Nr. 365 Krüh ausgave 182. Zahrgang Mittwoch. 28. Dezember 1932 Erlcheinl täglich, outzer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte (Bienenet Familienblatter Heimat mBild Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 'Beilagen RM. 1.95 Ohye Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bet Nichterscheinen von einzelnen , Nummern infolge höherer Gewalt. «iernfprechanschlüfse unter Sammelnummer 2251. Anschrift lür Drahtnachrichten Anzeiger Glehen. Postscheckkonto: Sronlfurt am Main 11686. GietzmerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vn'ck und Verlag: vrLHI'sche Univelfitäts-vvch- und Zteindruckerei B. Lange in Gießen. Schriftleltung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Ne- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20u , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein undiürdenAn- zeigenteil i.V.TH.Kümmel sämtlich in (Biegen. ! Das Fahr 1932 im Spiegel der Innenpolitik. Als die Silvesterglocken bas Jahr 1932 einläuteten, ereigneten sich in Berlin zwei Vorfälle, die geradezu einen Symbolcharakter für den nun beginnenden Kalenderabschnitt besaßen. Ein kommunistischer Störtrupp unterbrach das Kabel, auf dem Hindenburgs Siloesteransprache auf den Deulsch- landsender übertragen wurde, und in die tiefe, väterliche Stimme des Reichspräsidenten, der dem deutschen Volk inneren Frieden wünschte, klang mißtönend das Gezeter eines haßversüllten Klassen- kampfheßers, der vom Bürgerkrieg und von der roten Revolution schwadronierte. In der gleichen Stunde aber stieg auf dem Verlagshaus des nationalsozialistischen „Angriff" eine riesige, neun Meter lange, schwarze Fahne, auf der nichts anderes in weißen Buchstaben aufgenäht war als „1932" und dahinter ein gewaltiges Ausrufungszeichen. Ein Jahr der Entscheidung war angebrochen. Die Regierung Brüning kämpfte verzweifelt um die Behebung der Wirtschaftsnot und für die Befriedung der innerpolitischen Lage. So günstig sich die außenpolitischen Verhandlungen anließen, die später unter Papen zu dem Lausanner Abkommen führten, so sehr erwiesen sich die innerpolitischen Widerstände für das Brüningsche Befriedungsprogramm als unüberwindlich. Sechs Millionen Arbeitslose belasteten den Staatshaushalt und waren der Radikalisierung zugängig. Brüning wollte wenigstens die ersten Wahlgänge des Jahres vermeiden. Er schlug den Parteien mit Ausnahme der Kommunisten vor, durch einen überwältigenden Reichstagsbeschluß d i e Amts dauer des Reichspräsidenten von Hindenburg zu verlängern. Hitler schloß sich indessen hugenbergs „Nein" an, und am 14. Januar mußte Hindenburg den Kanzler ersuchen, alle weiteren Versuche der Amtsverlängerung durch Parlamentsbeschluß einzustellen. So begann der Wahlkampf zum ersten Wahlgang dieses an Wahlen so reichen Iahres. Die Zusammenstöße zwischen radikalen Gruppen häuften sich. Die Formen des Wahlkampfes nahmen amerikanischen Umfang an, am 13. März endlich mußte sich entscheiden, ob Hindenburg oder Hitler künftighin als oberste legale Instanz über dem Schicksal des Reiches zu wachen hatte. Hindenburg erhielt 18 454 000, Hitler 11 341 000, Thälmann und Düsterberg zusammen Millionen. Zur absoluten Mehrheit Hindenburgs fehlten die für den Splitterkandidaten Winter abgegebenen Stimmen. Ein zweiter Wahl gang wurde notwendig. Leider scheiterten auch jetzt wiederum alle Versuche, diesen zweiten Wahlgang überflüssig zu machen. Lediglich Düsterberg trat zurück. So entfiel am 10. April auf Hindenburg mit 19 359 000 gegen Hitlers 13 417 000 und Thälmanns 3 706 000 Stimmen die absolute Mehrheit. Hindenburg war erneut auf weitere sieben Jahre wählt. Aber dem deutschen Volk war keine Ruhe be- schieden. Unmittelbar nach der Wahl wurde die nationalsozialistische SA. aufgelöst. Die Auflösung vollzog sich reibungslos, sie wurde jedoch Gegenstand einer verschärften Propaganda. So brachte der dritte Wahlkampf am 24. April, an welchem Tage in Preußen, Bayerns Württemberg, Anhalt und Hamburg gewählt wurde, nochmals eine Zunahme der nationalsozialistischen Stimmen. Die innenpolitischen Schwierigkeiten wurden in sämtlichen Staaten verstärkt, denn nun waren Rationalsozialisten und Kommunisten, die beiden Flügelparteien, durchweg so stark geworden, daß sie jede andere Mehrheitsbildung verhindern konnten. Bald nach dem SA.