie sind freizügig, weil jeder mit ihnen feine Steuermittel zahlen kann, und bieten außerdem in der 4prozenti- gen Verzinsung zweifellos einen Anreiz für anlagesuchende Gelder. Line Woche großer Pvliilscher LnischeidMgen. Starker Eindruck der Kanzlerrede in den politischen Kreisen. Berlin, 28. Aug. (ERB.) Die Rede des Reichskanzlers in Münster machte auf Ehe Anwesenden sichtlich einen außerordentlich starkenEindruck. Das bezeugte der überaus starke Beifall, der besonders und immer wieder an den Stellen der temperamentvollen Rede ein. setzte an denen der Kanzler die Tat zur Rettung des deutschen Volkes in den Vordergrund stellte. Bernerkenswerterweise war er auch da besonders lebhaft, wo Herr v. Papen sich mit H l t l e r auseinandersetzte. Die Rundfunkübertragung brachte es mit sich, daß die Rede auch in Berliner politischen Kreisen die Sensation des Sonntags bildete. 2fian beurteilt sie als die Rede eines Mannes, der alles einsehen will, um die Durchführung des Programms zu sichern, von dem d,e Reichsregierung eine Besserung der gegenwärtigen Zustände erwartet. Das Kernstück des Dirtschaftsprogramms sieht man allgemein in der Einführung der 6teueran- rechnungsscheine. durch die eine erst für s v a - ter mögliche Steuerer Mäßigung schon icüt aul Ankurbelung der Wert- ch a f t m o b i l i s i e r t werden soll Aber auch diese Maßnahme ift natürlich tm Zusammenhang mit den übrigen Plänen zu werten, mit denen die Reichsregierung die Krise überwinden will. Es ist wohl anzunehmen, daß diese Ankündigungen auch in ihren Einzelheiten in den nächsten Tagen ein lebhaftes Echo in der Öffentlichkeit finden werden. Die innerpolitischen Ausführungen des Reichskanzlers sind der Auftakt dieser Woche, die wichtige lnnerpolitische Entscheidungen bringen wird. Montagfrüh trifft der Äaiuler bereits wieder in Berlin ein, um, wie beabsichtigt, am Abend mit einigen seiner nächsten Mitarbeiter nach R e u d e ck zu fahren. Der Montag wird tron Besprechungen ausgefüllt fein, in denen dieser Besuch vorbereitet wird. Parallel dazu versammeln sich am Montag die rneistenFr a t- tionen im Reichstag und im Landtag, da beide Parlamente am Diensiag zusam- mentreten. Dr. Brüning befindet sich bereits in Berlin. Es heißt, dah Adolf Hitler, ebenfalls in Berlin, am Montag den Mitgliedern der nationalsozialistischen Reichstagsfraktion den Treueid abnehmen werde. In politischen Kreisen sieht man den kommenden Entscheidungen und der Entwicklung der nächsten Tage naturgemäß mit großer Spannung entgegen. des gesunden Menschenverstandes zu reden. Wenn die Ausführung deS Programms dem in ihm kundgetanen guten Willen entspricht, so hat Deutschland einen großen Schritt nach vorwärts getan. Oie REOAp. lehnt ob. Tcr Kommentar des „Völkischen Beobachters". München, 29. August. (ERD.) Funkspruch.) In einer ausführlichen Stellungnahme zu der gestrigen Rede des Reichskanzlers kommt der .Völkische Beobachter" zu einer Ablehnung des darin skizzierten Wirtschastsprogramms. Unter der AXefcerfdjrift „Unmögliche finanzpolitische Projekte" meint das Blatt u. a.: Schon der Plan der Finanzierung des neuen Rötst ands- programms müsse bedenklich machen. Die Regierung wolle diese Finanzierung durch Ausgabe von einer Art von Staatsscheinen auf Steuern durchführen. „Wenn wir recht informiert sind", fährt der „Völkische Beobachter" fort, „bedeutet diese Maßnahme eine durch d i e Reichsbank gedeckte Ausgabe von Steueranteilscheinen, die keine effektive realisierbare Deckung haben, sonden lediglich durch die Staatseinnahmen aus Wirtschaftswerten, die erst in der Zukunft gewonnen werden. gedeckt werden sollen. Dieser Versuch, mit in Zukunft aufkommenden Wirtschaftswerten eine Finanzierung vorzunehmen, bedeutet Nach Aufsas- fung des Blattes einen völligen Bruch mit allen klassischen Deckungsregeln. Auch eine Vorwegnahme eines weiteren Teils der Finanzierung mit Lohnsenkungen und einem Durchbruch durch das Tarifrecht hält der „Völkische Beobachter" für bedenklich. Eine Aufhebung des Tarifrechts werde eine Herabsetzung der individuellen Kaufkraft, aber keine Steigerung bewirken. Zum Schluß kritisiert das Blatt, daß die Regierung es nicht wage, das F i - nanzkapital anzufassen und daß über die Zinssenkung kaum ein bescheidenes Wort zu hören gewesen sei. Notverordnungen abwarten. Eine offiziöse bayerische Stimme. München, 29. Aug. (CNB. Funkspruch.) Der dem bayrischen Ministerpräsidenten nahestehende „Regensburger Anzeiger" schreibt zur Rede des Reichskanzlers: Hinsichtlich des in mehrfacher Hinsicht optimistischen wirtschaft- lichcn Aufbauprogramms werde man die geplante Notverordnungabwarten müssen. Das Bekenntnis des Kanzlers zur Pslege christlicher Erziehung in Familie und Schule berühre ungemein wohltuend. Eine ganze Reihe von Befürchtungen über die geplanten wirt- jchastlichen Aufbau- und Ankurbelungsmaßnahmen sei durch die Rede in angenehmer Weise enttäuscht worden. Falsche Gerüchte über Luther. Berlin, 28. Aug. (WTB.) Gerüchte über einen angeblich bevorstehenden R ü t r 111 des Reichsbank- Präsidenten Dr. Luther entbehren, wie wir von zuständiger Seite erfahren, jeglicher Grundlage. Eine Verwahrung Brünings. Berlin, 28. Aug. (WTB.) Reichskanzler a. D. Dr. Brüning teilt uns mit der Bitte um Der- öffentlichung mit: „Jn der Sonntagsnummer der .Deutschen Allgemeinen Zeitung', Nr. 403, wird die Behauptung ausgestellt, Dr. Brüning versuche, eine KoalitionmitderdeutlichenSpitze gegen den Reichspräsidenten zu bilden, und die Unterstellung daran geknüpft, Dr. Brüning habe seinerzeit nach seinem Sturz geäußert, jetzt g e h e e r, er komme jedoch wieder, aber dann werde Hindenburg gehen Demgegenüber stelle ich fest, daß ich eine solche Aeußerung nie getan habe. Sie würde zudem das Gegenteil meiner Auffassung und Grundsätze sein. Soweit ich überhaupt politische Besprechun- gen gehabt habe, dienen sie ausschließlich dem Versuch, den verfassungsmäßigen Weg in, bet politischen Entwicklung Deutschlands zu sichern." Zeitungsverbote. Das Organ der Eisernen Front, bas Wochenblatt „Alarm" würbe einschließlich aller Äopfblätter 'auf Grunb der Verordnung des Reichspräsidenten gegen politische Ausschreitungen bis zum 30. September einschl. verboten. Anlaß zu dem Verbot gab die Nummer 34 vom 25. 