Nr. 99 (Erftes Blatt 182. Jahrgang Donnerstag, 28. April 1952 GießenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen ünrtf uw» Verlag: vrühl'sche UntverßtStL-v«ch- nnö Stdeöniderei R. tange in Gießen. Sdjriftlcitnng und Keschäftrstelle: Schullttatze 7. Annahme van Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspsennig; für Re« klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reickispfennig, Plahvorschrist 20°, mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Will). Lange. Berontworilich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr LZ.Tdyriot; für den übrigen led Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in (Liehen. Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustriert« Giehenee Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats-Bezvgsprei»: Mit 4 Beilagen RM.l.95 Ohne Illuskierte , 1 80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zenifprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger tiefte«. Postscheckkonto: Rranffurt am main 11686. Tardieu kommt nicht nach Gens. Oer französische Ministerpräsident an einer Kehlkopfentzündung erkrankt. — Frankreich wünscht vor den Wahlen keine Entscheidung. Frankreich im Wahlkampf. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. , Paris, Ende April 1932. Nur noch wenige Tage trennen uns hier von dem auf den l. Mai angejetzten ersten Wahlgang für die französische Kammer. Man muß sich diese Tatsache immer wieder ins. Gedächtnis rufen, um an ihre verbriefte und amtlich besiegelte Realität glauben zu können Denn sie liegt — sozusagen — nicht in der Luft, sie drängt sich nicht auf, ja sie bringt es nicht einmal fertig, das Interesse an llnglückssallen, Sportveranstaltungen, Frühjahrs- moden und lokalen Sensatiönchen zu verschlingen. Gewiß prangen die Wahlplakate wie in früheren Wahljahren an den in Reih und Glied ausgestellten Tafeln Ebenso gewiß fehlt es nicht an der üblichen --timmungsmache, 'Zlcrjammlungen, Miniflerreden, Leitartikeln und Bierbonkprophezeiungen. Ungehemmt durch Notverordnungen zieht die profeffio- nette Agitation alle Register der Selbstbeweihräucherung und Kegnerbeschinipfung, wobei letztere wahre Crgien der persönlichen Verunglimpfung feiert. Denn i. • französischen Wahlkampf sind nach altehrwürdiger Tradition Ausdrucke und Injurien erlaubt, die in „friedlichen Zeiten" unweigerlich vor den Kadi gehörten. Aeußerlich halt man sich alfo'an die Spielregeln, doch innerlich fehlt etwas: Die massen- ergreifende, massenerregende Leidenschaft! Nichts zündet, nichts fchlagt durch, man hat fast den, Eindruck, als ob das sonst so bewegliche französische 'Volk dem politischen Temperenzlertum verfallen wäre. Man „macht" Wahlkampf und wird auch pflichtgemäß an die Urne gehen — doch ohne die rechte Freude am eigenen Tun. Das „Warum" dieser Lauheit, ist gar nicht so schwer zu erraten: es fehlt bei allen Parteien die ins Auge springende, zündende Parole, und an die Stelle der Leidenschaften tritt das nüchterne Programm mit seinen abgegriffenen, notdürftig auf- geputzten Formeln. Wenn man ein Schlagwort für den 1. Mai prägen wollte, so mühte es „Unklar- heil" oder „U nsicheryeit" heißen. Daran können weder Tardieu, nod) Herriot oder Blum etwas andern — wenn sie sich in ihren Kundgebungen auch noch so stark machen. Die Masse sieht die „feurigen Zeichen" am Wahlhitnmel nicht und bleibt im Innersten unbeteiligt. In den Fahren 1924 und 1928 drehte sich alles Für und Wider um die „vulkanische" Persönlichkeit Poincares. Im ersteren Falle siegten — unter dem Eindruck des Dejfchlten Ruhrabenteuers und der ebenso verfehlten Scpariftenpolitif — seine vereinigten Gegner, im zweiten Falle — unter dem nachhaltigen Eindruck der Finanzkrise — seine Freunde. Heute sitzt der alte Lothringer halb gelähmt in seinem Landhause, und sein Schüler Tardieu bemüht sich vergeblich, den leeren Platz des Meisters in den Augen der Nation vollgültig aus- zufüllen. Was Tardieu im Sinne der konservativen französischen Tradition als „Mehrer des Reiches" und „Hüter des Sieges" etwa gewinnt, verspielt er wieder bei der alten (im Senat verkörperten) Generation durch sein selbstherrliches, spöttisches Wesen und durch feine „unruhige", geschäftige Außenpolitik. Man erweist seiner Intelligenz und Tatkraft Ach- tung, doch man sieht in ihm nicht den Granitfelsen unter dem Mastbaum der Trikolore. Als berufener Führer der bisherigen Kammermehrheit hatte Tar- dien die Parole ouszugeben. Er tat das, doch ein wenig zu langatmig, etwas zu „rechtfertigend" und schließlich aud) ju negativ. „Stimmt gegen d i e S o z i a I i ft e n". Der Schwerpunkt lag allzu sehr auf Dem „Wogegen" und zu wenig auf dem „W o - für". Es genügt nicht recht, dem Volk zu sagen: „Stimmt für uns, dann bleibt alles wie es war". Denn so glänzend war es denn auch in Frankreich nicht. Was nun die Radikalsozialisten anbelangt, so befindet sich Herriot in dem höchst schwierigen Dilemma einer Zwitterstellung zwischen halbrechts und links. Zwischen dem Zentrum — mit dem eine Regierung der „Konzentration" möglich wäre — und den Sozialisten des „Kartells" und der zweckmäßigen Wahlverbindungen. Also auch hier Unklarheit und Unausgesprochenheit, auch hier fein zündender Funke. Außenpolitisch st ehtHer. ri o t seinem Gegner Tardieu bedenklich nahe und mutz stärkste Rücksichten auf die unbedingt nationalistische Stimmung der „alten Herren" seiner bourgeoisen Partei nehmen. Dementsprechend rührt er die patriotische Trommel und läßte seine außenpolitische Kritik in der Anklage gipfeln, daß man die feineren und geschickteren Methoden Briands zugunsten einer plumpen Kraftmeierei preisgegeben habe. Sein Widerstand gilt nicht der Sache, sondern höchstens der Form, wobei er sich die Grundprinzipien Tardieu-Lavals restlos zu eigen macht. In peinlicher Ermangelung neuer zugkräftiger Gedanken reiten die Radikalen ihr altes braves Steckenpferd: den donquichotischen „A n t i k l e r i k a l i s m u s" und rennen mit der „Laienschule" offene Türen ein. Die Parole Hai nichts 'Beftedjenbes, ist jedoch erprobt, da der kirchen- feindlich erzogene französische Bauer immer noch sein kleines freigeistiges Vergnügen darin findet, gegen „seinen" Dorfgeistlichen zu stimmen. Der Haß der Partei gilt nicht den Mittelgruppen um Tardieu oder Laval, sondern — aus rein innerpolitifdjcn Gründen — dem rechten Flügel der bisherigen Mehrheit: der klerikalen „papislischen" Maringruppe. Die Sozialisten ihrerseits haben durch den Tod Briands (oder richtiger: der falschoerftandenen Berkörperung des Schlagworts „Briandpolitik") viel an Werbekrast eingebüßt. Ein weiterer Verlust ist zweifellos das Abfchwenken Paul- Bo n^ cours, dem viele offene und heimliche Sympathien folgen. Doktrinärer Marxismus ist der französischen Mentalität ein so fremder Begriff, daß selbst Läon Tardieus Absage. Die Erkrankung laut sehr gelegen. Paris, 27. April. (TU.) Die vielen Reben und Reifen der letzten Wochen haben den Rliniftcrpräfi- benten Tardieu fo stark ermüdet, bah ihm die Aerzle vorläufig strengste Ruhe empfohlen haben. Tarbieu Ist ernstlich an einer kehI- fopfenljünöung erkrankt. Er wirb weder am Donnerstag in Belfort die beabsichtigte große politische Rebe halten, noch am Freitag, roie ursprünglich geplant war, nach Genf reifen. Der Ministerpräsident hat sich infolgebeffen gezwungen gesehen, an den ständigen französischen Der- freier beim Völkerbund, Paul-Boncour, folgendes Telegramm zu senden: „3d) wäre Ihnen sehr zu Dank verpslichtet, wenn Sie den Herren Stimson, 2H a c bona I b, Brüning unb Granbi folgende Mitteilung machen würden: Als ich gestern von dem Wunsch meiner Kollegen erfuhr, mich am Freitag in Genf zu sehen, habe ich zugesagt. obgleich ich bereits leibend war. Aber die starke Kehlkopfentzündung, an der ich leide, hat Inzwischen derartige Fortschritte gemacht, daß meine Aerzle mir kategorisch b I c beiben Jl a d) I r e i f e n untersagen. Sie verbieten mir ebenfalls, am Donnerstag in Belfort bie politische Rebe zu halten, bie nunmehr burch einen meiner Regierungskollegen verlesen roerben wirb. Sie verlangen von mir bis auf weiteres vollkommene Ruhe. Ich bin selbst sehr unzufrieben damit, aber ich kann nichts dagegen machen. 3d) bitte Sie, meinen Kollegen mein Bebauern auszusprechen." Wie bet „Tempo“ zu ber durch Ueberanftrengung hervorgerufenen Erkrankung Tardieus ergänzend zu berichten weiß, ist bie am heutigen Mittwoch von den Aerzten festgestellte Kehlkopfentzündung m i t Fieber verbunden. Der Ministerpräsident muh bas Bett hüten unb sich größte Schonung auferlegen. Am Dienstagabend fei die Indisposition des Ministerpräsidenten bereits deutlich gewesen, doch habe man gehofft, daß die Nachtruhe Besserung bringen werde. Leider hätten die Aerzle jedoch eine nicht unwesentliche Verschlechterung feststellen müssen. Lin Bulletin wurde heute nicht ausgegeben, doch hört man am Quai d'Orsay, bah Tarbieu unter heftigen Halsschmerzen zu leiden hat. Sein Zustand ist am Nachmittag nicht beunruhigend, aber auch in keiner weise gebessert. Gerüchte, bah Tarbieu es angeblich oer meiben wolle, so kurz vor ben Kammerwahlen weittragende und vielleicht entscheidende Verhandlungen mit Brüning, Macdonald und Stimson zu führen, werden in politischen Kreisen als völlig unbegründet zurückgewiesen. Die pariser presse sehr befriedigt. Einer schw erigen Situation auS de We e gegangen. Paris, 28. April. (WTB. Funkspruch.) Die Un- päßlichkeit Tardieus, bie bie geplante Konferenz zwilchen Brüning, Macbonalb, Tarbieu, Stimson unb vermutlich aud) Granbi unmöglich gemacht hat, wirb von den Sonderberichterstattern der Pariser Presse in Gens dazu benutzt, ben Plan Macbonalbs unb Stitnfons z u bagatellisieren. Nach Ansicht bes Außenpolitikers bes „Petit Parisien" könne man in Genf innerhalb eines Tages unmöglich zu einem konkreten Ergebnis gelangen, unb Blum im Wahlkampf zugeben mußte, baß seine Zeit für Frankreich noch nicht gekommen sei, unb baß die Partei nicht etwa den Privacbesitz, sondern nur das „kapitalistische System" bekämpfe Von diesem System macht sich der genügsame, sparsame, auf ben Erwerb eines Kleinkapitals eingeschworene französische Arbeiter eine höchst nebelhafte Vorstellung. Das Gespenst ber