-Derbot tauchten zum erstenmal Gerüchte auf, der sogenannte „Chef des Mi- nisteromts" im Reichswehrministerium. General von Schleicher, sei mit der Auflösungsmaßnahme des Reichswehr- und Reichsinnenministers Gröner nicht einverstanden gewesen. Jedenfalls steigerte sich die im Mai ausbrechende Gröner- krise gegen das Monatsende hin zu einer Krise desGesamtkabinetts. Reichspräsident von Hindenburg kehrte aus Ostpreußen zurück und vermochte dem ihm von seinem seitherigen Kanzler Vrüning vorgelegten innen- und wirtschaftspolitischen Programm nicht zuzustimmen. Am 30. Mai erfolgte völlig überraschend der Rücktritt der Regierung Vrüning. Richt minder überraschend erfolgte bereits am 31. Mai die Berufung der Regierung Papen. Der neue Reichskanzler Franz von Papen ging mit unverbrauchten Rerven und großem Eifer an die Verwirklichung seines umfangreichen Programmes. Er glaubte, von den Rationalsozialisten über die Deutschnationalen bis zum Zentrum eine stabile Regierungsmehrheit finden zu können, und er begann sofort mit den Koalitionsverhandlungen. Das Zentrum, dem Papen entstammte, trat jedoch in die schärfste Opposition, und auch die Rationalsozialisten lehnten es ab, irgendwelche Bindungen einzugehen, obwohl Papen das SA.-Verbot wieder aufhob und Reichstagsneutpahlen ausschrieb. Ein neuer Abschnitt der deutschen Geschichte sollte beginnen. Die ersten Reden Papens kündigten Reformen auf allen Gebieten an. Daneben nahm Papen mit dankenswertem Geschick und nicht ausbleibendem Erfolg die R e - parationsverhandlungen auf, die zum Lausanner Abkommen führten. Wie jedoch schon Brüning die inneren Widerstände unterschätzt hatte, so scheiterte auch Papen bereits in den ersten Wo^en seiner Kanzlerschaf t an der Unrnög ichkeit, s ch eine bre'te parlam?nt.rri'che Front zu schassen. Die Idee des Präsidialkabinetts wurde im Kerne von fast allen Parteien anerkannt. Brüning hatte sie bereits vorbereitet Das Kabinett Paul-Boncour in Schwierigkeiten. Die katastrophale Finanzlage. — Die amerikanische Schuldforderung. — Abgekühlte Balkanfreundschafien. Don unserem P.--Berid)terftatter. Paris, 27. Dezember 1932. Die Regierung Paul-Boncour steht vor einer sehr komplizierten innen- und außenpolitischen Situation. Schwere Probleme und wenig Bewegungsfreiheit; Faktoren, die ihre Lage in voraus erschweren. Die Regierung soll, nach den Worten Paul-Boncours selbst, eine grundsätzlich neue politische Formel darstellen. Sie soll aber auch die direkte Fortsetzung der Regierung Herri ot sein, über die Paul-Boncour stets mit der größten Bewunderung spricht. Das alles ist nicht dazu angetan, die Dinge zu klären. Cheron, der starke Mann. Bei all der Anlehnung an Herriot ist die Regierung Paul-Boncour weit mehr nach links orientiert als ihre Vorgängerin. Um genau zu fern, muß man noch binzufügen, daß sie weit mehr von der Richtung entfernt ist, die seinerzeit Dardieu und Laval repräsentierten. Dementsprechend gebärdet sich die r e ch t s st e h e n d e Opposition viel heftiger als früher. Unter Herriot hat noch eine Art Gottesfrieden unter den Parteien geherrscht. Die Rechte sah in ihm ein notwendiges Uebel und besonders auf Grund persönlicher Sympathien hat man die Hoffnung nie aufgegeben, daß Herriot sich eines Tages zu einer Art von Koalition mit der gemäßigten Rechten bekehren lassen wird. Gegen Paul-Boncour' und seinen Finanzminister Henry Eheron ist die Opposition uner- bittlich. Eheron ist der Mann des 1 9 - Milliarden - Überschusses im Schatzamt, aber auch der Mann, der seinerzeit T a r d i e u im Senat stürzte. Und das wird man ihm so bald nicht verzeihen können. Die gegenwärtige Regierung wäre ohneChe- ron sehr schwach. In der Kammer ist zwar eine breite Mehrheit vorhanden, aber diese Mehrheit ist nicht festgefügt. Anders im Senat, wo Charon über einen großen Einfluß verfügt. Das aktuelle Problem ist das der Finanzpolitik. Die Finanzlage ist ungünstig und konfus. Es war schon in der letzten ZÄt der Regierung Herriot kein Geheimnis, daß die Finanz- und Dudgetminister — Eheron besitzt jetzt beide Portefeuilles — ständig mit dem Rücktritt drohten. Und zwar weil ihre Wünsche, die Herabsetzung der Gehälter und Pensionen, nicht durchgeführt werden konnten. 3n dieser Beziehung ist die Lage der Regierung Paul-Bvncour noch viel schlimmer; die Tolerierung der Sozialisten wurde mit der Zusage, keine „unpopuläre Maßnahme" durchzuführen, erkauft. Gespart muh werden, es fragt sich aber, wo gespart werden kann. Bei der Mentalität der Regierungsmehrheit ist das Feld für Sparmaßnahmen begrenzt. Rur zwei Punkte gibt es, wo man etwas machen kann, d i e Rüstungsausgaben und die Unter» stützungen an d i e Industrie. Gerade die empfindlichsten Punkte der Rechten, Uebrigens, es fragt sich, wie eine weniger großzügige Unter* stühung der Industrie auch auf die Wirtschaftslage, die ohnehin nicht rosig ist, auswirken würde. Das Vertrauen zu der Persönlichkeit Cherons ist groß, vorerst ist das der einzige Aktivposten । Zeil gewonnen, alles gewonnen. Die außenpolitischen Probleme, die sich vor Paul-Boncour aufreihen, sind nicht minder schwer. Da ist vor allem die Schulden- frage. Die Hoffnung auf eine Sicherheitsgarantie durch Amerika ist durch die Zahlungsverweigerung am 15. Dezember endgültig begraben. Die amerikanischen Sympathien sind verscherzt, allerdings fielen sie seit Kriegsende nie besonders schwer