Hr. 305 Erstes vlatt 182. Jahrgang Mittwoch, 28. Dezember 1952 Erlcheinl täglich, außer Sonntags und feiertags. Beilagen: Die ODuftnerte (Bießener Familienblätter Heimat >m Bild Die Scholl, Monatr-Vezugsvreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. 5ernsprechanschliiffe unter Sammclnummer2251. Anschrist für Drahtnach- richten: Anzeiger Liehen. Postscheckkonto: $ronlfurt am Main 11686. GKtzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck nnö Verlag: vrühl'sche llniverfitäls-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schul^ratze 7. Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20” , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (Biegen. Wie sehen uns die Andern? Eine weltpolitische Rundschau unserer Ausländskorrespondenten zur Jahreswende -1932/33 mit uns meint, würde uns sicherlich nicht innere Befestigung und eine starke Regierung wünschen; andererseits aber wird sich die italienische Sympathie nicht nur in den großen theoretischen Fragen, sondern auch von Fall zu Fall in den einzelnen konkreten Entscheidungen bewahren müssen, wenn die -Zusammenarbeit fruchtbar fein soll. Die großen innerpolitischen Ereignisse in Deutschland, die sich im abgelaufenen Jahre schicksalhaft überstürzten, dürften so manchem den Blick für die ebenso schicksalhafte Verflechtung unseres Vaterlandes mit den Geschehnissen jenseits der Reichsgrenzen getrübt haben. Dabei tritt das Deich gerade jetzt mit immer festeren und stets vernehmlicheren Schritten auf jenes politische Gebiet, auf dem man in Jahrzehnten und in Kontinenten zu denken pflegt. Das neue Jahr dürfte in dieser Beziehung überaus heftige Kampfe bringen. Da verlohnt sich wohl eine Betrachtung des Verhältnisses Deutschlands zu den anderen Staaten und Völkern dieses Planeten, worüber nachstehend unsere Korrespondenten in den Hauptländern der Welt berichten. Die Stimmung in England. Von unserem Oe.-Derichterstatter. London, Ende Dezember 1932. Der deutsche Reisende, der zu einem kürzeren Besuche nach London und England kommt, wird in seinen Gesprächen mit Engländern immer wieder die Versicherung hören, daß der Weltkrieg eigentlich ein Fehler war; England hätte mit Deutschland zusammengehen sollen und es solle es heute noch tun. Von den Franzosen wollten sie nichts wissen. Der Deutsche wird schmeichelnde Worte über die Leistungsfähigkeit des großen deutschen Volkes hören, Geschäftsleute werden ihm sagen, daß sich mit den Deutschen viel besser ein Geschäft machen läßt als mit den Franzosen. Der Versailler Vertrag sei eine Schande, es wäre ein Unrecht gewesen, das deutsche Volk so zu knebeln und ihm auch alle Kolonien fortzunehmen. Kein Wunder, daß dieser Deutsche den Eindruck erhält, als ob England sich feit dem Kriege völlig von Fran.reich abgewandt habe und Deutschland zuneige. Er sieht schon das deutsch-englische Bündnis. Wer aber länger unter den Engländern lebt, der weih, daß diese Versicherungen zwar ein lebendiger Ausdruck der öffentlichen Meinung sind, aber er ist sich dessen bewußt, daß man auf sie nicht allzu viel geben darf. Immer und immer wieder wird er in seinem persönlichen Leben Erfahrungen machen, daß doch noch recht lveite Kreise, und zwar gerade dieeinfluß- reicheren ganz anders denken und daß über Deutschland noch eine Menge bedauerlicher Vorurteile in England umlaufen, die kaum aus- zurotten sind. Dor einiger Zeit veröffentlichten die Zeitungen ein Bild aus Tokio, das zeigte, wie die japanischen Mädchen von Berufssoldaten im Schießen ausgebildet wurden; es wurde ohne Kommentar hingenommen. Wie hätte aber die Presse geschrien, wenn diese Photographie in Deutschland genommen wäre. Die alten Register vom preußischen Militarismus, einem Schlagwort, das noch ganz fest sitzt, wären nach allen Dichtungen hin gezogen worden. Je mehr der in England lebende Deutsche in das politische Denken der führenden Kreise einzudringen sucht, um so häufiger wird er feststellen können, daß England sich bewußt von einseitigen Freundschaften mit einem fe st ländischen Staate fernhält und immer mehr dazu neigt, seine eigenen Wege als Mittelpunkt feines Weltreiches zu gehen. Zwar gibt es in der Konservativen Partei eine gewisse Schule, die an eine engere deutsch-englische Zusammenarbeit einmal in der Zukunft denkt, aber der weite Kreis der Jungkonservativen um den Earl Winterton herum denkt anders, verficht die Weltreichspolitik, erblickt in Rußland den zukünftigen Feind und betrachtet deswegen argwöhnisch jede Annäherungs- bewegungDeutschlandsan Rußland, vor altem auch auf militärischem Gebiete. Das Buch Movilles „Das russische Gesicht Deutschlands", in dem die alten, schon vielfach dementierten Angriffe gewisser deutscher Zeitungen auf die ang:blrchrn Beziehungen des Reichswch.Ministeriums zu Rußland wieder aufgewärmt wurden, hat Deutschland viel Schaden getan, und zwar gerade bei den Kreisen, an deren Verständnis ür deutsche Entwicklungsfragen uns viel liegen otlte. Daher erneute Zurückhaltung und verstärkter Einfluß der Kreise, die zu Frankreich hin- ne.gen, das auf kulturellem und vielen anderen Gebieten noch stark auf die Engländer einwirkt. Es Ware falsch, wenn man aus Vorstehendem den Schluß ziehen wollte, daß die Zusammen- arbeit m.t England zwecklos sei weil es doch seinen eigenen Weg geht; im Gegenteil ist es durchaus notwenb.g, sich die Pflege der deutsch-englischenBezie Hungen ernstlich angelegen fein zu la,en. aber sachlicher, und folgerichtiger als dies während vieler Jahre in der Dachkr.egspolitik der Fall war. Es ist gänzlich verkehrt, den Engländern irgendwie nachzulaufen, wie dies leider viekerseits in Deutschland gemacht wird, weil der Engländer hierfür ke.n Verständnis hat, Wohl aber ist es ricbiig, ein Verhältnis der gegensei- tigen Achtung zu schaffen, das seine Grundlage meinem gefunden, aber ruhigen £1? t£”lal€rn Selbstbewußtsein hat. Der Mann, der fest und gesund in seinem Heimaterden wurzelt, aber Verständnis für das Denken des anderen hat, wird am ehesten dem Eng- lander Achtung abtrotzen und am besten mit ihm auskommen. Wie denkt man in Frankreich? Von unserem v. 6.-Berichterstatter. Paris, Ende Dezember 1932. Der DurchsHniltssra. z fe h a t feineeigene Meinung von Deuti^nano. Wenner in die Lage kommt, sich ein Bild von Deutschland zu machen, setzt er eine dicke Drille auf, die die jeweiligen Beherrscher der öffentlichen Meinung verschreiben. Gegenwärtig sind Psychosegläser am weitesten verbreitet, die die Aufschrift „Krieg" tragen. Dur wenige Franzosen verlassen ihr Land, die Mehrheit ist daher darauf angewiesen, zu glauben, was andere sage n. Mit dem Begriff Deutschland ist für den französischen Politiker die Sicherheitsfor- der un g untrennbar verknüpft: der gewöhnliche Sterbliche folgert daraus, daß man jenseits des Rheins nur an Vergeltung denkt. Zu berücksichtigen ist hierbei, daß Franzosen und Deutsche so sehr verschieden voneinander sind, daß sie schwer elften Generalnenner für ihre Anschauungen finden können. Diese Voraussetzungen dürfen bei der Betrachtung des deutsch-französischen Verhältnisses nicht vergessen werden. Innerhalb der regierungsfähigen Schicht nehmen die Radikalsozialisten, deren Gewicht feit den letzten erfolgreichen Wahlen zunächst jedenfalls ausschlaggebend für die Staatsführung fein wird, den realistischsten Standpunkt Deutschland gegenüber ein. Sie sind klug genug, die Gefahren einer Vereinsamung abzuschätzen und wissen, daß Frankreich mit Deutschland rechnen muh, ob es nun parlamentarisch oder anders regiert wird. Man darf jedoch keine zu großen Hoffnungen auf eine beschleunigte Aenderung der französischen Politik an diese Tatsache biüpfen, weil auch diejenigen Politiker, die Deutschland in ihr Rechenexempel einbeziehen, viel zu universalistisch denken. In der Ueberzeugung von einer aus der französischen Devolution abzuleitenden Mission zur Beglückung der Menschheit, bewegen viele führende Franzosen großzügige Gedanken über einen neuen Aufbau Europas in ihren Herzen. Das innerpolitisch zerrissene Deutschland, dessen Entwicklung die französische Oberschicht so gern im voraus erraten würde, bleibt aber eine Un- bekannte, die die französische Gleichung nicht aufgehen läßt. Ein Teil der führenden Franzosen fühlt die Kräfte des wiederaus strebenden Dachbarvolkes, empfindet das neue Selbstbewuhtsein der deutschen Außenpolitik und den Wettbewerb der deutschen Wirtschaft. Es schlußfolgert, daß die bisherige Behandlung Deutschlands falsch war. Im kommenden Jahr wird es sich zeigen, ob der Wunsch nach Entspannung auch zu einem tatsächlichen Umbruch der französischen Psychologie Deutschland gegenüber erfolgt, für den sich in politischen Kreisen gewisse Anzeichen feststellen lassen. Französische Beobachter behaupten, schon heute gäbe es in Frankreich mehr Anhänger einer Verständigung als in Deutschland. Rur keine Illusionen über Spanien. Don unserem v. G. - Berichterstatter. Madrid, Ende Dezember 1932. 2Iuf ®runb der sogenannten Neutralität Spaniens während des Weltkrieges, eine ‘Neutralität, die in der Hauptsache lediglich in der Dicht- anwendung der bewaffneten Macht bestand, hat sich in Deutschland die Legende der angeborenen Deutschfreundlichkeit Spaniens gebildet. Jedermann, der die Kriegsjahre in diesem Lande der Sonne erlebt hat, weiß, daß von einer wirklichen ‘Neutralität im großen Sinne des Wortes überhaupt nicht gesprochen werden kann, da Spanien v i e l z u schwach war, um sich gegen die Uebergriffe der Entente zu wehren und weil es zu kaufmännisch veranlagt war, um sich die ungeheuren Verdienstmöglichkeiten entgehen zu lassen, die durch andauernde Kriegslieferungen an Frankreich sich boten. Innerlich und überzeugt deutschfreundlich war lediglich der überwiegende Teil des Militärs und der gesamte Klerus, während die Masse der Geschäftswelt sich nur von egoistischen Motiven leiten ließ und die sogenannte „Jntelli- genz völlig auf feiten Frankreichs, von dem es seine Ideale bezog, stand. Wenn man also in Deutschland auch heute noch glaubt, jeder Spanier komme als vorbildlicher Deutschenfreund auf die Welt, so ist das ein gefährlicher Irrtum. Durch die Devolution sind die „Intellektuellen" in die füh- renöe Schicht aufgerückt, die Armee wurde ihres Einflusses beraubt und der Klerus verdrängt und verfolgt. Solange nun in Deutschland noch der sozialistische Kurs sich behauptete, stand man in den neuen offiziellen Kreisen diesem Deuischland chmpathisch gegenüber, eine Einstellung, die sich ,ofort änderte, als in Deutschland der Rechtskurs eingeschlagen wurde. Mit wehenden Fahnen zog da das amtliche Spanien in das Lager jener Lander, denen Deu!schlands Bekämpfung Tradition geworden ist. Die französische Propaganda tat das ihre, um diesen Prozeß nach Möglichkeit zu beschleunigen, so daß Spanien hinsichtlich der internationalen Politik heute fast ohne Reserven auf feiten Frankreichs steht. Dazu kommt, daß man hier in der Einrichtung des Völkerbundes eine ideale Erfindung erblickt, von der man sich im Ernst eine ^Befriedung Europas erhofft. Welche internationale Einstellung das amtliche Spanien heute hat, geht für den, der zwischen den Zeilen lesen kann, ganz klar aus folgenden Neuerungen des spanischen Außenministers hervor: „Spanien unterhält hervorragende Beziehungen zu allen Völkern der Welt. Des onders herzlich ist feine Freund- sa-aft mit den westlichen Ländern, die wie Frankreich und England, in intimerem Kontakt mit uns leben. Wir haben aber dazu noch die Absicht, unsere Beziehungen besonders zu verengen mit Ländern, die wie die Schweiz, Holland, Belgien, Tschechoslowakei, Schweden, Norwegen und Dänemark ein hohes kulturelles Niveau erreicht haben und deren pazifistische Einstellung innerhalb des Völkerbundes mit der unsrigen parallel läuft“. Mit anderen Worten, die französische Politik in Genf soll durch die kleineren Länder un-ter Spaniens Führung unterstützt werden. Von der Unterdrückung Deutschlands durch diesen Verein zur Wahrung bet Entente-Interessen, von der Absicht, in den Kampf gegen dieses uns angetane Unrecht eingreifen zu wollen, ist kein Wort in solchen Erklärungen spanischer Minister zu lesen. Eine Vogel-Strauß-Politik Deutschlands diesen feststehenden Tatsachen gegenüber könnte sich eines Tages bitter rächen. Eine Aenderung in der heutigen spanischen Einstellung kann nur dann erwartet werden, wenn das augenblickliche System hier abgewirtschastet haben wird und die konservativen Elemente des Landes die Zügel der Regierung wieder in der Hand halten. Dis dorthin aber wirb noch reichlich Wasser den Manzanares hinunterfließen. Sympathie im faschisiischenIialien Don unserem ^.