M.123 Erst« Skat! 182. Jahrgang Samstag. 28. Mai 1932 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags, •tilagen: Vie Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats.vezugrprelr: Mit 4 Setlagen RM. 1 85 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. zernfprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach- richtens Anzeiger Eietzen. po»fchecktonto: ssranksvrt am Main 1168«. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberhessen Dmd und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vich. und Stemöruderei K Lang« in Stehen. Schnftteilsng und Seschästrstelle: Zchulstrahe 7. Annahme Mn Anzeigen für die Tagesnummer bts zum Nachmittag vorher. Preis für l mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig,- für Ne- hlameanjeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig. Platzvorschrist 20*. mehr. EhefredaKteur Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Derantwonlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr jy Tbnriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Ulq Filter, sämtlich in Gießen. Oie Notverordnung. In diesen Tagen fallt die Entscheidung über bas Schicksal des Kabinetts Brünirng und die Gestalt der neuen Notverordnung. Die Dinge sind noch ganz im Flust. da ist es nicht möglich, zu den uns olle bewegenden Fragen heute schon abschliestend Stellung zu nehmen. Ist ja doch auch alles, was über den Inhalt der neuen Notverordnung bekanntgeworden ist. noch nichts Endgültiges. Man sieht nur Einzelheiten, aus denen sich noch fein Gesamtbild formen lästt. Es liegt auf der Hand, dost vorerst fast nur Unerfreuliches über die Pläne der Reichsregierung bekanntgewordcn ist, neue schwere Belastungen zum Ausgleich des Reichshaushalts und Aufrechterhaltung der Ar- beitslosenfürsorge, die Ergänzungen nach der positiven Seite hin durch Arbeitsbeschaffung, Siedlung und Ausbau des freiwilligen Arbeitsdienstes kommen vorerst nur sehr verschwommen und vage zum Vorschein. Im Grundsast ist natürlich der Reichs- rcgicrunfl zuzustimmen, wenn sie den festen Willen Hal, mit ausgeglichenem Reichshaushalt zu den Tributverhandlungen nach Lausanne zu gehen. Nach den Erfahrungen auf der Haager Konferenz, wo es den Franzosen dank unserer infolge der Hilferdingschen Mistwirtschast völlig unzulänglichen finanziellen Rüstung gelang, uns den „verbesserten" Poung-Plan auszuzwingen, können wir cs uns nicht mehr leisten, in den Entscheidungskamps um die gänzliche Beseitigung der Tribute zu gehen mit einem so gefährlichen Unsicherheitsfaktor im Rücken, wie es ein unausgeglichener Reichsetat mit einem bet der angespannten Finanzlage daraus leicht erwachsenden Kassendefizit wäre. Gibt man also diese Notwendigkeit zu, so erheben sich doch schwere verfassungsrechtliche wie psychologische Bedenken gegen die Absicht des Reichskabinetts, auf dem Wege der Notverordnung, dem Volke neue und, soweit man sehen kann, auster- ordentlich schwere steuerliche Belastungen auszu- oktroyicrcn, bevor der Oefscntlichkeit irgendwelche Gelegenheit gegeben wurde, den Etat selber überhaupt kennenzulernen und sich durch den Augenschein zu überzeugen, dast tatsächlich alles geschehen ist. was geschehen konnte, um den Reichshaushalt für das Notjahr 1932 mit der durch die Not der Zeit gebotenen äußersten Sparsamkeit aufzustellen. Die wenigen Kostproben, die bislang aus den Beratungen des Kabinetts und des Reichsrats in die Presse gesickert sind, geben leider berechtigtem Zweifel Raum, ob wirklich die sich schon als Diktator fühlende Ministerialburcaukratie in allen Res. (orts den dringenden Erfordernissen rückhaltloser Beschneidung der Verwaltungskosten in ausreichen, dem Maste Rechnung getragen hat. Es scheint sich in den Amtsstuben der Ministerien noch immer nicht herumgesprochen zu hoben, was „zeitgemäh" ist. Man glaubt noch immer nicht in recht vielen Ressorts auf gewiiie Fonds verzichten zu können, die in den sieben fetten Jahren bequeme Refervepolster waren, um sich im Etat einen gewissen Spielraum zu sichern/ eine früher einmal sehr begreifliche Tak. tik, die aber heute jede Berechtigung verloren hat, wo der immer kleiner werdende Teil der Bevölke- rung, der überhaupt noch Steuern zahlen kann, bereits ausgepreßt ist wie eine Zitrone und jede neue Uebersicht über die Steuereingänge die katastrophale. Schrumpfung der Steuerkraft zeigt. So weist z. B. der Haushalt des Reichsinnenministeriums neben äußerst rigorosen Kürzungen an den Mitteln für die verschiedensten kulturellen Zwecke 150 000 Mark für „Maßnahmen zum Schutze der Republik und für die Derfasfungsseicr der Reichsregierung" aus, um ein kleines und finanziell gewiß nicht zu Buch schlagendes Beispiel einer unzeitgemäßen Etatsposition zu nennen, das sich sicherlich in diesem wie in den anderen Ressorts ohne Schwierigkeiten und im ganzen genommen mit gutem finan. ziellem Erfolg um eine Reihe ähnlicher Fälle vermehren ließe. Hier erwachsen dem verantwortungsbewußten Etatskritiker dankbare Aufgaben, den Houshaltsvor anfchlag von solchen Petrefakten aus fetten Jahren zu säubern. Damit rühren wir aber an ein oft beklagtes Kapitel in der Geschichte des parlamen- torischen Systems, das sich im Zeitalter des Vorherrschens der Masfenparteien eher noch verschleiß tert hat. Nur wenige Parteien legen heute noch Wert auf eine scharfe Durchleuchtung des Etats, nur wenige Parteien verfügen überhaupt noch über Männer, deren Blick kein noch fo vorsichtig versteckter Geheimfonds entgeht. Heute find die Rollen von Regierung und Volksvertretung bei Auksiellung und Verabschiedung des Haushaltsvoranschlags ge radezu vertauscht. Die Regierung must heute bemüht sein, den vielfachen Wünschen der Parteien mit dem Hinweis auf untragbare finanzielle Auswirkungen ein Veto entgegenzufesten, während cs im Vor- kriegsreichstag die Volksvertretung als ihre vornehmste Aufgabe, ihr in der Verfassung verbrieftes Recht und ihre Pflicht gegenüber dem Wöhler an- sah, der Regierung jeden Pfennig nachzurechnen, um dessen Bewilligung sie bat. Heute verordnet die Regierung Steuern, ohne dast der Reichstoa. der sich selber ousgeschaltet hat. den Haushaltsvoran schlag überhaupt zu Gesicht bekommen batte, xie Regierung entschuldigt sich mit der Notwendigkeit, in her kurzen Zeit, die bis zur Unterenz von Lausanne noch bleibt, den Etat sicherzustellen. - her sie hat Monate gezögert, die dringenden Arbeiten in Angriff zu nehmen und steht jetzt wieder dank dieser unbegreiflichen Politik des Zuwar ens und Hinschleppens vor dem Zwang, in kürzester Frm unter Verzicht auf grundlegende, lorgfalhg durch gearbeitete und auf lange cid)t gesehen unentbehrliche Reformen etwas zusammenzuhauen, bas den Nomen ..Notverordnung" mit Fug und Recht trogt. Die Taktik, auf die Mitwirkung des Reichstags zu verzichten' ist tröst der auf der Htnd liegenden Schwierigkeiten nicht klug. Deshalb nicht, weü em Vor der Besprechung zwischen Kanzler und Reichspräsident. Umarbeitung der Notverordnung. — Noch keinerlei Entscheidung über die Ergänzung des Reichskabinetts. —Oer Kanzler warnt vor aufgebauschten Krisengerüchten, die vor Lausanne die deutschen außenpolitischen Intereffen schädigen. Berlin, 27.2Hat (OB.) Das Reid)sfabinelt war heute vormittag zu einer Sitzung zusammengetreten. Ls beschäftigte sich bereits damit, die Notverordnung den wünschen anzu- paffen, die der Reichspräsident dem Kanzler durch Staatssekretär Meißner übermitteln lieh. Aus dieser sachlichen Arbeit ergibt sich die Bestätigung, daß die Krisengerüchte der lebten Tage endgültig überholt sind. Dabei ist es selbstverständlich, daß d i e letzte Entscheidung über die weitere Entwicklung in der für Sonntag angesehten Besprechung zwischen dem Reichspräsidenten und dem Kanzler liegt Deshalb ist es auch vollkommen abwegig, wenn in einem Teile der Presse der Eindruck erweckt wird, als lägen für die schwebenden personellen Fragen bereits feste Tatsachen vor. Unter anderem wird Oberbürgermeister Dr. G o erde l e r wieder für den Bo ft en des Reichs- wirtfchaftsministers genannt, wir glauben zu wissen, daß Dr. Goerdeler, seinen eigenen wünschen entsprechend, für die Leitung dieses Ressorts überhaupt nicht mehr in Frage kommt Außerdem bezeichnet man General hasse, den Lhef des Gruppenkommandos I, bereits a l s Reichswehrmini st er. Gewiß ist es möglich, daß dieser erfahrene und überaus geschätzte Offizier als er ft er für die Leitung des Reichswehrminisle- riums in Frage kommt. Es muh aber mit allem Nachdruck betont werden, dah die Entscheidung darüber beim Reichspräsidenten liegt, der nach der Verfassung die Minister auf Vorschlag des Reichskanzlers ernennt, welche Persönlichkeiten der Präsident berufen wird, darüber wird wohl auch erst am Sonntag gesprochen werden. Das ergibt sich schon ganz selbstverständlich aus dem ftarfen aktiven Linfluh, den Reichspräsident von Hindenburg nach seiner Wiederwahl — und das selbst von seinem Urlaub aus — auf die Reichspolitik ausübt. In Kreisen der Reichsregierung vermerkt man mit Bitterkeit die latfadjc, dah die Art, wie die Krisengerüchte in den letzten beiden Tagen aus innerpolitischen Gründen von manchen Seiten auf gebauscht und verbreitet worden sind, den Interessen Deutschlands im Ausland auher ordentlich geschadet haben. Das ging bereits aus den hämischen Kommentaren der Pariser Presse hervor. Aber auch in Berlin lebende Ausländer, die es mit Deutschland durchaus wohl meinen, erklären rund heraus, dah sie nicht mehr verständen, wie die Autorität der R e i d) s r e g i e r u n g und des Kanzlers dem Ausland gegenüber in einem Augenblick aus Innerpolitischen Gründen herabgesetzt werden, wo es, kurz vor der Lausanner Konkerenz, im Gegenteil daraus ankomme, eine absolute Geschlossenheit zck beweisen. Rach der Aussasiung der Reichsregierung muh dringend gehasst werden, dah olle Kreise der deutschen Oefsenllichkeit erkennen, welche Schädigung der gesamtdeutschen Interessen unvermeidbar ist, wenn auf die außenpolitische Situation nicht mehr Rücksicht genommen wird als bisher. Die Stellungnahige der Pariser Presse dürfte bereits eine deutliche Warnung davor sein, dah den Gegnern einer Reparationslösung neue Vorwände für eine ausweichende Taktik In Lausanne gegeben werden. Ser sozialpolitische Suis in der Wirtschaftskrise. Eine große Programmrede des ^eichsarbeitsministers Gtegerwald. De r l i n, 27. Mai. (WDD ) Reichsarbeitsmini - ster Dr. Stegerwald hielt in der Deutschen Wirtschaftlichen Gesellschaft einen Dortrag über Wirtschaftskrise und Sozialpolitik. 3m Zeitalter der internationalen Kartell- und Trustwirtschast, in dem in Italien der Faschismus, in Rußland der Kommunismus herrsche, liege der W irisch as t s i n d i v i d u a l i s m u s in weiter Ferne. Falsch sei auch die Meinung, daß der staatliche Lohnschuh an unserer gegenwärtigen wirtschaftlichen Misere so großen Anteil habe, wie man gegenwärtig glaube. In dem außen- und innenpolitisch gleich schweren Jahre 1932 seien lohn- und sozialpolitische Dffpcrimente jedenfalls nicht angängig. Die Zeit des Diederbruchs sei indessen ebenfalls denkbar ungeeignet zur Sozialksietung. Für tue Arbeitnehmer resultiere aus dem Tiebergang von der Tieberschußwirtschaft, die Deutschland vor dem Kriege betrieben habe, zur heutigen Defizitwirtschaft zweierlei, einmal: « je höher die Beiträge zur Sozialversicherung, desto geringer der noch verbleibende Lohn und weiterhin: je höher in einem kapitalarmen Lande die Sozialabgaben, desto geringer der kreis der Menschen, der beschäftigt we-den kann. Jede neue Belastung der Produktion so oder so bedeute sehr viele Arbeitslose mehr. Es könne nicht mehr als Politik angefprochen werden, neue produktionsbelastende Steuern zu erheben, um damit die schnell arbeitslos Werdenden unterstützen zu können. Bis jetzt fei lediglich ein Abbau der Leistungen erfolgt, nicht aber ein Abbau der Einrichtungen. Dieser Abbau sei ein Mittel zur Er- Haltung des Wichtigsten. Auf längere Sicht und im großen gesehen, stehen wir vor drei Möglichkeiten: 1. Zurück zum Individualismus, zur wei test gehenden Wirtschaftsfreiheit: daran vermag ich nicht zu glauben 2. Sozialismus. Ick) glaube nicht, daß es gut gehen kann, wenn im Tempo der Entwicklung zum Sozialismus und leinen verschieden-m Abarten f o weiter fortgefahren wird, wie in den letzten Jahren. 3. weitest gehende wirtschaftliche Selbstverwaltung der Beteiligten. Ohne Selbstverwaltung gibt es kein wirtschaftliches Hineinwochsen der breiten Volksschichten In Staat und Wirtschaft, wir mühten meines Erachtens wieder zurück vom Tarifvertrag zur Tarifgemeinschaft. Tarifverträge müssen zu Gewerbeverträgen ausgrffallet werden. Das Heu flge larlforrtragsroefcn kommt mir zu eng oor; damit werden die Arbeiter und Gewerkschaften nie vollwertige Organe der Volkswirtschaft. Der Staat wird aus die Dauer mit der Sozialversicherung bestimmt nicht fertig. Don 44 Millionen Wählern stellen heute mehr als die Hälfte unmittelbar materielle Forderungen an den Staat. Die Parteien, die keine Dersprechungen machen, verlieren die Wähler. Es fehlt eben das Regulativ, weil es zudem in Deutschland Parteien gibt, die grundsätzlich in Opposition zu dem Staat stehen und daher das. was sie fordern und versprechen, n i e einzulösen brauchen Meines Erachtens muß die Sozialversicherung in absehbarer Zeit sehr viel mehr den Versicherten überantwortet werden. ohnehin bis zum äußersten ausgepreßtes und bedrücktes Volk nur dann willig neue Lasten au, sich nimmt, wenn cs sich durch den Augenschein überzeugen konnte, daß diese neue Belastung unvermeidlich ist. Solange aber der Schleier vom Reichs- Haushalt noch nicht gefallen ist, wird diese Erkennt nis im Volk nicht Wurzeln fassen. Dazu _ tft der (glaube an die Allmacht der Mimsterialburokratie und dieses notverordnenden Rumpskabinctts^ durch die absolute Ideenlosigkeit der Dietrichschen Finanz. Politik schon zu schwer erschüttert. Auch aus außenpolitischen Gründen halten mir ben' Weg, den die neue Notverordnung tortgrhl. für falsch und außerordentlich bedenklich. Der B e richt des L a y t o n - A u s s ch u f s e s, dem im Auitrage der Londoner Konferenz die Prüfung der deut'chen Zahlungsfähigkeit oblag, hatte im August vorigen Jahres ausdrücklich feftgeftcUt, daß das deutsche Volk a n d e r ä u ß e r st e n G r e n z e s e i n e r st e u c r lichen Leistungsfähigkeit enge Ian g t fei und daß die steuerliche Belastung IN Leut'chland nicht mehr gesteigert werden könne. Diele richtige Auffassung hat sich langsam weithin :n der Welt durchgesetzt. Ist es da wirklich eine richtige Vor- bercitung der Tributkonferenz von Laufanne. wenn aus den gualvollen Beratungen des Reichskabinetts als der Weisheit letzter Schluß nichts anderes herausbrät, als wiederum neue Steuern? Einer Betrachtung des neuen Steuerbuketts im einzelnen erwachsen, wie schon oben gesagt, insofern Schwierigkeiten, als die endgültige Hallung noch nicht festgelegt wurde und noch keine authentsichen Mitteilungen darüber vorliegen. Man ist alio auf Nachrichten angewiesen, die aus den Besprechungen mit den verschiedenen Berufs- und Wirtschafts- prganilationen stammen. Danach scheint festzustehen, daß man von einer oielcrfcits empfohlenen Zusammenlegung der Asbeitslolcnfürsorge unter vorübergehendem Fallenlasien des Versicherungscharaiters vorerst abieben will und sich auf eine fl ü n u n g ber Unterstützungsdauer in der A r > beitslo'enversicherungum 7 Wochen beschränkt. Auf die allgemeine Einführung der Be bürftigfcitsprüfung bat man verzichtet, unseres Erachtens mit Recht, da sie, wenn sie ]d)on bei Eintritt der Erwerbslosigkeit erfolgen würde, leicht zu einer Prämie für die Arbeitnehmer werden könnte, die ihre Ersparnisse schnell verbrauchen, während sparsame und haushälterische Arbeitnehmer benachteiligt würden. Was an neuen^ Steuern geboten wird, bedeutet trotz der in allen Farben schillernden Firmenbezeichnungen, in denen sick die Phantasie des Finanzministeriums anscheinend erlchöpsi. rvdus anderes als Verstärkung der Einkommenbesteuerung auf alle nur erdenkliche Weise. Da ist einmal die neue Beschäftigten st euer, die wie verlautet, restlos der Erwerbslosenhilfe zugute kommen, soll. Sic soll erhoben werden in Höhe von 1! v. H. des Einkommens der Beamten, Angestellten und Angehörigen der freien Berufe. Einkommen bis 300 Mark monatlich sollten, soweit sie arbeitslosen, versicherungspflichtig sind, ursprünglich befreit bleiben. Aus den begreiflichen Einspruch der Le° amtenoerbände, für deren Angehörige also diese Freigrenze nicht gelten würde, hat überraschenderweise der Finanzminister, wie es heißt, beschlossen, die Freigrenze überhaupt fallen zu lassen, io daß nun also — ein wahrhaft salomonisches Urteil der Gerechtigkeit — sämtliche Kategorien, auch die Ein- kommen unter 300 Mark monatlich von der neuen Beschäftigtensteuer betroffen würden. Ob es dabei bleiben wird, ist heute natürlich noch nicht zu sagen. Die anderen beiden Steuern sind alte Bekannte. Die als einmaliges Notopfer eingeführte Krisen- (teuer, die uriprünglid) nur bis zum 31. Dezember 1932 vorgesehen war, soll nun weiter erhoben werden, vorerst bis zum Ende des Etatsjahres 1932 33, also bis zum 30. Juni 1933. Bis dahin wird der Finanzminister schon Geschmack daran gesunden haben, dah sie als Dauereinrichtung beibehalten wird. Ebenso wie die Bürger ft euer, die selbst in unserem konfusen und von Unbegreiflichkeiten nur fo strotzendem Steuersystem ein Unikum darstellt. Die Burgersteuer soll ..verlängert", mit an- deren Worten verdoppelt werden, um mit ihrem Ertrag den Gemeinden die Möglichkeit zu geben, ihren aus der Verlängerung der Krisen fürsorge erwachsenden vermehrten Verpflichtungen nachzukommen. Damit wird natürlich diele Steuer, die ursprünglich die kommunale Selbstverantwortung scharfen und die Bewilligungsfreudigkeit der ^Stadt Parlamente dämplen sollte, ihres eigentlichen Sinnes völlig entkleidet. Mit ihr „verlängert" werden natür- sich auch all d:e 'chweren Mängel, die die'er Steuer feit ihrer Einführung anhaften, denn wir trauen dem Finanzminister nicht di? Entschlußkraft zu, nun wenigstens hier im Kleinen zu reformieren, wo er schon zu der großen Reform den Mut nicht aufbrachte. co wird alio auch die verdoppelte Bürger- steuer veranlagt nach dem Einkommen des Jahres 1930, ein ganz unhaltbarer Zustand, da seitdem die Einkommensverhältnisse sich wohl ohne jede Ausnahme sehr beträchtlich ver'chlechtert haben. Gradezu grotesk isi, daß der Verheiratete mit einem Zu schlag von 50 o. H. dafür bestraft wird, ^daß er außer für sich selber auch noch hir eine Frau zu sorgen hat, eine wahrhaft soziale Maßnahme ihd)is vermag wahrlich bester die Uederholungs- bedürftigkeit des Reichskabinetts zu illustrieren, als dieses eteuerprogramm. Dies scheint nach den Be rertungen über die Notverordnung auch dem Kauz ler selber klar geworden zu sein und nach den letzten Verlautbarungen hat cs den Anschein, als ob er daraus die schon lange notwendigen Folgerungen ziehen wollte. Im Kabinett hat es offenbar in den meisten Fraaen von Bedeutung schwerwiegende Meinungsverschiedenheiten und heftige Zusammen stoße gegeben, aus denen die Mitglieder des Rumps fabinetts nicht ungerupft hervorgegangen sind. Der Kampf um die Sieöclung, deren Leitung der Arbeitsminister Stegerwa-ld in Händen behalten wollte, scheint durch das Votum des Reichspräsidenten zugunsten des höchst energischen Ostkommissars SchlangeSchöningen entschieden zu wer den Wir möchten nur hoffen, daß der vom Reichspräsidenten geforderte stärkere Rechtsschutz gegen die Enteignung von in Konkurs gegangenen überschuldeten ostelbischen Rittergütern zu Siedlungszwecken nicht ein Hemmnis wird für die Bereitstellung genügenden Landes für die Ansiedlung von Bauern, die auf eigenem Grund und Boden in dichter ciebclung den stärksten Wall gegen eine polnische Invasion auf dem friedlichen Wege der Unterwanderung bilden werden. — Man hört auch von Rück trittsabsichten des verdienten Reichsernährungs- Ministers Schiele, während der Reichssinanz- minifter Dietrich, der Later des neuen Steuer- buketts, offenbar entschloßen ist, die Stellung $u halten. An eine Betrauung des bisherigen Reichs- wehrministers G r o c n e r mit dem Reichsministerium des Innern scheint der' Kanzler indessen nicht mehr zu denken. Auch hier wird wohl der Reichspräsident leinen Einfluß dahin geltend machen, daß im Hinblick auf die unerhörten Vorkommnisse der letzten Tage ein neuer Mann mit starken Nerven und unverbrauchter Energie die Zügel in die Hand nehmen muß So klaffen überall Lucken in diesem Kabinett und nur wenige Säulen sind ganz unversehrt geblieben. Findet der Kanzler auch letzt noch nicht den Weg zu einer Verbreiterung seiner Regierung, so kann ihm diesmal seine Vereinsamung zum Verhängnis werden. Die Koalitionsverhandlungen, die in Preu hen zwischen Zentrum und Nationalsozialisten zu erwarten sind, auch wenn die Saalschlacht vom Mittwoch das Zentrum etwas kopfscheu gemacht haben sollte, können auch dem Reichskanzler Ge legenheit geben, wieder die Fühlung mit der Rechten zu bekommen, ohne deren Heranziehung zur veramwortlichen Mitarbeit es ihm kaum gelingen wird, die flrilengeipenfter zu bannen und unser deun'ches Haus in Ordnung zu bringen Don -en unmittelbar bevorstehenden Aufgaben, die Vie Sozialpolitik stark berühren, möchte ich drei nennen: 1. Die Schaffung einer einfachen, klaren und billigen Slaalsorganisaiion. Da» ganze deutsche Steuerwesen muh einfach, klar und wirtschaftsfördernd gestaltet werden. Der endgültige Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern und Gemeinden und die endgültige Regelung der Arbeilslosenfür- sorge stellen uns vor eine Steuerreform grohen Stils. 