in die Waagschale. Die Hoffnung auf eine schnelle Lösung der Schuldens ge s nd rechl mager. Die Botschaft Hoovers an den Kongreß wurde hier kaum ernst genommen, es handelt sich dabei nach französischer Auffassung um nicht viel mehr als um die persönliche Meinung Hoovers. Dieser ist als scheidender Präsident, durch die Wahlen stark desavouiert, machtlos, und der Senat ist ihm schon in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung feindlich gesinnt. Da eine Zusammenarbeit zwischen Hoover und Roosevelt in der Frage der interalliierten Schulden ausgeschlossen erscheint, ist vor der Amtseinsetzung des neuen Präsidenten kaum etwas zu machen. Außerdem sind die amerikanischen Anschauungen über die Schuldenreduktion den französischen und auch den englischen diametral entgegengesetzt. Um nur eins zu erwähnen, die wirtschaftlichen Kompensationen für Amerika werden hier kaum in Betracht gezogen, und ihre Bedeutung würde viel kleiner sein, als man annimmt. Die Frage der Schulden an Amerika hängt aber auf das engste mit dem Schicksal der Weltwirtschaftskonferenz und indirekt auch mit der Abrüstungsfrage zusammen. In Frankreich ist die Tendenz zum Tem- porisieren stark, und es erheben sich Stimmen, die die Forderung aufstellen, das Lausanner Abkommen weder zu ratifizieren, noch zu kündigen. Auf diese Weise würde man auch Englands Hände binden, da es von seinen Verbündeten die Kriegsschulden, die der englischen Zahluna an Amerika entsprechen, durch das Gen- tlcman-Agreement gehindert, nicht ein fordern könnte. Die Diplomatie kann leicht Handhaben finden, um Zeit zu gewinnen, aber die Weltwirtschaftskrise ist so drückend, daß schnelles Handeln fast die einzige Rettung zu sein scheint. Zn der Zwickmühle zwischen Belgrad und Rom. Das Erbe der Herriot-Regierung ist auch an einem anderen Punkt konfus. Die Annäherung an Rußland hat das Verhältnis Frankreichs zu der kleinenEntente gelockert. Die gleichzeitig versuchte Versöhnung mit Italien ist aber vollkommen gescheitert. Und die französisch-italienische Frage ist durch die Spannung zwischen Belgrad und Rom hochaktuell geworden. Belgrad sendet 808- Rufe in die Welt, man traut Italien alles zu. Um die französisch-südslawische Freundschaft steht es aber etwas sonderbar und Paul-Boncour, der über das Verhältnis Frankreichs zu seinen kleinen Verbündeten stets besonders wachte, ist jetzt, gleich bei seinem Regierungsantritt, vor ein Dilemma gestellt. Entweder muß er eine weitere Lockerung der südöstlichen Freundschaften zulassen oder den von Herriot eingeschlagenen Weg verlassen. So türmen sich vor den Augen des neuen französischen Ministerpräsidenten sowohl außen- wie innenpolitisch gleich ungeheure Schwierigkeiten auf Das Haushattszwölstel von der französischen Kammer verabschiedet Paris, 27. Dez. (TU.) Die Kammer begann am Dienstagfrüh die Beratungen des von der Regierung eingebrachten provisorischen Haushaltszwölftels. Der (deneralberichterftatter des Haushaltsausschusses unterstrich die Notwendigkeit der Ausgabe von Schatzanweisungen in Höhe von 5 Milliarden Franken, da die Staatskasse besonders im ersten Monat des neuen Haushaltsjahres stark in Anspruch genommen sei. Diese Inanspruchnahme könne man einschließlich der Finanzierung des Eisenbahnhaushalts für den Monat Januar auf rund 10 Milliarden veranschlagen. Der Abg. Marin wandte sich dagegen, daß die Ausgaben der Schatzanweisungen in das provisorische Haushaltszwölftel einbezogen worden sei und erinnerte daran, daß b er e i t 5 für 9 Milliarden Franken Schatzanweisungen im Umlauf seien. Finanzminister C h 6 r o n erwiderte, daß er persönlich noch nie die Ausgabe von Schatzanweisungen beantragt oder unterstützt habe. Man hätte ihn als Finanzminister des Kabinetts Tardieu eben nicht stürzen sollen, wenn man jetzt zur Notwendigkeit gewordene Maßnahmen hatte entgehen wollen. In tten Nachmittagsstunden wurde die Verabschiedung der einzelnen Artikel bes Gesetzes über das Haushaltszwölftel vor genommen, zu denen noch verschiedene Redner das Wort ergriffen, um Zusatzanträge einzubringen. Gegen einen Antrag, die Ausgabe der Schatzanweisungen von 5 auf 4 Adilliar- den Franken herabzusetzen, stellte die Regierung die Vertrauensfrage und erhielt mit 349 gegen 235 Stimmen eine Mehrheit von 114 Stimmen. Damit war die Hauptschwierigkeit überwunden und das Haushaltszwölftel mit 524 gegen 53 Stimmmen verabschiedet. In einer Nachtsitzung hat die Kammer den Gesetzentwurf angenommen, der dem Landwirtschaftsminister einen Betrag bis zu 300 Millionen Franken zur Stabilisierung der Getreidekurse, Finanzierung der diesjährigen Ernte und Anlage von Geireideoorratslagern zur Verfügung stellt. Am Donnerstagvormittag beginnt die Kammer die Diskussion über die österreichische Anleihe. Der Finanzausschuß der Kammer beschäftigte sich mit ber Beteiligung Frankreichs an