-Berichterstatter. Rom, Ende Dezember 1932. Wenn man das Verhältnis Italiens zu Deutsch- land betrachtet, wird man immer wieder an die -Eatladje antnupfen muffen, daß Mussolini be= reits vor zehn Jahren aus der Vedrückersront der früheren Feindstaaten heraustrat und seinen geistigen Feldzug zur Revision der Fr ledensoer träge begann. Von jenen An- sangen über die Reden von Neapel und Turin, über bie Artikel des Popolo d'Jtaiia" bis zur jüngsten Kriegsichulden-Kundgebung des Großen Fafchifti- jchen Rates mit der erneuten Forderung des „odjmamm örüberl" führt eine gerade Linie. Dieses letzte „schwamm drüber" galt den inler- alliierten Kriegsschulden, wie bas erste die deutschen Reparationen mit einbegriffen hatte Der letzte französische Annäherungsversuch an Italien, der im November mit der Romreise Verengers und den Reden Herriots ein- fetzle, ist genau so wie die zahlreichen früheren Vorstöße zum Scheitern verurteilt; vielleicht mehr an den politischen Gegebenheiten, als am guten oder sch.echten Willen der Beteiligten. Dieselben Gegebenheiten können Deutschland und Italien ein weites Stück in der Geschichte zusammenführen. Es hat keinen Sinn, gefühlsmäßig über die Zweifel zu stolpern, ob Italien Deutschland als Gegengewicht gegen Frankreich, als Damm gegen den Bolschewismus, als Mitarbeiter in der barnieberliegenben Wirtschaft, als Mit- und Neuordner auf dem Balkan oder sonst irgendwie nötig hat. Gemeinsame Interessen können und sollen zu aufrichtiger Zusammenarbeit führen. Deshalb sei kurz festgestellt, wie bas maß- gebende Politische Italien bem heutigen Deutsch- lanb gegenübersteht: Italien wünscht b e n beutschen Wieberaufbau als eine europäische Notwendigkeit. Italien betrachtet bie nationale Bewegung in Deutschlanb mit unverhohlener Symvathie. Italien hat Interesse daran, daß in Deutschland endlich jene innerpolitische Beständigkeit erreicht wird, die es in die Lage versetzt, auch in der Außenpolitik auf weite Sicht folgerichtig zu handeln. Denn wenn auch in den Lebensfragen, wie Reparationen ober Gleichberechtigung, in Deutschlanb b i e große Linie unveränbert blieb, so gab es doch in andern außenpolitischen Dingen Schwankungen und Widersprüche, die eine Zusammenarbeit sehr erschwerten. Es sei nur an die Handelspolitik, besonders die Kontingentierungsfrage erinnert. Dies ist in groben Zügen, was Italien über Deutschland denkt. Eine Nation, bie es schlecht Der Beimischungszwang für Margarine Berlin, 28. Dez. (MTV. Funkspruch.) Zue Förderung der Verwendung inländischer tierischer Fette ist die Reichsregierung durch eine Notverordnung des Herrn Reichspräsidenten ermächtigt worden. einen Verwendungszwang für Butler bei der Herstellung von Margarine in Ergänzung des schon seit 1. Dezember 1930 bestehenden Verwendungszwanges für Talg und Schmal; anzuordnen. Die Reichsregierung wird ferner ermächtigt, Vorschriften über den Umfang der Herstellung von Margarine, Üunstspeisefctl, Speiseöl, Pflanzenfetten und gehärtetem Iran zu erlassen sowie einen Verwendungszwang von inländischen Oelsaaten in den Oelmühlen anzuordnen. Schließlich enthält bie Verordnung noch Bestimmungen, die die Reklame von Margarine und Kun st speisefetten betreffen, um Mißbräuchen auf diesem Gebiete entgegenzuwirken Kampf um bie Goldwährung in Südafrika. Die Noteneinlöf ngspslicht der Staatsbank aufgehoben. Pretoria, 27. Dez. (WTB.) Rach einer amt- lichen Mitteilung des Schatzamtes ist die Reserve- Bank der Verpflichtung zur Einlöfung von Roten in Gold enthoben worden. 3n der Begründung dieses Schrittes heißt es, infolge der politischen Unsicherheit seien ungewöhnlich große Ankäufe oon Devisen und die Zu- rückziehung von Goldschätzen zu harnst erzwecken vorgenommen worden. Eine Fortdauer dieses Zustandes würde eine außerordentliche Gefahr für die an und für sich gesunde Lage des Kredit- und Bankgeschäftes bedeuten. In London werden alle Meldungen aus Südafrika über den Kampf um die Goldwährung lebhaft erörtert, wenn sie auch infolge des heutigen allgemeinen Banken- und Börfenfeiertags unmittelbare Rückwirkungen noch nicht gezeitigt haben. Seit einiger Zeit konnte man in London ein sich allmählich verstärkendes Angebot südafrikanischer Pfunde gegen englische Währung beobachten. Der Gedanke, der hinter diesen Umtausch-Transaktionen liegt, ist natürlich der, das Agio auf südafrikanische'Pfunde auszunutzen — gegenwärtig kosten 100 englische Pfund nur etwa 70/10 südafrikanischer Währung — und dann diese südafrikanische Pfunde zurück^uerwerben, sobald die Union die Goldwährung ausgibt. Mit Interesse wird die Reaktion des Marktes ber sübafrikanischen Bergwerkswerte bei ber morgigen Wiebereröffnung ber Stock Exchange (Wertpapierbörse) entgegengesehen. Die Hoffnungen'auf eine Loslösung von der Golbwährung haben in letzter Zeit zu einer verstärkten Rachfrage nach Aktien solcher Minen geführt, bie verhältnismäßig geringfügige Schätze verarbeiten unb daher infolge einer mit ber Währungsabwertung Hanb in Hanb gehenben Kostenverminberung ihre „Lebensspanne" erheblich verlängern konnten. Die morgige Kursentwicklung bürste baden abhängen, ob bie Börse ber Ansicht ist, baß die letzten politischen unb finanzpolitischen Entwicklungen in ber Union bie Chancen ber Opposition, einen Sturz ber jetzigen Regierung unb ihres Systems herbeizuführen, geschwächt haben ober nicht. Was auch immer ber Ausgang bes gegenwärtigen Streits fein möge, bie Rückwirkungen auf bie Struktur des sübafrikanischen Wirtschaftssystems können kaum in ihrer Bedeutung unterschätzt werben. In ber Zeit von 1928 bis 1931 ist bie Ausfuhr lanbwirtschaftlicher Erzeugnisse ber Union von 31,8 Millionen Pfund auf 12,9 Millionen gefallen, währenb sich ber Wert ber Golbprobuktion von 44 Millionen auf 46,2 Millionen erhöht hat. Da jeboch bei bem gegenwärtigen Stanb ber Pro- buktionskosten mit einem erheblichen Rückgang der GolberzeWung schon in absehbarer Zeit zu rechnen ist, besteht bie bringenbe Notwenbigkeit, die Wirtschaft durch Entwicklung anderer Industrie- unb Landw.r schaflszwe.ge von bem Gold- bergbau weniger abhängig zu machen, von dem sich heute direkt unb inbiteft bie Hälfte ber Bevölkerung ernährt. Süd-Afrika Hai den Goldstandard aufgegeben. Kapstadt, 28. Dez. (MTB. Funkspruch.) 3a einem Interview mit dem Reuter-Vertreter erklärte Finanzmin-ster hawenga, Südafrika sei de facto vom Goldstandard abgegangen, die Banken müßten die Währung auf Gruno der neuen Basis bewerten. Das Regierungsorgan ,ll)ns Vaterland" schreibt: wir befinden uns in derselben Lage wie England im September 1931. Oie Ereignisse des Lahres 1932 im Bild tre D. n a nu Er Be in m lar iol de iTtd ge ve CD 3i V tx so Tr 0 Tt 3 ir 2 L d r n V itx A t>’ in m L< to sa b< R la Wie die Nationalsozialistische Korrespondenz mitteilt. ist die vom 30. Dezember d. I. bis 4. Januar 1933 geplante Sondertagung der Hitlerjugend in Gotha abgesagt und auf einen späteren Termin verschoben worden. Aus aller Welt. Zwei Kinder beim Brand einer Wohnlaube ums Leben gekommen. In Berlin brach in der Wohnlaube des Ar- beiters E h e l e b e n auf der Kolonie „Falkenstein" ein B r a n d aus. der die graste Wohnlaube vollständig einäscherte. Die Feuerwehr mußte mit Rohren stärksten Kalibers vorgehen: um eine weitere Ausdehnung des Feuers zu verhüten und die angrenzenden Wohnlauben zu schützen. Beim Aufräumen der Brandstelle fand man unter den Trümmern die verkohlten Leichen der beiden Kin- der des Arbeiterehepaares, der vierjährigen Waltraut und der zweijährigen Ingrid. Bukarester Hotel in Flammen. In dem siebenstöckigen Hotel „Britannia" in Bukarest brach nach einer Meldung Berliner Blätter Feuer aus. Alle Feuerwehren von Bukarest und Umgebung arbeiteten fieberhaft an der Löschung des Brandes. Zahlreiche Frauen und Kinder konnten sich nur dadurch retten, daß sie aus den Fenstern in Sprungtücher sprangen. Das Gebäude, das 500 Zimmer enthält, fiel größtenteils dem Feuer zum Opfer. Der Sachschaden wird auf 40 Mineralöl-Steuer wieder auf 3,80 AM. erhöht. Berlin. 27.Dez. (LU., Die Ausgleichssteuer fü-Mineralöle (Mineralölsteuer), die in der Zeit vom 1.3uli bis 30. September mit einem Satz von 0,10 Mark für einen Doppelzentner als fast aufgehoben gelten konnte, dann mit Wirkung bis zum Zahresschluß auf eine Mark heraufgesetzt wurde, nachdem durch die Bildung der neuen Tveibstoffkonvention auch für die deutschen Erzeuger ein gewisser Marktausgleich geschaffen war, wird jetzt durch eine neue Verordnung vom Reichsminister der Finanzen und Reichswirtschaftsminister vom 1. 3anuac 1933 an b i s auf weiteres auf den vom 1. Mai 1931 bis Ende des ersten Halbjahres 1932 geltenden Satz von 3,80 Mark je Doppelzentner wieder erhöht. Chemie. 19. Franklin D. Roosevelt, der neugewählte Präsident der Vereinigten Staaten. 20. Lebrun, Frankreichs Staatspräsident seit der Ermordung Doumers. 21. Der Pole Zwirko, Sieger im Europa- Rundflug ll-32, stürzte kurz nach seinem Siege tödlich ab. 22. Oerhart Hauptmann, dessen 70. Geburtstag ganA Deutschland feierte. 23. Hungermarsch eng- lischer Arbeitslosen auf London. 24. John Gals- roorthy, der englische Romandichter, erhielt den Nobelpreis für Literatur. 25. Die zerstörte IG.-Fa- brik in Premnitz bei Rathenow (Brandenburg), wo durch eine Sauerstoffexplosion 12 Personen getötet wurden. 26. Der irische Staatspräsident de Valero, der Irlands Unabhängigkeit von England weiter durchfocht. 27. Das Revoloerattentat auf den französischen Präsidenten Doumer (Porträt 28): der schweroerwundete Staatsmann wird zu seinem Auto gebracht, wenige Stunden später verstarb er. 1. Goethe, dessen 100. Todestag in diesem Jahre in der ganzen Welt begangen wurde. 2. Das Wrack des Schulschiffes „Niobe", das am 26. Juli im Fehmarn- Belt unterging, wobei 69 Mann der Besatzung zumeist Seekadetten, den Tod fanden. 3. Hindenburg, der am 10. April zum zweitenmal zum Präsidenten des Deutschen Reiches gewählt wurde. 4. Bei einem furchtbaren Erdbeben auf Chalkidike wurden viele hundert Menschen getötet. 5. Professor Piccard, der einen zweiten Ballonaufstieg (6) in die Stratosphäre unternahm, wobei er eine höhe von über 16 000 m erreichte. 7. Bergungsoersuche an der Unglücksstelle des englischen U-Bootes „M 2“, das mit 55 Mann Besatzung Untergang. 8. Der deutsche Flieger Ber- trom, der bei einem Fernostflug an der unbewohnten Westküste Australiens notlanden mußte und viele Wochen mit seinem Gefährten entsetzlichste Entbeh- rangen litt, bis die beiden aufgefunden wurden Mglerungsmsls in Bulgarien. Die Agrarpartei stürzt das Kabinett Muschanoff. Sofia, 28.Dez. (LU.) Die Agrarier beanspruchen Vergrößerung ihres Einflusses innerhalb ber Regierung. 3n einer mehrstündigen Sitzung des Ministerrates wurden die Forderungen der der Agrarpartei angehörenden drei Minister behandelt. ohne dast es jedoch zu einer Einigung gekommen wäre. Darauf haben die drei Minister am Dienstagabend dem Ministerpräsidenten Mu - schanosf ihre A b sch i e ds g e s u che schriftlich überreicht, wodurch dieser gezwungen ist, am Mittwoch dem König den Rücktritt des Gesamtkabinetts bekanntzugeben. Oberschlesisches Schmugglerparadies Von unserem E. E.-Korrespvndenten. Der Führer der chinesischen Delegation in Genf Dr. Pen ist zum Botschafter in Moskau ernannt worden. • 3n Rotterdam sind in mehreren Privat- wohnungen und Geschäftshäusern Waffensendungen beschlagnahmt worden,«dieim Einzelfalle aus 25 bis 100 Revolvern und dazugehöriger Munition bestanden. Alle diese Sendungen stammen aus Belgien und sollten, wie die Polizei annimmt, nach Deuts chland geschmuggelt werden. 9. Ausbruch eines Kordilleren-Vulkans im Westen Südamerikas. 10. Reichsinnenminister Dr. Bracht, kommissarischer Innenminister in Preußen. 11. Der preußische Ministerpräsident Otto Braun, desien Kabinett durch die Regierung Papen die Amtsgewalt entzogen wurde. 12. Von den erbitterten Kämpfen um Schanghai, die schließlich zur Einnahme der Sta't durch die Japaner führten: japanische Panzerwagen fahren in eine Vorstadt ein. 13. Dr. Brüning, Reichskanzler bis zum Mai. 14. von Papen, der Nachfolger Brünings. 15. General von Schleicher, der bisherige Reichswehrminister, übernahm im Dezember das Kanzleramt. 16. Wolfgang von Gronau (unten rechts) mitfeiner Mannschaft, mit der er im Dornier-Wal die Welt umflog. 17. Das Wahrzeichen des Olympia von Los Angeles: Das riesige Eingangstor des Hauptstadions. 18. Dr. Irving Lang- muir (USA.), diesjähriger Nobelpreisträger für B e u t h e n, Dezbr. 