2. Es muh Klarheit bestehen über die Behandlung der Lohnfrage. Ich bin für Aufrechterhaltung des staatlichen Lohnschuhes. Der Zwangsschiedsspruch muh aber künftig mehr in den Hintergrund treten. Die Regel muh die freie Vereinbarung fein, zu der der Staat mit seinen Schlichtungsorganen Hilfsstellung zu leisten hat. 3. Die Arbeitslosen fr age wächst sich ne-, ben der Außenpolitik immer mehr zu der deutschen Frage aus. Ein einziges grohes Mittel zur Behebung oder auch nur stärkeren Zuruckdrängung der Arbeitslosigkeit gibt es nicht. Die zwei größten Mittel, die bisher genannt wurden, sind einmal die Arbeitsbeschaffung großen Stils durch dieöffentlicheHandmit- telS Kreditschöpsung, ferner eine andere Verteilung der vorhandenen Arbeit vermittels gesetzlich verkürzterAr- b e i t s ze i t. Mit ein oder zwei größeren Mitteln ist der Arbeitslosigkeit nicht beizukommen. Es müssen vielmehr alle gangbaren Wege beschritten werden, als da sind: Schaffung gesicherter und politisch g e - festigter Verhältnisse im Innern, Liberalität in der Kredit- und Zinsenpolitik, A r - b e i t s b e s ch a f fun g, soweit diese o h n e G e - fährdungderwährung möglich und vertretbar ist, bessere Verteilung der vorhandenen Arbeit, Erweiterung des freiwilligen Arbeitsdienstes usw. Der Minister schloß: Entweder wir überstehen das Jahr 1932 durch gegenseitiges Stützen und Helfen, oder aber das deutsche Volk bringt sich selbst um seine Zukunst für Jahrzehnte. In den Jahren 1931/32 hat all' das. was in der Welt- Politik und in der deutschen Politik seit Jahrzehnten verfehlt war. kulminiert. Diesen Kulminationspunkt müssen wir überstehen. Schwierige Lage der Sozialversicherungen. Ueberall starker Rückgang der Beitrags- cingänge bei steigenden Leistungsanforderungen. Berlin, 27. Mai. (VDZ.) Im Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages gab Ministerialdirektor Dr. G r i e s e r vom Reichsarbeitsministerium einen Bericht über die Lage der Sozialversicherung. In der Invalidenversicherung beträgt das monatliche Aufkommen an Beiträgen nur noch 54 Millionen gegen 70 Millionen im Jahre 1931. Die Ausgabenverpslichtungen für Heilverfahren blieben jedoch etwa die gleichen. Die Ausgaben für Renten stiegen sogar um etwa 70 Millionen im Jahre. In jedem Monat ergebe sich ein Fehlbetrag von 28 Millionen. Zur Deckung müsse die Versicherung ihre Vermögenswerte heranziehen. Auch am l.iJuni würden die Renten unverkürzt ausgezahst werden. Die Ange st elften Versicherung verzeichne einen monatlichen Rückgang an Beitragseinnahmen von 5 Millionen Mark, dagegen stiegen auch hier die Pensionen nach Zahl und Höhe ständig. Außerordentliche Schwierigkeiten beständen auch in der Unfallversicherung. In der Kranken- Versicherung seien die Einnahmen von 2,3 Milliarden im Jahre 19K9 auf 1,6 Milliarden im Jahre 1931 zurückgegangen. Die Kassen hätten alles getan, um die Versicherten vor Beitragserhöhungen zu bewahren. Das Schuhkartell deutscher Geistes» arbeiter gegen die Beschästigtensteuer. Berlin, 27. Mai. (TLI.) Das Schuhkartell deutscher Geistesarbeiter hat an den Reichspräsidenten und an den Reichskaiuler folgende Eingabe gesandt: „Rach Pressemeldungen sollen die geistigen Arbeiter im Deamtenstande, im Ange- stelltenrverhältnis und in den Freien 'Berufen mit einer neuen Sonder st euer, einer sogenannten „Deschästigtensteuer" belastet werden. Dagegen erhebt die Leitung des Schuhkartells deutscher Geistesarbeiter, dem die großen geistigen Berufsverbände angeschlossen sind und dem die schwere, vielfach unerträgliche Lage vergeistig Schaffenden bekannt ist, hierdurch unter ernstem Hinweis auf die verhängnisvollen Folgen entschiedenen Ein - s p r u ch." Forderungen des OHB. zur Notverordnung. Die Verwaltung des Deutschnationalen Hand- lungsgehilfen-Verbandes erklärt - wie man uns schreibt — zu der in Aussicht stehenden Rotverordnung, daß sie die Absicht, wesentliche Teile be£ Deitragsaufkommens der Arbeitslosenversicherung zum Zwecke der allgemeinen Arbeitslosenfürsorge zu verwenden, und in Auswirkung dieser Maßnahme die Versicherungsleistungen besonders in den oberen Lohnklassen unerträglich zu beschrän- k e n, mit aller Schärfe ablehne. Die für die Arbeitslosenversicherung aufgebrachten Beiträge dürfen nur für Versicherungsleistun- gen, und für keinen anderen Zweck verwandt werden. Jede Beanspruchung der Versicherungsbeiträge für Zwecke außerhalb der Arbeitslosenversicherung bedeute für die Versicherten eine zusätzliche indirekte Steuer. Die den Arbeitnehmern für Arbeitslosenversicherung und Arbeitslosenfürsorge in der Rotverordnung zu- gedachte Gesamtbelastung von rund 8 v. H. ihres Einkommens gegenüber nur 1 v. H. bei vergleichbarem Einkommen freier Berufe und 1,5 v. H. für Beamte, spreche jeder Gerechtigkeit Hohn. An der Mittelaufbringung für die Arbeitslosenhilfe außerhalb der Versicherung hätten sich alle Glieder der Volksgesamtheit nach Maßgabe ihrer Leistungsfähigkeit und der Sicherheit ihres Arbeitsplatzes zu beteiligen. Das müsse in erster Linie über eine Reform der Krisen st euer dergestalt geschehen, daß auch die veranlagten Einkommen den Tarifsätzen für die Lohnsteuerpslichtigen unterworfen und die so umgcftaltete Krisensteuer auf die bisher von ihr -crschonten, in ihrer Existenz gegenüber den An- 1 Polens Absichten aus Ostpreußen. Ein offenes Bekenntnis des früheren polnischen Generalkonsuls in Königsberg auf einem Warschauer ^Ostpreußenabend". Warschau, 27. Mai. (TU.) Die Vereinigung der Hochschüler aus den an Ostpreußen grenzenden Bezirken veranstaltete in Warschau einen O st - preußen-Abend, auf der u. o. der frühere polnische Generalkonsul in Königsberg, Srokowski, einen bemerkenswerten Vortrag über Ostpreußen hielt. Noch im Jahre 1919 habe nach Meinung Srokowskis die Möglichkeit einer Verständigung zwischen Ostpreußen und Polen bestanden, was jedoch durch D e ut s ch - land vereitelt worden sei, da das Reich sich sehr rasch von der Niederlage zu erholen und gleichermaßen an die Revision der Grenze n zu denken, begonnen habe. Seit dieser Zeit sei O st preußen Gegen st and besonderer Fürsorge des Reiches geworden, wobei es vor allen' Dingen darum gehe, Ostpreußen auch unter großen Opfern bei Deutschland zu erhalten und nachzuweisen, daß das polnische Pommerellen zu Deutschland gehören müsse. Darum lasse sich das Reich Ostpreußen auch heute noch viel kosten, obgleich dieses Land ohne natürliches polnisches Hinterland wirtschaftlich nicht selbständig bestehen und aus drei verschiedenen (?) Gebietsteilen zusammengesetzt sei. Aufgabe der polnischen Diplomatie sei. der Welt klarzumachen, daß Ostpreußen ebenso wie Lettland, Estland upd Finnland „befreit" werden müsse. Die polnische Oeffentlichkeit und die polnischen Organisationen müßten systematisch daran arbeiten, um die rückständige und vernachlässigte Masse der masurischen B evö l k e r u n g für Polen (!) zu gewinnen. Der Vortragende machte schließlich der polnischen Oeffentlichkeit bittere Vorwürfe, daß sie in dieser Hinsicht vieles versäumt habe. Grundlose polnische Setze gegen die neuen Befestigungen in Ostpreußen. Die Befestigung des Heilsbergcr Dreiecks ist Deutschland vertraglich erlaubt. Berlin, 27. Mai. (TU. Funkspruch.) Die polnische Presse hat behauptet, daß neue Befesti - gungsanlogen des Heilsberger Dreiecks, über die vorgestern berichtet wurde, nicht möglich seien, da nach Artikel 180 des Versailler Vertrages die Befestigungen in dem gleichen Zustande wie im Jahre 19 19 verbleiben müßten. Diese Auffassung ist falsch. Die Frage ist seinerzeit durch einen Beschluß der Botschafterkonferenz vom 5.Februar 1927, dem Verhandlungen mit der Reichsregierung vorausgegangen sind, geklart worden. In diesem Beschluß sind diejenigen Zonen bestimmt worden, in denen Deutschland keine neue Befestigungen anlegen darf. Für Ostpreußen handelt es sich dabei um eine Küstenzone und die nach der polnischen Grenze Hingelege ne Zone, so daß mathematisch genau das Heilsberger Dreieck für neue Befestigungen übvig bleibt , dessen Ecken gebildet werden von den Städten Königsberg, Sensburg und Marienburg. Uebrigens sind die Mittel für die neuen Befestigungen schon im vorjährigen und diesjährigen haushalt enthalten gewesen. fiommumflenftimulle in Rheinland-Westfalen. Schwere Schießerei in Wuppertal. Wuppertal, 27. Mai. (WTB.) Die Tumulte, die schon vorgestern abend begonnen hatten und gestern seit Mittag neu aufflammten, haben auch in den gestrigen Abendstunden Unruhe in die Stadt getragen. Gegen 20.30 Uhr sammelten sich größere Massen auf der Paradestraße an, die gegen die Polizeibeamten mit Steinwürfen vorgingen. Paradestraße und Rommelspuet wurden mit dem Gummiknüppel gesäubert. Auch in Barmen kam es mehrfach zu größeren Anfammlungen, die teilweise unter Anwendung des Gummiknüppels zerstreut wurden. Die Polizeibeamten gaben Schreckschüsse ab, da sie mit Blumentöpfen und Flaschen beworfen worden waren. In der Rächt zum Samstag kam es zwischen Kommunisten und der Polizei zu schweren Schießereien. Patrouillierende Beamten wurden aus Fenstern mit Karabinern und Maschinenpistolen beschossen. Die Polizei erwiderte das Feuer und zog Verstärkungen heran. Bei den Schießereien wurde ein Dachdecker, der der Aufforderung der Polizei, das Fenster zu schließen, nicht nachkam, durch einen Kopfschuß getötet. Um die Polizeitraizsporte zu gefährden, waren an verschiedenen Stellen die St.raßen auf- gerissen und die Kanaldeckel auf die Fahrbahn geschleudert worden. Auch wurden mehrere Gaslaternen zertrümmert. Die Polizei nahm über hundert Unruhestifter fest. In Gladbach-Rheydt veranstalteten einzelne Trupps von Erwerbslosen Kundgebungen, wobei sechs Kommunisten festgenommen wurden. In der Friedrichstraße wurde nach dem Polizeibericht bei einem Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Rationalsozialisten ein Kommunist durch Revolverschüsse verletzt, einer getötet. Als der Tat verdächtig wurden zwei Personen verhaftet. Rach diesem Vorfall durchzogen Streifenwagen der Polizei die Straßen der Stadt, um neue Zusammenstöße zu verhüten. Es wurden noch weitere Festnahmen fcprgencmmen. Wegen Beteiligung an den Vorfällen in Düsseldorf hat die Polizei den kommunistischen Landtagsabgeordnete nFrän- k e n in Rheydt verhaftet. Rach • seiner Einlieferung ins Polizeigefängnis unternahm er einen Fluchtversuch. Er konnte jedoch wieder festgenommen werden. Er wurde bereits dem Richter vorgeführt. Auch Remscheid ist Schauplatz kommunistischer Tumulte gewesen. Rachmittags hatten sich größere Gruppen von Kommunisten auf dem Marktplatz angesammelt. In den Abendstunden kam es auf dem Marktplatz und den anliegenden Straßen erneut äu Ansammlungen von Demonstranten, gegen die mehrfach mit dem Gummiknüppel vorgegangen werden mußte. Kurz nach 22 Llhr wurde ein Lleberfollkommando nach der Honsberger Straße gerufen, wo sich kommunistische Sprechchöre gebildet hatten. Beim Erscheinen wurden die Beamten m i t P i st o l e n- schüssen empfangen. Ein Beamter erhielt einen Steckschuß in die Hand. Die Polizei erwiderte das Feuer. Als die Polizei das Gelände abgesperrt hatte, wurden noch einige Schüsse auf sie abgegeben. Auch in Köln kam es in verschiedenen Stadtteilen unter kommunistischem Einfluß zu Z u s a m . menrottungen. In Ehrenfeld wurden die Beamten bei der Abbeförderung von Fest- genommenen tätlich angegriffen und mußten von der Schußwaffe Gebrauch machen. Verletzt wurde iedoch niemand. In K'a l k kam es ebenfalls zu Ansammlungen, die unter dem Namen „Hunger-Marsch" entstanden. Auch hier wurde die Polizei bei der Abbeförderung von Zwangsgestellten angegriffen und mußte mehrere Schüsse abgeben. Dabei wurden zwei Personen durch Bauchschüsse, eine durch einen Armschuß verletzt. In dey Severin-Straße wurden bei Zusammenrottungen mehrere Schaufenster zertrümmert. gestellten unvergleichlich mehr gesicherten Beamten ausgedehnt werde. Eine besondere B e - schästigtensteuer hält der DHV. angesichts der bis um 33 bis 40 v. H. herabgesetzten Gehälter der im privaten Dienst stehenden Arbeitnehmer für vollkommen unmöglich. Das neue österreichische Kabinett vor dem Aattonalrat. Aukündigung von handelspolitischen Verhandlungen. Wien, 27. Mai. (WTB.) Der Nationalrat trat zur Entgegennahme der Regierungserklärung des neuen Kabinetts zusammen. Bundeskanzler Dr. Dollfuß erklärte, da Oesterreich mit Geduld und gutem Willen allein ohne Hilfe von außen leider seine Auslandverpflichtungen nicht erfüllen kann, stehen wir in diesen Tagen vor der Entscheidung über die Devisen sperre für A u s l a n d s ch u l d e n. Wir hegen die berechtigte Hoffnung, daß das Ergebnis der für Montag angesetzten Sitzung der vorn Völkerbundsrat eingesetzten Gemischten Kommission -Erleichterung in der Erfüllung unserer Pflichten gegenüber den. Auslandgläubigern wie auch gegenüber unserer eigenen Wirtschaft bringt. Jede Verzögerung müßte unerfreulichen Schaden nicht nur für Oestrreich, sondern auch für die interessierten Staaten und das Ansehen des Völkerbundes im Gefolge haben. Die Regierung wird sonst in kürzester Zeit vor ein- schneidende S e lb st Hilfemaßnahmen gestellt sein. In allernächster Zeit beabsichtigt die Regierung, an die in Betracht kommenden Staaten Einladungen zu handelspolitischen Verhandlungen ergehen zu lassen. Erfreulicherweise finden wir als Anknüpfungspunkt schon die B e - r e i t e r k l ä r u n g D e u t s ch l a n d s, die grundsätzlich entgegenkommende Antwort Polens unddie grundsätzlich freundliche Einstellung Italiens vor. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß Vorzugszölle im mitteleuropäischen Raum nur dann volle Wirkung haben, wenn einerseits der begünstigte Staat 100 v. H. seines Exportbedarfs bevorzugt in einem oder in mehreren Staaten unterbringen kann, ander- feits der gebende Staat in den betreffenden Artikeln noch immer einen zur Bedarfsdeckung notwendigen Teil des Imports unter dem normalen Zollschutz beläßt. Der Bundeskanzler kündigte sodann eine Reihe von innerpolitischen Maßnahmen an, darunter die Einführung eines freiwilligen Arbeits- d i e n st e s nach den in Deutschland gemachten Erfahrungen. Der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Bauer griff die Zusammensetzung der Regierung aufs schärfste an und stellte schließlich einen Mißtrauensantrag gegen das Gesamtkabinett. Japans außenpolttischer Kurs. Die angelsächsischen Mächte lehnen eine Beteiligung an dcrTchanghai-Konfcrenz ab. Tokio, 28. Mai. (TU.) Der neue japanische Kriegsminister Araki erklärte, daß die Stellungnahme Japans zur Mandschurei und Mongolei unverändert bleiben werde. Die japanische Regierung sei bestrebt, im Fernen O st e n mit aj l e n Mitteln für Ordnung zu sorgen. Sie werde alle Maßnahmen treffen, um den 5 r i e b e n 3 u s i ch e r n. Im gegenwärtigen Augenblick sei wichtigste Aufgabe die Einheit des japani- schon Volkes wiederherzustellen. Heber die Stellung der Regierung zur Armee erklärte Araki, daß d i c Disziplin verschärft iverden müsse. Die Welt sitze auf einem Vulkan. Deshalb müsse Jovan der Welt seinen Einheitswillen beweisen. Der bisherige japanische Außenminister Joschi- s a w a hatte die Abhaltung einer internationalen Dermittlungskonferenz in Schanghai angeregt, die dem am 29. Februar vom Präsidenten des Völkerbundsrates gemachten Vorschlag entsprechen soll und eine Einigung über die Schaffung neutraler Zonen um Schanghai und andere Handelshäfen herbeisühren soll. Die amerikanische Regierung lehnt die Beteiligung an einer solchen Konferenz ab. Macdo - nalb soll Stimson in einer telephonischen Unter- rebung zugesagt haben, eine Beteiligung Großbritanniens ebenfalls abzulehnen. Aus aller Welt. Bluttaten farbiger französischer Soldaten. In Saarburg hat ein Soldat de« dortigen algerischen Tirailleur-Regiments den Sergeanten Haid ben Said mit dem Bajonett durch- bohrt, so daß der Verwundete noch am Abend starb. — 2m Gefängnis in Metz hat sich ein in Llntersuchungshaft fitzender Sergeant de« MD0- chinger algerischen Schützenregiments, der vor einigen Wochen in einer Araberkneipe in M orchingen die beidenTochterdeS Wirts erschossen und ihre Mutter schwer verwundet hatte, im Schacht des Treppenhauses vom obersten Stockwerk hinabgestürzt. Gr blieb mit zerschmetterter Schädeldecke tot liegen. Heimkehr eines Kriegsgefangenen nach 16 wahren. Wie die „BZ." aus Endingen im Schwarzwald berichtet, hat der deutsche Generalkonsul in Neapel an den dortigen Bürgermeister gestern folgendes Telegramm geschickt: „Daubmann hier eingetroffen, Eltern benachrichtigen." Der Name Oskar Daubmann steht auf dem Gefallenendenkmal des Städtchens Endingen mit dem Vermerk „Gefallen in der Somme-Schlacht, Januar 1916". — Als die Eltern des angeblich Gefallenen jetzt die Nachricht erhielten, daß ihr Sohn noch lebt, find sie vor Freude zusammengebrochen, obwohl sie nicht ganz unvorbereitet-auf die Tatsache waren, daß ihr Sohn noch lebe. Dor acht Jahren schon ist einmal in Endingen ein Telegramm an die Eltern gekommen, in dem nur die Worte standen „O s - kar lebt und i ft in A fr i ? a^-. Letzt ist auch ein Brief mit dem Poststempel Palermo bei den Eltern eingetroffen. In diesem Brief schreibt Oskar Daubmann, daß er nach einem Marsch von 5000 Kilometern in Palermo eingetroffen sei. Er sei in der Somme-Schlacht schwer verwundet und in französische Ge- fangenschaft geraten. Nach seiner Heilung habe er einen Fluchtversuch unternommen und dabei einen Posten erschlagen. Darauf sei er zu zwan » 3 i g Jahren Zuchthaus verurteilt und nach Afrika deportiert worden. Es fei ihm jetzt gelungen, nach den 5000-Kilometer-Marsch die Küste zu erreichen und ein Schiff nach Palermo zu besteigen. Er liege am Sonnenfieber darnieder. Scheußliche kindesmißhandlung. Der 25jährige Mechaniker Zeitler und seins 24 Jahre alte Ehefrau hatten sich vor dem Schöffengericht München wegen einer scheußlichen Kindesmißhandlung zu verantworten. Sie hatten ihr unehelich geborenes dreieinhalbjähriges Töchterchen von den Schwiegereltern abgeholt und heimgebracht. Angeblich weil das Kind ungern mitgegangen war, setzten sie es zu Hause auf die Herdplatte, und die Frau heizte den Herd ein. Dann liehen sie das arme Kind solange auf «der heißen Herdplatte fitzen, bis cs durch die Kleider auf beiden Seiten des Gefäßes schwere Brandwunden erlitten hatte. Ferner hatte der Vater an einem Febrüarabend das Dreijährige notdürftig bekleidet in den Hof hinausgeschickt, hatte es in der grimmigen Kälte stehen lassen und vom Fenster aus zugeschaut, und fast zwei Stunden muhte das Kind schlotternd und erstarrt in der Frostkälte stehen. Das Gericht verurteilte den Ehemann zu einem Jahr zehn Monaten, die Ehefrau zu einem Jahr drei Monaten' Gefängnis. Bei der Urteilsverkündung sprach der Vorsitzende die tiefe Empörung des Gerichts über das herzlose Verhalten der Eltern aus. Schwere politische Zusammenstöße bei Innsbruck. Im Vorort H ö 11 i n g bei Innsbruck kam es zu schweren politischen Ausschreitungen, die zur Alarmierung des Innsbrucker Militärs führten. Die Rationalsozialistische Partei hatte eine Versammlung einberusen, in der ein Redner aus Salzburg sprechen sollte. Kurz nach Beginn der Versammlung marschierten die Sozialdemokraten auf und drangen in den Saal ein, wo sofort eine wüste Schlägerei entstand, die sich auf die Straßen ausdehnte. Da die Gen- darmerei allein die Ruhe nicht wiederherstellen konnte, wurde Militär eingesetzt. 32 Verletzte wurden ins Krankenhaus gebracht. Einer der Verletzten ist bereits gestorben. Lin Motorrad vom v-Zug ersaht. In der Nähe des Bahnhofs Ottersberg bei Bremen ereignete sich am Bahnübergang an der Straße nach Verden ein schweres Unglück. Vom O Zug Köln—Hamburg wurde ein mit zwei Personen besetztes Motorrad erfaßt und mehr als 500 Meter mitgeschleift. Die ArbeiterDolk- mann und Warnhoff, beide verheiratet, die sich a u f dem Wegezur Arbeit befanden, wurden auf der Stelle getötet. Wie Augenzeugen behaupten, ist die Schranke nicht geschlossen gewesen, doch muß die Schuldfrage durch die Untersuchung geklärt werden. Der Mainzer Domschah wieder daheim. Die Londoner Ausstellung des Mainzer Domschatzes ist am letzten Dienstag geschlossen worden. Bereits am Mittwochnachmittag traf der Domschatz unter der Obhut des Domkapitulars Dr. Schneider, der ihn auch in London gehütet hat, und in Begleitung eines befreundeten englischen Aristokraten mit allen seinen Teilen wieder in Mainz ein. In London hat man allgemein bedauert, daß die Ausstellung nicht länger fortgesetzt werden konnte. Sie war ein Ereignis für d i e englische K u n st w e l t und bedeutete auch in kirchlicher und nationaler Hinsicht einen starken Erfolg. Molorboolunglück auf dem Rhein.- Dei dem auf dem Rhein herrschenden Sturm- Wetter ereignete sich in der Rähc von Düsseldorf bei Stürzelberg ein Motorbootunglück. Der Düsseldorfer Kaufmann Mahlbach fuhr mit seinem Boot auf ein unter Wasser befindliches Hindernis auf, so daß das Doot kenterte. Der Besitzer ertrank. Wettervoraussage. Das zentraleuropäische Störungsfreiem schrumpft zusammen und über dem Festlande setzt allmählich Luftdruckanstieg ein. Somit wird sich das Wetter etwas ruhiger gestalten, und die Temperaturen werden hoher zu liegen kommen, zumal die direkte Kaltluftzufuhr abgeschnitten ist. Da sich aber über England ein verbreitetes Regengebiet bewegt, ist auch bei uns noch mit etwas Niederschlag zu rechnen, der jedoch nur vorübergehend und in geringem Maße auftritt. Im großen und ganzen geht die Wetterlage einer Besserung entgegen. Aussichten für Sonntag: Etwas wärmer, wolkig mit Aufheiterung, nur vereinzelt noch etwas Niederschlag. Aussichten für Montag: Meist trockenes, mehr aufheiterndes Wetter, mit langsamer Erwärmung wahrscheinlich Lufttemperaturen am 27. Mai: mittags 11,4 Grad Celsius, abends 6,9 Grad: am 28. Mai: morgens 5,9 Grad. Maximum 12,3 Grad, Minimum 4,6 Grad, — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 27. Mal: abends 13,3 Grad: am 28. Mai: morgens 10,4 Grad Celsius. — Niederschläge 0,5 mm. OBERST jetzt « na£»S7M/rap£&. H ' ,^-v LV M < 28.^4,6®r4 «*-»*•* niorfl£n5 i e°nt im _ teilt« -^e» abe'r^ * rL./'de ,7»Ä he tz.^varz, bor,'9»n »?'