8. 1932, in der im Hin» blick auf das Ohlauer Urteil u. a. davon gesprochen wird, das „die republikanische Bevölkerung das Freiwild der Klassenjustiz sei". Die zuständigen Stellen sehen in diesen Ausführungen eine grobe Beschimpfung und böswillige Verächtlichmachung der preußischen Justiz. Wie aus Kassel berichtet wirb, hat der Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau die in Wiesbaden bzw. Frankfurt erscheinende Tageszeitung „Nassauer Dolksblatt" bzw. „Frankfurter D o l k s b l a 11" wegen Vergehens gegen die Verordnung des Reichspräsidenten gegen politische Aus- - ~r schreilungen mit sofortiger Wirkung bis einschließlich 1. September verboten. Das Verbot mußte ergehen, weil die beiden Zeitungen durch ihre Ausgaben vom 24. und 25. August in mehreren gleichlautenden Artikeln in bezug auf die Beuthener Todesurteile gegen die Reichsregierung, die preußische Staatsregierung und das erkennende Gericht den Vorwurf bewußter Rechtsbeugung erhoben und diese verleumdet, beschimpft und böswillig verächtlich gemacht und in ihrer Ausgabe vom 25. August diesen Vorwurf auch gegen den Herrn Reichspräsidenten gerichtet haben. Polizei und Reichsbanner. Berlin, 27. 2lug. (ERD.) Sn den letzten Tagen sind Meldungen über eine Anweisung des Berliner Polizeipräsidenten zur Beobachtung des Reichsbanners durch die Presse gegangen. Wie wir hierzu von unterrichteter preußischer Seite erfahren, ist die Anweisung durch eine Indiskretion in die Öffentlichkeit gelangt. Sie unterscheidet sich in nichts von ähnlichen Verfügungen, die in bezug auf andere Organisationen und Verbände bereits bestehen. papen gegen die Landtags-Ansprüche. Ablehnende Antwort an den Landtagspräsidenten Kerrl. Berlin, 28. Aug. (WTB.) Amtlich wird mitgeteilt: Reichskanzler v. Popen hat an den Präsidenten des Preußischen Landtages K e r r l das nachstehende Schreiben gerichtet: „Sehr geehrter Herr Präsident! Auf Ihr gefl. Schreiben vom 26. August beehre ich mich, folgendes mitzuteilen: Wenn Sie der Auffassung Ausdruck geben, daß die gegenwärtige kommissarische Regierung in Preußen dem Preußischen Landtag verantwort- l i ch sei, und daß die Mitglieder dieser Regierung verpflichtet seien, vor dem Landtage zu erscheinen, so vermag ich dieser Auffassung nicht beizutreten. Die kommissarische preußische Regierung leitet ihre Befugnisse lediglich aus der Verordnung des Reichspräsidenten vom 20. Juli 1932 her und ist daher für ihre Handlungen nur dem Herrn Reichspräsidenten, nicht dagegen dem Preußischen Landtag verantwortlich. Sch kann auch nicht Ihrer Auffassung zustimmen, daß es Pflicht der kommissarischen preußischen Regierung sei, sich lediglich auf die Wiederherstellung verfassungsmäßiger Zustände und auf die Wiederher st ellung von Ruhe und Ordnung zu beschränken. Während der Dauer ihrer Amtsführung üben die Mitglieder der kommissarischen preußischen Regierung vielmehr alle Befugnisse aus, die dem Staatsministerium und den einzelnen Staatsministern nach der preußischen Verfassung und den preußischen Gesehen zustehen. Ich verkenne nicht, daß das Fehlen einer dem Landtag verantwortlichen Regierung in Preußen ein recht unerwünschter Zustand ist, dessen baldige Beendigung auch ich begrüßen werde. Zu meinem Bedauern sind die Voraussetzungen für eine Aufhebung der Verordnung des Reichspräsidenten vom 20. Juli 1932 einstweilen aber noch nicht gegeben. Was ferner die Aenderung der Geschäftsordnung des Preußischen Landtages betrifft, so bin ich, wie Sie wissen, mit Ihnen in der Beurteilung dieses Beschlusses durchaus einig. Ihrem Anträge, dem Herrn Reichspräsidenten den Erlaß einer Rotverordnung vorzuschlagen, durch die diese Aenderung für nichtig erklärt wird, stehen jedoch erhebliche Bedenken entgegen. Zunächst handelt es sich bei Erlaß oder Aenderung der Geschäftsordnung des Preußischen Landtags um eine innere Angelegenheit des Parlaments. Rachdem der Herr Reichspräsident bereits durch die Verordnung vom 20. Juli 1932 die zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in Preußen erforderlichen Maßnahmen getroffen hat, würde ein Eingreifen in diese interne Angelegenheit des preußischen Parlaments für ihn nur in Frage kommen können, wenn die Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung auch nach dieser Richtung hin noch weitere Maßnahmen notwendig machen würde. Das kann aber um so weniger anerkannt werden, als die beteiligten preußischen Stellen die Möglichkeit haben, über die Rechtmäßigkeit der von dem früheren preußischen Landtag beschlossenen Aenderung der Geschäftsordnung im Rahmen einer Landesverfassungsstreitigkeit die Entscheidung des Staalsgerichtshoss für das Deutsche Reich herbeizuführen. Abgesehen hiervon würde es auch noch der Klarstellung bedürfen, ob der gegenwärtige Preußische Landtag die in Rede stehende Aenderung der Geschäftsordnungüberhaupt übernommen hat und ob er hiernach an diese Bestimmung gebunden ist. Ihre Auffassung, daß die Geschäftsordnung durch einen Mehrheitsbeschluß des gegenwärtigen Landtages „bestätigt" worden sei, scheint nicht ohne weiteres zuzutreffen. Der Landtag hat vielmehr abgelehnt, eine Reuregelung der Geschäftsordnung vorzunehmen, die in chrem Ergebnis auf eine Beseitigung des Beschlusses vom 12. April 1932 hinausgelausen wäre. Ich bedauere lebhaft, auf Ihr Schreiben, sehr geehrter Herr Präsident, zur Zeit nichts veranlassen zu können. Mit ausgezeichneter Hochachtung v. Papen." Rur Ministerialdirektoren erscheinen im Landtag. Berlin, 