Arbeitslosigkeit kennt er eigentlich nur aus ziemlich unbeteiligter Anschauung, ba eine weise Gesetzgebung zunächst ben zugewanber ten italienischen, polnischen, deutschen ober russischen Arbeiter an die Luft setzt. Es ist übrigens höchst bezeichnen!», baß ber französische Sozialismus seine getreueste» Wähler unter ben gewissermaßen grunb- sätzlich oppositionellen — reichen Bauern bes Süd- westens finbet. Ebenso fremb wie ber Marxismus ist ber Masse bes Volkes hier ber Internatio n a l i s m u 5. Die oerschiebenen ... ismen gehören wohl zum osftziellen Programm, haben aber im praktischen Leben, b. h. im Bewußtsein bes einzelnen, nichts zu suchen. Eine platonische Geste ben Ge nassen im Auslände gegenüber, bie man im übrigen ihrem guter, ober bösen Schicksal überläßt. Für jeben waschechten Franzosen liegt bas Ausland hinter sieben Bergen und lebt unter Verhältnissen, die zu erforschen sich nicht der Mühe lohnt. Sozialismus ist also eine französisch-innerpolitische Angelegenheit, ohne jeden hitzigen umstürzlerischen Beigeschmack. üeute, bie ihre kleinen parlamenta- Frankreich habe am Vorabenb seiner Wahlen sich auch nicht für Lösungen entscheiben können, für die es sämtliche K o st e n würbe tragen müs fen — Der Außenpolitiker bes „Ed)o de Paris" ist darüber erfreut, baß Tarbieu infolge feiner In- bisposition nicht nach Genf zu lammen brauche, weil er boch nur in bie Isolierung ge drängt worben wäre unb man von ihm Konzessionen verlangt hätte, ohne irgenbeine Gegenleistung zu bieten. — Aus biesen Ton sinb sämtliche Berichte aus Genf abgeftmunt. Das beutet barauf hin, baß ein Mot d *0 r d r e ausgegeben worben ist. Gens. 27. April. (TU.) Die heute nachmittag telephonisch hier eingetroffene Nachricht von ber Erkrankung Tardieus unb die Absage feiner zu Freitagfrüh angekünbigten Rückkehr nach Gens hat große Ueberraschung hervorgerufen. ba die Besprechung zwischen Qllac» donald, Saison und Brüning und die zahlreichen vertraulichen Berhandlungen der letzten Tage ausschließlich der Vorbereitung der Besprechung am Freitag galten, in ber zum ersten Male der Versuch einer ileberbrüdung der deutsch-französischen Gegensätze mit englisch-amerikanischer Vermittlung unternommen werden sollte. 4'er werden die Folgen des Fernbleibens Tardieus eingehend erörtert Es besteht der Eindruck, daß damit auf französischer Seite eine Verschiebung der Besprechung bis nach den französischen Kammerwahlen bezweckt ist und daß erst nach den französischen Wahlen die heue französische Regierung zu entscheidenden Derhand- ®enf, 27. April. (TU.) Ministerialdirektor Brandenburg gab im Luftfahrt aus- schuß der Abrüstungskonferenz eine Erklärung über den deutschen Standpunkt zu der Begriffsbestimmung der Angriffswaffen auf dem Gebiet der Luftfahrt ab. Die Aufgabe, festumrissene Vorschläge zu machen, welche Luftwaffen als Angriffswaffen anzusehen seien, werde wesentlich erleichtert, weil hier, wie der englische Außenminister bereits im Hauptausschuß erwähnt habe, ein historischer Vorgang im Versailler Vertrag und den gleichzeitigen Verträgen von 1919 vorliege. Diese Verträge hätten in eindeutiger Weise die Waffen bezeichnet, deren Abschaffung wegen ihres Angriffscharakters als eine unerläßliche Abrüstungsmaß- nähme anzusehen war. Deutschland und andere Mächte hätten die militärische Luftfahrt durch Zerstörung abgeschafft und auf diese Weise ein Beispiel für diejenigen Maßnahmen gegeben, die jetzt allgemein als wirksame Abrüstung durchgeführt werden müßten. Die Bombenflugzeuge. die einen reinen Angriffscharakter hätten und in schlimmster Weise das Leben der Zivilbevölkerung und die nationale Verteidigung gefährdeten, fielen ohne Zweifel unter die Begriffsbestimmung der Angriffswaffen. I a g b - und Aufklärungsflugzeuge seien gleichfalls im Versailler Vertrag in die qualitative Abrüstung einbezogen worden. Der Antrag der deutschen Abordnung gehe daher dahin, daß der Luft- sahrtausschuh die gesamte militärische rischen Geschäfte machen unb „auch mal dran- kommen" wollen. Ein Plus für Leon Blum ist bie tatsächlich oorhanbene unb leicht erklärliche saturierte Friebensliebe bes Bauernvolkes. „Wer nicht will, ber hat: wer nicht mag, ist satt." Ober umgekehrt: Wer hat unb satt ist, erblickt in einer aggressiven Außenpolitik ä la Tarbieu in erster Linie bas eigene Risiko. Sehr abträglich für ben Sozialismus ist jeboch anbererjeits bas „warnende Beispiel" Eng lanbs unb Deutlchlanbs, bie Angst bes französischen Sparers vor finanziellen unb wirtschaftlichen Experimenten. Angesichts aller dieser Erwägungen unb ber allgemeinen politischen „Lustlosigkeit" läßt sich mit einiger Sicherheit voraussagen, baß bie Wahlen keine großen Berfdiiebungen mit sich bringen werben. Eine .Rabikalisierung nach rechts ober links kommt in biesem Lanbe bes ausgeglichenen selbstzufriebenen Psahlbürgertums gar nicht in Frage, b$ bie Triebkraft ber Volkserregung ober Dolksnol fehlt. Wohl aber ist ein gewisser „Ruck nach 1 inks" unb eine 'Jlieberlage ber Marin-Gruppe wahrscheinlich. Wenn sich bie bisherige Kämmermehrheit — burch Einschrumpfen ihres rechten Flügels — nicht hält, dürfte bas praf- tifdj-parlamentariidie Ergebnis bie Konzentration, b. h. ein Zusammengehen bes Zentrums (Tarbieu) mit ben Radikalsozialisten (Herriot) fein. — Der Sonberb^richterstatter des „Figaro" in Genf spricht von einem vertagten Manöver So logisch es gewesen wäre, baß ber französische Ministerpräsident unb Außenminister vor ben Wahlen nach Gens gekommen wäre, wenn die allgemeine Abrustungskoinmission ihre Besprechung fortgesetzt hätte, ebenso gefährlich wäre sein Kommen gewesen, wenn er lebigltd) an Prioatbe sprechungen mit bem Führer ber amerikanischen, englischen unb beutschen Delegation hatte teilnehmen sollen. lungen über die Reparation«» und Abrüstungskonferenz bereit ist. 3m Auftrage von Tardieu stattete Paul- Boncour Macdonald. Stimson und Brüning Besuche ab. um die Mitteilung von der Erkrankung des französischen Ministerpräsidenten zu machen. Der englische Ministerpräsident Macdonald reist am Samstagabend, der amerikanische Staatssekretär Stimson bereits am Freitag. Er wird sich vor seiner endgültigen Rückkehr nach ben Vereinigten Staaten noch einige Tage in Cannes aufhalten. Dr. D r litt i n g wird am Donnerstag bei einem Frühstück bei Macdonald noch einmal mit Stimson zu- fammentreffen. so daß sich dort die Gelegenheit für eine Aussprache zwischen ben drei Staatsmännern ergibt. Der endgültige Zeitpunkt für die Abreise Brünings ist noch nicht festgesetzt, jedoch ist vorläufig die Abreise f ü r Donnerstagabend vorgesehen Luftfahrt als eine Waffe bezeichnen möchte, die unter die vom Hauptausschuß festgesetzte Be- griffsbestimmung der Angriffswaffe falle. Der deutsche Antrag wurde einem Änteraus- schuh überwiesen. Außer dem deutschen Vertreter nahmen noch die Delegierten Italiens, Japans, Polens, Belgiens und der Schweiz das Wort. Ihre Ausführungen brachten nichts Neues. Der Vorsitzende stellte fest, daß nur ein einziger konkreter Antrag, der deutsche, vorliege; er fordert die Delegation auf, ihre Ansichten bis zur nächsten Sitzung in formulierten Anträgen vorzulegen. Die VermittlungssormelSlinisonS Deutschlands Anspruch aus gleiche Mittel der nationalen Verteidigung. Conbon, 29. April. (IDTB. Funkfpruch.) Der blplomatifdje Korrespondent des „Daily Telegraph" schreibt: Die privaten Besprechungen zwischen Dr. Brüning, Macdonald und Stimson Haden d i e M ö g- lichkeilen einer eventuellen Verständigung gezeigt, und zwar nicht nur im allgemei- nen, sondern auch hinsichtlich der sranzö- sisch-deutschen Seite des Problems. Die Hauptpunkte, in denen die Delegationsführer Deutschlands, Großbritanniens und Amerikas zwar noch keine Vereinbarung, aber eine Annäherung ihrer Standpunkte gesucht haben, waren die qualitative Beschränkung der Rüstun- Eine solche Kombination — als die möglichste unter ben möglichen — vorausgesetzt, mürbe sich an der außenpolitischen Haltung Frankreichs praktisch gar nichts än- dcrn. Es ist eine vielfach aufgeworfene, aber nichts bcsloweniger müßige Frage, ob unb in welcher Richtung sich die vorausgegangenen beutschen Wahlen auf bas französische Ergebnis auswirken können, ba jcbe französische Partei in ihrer Weise oer- suchen wird, Argumente aus Deutschlanb herbeizu- schafsen. Der Glaube an eine tiefe unb einbeutige, leicht absehbare Wechselwirkung ist falsch, ba er bie eigene Mentalität ber fremben unterschiebt. Am ehesten ist ber Franzose noch geneigt, frcmbe Kraft unb fremben Willen zu reipefticren, ba sich seine Außenpolitik gern in ber Richtung bes geringsten (phasischen ober ibeeilen) Wibcrstanbes bewegt. Ebenso irrig ist cs ferner, die politischen Begriffe „rechts" unb „links" in Deutschland unb Frankreich kritiklos gleichzusetzen, benn tatsächlich haben sie nicht viel mehr als ben Namen gemein unb unterfdjeibcn sich, in ihrer weltanschaulichen Struktur wie Zielsetzung, grunblegenb ooneinanber. — Schließlich aber ist es ein geradezu verhängnisvoller Fehler, die Losung ber beutschen Probleme ober bie Besserung unserer Lage von außen her unb nicht von innen heraus zu erwarten. Wer in diesem falschen Sinne etwas Entscheidendes von den französischen Wahlen erhofft, wird sich unweigerlich getäuscht haben. üebecraschung in Genf. Am Donnerstag erneutes Zusammentreffen Brünings mit Stimson und Macdonald. Deutschland fordert Abschaffung der Luftwaffe. Der Versailler Vertrag als Maßstab für die Bestimmung der Angriffswaffen. gen durch Beseitigung oder erhebliche Verminderung dec Offensiv- Waffengattungen und der Anspruch Deutschlands auf Gleichheit der nationalen Verteidigung mit den anderen wachten. Die qualitative Begrenjung und Verminderung der Rüstung würde bereits dazu beitragen, die bestehende Ungleichheit zwischen den Rüstungen Deutschlands und seiner Rachbarn zu beseitigen. Dann bleibt aber noch das Verhältnis zwischen den Effektiv st ärken und den leichten Waffen, wie Maschinengewehren, Feldgeschützen und Haubitzen, vielleicht wird sich die geschickt ausgcdachte amerikanische Formet al, wertvoll erweisen. Sie schlägt eine Teilung der militärischen Streitkräfte in drei Gruppen vor: 1. Streitkräfte für den Polizeidienst im Innern; 