• x°mrn Settern b»nn*'dQ inn &ä)t'4' bt’StiW sr ä LZ r-Ä Ly NS cm° f|ngt. ^"""'-Schlecht _?',lun9 habe « Jmen und babti 1 ,r j0on. ""eilt unb *"■ & ihm m'l«'®arllf) bi, n°nhalbjShrige« 'rellern abgehvlt ivnl da« Äinb 1 ne ei ju tzaulr ™ die Fra, "n liehen sie dar eißen tzerdplatte auf beiden Seiten tdlvunden et- 2aler an einem : nolbürflig geschickt, hatte eß flehen lallen at. unb säst zwei lotternd und er- Dai Tericht vcr- Jahr zehn Alo« hr drei Monaten • oeckündung sprach mpörung der lose Jerhal- Es kam einer, der sein Rundfunkgerät in einem eigens dazu gebauten Koffer mitbrachte. Er behauptete, Honolulu hören zu können, wenn die vielen Storungen der Stadt fortsallen Er verursachte den ganzen Sonntag über unerträgliche Geräusche. Er suchte Honolulu E» kam einer, der mußte Montags mit dem ersten Zug 5.20 Uhr wieder in die Stadt. „Macht euch aber keine Umstände wegen meines Frühstücks. Ein Täßchen Kaffee, ein Butterbrölchen genügen vollkommen. Bloß keine Umstände, keine Eier oder sonst irgend etwas Warmes." Es kam einer mit dem üblichen kleinen Köfferchen. In, Laufe des Gesprächs sagte er. er habe, einen größeren Koffer noch auf der Bahn stehen, und wenn es uns recht fei und auch sonst nichts ausmache .. * Für uns, die wir auf dem Lande wohnen fangt jetzt die gefährlichste Zeit des Jahres an. M. A. Ermäßigung der Schnell- und Eilzugszuschläge. Unabhängig van der zeitlich begrenzten Verbilligung der Sommerurlaubsreife tritt ab 1 Dum auch eine Senkung der Schnell- undi-llzug- Zuschläge um 50 Prozent in Kraft. Die Schnellzug-Zuschläge betragen nunmehr in den 5 Zonen:' 1 bis 75 km: 3 KI. 0,50 RM 2 und 1 K 1 — RM.. 76 bis 150 km 1— bzw. 2 —RM., 151 bis 225 km 1.50 bzw. 3.- RM.. 226 bis 300 km 2__ bzw. 4 — RM. und üher 300 km 2,50 bzw. 5.— RM. Pci den Silzug-Zuschlägen fällt die bisherige Nahzone (1 dis 35 km) fort; fie belragcniB den gleichen 5 Zonen 3. Kl. 0,25, 2. Kl. 0,50 RM, 0,50 bzw. 1.— RM., 0,75 bzw. 1,50 RM-, 1— dzw. 2— und 1.25 bzw. 2.50 RM Für die Benutzung von FD-3ügen wird statt des bisher einheitlichen .Huichloas von 4 — RM. sowohl in der 1 wie m der 2. Klaffe zukünftig ein Zuschlag von 2 — RM. bis 300 km und ein Zuschlag von 3.— RM. bei Entfernungen über 300 km erhoben. Für FFD-3üge (Rheingoldzug) beträgt dieser Zuschlag 4.— RM bis 300 km, 6.— RM. über 300 km. Der Verkehr auf dem Dochenmarki. Da, volizeiamtGießen teilt mit: Rach der Polizeiverordnung über die Regelung des Verkehr» auf dem Dochenmarktplatz in Gießen ist da, Befahren de» Wochenmarktplatzes wahrend der Markt- zeit mit Fahrzeugen aller Art, einschließlich Kinder- unb Handwagen, sowie da» Reiten, Viehtreiben unb Milsührrn von Fahrrädern verboten^ Wochenmarkt ift am Dienstag. Donnerstag und oomslag jeder Woche. Ist einer dieser Tage ein gesetzlicher Feiertag, so gilt der vorhergehende Wochentag als Markttag. In der Zelt vom 1. April bis 30. September beginnt der Dochenmarkt um 7 Uhr und endet um 13 Uhr. Es wurden wiederholt Beobachtungen gemacht, daß trotz Ausftellens von Sperrschildern Handwagen und Fahrräder vom Publikum auf den Dochenmarktplatz mitgesuhrt werden. Dir weisen nochmals auf das Verbot hin und haben die Polizeibeamten angc- wiesen, auf die Einhaltung diefer Bestimmung zu achten. E» kam einer, der fang. Ersten» sang er ununterbrochen, zweitens sang er falsch und außerdem kannte er anscheinend niemals Worte und Melodie eines Liedes zusammen. Jedenfalls aber war sein Gesang der laut hörbare Ausdruck seiner glücklichen Natur unb seines Wochenendbehagen». Mit Vorliebe fang er: „Da» gibt's nur einmal" nach ber alten, längst vergessenen Melobie: „Ich hab kein Auto." Aber beibe» sang er falsch. Er blieb zwei Tage lang. E» kam einer, dem gefiel e» so gut, baß er am Sonntag, in aller Herrgottsfrühe, irgenbeinen Freund herbeirief. Wir schliefen noch, als wir ihn brüllen hörten: „Mensch, du mußt kommen! Es ift himmlisch hier draußen! Unb so nette, «astfreie Leute! Um 8.15 Uhr geht ein Zug Don Gleis 16." — Am Früh- stückstisch saß bann ein Mann, den wir im Leden noch niemals gesehen hatten. S» kam einer, bet den ganzen Tag im Zimmer sitzen wollte. „Kinder, so ein Garten ist ja ganz nett, ober die Sonne! Unb die Viecher, bie da herum- kriechen! Ich sitz viel lieber in meiner gemütlichen Ecke hier bei einer guten Zigarre und freue mich, daß mir feine Mücken in meinen Wein fallen " Er saß lange unb trank viel. Am Sonntag fuhr er mit dem letzten Zug wieder fort, und wir haben uns nach lange nach Mitternacht den Kopf darüber zerbrochen, weshalb er eigentlich herausgekommen war. • Es kam einer, der mit dem Detter Unglück hatte. Es begann zu regnen. Er zog mürrifch wieder fort. Wir hatten das Gefühl, daß er uns persönlich für den Witterungsumschlag verantwortlich machte. Aus ber Provinzialhauptstadt. Dießen, den 28. Mai 1832. Dir wohnen auf dem Land ... Die wochenevbgäfie besuchen un». Äür uns, die wir auf-dem Lande leben, fängt jetzt die gefährlichste Zeit de» Jahres an Ven'chen, die wir feit dem letzten Herbst nicht mehr gelehen haben, erscheinen unvermittelt, wahrscheinlich nur, um zu fragen, wie wir uns auf dem Lande eingelebt haben ...... ... ,, .Wir hatten nie geglaubt, daß ihr e» aushaltet! Aber jetzt, wo alles so herrlich in Blüte fleht, muß man euch beneiden! Himmlisch ift es bei euch! Ach, wenn man bas auch einen lag ober zwei fo haben konnte!" ..... «m - x. .i Das ist die Einleitung, bie mit leiser Melancholie vorgetragen wirb, unb zwar so einbringlich, bah man gar nicht anders kann. Und somit folgt denn auf die Einladung hin ber Dochenendbesuch, benn bie Kunde eines Fremdenzimmers mit zwei Betten verbreitet s.ch im Kreise ber Bekannten so schnell unb so ein- dringlich, wie wichtige Kriegsbotschaft bei einem Dualastamm durch Trommeln in ber Nacht. Sie kommen in allen Spielarten. Erfahrung hat gelehrt, wie sie zu behanbeln sind. Man muß sich mit ihnen abgeben, benn sie sinb einfach ba. Wie bie Maikäfer in einem für diese Tiere günstigen Jahr. Wenn sie vorsprechen, Haden sie vielsach schon ein Köfferchen bei sich. (Einige dringen auch ihren Badeanzug mit. Sie wollen wenigsten» Sonnenbäder nehmen, wenn sie schon keine Gelegenheit zum Schwimmen Haden. Und nun kommen sie ... Es kam einer, der anscheinend an einer Fernsprech- krankheit litt. Er telephonierte von morgens bis abend». „Ihr müßt schon entschuldigen, aber es handelt sich um lauter wichtige Sachen!" — Sonntag» vormittag» allein hatten wir sieben Fern- bespräche Bei der Verrechnung sagte er, es seien fünf gewesen. E» kam einer, der wollte Skat spielen Er war offensichtlich gekränkt. ,^d) denke, ihr fvielt! Ihr seid mal eine langwei'ige Bande! Habt Ihr denn keine Nachbarn, die spielen können? Spielt ihr benn wenigstens etwas Sechsunbfechzig?" Nach ber peinlichen Feststellung, baß überhaupt keine Karten im Hause sinb, fuhr er Sonntag» nachmittag», gleich nach bcm Essen, in bie Stabt zurück. ze M JnnKirad. näbrud lam es zu iingen, bie >ur rüder Mili- svzi(llistis-de xg tinberufen, in wchen sollte. Kurz ; marschierten die xi) drangen in den chlägerei entstand, nie. Da die Sen- t tviederherstellm jcfeö t 32 Okt- gebracht. Siner icn. ug ersaht. »tersbtty bfi. Solang an der 'trage ürf. Dom V-Zug zwei Ptt|onen be- und mehr al» Die Arbeiter Volk- iratet, bie sich auf mden, wurden aus ge durch die Unter- edcr daheim. ung UM M-mz'r tag geschlo achmitlag traf M JSSSft SG 9 iccnglil»? in kirchlich» und erfolg. m Win.- 11hC V0N SS Taten für Samstag, 28 Mai. 1759: bet englische 6taal6mamf Dilliam Pitt in HaheS geboren. — 1779: ber Dichter Thomas Moore in Yub in geboren; •— 1880: ber Ph.losoph Oswald Spengler in Blankenburg am Harz geboren. Taten für Sonntag 29. Mai 1594. ber Feldherr ©ottfrieb Heinrich Graf xu Pappen heim geboren; — 1809: Sieg ber Tir- rolcr am Berg 3fcl; — 1923: ber Maler unb Zeichner Adolf Obctlänber in München gestorben. Bornotizen. — TageSkalender für SarnS tag. Gießener Hochschulgeselkschaft. 17.15 Uhr, großer Hörsaal der Universität. Festsetzung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: .Melodie ber Liebe". — TageSkalender für Sonntag: Ober hessischer Kunstvercin, TurmhauS am CBranb- platz. 11 biS 13 Uhr. Ausstellung. — Dolkshalle. 20.15 Uhr, Militär-Groh-Konzert. — Lichtspiel- I hauS, VahnhofstJaßc: .Melodie ber Liebe". — Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Morgen, Sonntag, bleibt das Stadttheater geschlosien. — Montag, 30. Mai, zum letzenmal Goethes Faust l.Teil. Die Aufführung steht unter der Spielleitung des Intendanten Dr. Rolf P rasch. Die größte Inszenierung des Goethe- Jahres geht damit zum letztenmal über die Bühne. In den Hauptrollen: Jochen Hauer (Faust), Beatrice Doering (Gretchen), Kari Bruck (Mephisto). Beginn 10 Uhr, Ende 24 Uhr — Dienstag, 31. Mai, als fetzte Vorstellung ber Spielzeit, 20 Uhr, „Volk in Not", ein deutsches Heldenlied von Kari Schönherr. Andreas Hofer unb fein heroischer Kampf gegen Frembherrschaft unb Unterdrückung stehen im Mittelpunkt ber Handlung. Spielleitung Peter Fas sott. Andrea» Hofer wird von Jochen Hauer dargestellt. Auch diese Dorftcllung geht zu kleinen Preisen in Szene. Ende 22.30 Uhr. __ DDA. Der Verein für da» Deutschtum im Ausland (VDA.) veranstaltet am nächsten Dienstag- abend im Restaurant ,Lum Andres' einen Vortragsabend, bei dem Pfarrer Harth aus St. Andra über „Die Lage in Oesterreich und an der unteren Donau" sprechen wird. (Siehe gestrige Anzeige.) — Die Oberhessische Vieh - Vcrsi- cherungs - Anstalt beruft in unserem heutigen Anzeigenteil ihre ordentliche Mitglieder- (Berfammlung auf Sonntag, 5. Juni, in bas Hotel Hopseld ein. Inieresfenten seien aus bie Anzeige besonberS hingewiesen. " Justizpersonalie. Auf Grund beS AlterSgrenzegeseyes tritt der Landgcrichtspräfi- I bent beim Landgericht der Provinz Rheinhessen Dr Ernst Jungk in Mainz am l.Iuli in den Ruhestand. •• Museen unb Heidcnturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei gewöhnlichen I Eintrittspreisen geöffnet. * Heute kein Militärkonzert am DootShauS. Der Verein .Uferkritik" gibt im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß daS für heute I abend angefehte Militärkonzert auf dem DootS- I platz ber GRG. von 1877 wegen ber ungünstigen Witterung ausfällt. Das Konzert soll zu einem späteren Zeitpunkt ftottfinben. " DaS Militär - Großkonzert am morgigen öoimtagabenb in ber RolkShalle sei den mufifiiebenben Bürgern in Stadt und Land noch einmal in Erinnerung gebracht. Das Interesse für diese Veranstaltung ist bereits sehr groß. Um bie Kartenabgabe vor bcm Konzert reibungslos burchzulühren, wirb am morgigen Sonntag von 15 Uhr ab ein Vorverkaufskiosk auf bcm Platze vor ber Volkshalle geöffnet fein, an beffen Schalter Eintrittskarten entgegengenommen werden können, um dadurch den Andrang an ber Abenb- laffe zu vermeiben. •• Sängertag in Gießen. Der Sängergau Dießen-Stadt und -Land im Hessischen Sängerbund hält am morgigen Sonntag hier seinen 3. Gauliedertag ab. Von 8.30 Hbr ab hübet in der Reuen Aula der Universität daS Wertungssingen statt. Anschließend, gegen 12 Uhr. wild der Ausmarsch der Vereine unter Dorantritt des Spiclmannzuges und ber neugegründeten Musikkapelle der Freiwilligen Feuerwehr zur Kundgebung auf bcm Landgraf-Philipp-Platz vor sich gehen. Der Marsch der Vereine geht durch die Ludwigstraße. Dleichstraße. Südanlage. West- anlage. Bahnhofstraße, Kaplansgassc, Kreuzplah. Sonnenstrahc nach dem Lanbgraf-Philipp-Plah. Mit der um 14 Uhr im Katholischen DereinShauS (tattfinbenben kritischen Desprechung zwischen bcm Wertungsrichtcr, dem Dirigenten und den Der- einsvorsitzenben wird die einfache Veranstaltung beendet werden. Hkitere cakalnachrichten im 2. Blatt. Moderne eleklrisch-automatifchc Kühlung. Mu dem Eintritt der wärmeren Jahreszeit ist es notwendig, für eine zeitgemäße hygienische und zuverlässige Kühlung und Frifchhattung von Nahrungsmitteln zu sorgen. 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Da wahr, dch die 7tc immer die Mur dar! und die s Arndt lang \ ins deutsche La Körper zur Fw den Menschen de Auch die Zeit Zcitverhältnisse Sie wurden verk gewiesen. Die 11 über der kaum zu der allen geme> Freiheit und Eir strahlend aus b Wohnung modern, 7 Zimmer, Küche u. Rad, Zen- tralheiz.u.Warmw., sonnig gelegen, sos. od. spät, zu vertu. 4159D Krcuzvlatz 8. |Verschiedenes| Alleinsteb., ältere Dame gesucht, welche ein junges Mädchen in vollständ. Pension und Ueberwachung nimmt. Offerten nnö an Schwester Wcrba Klaumann, Greffen. Schulitr. 6, zu richten. [ Wasser und elektr. Licht vorhanden. Näh. Wieseck, Gieß. Straße 115. [03317 3-Zimmer-Wohn. mit Gartenanteil z. vermieten. 03541 Zu erfr. i. d. Gesch.- Stelle d. Gieß. A. 3-3lmm.-öo|)a. mit Küche, Sveise- kamm., W.-K. usw. (1. Etage) billig zu vermieten. hisoD Phil. Crornbach, ___ Bieber. Kleine 2-Zinnner-Wohnnng mit Küche, an besch. Familie m. Mietbe- rechtigunassch. zu verm. Schr. Ang. u. 03372 an d. G. 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A. u hvaieniBch. Verlangen Sie unsere große Ölueh. Druck- eacbe G 176 Beiiiebssichei. gung Kälie- wirischaülicb Nr. 123 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) OasHambacherKest derOeutschen. 3um ^00. Gedenktag am 27. Mai. In unterer heutigen Zeit wird e* den Män- nein, die sich am Psingftsonntag de- Jahres 1832 auf dem Hambacher Schloß einfanden, von dem eine so gewaltig lodernde Flamme des deutschen SinigungswillenS auffchlug. häufig verübelt werden, daß sie neben revolutionären ®c- dankengängen auch daS ^konföderierte republikanische Europa" und den „Völkerbund" hochleben lieben; denn vielfach wird daraus geschloffen. daß ihnen weniger die Einheit Deullch- landS als Ziel vor Augen stand, sondern daß sie politische Schwärmer gewesen wären. Wer so urteilt, versucht daS Hambacher Fest auS dem Jahre 1832 in das Jahr 1932 zu versetzen. SS ist nötig, fich gründlich die ZeitverhLlt- n i f f e vor einem Jahrhundert vor Augen führen, bevor man über die 30 000, die damals an dem Fest teilnahmen. ein Urteil fällt E» ist eine unverleugbare Eigenschaft der Deutschen. bah sie, wenn sie Ketten sprengen wollen, wie ein reihender Bergbach weit über daS Ziel hinaus strömen, alle Deiche sprengen und erst später, wenn fich die Flut des Zreihcits- willens ein wenig beruhigt hat. wieder langsam in daS eigentliche Fluhbett zurückkehren. In diesem Sinne sind die Hochrufe auf eine im ganzen nicht völlig verstandene Internationalität zu verstehen. Unleugbar ist eS, bah kein einziger der Leute vonHambach war. dem nicht jener Spruch als Leitgedanke vor Augen brannte, der die mächtige schwarz-rot-goldene Fahne zierte, die auf einem Turm des Schlosses ausgepslanzt war: „Deutsch- landSWiedergebur t". Hinter diesem Wort verschwand das entfernte Echo, das die franzö- sifche Iulirevolution auf Hambach wart Um eine grundlegende Erneuerung Deutschlands ging es. aus dem Deist der neuen Staats- anschauungen der damaligen Zeit heraus, um ilebcrtoinbung ber staatlichen Zersplitterung unb jener Fürsten, die sich als Damm gegen den Freiheitswillen der Nation erhoben. Schon die Einladung umrifj dieses Ziel sehr genau, denn dort hieß es, das Fest gelte..dem Kamps für Wfchüttelung innerer und äusserer Gewalt, für Erstrebung gesetzlicher Freiheit und deutscher Nationalwürde". Wenn auch ein Hauch weltbürgerlicher Gesinnung mit durchklang, der Sturm, der sie alle bewegte,' hieß: „Deutsch- I a n d". Die Voraussetzungen, ohne die das Hambacher Fest nicht gewesen wäre, waren die Franzofenzeit der Pfalz, die 1792 von Frankreich geraubt und teilweise verwüstet worden war, die Zeit der Demagogenversolgun- g e n und nicht zum wenigsten die grobe Enttäuschung der Kriegsheimkehrer von 18 13. die felsenfest gehofft hatten, bah dieses Jahr schon eine Neugestaltung und Einigung bringen muhte. Wohl war eS den Besten Deutschlands gelungen, Napoleon zu vernichten, die Donderinteressen der Einzelfürsten schienen un- überwindbar. Da erwies es sich von neuem als wahr, bah die Nation in Not- unb Kampfzeiten immer die Männer hervorbringt, deren sie bc- darl unb bie sie — verdient. Ernst Moritz Arndt fang seine glühenden Worte hinaus in* deutsche Land Ludwig Jahn toedte die Körper zur Freiheit und schuf in den gesundenden Menschen den Platz für das Freiheitssehnen Auch die Zeitungen taten das ihre, um die Zeitverhältnisse zu geibeln und zu bekämpfen. S'e wurden verboten und ihre Nedakteure aus- gewiefen Die Hntcrbrüdungämahnabmcn gegenüber der kaum zur Freiheit gelangten Nation unb der allen gemeinsame unbeugsame Wille zur Freiheit und Einheit sachte die Flamme an. bie strahlend auf dem Hambacher Schlob aufstieg. weit btnetnlcud>tele in die Lande und die noch Zögernden mitnfe. Dah die rot-weibe Polentahnc neben der schwarz-rot-goldenen über den Häuptern ber gewaltigen Kundgebung wehen burftc. bah an ihr auch westliche Demokraten teilnahmen. hat nicht gehindert, dah sich mehrere Nebner mit den schärfsten Worten gegen frembe Gelüste auf beutfcheS Land wandten. Nicht umsonst hat Wirth das Glaubensbekenntnis binauegctoorfcn: „Selbst bie Freiheit darf auf Kosten ber Integrität unsere- Gebietes nicht erlauft werden. Der Kampf um unter Vaterland unb unsere Freiheit muh ohne frembe Einmischung burch unsere eigene Kraft von innen heraus geführt werden!" Unb gerade weil diese Stimmung nicht nur bie Kundgebung auf dem heute Marburg genannten Schlot) bei Neustadt an der Hardt, sondern auch in weitest gehendem Maste das ganze deutsche Volk beherrschte, führten die Hambacher ihren Kampf auch gegen di» deutschen Fürsten, denen der geforderte Volksstaat gegenüber dem Obrigkeitsstaat unb die Freiheit der Nation gegenüber ihren Sonder- intereffen verwerflich erschien. Die groben Ziele, die die Taufende nach Hambach geführt hatten, wurden nicht verwirklicht. Schon die Führerverhandlungen des folgenden Tages endeten ergebnislos bi6 aus den angenommenen Vorschlag auf Gründung eines Es ist schon viel über Zukunftskriege geschrieben worben. Hier wird von einem guten Kenner der Marinewaffe ein packendes Bild einer Schlacht im Chinesischen Meer zwischen Philippinen unb Marianen entworfen, bie vielleicht jo oder ähnlich grausige Wirklichkeit werden kann. Im Hinblick auf die Genfer Ab rüstungskonferenz unb die gespannte Lage im Fernen Osten verdient diese Schilderung einer modernen Seeschlacht im Pazifik, die einen Krieg zwischen den beiden angelsächsischen Weltmächten und Japan annimmt, besonderes Interesse I Auf hoher Fahrr. Der Politiker saß in der Kajüte des Admirals. Erst vor zwei Stunden hatte man ihn von dem Wrack eines torpedierten Dampfers heruntergeholt Noch vor kurzem war er der Zioilleiter der Marine gewesen, und jeden lag konnte er es wieder werden. Deswegen halte ihn der Admiral als ein weiser und vorausblickender Mann auf feinen an einen Befehl gemahnenden Wunsch auf das Schiff bringen und ihm feine eigene Kajüte geben taffen. Der Politiker war ein würdevoller Mann. Seine Stimme drang auch bei ber größten Volksversammlung bis in ben entferntesten Winkel, im Augenblick aber war er von dem gänzlich unvorhergesehenen Erlebnis völlig aus dem Konzept geraten. Der Admiral betrachtete mit einem undurchdringlichen Blick sein Gegenüber „Das ist so schnell über nlich heremgebrochen". klagfe der Politiker. „Die Lage war allerdings ziem lich brenzlich, als wir Schanghai verließen — das ging aber nur die Bereinigten Staaten unb nicht ..Deutschen NetormvercinS". Aber auch die anderen Ausstrahlungen des Festes hnb wenig erfreulicher Art. Bavmfches Militär zog gegen die Kundgeber auf. die Hauptredner wurden verhaftet und das Land einer Militärdiktatur unterworfen, die Wettemich gegenüber der „revolutionären Orgie von Hambach" vorgeschlagen hatte Ebenso hatte auch die Studentenschaft des nahen Heidelberg unter der Knute zu leiden Die Nedner. deren man habhaft werden konnte, wurden tn Landau vor ein Ge'chworenengericht gestellt, von dem weniger bekannt fein dürfte, bah an ihm der erste deuttchc Gerichtsstenograph feine Kunst cms- übte. ber Erfinder der ersten Gefchwindschrftt, Franz Taver GabelSberger. Aber umfonft war das Hambacher Fest doch nicht. Die Leiden der Führer hatten nur zur Folge, daß fich noch mehr zu dem Einigungs- Willen bekannten, unb die jungen Studenten zogen hinaus unb trugen den Gedanken von Hambach bis ins Ausland, wo fie um bie Erfüllung ber Ziele rangen. Erst muhte, ba die Zeit noch nicht erfüllt war, eine Epoche neuer Wirren unb innerer Kämpfe überftanben werben, ehe der Tag kam. an dem die deutschen Fürsten inmitten des besiegten Feindeslandes dem neuen deutschen Kaiser zujubeln konnten, gefelgt von der geeinten Nation, wenn auch noch nicht alle ihre Teile in den Jubel mit einstimmen durften. Zeiten des Aufstieg- und der Einigung durfte die Nation erleben, bi- fie von Zeiten furchtbarer Prüfung abgelöst wurden, in denen das Hohe Lied von Hambach Stärkung ber Schwachen unb Aufrichtung ber Starken bebautet. uns an. Die letzten Nachrichten, bie ich aus Conbon erhielt, berichteten alle von großen Anttkriegsver- fammlungen. Ich selbst habe noch gefabelt: ,Nur keinen Krieg!'