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Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mrn Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für R»> klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platz Vorschrift 20°mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Der Untergang der „Niobe". Teilnahme in aller Welt an der Trauer unserer Reichsmanne. — Oie Fachleute zur Tragödie im Fehmarn-Belt. Das Urteil von Geeleuten. Hamburg, 27. Juli. (TU.) Das „Hamburger Fremdenblatt" hat verschiedene Sachverständige — darunter einen der erfahrensten Segelschiffkapitäne in Hamburg — und den Leiter der Marinedienst- stclle, Kapitän zur See Menche, um ihre Ansicht befragt, worauf das plötzliche Kentern der „Niobe" z u r ü ck z u f ü h r e n i ft. Nach Meinung dieser Sachverständigen, gehört das Kentern zu den selten st en Unfällen in der Segelschiff-Praxis der letzten Jahrzehnte. Kapitän zur See Menche, der vor noch nicht allzu langer Zeit bei der Marinewerft in Wilhelmshaven Zeuge der ausgedehnten Versuche war, die beim Umbau der Takelage auf der „Niob e" vorgenommen wurden, steht hinsichtlich der Entstehungs- urfache des schweren Schiffsunfalls vor einem Rätsel. Kapitän Menche hat bei den Umbauarbeiten beobachtet, welch ausgedehnte Krängungsund Schlingeroersuche mit der „Niobe" angefteöt worden sind. Das Schiff wurde unter Aufsicht erfahrener Ingenieure und Schiffbautechniker nach beiden Seiten abwechselnd belastet. Durch die einseitige Belastung wurden hohe Schlagseiten künstlich hergestellt, wie sie in diesem Umfange selbst in der Praxis kaum möglich sind. Das Schiff hat damals allen Anforderun- gen und allen Experimenten voll genügt. Eine besondere Sicherheit bestand noch darin, daß die „Niobe" einen f e st eingebauten Ballast hatte, der durch eine plötzliche eintretende Schlagseite sich nicht verschieben und das Schiff aus feiner Gleichgewichtslage bringen konnte. Es besteht nach verschiedenen anderen Urteilen nur die eine Möglichkeit, daß die „Niobe" von einer Bö s o plötzlich überrascht worden ist, daß infolge Schlagseite große Mengen Wasser durch offene Bullaugen in die Räume eindrangen und dadurch das Schiff zum Kentern gebracht wurde. Der frühere Kommandant des Schiffes, Korvettenkapitän K ii m p e l. der das Schiff 23/4 Jahre lang geführt und das Kommando am 1. April dieses Jahres an Kapitänleutnant RuhOie Unglücksstelle zwischen der deutschen Ostseeinsel Fehmarn und der dänischen Insel Laaland. X Unglücksstelle fuß abgegeben hat. erklärte, dah die „Riobe" e i n voll seetüchtiges Schiff gewesen ist, das allen seetechnischen Anforderungen vollauf genügte. Korvettenkapitän Kümpel stellt dem jetzigen Führer des Schiffes, der unter feiner Leitung über ein Jahr lang Wachoffizier und stellvertretender Kommandant gewesen war, das beste Zeugnis aus. Kapitänleutnant R u h f u h sei einer der erfahrensten Kapitänleutnants der Reichsmarine. Auch die übrigen Offiziere des Schiffes, die fast alle ein bis zwei Jahre an Bord waren, haben die allerbesten seemännischen Kenntnisse besessen. Zu dem Bericht des Kapitäns der „Theresia Ruh", die hervorragend an den Rettungsarbeiten beteiligt war, erklärt Korvettenkapitän Kümpel, wenn in diesem Bericht davon die Rede ist, dah im Augenblick der Katastrophe sämtliche Luken der „Riobe" geöffnet gewesen seien, so dah das Schiff sofort voll Wasser lief, so beruhe dies auf einem Mihverständ- n i s. Es handelt sich dabei nicht um Luken, sondern um Riedergänge, die selbstverständlich geöffnet fein müssen, um die unter Deck befindliche Mannschaft zu den Segelmanovern herauszulassen. Im übrigen liehen sich diese Riedergänge überhaupt nicht dicht verschließen. Gin Geretteter über den Untergang der „Riobe". Hamburg, 27. Juli. (TU.) Ein Feldwebel ber Marine, der einen der Geretteten der „Riobe" gesprochen hat, machte dem „Hamburger Frem- benblatt“ über die -Ursachen des Unglücks folgende Angaben: „Der Erste Offizier sah die CBöe, die der „Riobe" zum Verhängnis wurde, heraniMen. Er erhob seine Stimme zu dem Kommando „Ruder scharf SteuerbordI" Kurz nachdem der Offizier das Kommando gegeben hatte, legte sich die „Riobe" schon auf die Seite und innerhalb weniger Minuten war sie auf dem Meeresgrund. Die Ueberleben- den haben sich dadurch gerettet, dah sie Schwimmwesten und Rettungsgürtel n V- l g 'L ■ Das Feuerschiff „Fehmarnbett", das Zeuge der „Niobe"-Katastrophe war und sofort sein Rettungsboot an die Unglücksstelle entsandte, um die erste Hilfe zu leisten. ergriffen oder sich an umherschwimmende Holzstücke anklammerten. Verwundet ist nur der Koch, der sich bet dem Unglück durch siedendes Waffer schwer verbrüht hat. Trotzdem hatte der Koch noch die Energie, ins Wasser zu springen und sich durch Schwimmen oben zu halten." Zwei Todesopfer der „Niobe" geborgen? Kiel, 27. Juli. (TU.) Dom Marinearsenal Kiel sind die beiden Schlepper „Hund" und „Sperber" mit Tauchern an Bord nach der Unglücksstelle der „Riobe" abgegangen, um zu versuchen, in das Innere zu gelangen. Wie in Kiel verlautet, soll es ihnen gelungen sein, zwet Todesopfer aus dem Schiff herauszubringen. Eine amtliche Bestätigung war noch nicht zu erlangen. Die Suche nach den Vermißten wird an der Unfallstelle.durch den Kreuzer „Köln" und andere Fahrzeuge fortgesetzt. Wie der Strandvogt von R o d b y auf Laaland telephonisch mitteilt, hat er durch sämtliche Fischerdörfer an der Küste Rachforschungen nach geretteten Ueberlebenden der „Riobe" anstellen lassen, hat jedoch bisher nur verneinende Antworten erhalten. Dagegen ist am Strand von Laaland ein kleines gekentertes G u m m i - boot angetrieben, das wahrscheinlich von der „Riobe" stammt. In der Rähc des Hafens Rodbh wurden einige Bojen gefunden, die zu dem untergegangenen Schulschiff gehört hatten. Weiter ist nichts gefunden worden. Aus Rödby wird weiter mitgeteilt, dah man gestern über der Ostsee eine Wasserhose bemerkte und dah der furchtbare Wirbelsturm, der sie begleitete, auch über dem Lande zu bemerken war, als der Wtnd gleichzeitig plötzlich vonSüdost nach Südwest umsprang. Trauerfeier im Rundfunk B e r I i n , 27. Juli. (WTB.) Der Rundfunk veranstaltete heute abend eine Trauerseier für die Opfer der „Riobe", die von Hamburg auä über alle deutschen Sender übertragen wurde. Aach dem Vortrag des Riederländischen Dankgebetes schtl- derte der Inspekteur des Bildungswesens der deutschen Reichsmarine, Konteradmiral Kolbe, in einer Ansprache den Bau, die Einrichtungen, die Bestimmung und die Besetzung des ^kenterten Schiffes und gab dann eine eindringliche Dar- ftellung der Katastrophe, währcmd der sich die Ereignisse in Sekundenschnelle überstürzten. Mit Trauer und Stolz und inniger Anteilnahme gebaute er zum Schluß der Opfer, die rn treuer Pflichterfüllung starben und ihrer Angehörigem Auch die Gedenkrede des Marmepsarrers Haupt, der den Angehörigen ber Verunglück- ten Trost zusprach, wurde von Vortragen und Chorälen und des Liedes »Ich hakt einen Kameraden" umrahmt. Beileidstelegramm des Reichskanzlers. Berlin, 27. Juli. (WTB.) Der Reichskanzler hat an den Reichswehrminister nachstehendes Beileidstelegramm gerichtet: 2lufs tiefste erschüttert von dem schweren Schick- salsschlag, den unsere Reichsmarine durch den Untergang des Schulschiffes JIli-obe erlitten hat, bei dem nach den bisherigen Meldungen 69 Mnnn der Besatzung den Tod in den Wellen fanden, spreche ich Ihnen meine mmgft e -L eil - nähme aus. Ich bitte, diese auch den Angehorr« gen der ums Geben Gekommenen übermitteln zu wollen und den Verletzten meine besten Wünsche für ihre baldige Wiederherstellung auszusprechen. Ich bin überzeugt, dah dieses beklagenswerte Unglück die deutsche Reichsmarine in der pflichttreuen Arbeit an ihrer Fortentwicklung nicht hemmen wird." An die Wehrmacht. Berlin, 27. Juli. (WTB.) Der Reichswehrmini st er hat an den Ches der Marineleitung nachstehendes Telegramm gerichtet: „Ihnen und der ganzen Reichsmarine spreche ich mein herzlichstes Beileid zu dem schweren Unglücksfall aus, der die Reichsmarine getroffen hat. Ich gedenke in tiefer Trauer und Teilnahme all der jungen Kameraden, die in treuer Pflichterfüllung ihr Leben im Dienst des Vaterlandes gelassen haben. Der Reichswehrminister hat folgenden E r I a h herausgegeben: An die Wehrmacht! Aus der Blüte des Lebens, aus dem Dienst für Volk und Vaterland hat der Seemannstod 69 Kameraden der Reichsmarine herausgerissen. In tiefer und starker Trauer gedenkt die Wehrmacht der Toten der „Riobe". Ihr Opfer weist uns den Weg: Alles f ü r Deutschland! gez. v. Schleicher. Dänemarks Teilnahme. Kopenhagen, 27. Juli. (TU.) Die Rach- richt von dem Untergang der „Riobe" hat in Dänemark den tiefsten Eindruck gemacht. 