1932. Was so ein richtiger oberschlesischer Schmuggler ist, der liest, sofern er überhaupt liest, nur mit Grausen die Berichte von der deutsch-holländischen Grenze, wo die Schmuggler in Panzerautos fahren und die Grenzbeamten totschiehen, wenn sie nicht aus dem Wege gehen. Schmuggel, das ist hier «in« viel gemütvollere Angelegenheit, und gefahrvoll eigentlich nur für den Schmuggler selbst, der, ohne Waffe, von dem Grenzposten über den Haufen geschossen werden kann, wenn er nicht aufpaßt. Er schmuggelt ja auch eigentlich nicht aus Gewinnabsichten, vielmehr tut er es, um aus der Rot der Arbeitslosigkeit herauszukommen. An der Grenze des 3ndustri«g«bietes gibt es ganze Schmugglerdörfer, weil es ganze Arbeitslosendörfer gibt. Butter, Eier und Geflügel ist auf der polnischen Seit« billig: auf der deutschen zahlt man den doppelten Preis dafür. Die Differenz ist der Gewinn. Ein Gang in der Woche mit einem Sack voll Butter reicht, um die Familie acht Tage lang durchzubringen. Bananen, Apfelsinen, Maggiflaschen und Rasierklingen sind wieder in Deutschland so wohlfeil, daß man auf der polnischen Seit« dafür gute Preise erzielt. Und um bi« Weihnachtszeit kommt noch der Gefälligkeitsschmuggel für deutsch« Spielwaren als lohnender Rebenverdienst hinzu. Schließlich Zigaretten und ZlZarren, wegen des polnischen Tabakmonopols. J30?'11 Schmuggelgang geht Zug um Zug vor !'ch- ^m besten ist es, man ist mit den eigenen Zollbeamten unter einer Decke. Dann ist der kleinere Teil des Risikos schon Überstanden. Wo das nicht anaeht, hilft der Maschinist einer Grube, di« fünfzig Meter über der Grenze steht, der von seinem Arbeitsplatz aus den polnischen Zollposten beobachten kann. Wenn die Luft rein ist, gibt er das verabredete Zeichen. Und am anderen Tage hat er seinen Tabak im Beutel oder die Gans in der Bratpfanne. Oder einer gibt, wie das schon hero und Leander, allerdings zu anderen Zwecken, getrieben haben, ein Lichtsignal aus dem Fenster. Bei Dunkelheit natürlich, und der Schmuggel ist ja ein dunkles Gewerbe, das meist des Nachts ausgeübt wird. Am Tage treffen die Schmuggler nur ihre Vorbereitungen. Glücklich ist, wer Kinder dabei verwenden kann. Denn auf Kinder darf der Grenzposten nicht schießen. Kinder können im Spiel einmal knapp über die Grenze laufen. Wenn sie dabei an einer genau festgelegten Stelle etwas verlieren, so ist das für den, der am Abend dort im Dunkeln suchen kommt, schon viel einfacher. Bei Ruda bildet ein Bach die Grenze: der Bach hat Inseln, und an dem Dach wächst Gras, das die Zieaen [reffen. Hier wird vor den Augen der pol- nifchen Zollbeamten die Geschichte des Odysseus mit dem Polyphem aufgeführt, der in der Wolle am Bauch seiner Tiere hängend sein Schmuggelgut in Sicherheit brachte. Und dann gibt es natürlich auch Chancen an den Stellen, an denen die Züge größere Strecken über fremdes Gebiet fahren: polnische Züge kommen über Beuthener Flur in Beuchen als Kopsttation an und werden erst hier kontrolliert — deutsche Züge fahren über Tarnowitzer Gelände. Das sind Schmugglermöglichkeiten, die die allgeringften Spesen und die klemste Gefahr brin- Kleine politische Nachrichten. Aus Gründen der Vereinfachung der Rundfunk- organisation ist mit ber Aufgabe des Staatskom- misfars und des preußischen Staatsvertreters im Programmbeirat bei der Südwe st deutschen Rundfunkgesellschast der Oberpräsident a. D. Dr. S ch w a n d e r in Oberursel betraut worben. Der bisherige Staatskommissa^Oberregierungs- rat Hammacher bei ber Regierung in Wiesbaden ist zum Stellvertreter des Staatskommissars ernannt worden. Der Direktor ber DBG., Fritz D r o l a t, war zur verantwortlichen Vernehmung vor den Untersuchungsrichter geladen. Da er bei dieser Vernehmung die gegen ihn vorliegenden bringenden Derdachtsgründe des Meineids nichtev^kräs- ten konnte und Fluchtgefahr besteht, hat der Untersuchungsrichter entsprechend dem Cn wird ' Was in Don der Pressestelle der Universität (Rehen wird Weihnachten auf dem Lande Wette rvornnssage Noch immer wird unser Wetter vom Festlandhoch bestimmt. Die Störungstätigkeit über dem Ozcan entfaltet sich aber wieder stärker, und Ausläufer des Jslandtiefs schieben feuchtmilde Luft östlich vor, die über England und Nordfrankreich schon zu verbreiteten Regenfällen geführt hat. Der hohe Druck scheint nunmehr zurückzuweichen, so daß auch bei uns maritime Luft sich auswirken und mit der Zeit Niederschläge veranlassen kann, die auf den Bergen als Schnee niedergehen werden. Vorhersage für Donnerstag: Meist bewölkt, etwas milder, aufkommende Niederschlagsneigung. Lufttemperaturen am 27. Dezember: mittqgs 0,7 Grad Celsius, abends 0,5 Grad; am 28. Dezember: morgens 0,5 Grad. Maximum 2,5 Grad, Minimum — 0,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 27. Dezember: abends —0,2 Grad; am 28. Dezember: morgens —0,2 Grad Celsius. unter !ber Spielleitung (Bold - Moehl • CBäuIfe. Märchenspielpreise. Ende 18.15 Uhr. 20 Uhr unter Wolfgang Kühnes künstlerischer Leitung ein Kabarett mit neuem Programm. Kreis Büdingen. Llnter-Schmitten, 27. Dez. Und wenn sie im Laufe der Jahre zu ansehn- lichen Stößen anwachsen, dann sind immer noch Krankenhäuser und arme Nachbarn dankbare Abnehmer. Wer das Geld dazu hat, kann die Blätter ja auch binden lassen. D sellschaft Deutscher Konsumvereine m. b. Sy, Hamburg, ist in den Besitz des Herrn Wilhelm Stroh von Münster, eines geborenen Großen-Lindeners, übergegangen. Es ist beabsichtigt, schon im 3anuar die seit Jahren' stillliegende Fabrik wieder in Betrieb zu nehmen. — 3n seiner letzten Sitzung beschloß der Gemeinderat mit 7 gegen 4 Stimmen, das seit 1928 im Dau befindliche Schulhaus fertig- 8u ft eilen. Der Bürgermeister hatte vor der Abstimmung auf die sehr ernste Finanzlage der Gemeinde hingewiesen und die Kosten für die Fertigstellung auf rund 24 000 Mk. beziffert. Die vier bürgerlichen Vertreter glaubten, die weitere Belastung nicht verantworten zu können. Preußen. Kreis Wetzlar. ? Salzböden, 27. Dez. Frau Elisabethe Fritz kann am heutigen Mittwoch, 28. Dezember, im Kreise ihrer Kinder und Enkelkind« ihren 7 9. Geburtstag feiern. Die H?chb:tagte, eine geborene Schaub aus Mudersbach, ist die Witwe des früheren Haltetzprstehers Fritz im nahen Friedeihausen. man an den Geräten Mut und Gewandtheit erwirbt, wie man mit Freiübungen, Langstab > und Keulen- Übungen den Körper übt und kräftigt, wie man aber auch m.t lustigen Bodenübungen und im fröhlichen Volkstanz Freude zu bereiten vermag. Beide zur Aufführung gelangten Volkstänze mußten wiederholt werden. Wenn die Mädel mit den Boden- Übungen und die Jungen mit ihren waaghalsigen Sprüngen über den Barren mit verschieden hoch- gestellten Holmen besonderen Beifall fanden, so soll damit nicht gesagt sein, daß die anderen Riegen weniger gut waren. Alle gaben ihr Bestes und machten ihrem unermüdlichen Leiter. Dbertummart Erb,, ihren Vorturnerinnen und Vorturnern alle Ehre. Ein Weihnachtsspiel, das in verschiedenen Bildern den Ablauf eines deutschen Wcihnachts- feftes darstellte, bildete den Abschluß. Die Spieler, eine große Zahl Mädel und Jungen aus den Kinderabteilungen, waren mit viel Hingabe bei der Sache und ernteten verdienten Beifall. Den glücklichen Abschluß der Veranstaltungen bildete die Bescherung. r u n g konnten gute Kaufpreise für Grundstücke erzielt werden. Der Quadratmeter Ackerland wurde bis zu 60 Pf., der von Grabgarten bis zu 1 Mk. bezahlt. Die Kaufliebhaber waren zahlreich erschienen. Kreis Schotten. ■+- Eichelsdorf, 27. Dez. Die von dem hiesigen Forstamt im Laufe der Weihnachtswoche abgehaltenen Drennholzver st eigerungen zeigten gegenüber dem Vorjahre ein weiteres Aachgeben der Holzpreise. Duchenscheit 1. Klasse, die letztjährig zwischen 8 imb 9 Mk. pro Festmeter kosteten, wurden im Durchschnitt mit etwa 7 Mk. gesteigert und genehmigt. Verschiedene Gemeinden, die zur Deckung der Wvhlfahrtslasten die eingegangenen Losholzgelder in Anspruch nehmen mußten, sollen in diesem 3ahr von dem Losholzbezug ausgeschlossen werden. Da diese Maßnahme für die mit Wohlfahrtsausgaben überlasteten Gemeinden eine besondere Härte fein mühte, hofft man, daß sie rückgängig gemacht wird. Kreis Alsfeld. < Ruppertenrod, 27. Dez. Die Geld- sammlung im November für die Winterhilfe ian Kreise Alsfeld brachte hier durch Potizsi- biener Karl G ü nt h e r den Betrag von 18,75 Mk. In den Tagen vor Weihnachten wurden durch Land- wirt Heinrich W e ft r u p p, Landwirt August Tröller nnd Polizeidiener Karl Günther 467 Pfund Roggen, sowie 3,80 Mark freiwillige Geldgaben für die Winterhilfe im Kreise Alsfeld gesammelt, die in diesen Tagen zur Ablieferung gelangen. Den Sammelnden, die unentgeltlich die Sammlung durchgeführt haben, gebührt herzlicher Dank. Landkreis Gießen. CO Klein-Linden, 27. Dez. Die Weihnachtsfeiertage brachten hier überfüllte Gottesdienste, die durch die Mitwirkung des Posaunenchors verschönt wurden. In der Christmette am Heiligen Abend sang der Kirchenchor unter Orgel- und Diolinbegleitung die Weihnachtsgeschichte: die Gesangssoli wurden von Mitgliedern des Chors gelungen. — Am ersten Feiertagabend hielt der Männergesangverein „Eintracht" im Saale des Gasthauses „Zur deutschen Eiche" seine Weihnachtsfeier ab. Einer Ansprache des ersten Vorsitzenden, Werkmeister Auaust Bücking, folgten gut vorgetragene Männerchöre, geleitet von Chor- meister Hoinr.ch Köhler (Großen-Linden), Musik- oorträge einer outen Musikkapelle, ein heiterer Dreiakter und als Abschluß ein humoristisches Männerquartett mit Klavierbegleitung. — Der Männer- gefangoerein „21 r i o n" feierte am zweiten Feiertagabend fein Weihnachtsfest. Der erste Vor- fiftenbe, Lokomotivführer Müller, hielt die Ansprache, der 23erein trug unter Leitung von Ehren- chormoister Konrad Nicolai (Grohen-Buseck) stimmungsvolle Chöre vor. Gute Musikvorträge der Gießener Reichswehrkapelle, flottgespielte Theaterstücke und Tanz füllten den Abend aus. f. Allendorf (Lahn), 27. Dez. Am Abend des ersten Feiertags führten die Schüler der hiesigen Oberklasse im vollbesetzten Gotteshause ein K r i P P e n s p i e I auf, das großen Anklang fcknd. Ebenso lösten die schönen alten Weih- nachtslieder große Freude aus. — Einige Tage vor Weihnachten hatte bereits der Kirchen- gesangverein einen Weihnachts- und Fauns mitgeteilt: Die Gesamtzahl der Studierenden beträgt im Wintersemester 1932/33 = 2150, darunter 166 Frauen; hinzu kommen 1 Hospitantin und 105 Gasthörer und -Hörerinnen. Die Zahl der Studierenden verteilt sich auf die einzelnen Studienfächer wie folgt: Theologie 255, darunter 4 Frauen; Rechtswissenschaft 320, darunter 9 Frauen; Medizin 512, darunter 50 Frauen, Veterinärmedizin 242, darunter 1 Frau; Philologie 352, darunter 70 Frauen; Mathematik 107, darunter 11 Frauen; Naturwissenschaften 130, darunter 14 Frauen; Chemie 51, darunter 1 Frau; Forstwissenschaft 34; Landwirtschaft 50; Staatswissenschaften 96, darunter 5 Frauen; Pharmazie 1 Frau. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater, 19.30 bis 22.30 Uhr: „3m weißen Rößl". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Wie sag' ich's meinem Mann?" — Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrie en: Als 12. Dorstel ung im Mittwoch- Abonnement findet beute 19.30 Uhr eine Wiederholung der mit großem Beifall am zweiten Weihnachtstage vor ausverkauftem Hause erstausgeführ- ten Operetten-Aevue „3m weißen Bohl" statt. Unter Heinrich Hubs Spielleitung wird abermals der große Apparat an Darstellern und Bühnenbildern und in neuen Kostümen sich in Bewegung setzen, werden unter Kapellmeister M oehls Stabführung die Melodien des Komponisten Benatzky erklingen; außerdem Ballettmeister Bä ulke mit Frau Anny Bäulke und den Girls des Theaters, während eine Bayerntruppe einen Original-Schuhplattler- und einen echten Watschen-Tanz vorführt. Operettenpreise. Ende 22.30 Llhr. — Zum letzten Male gelangt am Freitag, 30. Dezember, das Schauspiel Henry Bernsteins „Der Dieb" unter Karl He Ysers Spielleitung zur Aufführung. — Als Sylvester- Premiere gelangt am 31. Dezember 2\15 Llhr außer Abonnement der Schwank „Stöpsel" von Arnold und Bach unter der Spielleitung Peter F a f f o t s mit allerlei bunten und launigen Tleberraschungen zum erstennmal zur Ausführung. ErmäßigtePreife. Ende 22.30 llfyr. — Der Aeujahrstag bringt 15.45 Hfrr eine Aufführung des Weihnachtsmärchens »Aschenbrödel", sechs Bilder mit Gesang und Tanz > Ober-Ohmen, 26. Dez. Heute abend hatte die zweite Klasse der hiesigen Volksschule Eltern und Freunde zu einer Weihnachts- und Schulfeier im Saale des Gastwirts Krebs eingeladen. Lehrer 3ung begrüßte die Erschienenen und wies auf den Sinn des Abends hin. Zwei Weihnachtsstücke wurden von den Kindern geschickt aufgeführt, sowie Weihnachtsgedichte vorgetragen, auch wurden einige Weihnachtslieder mit der Gemeinde gesungen. Kreis Schotten. < Tlnter-Seiber tenrod, 26. Dez. Am Heiligen Abend fand hier ein liturgischer Abendgottesdienst beim strahlenden^Lichterglanz des Christbaums statt. Die Ausschmückung hatte auch in diesem 3ahr — nun schon über 25 3ahve — Bürgermeister Momberger in dankenswerter Weise übernommen. Zu Beginn des Gottesdienstes spielte der Posaunenchor die Weihnachtsmotette »Ehre sei Gott in der Höhe". 