." Der Admiral feg nachbenklich an seiner Zigarre. „Das war wirklich sehr unfreundlich von den Japanern, gerade Ihr Schift zu torpedieren", meinte er sehr höflich, obgleich er einen kleinen Schimmer von Ironie nicht, ganz verbergen konnte, „man hat wohl nicht gewußt, daß Sie an Bord waren." Der Mann der Politik sah den Sprecher groß an: „Nein, das konnten die Japaner allerdings nicht misten",-stimmte er zu, „meine pazifistischen Ideen sind ja allgemein bekannt, unb ich persönlich unterhalte freundschaftliche Beziehungen zu den höchsten Offizieren der japanischen Marine. Sie haben mich alle ihrer dauernden Dankbarkeit versichert, als es mir endlich gelang, unsere aufreizenden Rüstungen im Fernen Osten zu hintertreiben." „Das kann ich mir lebhaft oorstellen", antwortete ber Admiral kurz, und mit spöttischem Intereste betrachtete er den Mann, dem es gelungen war, sich die Leitung der größten Macht des Britischen Imperiums, der Marine, zu erreden. Er dachte an die mit so großem Geschrei von der Presse besprochene „moralische Weltgeste", die im Prinzip nichts anderes bedeutete als einen Verzicht auf bie einzige britische Flottenbasis im Fernen Osten unb ihm ent- sprechende Ausnutzung. Die „moralische Weltgeste" von damals bedeutete heute das Todesurteil für alle Mann an Bord des Flaggschiffes und der dazu gehörigen Flotte. Der einzige Trost dabei ist, dachte der Admiral im stillen bei sich, daß wenigstens der Urheber dieser „Geste" auf fein eigenes, ausdrückliches Verlangen hin mit in den sauren Apfel beißen muß. Seeschlacht im Chinesischen Meer! Ein spannendes Zukunftsbild von kommenden Kriegen um den Giillen Ozean. Bon $. Sritten Austin Giehener Gtaviiheaier. Karl Lchönhcrr: „Holt in Not" Schon in dem 1895 geschriebenen, viel später er ft in umgearbeiteter Form ausgeführten Schauspiel „Der Judas von Tirol" hat Schönherr sich den Vauernaufstand von 1809 zum Vorwurf genommen Damals stand die Figur des verräterischen Knechtes Nass! im Mittelpunkt der Ereignisse - hier ist e- ber im Volkslied ver- herriich'e Sandwirt vom Pafteiertal selber, der als Wortführer ber Bewegung unb als eigentlicher Herold eines gemeinsamen Schicksal- in den Vordergrund gerückt ist. Schönherr nennt die drei Aufzüge im Untertitel „Ein deutsches Heldenlied", und das scheint gerechtfertigt insofern, als das Ganze (bis auf eine kleine Szene im dritten Akt) nicht im eigentlichen. inneren Sinne dramatisch genannt werden kann wie das in den meisten Stücken Schönherrs der Fall ist- Es handelt sich vielmehr um eine in drei kurzen, schwer gefügten Akten bühnen- mäßig sichtbar gemachte Ebronik der bekannten Ereignisse des Jahres 1809 in Tirol: um die Erzählung eines gemeinfamen Schicksals — wie in ..Glaube unb Heimat", obwohl jener Tragödie non Natur aus ein dramatischer Kem zugrunde lag. während hier (bis auf jene angebeutete Stelle) ber Gegenspieler fehlt ober vielmehr nicht unmittelbar eingeführt wirb Die darin begründete Gleichförmigkeit unb Einheitlicykeit jeglicher Aeußerung kommt andererseits freilich der geschloffenen Wirkung bes Stückes zugute. Der erste Auszug gibt das Vorspiel zum Aus- stanb der Bauern, wie er in Bild unb Wort oft verherrlicht worben ist Vor bem Notadl- wirtshaus bie Berge im Hintergrund», sitzen *ic einzeln unb in Gruppen, um den Hofer geschart, unb in schwerfällig-bedächtiger Rede unb Gegenrede entwickelt sich ein bei aller Kargheit des rauhen Wortes beredtes Bild von der viel- fälligen Not des Landes Tirol, das untet der Gewalt des übermächtigen Napoleon blutet unb seufzt Bis enblich bic gewitterschwangere Stimmung sich im gemeinsamen Aufschrei und Aufbruch ber Männer cntläbt: sie greifen zu den Waffen, entfalten bie zerfetzte Fahne unb rücken aus zum Kampf um bie Freiheit ihres Lanbes- Der zweite Akt bringt rein äußerlich unb theatralisch ben Höhepunkt des Schauspiels mit bem rcai'ftifcb geschilderten Kampf auf dem Ofclbcrg. Man sieht in bic Gipfelstellung ber Tiroler hinein, bic Fahne weht über ihnen, bas Schützen- feuer geht herüber unb hinüber. Pulverrauch wölkt. Steinblöde werden aus die Angreifer gewälzt. die Notadlwirtsleute fallen einer nach bem anbern, der Speckbacher greift ein, ber Sturm wirb abgeschlagen, bie "Bauern haben sich, wiewohl mit schwerem Verlust behauptet. Dann.kommt der Schlußakt, ebenso ^napp unb sparsam wie bie vorausgehenden. jeooch — bis auf einen wild verzweifelten Ausbruch auf- begehrender Klage aus bem Munbe einer jungen, ihres Mannes beraubten Frau — viel stiller unb gebämpfter als jene. Nach bem Auszug und dem Kamps — bic Heimkehr Aber es kommen nicht viele zurück, bie meisten finb gefallen; bic bumpse Spannung der wartenden Frauen daheim (bic bramaturgifd) freilich, für ben Zuschauer, schon gebrochen ist) löst sich in Tränen unb Totenklage .. und in das Bekenntnis des Landwirts, der den Frauen bie traurige Botschaft von ihren Männern unb Söhnen gebracht hat unb bas Opfer rechtfertigt um des Landes und feiner Freiheit willen. So endet das Heldenlied, helfen letzte und volkstümlichste Strophe „Zu Mantua in Banden" — schon früher von -- 'hanh aufgeieichnet worden ist Tie Aufführung kam unter der kräftigen und lebendig abgetönten Spiellührung von 'Roter Fasset zu einer geschlossenen und eindringlichen Wirkung. Die wechselnde Stimmung unb Atmo sphäre ber brei Akte war klar herausgearbeitet in der drohenden Gewitterstimmung des Aut- bruches. im brodelnden ilngeftüm des Gefechtes, in der dumpfen Klage des Abgesanges. Aus ber ganz kollektiv behandelten Menge des Volkes hoben sich die Einzelstimmen charakteristisch heraus Die Bühnenbilder von Löffler gaben dem firablinigen Vorgang ben großzügigen lanbftafl- ichen Hintergrund, von dem sich manche Szenen- Gruppen tote Ausschnitte aus den prachtvollen Bildern des verstorbenen Tiroler Malers Albin Egger-Lienz abhoben. Den Landwirt Hoser vom Passeiertal gab wiederum Jochen Hauer, dem die Spielplangeftaltung der letzten Wochen eine erstaunliche Fülle von darstellerischer Phantasie und Wackdlungsfähigieit abverlangt hat; er gab auch den Hofer, wie es fich gebührt: als eine kernige unb männlich- bäuerische Gestalt, bedachtsam unb feurig zugleich, echt und füllig im schworen Dialekt. Neben ihm nennen wir bic von Frau Koch sehr tüürbig gegebene Notabiwirtin in ihrem herb- verhaltenen mütterlichen Schmerz; Walter M i - chel, der mit überschäumendem Temperament den blutdürstig aut begehrenden Hies spielte; 5 äffet t. gedrungen und schlicht als Notadlwirt; unter den Frauen ferner Edith Berger, vor allem in einer kurzen, aber eindringlichen Szene des Schlußaktes, als Hiesin; Frl. Wie lan der als Koflerin, Frl. Doering als WolfSgruberin, Frl. Sachse als Äcllerin. Schelchcr (Franz), GeigeriFlorian) und Hub (Schmiedbartl) stellten sich mit fcftumrifTcncn Gestalten ins Ensemble, wo jeder — wir können im großen Aufgebot nicht alle auszeichnen — tüchtig seinen Platz auSfüllte. Die Aufführung wurde als geschlossene Dorstel- lung für den VDA. gegeben unb mit einer kurzen Ansprache von Studienrat Dr. König ein- geleitet, der daraus hinwies, daß das Spiel als Auftakt für die Werbewoche des VDA. gelten dürfe; der Verein stehe in heutiger Notzeit mehr denn je im Kampf um bic Erhaltung deutschen VolksbodenS unb beutschen Menschentums. es es gehe um bie Zukunft bes Gesamtvolkes; jeber- mann möge zu ber in biefen Tagen veranstalteten Sammlung fein Echerffein beitragen. — Die zahlreiche Hörerschaft spenbete unter bem starken Einbruck des Spiels lebhaften Beifall. hth. Zeitschriften Unter bem Titel .Sie Urform des Lebens" veröffentlicht ber namhafte Münchener Gelehrte Edgar D a c q u e in der neuesten Nummer ber Illustrirten Zeitung (3. 3. Weber. Leipzig» eine aufschlußreiche Ueberfld)t über bie geheimnisvolle Entwicklungsgeschichte der Lebewesen unserer Erde. - lieber bie Sitten unb Gebräuche, befonbere bie Hochzeitsbräuche, der Basutos. bic noch ihr unverfälschtes Eingebore- nentum bewahrt haben, berichtet Walther Wülfing in Wort unb Bild — Die Spielleiben schäft ber Chinesen schildert W. O. Carl in einem von anschaulichen Abbildungen begleiteten Aufsatz. — Sic neuzeitliche Baukunst unb 3nnenarchiteftur tritt uns in ben Bildern von bem neuen Heim bes Leipziger Architekten Alfred Liebig entgegen, ber es verstand, bic angeblichen Gegensätze .modern" unb .wohnlich" zur Einheit zu verschmelzen. — In da- Gebiet der Mode führt ein ansprechendes DHobctableau, ferner wirb bie Entstehung des Lederhanbschuhes in einer Reihe von Abbil- * bungen veranschaulicht. Samstag, 28. Mai 1952 _____1 ..ALS Ditty Fritsch undLilian Harvey heiraten Willi) Fritsch unb Lilian Harvey, bic beliebten Filmdarsteller, bic in so vielen Filmen einander als tiirbenbe fanben, wollen jetzt auch in der Wirklichkeit die Ehe miteinander schließen. Die Trauung soll im Herbst in Hollywood stattfinden 1 ■ ■ '■ -1 — n „Aber warum haben wir uns bloß auf diesen Krieg eingelassen? Das ist doch auf die Spitze getriebener Chauvinistenwahnsinn?! Nachdenklich starrte der Admiral auf die Aschen- fäule seiner Zigarre. „Weil bas Britische Imperium vor die Wahl gestellt wurde, entweder in ben Krieg zu ziehen oder auseinanderzufallen..." „Wie lange, glauben Sie, daß die Sache dauern wird?" „Na, vier ober fünf Jahre, vielleicht auch länger", meinte ber Flottenchef, als ob es sich um die selbst- verständlichste Sache in der Welt handelte. „Unmöglich!" Der Admiral zuckte bie Achseln. Einen Augenblick herrschte tiefes Schweigen, bann fuhr ber Politiker fort: „Wo kommen Sie her, und wo beabsichtigen Sie hinzufahren?" Der Admiral lächelte: „Wir kommen van Hongkong unb versuchen Fühlung mit dem amerikanischen Kreuzergeschwader )u bekommen, bas bei den Philippinen stationiert ist; außerdem müssen wir — vereint ober getrennt — bem Japaner ben Weg nach Guam abschneiben." „Guam?" Wieder lächelte der Admiral. „Davon müssen Sie doch gehört habe,!'! Guam ist eine kleine Insel in 1300 Meilen Entfernung von Iokohama, die seit 1898 den Vereinigten Staaten gehört. Es ist ber Schlüssel zum westlichen Teil des Stillen Ozeans, ohne ben Amerika an eine Wieder- eroberung der Philippinen gar nicht denken könnte: das ist sicherlich auch der Grund, warum weise Politiker auf einer neunmal weifen Konferenz in Washington daraus verzichtet haben, die Insel zu befestigen unb den Japanern obendrein eine Menge kleiner, sehr nützlicher, dicht um Guam liegender Inseln zugesprochen haben ..." Der Politiker starrte den Admiral immer noch an, ohne auf den Seitenhieb gegen die Männer der hohen Politik einzugehen. „Die Wiedereroberung der Philippinen? Die Japaner können doch nicht jetzt schon ..." „Noch ist es nicht so weit; aber sie brauchen bloß hinzufahren, um die Inseln in Besitz zu nehmen; wahrscheinlich werden sie sich erst Guams versichern; darnach können sie in aller Ruhe die Philippinen Tennis-Babys. Von Ehrhard Evers. Wenn die Bäume wieder grün werden, bann sprießt nicht nur der erste Spargel aus der Erde, dann bewegen sich auch auf dem festgewalzten Boden der Tennisplätze die ersten, keine-weg- schückternen TenniS-Babhs. Ihre Genealogie ist ziemlich kompliziert. Sie sind ein Produkt aus Sehnsucht nach etwa- Bewegung in freier Luft — was ungefähr dem schöpferischen Anhauch aus der Geschichte im Paradiese entsprechen würde dazu aber vor allem ein Produkt ihres Schneiders, soweit da- Baby weiblichen Geschlecht- ist (bei den männlichen Tennis-Babys sieht das mehr nach Sport- hauSkonsektion aus), und schließlich geben fie sich mehr oder weniger uniformiert als Kollektiv- toefen individuellster Prägung aus, dessen Wortschatz beherrscht wird von den Vokabeln; Aufschlag. Schläger, Netzball, Schmetterball. Back- Hand. geschnitten, Einstand und von einer für den Außenstehenden völlig unverständlichen Mathematik mit einer Zahlenabfolge von „fünfzehn, dreißig, vierzig. Spiel!" Das Tenms-Baby schreit wie ein wirkliche- Baby mit lauter Stimme seine grüne Weisheit über den Platz, es strampelt sich ebenso weidlich ab und kommt in Schweiß dabei, spielt mit feinen kleinen weißen Bällchen unb freut sich unbänbig, wenn es mal einen richtig über da- Netz gebracht hat. Das Tennis-Baby ist der Liebling deS Trainers — wenigstens gibt sich jener den Anschein, alS ob es so wäre Mit nie erlahmender Geduld legt er ihm die Bälle vor. lobt, tadelt mit Maß unb zeigt ihm. wie falsch und warum es falsch war. was Baby machte. Die übrigen Mitglieder des Klubs meiden das Tennis-Baby gern, so wie bic Verwandten meist einen Bogen um bas hilflose Ding im Kinderwagen machen. auS Angst, es „für ein Weilchen" zum Halten auf die Knie gefetzt zu bekommen. Man ist bei keinem Baby vor Ueberralchungen sicher ... Hur langsam wird daS' Baby groß. Langsam lernt es richtig schlagen, langsam richtig laufen unb langsam auch das Wichtigste: richtig fte', n. Un& wenn das gute Kind gar noch das Zählen begriffen hat. bann fliegen bie langen, flachen Grundlinienbälle hin und zurück, und dann kommen auch bie anderen Spieler zum Zuschauen und rechnen mit dem Schiedsrichter: Fünfzehn, dreißig, vierzig — Spiell ehtftecfen, unü zwar trift der begründeten Aussicht, daß der Zustand dann so bleibt .. „Ich verstehe immer noch nicht! Wie können die Japaner glauben, daß sie jemals die Philippinen halten könnten? Sie müssen ja unterliegen. Denn meines Wissens ist das Verhältnis zwischen der vereinigten englischen und amerikanischen Flotte einerseits und der japanischen anderseits wie 10:3 nicht wahr?" „Das wäre der Fall, wenn beide Flotten in voller Starke im westlichen Stillen Ozean angesetzt werden könnten", antwortete der Admiral. „Der japanische Kriegsvlan beruht ja darauf, daß dem nicht so sein kann. Flotten brauchen Stützpunkte. Zur Zeit wird dre amerikanische Flotte auf dem zunächst gelegenen Stutzpunkt zusammengezogen, Pearl-Harbour auf Hawai. Wenn ein Zusammenstoß der beiden feind- llchen Flotten in der Nähe von Hawai stattsinden wurde, wäre das Los der japanischen Flotte zweifellos besiegelt. Aber die japanische Flotte wird eine so große Dummheit niemals begehen. Donk der Konferenz in Washington haben die Japaner die strategische Initiative. Im Augenblick des Kriegsausbruchs ist es für Amerika lebensnotwendig, Guam' zu halten: aus diesem Grunde muß die amerikanische Flotte Westkurs einschlagen. Die Entst'rnung von Pearl Harbour beträgt 3330 Seemeilen, während Iokosuka, der japanische Kriegshafen, nur 1360 Meilen von Guam entfernt ist. Wenn aber ein Schiff mehr als 3000 Meilen zurückgelegt hat, sind seine Oel. Vorräte erschöpft. Sollten die Amerikaner sofort nach der Kriegserklärung losdampfen, kommen sie natur- gemäß 5 Tage später als die Japaner in Guam an, dessen ungeschützte Oeldepots entweder bereits in Flammen stehen oder sich in japanischen Händen befinden. Eine Flotte, deren Vorräte zu drei Vierteln erschöpft sind, in der Schlacht anzusetzen, ist Unmöglichkeit, ebenso, wie Oelvorräte im Angesicht des Feindes von begleitenden Oelschiffen einzunehmen, llus diesem Grunde werden die Amerikaner — falls chre Politiker die Flotte nicht bereits dem sicheren Intergang geweiht haben — nur ganz langsam mit inem großen Aufwand von Transport- und Dor- atsschiffen von Honolulu aus nach Westen vorringen und dabei von sämtlichen kleinen Inseln ls vorgeschobene Stützpunkte Besitz ergreifen. In -chs Monaten wird man vielleicht im westlichen -azifik den Einfluß der amerikanischen Flotte zu lüren bekommen. Es ist selbstverständlich, daß die apaner in der Zwischenzeit aus Guam ein zweites lelgolanb machen und daß sich die Philippinen in irem festen Besitz befinden werden." Der Admiral lächelte. „Eine etwas langatmige Erklärung, fürchte ich, ier so sieht die Geschichte, vom japanischen Stand- mft gesehen, nun einmal aus." Der Eindruck war stärker auf den Politiker, als ' sich den Anschein geben wollte. Ein ungemütliches efühl warnte ihn, daß das Schift, in dem er saß, 'ch kein so zuverlässiger Hort der Sicherheit war, ie er anfänglich angenommen hatte. „Aber die englische Flotte allein ist doch stark nug, um die japanische ohne fremde Hilfe zu be- gen?" „Die Stärke einer Flotte liegt in den großen chlachtschiffen — und aus Gründen, die Ihnen greiflicherweise bekannter sein dürften, als mir, findet sich, der nächste Flottenstützpunkt für große 'silische Schlachtschiffe auf Malta, also 10 000 See- eilen von hier entfernt. Ein Linienschiff muß einen lutzpunkt hoben, auf den es sich auch bei ganz r'ngen Beschädigungen zurückziehen kann; aus diesem Grunde befinden sich auch keine Linienschiffe und Schlachtkreuzer in den Gewässern des Fernen Ostens. Unsere größten Schiffe hier draußen sind 10 000-Tonnen-Kreuzer mit 20-cm-Geschützen: diese Kreuzer stehen unter meinem Oberbefehl. Da wir über kurz ober lang einem japanischen Geschwober mit Schlachtkreuzern mit 38-cm-Geschützen ober gar feinblichen Linienschiffen mit 42-cm-Geschühen in bie Arme laufen wercken, können Sie sich ungefähr ein Bilb von den allernächsten Ereignissen machen." „Um des Himmels willen!" rief der Politiker, „aber warum befinden Sie sich denn hier auf hoher See?" Wiederum lächelte der Admiral und sog an seiner Zigarre. „Weil wir die Besetzung Guams durch die Ja- paner solange als möglich verhindern wollen: ein nützliches Stück Arbeit, bevor wir in den Grund gebohrt werden ..." Der Politiker hatte das Gefühl, als stürze er in eine große Tiefe hinab. „Das ist ja der reine Selbstmord!" rief er aus. „Wollen wir es nicht lieber eine .moralische Geste' nennen", fragte lächelnd der Admiral, „einen Ansporn für das gesamte Imperium, unseren Untergang zu rächen, was es ja auch ganz bestimmt tun wird!" Der Politiker war kreideweiß. „Die Japaner werben also Ihrer Ansicht nach ben Krieg gewinnen?" fragte er verzweifelt, „unb wir können gar nichts bagegen tun?" Der Abmiral erhob sich unb blickte einige Se- funben lang auf bie blauen Wogen. Die übrigen Schifte bes Geschwabers folgten bem Flaggschiff, während weit draußen am Horizont die leichten Sicherungskreuzer undeutlich zu sehen waren. „Nein", antwortete er kurz, „wir stehen auf verlorenen Posten. Von Rechts wegen müßten wir die Vorhut einer Riesenflotte von Schlachtkreuzern und Linienschiffen fein, aber dank Ihnen und Ihresgleichen befinden sich die Schlachtkreuzer und Linien- schiffe 10 000 Meilen von uns entfernt. Sie werden dennoch kommen; allerdings haben bie Japaner wäh. renb ber ersten sechs Monate ober gar bes ersten Jahres völlig freie Hanb. Sie rechnen darauf, daß wir dann den Kampf aufgeben; aber gerade darin werden sie sich irren. Engländer wie Amerikaner besitzen Ausdauer unb Zähigkeit, unb währenb ber olgenben Jahre werben Englanb unb Amerika ben Status quo ante unter gewaltigen Opfern an Gut unb Leben langsam wieberherstellen. Ohne Sie und Ihresgleichen hätte es aber nie fo weit zu kommen brauchen. Und das Ende? Japan wird erdrückt und vernichtet werden; aber Sie, mein Herr unb ich, wir werben bas nicht mehr erleben, wir werben bann längst auf bem Grunbe des Meeres ruhen!" Aus 6er Provinzialbauptsiadt. Gießen, den 28. Mai 1932. Gießener Wochenrrrarttpreise. * Gießen, 28. Mai. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahm- und Landbutter je 130 Pfennig das Pfund, Kochbutter 100, Matte 25 bis 30, Wirsing (neuer) 20, Gelbe Rüben (neue, Bund) 18 bis 20, Rote Rüben, Spinat, Römisch- kohl je 10 bis 12, Spargel 25 bis 55, Erbsen 35, Mischgemüse 10 bis 12, Tomaten 65 bis 70, Zwiebeln 15, Meerrettich 30 bis 60, Rhabarber 8 bis 10, Kartoffeln 4'/r, Aepfel 10 bis 20, Dörrobst 25 dis 30, Kirschen 60 bis 70, Honig 40 bis 45, junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80 Pf.; Käse, das Stück 5 bis 10 Pf„ Eier 7 (10 Stück 65), Blumenkohl 30 bis 70, Salat 8 bis 10, Salat- gurken 40 bis 60, Ober-Kohlrabi 10 bis 15, Lauch 5 bis 10, Rettich 15 bis 20, Sellerie 10 bis 30, Tauben 50 bis 70 Pf.; Radieschen per Bündel 10 bis 15 Pfennig. * Bom botanischen Garten. Morgen, Sonntag, 11 älhr, wird den für Kakteen interessierten Besuchern des Gartens eine umfangreiche und erlesene Sammlung von Kakteen im Gewächshaus zugänglich gemacht und erläutert werden. ** »Der Datiert ch", Hessens bekannte Lokalposse von Ernst Riebergall, gelangt am Samstag, 4. Juni, unter der Spielleitung von Heinrich Hub erstmalig und einmalig als Denesizvorstellung der Mitglieder des Gießener Stadttheaters zur Aufführung. Alle Theaterfreunde Gießens, die für die Leistungen und für die Arbeit des Ensembles sich dankbar erzeigen wollen, werden sicher diese Aufführung besuchen, zumal der Reinertrag der Veranstaltung den Künstlern zugute kommt. Die Veranstalter machen besonders darauf aufmerksam, daß die VorsteNung — um allen die Möglichkeit des Besuches zu gewahren — zu gewöhnlichen Schauspielpreisen stattfindet und erst um 20.15 Llhr beginnt. Hausfrauen-Abende. Die Gießener Gas-Vereinigung veranstaltet in Gemeinschaft mit fyzr Hausfrauenberatung und unter Mitwirkung einer Anzahl Gießener Firmen am kommenden Donnerstag und Freitag Hausfrauen-Abende im Caf^ Leib. An beiden Abssnden werden lehrreiche Vorträge gehalten, ferner wird ein Schaukochen mit Re^eptbesprechungen vor sich gehen, anschließend soften Kostproben zur Verteilung kommen. Die Abende werden eine weitere Ausgestaltung^ durch Gesellschaftstänze von Tanzlehrer D ä u l k e und Frau, durch Vorführungen „Rund um die Anlagen." Die traditionelle Anlagen staffel, die entsprechend den Richtlinien der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik für die alljährliche Durchführung eines Staffelwerbetages morgen vormittag zum Austrag kommt, hat eine gute Besetzung gefunden. Die Ausrichtung hat' die Spielvereinigung 1900 über- nommen. Die aktiven Staffeln umfassen zwölf Läufer (vier 100-Meter-Leute, sechs 200-Meter- Leute, einen 400 - Meter - Mann und einen 800-Meter-Mann), bei der Jugend bilden je 20 eine Mannschaft. In der Frauenstaffel sind zehn Läuferinnen notwendig. Ziel bei allen Staffeln ist am Stadttheater, Start an der Loge, mit Ausnahme der Frauenstaffel, die am Wiegehäuschen Gabelsbergerstrahe beginnt. In allen Klassen werden heiße Kämpfe um den Sieg entbrennen. Das meiste Interesse wird die ^-Staffel der Aktiven auf sich lenken. Es starten: VfL. Wetzlar, Mtv. Giehen, Olymp. Sportcl. Giehen, Spielvgg. 1900 Giehen 1. und 2. Mannschaft. Die 1900er, die bei den bisherigen von Tanzgruppen und durch musikalische Darbietungen -der Kapelle Einbrodt erhalten. Als Ansager wird Spielleiter Hub vom Stadttheater fungieren. Die Veranstaltungen dürften für die Besucher nicht nur lehrreich fein, sondern aud) hinsichtlich der geselligen älnterhaltung viel Angenehmes bieten. Man beachte die heutiae Anzeige. • •* Motorraddieb st ah l. Der Polizeibe- richt meldet: Am 18. Mai wurde hier in der Ostanlage ein Motorrad, Marke „Hullawerke" gestohlen, das am folgenden Tage in Homburg vor ber Hohe herrenlos aufgefunden wurde. Von dem Täter fehlt bis jetzt jede Spur. ** P o h r r a b b i e b ft ä f) I e. Der Polizeibericht melbet: Am 26. Mai würbe ber Kriminalabteilung bekannt, baß eine 30jährige Stickerin von hier gebrauchte Fahrräber zu ganz niebrigen Preisen ab- setzen würbe. Durch bie Ermittelungen unb Festnahme der Stickerin würbe bies bestätigt. Es tonn» ten bis jetzt fünf gestohlene Fahrräber, bie burch Auswechslung ber Räber, Schutzbleche unb Lenk- ftangen vollkommen für ben Eigentümer unkenntlich gemacht worben waren, sichergestellt werben Die Festgenommene beftre'itet, bie Diebstähle selbst be- gangen zu haben, unb gibt an, baß sie bie Fahr- raber von ihrem Verehrer Walter -ZSTefrvr aus Dusselborf zum Verkauf bekommen habe. Der an- gebliche Weber, besten Wohnung unb nähere Per- soualien bie Täterin nicht wissen will, konnte bis heute noch nicht ermittelt werben, unb cs ist mit großer Wahrscheinlichkeit onzunehrnen, baß sie, um eine weitere Aufklärung zu verhinbern, ben richtigen Namen des Diebes verheimlicht. Die Täterin wird sich demnächst wegen Hehlerei zu verantworten haben. Sie würbe bem Amtsgericht zugeführt. Per- f°nen, denen in der letzten Zeit Fahrräder ent- wendet wurden, werden zwecks Anerkennung ihrer Fahrräder gebeten, ab Dienstag, 31. Mai, bei ber Kriminalabteilung, Zimmer 66, vorzusprechen. Läufen stets in Front waren, werden diesmal einen äußerst schweren Stand haben, da sich Mtv. Dreßen und auch VfL. Wetzlar wesentlich verbessert haben. Ebenso offen ist die Frage deS Sieges der K la sse ft, wo DJS. Gießen,Turner- gilde im DHD. Gießen, ATV. Rheinfranken und evtl, auch die Paddlergilde zusammentreffen. Bei der Jugend dürfte wohl wieder der Rachwuchs der Spielvgg. 