2m Laufs der Rächt haben sich fünf Schiffe der dänischen Kriegsmarine und mehrere Flugzeuge nach der Unglücksstätte begeben, um nach Ueberlebenden zu suchen. Auch 0 - Doote wurden an die Unglücksstelle beordert, ebenso das Jnspettionsschiff „Jsland- falf“. Die Flugzeuge muhten berichten, dah b i s- her keine Ueberlebenden gefunden werden konnten. Der dänische Verteidigungsminister Rasmussen und der kommandierende Admiral Rechnitzer haben dem deutschen Gesandten Freiherrn v. Richthofen zu dem Untergang der „Riobe" das Beileid der dänischen Regierung ausgesprochen. Der König hat an den Reichspräsidenten von Hindenburg ein herzlich gehaltenes Beileidstelegramm gerichtet. Oie Teilnahme des Auslandes. Berlin, 27. Juli. (TU.) Anlählich des Untergangs des Segelschulschiffes „Riobe" haben der König von Italien und der König von Dänemark dem Reichspräsidenten von Hindenburg telegraphisch ihr herzliches Beileid ausgesprochen. — Der Erste Lord der britischen Admiralität, Sir Bolton Eyres- Monsell, hat an den Reichswehrminister General v. Schleicher folgendes Telegramm gesandt: „Ich bin tief betrübt über die Tragödie, die Ihnen so viele junge Leben gekostet hat. Ich erlaube mir, Ihnen mein tiefgefühltes Beileid auszusprechen." — Der französische Botschafter Francois Poncet hat dem Reichsminister des Auswärtigen einen Besuch abgeftattet. um ihm die aufrichtige Anteilnahme der sranzösifchen Regierung zum Ausdruck zu bringen. — Im Reichswehrministerium haben ferner ihr Delleid ausgesprochen: der griechische Geschäftsträger, dieMarineattacheS von England, Frankreich, Japan, Italien, Vereinigte Staaten, und die Militärattaches von Bulgarien, Polen, Spanien und Ungarn. Auch ein Boot mit einer deutschen Familie bei Gjedser untergegangen? Kopenhagen, 27. Juli. (TU.) 2m Zusammenhang mit dem Untergang der „Riobe" wird befürchtet, dah der gestrige Windstoß noch weitereMenschenopfer gefordert hat. Von dem Leuchtfeuerschiff bei Gjedser wird gemeldet, dah ein kanuähnliches Fahrzeug, das zwei Tage lang in Gjedser gelegen hatte, Dienstagnachmittag kurz vor Ausbruch des Windstoßes in See gegangen war. Rach dem Windstoh war es plötzlich verschwunden, so dah angenommen wird, dah das Fahrzeug untergegangen ist. An Bord befand sich eine deutsche Familie, ein Eltern paar mit ihren vier Kindern. pariser Scho her Schleicher-Rede. Hysterisches Angstgcschrci der französischen Presse. Paris, 27. 2uli. (TU.) Die Pariser Presse hat mit ihrer Antwort auf die Ausführungen des Generals von Schleicher nicht auf sich warten lassen. Die Abendblätter widmen den Erklärungen des Reichswehrministers ausführliche Betrachtungen, in denen auf die angebliche Gefahr hingewiesen wird, die eine Wiederaufrü- stung Deutschlands für den europäischen Frieden bedeuten würde. Der „Temps" sieht in diesen Erklärungen das neue Deutschland, das aus dem Zusammenbruch des demokratischen Regimes und aus der nationalsozialistischen Bewegung geboren sei und das nunmehr mit den Methoden des alten imperialistischen Regimes seinen Weg suche. General von Schleicher habe unumwunden die wahre Ratur der R e i ch s r e g i e r u n g dargelegt, in der man die Wiedergeburt der alten preußischen Ueberliefe- - 'I Reichswehrminister Generalleutnant von Schleicher vor dem Mikrophon während seiner großen Rundfunkrede, die von sämtlichen deutschen Sendern übernommen wurde. rungen erkenne und die außerhalb jeder individuellen oder Parteidiktatur nur für das Heer und mit dem Heer regierte. Er habe bei feinen Ausführungen nicht einmal die elementarsten Grundregeln 8er Diplomatie bewahrt und man könne ihm das Verdienst einer, wenn auch brutalen, Offenheit, nicht abfprechen. Die Erklärungen Schleichers bedeuteten unter diesen Umständen eine Warnung für alle Völker. Die nationalistische „Liberte" bezeichnet die Ausführungen von Schleichers als eine Unverschämtheit, deren Tragweite um so größer sei, alssieausdemMundedeswahren Führers einer Diktaturregierung kämen. Das „2oumal des Debats" sagt, die Ausführungen des Reichswehrministers bewiesen wieder einmal, wo man nach den Beratungen der Abrüstungskonferenz angelangt sei. Während man i n (SenfüberQIbrüftung spreche, denkeman in Berlin nur an Aufrüstung. Der „M a t i n" bezeichnete die Ausführungen von Schleichers als eine Haßrede gegen Frankreich. — Der Berliner Berichterstatter des Journal" hebt die Stelle in der Rede des Generals von Schleicher hervor, in der für den Fall, daß Deutschland Sicherheit und Gleichberechtigung vorenthalten werde, ein Umbau der deutschen Wehrmacht angekündigt wird. — „Echo de Paris" zeigt sich sehr verärgert darüber, daß es General o. Schleicher gelungen ist, den Gegensatz zwischen der Feststellung des Abgeordneten Lamoureux, der erklärte, daß Frankreichs Sicherheit durch die neuen B e - festigungslinien weitgehend gewährleistet sei, und der Stellungnahme H e r r i o t s in Genf aufzuweisen, wo der französische Ministerpräsident Garantien für diese gleiche Sicherheit gefordert hat. — „Paris Midi" veröffentlicht einen Bericht seines Berliner Korrespondenten, in dessen Ueberschrist es heißt: „Mit General von Schleicher greift die gesamte deütsche Presse Frankreich an und roröert militärische Freiheit d e s Reiches." Der Artikel bezeichnet die Rundfunkrede des Reichswehrministers als eine Sensation und erwartet von ihr tiefgreifende Rückwirkungen Gorguloff zum Tode verurteilt. pari», 27. Juli. (IU.) 3m Gorguloff-prozeh fällte das Gericht am Mittwochabend nach kurzer Beratung der Geschworenen, die die beiden ihnen oorgelegten fragen mit „3 a" beantwortet hatten, da» Urteil. Der Mörder des französischen Staatspräsidenten Doumer wurde zum Tode verurteilt. Die Vernehmung einer Reihe von Zeugen hatte keine neuen Momente in die Verhandlung gebracht. Lebhafte Bewegung aing durch den Saal, als di e Frau Gorguloffs ausgerufen wurde. Bei dem Anblick seiner Frau rief der Angeklagte aus: „Ich bitte um Verzeihung!", wurde aber sofort vom Dorfitzenden unterbrochen. Mit tränenerstickter Stimme erklärte die Zeugin, zwei Wochen vor dem Anschlag habe sie in seiner Haltung eine gewisse Aenderung festgestellt. Er habe häufig über Kopfschmerzen geklagt und die Nacht oft nicht schlafen können. Frau Gorguloff schloß ihre Aussagen mit der Bitte um Mitleid für sie und das Kind, das sie erwarte. Der General st aatsanwalt hatte in seiner Anklagerede auf den großen 23er» tust hingewiesen, den Frankreich mit dem Tode des Staatspräsidenten Doumer erlitten habe. Der Mör» der fei ein Ausländer und Paris dürfe nicht zum Schußfeld der Ausländer werden. Alle diejenigen, die das nicht verstehen wollten, müßten verjagt werden. Er glaube nicht darau, daß Gorguloff Bolschewist sei. Gorguloff besitze gerade als Arzt besser al» jeder andere die Fähigkeit, Geistesgestörtheit vorzutäuscheu. Der Generalstaatsanwalt verlas sodann einen Brief, den der Angeklagte nach seiner Verhaftung von einem aus Frankreich aus- gewiesenen Russen erhalten habe und der deutlich die Mentalität einer ganzen Reihe russischer Emi- granten wiedergebe. Der Gerreralstaatsauwalt forderte die Geschworenen auf, den Angeklagten dem Scharsrichter auszuliefern: „Geschworene der Seine! Denkt an das Urteil der Geschichte! Mein Mitleid gilt nur derjenigen, die jeden Tag am Grabe ihres Gatten weilt." Der Verteidiger des Angeklagten hatte auf geistige Unzurechnungsfähigkeit pla- dierl. Während seiner Ausführungen gestikulierte der Angeklagte wie ein Wahnsinniger, riß sich den Kragen ab und schrie immer wieder: „Tötet mich, tötet mich!" Die hessischen Rationalsoziaiiflen fordern Verhaftung der Innenministers Leufchner. Darmstadt, 27. 