28. Aug. (DDZ.) Die praktischen Auswirkungen der Aussprache zwischen dem stellvertretenden Reichskommissar für Preußen Dr. Bracht und dem Landtagspräsidenten K c r r l werden sich bereits am Dienstag kommender Woche bei Zusammentritt des Landtages zeigen. In wohlinformierten Kreisen wird dem Nachrichtenbüro des VDZ. erklärt, daß die kommissarische Regierung bei Wahrung ihrer gemeldeten grundsätzlichen Auffassung die Zusammenarbeit mit dem Parlament dadurch bekunden dürfte, daß sie die zuständigen Ministerialdirektoren als fachkundige Abteilungsleiter an den Paxlamentsüesprechungen teilnehmen läßt. Dagegen dürfte mit dem Erscheinen der mit der Wahrnehmung der Ministergeschäfte betrauten Persönlichkeiten, d. h. der Staatssekretäre und auch des stellvertretenden Reichs- k o m mi ssa rs Dr. Bracht selbst, kaum zu rechnen sein. Immunität der polnischen dichter aufgehoben. Warschau, 27. Aug. (WTB.) Durch eine Rotverordnung des Staatspräsidenten wird für die Zeit vom 27. August bis zum 31. Oktober 1932 die verfass ungsmäßige Immunität der polnischen Richter aufgehoben. In dieser Zeitspanne sollen sämtliche polnischen Richter auch ohne ihr Einverständnis auf andere Posten oder in dtzn Ruhestand versetzt werden können. Frankfurter Goethepreis 1932 für Gerhart Hauptmann. Höhepunkt und Ausklang der Goethe-Gedächtniswoche. Oie Dichter-Ehrung im Goethehaus. Die Frankfurter Goethe-Gedächtnis w o ch e fand ihren Höhepunkt und Ausklang am Sonntag mit der feierlichen Lleberrei- chung des Goethe-Preises an Ger- hartHauptmannin Goethes Geburtszimmer Gerhart Hauptmann. und in der Gedächtnisfeier in der Paulskirche. Bei den Feiern wohnten der Reichsinnenminister Freiherr von Gayl als Vertreter des Reichspräsidenten, der Reichsregierung und der preu- ßischen Staatsregierung, und der hessische Ministerpräsident Dr. Adelung bei. Rach einem Musikvortrag verlas Oberbürgermeister Dr. Landmann in Anwesenheit einer auserlesenen Gästeschar die Derleihungsurkunde. Diese lautet: „Mit ihrer höchsten Auszeichnung ehrt die Stadt Frankfurt im Ramen Goethes die Träger schöpferischer Gedanken, befreiender Schicksalsgestal- tung in unserer Zeit. In Gerhart Hauptmann begrüßt sie den Dramatiker, dem die Bühne unauslöschlichen Dank schuldet, den Führer einer Dichtergeneration, die leidenschaftlich den Weg zum Volke suchte, einen Gestalter, der die Jugend zur Begeisterung hinriß und uns noch heute mit starken Werken beschenkt und erschüttert. Sie ehrt den Mann, der den Deutschen aufs neue mit flammendem Wort die Mahnung zur Lleberwin- dung der Zwietracht in das Herz brannte. Die Stadt Frankfurt a. M. bekundet zugleich mit dieser Ehrung des Schlesiers Gerhart Hauptmann ihre Verbundenheit mit den in allen deutschen Stämmen erscheinenden Kräften dichterischer Schau. Sie huldigt dem seelenbewegten, allmensch- uchen Dichter, der in der eigenen Lebensfülle das Goethesche Meistererbe weitertrug und zugleich die Schätze des europäischen Geistes vermehrte, indem er die soziale Gesinnung zum Ausdruck einer neuen Zeit erhob." Der Oberbürgermeister machte dann noch be- kannt, daß Gerhart Hauptmann sich nur als der ideelle Träger des Frankfurter Goethepreises fühle, und daß in seinem Auftrage der materielle Wert des Preises zur Hälfte dem Deutschen Hoch st ist und zur anderen Hälfte notleidenden deutschen schaffenden K ü n st l e r n zukommen soll. In seinen Dankworten für die Verleihung des Goethepreises führte Gerhart Hauptmann u. a. aus: Wir befinden uns im Innern eine- deutschen Rationalheiligtums, weil hier noch der Geist eines göttlichen Knaben und seiner bürgerlichen Eltern lebt. Richts darf einem Volke heiliger fein, als solche Erinnerungsstätten. An dieser geweihten Stätte, die ich liebe wie keine andere, haben Sie mir die Urkunde einer Preiserteilung überreicht, im Ramen dessen, der heute vor 183 Zähren in diesem Hause der Welt geschenkt wurde. Da der selige Knabe hier noch immer und überall gegenwärtig ist, so wird er auch diesem Ereignis beiwohnen. Wem würde es nicht ebenso ergehen, wenn ich erkläre, ich sähe ihn, den dunklen Blick seine,- Götteraugen auf mich gerichtet. Alter Mann, was brauchst du noch Preise, scheint er zu sagen, der du ein Leben genossen und hinter dir hast. Um deinetwillen geb ich zurück. Und ihm, in der Tat, der diese Treppen, Gänge und Zimmer, kurz: dieses ganze Gebäude mit ewiger Jugend beseelt, reiche ich Ehre und Gold zurück, so wie man einen Knaben aus Liebe beschenken mag. Goethe-Geburtstagsfeier in -er paulskirche. Nach dem Vortrag des Priestermarsches aus der „Zauberflöte" eröffnete Oberbürgermeister Dr. Sanbmann die Feier. Die Versammlung sei sich einig in der Verehrung des Meisters, und wenn er, der Redner, den Reichsminister des Innern, Freiherrn v o n Gayl, besonders begrüße, so geschehe es mit der Bitte, dem Herrn Reichspräsidenten in Neudeck die Grüße der Versammlung zu übermitteln. Reichsinnenminister Freiherr von Gayl sprach als Vertreter der Reichsregierung Huldigungsworte zu Goethes Gedächtnis und grüßte im Auftrag des Reichspräsidenten, des Reichskanzlers, der Reichs- regierung und der Preußischen Staatsregierung die Festgemeinde, die Deutschen innerhalb und außer- halb der Reichsgrenzen und die Völker der Kulturwelt, die sich heute mit uns vor dem weltumspannenden Geiste neigen. Herr von Gayl führte bann u. a. folgendes aus: Es ist selbstverständlich, daß die Regierung des Deutschen Reiches, gleichviel, welches politische Antlitz sie tragen mag, sich zu dem größten deutschen Dichter ihres Volkes bekennen muß und daß sie in vorderster Reihe derer zu stehen hat, die Goethes Geist feiern. Worauf es aber bei diesem Bekennen ankommt, ist nicht ein Feiern mit den Lippen, sondern allein der Wille, die großen Kulturaufgaben der Zeit im Geiste Goethes anzupacken und, sow/it es Schicksal und Wesen der Kultur gestatten, auch der Lösung