der österreichischen 30 0 Millionen Schillingsanleihe und sprach sich mit zwölf gegen sechs Stimmen für d ie Uebernahme der Garantie der Regierung für den französischen Anteil an dieser Anl.eihe aus, der bekanntlich 100 Millionen Schilling beträgt. Der Auswärtige Ausschuß der Kammer hatte sich ebenfalls mit zwölf gegen eine Stimme für die Annahme der (Garantie ausgesprochen. Die diesbezügliche Gesetzesvoriage wird am Mittwoch in der Kammer beraten werden. Lieber 40 Milliarden schwebende innere Schuld. P a r i s, 27. Dez. (TU.) Der Umlauf dar Schahanweisungen in Frankreich ist in der Begründung, die dem Haushaltszwölftel vorausgegangen war. ausführlich behandelt worden und beläuft sich nach Ausführungen des Generalberichterstatters des Haushaltsausschusses auf siebenMil- liarden Franken. Hiervon wurden fünf Milliarden im August 1926 von der Kammer verabschiedet und zwei Milliarden Franken im Iuli 1932. Hinzu muh man jedoch noch die zwei Milliarden Franken Schahanweisungen zählen, die im September von der Kammer genehmigt wurden, um vorläufig den Saldo der Rentenkonvertierung auszugleichen. Zu diesen neun Milliarden Schahanweisungen wird man voraussichtlich noch 1.5 Milliarden zählen müssen, sobald die algerische Staatsanleihe verabschiedet ist, so daß im Laufe des Iahres und einschließlich der jetzt verabschiedeten fünf Milliarden insgesamt für 15,5 Milliarden Franken Schahanweisungen im Umlauf sind. Fügt man diesen 15,5 Milliarden noch die 27 Milliarden Kriegsanleihe hinzu, so ergibt sich eine laufende innere Schuld von über40MilliardenFranken. und, wenn auch mit einer gewissen parlamentarischen Dertarnung, verwirklicht. Ietzt aber begannen bis auf die Deutschnationalen alle Parteien Sturm zu laufen gegen das Kabinett Papen. Damit war von Anbeginn an die Vertrauens- basis zerstört. Die Länder wurden unruhig. Die Strahenkämpfe führten zu immer größeren Blut- opfern. Die erste Terrornotverordnung vom 28. Iuli blieben allein in Altona zwölf Tote auf den Straßen liegen. Der Dualismus zwischen der Braun-Stvering-Regierung in Preußen und dem Kabinett Papen im Reich erw.es sich als unhaltbar. So erfolgte, zwar nicht überraschend, jedoch als eine ungeheure Sensation, am 20. Iuli die Absetzung der seitherigen Preu- tzenregierung und die Verhängung des Ausnahmezustandes über Berlin. Reichswehrabteilungen muhten die seitherigen Machthaber zum Verlassen ihrer Amtsräume zwingen. Die erwarteten innenpolitischen Unruhen blieben jedoch angesichts der Drohung mit der bewaffneten Macht aus. Rur der Konflikt zwischen dem Reich und den süddeutschen Ländern erfuhr eine Vertiefung. Am 31. Iuli entschied wieder einmal der Stimmzettel über die Zusammensetzung des Reichstags. Mit 230 Abgeordneten kehrten die Rationalsozialisten als weitaus stärkste Partei in den Reichstag zurück. Aber am 13. August lehnte Hitler in den denkwürdigen Verhandlungen mit Hindenburg es ab, den Vizekanzlerposten zu übernehmen und vier Minister in das Kabinett Papen zu entsenden. Papen vollzog am 27. August die große Verwaltungsreform in Preußen, am 28. August gab er in Münster das Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung bekannt, am 12. September löste er nach dramatischen Auftritten mit dem Reichstagspräsidenten Göring den Reichstag auf. Eine Rundreise nach Süddeutschland blieb jedoch ebenso ergebnislos, wie die Verhandlungen im Preußischen Landtag. Die Papenregie- rung war zum Kampfkabinett geworden. In diese Situation platzte am 25. Oktober das Urteil des Leipziger Staatsgerichtshofs, das der Reichsregierung nur teilweise recht gab, praktisch jedoch einen höchst bedenklichen Zu- stand schuf. Die alte Preußenregierung und das preußische Staatskommissariat standen sich nun in Zukunft in einer Weise gegenüber, die fortdauernde Konflikte zur Folge haben mußte. Als am 6. November d i e letzten Wahlen dieses Jahres statt- fanten, erlebten die Nationalsozialisten zwar einen Rückschlag, eine parlamentarische Mehrheit war jedoch auch in Zukunft ausgeschlossen. Der BVG.- Streik in Berlin zeigte für Papen die drohenden Gefahren in düsterem Licht. So zog Papen aus seiner Isolierung am 17. November die Folgerung und trat .zurück. Alle Versuche, unter ihm eine neue Regierung zu bilden, scheiterten. Auch Hitler versagte sich nach langwierigen Verhandlungen mit dem Reichspräsidenten am 24. November dem Ersuchen Hindenburgs. Der drohenden Staatskrise machte am 2. Dezember d i e Beauftragung Schleichers zum Reichskanzler ein Ende. „Arbeit und Brot" ist die Parole für 1933. Die Silvesterglocken dröhnen wie im vergangenen Jahr durch das Land. Aber man hat sich in Deutschland miibe gekämpft. Die Staatsautorität blieb gewahrt, der Bürgerkrieg wurde vermieden, das neue Jahr beginnt mit der Zuversicht, daß Deutschland vielleicht Das Schlimmste hinter sich hat. Ein deutschnationales