3uli. (ID 57t.) Der Gauführer der hessischen RSDAp., Lenz, hat an den Oberreichsanwalt in Leipzig folgende» Telegramm gerichtet: „Leufchner versucht unter amtlichem Deckmantel durch Zwangsmaßnahmen gegen die presse und dergleichen die Angelegenheit der kommuni st Ischen Dokumente zu verschleiern. Die Bevölkerung Hessen» sordert die sofortige Verhaftung Leufchner» wegen Verdunkelungsgefahr und restlose filärung ber 5 chuld an der Duldung der kommunistischen Hochverrats-, Landesverrats- und Bür- gerkriegspläne." Abkommen über kassenärztliche Vergütung. Berlin, 27. Juli. (TU.) Die S p i tz e n v e r - bände der Aerzte und Krankenkassen haben zur Durchführung des neuen Kassenarztrechtes ein Honorarabkomme n geschlossen, das rückwirkend vom 1. April an die Selle der bisherigen Vereinbarungen tritt. Das Abkommen enthält ein- gehende Bestimmungen über die Ermittlung des angemessenen Vergütungssatzes. Es ist e l a st i sch e r gestaltet als die bisherigen Verordnungen und gestattet eine ftärtere Rücksicht auf die örtlichen Bedürfnisse. Von den Einzelheiten verdient besondere Erwähnung der N o t a b j ch l a g für versicherte Arbeitslose in höhe von 5 0.5). und für Kassen mit mehr Arbeitslosen als 30 v. h. des Mitgliederbestandes in höhe von 10 o. h. _______________ ©er Rohrbruch. Don Georg Mühlen-Schutte. In der Hochparterre-Wohnung des Hausbesitzers Lemke erscheint mit umwölkter Stirn der Mieter Kuhlapp aus dem ersten Stock. „Guten Tag Herr Lemke!" „Ah, guten Tag, mein lieber Herr Kuhlapp! Bitte, nehmen Sie Platz! Womit kann ich Ihnen dienen?" „Herr Lemke, wir haben Rohrbruch In unserer Toilette." „Rohrbruch?! Ei ei!" ,„Ei ei' dürste kaum der passende Ausdruck sein, Herr Lemke. Es handelt sich um einen sehr ernsten Rohrbruch." „hm! Aber es ist doch ein ganz dickes, gußeiser- nes Rohr; wie haben Sie denn das bloß kaputtgekriegt?" „Ich? Ich soll das Rohr kaputtgemacht haben? Herr Lemke, ich mache Sie darauf aufmerksam, daß mir nicht zum Spaßen zumute ist. Ich verlange sofortige Reparatur." „Sehr gut! Ausgezeichnet! Eine Frage Herr Kuhlapp! haben Sie Vermögen?" „Etwas." „Wieviel?" „Das weiß ich nicht. Es steckt im Futter meiner Sonntagsweste. Fühlt ich an wie ein Fufziger. Kann aber auch ein Sechser ein." „Das macht keinen Unterschied. Jedenfalls reicht es nicht für die Reparatur." „Was denn? Ich soll die Reparatur bezahlen?" Wer denn sonst? Ich habe kein Geld. Ich habe nicht mal Futter in der Weste." „Aber es muß doch Rat geschaffen werden, Herr Lemke. Das Wasser steht fußhoch in meiner Wohnung." „Das ist nichts Besonderes. Kennen Sie Venedig?" „Nein." „Schade! Sie sollten es sich mal ansehn. In den venetianischen Parterrewohnungen fließt der Canale Grande durch den Korridor." „Lassen Sie mich mit Venedig zufrieden. Wir sind in Deutschland, uno in Deutschland ist es nicht Mode, daß im Wohnzimmer ein See steht." „Aber ein See ist etwas sehr Schöne»." „Frechheit!" „sie können Weiden am Ufer pflanzen, das gibt ein malerisches Landschaftsbild. Sie können Plötzen angeln, können baden, können ... Donnerwetter!" Der Blick des Hauswirts richtet sich nach der Zimmerdecke. An der Zimmerdecke hat sich ein gro- preußische Steuergelder für presse- und Propaganda-Zwecke? Nationalsozialistische Enthüllungen.-Amtliche Untersuchung eingeleitet. B e r l i n, 27. Juli. (TU.) Der Nationalsozialistische Preußische Pressedienst gibt Ausführungen des Abgeordneten hinkler wieder, der an Hand von Briefen darlegt, daß eine Reihe der der früheren preußischen Staatsregierung nahestehenden Zei- tun gen in Osterode, Stolp, Köslin und in Köln aus allgemeinen Steuermitteln vom Finanzmini st erium finanziert worden sind. Die Finanzierung geschah nach diesen Unterlagen durch bie„AentraleV«rlagsgesellschoft m.b.h.", dessen verantwortlicher Leiter Dr. Hugo Buschmann ist. Aus einem in der Veröffentlichung angeführten Schreiben Buschmanns an den Verlagsdirektor Kalk- Hoff geht hervor, daß die Zentrale Verlagsgesellschaft (ZV.) eine in der juristischen Form der G. m. b. h. eingekleidete Verwaltungsstelle für das preußische Finanzministerium ist. Die ZV. bediente sich einer Anzahl von Treuhändern. Die Treuhänder richten Betriebe ein, kaufen Automobile und Grundstücke und sind angewiesen, zur Verschleierung zunächst alle diese Sachen auf eigenen Namen zu kaufen bzw. eintragen zu lassen. Nach den Mitteilungen des Abgeordneten hinkler hat die ZV. an Kalkhoff in den Jahren 1929 bis 1931 über 420000 Mark gezahlt. Nach den Mitteilungen von hinkler werden die Zahlungen auch zur Stunde noch geleistet. Nicht nur Zeitungsunternehmen wurden nach seinen Angaben durch die ZV. unterstützt, sondern es wurden auch erhebliche Gelder für Wahlarbeiten der Regierungsparteien aus allgemeinen Steuergeldern aufgewendet, hinkler weist darauf hin, daß der Staatssekretär Schleusener, der jetzige kommissarische Verwalter des Finanzministeriums Mitwisser dieser Dinge sei und sie gutgeheihen habe. Die Verhandlungen des Staatssekretärs Schleusener mit Buschmann hätten sich in Gegen- wart des zuständigen Fondsreferenten, Ministerial- rat Dr. L a n d f r i e d abgewickelt. Dazu wird amt- l i ch mitgeteilt: Das bisherige Untersuchungsergebnis über eine Beeinflussung der Preußenwahlen aus amtlichen preußischen Mitteln hat den Reichskommissar für das Land Preußen dazu veranlaßt, in dieser Sache und in einer Reihe von ähnlich gelagerten Fällen, die inzwischen bekannt geworden sind, den kommissarisch als Ministerialdirektor im preußischen Staatsministerium tätigen Ministerialrat Dr. Landfried und Ministerialrat Dr Schütze im preußischen Innenministerium mit der Feststellung des Tatbestandes zu beauftragen. Die Seultonationden und das Mimst papen. Briefwechsel zwischen Hugenberg und dem Kanzler über die Notverordnungen und das Ergebnis von Lausanne. Berlin 27. Juli. (TU.) Geheimrat Dr. Hugenberg hat an den Kanzler ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt: „Sehr geehrter Herr Reichskanzler! Daß wir nicht parlamentarisch eingestellt sind, wissen Sie. Daraus folgt schon, daß wir nichtdenWunsch haben, mit parlamentarischen Hilfsmitteln einem von der Autorität des Reichspräsidenten getragenen, sich vom bisherigen Regierungsshstem abwendenden Kabinett Schwierigkeiten zu bereiten. Wir haben aber auf der anderen Seite eine Mitverantwortlichkeit für die nationale Bewegung. Sie ist nicht etwa Dank der Absicht oder der Bemühung irgendeiner Regierung, sondern aus dem Volk heraus neu erstarkt und darf nicht nochmals — wie 1923/24 — enttäuscht werden. Das ist der Grund der nachfolgenden Kritik an zwei Maßnahmen Ihrer Regierung: Rotverordnung vom 14. Juni 1932 und Abschluß des Vertrages von Lausanne. Wir begrüßen es, daß nunmehr in Tleberein- stimmung mit unserer Auffassung durch Ihre Einsetzung als Reichs kommissar der unerläßliche Schritt zur Lösung der inner- politischen Machtfrage getan ist. Die Energie, mit der die ersten Maßnahmen durch- gefützrt worden sind, hatte den Erfolg eines kampflosen Zurückweichens der bisherigen preußischen Machthaber. Anders liegt es mit den oben bezeichneten beiden Vorgängen. Ich weiß, daß die Regierung Brüning in einem Augenblick zurückgetreten ist, in dem die öffentlichen Kassen teer und Deutschland bankerott war. Sie, Herr Reichskanzler haben ein Trümmerfeld übernommen. Trotzdem können wir der Artnicht zu- stimmen, in der die Finanzfrage angefaßt worden ist. Wir legen Wert daraus, loyal das einzuhalten, was wir zur Zeit des Voung-Kampfes versprochen haben: Unsererseits nicht dazu beizutragen das Volk durch den Voung- plan verelenden zu lassen. Deshalb können wir die Finanzmaßnahmen der Rotverordnung vom 14. Juni 1932, wie seinerzeit schon ausgesprochen, nicht guthei ßen. Die Rotverordnung enthält Härten, die bei vielen Betroffenen eine verzweifelte Lage erzeugen. Ich wäre dankbar, wenn Sie, sehr verehrter Herr Reichskanzler, eine gewisse, Ihren Auffassungen entsprechende baldige Erklärung in Erwägung zögen, daß die fragliche un- haltbareRotverordnung.die im wesentlichen noch auf Brüningschen Vorarbeiten beruht und ebenso alle anderen Brüningschen Rotverordnungen von der jetzigen Regierung nicht ausrecht erhalten werden sollen. Ich nehme an, daß hiiuugesügt werden kann, daß die Vorarbeiten zu ihrer Aufhebung, d. h. zuihremErsah durch zusammenfassende, die Härten beseitigende und den Verord- nungsinhalt nach der positiven Seite hin ergänz zende Gesetze bereits im Gange sind. Der erste, sofortige Schritt zur Beseitigung unnötiger Härten müßte auf Grund eines Zusammenwirkens der Reichs- und der preußischen Regierung die Aushebung der preußischen Finanz-Rotverordnung vom 8. Juni 1932 sein. Der jetzige Inhalt der Rotverordnung vom 14. Juni 1932 ist um so unbefriedigender, als damit zunächst keinerlei aufbauende Maßregeln verbunden waren. Auf solche wartet das ganze Volk. Rach meiner Auffassung ist die dringendste Maßnahme eine baldige und jeden Eingriff in öie Privatschuldverhältnisse ausschliehende Regelung der bestehenden Schuldverhältnisse. Ich habe mich in dieser Beziehung öffentlich geäußert und werde in den nächsten Tagen noch weitere Vorschläge machen. Mit diesen Vorschlägen wäre der deutschen Wirtschaft ohne ein eigentliches Moratorium eine neue sichere Grundlage und die Möglichkeit eines vom Ausland unabhängigen tragbaren deutschenZinsfutzes, sowie in Verbindung mit anderen, dringend erforderlichen wirtschaftlichen Maßnahmen die Aussicht auf Erholung gegeben. Mit einem sofortigen Vorgehen dieser Art würden auch die Gefahren zum großen Teil abge- bogen fein, die mit dem Ergebnis von Lausanne verknüpft sind. Wir wissen, daß