2. Streitkräfte zum Grenzschutz; 3. Streikkräfte zur Verteidigung des Landes und der Kolonien, wie zugegeben werden mutz, Hal der Versailler Vertrag die deutsche Armee auf die für den ersten Zweck bestimmten Streitkräfte beschränkt, so dah also Deutschland Argumente f ü r eine Verstärkung seiner Polizeitruppe anführen könnte, falls nicht die entsprechenden Grenzschutz st reitkräfle {einer Nachbarn vermindert werden. Oer Standpunkt Englands. Genf, 27.April. (TU.) Von der englischen Abordnung wurden der Presse nachfolgende allgemeine Mitteilungen über die Haltung der englischen Regierung auf öec- Abrüstungskonferenz und ihre Stellungnahme zu der Lausanner Reparationskonferenz gemacht: Die englische Regierung verfolgt in der Abrüstungspolitik dos Ziel, eine breite Verftän- digungsgrundlage zu finden. Die Ab- rüstungskonferenz muß das moralische Ansehen des Völkerbundes stärken und seine Aufgabe auf den Ausgleich der Interessen, auf Verständigung und Kompromisse unter den Völkern hinzuwirken, weiterfördern. Den Völkern muß jetzt die Sicherheit vor allen Gefahren gegeben und die Furcht vor 'Angriffen genommen werden. Die englische Regierung ist bereits gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und Japan durch das Londoner F l o t t e n a b k o m m e n zu einer Herabsetzung der Flottenrüstungen geschritten. Enttäuschung herrscht über das Zögern Frankreichs, dem Londoner Dreimächtevertrag beizutreten und ihm durch den sich anschließenden Beitritt Italiens zu einem F ü n f m ä ch t e v e r t r a g zu machen. Die englische Regierung unternehme seit der Londoner Konferenz ungefähr jeden Monat den Versuch, dieses Ziel irgendwie zu erreichen. Leider habe sie damit bisher noch keinen Erfolg gehabt. Es wird in nicht mißzuverstehender Weise angsdeutet, sie könne eines Tages genötigt fein, aus Gründen der Sicherheit und des Gleichgewichts auf die im Londoner Abkommen vorgesehenen Möglichkeiten der Verstärkung der Flotte aufmerksam zu machen. Wenn nicht alle Rationen den guten Wil- len hätten, obzurüsten, so könne nicht erwartet wer- den, daß ein Land allein seine Militärkräfte verringert. hinsichtlich der Lausanner Konferenz ist man sich auch in englischen Kreisen über die zu überwindenden Schwierigkeiten klar. Man hat aber bisher aus den hierzu geführten inoffiziellen Besprechungen den Eindruck, daß die großen Probleme mit gutem Willen und gesundem Verstand gelöst werden können. Es handelt sich aber um eine Lösung u n d nicht um eine Verschiebung dieser Probleme. Ein Aufschub würde keinen Nutzen bringen. Die englische Regierung sei entschlossen, unter Verzicht auf jede Zwischenlösung eine Regelung von Grund auf vorzunehmen. Schwere Wahlausschreitungen in Memel. 2Lie die eingebürgerten Litauer sich aufführcn. Memel, 28.April. (TU. Funkspruch.) Zu unerhörten Ausschreitungen der litauischen Wahlpropa- aanda kam es in der vergangenen Rächt in ganz Memel. Große Trupps großlitauischer Burschen durchzogen mit Plakaten und Wahlaufrufen die Straßen, klebten an alle Häuser und auch cm die öffentlichen Gebäude Plakate mit litauisch e n A u f r u f e n an und verschonten damit nicht einmal die Denkmäler. So wurden die Büsten am Borussia-Denkmol derart überklebt, daß sie nicht mehr zu erkennen sind, und der Sockel des Kaiser- Wilhelm-Denkmals wurde über und über mit groß- litauischen Wahlaufrufen beklebt. Auch in verschiedenen Straßen wurden die Hauswände mit Teer besudelt und die Fenster mit Plakaten beklebt. Einen Kaufmann, der sich dos Besudeln seines Hauses verbat, schlug man nieder und mißhandelte ihn schwer. Besonders hotte man es auf das Gebäude des „Memeler Dampfsbootes" abgesehen, dessen Fenster und Türen sämtlich mit Teer und Farbe beschmiert wurden. Die Polizeibeamten, die den Ausschreitungen entgegentreten wollten, wurden mit Waffengewalt bedroht und mußten sich zurückziehen. Erst später gelang es, vier der gewalttätigen Burschen festzustellen. Es handelt sich durchweg um Leute, die unlängst aus Groß-Litauen ins Me° melgebiet gekommen sind, sowie um solche, die wiederrechtlich vor kurzem eingebürgert wurden. Der englisch-irische Konflikt. De Balcra tehnt Verhandlungen ab. Dublin 27. April. (TU.) Die zweite Lesung über das Gesetz zur Abschaffung des Treueides wurde im Parlament des irischen Freistaates durch eine große Rede de Valeras eingeleitet. Er wies daraufhin, daß die Abänderung der irilchen Verfassung in diesem Punkt ein Teil d e s Wahlversprechens sei, das er jetzt einlösen wolle. Die verfassungsmäßige Gleichberechtigung des irischen Volkes mit dem englischen gebe Irland das Recht, eine Abänderung seiner Verfassung vo n s i ch ans vorzunehmen, ohne die Engländer um Erlaubnis zu fragen. Aus diesem Grunde werde er i n keine Verhandlungen mit England über tote Abschaffung des Treueides eintreten. Die Abschaffung des umstrittenen Artikels 17 der irischen Verfassung könne erfolgen, ohne daß hierdurch die sonstigen Vertragsverpflichtungen gegenüber Eng- land verletzt würden. Der Führer der Oppofi- tion antwortete de Valera damit, daß eine einseitige Auslegung oder eine einseitige Aenderung eines Vertrages durch eine der Unterzeichnermächte allein nicht angängig sei. Ser Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Oie Doppelverdiener. Ein Rundschreiben des Präsidenten der Rcichsanstalt für Arbeiislosenverst . erung. Berlin, ?8. April. (ERB.) Der. Präsident der Reichsan st alt für 'Arbeitslosenversicherung hat die Landesarbeitsämter in einem Rundschreiben darauf hingewiesen, daß der Ausschaltung ungerechtfertigten Doppelverdien st es aus Anlaß der wachsenden Arbeitsnot nach wie vor ganz besondere Aufmerksamkeit zugewendet werden soll. — In dem Rundschreiben heißt es unter anderem: „Ich nehme nach den Berichten weiter an, daß nunmehr in allen Arbeitsämtern bei jedem einzelnen Arbeitsgesuch die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse so gewissenhaft qeprüft werden, daß bei der Auswahl von Arbeitssuchenden für offeneStellen keine Doppelverdiener vorgeschlagen werden. Bei der zunehmenden Dauer der Arbeitslosigkeit und dem Mangel an offenen Stellen trägt jeder Vermittler eine schwere Verantwortung dafür, daß Familienväter und langfristige Arbeitslose bei gleicher Eignung bevorzugt werden. Die Landesarbeitsämter und Vorsitzenden der Arbeitsämter haben sich von der Bedeutung dieser gesetzlichen Vorschriften immer wieder zu überzeugen. Schließlich ist es besonders zu begrüßen, daß' sich die Arbeitsämter bemüht haben, ohne die Grenzen zu verletzen, die ihnen gezogen sind, bei der Vornahme von Entlassungen sozialen Gesichtspunkten in steigendem Maße zur Anerkennung zu verhelfen und in besonderen Füllen die Aus- wechslung von Doppelverdienern durch erwerbsbedürftige Arbeitslose zu unterstützen. Ich erwarte, daß die Vorsitzenden der Arbeitsämter zu den Betrieben ihres Bezirkes in einer so engen und vertrauensvollen Verbindung stehen, daß diese die Dienste des Arbeitsamtes auch in solchen Fragen im Interesse einer sozial gerechten Verteilung der Arbeit immer mehr in Anspruch nehmen. Die Frage der Arbeitszeitverkürzung. Berlin, 27. April. (ZU.) Wie der „Gewerkschaftliche Pressedienst" mitteilt, hat die Bundesleitung des G e w e r k sch a f t s - bundes der Angestellten (GdA.) ein Telegramm folgenden Inhalts an den Reichsrat und das Reichsarbeitsministerium gerichtet: „Eine Ausdehnung des Regierungsentwurfs über Arbeitszeitverkürzung auf Angestellte ist für Angestellte nicht erträglich, Weitere Gehaltskürzungen bei einer allgemeinen Arbeitszeitverkürzung müssen für Angestellte zu einer völligen Verelendung führen. Rach den bisherigen Erfahrungen mit Kurzarbeit wird Arbeitszeitverkürzung bei Angestellten durch Arbeitsüberbürdung aufgeholt. Ohne gleichzeitigen Einstellungszwang führt Arbeitszeitverkürzung nur zu einer weiteren Gehaltskürzung, aber nicht zu einer E n t- lastung des Arbeitsmarktes. Damit verfehlt Arbeitszeitverkürzung ihren eigentlichen Zweck." • Die Meldung über die in Aussicht stehende Verordnung über d i e 40-Stunden- woche hat insofern Anklarheit hervorgerufen, als verschiedene Industriezweige in beiden Gruppen aufgeführt werden. Hierzu erfährt der DHD., daß alle Gruppen, für die die 40-Stundenwoche angeordnet werden soll, (Gruppe 2) auch in der Gruppe 1, die dem Genehmigungszwang für eine Aeber- schreitung der 48-Stundenwoche unterliegen, enthalten sind. Das Reichsarbeitsministerium will hierdurch anscheinend erreichen, daß bei den Industriezweigen, die künftig der 40-Stun- denwoche unterworfen sind, die Aeberstun- denmöglichkeit beschränkt wird. Oie vorstädtische Kleinsiedlung. Berlin, 27. April. (WTB.) Mit den in der Zeit vom 19. bis 25. April 1932 neu bewilligten 195 Stellen sind nunmehr im ganzen 15 546 Kleinsiedler st eilen bewilligt worden. In dem genannten Zeitraum sind an Kleingartenstellen 5226 bewilligt worden. Damit ist die Gesamtzahl der Kleingartenstellen bisher auf rund 4 9 0 0 0 gestiegen. Der erste Bauabschnitt der vorstädtischen Kleinsiedlung steht nunmehr vor einem gewissen Abschluß. Die Bewilligung der restlichen rund 2000 Siedlerstellen wird in aller Kürze erfolgen. Aus den für den zweiten Bauabschnitt schon jetzt vorliegenden Bedarfsanmeldungen der Städte geht hervor, dah überall ein starkes Interesse an her Fortführung der Kleinsiedlung besteht. Schwierige Finanzlage der hessischen Gemeinden. Oer Ornck der Wohlfahrtölasten. — Oie Auffüllung des Ausgleichsstocks. Gießen und Darmstadt bespielen gemeinsam das Kurtheater in Bad-Nauheim. Darmstadt, 27. April. (WHP ) Vor der Fortsetzung der Etatsberatung teilte Innenminister L e u s ch n e r dem Finanzausschuß des Landtages den Entwurf einer Rotverordnung über die Beschaffung der Mittel für den Ausgleichs st ock zugunsten der unter Wohlfahrtslasten besonders leidenden Gemeinden mit. Dieser Ausgkeichsfonds soll danach gespeist werden: 1. durch 8 Prozent der zu bildenden Kommunalmassen der Einkommen - und Körperschafts st euer und 2. aus der Kom- munalmasse der Amsatzsteuer der die Summe von 3,3 Millionen übersteigenden Beträge. Man erwartet aus Position 1 700 000 Mk. und aus Position 2 2 Millionen Mark Aufkommen. Die Zahl der Wohlfahrtserwerb s l osen in Hessen betrug Anfang April 1930 