1900 in Front zu erwarten fein. Gespannt wird man auch auf das Abschneiden der Damenmannschaften sein dürfen. Die meisten Chancen sind den Vertreterinnen des Mtv. Gießen einzuräumen, trotz ihrer vorjährigen Niederlage gegen die 1900erinnen. Eine gute Zolle wird auch der VfL. Wetzlar spielen, dessen Frauen bei den am vergangenen Sonntag stattgehabten Gaumeisterschaften schöne Erfolge errangen. Spieivereimgung 1900 Gießen. 2lm SonntaHnachmittag empfangen bie Blau- weißen die Liga vom Bfß. Frankfurt- Sachsenhausen zu einem Gesellschaftsspiel auf Q.A.-'Swrt i •' Nehmen Sie zum Aufwaschen, Spülen und Reinigen Henkels @ Wer sparsam ist, braucht ATAnur für Boden, Treppe, Wand und Flur/ Mit dem guten und doch so billigen Ata kommen Sie beim Putzen und Scheuem viel weiter, wett Ata dweh seine Feinheit sehr ergiebig ist Sie können mit Ata edles säubern) Holz. Glas, Metall oder Stein. Ata bezwingt Jeden Schmuffc besitzt die meisten Vorzüge und kostet nur wenige Pfennige» Kein Wunder, daß Millionen Hausfrauen durch Ata «pjftwfl. Auch Sie sparen beim Scheuern und Putzen wie alle, die Henkel'*Ata benutzend Audi für Aluminium beet ans bewährt? Alumtahtm ftotrkeC- putzt und reinigt altes M H er gestellt in den Persilwerke n Bekanntmachung. Nachbcm bie Zustellung ber Bescheibe über bie Vorauszahlungen auf bie Ge- weinbe-, Kreis- unb Provinzialumlagen unb bie ©onbergebäubefteuer sowie ber Bescheibe über bie Kanal-, Straßenreini- gungs, unb Müllabfuhrgebühren, beibes für bas Rj. 1932 an bie Zahlungspflichtigen bzw. Empfangsberechtigten stattge- funben hat, wirb als Tag, an bem bie sämtlichen Bescheibe als zugestellt zu gelten haben, ber 25. kNai 1932 hiermit festgesetzt. Diejenigen Pflichtigen, bie bisher einen Bescheid nicht erhalten haben, werben auf- geforbert, bies alsbalb beim Städtischen Rechnungsamt im Stabthaus, Bergstraße, Zimmer Nr. 29, anzuzeigen. 4140C Gießen, ben 27. Mai 1932. Bürgermeisterei Gießen. _________________Dr. Keller._________ Bekanntmachung. 21m Mittwoch, bem 1., Donnerstag, dem 2. unb erforderlichenfalls Freitag, bem 3. Juni 1932, iebesmat von 1 Uhr nachmit- lags an, werben im Hofe des Anwesens Asterweg 27 eine große Anzahl, teilweise sehr gut erhaltene, aus Nachlässen herrüh- renbe Gegenstänbe wie: 4134D Möbel, Küchengeräte, Porzellan und Gläser, Spiegel und Bilder. Sofas und Chaiselongues usw., öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigert. Bürgermeisterei Gießen (Wohlfahrtsamt). Dr. Seid. Bekanntmachung. Die Heberolle über die Beiträge zur Land- unb forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft für bas Jahr 1931 liegt von heute an währenb zwei Wochen beim Ver- sscherungsarnt ber Stabt Gießen, Lony- straße 2, 1. Stock, Zimmer Nr. 5, täglich von 7% bis 12% Uhr zur Einsicht offen. Innerhalb einer weiteren Frist von zwei Wochen, nach Ablauf ber Dffenlegungsfrift, kann ber in ber Heberolle als beitragspflichtig in Anspruch Genommene gegen bie Beitragsberechnung bei bem Vorstand ber Land- unb forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft in Darinftabt Einspruch erheben (f. §§.1021—1023 ber Reichsversiche- rungsorbnung). Der Einspruch schiebt bie vorläufige Zahlungsfrist nicht auf. Gießen, ben 28. Mai 1932. Versicherungsamt ber Stadt Gießen. ___________ Dr. Sei b._______4161D Bullenverkauf. Die Gemeinde Lollar verkauft einen zur Zucht untauglich gewordenen Vogelsberger Zuchtbullen. 4147D Angebote sind pro Zentner Lebendgewicht bis zum Donnerstag, dem 2. Juni 1932, nachmittags um 6 Uhr, auf ber Bürgermeisterei einzureichen, woselbst die Eröffnung der Angebote ftattfinbet. Die Bedingungen sind vorher einzusehen. Lollar, ben 27. Mai 1932. Hessische Bürgermeisterei Lollar. Schmidt. Holzsubmission. Aus ben Walbungen der Gemeinde Beuern kommen folgende Holzsortimente zum Verkauf: 4148D Langholz und Abschnitte, sichte. Los 1. < Nasse la 33 Stück, 4,68 fm „ 2. ff 1b 52 „ 16,27 „ „ 3. ff 1b 98 „ 26,42 „ „ 4. • e 1b 157 „ 45,57 „ „ 5. 2a 29 „ 20,29 „ „ 6. ff 2a 69 „ 35,57 „ , 7. 2a 26 „ 16,84 „ „ 8. ff 2b 35 „ 34,25 „ „ 9. ■■ 2b 20 „ 22,46 „ „ 10. 3a 17 „ 21,01 „ „ 11. 3b 8 „ 12,38 „ 12. n 4a 2 „ 1,60 „ „ 13. • e 5 1 „ 1,06 „ Das Holz ist ohne Rinde gemessen unb entrindet. Angebote sind getrennt nach Sortiment unb Klassen in ben Losen bis Freitag, den 3. Juni d. I., nachmittags 2 Uhr, auf Hiesiger Bürgermeisterei einzu- reichen, wo anschließend bie Deffnung ber Angebote erfolgt. Mit ber Einreichung unterwirft sich ber Käufer ben Verkaufs- bebingungen, bie vor dem Termin bekannt- gegeben werden. Das Holz kann vorher eingesehen wer- den, da spätere Reklamationen nicht berücksichtigt werden können» und wird auf Verlangen von Förster Keil vorgezeigt. Beuern, den 27. Mai 1932. Bürgermeisterei Beuern, Lindenftruth. Praxis bis 15. Juni geschlossen Dr. A. Hofmann Frankfurter Straße 43 Vertreter: Herr Dr. Mehl, Ludwigstr. 28 Fernsprecher Nummer 4255 ______________________________4144 D Durch Uebernabme ber Vertretung unserer leicht verkäuflichen Konsumartikel flüff.Geife mit Spender, flüss.Bohnerwachs, Fuß- bodenöle, Auioöle usw. bietet sich für zielbewußten, versierten Herrn gute Dauereristenz. Branchekennt- msse und Kaution nicht unbedingt erforderlich. Hobe, sofort auszahlbare Pro- Vision und bei entsprechendem Umsatz angemenenen Sveienzuschutz. Bewerbungen an Verkaufsstelle Niedersächsi- wer Seifenfabriken, Hannover-Linden, Postfach 106. s,98«V Geschäfts-Drucksachen Rechnungen I Briefblätter Briefumschläge bei Brühl, Schuktraße? 22.^ Rasenmäher 4085 A Große Auswahl r.Orlßlnal-Fabrlkpr.eisen Samenhaus Heinrich Hahn Bahnhofstraße - Fernsprecher Nr. 3403. 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Die beiden Montrahcntcrt waren im Meistcrjchaftskampf die stärksten Rivalen. Dutenhofen wurde von 1900s Junioren nur knapp auf den zweiten Plag verwiesen, siegte damals aber in Kietzen. Die Mannschaft trägt in Dutenhofen ein Gesellschaftsspiel aus. Gegner ist die dortige 2 Mann- schäft. Da es sich beiderseits noch um ziemlich viel Anfänger handelt, ist der Spielausgang nicht vor- auszufagen. 3uqcnöfpiclc. Die 1. 3 u g c n b trägt am Sonntag ihr letztes Pslichtspiel gegen die 1. Fugend des dortigen BsR. inDutzbach aus Wenn dieBlauwe.ßen sich an- strengen, erringen sie durch einen Sieg die Meisterschaft der zweiten Spielserie und eventuell die Gruppenmeisterschast Die 2 3 u n c n t> siebt im Entscheidungsspiel der 1. Fugend in Ettingshausen gegenüber. Nach einem Siege hat die Mannschaft noch um dieGau- rneisierschaft der B-Klasse mit der l. 3ugend von Büblingshausen zwei Spiele auszutragen. Die 1. Schüler tragen In Leihgestern gegen die dortigen Schüler ein Pflichtspiel auS. Nach den letzten Leistungen sollte man 1900 in Front sehen Die 2 Schüler treten inGroßen - Buseck den Schülern in^Pflichtspiel gegenüber. Die Kleinsten haben gegen den kräftigen Gegner keine guten Aussichten. $(£ „Teutonia"Wahenborn-Gteinberg Die Liga de» VsR. vuhbach in Steinberg. Den „Teutonen" ist es gelungen, für den morgigen Sonntag die Liga des BfN. Butzbach zu einem Gesellschaftsspiel nach Sleisibcrg zu verpflichten. Butzbach gehört der 1. Bezirksklasse an, nimmt in der Berbandsipieltabelle einen guten Mittelplatz ein und lieferte den Spitzenvereinen, wie z B. der Liga von 1900 Kietzen,, immer hartnäckige Kämpfe. Die Käste treten voraussichtlich, ebenso wie der Gastgeber in stärkster Aufstellung an. Es ist deshalb jnit einem spannenden Kampfe zu rechnen. Die 1. Mannschaft der „Teutonen" sollte bei diesem letzten Spiel auf eigenem Platze vor der Spielsperre alles daran fetzen, um sich beim Publikum für dieses Spieljahr einen guten Abschluß zu ver'chafsen. Die 2. Mannschast iährt Zu einem Gcicllichast»- spiel zu der FutzdallabtcUung de» Turnverein» Wieseck. VfB. Gießen. Die Ligareseroe weilt morgen in Ahlar gegen den dortigen VfB zum Rückspiel. Die 1. Fugend empfangt zum Rückspiel die gleiche der „K u r h e s s c n" Marburg Die 2. Fugend spielt auf dem Waldsportplatz gegen die 1. Fugend von Hermann st ein. Die 1. Schüler spielen hier gegen die 1. Schüler von Heuchelheim, wahrend die 2. E d) ü • I e r in Wiefeck gegen- die gleichen des Turnvereins cntreien. Turnverein Vieseck. Am kommenden Sonntag empfangt die 1. Schuler- Mannschaft des To. die gleiche des BC. Nauborn zum Entscheidungsspiel um die Gaurneisterschast. Man mutz den Spielverlauf offen lassen, da die Spiclstärke der Kaste nicht bekannt ist. Lorher trägt hie 2. Mannschaft des Turnvereins ein Freundschaftsspiel gegen die 2. der Teutonia Steinberg aus. Hier durften die Gäste knapper Sieger bleiben. Fußballklub 1926 Großen-Buseck. Kommenden Sonntag löst die 1. Mannschaft eine Nückspieloerpflichtung in Butzbach gegen die dortige Vigareferoe des DsR ein. Butzbach erzielte in feinen letzten Spielen recht gute Ergebnisse. Man wird daher gut tun, das Spiel nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, zumal Butzbach die Vorteile des eigenen Platzes zu wahren wiffen wird. Die Schüler stehen in Großen Buseck der zweiten Schülermannlchaft der Spielvereinigung 1900 Gießen im Pslichtspiel gegenüber. Sportverein 1928 Garbenteich. Die 1. Mannschaft beS Spv. 1928 Garbenteich hat sich für kommenden Sonntag die Ligareserve des Wetzlarer Sportverein- zum Gefellschastsrück- spiel nach Garbenteich verpflichtet. 3m Vorspiel mutzten sich die Garbenteicher auf dem Platz der Gäste mit 6.3 geschlagen bekennen. Garbenteich mutz morgen für Mittelläufer und linken Verteidiger Ersatz einstellen, so daß eS ihm schwer fallen wird, gegen die spielstarken Wetzlarer einen Sieg davonzutragen. Die Faustbatt Meisterschaft im Turngau Hessen (OT.) Nächsten Sonntag wird in Butzbach die Vorrunde zu den diesjährigen Baumeister» fchast - spielenin Faust ball ausgctragcn. In der G a u s o n d c r k l a s s e, in der der Gau- meister ermittelt wird, treten fünf Mannschaften an Tv 1646 Gießen I als Titelverteidiger. Tgm Friedberg. Tv Frankenau. T u. Spv Butzbach und To Nidda Die sechste Mai'.nschafr der Sonderklasse. Tv. 1646 Gießen II. konnte nicht ge- meldet werden da drei Spieler dieker Fünl als Ersatz in die erste Mannschaft genommen werden müssen. Die Gießener Erste ist damit gegen das Vorfahr wesentlich geschwächt, zumal auch Ri ringer in der Altersklasse spielt' sie wird keinen leichten Stand gegen den langjährigen Rivalen. Tgm- Friedberg, haben. In dessen gut eingespielter Mannschaft nur ein neuer Spieler erscheint Da auch die Mannschaft des bekannten Faustballpion,ers von der Eder, des Tv. Frankenau mit drei neuen Spielern antritt. läßt sich über den Ausgang der Spiele nichts Voraussagen In der Altersklasse vermißt man d.esmal die Mannschaften von T u. Spv Butzbach und Tv Wetzlar-Niedergirmes. Dafür tonnen als Neulinge Pol -Spo. Butzbach und Tv Wetzlar auftreten Der Titelverteidiger. Tgm Friedberg, dürfte diesmal gegen die Altersfünf des Tv. 1846 Gießen, in der Risinger als Schnurspieler steht, nur schwer aufkommen Bei den Turnerinnen haben nur Mtv. Gießen und Tv. 1646 Gießen gemeldet die beiden Mannschaften spielen Mittwoch abend in Gießen. Handball im Gau Hessen (D.T ) Io. Heuchelheim — 2. Kompanie 15. 3nf.-Rcgl. Am Sonntag stehen sich in Heuchelheim die erste Mannschaft des Turnvereins und die gleiche Mannlchost der 2. Kompanie 15. Fns. Negt. im Gesellschaftsspiel gegenüber. Den Soldaten geht ein guter Rus voraus- sie konnten in den letzten Wochen erst die Ball. Meisterschaft erringen. Diele Tatsache wird die Einheimijchen, wenn sie einigermaßen ehrenvoll abschneiden wollen, zur Hergabe des Aeußersten zwingen, so daß mit einem spannenden Treffen gerechnet wird. Io. Grohen-Linden — Spieloereinigung 1900. Am kommenden Sonntag empfängt die 1. Mann- schäft des I d. Kroßen-Linden die 1. Elf iyr Spielvereinigung 1900 Gießen zum Freundfchafts-Rückspiel. Ob die Großen-Lindener ihren Vorspielfieg wiederholen können, muß man abwarten, da sie voraussichtlich mit Ersatz antreten müssen. Sandball im Lahn OünSbera-Gau Kommenden Sonntag hübet auf dem Platz in S’aunsbad) zwischen der Mannschaft des Tv. Lollar und der des Tv. L a u n s b a ch das letzte Spiel um den Aufstieg in die Gau klaffe statt. Rach den bisherigen Spielen liegt die Mannschaft von Lollar, nach Punkten gerechnet, an der Spitze und wird, wenn sie das Spiel am kommenden Sonntag in Lannsbach für sich entscheiden kann, in die Gau- klasse aufsteigen. Sollte der Platzbesitzer das bessere Ende für sich haben, so stehen beide Mannschaften gleich und wird dann ein Entscheidungsspiel notwendig. Nach den bisherigen Spielen, die brbe Ma n n Waste n sich geliefert haben, ist der Ausgang als durchaus offen u bezeichnen. Der sieger durste ers: mit dem Schlußpfiff festsiehen. Tisch-TenniS her Gp.'Dg. 1900. Am morgigen Sonntag ist ItMtO» erste Mannschaft in einer Stärke non 12 Mann in Bad- Nauheim zu Gast. Sie trägt Zwei Turniere au», und zwar gegen Tischtennis Elub ..Grün Weiß" Bad-Nauheim und qcaen den Tischtennis Elub Frankfurt a. M.-Wesl Den letzten Kampf gegen Bad Nauheim konnten die 1900er glatt gewinnen, inzwischen soll sich der Gaftgeber jedoch nicht un- wrjentlich verstärkt haben. Kegen Frankfurt inerten die Gießener, obwohl sie mit einer starken Mannschaft fahren, kaum gewinnen können. Kraftsport. Am kommenden Sonntag finden in Alsfeld die Meisterschaften de» Gaues! i m .Kreis des .Deutschen Athletiklport- verbandes 189 1" statt. Zu diesen .Kämpfen entlenbet der .1 Gießener .Kratt- und Sportelub 18^3“ einige Teilnehmer Aussichten im Ringen dürften die beiden Leichtgewichtler Alois Funk und Adolf .Klotz haben. Auch in der Feder- und Mittelgewichtsklasse ftfbcn in AI er Gotz bzw. Albert Forbach zwei zuverlässige Ringer auf der Matte. Ferner dürfte der Fugendringer Heinrich Gmmerich einen guten Platz belegen. Das Gewichtheben sieht die aktiven Wagen» pfeil. Hertrich und Forbach und die Fugendlichen Bi ermann und Grnmerich an der Hantel. Arbeiter Turn» unb Gvortbunh Am kommenden Sonntag hat Wiefeck I Krohen-Buseck I im Freundschaftsspiel zu Gaft. Großen-Buseck hat in letzter Zeit beachtliche Nesultate erzielt und dürfte auch am kommenden Sonntag dem Gastgeber starken Widerstand entgegensetzen, aber um eine Niederlage nicht herum- kommen. Vorher werden sich Wieseck 1. Fugend — Großen-Buseck II gegenüber,lehen. Die 2. Fugend von Wieseck erfüllt eine Nückspieloerpflichtung in Fellingshausen und wird wohl alles hergeben nzussen, wenn sie einen Sieg mit nach Haufe bringen will Fn der Sdjülerferie stehen sich am Sonntag S" euchelheim — Wißmar, Krofdorf — Kinzenbach, r. Buseck — Gießen, Kroßen Linden — Watzen- born jeweils auf dem Platze des zuerstgenannten Vereins gegenüber. Handball. Auf dem Wiefecker Platze stehen sich am kommenden Sonntag Wieseck I und Wißmar I im Freundschaftsspiel gegenüber. Beide Gegner werden in wesentlich veränderter Aufstellung antreten, so daß eine Vorhersage über den Ausgang des Spiels schwer zu treffen ist. $ Ein Telephongespräch Die Käuferschareri bei der Berliner „Ka rze n traM warten auf Einlaß! „Hallo, hallo! — Fräulein, ich spreche doch noch! — Hallo, Ella, — bist Du da? --Also beinahe wären wir wieder getrennt worden, ehe ich Dir das Wichtigste erzählt habe. Sag’ mal, hast Du den Menschenauflauf gesehen, als neulich in Berlin die erste Karzenlra eröffnet wurde?“ „Richtig, ja; aber ich muß sagen, so recht schlau bin ich aus dieser Neueröffnung nicht geworden. Jetzt steht überall das Wort „Karzentra“ zu lesen, — weißt Du denn, was man sich darunter vorstellen x» soll?“ T/ Ä „Allerdings weiß ich das. Mein Mann JL hat mir gestern einen großen Vortrag ge- halten, und wenn Du mir heute nachmittag eine Portion Kuchen mit Sahne spendieren willst, bin ich gern bereit, Dir von meiner Weisheit mitzuteilen. Die Unkosten wirst Du übrigens bald wieder heraushaben, denn „Karzentra“ bedeutet praktisch nichts - anderes, als eine fabelhafte Möglichkeit zu sparen!“ ■■■■■ „Das wäre allerdings gerade das, was ich brauchen könnte bei dem chronischen Gehaltsabbau meines Mannes. Kuchen und Schlagsahne seien gewährt, also nun schieß' los!" „Daß Karzentra zum Karstadt-Konzern gehört, ist Dir ja wohl bekannt. Nun, der Name „Karzentra“ deutet auf die Karstadt-Zentralorganisation hin und ist die Bezeichnung für einen neuen Kaufhaustyp, der vom Karstadt- Konzern in Berlin zum ersten Mal verwirklicht worden ist und bald auch in einer Reihe von anderen Städten eingeführt werdcn soll. Als zweites Karzentra-Ceschäft ist Ende April die Karstadt-Filiale in Altona eröffnet worden. Weitere sechs folgen in den nächsten Monaten. Am Freitag, dem 3. Juni, nachmittags 3 Uhr, soll Gießen eröffnet werden.“ t- * „Schön, und wodurch unterscheiden sich nun die Karzentra-Geschäfte gegenüber ihren Vorgängern ?“ „Kurz gesagt durch größere Billigkeit bei gleicher Qualität der Waren.“ „Das wäre also gewissermaßen das Ei des Kolumbus! — Aber Du mußt mir noch näher erklären, weshalb und wieso denn da Kaufhaus Hansa ebenso wie alle Karstadt-Geschäfte immer schon durch größte Billigkeit bekannt war, nehme ich an, daß die besondere Billigkeit der Karzentra-Geschäfte auch durch besondere Umstande - vielleicht durch eine andersartige Organisation - begründet sein werden?“ „Ich bewundere Deine Logik: Die besonderen Vorteile der Karzentra-Geschäfte ergeben sich in der Tat vor allem durch ihre ausgeprägt zentralistische Organisation, die Einkauf, Kalkulation, Lagerhaltung und Verkaufsleitung, wofür in jeder Abteilung bisher besondere sachkundige Kräfte nötig waren, nunmehr für alle Karzentra-Häuser in der Karstadt-Zentrale in den Händen allererster Fachkräfte vereinigt Dadurch ergeben sich ganz wesentliche Ersparnisse, die in vollem Umfange zur Verbilligung der Preise verwendet werden.“ „Das leuchtet mir ein ; aber ich kann mir offengestanden nicht denken, wie eine solche zentralistische Bearbeitung bei der großen Auswahl und dem sehr verschiedenartigen Geschmack in vielen Artikeln möglich sein soll “ „Ja, Deine Bedenken sind nicht unbegründet, und die notwendige Folge ist selbstverständlich, daß in vielen Abteilungen die Auswahl eingeschränkt werden muß. Aber mir scheint, die Vorteile sind derart groß, daß man diesen Nachteil gern in Kauf nimmt. Tatsächlich ist ja auch sowieso unser Geschmahk gegen früher bereits in starkem Maße standardisiert worden, und der „standardisierte Kaufhaustyp“, wie man die Karzentra-Geschäfte auch bezeichnet, ist eigentlich nur die konsequente Fortbildung einer sich schon länger anbahnenden Entwicklung. Bei Bedarfsgegenständen für den Haushalt und bei Lebensrnitteln gjpt es ja schon immer gewisse Standardformen, die ohne Schwierigkeiten jeweils durch die Zentrale nachgeliefert werden können. Aber auch bei den der Mode unterworfenen Artikeln setzen sich einheitliche Richtlinien immer mehr durch. Unsere Kleidung wird zum Teil fast zu einer Art Uniform.....“ „Ja, leider!" < „Leider, oder nicht, — das steht auf em em anderen Blatt. Wesentlich ist in der gegenwärtigen Notzeit, daß auf diesi Weise eine erhebliche Verbilligung aller dieser Dinge möglich ist! Denn wenn die Geschäfte nicht mehr gezwungen sind, eine umfangreiche Auswahl zu halten und dabei die Gefahr zu laufen, auf den wenig verlangten Artikeln sitzen zu bleiben, dann brauchen sie dieses Risiko nicht miteinzukalkulieren und können entsprechend billiger verkaufen. Die Karzentra-Geschäfte haben nun den Spieß umgekehrt und selbst die Initiative ergriffen : Sie zwingen die Kundschaft, unter der von ihnen angebotenen beschränkten, aber gut durchdachten Auswahl ihre Wahl zu treffen, und die Vorteile, die sie dabei bieten, sind derartig erheblich, daß alle Hausfrauen sicher mit beiden Händen zugreifen werden.“ „Das mag wohl sein, denn bei der heutigen Notlage ist man ja unbedingt darauf angewiesen, auch den kleinsten Nutzen wahrzunehmen!“ „Auch äußerlich kommt bei den Karzentra-Geschäften zum Ausdruck, daß sie auf äulicrstc Sparsamkeit eingestellt fA Kinder/Nährmittel Kinder-Nährsalzsaft Nährsalzhafergrieh Gebirgshaferflocken Kindermehl sind für den Aufbau des Kinderkörpers unerläßlich. sie fördern die Knochenbildung und das Wachstum der Muskeln und bieten gleichzeitig Schutz vorVerdauungsstörungen Thalysia-Reformhaus Kytfhäufer-Technikum Bad Frankenhauien, Kyffh. Programm anlo.der . Elektrotechnik, Maschinen-, Landmasch.-.Auto- u. Flugzeugbau, Flu?rbetrieb. Stahlbau, Eisenwasserbau. Für Kaufleute einsem. techn. Kurse, i VOLKSH ALLE-GIESSEN Morgen Sonntag. 29. Mai 1932. abends 8.15 Uhr (20.15) Militär-tiroR-Konzert! Badeschriften durch die Niederlage in Gießen: Jean Weisel, Sonnenstraße 6, Telephon 3888 und durch.die Kurverwaltung Bad Wildungen, 3644 V Adler- BembergKCide, 80 cm breit, für Sportblusen. 