auch diese durch die Hinterlgssenschaft des Kabinetts Brüning stark beeinflußt waren. Aber schon der Mißbrauch, den jetzt Zentrum und Sozialdemokratie mit Lausanne treiben, zeigt, daß unser Wider- ßer nasser Fleck gebildet. Schwere Tropfen fallen herab. Dann ergießt sich in vielen Strahlen das Wasser aus der Kuhlappschen Wohnung in die Lemkesche. Die beiden Manner stehen erstarrt. Nach einer Weile kommt Bewegung in den Mieter Kuhlapp. „Entschuldigen Sie mich einen Augenblick!" sagt er mit übertriebener Höflichkeit und wendet sich zur Tür. „Wo wollen Sie denn hin?" ächzt der schwergeprüfte Hauswirt. „Ich springe bloß mal nach oben und hole mir Badeanzug und Angelrute runter." Oer Zinker. Vor ein paar Tagen hat man ihn verhaftet, den feinen Herrn aus Roms „bester Gesellschaft". Er, der immer weiße Gamaschen trug, und ein Monokel am Band, sitzt heute, in tadelloser Haltung, aber sehr bleich, zwischen Dieben und Falschspielern in römischer Polizeigewabrsam. Wie war es nur möglich, daß sich die Polizisten an diesem Herrn der Welt vergreisen konnten, auf dessen Schultern, liebevoll ausgepolstert vom besten englischen Schneider, nie ein Makel gelegen hatte? Wie war es möglich, daß er nun, Falschspieler unter Falschspielern, einem recht peinlichen, recht hoffnungslosen Prozeß entgegensetzen muß? Run, ihn hat sein Schicksal getroffen. Er ist schuldig — richtig. Aber man ist feinem Verbrechen — Spiel mit gezinkten Karten, Betrug, Unterschiebung falscher Kartenspiele bei höchstem Einsatz — deshalb auf die Spur gekommen, weil er zu früh und zu deutlich die Wahrheit gesagt hatte. Einen Verbrecher dingfest zu machen, weil er gelogen hat, das dürfte in der Regel vorkommen. Aber einen Betrüger als Betrüger zu entlarven, weil er die Wahrheit gesagt hat ...7 Monatelang hatte man über seinen Scherz gelacht. Abend für Abend war er im Spielklub erschienen, hatte gespielt, um große Summen zumeist, mit zuweilen großem Gewinn. Nie aber hatte er eine Karte am Baccarattisch angerührt, nie ein Spiel begonnen, ohne sich vorher sehr höflich vor seinen Mitspielern zu verbeugen und zu sagen: „Meine Herren Ich mache Sie wie immer, darauf aufmerksam, daß ich falsch spielen werde ..." Höfliches, gedämpftes Gelächter In der Runde. Vielleicht, daß man es für einen Aberglauben hielt, für eine Marolt" jenes Mannes, dessen Ruf so sehr über allen s'l erhoben war. Das Spiel ging zu Ende. Wieder hotte der vornehme Mann eine größere Summe Geldes gewonnen. Bevor er dann wieder welterspielte, um aufs neue zu gewinnen, bemerkte er mit leisem Schmunzeln: „Ich habe es Ihnen ja gesagt, ich habe mit falschen Karten gespielt ..." Dies wurde mit der Zeit zu einer stehenden Redensart des Mannes. Man achtete schon nicht mefjr darauf. Dieser Satz begann einigen sogar schon em wenig auf die Nerven zu gehen. Man nahm ihn aber hin, als die Laune eines großen Herrn ... So hat es sehr lange gedauert, bis die konstanten Spielgewinne des Mannes schließlich doch den Verdacht des Klubpersonals auf ihn lenkten. Man verdoppelte die Bewachung des Spieltisches, sah ihm sehr genau auf die Finger — und dabei mußte man allerlei bemerken ... Als jedoch, rechts und links, die Faust eines Kriminalbeamten zupacken konnte, zuckte der feine Mann die auf diese Weise beschwerten Schultern und bemerkte mit leiser Verachtung in der Stimme: „Wenn es Leute gibt, die einem Menschen ein halbes Jahr lang nicht zuzuhören vermögen, so sollen sie den Schaden ruhig tragen." Doch, ich fürchte, am Ende wird doch der feine Mann es (ein, der den Schaden zu tragen hat ... Zwei Schwestern und ein Führerschein. Die Schwestern Ethel Mary und Gertrude Moria Bowers in Poundstock (England) sehen einander so ähnlich, daß viele Leute sie miteinander verwechseln. Dieser Umstand brachte Ethel ÜJlarla auf eine glänzende Idee, als ihr der Führerschein auf ein Jahr entzogen worden war. Sie tauschte einfach den Nomen mit ihrer Schwester und bewarb sich als Gertrude Maria Bowers um einen neuen Führerschein, der ihr natürlich gegeben wurde. Ein Polizist, der die Schwestern kannte und von der Entziehung des Führerscheins gehört hatte, hielt eines Tages Ethel Maria — als Gertrude Maria — an und verlangte den Führerschein und eine Vergleichs-Unterschrift. Alles schien in Ordnung und die angebliche Gertrude Maria fuhr davon. Das Unglück wollte es aber, daß die richtige Gertrude Maria ebenfalls — zu Fuß — vorbeikam und noch ba3iu von einer Bekannten mit „Gertrude" angerufen wurde. Das brachte die Sache zum Klappen. Die Polizei erschien in der Wohnung Der Schwe- ftern — aber der Wirrwarr wurde nur noch verschlimmert. Kein Mensch konnte sogen, welche der Schwestern Ethel Maria und welche Gertrud Mario war — mit Ausnahme Der Schwestern selbst. Die wollten es aber nicht. Das Gericht in Westmin- ster fällte ein salomonisches Urteil: es verurteilte beide. stand berechtigt war. Sowohl für den Fall der Ratifizierung wie der Richtratifizierung würde eine Ausland und Inland umfassende autonome Schuldenregelung eine neue für Deutschland tragbare Grundlage schaffen und zugleich den notwendigen Kamps um die deutsche Wehrhoheit und eine wirkliche europäische Abrüstung erleichtern. gez. Hugenberg." Die Antwort des Reichskanzlers. 3n feinem Mntroorfbrief auf Dr. hugenberg» Schreiben führt der Kanzler u. a. folgendes aus: „Auf 3hr Schreiben vorn 23. 3uli, für das ich ergebens! danke, darf ich folgendes erwidern: 3d) begrüße es lebhaft, daß die Arbeit der Reichsregierung bei 3hnen, sehr geehrter Herr Geheimrat, und in den Kreisen 3hrer Anhänger verständnis findet. E» ist mir völlig klar, daß die ersten Maßnahmen des Reichskabinetts zur Sicherung der öffentlichen haushalte und zur Erhaltung der Sozialversicherung eine schwere Belastung für das Reichskabinett in der öffentlichen Meinung Deutschlands darstellen mußten. Bei der Lage, die dos Reichskabinett nach llebernahme der Regierung vorfand, war aber zunach st kein anderer Entschluß möglich als der, die notwendigen Aufräumungsarbeiten ohne Zeitverlust und rücksichtslos durchzuführen. Die Aufbauarbeit wird darin bestehen müssen, aus dem bisher mehr oder weniger unorganisch und unzusammenhängend entstandenen Rotoerordnungswerk eine nach einem einheitlichen Jinan}- und Mirtschaftsplan geregelte Reuordnung zu schaffen, durch die auch manche durch die vorangegangenen Rotverordnungen herbeigeführten Härten zu b e fe 11 i g e n fein werden. Hand in Hand damit wird eine tief ein- schneidende Berwallungs- und 3i- nanzresorm gehen müssen, durch die sich die Kosten des Verwaltungsapparates der öffentlichen Hand auf das Maß verringern, das der Verarmung Deutschlands entspricht. Es ist felbsiverftändlich, daß in diesem Reform-programm der Reichsregierung auch die Regelung der 3 n - und ausländischen Schulden eine wichtige Rolle spielen wird. gez. von papen.“ Preußens Vertretung imReichsrat Vertin, 27. Juli. (TU.) Die Ausschüsse des Deichsrates beriefen unter dem Vorsitz des Reichsinnenministers Freiherrn v. Gayl die Einzelheiten der von der Reichsregierung beabsich- tigten Reuregelung des Rundfunkwesens. — In der Frage der Vertretung Preußen- im Reichsrat steht die Reichsregierung auf dem Standpunkt, dast die Bevollmächtigung an das Amt gebunden sei und eine Amtsbetätigung bedeute. Demzufolge ist der Reichskommissar für Preußen bzw. sein kommissarischer Vertreter Dr. Bracht für d'te 13 Reichsratsstimmen der preußischen Regierung zuständig. Es trifft jedoch nicht zu, daß di« Mitglieder des Kabinetts Braun brieflich rhrer Funktionen als Bevollmächtigte Preußens enthoben worden seien. Ebensowenig ist Bracht an Stelle des amtsenthobenen Ministerpräsidenten zum Bevollmächtigten im Reichsrat ernannt worden. Die Rechtsfrage ist vielmehr so lange in der Schwebe, bis eine Entscheidung des Staatsgerichtshofs gefallen ist. Rachdem eine Reihe von Ländern bereits in einer am Mittwochvormittag abgehaltenen Ausschußsitzung des Reichsrats formell Rechtsverwahrung gegen die Ausschußverhandlungen eingelegt hatte, weil die preußischen Stimmen im Reichsrat durch die Reichsregierung instruiert würden, wiederholten in der Sitzung die der Beratung der Richtlinien für die Neugestaltung des Rundfunks galt, zunächst Bayern und später auch die Vertreter anderer Länder diese Rechtsverwahrung. Sce beteiligten sich jedoch trotzdem an der sachlichen Beratung. Kleine Theaterscherze. Don Lothar Sachs. Professor Max Reinhardt geht auf der Kurpromenade in Baden-Baden spazieren. Da stürzt eine Dame aufgeregt auf ihn zu: „Guten Tag, Herr Professor, Sie sind der erste interessante Mensch, den ich hier treffe.' „Da haben Sie mehr Glück gehabt als ich", antwortete Reinhardt