3m Mittelpunkt des Gottesdienstes stand das Weihnachtset angelium mit Ansprache, das von den Liedern der Gemeinde unter Begleitung des Posaunenchors von hier, der Orgel, sowie des Schüler- und des Männerchores von Llnter-Seibertenrod unter Leitung von Lehrer Dutter on umrahmt wurde. Der Männerchor und die Kinder sangen je zwei Choräle. D-ie Chöre, in denen viel Arbeit steckte, wurden gut vorgetragen. Die Kollekte war für die Mission bestimmt. Ober-Schmitten, 27. Dez. Auf Anregung und unter Mitwirkung der hiesigen Mädchenvereinigung und Frauengruppe konnte in diesem 3ahre wieder nach etwa 10jäh- riger Unterbrechung der schöne Brauch des We i h- nachtsansingens durchgeführt werden. Eine stattliche Sängerschar hatte sich zusammengefunden, die alten schönen Weihnachtslieder an den verschiedensten Straßenecken und »teilen am Descherabend zu fingen. Das neue 3ahr wird feit vorigem 3ahr von dem „M ä n ne r ge f a n g - verein" angesungen. milienabend veranstaltet. Stimmungsvolle Weihnachtsstücke, religiöse Chöre und schöne Volkslieder unterhielten die Anwesenden. Auch bei dieser Feier wirkte neben vielen Erwachsenen eine große Anzahl Kinder mit. r. Lang-Göns, 27. Dez. Am ersten Werh- nachtssettrtag hielt der hiesige Turnverein (DT.) feine diesjährige Weihnachtsfeier in der Turnhalle ab. Mach dem Aufmarsch der Turnerinnen und Turner begrüßte der zweite Vorsitzende, A. Schmidt, die Gäste, besonders herzlich den langjährigen Freund unseres Turnvereins, Ehren-Äauoberturnwart Will (Gießen). Machdem Frl. A. P f u h l ein Gedicht vorgetragen hatte, begannen die turnerischen Darbietungen, die mehrere Reigen der Schülerinnen und der Turnerinnen, unter Leitung von ©au* turntoart Lang, brachten. Es folgten Stab- und Keulenübungen, sowie Vorführungen der Turner am Pferd. Alle Darbietungen legten Zeugnis von dem Können und der vorzüglichen Schulung der Turner ab und fanden verdienten Beifall. Der hiesige Orchesterverein spielte zahlreiche Musikstücke, darunter ein Trompetensolo, vorgetragen von Herrn M a n k - Wie- seck. Für weitere Unterhaltung sorgten zwei kurze Weihnachtsstücke, die gut und flott gespielt wurden. 3m Verlauf der Feier wurde der Ehren- Gauoberturnwart Will nach einer kurzen Ansprache des zweiten Vorsitzenden, der die besonderen Verdienste des Herrn Will hervorhob, zum Ehrenmitglied desTurnvereins Lang-Göns ernannt und ihm eine entsprechende Urkunde überreicht. Gauoberturnwart Wollen Sie nicht auch sammeln? [ Ein Vorschlag aus unserem Leserkreis. Don einem Leser des Gieß. 2lnz. gehen uns die nachstehenden Zeilen zu. D. Red. Wieviel Lesestoff geht uns im Laufe des Jahres durch die Hände! Wieviel wird davon achtlos beiseite gelegt, und wie oft brauchen wir es später. Dann geht das Suchen an. Wie wäre es, wenn wir wertvolle Aufsätze, Romane ufro., die in Fortsetzungen folgen, in besonderen Mappen sammelten, oder ihnen im Bücherschrank oder Schreibtisch ein kleines Fach anwiesen? 3d) habe mir z. B. die .Heimat im Bild" des Gießener Anzeigers von der ersten Nummer an aufgehoben. Oft habe ich nicht die nötige Zeit, einen Aufsatz sofort zu lesen. Das kann man dann am Sonntag nachholen, oder auch erst in den Tagen des Urlaubs. Aber die Bilder darin und viele Anregungen sind so wertvoll und geben einen so schönen Anschauungsstoff aus unserer Heimat, daß es schade wäre, die einzelnen Nummern mit dem übrigen Zeitungspapier zu verschleudern. Und seitdem ist Gartenbesitzer bin, sammle ich auch die „Scholle" des Gießener Anzeigers. Da gibt es oft Artikel, Hinweise und Ratschläge, die vielleicht augenblicklich nicht interessieren. Aber schon nach kurzer Zeit oder im nächsten Jahre ist diese Frage auch für uns brennend. Dann können wir nachschlagen. Hier hilft ein Zettel über mancherlei Suchen hinweg. Darauf wird z. B. einfach vermerkt: „Anlage eines Spargelbeetes in Nr. 14, 1931." Bei Gelegenheit habe ich also das Gewünschte. 3ft es mit den „Gießener Familienblättern" nicht ebenso? Seit zwei 3ahren hebe ich sie mir besonders auf. Und beim Ordnen und Zusammenheften merke ich erst, was diese Beilage im Laufe eines 3ahres gibt. 3n der letzten Zeit brachten die „Familienblätter" unter anderem drei große neuzeitliche Romane (Zwei wollen zum Theater — Die Pariser — Der Krieg-kommissar des Königs) und mehrere Novellen. Wenn man diese Romane und Novellen in Buchform kaufen will, dann kosten sie etwa die Hälfte des Bezugsgeldes für den Gießener Anzeiger im ganzen Fahr! Und was die „Familienblätter" an guten klassischen und neueren Gedichten, an literarischen Aussätzen, an Abhandlungen über technische Errungenschaften, Geschichten aus dem Tier- und Menschenleben bringen, das alles sieht man erst, wenn fo ein 3ahrgang geschlossen vor uns liegt. Da finden wir noch 'Jtooellen von Storm und Keller, eine Erzählung von Fontane usw. usw. Wer kann alles aufzählen? Die 102 Nummern, zu je vier Seiten, die etwa einen Bogen und mehr in gewöhnlichem Buchformat ergeben, bringen also einen interessanten und vielseitigen Lesestoff von über 1600 Seiten! Wer mochte da nicht auch im neuen Fahre diese Beilagen des „Gießener Anzeigers" sammeln und aufheben? Es kommen Tage, an denen man krank im Bett liegt und keine passende Lektüre hat. Dann Helsen diese gesammelten Blätter über manche trübe Stunde. Gemeinderat in Lich. } Lich, 27. Dez. Der Voran schlag des städtischen Wohlfahrtsausschusses für das Rj. 1932 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 38 500 Mark ab und erfordert einen städtischen Zuschuß von insgesamt 16 000 Mark gegenüber 17 000 Mark im Vorjahre. Der Gemeinde rat bewilligte den Zuschuß zu Lasten der Stadt. Soixmn hLfchloß er, das Wassergeld im Rj. 1933 noch den gleichen Grundsätzen wie im laufenden Rj. zur Erhebung zu bringen. Danach beträgt der Preis bei Abgabe des Wassers nach Messung pro Kubikmeter 20 Pf. Für Großabnehmer treten entsprechende Ermäßigungen ein. Weiterhin wurde die käufliche Uebernahme von 405 Meter Feldbahngele ife, 63 Meter Kurven und 4 Stück Muldenkippwagen, die vor mehreren Monaten von einer Frankfurter Firma zur Ausführung von Wegbauarbeiten durch Notstands- und gürforgearbeiten und für den Freiwilligen 2lrbeitsbienft geliehen waren, beschlossen. Der Kaufpreis stellt sich nach Abzug der Miete auf insgesamt 827,23 Mark. Ein Gesuch der Deutschen Gasolin AG. um Genehmigung zur Errichtung einer Tankstelle auf städtischem Straßengelände vor dem Gasthaus „Zum Frankfurter Hof" wurde zum Zwecke einer Ortsbesicht.gung durch den Gemeinderat vertagt. Landkreis Gießen. 8 Alten-Buseck, 27. Dez. Die Bitte des Frankfurter Rundfunksenders, zum Weihnachtsftste auch der A e r m ft e n i n Frankfurt zu gedenken, hat hier einen schönen Erfolg gehabt. Auf Anregung ihres Lehrers wurden von den Schülern der 2. S cy u l k l a s s e so große Mengen Lebensmittel und Bekleidungzstücke gesammelt, daß es möglich war, acht bedürftigen Familien in Frankfurt je ein umfangreiches Weihnachtspaket zu gehen zu lassen. Die Adressen der Bedürftigen wurden den kleinen Spendern durch das Wohlfahrtsamt in Frankfurt am Main übermittelt • Burkhardsfelden, 27. Dez. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde am ersten Feiertag Herr Heinrich Decker, der feit 36 3ahren dem Konsumverein als Vorstandsinit- alied angehörte, zu Grabe getragen. Während der letzten 20 3ahre führte er die Kassengefchäfte des Vereins, außerdem war er einige 3ahre Rechner der hiesigen Genossenschaft. Eine Reihe von Fahren verwaltete er die Posthilfsstel.be. Gewissenhaft und unermüdlich diente der Verewigte allezeit der Allgemeinheit. LI Großen-Linden, 27. Dez. Die Z i - garrenf abrikder Grvheinkaufs-Ge- *• Finanzamtspersonalie. Regie- rungS-Assessor Friedrich Clauß wurde zum Regierungsrat bei dem Finanzamt Friedberg ernannt. ** Ein Siebzigjähriger. Kaufmann Ferdinand Baer, wohnhaft Rordanlage 1, kann am Freitag, 30. Dezember, bei guter Gesundheit seinen 70. Geburtstag feiern. ** Weihnachtsfeier der Kinderabteilungen im Turnverein 184 6. Die Turnhalle war zur Weihnachtsfeier der Kinder im Tv. 1846 bis auf den letzten Platz besetzt. 3n bunter Folge zeigten zunächst Mädchen uni) Knaben, wie Will dankte in bewegten Worten und versprach, dem Turnverein Lang-Göns auch weiterhin als guter Freund und Förderer zur Seite zu stehen. o Holzheim, 27.Dez. Am Heil.gm Abend fand in unserer sehr geräumigen und trotzdem über füllten Kirche eine liturg scheW e ihnachts- fe ier statt. Musikstücke, sehr gut vorgetragen von Organist Kuhl Orgel, und 3. M ü l l e r erste Geige und W. Engel zweite Geige, sorgten für Ausschmückung der Feier. Ferner brachte der Gesangverein „Harmonie" unter Leitung von Gg. Sarnes sen. unter dem_ brennenden Lichterbaum einige Chore zu Gehör, die von großem Können zeugten. Für die Krüppel - anftalt in Aieder-Ramstadt opferten die Schulkinder auf Anregung des Pfarrers den Betrag von 11,46 Mark. I Eberstadt, 27. Dez. Am Donnerstagabend hielt unsere Schule im Saale von Wedemann unter Leitung von Lehrer Reu hl ihre Weihnachtsfeier ab. Die kleineren Schüler führten einige Szenenspiele auf. Ein größeres weihnachtliches Spiel schuf die rechte Stimmung. Den Höhepunkt des Abends bildete ein Krippenfpiel. Umrahmt waren die Darbietungen von Chören, dis zum Teil von Reinhard K ö d d i n g eingeübt waren. Zum Schluß dankte Pfarrer K ö d d i n g im Namen der zahlreichen Gäste den Mitwirkenden für ihre Bemühungen. „ ,, , )( L i ch, 27. Dez. Das aus dem früheren Spitak umgebaute und neu eingerichtete Krankenhaus hat in dem ersten 3ahr seines Bestehens eine gute Entwicklung genommen. 3n der Leitung des Hauses trat eine Aenderung ein; an Stelle der bisherigen leitenden Schwester Ka tharine, die als Gemeindeschwester nach Dahlheim (Rheinhessen) versetzt wurde, übernahm Schwester M a t- g a re t e (bisher am Bürgerhospital in Friedberg tätig) die Leitung. Am Freitagnachmittag fand im Krankenhaus in Gegenwart des Bürgermeisters, der beiden Aerzte mit ihren Frauen und der übrigen Mitglieder der Krankenhauskommission eine Weihnachtsfeier statt. Rach einigen Vorträgen der Chorschule (Leitung Lehrer Stein), einer liturgischen Einleitung und gemeinsam gesungenen Liedern hielt der Seelsorger des Hauses, Stiftsdechant Kahn, eine Ansprache. Aach der Feier wurde durch die Mitglieder der Krai k.nhauswmmisfion e em Kranken ein schönes Weihnacytspäcka-en überreicht. — Die Kinderkirche feierte Weihnachten durch eine Christ» metto in der mit zwei großen, schön geschmückten Christbäumen festlich erleuchteten Kirche. Unter Orgelspiel zogen über 250 Kinder, geführt von ihren Helferinnen, ein, um dann mit Liedern und Sprüchen im Wechsel ty>n Gemeinde und Pfarrer zu fingen und zu fagc/ vom Wunder der Weihnacht. Am Schluß hielt der Leiter der Kinderkirche, Stiftsdechant Kahn, eine Ansprache an die Kinder. Trotz der großen Schar konnte, dank der Gebefreudigkeit der Gemeindeglieder, die in den gut besuchten Festgottesdiensten 122 Mark zu diesem Zweck opferten, jedem Kind ein Weihnachtsgeschenk ausgeteilt werden. ^Birklar, 27. Dez. Zur Freude vieler Kirchenbesucher hat der Kirchenvorstand in der Kirche zwei neue Oefen aufgestellt, die amUbeit)- nachtsfeste zum erftenmale die Kirche erwärmten. Der Besuch der Gottesdienste war infolgedessen viel größer als in früheren 3ahren. Am Heiligen Abend wurde in der Kirche unter Leitung be3 Lehrers Krausgrill, der auch die verbindenden Worte sprach, ein Krippen- spiel auf geführt. Da alle Mitwirkenden, Schüler und Gesangverein, ihr Bestes gaben, konnte bei den zahlreichen Zuhörern rechte Feststimmung geschaffen werden. ch Saasen, 27. Dez. Am ersten Weihnachtsfeiertag fand in unserem ehrwürdigen Kirchlein auf dem Veitsberg eine Weihnachtsfeier, veranstaltet von der 1. Schulklasse der hiesigen Volksschule unter Leitung von Lehrer Dieser, statt. Die Kirche war bis aus den letzten Platz gefüllt. Nach einer Ansprache des Ortsgeistlichen, Pfarrer D ö l l, fangen die 3ungfrauen des hiesigen Frauenvereins das Lied „Heiige Nacht". Dann brachten die Kinder das Weihnachtsspiel „Die Geburt Jesu" flott zur Aufführung. Die Veranstaltung war für die vielen Besucher eine wertvolle Feier- Seemannskos. Eine Tragödie, wie sie das harte Seemannsleben mit sich bringt, hat sich im stürmischen Wetter auf der Ostsee vor Arkona (Rügen) abgespielt Der Kapitän W e y n h o l d vom holländischen Motorschoner „Watergeus" wurde beim Bergen des Großsegels vom Großbaum erfaßt und über Bord geschleudert. Alle Rettungsversuche waren vergeblich. Der Kapitän sand den Tod in den Wellen. An Bord des Fahrzeuges befanden sich die Frau des Kapitäns und fünf Kinder im Alter von drei bis elf Fahren, sowie ein junger Matrose. Der Kapitänsfrau und dem Matrosen gelang es, unter großen Schwierigkeiten den Motorschoner bei dichtem Nebel in den Hasen von Swinemünde zu steuern. Denken Sie an Stoffe/ denken Sie an L Bernard Hotel Schütz von uns gegangen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Meta Täubert, geb. Rahn. Gießen (Seltersweg 70), Wurzen, Prausitz, 27. Dezember 1932. 