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Künstlerische Darbietungen: Herr Ewald BH ulke und Frau Girls-Tänze der Bllulke-Tanzgruppe Herr Spielleiter Heinrich Hub vom Stadttheater Kapelle Einbrodt Darmstadt 28. Mai 1932 fBxullBMEdungenfür Mew ufBfaie Zur Haus-Trinkkur: Einlaßkarten: Vorverkauf 40 Pf. W42D Abendkasse 50 Pi, in Riesenauswahl und besten Qualitäten zu fabelhaft niedrigen Preisen WaschknnHtseide, 70 cm breit, 25 neue q Q Muster, auch in apart. Pastelltönen, wirklich * «CX gute Ware, ohne Fehler ..per Meter -.55, -.48, «UV Kunstseiden-Beiderwand aa 70 cm breit, in entzückenden Streifen, gute ■ k'J echtfarbige Ware..............per Meter • U fc sowie sämtliche landwirtschaftl. Geräte Edgar Vorrmann, Gießen Wissenscnaftliche Werke =onaergeoi«t der Brühl'schen Druckerei Der Hiirefronenoerein oom Holen fitem fordert seine Mitglieder zur Beteiligung an einem Ausflug nach dad-Racheim auf, zur Besichtigung des Kerkhoffschen Instituts: Mittwoch, den 1. Juni 1932, Abfahrt um 14.39 Uhn Äillet hin und zurück 1.50 Mark. Treffpunkt: Bahnsteig. Oberhessische Vieh-Defficherungs-WM Sonntag, den 5. Juni 1932, nachmiittags 2’/2 Uhr findet in Gietzen, im Eisenbahnhotel Hopfeid, die ordentliche Mttsliedev -Versammlung (Hauptversammlung) stait. Tagesordnung: 1. Bericht des Direktors 2. Rechnungsablage 3. Neuwahl von Ausschufimitgliedern 4. Erweiterung des § 32 der Satzung 5. Verschiedenes 4,19D Gießen, 23. Mai 1932 vr, van Bentheim, Direktor 3661 A J. B. HAUSER, GIESSEN __AMOSWAL DSG ARTEN Einen praktischen und modernen Roeder-Herd mit Seitenfeuerung sah er dort und da er ohnedies mit dem Gedanken umging, seine alte Räucherkiste auszurangieren, so zögerte er auch nicht lange und ließ sich dieses neue Modell In seiner Wohnung aufstellen. Kommen Sie doch auch einmal in unsere Ausstellungsräume. Sie werden erstaunt sein, wieviel neue Modelle an Küchenherden Sie bei uns vorfinden. Glauben Sie nicht, daß auch Sie noch einen praktischen Küchenherd für wenig Geld bei uns erwerben können ? Wir erwarten Sie gern. 1/192^ Cr. 125 Drittes Blatt __________Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheften)________________Samstag, 26. nlai 1952 Wirtschaft. Wochenbericht vom $ronffurfer Droöuftenmarft. An der Getreidebörse war die Haltung in der abgclaufenen Woche für Brotgetreide schwach. Das starke Angebot von Ware, in neuer Ernte am Berliner Markte färbte auch auf den Frankfurter Produktenverkehr ob. Starker Preisdruck war vor ollem im 3uh- und Septcmber-Termin zu bemerken, weil man aus Grund der Witterung do- Wach-tun, der Pflanzen so günstig beurteilte, bah man selbst bei Weizen damit rechnet daß »n der letzten Zuli-Wochc die neue Ernte, wenn auch nicht am Markt erscheinen, so doch dicht bevorstehen könnte. Obwohl do« Angebot am Weizcnmorkt in prompter Ware durchaus knapp blieb, beschränkten sich die Mühlen nur aus die Deckung de« notwendigsten Bedarfs-. Der Weizcnpreis Hot gegenüber der Vorwoche eine Ermäßigung um 5 Mk per Tonne auf 282.50 bi- 280 Mk. er- fahren Am A og gen markt ist die Situation nur wenig verändert Vei kleinem VedarsSgeschäst blieb der Preis mit 225 Mk per Tonne unver- ändert. Dos Angebot in deutscher Ware bleibt knapp, die DGH gibt weiterhin Vulsen-Voggen ab Der tz a s e r m o r k t bewahrte auch m der ab- gelaufcnen Woche seine stetige Tendenz, und die Votierung blieb mit 172.50 bis 177.50 Mk per Tonne unverändert Am Gerstenmarkt mochte sich etwas Vachsroge für Drauware bemerkbar, doch war der Umsatz klein. Der Preis konnte aber etwas an* ziehen und stellte sich auf 200 bi« 204 Mk. per Tonne Von Futtermitteln gestaltete sich der Absatz in Hühnerweizen etwas lebhafter Äraft- suttcrmittel logen im Hinblick auf die Grünfutter- ernte 0.50 Mk schwächer. Weizen- und Voggcn- flcic 10.00 Wk. getrocknete Treber 11.50 Mk. Arn Mehlrnarkt wurden die Preise für Weizenmehl von den KonventionSmühlen im Laufe der Woche zweimal — insgesamt um 0.75 Mark per Doppelzentner — ermäßigt Trotzdem trat keine Geschäftöbclebung ein. und der Abruf von leiten der Väcker war weiter gering, zumal die Aauffraft für Weizengeböck immer schwächer wird. Voggenmehl ging erneut um 0.25 Mk. zurück bei weiter kleinem Geschäft Die zweite Hand ist noch billiger im Markt, besonders mit norddeutscher Ware Es notierten per Doppelzentner in Mark: Weizenmehl (süddeutsches Spezial 0. mit Austauschweizen) 39.25 bis 40.25, lniede'rrheinisches Spezial 0 mit Austauschweizen« 39.25 bis 40.00. Voggenmehl (70prozentige Ausmahlung) 28.00 bis 29,50 Am Kartosfelmarkt war die Haltung sehr ruhig bei etwas nachlassenden Preisen. Zndustriekarlosfeln hiesiger Gegend per Zentner bei Waggonbezug wurden mit 2.90 Mk. notiert. Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviebmarkt. Der Frankfurter Schlachtviehmarkt hotte in der obgelauienen Woche eine meist schwächere Tendenz zu verzeichnen Das zeitweise Anziehen der Preise darf nicht darüber hinwegtäufchen. dah sich die Lchlochtviehpreise im a II gern e i n c n in sinkender Tendenz bewegen. Der Austrieb in der Verichtswoche hat sich allenthalben verstärkt. Dos in letzter Zeit wieder gebesserte Viveou der Schweinepreise bat in dieser Woche eine Korrektur nach unten erfahren Die Vachsrage war schon nach den Feiertagen sehr klein, so dost bei der erhöhten Beschickung von 5331 Stück, gegen 4148 Stück, infolge des schleppenden Geschäftsganges ein Vachgeben der Preise säst unvermeidlich war Die Preisrückgänge betrugen 3 bis 4 Mk. und es verblieb Ucbcrftanb. Schweine b) 33 bis 36. c) 34 bis 36. d) 32 bis 35. c) 30 bi« 34. Am Vindermarkl betrug der Austrieb 1362 (1Q19) Stück. Vach ruhigem bi« schleppendem Handel verblieb Ucbcrftanb. Die Preise lagen nur wenig verändert, teils zogen sie leicht an. teils gingen sie um 1 Mk. zurück Ochsen al) 32 bis 35. a2) 27 bi« 31. bl) 23 bi« 36; Bullen a) 28 bis 31. b) 22 bis 27; Kühe al 25 bis 27. bl 22 bis 24. c) 18 bi« 21; Färsen a) 32 bi« 35. b) 27 bi« 31. c) 23 bi« 26. Der Auftrieb des Kälbermarktes war mit 1788 Stück um rund 750 Stück stärker, wo« für die kleine Vachsrage zu viel war. Das Geschäft gestaltete sich schleppend, und nut zu stark ermäßigten Preisen konnte der Markt geräumt werden Die Preise liehen erneut um 4 Mk nach und notierten wie folgt Kälber b) 39 bi« 41. c) 34 bi« 38. d) 25 bi« 33 Der geringe Zutrieb am Schosmarkt von 61 Stück wurde gleichfalls nur schleppend geräumt- Die letzthin höher genannten Preise gingen um ettoa 1 bi« 2 Mk zurück Eine amtliche Votiz wurde nicht vorgenommen. • Bergmann Elektrizitätswerke AG. Berlin. Vach dem Geschäftsbericht der Bergmann Elektrizitätswerke AG. Berlin, fiel ber Umsatz im Jahre 1931 auf 48 Millionen, gegen 78 Millionen Mark in 1930 und 116 Millionen Mark in 1929. Der Geschästsgewinn betrug 1.38 gegen 5J4 im Vorfahr Für Steuern wurden 4,23 (3,071 aufgewendet Soziale Abgaben beanspruchten 1.04 (1.37) Will Mk Sämtliche Beteiligungen hoben völlig unbefriedigend gearbeitet. Die deutschen Vertriebsgesellschaften wurden stillgelegt, die ausländischen find in Abwicklung begriffen. Von der OSram-Beteiligung erwartet die Verwaltung für deren GefchäftSiahr 1931 32 eine angemessene Honte. 3n den ersten Monaten de« neuen Jahre« ist der Umsatz weiter so stark »uriitfgegangen, bah die Unkosten nicht gedeckt wurden. Weitere Betriebsstillegungen sind deshalb erforderlich. Die Belegschaft beträgt zur •Seit 2700 Köpfe, gegen 5700 Ende 1931. 3n Zukunft soll der Betrieb auf fünf biS sechs Spezialgebiete konzentriert werden Der zu erwartende Kapitalschnitt soll so erfolgen, dah nach Möglichkeit kein neuer Verlust eintritt. Frankfurt schwächer und still. Frankfurt o. M 28. Mai. (WIB Drahtwel- düng.) An ber Wochenschluhbörse entwickelte sich bei Beginn nur sehr geringes Geschäft, so dah man allgemein der Anregung, die Samstaabörse während de Sommermonate ausfallen zu lassen, zuneigte. Die Stimmung war eher schwacher, da dem auf einigen Marktgebieten herauskommenden Angebot nur sehr geringe Aufnahmeneigung gegenüberstand. Bon verstimmendem Ginfluh waren erneut Gerüchte, die von einer VerschiebungderLausanner Konferenz wissen wollten. Daneben mahnte die morgige Aussprache zwischen Hindenburg und dem Reichskanzler sowie die schwache Haltung der gestrigen Neuyorker Börse zur Zurückhaltung. Gegenüber der Abendbörse ergaben'sich meist R ü ck . gange bis zu 1 o. H. Darüber hinaus waren besonders Gleftrorocrte stärker angeboten, wobei der Verlustabschluß bei Bergmann nachwirkte und Material herangebracht hat. AEG. gaben 1 o. H, Licht & Kraft etwa 2,75 o. H. nach. Siemens lagen bc hauptet. IG. eröffneten 1 v. H. und Reichsbankanteile 1,25 o. H. schwächer. Montanwerte lagen recht widerstandsfähig. Mannesmann zogen sogar 0,75 v H. an. Bon Schiffahrtswerten blieben Norddeutscher Lloyd gut behauptet. An den übrigen Marktgebieten herrschte Geschäftsstille. Am R e n t c n m a r f t gestaltete sich das Geschäft ebenfalls sehr ruhig, doch blieben die Kurse im großen und ganzen unoeränbert. Für Gold- und Ciquibationspfanöbricfe bestand eher etwas Nachfrage, dagegen waren Reichsschuldbuchforderungen nur knapp gehalten, Rcichsbahnvorzugsakticn gaben 0,5 o H. nach. Auch in ber zweiten Bärfenstunde hielt die G e s ch ä f t s st i l l e durchaus an. Etwas lebhaftere Umsätze fanden lediglich in Scheideanstalt statt, die 2.5 v. H. anzogen. An den übrigen Marktgebieten blieben die ersten Kurse unverändert. Siemens konnten sich später wieder auf den Stand ber Abendbörse erholen. Trotz des bevorstehenden Ultimos war die Lage am Geldmarkt relativ leicht, Tagesgeld zu 4,25 o. H. unverändert. Fast völlige Geschäftslosigkeit in Berlin Berlin, 28. Mai. (WTB. Funkspruch.) Einer gebesserten außen- und innenpolitischen Stimmung stand zu Beginn der heutigen Börse f a ft völlige Gosch äst st agnation gegenüber. Man beurteilte zwar die Aussichten für das Kabinett Brüning günstiger und rechnet damit, daß es morgen vom Reichspräsidenten wieder das Der* tj auensDotum erhält, auch die Hoffnungen für Lausanne schienen wieder gebessert, ferner machte die Erklärung der neuen österreichischen Re- gierung einen guten Eindruck. Störend wirkte aber der schwache Verlauf der gestrigen Neuyorker Börse und besonders ein stärkerer Rückgang der Lsaung- anleihe. Die Erholungen, die in den gestrigen Abendstunden eingetreten waren, gingen heute wieder verloren, die ersten Kurse lagen zum Teil sogar noch unter Mitlagsjchluß. Es handelte sich aber gewöhnlich nur iup Bruchteile eines Prozentes. Da» Geschäft stagnierte fast vollkommen, da die Abgabeneigung der Spekulation nur klein war und der Auftraaseingang bei den Banken sich in engsten Grenon vielt. Farben eröffneten unverändert. RDE die 'cheinbar unter den UltimoglattfteQungen zu leiden hatten, konnten sich um 2 o. H erholen, auch Laurahütte. Dessauer Gar und Orenftem 8: Koppel waren um lf bis 2 v. H gebessert. Anderseits büßten Licht und Kratt und die Kalineben- oerte lj bis 2 v. H. ein. Auch Reichsbankanteile verloren 1 v. H. Am Rentenmarkt bestand ebenfalls wieder Angebot. Industrieobligationen brodelten langsam ab, Reichslchuldbuchtorderungen verloren i bi* i o. H., während Deutsche Anleihen und Reichsbahnvorzugsaktien behauptet lagen. Auch im verlaufe änderte sich auf den Aktienmärkten an dem ruhigen Geichäft wenig Die Kursgestaltung blieb weiter uneinheitlich Ehade- aktien. die anfangs 1,5" Mark gewinnen konnten, büßten im verlaufe 2,50 Mark ein, auch Delfauer Gas und Drenftcin 8- Koppel gaben *pätrr die Hälfte ihres Anfangsgewinnes wieder her. Gegen Ende der ersten Börjenstunde fetzten bann Dettingen zum Dochenlchluß ein, die, ohne daß das Ge- lchäft allerdings wesentlich an Umfang zunahm, allgemein zu kleinen Kursbefeftigungen (bi» zu 1 v. H. über Anfang) führten Altbesitz, anleihe konnte sich um i v. ch bessern, von Aus- landsrenten gaben Anatolier weiter nach. 21m Geldmarkt war vor dem Ultimo eine weitere Versteifung feftjufteUen, doch blieben die Satze noch unverändert Tagesgeld stellte sich auf 5« p H. und darüber, vereinzelt noch auf 5j v H. Montagsgeld blieb mit 6 bis R v. H. nominell unverändert Epiclplan Der frankfurter Theater. Opernhaus Sonntag. 29 Mai . Maraa- rethe". Anfang 19 30 Uhr. Ende gegen 22 30 ilgr. Montags 30 Gelchlosten Dienetag. 31. .Die verkaufte Braut" Anfang 20 Ubr. Ende gegen 23 Ubr Mittwoch. 1 Zum .Don 3uan" ; Anfang 19 30 Uhr. Ende 22.30 Ubr Tonnerstaa. 2 . Die schöne Helena". Anfang 19 30 Ubr. Ende nach 22 30 Uhr Freitag. 3 .Die Zauberflöte". Anfang 19 30 Uhr. Ende 22 30 Uhr Samstag. 4 .Mar- rethe". Anfang 19 30 Ubr. <3nbc 22 30 Ubr Sonntag. 5 .Der Bettelstudent Anfang 19 30 Uhr. Ende 22.30 Uhr Schauspielhaus Sonntag. 29 Ma,: . Faust". 1 Teil. Anfang 17 Uhr. Ende 22 Uhr Montag. 30 .Egmont . Anfang 19 Uhr. Ende 22 30 Uhr. Dienstag. 31 .Der Vaud der Sabine- rinnen". Anfang 16 Uhr. Ende nach 18 30 Ubr. .Wie heißt das Stück?". Anfang 20 Uhr. Ende 22.30 Uhr Mittwoch. 1. 3uni. .Zsro"; Anfang 20 Uhr. Ende 23 Uhr Donnerstag. 2 .Der Vaud der Sabincrinnen". Anfang 20 Uhr, Ende nach 22.30 Ubr Freitag. 3 . Fuhrmann Henschel Anfang 20 Uhr. Ende 22 30 Uhr Samstag. 4 Gaftspiel des Kabarett« der Komiker; Anfang 20 Ubr. Ende nach 22.30 Uhr Sonntag. 5 .Wie heißt das Stück?"; Anfang 20. Ende 22 30 Uhr Die Lehrstellenvermittelung. Aus der Praxis der öffentlichen Berufsberatung. Don Dr. Bottenbacher, Arbeitsamt Gießen. Die öffentliche Berufsberatung hat nicht nur Berufsaufklärung zu verbreiten, vor allem durch Schulbefprechungen. Elternabende, AuSlünfte und Vatfchläge in den Sprechstunden, auch die L e b r - stellenverrnittlung worüber heute einige« berichtet werden soll, ist ihr au« Zweckmäßig- keif «gründen zugeordnet. Es versteht sich, daß die Eltern für ihre schul- entlassenen Kinder gute Lehrstellen und die Meister ihrerseits tüchtige Lehrlinge wünschen. Diese Wünsche nach beiden Seiten hin möglichst zu verwirklichen, durch Vermittlung geeigneter Berufsanwärter in beruflich, gesundheitlich und sittlich einwandfreie Lehrstellen, läßt sich die Berufsberatung besonder« angelegen fein. Die bisher durchgeführten DewährungSkontroUen über die von ihr vermittelten Lehrlinge zeigen, daß sie mit ihren Bemühungen in dieser Beziehung aus dem besten Wege ist. Manche Lehrstellen würden allerdings bei frühzeitiger Anmeldung derselben noch besser zu besetzen fein. Denn je später diese Stellen vor der Schulentlassung angemeldet werden, desto schwieriger wird die rechte Auswahl geeigneter Berufsanwärter. Gerade der gegenwärtig schlechte Lehrstellenmarkt macht viele Elfem allzu ängstlich und ist besonders dazu angetan, die Berufs- Wünsche nach den augenblicklich vorhandenen offenen Lehrstellen zu orientieren, fo daß die Jugendlichen häufig mit unechten .Veigungen" nicht immer in den ihren Anlagen und Fähigkeiten entsprechenden Berufen Unterkommen. Das Tuch- tigkeitSniveau unseres beruflichen Vachwuchfes könnte sehr wohl auch durch rechtzeitigere Anmeldung der offenen Lehrstellen gehoben werden. An einem Beispiel fei da« noch besonders vor Augen geführt. Ein Arbeitgeber verlangte ziemlich spät, nachdem fast alle Schulabgänger in Lehrstellen unter- gebracht waren, für sofort einen tüchtigen Lehrling in einem übrigen« sehr begehrten .Mode"- Beruf Er war erstaunt und seltsamerweise sogar ungehalten darüber, daß ihm nicht sogleich ein solcher zugewiesen werden konnte Wäre diese Lehrstelle nur einige Wochen früher angcmelbct worden, so hätte sie nicht bloß schnellstens und bestens besetzt werden können, sondern von den vorhanden gewesenen, unterdessen in anderen Berufen untergekommenen Anwärtern würde ein ursprünglicher Berufswunsch noch mehr in Erfüllung gegangen sein. Aul Drängen de« betreffenden Arbeitgebers und infolge zu später Anmeldung der Lehrstelle war nur die Vermittlung eine« zwar noch tauglichen, aber immerhin weniger geeigneten Jungen möglich. E« ist betrüblich, zu sehen, wie nicht wenige aller Voraussicht nach für bestimmte Berufe glänzend begabte Berufsanwärter auf Erfüllung ihres lange gehegten Berufswunsches nut deshalb Der- -ichten müssen, weil die in Frage kommenden Lehrstellen mehr oder weniger zufällig von andern, für diese Berufe nicht gerade empfehlenswerten Jungen besetzt wurden, von denen manche sogar nachher wegen völliger Untaugllchkeit wieder entlassen werden mußten. Auch werden Lehrlinge häufig noch lediglich auf Grund persönlicher Empfehlungen, geschäftlicher, verwandtschaftlicher oder freundschaftlicher Beziehungen. ohne sorgfältige Prüfung der wirklichen Derusseignung eingestellt, was sich im Lause der Ausbildungszeit schon sehr oft als schädlich erwiesen hat. Eine ganze Veihe solcher G e f ä l» ligfcitÄcin Heilungen, die LebenSs chick- falc mitbestimmen, sind unS bekannt, die nunmehr schwer bereut werden. 3n verschiedenen untragbaren Fällen wurden wir um Anbahnung der Auslosung deS Lehrverhältnisies und Unterbringung der betretenden Lehrlinge in passendere Berufe gebeten. Häufig aber werden die einmal eingestellten Lehrlinge trotz schlechtest abgelegter Probezeit, teil« auS falsch verstandenem Mitleid und der meist trügerischen Hoffnung, der erst Versagende konnte schließlich doch noch (wie c« ja Dorfommt) in den Beruf einkblagen, zum Vachteil der Vertragspartner und nicht zuletzt auch der Wirtschaft weiter mitgeschleppt. Auf Grund sowohl der uns von jedem Schulabgänger zur Verfügung stehenden schulischen und ärztlichen Unterlagen, als auch psychologischer Eignungsuntersuchungen mußten wir manchem Vat» und Lehrstellenfuchenden von einem gelernten oder bestimmten Beruf abraten. Vicht immer werden unsere Ratschläge befolgt. Es kommt vor. daß Zugendliche, die wir wegen körperlicher oder geistiger Unterentwicklung in eine Lehrstelle zu vermitteln abgelehnt haben, trotzdem eine solche suchen und finden. 3n einem Falle fand ein 3unge dreimal in dem von un« abgelebten Beruf eine Lehrstelle, um dreimal wegen Untauglichkeit wieder entlassen zu werden Zn einem andern lehnten wir aus gesundheitlichen Gründen die Vermittlung in einem 2eben«mittelberuf ab Vor kurzem beklagte sich nun ein Meister über seinen Lehrling, der mehr krank al« gesund und kaum berufsfähig sei. Wir konnten ihm karte, - mäßig nachweisen, daß die Vermittlung eben seine« Lehrlings vor zwei Zähren von unS wegen starker gesundheitlicher Bedenken abgelehnt wurde Gr will nun keinen Lehrling mehr ohne vorherige« Gutachten der Berufsberatung einftcllen Aehn- liche Beispiele wären noch manche anzuführen Bei falscher Berufswahl, vor allem au« körperlichen Mängeln, sind gewöhnlich auch die Äranlenfaflcn, die gesundheitliche Schäden wieder aut zu machen haben, unmittelbare Leidtragende 3n ganz kurzer Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o. H. Lombardzinsfuß 6 v. H. .vionnuri u. Di. 2*n.i. .tranfiun a. JH. Berlin .rranhun a. DI. 1 Berlin c^auuß- 1-Ubr» tur# i Nur.« ediiu»» tue« Änldng» Äur* cM’iufr tur» 1-tibr- flur# c^^luß- Unlana« cr^iuß- tur« 1 llrttr- 1 flur« | eniiufc. tur« Solana» flur# furt flur« Odium 27.5. 28.5. 27 5. 28.5. Datum 27.5. 28.5 27.5. 28.5. Datum 27.5. 28 5. 27-5. 28.5. Scundtc Sieidieanietbe d. U>-. 7% 2euti- fiollrilaai von 1929 ■ rudiahlb. io-'1,,)..... Eberteiirn Promnz-Anlride mit 21u-*lC9..:Rcdnrn...... Tcutidte Somm. »l Otelbpfr 15 'jnfunbbar bt* 1935 7% jiranff. Hnv.-Bdnk ('‘elbrie •jnlunbbar bi# 19 ifi Serie IS 4'.°„ irrmttt Hyv-Bank Sfiau. ijfdnbbrieie........ 4’;°o Vbeiniidjc Hup.-Kavkütsu tiinlbph1........... 8% Pr. L’anbf'rtianbbTtefanftalt, iif.mbbrtefe R. 19...... 7% Br. Vanbeepfanbbnefanftalt ■lifonbbnefc Si. w 4% Cefirrreidiiidie Ololbiente . 4.-»0°o Certerreimvdie «ctibenente 4’^, Unfianidic o«btenic . . . 4"o Ungonldie etaatJrenteb. 1910 r bcegi. »on 1913..... 5% abflcft öclbmejtfcncr von 99 4’„ Türiiidtc AoUanieihc DPR 1911 4®, Zürfiidie Bagbabbabn-Snlerte Serie 1........... 4% betfll. Gerie II....... 5®„ Hinman. bereinh Rente b.19O3 4*-2%fRumän.i’ertinb.Senret'.1913 1% •Rumaniid'c veremb. Rente -v«,% 1- Snaicutcr . III I I I I I I I I I I I I I I I I I I I I I I 1 1 ~ ~ 2 1 i iTF I I 1 1 1 1 1 3 1 '-O S »n o r% «- m 53.75 55.75 38.5 3.05 44 35.75 72 6.8 4.13 4.5 4.15 2 4.55 7.5 3.8 1 1 1 1 l 1 i | »*«.1 i i i i i 1 i i 1 i i:" | i i Vdmbutg 2in;i-n!a latri . . - Vümbutg.3ubair. Tamphditff. 0 Hanid Tamplidiiff . . . . o •»Irtbbeutimet t'lopb.....6 91.». fui 5crfebrfroeien «N. . Berimer Pavbei»aeieNlatt . 8 cLominrr;. unb fnra:-©ant . 7 TarirOcMrj unb '’larionalban! 8 Teuiid* Bank unb Tteronio (Neieflitbatl ... 6 Treebner Bank...... < ■Weidi'baitl..... 12 AS.»............Ti Ber-maun.........9 Stektr i?telrnine»flrieU1ah. lf* üufit unb flrah......lf» ."7c t-n S (MuiUeanme . . . . 6l; iMeietiirfiaft lat (faeftnld* Untemebmungen .... 9- Rberntiive viieftnjUÄl .... 9 etbudert 6 Ce. ......11 3temenefi tdlfte.....14 "obnuuetÄ ...... 12 Subenif ...... 4 TeuriSe Erböl.......6 »eljeshnheita.......8 (-arrer.ci..........0 (•ceitb Cven....... . 8 3fie Bergbau.......10 fflrxbrenoerft..... 6 Äola-SeuniCT.......SZ4 ridTtneimann.SälTtefl .... 6 art4feiber Bergbau.....o Cberiditef. fccUtcdt .... 8 f benix Bergbau...... 4S Sber-vcti erauRlahiex. . . lf Sbewfiabl.........» 12.4 85.5 18 75 34 18.75 114 20 63.75- 48 74 39.75 39 13 16.75 12.5 112.75 19 110 35.25 — - 11 25 12.13 25 85 16.25 19 34 19 113.25 18.4 58 63 34 47.75 63.5 53.25 108.25 23.4 56 39 4 38.75 23.75 23.25 34.5 13 32.9 17.5 156 35.75 11.25 12.25 25.4 112.25 19 61 34 48.5 54 109 75.5 23 56.5 39.4 2413 34.75 32. 157 35 25 ■btebed 9Srnrae......7,1 Bereimgte ctabliuerte .... 4 ÄaiKPerfe Äidierrieben ... if7 flditirerfe 6ei!eteflr!n ... i<> flaltroeHe SaUbetlunb ... 1b .1. c8. 7rarten-^nbirftnr . 1! Berent n:fl1i.........0 N-'a-r-w-rke ......5 9tetaUflrielHdxift.......5 Pbtiwp Hermann .....8 .-Zementwerk p-neelberg.... 7 Zementwerk Ämlftabt.....7 tian6Ä tzreytoa......0 26ullben Vaeenbn'er ... 15 äfu tiuifle meine Äwrftktbe) o . . C .SeUfwH SdJbhnf.....1t Sel.'tbH 5-*affeirtutQ ... a leiiauet «oi........9 Tatmler «Setüren......» leuridx rtnoieum.....5 Ctm(tm S fleppti.....o 2-anbarb Iretz.......«■ Seer «la.........15 Ibabe ........... .'•ranMurrer Said*meB . . . . 0 fflrt|pirr . . .....0 ebatnh34tr--rfe e. 29.. . < 2cbheuti*er Zocker 1" 14 86 95 - 84,25 128.5 16.75 25.25 31.5 34 32.5 9 75 30.5 183 49.5 1*1111 K I S 1 1 1 ^"111 1 1 1 1 1 1 1 1 I I 1 1 Illi rö SS 14.25 9.75 RS.65 94.5 149 83,25 16.75 27 25 26.75 38.5 53,5 33.75 31.75 28 5 22 78 10 30.5 22.5 52.75 181,5 - * L s * -Sm Illi By.lälSSlälä» III» H, | | | e 88»| kl Deoi cnmarfl Berlin — Jtanffurl a. M. 27. Mai 28. Mai üimtliche ®e!b Rottenmg Mmflidx rtelb AOllern nq Mt* Vei'mglnr» . 7.143 7.157 7.163 7,177 tiien. . . . 51.95 52.05 51.95 52.05 trag . . . 12.465 12.485 12,465 12.485 Bubapril . . — — eofia . , . 3.057 3.063 3,057 3.063 Hollon b . . 170.78 171,12 170.78 171.12 £*!c . . . . 77.02 77.18 77.42 77.53 ffoperb- i-n . 84.62 84.78 84 91 85.09 ctotfbplm 79.62 79.78 79.62 79 78 Itonotm . . 15.49 15.53 15.54 15.58 Buenv« Steel 0.988 0.992 0 988 0.992 Seunotl . . 4.209 4.217 4.209 4.217 8rüttel . . . 58 97 59.09 58.97 59 09 .Italien . , . 21.62 21.6 21.62 21.66 San« . . . 16.61 16.65 16.61 16,65 - *n>eu . . 82.32 82.48 82.32 82.48 xpanten . . 34 72 34.78 34.67 34.73 laiyiij . . . 82.67 82.83 82 62 82 78 .lapan . . . Sio be 3«t ■ 1.339 1.341 ' 339 1.341 0.322 0.324 0.322 0.324 ? flollonten. 7.423 7 437 7.423 7.437 Lttiabrnt . . 14.14 14,16 14,14 14,16 Banfnolen Seri in, 27 Mat <*tfb .imeTriontiit' < Züchterverband davon abhalten, aus zwingenden Ersparnisgründen, die DLG.