trocken. * Der verstorbene Komponist Eugen d ' A l b e r t hatte sich zum 6. oder 7. Mal verheiratet. Er stellte seine neue Frau einem Bekannten vor. „Wissen Sie, Meister", erklärte der Bekannte begeistert, „Sie haben mir selten eine so scharmante Gattin oor- geftellt." Eine sehr verwöhnte Schauspielerin hatte geheiratet. Ihr Mann machte den schüchternen Versuch, ihr einige wirtschaftliche Begriffe, wie Sparsamkeit usw. beizubrinaen und überredete sie, ein Haushal- tungsbuch zu führen. Eines Tages machte er eine Stichprobe und las folgendes: 5. November Ausgaben: für Zigaretten 1,50 Mark einem Bettler geschenkt —,20 „ eine Zeitung gekauft — ,15 „ ~ iverses 500,00 „ Summa: 501,85 Mark. * ' Der Theaterdirektor Paul Lindau konnte es nicht leiden, wenn feine Schauspieler auf der Bühne ein Extempore machten. Als ihm einer einmal bat, ihm zu erlauben, während der Vorstellung einen Scherz zu improvisieren, erteilte er die Genehmigung mit der Einschränkung: „Wenn das Publikum nicht lacht, nehme ich sie mit 20 Mark in Ordnungsstrafe." Das Publikum brüllte. Trotzdem wurden dem Schauspieler 10 Mark von der Gage abgezogen. Er protestierte mit dem Hinweis: „Das Publikum hat doch gelacht." „Aber nur — die Hälft e", erwiderte Paul Lindau. Der Dramatiker Molnar wollte eine n^e Ehe eingehen. Man schlug als Tag der Hochzeit den Donnerstag vor. „Nein, Donnerstag geht nicht", sagte Molnar, „da bin ich immer im Klub. Aber wie wär's mit Montag — an dem Abend weiß ich sowieso nie was Gescheites anzufangen." ZK «ÄS sS? kanzleks. ^ugenbng, ^des ou,8 *- Kr d°, (a **«■: 2i) L^regit- und ^Mebuii V *" S der L> ;*°fluna in. Id^ Einung * .ött R(9irtunq 1 n Qnb(ttr e n°lnienblgcn e Zeilver. Zufuhren. 1 müssen, flUj °rganisch und Verordnung». ">chen Jj. ^"egelie N manche her. in "erden, 'e Urs t\». ’• anb jv r°) die sich b!r sapparale» dar Nah oet- mg Deutsch, oerstänblich, bah Reichrrcgierung anb au,länge Holk spielen von papen.“ lAeiHiat Die Aurshüss« em Dorsch der TM die Lin- erung beabsch- Rundfunk« Vertretung ieht die AeichS« bah die Drdvll- « luten Tag, M laute«* S, lehr Glück gehabt orfen. ferin 6fltkjS, fi , ein 5)°us° pachte « 00,00 » |nbauUfbe°rn6nf «[er aus y .< hat, 1 einerA (inen t er d>e Mbl»' Wenn . Drb« Jf?'* bßU. . 1 Je LH« Aus der Pwvinzialhauptstadt. Gießen, den 28. 3uli 1932. Oie Neuordnung des Paß-Wesens. Seit dem 1. Juli 1932 find neue Paßvorschriften in Kraft. Hiernach ist bei den Reisepasfen zwl- schen Cinzelpäsfen und Familienpassen zu unterscheiden Familienpäfse können Ehegatten sowie Eltern mit ihren Kindern unter 15 Jahren zu gemeinschaftlichen Reisen ausgestellt werden, und da Kinder gewöhnlich im Laufe von Jahren nachfolgen. ist ihre nachträgliche Aufnahme im Pah möglich Wichtig ist, daß Familienpässe auch ^u Einzelreisen benutzt werden können. Will jemand trotz des Familienpasses durchaus einen Einzelpah haben, so braucht er nur 50 Prozent der üblichen Gebühren zu zahlen, wenn die Geltungsdauer dieses Cinzelpasies aus die Geltungs- dauer des Familienpasses beschränkt wird. Die allgemeine Geltungsdauer eines Passes beträgt sünf Jahre und deshalb kann ein auf kürzere Zeit ausgestellter Reisepah entsprechend verlängert werden. Die Ausstellung von Reisepässen erfolgt, nach vorheriger Antragstellung bei dem zuständigen Polizeibezirk, lwrch die örtliche Pahbehörde (meist die Polizeiverwaltung), in deren Bezirk der Antragsteller seinen Wohnsitz — oder mangels eines Wohnsitzes — seinen Aufenthalt hat. Das persönliche Erscheinen ist erforderlich, jedoch genügt bei Familienpäsfen das persönliche Grschei. nen, der zur älnterschriftsleistung verpflichteten Personen (des Inhabers und seiner Ehefrau). Minderjährigen — mit Ausnahme von Ehefrauen — dürfen Reisepässe nur auf Antrag oder mit Einwilligung des gesetzlichen Vertreters ausgestelit werden. Handelt es sich um eine Auswanderung, so wird außerdem bei Mädchen unter 18 Jahren die Genehmigung des Dormundschaftsqerichts verlangt, foiueit diese nach § 9 ber Verordnung vom 14. 2. 24 erforderlich ist. Bemerkt sei ferner, daß der Reisepah einer weiblichen Person nach deren Eheschließung ungültig wird. Die Ausstellung eines Passes muß versagt werden, wenn die innere oder äußere Sicherheit oder sonstige erhebliche Belange des Reiches ober eines deutschen Landes durch den Reisepaßinhaber gefährdet werden könnte. Auch dann, wenn der Paß benutzt werden soll, um sich einer Strafverfolgung oder Strafvollstreckung zu entziehen, oder steuerlichen Pstichten, oder wenn Zollvorschriften übertreten oder umgangen werden sollen, kann die Ausstellung des Reisepasses versagt werden, und endlich dann, wenn jemand sich seiner Dienstverpflichtung von der Reichswehr entziehen, oder in fremde Heeresdienste eintreten oder durch Abwanderung in das Ausland sich seinen gesetzlichen Unterhaltspflich- ten entziehen will. Die Pässe selbst werden nach unterschriftiicher Vollziehung mit dem Lichtbild des Paßinhabers aus neuerer Zeit versahen, andernfalls ist ber Paß ungültig. Für den gemeinschaftlichen Grenz übertritt von Personengruppen können die Landeszentralbehörden (Staatsministerien)Sammel- Usten als Paßerfatz ausstellen. Besondere Bestim- mungen bleiben bestehen für den Grenz und Aus- ftugsoerkehr. Daten für Donnerstag, 2H. Juli. 1742: der Friede zu Berlin beendet den ersten Schlesischen Krieg- — 1750: Johann Sebastian Bach in Leipzig gestorben; — 1794: Hinrichtung '.Hobes- picrres in Parts- — 1804: der Philosoph Ludwig Feuerbach in Landshut geboren; — 1824: der schriftsteller Alexander Dumas d. I. in Paris geboren. — 1842: der Dichter Clemens Brentano in Aschaffenburg gestorben; — 1914: Oesterreich erklärt Serbien den Krieg Daten »ür Freitag, 29. Juli 1718: der Quäler William Penn, Gründer des Staates Pennsylvanien in Ruslombe gestorben; — 1856: der Komponist Robert Schumann in Endenich gestorben; — 1883: der itolieische Ministerpräsident Benito Mussolini in Prodappio bei Forli (Romagna) Geboren; — 1890: der Maler Dinzent van Gogh in Auvers-sur-Oise gestorben. *• Seinen schweren Verletzungen ist gestern abend in der Chirurgischen Klinik der Colo- motioheizer Schäfer aus Stockheim, der am Montagfrüh auf dem Bahnhof in Stockheim von einer Rangierlokomotive überfahren wurde und dabei neben dem Verlust eines Fußes auch einen schweren Schädelbruch davongetragen hatte. Der bedauernswerte Mann hinterläßt eine Frau und 5 Kinder. •* Kraft poft - Gesellschaftsfahrten veranstaltet das hiesige Postamt. Am 30. und 31. Juli findet eine zweitägige Fahrt nach der hohen Rhön statt, für den 7. August ist eine Burgenfahrt in den Kreis Wetzlar vorgesehen. Näheres ist aus der gestrigen Anzeige ersichtlich. "Postüberweisungsverkehrmitdem Saargebiet. Vom 1. August an sind im Post- Überweisungsverkehr mit dem Saargebiet telegraphische Ueberrocifungen und Eilüberweisungen zuge- lassen. Die Gebühren sind die gleichen wie im inneren Verkehr. Ryönsegelflugwettbcwerb auf der W a sserkupp« u n b Reichs tags- wahl. Jeder Besucher des Rhönsegelflugwettbewerbs auf der Wasserkuppe hat am 31. Juli im Fliegerlager selbst Gelegenheit, sein Wahlrecht für den Reichstag auszuüben. Es ist für die Wasserkuppe ein besonderer Stimmbezirk mit Abstimmungsraum im Lager gebildet toorben. Die wahlberechtigten Besucher müssen sich rechtzeitig — spätestens am 30. Juli — bei der Behörde ihres Wohnortes einen Stimmschein ausstellen lassen. Außerdem wird dringend empfohlen, einen Ausweis über die Person bei sich zu führen (Reisepa-ß, Personalausweis, Führerschein oder dergleichen). Alfred Rosenberg über die Ziele der ASDAP mentaren Gesetzmäßigkeit war. Wir haben aber sofort energisch gegen die Rotverordnung von PapenS protestiert. Diese Rotverordnung hätten wir gleich nach ihrer Verkündung genau so abgelehnt, wie die Brüningschen Notverordnungen. Die Probe auf dieses Exempel wird noch geliefert werden. Wer hat die Notverordnung unterzeichnet? Doch der Reichspräsident, der nicht von uns gewählt worden ist. Wenn die Deutschen damals Adolf Hitler gewählt hätten, wäre eine solche Notverordnung niemals erschienen. Beim Reichsinnenminister tritt das Zögern peinlich in Erscheinung, da die Herren dieses Ministeriums anscheinend nicht wissen, wohin sie steuern sollen. Cs fehlt der eiserne Wille, das angefangene Werk zu vollenden. Cs ist ein politischer Skandal, daß man sich wochenlang mit bayerischen Zentrumsseparatisten herumschlägt, anstatt sie so zu behandeln, wie es nötig ist. Wir können es uns nicht leisten, dah Länderregierungen die Rettung Deutschlands bedrohen. Wir verlangen einen Zustand, daß kein Separatist auch nur wagt, gegen eine nationale Reichspolitik zu opponieren, ohne