entgegenzuführen. Wir verehren in Goethe einen seltenen, wie wenige vor und nach ihm das Weltall umspannenden Geist. Wir wissen, daß gerade er in ausgleichender äleberparteilichkeit allen Kulturen auf dieser Welt gerecht zu werden, sich sein Leben hindurch bemüht hat. Wir begreifen, wie Goethe bei aller Aufnahmefähigkeit für fremde Gedanken doch im innersten Kern seiner ganzen Persönlichkeit und fei- nes Schaffens im deutschen Volkstum wurzelt. So ist Goethe ein aufbauender und wegweisender Führer im deutschen Kulturleben, dessen Wirken zeitlos und unbegrenzt ist. Wir wissen aber auch, daß es Pflicht bleibt, sich strebend zu bemühen, im täglichen Kampf mit allen Widerständen. Kamps um Leben und Zukunft des Volkes ist unsere tägliche Losung, aber dieser Kampf kann und soll zum Segen werden. Das ist letzter Schluß der Weisheit des sterbenden Motes VMÜM Roman von Hertha Fricke Llrheberrechtsschuh: Verlag Oskar Meister, Werdau 7. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Es ist meine Pflicht, sie Ihnen zu reichen!" sprach die Schwester fest und mit einer Stimme, die keinen Widerspruch dulden wollte. Sie träufelte die Medizin in einen kleinen Löffel und reichte Renate ein Glas Wasser. „Rehmen Sie jetzt ein, gnädige Frau! Die Damen können sich ja bann weiter unterhalten, wenngleich ich der Ansicht bin, daß aufregende Gespräche durchaus nicht angebracht finb. Sie hielt den Löffel dicht vor Renates Mund. Renate schluckte rasch die Tropfen. Sie war böse auf die Pflegerin. „Immer diese Bevormundung, wo doch keine Heilung ist! Die letzten Tage sollen mir wohl noch verbittert werden! Richts, nichts wird mir gegönnt! Ihr ewiges Befehlen, Schwester Elisabeth, regt mich viel mehr auf, als wenn ich mich den ganzen Tag mit Fräulein von Diemen unterhalte!" „Das mag der Arzt feststellen!" antwortete eisig die Pflegerin. „Ich sehe, wie schlecht Ihnen diese Unterhaltung bekommt!" Frau Renate wurde ganz rot im Gesicht. „Gehen Sie jetzt!" verlangte sie zornig. „Die regen mich auf!" „Bitte, Schwester, gehen Sie doch jetzt", bat sanft Eva-Marie. Sie ängstigte sich um Renate. „Ditte, gehen Sie doch endlich! Sie sehen doch, die gnädige Frau hat mir etwas zu sagen!" „Ausgerechnet Ihnen!" zischte die Pflegerin. Ihre Augen funkelten böse. „Der Kranken ist strengste Ruhe verordnet!" Da wies Eva-Marie sie mit einer unendlich vornehmen, aber ebenso bestimmten Handbewe- gung fort. „Die gnädige Frau wünscht mich allein zu sprechen, Schwester Elisabeth! Ich würde mich ohne Szene entfernen, wenn es umgekehrt der Fall wäre, wenn gnädige Frau Sie zu sprechen wünschte! ilnb ohne Empfindlichkeit!" „3d) gehe ja schon!" sagte die Pflegerin be»' leibigt. „Aber ich muß Ihr Benehmen dem Arzt melden." „Laß mich weitersprechen!" sagte Renate und nahm des jungen Mädchens Hand. „Die Aerzte verboten in der Klinik jeden Besuch! — Ich konnte Klaus nicht bitten, es war immer wie eben. Ich sollte mich nicht aufregen, und keiner dachte daran, daß ich mich wohl äußerlich zur Ruhe zwingen konnte, aber die unerlösten Gedanken mich tausendmal mehr quälten. Man versprach mir, ich würde bald wieder gesund werden und nach Hause kommen! Darauf machte ich Pläne. Rach Hause kam ich, aber gesund wurde ich nicht! Lind so liege ich nun schon Jahre unter dieser Tyrannei!" „llnb dein Gemahl, Renate? — Weiß er, daß Klaus Behrens lebt, daß du ihn wiedergesehen hast?" „Daß er lebt, wußte Karl immer! Daß er ein Betrüger war, als er mir von Klaus Tode erzählte, habe ich ihm gesagt. Aber niemand hat es gehört, als er und ich! — llnb ich blieb krank unb hilfsbedürftig! llnb Gerti liebt ihren Vater — was sollte mir nun noch die Scheibung? — Klaus ist verheiratet unb ich werde doch nicht wieder gesund! — Aber wenn ich tot sein werde, Evalein, bann nimm ben silbernen Schlüssel von meinem Hals, nimm bas Kästchen an bich unb bringe es selbst zu Klaus! Versprichst du mir das? — Wenn bu es tust, braucht mein süßes Äinb nicht zu wissen, daß sein Vater mich betrogen hat und seiner Mutter Herz einem anderen gehört." Sie weinte still und fassungslos. — Eva-Marie liebkoste sie unb versprach alles, wie man einem kranken Kinde alles verspricht, um es zu beruhigen. „Und um Gertis Willen versprich mir, niemandem davon zu sagen! Es könnte ja auch Klaus' junges Glück stören, wenn er glücklich „Ich schweige, Renate! Mein heilig Ehrenwort! Und ich bringe deinem Klaus das Kästchen!" Eva-Marie nahm feierlich die blasse Hand. „So, nun bin ich ruhig, Evalein! — Ich tue meinen Diamantring noch hinein. Du kannst ihn verkaufen. Der Erlös wird deine Reise zu ihm und alle deine Unkosten decken. Und willst bu chn nicht verkaufen, brauchst bu es nicht, so behalte ihn zum Andenken an mich!" Eva-Marie küßte die marmorblasse Stirn. „Wie wohl mir jetzt ist!" sagte Renate. „Run mag's meinetwegen morgen zur Operation gehen Run ist alles in Ordnung! Unb Klaus wirb mir em reines Andenken schenken! — Das wenigstens! llnb finde ich ihn wieder dort drüben . dann bin ich seine rechte Frau — gewiß bin ich das! Dann weiß er alles! — Alles! — Dann hat er mich wieder lieb! Mir ist so wohl, Evalein! Hab Dank!" „Du sollst wieder gesund werden, Renate!" schmeichelte Eva-Marie unb barg ihre Tränen hinter Renates welligem Haar. Aber bie Kranke nahm mit einem kleinen, schmerzlichen Lächeln bie gesunde Mäbchenhand. „Wozu, Kind? — Ich bin müde — so müde! Ich will gar nicht gesund werden!" 