91890 Wir wollen ihn am Freitag, dem 30. Dezember, nachmittags 2% Uhr, auf dem Neuen Friedhof zur letzten Ruhe betten. 9191 D Das Personal der Firma Otto Täubert Gießen, den 28. Dezember 1932. 9192 0 9193D 07534 Pfund 85 Pf. Danksagung. Friedrich Habenicht. Vermögen: Gießen, den 28. Dezember 1932. 91O8D 2165520,70 6016641,08 120715,03 2566542,33 5 Röhron-Superhet 4 Röhren/3 Kreise 166440,15 16385156,62 16385156,62 Ml-KMel HiiiMilM noch billiger! 8838 A Samenhaus Heinrich Bahn/Gießen Telephon 3403. e>- 40000,— 40000,— 59310,41 179710,75 200000,— 50000,— 1672369,— 43008,97 3693,67 445193,18 Sein eisernes Pflchtbewußtsein, seine nie erlahmende Energie und sein bestes Wollen werden uns stets ein Vorbild sein. Für die zahllosen Beweise herzlichster Teilnahme und aufrichtigster Freundschaft, die mir bei dem so tragischen, allzufrühen Lebensende meiner innigstgeliebten Frau bezeugt wurden, danke ich auf diesem Wege von ganzem Herzen. 5356351,87 Seschäftsdrucksacheo Rechnungen Briefblätter Briefumschläge Postkarten Gescnäftskarten Hi Brühl. Schulstralle I Am 27. Dez. ist meine liebe, treusorgende Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Luise Wagner, geb.Röhrig im Alter von 54 Jahren sanft entschlafen. Tm Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: An ton Karl Wagner. Gießen (Lahnstraße 15), den 28. Dezember 1932. Die Trauerfeier findet Freitag, den 30. Dezember, nachmittags 2 Uhr, in der Kapelle des Neuen Friedhofs statt 4. Darlehen an Private geg. Hinterleg. v. Wertpapieren 13377,44 5. Kurspapiere (Kurswert). 6. Wechsel.... 7. Kontokorr.- Berkehrt Debitoren) ... 8. Guthaben b. Girozentralen u. Banken ....... 9. Immobilien 10. Mobilien .. 11. Rechnungsrest........ In sämtlichen Restaurationsräumen Silvesterfeier Tanz / 2 Kapellen Ueberraschungen für Damen Eintrittskarten sind unentgeltlich beim Portier ab Donnerstag, den 29. Dezember 1932, zu haben . Vorstehende Bilanz wird gemäß Art. 3, Abs. 4, des @e- >e»es über die öffenthdien Sparkassen vom 8. August 1902 utr Kenntnis der Bezirfsangehörigen gebracht. [9186D Gießen, den 22. Dezember 1932. Der Direktor der BezirkSsvarkasse Gießen. Zach eis. Schulden: 1. Sparverkehr. 13 631438,66 2. Kontokorrent- oerkehr (Kreditoren) .... 3. a) Reichsbank- lombard- konto 100, b)Land.- Kornm.- Bk.Girozentrale LHessen Bausvar- fönten* heft. 3593,67 4. Rücklage .... 5. Fond zur Errichtung einer Stiftung anl. des lOOinhr. Bestehens der Sparkasse ... 6. Risikorücklage 7. Reingewinn . Winterhoff die Drogerie, die*Ihr Vertrauen verdient Kreuzplatz 10 9194A 1. Hypotheken 2. Darlehen an Gemeinden, Kirchen und Kommunalverbände .. 3. Darlehen an Private geg. Bürgschaft . Lebende Schleien ... Pfund 120 Pf. nn u. Schleien sind im fliehen- asser gehalten und frei von Schlammgeschmack Richard Grünewald Bahnbofftr. 27 o-saa Fernfvr. 3631 ULTRA-GEADEM und SUPER-GEADOR Bilanz der Vezirkssparkasse Gießen für 1931 Herz & Co. Bankgeschält ■ Gießen Gegründet 1901 GünstigeVerzinsung von Geldeinlagen An-und Verkauf von Wechseln.Schecks Wertpapieren sowie ausländischen Zahlungsmitteln Konto-Korrentverkehr — Sparverkehr Scheckverkehr - Aufbewahrung und Verwaltung von Wertpapieren - Verschlossene Depots (Schrankfächer) _________________________________________________________9049D Detektiv K. Gerz, Bad-Nauheim, Kur- strabe 17 erledigt alle vertrauliche Privat- ii. Geichästsangele- aenheiten.wie Auskünfte, Beobachtungen, Ermittlungen Befchafiung v Be- tui’f^mat in Strat- u. Zwilvroz ftrenp di.l Lvrechst. Ob. 12'/, u. 3—6 11't. Nachruf. Am 27. Dezember d. J. verschied plötzlich und unerwartet unser allverehrter Chef Herr Otto Täubert KMcheMche diese Woche sehr günstig im Preis ff. 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Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, am 27. Dezember, früh 4% Uhr, unser innigstgeliebtes Eischen nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 6 Jahren in die Ewigkeit zu sich zu ruten. Die tieftrauernden Hinterbliebenen: Familie Heinr. Launspach, Leit-Aufs nebst allen Angehörigen. Altenstadt. Reiskirchen, den 27. Dezember 1932. Die Beerdigung findet Freitag, den 30. Dezember, nachmittags 2 Uhr. in Reiskirchen statt 91970 Bei sofortiger Auszahlung der Provision nach Eingang der Aufträge suchen wir für unsere Qualitätserzeugnisse rührigen Atteruvevtvetev. Unbeschränkte Absatzmöglichkeit. Keine Saisonartikel.Dauerexistenz.Kapital nicht erforderlich. Bei Bewährung Einrichtung ein. Auslieferlagers. Angeb. u. E. F. 454 (9187V) an den Gießener Anzeiger. Zeichner (für Rekamezeich- nungen)f. gelegentliche Nebenbeschäftigung gesucht. Schrift!. Angeb u. 9190p q. d G. A. ßalbtagssiädch. (07529 (7 — 14 Uhr) gesucht abl.Jan.33 in klein. Hh.,2Pers. 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Plätze für Fahr- und Schaugeschäfte, Schieß- und Berkaufsbuden (letztere in beschränktem Umfange) werden im Wege schriftlichen Angebots vergeben. Bedingungen usw. sind hier erhältlich. Angebote sind unter Verwendung des vorgeschriebenen Angebotscheins bis spätestens 31. Januar 1933 an uns einzureichen. Der Markt ill in der Zulassung von Geschäften ein beschränkter Markt. Grundsätzlich werden nur die Geschäfte (auch Spezialisten) zugelassen, die sich rechtzeitig um Plätze bewerben und die Zulassungsgenehmigung vor Beginn des Marktes schriftlich erhalten haben. Die Vergebung geschieht nur durch uns. Glückspielunternehmungen werden nicht zugelassen. Verlängerung des Marktes findet auf keinen Fall statt. Gießen, 28. Dezember 1932. 91880 Bürgermeisterei Gießen. I. 23.: Dr. Rosenberg. Donnerstag, den 29. Dezember 1932, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 9196D 4 Büfetts, 1 Diwan, 1 Badeofen, 4 Vertikos, 3 Schreibmaschinen, 4 Schreibtische, 6 Sofas, 1 Jagdbild, 1 Klavier, 3 Gläserschränke, 2 Warenschränke, 1 elektrische Ständerlampe, 1 Sessel, 3 Bilder, 1 Krawattennadel mit Brillant, 3 Kleiderschränke, 1 Trumeauspiegel, 1 Flascheneinweichbecken, 1 Vitrine, 1 Spiegel, 1 Radioanlage, 1 Registra- turschranl, 75 Weinbücher. § An Ort und Stelle (Bekanntgabe erfolgt im versteigerungslokal): 2 Schweine, 1 Horch-Personenwagen. Aus freier Hand: 10 Steinguttöpfe verschiedener Größe. 2KÖU, Gerichtsvollzieher in Gießen Ludwigstrahe 331 — Telephon 3239 Holzversteigerung. Mittwoch, den 4. Januar 1933, vormittags 10 Uhr, werden im Saale des Gastwirts hock in Lauter versteigert: 1. Nutzholz, Stämme, Gütekl. A. Buche Kl. 6 = 1,29 tm, Gütekl. IX Kl. 2 - 10,29 fm, Kl.3 -- 11,57 fm. Kl. 4 - 1,64 fm. 2. Brennholz, Scheiter, rm: Buche 1. Kl. - 358, 2. Kl. = 7 ; Eiche l.Kl. = 118,7, darunter 62 rm 2,5 m lang: Erle 2. Kl. = 3,4; Aspe 2. Kl. = 0,6. Knüppel. rm: Buche 101,5; Eiche 74,7, darunter 21 rm 2,5 m lang. Reiserholz rm: Buche 1. Kl. = 70, 3. Kl. =92; Eiche l.Kl. -- 12,5. Die Nummern des nicht zur Versteigerung kommenden Brennholzes sind blau unterstrichen. Vorherige Besichtigung des Holzes wird empfohlen, da nachträgliche Beanstandungen nicht berücksichtigt werden. Der größte Teil des Brennholzes sitzt in der Nähe des neugebauten Lautertalwegs. Nähere Auskunft durch Herrn Förster Schlag in Weickartshain. Laubach 27. Dezember 1932. hessisches Forstamt Laubach. Ijauffrau oder Laufmüdchen für Samstagvor- mittag2-3Std.ges. 'Näheres in der Geschäft sst. d.Gieß. A. | Verkäufe | Gut erhaltener 8/38 Merced.-Benz-Wagen offen, preiswert zu verkaufen. Sckriftl. Anfrag u. 07536 an den Gieß. Anzeiger. Mittwoch, 28. Dezember 1932 Eichener Anzeiger (General-Anzeiger sürGberhchen) llr. 305 Zweites Blatt Aus -er Wett des Films. ihrer Umgebung, von der sie nicht toegzudenken sind, die ihre Atmosphäre bedeuten. Er zeigt dem Zuschauer, wie die Fabrikarbeiter an der Wand des Fabrikgebäudes entlang in einer Reihe marschieren, tote die Arbeiter sich am Fabriktor anstellen, um mit dem Ausblick ins Freie die Kontrolluhr zu stechen. 3n vortrefflich von oben gesehenen Blickperspektiven hebt der Regisseur einen einzelnen Fabrikarbeiter aus den Reihen der übrigen heraus und zeigt, wie sich der einzelne beim Cchlangestehen vor dem Fabriktor nicht in die Reihe der Arbeiter einordnet, wie er aus dem Rahmen fällt, wenn er über den Fabrikhof geht. Die Kamera verfolgt diesen einzelnen, der sich aus der Eintönigkeit der Fabrik herausrettet, um das Freie und Weite zu suchen. Das sind Steigerungsnromente von großer Wirkung. 3n eindrucksvoller Kontrahierung mit den architektonischen Linien des Fabrikgebäudes, die stärkste Rationalisierung, Formalismus und Mechanisierung ausdrücken, sind die Formen des landschaftlichen Motivs kompositionell so angelegt und wieder gegeben, daß sie Eindrücke der Lieblichkeit" und Freude wiederfpiegeln. Die Darstellung der Mechanisierung im Fabrikbetrieb wird vom Regisseur noch in anderen Bildern variiert. Die Kamera wandert am laufenden Band entlang und zeigt, wie die Menschen zur Maschine geworden sind. Co werden die Figuren der Handlung durch den äußeren Rahmen, durch ihre Umgebung gekennzeichnet. Durch solche Bilder wird dem Zuschauer die Handlung und der 3nhalt des Films plastisch und sinnfällig vor Augen geführt. Tonfilm zu Wasser und zu Lande. „©er Choral von Leuthen.^ — „Morgenrot.^ Berlin, im Dezember 1932. Beinahe wäre man veranlaßt, sich darüber zu mokieren, was die Berliner alles haben müssen. Eine richtige Schlacht um die Reichshauptstadt ist in der preußischen Geschichte eigentlich nie entbrannt Wohl drangen die Russen einmal während des Siebenjährigen Krieges in Berlin ein, aber der Alte Fritz verjagte sie wieder, wohl waren die Franzosen während des unglücklichen Krieges 1806-07 einmal in der Stadt, und sie versuchten auch einen Handstreich auf die preußische Hauptstadt während der Befreiungskriege. Aber bei Hagelberg und Großbeeren wurden sie damals abgewiesen. Zu regelrechten Schlachthandlungen in der unmittelbaren Nähe Berlins kam es nie. Trotzdem wollen die Berliner ein richtiges Schlachtfeld haben. Beispielsweise das von Leuthen; zur Erinnerung an die Wiederkehr dieses großen Sieges von 1757 wurden vor kurzem stimmungsvolle Feiern abgehalten. Und richtig, in oder wenigstens bei Berlin bekommt man das scheinbar Unmögliche fertig: Es gelingt, die Schlacht von Leuthen hier noch einmal zu schlagen. Nicht ganz so anstrengend und bei weitem nicht so blutig wie damals, aber sonst ziemlich echt. Man hat durch die Zeitungen von dieser eigenartigen Schlacht in diesen Tagen gehört. Ein U n • glücksfall gab dazu Veranlassung, von dieser Schlacht bei Leuthen zu sprechen. Die Froehlich- Film-Gesellschaft bereitet einen großen vaterländischen Film vor. Die geschichtliche Episode, die für das Dre-Hbuch dieses Tonfilms benutzt wurde, gilt ja allgemein als bekannt: Im Siebenjährigen Kriege gelingt den Oesterreichern ein überraschender Vormarsch nach Schlesien hinein. Friedrich II. hat gerade die Reichsarmee bei Roßbach besiegt, sein Heer ist müde und hart mitgenommen. Aber diese Müdigkeit muß überwunden werden, um Preußens willen. In Eilmärschen geht das preußische Heer nach Schlesien, kurz vor dem Dorfe Leuthen stoßen die Preußen aus die Oesterreicher. Der alte Fritz kennt seine Soldaten, gewiß, sie sind müde, abgerissen, übermäßig in Anspruch genommen, es wird nicht leicht fallen, mit diesem Heer noch einmal eine Schlacht zu schlagen. Das sagen ihm auch seine Generäle. Aber Friedrich weiß vielleicht als einziger, daß es um das Schicksal Preußens geht, um die Existenz dieses Landes, das so viele Feinde hat. So beginnt das mörderische Ringen um das Dorf Leuthen. In der berühmt gewordenen schiefen Schlachtordnung, die den Oesterreichern einen viel stärkeren Gegner vortäuscht, als er wirklich antrat, gelingt der Sturm auf die Ortschaft, auf den Kirchhof, auf die Kirche. Und jetzt wird dieser furchtbare Angriff noch einmal wiederholt. Auf dem riesengroßen Gelände des Truppenübungsplatzes Döberitz steht die Kirche des alten Dorfes Döberitz, das schon lange nicht mehr bewohnt wird. Auch die Kirche steht noch da, ebenso der Gutshof. Alles muß als gelegentliches Ziel für die Hebungen der Reichswehr dienen. Dor kurzem waren wieder andere Bestimmungen getroffen. Dor der Kirche, auf dem angedeuteten Friedhof, zog sich eine Mauer durch das Gelände, hinter der in Weiß gekleidete Truppen stehen: die Oesterreicher. Und vor der Mauer, etwa hundert Meter ab, wog die Masse der frideriziani- schen Armee, die Grenadiere und die