gleichzeitig zu wissen, daß er bann ins Zuchthaus kommt." Zur Runbsunkrebe bes Reichswehrministers von Schleicher erklärte der Redner u. a.: „Wir finden, dah General v. Schleicher den richtigen Grundsatz hat. Wenn wir auch gewünscht hatten, daß der Ausnahmezustand etwas länger andauern würde, so glauben wir doch, dah das Problem klar erfaßt wurde. Es geht nicht an, daß eine kleine Schicht von Offizieren und Männern beim besten Willen mit Hilfe der Reichswehr eine Diktatur ausübt. Vielmehr muh überall das Empfinden vorhanden fein und grob werden, dah die Reichswehr, dah der Soldat nicht im Gegensatz zur Ration stehen darf, sondern eins Dom andern bedingt und abhängig sein muh. Wir müssen jetzt die Verbrüderung zwischen der deut- fd>en Reichswehr und der Braunen Armee anftre- bcn. Das ist die grobe innenpolitische Ausgabe, die die nationalsozialistische Bewegung zu lösen hat. Jetzt muh Schluß gemacht werden mit allen, die den deutschen Soldaten beschmutzt und bespuckt haben. Diese Leute müssen von der Bühne verschwinden. Linser Volk must von einer kompromißlosen Führerschaft geführt werden, die auch nach auhen hin entfprechend auftritt." Anlch.ießend besprach Der Redner die Außen- po.itik der jüngsten Zeit. Er führte u. a. aus: „Hier haben wir in den letzten Wochen drei Niederlagen au verzeichnen. Die furchtbare Niederlage in Lausanne ist deshalb so peinlich, weil man sich in Berlin nicht genügend überlegt hatte, was man in Lausanne forderte. Wenn man die Beseitigung der Kriegsschuldlüge und der Rüstungsungleichheit fordern wollte, so hätte man sich zuvor auch die Konsequenzen überlegen müssen. Sobald man diese Forderung aber stellte, durfte man sie nicht wieder zurückziehen. Wir sehen ein Versagen des deutschen Außenministers darin daß er sich diese Konsequenz nicht richtig überlegt hat. Was sich in Lausanne abgespielt hat war ein Nachlassen des Widerstandes, ein Zusammenbruch des Charakters, wie wir ihn bei Rathenau und Stresemann erlebt haben. Sie» f«n Vorwurf muh man dem Außenminister von Neurath machen, vermutlich auch dem Reichskanzler von Papen. Die 3 Milliarden nach öem Lausanner Vertrag können wir auch nicht bezahlen wir sprechen aber dem Zentrum und der SPD. das Recht ab. Neurach und Popen zu kritisieren da diese Parteien noch viel höheren Milliardenlasten für daS deutsche Volk zuge- stimmt haben. Die zweite Niederlage ift die Knechtung Oesterreichs, das für die Anleihe, von der es so gut wie nichts bekommt, für weitere zwar- zig Icchre auf den Anschluß an Deutschland ver- 3n der Turnhalle am OswaldsgarteL fand gestern abend eine öffentliche nationalsozialistische Wählerversammlung statt, die einen so starken Besuch hatte, daß die Turnhalle überfüllt war. Zu Beginn der Kundgebung gedachte der Versammlungsleiter, Tierarzt Dr. Harth- Allendorf a. d. Lda„ der im Kampfe mit politischen Gegnern ums Leden gekommenen SA.-Kameraden, die die Versammelten durch Erheben non den Sitzen ehrten. Der Redner wandte sich gegen die politische Hetze und erklärte u. a., in Gießen gebe es einen riaupthetzer, der auch von Streichhölzern im politischen Kampfe spreche. Er solle einmal auf dem Londe die Stimmung der Bauern hören! „Bei den ersten Brenne- relcn könne cs passieren, daß er darin verbrannt werde." (Starker Beifall.) Hierauf sprach, mit anhaltendem Beifall empfangen, Alfred Bosenberg, MdR., ber Chefredakteur des „völkischen Beobachter". Der Redner führte u. a. aus: „Wir sind jetzt an einem Wendepunkt der deutschen Politik angelangt. Es handelt sich nicht um eine gewöhnliche Ablösung von Ministern, sondern seit Mai hot sich bas Blatt der Geschichte gewandt. Mit Brüning stürzte eine jahrzehntelange Herrschaft in Deutschland, um niemals mehr wiederzukehren. Und jetzt mußten auch Severing und andere ihre Ministersessel verlojsen. Das bedeutet für uns den Anfang vom Ende der marxistischen Herrschaft in Deutschland. Das find die politischen Symptome dieses sommers. Der marxistische Blutrausch machte cs erforderlich, daß etwas geschah. Wir machen der Reichsregierung nicht zum Vorwurf, daß sie einen Reichskommissar in Preußen eingesetzt hat, sondern wir machen ihr zum Vorwurf, daß sie das nicht schon vier Wochen früher tat. Unsere SA. marschiert für die Freiheit, für die Ehre und für die Sauberkeit uflferes Volkes Dadurch fühlen sich aber nur die Feinde unseres Volkes und die Verbrecherwelt provoziert." Der Redner machte für die bedauerliche Entwicklung des politischen Kampfes in den letzten Wochen die Presse von der Art des „Berliner Tageblatts und der „Germania" verantwortlich und erklärte bann: „Die SPD und KPD. würden schon längst am Boden liegen, wenn sich nicht immer dos Zen truni dazwischenstellte." Er betonte bann, die ^PD habe wiederholt ihre Symbole gewechselt, erst die rote Fahne, bann schwarz-rotgold, jetzt bie drei Pfeile, aus der SPD. sei das Reichsbanner und jetzt die Eiserne Front geworden. 3m Gegensatz dazu marschiere die SA. unverändert unter dem alten Namen und dem gleichen Symbol. Er polemisierte hierauf kurz gegen das Zentrum, streifte den Kamps um den Daroes- und Poungplan, wies auf die längste Auseinandersetzung zwi^/en Dr. Schacht und Brüning an Hand des Brieses Schachts hin und kam dann auf den Kabinetts- wechsel im Reich zu sprechen. Er sagte u. a.: „D r ü n i n g war fast zwei Jahre unumschränkter Herrscher in Deutschland Gr wollte dann vom Ne chsp: äsidenten eine Blankovollmacht zur Rege.ung Deutschlands ohne Reichstag auf weitere zwei Jahre. Er hatte gerade die SA. aufgelöst, wollte die Versammlungen und die Presse der NSDAP, verbieten und bereitete die Auslösung unserer Partei vor. Da war es uns gleichgültig, wer ihn stürzte, die Hauptsache war, daß er wegkam. Die Herren nach ihm wurden nicht von uns eingesetzt, sondern durch das Vertrauen des Reichspräsidenten berufen Die Regierung von Papen hat erklärt, man solle sie nach ihren Taten bewerten. Dieser Forderung sind wir nachgekommen. Wir haben die Regierung anfangs nicht angegriffen, als sie uns die Aufhebung des SA-Verbots zusagte, die aber keine Gnade, sondern nur die Wiederherstellung einer eie- Sichten loll. Hier ist die Freiheit eines Bruder- staucmes um bares Geld verlaust worden von einer christ.cch.sozialen Regierung in Wien, der Bruderpartei des Zentrums. Die dritte Niederlage war, daß man in Gens nicht die Gleichberechtigung Deutschlands als Voraussetzung für unser Erscheinen dort verlangt hat und dann auch nicht erreichte. Zn Genf und Lausanne hat der alte bürgerliche Nationalismus leine letzte Ehanee verloren, er hat versagt, weil hinter ihm feine Vo.lsmacht steht." Hieraus forderte ber Redner eine grundsätzliche Revision ber geistig-seelischen Einstellung unseres Volkes. Er wies dabei auf die große Idee des deutschen Bürgertums im Mittelalter hin, erinnerte an den Volksgemeinschaftsgeist in den damaligen Bürgerschaften und forderte, nach diesem Vorbild eine neue deutsche Volkskultur zu schaffen. Auch das zweite Reich habe das Problem einer inneren deutschen Seelenkultur nicht lösen können. Deshalb müsse die große politische Bewegung von heute, die fast überall nur von sog. kleinen Leuten ausgegangen sei, die Lösung dieses Problems in die Hand nehmen. Der Redner forderte insbesondere die akademische Weit, Professoren und Studenten, auf, sich dieser Aufgabe mit zu widmen, und betonte, was die kleinen Leute als Begründer der großen politischen Bewegung bisher für die deutsche (Erneuerung geleistet hätten, bedeute viel mehr als das, was mancher Professor getan habe, der Bücher schrieb. Der Redner nahm sodann Stellung gegen die Ausbreitung der Bücher sog. Kasfeehausltteraten und bezeichnete es als einen Skandal, daß in unserer Stadt in Buchläden noch Bücher gegen Adolf Hitler ausgestellt seien. Die Lösung des Problems „Kultur und Macht" sei eine besondere Notwendigkeit der Gegenwart. Die große deutsche Volksbewegung, die allein dieses Problem lösen könne, stelle die Erfüllung einer fünfhundert- jährigen Sehnsucht der Deutschen dar, deren Frei- keitsdrang in der Revolution der Bauernkriege und seitdem bis heute stertengeblieben sei. Es sei kein Zufall, bub die NSDAP, die stärkste Bauernbewegung barftelle, die Deutschland jemals gese-hen habe. Das sei barauf zurückzu führen, daß bie NSDAP, von vornherein die organischen Wurzeln des beutschen Volkes, bas Bauerntum, berücksichtigt t»bc. Aber auch aus dem friede rizlanischen Preußen fchöpse bie NSDAP, ihre Kraft Nach diesem Preußen habe bie NSDAP, bie Substanz der deutschen Seele und die bcutj.be Ehre wieder in bas Zentrum ber deutschen Bewegung gestellt. Der Nationalsozialismus fei die Wieberherstelluna der