rund 10 000, am 1. April 1931 rund 25 000, am 1. April 1932 über 43 000. Der Wochen aufwand für die 43 000 Erwerbslosen erfordert über eine halbe Million Mark. Eine Entlastung von diesen hohen Aufwendungen durch den saisonmäßigen Rückgang der Erwerbslosenzahl im Sommer ist deshalb nicht zu erwarten, weil der Zu ström von Ausgesteuerten der Krisenfürsorge stetig anhält. Der Aufwand der hessischen Gemeinden für die Wohlfahrtserwerbslosen wird deshalb im laufenden Rechnungsjahr auf 30 Millionen Mark geschätzt werden müssen. Hierzu kommen die Beiträge der Gemeinden zur Ärifen unter ft üt}ung, die für den gleichen Zeitraum insgesamt 5 b i s 6 Millionen Mark ausmachen. Diese Beiträge konnten von einer großen Anzahl hessischer Gemeinden schon im vergangenen Halbjahr nicht mehr geleistet werden, so daß das Reich dazu überging, die über zwei Millionen Reichsmark betragenden Rückstände kurzerl-and an den Ueberroeifungs- fteuern einzubehalten. Durch diesen Zugriff des Reichs wurden mehr als ein Drittel der in dem gleichen Zeitraum anfallenden Kommunalmasse einbehalten und dadurch auch die unbeteiligten (Bern e i n b e n betroffen. Eine Reihe Gemeinden hat infolge der Ausrechnung auf Jahre hinaus keinerlei lleberweisungs- steuern mehr zu erwarten, ein Zustand. der um deswillen besonders gefahrdrohend ist, weil eg sich hier um solche Gemeinden handelt, die am schwersten belastet sind. Zu den rund 35 Millionen, die die Gemeinden insgesamt für die Betreuung der Erwerbslosen im Jahre auszubringen haben, kommt eine G e - samtzinsbelastung von schätzungsweise annähernd 25 Millionen Mark, so daß allein für die genannten Zwecke, die nur einen Teil der kommunalen Ausgaben darstellen, auf den hessischen Gemeinden einejährlicheLast von rund 60 Millionen Mark liegt. Dabei sind die Einnahmen derGemein- den infolge der Wirtschaftskrise ständig rückläufig. Das Gesamtsteueraufkommen der hessischen Gemeinden an Reichsüberweisungssteuern. Realsteuern, Bürger» und Biersteuer -wird für das Rj. 1932 auf rund 50 Millionen zu veranschlagen fein, während allein die oben errechnete Belastung 60 Millionen Mark beträgt, und demnach das Gesamtsteueraafkommen um rund zehn Millionen Mark übersteigt. Es ist verständlich, daß bei dieser Sachlage der Minister die Forderung nach verstärkter und wirksamer Reichshilfe erhob. Die bisherige Reichshilfe für die mit Wohlsahrts- ausgaben besonders stark belasteten Fürsorge- terbänbe reichen infolge des Anschwellens der Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen bei weitem nicht aus; nur wenn etwa durch eine organisatorische Aenderung in der Betreuung der Erwerbslosen das Reich die Gemeinden wesentlich entlaste, bestehe Hoffnung, ohne finanzielle Zusammenbrüche bei den Kommunen über das Jahr 1932 hinauszukommen. An der Selbsthilfe dürfe es freilich auch in Zukunft nicht fehlen. Reben verstärkten Spa r*m ahnahmen seien von allen Gemeinden die ihnen zur Verfügung stehenden Steuerquellen auszuschöpfen. Die vorgelegte Rotverordnung werde der Regierung ermöglichen, mit Hilfe des Ausgleichsstocks in den dringendsten Rotfällen auszuhelfen. Im übrigen, so schloß der Minister, könne den Gemeinden nur vom Reich grundlegend und wirksam geholfen werden. -- D4r Ausschuß erhob gegen die Rotverordnung keinen Widerspruch. 3n Fortsetzung der Elatsberalung wurden dann Kapitel 6 (Bad-Nauheim) und Kapitel 7 (Bad Salzhausen) gegen die Kommunisten genehmigt. Ein Zentrumsantrag, in Bad Salzhausen auch 1932 für die Blinden wieder Kurtaxebefreiung zu gewähren, wurde der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen. 3n Beantwortung von Fragen aus dem Ausschuß erklärte die Regierung, daß das Städtische Orchester in Mainz während der Sommermonate wieder die Kurmusik in B a d-N anheim übernehme. Die Theater- bespielung am Kurtheatcr soll durch Heber- einkunft des Landestheaters mit dem Gießener Stadttheater so geregelt werden, daß im ersten Teil der Saison das Landestheater, in der zweiten größeren Hälfte das Stadttheater Gießen Gastspiele geben wird. Mährend der Sommerferien der Landesbühne wird außerdem das Stadttheater Gießen das Sommertheater in Darmstadt bespielen. Der Finanzausschuß drückte den Wunsch aus, die Regierung möge versuchen, den Bau des 3 o- hannisberg-RestaurantsinBad-Nau- heIm noch im Herbst zu beginnen. Scharfe Tonart gegen die NSDAP, in Baden. Staatspräsident Tr. Schmitt fordert beamtenrechttichc Konsequenzen aus dem SA.-Verbot. Karlsruhe, 27. April. (WTB.) Im Badischen Landtag nahin Staatspräsident Dr. Schmitt gegen die politische Betätigung der Beamten in der RSDAP. Stellung. Die Beamtenschaft sollte zersetzt werden, und dagegen gebe es eine Rotwehr. Es sei im Bureau und während der Bureaustunden agitiert worden. Die Beamtenschaft möge sich bei den Rationalsozialisten dafür bedanken, wenn die Regierung mit unerbittlicher Strenge vorgehe. Die Regierung wolle gerade und gerecht gegenüber den Beamten im Staate ihre Pflicht tun. Sie wolle dafür sorgen, dah die Ministerien sauber, stich- und charakterfest blieben. Die Regierung habe telegraphisch und schriftlich in Berlin den Antrag gestellt, aus der Aufhebung der SA. die beamtenrechtlichen Konsequenzen zu ziehen. Ms Dr. Schmitt eine nationalsozialistische Presseäuherung als das Charakterloseste bezeichnete, waS et T» gelesen habe, rief ihm der nationalsozialistische Abgeordnete Kraft zu: „Sind Sie!" Wegen dieser Aeußerung gegenüber dem Staatspräsidenten wurde Kraft auf die Dauer von 60 Kalendertagen von der Teilnahme an den Sitzungen ausgeschlossen. Severing fordert Regierungsbeteiligung der NSDAP. Berlin, 27. April. (TU.) In einem Interview erklärte der preußische Innenminister Severing, daß ohne Frage durch den Ausfall der Wahlen d i e Aussichten einer R e g i e r u n g s b e t e i l i - gung der Nationalsozialisten in Preußen und im Reich erhöht worden seien. „Zuminde. stens", so sagte Severing, „trifft bas für Preußen zu, da sowohl in der Sozialdemokratie wie im Zentrum die Neigung stark gewachsen ist, nunmehr auch die Nationalsozialisten an der Verantwortung zu beteiligen, die bisher diese 'Parteien allein getragen haben. Die hem- mungslose Agitation der Nationalsozialisten hat ja nur deshalb so viel Anhänger gesunden, da sie die drückende Wirtschaftsnot, die Steuerlast, die Ar- beitslosigkeit, die Kürzung der Gehälter und Löhne den republikanischen Parteien zur Last legten. Die Nationalsozialisten haben skrupellos diese schlimmen Folgen des Weltkrieges und der Weltwirtschaftskrise als abwendbar dargestellt, ,und versprochen, alles zu bessern, wenn sie regieren würden. Es ist begreiflich, daß deshalb sowohl im Zentrum wie bei den Sozialdemokraten der Wunsch vorhanden ist, nunmehr den Nationalsozialisten Gelege nheitzu geben, ihre Worte mit den harten Tatsachen in Einklang zu bringen. Aber eine Regierungsbeteiligung der NSDAP, in Preußen und im Reich kann natürlich nur als eine B e - teiligung an der Regierung in Frage kommen, d. h. im Verein mit anderen Parteien, die eine Gewähr dafür bieten, daß die Grundgesetze her Verfassung nicht, verletzt werden." Zentrum und NSDAP. Antwerpen, 27. April. (CRD-) Die Zeitung „Reptune" veröffentlicht eine Anterrebung mit dem Abg. Joos. Auf die Frage, ob ein- Regierungsbündnis zwischen dem Zentrum und der äußersten Rechten möglich sei, habe Joos u. a. ausgeführt: Das Zentrum wird sich niemals zu irgendwelchen Experimenten bereit finden« Wenn die Sozialdemokraten bis jetzt unsere Hilfe hatten, so geschah dies, obwohl wir ihre soziale Lehre bekämpfen. Wir hatten vor ihrer Disziplin und vor der politischen Reife ihrer Führer Achtung. Die Sozialdemokratie hat stets, obwohl sie ihre Ideen verteidigt, einen klaren Blick für ihre Verantwortung gegenüber dem Lande gezeigt. Wenn die Hitler-Partei unsere Anter- stühung sucht, darf sie nicht auf Schimären bauen und muß ihren revolutionären Charakter aufgeben. Soweit die Hitler-Partei die Fehler des Marxismus, die kostspielige Dem- agogie der Gesetzgebung, das kollektive System, das den Individualismus tötet, bekämpft, können wir ihr nur bei stimmen. Aber wir hätten keinen Gewinn von der Ersetzung der marxistischen Demagogie durch die hitlerische. Die katholische Partei ist sich zu sehr ihrer Verantwortung bewußt, um ein solches Spiel zu versuchen. Protest der NSDAP, gegen die Einsetzung von Neichskommiffaren in den Ländern. München, 27. April. (TA.) Anter Hinweis auf den Rus nach einem Reichskommissar, der in einem Teil der Presse erhoben wird, erklärte Reichstagsabgeordneter Frank II (München) im „Völkischen Beobachter", dah die Reichsleitung der RSDAP., jeden Versuchen, die Gliedstaaten des Deutschen Reiches im Wege eines Reichskommissariats um ihre eigenen staatlichen Rechte zu bringen, als offene Kriegserklärung an die Ration betrachten würde. Adolf Hitler habe wiederholt für sich und die Bewegung erklärt, daß er d e n Voraussetzungen der Legalität in jeder Weise entsprechen werde. Die Ra- tionalsozialislen seien daher dem Wortlaut der republikanischen Bekenntnisse ihrer Gegner entsprechend k o a l i t i o n s f äh i g. Da jeder neugewählte Landtag die Rechtspflicht besitze, einen den Mehrheitsverhältnissen entsprechende Regierung zu bilden, könne nicht unter dem Vorwand, die Rationalsozialisten seien als „Derfassungs- feinde" oder „Staatsfeinde" nicht koalitionsfähig, einer Regierungsbildung mit Rationalsozialisten aus demWege gegangen und dafür ein Reichskommissar gefordert werden. Hitler-Zugend und SA. Verbot. Wie von dem Gauführer der Nationalsozialistin schen Jugendbewegung Hessens mitgeteilt wird, hat der Reichsinnenminister auf die Anfrage des Reichsführers der Hitler-Jugend, Dr. von Ren- tcln, als Grund für die Auflösung der Hitler- Jugend angegeben, daß die höheren HI.-Führe« Mitglieder des Stabes der SA.-Führung waren. Das Telegramm des Reichsinnenministers lautet! „Rachdem die Hitler-Jugend gemäß Dienstvorschrift für die SA. der RSDAP. Seite 47 und 48 in die Gesamtorganisation der SA. eingegliedert war, wenn auch Anterstellung unter die SA.