5. Karl Andresen saß mit seinem Bruder Heinrich in dem schwarzen, dunklen Herrenzinimer. Sie hatten eben davon gesprochen, daß Frau Renate so schnell wie möglich in die Klinik gebracht werden müsse. Run schwiegen sie, wie vor etwas Unabwendbarem. „Was versprichst du dir von der Operation?" fragte Karl Andresen ben Doktor. Der tat bedächtig bie Asche seiner Zigarre ab unb wußte nicht recht, ob er die Wahrheit sagen sollte. Aerzte sind oft barmherzig, wenn sie eine kleine Unwahrheit zum Trost sagen, lind dieser da war sein Bruder! — Daß seine Ehe nicht ganz klar und harmonisch war, hatte Heinrich Andresen wohl oft gemerkt, aber man wußte nicht, wieviel die schwere Krankheit der lieblichen Frau Renate schuld daran war. Freilich er, der Arzt, batte oftmals Chen gesehen, wo bie Krankheit unb die Sorge barum bie Liebe der Gattin nur wärmer emporschlagen ließ in der Angst, den Geliebten zu verlieren. Aber Karl war eine «twas rücksichtslose unb egoistische Ratur. Ihm fehlte Wohl die seelische Vorbedingung für eine Liebe, die Entsagung und Fürsorge forderte. Eine seltsame Scheu des Gatten am Krankenbett der Frau war ihm, dem Doktor, längst ausgefallen. Er deutete sie nur nicht richtig. Karl Andresen gab Geld über Gelb, so ungefähr, als ob er sagen wollte: „Da habt ihr! Tut alles! Ich will gern bezahlen, aber ich eigne mich nicht dafür!" „Was versprichst bu bir von der Operation?" fragte er noch einmal dringender den sinnenden Bruder. „Endgültige Heilung?" Der Arzt sah ben Bruder betroffen an. Glaubte er wirklich an solche Aussicht? „Wir sind der armen Renate die Operation schuldig, weil sie allein ermöglicht, ihre Lebenszeit erträglich unb schmerzfrei zu gestalten!" antwortete er bann mit einer gütigen, ruhigen Stimme. >'2llso boch! — Ich. bachte es mir!" sagte Karl Anbresen unb trommelte nervös mit ben Fingern auf der Platte des geschnitzten Cichen- tisches. „Es ist bedauerlich für bich — aber wieviel trauriger für bas gequälte junge Geben unb für eure kleine Tochter!" „3a!“ sagte der Kaufmann. Heinrich wußte nicht recht, was dieses „3a" bedeutete. Vielleicht war es nur gedankenlos gesagt, unb Karl litt mehr, als er sich den Anschein gab. -Wir wollen Renate bas Leben so freundlich machen, wie wir können!" meinte der Arzt mit tiefem Mitleid. „Weiter können wir nichts tun!" „llnö das besorgt eigentlich vorbildlich das in Weser Beziehung recht talentierte Fräulein von Diemen! 3ch werde ihr an Gehalt zulegen I" antwortete Karl Andresen. Heinrich verstand den Bruder nicht. Wie konnte man so etwas so geschäftsmäßig behandeln. Karl sah in seines Bruders Gesicht. „Du natürlich auch! Du hast auch stets getan, toad du konntest, Heinrich!" fügte er anerkennend hinzu. „Und darum freut es mich eigentlich, dir heute ein Angebot machen zu können!" „Ach, Herr Doktor, ach bitte, ich glaube, diese Schwester Elisabeth hat mich eben verpetzt!" »Das hat sie schon getan, Eva-Marie! Kommen Sie doch einen Augenblick hier herein!" Dr. Andresen öffnete die Tür eines kleinen Zimmers, in dem alte, blanke Mahagonimöbel mit veilchenfarbenen Bezügen standen. „Rehmen Sie Platz, gnädiges Fräulein!" Eva-Marie setzte sich. Ein blitzblanker Zorn stand in ihren lebendigen Augen. „Was hat sie gesagt?" „Daß Sie unsere Renate aufgeregt hätten, daß Sie ihr Briefe gebracht hätten, deren 3n- halt durchaus nicht für unsere Kranke geeignet sei und ihr geschadet hätten, daß Sie am Schluß noch diese brave, pflichttreue Pflegerin hinausgeworfen hätten, und solche Schandtaten mehr!" Sn den Augen Dr. Andresens blitzte es lustig. „Von all dem ist nur das Letzte wahr!" antwortete Eva-Marie. „Und das war um Renates willen nötig!" „Hm!" machte der Doktor. „Run erzählen Sie, was es gegeben hat!" „Rein!" sagte das Mädchen. „Dazu habe ich kein Recht! Fragen Sie Renate!" „Sch denke, sie schläft?" fragte Dr. Andresen. „(Sie ist ganz wach und wartet schon auf Shren Besuch, Herr Doktor!" Er schüttelte den Kopf, aber er übersah die (Situation, ehe er in das Krankenzimmer trat. Eva-Marie schlüpfte in ihr Zimmer. Lächelnd sah er ihr nach. „Run, Renate?" Er setzte sich an ihren Liege- stuhl. -^uten Tag, Heinrich!" grüßte sie ihn erfreut. „3d) höre eben von deiner vorzüglichen Pflegerin, du seiest ganz elend von einer großen Aufregung, die Fräulein Eva-Marie dir ge- bracht! ä Stirn ein wenig faltig. „Schwester Elisabeth ist verrückt!" „So, das ist nett! Kraftausdrücke liebe ich bei meinen Patienten. Die bedeuten zurückkehrenden Lebensmut!" „Außerdem taugt sie gar nichts!" beharrte cSrau Renate. „Sie ärgert mich mit ihrer ewigen Bevormundung!" „Kindchen, sie hat vorzügliche Zeugnisse aus Krankenhäusern, befolgt exakt ihre Vorschriften, ist peinlich sauber und minutiös genau.“ „llnb mit ihrer Exaktheit und Genauigkeit verdirbt sie mir jede Freude, jeden Spaß! Will ich mit Eva-Marie plaudern, wie heute, so fährt sie mit ihrem elenden Medizinlöfsel dazwischen, freue ich mich, wenn Eva-Marie so hübsch Klavier spielt, dann erscheint das graue Wesen mit der Uhr in der Hand und bringt mich zu lFortsetzung folgt) . Faust- ’jÄ Leben, JjL flefr Äls ^Ahnst r Soeth« an deutsche und t>6t «tief der D 01 -esFreienÄ Nme«SÄ* in Lr Oper eingela 100. Wiederkehr sein einer bis zum Burg rüttung landen u geistigen Ausruhr, befänden sich uns als Schülp s> stadt für Goethe. „Wahrheit^ unb ■ aangene bürgerlid litten Bürger in nende wird den h ohne Heroismus r wart kommen. - Wunsche, daß der lichtere Zeit fallen Die Grüße der von deren Präsidc [en • Berlin übe führte er aus, we nis an Goethes - eines Einzigen, f Zeitalters höchster Daß in diesem Ic „Gras Zeppeli Friedrichsh sprach.) Das ßuj heute um 6 Uhr n sagieren an Bord 3 aufgestiegen. „Do X“ nc Das Flugfchiff „Di Homburg nach Lüb> Abstur; einer der Ein deutsches Flr war, um eine neue zusliegen, ist in der Das Flugzeug ist z sind nur unerh Angewisses St Um dos Schicksal slieger Lee und 2 Harbour Grace zu England gestartet hafte Besorgnis. ? über den Verbleib Schmuggeßei ^Sonderdien stelle hob, wie dar lm Saufe Karthäu hon träte aus, d Möen ersten Fe ®rnu"c[te Kber der §ch, fein-ln Tracht, feit längerer Zell 1 Augenblick des 2., 'chleudei-t . Ä^ei fri gi Sie üb Kochst tzas fj I u. Nt. r/®^9Sfeier lskirche. n°ch ,®t« 9'Mk» »ft " > *b Jf “‘tatet ^hre und öS etol9« «4g Eft«-- aus k, ' ÖZ"’1" »'■ Äft’ Iei «4 litt« x ' menn er, nammlunfl zu übkmit. & D06n®Qll |prad) J'erung huldigungsworte ? 