allgcrmani|dKn dbaraltcrroertc und setze bie Ehre an die Spitze aller anderen Werte Darum sei ble NSDAP, auch bie stärkste Soidatenpartei Deutschlands geworden. Da sie aber auch die Lebensrechte der Millionenschicht der deutschen Arbeiterschaft wahre, habe sie gleichfalls ihre starken Wurzeln in dieser Volksschicht Das Ziel Adolf Hitlers sei nicht die Vernichtung ber deutschen Arbeiterschaft, sondern bie Befreiung bes deutschen Arbeiters von seinen Parasiten und Betrügern. Darum sei bie neue Volksbewegung auch zur stärksten Handarbeitervewegung geworden. Aus diesen drei Gruppen roerbe einst die große deutsche Volksgemeinschaft heroorgehen, die schon seit zehn fahren in der N-vDAP. verwirklicht sei. Wenn in dieser Bewegung der Arbeiter neben dem Hohenzol- lernprinjen stehe, dann sei das der Ausdruck dafür, daß die Bewegung dem Arbeiter feine innere Gleichberechtigung roiebergegeben und ihm das unter den früheren Zuständen anerzogene Minder- wertigkeitsgefiihi genommen habe. lieber bie Kämpfe des Tages hinweg schaue die NSDAP, in die Zukunft, und sie sehe heute schon dey lag, da die Braune Armee durch bas Brandenburger Tor in Berlin marschieren roerbe und am Denkmal Friedrichs des Großen ihre Huldigung barbringe. Wenn Hitlers Fahne auf dem Berliner Schloß hochgezogen werde, bann wisse Deutschland, daß die fünfhundertjährige Sehnsucht ber Deutschen erfüllt sei in bem großen deutschen Nationalstaat. (Langanhaltender stürmischer Beifall, der auch ivährcnd der Rebe wiederholt zu hören roar.) Der Versammlungsleiter, Tierarzt Dr. Harth, erklärte am Schlüsse der Shinbgcbung, am nächsten Sonntag werde die Entscheidung mit bem Stimmzettel fallen. Der Sieg werbe so ober so der NSDAP, zusallen, die Eiserne Front werde ber SA. den Sieg nicht streitig machen können. (Stür- imschcr Beifall.) Mit dem Gesang des Horst Wessel- Liedes fand die Kundgebung ihren Abschluß. Ein Kaffeekönig erobert die Lust. Zum Tode des LustschiffkonstrutteurS SantosOumont. Von Hans Ammer. Oer Mann, der auf die Briefmarken kam. Was ist Ruhm? Früher, im alten Griechenland, war Ruhm ber abstrakte Ausdruck für bie siegreiche Heimkehr eines bekränzten Athleten. Später roar es ein Ausdruck für bie Triumphzüge eines Generals, eines Eroberers die Verleihung einer geistlichen oder weltlichen Würde. Und wie ist es heute? Der ruhmreiche Mann kommt auf bi c Briefmarke seines Mutterlandes. Im Altertum hätte man einen Abenteurer, wie Santos-Dumont es gewesen ist, mit Lorbeer umwunden, vergoldet ins Grab gelegt und vielleicht angebetet. In heutigen Zeiten haben bie Brasilianer sein Bild hn Wert von einigen Reis unb Mil reis auf die Briefe ihres Landes geklebt. Ntan hat bis zu feinem Tode, ber diesen merkwürdigen Mann im Alter von 59 Jahren ereilte, einen wahren Kult mit ihm getrieben. Für die Brasilianer roar er eine mythologische Persönlichkeit, er roar ber Mann, ber bem Menschen bas Fliegen beibringen wollte. Santos- Dumont hat diesen Ruhm auch insofern befestigt, als er eine Anekdote von sich selbst in Umlauf setzte, die auf seine früheste Kin-derzeit Aurürfging. Er erzählte, er habe im Alter von sechs Jahren mit seinen kleinen Freunden besonders gern jenes Kinderspiel gespielt, das sich „alle Vögel fliegen" nennt. Man fitzt gemeinsam an einem großen Tisch. Die Hände liegen auf der Tischplatte. Plötzlich hebt einer bie «ringer in die Luft unb lagt: „Der Spatz fliegt." Prompt schallt es von seinem Gegenüber: „Dao Huhn fliegt." So roebben alle Tiergattungen mit Flügeln im Wettbewerb cmfge- zählt, Papageien, Fasanen unb Schwäne, sogar fliegende Hunde unb fliegende Fische werden ein- bezogen. Der kleine Santos aber saß ernst und trotzig zwischen seinen Gespielen unb warf unerwartet in die Debatte: „Der Mensch fliegt!" Es gelang ben anwesenden Erwachsenen nicht, den kleinen Hitzkopf von seiner Ueberzeugung abzubringen, daß auch der Mensch als Bewohner ber Lust eine Rolle spielen könne. In ber Tat! Warum sollte ber Mensch eigentlich nicht fliegen? Aber nicht nur seine primitive Liebe zur Luft roar ber Motor, der aus bi es em kleinen Mann einen 'Riloten und 'jlbentcurer machte. Irgend- etwas muß ihm auch im Blute gelegen ’mben. Seine Eltern waren seit Generationen bekannt als reiche, unternehmungslustige Leute. Sein Vater hatte als Großgrundbesitzer ben Reichtum seines Landes dadurch begründet, baß er meilenroeite Raffeepiantagen anlegte. Die Bewirtschaftung dieser Plantagen erfolgte mit allem Komfort ber Neuzeit. Traktoren unb Lokomobile zogen breite Furchen durch bie Felder, durch die Wege, die diese Felder verbanden. Im Alter von sieben Jahren saß schon der kleine Santos häufig auf einem dieser Traktoren und roar stolz und glücklich, wenn seine winzigen Finger für einige Minuten das Steuer dieses Ungetüms umfassen konnten. Gin Naturbursche in Paris Gestützt auf fein väterliches Vermögen, siedelte in ben neunziger Jahren dieser glutäugig junge Mann mit bem schwarzen Wuschelhaar nach Paris über und etablierte sich dort als Sportsmann und Luftschiffpionier. Er hatte sich in der N...^ des Bois be Boulogne ein kleines Grundstück gekauft, eine harmlose Wiese, von einem Zaun umfriedet. Dort saß er tagelang, in völliger Einsamkeit, bastelte an kleinen Benzinmotoren, grübelte uüer Plänen unb Berechnungen. Allen Verlockungen ber großen Stabt wich er mannhaft aus. Im Iw 1898 roar er so weit, leint erste Konstruktion durch einen Probeflug der Oesfentlichkeit zu übergeben. Am 18. September dieses Jahres flieg er mit einem Luftschiff von 25 Meter Länge und 3,5 Meter Maximaldurchmesser von seiner Wiese aus auf. Halsbrecherisch roar dieser Apparat an,zusehen, mit seiner winzigen, freischweben den Gondel, an die unmittelbar ein Krafttvagenmotor im Taschenformat von einer Kapizität von 3 PS anmontiert roar. Dieser Flug nahm auch kein gutes Ende — Son- tos Dumont landete wenige Minuten nach seinem Ausstieg in einem Boumwipsel, im letzten Moment konnte er unversehrt aus bem Durch- einander von Stricken und Koibgeflecht heraus- kriechen unb sich an den Abstieg begeben Beim zweiten Flug, der unmittelbar darauf unternommen wurde, zeigte sich ein zweiter Mißstand dieses Diel zu schmächtigen, viel zu dünnen Lustschifls. Mitten in der Luft klappte der Ballon in der Mitte zusammen, wie ein Taschenmesser, und sauste in bie liefe. Auch diesmal kam der jugendliche Konstrukteur mit dem Schrecken davon, aber nicht nur mit bem Schrecken, sondern auch mit vielen nützlichen Erfahrungen. Knapp 26 Jahre war er alt, als die Pariser Feuerwehr ihn von einem ber höchsten Bäume des 'Pariser Botaniscken Gartens hcrunterholen mußte, wo er aus ähnliche Art, diesmal mit einem ftumpfe- Santos-Dumont. ■ -M ren Luftschiff, Schiffbruch erlitten hatte. So würbe er auf die Tatsache gestoßen, baß er größere Flug- zeuge erbauen müßte, um einen nennenswerten Erfolg zu erringen. Die Erfahnmg lehrte ihn, all- mählich zur Halbstarren Fonn des Luftschisses über- rugehen. Unter diesen Umständen aber bewegte sich sein Flugschiss bei gleick)b leidend geringer Motoren- stärke nur nut einer Stundcngeschwindig- kett von fünf dis sechs Kilometern vorwärts. Es war ein grotesker Anblick, unterhalb einer solchen Riesenwurst einen kleinen Mann m i t Lackschuhen unb ft elfe in f) u t geduldig in den Lüsten baumeln zu sehen. Aber bie Lacher behielten Unrecht. Im Sommer 1901 war Santos- Dumont bei seinem sechsten Luftschiff angelangt. Diesmal handelte es sich um einen „Giganten" mit einem 12-PS Motor und 630 Kubikmetern (Bas- in-halt. Mit diesem, immerhin doch sonderbaren Instrument gelang ihm schließlich ber Flug in bie Weltberühmtheit. 