Füsiliere, bereit zum Sturm. Da flammen plöAich Scheinwerfer auf, ein Kommando ertönt, und schon geht die farbige Armee auf den „Feind" los, erstürmt in Gott fei Dank unblutigem Kampfe die Kirchhofs- mauer, durcAricht sie und überwältigt die Oester- reicher. Es ergibt sich von selbst, daß jene überwältigende geschichtliche Episode gleichfalls in den Tonfilm aufgenommen wird: das Lied „Nun danket alle Gott", das die Armee nach diesem großen Siege von Leuthen fang. Und dieser Choral hat auch dem Film seinen Namen gegeben. — „D e r Choral von Leuthen" wird in Kürze den deutschen Kinobesuchern bekannt werden. * Don der Schlacht bei Leuthen bis zum Weltkriege, von 1757 bis 1914, vom Schlachtfeld bis ins U n - terseeboot — bas scheint ein unmöglicher Schritt. Der Tonfilm macht bas Unmögliche zur Selbstverstänblichkeit. Don Döberitz nach Neubabelsberg ist es gar nicht so sehr weit. Und in Neu- babelsberg befinben sich die Aufnahmehallen der Ufa. Dort herrscht Hochbetrieb, wann man auch immer hin kommen mag. Hier „antwortet F. P. I nicht", dort tobt ein „Champagnerkrieg" „Ich und die Kaiserin", der neue Tonfilm mit Lilian Harvey darf nicht vergessen werden. Die große Ueberraschung entdecken wir in einer Riefenhalle, die Gustav U c i ck y zur Inszenierung seines Films „Morgenrot" dient. Quer durch die Riesenhalle liegt auf hohem, festem Gestell ein Unterseeboot. Außen aus Holz — innen aber echt, echt, dreimal echt. Es fehlt nichts daran, kein Handgriff, kein Maschinenteil, kein Ventil, kein Torpedo. Alles ist da. Dieses von den Architekten Herlt und Roehrig aufaebaute U-Boot entspricht in jedem Teil einem Unterseeboot, wie es die deutsche Flotte im Kriege besaß. Und darin wird gefilmt; angesichts der unglaublichen Enge in dem Unterseeboot scheint das eine fast unmögliche Aufgabe. Aber beim Tonfilm ist nichts unmöglich; trotz allergrößter Schwierigkeiten wird in mühseliger Kleinarbeit Meter für Meter dieses großen vaterländischen Tonfilms fertiggestellt. Die Außenaufnahmen sind bereits beendet; übrigens wurden sie auf einem echten deutschen Unterseeboot gedreht, bas bei Kriegsende in ben Besitz Finnlands überging. E. W. Mmsterne, die nicht mehr leuchten... Won Heinrich LUtendorff Ruhm ist eine vergängliche Sache! Der Mensch, der heut im Zenith seines Erfolges steht, kann morgen abgetan und vergessen s:in. 2m Kampf ums Dasein haben ihn die Borwärtstreibenden, die Aufstrebenden, zur Seite gedrängt und zum Absturz gebracht. Nichts ist wandelbarer als die Gunst der Masse, die sich ihre Lieblinge er- wählt und Erwählte oft sehr schnell wieder verwirft und vergißt! Nirgends bauen sich Erfolg, Ruhm und Glück Wohl so ausschließlich auf dem Wohlwollen der breiten Masse auf, wie beim Film, der seiner ganzen Natur nach eine Bolkskunst ist. Angesichts der Tatsache, daß der Film ein Verhältnis- mäßig noch recht junges Kind unserer Zeit ist, erscheint die Liste derer, die einst an führender Stelle gestanden haben und heute kaum mehr in der Erinnerung sind,' fast zu lang. Die Liste derer, die endgültig verschwunden, die bereits die Erde deckt, ist nicht immer von tragischem Ende fern. Die junge Eva May, der berühmte französische Komiker Max Lindner, der elegante Bruno Kastner, starben von eigener Hand. Die wegen ihrer Schönheit viel bewunderte Barbara La Marr richtete sich fast systematisch zugrunde, und über Rudolf Valen- t i n o s Tod sind heute die wildesten Gerüchte verbreitet. Bor langer Zeit schon starb der von allen Backfischen vergötterte Waldemar P s y - l ander, kurz nach ihm Dorrit Weixler. Die Stars der vor zehn Jahren überall gespielten Kurzfilme sind säst alle von der Leinwand verschwunden. Mia Pankau, Lu Synd, Lia Ley sind Namen, die nicht mehr auf dem Programm der Fllme auftauchen. Aber auch beim großen Spielfilm der Nachkriegszeit haben die Menschen und Namen gewechselt. Wanda Treumann und ihr Gatte Viggo Larsen, beide einst beim Publikum sehr beliebt, haben sich vom Darstellerfach zurückgezogen. Hella M o j a. einst der Star der „Terra", hat das Fach gewechselt, aus der Darstellerin wurde eine Filmautorin. Stella H a r f, Ressel O r l a . Maria Z e l e n k a , Ria 2 e n d e . Helga Molander, Hedda Vernon, die unwahrscheinlich blonde Dämonische, Heldin vieler Kriminalfilme, sie alle sind vor den neuen, herangewachsenen Stars zurückgetreten. Auch um Manja T z a t s ch e w a und Mia M a y ist es stlll und stiller geworden. Von Rlls Chrisander und dem seinerzeit von allen Backfischen vergötterten Maharadscha Gunnar T o l n a e s wird auch nicht mehr viel gesprochen. Den dicken, lustigen Fatty A r b u k l e. über den jahrelang fünf Erdteile gelacht haben, erellte in seiner Heimat Amerika ein tragisches Schicksal, das vor der Zeit seine Filmtätigkeit beendete. 3n einen Prozeß verwickelt, wurde er zwar freigesprochen, erschien aber so kompromittiert, daß ein von den Frauenvereinen geforderter Boykott der Fatty-Fllme ihm jedes neue Engagement unmöglich machte. Die unerhörte Schnelligkeit, mit der sich der deutsche 5ihn entwickelt hat, läßt diese Tatsachen verständlich und fast selbstverständlich erscheinen. Dieses rasende Vorwärtsdrängen mußte Opfer fordern. Die aufsteigende Linie künsllerischen Strebens und Schaffens erforderte immer stärker den Einsatz aller Kräfte und zwang zu einer immer schärferen Durchsiebung des vorhandenen technischen und schauspielerischen Men'chenmctte- rials. Wer, gleichgültig, ob Wann oder Frau, nicht mit der Entwicklung des Fllms in seinen Pistungen Schritt halten konnte, mußte seinen Platz den vielen frischen und begabten Kräften überlassen, die schon wartend hinter ihm standen. Das Kinopublikum hat sich ebenfalls im Laufe der Zeit geändert, es ist anspruchsvoller geworden. 2mponieren kann heute auf die Dauer nur noch die Leistung. Plastik im Tonfilm. Don Dr. Robert Kümmerten. Man spricht im Film vielfach von einer Fläche oder einer zweidimensionalen Beschaffenheit; darunter darf man aber natürlich nicht eine „ ülächig- keit" der Bilder oder Darstellungen verstehen Die Fläche betrifft lediglich den technischen Umstand, nämlick das Mittel: Leinwand, auf die die Projektionen fallen. Wegen dieser Leinwand wird der räumliche Eindruck auf den Bildern durch eine besondere Tiefendarstellung erzeugt. DieseLlefen- darstellung kann im Fllm ganz verschiedenartig erfolgen; sie kann nach allen möglichen Varianten der Dildmittel in verschiedenen Bildausschnitten vorgenommen werden. Man kann diese Verschiedenartigkeit der Lösungen der Tiefendarstellung auf den Bildern auch Dildkomposition nennen. Die Bildkomposition ergibt sich also unmittelbar aus der Tiefengebung und aus der Art und Weise, wie die raumdarstellenden Bildete- mente zu einem Blldganzen zusammengeschlossen und aneinandergereiht werden. Die Eindrücke, die dem Zuschauer aus einer klaren und einfachen Tiefengebung auf den Bildern erwachsen, sind von einschneidender Bedeutung. Denn durch die Anlage und Anordnung der Dildelemente auf den Bildern kann das inhaltliche Verständnis des Fllms dem Zuschauer wesentlich erleichtert werden. Dis in letzte Details können die räumlichen Motive zweckmäßig aneinandergereiht und entsprechend dem inhaltlichen Sinn der Filmidee zu einem Bild- ganzen zusammengeschlossen sein. Die Lösungsversuche der kompositionellen Aufgaben im Film sind sehr vielfältig und verschiedenartig. Wie sinnreich die Qlnorbnung der Bildelemente und die Auswahl der räumlichen Motive durchgeführt sein tonnen, das zeigt im Musterbeispiel ein neuer Fllm von Rene Clair, dessen deutsche Fassung noch nicht vorliegt: hier führen alle Bilder den Zuschauer unmittelbar auf wesentliche Eindrücke hin. Der Regisseur legt es daraus an, nicht nur mit Hilfe der räumlichen Mittel zu wirken, sondern durch die besondere Art der Komposition auf den Bildern 3nhaltliches verständlich a u s z u - drücken. Zur Erleichterung der Wichtigkeit der Blldkomposition im Film seien daher hier einige charakteristischen Bilder des Rene-Clair»Films anführt: Der Regisseur schildert in eindrucksvoller Weise die Eingeschlossenheit und Eintönigkeit eines Lebens hinter Gittern unb unter Gefangenen. Er zeigt in.trefflich gesehenen Perspektiven das 3nnere eines Gefängnisses. 3n wenigen Bildern fällt ein Streiflicht auf das Tagewerk der Gefangenen. Das Kamera-Auge zeigt auf den Arbeitstisch im Gefängnis und beschreibt die Gefühle und Empfindungen der Sträflinge. Eindringlich zieht die vergrößernde Linse an den Gefangenen vorüber und zeigt dem Zuschauer deutlich, wie der einzelne abgestumpft und gleichgültig, wie er uniformiert und kommandiert ist. Die panoramaartige Bewegung des Aufnahmeapparates geht in die Perspektivenlinie des Totalbildes über. 3n dem Totalbild erlebt der Zuschauer alle Gefangenen zusammen, wie sie sich den Vorschriften des Gefängnisses unterordnen müssen, wie sie dem Befehl der Wachhabenden gehorchen und sich in ihr Schicksal fügen. Der Zuschauer spürt etwas von der Luft, die in diesem Gefängnis herrscht. 3n weiteren Bildstreifen vertieft der Regisseur den Eindruck von der Begrenzung und Eingeschlossenheit auf den Darstellungen. Er zeigt eine Fabrik als Handlungsrahmen und beschreibt auf den Dll- dern das Leben unter Fabrikarbeitern. Die Bilder von diesen Fabrikarbeitern, Ausschnitte aus dieser Masse Menschen, projiziert er auf einen Hintergrund, nämlich den Fabrikhof oder aus Teile des Fabrikgebäudes. Damit erklärt er dem Zuschauer die Verbundenheit dieser Menschen zu Filmtagebuch. Don Willy Fritsch. Nachdruck verboten. Alles variiert sich hn Leben untb im Film, dem Spiegel des bewegten Daseins: So hatte ich im Lauf meines Filmschaffens schon die verschiedensten Berufe und kann mit einer ganz stattlichen Anzahl von Fertigkeiten aufwarten. Es ist noch gar nicht so lange ßer, da wäre der junge, angehende Ingenieur und zukünftige „Kunst-Eleve" Fritsch glücklich gewesen, eine der im Theater vorkommenden „tragenden" Rollen eines Dieners ausüben zu dürfen. Aber dieser Ehrgeiz ist auch in meiner ersten Schauspielerzeit nie erfüllt worden. Es fanden sich immer im letzten Moment weniger „tragende", aber desto dialogreichere Rollen. Erst jetzt in meinem neuesten Film bei der Ufa „Ich bei Tag und D u bei Nacht" habe ich es endlich geschafft. So, wie Köche von Nagy in dem Film das kleine Manikürfräulein spielt, bin ich außerhalb meiner Freizeit Willy, der Oberkellner im Nachtlokal. Gott fei Dank zeigt nur der kleinere Teil des Films mich in meinem neuesten Beruf. Denn ist stand die ganze Zeit während der Aufnahmen sozusagen unter Beobachtung von Fachleuten. Aber ich will meinen „Ober"- Werdegang hier einmal skizzieren. Es begann mit einer Regiesitzung bei Dr. Ludwig Berger, der mit diesem Film feinen ersten großen deutschen Tonfilm nach seiner Rückkehr aus llmerika dreht. Käthe von Nagy und ich probten. Im meine Szene plastischer zu gestalten, bemäch- ■igte ich mich eines kostbaren Glastabletts — Lud- vig Berger sammelt Kunstgegenstände — pnd ver- ''uchte, mit ihm melieuecht meine Szene zu spielen. Das gelang gründlich daneben. Dr. Berger stand auf: „Hören Sie, lieber Willy, so ein kleiner .Pikkolo' wie Sie bekommt noch nicht so kostbare Dinge in die Hand." Er nahm es mir weg und stellte es wieder hin. So ftng’s an! Doch als nun die Szenen in meinem großen Nachtlokal in Neubabelsbera begannen, waren meine Kenntnisse schon weit fortgeschritten. Jedenfalls fühlte ich bei diesem Lehrgang ganz deullich, daß es eigentlich leichter ist, ein Gast mit guten Umgangsformen zu sein, als ein Oberkellner mit denselben Vorzügen. In diesem Nachllökäl stand ich nun vor einem Konsortium von lauter kritischen I Fachleuten. Ich muß gestehen, sie verstanden ihren Beruf beängstigend gut! Aber ihre Kritik hat mich längst nicht so getroffen wie die unseres guten „Emil". Emll ist unser Neubabelsberger Atelier- Kellner, der uns hungrigen und durstigen Schauspielern in den kurzen Arbellspausen das Essen in die Dekoration bringt. Emll war überkritisch und so bei meiner Sache, daß er mir gleich während der Mittagspause am ersten Tage noch eine Anzahl besonders kniffliger Servienkünste beibrachte. Danach stand er in einer Ecke der Dekoration und guckte beaeiftert zu, nehmen ihm der jüngste meiner Fach-Kollegen. Offenbar hatte der Junge eine kritische Bemerkung gemacht. Denn plötzlich hörte man Emil ganz laut in die Probe hinein: „Das ist großartig, mein Junge, das laß dir man von einem alten erfahrenen Mann, der dreißig Jahre Ober ist, sagen." Mein guter Regisseur Ludwig Berger unterbrach die Probe, trat auf mich zu: .Fieber Willy, ich nehme hiermit den vor einigen Wochen von mir gebrauchten Ausdruck Pikkolo mit dem Ausdruck meines Bedauerns zurück! Hoffentlich wirft du auch mit den Szenen aus deinem .Privatleben' beim