-Füh- rung nur in oberen Stellen und einzelnen Beziehungen angeordnet war, fällt sie inrecht- licher Hinsicht unter Verbot der Rot - Verordnung. Dadurch ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß sich RSDAP. später auf neuer Grundlage ebenso wie die anderen Parteien eine Jugendorganisation ohne militärischen Charakter schafft. In Diesem Sinne sind auch die Landesregierungen von mir verständigt worden, gez. Groener." Japanischer Vormarsch in der Rordmandschurei. Bekämpfung der Aufständischen. M u k d e n , 27. April. (TA.) Die japanische Armee hat in der Rordmandschurei unter Einsatz von drei Drigad'en einen großangelegten Vernichtungsfeldzug gegen die chinesischen Freischärler eingeleitet, die sich gegen die neue mandschurische Regierung auf» lehnen. Zunächst bewegen sich die Truppen, di« unter dem Oberbefehl des Generalleutnants H i - rose stehen, in einer umfassenden Zangenbewegung nach der östlichen Zvne der ostchinesischeL Mi: gW£ Sä ÄÄt ÄSE ’J °°rhand«n ist Jorte mit bin bar. N"er!in, Pttutzin 'r als ein, 8 ,. n. vWr kommen, hJÄarttien. SDAP. Die 3eU ?>ne Lnteneduna Trage, ob ein. to’H«n dem tften Äechten nasMrt^ Dos ® SU irgend, 'ereitsinben. > ict)t unsere ßilse ' to'r ihre fo)ialt vor ihrer Diszi. leise ihrer Führer hat stets, vbivohl n Haren Cßlirf füt t dem Londe ge« :ci unsere Unter« [ Echimären bauen ionäten Tha- die Hitln-Partei e kostspielige Dem- kollektive System, t, bekämpst, lön- innen. Aber vir. )er Ersetzung dir ch die hil'.crische. u sehr ihrer Der- solches Spiel zu S.UW-il stommiffaren em. ,.) Unter Hinweis chskommissar. ■■ loben wird, erklärte nf II iWnchem h die Aeichsleitung < cir, die Glied- , ti im Dege emei j hre eigenen ■ bringen, als W ig an die Nation « et habe wiederholt 8 klart, daß erden I Legalität m || >n werde. Die Aa- n Wortlaut der w* f| ■er Gegner entsprc- j Da jeder neu- pslicht besitze, einen jj nter dem 3oW, ? als .Dersallung-' < ich! roalitionssah'g. Jationalsoziallsien . ,enunddasür ein den. ^.'Verbot. ,c Nationalsozialist' i rö». 'M"- ZK 3/5*"« fS' >mWt"t6aX. -I'*1' r3»l' aull" pater $artettf mer' oritwf^ nds-hll"'' yi.i chiVi' vfs y»** ie Dcchn und dem unteren Sungari-Gcbict, um die dort zusammengezogenen auf rund 20 000 Hann geschätzten Aufständischen zu bekämpfen. Als Be- förderungsmittcl wird der Dchienenstrang und der Wasserweg benutzt. Die Brigade unter dem Kommando von General Murai rückt nord- wärts von Imiento gegen Fangscheng vor. €-:c mird sich später mit der unter dem Ober befehl t>on Generalmajor Boda stehenden Brigade bereinigen,_ die längs der ostchinesischen Eifen- bahn ostwärts marschiert. Oberst H a 1 a m u r a befehligt die 3. Brigade, die mit 22 gepanzerten und mit je 2 Felbkanonen bespickten Zluß - booten den Sungarifluß abwärts fährt. Diese Brigade ist außerdem von vier Kanonenbooten bet mandschurischen Regierung begleitet. Die Vorwärtsbewegung geschieht äufjerft vorsichtig, ba die Chinesen Fluhminen gelegt haben sollen. Aus aller Well. Nürnberg ehrt den Reichspräsidenten. Der Stadtrat hat in geheimer Sitzung beschlossen, dem Reichspräsidenten v. Hindenburg das Ehrenbürgerrecht zu verleihen und die am Gefallenendenkmal im Luitpoldhain vorbcisührende Schultheiß-Allee fiindcnburg- Alle zu benennen. Der fiert Reichspräsident hat in einjm persönlichen Schreiben an Oberbürgermeister Dr. Luppe die ihm zugedachten Ehrungen mit Dank angenommen. Gleichzeitig hat der Stadtrat beschlossen, zur Erinnerung an den verstorbenen ersten Reichspräsidenten den Wodan-Platz in Friedrich. Ebert-Platz un- zubenennen. Arbeilspädagogische Schulung»- und Sludienwoche in Alain;. 3n der Woche nach Pfingsten findet inMainz im Institut für Arbeitspädagogik eine arbeite» pädagogische Schulung-- u Studienwoche statt, die folgende Gebiete behandelt: 1. Der Werkunterricht in de, Grundschule, 2. Der Werkunterricht in einfachen Schulverhältnissen, 3. Werkunterricht und Geschmacksbildung, 4. Der Werkunterricht in der Lehrerbildung. 5. Die Schulgartenarbeit in Theorie und Praxis. Im Anschluß daran halten der Deutsche Derein und der Helft- fche Landesverband für werktätige Erziehung am 23., 24. und 25. Mai in demselben Institut ihre Haupt- und Vertreterver- fammlungcn ab, die u. a. Borträge von Professor Dr. Dessauer, Frankfurt a. M. über „Die Bedeutung der werktätigen Erziehung für da- heutige Wirtschaftsleben', und von Frau Professor Dr. Eharlotte Buhler, Wien, über „Kind und Material" bieten. Reinhardt-Gastspiel in Rom. Mit der Aufführung von Doldonis „Diener zweier Herren" eröffnete Prof. Max Reinhardt in Rom ein dreitägiges Gastspiel, dem weitere Gastspiele inF lorcnz, Genua, Turin und Mailand folgen. Reinhardt, der zum ersten Male mit seinen Künstlern sich in der italienischen Hauptstadt zeigt, begegnet bei Presse und ^Publikum gleich lebhaftem Interesse. Der Verein der ausländischen Presse veranstaltete zu Ehren der Berliner Künstler ein Frühstück. Auster dem in der Salzburger Besetzung über die Bretter gehenden Lustspiel Goldonis wird Schillers „Kabale und Liebe" zur Aufführung gelangen. Französische Flugzeuge über deutschem (Bebiet. Erneut hat ein französisches Militärflugzeug bic deutsche Grenze überflogen. Aus der Richtung Diedenhofen kommend erschien ein französischer Doppeldecker über dem Ham - melSberg bei Perl an der oberen Mosel Das Flugzeug kreuzte mehrfach über dem Ort, flog über die Grenze nach Frankreich zurück, um nach kurzer Zeit wieder zu erscheinen, und zwar an der Stelle, an der am Tage vorher ein französisches Militärflugzeug not» landen mußte. Danach kehrte die Maschine nach Frankreich zurück. Der Vorfall wurde den deutschen Behörden gemeldet Der notgelandete französische Militärslieger befindet sich im Unter- suchungsges,ängnis in Perl. Schwere Explosion in der Maschinenfabrik lürkismühle. Zu einer folgenschweren Explosion kam es in der Maschinenfabrik Lürkismühle bei Trier. Unter gewaltiger Detonation flog ein großer Gasen t w i ck l e r für die Schweiß- und Schneideanlage in die Luft Der Luftdruck war so stark, daß der Behälter vollständig zersprang, ein Motor umgeworfen und schwere Eisenstücke durch die Lust geschleudert wurden. Sämtliche Fensterscheiben des Gebäudes wurden zertrümmert, das Dach teilweise zerstört. Von den im Raume befindlichen 10 Arbeitern wurde einer von einem Ei «en stück am Kopfe getroffen und getötet, einer schwer und zwei leicht verletzt. Die übrigen Arbeiter sind s 2 mtlichtaub. Datermorb eine» Wahnsinnigen. In Dehlingen (Württemberg! erschlug der 25 Jahre alte, fett längerer Zeit geistesgestörte Karl Dannecker vor der elterlichen Wohnung feinen Vater durch Schläge auf den Hinterkopf, die sofort tödlich wirkten. Bei der Vernehmung des Mörder- zeigte sich, daß dieser völlig unzurechnungsfähig ist. Ein firfiumoorfommen in Frankreich feftgefteöL Kürzlich war, wie berichtet, bei Toulon ein Heliumvorkommen feftgeftellt worden. Jetzt wird aus Lille gemeldet, daß es dem Direktor de- Hydro-geologischen Amtes in Lille gelungen fei, im Departement Rord in 60 Zentimeter Tiefe ebenfalls Heliumvorkommen fcstzu- stellen. Aus Oer prvvmzialdouptfiavt. Gießen, den 28. April 1932. Wunder des Frühlings. Wenn im Frühling die Bäume blühen, dann werden in jedem. Iahr alte Wunder zu neuen Offenbarungen. Dem einen dienen sie zu mehr oder minder laut bestaunter Augenweide, die nur oberflächliche Eindrücke hinterläßt, die er in tnefer Jahreszeit als etwa- Selbstverständliches hinnimmt. „Fabelhaft diese Magnolien!" sagt er, wiederholt vielleicht: „Einfach fabelhaftl" und geht weiter. An die Fabel dieser Fabelhaftigkeiten sich zu verlieren, hat er keine Zeit. Für einen anderen ist ein blühender Apfelbaum eine sprudelnde Quelle stummen und stillen Staunens. Weil Blülen ja nur Versprechungen, entzündete Hoffnungen sind, ein verheißendes Lächeln der Mutter Ratur, dem nicht immer die volle Erfüllung zuteil zu werden braucht. Blüten sind ein Spiel der Formen und Farben, wie das Leben ja auch alle Möglichkeiten vorspiegelt und ... offen läßt. Und bann die vielen, die sich aus irgendeinem Hungergefühl auf die Dlütenschau stürzen. Vielleicht, weil ihnen die Ratur nur in schmalen Kisten auf Fensterbrettern sichtbar wird. Vielleicht, weil ihnen die leuchtende Reine wie ein verlorener Glücksfaden scheint, den sie einfangen möchten, daheim in ihrer halbhellen Stube, als ein Märchen, das weitab von der Steinöde ihres Daseins in prangender Pracht Wirklichkeit geworden ist. Der Frühling' ist zwar die Zeit, in der die Wunder mit einem Füllhorn über die Flur gegossen sind — aber doch schlummert auch sonst in jedem Menschen die Fähigkeit zu erleben. Bei wenigen ist schon ein einziges Erlebnis der Leuchtturm geworden, der ihrem Lebensschiff den Kurs wies zu einer beneideten Fahrt Bei anderen ist das Erleben ein nie versiegender Dorn, aus dem sich die Welt in und um fte mit immer neuen Aus- und Antrieben speisen läßt. Die Sucht unserer Zeit, den abgekämpften Verven neue Anreize zu bieten, der Veitstanz um grell zurechtgemachte Richtigkeiten zur Betäubung des besseren Wissens um die Lehre, die sie selbst nicht durch sich selbst mit befriedigenden Inhalten zu füllen vermögen, diese Sensationsgier, mit der sich die Heutigen durch ihre Tage und Rächte hetzen, kann nie die Iagd nach dem Glück des Erlebnisses fein, das seelische Befreiung schenkt, das tief aufrüttelt, bas zu Erkenntnissen führt, bie ihre Gültigkeit über ben wechselnden Alltag hinaus behalten. Es gibt Erlebnisse, bie ben Menschen „umkrempeln", so baß er nicht wiederzuerkennen ist. Die Wunderkraft einer „zweiten Menschwerbung" ist daher auch dcvs untrügliche Zeichen echten Erlebnisses. Die Möglichkeit und bie Fähigkit. Erlebnissen zu begegnen, ist gerabe jetzt in der Frühlingszeit unsichtbar wie eine blaue Blume des romantischen Zufalls zwischen unsere Tage gepflanzt. Richt immer und nicht jedem ist eS gegeben, ihre leuchtende Schönheit ganz in sich aufzunehmen, aus einer vorübergehenden Episode den Stein der Weisen zu schleifen, einen Edelstein, der. als Talisman in uns getragen, unser Schicksal wenden und bestimmen kann. Ieder blühende Daum und Strauch kann ein Anstoß fein, der aus den entferntesten Gehirnwinkel Gedankensplitter an- zieht, wie ein Magnet die Eisenteile, sich anein- anberreihen, miteinanber vergnicken unb ineinander aufgehen läßt. Dann kann das Blütenwunder deS Frühlings auch zum Wunder in uns werden. Kig. Reichsbahn-Dienst am Kunden. Der Verwaltun-srat der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft hat in feiner gestrigen Tagung in Berlin der von der Reichsbahn-Verwaltung vvrgesch.agenen Fahrpreisermäßigung zur Belebung des Reiseverkehrs in Deutschland zugestimmt Danach wird vom 1. Iuni ab der Schnell- und Erlzugzuschlag um die Hälfte ermäßigt. Das Spannungsverhaltnrs bei den Monats-, Schülermonats- unb Teil- monatölarten wird geändert, so daß eine Ermäßigung zwilchen 8 und 21 Prozent eintritt. Außerdem werden nunmehr Urlaubskartcn für bie Zeit vom 1. Ium bis 15. Oktober 1932 «eingeführt mit einer 20prozentigen Fahrpreisermäßigung und einer Geltungsdauer von 2 Monaten. wobei die Reise sich mindestens auf 200 Kilometer erstrecken muß unb bie Rückreise nicht vor dem 11. Geltungstage angetreten werben darf. Vorausgesetzt toirb, bah bie UrlaubSfahrlcn sich auf Reiseziele in Deutschlanb erstrecken. Kampf der Tuberkulose! Der zweite Vortrag, ber im Zusammenhang mit der Hessischen Hygiene-Ausstellung veranstaltet würbe, fand wiederum außerordentlich viele Zuhörer. Der große Hörfaal ber Uniocrfität war bi» auf den letzten Platz besetzt. Prof. Ur. mcd. Haas sprach über daS Thema „Wie können wir sicher Tuberkulose verhüten und heilen?'