Ur. 150 Erstes Blatt 182. Jahrgang Mittwoch, 29. Juni 1952 (Er| djetnt täglich, aufzer Sonntags und Feienogs. Beilagen: Die ünuftrierte (Bteftener Familienblatter Heimat im Bild ■ Die Schall« monats Be$ugsprtl$: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen van einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Kernsprechanlchlüfe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach. richten Anzeiger Gieße». poftschecNanta: STOnffeh am Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnrck und Verlag: vrühl'sche Univer^air-Vvch. und Stcinöruderei L Lange tn Gletzen. Schnftleitnng und Geschästrstelle: 5chulstrafte 7. Annahme von Anzeige, für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen van 27 nun Breite artlich 8, auswärts 10 Neichspfennig; für No» klameanzeigen von 70 mm Brette 35 Neichspfennig, Platzvorschrift 20*. mehr. Ehefredabteur Dt. Fnedr. Wilh Lange, verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H Tbyrial; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen Oie Sklareks. Ernste Gedanken zu einem ernsten Prozetz. Es geht nicht um die Gebrüder Leo und. Willy Sklarek, die jetzt nach einem neun Monate langen Prozeß auf je vier Jahre ins Zuchthaus geschickt werden. Es geht auch nicht allein um die Berliner Stadtbankdirektoren, Stadtamtmänner, Stadträte, Stadtbuchhaller und die zwei Bürgermeister, die wegen Betrugs, passiver Bestechung und Urkunden- fälschung samt und > nders in das Gefängnis wandern. Es geht um mehr! Denn der Sklarek-Prozeß Leo (Mitte) und Willy Sklarek (rechts) vor dem Sitzungssaal. Unten links der kommunistische Berliner Stadtrat Gäbel, früher Aufsichtsratsvorsitzender der Städtischen Kleideroertriebs-Gesellschaft. ist kein Einzelfall, über den man hinweggehen könnte, nachdem die Justiz ihr Urteil gesprochen hat, sondern er ist ein Symptom dieser Zeit. Es würde zwar zu weit führen, wenn man behaupten wollte, jede Stadt habe in den letzten 5 Fahren ihren „Fall Sklarek" gehabt. Dennoch ist der Geist, der sich im Verlaus der neun Berliner Prozeßmonate offenbarte, im letzten Jahrfünft in ganz Deutschland umgegangen und hat die verhängnisvollsten Verwüstungen angerichtet. Die Sklareks haben noch in ihrem Schlußwort beteuert, sie seien unschuldig. Man kann ihnen diese Steuerung ruhig glauben, aber gerade dieses Gefühl der Schuldlosigkeit ist es, das die Methode und die Verfehlungen der Sklareks und ihrer korrupten Trabanten zu einer Allgemeinbedeutung erhebt. Die Inflation hatte die moralischen und materiellen Grundlagen des deutschen Volkes erschüttert. Der Rausch der Zahlen war über die Menschen gekommen. Das Maß für die echten Werte war verlorengegangen. Alles schien käuslich geworden zu sein. Das plötzliche Ab- stoppcn des Währungszersallcs vermochte dem Zerfall der sittlichen und seelischen Grundlagen, aus denen allein Staat und Gemeinden ausbauen können, nicht Einhalt zu tun. Im Gegenteil, die eigentliche Verstosslichung der inneren Güter begann erst in dem Augenblick, als eine verantwortungslose Pump- und Anleihcwirtschaft Deutschland mit geborgtem Gelde überschwemmte. Kein Mensch zerbrach sich den Kops, ob dieses Geld auch produktiv angelegt werde. Riemand dachte an die Stunden, wo unerbittliche Gläubiger die Einlösung der Wechsel betreiben würden. Ein jeder lebte von heute auf morgen und machte sich keine Gedanken über die Zukunft. Ohne daß es äußerlich erkennbar wurde, traten die soliden Eigenschaften des Pflichtbewußtseins, der Sparsamkeit und Genauigkeit in Gelddingen zurück. Wer sich zu diesen Eigenschaften bekannte, machte meistens nur eine schlechte Karriere. Glücksritter und Spekulanten kamen hoch und erfüllten Deutschland mit ihrem schwindelhaften Optimismus. Wir haben in den letzten zwei Jahren ja nicht nur den „Fall Sklarek", sondern unzählige andere Zusammenbrüche erlebt. Es fei hier nur an die übrigen großen Skandalprozesse der letzten Zeit erinnert. Einer von ihnen, die Verhandlung gegen die Brüder Lahusen, die unmittelbar vor ihrem Bankrott sich einen ungeheueren Erholungspalast ausbauen ließen, steht uns noch bevor. 'Der „königliche Kaufmann", der solide Geschäftsmann, der pflichttreue Beamte, der korrekte Kassierer, der verantwortungsbewußte 'Bürgermeister. es gab sie zwar alle noch und sie arbeiteten schweigend mit zusammengebissenen Zähnen, um das Schlimmste zu verhindern. Das Gesicht der Zeit aber bestimmten sie nicht. Dieses Gesicht schaute uns aufdringlich und fratzenhaft auS jener Schicht entgegen, die ein neues Zauberwort gefunden hatte, nachdem sich Geschäft und Privatleben vollzog. _ . „ Dieses neue Zauberwort hieß „Repräsentation". Bei den Sklareks erfolgte die Repräsentation lediglich mit äußerster Plumpheit, während sie sich in anderen Fällen feiner und kultivierter vollzog. Bei den Sklareks wurde „der Sekt aus Kübeln getrunken und Kaviar mit Löffeln gefressen". Ein Rittergut muhte gekauft werden, damit die bestochenen Stadtbankdirektoren dem edlen Weidwerk frönen konnten. Kommunist'.sche Stadträte schlemmten in Luxuslokalen und liehen die Rechnung den Sklareks überweisen. Bürgermeister brachten es nicht übers -• 5jera. ihre Gattinnen anders als in halb geschenkten Rerz- mänteln ausgehen zu lassen. Solcher Beispiele hat der Prozeh viele 'erbracht. Aber anstatt in billige Entrüstung zu fallen, sollten sich alle Verantwortlichen des letzten Jahrfünfts einmal ihre eigenen Sünden ins Gewissen rufen. Kost- Frankreich bleibt stur. Oie Franzosen suchen heute schon die Schuld für ein Scheitern der Konferenz Französischer Zweck-Pessimismus Teutjchiand in Nebercinstnnmung mit England und Italien. £ a u f a n n e, 28. 3uni. (DIB.) von französischer Seite wird über den Eindruck der heutigen deutsch- französischen Verhandlungen erklärt, daß die Stimmung gedrückt und ernst fei. Der Stand der Dinge werde als ein Rückschlag empfunden, avchbeiMacdonald, der sich wirklich um eine Hilfeleistung bemühe. Ls feien sehr schwierige Besprechungen, die sich auch auf politische Fragen erstreckt hätten. Der Reichskanzler habe offenbar von Berlin ein imperatives Mandat mitgebracht. Seine Vorschläge seien ungenügend. Frankreich sei verständigungs- und oersöhnungs- berelt nach Lausanne gekommen, und es fei auch bereit, seine Geldansprüche aufzugeben, wollte aber den Rechtstitel behalten, um ihn zu gegeben erscheinender Zeit zu gebrauchen. Es wäre bereit, diese geldlichen Ansprüche aus- zutaufchen gegen ökonomische Vorteile oder eine Vergrößerung der französischen Sicherh^i,t, die da» Volk verlange. Gegenüber- diesem französischen versuch, d i e verantwortungfüreinetwaiges Scheitern der Konferenz auf Deutschland zu schieben, wird aus Kreisen der deutschen Delegation darauf hingewiesen, daß die deutsche Stellungnahme zur Frage der Streichung der Reparationen durchaus mit den Ansichten der italienischen und englischen Regierung überein st immt. Die Reichsregierung hat neben ihrer Erklärung zur Begründung der Forderung auf Streichung der Reparationen einen positiven plan entwickelt, in dem im Rahmen de» graften Wiederaufbaues Deutschland sich bereit erklärt habe, aktiv mitzuwirken, und hat die französische Delegation aufgefordert, ihrerseits dazu Stellung zu nehmen. Eine diesbezügliche Erklärung von französifcyer Seite ist bisher nicht erfolgt. Oer tatsächliche Sachverhalt. Eine offizielle Darstellung der deutschen Delegation. Lausanne. 29. Juni. (WTB. Funkspruch.) Die Darstellung, die die französische presse über die gestrigen Verhandlungen der französischen, britischen und deutschen Delegation gibt, ist irreführend. Der tatsächliche Sachverhalt ist der folgende: auf Deutschland abzuwälzen. Schon in seiner ersten Rede in der Plenarsitzung hat der R e i ch »k a n z l e r betont, daft c» im Interesse der Wiederherstellung normaler Wirtschafts- Verhältnisse unumgänglich fei, mit dem System der Reparationen Schiuft zu machen und au» eben diefen Gründen eine w ie immer geartete Schiuftzahtung Deutschland» nicht in Frage kommen könne. Al» in den privaten Besprechungen unter den velegationssüh- rern der englische Premierminister den Reichskanzler daraus hinwie», daß die Forderung einer Anzahl von Delegationen aus die Zahlung einer Lndeeulschädigung hinauslaufe, hat der Reichskanzler am 20. Juni Herrn Macdonald au»- einanbergefeftl, weshalb und warum Deutschland einer solchen Schiuftzahtung nicht ; u ft i m - men könne. In der gestern stattgefundenen Verhandtung zwischen der britischen, ftanzösischen und deutschen Delegation richtete Macdonaid die Frage an den Reichskanzler, ob er seinerseits nicht irgend etwas tun könne, um eine Lndtösung herbeizuführen. Der Reichskanzler hat daraufhin ausgeführt: Lausanne, 28. Juni. (XU.) In englischen Kreisen wird in schrofsem Gegensatz zu der geradezu panikartigen Stimmung, die von französischer Seite Dienstagabend verbreitet wird, die Lage der Konferenz als keineswegs hoffnungslos bezeichnet. Die Verhandlungen seien Dienstag durchaus freundschaftlich verlaufen. Die Verhandlungen gingen Weiler und würden voraussichtlich bis Mitte nächster Woche b Fh e i n dauern. Zwar wären die Gegensätze noch außerordentlich groß: es bestehe jedoch nach den Dienstagverhandlungen durchaus der Eindruck, daß man gegenüber der Lage der letzten Tage etwas weiter gekommen fei. Man werde jetzt wiederum die offizielle Konserenz- maschine in Gang sehen und einen Unterausschuß einsetzen, um in engstem Rahmen eine Ueberbrudung der Gegensätze zu finden. Für die Erklärungen von französischer Seite, daß der A b - bruch der Konferenz nunmehr unvermeidlich geworden sei, zeigt man in Kreisen der englischen Delegation wenig Verständnis und ist eher optimistisch gestimmt. Man scheint die französische Stimmungsmache taktisch zu bewerten. Auch nach Berichten der Londoner Morgenpresse aus Lausanne ist die Stimmung in den Da» vertrauen der Welt könne nur wieder brr gefiel II werden, wenn die Siegermächle sich entfcblieften würden, die Diskrimination de» Versailler vertrage» zu beseitigen. wenn die Gleichberechtigung De u t s ch la n d » hergcstellt werde, bann würde der Reichskanzler es für möglich halten, daß Veutfchland an der allgemeinen Anstrengung zum Wiederaufbau der Weitwirlfchast seinen Anteil in Form eine» Beitrages zahle, der selbstverständlich die vollkommene Wiederherstellung de» wirtschaftlichen Gleichgewicht» zwischen Deutschland und der Welt zur Aufgabe habe. Zu diesem Lommunlqus stellt der Sonderberichterstatter de» OB. In Lausanne au» Kreisen der deutschen Delegation fest, daß d i e Haltung der französischen Delegation bisher keine Ansätze für großzügige, im Interesse Europa, und der ganzen weit liegende Lösung im Sinne der Ausführungen zeigt, wie sie in dem Eommuniqus wiedergegeben sind. Kreisen der britischen Delegation keineswegs überschwenglich, aber doch Hoss- nungsvoll. Man glaubt, daß die britifdxn Vermittlungsbemühungen gestern eine leichte Besserung der Atmosphäre geschaffen haben. Der Reuter-Korrcspondenl in Lausanne sagt, es "Id natürlich nicht ausgeschlossen, daß d i e F r a n* zosen absichtlich den Ernst der Lage übertreiben, um einen Druck auf die Deutschen auSzuüben. — ..Times" berichtet, die brit.sche Delegation habe grundsätzlich zu der Politik der völligen Schuldenlöschung gestanden, habe aber di« französischen Schwierigleiten anerkannt und möglichst direkte französisch-deutsch« Besprechungen angeregt, die keineswegs entmutigend begonnen hätten. Rach der Rückkehr der beiden Delegationssührer aus Berlin bzw. Paris habe sich allerdings wahrscheinlich infolge des Druckes der öffentlichen Meinung ihrer Länder, ein gewisser Rückschlag bemerkbar gemacht. — „Mor- ning Post" ist der Meinung, daß di« Haltung Washington - die Franzosen ermutige, energischer auf dem zu behorren, was sie für berechtigte Forderungen halten. Die Engländer weiter hoffnungsvoll. spiclige Verwaltungspaläste für Krankenkassen entstanden. Riesige Stadien wurden gebaut, sinnlose Fabriksanlagen entstanden, an die Stelle bewährter Einsachheit trat Protzenhafter Luxus, jedes Gefühl für Würde war verloren gegangen. Das ganze Volk schien vergessen zu haben, daß eine besiegte und gedemütigte Ration nur eine „Repräsentation" und einen Lebensstil zu zeigen habe, nämlich den einer stolzen und ungebeugten Rot. Das Ende ist da. Zwischen grauen Mauern ziehen 6 Millionen Arbeitslose zu den Stempelstellen. Die Luxusstatten liegen verödet. Aeußerste Sparsamkeit vermag vielleicht noch den Zerfall der gesamten Ordnung zu verhindern, wenn sie im Verein mit den anderen Tugenden, die von jeher ein Volk groß gemacht Haden nämlich Einfachheit, Arbeils- sreude und Pflichterfüllung in den Aemtern wie in den Privatbureaus, in den Familien wie im Staat ihren Einzug halten. Das menschliche Treibholz, das unbeschwerten Herzens und ohne Charakter von den trüben Wirbeln der Zeit wie leichter Kork hochgespült worden war, sinkt ins Wesenlose zurück. Der Karneval des deutschen Nachkriegs ist aus. hinter den Sklareks schließt sich das Zuchthaus. Dor dem deutschen Volke aber tut sich ein nebel. und dornen- reicher Weg auf, an dessen Ende die Freiheit winkt. Warum der Hessische Landtag für ungültig erklärt wurde. Tas Urteil des Ltaatsgerichtshofs. Darmstadt, 28. Juni. (WER.) Dieser Tage ist das Urteil in Sachen der Landtagsanfechtung den Beteiligten z u g e st e l l t worden. Der Hessische Staatsgcrichtshos begründet seinen Spruch vom 9- Mai 1932 damit, daß durch die Beteiligung der Wirtschaftspartei bei der Wahl vom 15 Rovcmber 1931 die Deutsch« Volkspartei durch die Listcnverbindung einen S i h mehr erhalten hätte. Dies wäre von einer weitgehenden politischenDedeutung gewesen. Das Urteil führt wörtlich aus: Die Mehrheitsverhältnisse im Landtag sind äußerst labil; die Verschiebung um ein Mandat kann wesentliche Veränderungen seines politischen Gesichts bringen. Rachdem der Abg. Schäfer aus der RSDAP. ausgeschieden ist. hat letztere von den 70 Abgeordnetensitzen des Landtags noch 26. Gewinnt die DVP- ein Mandat, so verliert es die kommunistisch« Partei, die zur Zeit 10 inne hat. Eine Mehrheitsbildung der Kommunisten und der RSDAP., die gerade in Arbeiter- und wirtschaftlichen Fragen, namentlich in den Ausschüssen, öfters zusammengehen, ist nicht mehr möglich. Ferner könnten dann DVP, Landbund und Ehristlich-Svzialer Volks- dienst eine Fraktion von fünf Mitgliedern bilden, die an den Ausschüssen zu beteiligen wäre, und deren Stimme unter Umständen entscheidend sein konnte. Jedenfalls würde dieser Zusammenschluß, dessen Glieder jetzt einflußlos sind. Einfluß gewinnen, alles Auswirkungen im politischen Gesamtbild, die die Verschiebung auch nur eines Mandats herbeiführen kann. Also auch von politischen Gesichtspunkten aus betrachtet, ist der ansechten- den Partei nicht nachgewiesen, daß das Wahlergebnis durch die Verletzung wesentlicher Wahlvorschriften nicht beeinträchtigt werden konnte. Die angefochtene Wahl ist sonach für ungültig zu erklären. Sozialdemokratie und proletarische Einheitsfront. Berlin, 28.Juni. (ERB.) Der sozialdemokratische Parteworstand nimmt in einem Rundschreiben an die Bezirksleitungen zur Frage der Einheitsfront Stellung Das Schreiben bezeichnet die „antifaschistische Aktion" der KPD. als eine antisozialdcmokratische Aktion. Aus- drücklich bestätige das Rundschreiben des ZK., daß auch in den gegenwärtigen Kämpfen der Hauptstoß gegen die Sozialdemokratie zu richten sei. Daraus ergebe sich, daß die KPD. die „oroletarische Einheitsfront" in der Tat gar