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M «rtÄ acht hätten, Deren Jn unsere Kranke g*1 J hofi Sic am Schmu -eue Pflegerin hinauf hc Schandtaten mehr. P* Ä W«vw *“i4 enate! Andresen- *» •Sä?S5-w >u sch - *“ “* SSH äs*»- tzrSr E Zaust: „Qlur der verdient die Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muh." Als letzter Redner huldigte Gerhart Hauptmann. lebhaft von der Versammlung begrüßt, den Manen Goethes, dessen Merke die Erinnerung an unser Volk setost dann noch wach halten werden, wenn das deutsche Volk im Lause der Jahrtausende, wie einst daS griechische, verschwunden sein sollte. Zu Beginn der Feier erschien, von vielen Tau- senden jubelnd begrüßt, der Zeppelin über der Stadt und wars mit einem Blumenstrauß einen Brief der Besatzung ab, in dem es heißt: .Möchte Goethcscher Geist, der alles Menschliche begreifend erfaßte und alles echt Menschliche mit Achtung und Liebe empfing, wieder in unserem Volke lebendiger werden und uns helfen, zu einem organischen Volksganzen uns zusammenzufinden. Stolz auf den in der deutschen Seele schlumrdernden Reichtum an Kräften, und getragen von der Achtung der ganzen Welt werden wir dann leichter wieder zu dem Lebensglück und der Geltung uns durchringxn, auf die das deutsche Volk Anspruch hat." Goeihefeier desIreien OeuischenHochstists Das Freie Deutsche Hochstift hatte im Rahmen der Goethe-Gedächtniswoche zu einer Feier in der Oper eingeloden. Nach einer Ansprache des Vorsitzenden des Hochstistes, Dr. Alexander v. SBer« nus, hielt der Dichter Dr. h. c. Wilhelm Schäfer die Festrede. Die 100. Wiederkehr von Goethes Todestag falle in ein ebenso böses Jahr, wie 1849 die 100. Wiederkehr seines Geburtstages. Abgesehen von einer bis zum Bürgerkrieg gehenden politischen Zerrüttung stünden wir heute in einem unerhörten geistigen Aufruhr. Zusammenbruch und Ausruhr befänden sich aber in einer Wechselbeziehung, die uns als Schicksal sichtbar würde. Was seine Heimatstadt für Goethe bedeutete, das habe er selbst in „Wahrheit und Dichtung" dargestellt. Das vergangene bürgerliche Zeitalter mußte den vermeintlichen Bürger in Weimar lieben: das nun begin» nende wird den heroischen Goethe suchen, weil wir ohne Heroismus nicht aus dieser zerrütteten,Gegenwart kommen. — Der Redner schloß mit dem Wunsche, daß der 200. Geburtstag Goethes in eine lichtere Zeit fallen möge. Die Grüße der Goethegesellschaft wurden von deren Präsidenten, Prof. Dr. Julius Petersen- Berlin überbracht. Der festliche Jubel, so führte er aus, werde gedämpft durch das Gedächtnis an Goethes Tod, der nicht nur den Hingang eines Einzigen, sondern das Ende eines ganzen Zeitalters höchster, geistiger Blüte bedeutet habe. Daß in diesem Jahre alle Parteien Goethes Meinung für sich in Anspruch genommen hätten, sei ein Beweis für die überraschende Zeitgemäßheit seiner Gedanken gewesen, aber zugleich auch ein Stenn- Zeichen der ungeheuren Gegensätze, die feine organische Weltansicht zum harmonischen Ausgleich brachte. Die Feier fand einen würdigen Abschluß im Vortrag von E. M. von Webers Ouvertüre zu „Eu- ryanthe". Oie Reichs-Goethe-Medaille. Anläßlich der Goethe-Jahrhundert-Feier in Frank, furt wurde die Reichs-Goethe-Medaille von dem Herrn Reichspräsidenten u. a. folgenden Persönlichkeiten verlieben, dem italienischen Mi- nislerpräsidenten Mussolini: dem französischen Ministerpräsidenten Herriot: dem Schriftsteller Paul DalLry; dem Schriftsteller Andrä Gide: dem Schriftsteller Knut Hamsun; dem Maler Edvard Munch: Verner von Heiden st am; Unioersitätsprofessor Dr. Gottfried Bohnen- blust: Dr. Alfons Paquet: Prosesior Dr. Franz Schultz: dem Intendanten Dr. Alwin Kronacher; Staatsminister a. D. Professor Dr. Becker; Geh. Regierunasrat Dr. A. v. Weinberg: Pro- fessor Dr. Albert Schweitzer; Geh. Reg.-Rot Professor Dr. Adolf Trendelenburg: Professor Philipp Witkop, Freiburg: Professor Georg Witkowski, Professor Dr. Julius Wahle: Geh. Reg.-Rat Professor Dr. Max Friedlän- der; Dr. Ludwig W ü l l n e r. (Sründang der Gesellschaft ^Alt-Zranksurter in der Welt". Die Gedenkfeiern zum 100. Todestage Goethes haben bei den Bürgern seiner Vaterstadt von neuem das Bewußtsein einer inneren Zugehörigkeit mit dem heimatlichen Boden der Stadt, aus dem er erwachsen ist, erweckt. So ist in den Kreisen der ehemaligen, jetzt in allen Gegenden des Erdenkreises lebenden Frankfurter Bürgern der Gedanke erwach- sen, sich auch äußerlich und sichtbar zusammenzu- schließen. Unter dem Namen „Gesellschaft Alt-Frankfurter in der Welt e. 93." ist am 28. August die Gründung dieser Vereinigung erfolgt. Ihr Zweck ist, eine engere Verbindung mit ihren außerhalb lebenden Mitgliedern herzustellen, um auf diese Weise die großen Kulturstätten Frankfurts durch Zuwendungen in Zeiten der Not vor Schaden und Untergang zu bewahren. Im Römer versammelten sich zahlreiche bekannte Frankfurter zur Gründungsversammlung. Die Leitung der Gesellschaft besteht aus den Herren Staatsminister a D. Prof. Dr. Becker, Geh. Dr. A. v. Weinberg, Justizrat Dr. Alexander Berg, Moritz Freiherrn von B e t h m a n n, Landgerichtsrot Dr. Maier-Leonhard, Stadtrat Dr. Max Mich c l und Oscar Franklin Oppenheimer. Aus alter Welt. „Graf Zeppelin" nach Südamerika gestartet. Friedrichshafen, 29. Aug. (WTB. Funkspruch.) Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist heute um 6 Uhr mit Dr. Eckener und sechs Passagieren an Bord zur Fahrt nach Südamerika aufgestiegen. „Do X" nach der Ostsee gestartet. der Däckermeisterswitwe Gleich in Steinwiesen ein Brand aus, der sich außerordentlich rasch ausbreitete. *3n ganz kurzer Zeit standen vier Wohnhäuser und fünf Scheunen in Flammen. Den Ortsbewohnern gelang es nach harter Arbeit, ein weiteres Umsichgreifen des Feuers zu verhindern. Das Vieh konnte gerettet werden. Der Schaden ist nur teilweise durch Aus der provinzialhaupistadi. Gießen, den 29. August 1932. Erst der Magen, dann die Schule. Von Or.C. Kayser. Unter allen Mahlzeiten deS Tages ist das Morgenfrühstück zur Erhaltung der Gesundheit und der Leistungsfähigkeit unseres Körper- wohl die wichtigste. Das hat z. D. der praktische Engländer längst erkannt, dessen Morgensrühslück beinahe einer deutschen MittagSmahlzeit gleicht. Gerade am Morgen ist unser Magen, nachdem er während der Rächt eine außergewöhnlich lange Pause gehabt hat. natürlich auch am aufnahmefähigsten und hat das Recht auf eine ausreichende, zweckmäßige und geruhsame RahrungSzusuhr. Allein von alt und jung wird hierin in Deutsch- land viel gesündigt. Besonders dem Schulkind sollte es anerzogen werden: Erst der Magen — dann die Schule! Die Erfüllung dieser Forderung ist nicht ganz leicht. Wer hat es noch nicht erlebt, mit welcher Hast und Aufregung viele Schulkinder ihr Frühstück verzehren? Da fehlt noch ein Heft oder die Schultasche, da wird das Taschentuch gesucht. Da muß schnell noch einmal das Gedicht überlesen werden, das man für heute aufhat Aengstlich find die Blicke des Kindes auf die Zeiger der Uhr gerichtet, die unaufhaltsam vorwärts rücken. Gewiß, mit gutem Zureden erreicht manche Mutter, daß eine Tasse Milch und vielleicht ein Brötchen hastig verzehrt werden, aber wie Blei liegt es im Magen. Kein Wunder, wenn ein solches Kind, das nicht nur, wie der Erwachsene, die Rührung *um Ersatz der verbrauchten Zellsubstanz und zur Erzeugung der nötigen Körperwärme, sondern auch zum Aufbau, zum Wachstum seines Körpers braucht, zu Iran-* kein beginnt und in der Schule nichts leistet. Wie kann da Abhilfe geschaffen werden? Zunächst einmal muh das Kind zum Frühstück genügend Zeit haben. Deshalb soll es so rechtzeitig aufstehen, daß für die Einnahme des Frühstücks genügend Zeit bleibt. Diese Zeit kann auch dadurch fichergestellt werden, daß schon am Abend vorher die Moppe fix und fertig gepackt und alle Schularbeiten bis aufs letzte erledigt werden. Die Mutter, und wenn möglich auch der Vater, sollen mit dem Schulkind in gleicher Ruhe gemeinsam frühstücken und durch ihr Beispiel einen wohltuenden, erzieherischen Einfluß ausüben. Bei der Zusammensetzung des Morgenfrühstücks sollte auf den Rährwert, auf Abwechslung und in gewissen Grenzen auch auf den Geschmack des Kindes möglichst Rücksicht genommen werden. Als besonders zweckmäßig für das Schulkind seien für das Schulkind Suppen aus Mehl und Haferflocken oder Buchweizengrütze, ein Glas Milch oder Milchkakao, eine Scheibe Brot, wenn möglich Schwarzbrot, mit Butter, Schmalz, Honig oder Marmelade und dergleichen empfohlen. Sehr wertvoll ist auch die Zugabe von etwas frischem Obst. Viele Kinder, besonders in den Entwicklungsjahren, haben das Bedürfnis zwischen Morgenfrühstück und Mittagessen noch ein zweites Frühstück in den Unterrichtspausen zu sich zu nehmen. In diesem Falle gebe man ihnen ein paar Scheiben Brot mit Butter oder Schmalz, etwas Ausschnitt oder frisches Obst zur Schule mit. Ein in Ruhe verzehrtes, solides Morgenfrühstück und eventuell ein kleines zweites 'Frühstück werden sehr wesentlich dazu beitragen, die körperliche und geistige Leistungssähigkeit des Schulkindes zu erhöhen und ihm seine Gesundheit zu erholten. Bornotizen. — TageSkalender fürMontag: FGF^ 20.15 Uhr, Hauptübung. — Lichtspielhaus, Dahn- hvsstraße: .Die Rächt der Entscheidung". •* Botaillonsübung bei Laubach. Das Gießener Bataillon rückt am Mittwoch zu einer größeren Hebung im Gelände zwischen Harbach und L a u b a ch aus. Die Mannfchaslen verlassen gegen 12 Utzr die Garnison und marschieren über Oppenrod und Hattenrod nach Harbach. Die Hebung beginnt gegen 15 Uhr bei Harbach mit einer kriegsmäßigen Rast, der anschließend ein entfaltetes Vorgehen des Bataillons und ein Angriff auf die Höhen nördlich von Wetterfeld folgen sollen. Kegen 18 Hhr wird die Hebung abgeschlossen fein. Oestlich von Laubach wird dann Biwak bezogen. Um 23 Hhr werden eine Serenade und der Zapfenstreich erklingen. Am 1. September, gegen 3 Uhr erfolgt der Rückmarsch, der die Mannschaften im Rahmen einer neuen militärischen Lage bis m die Wälder westlich von Nonnenroth und dann über Lich nach Gießen zurückführen wird. •• 11 m d i e Tarifverträge im Gießener Kleinhandel. Die Arbeitgeber des Einzelhandels (Kleinhandel) haben vor geraumer Zeit sowohl den Mantcltarifvertrag. wie auch den Gehaltstarifvertrag gekündigt. Dieser Tage wurde vorerst zwischen den Vertretern der Ar- beitgebcrschaft und den Vertretern der Ange- stelltcnverbände über den Gehaltstarifvertrag verhandelt. Die Arbeitgeber forderten einen Gehaltsabbau von 20 Prozent. Demgegenüber stehen die Angestellten auf dem Standpunkt, daß eine weitere Kürzung der an sich niedrigen Gehälter im Hinblick auf die schon dreimalige Senkung und aus Grund der durch die Rotverordnung hervorgcrufencn neuen Belastungen nicht möglich sei. Trotz zweimaliger Verhandlung über den Gehaltstarif kam man noch zu keinem positiven Ergebnis, so daß die Angelegenheit dem Schlichtungsausschuß überwiesen werden mußte. Voraussichtlich wird der Schlichtungsausschuß noch in dieser Woche zusammentreten. •• Abermals ein Motorrad - Diebstahl. In der Nacht zum Sonntag wurde, wie die Gendarmerie-Station Gießen mitteilt, in Mainzlar aus dem Anwesen des Ludwig Becker ein Motorrad aus dem unverschlossenen Stoll gestohlen. An- Haltspunkte konnten bisher nicht feftgefteHt werden, da der in der Nacht zum Sonntag und am Sonntag selbst niedergegangene Regen sämtliche Spuren auslöschte. Festgestellt werden konnte lediglich, daß der Dieb das Motorrad in Richtung Staufenberg sortschafste. Dos Kraftrad, Marke N$U., trägt als Erkennungszeichen VO und die Nummer 3453. Die Fabriknummer lautet 131 928. Das Motorrad hat einen rotbraunen Tank und ist mit Ballonreifen, Kilometerzähler (auf den Tank