Aufbauprogramm. Grundsätzliche Richtlinien zur Behebung der deutschen Not. Berlin, 27. Dez. (TU.) In der letzten Vor- standssitzung der Deutjchnntionalen Bolkspartei sind Richtlinien für die Behebung der deutschen Rot angenommen worden, die jetzt zusammengestellt worden sind und in mehreren Fortsetzungen in den nächsten Tagen veröffentlicht werden. Grundsätzlich wird dann zunächst u. a. folgendes von feiten des Lorftandes erklärt: Bitterste^Rot des deutschen Volkes stellt die Aufgabe der stunde: Für viele Millionen hungernder und verzweifelnder deutscher Volksgenossen A r - beit und Brot zu schaffen. Die Aufgabe des Wirtschaftsausbaues ist durch umfassendes Handeln auf organisatorischem Wege zu lösen, durch Gesundung der Wirtschaft aus s i ch s e l b st heraus zu einer starken Nationalwirtschaft (s. unser Freiheitsprogramm 1932). Neben dieser privatwirtschaftlichen Hauptaufgabe besteht bei dem augenblicklichen gefährlichen Schwächezustand der Wirtschaft die Notwendigkeit, zur schnelleren Ingangsetzung des sonst sich nur langsam belebenden Arbeitsprozesses vorübergehend ein Sofortprogramm der Arbeitsbeschaffung einzuschieben. Es fall nur produktive und rentable Arbeiten von öffentlichem allgemeinen Interesse aufnehmen, so z. B auf dem Gebiete des Verkehrswesens. Wenn wir heute eine sofortige materielle Hilfe in den Vordergrund stellen, so vergessen wir dabei nicht, daß die tiefsten Ursachen des Wirtschaftselends geistiger und politischer Natur sind. Die Deutschnationale Volkspartei wird deshalb ihren vor Jahren begonnenen Kampf gegen das sozialistische System und gegen die verhängnisvollen Auswirkungen des sozialistisch-marxistischen Geistes auf kulturellem, sozialem und staatspolitischem Gebiet mit aller Schärfe unbeirrt weitersühren Der Freiheitskampf der deutschnationalen Bewegung stellt die Aufgaben der inneren uni» äußeren Politik als gleichbedeutfam nebeneinander. Ein unabhängiges freies Reich bleibt Bedingung für jeden dauernden Aufstieg und feine Sicherung und deshalb höchstes Ziel unseres Strebens und Kämpfens. Voraussetzung für den freien Machtstaat ist Wehrhoheit. Die erfolgreiche Durchführung aller gestellten Aufgaben setzt einen von Parteieinflüssen und un- vemntwortlichen Einwirkungen jeder Art freien Ordnungs-, Rechts- und Macht st a a t und eine starke und unabhängigeStaats- führung voraus. Die Sicherheit und Arbeitsfähigkeit des Staates ruhen auf feinen Machtmitteln und auf seiner Beamtenschaft. Die Wehrmacht muß über den Parteien stehen. Verwaltung und Exekutive müssen in den Händen eines tüchtigen, unantastbaren, unabhängigen Berufsbeamtentums liegen. Der Beamtenkörper in Reich, Ländern und Gemeinden bedarf dringend der Bereinigung von berufsfremden Elementen. Die Fernhaltung außerstaatlicher Einflüsse und Abhängigkeiten, die die Beamtenschaft und damit den Staat verderben, muß durch die soziale Stellung und durch Wahrung ber Rechte der Beamtenschaft gewährleistet sein. Staat, Gesellschaft und Wirtschaft sollen auf ch r i st l i ch e r , sozialer Grundlage ruhen. Für die deutsch- nationale Bewegung ist bei ihrer christlichen, im besten Sinne konservativen Weltanschauung, soziale Gesinnung eine Selbstverständlichkeit Wichtigste Aufgabe der Stände bleibt schnellste und wirksamste Hilfe für unsere darbenden und unglücklichen arbeits- und stellungslosen Volksgenossen, besonders für unsere schwergeprüfte und gefährdete deutsche Äugend, der wir eine bessere Heimat, eine licht«"-" de"tlche Suhmft schaffen müllen imh mn’lrr Heim fordert Kontingentierung. Der Bauei-nführer gegen die Politik der Bayerischen Bolkspartei München, 27. Dez. (TU.) Der bekannte Bauernführer Dr. Georg Heim unternimmt in einem Artikel im ,.Straubinger Tagblatt" einen Vorstoß in der Kontingentierungsfrage. Er knüpft an die Forderungen des Christlichen Gewerkschaftsführers Otte an, wonach die christlichen Gewerkschaften in einer landwirtschaftlichen Kontingentierung eine Schädigung der industriellen Ausfuhr und damit eine Vergrößerung der Arbeitslosigkeit erblicken. Er bedauert, daß diese Forderungen der christlichen Gewerkschaften ohne jeden erläuternden Vermerk und ohne jede Einschränkung abgedruckt wurden. Es sei auch bei den Wah en vorgekommen, daß sogar Reichstagskandidaten der BDP. in ihren Reden gegen die Kontingentierung Stellung genommen hätten. Die Kontingentierungsfrage sei für die Landwirtschaft die wichtigste und nach der gegenwärtigen Lage eineLebensfrage. Wenn in solchen Fragen eine Partei die Unterstützung nicht restlos gewähre, dann dürfe sie sich nicht wundern, wenn die größte Berufsgruppe ihrer Wähler, vertreten durch die christlichen Bauernvereine, das nicht ohne Auswirkungen hinnehmen. Verlängerung der Auswertungs- frist bei Versicherungen. Berlin, 27. Dez. (WTB.) Bei einigen Ber- sicherungsuntemehmungen hat es sich als technisch