nicht wolle. Der Parteivorstand warnt deshalb alle örtlichen Organisationen vor lokalen Verhandlungen mit der KPD., die nur Verwirrung schaffen müßten. Oer Inhalt der neuen Notverordnung. Allgemeine Uniform» und Tcmonstrations» verböte werden außer Äroft gesetzt. Berlin, 29. Juni. (ERD.) Einig« Blätter — so Deutsche Allgemeine Zeitung und Dossilche Zeitung — berichten bereits Einzelheiten über den Inhalt der neuen Rotverordnung zur Bekämpfung politischer Ausschreitung e n, die heute im Reichsgesetzblatt veröffentlicht werden soll. § 1 ermächtigt die Landesregierungen , politische Umzüge und Versammlungen unter freiem Himmel dann zuverbieten,wenn die öffentliche Sicherheit gefährdet ist. Das gilt aber nur für besonders ab* begrenzte Ortsteile und in besonderen Einzelfällen. Dadurch werden die weitergehenden Verbote allgemeiner Ratur außer Kraft gesetzt. Dasselbe gilt für das Uniform* verbot. Rurbei akuter Gefahr im Ein* zelfall können die Länderpolizeibehörden Uniform* verböte aussprechen. Die allgemeinen Uni* formverböte werden außer Kraft gesetzt. Der Reichsinnenminister ist ermächtigt, etwa neu erlassene allgemeine Verbote auszuhebeir. § 2 ermächtigt den Reichsinnenminister, s ü r das ganze Reich und auch für einzelne Teile DersammlungS- und Uniformverbote auSzuspre- chen, sowie die erforderlichen Strafen zu verhängen. § 3 gestattet die polizeiliche Beschlagnahme und Einziehung von Plakaten, Flugschriften oder Flugblättern, in denen zu Gewalttä* tigkeiten ausgefordert wird. Die Verordnung, die der Reichsinnenminister außerdem zurRegeluna des Demonstra* tionswesens erlassen hat, stützt sich auf § 4 Absatz 2 der Verordnung vom 14. Juni, wodurch der Reichsinnenminister belügt worden war, «ine Anmeldepflicht für Demonstrationen amu* ordnen. Die Anmeldepflicht wird nunmehr allgemein ausgesprochen, und zwar f ü r das ganze Reich. Alle öfsentlichen politischen Versammlungen sowie alle Versammlungen und Umzüge unter freiem Himmel müssen spätestenszwei Tage vorher angemeldet Werdern Solche Demonstrationen können im Sin- zelfall verboten werden, wenn Gefahr t m Verzüge ist. Statt eines Verbots können solche Veranstaltungen auch mit ganz bestimmten Auslagen gedacht werden. DaS Genfer DelegationSmitglieb Dr. Fritz Horben gestorben. Dr Fritz Rorden, der — wie gemeldet — am Sonntag von einem Motorradfahrer angefahren wurde, ist feinen schweren Verletzungen erlegen. Die deutsche Delegation verliert in Dr. Fritz Rorden. der seit 7 Jahren den Ab- gehorte und auf fast allen internationalen Konferenzen der Rachkriegszeit als juristischer Sachverständiger und Dolmetscher der deutschen Delegation mit großem Erfolg wirkte, einen hochgeschätzten Mitarbeiter, Aus aller Welt. Versuchsballons in die Stratosphäre. Vom Hofe des Physikalischen Instituts der Tech- Nischen Hochschule Stuttgart aus wurden von Prof. Regan er zu Versuchszwecken Hohen, ballons losgelassen, die aus drei Ballons bestanden und mit einer Leine verbunden waren. Die mit Wasserstoffgas gefüllten Ballons hmgen übereinander und hatten ungefähr Zwei Meter Durchmesser bei einem Abstand von vier Meter. IN der unten angebrachten Mcßgondel war das Meßgerät für die Versuche enthalten, das durch besondere Schutzvorrichtungen gegen eine Kälte von minus 60 Grad geschützt worden war. Die Ballons stiegen rasch in die Höhe und waren bereits nach 10 Minuten nicht mehr sichtbar. Rach einer Flugzeit von zwei Stunden 50 Minuten landeten die Ballons bei Gerstette, Oberamt Heidenheim. Bei der Auffindung der Ballons war das Meßgeräte leicht beschädigt, was die Registrierung der Höhenkurven und deren Ablesung sehr erschwerte. Trotzdem konnte festgestellt werden, daß die Ballons in die Stratosphäre eingedrungen sind und eine Höhe von mehr als 2 0 0 0 0 Meter er« reicht haben. Großseuer in Stagen. Die dänische Stadt Skagen wird von einem großen Brande heimgesucht, der in einer Fischkonservenfabrik am Hafen ausbrach. Die Lagergebäude der Konservenfabrik sind bereits vollständig niedergebrannt. Die Feuerwehr von Frederikshavn wurde herbeigerufen,. um gemeinsam mit der Skagener Feuerwehr das Feuer zu begrenzen. Die Konservenfabrik ist nicht mehr zu retten. Außerdem sind aber die Schiffs- werftenundderganzeHafenvondem Feuer bedroht, ebenso die Dillen am Hafen, da eine ziemlich starke Brise weht. Die Arbeiter der Schiffswerften beteiligen sich an den Löscharbeiten. Blutige Zusammenstöße in Staßfurt. 3n Staßfurt kam es bei der Beerdigung des erschossenen Kommunisten Lei - nung zu schweren Zusammenstößen zwischen der Polizei und Kommunisten. Etwa 1500 Personen, die aus der ganzen Umgebung zusammengezogen waren, nahmen an der Beerdigung teil und bildeten beim Rückmarsch einen geschlossenen Zug. Da der Friedhof sich auf anhaitischem Gebiet befand, hatte die Polizei zunächst gegen diesen Marsch nichts einzuwenden. Als jedoch der Zug auf preuhischesGebiethinübermarschierte, griff die Polizei, verstärkt durch Landjägereibeamte ein und versuchte den Zug zu zerstreuen. Die Kommunisten setzten sich jedoch zur Wehr, so daß schließlich die Polizei gezwungen war, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Drei Kommunisten wurden getötet und sieben weitere verletzt. Die Polizei nahm eine Verhaftung vor. Die Polizei gegen Kohlenplünderer im Ruhrrevier. Die Polizei mußte gegen Kohlenplünderer vorgehen, die von den Zechenhalden der Schachtanlage IV/V1II der Vereinigten Stahlwerke in Weiderich Kohlen w eg z u s ch l e p p e n versuchten. Das Überfallkommando wurde aus dem Hinterhalt beschossen und muhte das Feuer erwidern. Es wurden 50 Personen festgenommen. Ob unter den Kohlendieben sich Verwundete befinden, konnte noch nicht festgestellt werden. Jugendliche Raubmörder. Die Bluttat an dem Futtermittelhändler Reyerhardt in Berlin, der am 22. März er* fchossenundberaubt worden war. fand ihre gerichtliche Sühne. Wegen gemeinschaftlichen Totschlags in Tateinheit mit versuchtem schwerem Raub verurteilte das Schwurgericht den 22- jährigen Feinmechaniker Rühlow zu zwölf Zähren einem Monat Zuchthaus und fünf Zähren Ehrverlust und den noch nicht ganz M'sabeih erobert sich das Glück Vornan von Margarete Anlelmann Copyright by M. Feuchtwanger, Halle. 22 Fortsetzung. Rachdruck verboten I Elisabeth war außer sich. Dieser Mann war wahnsinnig. Gab es denn keinen Ausweg, sich von ihm zu befreien? Da fiel ihr Blick wie zufällig auf die Tür. Sie sah Eckertsburg, sah, daß er ihr heimlich Zeichen machte. Eine unsagbare Erleichterung kam über sie. Der Freund war in der Rähe, jetzt war sie gerettet. Er würde ihr helfen, Lampert zu beruhigen. Gütig beugte sie sich $u dem erregten Manne nieder. Man durfte ihn letzt nicht reizen, Eckertsburg wußte das auch, hielt sich deshalb Wohl im Hintergrund. „Stehen Sie auf, Herr Lampert. Lassen Sie uns vernünftig reden. Sie wissen, daß wir uns ohnehin bald trennen müßten. Bald verlasse ich Leipzig, um ins Engagement zu gehen. Und dann, ich habe Zhnen schon früher gesagt, daß es für mich nichts anderes gibt als meine Kunst, daß kein Mann in meinem Leben ist. Sie müssen verständig sein und das einsehen, müssen Zhrer Leidenschaft Herr werden." „Zch liebe dich, ich kann dich nicht aufgeben." „Sie lieben mich nicht, sonst würden Sie mich nicht so quälen. Sonst würden Sie keine Gefühle von mir fordern, die ich nicht empfinde." „Elisabeth, treibe mich nicht zum Aeußersten mit deiner Sprödigkeit! Zch liebe dich, wie ich noch nie zuvor eine Frau geliebt hatte. Meine Gedanken haben keinen Raum mehr für etwas anderes als für dich..." Mit katzenartiger Geschwindigkeit hatte er sich plötzlich aufgerichtet, umklammerte Elisabeths Leib, suchte ihren Mund. Elisabeth fuhr zurück, schlug ihm mitten ins Gesicht. Zn diesem Augenblick stand Eckertsburg im Zimmer, umklammerte den Maler mit seinen Armen wie mit einem Schraubstock. Zischend kam es aus dem Munde Lamperts: Oh so stehen die Dinge!? Deshalb hast du keinen' Blick für mich, kein gutes Wort. Der hier, der Reiche hat den Vogel abgeschossen. Zch Tölpel, daß ich nicht von selbst darauf gekommen bin!" Herr Lampert, ich muß Sie bitten, Fräulein Pfilipp jetzt zu verlassen. Sie werden selbst ein- sehen daß nach diesem Auftritt jede Verbindung zwischen diesem Haufe und Zhnen abgeschnitten ist " Oh — Sie — Sie — Glauben Sie, weil Sie mir geholfen haben, mühte ich jetzt vor Zhnen zurücktreten? Müßte ich Zhnen die Frau überlassen, die ich liebe? Sie glauben, alles tmt 9er Reichsetal vom Aeichsrat angenommen. Berlin, 28.Juni. (VDZ.) Bei der Beratung des Reichsetats für 1932 im Reichsrat erörterte der Generalberichterstatter Dr. Brecht ausführlich den Umfang der Ersparnisse im Etat. Rur der kleinere Teil von den Ersparnissen entfalle auf die Reparationen. Auch ohne Reparationen würden die Ausgaben für 1932 gegen 1930 und 1928 noch um 20 Prozent gesenkt. Die Gesamtnetto- ausgaben des Reiches umfassen 1932 rund 8,173 Milliarden Mark, von denen 1,870 Milliarden Mark auf Ausgabe für d i e Liquidation des Krieges entfallen. Weitere 1,347 Milliarden verteilen sich auf den S ch u l d e n d i e n st und die Aufgaben der Finanzoerwaltung einschließlich der Versorgung. Für Reich und Länder verbleiben danach 4,956 Milliarden. UeVerweisungen an d i e Länder und Gemeinden seien in Höhe von 2,961 Milliarden Mark vorgesehen einschließlich 652 Millionen Mark für Wohlfahrtsbeihilfen. Jür die engeren Sachausgaben des Reiches verbleiben mithin 1,995 Milliarden, weniger als Frankreich, England oder Amerika jedes einzeln für ihre Wehrmacht ausgeben. Die Steuern blieben trotz der inzwischen neu ein- geführten Abgaben um ein Viertel unter dem Höchststand von 1928. Wesentlich schlimmer hätten sich noch die Einnahmen der Länderund Gemeinden entwickelt. Die Steuerüberweisungen des Reiches an Preußen seien beispielsweise für 1932 gegen 1930 und 1928 um f a ft 40 Prozent g e - funken. Der Reichsrat sei nicht in der Lage gewesen, über die Bestimmungen zur Gestaltung der Einnahmen zu beschließen, weil bereits erlassene Ausnahmeverordnungen Vorlagen. Die Steuerschätzungen des Reiches bei der Umsatzsteuer seien für die letzten 200 Millionen Mark äußerst Zweifel* haft. Auch bei der Lohnsteuer und anderen verdienten die Schätzungen ein Fragezeichen. Die Reichsregierung sei sich dieser Gefahrenpunkte durchaus bewußt. Dazu komme, daß weitere Ausgaben auf verschiedenen Gebieten zu erwarten seien, und daß, wenn die unbedingt erforderliche Arbeitsbeschaffung jetzt zum Teil im Kreditwege finanziert werde, im kommenden Jahr höhere Beträge zur Rückzahlung fällig würden. Das Bedenkliche an diesem Zustande sei, daß höhere oder neue Abgaben auch für den schlimmsten Fall kaum mehr in Reserve ständen. Die Reichsregierung habe geglaubt, die Vorschriften des Osthilfegesehes nicht durchführen zu können. Die Reichsregierung habe für die Siedlung in Verbindung mit der Umschuldung statt der gesetzlich vorgeschriebenen 50 nur 30 Millionen Oliarl, zur Erleichterung kommunaler Lasten statt 30 Millionen 27 Millionen Mark, für Frachterleichterungen statt 12 Millionen 9 Millionen Mark und für sonstige wirtschaftliche usw. Maßnahmen statt 20 nur 10 Millionen Mark eingestellt. Die ReichsratsauS- fchüsse hätten beschlossen, die Ansätze für die Ostsiedlung um 12 Millionen, für kommunale Lasten- und Frachterleichterungen um je 1 Million Mark, für sonstige Maßnahmen um 3 Millionen Mark, ferner für den Westfvnds um 2 Millionen Mark zu erhöhen. Zur Deckung der erhöhten Ansätze hätten die Ausschüsse beschlossen, in diesem Zahre 20 Millionen für Einlösung von Rentenbankscheinen zu streichen. Der Generalberichterstatter beantragte dann, dem Etatentwurf für 1932 mit den von den Ausschüssen beschlossenen Aenderungen zuzustimmen. Staatssekretär Zarden: Die Reichsregierung dankt dem Reichsrat für die schnelle Verabschiedung des Etats. Da die bisherige vorläufige Regelung am 30. Zuni ab» läuft und eine Verabschiedung durch den neuen Reichstag erst in Monaten möglich ist, wird die Reichsregierung ihn vorbehaltlich der Feststellung als Gesetz jetzt als Plan durch Rotverordnung in Kraft setzen. Die Reichsregierung wird sich nunmehr den organisatorischen Aufgaben, die sie sich gestellt hat, und der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zuwenden. Sobald die deutsche Delegation aus Lausanne zurückgekehrt ist, wird die Reichsregierung in entscheidende Beratungen über die gesamte Materie, die während der vergangenen 14 Tage bereits tatkräftig gefördert worden ist, eintreten und die entsprechenden Maßnahmen bekanntgeben. Keichsimienmimster Freiherr von Gayl: In Anbetracht der Finanzlage des Reiches, jedoch nur unter Hintansetzung allergrößter Bedenken, hat sich die Reichsregierung genötigt gesehen, für das Rechnungsjahr 1932 die in den Bestimmungen des Osthilfegesetzes feftgetegten Mindestbeiträge für vermiedene Osthilfemaßnahmen herabzusetzen. Der jetzige Ausfall gegenüber dem Osthilfegesetz soll jedoch durch Nachbewilligung wieder ausgeglichen werden, sobald die Finanzlage des Reiches dies gestattet. Damit werden der Bevölkerung Ostpreu- ßens die durch das Fünfjahresprogramm des Osthilfegesetzes vorgesehenen Bewilligungen im Endergebnis gesichert bleiben. Vor allem soll die Erleichterung der kommunalen Lasten nach dem Stichtag vom 31. März 1931 im bisherigen Umfange auch im Rechnungsjahre 1932 gewährleistet werden. Gegebenenfalls wird die gegenseitige Deckungsfähigkeit der Titel etwa auftretende Härten durch Ergänzung aus anderen Teilen des Programms wett- machen. Die Reichsregierung hält auch jetzt die Zusagen des Osthilfegesetzes aufrecht, muß jedoch die Ausführung der in Aussicht genommenen Maßnahmen nach Maßgabe der vorhandenen Mittel auf günstigere Haushaltsjahre verteilen. •v Da aus der Mitte des Reichsrates keinerlei Wortmeldungen Vorlagen, wurde der Reichsetat ohne weitere Abstimmung als vom Reichsrat angenommen festgestellt. 