100000 Francs am Blitzableiter. Seit ben ersten Versuchen bes Luftsportes ging ber besonbere Ehrgeiz ber Pariser dahin, ben Eiffelturm z u umfliegen. Keinem roar es bisher geglückt Dabei lockte außer den obligaten sportlichen Lorbeeren noch ein handgreifliches pekuniäres Ziel — ber Petröleumindustriclle und Luftsportmäzen Henry Deutsch de la Meurthe hatte eine Prämie von 100000 Francs für diesen Flug gestiftet Diese Prämie baumelte in Form eines Bons von der höchsten Spitze des Eiffelturmes, dem Blitzableiter, herab Es war ein äußerst waghalsiges Unterfangen, diesen Bon ab- zureißen. Santos-Dumont hatte schon wiederholt diesen Flug geplant unb roar hierbei ebenso von Pech roic auch von Glück verfolgt gewesen. Denn ein paarmal roar er nicht weit vom Eiffelturm ab- gestürzt, ohne sich jedoch je etwas Ernstliches zu tun. Einmal rettete ihn bloß sein Hasenträ- g e r, ber sich am Balkon eines Mietshauses im vierten Stock festklemmtc unb ihn so vor dem sicheren Absturz bewahrte. Am 19. Oktober 1902 jedoch schlug die große Stunde. Ohne Zwischenfall konnte der mutige Brasilianer sein Luftschiss von Saint-Cloud rings um ben Eiffelturm und wieder zurück lenken. Als er, dort angekommen, den Bon des Mäzens vorwies, brach nicht endenwollender Jubel aus. Zum erstenmal hatte sich in Frankreich das Luftschiff als sicheres und brauch- bares Fahrzeug erwiesen... " SeMlani»-USA.8:8. Vor 50 000 Zuschauern erkämpften unsere Amateurboxer ein Unentschieden. Nachdem am Dienstagabend ein schweres Gewitter zur Verlegung des Boxkampfes zwang, konnte er am Mittwoch abend in „Soldiers Fields" zu Chikago glatt durchgeführt werden. Dos deutsch-amerikanische Element, das unter den vielen Zuschauern sehr stark vertreten war, bereitete den deutschen Amateurboxern eine überaus K' Aufnahme. In den acht Kämpfen kam un- annschaft zu einem Unentschieden, das als ein beachtlicher Erfolg bezeichnet werden darf, um so mehr, als die Amerikaner den Kampf sehr ernst nahmen und nach sorgfältiger Auswahl ihrer Besten die Mannschaft seit Wochen in einem intensiven Training vorbereitet hatte. Oer Verlauf der Kämpfe. Die deutsche Mannschaft hatte einen hervorragenden Start. Gleich im 1. Kampf kam im Fliegengewicht Werner Spannagel (Barmen) zu einem eindrucksvollen Punktsieg über Jonny Balser. Spannagel war nicht nur der technisch bessere, sondern auch der aggressivere Boxer. Er kämpfte in allen drei Runden klar überlegen. Im Bantamgewicht konnte Ziglarsky (München) die Führung der Deutschen auf 4:0 erhöhen. Er schickte den Amerikaner Goodmann gleich in der ersten Runde zweimal zu Boden. Auch in den beiden nächsten Runden war der Amerikaner wiederholt am Rande des K. o. Aber mit unglaublicher Zähigkeit rettete er sich jedesmal bis zum Gongschlag. Der Punktsieg des Deutschen war hoch. Den schönsten Kampf des Tages lieferte im F e - dergewicht der Münchener Schlei n ko fer dem besten Mann der Amerikaner, Leo R o d a k. Nach zwei ausgeglichenen Runden beherrschte Schleinkofer den erschütterten Zankee und stellte seinen Punktsieg sicher, der ihm klar und einwandfrei zugesprochen wurde. Das Publikum brach in lebhaften Beifall aus. Deutschland führte nunmehr mit 6:0. Dann aber wandte sich das Blatt. Im Leichtgewicht gab es die erste deutsche Niederlage. Der Belgo-Amerikaner Harry Rothe gewann knapp aber sicher gegen Ka rtz- Oberhausen nach Punkten. Der Amerikaner trieb d-en Deutschen durch sein schnelles Tempo dauernd in die Verteidigung. Der zweite amerikanische Sieg wurde im Weltergewicht errungen. Der Neger Ionna Phagan schlug den deutschen Meister Campe-Berlin schon in der 1. Runde mit einem rechten Kinnhaken glatt aus dem Ring. Campe mutzte sich bereits nach 92 Sekunden auszählen lassen. Durch den überraschenden Sieg im Mittelgewicht zogen dann die Amerikaner auf 6:6 gleich. Tony Sutton war gegen den Stuttgarter Bernlöher, der zu abwartend boxte, überlegen. Der Stuttgarter wurde dann aber zusehends besser, konnte aber den Vorsprung des Gegners nicht mehr aufholen und verlor knapp nach Punkten. Im Halbschwergewicht gingen dann die USA.-Vertreter mit 8:6 in Führung. Wiater und der Duisburger Berger waren sich in einer harten Schlacht nahezug gleichwertig. Berger ermüdete jedoch zum Schluß stark und mutzte seinem Gegner den Punktsieg überlassen. Die Entscheidung. Unter ungeheurer Spannung — es ging um die Entscheidung — fand der Länderkampf mit dem Schwergewichtstreffen seinen Abschlutz. Durch >den K.-o.-Sieg des Münsteraners Kohl- haas kamen die Deutschen zum Ausgleich. Kohl- haas schlug seinen Gegner, den Amerikaner Smith bereits in der 1. Runde dreimal nieder und setzte ihn in der 2. Runde endgültig für die Zeit zu Boden. Der Beifall für Kohlhaas war ungemein stark. Die deutsche Mannschaft wurde Rumän.Sereinh.Rente».1913 4% Rumänische vereinh. Rente ew% I. Anatolier 10 10,25 10,65 11 — 1,05 — 1,05 6,13 — 5,9 6,05 6,5 — 6,55 6,55 — 5,4 5,5 5,25 3,25 3,25 3,25 3,35 3,3 3,35 3,35 3,35 _ 3,3 3,4 3,3 —— 3.9 4,3 4 7,4 7,25 7,5 7,7 3,55 3,5 3,75 3,7 16.8 17,13 16,9 17 iVranffurt 0.271. Berlin Schlußkurs Schluß!. Abend- börse Schlußkurs Schlußk. Mittag« börse Datum 26.7. 27.7. 26.7. 27.7. Hamburg-Amertta Patei . . 1 11 .9 11,13 11,9 11,5 Hamburg-Südam. Dampfschis . c Hansa Dampfschiff . . . . 0 — — 17,75 Norddeutscher Lloyd .... . 6 13 12,5 13,13 12,75 A.G. für Verkehrswesen Akt. 28.5 28 29 28 Berliner Handelsgesellschaft . 8 91 90 91 90 Commerz, und Privat-Bank. 7 16 16 53,5 53,5 Darmstädter und Nationalbank 8 18,25 18,5 18,5 18,5 Deutsche Bank und Disconto-Gesellschast. . . 6 75 75 75 75 Dresdner Bank...... 6 18,25 18,5 18,5 18,5 Reichsbank ...... . 12 126,13 124,65 A.E.G........... . 7 27,75 27,65 28,4 27,4 Bergmann........ . S — 20,9 Elekir. Lieferungsgesellschast. 10 60 — 61 59 Licht und Kraft...... in 72,5 70 72,13 68,5 Felten & Guilleaume.... 6 y. 38 37 37,13 36,5 Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 9 59,25 58 59,5 58,4 Rheinische Elektrizität . . . . 9 65 64 64,5 64 Schlickert L Co....... 11 63,25 62,75 63,5 62,5 Siemens & Halske ..... 14 123,5 124,25 122 Lahmeyer & Co...... . 12 79,5 80,25 79,5 Buderus ......... . 4 26,5 26,75 26,5 26,65 Deutsche Erdöl...... . ü 68,25 68 68,25 68,5 Gelsenkirchener...... . 8 33,5 32,25 34.65 32,4 Harpener......... . 0 51 49 51 49,25 Hoesch Eisen........ . 6 24 22 Ilse Bergbau....... 10 — — 130,5 128,5 Ilse Bergbau Genüsse . . . — — 92 92 Klücknerwerie....... . 6 22 22,5 22,13 22 Mannesmann-Röhren . . . . 6 38 37,5 38 36,75 Mansfelder Bergbau .... . 0 11 Oberschlei. Kokswerke . . . . « — — 30,5 29,65 Phönix Bergbau...... 4'/- 15,5 15,25 15,5 14,5 Rheinische Braunkohlen. . . 10 174,5 174 176 174 Rhetnktahl........ . 6 48 47 47,65 47 Frankfurt a. M. Berlin Schluß- kurS Schlußk. Abendbörse Schluß- kurS Schlußk. Mittagbörse Datum 26.7. 27.7 26.7. 27.7. Riebeck Montan...... 7,2 — — — — Bereinigte Stahlwerke . . . . 4 13,75 12,5 13,5 12,9 Otavi Minen......16'/, 10 10 10,25 10,13 Kaliwerke Aschersleben . . . 10 93 92,25 93 92 Kaliwerke Westeregeln . . . IC 101,75 101 101 100 Kaliwerke Salzdetfurth . . . 15 162 160 162 162 I. G. Farben-Industrie . . . 12 88,75 87,13 88,9 87,65 Verein, chem. Industrie Frank- - _ ■ ■ Scheideanstalt....... 10 — 134 — — Goldschmidt........ . 0 16,25 16,5 16,25 17 Rütgerswerke....... . 6 32,75 32,5 32,65 32,65 Metallgesellschaft...... . 6 — 25 26,13 26,13 Philipp Holzmann..... . 6 32,5 31 32,75 31 Zementwerk Heidelberg. . . Cementwerk Karlstadt. ... . 7 . 7 35,5 31 36 31 Wayß L Freytag ...... . 0 3,75 3,9 3,4 4,5 Schultheis Payenhofer . . . Iß — _ 58 55,75 Mu (Allgemeine Kunstseide) 0 34,5 34,25 34,9 34 Bemberg......... 0 31 30 31,25 29,9 Zellstoff Waldhos..... 12 27 28 26,75 27 Zellstoss Aschaffenburg . . . 6 19 — 20 19,75 Dessauer Gas..... . . v — — 84,75 84,5 Daimler Motoren..... . v 11,75 12 12 12,4 Deutsche Linoleum .... . k> 30 30,25 30,4 30 Orenstetn & Koppel .... . 0 — — 21,75 20,75 Leonhard Tietz ...... . 8 45 45,25 47 45,5 Svensla......... 16 — — — — Chade.......... 181 173 179,5 173 Frankfurter Maschinen . . . Gritzner......... . 0 . 0 17,5 17,5 19 — Matnkroftwerke Höchst a.M.. . 6 46,25 46 — Süddeutscher Zucker .... 10 106 — 106,5 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 211. Banknoten. 26.3ull 27.3ull Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld | Briet Geld Briet Helsingsor« . 6,374 6,386 6,374 6,386 Wien. . . . 51,95 52.05 51,95 52,05 Prag . . . 12.465 12,485 12,465 12,485 Budapest. . — — —— — Sofia . . . 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland . . 169,68 170,02 169,68 170,02 Oslo. . . . 74,73 74.87 74.63 74,77 Kopenhagen. 80,45 80,61 80,17 80,33 Stockholm . 76,72. 76,88 76,52 76,68 London. . . 14,955 14.995 14,91 14,95 Buenos Aires 0,923 0,927 0,923 . 0,927 Neuyork . . 4,209 4,217 4,209 • 4,217 Brüssel. . . 58,31 58,43 58,31 58,43 Italien. . . 21,46 21,50 21,45 21,49 Paris . . . 16,48 16,52 16,48 16,52 Schmelz . . 81,88 82,04 81,88 82,04 Spanien . . 33,62 33,68 33,62 33,68 Danzig. . . 81,97 82,13 81,97 82.13 Japan . . . 1,159 1,161 1,159 1.161 Rio de Ian.. 0,325 0,327 0,325 0,327 Iugoflawieu. 6,693 6,707 6,693 6.707 Lissabon . . 13,64 13,66 13,64 13,66 Berlin, 27. Juli Geld Brief Amerikanische Noten....... 4,20 4,22 Belgische Noten......... 58,15 58,39 Dänische Noten......... 79,99 80.31 Englische Noten......... 14,87 14.93 Französische Noten........ 16,44 16,50 Holländische Noten........ 169,31 169.99 Italienische Noten........ 21,41 21,49 Norwegische Noten........ 74,45 74.75 Deutsch-Oesterreich, i 1OO Schilling — Rumänische Noten........ 2,49 2,51 Schwedische Noten........ 76,35 76,65 Schweizer Noten......... 81,70 82,02 Spanische Noten. ........ 33,48 33,62 Ungarische Noten........ —