undurchführbar herausgestellt, bis zum 31. Dezember 1932 sämtliche aufgewerteten Versicherungsansprüche so zu bearbeiten, daß für ihre Befriedigung die im Tei- lungsplan vorgesehene Frist eingehalten werden kann. Ueberwiegend liegt dies daran, daß erniae Teilungspläne erst im Frühjahr 19 3 2 rechtskräftig genehmigt worden sind und die Zahl der zu bearbeitenden Versicherungsscheine bei manchen Versicherungs-Unternehmungen, besonders solchen, die früher in großem Umfang die sog. Dolksoersicherung betrieben haben, sich auf mehrere Millionen beläuft. Die Reichsregierung hat deshalb in Würdigung von Notständen, denen auch durch eine zum Teil sehr erhebliche Verstärkung des Beamtenoppavats nicht abzuhelfen war, den Versicherungsaufsichtsbehörden in einer Durchführungsverordnung zum Aufwertungsgesetz die Befugnis eingeräumt, Versiche rungsunterne-hmungen bei Vorliegen der bezeichneten Voraussetzungen eine nicht über den 31 Dezember 1 934 hinaus zu bemessende Frist zuzugestehen, bis zu deren Ablauf Zahlungen abgelehnt werden können Macht die Aufsichtsbehörde von der Befugnis Gebrauch, so hat sie anzuordnen, daß die Unternehmung für die Zeit, um welche die Verpflichtung zur Le stung hinausgeschoben wird, den Berechtigten eine angemessene Verzinsung gewährt. Soweit eine Zahlungsfrist zugestanden wird, was vermutlich nur für ein'go wenige Unternehmungen notwendig sein wird, werden die Berechtigten auch die Berechnung ihrerAnsprüche erst im Laufe dieser Zahlungsfrist erwerben können denn diese Berechnung, nicht bie Zahlung als solche verursacht die ArbeitÄast der d«e Verardnuna Rechnung tragen will Die penonaiberanoerungtn in her preuß schen Schulverwa fang Berlin, 27 Dez. (CAD.) 3n einem Berliner Morgenblatt wird in großer Aufmachung über die geplanten Aenderungen in der Schulverwaltung berichtet und behauptet, daß diese Veränderungen sich einzig und allein gegen die sozialdemokratischen Beamten richten. Don der kommissarischen preußischen Servav» kündigt ba56eilifle3a6riO33/1934 an - n x)n |euiei vu.uj .vklk.up9ui, nuu -pupji -pius Xi. mit, daß ddin 2. April 1933 bis 2. April 1934 ein Heiliges Jahr stattfinden werde. Dieses Jahr soll daran erinnern daß sich der Todestag Christi nach den Feststellungen der Wissenschaft nun zum 1900. Male jährt. Staatsregierung wird dazu erklärt, daß es sich bei -den Maßnahmen in der Schulverwaltung lediglich um solche handelt, die durch die Ver- ordnung über die Dereinfachung der Mittelin st anzen notwendig geworden sind, vor allem um die Unterstellung derPro- v i n z i a l s ch u l k o l le g i e n unter die Oberpräsidenten. Die Personalveränderungen richten sich keinesfalls aus Politischen Gründen gegen sozialdemokratische Beamte. Es werden auch eine ganze Reihe Beamte abgebaut, die nicht der SPD. angehören, ebenso wie sozialdemokratische Beamte im Amt bleiben. Unrichtig sind ferner die Behauptungen, daß die betroffenen Beamten nach ihrer Beurlaubung von drei Monaten fristlos entlassen werden sollen. Die Beamten erhalten im Gegenteil die ord- nungsmäh gen Uebergangsgebühren. Oie Ausweisung des Eupener Kaplans Gilles. Weil er Präses des deutschen Jnnglings- vereins war. Eupen, 2. Dkz. «ERB.) Der Kaplan an der hiesigen St. Rikvlaus-Pfarrkirche, Gilles, der, wie bereits gemeldet, am Heiligen Abend a u s Belgien ausgewiesen wurde, ist reichsdeutscher Staatsbürger. Wie aus gut informierten Kreisen verlautet, wird ihm der Borwurf gemacht, bei einem Aus- flugdes Jünglingsvereins, dessen Präses er ist. das Vorlesen aus dem „Grenzecho", dem bekannten belgischen Propagandablatt. verboten zu haben. Selbst wenn Gilles gegen das .,G eazecho" Stellung genommen haben sollte, was übrigens bestritten wird, so läßt sich ein Ausweisungsbefehl schwer darauf stützen, da das „Grenzecho" kein staatliches belgisch e s O r g a n ist. Im übrigen heißt es in den betreffenden Kreisen, man habe das Gefühl, daß die Maßnahme nicht dem Kaplan, sondern dem Präses des Jünglingsvereins gelten sollte. Glaubt man doch, daß es gewissen belgischen Stellen unerwünscht war, an der Spitze dieser Organisation einen Reichsdeutschen zu sehen. Aus aller Well. Eine Festnahme im Falle hentsch (Dresden). Wie bereits gemeldet, war am Montag d i e Leiche eines SA.- Mannes, des 26 Jahre alten Schlossers Herbert Hentsch aus Dresden, i n der Talsperre Malter mit einem Schuß in der Brust aufgefunden worden. Im Zusammenhang damit ist nunmehr auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft der SA.-Mann Willi Bormann aus Tharandt fe ft genommen und in das Amtsgerichtsgefängnis Freital eingeliefert worden. 'Bormann steht im Verdacht, dem SA.