18jährigen und daher unter das Jugendgesetz fallenden Arbeiter Zepernick zu sechs Zähren einem Monat Gefängnis. Die Schußwaffe in Kinderhand. Ein bedauerlicher Unglücksfall trug sich in Dresden-Zschertnitz zu, wo auf der Münzmeisterstraße fünf Knaben mit einerLuftbüchse nach einer Scheide schossen. Ein unversehens losgegangener Schuß traf einen elfjährigen Spielgefährten mitten ins Herz: er brach sofort totzusammen. Die Friedhofsschänder von Dessau — zwei Knaben. Die Polizei hat zwei der an den Friedhofsschändungen Beteiligten gefaßt. Es handelt sich um zwei Schüler im Alter von 11 und 12 Zähren. Sie geben die Tat zu, wollen aber Zhrcm Geld abtun zu können: auch dieses Mädchen haben Sie gekauft..." „Hinaus jetzt! Sonst vergesse ich mich!" Der Maler hatte sich aus der Umllammerung Eckertsburgs befreit, stürzte sich jetzt auf Elisabeth. Mit einem Schrei flüchtete Elisabeth in eine Ecke des Zimmers. Zhr Herz schlug rasend. Wie entsetzlich das Ganze war! Unb Eckertsburg war dabei, mußte das alles mit anhören, mußte glauben, daß sie dem Maler ein Recht gegeben hatte, sie so zu behandeln. Ehe Lamperts Elisabeth erreichen konnte, hatte Eckertsburg ihn wieder eingeholt. Gleich Schraubstöcken lagen seine Hände um Lamperts Arme gekrallt. Unheimlich ruhig war seine Stimme, als er jetzt sagte: „Zetzt ist es genug. Augenblicklich verlassen Sie das Zimmer, Herr Lampert! Uni) ich rate Zhnen, sich vor mir nie wieder blicken zu lassen. Zch könnte mich sonst an diese Szene erinnern, und das würde Zhnen nicht gut bekommen." Der Maler erwachte aus seiner Raserei, sah ein, daß er verspielt hatte. Ohne ein weiteres Wort ging er der Tür zu, einen letzten Blick auf Elisabeth werfend. Wenige Sekunden später hörte man die Korridortür ins Schloß fallen. Vierzehntes Kapitel. Elisabeth Pfilipp war schwer erkrankt. Eine heftige Rervenkrise hatte sie befallen. Zhr zarter Körper hatte die Aufregungen der letzten Tage nicht ertragen können. Dange Wochen folgten. Frau Schelmer war sofort zurückgekehrt, teilte sich mit einer Schwester in Elisabeths Pflege. Eckertsburg verließ selten die Wohnung, verbrachte viele, viele Stunden an Elisabeths Bett. Der stolze, blasierte Mann lernte zum ersten Male in seinem Leben kennen, was es hieß, um einen geliebten Menschen zu bangen, denn es war ihm in diesen Stunden klargeworden, daß er Elisabeth Pfilipp liebte, vom ersten Augenblick an, da er sie bei Professor Walter gesehen hatte Sie war ganz plötzlich in sein abgeschlossenes, verhaltenes Leben getreten, ganz anders als jene Frauen, mit denen er zuvor zu tun gehabt hatte. Lchre Scheu, ihre Zurückhaltung, ihre Mädchenhaftigkeit waren es, die ihn völlig bezaubert hatten. Er liebte sie, und diese Gewißheit erfüllte ihn mit Seligkeit. Aber — es war eine Liebe, die sich wohl nie erfüllen würde. Er war ein alter, verbrauchter Mann, vom Leben hin und hergeworfen, Es^ war unmöglich, daß dieses jugendfrische Geschöpf seine Liebe erwiderte. Sie würde die Seine werden, sicher. Aber nicht aus Liebe, aus Dankbarkeit nur. Und das war ein Gedanke, den er nicht ertragen würde. Lieber wollte er seine Liebe in sich verschließen, nichts anderes wünschen, als den Weg des geliebten von einem größeren Burschen angeführt worden sein. Urteil im Gladbacher Kindestauschprozeß. Das Landgericht Gladbach fällte in dem bekannten Kindervertauschungsprozeß ein Urteil, wonach der Klage stattgegeben wird. Vom Gericht wird die Feststellung getroffen, daß der in der Familie des Heizers Donk lebende 12jährige Sohn inWirklichkeit einKinddes Fahr i k m e i st e r s B e u t h ist. Das Gericht sieht als erwiesen an, daß im Herbst 1919 im Wöch- nerinnenheim in Gladbach die beiden Kinder der Frauen Beuth und Donk verwechselt worden find, als die Pflegeschwester die Säuglinge aus ihrem gemeinsamen Schlafzimmer in den Schlaf- raum der Mütter brachte. Mädchens zu behüten, sein Leben zu verschönern, soweit er es konnte. 3mrrer wieder sah er an Elisabeths Bett, konnte nicht müde werden, das schmale, blasse Gesicht zu betrachten, mit einer Zärtlichkeit, die er sich nie zugetraut hätte. Frau Schelmer und die Pflegerin mußten sich ausruhen und spazierengehen — unermüdlich überwachte Eckertsburg Elisabeths Langsam brach die Gewalt des Fiebers. Eines Tages — Elisabeth schlief scheinbar fest und tief — konnte Eckertsburg nicht anders: er beugte sich nieder, küßte leise die Stirn der Schlafenden. Zn diesem Augenblick schlug die Kranke die Augen auf, sah ihn mit einem kaum verstehenden, halben Blick an. Dann lächelte sie leise, drehte den Kopf zur Seite und war im nächsten Augenblick wieder fest eingeschlafen. Dann durfte Elisabeth aufstehen, für einige Sftinden im Lehnsessel sitzen. Es ging schnell vorwärts mit ihr. Eckertsburg und Frau Schelmer wußten nicht, wie sie sie verwöhnen, für sie sorgen konnten. Elisabeth wußte nicht, wie es gekommen war; aber sie hatte keine Angst mehr vor Eckertsburg. Sie war froh, wenn er bei ihr war, sie unterhielten sich wie gute Freunde. Rur, daß er nicht merken durfte, wie gut sie ihm wirklich war! Sie hätte sich sicher seine Freundschaft verscherzt, wenn er ihre wahren Gefühle für ihn ahnte. Unb das durfte nicht fein — seine Freundschaft war das Schönste, was es jetzt für sie gab. Sie mußte sich damit begnügen, durfte an nichts anderes denken. Dieser Mann wollte nichts von Liebe wissen, hatte früher einmal Frau Schelmer erzählt, er hätte zu schlechte Erfahrungen gemacht grauen, ilnb ein so unbedeutendes Geschöpf wie Elisabeth Pfilipp konnte ihm natürlich nichts bedeuten mußte glücklich fein, wenn er sie seiner Freundschaft würdigte. Rur hier und da kam es wie eine dunkle Erinnerung über sie — wie war das gewesen wahrend ihrer Krankheit — als sie einmal aus tiefstem Schlaf erwachte... Es war ihr gewesen, als ob sie fernen Kuß gefühlt hatte — auf der sAi™ rVtnen einzigen kurzen Augenblick nur... Traum gewesen, geboren nx husche ihres Herzens. Es war besser, sich solch dumme Gedanken aus dem Sinn zu schlagen. 0 Elisabeths Konzert hatte natürlich werden müssen. Dor dem Herbst durfte mehr auftreten, mußte jetzt erst reifen, Luft einatmen.--- Elisabeth, Frau Schelmer und Eckertsburg. Er würde diesmal mit den ©amen zusammen fahren, hatte Zimmer bestellt in jK!nam l,n schönen, großen Hotel, das auf biefear* freute sich unendlich abgesagt sie nicht andere 3n den Brunnen gestürzt. Zn Körbecke (Dez. Kassel) wollte das Dienstmädchen Sophie Happe, von einem in der Rähe des Friedhofs gelegenen Brunnen einen Eimer Wasser zum Begießen der Gräber holen. Sie muß dabei das Gleichgewicht verloren haben, denn sie stürzte kopfüber in den tiefen und engen Brunnenschacht. Zn der Rähe weilende Leute wurden durch das Geschrei des vierjährigen Richtchens des Dienstherrn auf den Vorfall aufmerksam, doch konnte man das Mädchen nur noch a l s Leiche bergen. Der Tod ist nicht durch Ertrinken eingetreten, sondern das Mädchen hat beim Sturz so schwere Kopfverletzungen davongetragen,, daß der Tod hierdurch herbeigeführt wurde. 300-Jahrfeier der Unioerfität Amsterdam. Unter Beteiligung von Abordnungen aus allen Ländern, insbesondere auch aus Deutschland, fand im Konzertgebäude eine große Festsitzung zur Feier des 300jährigen Bestehens der Amsterdamer Universität statt. Zm Ramen sämtlicher deutscher Hochschulen sprach Professor Dr. Pfeiffer aus Bonn die. Glückwünsche aus. Er erwähnte die engen kulturellen Bande zwischen Deutschland und den Riederlanden, zu deren weiterer Förderung unlängst in Köln ein deutsch- niederländisches Znstitut und in fünfter ein deutsch-niederländischer Kulturverein ^gegründet worden sei. — Fünf deutsche Gelehrte wurden zu Ehrendoktoren promoviert, nämlich der Goetheforscher Prof. Dr. Petersen (Berlin), der Freiburger Mediziner Prof. Dr. Aschoff, der Kieler Theologe Prof. Dr. Scheel, der Donner Raturwissenschaftler Prof. Dr. Wanner und der Forschungsreisende Dr. F r i d e r i c i, Arensberg in Holstein. verwegener Raubüberfall im konlorhaus der Woerrnann-Linie. Zn Hamburg drangen in den Kassenraum des Verwaltungsgebäudes der Woermann-Linie drei Danditen ein und erpreßten mit vorgehaltenen Revolvern von dem überraschten Kassierer das gesamte für die Lohnzahlung bestimmte Geld, das einen Betrag von 50 000 bis 70 000 Mark ausmachen soll. Die Räuber bestiegen nach der Tat ein vor der Tür haltendes Auto und entkamen unerkannt. Eisenbahnunglück in Colorado. Bei C a st l e r o ck entgleisten 18 Wagen eines Güterzuges, der dem Fruchttransport diente. Man rechnet mit acht Toten und 40 Verletzten. Wettervoraussage. Durch die schnelle Weiterbewegung des britischen Druckfallgebietes ist es mit dem Einbruch etwas kühlerer Luft bereits in den gestrigen Nachmittagsstunden zu Gewitterstörungen mit Niederschlägen gekommen. In den heutigen Morgenstunden ging noch über Gießen ein kräftiger Gewitternachregen nieder, welcher von 4.10 bis 5.30 Uhr über 20 mm Niederschlag brachte. Im Bereich eines Zwischenhochs, das sich von Frankreich her keilförmig über England und der Nordsee ausdehnt, wird für kurze Zeit etwas aufheiterndes Wetter eintreten. Bereits an der Küste Irlands sind die Einwirkungen einer neuen Atlantikstörung zu erkennen, die unter abermaliger Erwärmung bei uns Bewölkung und Gewittertätigkeit verursachen dürfte. Aussichten für Donnerstag: Neblig-wolkig mit vorübergehender Aufheiterung, dann erneut aufkommende Gewittertätigkeit mit Wärmezunahme, südwestliche Winde. Aussichten für Freitag: Wolkig, warm, noch Gewitterstörungen mit Niederschlägen. Lufttemperaturen am 28. Zuni, mittags 25,2 Grad Celsius, abends 17,1 Grad: am 29. Zuni, morgens 16,7 Grad. Maximum 26 Grad, Minimum 15,4 Grad. Riederschläge 27,8 Millimeter. Sonnenscheindauer 9 Stunden. — Crdtempera- turen in 10 Zentimeter Tiefe am 28. Zuni, abends 23.9 Grad: am 29. Zuni, morgens 18,2 Grad. Als sie gesund war, hatte sie sich schüchtern nach Lampert erkundigt. Zu ihrer Erleichterung hatte sie vernommen, daß er nicht mehr in Leipzig weilte. Er hatte sein Atelier aufgegeben, lebte in Paris. Dort würde er Frauen genug finden, seine Leidenschaft für Elisabeth vergessen. Das Bild war vernichtet worden: dafür hatte Eckertsburg noch gesorgt.--- Es waren herrliche Wochen, die sie in ihrer österreichischen Sommerfrische verbrachten. Elisabeth war bald kräftig genug, um schwimmen zu dürfen, und sie und Eckertsburg lagen den Vormittag über am Strande. Elisabeth war nach ihrer Krankheit fast noch schöner geworden. Mit trunkenen Augen sah Eckertsburg ihr nach, wenn sie hinunterschritt zum See, und er folgte ihr erst, wenn fie schon im Wasser war. Rachmittags machten die drei weite Spaziergänge, ab und zu auch eine Autotour nach Sankt Zohann, in die Loferer Gegend, nach Salzburg. Die Zeit verging im Fluge. Dald war es so weit, daß man sich trennen, daß Elisabeth nach Berlin fahren mußte. Am ersten Seprember begann ihr Engagement. Eckertsburg begleitete die Damen noch nach München. Dort würde er wieder umkehren: er wollte den Herbst an der spanischen Küste verbringen. Keiner von beiden, weder Elisabeth noch Eckertsburg, wollte den anderen merken lassen, wie schwer ihnen die Trennung wurde. Aber sie geizten mit jeder Minute, die sie noch beisammen waren. Dann war die Trennungsstunde da. Elisabeth und Eckertsburg standen vor dem üv-Zug, während Frau Schelmer drinnen im Abtell alles ordnete. Elisabeth trug einen kleinen Strauß in der Hand: Himmelsschlüssel. Zn einem Treibhause hatte sie Eckertsburg mit Mühe auf getrieben. Zn der Erinnerung an jenen Tag, da er solch kleine, selbstgepflückte Blumen geschenkt bekommen hatte. Elisabeth sah Eckertsburg an. Merkwürdig blaß sah er heute aus. Der Schaffner mahnte zum Cinsteigen. Die beiden standen sich dicht gegenüber. Zn diesem Augenblick war es vorbei mit Eckertsburgs Beherrschung. Er sah Elisabeth an, und einem Blitzschlag gleich durchfuhr sie eine jähe, beglückende Erkenntnis. Eckertsburg liebte sie... Sie wollte etwas sagen: aber kein Laut kam aus ihrer Kehle. Es ging alles so furchtbar schnell. Sie stand am offenen Fenster, sah das geliebte Gesicht, fühlte feine heißen Lippen auf ihren... Und dann fuhr der Zug an, rollte langsam aus der Halle. Mit erblaßtem Gesicht stand Elisabeth da, beugte sich aus dem Fenster, sah Eckertsburg dastehen, regungslos dem Zuge nachstarren. Mit einem leisen Aufschluchzen fiel sie in sich zusammen. (Fortsetzung folgt.) Aus 6er Provinzialhauptstadt Gießen, ben 29. 3uli 1932. Reise — um die Straßenecke gibt heute Menschenkinder, die bekommen allmählich einen gelinden Wutanfall, wenn jetzt ifrre Mitmenschen von Reiseplänen reden, beiläufig aber großartig ihre Vorbereitungen schildern. -Ich gedenke, in vierzehn Tagen an die Riviera zu fahren." „3d) reise demnächst an die Ostsee." Lind dann sprechen sie davon, wie sie nun baS Schloß ihres Koffers repariert hätten, wie sie eine Stunde auf dem Konsulat gewartet hätten, um chr Visum in Empfang zu nehmen... Lind diejenigen, welche es sich dieses Jahr noch nicht einmal leisten können, von Reiseplänen zu sprechen, geschweige denn sich überhaupt an ernsthafte Vorbereitungen in dieser Richtung zu machen, stehen abseits, traurig und neidisch und fühlen sich diesen Globetrottern gegenüber ganz klein, ganz häßlich... Dabei — man kann nie wissen... Vielleicht hat der, der sich heute mit seiner Sommerreise brüstet, gar nicht den besseren Teil erwählt? Vornehme, gelangweilte Herrschaften an den Loupe- fenstern zweiter Klasse — wer beneidet sie nicht um ihre Reise? Aber ihre gelassene Gebärde, mit der sie die Vergünstigungen ihres schönen Lebens hinnehmen, spricht doch von ihrer Gleichgültigkeit, von der Selbstverständlichkeit, die so etwas für sie bedeutet. Sie sind Reisen gewohnt, sie find biS in die Knochen abgebrühte Insassen schneller Züge, nobler Hotelhallen, dekorativer Landschaften. Sind sie noch in der Lage, sich an irgend etwa- zu freuen, sich auf ihren Fahrten durch irgend etwas verblüffen zu lassen? Mit einem Wort: können sie überhaupt noch etwas von all den Köstlichkeiten um sich herum sehen, an die sie so sehr gewöhnt sind? Mir scheint, ein Wochenendausflug mit ein wenig Raivität und Ausnahmebereitschaft, ein kleiner See, ohne Blasiertheit gesehen, zwei einfache Bäume, die betrachtet werden, ohne daß man sie sofort mit einem Vergleich mit Italiens Pinien oder afrikanischen Mangobäumen totschlägt — da- kann, in aller Bescheidenheit, mehr bedeuten, unendlich mehr nützen und hinterlassen, alS vier Wochen eines r-beliebigen Grand-Hotels. Aber das sind erstens Binsenwahrheiten. Lind zweitens: wir wollen nicht in die Manier verfallen, als ob „®elb nicht glücklich" machte. Wir führen schon von Herzen gern — Look und Dä- deker wissen, wohin. Man läßt uns bloß nicht. Lind deswegen tun wir natürlich so, alS ob... Halt! Ich habe eine Idee! Wenn wir alle dieses Jahr gezwungen werden, über den Sommer in unserem Städtchen, unserer Stadt sitzen zu bleiben — dann wollen wir uns wenigstens einmal in der Woche vornehmen, diese Stadt mit Augen anzusehcn. als sei sie eine fremde, nie gesehene Stadt. Wir wollen, einmal in der Woche, in ihr „verreist" spielen. Das ist ganz einfach, mit ein wenig Phantasie. Kindlichkeit und — siehe oben. Wie wäre es etwa, wenn wir uns einmal in ein Lokal setzten in dem wir noch nie in unserem Leben gesessen haben, in dem wir mit Sicherheit leine Bekannten vermuten können? Lauter fremde Gesichter, fremde Umgebung — fremde, fremd« Stadt! Lind selbst, wenn Dann plötzlich unser Rachbar unerwartet hereinkommt, dann stehen wir voller Galanterie aus und rufen ouS: .Grüß Gott. Herr Meier! WaS machen Sie denn in Reustadt? Wielange weilen Sie hier?" Er wird uns wohl für ein wenig verrückt halten, unser Herr Meier. Aber WaS tut das? Wo wir doch dann in spätestens zehn Minuten wieder abreifen...? H. Geheimrat Prof. D. Or. Krüger Ehrendoktor der Hechte. Don der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt: Der ord. Professor Geh. Kirchenrat Gustav Krüger, Dr. der Theologie und der Philosophie, der durch seine vielen und tiefen Arbeiten auf dem getarnten Gebiet der Kirchengeschichte die Geschichte des Rechts und besonders des Kirchenrechts stark gefördert hat, der lange Jahre aufs eifrigste in der Verwaltung der Alma mater Ludoviciana gearbeitet hat, der als Stipendiaten-Ephorus vieles für Leben und Organisation der Landcsuniversität geleistet hat, der durch tiefe Menschlichkeit, lautere Gesinnung und Charakterfestigkeit ausgezeichnet ist, wurde am heutigen Tage der Vollendung seines 70. Lebensjahres ehrenhalber zum Dr. der Rechte ernannt. Bei der Feier am heutigen Vormittag überreichte der Dekan der juristischen Fakultät, Geh. Justizrat Prof. Dr. Mi 11 e r m a i e r, das Ehrendoktordiplom. Er hob dabei die starke Verbundenheit des Juristen mit dem Theologen hervor, einmal in der dogmatischen Betrachtung und sodann in der geschicht, lichen, die für den Juristen so außerordentlich wichtig ist. Die vielen tiefgreisenden geschichtlichen Forschungen des Jubilars, vor allem sein Werk über das Mrpsttum, haben den Juristen vieles geboten, besonders den Kirchenrechtlcrn. Daneben hat der Jubilar in seiner reichen Arbeit in der Verwaltung der Hochschule sich als ein Mann von starkem Rechtsgefühl bewährt: er bat damit das Recht der Ludo- niciania erheblich gefördert. Als Stipendiatenephorus hat er seit bald drei Jahrzehnten soziale Gerechtigkeit geübt. Als Mensch endlich hat er durch seine Geradheit und Ehrlichkeit, seinen Gerechtigkeitssinn und seine Menschlichkeit in allen Dingen, seine Treue und feine wahrhaft künstlerische Beherrschung des Lebens von einer hohen Warte aus sich als echter, großer Jurist bewährt. Daher hat die Juristenfakultät ihn ehrenhalber zum doclor juris uuiusque promoviert. Weitere Glückwunschansprachen an den Jubilar hielten Se. Magnisizenz der Rektor Prof. Dr. B a n - selow, der Dekan der theologischen gakullat Pros. Dr. Rudolph, Pros. Dr. Mayer von der philosophischen Fakultät. Pros D Bo r n k a m m überreichte ihm eine Festschrift, schließlich sprachen noch einige Vertreter der Studentenschaft. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch: Coss Leib, 20.30 Uhr, Ekkehard-Spiele. — Verein „Ufer- fritif“, 20.15 Uhr, Bootsplatz der GRG. 1877. Gro- ßes Militärkonzert. — Oberhesi. Kunstverein, Turm- Haus am Brandplatz, 15 bis 17 Uhr, Ausstellung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Kongreß tanzt". — Frauengruppe d«S VDA. inDi«- ß e n. Morgen, Donnerstag. 30. Juni, 20 Llhr, im .Hindenburg" Vortrag von Frl. Birnbaum über die VDA.-Tagung in Elbing. (Siehe heutige Anzeige.) — Hausfrauenberatung Gießen. Morgen, Donnerstag. 20 LIhr. in 6er Lehrküche Vortrag: .Der moderne Haushalt." (Siehe heutige Anzeige.) • *• Straßenbauarbeiten. Gegenwärtig werden an zwei verschiedenen Stellen unserer Stadt Straßenbauarbeiten durchgeführt. An der Ecke Walltor-Dammstroße wird der Boden, aus dem die abgerissenen Bauten standen, zur Herstellung eines festen LlnterbaueS für die projektierte Straße umgearbeitet. Die Dammstrahe. die nun endgültig durchgeführt wird, soll die Möglichkeit geben, den Verkehr, der sich bisher in seinem ganzen Umfange durch die enge Straße am Einhorn bewegte, zum Teil über die neue Straße umzuleiten. Line weitere Straßenbauarbeit wird (wir berichteten bereit- kurz darüber) in der Sonnenstrabe durchgeführt. Die Pflasterung ist schon völlig beseitigt, das Material für die Asphaltierung liegt zum Teil schon bereit. ” Wehrpolitifcher Dortrags-Zyk- l u s an der Universität. Im Rahmen des von der Universität veranstalteten Dortrags- ZykluS spricht heute, 20.15 Uhr, vor den Studenten der Universität Major Dr. von Wegerer über daS Thema „Kriegsschuldfrage seit 1918". Gufiav-Adolf-Gedachinisfeier in Mainz. Mainz,--28. Juni. (EPH.) Die Persönlichkeit des großen Schwedenkönigs, der vor 300 Jahren an der Küste Pommerns landete, von Stralsund mit Jubel begrüßt, und schon im November darauf bei Lützen fiel, spielt in der Geschichte des deutschen Protestantismus, namentlich auch des Hessenlandes, eine so große Rolle, daß auch die evangelische Bevölkerung Hessens an dem Jahrestag des Todes Gustav Adolfs nicht achtlos oorübergehen möchte. Deshalb ver- anftalten die hessischen Hauptvereine des Evangelischen Bundes und der G u st a v - Adolf-Stiftung gemeinsam vom 2. bis 4.Juli in Mainz eine Gedächtnisfeier. Die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschungen über diesen Enkel jenes Gustav-Wasa, der in Schweden die Reformation eingeführt hat, werden bei der Mainzer Tagung zwei namhafte Vertreter der evangelischen Kirchengeschichte vermitteln, Prof. Dr. Paul aus Greifs- wald, der über „Gustov-AdolfundDeutsch- l a n d" spricht, ferner der Hess. Prälat und Prof, an der Universität Gießen, D. Dr. Dr. Diehl aus Darmstadt, der das Thema: „G u st o v - A d o l f und die Kirchen" behandelt. Bilden diese Vorträge bei der Samstagtagung im Festsaal der .Liedertafel" den Auftakt der ganzen Feier, so will der Sonntag von deutschem und evangelischem Leben in der Fremde und in der Heimat zeugen. Namhafte Redner aus der Diaspora und dem Inland werden zu Worte kommen. Außer den Festgottesdiensten am Vormittag ist für den Nachmittag eine große Volksversammlung in der Mainzer Stadt- halle vorgesehen, wo in dreistündiger Dauer durch Ansprachen und musikalische Vorträge ein lehendiges Bild von der religiösen und charitativen Ktaft des Protestantismus auf feinen verschiedenen Arbeitsgebieten entworfen werden soll. Im Mainzer Stadt- theater wird am frühen Abend in der dramatischen Gestaltung durch Otto D e d r i e n t das Gustav- A d c> l f - F e st s p i e l durch die Darmstädter Laien- spielfchar des Evangelischen Bundes, Darmstadt, mit 150 Darstellern bargeboten. — Der Montag ist den Beratungen und geschäftlichen Sitzungen der Aus- schüsse und der Vorstände der beiden genannten Hauptvereine gewidmet. Interessant zu werden verspricht eine öffentliche Versammlung, in der Bundes- Direktor Fahrenhorst, Berlin, über „Untere Stellung zum Volkstum" spricht, und die Versammlung für Frauen, in der Johanneskirche, einberufen von dem Gustav-Adolf-Frauenoerein. Dabei kommen Bischof Dr. P ö l ch a u aus Riga und Rektor Lempp aus Stanislaus (Galizien) zu Wort. Mit weiteren Vorträgen im evangelischen Vereinshaus über die deutsche Schule im Baltikum, in Polen, in Südtirol und über Kultur- und Schul- zustände im Reich und in Hessen wird die Tagung am Abend beschlossen. 4 Äonen Mart Gold ans dem Meere aehobe». Nach jahrelangem vergeblichen Versuchen ist es dem italienischen Spezialschiff „Artialio" gelungen, aus dem gesunkenen Schiff „E g y p t" Gold im Werte von etwa 4 Millionen Mark zu heben. Oberbeffen. Landkreis Gießen. I! Daubringen, 28. Juni. Di« hiesige Ortsgruppe beS Reichsbunde- ber Kriegsbeschädigten. Kriegsteilnehmer unb Kriegerhinterbliebenen veranstaltete am Sonntag einen Lichtbildcr- Abend. Herr S ch i r rn b« ck - Gießen hielt einen Vortrag über seinen Besuch deutscher Krieger- friedhöfe in Flandern. Eine Anzahl selbst aufgenommener Lichtbilder unterstützte den Vortrag, der bei allen Zuhörern einen tiefen Eindruck hinterließ. Bg. Großen-Buseck, 28. Juni. Am 9., 10. unb 11. Juli Hübet hier nach sechsjähriger Pause wieber einmal ein Fe st statt. Es handelt sich um ben HerbstverbanbStag ber Freiwilligen Feuerwehren, verbunden mit dem 2 5. Stif tungSfestderhie- sigen Freiwilligen Feuerwehr. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Aus Zweckmäßigkeitsgründen wird, wie bei früheren Festen, am Montag, 11. Juli, das Iugendsest der hiesigen Volksschule veranstaltet. — Rach seinem Umbau geht das hiesige Pfarrhaus seiner Vollendung entgegen. Voraussichtlich werden noch in dieser Woche die vereinigten Kirchenvorstände unserer Gemeinde und des FilialdorfeS Oppenrod die Wahl des künftigen Seelsorgers der beiden Gemeinden vornehmen. z£ Reiskirchen, 28. Juni. Am vergangenen Sonntag wurde der neuerbaute Schieß st and des KriegervereinS und der „H,a s s i a"» Jugend seiner Bestimmung übergeben. Linier Vorantritt des Spielmannszuges der Iugend- gruppe Steinbach zogen die auswärtigen unb hiesigen Schützen nach dem Stand. Äicr war in den letzten Tagen noch eine größere stabile Halle sertiggestellt worden, so daß die Unterbringung ber Schuhen keine Schwierigkeiten machte. Der Vereinsschiehleiter unb Iugenbführer Glaub begrüßte bie Gäste, besonders bic Vertreter des Bezirks, Bczirksschießleiter A. Klein, Gießen, unb Bezirkskassenwart Daupert, Lollar, und. dankte im Ramen des Verein- dem Verband, Bezirk und Spendern für die Llnterstützunaen. Besonders erwähnte er das Verdienst der Iu- gendgruppe Reiskirchen, die sich in selbstloser Hingabe restlos an ber Herstellung bes Stanbes beteiligt hat. Herr A. Klein, Gießen, richtete in seiner Ansprache begeisterte Worte an bie „Hassia'-Iugend Kamerad Glaub bankte unb nahm den von Herrn Klein gestifteten Wanderpreis in Empfang. Bei dem anschließenden Preis- schrehen, das leider nicht fertig durchgeführt werden konnte, wurde u. a. dreimal das Resultat von 56 (Hingen bei fünf Schuß erreicht. x Rüddingshausen, 28. Juni. Auch in unserer Gemeinde ist nun ber freiwillige Arbeitsbien st eingeführt worben. Es haben sich hierzu 53 Arbeitswillige jeden Alters zur Verfügung gestellt. Cs ist beabsichtigt, zunächst einen Feldweg, der in seiner Verlängerung nach Homberg führt, zu einer chauffierten Straße in 2,5 Kilometer Länge auszubauen Die hierzu nötigen Stein« werden bereits auf dem sog. Läus- hübel, einer Erhöhung in unserer Gemarkung rechts ber Straß« nach Dedenbach, gebrochen und vorbereitet. Die Anfuhr ber Steine werben hiesig« Fuhrleui« übernehmen. — In der letzten Gemeinderatssitzung wurde mit 5 gegen 2 Stimmen bei einer Stimmenthaltung beschlossen, Adolf Hitler das Ehrenbürgerrecht unserer Gemeinde zu verleihen. DHolzheim,28.Juni. Am kommenden Sonntag, 14 Uhr, hält der Sängergau Honsberg« We11ertaI, Mitglied des Hessischen und Deut» schen Sängerbundes, im oaalbau des ®g Sarnes L einen fi i e 6 e r t a g ab, verbunden mit Ehrung seines Gauchormeisters S a m e s. Für 40jährige Tätigkeit als Dirigent wird er unter Ueberrcidjung der Ehrennadel zum EhrenHormeisler des Hessischen Sängerbundes ernannt. Es folgi ein Ehrensingen, wobei jeder Gauverein zwei jelbstgewählte Thore vortragt. Dann folgen im Freien drei Massenchöre, gefunden von 13 Vereinen (unaefähr 500 Sänger) aus Oberhöraern, Eberstadt, Gambach, Dorf-Gill, Nieder- und Hochweisel, Griedel, Ostheim, Münster, Klcederg, Rockenberg, Grüningen unb Holzheim. Der Provinzialoorsitzende des Hess. Sängerbundes nimmt an der Tagung teil. ch KlosterArnsburg, 28 Juni. Am 10. Just findet hier ein Treffen der evangelischen Jugendgruppen des nordwe st lichen Oberhessens statt. Der hessische Lanbessugend- Pfarrer von der A u und eine Spielschar der Hohensolmser Volkshochschüler werden bei der Feier Mitwirken. Kreis Büdingen. • Bübingen, 28. Juni. Am SamStag fanb eine Lanbwirte-Dersammlung statt, bie sich mit ber Frag« ber Grünbuna einerDiehver- wertungSgenossenschoft befaßte. Maßgebliche Lanbwirte bes Büdinger Bezirke- waren anwesenb, auch baS LanbwirtschaftSomt Bübin- acn war vertreten. Rach ben Darlegungen deS Vertreters ber LanbwirtschastSkommer Darm» stabt Dr Deister unb bes Landwirtschaftsleh- rers Frech vom Derbanb ber hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften stimmten bie an» wesenben Lanbwirte der Gründung einer Dieh- verwertungSgenossenschaft zu. Man wählte einen vorläufigen Vorstand, der oei der in nächster Zeit obzuhaltenden konstituierenden Versammlung auf bie gesetzlich vorgeschriebene Anzahl Mitglieder ergänzt werden soll. Zum Geschäftsführer wurde Diplom-Landwirt H a n a u s k e (Büdingen) bestimmt. Die eigentliche Grünbungsversammlung soll am Sonntag, 10. Juli, stattfinde n. Die Einrichtung weiterer Selbst hilseeinrichtungen der Landwirtschaft ist vorgesehen. KrciS Alsfeld. * AlSfelb, 28. Juni. In dem Rochbarort« ArnShain wurde durch einstimmigen Beschluß des Gemeinderats ber Führer ber RSDAP. Abolf Hitler zum Ehrenbürger ernannt. Preußen. Hreis Wetzlar. > Wißmar, 28. Juni. Heute gegen 15 Llhr würbe die hiesige Gemarkung von einem Mn» Wetter heimgesucht, wie seit langen Jahren nicht. Die gewaltigen Wassermassen hoben in ben Feldern viel Schaden angerichtet, ber Roggen, ber schon viel Lagerfrucht hatte. liegt vielfach wie gewalzt zu Boden. In bem tiefer gelegenen Teil des Dorfes überschwemmten bie Schlammfluten bie Straße unb Gärten, ein Teil der Keller stand unter Wasser. Schaden an Menschen unb Vieh ist glücklicherweise nicht zu verzeichnen, auch nicht durch da- gleichzeitig tobende Gewitter. — Die Bach ft raße wirb auf Beschluß ber Gemeinbe-Dertretung durch dieWoh l- fahrtserwerbSlosen fertig au »gebaut, zum weiteren bringend notwendigen StraßenouSbau im Reubaugelände fehlt leider das Geld für bie Rvhrbeschossung. Mdef-ocuaenM nimmt man für Zigaretten über 5 Pfg. edle, echt maceclonische Tabake. Wir nehmen sie auch für ClUB 31. denn gute macedo- nisehe Tabake sind eben nicht zu ersetzen. in anerkannten Spitzenleistungen in Packungen und Werbedrucksachen sucht 4884 V Gießen, den 28. Juni 1932 4895 D Aliendorf a. d. Lahn, Herborn und Klein-Linden, den 28. Juni 1932. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 30. Juni, nachmittags 3 Uhr, von der Untersorgermühle aus statt. 4885 D 60 Pf. Pfd. 4898 D Gießen, den 29. Juni 1932. ItY. 0 WW ‘«•WffitSSEl U.HEmDEHniCHE 441 - M - Wir kauften mit mehreren Firmen unserer Einkaufsgenossenschaften Familien-Drucksachen Verlobungsanzelgen Vermählungsanzeigen Geburtsanzeigen bei Brühl, SchulstraOe 1 Rechtsanwalt Or. Wämser und Frau Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Der Verkauf beginnt Donnerstag früh 8 Uhr Oie Geburi eines gesunden Zungen zeigen an näheres Tel. 4077 4886 c Ein Rekord I! 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Ziel Kanal-, Straßenreinigungs- u. Müllabfuhrgebühren 1932. Rach Ablauf dieser Frist erfolgt Einzug auf Kosten der Schuldner. Bei den Steuerzahlungen werden die vorgeschriebenen Verzugszuschläge erhoben. Gießen, den 29. Juni 1932. Stadtkasse Gießen. Steinhäger Liter- Krug 4.00 Kernseife 5 Stück.. . 50 Pf. Schell-Fische u. Filet pfd... 3» Pf. Kabeljau 4891 D o.K.....Pfd. 25 Pf. Hch.Kalblleiscli Telephon 3685. TT Freitag, den 1. Juli 1932, nachmittags 4 Uhr, soll im „Rheinischen Hof, Frankfurter Straße/wehlarer Weg 1 schwarzes pserd(Aappflnte) freiwillig gegen Barzahlung versteigert werden. 48930 100 Rasierklingen a. f.Edelst. Haarsch. nur RM. 3.30 Nachn. 50 Stück RM. 2.20 „ ZRasierkl. Spezialh. 0. Arnold. Köln-Lonßerich Die trauernden Hinterbliebenen: Jakob Hahn II. nebst allen Angehörigen #5<- Mädchen ■*** zum Heiraten Selig sind die Toten, die In dem Herrn sterben. Offbg. 14. 13. 