montiert), Karbidlampe und Soziussitz ausgerüstet. Man vermutet, daß der Dieb einen Helfershelfer, der vorher die günstige Gelegenheit zum Diebstahl ermittelte, zur Seite hat. Einweihung des erhöhten Dünsbergiurmes ein- Meuterei auf einem englischen Dampfer. .Reuter" meldet aus Reapel, daß auf dem dort vor Anker liegenden englischen Dampfer »Halo- tis" eine Meuterei ausgebrochen sei. Der Kapitän hatte dem chinesischen Steuermann Vorhaltungen gemacht, worauf dieser tätlich wurde und dem Kapitän schwere Bißwunden bei. brachte. Als es den anderen sechs Offizieren endlich gelungen war, den wütenden Chinesen von dem Kapitän zu trennen, rief der Chinese die übrige, aus 26 Chinesen bestehende Mannschaft zu Hilse, die sich mit Messern, und anderen Waffen auf die Offiziere stürzte. Diese verteidigten sich mit Revolvern, bis italienische Miliz an Bord erschien und die Meuternden in zwei Kabinen einschloh. Das Flugschiff „Do X" ist mit 70 Fluggästen von Hamburg nach Lübeck-Travemünde gestartet. Absturz eine» deutschen Flugzeuges in China. Frische Fische - gute Fische, das gilt auch für die Zigarette. 0berft bekommen Sie überall frisch, auch im kleinsten Laden. Die rege Nachfrage sorgt für rafchen Wechsel der Bestände Das kann man lange nicht von allen Marken der 3113 Pfg.-Preislage behaupten. i b g e ft ü r 31. i, die Insassen Am gestrigen Sonntag beging der Dünsbergver- ein die Einweihungsfeier des erhöhten Aussichtsturmes. Leider maltete über dieser Veranstaltung durch die Ungunft des Wetters ein Unftern. Denn während man nach in den Morgenstunden einen schönen Tag erhoffte, setzte um die Mittagszeit ein heftiger Regen ein, der für einige Stunden anhielt und gar manchen Wanderer davon abhielt, an der Feier teilzunehmen. Nichtsdestoweniger hotte sich doch eine stattliche Schor unentwegter Dünsberg- freunbe aus nah und fern eingefunden, um sich gemeinsam an dem Anblick des wohlgelungenen Wer- kcs zu erfreuen. Die meisten Besucher hatten naturgemäß die um den Berg liegenden Dörfer gestellt, doch auch von Marburg, Wetzlar, Heuchelheim und Gießen waren Vertreter der wandervereine und Freunde des Berges auf der höhe erschienen. Eine besondere Genugtuung für den Verein war es, zwei der Spender, die Herren Dr. Gail (Gießen) und Fabrikant Rinn (Heuchelheim) begrüßen zu können. Die gehaltvolle Begrüßungsansprache hielt der Vorsitzende des Dünsbergoereins, Geh. Rat M i 11 e r m a i e r, der in längeren Ausführungen auf die Entstehung des Turmbaues und die Notwendigkeit des Umbaues bzw. der Erhöhung des Turmes einging. Er gedachte ferner mit herzlichen Donkesworten der edlen Stifter von Barmitteln und Materialien sowie der rührigen Arbeit der aus- führenden Handwerker und vor allem der uneigen- nützigen Tätigkeit des Baumeisters, Herrn Baurat Meyer. Ein deutsches Flugzeug, das in Peking gestartet war, um eine neue Flugpostlinie nach Europa ei zusliegen, ist in der Provinz Kansu abgeftür»innc 8u 10OO QR. 8538 12741 23751 33134 36096 ° rsArvnrx ««- - - 170 Gewinne zu 600 OT. 2279 6053 7668 26201 30014 30729 32913 ---------- 217155 231931 234112 236670 263533 269086 287103 316056 335646 341259 363733 369692 6 Gewinne zu 5000 M. 151929 222945 236057 ,22 Gewinne zu 3000 M. 3568 8081 35557 75264 80021 96666 159299 162111 241906 321437 398910 44 Gewinne zu 2000 M. 61156 63486 691 98 75425 96214 118289 126587 134002 163189 216990 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 100 Schlußprämien zu je 3000, 2 Gewinne zu je 200000, 2 zu je 100000, 2 zu je 75000, 4 zu je 50000, 16 zu je 25000, 90 zu je 10000. 202 zu je 5000, 432 zu je 3000, 1242 zu je 2000, 2566 zu je 1000, 4310 zu je 500, 12972 zu je 400 M. Steinheim, den 29. August 1932. 04972 Zur jetzigen Aussaat 6n81D Gießen (Carl-Vogt-Straße 22), den 28. August 1932. Langj.Zeugn.: Schriftl. Ang. 04981 an d. G. A. ÜIIIIUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII1IIIID vorh. . unt. Herbstrüben Winterspinat Feldsalat oder Nüßchen Winterkopfsalat Weißkraut Wirsing Rotkraut Frühlingszwiebeln Stiefmütterchen Vergißmeinnicht usw. Das Trauergeleit findet Dienstagnachmittag 2% Uhr vom Sterbehause aus, die Trauerfeier um 3% Uhr vor der Einäscherung in der Kapelle des Neuen Friedhofes in Gießen statt Wieseck (Gießener Str. 146), Gießen, Düsseldorf, Neustadt aud.Hdt, den 27. August 1932. MeAllzeim.SWsllig! lVermietungen] l| Mietgesuciie") «d°n so.«.. n°ch gimmerSiiiig [eSfinet i. SS la Robhaar- Matratze 3teil.nr.Kovfkeil,neu Jacauarddrell zumAussuchen Mk. 85.- von Matratzenfabrik abzugeben. Grroar= len Sie unfern Vertreter. Schr. Ang. u. 6084Va.d.Gieb.Anz. Die trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Rothamel Ernestine Rothamel. Schriftl. Ang. unt. 04977 an d. G. A. In stiller Trauer : Die Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 30. August, nachmittags 2% Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt _____6079 D Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Anteilnahme sowie die zahlreichen Kranz- und Blumenspenden beim Heimgange unseres lieben Kindes sagen wir auf diese Weise herzlichen Dank. Lehrer Sommer und Frau. Samenhaus Heinr. Hahn Bahnhofstraße, Ecke Wolkengasse — Tel. 3403 Herbst-Preisliste zu Diensten 6ob3a Todes-Anzeige. Unsere gute Mutter Frau Lina Rothamel Ww. geborene Stieber ist uns heute nacht plötzlich und unerwartet im Alter von 72 Jahren durch den Tod entrissen worden. Wörfshofer„Herz-Tee“ gegenHerzschwäche, Herz!., Herzwassersucht usw. hochwirkf. GallsnslRin-Leidende Sichere Hilfe bringt „Ravhanose^! Berichte undGutachten fordern. 04975 Kräuterbaus Jung in der Schulstr., Fachgeschäft für Gesundheitspflege^ la Matratze (Kapok), 3teilig mit Äovfkeil, neu, Iac- auarddrell, z. Aussuchen Mk. 48.- oon Matrabenfabrik abzugeb. Erwarten Sie bitte unsernVer- treter. Schr. Ang. u. 6084Va.d.Gieß.Anz. 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