-Sturmführer Rudolf Schenk zur Flucht verhalfen zu haben. Schenk hatte Hentsch am 4. November spät abends an eine bestimmte Stelle beordert, um ihn einen Sonderauftrag zu erteilen. Seit dieser Zeit war Hentsch verschwunden. Der Breslauer Hochschulkonflikt. Wie von der preußischen Regierung mitgeteilt wird, ist der Breslauer Professor Cohn, gegen den, wie gemeldet, kürzlich Rektor und Senat der Breslauer Universität in einer Veröffentlichung Stellung genommen hatten, noch vor den Feiertagen auf eigenen Wunsch vom Reichskommissar für das Kultusministerium Professor Kähler zur Berichter st attungemp- fangen worden. Der Reichskommissar hat im Anschluß an diese Besprechung den Rektor der Universität Breslau, den Prorektor und den Dekan der juristischen Fakultät nach Berlin gebeten, um ihren Standpunkt in dieser Angelegenheit kennen zu lernen. Diese Besprechung wird in der ersten Januarwoche statt- sinden. Gießener Giadttheater. ,Jm weißen Rötzl/ Vor einem Jahr haben wir in einer hübschen Gastspielaufführung der Harnborner Operettenbühne das erneuerte „Weiße Roßl" zum erstenmal hier gesehen. An dem Stück in seiner heute allgemein gespielten Gestatt haben viele Leute mitgearbeitet. Die Grundlage bot das alte und bewährte Lustspiel von Blumenthal und Sabelburg. Daraus hat Hans Müller einen Operettentext gemacht. Zu diesem Libretto schrieb Ralph Benatzky die Musik, Robert Gilbert die Schlagertexte. Und außerdem haben Bruno ©ranid) ft übten, Robert Gilbert, Robert Stolz, bie allesamt einen Namen in ber Operettenliteratur haben, vier musikalische Einlagen beigesteuert. Das nennt man ein Kollektiv Der burchaus ungewöhnliche Erfolg biefes Kollektiv- ftückes begann mit einer berühmt geworbenen unb oft kopierten Inszenierung von Erik C h a r e f f im Großen Schauspielhaus zu Berlin. Damit war die Laufbahn der Operette entschieden: sie hat sich nicht nur die ganze deutsche Provinz im Sturm erobert, und hier wie in ber Reichshauptstadt erstaunliche Auffühvungsferien erzielt, sondern sie würbe auch einer ber markantesten unb dauerhaftesten deutschen Theatererfolge im Ausland Die Erneuerung des alten Lustspiels unb die Anpassung von Text unb Vertonung an ben Geschmack eines mobernen Publikums geschah äußerst geschickt und, wie ber durchschlagende Erfolg des „Rößls" beweist, ohne baß die vielen Köche den Brei verdorben hätten. Die Köche find in biefem Fall lauter alte Theaterhasen: sie wissen, was gespielt wirb, und haben einander vorzüglich in die Hände gearbeitet. Benatzky ist einer der begabtesten unter unfern jüngeren Komponisten, dem in seiner einfallsreichen Partitur die Verschmelzung von volkstümlich-sangbarer Melodieführung und neuzeitlicher Instrumentation viele Anregungen gegeben hat Das Libretto von Hans Müller hat die alten und hinlänglich bekannten Motive des immer wieder gern gespielten Stückes aufgefrischt, modernisiert unb ausgejchmücki: bie populär komischen unb die gefühlsbetonten Elemente ber Fabel sind wirkungsvoll gemischt die beliebten unb oft belachten Lustspieltypen am Gestade des Wolfgangfees haben auch in der Neu- faflung mchts von ihrer natürlichen Anziehunas- kraft verloren Die Inszenierung von Heinrich Hub ist eine so fidele unb aufgekratzte Angelegenheit, daß wir uns ■ wundern, warum man das „Weiße Rößl" nicht als Silvester-Vorstellung angesetzt hat: es wäre ein idealer theatralischer Jahresabschluß, um das Publikum in angeregter Stimmung ins neue Jahr zu entlassen. Hub hat sich ridjr.g hineingekniet unb entfaltet einen großen Betrieb mit Gesang und Tanz in allen Tonarten (mondän unb volkstümlich), mit Blechmusik und Seilerei, mit Feuerwehrkapelle unb Jungfrauen verein, mit Pat unb Pata- chon, mit Böllerschüssen unb Schuhplattlern Uebrigens ist die Aufführung ebenso wie das Stück selbst das Ergebnis einer fleißigen Kollektiv- Arbeit. Am Dirigentenpult waltet. Kapellmeister M o e h l seines Amtes unb interpretiert mit Schwung unb Schmiß die dankbare Partitur. Ewald Bä ulke hat die choreographische Leitung, Frau Bä ulke mit ben Girls steuert in abwechslungsreicher Aufmachung ein paar effektvolle Tanzeinlagen bei. Herr Löffler hat das „Weiße Rößl" (einen Apfelschimmel, wenn wir recht gesehen haben) mit farbenfroher Realistik aufgebaut samt Kuhstall, schöner Aussicht unb luftigen Zwischenakt-Vorhängen. Auch die Herren Keim (Beleuchtung) unb Huber (Kostüm-Ausstattung) feien m diesem Zusammenhang nicht vergessen 'Den Zählkellner Leopold Brandmeyer gab Herr Wrede: die Rolle mutzte seinem wienerischen Gemüt und Gesangsstil besonders entgegenkom-- men. Er hatte sich bald sreigesungen und wußte Humor und Sentiments gerecht zu verteilen. Die Lieder „Zuschaun kann i net" und „Es mutz was Wunderbares sein" waren die Höhepunkte seiner Leistung. Den Fabrikanten Gieseke hatte Herr Hub sich selber reserviert: er brachte die massiven Berliner Bonmots treffsicher und mit Behagen unter die Leute. Ein« besonders schöne Cache war sein Solo- Schuhplattler nachher Melodie „Im Salzkammergut da kammer gut lustig sein". Aus dem Ensemble der ersten