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Don Geschäftsführer Echnägelberger, Heft. Landbund, Alsfeld. Mit der zunehmenden Verschlechterung der landwirtschaftlichen Verhältnisse im Südwesten deS Reiches gewinnt auch hier der Dollstreckungsschutz immer mehr an Bedeutung. Die Frage des landwirtschaftlichen Dollstreckungsschutzes ist in letzter Zeit bereits eine Wissenschaft für sich geworden. ES ist daher schon nicht mehr möglich, den gesamten Fragenkomplex einheitlich zu behandeln. Ich gre'.fe deshalb heute einen für die hiesige Gegend besonders wichtigen Punkt heraus, die Pfändbarkeit des Milchgeldes. Rach § 19 des dritten Teiles Kapitel VI der Rotperordnung vom 8. Dezember 1931 bestanden bisher Zweifel darüber, ob eine Forderung für Milchlieferungen als ein Gegenstand des beweglichen Vermögens anzusehen sei. Dieser Zweifelsfall ist jetzt durch die Rotverordnung vom 16. Juni 1932 geklärt. Der neue § 19a bestimmt folgendes: »Eine Zwangsvollstreckung in Forderungen, die dem Inhaber eines landwirtschaftlichen Betriebes aus der Lieferung von Milch oder Milch- erzeugnissen zustehen, ist auszuheben, wenn die untere Verwaltungsbehörde bescheinigt, daß dem Schuldner durch die Zwangsvollstreckung Mittel entzogen würden, die zur ordnungsmäßigen Fortführung der Wirtschaft, insbesondere zu Lohnzahlungen bis zur Ernte 1932 benötigt werden, und daß der Schuldner die Gewähr bietet, daß er diese Mittel zu dem bezeichneten Zwecke verwenden wird. Die Vorschrift des § 19 Absatz 2 findet Anwendung." Fast zur gleichen Zeit, als die neue Rotver- vrdnung bekannt wurde, hat aus Grund der Rotverordnung vom 8. Dezember 1931 der Thüringer Landbund beim Landgericht Weimar eine Entscheidung erstritten, die zu demselben Ergebnis kommt, wie die neue Rotverordnung. Da die Gründe der Entscheidung des Weimarer Landgerichtes für die Beteiligten unter Umständen von Bedeutung sein können, lasse ich diese wörtlich folgen: „Das Amtsgericht hat zu Recht entschieden: Für die Beurteilung der Frage, ob eine Pfändung der Milchgeldfordcrungen rechtlich zulässig ist oder nicht, kommen § 811 Zifs. 3 und 4 ZPO. und § 19 der Rotverordnung vom 8. Dezember 1931 in Frage. § 811 Zifs. 3 und 4 ZDO. trifft nicht zu: er schützt nur körperliche Gegenstände, Sachen i. S. des § 90 BGB. 8 19 der Verordnung vom 8. Dez. 1931 macht Die Aufhebung der Zwangsvollstreckung wegen einer Geldforderung von drei Voraussetzungen abhängig: Es muß sich erstens um Gegenstände des beweglichen Vermögens handeln. Es ist die Frage hier zu beantworten: Sind Forderungen Gegenstände des beweglichen Vermögens im Sinne dieser Verordnung? Auszugehen ist davon, daß die VO. vom 8. Dezember 1931 eine Verordnung ist, die in einer Zeit schwierigster wirtschaftlicher Verhältnisse mit ihrem dritten Teil dazu beitragen sollte die Lage der Landwirtschaft zu bessern. Die Landwirtschaft sollte einen über § 811 Ziff. 3 und 4 ZPO. hinausgehenden Schuh erhalten. Es sollte nicht nur Vieh und Erzeugnisse der landwirtschaftlichen Betriebe bis zu einem gewissen Grade geschützt sein, sondern man wollte noch weiter gehen de Schutzmaßnahmen für die Erhaltung der bedrohten Güter treffen. Reben diesem Zweck des § 19 der DO. vom 8. Dez. 1931 ist die Einteilung des 8. Buches der Zivilprozeßordnung und des dritten Teiles der DO. vom 8. Dezember 1931 für die Beantwortung der Frage von Bedeutung. Die ZPO. unterscheidet zwischen der Zwangsversteigerung in das bewegliche und unbewegliche Dermögen. Bei der Zwangsvollstreckung in das bewegliche Dermögen scheidet sie zwischen einer solchen in körperliche Sachen und in Forderungen nebst anderer Dermögensrechte. Sie faßt also Forderungen als bewegliches Dermögen auf. Die Der- vrdnung vom 8. Dezember 1931 unterscheidet nur zwischen Grundstücken und Gegenständen beweglichen Dermögens. Don Forderungen spricht sie nicht ausdrücklich. Die in der Verordnung vom 8. Dez. 1931 enthaltenen Bestimmungen über die Zwangsvollstreckung mußten sich aber als Ergänzungsbestimmungen der gründ.«'enden Regelung der ZPO. anpassen. Da der dritte Teil der Qkrorbnung vom 8. Dezember 1931 von der Einteilung des 8. Buches des ZPO. weder ab- weicht, noch ihr widerspricht, muß geschlossen werden, daß die Systematik der ZPO. übernommen wurde, daß „Zwangsvollstreckung in das bewegliche Dermögen" das gleiche bedeutet, wie .Zwangsvollstreckung in Gegenstände des beweglichen Dermögens" und daß damit die DO. vom 8. Dez. 1931, ebenso wie die ZPO., in das bewegliche Dermögen Forderungen einbegreift. Schließlich deutet noch die Ausdrucksweise des § 19, der von Gegenständen des be- weglichen Dermögens und Mitteln, nicht von Sachen oder körperlichen Gegenständen spricht, darauf hin. Die erste Doraussehung des § 19 der Verordnung vom 8. Dezember 1931 ist gegeben. Die Gegenstände des beweglichen Dermögens müssen weiterhin im Falle der Zwangs- verwaltung von der Beschlagnahme ergriffen werden. Daß dies zutrifft, ergibt § 148 des Gesetzes über die Zwangsversteigerung und die Züxmgsverwaltung. Dtc Bescheinigung der unteren Derwal- tungsbehörde, daß dem Schuldner durch die Zwangsvollstreckung Mittel entzogen würden, die zur ordnungsmäßigen Fortführung der Wirtschaft bis zur Ernte 1932 benötigt werden, und daß der Schuldner die Gewähr bietet, daß er die Milchgelder zur Entlohnung der Arbeiter, also zur ordnungsmäßigen Fortführung der Wirtschaft, verwenden werde, als dritte Doraussehung des § 19, hat der Schuldner beigebracht. Rach § 19 der Verordnung vom 8. Dez. 1931 war somit der Beschluß des Amtsgerichts aufrechtzuerhalten. Rach §97 hat die Beschwerdeführerin die Kosten zu tragen." Werm also der Milchlieferant durch eine Bescheinigung der unteren Verwaltungsbehörde nach- weist, daß er daS Milchgeld zur ordnungsmäßigen Fortführung der Wirtschaft benötigt, unb daß das ©clb auch zu dem bezeichneten Zweck verwandt wird, dann muß ein etwaiger Pfändungs- und äleberweifungSbeschluh aufgehoben werdmr. Zleischwarenverkaus aus Hausschlachtungen von Landwirten. Die Frage, ob die fleischermäßige Verwertung seines Viehes durch den Landwirt zu den landwirtschaftlichen Nebengcwerben zu rechnen ist oder nicht, ist bestritten. Zu. dieser Frage liegt nun eine Entscheidung des Oberlondesgerichts Marienwerder vom 17. 9. 1931 vor (vgl. Juristische Wochenschrift 61. Jahrgang. Heft 22, 6.1595). Danach liegt ein anzeigepflichtiges Gewerbe nicht vor, wenn ein Landwirt in feinem Landwirtschaftsbetrieb gezogenes Lieh fchlachtetund das Fleisch im Kleinhandel verkauft. Sowohl die Anzeigepflicht gegenüber der Polizeibehörde. wie die Anmeldepflicht zur Handwerksrolle besteht nur dann, wenn es sich um einen unter die Gewerbeordnung fallenden Betrieb handelt. Dies Die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand, die sog. Restitution, findet sich sowohl im Straf-, als auch im Zivilprozeh. Hier soll nur kurz von der Wiedereinsetzung in letzterem die Rede sein. Sine überaus wichtige Rolle im Rechtsleben spielen bekanntlich die F r i st e n. Man braucht dabei nur beispielsweise an die Verjährungsfristen mit ihrer materiell-rechtlichen Wirkung zu denken. Aber auch innerhalb eines schwebenden Prozeßverfahrens lausen um der geordneten, raschen und gesicherten Prozeßführung willen Fristen von verschiedener Art, deren Innehaltung von so hoher Wichtigkeit ist, daß ihre Versäumnis und Richtbeachtung einer Partei den größten Schaden zufügen kann. Man unterscheidet im allgemeinen gesetzliche und richterliche Fristen. Rach den gesetzlichen Fristen sind besonders die „Rotfristen" charakterisiert, d. h. genauer bezeichnet. Diese sind immer im Gesetz als solche genau bezeichnet. Rach Paragraph 233 ff. der Zivilprozeßordnung ist die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand, d. h. in die ursprüngliche Prozeßlage, einer Partei a u f Antrag dann zu erteilen, wenn die Partei durch Raturereignisse, oder andere unabwendbare Zufälle verhindert worden ist, eine Rotsrist einzuhalten. Hat eine Partei jedoch die Einspruchsfrist versäumt, so ist ihr die Wiedereinsetzung auch dann noch zu erteilen, wenn sie von der Zustellung eines Versäumnisurteils ohne ihr Verschulden keine Kenntnis erlangt hat. Raturereignisse entsprechen dein Begriff der höheren Gewalt des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Diese ist etwa als ein mit gewöhnlichen Mitteln nicht abwendbarer Zufall zu bezeichnen. Jedes eigene Verschulden einer Prozeßpartei schließt danach die Annahme höherer Gewalt aus. Aber auch eine durch die Handlung oder Llnterlassung eines Menschen herbei- geführte Verhinderung kann zur Gewährung der Seitdem der Rundfunk in Aufnahme gekommen ist, geht der Kampf um die Beseitigung der Rund- funkstörungen. Auf verschiedenste Weise ist versucht worden, die Interessenkollision zwischen Rundfunkempfängern und sonstigen Benutzern elektrischer An- lagen zu beseitigen. Die Beseitigung der Störungs- quelle und dam.t eine Ausschaltung der Störung ist vielfach technisch nicht möglich. Der Kampf, der in einer Unzahl von Prozessen vor Gericht ausgefochten worden ist, geht daher nicht zuletzt darum, wer als Besitzer einer elektrischen Anlage irgendwelcher Art, also auch als Besitzer eines Rundfunkgeräts, gegenüber dem anderen ein Vorrecht hat. Die Entscheidungen unserer Gerichte sind leider außerordentlich widerspruchsvoll und haben zu einer einwandfreien Klärung der Rechtslage nicht geführt. Es erscheint deshalb angebracht, die verschiedene Stellung der einzelnen Oberlandesaerichte, die sich mit der Frage der Beseitigung von Rundfunkstörungen beschäftigen, einmal kurz einander gegenüber- zustellen. Zum Teil ist versucht roorben, die Beseitigung von Störungen durch Erlaß von Polizeioerordnungen zu unternehmen. Mit der Frage der Zulässigkeit einer derartigen Polizeiverordnung beschäftigt sich eine Entscheidung des OLG. Dresden (Jur. Wochenschrift 12 1932). Es war eine Polizeiverordnung „zum Schutze der Rundfunkempfänger" erlassen. Da- nach wurde u. a. der Betrieb von Hochfrequenz» j)eilgerälen und von anderen stromoerbrauchenden Apparaten innerhalb gewisser, näher bezeichneter Sperrzeiten an Werktagen, sowie an Sonn- und Festtagen verboten. Ferner war für Motore und Apparate, die gewerblichen Zwecken dienen, eine Meldepflicht vorgeschrieben. Für Zuwiderhandlun- gen war nach einer einmaligen Verwarnung eine Geldstrafe apgedroht. Das OLG. ist in eine Prüfung eingetreten, ob eine derartige Polizeioerord- nung zulässig sei, und fagt dazu, daß die genannte Polizeioerordnung eine Materie zum Gegenstand Hal, die sachlich dem Gebiet des Funkwesens an- gehört. Dieses Gebiet ist aber reichsrechtlich geregelt. Aus der (ausschließlichen) Kompetenz des Reichs folgt, daß auf dem Gebiete der Telegraphie und sonach auch mittelbar dem des Funkwesens den Ländern und Gemeinden das Recht der Gesetzgebung versagt ist, es sei denn, daß ihnen dasselbe im Einzelfalle vom Reiche in einem bestimmten Umfange ausdrücklich delegiert worden ist. Für das Funkwesen als Unterart des Telegraphenweiens sind sonach nur die Normen maßgebend, die das Reich durch Reichsgesetz festgesetzt hat. Daraus folgt insbesondere, daß, falls das Reich auf strafrechtlichem Gebiete Funkdelikte nur in bestimmten Erscheinungsformen für strafbar erklärt (z. B. nur als vor» trifft aber im vorliegenden Falle nicht zu, denn Schlachtungen und Fleischverkäufe der vorgenommenen Art stellen ein landwirtschaftliches Nebengewerbe dar. Auf die landwirtschaiilichen Nebenae- wcrbe findet aber nach allgemeiner Ansicht die Gewerbeordnung ebensowenig Anwendung, wie auf die Landwirtschaft selbst. Maßgebend für diese Erwägung war, daß ein landwirtschaftlicher Nebenbetrieb in jedem Betrieb zu erblicken ist, besten ausschließliche oder hauptsächliche wirtschaftliche Grundlage die Landwirtschaft bildet, und daß es nicht gerechtfertigt ist, darüber hinaus noch zu verlangen, daß die in Frage stehende Betätigung in der Landwirtschaft üblich ist. Das Erfordernis der lieblich- feit würde zu regionalen Verschiedenheiten im Gewerberecht fuhren, die dem der Gewerbeordnung zugrunde liegenden Gedanken einer einheitlichen Regelung für das ganze Reichsgebiet widersprechen. Es kann sich in Fällen der ncrlicgenben Art nur darum handeln, ob die wirtschaftliche Grundlage des Betriebs die Landwirtschaft bildet. Der Angeklagte hatte in dem vom Oberlandes- gericht Marienwerder behandelten Falle aus feiner eigenen Landwirtschaft stammendes Vieh geschlachtet, zum Teil zu Wurst verarbeitet und dann im Kleinhandel verkauft. Er hat damit die bargelegten Gren- zen eines landwirtschaftlichen Nebenbetriebes nicht überschritten und also einen der Gewerbeordnung unterliegenden Betrieb nicht ausgeübt. Wiedereinsetzung unter Mmftänben geeignet sein. Die Wiedereinsetzung in ten vorigen Stand muh innerhalb einer zweiwöchigen Frist beantragt werden, die mit dem Tage beginnt, an dem das Hindernis behoben, d. h. beseitigt ist, und sie kann durch Parteivereinbarung (Vertrag) nicht verlängert werden. Rach Ablauf eines Jahres, von dem Ende der versäumten Rotfrist an gerechnet, kann die Wiedereinsetzung überhaupt nicht mehr beantragt werden. Der Antrag auf Wiedereinsetzung unterliegt der Entscheidung desjenigen Gerichts, dos die Entscheidung über die nachgeholte Prozeßhandlung zu treffen hat Der Antrag muß enthalten: 1. Die Angabe der die Wiedereinsetzung begründenden Tatsachen, 2. die Angabe der Mittel für ihre Glaubhaftmachung, 3. die Rachholung der versäumten Prozeßhandlung, oder die Bezugnahme darauf, wenn diese bereits nachgeholt ist. Die Kosten der Wiedereinsetzung fallen dem Antragsteller zur Last, soweit sie nicht durch einen unbegründeten Widerspruch des Gegners entstanden sind. Rach Paragraph 466 der Zivilprozeßordnung kann ein Schwurpflichtiger die Folge der Versäumung des zur Eidesleistung bestimmten Serin ns dadurch beseitigen, daß er nachträglich bei dem Prozeßgericht die Abnahme des Eides beantragt. Dieser Antrag ist nur innerhalb der Rotsrist von einer Woche nach dem versäumten Termin zulässig. In diesem Falle wird vom Prozeßgericht von Amts wegen ein Termin zur mündlichen Verhandlung über die Zulässigkeit der Wiedereinsetzung bestimmt und den Parteien bekanntgegeben. Sollte die Abnahme des EideS vor dem Prozehgericht erfolgen, fo ist der Termin zugleich zur nachträglichen Abnahme des Eides und weiteren mündlichen Verhandlung zu bestimmen. lätzliche, nicht als fahrlässige), eine Bestrafung anderer Deliktsfarmen in Ergänzung des Reichsrechts durch Länder ober Gemeinden ausgeschlossen ist. Daraus ergibt sich weiterhin, baß die obengenannte Palizeiverordnung Gesetzeskraft nicht erlangt hat. Wenn bas Gericht hier auch zu einer Ablehnung der Rechtsgültigkeit der Palizeiverordnung kommt, so ist damit aber noch nicht gesagt, daß nun grundsätzlich keinerlei Polizeiverordnungen erlassen werden können, die sich mit Fragen bes Funkrechts und damit mit dem Schutze vor Rundfunkstörungen beschäftigen. Wie Ministerialrat Dr. Neugebauer, der das Fernmelderecht kommentiert hat, ausführt, ist der Schutz bes Betriebs von Runbfunkernpfangs- anlagen nicht Gegenstand polizeilicher Fürsorge. Nur soweit befonbere lanbesrechtliche Bestimmungen be- stehen, könnte das Gebiet elektrischer Beeinflussung mehrerer elektrischer Anlagen untereinander zum Gegenstand polizeilicher Regelung gemacht werden. Die Hauptstrafbestimmungen für Funkstörungen befinden sich in dem Gesetz über Fernmeldeanlagen. Danach wird mit Gefängnis oder Geldstrafe bestraft, wer in der Absicht, den Betrieb einer Funk- anlage zu verhindern oder zu stören, elektrische Arbeit verwendet oder für die Anlage bestimmte eiet- Irische Arbeit entzieht, wenn die Verhinderung oder Störung eingetreten ist. — Störungen im Funkoer. kehr sind danach nur unter einem ganz bestimmten Gesichtspunkt für strafbar erklärt. Unter die Strafbestimmungen fallen nur vorsätzliche Stö- rungshandlungen, außerdem wird sogar die Absicht der Störung zum inneren Tatbestand gefordert, so daß also das Bewußtsein des Täters allein von der eingetretenen Störung zu feiner Bestrafung nicht ausreicht. Damit ist nun aber keineswegs gesagt, daß etwa der Rundfunkhörer schutzlos ist. Allerdings ist eine Reihe von Gerichten in rechtskräftigen Entscheidungen zu der Feststellung gelangt, daß durch das Gesetz über die Fernmeldeanlagen, nach dem Störungen des Betriebes elektrischer Anlagen durch eine spatere Anlage ober eine spätere Aenderung einer bereits bestehenben Anlage unzulässig find, die Bestim- mungen bes BGB. ausgeschlossen werden. Sowohl das Landgericht I Berlin, wie das Landgericht Schwerin haben in rechtskräftiger Entscheidung zum Ausdruck gebracht, daß durch bas Gesetz über die Fernmeldeanlagen ein Sonderrecht geschaffen fetz so daß daneben die allgemeinen Vorschriften bes BGB. über Besitz und Eigentum nicht anwendbar seien. Eine große Reihe von Gerichten hat sich aber dieser Auffassung nicht angeschlossen. Es sind eine Reihe von Entscheidungen bekannt, in denen die Gerichte auf Grund der Bestimmungen des 2GB. sehr wohl die Störungen durch Rundfunkanlagen ober sonstige elektrische Apparate unterlagt haben Durch diese verschiedenartigen Stellungnahmen der Gerichte ist leider dem Rundfunkhörer nur wenig geholfen, zeigen sie doch, bah es auch heute noch an einer einheitlichen Regelung ber Beseitigung von Störungen be» Runbfunkempfangs fehlt. Fest steht nur, baß tatsächlich dem Rundfunkempfänger ein Schutzanspruch gegen Staunten gegeben ist. Die Frage aber, wie weit dieser Störungsschuy im einzelnen geht, bleibt trotz aller Gerichtsentfcheidungen noch offen. Es ist bedauerlich, bah man hier noch nicht zu einer Regelung gekommen ist, nachbem ber Rundfunk weit über das Lerfuchsstadium hinaus zu einem allgemeinen Volksunterhaltungs. und Bildungsmittel geworden ist. Es erscheint angebracht, hier auf eine gesetzliche Regelung zu bringen, die einwandfreies Recht schafft. ZeugniS-VerweigerimqSrecht im Strafprozeß. Es kann täglich Vorkommen, daß jemand, auch wenn er noch nicht eidesfähig ist, wenn er also noch nicht 16 Jahre alt ist und zum Schwur kommen kann, Zeuge einer Handlung wird, die demnächst Gegenstand eines Strafverfahrens wird und in dem er vor die Polizei, die StaatSanwal- fchaft oder das Gericht geladen wird, um vor diesen Behörden Aussage über feine Wahrnehmungen zu machen. Es fragt sich, ob er zunächst einer Ladung Folge zu leisten hat. Der verständige Staatsbürger. der einer geordneten Rechtspflege keine Hindernisse in den Weg legen will, wird stets sofort einer jeden Ladung Folge leisten. Einen Zwang zum Erscheinen eines Beschuldigten oder Zeugen kann jedoch nut das Gericht ausüben, das einen VorführungLbefehl zu erlassen in der Lage ist. wenn ein ordnungsmäßig geladener Zeuge nicht erscheint. Handelt eS sich um ein Ausbleiben in einer Hauptverhand- lung, so ist der Zeuge immer in die durch das Ausbleiben verursachten Kosten, sowie zu einer Ordnungsstrafe in Geld und für den Fall, daß sie nicht beigetrieben werden kann, zur Strafe der Hast bis zu 6 Wochen zu verurteilen. Einer Ladung vor die Polizei oder die Staatsanwaltschaft muß niemand Folge leisten: eS gilt jedoch das oben allgemein Gesagte. Unter gewissen Verhältnissen hat der Geladene ein ZeugnisverweigerungSrecht. über das die betreffenden Personen vor jeder Vernehmung unbedingt zu belehren sind. Zur Verweigerung deS Zeugnisses sind berechtigt: l.Der Verlobte eines Beschuldigten. Sin lockeres „Verhältnis" genügt nicht zur ZeugniSverwei- gerung, sondern es muß ein gegenseitiges, ernsthaft gemeintes Eheversprechen vorliegen. 