-Ausstellung zu beschicken, so daß zweifellos gewisse Lücken in den sonst üblichen Massenvorführungen vorhanden sein werden. Erfreulicherweise hat die Schauleitung der Ausstellung jedoch dafür Sorge getragen, daß die täglichen Vorführungen im großen Ring möglichst vielseitig gestaltet und allen züchterisch eingestellten Besuchern etwas bieten werden. Richt zuletzt kann cs mit Genugtuung begrüßt werden, daß auch in Mannheim zahlreiche erstklassige Gespanne von Warm- und Kaltblutpferden aus den heimischen und alten Zuchtgebieten das Auge des Beschauers erfreuen werden. Als besondere Attraktion müssen die ostfriesischen Gespanne des Stalles Klopp aus Leer angcsprochen werden, welche erfreulicherweise in vielseitigster Anspannungsart zur Vorführung kommen. Es handelt sich hier um jene auf fast allen bedeutenden Turnierplätzen Deutschlands vielfach siegreichen Gespanne, die in einer Reihe wirkungsvoller Schaunummern auch für Mannheim verpflichtet sind. Sie werden durchweg von Reitschülern der Fahr- und Reitschule Leer gefahren werden, der S t a m m s ch u l-e Hessens, in welcher die Mitglieder der dem Landesverbände Hessen angeschlossenen ländlichen Reit- und Fahrvcreine ihre Ausbildung nach einheitlichen Grundsätzen genießen. Die F a h r - und Reitschule Leer wird mit insgesamt 20 ihrer ehemaligen Schüler die Schaunummern mit den Gespannen des Kloppschcn Fahrstalles täglich vorführen. 3n erster Linie dürften die bereits im vergangenen Jahre bei der DLG. in Hannover, sowie beim Internationalen Turnier in Aachen mit außerordentlichem Erfolge vorgefahrenen Randoms auch diesmal ihre Anziehungskraft auf das Publikum nicht verfehlen, dann werden etwa sechs Tandems und drei Vicrerzüge des gleichen Stalles gezeigt werden. Erfreulicherweise werden die hervorragenden Gespanne in Mannheim in der Hauptsache von ehemaligen Reitschülern der Schule aus Hessen vorgefahren werden, die hier eine willkommene Gelegenheit finden, ihre in der Schule erworbenen außergewöhnlichen Fähigkeiten in der Fahrkunst vor der Oeffentlichkeit unter Beweis zu stellen. An den Rachmittagen der Ausstellungstage findet täglich das DLG.-Reit - und Fahrturnier statt, welches zahlreiche bekannte Tur- nicrreiter und Fahrer und Pferde in den Ring führen wird. Die Tage des 4. und 5. Juni sind ausschließlich den ländlichen Reitern Badens, der Pfalz und Hessens Vorbehalten und werden zweifellos sich des besonderen Interesses der Landbevölkerung erfreuen. Auch an diesen beiden Rachmittagen werden die Schaunummern der Fahr- und Reitschule Leer als Einlagen das Turnierprogramm abwechselungsreich unterbrechen. Als besondere Zugnumnter muß der Kloppsche Rappenachterzug ange- sprachen werden, der in turniermähiger Anspannung ein herrliches Bild bietet und das Auge jedes Pferdeliebhabers erfreuen wird. Zett wurden uns z. B. wiederum einige Fälle bekannt, wo trotz ausgesprochener Senkfüße die Ergreifung stehender Berufe schwere Fußoperationen notwendig machte. Infolge der Befreiungsanzeigen für die Arbeitslosenversicherung gehen alle Lehrverträge durch unsere Hände. Wir haben so die Möglichkeit, auch die ohne uns eingestellten Lehrlinge auf Grund der vorhandenen schulischen und ärztlichen Unterlagen auf ihre voraussichtliche Bc° rufseignung einzuschähen, wenngleich sie nicht in unserer Beratung waren. Dieser diskrete Einblick in die Lehrverhältnisse nötigt uns manches Kopfschütteln ab. Wieviele Lchrplätze könnten belfer beseht, wieviele gesundheitliche Schäden durch vernünftigere Lehrlingsauslese noch vermieden wer- denl Da ist die stets weiter um sich greifende Einsicht höchst erfreulich, daß die öffentliche Berufsberatung, deren aufklärende Arbeit freilich nicht in jedermanns Interesse liegt, mit ihren vielseitigen Erfahrungen und Feststellungsmöglichkeiten voraussichtlicher Derufseignung für Ratsuchende. Arbeitgeber und Wirtschaft eine nicht zu unterschätzende segensreiche Einrichtung ist. Aus manchem Saulus ist heute ein Paulus geworden, und von allen Seiten und Bevölkerungskreisen her nimmt man sie gerne und immer häufiger in Anspruch. Zum fast täglichen Erlebnis gehört es. daß die Aussichten in ein und demselben Beruf mit normaler Arbeitslosigkeit aus ganz nichtigen, einfältigen Gründen einmal sehr pessimistisch, ein andermal. vielleicht gerade vom nächsten Ratsuchenden, ebensosehr optimistisch beurteilt werden, und je nach der kurzsichtigen Einstellung des Ratsuchenden wird der betreffende Beruf dann strikte abgelehnt, oder stark begehrt. Die unsicheren, schlechten Wirtschaftsverhältnisse wirken auf viele in dem Sinn, anstatt die Eignung nun erst recht die völlig unvorherzusehenden Berufsaussichten zum ausschlaggebenden Gesichtspunkt der Beruss- entscheidung zu machen. Lind wer würde bei der Lehrstellenzuweisung die immer wiederkehrende Frage nicht verstehen, ob der Junge nach dem Auslernen auch bleiben könne. Was liehe sich in dieser Beziehung aber auf drei bis vier Jahre noch versprechen oder prophezeien? Man wähle in erster Linie den geeigneten, seinen Anlagen und Fähigkeiten entsprechenden Berus ohne übergroße Rücksichtnahme auf augenblickliche Aussichten, die morgen schon wieder anders sein können, man sei eifrig bemüht, ein tüchtiger Facharbeiter zu werden, man nütze die Lehrzeit bei einem wirklichen Meister gehörig aus und nehme der Jugend durch leichtsinniges Gerede nicht die Hoffnung auf bessere Zukunft! In möglichster Erfüllung dieser Imperative liegt noch die beste Gewähr eines nicht allzu harten Berufs- und Lebensschicksals. Oberheffen. Landkreis Gießen. * Treis a. d. Löa., 27. Mai. In der jüngsten Gemeinderatssihung stand der Voranschlag für 1932 zur Beratung. Hierbei zeigte sich, wie sehr unsere Gemeinde unter der Erwerbslosigkeit leidet. Obwohl die Diersteuer in doppelter Höhe und die Bürgersteuer mit 300 v. H. erhoben wird, weist der Voranschlag noch ein Defizit von mindestens 18 000 Mk. auf, das aus dem Ausgleichsstock gedeckt werden soll. Der Gemeinderat nahm folgende Entschließung einstimmig an; »Die Gemeinde ist aus eigener Kraft nicht in der Lage, die ungeheuren Wohlfahrtslasten zu tragen. Sollten Reich und Land die fehlenden Mitteln nicht zur Verfügung stellen, so ist die Gemeinde gezwungen, ihre Zahlungen einzu stellen.' I L i ch, 27. Mai. Im Verlaufe mehrerer Wochen hat sich auf der Eisenbahnlinie Gießen — Gelnhausen in der Gemar - fung Lich in nächster Rähe der Lieberführung über die Butzbacher Straße ein allmählicher Dammrutsch vollzogen, der der Reichsbahn Veranlassung gab, größere Ausbesse - rungsarbeiten ausführen zu lassen. Der Bahndamm besteht an dieser Stelle aus reiner Lette, die durch Witterungseinflüsse ins Gleiten gekommen ist. Die Züge verkehren schon seit Wochen an dieser Stelle im Fuhgängertcmpo. An mehreren Stellen werden jetzt Schächte in den Bahnkörper getrieben und diese mit Stücksteinen und Schlacken ausgefüllt. Sie sollen der Entwässerung des Dammes dienen und einem weiteren Abgleiten des Llntergrundes entgegen- wirken. 'D L i ch, 28. Wai. Die hiesige Marktkommission hat wegen des Ausfalles des Fastnachts- und Ostermarktes beschlossen, am Montag, 1 3. Iuni, hier ersatzweise einen Schweine - und Krämer m a r 11 stattfinden zu lassen. Dem Verlauf des Pfingstmarktes nach zu urteilen, ist zu diesem Markt mit einem starken Austrieb erstklassiger Ferkel zu rechnen und somit der Bevölkerung Gelegenheit geboten, sich mit bestem Material zu versorgen. Auf die in nächster Zeit erscheinende amtliche Bekanntmachung über die Abhaltung des Marktes sei jetzt schon hingewiesen. 4c L i ch, 27. Mai. Die von der Reichsregierung eingeleitete Aktion zur Versorgung der H ü h n c r° Haltungen mit billigem Ausland- weizen ist hier bereits zur Durchführung gelangt. Von einer größeren Anzahl Geflügelhalter wurden insgesamt etwa 3550 Hühner angemeldet, das sind etwa i/s der bei der amtlichen Viehzählung am 1. Dezember 1931 ermittelten Hühner. 3e Huhn gelangen bekanntlich 2,5 Kilo verbilligter Weizen zur Abgabe. Der Gesamtbedarf zuzüglich einer fünfprozentigen Erhöhung beträgt etwa 9280 Kilo. * Obbornhofen, 28. Mai. Der Altveteran von 1870 71 Heinrich Peter Ruppel und seine Ehefrau, geb. Hahn, können am 2. Juni das seltene Fest der diamantenen Hochzeit begehen. Herr R u p p e l ist von Beruf Zimmermeister und in der Llmgegend allgemein bekannt und geschätzt. Als tüchtiger Handwerker bekannt, wurde er von der Graf Solms-Laubachschen Bauvcrwal- tung bei der Errichtung von Reubauten aus deren Gütern stets herangezogen. Der Jubilar steht Im 85., seine Ehefrau im 82. Lebensjahre. Kreis Büdingen. △ Büdingen, 27. Mai. Die Kreis-Wan- dcrkochschule hat Kurse in Düdelsheim und Stockheim abgehalten. In Düdelsheim mußten wegen starker Beteiligung zwei Kurse stattfinden. Dom 30. Mai ab findet ein fünfwöchiger Lehrgang in Hirzenhain statt. A Bleichenbach, 27. Mai. Ein seltenes Vorkommnis im Imkereibetriebe ereignete sich dieser Tage hier, indem ein fremder, jedenfalls von auswärts hergekommener Bienenschwarm hoch aus der Luft einem Bienenhaus zustrebte und in eine leerstehende Wohnung einzog. Kreis Schotten. V 6eIInrob, 27. Mai. Gin lokaler Feiertag im Kirchspiel Sellnrod war bis auf die neueste Zeit der 2 6. Mai, der sog. „Hagel feier- t a g“. Dieser Feiertag geht zurück auf den 25. Mai 1868, an dem ein Hrvchtbares Hagelwetter die Fluren unserer Gemarkung und der Llmgegend schwer verwüstete. In Zeitungsberichten aus jenen Llnglückstagen ist heute noch ersichtlich, wie schwer das Wetter gehaust hatte. Die Pfarrer Bang und Wüst aus Sellnrod bzw. Bobenhausen l! erließen dama's ci en Ausruf zur Hilselcistung. Daraufhin erhielten die Gemeinden von dem Großherzog, und der Großherzoglichen Familie, dem Fürsten von Lich, dem Grafen von Laubach, von vielen Gemeinden und Privaten 1657 Gulden und 11 Kreuzer an Geld und 4O‘/2 Malter Frucht. Davon erhielten Bobenhausen, Höckersdorf und Wohnfeld 800 Gulden und die Hälfte der Frucht. Von dem Rest erhielt Altenhain, welches weniger hart betroffen war, 100 Gulden. Das übrige wurde unter die Ortsbürger von Sellnrod und Schmitten verteilt. Rur wenige Leute waren damals mit ihren Feldfrüchten gegen Hagel versichert gewesen. Zur Linderung der Rot trat außerdem auf Rachsuchen ein Steuernachlaß ein (Sellnrod 241 Gulden und 12 Kreuzer, Schmitten 13 Gulden und 20 Kreuzer). Mit Genehmigung des Oberkonsistoriums wurde angeordnct, daß zum Gedächtnis an dieses Hagelwetter alljährlich am 26. Mai ein Gottesdienst abgehalten werden sollte. Seit etwa drei Jahren wird dieses Hageltages am nächstliegenden Sonntag im Gottesdienst gedacht, wie cs z. D. auch in Lardenbach Brauch geworden ist. Kreis -Usfeld. Nieder-Gemünden, 27. Mai. Unter der Leitung des Aufsichtsratsvorsitzenden, Bürgermeister Lutz (Elpenrod), hielt die M o l k e r e i g e n o 11 e n» schäft Nieder-Gemünden ihre ordentliche Jahresversammlung ab, die von rund 250 Mitglied dem besucht war. Der Rechner gab die Jahresrechnung und die Bilanz bekannt, gegen die keine Ein- Wendungen erhoben wurden. Dem Vorstand wurde einstimmig Entlastung erteilt. Aus dem Reingewinn werden die Geschäftsguthaben mit 10 v. H. verzinst, der Restbetrag wird zu gleichen Teilen der Betriebsrücklage und dem Reservefonds zugeführt. Die satzungsgemäß ausscheidenden Vorstandsmitglieder Rocker (Bleidenrod) und Becker (Maulbach) wurden einstimmig wiedergewählt. Wer Mitglieder, die im Jahre 1931 keine Milch abgeliefert haben, wurden von der Generalversammlung ausgeschlossen. Die neue Milchlieferungsordnung wurde von der Versammlung mit Stimmenmehrheit genehmigt. Das Anwesenheitsgeld wurde auf 3 Mark je Mitglied festgesetzt. Nach Erledigung einiger interner Angelegenheiten hielt Dr. Wald vom Verband Hessi- scher Landwirtschaftlicher Genossenschaften einen Vortrag über das Genossenschaftswesen. Anschließend überreichte er den Vorstandsmitgliedern Nathes (Nieder-Gemünden) und H e ß (Büßfeld) sowie den Mitgliedern Martin (Nieder-Gemünden), Bernhardt (Elpenrod) und H e I f t e n b c i n (Hainbach) anläßlich des 40jährigen Bestehens der Genossenschaft Ehrendiplome; die Ausgezeichneten sind Mitbegründer der Genossenschaft. Direktor Nathes berichtete anschließend noch über die Gründungsgeschichte der Genossenschaft. Ein geselliges Beisammensein folgte den geschäftlichen Verhandlungen nach. — Die hiesiye Spar- und Darlehnskasse hielt unter der Leitung des Aufsichtsratsvorsitzenden Nathes (Nie- der-Gemünden) ihre ordentliche Generalversammlung ab. Die Jahresrechnung und die Bilanz wurden von der Generalversammlung einstimmig genehmigt und dem Vorstand und Aussichtsrat Entlastung erteilt. Die satzungsgemäß ausscheidenden Vorstands- bzw. Aufsichtsratsmitglieder Karl Kehr (Hainbach), N a • thes (Nieder-Gemünden), Binding (Elpenrod) und Steeg (Elpenrod) wurden einstimmig wieder- gewählt. Aus dem Reingewinn wurden den in der Generalversammlung anwesenden 109 Mitgliedern je 3 Mark Agwesenheitsgeld bewilligt, der Restbetrag wird dem Reservefonds und der Betriebsrücklage gutgeschrieben. Preußen. Kreis Marburg. WSR. Mar.burg, 27.Mai. Der 19jährige Student Wilhelm Keitel aus Stockheim (Oberheffen) stürzte in der Rächt zum Donnerstag so unglücklich auf der Treppe, die von der Rittergassc zum lutherischen Kirchhof führt, daß er einen schweren Schädelbruch erlitt, an dessen Folgen er am Donnerstagnachmittag, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, verstarb. 2Raubü6erfal( auf einen Geldbnefiräger WSN. Frankfurt a. TL, 27. Mai. Heute, kurz nach 9 Uhr, wurde im Hause Sandweg 27 der Geldbriefträger Georg Mohr von einem unbekannten Mann überfallen und seiner Tasche beraubt. Auf die Hilferufe des Briefträgers, der am Kopfe schwere Verletzungen davontrug, eilten Hausbewohner herbei, die den Täter verfcheuchten.Diefer warf auf der Flucht die Geldtasche in ein Nachbargrundstück, wo sie aufgefunden und fichergestellt wurde. Von dem Täter fehlt bisher noch jede Spur. Er hat, wie Zeugen angeben, längere Zeit vor dem Hause gewartet, und wahrscheinlich eine fingierte Postanweisung nach dem betreffenden Hause aufgegeben.' Für die Ergreifung des Täters hat die Reichspost eine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt. Strafkammer Gießen. * Gießen, 27. Mai. Am 29. Februar fand in Alten-Dufeck, nachdem eine öffentliche Versammlung von der zuständigen Behörde- nicht genehmigt war, eine Mitgliederversammlung der Rationalfozialistischen Arbeiter-Partei statt, zu der auch cingeladcne Richtmitglieder in großer Zahl sich einfanden. Da auf Grund der Ermittelungen anzunehmcn war, daß die sog. Mitglieder- vcr^immlung in Wirklichkeit eine verbotene öffentliche Versammlung war, wurde wegen Verstoßes gegen die Paragraphen 2, 3 der Verordnung zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom 28. Mäi^ 1931 gegen Veranstalter. Leiter und Redner der Versammlung Anklage erhoben. Das Amtsgericht Gießen sprach diese aus subjektiven Gründen insoweit frei und verurteilte lediglich wegen einer 11 Übertretung gemäß Paragraphen 16, 18,4 des Dereinsgesetzes. Die Berufung der Staatsanwaltschaft konnte heute nicht durchgeführt werden; zur Beiladung von Zeugen mußte die Verhandlung vertagt werden. Am 15. Rovember 1931, dem Tage der hessischen Landtagswahlen, wurde ein Rationalsozialist in Vilbel von verschiedenen Kommunisten bedroht und geschlagen. Zwei von diesen konnten fest- gestellt und angeklagt werden. Das Amtsgericht Vilbel sprach den einen mangels Beweises frei und verurteilte den anderen zu zwei Monaten Gefängnis. Auf die Berufung der Staatsanwaltschaft hin wurde heute auch der Freigesprochene wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung verurteilt, und zwar mit Rücksicht auf seine Vorstrafen zu vierMonatenGcsäng- n i s. Vezirksschöffengerichl Gießen. Gie.ßen, 27. Mai. Ein Schornsteinfegergeselle hat feine Dienstherrin um den Betrag von 80 bis 90 Mk- geschädigt, indem er von ihm eingenommene Fegegelder unterschlug. Ferner hat er einen Betrug dadurch begangen, daß er den Schornstein eines Hauses nicht reinigte und sich die Gebühr trotzdem bezahlen ließ. Seine Anwesenheit in einem Haus hat er benutzt, um einem Dienstmädchen einen Zwanzigmarkschein, den diese in einer Schublade ihrer Kammer aufbewahrte, zu stehlen. Er war in keinem Fall geständig, so daß eine umfangreiche Beweisaufnahme nötig war. Da Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten bestandeq» der in früheren Fällen aus diesem Grund frei- gesprochen worden war, sand auch eine psychiatrische Begutachtung statt, die das Ergebnis hatte, daß der Angeklagte zwar ein Psychopath, nicht aber geisteskrank ist. E.in früheres Gutachten. das von der Annahme einer bestimmten Geisteskrankheit 'ausgegangen war, erwies sich nach dem weiteren Verlaus der Geistesentwicklung des Angeklagten nicht als haltbar. Es wurde auf eine Gesamtgefängnis st rafe von zwei Monaten erkannt. Amtsgericht Gießen. Die „falsche Anschuldigung" umfaßt trotz ihrer nahen Verwandtschaft mit den Ehrverletzungen wegen der schwereren Ratur des Vergehens einen besonderen Abschnitt des Strafgesetzbuchs. Er sieht als Mindeststrafe einen Monat Gefängnis vor, kennt keine mildernde Llmstände, und es kann der Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte ausgesprochen werden. Im Fragefall wurde auf eine Gefängnisstrafe von 6 Wochen erkannt. Rur das Alter des Angeklagten — er jft 72 Jahre alt - und seine Invalidität schützten "Ihn vor einer höheren Strafe. Er erhob seinerzeit Anzeige bei der Polizei, eine in demselben Hause wie er wohnende Frau bzw. deren Angehörigen, mit denen er auf gespanntem Fuß lebte, hätten sich des Verbrechens wider das keimende Leben schuldig gemacht. Er will dies aus einer von ihm abgelauschten Unterhaltung mit Distimmt- heit entnommen und dann auch dahingehende Beobachtungen gemacht haben. Von der Staatsanwaltschaft wurde auf die Anzeige hin ein Verfahren ein geleitet, aber wieder eingestellt. Sie gewann aber aus den Verhandlungen die Lieberzeugung. daß es sich seitens des Anzeigenden um eine bewußt falsche nach § 164 des St.G.B. zu bestrafende Anschuldigung gehandelt habe, abgegeben lediglich in der Absicht, ein Strafverfahren zu veranlassen. Die erhobene Anklage hatte auch Erfolg. Es ergab sich in der Gerichtsverhandlung aus einer ganzen Reihe von Umständen, daß alle Angaben des Angeklagten, die zur Llnterstühung seiner Anzeige dienen sollten, nur erdichtet und unwahr sein konnten. DaS Motiv der falschen Anzeige war Rache gewesen. Ein Heiratsschwindler, angeblich berufsmäßiger Agitator einer politischen Partei, erhielt wegen Betrugs zwei Monate Gefängnis. Das Verhältnis, das er angeknüpft hatte, begann mit gemeinschastlichen Besuchen von Lokalen und endete damit, daß der Angeklagte ohne Abschied verschwand, nachdem er seine leichtgläubige Begleiterin dazu gebracht hatte, ihm von ihren Ersparnissen 300 Mark zu verabfolgen, die er angeblich benötigte, um eine Stelle in der Industrie zu erhalten. Er hatte ihr auch die Absicht späterer Verehelichung vorgespiegelt. Wegen Beleidigung zweier Polizeiwachtmeister und eines Feldschühen im Dienste wurden gegen einen hiesigen Schlosser, bzw. eine Ehefrau, auf Geldstrafen von je 20 Mark erkannt. Im ersten Falle war die Polizei aus Anlaß einer Schlägerei eingeschritten, bei der der Angeklagte beteiligt war. Dieser, darüber ungehalten, ließ seinen Zorn gegen die Polizei dadurch aus, daß •er die Wachtmeister mit gemeinen Schimpfworten bedachte, die auch nicht nachließen, als er auf die Wache befördert wurde. Der zweite Fall ereignete sich gelegentlich einer Haussuchung nach angeblich gestohlenen Fichtenstämmchen in der Wohnung der Angeklagten, die hierüber aufgebracht war und den Feldschühen ebenfalls mit Schimpfworten titulierte, ihm auch die ehrenrührige Behauptung ins Gesicht sagte, er erhalte für jede Anzeige 5 Mark, für die er nachher Schoppen trinke. Kirche unö Schule. Kreis Schotten. S ch o 11 e n , 27. Mai. Lehrer i. R. Leidig, der schon wiederholt Reisen nach Amerika unternommen hat, sprach in einer Bezirkslehrcr- konserenz über das „Amerikanische Volksschulwcs.e n“. Der Redner hatte Gelegenheit, sowohl städtische als auch ländliche Schulkörper dieses Landes zu besuchen und Einrichtungen und LInterrichtsweise fennenwlemen. Die Lehrpersonen sind bis zu 85 Prozent weiblich. Die männlichen Lehrkräfte scheiden, sobald sie eine besser bezahlte Stellung erhalten können, aus, dem Schuldienst aus. Im Unterricht findet das Prinzip der Selbsttätigkeit weitgehendst Berücksichtigung Hausaufgaben gibt es nicht. Die Schüler erfreuen sich innerhalb eines gewissen Rahmens während der Lehrstunden größerer Freiheit. die sich sehr oft auch auf die Wahl der Beschäftigung erstreckt. Das handwerkliche Können wird stark gefördert. Schüler, die in gröbster Weise die Schulzucht verstoßen, werden von der Schule ausgewiesen. Das Schuljahr dauert zehn Monate, Juli und August sind schulfrei. An den sehr beifällig aufgenommenen Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache, an der sich auch die Herren des Lehrerkollegiums von Alsfeld, sowie die Schulräte aus beiden Kreisen beteiligten. (Schluß des redaktionellen Teils.) Die bringt man Kinder dazu, mehr Milch zu trinken? Was muß man manchmal anstellen, um ein Kind zum Milchtrinken zu bewegen! Und meistens ist der Widerstand des Kindes gar nicht fo unberechtigt. Milch ist nämlich nicht für jeden fo leicht verdaulich, wie man gemeinhin glaubt. Taufende von Müttern in allen Ländern der Welt sind daher dazu über« gegangen, in die Taffe Milch zwei bis drei Kaffee, löffel Ovomaltine-Kraftnahrung zu geben. Man erhält dadurch ein Getränk, das gut schmeckt, viel nähi kräftiger ist und so bekömmlich, daß jedes Kind es gern trinkt- Doomaltine ist aus den edelsten Bestandteilen von Ma/z, Milch, Eiern und Kakao her- gestellt und wird feit Jahrzehnten von Aerzten aller Länder als Kraftnahrung — besonders für den schwächlichen und nervösen Organismus — empfohlen. Schon mit einer Dose zu RM. 1,15 aus der nächsten Apotheke oder Drogerie können Sie einen Versuch machen. Wollen Sie erst eine kostenlose Ge» schrnacksprobe, so erhalten Sie diese von Dr. A. Wander G. m. b. H., Abt. I 79, Osthofen (Rhein. Hessen). 