Ausführung ist Herr F i e r m e n t als Siedler als einziger übriggeblieben. Er gab seine Partie dezent und liebenswürdig, auch gesanglich in bester Form. Sybille Flemming war die fesche und kouragierte Rötzl-Wirttn, Liefe! Deling eine elegante und lustige Ottilie, auch tänzerisch ihrer Soubretten- Rolle angenehm gewachsen. Einen Sonderapplaus holte sich verdientermaßen Herr B r u ck als Sigis- inund: er scheint sich vor allem gesanglich kultiviert zu haben: sein witzig auf gezogener Schlager „Was kann der Sigismund dafür" war ein ausgesprochener Publikumserfolg. Aus der Menge der Mitwirkenden feien noch Hauer und V o l ck , Annemarie Ottmer, Ruth und Walter Michel, die Damen Wielander. Walther-Lederer und T i p p m a n n hervorgehv- ben. Vom großen Erfolg war schon die Rede. Es gab viel Beifall und Blumen. hth. Glück und Llnglück. Bei der Explosion eines Pulverlagers, die kürzlich in Vermont in den Vereinigten Staaten erfolgte, wurden neun Personen in den umliegenden Häusern schwer verletzt. In einem Haus aber siel ein großes Stück Gips von der Wand über eine Wiege, in der ein zweijähriges Kind lag, und schützte so das Kleine vor dein Regen von Glassplittern und anderen Trümmern, die infolge der Explosion umhersausten. Einen solchen Vorfall kann man wohl nicht anders denn als „Glück" bezeichnen. Diese launische Göttin treibt mit den Menschenkindern seltsame Spiele, von denen in einem Aufsatz der Reuyorker „Sun" allerlei erzählt wird. In einem anderen Fall, der sich kürzlich in Amerika ereignete, fiel ein Baby vom Fensterbrett einer Wohnung im zwei- ten Stock sechs Meter tief auf einen gepflasterten Hof und landete unverletzt auf den weichen Leibern zweier hier schlafenden Hunde. Ein an» öcrer glücklicher Zufall rettete einer Anzahl von Personen im April 1931 zu Otter Lake in Michigan das Leben. Während eines Sterbegottes- dienstes brach der Boden der Kirche ein, und in» stürzte die ganze Versammlung von 250 Menschen in den Keller. Doch wurde niemand verletzt, der Teil des Bodens, auf dem der Sarg stand, blieb unversehrt. Aber nicht nur das Glück vollbringt immer wieder Wunder des Alltags, sondern auch das Unglück lauert dort, wo man es am wenigsten erwarten möchte. Die Insassen eines Ausflugszuges, der von Boston nach Reu- York fuhr, ahnten nichts Böses, als ein Schnellzug von der entgegengesetzten Seite an ihnen vorübe rsauste. Aber gerade in diesem Augenblick stieß die Lokomotive des Schnellzuges eine mächtige Wolke heißen Dampfes aus, unb die Gewalt toar so groß, daß 40 Fenster von dem heißen Damps zerbrochen und verschiedene Personen verletzt wurden. In Attika im Staate Reuyork trat eine Frau vor die Tür ihres Hauses, um ihre Katze zu rufen. In demselben Augenblick sauste ein Kraftwagen, dessen Führer die Herrschaft . über das Steuer verloren hatte, gegen die Tür und zermalmte die Frau. Im vergangenen Mai versuchte eine Frau in Chikago Selbstmord zu begehen, indem sie den Gashahn in ihrer Küche öffnete. Dadurch wurde eine Explosion hervor- gerufen, bei der ein ahnungslos Vorübergehender getötet wurde. Die Frau selbst wurde nur geringfügig verletzt. Ein 13jähriger Junge zu Richmond in Kalifornien ließ einen Drachen steigen, dessen Leine sich mit einer Starkstromleitung von 60 000 Volt verwickelte. Der dadurch entstehende Kurzschluß durchbrannte den Draht: das freigewordene Ende schlug einem Vorübergehenden den Hut vom Kopf, bohrte sich durch das Asphaltpflaster und durchstieß ein großes Gasrohr, aus dem sofort die Hellen Flammen aufschlugen. Eine seltsame Ursache eines Unglücksfalls war auch ein Vogel, der eine brennende Zigarette aufpickte und nach seinem Reste trug, das sich in dem Gebälk des Rathauses von Melrose in Massachusetts befand. Das Gebäude wurde dadurch in Brand gesteckt. Sperlinge, die auf dem Dach eines Hauses zu San Antonio in Texas ihr Rest bauten, benutzten dazu außer Zweigen auch Streichhölzer: durch ihr Kratzen an den Kuppen wurden die Hölzer entzündet und das Haus brannte nieder. Zu Eldorado in Kansas schor ein Landmann seinen Maulesel: eine Fliege stach das Tier, das ausschlug und die Schere dabei mit solcher Gewalt in den Arm des Mannes trieb, daß er eine schwere Wunde erlitt, an der er starb. Öocbfcbulnocbricbten. 3u ordentlichen Mitgliedern der mathematisch- naturwissenschaftliHen Klasse der Heidelber- “frenxie her Wissenschaften sind die ordentlichen Professoren an der dortigen Universi- tot Dr. Philipp Broemser (Physiologie) und Dr. Viktor Freiherr v. Weizsäcker (Innere Medizin) gewählt worden. An der Technischen Hochschule in Karlsruhe ist der Lehrstuhl für Geometrie dem Privatdozenten Dr.-Jng. G. Haenzel in Berlin angeboten worden. „ Zur Wiederbesetzung des an der Technischen Hochschule Karlsruhe freiwerdenden Lehrstuhls für Wärmekraftmaschinen ist ein Rus an Dipl.-Jng. E. Lupberger in Berlin ergangen.