2. Der Ehegatte des Beschuldigten, auch wenn die Ehe nicht mehr besteht, etwa Ehescheidung vorliegt. 3. Wer mit dem Beschuldigten in gerader Linie verwandt (z. D. Großvater und Enkel), verschwägert, oder durch Annahme an KindeSstatt verbunden (Adoptiveltern und -kinder). ist oder in der Seitenlinie (z. D. VaterS Bruder) bis zum dritten Grade verwandt, oder b!S zum zweiten Grade verschwägert ist. auch wenn die Ehe, durch welche die Schwägerschaft begründet ist, nicht mehr besteht. Der Verzicht auf das Zeugnisverweige- rungsrecht kann noch während der Verhandlung widerrufen werden. Zur Zeugnisverweigerung sind ferner berechtigt: 1. Geistliche über das. waS ihnen bei Ausübung der Seelsorge anvertraut wurde. 2. Verteidiger des Beschuldigten, über das. waS ihnen in dieser Eigenschaft anvertraut ist. 3. Rechtsanwälte und Aerzte über daS, WaS ihnen bei Ausübung ihres Berufs anvertraut ist. Die unter 2 und 3 bezeichneten Personen dürfen das Zeugnis nicht verweigern, wenn sie von dem Beschuldigten oder Angeklagten von der Verpflichtung zur Derufsverschwiegenheit entbunden worden sind. Das Vorfahrtrecht. 3n den Kreisen der Kraftfahrer besteht über die Frage des DorfahrtrechtS noch immer Llnklarheit. Infolgedessen kommt manche Verletzung des genannten Rechts und damit auch manche Bestrafung vor. die hätte vermieden werden können. Zwar gab es eine Zeit, in der diese Frage sehr umstritten war und in der nicht nur bei den Kraftfahrern, sondern auch in der Rechtsprechung und im Schrifttum stark voneinander abweichende Meinungen bestanden. Diese Zeit ist aber nun vorbei, nachdem das Reichsgericht grundsätzlich gesprochen und damit eine bindende Rechtsprechung herbeigeführt hat (Reichsgericht in Zivilsachen, Band 125 Seite 203 ff ). Die vielen Verurteilungen, die immer noch auf dem Gebiete des VorfahrtrechtS erfolgen, lassen es im Interesse der Krastlahrer ratsam erscheinen, die Grundsätze des Reichsgerichts noch einmal kur; zusammenzustellen. Bei der Beantwortung der in Rede stehenden Frage ist auszugehen von dem § 24 KDO.. der die Absicht hat. Zusammenstöße an Kreuzungen, die für die Kraltfahrzeuge ganz besonders gefährlich sind, möglichst auszuschalten. In Verfolg dieser Absicht gilt die unumstößliche Bestimmung, daß derjenige Fahrer, der zur Gestattung der Vorfahrt verpflichtet ist. nur in dem Falle vor dem zur Vorfahrt berechtigten Fahrer die Kreuzung überfahren darf, wenn er nach Lage der gesamten Llmstände rnitBestimmtheit an - nehmen kann, daß er die Kreuzungsstelle bereite zu dem Zeitpunkte überfahren haben wird, in dem das andere Fahrzeug den Schnittpunkt der Fahrlinie erreicht hat. Der Rachdruck bei dieser Bestimmung liegt in den Worten „mit Bestimmtheit annehmen kann". das heißt mit anderen Worten, wenn er nach der Beschaffenheit der Fahrzeuge, nach der Entfernung beider Fahrzeuge von der Kreuzungsstelle, nach der Geschwindigkeit, mit der sie fahren, unbedingt damit rechnen kann, daß er noch früher über den Kreuzungspunkt hinüber kommen wird, als Oie Wiedereinsetzung in den vorigen Stand Rundsunkstörungen und ihre Verhütung. Don Or. jur. Egon Ziehe. das andere Fahrzeug. Gegenüber diesem „mit Bestimmtheit annehmen" scheiden alle anderen Erwägungen rücksichtslos aus. Kommt dem Fah» rer auch nur der leiseste Zweifel, oder muh ihm ein solcher Zweifel kommen, wenn er MC erforderliche Sorgfalt walten läßt, so hat er die bestimmte Pflicht, den zur Vorfahrt berechtigten Fahrer an sich vorüberfahren zu lassen. Aber auch der zur Vorfahrt berechtigte Fahrer hat nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Er darf nicht auf sein Dorfahrerrecht pochen und wild drauflosfahren, er ist gebunden an die Vorschriften der §§ 17 2lbs. 1 und 18 2Ibs. 1 und 2 KVO. Trotz seines unbestrittenen Vorfahrtrechts ist er verpflichtet, bei jeder Annäherung an eine Kreuzungsstelle die erforderliche Sorgfalt und Vorsicht walten zu lassen und zu diesem Zwecke eine Geschwindigkeit zu wählen, die ihm die Möglichkeit gibt, den Verpflichtungen, die ihm als Kraftzeugführer obliegen, nachzukommen. Insbesondere legt ihm der § 18 Abs. 2 die Verpflichtung auf. eine Geschwindigkeit innezuhalten, die es ihm möglich 'macht, wenn die Kreuzung unübersichtlich ist, auf kürzeste Entfernung zu halten. Seht er sich über diese Destimmung hinweg, so droht ihm die Gefahr, schadenersatzpflichtig gemacht zu werden und in Anklagezustand zu kommen, ebenso wie der Fahrer, der das Vorfahrtrecht verletzt hat. Wenn nun auch der Begriff „kürzeste Entfernung" nicht allzu eng gesetzt werden wird und wenn auch bei den älr- teilen in dieser Frage eine Unterscheidung gemacht werden dürfte zwischen einer Hauptverkehrsstraße in der Großstadt mit ihrer geregelten Verkehrsordnung und den Straßen in einer Mittel- oder Kleinstadt, so sind doch die vom Reichsgericht festgelegten Grundsätze derartig, daß jeder Kraftfahrer sie sich bei Kreuzungen immer vor Augen halten sollte. Es würde ihm dadurch manche Unannehmlichkeit erspart werden. Bauer und Staat. Von Dr. Eberhard Meckel. Es wird in der letzten Zeit besonders häufig über die Stellung des einzelnen Menschen, ^ner einzelnen Alters-, Berufs- oder Standesschicht zum Staate geredet und geschrieben. Dabei kann man stets feststellen, daß immer wieder in irgendeiner Weise vor allem vom gegenwärtigen Staate ausgegangen wird, und daß man erst von dort aus in der Untersuchung schließlich zum Menschen gelangt, zur einzigen Schicht mit den jeweiligen individuellen Bedürfnissen und Forderungen. Dadurch wird das Ganze von,vornherein in das Politische abgedrängt, was gewöhnlich ja auch dem Sinn solcher ®r* orterungen entspricht, für eine einzelne Schicht eine Staatsanschauung festzustellen, ein Für oder Wider gegen den Staat zu erzielen Es muß aber auffallen, daß durchweg eine bestimmte Menschenschicht in den Kreis der Unter» suchungen und Betrachtungen nicht einbezogen wird: Das Bauerntum. Denn hier versagt die angegebene Art der Llntersuchungsführung vollkommen. Bei keiner anderen Standesschicht ist es sinnwidriger, in einer Betrachtung über das Verhältnis zum Staate zunächst vom gegenwärtigen Staate auszugehen als beim Bauerntum. Die Verhältnisse liegen heute im allgemeinen so, daß eigentlich jede Derufsschicht — mit individuellen Ausnahmen — in irgendeinem Sinne dienend geworden ist, auch in den Berufen mit sog. freier Geistesarbeit. Das bedeutet, daß sich auch das Vermögen einer eigenen Anschauungsbildung von Grund auf durch die Zeit gewandelt hat und von den dem ursprünglichen Menschen gefühlsmäßig eingeborenen inneren Lebens- und Anschauungsmo^lichkeiten abgedrängt wurde in der aus den Verhältnissen der Zivilisationsumwelt und Berufsschichtung zwangsläufig sich ergebende Anschauungsform. Eine bestimmte vernunftgemäße Staatsanschauung ist zum Beispiel ein Ergebnis davon. Denn jede Berufsgruppe steht ja in einem verbindlichen Verhältnis zum Staat; daher ist auch die politisch ab- gefahte Fragestellung nach dem Verhältnis der einzelnen Berussgruppen zum Staate begründet. Beim Bauerntum muß sie, wie gesagt, versagen. Trotz aller verzweifelten Einspannung in die Geldwirtschaft ist der Bauer auch heute noch der freieste Mensch. Er, als der ursprüngliche Mensch, der auf seinem eigenen Grund und Boden sitzt, daraus seine zum Leben notwendige Rahrung direkt beziehen kann, verkörpert auch heute noch sozial und geistig die möglichste Selbständigkeit und Unabhängigkeit. In ihm, soweit er wirklich im eigentlichen Sinn des Wortes Bauer blieb, ist alles Äun unö Denken noch in einem gewissen Grade unverbilMt vorhanden. Der Sinn für das Selbstverständliche und Einfache, der dem zivilisierten Menschen erst auf Umwegen der Bildung vielleicht menschlich wieder aufgeht, ist ihm noch eingewurzelt. Der Dauer ist die zeitloseste Erscheinung der Gegenwart. Aus der Unmittelbarkeit seiner Beziehungen zum Leben als Ganzes und seinem daraus entspringenden Gefühl der Einheit aller verschiedenen Lebensäußerungen, die er noch gläubig als von einer höheren waltenden Macht geschaffen empfindet, erwächst auch seine Einstellung zum Staate. Sie ist von einer großen Selvst- verständlichkeit getragen, ohne jeglichen Umweg, wie ihn der. der kein Dauer mehr ist. wohl meistens gehen muß. Für den wahren Bauern aber, der sich die Möglichkeit bewahrt hat. die Unmittelbarkeit aller Zusammenhänge zu sehen, ist der Staat — wie es für ihn etwa die Familie ist — Ausdruck einer gläubig empfundenen Macht und daher gottgewollt. __ Der Dauer ist darum im Vergleich zu anders Berussgruppen derunpolitischsteMensch. Und die Fragestellung über fein Verhältnis zum Staate in der üblichen Weise vorzunehmen, bedeutet eine Verkennung und Verschiebung seines wahren Wesens. Man hat im Gegenteil beim Dauern zuerst als von ihm als Menschen auszugehen. weil er nie in einem verbindlichen tt^r- hältnis politischer Art zu einer Staatsform stehen kann. Er hat also bestimmt keine ausgesprochene Staatsanschauung in dem Sinne, wie sie die anderen Berussgruppen haben, für die sie aus den für sie geltenden zeitlichen Umständen bedingt ist. Eine Betrachtung über das Verhältnis des Bauern zum Staate kann demnach nie im Politischen, sondern n u r i m Menschlichen seine Stellungnahme darlegen, die gerade deshalb für die Gegenwart in der das Menschliche hinter dem Politischen zurücktritt, von Bedeutung ist. , . Der Staat ist dem Dauern keine politische Angelegenheit. Es ist der unpolitischeGe- meinschaftsgedanke. der bei ihm als fast einzigem in der Volksgesamtheit in der ursprünglichen Auffassung vorhanden ist. Da der Staat dem Dauern als Gegebene« und nicht al« Ge- bildetes erscheint, ist er.konservativ von 0? atur; konservativ in bezug auf das ihm ein- geprägte Urbild der Gemeinschaft. Die.Schwan, kungen der Staatsform lassen ihn fast gleichgültig. So ist ihm eigentlich der Begriff -^ntion fremd, denn er kennt keine Einigung durch geschichtlich- politische Entwicklungen. Sein starkes Traditionsgefühl, das nichts zu tun hat mit einer Tradition im historischen Sinn, geht einzig und allein vom Doden aus und allem, was damit zusammen- hängt und endigt auch dort 2hm ist der Doden alles der Staat ist eine Schutzmoglichkeit dafür und 'eine solche ist zugleich auch ein jeder der Anteil hat an diesem Doden. „Der Staat ist jeder", so kann man immer wieder den Dauern sprechen hören. Seine Art der Bejahung des Staates ist vielleicht eine der wenigen, heute noch ganz ethisch begründeten Beziehungen zum Staatsgefüge. Jedes Politische im heutigen Sinne ist ihm fremd. Er ist zu einfach zu politischer Argumentation, aber was bei ihm natürliche Einfachheit ist, hat nichts zu tun mit der Beschränktheit, die vielfach die Angehörigen anderer Derufsgmppen urteilslos ins Politische zieht. Daher ist der Dauer, wenn er politisch wird, fast immer noch ein Opfer für etwas ihm nicht Wesensbedingtes geworden. Wohl braucht er, um in der heutigen Zeit mit seinen wirtschaftlichen Rot» wendigkeiten vertreten zu sein, einen politischen Rückhalt. Aber eine direkte Politisierung bedeutet eine Verschiebung seiner natürlichen Gegebenheiten und Möglichkeiten. Sie ist ein menschliches Unrecht aus blindem politischem Egoismus ent» ^D^ Dauern nach ihrer Parteilichkeit zu werten, die gerade in Deutschland durchaus landschaftsbedingt ist. und sie dadurch politisch einzuordnen, geht nicht an. Man erfaßt daher nur die Oberfläche. nicht den Kem. Denn über alle Verschiedenheiten, über alle Partei hinweg geht etwas unterschiedslosGemeinsames. das sich beraushebt aus dem uns heute gewohnten Dilde: Vor allem die so nottuende- menschliche Einstellung, die unverbildet und einfach bejaht, die den Grund noch in sich trägt, der ein Halt ist auch für das Gegenwärtige, das zwischen den Extremen schwankt. Mit dem fortschreitenden Verlust dieser in ihrem reinen Sinne allein noch beim Dauern bewahrten Einstellung müssen wir mehr und mehr die Grundlagen für ein organisches Staatsgebilde verlieren. „Die Leute von drüben. Don unserem bl. ^.-Berichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Bukarest, Juni 1932. Unter den politischen Schlagworten, die die Nachkriegszeit im Südosten geprägt hat, steht der Begriff „Die Leute von Drüben" an allererster Stelle und in den beiden wichtigsten Staaten des Südostens, in Jugoslawien und Rumänien, dreht sich, innenpolitisch gesehen, alles um diese „Leute von Drüben". Sie wohnen jenseits der Landesgrenzen von 1914 und heißen in Jugoslawien Kroaten und Slowenen, während sie in Rumänien unter dem Sammelbegriff „Die Sie- benbürger" marschieren. Gemeinsam ist allen dreien — Kroaten, Slowenen und Siebenbürgern — die Abneigung gegen die „Leute | aus dem Alten R e i ch", verschieden ist lediglich die Art des Kampfes, den sie offen oder versteckt gegen ihre „Brüder" von einst und „Herren von heute" führen. Im alten Oesterreich-Ungarn bildeten die Kr o a t e n einen Staat im Staate, sie genossen alle Rechte und Freibeiten, die Habsburgertreue der Kroaten war sprichwörtlich, und mit den Tirolern zusammen bildeten sie die Garde, die Elite der kaiserlichen und königlichen Armee. Völkisch gesehen kämpften sie jedoch einen erbitterten Kampf gegen die Madja- risierungsbestrebungen Budapests, von dem sie staatsrechtlich abhingen und dem Wien nach dem Grundsatz „divide et imperia" freie Hand gelassen hatte. Stein Wunder also, daß sich die Kroaten nach dem Zusammenbruch der Monarchie in ihrer Freude, den ungarischen Entnationalisierungsbestrebungen entronnen zu sein, jubelnd in die Arme der rassegleichen Serbe n warfen, von denen sie aber nunmehr nicht als gleichered)- tigte „Brüder" angesehen, sondern als „eroberte Provinz" behandelt wurden. Trotzdem haben die Kroaten in den ersten Iah- ren des Zusammenlebens im neuen Hause um die Siebe und das Verständnis Belgrads gerungen wie ein Liebhaber um die Braut, aber ihr Marquis- Posa-Ruf nach Gedankenfreiheit und Gleichberech- tigung ist immer wieder ungehört verhallt. Die Erschießung des kroatischen Bauernführers Ra- ditsch und seiner Genossen in der Skupschtina, eine Tat, die nur in der Ermordung Casars im Senat ein Gegenstück aufweist, bildete den Abschluß des legalen Kampfes, den Agram gegen die „Ser- bianer" geführt hat. Ausgesprochener Typus dieser Serbianer war der General Schifkowitsch, der mit allen Mitteln daran arbeitete, ganz Jugosla- wien auf einen Nenner zu bringen, das heißt, es zu jetbifieren. Aber die Träger dieser Idee übersahen eins: ihre Methoden der Entnationalisierung, übersteigerter Zentralismus, Kampf gegen alle völkischen und nationalen Eigenheiten, gegen Schulen, Sprache und Sitte, waren vielleicht auf den kulturell besonders tiefstehenden Teil des Reiches wie Mazedonien oder Albanien anwendbar. Aber ein im besten Sinne des Wortes westeuropäisches Land wie Kroatien wird stch niemals dazu ^ergeben, einer fiktiven Einheit zu Liebe auf der Treppe der kulturellen Höherentwicklung ein paar Stufen herab auf das serbische Niveau zu steigen. Dagegen sträubt sich Kroatien, das ist der Kernpunkt des serbisch-kroatischen Gegensatzes, den die verschiedenen Morde und Attentate in Agram und Belgrad immer wieder urbi et orbi vor Augen führen, und die es durchaus nicht unwahrscheinlich erscheinen lassen daß das jugoslawische Reich, das einst in Serasewo mit Pistolenschüssen aus der Taufe gehoben morden ist, eines Tages mit Bomben und Granaten wieder zu Grabe getragen werden wird. Diese, einer Steigerung kaum noch fähigen Gegensätze zwischen dem „Altreich" und den „Leuten von Drüben", wie wir sie in Jugoslawien finden, bestehen in diesem Ausmaße in Rumän ie n nicht, weil der Rumäne des Alt-Reiches, sprich „Dorkriegsrumänien", in keiner Weise und auf keinem Gebiete ein „Fanatiker" ist. „Fanatiker der Arbeit" sind im Altreich genau so seltene Vögel wie „Fanatiker des Nationalismus". Der Rumäne begeistert sich schnell, aber sein Enthusiasmus oer» lodert wie Strohfeuer, wenn sich die ersten wirklichen Schwierigkeiten zeigen. Er will „leben" und läßt andere „leben", und im allgemeinen legt er auch allen wirklichen Lebensfragen gegenüber jene „absolute Wurschtigkeit" an den Tag, die in gewissen Fallen als äußeres Zeichen wirklicher Großzügigkeit gewertet werden kann. Die Gegensätze zwischen dem rumänischen Altreich und den „Leuten von Drüben", den „Siebenbürgern", die sich aus „Rumänie n" (derentwegen dies Gebiet beim Friedensschluß von Ungarn abgetrennt wurde), aus „Sachse n" u^b aus „U n • garn" zusammensetzen, resultieren Msvlgedesjen in erster Linie aus der Lebens- und Dienstauffassung der beiden Kontrahenten, genauer vielleicht aus der Entwicklung und Erziehung, die sie in der Vergangenheit durchgemacht haben. Das Altreich war bis 1918 ein „balkanischer" Staat, ein verle- vantinisiertes Gebilde, behaftet mit allem, was man sich unter dem Schlagwort „Balkan" vorzustellen pflegte. Die „Siebenbürger" dagegen waren und find — genau wie die Kroaten — unter ausschließlich west europäischem Kultur e in f (u fj groß geworden und durch die Kette der Karpathen und das Sibingebirge auch geographisch wie durch eine hohe chinesische Mauer von jenem „Balkan" getrennt gewesen, dessen Mittelpunkt Bukarest bildete. Als dann die Karpathenscheidewand politisch gefallen war, ging das Alt-Reich selbstverständlich — genau wie die Serben — ans Werk, um nicht nur die ftammes- und rassegleichen Siebenbürger Rumänen, sondern darüber hinaus auch die sie« benbür gischen Sachsen und Ungarn in das neue Reich „einzugliedern". Da dieser Eingliederungsversuch im Anfang von Altreich-Rumänien und Siebenbürger Rumänen gemeinsam auf dem Rücken der artfremden Sachsen und Ungarn unternommen wurde, weil das Rumänentum als Ganzes auf Kosten dieser „Fremden" die denkbar größten Vorteile für sich herausschlagen wollte, hätte die Lage der Minderheiten außerordentlich ernst werden können, wenn eben nickst letzten Endes die „Mentalität" der Alt-Rumänen und die große Wirtschaftskrise diesem Vochaben ein Ende gemacht und auch Rumänien in zwei getrennte Lager gespalten hätte. Infolgedessen steht auch in Rumänien heute auf der einen Seite das „Alt-Reich" (Serbien), auf der anderen die „Siebenbürger" (Kroaten), die, ganz gleich, ob es sich um Rumänen, Ungarn oder Sachsen handelt, heute eine erhebliche Unzufriedenheit mit Bukarest an den Tag legen. Warum? Zunächst denken diese „Leute von Drüben" — auch wenn sie sonst an Ungarn kein gutes Haar lassen — mit Sehnsucht an die ver- nene saubere ungarische Vermattung zuruck, für as Altreich bisher noch keinen Ersatz hat schaffen können. Außerdem stehen die „ßeute von Drüben" kulturell auf allen Gebieten der Technik, der Landwirtschaft, der Viehzucht, Wissenschaft, Hygiene, allgemeinen Bildung und Staatsausfassu' i auf einem wett höheren Niveau als das Altreich. Diese höhere Kulturstufe kommt äußerlich durch schweren, behäbigen Reichtum zum Ausdruck, der den Staat natürlich veranlaßte, seine neuen, reicheren Provinzen zu entsprechend höheren finanziellen Leistungen heranzuziehen. Das aber ist die Stelle, wo auch der größte Patriot empfindlich zu werden beginnt und die Schuld an dem durch die Weltkrise heroorgerufenen Niedergang seines Lebensstandards ohne weiteres dem Falschen, in diesem Falle der Bukarester Zentrale, ausschließlich und allein in die Schuhe schiebt. Daß diese Zentrale ein gerüttelt Maß von Schuld an den chaotischen Wirtschaftszuständen und an der daraus resultierenden allgemeinen Unzufriedenheit trägt, kann nicht geleugnet werden, aber der Kö - n i g — als Exponent dieser Zentrale — und das Das silberne Trapez. Von Franz Karl Wagner. . Oberinspektor Victor Jollioet hatte seit langem einmal einen freien Abend, verließ um sieben Uhr das Polizeipräsidium und begab sich in bas Casino de Paris, um einer VarietSvorstellung beizuwohnen. Da er im Präsidium keinem Menschen sagte, wohin er ging und auch im Foyer niemand getroffen hatte, mit dem er bekannt war, so konnte er hoffen, wenigstens ein paar Stunden vor allen dienstlichen Ueberfällen sicher zu sein. Das Programm begann mit einigen schwächeren Darbietungen, doch Nr. 4 schien die Sensation des Abends zu fein. „Das Todesrad, ein unerhört kühner Lustakt , las Oberinspektor Jollioet und blickte gespannt auf die Bühne, als der Vorhang hoch- ging. Ein junges Mädchen, gefolgt von ihrem Partner, beide in einem schillernden Flittertrikot, traten aus der Kulisse und verbeugten sich lächelnd. Dann kletterten sin an einem Seil zu einem Trapez empor, bas an ber höchsten Stelle ber Bühne angebracht war. Die Metallstange blitzte im Bühnenlicht wie blankes Silber und Jollioet hob sein Glas, um die kühnen Evolutionen des Paares zu beobachten. Nach verschiedenen Tricks begann die Artistin, an den Händen ihres Partners hängend, der mit dem Kopf nach abwärts sich nur mit den Füßen festhielt, mit großen Schwingungen hin. unb herzupendeln. Dann sauste der Körper durch die Luft, das Mädchen schnellte sich empor und stand fast im gleichen Augenblick regungslos wie eine Statue auf ber Metall- ftange, umbonnert vom Applaus bes Publikums. Nach einer kleinen Atempause verfinsterte sich die Bühne, nur an den Enden der Trapezstange unb an den beiden Drahtseilen leuchteten buntfarbige elektrische Birnen auf. Der roeifa Kegel eines Schein- werfers tauchte den Körper der jungen Artistin in blendende Helle. Jetzt hing bas Mädchen mit den Zähnen an einem Haken, der am Trapez befestigt war. Wieder versetzte sie sich in Schwingungen und wirbelte schließlich wie ein großes glitzerndes Rad um die silberne Stange. Da plötzlich ... im Zuschauerraum gellten im gleichen Augenblick ein paar Schreckensrufe auf ... sauste der Körper des Mädchens vom Trapez herab ... In der nächsten Sekunde fiel ber Vorhang, bie I Leute sprangen von ihren Sitzen und riefen erregt | durcheinander. Auch Jollioet stürzte aus dem Zuschauerraum und hämmerte kaum drei Minuten später schon mit seinen Fäusten an den kleinen eisernen Eingang, der zur Bühne führte. Er drängte sich an dem Feuerwehrmann, der ihn aufhatten wollte, vorbei, und schob rücksichtslos die Leute fort, die hier schweigend um einen regungslosen Körper standen. Ein Blick in bas Gesicht bes Theaterarztes genügte dem Oberinspektor zu wissen, daß hier jede Hilfe vergebens war. Neben der Leiche des jungen Mädchens kauerte schluchzend ihr Partner. Jollioet berührte ihn leicht an ber Schulter: „Wie ist bas Unglück geschehen? Hat ber Apparat nicht funktioniert ober verließen Ihre Partnerin die Kräfte?" Der Angesprochene wandte sein blasses Gesicht dem Detektiv zu und antwortete schroff: „Wer find Sie ..., was wollen Sie?" ,Zch bin Oberinspektor Jollioet von ber Polizeipräfektur und war zufällig zugegen, als bas Unglück geschah. Da bachte ich mir, Sie brauchen vielleicht meine Hilfe ...? „Nein, banke, mir kann niemanb mehr helfen", erwiderte ber Artist. „Pepina war die beste Partnerin, nun ist sie tot, unsere Nummer zerstört ... Ich habe nicht nur meine Braut, sondern auch mein Engagement verloren." „Ein entsetzliches Unglück", jammerte ein kleiner wohlbeleibter Herr. „Ich danke Ihnen, Oberinspektor, daß Sie sich um die Sache bemühen, aber es handelt sich ganz einwandfrei um einen Unfall. Ich hoffe, die Polizei wird mir doch keine Unannehmlichkeiten bereiten... Herr Bresani hat jeden Abend knapp vor seinem Auftreten das Trapez genau unterfudjt unb meine Leute stets bei ber Montage überwacht. Sagen Sie es boch selbst bem Herrn Oberinspektor, baß sich bie Sache so verhält!" „3a ... ja ... gewiß, es war ein Unglück, Pepina muß einen Schwächeanfall gehabt haben, sonst hätte bas nie passieren können. Sie war bie sicherste Zahnathletin unb in den zwei Jahren, in denen wir zusammen arbeiteten, hat es nie einen Zwischen- fall gegeben/“ Oberinspektor Jollioet nickte mit bem Kopf unb sagte dann: „Ich bedauere Sie sehr, Herr Bresani, das junge Mädchen scheint eine große Künstlerin gewesen zu sein." „Sie machen also keine Schwierigkeiten, Ober- Inspektor?" fragte nochmals ber kleine Herr ängst- lief). „Beruhigen Sie sich nur, Herr Direktor , entgegnete Jollioet. ,Zch habe sofort gesehen, daß hier kein Fall für bie Polizei vorliegt." Er grüßte freundlich und verschwand zwischen den Kulissen. Inzwischen hatte einer ber Artisten bas Publikum mit kurzen Worten beruhigt und nach einer Unterbrechung von fünfzehn Minuten nahm bas Programm seine Fortsetzung. * Oberinspektor Jollioet stand in einem Gange des ersten Stockwerkes, auf den die Türen der Artisten- garderobe mündeten. Er sprach mit einem hingen Manne, einem Beamten der Theaterkanzlei, den er in der Verwirrung aufgefischt hatte. „Ich danke Ihnen für Ihre Aufklärungen!" Jolli- vet schüttelte dem jungen Manne die Hand. „Sagen Sie mir nur noch, wo befindet sich bie Garderobe dieser Tänzerin?" „Fräulein Falconi hat Nr. 15." Oberinspektor Jollioet öffnete gleich darauf ohne anzuklopfen eine Türe unb trat ein. Vor einem Toilettentisch saß eine Frau in einem grellen gelben Kimono unb fuhr Jollioet ungehalten über diese Störung an: „Was erlauben Sie sich ... wer find Sic überhaupt?" „Ich weiß ... es ist eine große Taktlosigkeit, fo ohne weiteres hier einzudringen ... entschuldigen Sie ... aber ber Dienst ...ich bin Oberinspektor Jollioet!" „Don ber Polizei?" fragte bie Tänzerin sichtlich verlegen. Die Stimme des Detektivs war scharf als er fragte: „Sie find eine Landsmännin Bresanis und waren in letzter Zeit sehr oft in seiner Gesellschaft? Es gab Eifersuchtsszenen zwischen Ihnen und Pe- pina ... stimmt das?" Fräulein Falconi kreischte auf: „Ich habe ihr nichts getan ...ich nicht ...!" „So ... fo ... unb Herr Bresani?" Eine Vietelstunbe versuchte Jollioet aus ber Tänzerin etwas herauszubringen, aber diese chwieg beharrlich. Er verließ bas Zimmer, sperrt die Ture ab unb steckte den Schlüssel zu sich. Dann stieg er wieder zur Bühne hinunter, wo gerade eine Akrobatengruppe ihre Künste zeigte. Jollioet gab einem Bühnenarbeiter ein Zeichen unb als dieser auf ihn zutrat, flüsterte en „Ußo ist bas Trapez?" Der Arbeiter beutete auf einen Winkel, und als er näher trat bemerkte er Bresani. Dieser fuhr den Detektiv grob an: „Was haben Sie denn schon wieder hier herumzuschnüffeln?" „Das ist einmal mein Beruf", versetzte der Oberinspektor liebenswürdig, bückte sich und hob bie Trapezstange auf. „Lassen Sie meine Sachen tn Ruh!" Brefani bebte vor Wut. Aber Oberinspektor Jollioet ließ sich nicht ab* halten unb untersuchte bas Metallstück eingehend, Dann fuhr er fort: „Ein Mensch, ber über genügend teuflische Erfindungsgabe verfiigt, kann mit diesem Ding da einen ganz schonen Mord inszenieren und babei mit 99 Prozent hoffen, daß ein solches Verbrechen unentdeckt bleibt. Aber dieses eine Prozent ... das ist es eben ..., darüber stolpern bie meisten Verbrecher ...." Der Detektiv loste von bem Trapez ein kleines Stückchen isolierten Drahtes. „Sehen Sie, Herr Brefani, wenn ich fünf Minuten später komme, ist dieser Draht verschwunden und kein Mensch hätte jemals erfahren, daß Sie Ihre Partnerin um- gebracht haben ...!" Bresanis Hand zuckte auf, eine Messerklinge blitzte. Aber ber Artist fuhr zurück, benn er sah m bie Münbung eines Revolvers, ben Jollioet auf ihn gerichtet hatte. „Diesen Unsinn werden Sie erst beweisen müssen ..." stieß Bresani heiser hervor. „Beweisen ... nun gut: Sie haben ganz einfach von ber elektrischen Leitung, bie zu ben farbigen Birnen führt, eine Verbindung mit ber Metallstange hergestellt. Mit einem zweiten Stück Draht, ben Sic dazwischen geschaltet haben, stellten Sie den Kontakt her. Ein kleiner Druck und durch die Me- tallftange ging ein Strom von 250 Volt. Kein Wunder, daß Pepina mit ihren Zähnen loslassen mußte und abstürzte..." Der Artist vergaß alle Vorsicht: „Wer hat mich verraten?" schrie er mit verzerrtem Gesicht. „Ihre eigene Unvorsichtigkeit! Wenn man feine Partnerin so enorm hoch versichert hat, um diese Summe durch einen Mord sich anzueignen, läßt man die Prämie — auch nicht ausnahmsweise — durch die Theaterkanzlei an die Versicherungsgesellschaft überweisen. Das werden Sie wahrscheinlich mit Ihrem Kops bezahlen, Brefani!" Um die Hände bes Artisten schlossen sich zwei Stahlfesseln, Än, nnk !r m K pl8en y.. 3mn '^‘Uten SW? jr.^5’ Iptid> 5" fcfB, [ &n mirf. •'ÄJb{n unh “'W te-t „ V‘t U «fit ’Wn ru,„ich ' Aibür- LUnßarn ob- V aus „un, , N°l«l>klten ’ ^enftauffaj, vielleicht 'f J” i>er .?•’®ta» °°l. em oerlt. , allem, wo, ialkan' vorzu- 'ogegen waren 'n - unter chem Aul. M die »eite Ö« auch gto. >tst!chr Dauer 'n. btfltn Tiit. J politisch gt. 