4127V KÄ Z4 - AvrudL 60/8 Wandern und Reisen - Bäder und Sommerfrischen. Blütezeit an der Mosel. Die weißen Wolken am blauen Firmament vereinigen sich mit dem rosige« und schneeigen Wollen, aetnlde der Blütendäum» zu einem duftigen Aquarell. Grünlich sch,i7unernd gl# ket die Mo»el durch die grau verwitterten Bogen der allen Koblenzer Mosel- brücke In der Morgenfrühe hängen die fernen f)öben noch 'chteierortig gegen den Horizont. Erste Filcher befahren den otrom In diesen Morgenstunden liegt die Hauchzarthen eine» alten japani- !chen Farbenholzschnittes über der Landschaft. Gegen Mittag ist da» Tal verwandelt in eine strahlend ausgeschlossene Landschatt voll farbenheiterer Blütenbilder. Da liegt da» erste reizende, verwinkelte Mosel- därfchen al» Pforte zum molelländischen Kirschen- Paradies. Dom Ufer übersieht man entzückt diele blühende Londschask. Denn irgendwann dqnn kann un» die Mosellandschast setzt im Frühjahr beglücken. Ein sonniges und blumige» Idyll zwilchen dem schimmernden Fluß und den Rebenhugeln Hoch und sanft grünend, Weinberg an Weinberg. Immer auf» neue überraschen dich Treppengu»u)en, alte Häuser, große Kellergewolbe, wo im Herbst der Traubensegen in die Kelter rauscht. Ueberall erstes grünes Gerank um schmale Fenslerchen und viele weinfrohe Dinkel. Wo die Nebenhänge höher (teigen, sieht man die himmelblauen Bluten der Meerzwiebel, die gelbleuchtenden Goldsterne, den buntfarbigen Lärchensporn. Die schmalen Wege und Treppenstege ziehen in die mit Schiefer bestreuten Dingerte hinein. Wer Lust hat hinaufzuklettern — der schwierigste Aufstieg lohnt. Denn eine Schau von den Bergen hinab über den Fluh, über die Blütenhänge, über die graublauen Dörfchen, ist unbeschreiblich schön. Schön ist auch am dämmernden Abend das Far- benspiel des Flusses, wenn allerorts die Glocken läuten: au» den Schornsteinen weißer Bauch gen Himmel steigt und die Sonne ihren letzten Strahl auf das Meer der Blüten wirft. Bis man endlich finabflettert zu der schummerigen upd jedem Mosel- reund wohlvertrauten Weinstube. „Wie glänzt er im Mose!" H H. Der Taunus, das Vädergebirge. Don Alfons paquel. Aus den Fenstern von Frankfurt sieht man die Linie des Taunus 6ic ist wie eine sanfte klare Melodie Sie ist immer das blaue Gebirge. Nur wenn es Regen gibt, treten seine Hänge deutlicher, farbiger hervor. Frankfurt bat Aum Taunus die Ferne, Wiesbaden die Pähe. Und beiden Städten weckte das Gebirge 'diese große Naturliebe, deren Ausdruck die unermüdlichen Wanderungen sind Wiesbaden ruht im Schoß der Täler Die Täler strecken sich von Wiesbaden gleich in den TaunuS hinein, mitten in seine Buchenwälder, in denen uralte Eichen, dunkle Höhlen sich verbergen. Aussichtspunkte aus den Scheiteln hoher Forsten. Diesem Eins-V sein mit dem Taunus verdankt Wiesbaden die Hälfte feines NuhmeS. wie die andere Hälfte seinem Kochbrunnen. Den Taunus umgeben die Flüsse in glänzenden lockeren Arabesken. Sie heißen Main. Rhein und Lahn. D>e schöngeslochtene Hauptkette der TaunuS- berge hat in ihrer Mitte den Feldberg. <$-r ist von vielen Anstiegen her erreichbar. So auch die anderen Kuppen in feiner Nähe, die kaum niedriger sind. Besonders der geheimnisvolle Altkönig, der Fels der Brunhild- Bon der Spiye des Frankfurter Domes gesehen, funkelt um sein Haupt ein doppeltes weißliches Band. Es sind die Ringwälle, rohe Steinmaslen von der Breite eines Fahrweges Solcher Wälle gibt es im nördlichen TaunuS etwa siebzig. Sie dienten einst Stämmen, die mit Bieh und Wagen auf die Spitzen der Berge flüchteten, zum Schuh. Die römischen Generale haben sie in langwierigen Feldzügen umgangen, erstürmt, verwüstet. Die S a a I b u r g bei Homburg war ihr Hauptauartier. Jetzt liegen im Anstieg zu den Höhen des Taunusrandes die Burgen untergegangener Dynastien. die Ruinen von Königstein. T r t> n • berg und Falkenstein Bor den Gassen der vielbesuchten Städtchen breiten sich die Parks, die Landhäuser der großen Frankfurter Familien. Die Autostraße fuhrt an Buchenwäldern und Kastanienhainen entlang: die Namen der Dörfer enden hier fast olle auf Ham. an ihren Seiten münden die Feldwege von der silberglänzenden Nidda her. Und hier am Sudrand des Taunus steigen die Heilquellen empor die schaumweißen Sprudel von Bad-Nauheim, dessen Salmen den frischen Duft der See verbreiten Die silbernen Drunnenstrahlen an der Allee im Park von Homburg das jetzt zu neuem Leben erwacht ist Der Siebenrohrenbrunnen in den Wielen von Kronthal. 3m kleinen Kurgarten zwilchen den Nelkenbeeten und Erdbeerfeldern der Gärtnereien die prickelnden, salzigen Quellen von Bad Soden Und in Wiesbaden die bräunlichen, wohlschmeckenden, heißen Thermen Das Klima am Fuß des Taunus ist mild. Es ist südlich, wie sonst selten in Deutschland. Vulkanisch ist der Taunusboden Die Basaltous- bruche bet Naurod bei Nlammolshain oerraten noch die halb verschütteten Krater, ilnb der bleifarbene Schiefer de» Taunus glänzt auf den Dächern der Dörfer und Städte, sein Quarz- aestein dient als Pflaster der Straßen, leine Blöcke kehren wieder in Grenzmölern und Mühlsteinen. sein weißes Quarz, zu Pulver gemahlen, wird Porzellan Kupfer. Eilen. Blei und Silber liegen m labyrinthischen, verfallenen Stollen Die Bäderstraße quer über den Taunus und ihre Sortierung am Rand der Höhe bis zum Johannisberg über Bad-Nauheim das ist der Hauptweg Em unendliches Geflecht von Fahrwegen und Fußwegen überzieht da» kleine Berg- land Die schön, im Sommer aus der Ebene ralch auffteigen zu können m den Wmd der Taunushöhen der den Geruch von Harz, von Heu und Heidelbeeren mit llch führt, aus dem Waller des Bade» in die Wälder einzutauchen And zu den leichten Pflichten der Kur in den Bäderstädten immer wieder aus den Wäldern zurückzuk hren Wanderfahrten. Ehringshausen — Dianaburg — Ober»hausen — veilsfein — Kahenfurt. Wir fahren mit Lonntagskarte Ra^cnfurt nach Ehringshausen, gehen von hier blauen strichen nach zur Dianaburg (im Forsthaus gute Verpflegung), genießen vorn Turm den prächtigen Ausblick und wandern dem Zeichen weiter durch Allendorf an der Ulm, hierauf über einen Höhenrücken, größtenteils durch Wald noch Oberhausen, wo wir auf die Haupt Wanderung 7 (9B.SL7) des Westerwaldverein» stoßen. Diesem neuen Zeichen nach rechts folgend, gelangen wir auf aussichtsreicher Straße an der Dbcrförfterci Iohannisburg vorbei hinauf zum 512 Meter hohen Rasenberg, wo sich un» eine großartige Rundsicht erschließt (Limburg, Schaumburg. Feldberg, Greisen- stein, Hohensolms, Dünsberg usw). An einer Vieh weide vorüber kommen wir über die Schmalburger Ley mit schönen Basaltsäulen nach Beilstein, inmitten herrlicher Walder im oberen Ulmbachtal mit einer, den Ort überragenden Burgruine, gelegen. Gute Einkehr. Ohne Wegezeichen wandern wir jetzt an Wallendorf vorüber, dem Ulmbad) nach abwärts, nach Holzhausen und von hier an dem schön gelegenen Forsthaus Langengrund vorbei über Greifental nach unserem Endziel Äaßenfurt. Wanderzeit 5)4 Stunden. Gießen — Gleibachtal — waldhau» — Fohnbachtal — Gießen. Diese lohnende Wanderung ist ohne jede Bahn- fahrt. Wir gehen die «rofborfer Straße entlang bis zur Seemühle, wo die gelbe Punktmarkierung bc ginnt. Das Zeichen führt uns zunächst an den Hängen des Wettenberges her. iiber|d)reitct die Krofdorf- Wihmarer Straße, um in das idyllische Gleibachtal, das in seinem oberen Teile Chattenbachtal heißt, 'überzugehen. Rach geraumer Zeit erreichen wir die Landstraße und gelangen auf dieser zum anmutig gelegenen Forsthaus Waldhaus, wo wir eine einfache, aber gute Verpflegung vorfinden. Nunmehr gehen wir blauen Strichen nach durch das ebenfalls reizvolle Fohnbachtal, in dem sich bei einer Wege- biegung ein hübscher Gleibergblick bietet, zurück über Krofdorf wieder nach Gießen Dauer der Wanderung knapp fünf Stunden. Allen Freunden der ausgedehnten Waldungen nördlich von Gießen sei empfohlen, die K r a f t - p o ft c n zu benutzen, die entweder von Gießen über Launsbad)-Wißmar nach Krofdorf oder von Gießen über Krofdorf nach Wißmar Launsbad) fahren. Es lohnt sich dann, aufderHöhezwischenWiß- mar und Krofdorf auszusteigen. Bon da au» sind es nur noch etwa 200 Meter bis zum Hochwald nach Norden (Waldhaus — Wißmarer Bachtal usw.)' und nach Süden (Launsbacher Schanzen — Wetten- berg — Haltestelle Ärofborf-Ölciberg). Der „Tote Manp" ist n i ch t, wie es unter „Wan- Herfahrten" am letzten Samstag (Lollar — Wald- haus — Dünsberg) hieß, eine mächtige Hainbuche, sondern ein Kreuz st ein, von dem eine Sage er- zählt, daß er zur (Erinnerung an den Tod eine» Holzsällcrs errichtet worden sei, der am Dreifouigs- tag dort Holz gefällt hat und Io den Feiertag schändete. Jetzt bezeichnet ein Schild den Stein. G. Reisewinke. Bad Salzhausen. In dem Bestreben, den verschlechterten roirt|d)oft- lidjen Verhältnissen aller Krei'e unsere» Volkes Rechnung zu tragen, werden die im vorigen Jahre eingeführten und noch den vorjährigen Erfahrungen bestens bewährten Paiilchalkuren von 3 bis 6 Wo chen Dauer in diesem Jahr zu besonders günstigen 'Bcbingungen, ohne daß ein Nachweis über Einkommens. und Bermögensoerhältnisse gefordert wird, abgegeben. In den Preisen sind vollständige Pension in einem Haus nach eigener Wahl, ärztliche Untersuchung und badeärztliche Uebcrwachung der Kur und alle verordneten Kurmittel wie Bäder, Inhalationen. Bestrahlungen, elektrische Behandlungen, sowie alle Nebenkosten, wie flurabgabe, Trinkgelder usw. einbegriffen. Bundfunkprogramm. Sonntag, 29. Mai. 6.15 Uhr: Bon Hamburg: Halenkonzert aus dem Bremer Freihafen. 8.15. Freikirchliche Morgenfeier, veranstaltet von der Christi. Gemeinde Taunusstr. 10: Stunde des Chorgcsaifgs. 11: Gesang vom See, Vorlesung aus einem Gedichtsband von Hans Nüchtern. 11.30: Von Leipzig: Reichssendung: Kantate zum ersten Sonntag nach „Trinitatis": „Brich dem Hungrigen dein Brot". 12: Unterhaltungskonzert. 13.50: Zehnminutendienst der Landwirtschaftskammer Wiesbaden. 14: Stunde des Landes. 15: Stunde der Jugend. 16 Schloßpark - Theater Marburg. Militär-Groß Konzert. 18 bis 10: Aus Kevelaer: „Maria im Maien, Besuch in Kevelaer". 19: „Frankfurt-Darmstadt, landschaftlich gesehen", Vortrag von Anton Betzner. Anschließend: Sportnachrichten. 19.80: Das Zagreber Streichquartett spielt. 20.30: Happy End 21.30: Aus dem Kursaat Cannstatt: Unterhaltungskonzert des Philharmonischen Orche- fters Stuttgart. 22.45: Von Hamburg: Die Weintraubs spielen. Montag, 30. Mai. 7 Uhr: Fruhkonzert auf Schallplatten. 7.30: Bad Mergentheim: Konzert des Kurorchesters. 12: Mit- tagskonzert. 13: Konzert. 17: Nachmittagskonzert de» Rundfunkorchesters. 18.25: Vortrag anläßlich der Tagung über die allgemeinen Aufgaben der Kaiser- Wilhelm-Geselljchast. 18.50: Englischer Sprachunterricht. 19.30: Schallplattenkonzert. 20: Au» dem Landestheater Darmstadt: Kammeropern. Dienstag. 31. Ma, 7 Uhc Fruhkonzert auf Schallplatten. 7.30: Bad Pyrmont Brunnenkonzert 12: Mannheim: Eröffnungsfeier der 38. Wanderausstellung der deutschen- Landwirt'chastsgesellschasi 13 Mittagskonzert. 15.20 bis 15^' Hausfrauen-Nachmittaa. 17 Kon- ier! 18.25: „Zum Gedächtnis Evariste Galoi»", Vortrag von Dr phil. Hannah Szacll z, Franksurt a M. 18.50: „Rundfunk in aller Welt" Vortrag von I. B'.anner, Berlin. 19.30: Au» Freiburg: Skagerrak Gedachtnisftunde 19.30 Gorch Fock.^der Dichter von Finkenwerder (* 31.5. 1916 in der See- schlacht am Skagerrak). 20: Berlin Kantate auf den Tod -Haydn» von Cherubmi. 2".Kleider machen Leute, Hörspiel von Geno Ohlischtaeger nach der Erzählung von Gottfried Keller. 21.50 bi» 23.35: Aus London Die Meistersinger von Nürnberg, von Richard Wagner, II. Aki Mittwoch, 1. 3uni. 7 Uhr Bad Pyrmont: Brunncukonzert der Kur- kapelle. lo.2o bis 10.50: Schulfunk. Kap Bon-Atlantik. 13: Mittagskonzert 15.15 bis 16: Stunde der Jugend. 17 Bunter Nachmittag. 18 25: „Leibesübung auf dem Lande". Vortrag von Reichsininilter a. D. Dr Haslinde, Arnsberg. 18.50: „Die Wirt- Ichast in CUaß Lothringen nach dem Krieg". II. Vortrag von H. Hansen. 19.30: Unterhaltuiwskon zert des Rundfunkorchester». 20.30. Klassische Monologe. Friedrich Lindner. Dresden. 21: Unterhaltung»^. tert. 22 20. 'Von Berlin: Aeitbericht, Ungarn. 23.20 bis 24: Von Budapest: Zigeunermusik der Zigeuner- kapelle Jenö Farkas kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 29. Mot. 1. Sonntag noch Irinitati». Stadtkirche. 8 Uhr: Pfr Mahr, zugleich Christen- lehre für die Neukonfirmierten aus der Matthau»- gemeinde: 9.30: Pfr Becker: 11: Ainderkirche für die Markusgemeinde. Pfr Becker. — 2ohanne»klrche. 8: Pfr. Ausseid; zugleich Christenlehre für die Neukon. firmierten der Iohannesgemeinde: 9.30: Pfr Bech- tolsheimer: 11: Kinderkirche für die Lukasgemeinde, Pfr Bechtolsheimer: 20: Bibelbejprechung im Johan- nesfaal. Pfr. 'Dlii 11 er. — Kapelle de» Alten Friedhof». 9.30: Pfr. Ausfeld: zugleich Christenlehre für die Neukonsirmierten der Luthergemeinde — Llisabeth- hleinfinbcr|d)ule. 8.15 Christenlehre für die Neukon- firmierten der Pelrusgemeinde: 9.45: Psr. Lic. Waas^ 11: Kinderkirche für die Pelrusgemeinde. 'Ufr. Lic. Waas — 3m Saale der neuen Krippe. 11 Kinderkirche für die Johannes- und Lvthergemeinde: Pfr. Ansfeld. — stlrin-Cindcn. 9 5)aupigoltesdienst. 1" Kindergottesdiensi — Heuchelheim: 10: Gottesdienst: 11.15: Katechismuslehre (männliche Jugend) — wieseck. 9 30; 1045: Christenlehre. — Alten-vuseck. 10; 13: Christenlehre — fiird)berg. 10: Kirchberg. 11: Christenlehre für die konfirmierte weibliche Jugend — Hausen-Garbenlcich. 10.30: Garbenleich, anschließend Christenlehre; 13: Hausen. — Maßen- born-Steinberg. 13: 5)aiiptgottesdienst mit Christen- lehre. — (Brüninqcn. 9 30: 5)aiiplgottesdienst. — Cid). 9.30: Stistsdechant Kahn; Christenlehre für die männliche Jugend; 12 45: Kindergottesdienst Katholische Gemeinden. Samstag, den 28. Mai. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag den 29. Mai. 2. Somntaa nad) Pfingsten Gießen.' 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe: s: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11 Messe mit Predigt; 14: Christenlehre und Andacht — Grünberg. 9 45: Messe mit Predigt. — Hungen. < Hochamt mit Predig! -- Ci Messe mit Predigt. — Nidda. 8.30 Hochamt mit Predigt — Schotten. 10.30. Hochamt mit Predigt. Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: Gießen. 20 Uhr Segensandacht. Freitag, den 3. Juni. Gießen. 6.30 Uhr: Segensamt — Cid). 6.15: Segensmefse_____________________________________ ^onntng^Menit b.'llerue "uotbe'e» am 20. -.32 J>rl. Dr. Gürtler. Dr. Wols. Engctavotbcke. Zahnarzt: Dr. Breuning. >> llllllllllllllllllllllllllllllllllll föad Selters das zeitgemäße Bad heilt Leber. Galle. Magen, Darm. Gicht. Rheuma llllllllllllllllllllllllllllllllllll Empfehlungen von Bädern und Sommerfrischen finden durch den 6ie8enerAnzeiger beste Verbreitung. • AUSKUNFT: HESSISCHE BADED1REKTIQN < 7 Tage Freipenston. 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Sicherlich hast du Ernst vollkommen mißverstanden Er hat es erst doch' so gern gewollt, dah du mit nach Polzenhagen kamst." „3a, erst! Es ist ihm aber inzwischen vergangen. 3d) kann hier nicht mehr bleiben." „lind ich lasse dich in dieser Verfassung nicht fort", sagte Traute entschieden. Sie half der Schwester, die nach und nach still und willenlos wurde, die nassen Kleider ablegen. lind dann nahm Lisa ein Dad und legte sich zu Bett. Traute blieb bei ihr. bis sie ganz fest eingcschlofen war, dann erst schlich sie hinaus und lief dann schnell über den langen Korridor in das Zimmer ihres Mannes. Der stand am Fenster und rauchte. Bei ihrem Eintritt legte er die Zigarette beiseite und ging ihr entgegen. „Du hast ein Recht auf die Wahrheit, Trautet. Komm, ich erzähle dir." Er setzte sich in einen der tiefen Klubsessel und zog die junge Frau auf seine Knie, lind nun erfuhr sie alles von ihm. Als sie dann leise weinte, sagte er: „Sei ruhig — es war gut, daß ich kam. Mit Oüderitz muh ich noch sprechen. Er ist ein guter Kerl und liebt feine Frau. Aber Lisa hat es in sich. Auf kurze Zeit kann sie einen Mann toll machen. Auf kurze Zeit! Aber auch diese Zeit kann genügen, ein Glück in Trümmer zu schlagen. Also muh sie fort, und ich habe ihr das auch gesagt." „Wenn sie ihn aber nuiUwirtlich liebt? Verlassen, wie sie ist?" fragte Traute zaghaft. ,,3d) nehme dir dein Mitleid nicht übel, Kind. Schließlich ist es deine einzige Schwester, um die es sich handelt. Ob sie das Mitleid verdient, ist eine andere Sache. ilnb das andere? Ernstlich lieben, sich etwa gar noch mehr einbilden, dazu wird sie doch wohl zu klug sein. Sie hat von Anfang an gewuht, dah der Mann verheiratet ist." Die Worte klangen hart. Traute wagte nichts mehr zu sagen. Aber sie lehnte den Kopf an die breite Brust des Gatten. Wie geborgen sie vor ollem war, wie geborgen! Aber war Lisa denn nicht ebenso geborgen gewesen, und hatte sie nicht trotzdem die Schranken überschritten? Traute wuhte nichts Bestimmtes, aber Polzenhagen, vorsichtig sondierend, hatte etwas herausbekommen. wenn er es dann seiner Frau gegenüber auch nur angedeutet hatte. „Das Beste wäre aber doch, wenn man sie mit ihrem Manne versöhnen könnte", sagte Traute schliehlich. nachdem man noch eine ganze Weile über Lisa gesprochen hatte. „Das hoffe lieber nicht. Trautelchen, denn das wird bestimmt nie sein", sagte er fest. — Mit der Vochmittogspost waren zwei Briefe gekommen. Für Lisa! Traute brachte sie der Schwester ans Bett. Die griff gleichgültig danach. Der eine war mit der Maschine geschrieben. Lisa lächelte maliziös. Ein Geschäftsbrief! War von Herrn Doktor Ansbrück vielleicht irgendeine Rechnung nicht bezahlt worden? Der andere Brief war von Mama. Lisa öffnete auch ihn einstweilen nicht. Sie hatte keine Lust, die Klagen zu hören: denn weiter enthielten die Briefe der guten Mama ja doch nichts. Lisa sprach auch nicht mit Traute, so dah sie nach einer Weile still wieder hinausging. Morgen war grohe Wä^' und die Mamsell zählte diese in der Kamme itcn. Traute band eine große weihe Schürze um und half mit. Als Ernst von Polzenhagen gegen Mittag aus den Ställen beteinfam, traf er seine Frau dabei, wie sie sich von der Köchin die Geheimnisse einer gefüllten Ente erklären lieh. Mit hochroten Wangen machte sie sich Notizen. 3hr aufstrahlender Blick traf sich mit dem seinigen. Und er machte kurzen Prozeß und kühte sie herzlich ab vor der Mamsell, die sich lächelnd zur Köchin wandte und ihr irgend ekwas sagte. Denn schliehlich brauchte die sich nicht noch umzusehen. Oben in ihrem Zimmer las Lisa den Brief der Mutter, der aber keine Klagen enthielt, sondern die dringende Bitte. Heimzukommen. Sie fühle sich sehr einsam und man könne sich doch zu zweien das Leben immerhin etwas erleichtern. Und es sei vielleicht auch besser, wenn sie Ernst und Traute lieber allein ließe. Die habe bei der Beerdigung den Eindruck gehabt, als stimme dort auch nicht alles. Aber es sei doch vielleicht noch nicht alles verfahren, und sie schäme sich doch vor den Freunden und Verwandten, wenn es etwa bei Traute auch noch Skandal geben würde. Lisa lächelte. Nein, liebe Mama, sie leben wie die Turteltauben. Traute ist jetzt sehr glücklich, dachte sie. Dann gingen ihre Gedanken weiter. Was sie erst gedacht, daß Ernst den Brief bei Mama bestellt, das machten die Worte der Mutter zunichte. Sie wußte ja nicht einmal, wie flut die beiden sich jetzt vertrugen, und sie ängstigte sich nun auch noch um Traute. Nun, sie würde heimfahren und da konnte sie die Mutter ja gleich über diesen letzten Punkt beruhigen. Gleichgültig öffnete Lisa den zweiten Brief. Da wurden ihre Augen auf einmal groß und starr. Auch der Dogen war mit der Maschine beschrieben und lautete: „Liebe Lisa! Ditte, komm heute abend um acht auf die Straße an die Kreuzung, von wo aus der Weg nach Polzenhagen führt. 3ch muß Dich dringend sprechen. Komm bestimmt. Sag aber keinem Menschen etwas, sonst hätte es keinen Zweck, dah ich Dich aufsuche." Der Brief trug keine Unterschrift. Von wem war dieses Schreiben? Lisa sah nach dem Poststempel. Er trug denjenigen des kleinen Postamtes im Nachbardorf. Von Klaus Lüderitz! Das war ihr erster "Gedanke. Denn nur er hatte das größte Interesse, seinen Namen nicht auf das Papier zu bringen, Oder war es Rudolf? Wollte er eine Versöhnung? Lisa sprang aus dem Bett. Wenn Rudolf es wäre? Aber weshalb kam der nicht offen und direkt nach Polzenhagen? Es würde doch Klaus Lüderitz sein! Bestimmt würde er es sein. Er hatte es sich überlegt, daß er sich von seinem Freunde Polzenhagen hatte wie ein dummer Junge behandeln lassen. Nun wollte er mit ihr irgend etwas besprechen. Vielleicht hatte er sich mit seiner Frau gar schon auseinandergeseht? Lisa ging hin und her, immer hin und her, aber zu einem direkten Schluß kam sie nicht. Sie sah noch einmal auf den Brief. Um acht Uhr sollte sie dort fein. Da war die Abendbrotzeit vorüber. Und wenn sie heftige Kopfschmerzen vorschühte, dann konnte sie ganz gut abkommen und sich durch das Hintere Parktor davonschleichen. Der Schlüssel steckte immer, das wußte sie. Sie fürchtete sich zwar ^etzt schon, in die Nacht hinauszugehen, wo sie doch nicht wußte, wer sie ertoartete. Aber es würde ja doch bestimmt Klaus Lüderitz sein. Und man durfte ihm diese Sache nicht einmal Übelnehmen. Wie iDUte*tr sie denn sonst erreichen? Lisa legte die beiden Briefe in das Seitens ach ihres großen Koffers. Dann wusch sie sich nebenan in dem kleinen Toilettenzimmer und machte sich fertig. Sie sah dann am Fenster und las, bis es dunkel wurde. Traute war nicht wieder herauf» gekommen zu ihr. Nur gegen vier Uhr brachte ihr das Mädchen frischen Kaffee. Lisa aß nichts, aber von dem duftenden starken Kaffee trank sie zwei Tassen, und dann fühlte sie sich wieder gekräftigt. Sie war jetzt schon wieder so weit, daß sie sich herzlich freute, über Schwager Emst hinweg sich dennoch mit Lüderitz zu treffen. Gegen sieben Uhr wurde in Polzenhagen zu Abend gegessen. So ging Lisa um diese Zeit in das kleine Speisezimmer hinunter. Traute ordnete noch etwas auf dem Tische und Ernst lehnte am Fenster und sah ihr zu. (Fortsetzung folgt.) Gr. 20/22 Der beliebte Lackbesatzstiefel mit beige- farbigem Einsatz, Gr. 25/26 5.95 Brauner Spangenschuh, tadellose Paßform, Für heiße Tage: Weiße Leinen- Spangenschuhe, Gr. 31/35 5.25 Gr. 27/30 Braun u. schwarz Rindbox-Kinderstiefel, ohne Kappe, wasserdichtes Futter, holzgenagelt, besond. kräftig, Gr. 23/26 nur Solider schwarzer Spangenschuh, ganz besonders günstig, Gr. 25/26 2.95 Gr. 23/24 2.45 Gr. 20/22 Gr. 23/24 5.45 Gr. 20/22 2.95 Gr. 18/19 Gr. 31/35 5.45 Gr. 27/30 Braun. 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