. Der Vortrag verfolge die Absicht, so führte der Redner u. a. aus, die Allgemeinheit für den Abwehrkampf gegen bie Tuberkulose zu interessieren. Der Erfolg bes Kampfes sei von der Mnter- stühung abhängig, die ber Aerzteschaft vom Publikum zuteil werbe. Es gelte auf klärend zu wirken, Intelligenzzirkel zu schaffen, bie eine breitere Allgemeinheit auf bie Gefahren ber Dolksseuche aufmerksam machen. Ieber einzelne müsse sich über sich selbst unb über feine Umgebung Rechenschaft ablegen. Ie ernsthafter man sich mit ben Erscheinungen unb ben Anzeichen der Tuberkulose befasse, besto beruhigter könne man fein. Der Vortragende erinnerte bann an bie Entbeckung des Tuberkel-BazilluS burch Koch (vor nunmehr 50 Iahren) unb ben badurch hervor- gerufenen Umsturz in ber Behandlung der Tuberkulose. (Bin Drittel aller Menschen seien vor der Entdeckung des Tuberkel-Bazillus der Seuche zum Opfer gefallen. Auf Grund der neuen Erkenntnisse konnten aber Heilmethoden eingeführt werden, mit denen bisher außerordentliche Heilerfolge erzielt worden feien. Die gefährlichste Form ber Krankheit sei bie Tuberkulose der Atmungsorgane, die gefährlichste Infektionsquelle für andere Menschen der Auswurf eineS Kranken, in ber Form der sog. Tröpfchen-Infektion. Zwar müsse man nicht Iagd.machen auf jeden einzelnen Tuberkel-Bazillus, denn daS fei nicht möglich, auch nicht notwendig, die Hauptgefahr fei vielmehr bie abbitionellc Infektion, bas „Stänbig- ber-Ansteckung-ausgeseht-fein". Hauptaufgabe fei bemnach. einer mutmaßlichen Infektionsquelle alle Aufmerksamkeit zu schenken, ben Kranken herauS- zulosen aus ber Hingebung von Gesunden unb ihn ber Behanblung zuzuführen. Aber auch jedermann, ber nur eine Spur von Krankheit an sich bemerke, bic auf Tuberkulose schließen lassen konnte, solle sich einer genauen Untersuchung stellen. Durch die Röntgenmethode habe bic Wissenschaft ein Instrument in der Hand, mit dem schon erste Spuren von Krankheit nach- gewiesen werden konnten und um so viel leichter bie Heilung in bie Wege zu leiten sei. Reben ber Röntgenmethode stünden dem Arzt aber noch verschiedene andere Untersuchungsmittel zur Verfügung (färberischer Rachwcis der Bazillen im Sputum, Klopsen, Abhorchen), bic in ihrer Zusammenfassung bem Arzt eine sehr sichere Diagnose gestatten. Unter diesen Umständen brauche ber Kranke nicht zu resignieren. Die Wissenschaft, der Arzt, könne helfen unb heilen, sofern ber Patient nicht zu spät komme. In seinen weiteren Ausführungen wies ber Rebner an Hand von vielen Lichtbildern bie verschiebenen Erscheinungsformen der Tuberkulose nach, zeigte an Hand von Röntgenaufnahmen bie Tuberkulose in ben mannigfachsten ©tabien ihrer Entwicklung unb legte im einzelnen bie Art ber Heilbehanblung bar. Der außerordentlich aufschlußreiche Vortrag wurde von ben Zuhörern mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt. (tfiefjener Wochcnmarktprcisc. Gießen, 28. April. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Kochbutter 100, Süßrahmbutter 130, Landbutter 120, Matte 25 30 Pfennig das Pfund, Käse 5—10, Eier 6 und 7 Pf. das Stück, Wirsing gelb 15—20, grün 25, Weißkraut 10, Rotkraut 12—15, Gelbe Rüben 10—12, Rote Rüben 10—12, Spinat 10 15. Unter-Kohlrabi 5-8, Grünkohl 10-15, Feldsalat 80-100, Tomaten 50—60, Zwiebeln 13—20, Meerrettich 30— 60 . Schwarzwurzeln 25 -35, Rhabarber 20 bis 25, Kartoffeln 4.5. Olcpfcl 10-15. Dörrobst 25 bi8 30. Honig 40- 45, Rüsfe 35 - 40. Iunge Hähne 80 90, Suppeirhühner 70 - 80 Pf. daS Pfund. Tauben 60 -70. Blumenkohl 30-70, Salat 20 bis 25, Salatgurken 40- 60. Lauch 5 10. Rettich, neue, 15- 20. Sellerie 10-30 Pf. da- Stück, Radieschen 10-15 Pf das Bund: Kartoffeln 3.80 4.00. Weißkraut 6.00 -6.50. Wirsing gelb 12.00 -15.00. Wirsing grün 20,00 22.00. Rotkraut 8,00-8,0) Mark per Zentner. -Lornottzcn. — Tageskalenber für Donnersta'g: Deutscher Verband für pfrchische Hygiene und Gesellschaft Liebig-Wuseum. 20 Uhr, Liebig-Museum. Vortrag von Prof. Dr. Fischer über Iustus von Liebig. - Zwcgoerein Gießen vom Roten Kreuz. 20.15 Uhr. Gartenkrähe 2. Zimmer 16. Hauptversammlung. — „Einhorn-Saal". 11 bis 19 Uhr. Hngiene-2usstellung: 20 Uhr. Reue Aula, Lichtb.lder-Vortrag des Herrn Prof. Dr. von Iafchke über . Das Wesen der Krebserkrankung und bic Wasfcn ihrer wirksamen Bekämpfung". — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: Zwei Herzen unb ein Schlag'. — Astoria-Lichtfpiele, Seltersweg: ..Maskierte Danbiten" unb ..Volldampf Charlie". ” Dienstjubilauin Frau Klara Oehler kann am 1. Mai auf eine 30jährige Tätigkeit bei der Firma I. Schmücker N a ch f. zuristkblicken. Vor 30 Zähren trat sie bei der Firma als Lehrfräulein ein und hat sich durch besondere Tüchtigkeit und Treue nicht nur die Anerkennung ihres Ehcss, fon- dem auch die Wertschätzung des ausgedehnten Kundenkreises erworben. ,e Der Verband Hessischer grauen* vereine hält am nächsten Samstag seine diesjährige Tagung in Bad-Rauheim ab. an der auch bie Gießener Ortsgruppe bes Allgemeinen Deutschen Frauenvereins teilnehmen wirb. Die Tagung, bie im Gesellschaftssaal bcS Kurhauses stattfinden wirb, bringt zunächst einen Vortrag ber Gießener Dozentin für wirtschaftliche StaatS- wissenschasten. Dr. Eharlotte von Reichenau, bic über „Die Bedeutung und Aufgaben der Frau im Wirtschaftsleben" sprechen wird. Unmittelbar anschließend wird Frau Maria Birnbaum über „Die Bedeutung der Frau in Familie unb Staat" referieren. Hierauf soll eine eingehende freie Au-sprache über bic Probleme ber beiden Vorträge folgen. Gemeinsames Abendessen wird den Abend beschließen. Der Sonntagvormittag bietet den Teilnehmern Gelegenheit, unter sachverständiger Führung bie hervorragenden Einrichtungen unb Institute bes hessischen Heilbabes kennenzulernen. Es ist zu hoffen, daß bie sorgsam vorbereitete Tagung gut besucht wird. Wettervoraussage. Die neue Atlantikstörung nähert sich weiter dem Festlande. Bis über Westfrankreich greift ihre Warmluft vor, in deren Begleitung verbreitete Nieder- schlage auftreten, die sich bis über England erstrecken. Auch unsere Gegend gelangt unter ben Einfluß der Storung, so daß zunächst die Bewölkung zuntmmt und unter westlichen Winden die Temperaturen noch ansteigen und Niederschläge folgen. Später dürfte die zufließende kühlere ozeanische Luft. Anlaß zu Gewitterstörungen oder mehr schauerartigen Nieder- jchlägcn geben, wobei gleichzeitig die Temperaturen wieder etwas zurückgehen. Aussichten für Freitag: Zunächst bedeckt mit Niederschlägen, mild, südwestliche Winde, bann wechselnd wolkig mit Neigung zum Aufklaren. Lufttemperaturen am 27. April: mittags 15,4 Grad Eelsius, abends 7,8 Grad: am 28. April, morgens 4,1 Grad. Maximum 15,4 Grad, Minimum 1,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm liefe am 27. April: abends 10,6 Grad: am 28. April: morgens 7,2 Grad. — Niederschläge 0,6 mm. — Sonnenscheindauek 5% Stunden. (Schluß des redaktionellen Teil».) Infolge der wirtschaftlichen Lage mußte die Darmstadt-Mainzer Vferdelollerle auf 7. Mai verschoben werden. An diesem Tage findet die Ziehung unwiderruflich in Darmstadt statt. Lose sind noch zu haben. 2821V creme HlVEAA/uiAnf Nichts anderes I - Es gibt eben keine /I andere Hautcreme. die das hautverwandte Euzerlt | / enthalt! • • « SW 49-90 und Ella i im Radio 2f Viele prahtiscne Zrische Bücklinge vunewald emfvrecher3631 > Oberheffen. Gemeinderai in Büdingen. db. Büdingen, 21. April. 3n der jüngsten Gemeinderatssihung. der ersten umer dem Dorsitz des neugewählten Berussbürger- Meisters D i e m e r, wurde zunächst das für den ausgeschiedencn Demeinderat Kärcher eintretende Gemeinderatsmitglicd Adolf Lehning verpflichtet. Der Ratsausfchuh für Wohnungs- angelegenheiten wurde zum Derwaltungsnus- fchuh umgcbildct. Eiirzelnen Anträgen auf Erlaß bzw. Herabsetzung der Bürgersteuer wurde statt- gegeben. Den Verkauf des Hauses an der Saline lehnte der Gemeinderat ab. Die Tagegelder und Reisekosten der Ortsvorstandspcrsoncn und der Gemcindcbeamten erfuhren die Festsetzung nach dem Vorschlag des Krcisamtes. C» wurde weiter beschlossen, mit dem Feldbercinigungkommissar Verhandlungen zu führen, damit die Rechte der Stadt hinsichtlich der Durchsührung der Wasser- leitungs- und Kanalstränge, soweit sie in Privateigentum eingebaut sind, gewahrt bleiben. Die im §eldbereinigungsvcrfahren der Gemeinde Dudenrod für die Planierung von Grenzwegen entstandenen Kosten mit 380 Mark wurden auf die Gemeindekasse übernommen. Für daS 3ahr 1932 .beschloß man die gleichen Steuersätze, wie für das Vorjahr. Dem Antrag des Iagdpächters im Wolddistrikt Leuchte auf Ermäßigung des Pachtgeldes wurde stattgegeben. Landkreis Gictzen. $ Alten - Duseck. 