Publikum ebensoviel Beifall ernten wie hier bei deinen Berufskollegen." Möge es so fein! Amerikanischer und deutscher Kurzfilm. Oie Entwicklung des Beiprogramms. Zu Zellen des stummen Fllms gab es fast ausschließlich amerikanische Kurzfilme. Die Filmleute aus Hollywood verstanden es. bas Abenprogramm im Kino auszufüllen, lustig und zeitverkürzend zu gestalten. Es war eigenllich auch kein Wunder, denn sie hatten Schauspieler und Komiker vom Schlage eines Chaplin, Harold Lloyd, Buster Beaton zur Verfügung, die schon allein durch ihr Austreten auf der Leinwand das Publikum eroberten. Aus biefen amerikanischen Stumm-Kurz- filmen ist der T o n - K u r z f i 1 m im rechten Augenblick hervorgegangen, und wir können es nicht verheimlichen, daß in der neuen Fllmepoche vorerst noch die Amerikaner führend sind. Ihre einftiaen ! großen Kurzfilm-Kanonen sind allerdings von der Art ihres ersten Auftretens ab gegangen. Sie haben es möglich gemacht, abendfüllende Spiele zu gestalten, von denen sie weniger fabrizieren, durch die sie aber trotzdem auf ihre Kosten kommen. Die neue Serie der Lon-Kurzsilme der kleinen „M i ck y. Maus" sind wohl allerorten bekannt. Aber nicht allein auf diesem Gebiet haben die Filmleute der neuen Welt etwas Neues entdeckt, sie haben uns vielmehr auch Kurzfilme gebracht, die ähnlich denen der stummen Zell mit lebendigen Schauspielern besetzt sind. Sie kannten es sogar möglich machen, aus der Fülle der Kurzfilmvroduktion eine Stan- barbferie für den europäischen Kontinent auszuwählen. Trotzdem hatten wir Gelegenheit, minier- wertige Produkte, wie es z. B. die Serienfilme der beiden Komiker „Dick und Doof" waren, kennen zu lernen, die dem deutschen Fllmpublikum sogar deutschsprachig geliefert wurden, aber nichts desto- weniger die verdiente Ablehnung erhiellen. Aus der amerikanischen Tonkurzfilmserre ragt etwa die „Spanische Romanze" hervor, ein zunächst etwas kitschig anmutendes amerikanisches Sing- und Tanzspiel, das aber bald mit ben*zgrofjen Qualitäten des Gesanges und der Tanzkunst gefangen nahm. Gerade in diesem Film konnte man die leichte Art des Singens eines italienischen Sängers bewundern. Als Gegenstück die kleine spanische Tänzerin, die dem singenden Wandergosetten begegnet, mit ihm ein Duett durchführt, mit kleiner, zarter, aber äußerst reiner Stimme. Den Schluß des Films nahm bann bie Tanzkunst dieser Spanierin in Anspruch, die neben Schönheit, Körperbau und Körperhaltung die Tanzsensation der Kurzfilme bot. Die Amerikaner zeigten uns jedenfalls, daß sie einstweilen Meister des Kurzfilms find. Sie gaben uns aber gleichzeitig den Ansporn, ihnen nachzueisern und sie womöglich zu überflügeln. Natürlich haben die Deutschen sofort nach der Umstellung in die Zeit des Tonfilms die modernen Kurzfilme nachgeahmt. Es kam die deutsche „Micky- Maus", es kam der ,Later Felix" und viele andere, aber keiner war in der Lage, dem amerikanischen .Mäuschen" den Rang abzulaufen. Jetzt aber werben wir mit einer Serie von Kurzfilmen überrascht. die, von guten deutschen Sängern und Komikern bestritten, den Weg in die Oeffentlichkeit nehmen. Ein einziger erst, der „Dienstmann" mit dem bekannten Komiker Hanns Moser, hat einen großen Erfolg beim Publikum errungen. In ihm wurde wirklich Komik gegeben, die den Kinobesucher erhellert und seiner Alltagssorgen enthebt. B. D. Lichtspielhaus Gießen. „Wie sag' ich's meinem Mann?" Das Wiedersehn mit Renate Müller, die sich vor längerer Zeit als „Privatsekretärin" sehr angenehm eingeführt hat, ist eine amüsante und unterhaltsame Angelegenheit. Wie sie es ihm sagt, was sie ihm zu sagen hat und warum und wieso, das erzählt dieser Ufa-Fllm in Gestalt einer lustspiel- mäßigen Geschichte mit leichtem Operetten-Ein- schlag. Das ist die Geschichte einer etwas zerknautschten Ehe, der Bericht von einer harmlosen Spritztour nach Heringsdorf samt bösen und unvorher- gesehenen Folgen, vom verlorenen Koffer, von der Scheidung und vom Speisewagen —: wer sich aus diesen Bestandteilen nicht mit detektivischem Spür- sinn und der gutgeölten Routine des erfahrenen Kinobesuchers den Gang der Handlung phantasie- voll zu rekonstruieren vermag, muß es sich selber ansehn; er wird einen angeregten Abend im Lichtspielhaus verbringen. Renate Müller in der Rolle der jungen, verliebten und unschuldigen Frau ist reizend anzuschauen und spiell mit natürlichem weiblichen Schauspieltalent. Ihr Herr Gemahl ist Georg Alexander, einer der witzigsten Lustspielkavaliere von Berlin, auf der Bühne wie im Film gleichermaßen bewährt. W a 11 b u r g bringt die Pointe mit dem Spiegelei im Speisewagen und hat sich zu seinem Redewasserfall diesmcll einen biederen Vollbart angeklebt; Verwechslungen sind trotzdem völlig ausgeschlossen. Ida Wüst: sehr pointiert in der Rolle einer vielerfahrenen älteren Freundin. In kleineren Aufgaben: Vesper- mann, Gvrdon, Georgia Lind. Das Ganze hat Reinhold Schünzel geschickt und mit gepflegten Mitteln arrangiert; die dreifache Parallelszene vor dem Einschlafen ist ein besonders hübscher Einfall und wird sehr apart gespielt. Die Regie hat im übrigen nicht den Ehrgeiz, mehr zu bieten als bas Buch hergibt, bleibt immer auf der Linie des Lustspiels und verzichtet, besonders zum Schluß, auf moralische Nutzanwendungen. — Aus dem Beiprogramm ist ein Tier film mit interessanten un- ungewöhnlichen Aufnahmen hervorzuheben. fid 8«' ve: c t • 1 frei Dc n a nui Er. Be in > m > lan soll d e r i Cßi tot 21 v< UTl m. Li toi sa Ec R la r < V S" Ex fd r» ai n z m 2 to ch tx1 n sc 5 I r e t s I < ( 1 Wirischast. mulatoren, die in Reaktion auf ihre gestrige Steigerung 2,50 v. H. verloren, und von Schuckert, Reag, lagen alle anderen Elektrowert« auf Publikumskäufe lebhafter und bis 1,50 höher. Erwähnenswert waren ferner Thüringische Gas, Schubert & Salzer, Bemoerg, Schultheiß und Volkmann, die bis 1,75 prozentige Gewinne erzielten. 3m Verlaufe war die Kursgestaltung zunächst wieder uneinheitlich, doch konnten sich fpater überwiegend Gewinne bis 0,50 v. H. durchsetzen. Recht fest lagen Dollarbonds unter Führung von Rente nb an k. Gegen 12.45 Uhr wurde es an den Aktienmärkten etwas schwächer, die im Verlaufe erzielten Vesserungen gingen meist wieder verloren, und es ergaben sich darüber hinaus Rückgänge bis 0,50 o. H. Am Geldmarkt war Tagesgeld kurz vor dem Ultimo natürlich weiter steifer und zog bis auf 4,65 bzw. 4,50 v. H. an der unteren Grenze an. Privatdiskonten blieben weiter im Angebot. Reichs- Wechsel per 25. März und Reichsschatzanweisungen per 15. Mai lagen so gut wie umsatzlos. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. 1R., 28. Dez. (WTB. Drahtmeldung.) Die letzte Getreidebörse im alten Jahr verkehrte bei schwachem Besuch und etwas ab» g e s ch toä ch t e r Sya ltung. Dem kleinen Angebot stand so gut wie keine Nachfrage gegenüber. Die Preise für Brotgetreide und Hafer bröckelten um 2 Mk. her Tonne ab. Futtermittel lagen weiter etwas besser. Die Mehlpreise blieben unverändert bei schleppendem Geschäft. Es wurden notiert: Weizen 202,50, Roggen 162,50, Sommergerste für Brauzwecke 180—185, Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 28,15—29, Roggenmehl 22,25—23,25, Weizenkleie 7,40, Roggenkleie 8,00, Weizenmehl, niederrh., 28—28,25. Tendenz: sehr ruhig. Frankfurter Kartoffel-Großhandelspreise: Infolge der Feiertage ruht das Geschäft vollkommen. 2lbschlüsse sind nicht bekannt geworden. Vor dem Fußbatt-Länderkampf Deutschland—Italien. Ganz links: Jakob (Regensburg), der öeut|d)t Torwart, Daneben Der Mittelstürmer Rohr (in schwarzweißem Trikot): im Kreis: Kobierski (Linksaußenstürmer); oben: Leinberger (Mittelläufer) und K n ö p f l e (linker Läufer); ganz rechts: Bergmaier (Rechtsaußenstürmer). Ä- M HM D ? <•<: Frankfurt behauptet. Frankfurt a. M., 28. Dez. (WTB. Drahtmeldung.) Nach vorbörslich etwas höheren Taxen eröffnete «die amtliche Börse in sehr ft i 11 e r Haltung und im Vergleich zur Abendborse mit uneinheitlicher Kursgestaltung. Von der Kundschaft lagen taum Orders vor, so daß die-Spekulation, Die gestern größere Engagements eingegangen war, gewisse Ermüdungserscheinungen zeigte und teilweise kleine Realisationen vornahm. Aus der Industrie lagen keine neuen Momente vor, ebenso wie von der schwächeren Haltung Wallstreets keine Anregung ausgehm konnte. Die Kursveränderungen nach beiden Seiten hielten sich im Rahmen des Bruchteils eines Prozents. Nur die gestern stark erhöhten Werte, wie Harpener, Reichsbank und Rhein-Elektro Mannheim lagen in Reaktion 2 bis 2,5 v. H. schwächer. Die übrigen Marktgebiete setzten wie folgt ein: JG.-Farden und Rütgerswerke lagen bis 0,5 v. H. niedriger, Scheideanstalt waren im gleichen Ausmaße höher. Von Elektrowerten zogen Licht & Kraft und Bekula bis zu 0,75 o. H. an. Am Montanmarkt erhielt sich etwas Interesse für Stahlverein mit plus 0,40 v. H. und Phönix mit plus 0,13 v. H., wogegen Mannesmann mit 0,25 v. H. und Gelsenkirchen mit 0,75 v. H. schwächer einsetzten. Von Einzelwerten gaben Deutsche Linoleum und Norddeutscher Lloyd dis zu 0,40 v. H. nach, Zement Heidelberg waren behauptet, Aschaffenburger Zellstoff gewannen 0,90 v. H. Deutsche Anleihen lagen etwas lebhafter, insbesondere Neubesitz mit plus 0,13 o. H. und spate Reichsschuldbuchforderungen mit plus 0,40 v. H. Reichs-Altbesitz waren nur knapp gehalten. Von Industrie-Obligationen gaben Stahloerein-Bonds und Reichsbahn-Vorzugsaktien dis 0,5 v. H. nach. Am Ausland-Rentenmarkt bröckelten 4-v. H -Einheits-Rumänen 0,13 v. H. ab. Am Pfandbrieftnarkt war das Geschäft recht lebhaft, da bei dem erhöhten Kursstand etwas Material herauskam. Liquidationspfandbriefe lagen zum Teil noch etwas fest, im übrigen blieben die Kurse behauptet. Die Werte der Preußischen Landes-Pfandbriefanstalt Berlin kamen dagegen von 1 bis 2 v. H. fest zur Notiz. Stadtanleihen lagen meist von 1 bis 1)4 vom Hundert höher. An den Ak t i e n m ä r f t e n herrschte im Verlaufe fast vollkommene Geschäfts stille und die Kurse bröckelten bis zu Vi v. H. ab. Am Rentenmarkt waren Deutsche Anleihen lebhaft, jedoch ohne wesentliche Aenderung. Späte Reichsschuldforderungen bröckelten ab. Tagesgeld blieb weiterhin sehr leicht und mit 3)4 o. H. unverändert. Berlin weiter freundlich. Berlin, 28. Dez. (WTB. Funkspruch.) Während man an der Dorbörse noch überwiegend festere Kurse nannte, zeigten die ersten Notierungen fein einheitliches Bild; die Rückgänge waren sogar in der Mehrzahl. Bei den ®ro6banfen lagen besonders für Dersorgungswerte und auch andere Spezialpapiere Kauforders des Publikums vor, die Börse selbst schritt aber verschiedentlich auf dem erholten Kursniveau zu Glattstellungen und nahm auch Tauschoperationen vor. Dessen ungeachtet war die Grundstimmung weiter durchaus freundlich, vor allem wohl in Erwartung der Auswirkungen des Gereke-Arbeitsbefchaffungspro- grammes. -sonst lagen eigentlich kaum Anregungen vor, die einen Einfluß hätten ausüben können, zumal Neuyork eher in schwächerer Haltung geschlossen hatte. Das Hauptinteresse konzentrierte sich nach wie vor auf die festverzinslichen Märkte. Arn Montanmarkt büßten Gelsenkirchen 0,75 v. H. ein. Harpener waren sogar 2 v. H. schwächer und Rheinische Braunkohlen gingen um 4,50 v. H. zurück. Demgegenüber konnten sich Ilse und Niederlausitzer Kohle erholen. In Farben kam anfangs wieder stärker Material heraus, das aber schlank ausgenommen wurde. Mit Ausnahme von Akku- Eisschießen im Gießener Eis verein. Die Meisterschaften des südwestdeutschen Eissport- oerbandes, die am 7. und 8. Januar 1933 auf der Bahn des Gießener Eisoereins stattfinden, bringen auch die Meisterschaft im Eisschießen. Bekanntlich konnte der Gießener Eisoerein im vergangenen Winter mit seiner 1. Moarschaft auf der Brun- hildisbahn auf dem Feldberg überlegen Meister werden. Auch diesmal, noch dazu auf heimischer Bahn, sind die Aussichten zur Erlangung des Meistertitels sehr gut. Leider ist Klart der bewährte Anleger abwesend, doch wird die 1 Moarschaft in der Aufstellung: Dr. Pfeffer, Schonebohm. Müller-Leutert und Mohr wohl die gleiche Spielstarke aufweisen, da die guten Eisoerhältnisse zum Heben bisher ausreichend Gelegenheit boten. In einem Rahmenwettbewerb werden weitere Moarfchaften, darunter auch eine Damenmoarschaft, den GEV. vertreten. An dieser Stelle sei nochmals betont, daß das Eisschießen der gegebene Eissport für alle Nichtschlittschuhläufer ist. und zwar vom Jüngsten bis zum Aeltesten Wer, dazu noch Dem Kegelsport huldigt, wird bei Der Verwandtschaft beider Sportarten ichon in kurzer Zeit Gutes leisten. Um einen Einblick in Den Eisschießspon zu geben, wird Der Gießener Eisverein am DonnerstagabenD in feinem Sporthaus an Der Eisbahn einen Film zeigen, betitelt: „Die süd-westdeutschen