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Und nun haben — ohne daß die Sondertnteressen des Altreiches gefährdet. zu werden brauchen — diese „Rationalzaranisten" die unangenehme Aufgabe zu zeigen, was sie können und vor allem, ob sie in der Lage sind, ihre negative Kritik am Staate durch positive Leistungen zu ersetzen. Von diesem Gesichtspunkte aus gesehn ist die Geschichte vieler Regierungsbildung in mehr als einer Hinsicht interessant: Daß die Tage Iorgar gezählt waren, war be- könnt, und die als ausgesprochen frankophil bekannten Liberalen hatten so bestimmt mit der alleinigen Machtübernahme gerechnet, daß sie auch diesmal den Tituleskuschen Versuch einer Koalition»- oder Konzentrationsregierung sabotierten. Aber zur Ueberraschung aller beauftragte der König die Marionette Manius, den Siebenbürger Vaida Woiwod, mit der Regierungsbildung — in erster Linie, um die .Leute von Drüben' bei der Stange zu halten und dieser Partei, die vor zwei Jahren Karol nach Rumänien zurückgeholt hat, die fällige Dankesschuld abzutragen. Jedenfalls ist Vaida nur eine Uebergangslösung er wird-zunächst die relativ freien Wahlen zu „machen" haben, die dieser Regierung ohne weiteres die Mehrheit bringen werden ... mehr läßt sich zur Stunde nicht prophezeien, und für Deutschland liegt keine Veranlassung vor. auf dieses neue Kabinett irgendwelche Hoffnungen zu setzen. Vaida ist Rumäne und wird immer eine nüchterne rumänische Politik treiben, auch wenn man sich noch so sehr an seinen zum geflügelten Wort gewordenen Ausspruch klammert, daß „der Mensch die Glätte, n>o er zum ersten Mal betrunken gewesen und zum ersten Mal verliebt gewesen ist. nie vergißt'. Vaida hat diesen Sag auf seine Begehungen zu Wien gcpvagt und hmzugefügt, daß er gegen diese Stadt und diese» Land niemals etwas feindliche» unternehmen könne, selbst wenn er die Macht dazu hätte. Aber der Weg von Wien nach Berlin ist well, der Wiener Heurige schmeckt ander» al» die Berliner Weiße, und auch zwischen den beiden deutschen stammen bestehen Gegensätze, die sie in den Augen Der Fremden immer zu Leuten von .»üben* und „Drüben" stempeln werden Die sich al» Nachbarn gut vertragen, die ober als Mieter des gleichen Hause» sehr leicht in Konflikt miteinander geraten können, der meist nur auf dem Prozeßweg auszutragen ist. Kirche und Schule. Dorfkircheniagung in Aidda. DieDorfkirchenvereinigungfürSüd- o b e rhessen plant nach zweijähriger Pause in Dielem Fahre wieder eine Tagung in R i d d a. Die Tagung wird am Mittwoch, 15.Juki, als Jubiläums- tagung stattfinden, da die Dorfkirche jetzt 25 Fahre bcftebi. Dieser Tatsache wird dadurch Rechnung getragen, daß der bewährte Führer der Dorskirche, D. °° n Lupke - Göttingen, sprechen wird über „-uertiefungderEoangeliumserkennt- nis durch dorfkirchliche Arbeit". Der Nachmittag wird einen Dortraa der Pfarrgehilfin Fraulein B e w i g - Lagendorf (Prov Sachsen) über k n Ve Arbeiten an den Frauen auf bem Dorfe" bringen. Zu dieser Nachmittagsver- sammlung sind besonders die führenden Dorffrauen herzlich willkommen. Fräulein B e w i g wird auch am darausfolgenden Sonntag in einer allgemeinen Frauenoersammlung in der Kirche zu Nidda über „Evangelischer Frauendienst an G e - me,nde und Volk" sprechen. Zu dieser Der- sammlung werden jetzt schon alle evangelischen Frauen eingeladen. Wirtschaft. Berlin gebessert, später fest. Berlin, 29. Juni. (WTB. Funspruch.) Nach sehr ruhigem Dormittagsoerkehr zeigte die heutige Börse ssu Beginn eine ziemlich Widerstands- fähige Haltung. Derkaufsorders lagen heute kaum vor. und die gering herauskommende Ware fand zu Kursen Unterkunft, die im Durchschnitt nur um Bruchteile eines Prozentes schwächer lagen. An- berfeit» schritt die Spekulation an einigen Märkten zu Deckungen, die Besserungen hervorriefen. Nach- dem man gestern abend noch ziemlich pessimistisch über Lausanne gestimmt war, herrschte heute mit- tag stärkere Hoffnung, daß doch noch eine Losung in Lausanne gesunden werden wird. Man nahm mit Befriedigung die Erklärung der deutschen Delegation auf, die heute vor- mittaa übergeben worden ist und in der betont wird, daß Deutschland sich auch mit einer materiellen Leistung am Wiederaufbau Europas beteiligen würde, wenn das Reparationsproblem als endgültig erledigt angesehen unb die vollkommene Wiederherstellung des wirtschaftlichen Gleichgewichts erreicht werden würde. Die Kurssteigerungen zum Schluß der gestrigen Neuyorker Börse und die feste Ten- denz der deutschen Werte dort waren gleichfalls an- regende Momente. Sonst lagen Nachrichten nicht vor. Am Montanmarkt konnten Deutsche Erdöl und 'Dlansfelber anziehen, auch Rheinstahl lagen etwas fester. Ilse Genüsse erholten sich um 2% Prozent. Kalipapiere lagen uneinheitlich Salzdetfurth waren um 2% Prozent rückgängig, Bürbach konnten zunächst 1 Prozent und später ein weiteres Prozent anziehen. Wintershall wurden exkl. Dividende notiert. Farben konnten sich leicht befestigen, und auch bie Elektrizitätswerte waren, mit Ausnahme von Chade, die 5% Mark zurückgingen, bis zu 1K Prozent besser. Kunskseideaktien tendierten aber schwach, unb auch Zellstosfwerte waren eher angeboten und niebriger. Reichsbank waren bei einigem fiaufintereffe etwas höher, dagegen waren AG. für Verkehrswesen und Allgemeine Lokalbahn schwach veranlagt. Deutsche Anleihen tendierten uneinheitlich. Reichsschuldbuchforberungen schwächten sich stärker ab, wobei bas Angebot roieber erheblicher war. Pfandbriefe waren sehr ruhig und eher niedriger. JndustrieobNgationen neigten etwas zur Schwäche. Vereinigte Stahlwaren waren heute etwas schwächer. Im Verlaufe konnte sich eine ausgesprochen feste Tendenz durchsetzen, da man über Lausanne sehr günftig gedimmt war. Die Kurse zogen bis zu 3 Prozent gegen Anfang an. Am Geldmarkt war die Situation vor dem Ultimo weiter angespannt. Tagesgeld zog auf 5% bis 1% Prozent an, während Monatsgeld mit 6 bis 8 Prozent no- minell unverändert blieb. Sranffurf schwächer, dann erholt. Frankfurt, 29. Juni. (WTB. Dnchtmel- düng.) In Anbetracht der Unklarheiten über den Ausgang der heutigen Besprechungen in Lausanne herrschte an der Börse starke Zurückhaltung, zumal auch sonst keine Anregungen lagen. Unter dem Druck der Geschäftsunlust zeigten die ersten Kurse gegenüber der Abendbürse Ab- schwächungen um bis zu 1 v. H. Vereinzelt waren auch größere Shirsoedufte festzustellen, so bei Gelsenkirchen. bie 1,39 v. H. nachgaben, bei Schuckert, die 1,25 v. H. niedriger gehandelt wurden, und Salzdetfurth, die in Reaktion auf die feste Haltung der letzten Tage stärker in Angebot lagen und 3,5 vH. einbüßten. Später griff aber eine zuversichtlichere Stimmung Platz, da das Dementi der umlaufenden Gerüchte über eine beabsichtigte Abwertung von privaten Schulden das Geschäft etwas belebte. Auch die Festigkeit der deutschen Werte an der gestrigen Neuyorker Börse trat mehr in den Vordergrund der Erörterungen. IG. lagen 0,75 o. H. schwächer, konnten sich aber dann um 1,5 o. H. befestigen. Bis zu 1 v. H. schwächer eröffneten noch Harpener, Mannesmann, Licht u. Kraft, Zellstoff Waldhof und Scheibeanstalt, dagegen hatten Rheinstahl und Deutsche Erdöl Steigerungen bis zu 1 v. H. zu verzeichnen. Bei Kaliwerten lagen Salzdetfurth in Reaktion auf die feste Haltung in den letzten Tagen stärker im Angebot unb büßten 3% Prozent ein. Am Umsatzgebiet der fe st verzinslichen Werte konnten sich Altbesitz erholen, wogegen Neubesitz eher Schwächeneigung erkennen ließen. Gold- pfanbbricfc waren weiter offeriert. Don ßiquiba- tionspfanbbriefcn fielen befonbers Hamburger Liqu. Pfandbriefe burch sehr schwache Tenbenz auf (minus 2% Prozent), auch Rhein. Liqu. Pfandbriefe lagen im Angebot, ohne sich jeboch kursmäßig wesentlich zu verändern. Reichsschulbbuchforderungen konnten sich zum Teil stärker erholen. Fm Verlaufe der Börse hielt die freundliche Tendenz an, da keine Abgaben der Spekulation mehr zu beobachten waren, sondern eher Deckungs- Neigung vorhanden war. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 29. Sunt. Es wurden notiert: Weizen 261—262,50, Roggen 220, Sommergerste für Brauzwecke 200, Hafer 170—180, Weizenmehl, süddeutsches, Spezial 0 mit Austausch- weizen 38,75— 39,75, Roggenmehl, 70proz., 27,50 bis 28,75, Weizenkleie 8,60, Roggenkleie 8,75—9,00, Weizenmehl, niederrh., mit AuStauschweizen 38,75 bis 39,50. Tendenz, behauptet. - t> Präsident Hoover ließ durch die amerikanischen Delegierten der Genfer Abrüstungskonferenz einen dringenden Appell zugehen, in der er die Herabsetzung der Rüstungen um ein Drittel vorschlagt. Sem Aufruf gipfelt in der drastischen Forderung: „Die Rüstungsausgabcn dürfen nicht langer da» Rückgrat der Wirtschaft und damit de» Welthandel» zerbrechen." Der Voranschlag des Kreises Friedberg für 1932. Am kommenden Gamstag wird der Kreistag des KreiseS Friedberg im KreisamtS- gebäude zu Friedberg zu seiner diesjährigen ordentlichen Sitzung zusammentreten in deren Mittelpunkt die Beratung des Boranschlages deS KreiseS Friedberg für 19 3 2 gehen wird. Der Voranschlag schließt in der Endsumme mit 1000 354 Mark, gegen 1 081 833 Mk. im Vorjahre ab. Davon entfallen auf die De- triebsrechnung 832 729 Mk., gegen 937 329 Mark im Vorjahre, auf die Derrnögensrechnung 167 625 Mark, gegen 144 504 Mark im Vorjahre. 3n der Detriebsrechnung sind verzeichnet: Allgemeine Verwaltung: Einnahmen 3850 (12 410 Mk. i. D.), Ausgaben 30 725 ( 40 286 Mk. i. V.): Polizeiwesen: Einnahmen 36 500 (41 500 Mark). Ausgaben 39 800 (48 100 Mk.): Schulwesen: Einnahmen nichts, Ausgaben 4600 (4700 Mk ): Kunst und Wissenschaft: Einnahmen nichts, Ausgaben 1240 (2040 Mk.): Bauwesen: Einnahmen 3140 (3951 ML), Ausgaben 11 679 (13837 Mk.): Allgemeine Förderung der Wirtschaft: Einnahmen nichts. Ausgaben 6099 ( 8949 Mk.): Wohlfahrtspflege und Gesundheitswesen. Einnahmen 219 094 (256 400 Mk.), Ausgaben 574 980 (643 850 Mk ): Anstalten und Einrichtungen: Einnahmen 3520 (3620 Mk.), Ausgaben 5600 (11 710 Mk): Finanz- und Steuerwesen: Einnahmen 566 625 (619 448 Mark), Ausgaben 158 006 (163 857 Mk ). 3n der DermögenSrechnung ist der Reste- und Ausgleichsstock je in Einnahme und Ausgabe mit 167 625 Mark (im Vorjahre 144 504 Mark) verzeichnet. Als KreiSumlage wird diL Summe von 445 000 Mark als erforderlich ausgewiefen. Der Sondervoranlchlag des KreiS- Wohlfahrtsamtes für 1932 verzeichnet in der Einnahme 213 200 Mark, in Ausgabe 544 630 Mark, so daß ein Fehlbetrag von 331 430 Mark auS KreiSmitteln zu decken ist. Die Vermögens - und Schuldenübersicht nach dem Stande vom 1. April 1932 verzeichnet ein Vermögen von 174 429,96 Mark. Hinsichtlich der Schulden wird bemerkt: Die Verhandlungen wegen Aufwertung der KreiSschulden stehen vor dem Abschluß, nachdem der ReichS- minister der Finanzen sich damit einverstanden erklärt hat, daß die von dem KreiS aufgenommenen KriegswohlfahrtSschulden als Altbesitz anerkannt und nach Maßgabe deS Gesetzes über die Erstattung von KriegswohlsahrtSauSgaben vom 12. Februar 1931 aufgewertet werden. An sonstigen Aufwertungsschulden sind biS jetzt im ganzen 63 941 Mark getilgt worden. Rach dem DerwaltungSbericht für daS Rj. 19 30 hat sich für daS 3abr 1930 folgender Abschluß ergeben: Einnahme 1 280 768,86 Mark, Ausgabe 1 083 877,71 Mark, mithin verbleibt ein Einnahmerest von 196 891,15 Mark. Aus aller Well. Schiffsjufammenftoß im* Kanal. Der englische Dergnügungsbampfer „Premier", ber 200 Reisende an Borb hatte, würbe im Kanal von bem englischen Untersee- boot „R a i n b o w" gerammt. Während bie „Rainbow" nur leicht beschäbigt würbe, erhielt bie „Premier" ein großes Leck birett über ber Wasser- Ordnungen der deutschen Regierung in Dens an- linie, so daß sofort Wasser in ben Schiffskörper einftrömte. Infolge des Verhaltens ber Offiziere unb ber Besatzung wurde eine P a - nik vermieben. Das Unterseeboot nahm bie Frauen unb Kinber auf, währenb bie Männer von Admiralitätsbarkassen an Bord genommen wurden. Innerhalb kurzer Zeit war bas Rettungswerk durch- geführt. Der Vergnügungsdampfer wurde abge- schleppt. Ueberschwemmung in Rumänien. Starke Regengüsse haben in Rumänien zu großen Ueberschwcmmungen geführt. Eine ganze Reihe von Eisenbahnen sind außer Betrieb. In der Moldau, in ber Bukowina unb in Siebenbürgen sind zahlreiche Brücken weggeschwemmt. In einigen Dörfern würben fast alle Häuser von den Wassermassen fortgetragen In einem Dorf an ber Molbau ertrank eine 8 t ö p f i g e Familie, in ber Bukowina eine ßföpfige Familie. Zweifellos sind noch mehr Opfer zu beklagen: boch ist ein Ueberblick über das Gesamtausmaß noch nicht möglich. Fünf Todesurteile in Moskau. Aach fechstägiger Verhandlung ist ein Prozeß zu Ende gegangen, in dem 23 Angestellte der Moskauer staatlichen Kleinhan- delsgeschäfte, darunter ber stellvertretende Leiter, angeklagt waren. Die Anklage lautete auf Waren- und Gelddieb stahl, ungesetzliche Preiserhöhung und Versorgung der S p c - kulanten mit Kontingentware 3n fünf Monaten sollen die Angeklagten den Staat um eine Million Rubel geschädigt haben. Das Gericht verurteilte fünf Angeklagte zum Tode durch Erschießen. Sieben weitere Angeklagte erhielten zehn, die übrigen drei bis fünf Iahre Gefängnis. 100 Kommunisten In Eisleben festgenommen. 3n HetterSleben bei'Eisleben kam eS zwischen etwa 400 Kommunisten auS SiSleben und Stahlhelmleuten zu Zusammenstößen. Eine Anzahl Beteiligte wurde verletzt. Das Eislebener Aleberfallfommanbo stellte ungefähr 100 Kommunisten, die zum Teil Waffen mit sich führten. Sie wurden nach Halle in- LlntersuchungSgesängniS geschafft und werden sich wegen LandfriedenS- bruchS zu verantworten haben. Zu einer schweren Schießerei, an der sich auch Frauen beteiligten, kam es heute nachmittag in der Rähe deS Schlosses Bladenhorst bet Castrop-Raufel. als ein großer Kommu- nistentrupp eine kleinere nationalsozialistische Abteilung zu umringeln versuchte. Vier Rational- sozialisten wurden schwer verletzt. Kurszettel -er Berliner un- Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o.H, Lombardzinsfuß 6 o. H. Aranksurt a. 2)1. Benin Schluß- fur< | 1-Ubr- Äur# Schlußkur« Änlanq- fiur# Datum 28 6. 29.6. 28.6. 29 6. 6% Deunqe tHetmoamcibc D.itre. — — 7% Deutsche SHcicManlcibe d.1929 - — ®ouii|i.'?1nlrtbe Bon 1930 . — Deutsch« .1iit..AbU>I..TchuId ptü Saltos.-Reckten....... 36 36.4 35,9 36.13 Dcttzl. ohne Auttol.-Reckte . . 3.45 3,3 3.55 3,4 8% Hess. BolUktaat von 1929 (tüdiablb. 102%)...... — — — — Cberbeficn Provinj-Snleihe mit Au-Ios.Reckten...... — — — Deutsche fiomm. Eammelabl. Anleihe Lene 1 ...... — — — — 8% Franks Hnp.-Bank Soldpse 15 unkündbar bi« 1985 .... — — — — 7% Franks. Hyp.-Bank Golhpse nntünbbar bli 1936 Serie 16 — — — — 4Vx% Frankl. Hyp^Bank Ligu.- Vsandbricse........ Ntpreuücn nut Tonnerotag, den 30. Suni, 20 Uhr Pünktlich, im Gasthaus „Hindenburg". Eintritt tret._____________Der Vorstand. Lohholz-Versteigerung. Freitag, den 1. Juli d. J., vormittags 10 Uhr anfangend, werden im „Deutschen Haus", dahier, folgende Mengen Holz öffentlich verkauft: ' 4820D 14 000 Stück Lohwellen, 800 Stück Eichen-Baumstützen. Brandoberndorf, den 25. Juni 1932. Der Bürgermeister. __Stahl._____ Vornehm I Geschmackvoll I Persönlichl Ole», wesentlichen Eigenschaften der gediegenen Familiendrucksache Dletot Ihnen In zahlreichen neuzeitlichen Aus- fUhrungsarten und Papieren zu mäßigen Preisen d-e Brühl’sche Druckerei, Gießen, Schulstr. 7, Anruf 2251 Für die Mitglieder der Hausfrauenberatung findet Donnerstag, 30. Juni 1932, 20 Uhr, in der Lehrküche Einhorn, LindenpL, ein Vortrag Der moderne Haushalt statt, verbunden mit Schaukochen auf elektrischen Herden und Demonstration neuester elektrischer Hausgeräte. 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