Eisschieß- meisterschaften auf Der Brunhildiseisbahn auf dem Feldberg 1931" Dieser Film, der in glänzender Weise auch dem Außenstehenden einen Einblick in diese Sportart gewährt, dürste für Gießen insofern eine besondere Bedeutung haben, als auf dieser Veranstaltung die Meisterschaft errungen wurde. Näheres ist aus Der heutigen Anzeige ersichtlich. Kunst unö Wissenschaft. Der Komponist Hubert Pfeiffer t. 21m ersten Weihnachtsfeiertag starb in einem Aachener Krankenhaus der blinde Wupperta^r Komponist Hubert Pfeiffer. An dem Morgen, too er in Aachen starb, wurde in seinem Heimat- ort Barmen seine Weihnachts-Motette zur Uraufführung gebracht. Pfeiffer, der nur ein Alter von 41 Jahren erreicht hat, ist besonders durch die große ll-Dur-Messe bekanntgeworden. Im Jahre 1927 hatte er für seine ^-Moll-Klaviersonate den Beethoven-Preis erhalten. Auch beim letzten Deutschen Sängerbundesfest in Frankfurt war er für srin Werk „Die Antiphonie an den Tod" mit &em ^taatspreis ausgezeichnet worden. Der Verstorbene, der sich bis in feine letzten Stunden hinein mit einer großen Kantate auf Gedichte oon> ©aroffa beschäftigt hatte, war auf einer Konzertreise in Aachen und mußte sich dort eines Furunkels wegen in das Krankenhaus begeben. An den Folgen dieses Furunkels ist der Künstler plötzlich gestorben. Pfeiffer, der bereits in jungen Jahren in der Dürener Blindenanstalt weilte, hat dort den ersten Unterricht in Klavier und Orgel erhalten. Aus aller Wett. Flucht vor den Revolutionswirren in Honduras. Der 2866 Druttoregistertonnen große Dampfer „Agira" des Rorddeutschen Lloyd, der in der Zentralamerikafahrt Dienst tut, ist nach Amapala gesandt worden, um die in Honduras ansässigen und durch die Revolutionswirren! vielleicht gefährdeten Deutschen nötigenfalls an Dord zu nehmen. Rach einem inzwischen eingegangenen Funkspruch des Dampfers haben von dieser Möglichkeit insgesamt 22 Frauen und Kinder Gebrauch gemacht. Großfeuer äschert zwei Wohnhäuser und acht Scheunen ein. In Sindolsheim (Baden) brach in einer Scheune Feuer aus, Das rasch auf sieben weitere Scheunen und zwei Wohnhäuser Übergriff und alle Gebäude bis auf Die Grundmauern einäfefjerte. Die gesamten Erntevorräte sowie die landwirtschaftlichen Maschinen sind verbrannt. Dagegen konnte Das Vieh grettet werden. Der Schaden ist sehr groß. Die randursache ist unbekannt. Autozusammensioh. Der elsässische Abg. 9t o ff 6 entging dieser Tage mit knapper Not Dem Tode. Rosse befand sich mit Zwei Freunden in seinem Auto auf Dem Wege nach Kalmar als er an einer Chausseekreuzung mit einem Lastwagen zusammen st ieß. Der Wagen Des Abgeordneten stand im Nu in Hellen Flam- m e n. Rosse und ferne Freunde konnten gerade noch aus dem Auto springen und entgingen so Dem Der- brennungstoD. 39 tote Bergleute in Illinois geborgen. Nach einer Meldung des Berliner „Lokalanzei- §ers" soll es gelungen fein, 39 der bei dem Gru- enunglüd in Decatur (Illinois) getöteten Bergleute zu bergen. Von fünf Bergleuten nimmt man an daß sie n o ch a m L e o e n sind, lieber Das Schicksal Der übrigen sechs Vermißten, ist nichts bekannt. Srieffoffen der Redaktion. (Rechtsgutachlen sind ohne Verbindlichkeit der Sdjnfrleitung.) P. Sch in R. Sie müssen Inoal-idenmarken zu 90 Pf. verwenden. MKonmoomW Roman von Margarete Antelmann. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale) 16 Fortletzung Nachdruck verboten Sein Vorschlag sand eifrig Zustimmung. Die kleine Karawane fetzte sich in Bewegung. Magdalene und August Richter blieben einen Augenblick zurück. „Sehen Sie nur, Herr Doktor, diese wundervolle Beleuchtungi Ist das nicht herrlich?" Aufstrahlend suchten ihre Augen die Augusts, der den Blick ebenso leuchtend zurückgab. Gleich darauf schlossen sie sich den anderen an. Als man in einer gemütlichen Ecke des eleganten Saales saß, fuhr Frau Reichmann Plötzlich erschrocken in die Höhe. »Was ist Ihnen, gnädige Frau?" fragte Joe, die neben Frau Reichmann saß. „Mein Armband!" stammelte die Frau entsetzt und sah auf ihren Arm von dem das glitzernde Schmuckstück verschwunden war. „ihn Gottes willen! Haben Sie es verloren, gnädige Frau?" „Ich weiß es nicht." Dann rief sie ihrem Mann entgegen, der gerade an den Tisch zurückkam: „Kurt, mein Armband! Es ist nicht mehr da!" Die kleine Tafelrunde war sehr bestürzt. August Dichter versuchte zu beruhigen. „Tas Armband muß sich wiederfinden, gnädige Frau. Sie haben es ja auf dem Schiff verloren." „Seit wann vermissen Sie es, gnädige Frau? Hatten Sie es noch, als wir den Saal betraten?" fragte jetzt Titus. „3<$> weiß es nicht", antwortete Frau Reichmann. „In diesem Augenblick ist mit der Verlust bewußt geworden. Ich kann aber nicht sagen, wie lange es schon weg ist." Joe frohlockte. Sie hatte das kostbare Schmuckstück cm sich gebracht, als man sich gerade gesetzt hatte. Riemand hatte ihre geschickte Arbeit gemerkt. Titus hatte das Armband, das sie ihm zugefteckt hatte, bereits in Sicherheit gebracht. „Ich vermute, gnädige Frau Sie haben das Armband verloren, als Sie ooen auf Deck die Arme ausbreiteten, vor Entzücken über die Schön- heit des Meeres. Dabei wird e8 ins Wasser gefallen sein!" meinte jetzt Joe, und die anderen stimmten ihr zu. „Wir wollen den Verlust natürlich zur Vorsicht dem Kapitän melden. Vielleicht findet sich das Armband doch noch." „Aber jetzt wollen wir uns den Abend nicht verderben lassen, Kind", sagte Reichmann. „Sobald wir zu Hause sind, bekommst du ein neues Armband. Sei nur vergnügt, das ist die Hauptsache." In Lissabon legte das Schiff zum ersten Male an, in aller Frühe, morgens um sieben Ahr. Ein großer Teil der Passagiere verließ den Dampfer. um entweder die Stadt zu besichtigen oder nach Eintra zu fahren ober zum Schloß P«na; Wagen und Autos standen bereit, die Fahrgäste aufzunehmen. Magdalene, Joe und Titus schlossen sich der Fahrt nach Pena an. Es tat Magdalene leid, daß Doktor Richter nicht mittam. Sie begriff überhaupt nicht, warum er sich seit gestern etwas zurückzog. Dicht, daß sie sich in den Mann verliebt hätte. Die war überzeugt davon, in ihm nur den guten Reisebekannten zu sehen, der ihr die Zeit vertreiben half und der interessant zu plaudern verstand. Für ernstere Dinge kam er überhaupt nicht in Frage. Gr war nichts weiter als ein armer Doktor, dem diese Schiffsreise durch ein Los zugefallen war und der sich solch eine Extravaganz sonst nicht hätte leisten können. Jedenfalls kein Mann, der für Magdalene Winter ernsthaft zur Diskussion stand. Magdalene wußte, daß sie begehrenswert war, reizvoll und schön. Die bewundernden Blicke der Männer, sagten es ihr und der Reid der Frauen. Dazu kam noch ihr vieles Geld. Sie konnte sich den Mann aussuchen, den sie einmal heiraten würde. Sicher nicht einen so armen Schlucker wie den Doktor Richter. Wenn er ihr auch sonst noch so gut gefiel. Ja, sie verhehlte sich nicht, daß er ihr gefiel, daß sie gern mit ihm zusammen war. Er wußte nicht, daß sie eine Deutsche war Sie hatte sich ihm als Französin vorgestellt, hatte ihm gesagt, daß ihr deutscher Großvater nach Frankreich gezogen war. And niemand erfuhr, daß sie Magdalene Winter hieß und nicht Madame Madelon Wintöre... August Richter hatte sich den Ausflügern nicht angcschlosfen. Er machte sich nichts aus solchen Massenwanderungen; er blieb lieber für sich allein. Später als die anderen verließ et das Schift, für sich allein die Straßen der Stadt zu durchstreifen. Tann sah et in der Sonne vor einem kleinen Eass und ließ seine Gedanken spazieren gehen. Bis jetzt gefiel ihm diese Schiffsreise recht gut And daß er dabei die kleine Französin getroffen hatte, wat ein besonderes Glück. Madelon Wintere hatte tiefen Eindruck auf ihn gemacht. Aber — irgend etwas war da, was ihn unangenehm berührte. Sie war Französin? Wie kam es, daß sie so ausgezeichnet deutsch sprach. Eigentlich hätte er sie, trotz der schwarzen Haare und des ÄamenS, für eine Deutsche gehalten. And dann ihre Fteunoe. Sowohl die Frau als auch der Mann machten den denkbar schlechtesten Eindruck auf August Richter. Es lag ein gewisses Etwas um die beiden, das er sich nicht erklären konnte, das ihm aber zu denken gab. Geheuer waren die beiden nicht, das stand fest. And es war nicht zu verstehen, wieso Madelon Wintöre sich die beiden zur Gesellschaft gewählt hatte. Es gab Stunden, wo Madelon nichts anderes war als ein fröhliches, junges Mädel, wo sie offen und heiter war und alle Damenhaftigkeit beiseite ließ. Da gefiel sie ihm am besten, da war sie ein natürlicher Mensch. In solchen Momenten durchflutete es August Richter heiß. Da mußte er sich zusammennehmen, wenn er keine Torheit begehen wollte. Aber er ernüchterte, sobald er Madelon mit ihren Freunden zusammensah. Dann kamen die Zweifel über ihn. über ihre Herkunft, ihr geheimnisvolles Dasein. And aus diesen Zweifeln heraus hatte er gestern beschlossen, sich etwas abseits zu halten und auf der Hut zu fein. Es hatte keinen Sinn, sein Herz an dieses Mädchen zu hängen. Diese Liebe würde ihm nur Anheil bringen und Sorge. And Sorgen hatte er daheim genug, die brauchte er sich nicht noch mit nach Hause zu bringen. Gegen Abend war die ganze Schiffsgesellschaft wieder versammelt: das Schiff setzte seine Reife fort. Alle waren voll Begeisterung über das, was sie gesehen hatten. Die meisten Passagiere zogen sich an diesem Abend früh in ihre Kabinen zurück: der Tag war zu anstrengend gewesen. Rur in einer Ecke der Bar sah eine vergnügte HerrengeselftchaN Man zechte und war sehr fröhlich. Plötzlich fuhr einer der Herren, ein Hamburger Stadtrat, verstört in die Höhe. Er suchte in seiner Drusttasche, suchte — suchte... Pah und Brieftasche waren vorhanden, aber die Hauptsache fehlte: ein Päckchen mit Banknoten. die er in einem Kuvert bei sich trug. „Vielleicht haben Sie das Geld in einem anderen Rock stecken?" fragte einer Der Herren. „Rein! Ich weiß bestimmt, daß ich es zu mit steckte, als ich morgens die Kabine verlieh. Es schien mir sicherer in meiner Brusttasche. And nun ist das ganze Geld weg. Fünftausend Mark waren es. Ich muh es einfach unterwegs verloren haben. Oder einer der eingeborenen Führer hot es taschenfpielerisch hecausgeholt. Ich muh gleich nach Hause telegraphieren, dah man mir neues Geld schickt...“ • Man hatte Madeira besucht und Cadiz, war an Gibraltar vorbeigefahren und hatte sich an den pittoresken Formen dieser englischen Festung ergötzt. Malaga wurde besichtigt — eine der reizvollsten Städte Andalusiens. Eine andere Welt tat sich auf, als die Reisenden nach Ceuta-Tetuan kamen, als sie die Rähe der afrikanischen Wüste spürten und den Hauch eines neuen, seltsamen Erdteils. Magdalene war tote berauscht. Richts war mehr zu merken von der überlegenen Weltdame, als Die sie sich sonst gab. Ihr romantisches Gemüt nahm all das Reue in sich auf, das sich ihr Per* * schtoenderisch bot. Sie berauschten sich an dem bunten Leben in Den Basars, und sie kaufte Fächer, Spitzen, Seide, bunte Steine — wahllos und unermüdlich. Am meisten freute sie sich über einen kleinen Dolch, dessen Griff mit Elfenbein eingelegt war und arabische Echriftzeichen trug. Das würde ein kostbares Erinnerungsstück werden! Von Ceuta aus schiffte man sich nach Barcelona ein, wo man sich einen Tag lang aufhalten würde. • Mit Doktor Richter war in diesen Tagen eine merkwürdige Veränderung vorgegangen. Er, der sich bisher nie um Frauen gekümmert hatte, der sich «egen die Liebe gefeit fühlte, wußte mit einem Male, daß er diese Frau liebte, mit allen Sinnen und mit der ganzen Glut seiner so lange zurückgehaltenen Mannesempiindungen. Er liebte dieses reizende Geschöpf, das einmal ein s üßes, unschuldiges Mädchen war und ein andermal eine verwöhnte Weltdame. Er liebte ihr seidiges, dunkles Haar, ihre großen, grauen Augen und ihren schmiegsamen, schlanken Körper, den stets ein geheimnisvoller und betörender Duft umgab. Er liebte ihr fröhliches Lachen, ihre kapriziöse Art, sich zu geben, und es störte ihn nicht einmal, wenn sie die Annahbare spielte. In Madeira war er sich dieser Liebe zum ersten Male ganz bewußt geworden, als er neben Madelon Wintere im Auto saß und als — bei einer jähen Wendung des Wagens - sich zwei Hände in hellem Schrecken an seine Brust gc» tlarnntert, als zwei große graue Augen ihn schreckerfüllt angestarrt hatten... Da war es mit einem Wale über ihn gekommen, bas süße, berauschende Gefühl, das man Liebe nennt Behutsam hatte er feine Arme um Me schlanke Gestalt gelegt, leise hatte er geflüstert: ., Fürchten Sie sich nicht, Madelon. Es geschieht Ihnen nichts, solange ich bei Ihnen bin.“ Vielleicht hatte auch Magdalene damals den entscheidenden Augenblick erlebt, denn von diesem Augenblick an war sie merkwürdig still, sobald sie in August Richters Rähe kam. (Sortierung folgt.) '