25. April. Die diesjährige Generalversammlung des hiesigen Spar- und Dorschußvereins fand am Sonntagnach- mittag im Saale des Otto Rabenau statt. Direktor Schwalb gedachte zunächst der im verstossenen Jahre verstorbenen Mitglieder. Aus dem anschlicszcndcn Gcschüstsbericht ging hervor, daß der Verein nach wie vor aus gefestigter Grundlage ruht und auch heute noch ohne jegliche Inanspruchnahme von Bankkredit arbeitet, trotzdem im letzten Halbjahr über 26 000 Mk. Spareinlagen zur Rückzahlung gelangten. Direktor Schwalb richtete die dringende Mahnung an die Aufwertungsschuldner, sowohl im eigenen, als auch im Interesse der bedürftigsten Auswertungsgläubiger olles ouszubietcn, um mit ihren rückständigen Zinszahlungen beizukommcn. Die Bekanntgabe der Jahresbilanz, welche in der Aktiva 141 237,46 Mk., in der Passiva 138 891,33 Mk. betrug. wurde bcisällig entgegengcnommcn und dem Gelamtvorstand Entlastung erteilt. Bei der Verteilung des Reingewinnes von 2346.46 Mk. wurde der Vorschlag des Vorstandes, dem Ge- lchästsguthaben der Mitglieder 8 .Prozent Dividende zu überweisen und den Rest von je 800 Mk- dem Reservesonds bzw. Rücklogenkonto gutzu- lch eiben, angenommen. Zu Punkt„Verfch ebenes" sprach Direktor Schwalb über Zmsangclcgen- heiten und teilte mit. daß der Zinsfuß für Darlehensschulden auf 8 Prozent, für Spargelder je nach Dauer der Kündigungsfrist auf 4.5 bzw. 5,5 Prozent gesenkt worden sei. Dem Leiter der Schulsparkasse. Lehrer F o y, sowie dem Kassierer der Haussparkalse. Philipp Böh, wurde für ihre erfolgreiche Tätigkeit Dank und Anerkennung ausgesprochen Rach einem kurzen Schlußwort, in dem Direktor Schwalb an die Versammlungsteilnehmer die Aufforderung richtete, ihr Vertrauen nicht zweifelhaften auswärtigen Instituten. sondern der mit einer Gesamthoftsummc von 72 500 Mk. auf sicherster Grundl'agc ruhenden Ortssparkatsc entgegenzubringen, wurde die von etwa 70 Mitgliedern besuchte Versammlung geschlossen. / Großen - Linden, 27 April. Der Gesangverein .,G e r m a n i a“ wiederholte am vergangenen Sonntag die Operette, die von ihm schon einmal mit außerordenttichem Erfolg aufgcführt worden war. Den guten Leistungen der Mitwir- kcnden wie der gesamten Ausführung wurde lebhaftester Beifall zuteil. Der Gefangverein „Germania" hat sich bereit erklärt, das am 26. 3uni stattfindende Bundcssingen des Hüt- Helft den hungernden Heimarbeitern in Mitteldeutschland! „Gebt uns Brot!" Ein erschütterndes Bild von Bindern armer Heimarbeiter in Hildburghausen. Immer wieder muß auf dos furchtbare Elend in den mitteldeutschen Hcimarbeitcrbczirkcn hingewiesen werden, in denen ganze Familien trotz angestrengtester Arbeit vom Untergang bedroht sind. Die allgemeine Wirtschaftskrise hat gerade die Heimarbeiter am schwersten betroffen und ihre Verdienstmöglichkeiten so beschränkt, daß Tausende vor dem Hungertode stehen, wenn nicht mildtätige Volksgenossen sic durch ihre Gaben unterstützen. Spenden nimmt der Londrat des Kreises Hildburghausen (Thüringen) entgegen. tenberg - Schiffenberg - Sängerbundes zu übernehmen. Von dem sonst üblichen Wertungssingen will man jedoch Abstand nehmen. ! Rabertshausen. 27. April. Am Sonntag sand hier Bürgermeisterwahl statt. Der seitherige Bürgermeister Reichhardt hatte vor kurzem sein Amt aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt, er kandidierte nun aber doch wieder. Er erhielt 5 Stimmen, sein Gegenkandidat. Karl Hofmann. 63 Stimmen. Der dritte Bewerber, Beigeordneter Scherer, hatte am Sonntagmorgen seinen Wahlvorschlag zurückgezogen. Am Abend ehrte die Bevölkerung den neuen Bürgermeister durch einen Fackclzug. Der Gesangverein „Eintracht" unter Leitung seines Dirigenten Lehrer Roth trug drei Lieder vor. Die Schulkinder sangen ebenfalls ein Lied. Auch das Mandolinenorchcster beteiligte sich an der Ehrung. Lehrer Roth brachte die Glückwünsche der Gemeinde zum Ausdruck. r. Allendorf a. d. Lahn. 27. April. Den Beobachtern und Freunden der Vogelwelt bietet sich seit Tagen hier eirt seltenes Schauspiel. Rahe der Kirche aus einem Eichbaum ist ein Storch - n e st, seit wohl 20 3ahren bewohnt. Auch dieses Frühjahr kam dos Storchenpaar zur gewohnten Zeit und besserte das Rest aus. Run erscheinen aber nach über vier Wochen täglich vier fremde Störche und suchen dasRest zu gewinnen. Cs entspinnt sich dann ein Kampf, der mit Llntcrbrechungen stundenlang dauert. Die Fremden greifen nacheinander an. Die Einheimischen stehen auf dem Rest und wehren sich mit sicher trcssenden Schnabel- Hieben. Mitunter steht nur einer im Rest und wird nach einer Weile vom anderen abgelöst. 3m Flug kommt cs zu keinem Zusammenstoß. An einem Tage dauerten die Angriffe bis zur einbrechenden Dunkelheit, und die Aufregung der Verteidiger äußerte sich noch bis gegen Mitternacht in lautem Schnäbelklappcrn. ! Aus dem südlichen Kreise Gießen. 27. April. Die Regenfälle der letzten Wochen brachten in unseren Fluren zwar ein stärkeres Wachstum, aber cs ist immer noch au kalt. Die Sommerfrucht ist überall gleichmäßig und zufriedenstellend aufgegangen, auch die Winterfrucht stcht gut. Zur Zeit sind die Landwirte mit dem Legen der Dickwurzkerne. dos fast überall mit kleinen Handmaschinen geschieht, beschäftigt, auch werden die Frühkartoffeln gelegt. Mit dem Sehen der Spätkartoffeln hat man auch vereinzelt begonnen. Zur Zeit kann man nun auch den Blüten» ansah der Obstbäume überblicken. Aeußerst reich werden dieses 3ahr alle Steinobstsorten blühen, A e p f e l und Birnen lassen, wenn keine Rachtfröste in die Blütezeit fallen, eine mittlere Ernte erhoffen. # Lich. 27. April. Es ist in der Geschichte eines Gesangvereins immer ein Markstein, wenn es gelingt, mit einem ausgesprochenen Chorkonzert zum erstenmal an die Oesfentlichlcit zu treten und sich da in die Reihe der Vereine zu stellen, die es als vornehmste Ausgabe betrachten, breitere Kreise des Publikums zur guten Musik hinzuführen und mit den großen Meistern vertraut zu machen. Diese Aufgabe in seinem Konzert erfüllt zu haben, darf der Roth'scheMänner- ch o r als einen Erfolg buchen. Der Verein hatte in seinem Programm eine Ehrung Goethes und Haydns aufgenommen. Der Männerchor, her mit dem Chor ,.O holde Kunst" von Schubert das Konzert eröffnete, brachte zu Anfang drei Chöre von Weber, Kuhlau und Werner nach Texten von Goethe zu Gehör, von denen „Heber allen Wipfeln ist Ruh" und „Das Heidenröslein" eine vollkommene, abgerundete Leistung waren. Daß sich eine kleine Sängerschar, wie der Roth'sche Männerchor, auch der schwierigen Kunstchöre au- wendet und diese mit Leichtigkeit überwindet, bewies der Vortrag des Chors „Der Morgen" (Baumann). Reben volkstümlichen Liedern hörte man wieder die alten Volkslieder von Silcher in reinen, frischen Klangen und natürlicher Auffassung. Wenn man auch dem 1. Baß eine bessere stimmliche Kultur wünschen möchte, so ändert das an der Tatsache nichts, daß man stimmlich, wie musikalisch eine vorzügliche Gesamtleistung deS Chors feststellen konnte. 3n den Rahmen des Programms fügte sich Lehrer Kruger - Steinfurt l Tenor) mit Liedern von Schumann, Schubert, 'Beethoven gut em. Die angenehmen Tenorstimme verriet gute Schulung. „Der Talismann" und die „Ehre Gottes" sollte man lieber einer Daritonoder Baßstimme zukommen lassen Zwei Arien von R. Wagner wurden sehr beifällig ausgenommen. Der gesangliche Teil des Programms fand seine Ablösung mit 3nstrumentalvorträgen. den Klaviertrios von Beethoven h—Dur und Haydn c; reich an charakteristischen Feinheiten, an intimen ■ Reizen und Zügen. Seine Instrumentierung ist meisterhaft abgewogen: er fängt sehr fein Stimmungen ein und gibt den einzelnen Charakteren ein individuelles musikalisches Gepräge: so erweisen sich seine Ensemblesätze als überaus wirksam. Da, wo er dem Gefühl nachgibt, berührt er leicht die Grenze dessen, was mir gemeinhin als sentimental bezeichnen. Im ganzen gesehen, bewahrt er dem Werke die stilistische Einheit dadurch, daß er allem Problematischen sich fernhält, und daß er nie mehr zu geben scheinen will, als er vermag, und was dem Textlichen gemäß ist. Die Neueinstudierung des Werkes durch die Darmstädter stellt der Spielleitung (Heinz Arnold) ein glänzendes Zeugnis aus. Den einzelnen Charakteren in ihrer Gegensätzlichkeit und persönlichen Pointierung wurde freie Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeit gewährleistet. Die Massenszenen des Chores (Emil Kaselitz) im ersten Akte waren belebt, auf Mittelpunkte konzentriert, eingestellt auf das szenische Geschehen mit natürlich sich ergebender Einheit, ohne den Eindruck des Gestellten. Die Tänze waren in ihrer Gebärde der Musik gebunden. Der allgemeine Aufbruch zur Abreise zeigte köstliche Komödiantentypen. Die ojencnbilber waren sorgfältig gewählt und stimmungsvoll. Die Darstellung der Titelpartie stößt häufig darin auf Schwierigkeiten, daß schauspielerisches, artistisches Können gewol^e Natürlichkeit vortäuscht und damit die Auswirkung der Rolle unterbindet. Grete Bcrtholdt gab eine Mignon von ganz besonderen Qualitäten. Hier rollte sich ein Schicksal vor den Augen der Hörer ab; hier waren fein Schritt, feine Bewegung, keine Geste ohne innere Bezogen- heil zur jeweiligen Situation; hier durchlebte ein Menschenkind seinen Schicksalskampf. Nicht verstandesmäßiges Erwägen, sondern ein nachfühlendes Erleben und intuitives Erfassen ließen die Darstelle- rin zur überzeugenden Künderin werden. Die Romanze „Kennst du das Land" wurde hier jur lebensgebundenen Szene. Visionär, vexklärt, jubelnd, schmerzerfüllt, verzweifelt — olles sprach sich echt in edlem stimmkkang aus. eine mezza voce von innerer Ergriffenheit und innerem Schwingern getragen stand ihr ebenso zu Gebote wie eine klangschöne Kanülenc und starke Akzente im Affekt. Philine (Paulo von H e n t f e) ist durch Text und Musik in stärksten Kontrast zur Mignon gc- stellt. Thomas hat sie entsprechend ihrer Geistesart dem Koloraturfach zugewiesen. Paula von Hcntke gefiel durch Leichtigkeit der Passagen und Triller. Eine starke Diskrepanz zwilchen Sprech- und Ge- fanofiimme war der einheitlichen Wirkung nicht' besonders zuträglich. Im Spiel beherrschte sie die Situation. Von Dr. Heinrich Allmcroth konnte man diesmal einen wesentlich vorteilhafteren Eindruck gewinnen. Hinsichtlich seines Organes, das auf der Grenze zum Heldischen steht, wird man ihn nicht unbedingt als reinen lyrischen Tenor ansprechen können. Da, wo es auf dramatische Akzente anfam, war er groß, da bewies er Stimmglanz, Pracht und sieghafte Durchschlagskraft. Sein hohes „H" auf „sic lebt" im Finale des zweiten Aktes war voll Erschüttern. Dem Lothario verlieh Johannes Drath väterliche Züge, innere Teilnahme und Wärme. Den über- zeugenden Eindruck, den man von ihm als Sänger nach seinem Auftrittslied gewinnen konnte, bestätigte bet weitere Verlauf des Werkes. Als Laertes sahen wir Eugen Vogt. Diese son. berbar unausgeglichene Charaktermischung von ko- möbiantenhafter großtuerischer Gebärde und Servilität gab seiner --pielgewandtheit reiche Möglichkeiten. Die trottelhafte Figur des Friedrich war gut erfaßt durch Gert Reußiger; ebenso waren auch die anderen kleineren Partien durchweg, in guten Händen. Die zahlreichen im Werk zerstreuten Einheiten der Instrumentierung, die den Komponisten immer wieder als einen Beherrscher der Orchesterpalette erkennen ließen, wurden durch die aufs neue zu bewundernden Bläser der Darmstädter ins hellste Licht geruckt. Mit sicherer Hand führte Erwin Palm den Taktstock. Karl Löffler (technische Einrichtungen) und Ludwig Keim ^Beleuchtung) unterstützten in anzuerkennender Weise die Aufführung. Das Publikum folgte mit sichtlichem Interesse und brach selbst bei offener Szene in Beifall aus. Dr. H. Mittionen-Bilder. Die Versteigerung des „Roten Knaben" von Lawrence, die dieser Tage im Zusammenhänge mit der Auktion auf Schloß Lambion in England statt- findet, bringt wieder einmal em weltberühmtes Bild unter den Hammer, das an künstlerischem Wert seinem Gegenstück, dem „Blauen Knaben" von Gains- borough wenig nachstehk. Es wird sich zeigen, ob es auch in der Wirtschaftskrise noch Mäzene gibt, die einen Preis bezahlen, der beträchtlich über einer Million Mark liegt, denn der Besitzer Lord Durham, her früher für das Werk vier Millionen und bann drei Millionen forberte, bürste noch immer auf einem Preise von etwa zwei Millionen beharren. Derartige Riesensummen sind früher für weltberühmte Gemälbe nicht selten gezahlt worben. Der „Blaue Knabe" wurde vom Herzog von IQeftminftec an den amerikanischen Sammler Huntington zu einem Preise verkauft, der über drei Millionen Mark lag. Das war ein Rekord, bis die sogenannte Cowper-Madonna Raffaels von Lady Desborough auf den Markt gebracht wurde. Dieses Bild, das nur 30% zu 22 Zoll groß ist, brachte es auf dreieinhalb Million Mark. Werke von Raffael, die wirk- lich eigenhändig find, werden so selten angeboten, daß derartige Preise durchaus berechtigt erschienen. Eine andere Madonna aus derselben Sammlung gelangte für 3,2 Millionen in die amerikanische Sammlung Widener. Für eins der überaus seltenen Männer-Bildnifje Raffaels zahlte der Neuyorker Bankier I. S. Bache 2,4 Millionen Mark. Schon im Jahre 1885 war für die „Anfidei-Madonna" desselben Meisters aus dem Besitze des Herzogs von Marlborough von der Londoner National-Galerie die Summe von 1,4 Millionen angelegt worden; das Bild würde heute vielleicht das Doppelte wert fein. Für solche ungewöhnliche Äunstschatze ist ein Preis von etwa 2 Millionen Mark nichts Ungewöhnliches. Die Engländer zahlten dem Herzog von Northum- berlanb für den sog. „Cornaw" Tizians 2 440 000 Mark, und 1 800 000 Mark wurden für dos sog. Wilton-Diptychon angelegt, eine englische Malerei, die von einem unbekannten Meister um 1381 geschaffen wurde. Summen, wie die 900 000 Mark für die sog. „Rokebi) Venus" des Delasquez und die 1640 000 Mark für das herrliche Portrat der.Herzogin von Morand" von Hans Holbein d. I, die von dem englischen Volke zur Erwerbung solcher Meisterwerke aufgebracht wurden, sind gut angelegt, denn diese Bilder dürften seitdem beträchtlich im Preise gestiegen fein. Der amerikanische Sammler Widener zahlte der Familie Lansdowne 2 Millionen Mark für Rembrandts berühmte Landschaft „Die Mühle", und derselbe Krösus gab 1 600 000 Mark für das Porträt eines spanischen Staatsmannes von Velasquez. Ein Bildnis Philipps IV. von demselben Meister erzielte 2 Millionen Mark, und den gleichen Preis brachten Franz Hals' „Die Familie des Künstlers" und Reynolds' Portrat der Lady Betty Compton. 1 % Million brachten „Der Erntewagen" von Gains- borough und das kleine Kreuzigungs-Bildchen von Piero della Francesca, während für das Bildnis der Anne Duncombe von Goinsborough 1640 000 Mark gezahlt wurden. Eine lange Liste von Werken Rembrandts, Tizians und Gainsboroughs ließe sich aufzählen, die die Million erreichten. sprach noch über den besonderen Nahen der Vögel für den Obstbau. Anschließend erfolgte die Rechnungsobloge durch den Rechner des Vereins, Verwaltungsinspektor Dipp eil. dem Entlastung und Dank für seine Mühewaltung erteilt wurde. ll. Merlau, 27. April. Mit Rücksicht auf die wirtschaftlichen Verhältnisse beschloß die Sängervereinigung Merlau, das ihr angetragene Sängerfest nicht abzuhalten. Dieser Tage weilten nun der Vorstand und der Musik- ausschuh des Ohm-Lumdatal-Sängergaues zu einer Besprechung in unserem Orte. Es wurde beschlossen, daß am 3. Sult in Merlau das W e r - tung ssingen des Gaues stattfinden soll. Als Wertungsrichter fungiert Oberreallehrer Blaß (Gießen). Für das Wcrtungssingen ist der Pflichtchor „Mein Deutschland" (Mangold) vorgesehen außerdem kann jeder Verein als zweites Lied einen selbstgewählten Chor singen. Dach dem Wertungssingen findet auf dem Schulhof eine Gaukundgebung statt. Der Verein Merlau begeht am gleichen Tage außerdem das Jubiläum seines 50jährigen Bestehens. Kreis Lauterbach. & Lauterbach, 22. April. Auf Grund eines Gemeinderatsbeschlufses, nach dem der zum städtischen Freischwimmbad führende Feldweg im Wege des freiwilligen A r b e i t s d i e n st e s als Straße ausgebaut werden soll, haben sich insgesamt 60 Arbeitswillige gemeldet. Das Arbeitsamt hat bis jetzt 35 Mann zugelassen, da für die übrigen die gesetzlichen Voraussetzungen noch nicht gegeben sind. Preußen. Kreis Wetzlar. m. Dornholzhausen, 26. April. Am Sonntag veranstaltete Pfarrer Schneider- Hochelheim hier ein Kirchenkonzert, zu dem er verschiedene Kräfte aus Butzbach gewonnen hatte. Die musikalische Leitung lag in den Händen von Lehrer Bach, einem Sohn unserer Gemeinde, der die Gesänge begleitete und einige Musikstücke vortrug, in denen die ganze Fülle und Klangschönheit des neuen Orgelwerkes zur Geltung kamen. Sowohl Solls und Duette, gesungen von den Geschwistern Laux (Sopran und Alt), als auch die Quartette, in denen die Herren G u d e r und Fabrikant Laux (Tenor und Bah) mitsangen, zeugten von einem vorzüglichen und gut geschulten Stimmenmaterial. Die Darbietungen machten auf die Zuhörer großen Eindruck. Pfarrer Schneider hielt eine Ansprache. Freiwilliger Arbeitsdienst des Lungdeuischen Ordens. • Rodheim a. d. D., 25. April. In gemeinsamer Arbeit zwischen der Gemeindevertretung und der D r u d e r s ch a f t „Biebertal" des Iungdeutschen Ordens wurde ein Projekt bearbeitet, das den Ausbau verschiedener neuer Orts st raß en vorsieht. Schon etliche Jahre liegen die Rohre zur Kanalisation bereit, ohne daß diese Arbeiten, aus Mangel an den erforderlichen Geldmitteln, durchgeführt werden konnten. Auch bestand keine Aussicht, dies in den nächsten Jahren vollbringen zu können. Die Bruderschaft Biebertal machte deshalb der Gemeinde den Vorschlag, die Arbeiten im freiwilligen Arbeitsdienst durchzuführen. Der von der Bruderschaft „Biebertal" ausgearbeitete Entwurf zur Herstellung von sieben neuen Ortsstraßen, zusammen 1270 laufende Meter, fand die Genehmigung des Landesarbeitsamtes Hessen in Frankfurt a. M., nach dem 85 Arbeitsfreiwillige für neuneinhalbe Wochen Beschäftigung finden. Um den Leuten Arbeit für 20 Wochen zu schaffen, soll ein weiteres Projekt für den Ausbau von zwei äkmgehungsstraßen der Ortslage Rodheim a. d. B. ausgearbeitet und zur J6W1W Roman von Gert Rothberg. Copyright by Martin Feuchtwanger, Hall«. 2. Fortsetzung. Rachdruck verboten! Gerade heute! War es kopfloser Trotz? Oder hatte Lisa ganz genau gewußt, was sie wollte? Log in ihrem Tun eine dunkle Absicht? Wollte sie, daß der Vertrag nicht zustandekam? Denn wenn Mister Harrison heute nicht mit seiner Gemahlin hierher kommen konnte, dann fiel das ganze Riesenprojekt vielleicht ins Wasser. Mrs. Harrison konnte doch heute abend unmöglich hierherkommen, wenn die Dame des Hauses abwesend war. Rudolf Ansbrück lief im Zimmer umher. Er stieß an ein Paar helle Seidenschuhe. Zornig schleuderte er sie zur Seite. Auf der Lehne des niederen Sessels vor dem Frisiertisch hing ein weißer Spihenmaptel. Der Mann packte das weiße Gewebe in nicht länger zu bändigender Wut. „Oh, du oberflächliche, schöne, treulose Lisa! Weshalb darf ein Mann nicht auch einmal den Kavalier vergessen? Wie kaltblütig du dir vielleicht das alles gerade auf heute aufgespart hast. Vielleicht warst du noch viel, viel falscher, als ich vermuten kann?" Baron Jlzenescu! Der Rumäne! Vielleicht war er ebensogut ein Russe, ein Spanier, ein Mexikaner? Rudolf Ansbrück warf den Spihenmantel in die Ecke. Seine Hände ballten sich. Ein Gedanke machte ihn beinahe rasende Boron Jlzenescu! Weshalb dachte er gerade jetzt an diesen Mann, der ihm so unsympathisch wie nur möglich war unö der trotzdem sich immer wieder in seine Dähe gedrängt hatte in diesen letzten Wochen? Bankier Theissen hatte ihn im Klub eingeführt, und er hatte auch den anderen Klubmitgliedern erklärt, daß der Rumäne ein Empfehlungsschreiben einer sehr hochgestellten Persönlichkeit bei sich trage. Daraufhin habe er nicht gezögert, den Baron im Klub einzuführen. Dagegen war nun wohl nichts zu sagen gewesen — dennoch gab es außer ihm, Ansbrück einige andere Herren, die dem Baron entschieden mit verstecktem Mißtrauen begegneten. Es gab also wirklich etwas an diesem Manne, was zur Vorsicht mahnte. Es war nicht nur irgendeine Antipathie von ihm gewesen. Rudolf Ansbrück wußte nicht, weshalb er jetzt mit großen Schritten aus dem lauschigen Raume Vorlage gebracht werden. Dieser Tage fand eine Versammlung statt, die von etwa 350 bis 400 Erwerbslosen aus den Orten Rodheim a. d. D., Bieber und Fellingshausen besucht war. Lehrer Krausch-Gießen, Komtur des Iungdeutfchen Ordens, sprach über die von dem Hochmeister des Jungdeutschen Ordens schon 1924 dargelegten, stets verfochtenen und nun z. T. bereits verwirklichten Probleme des Arbeitsdienstes als Volks- dienst, Westostbewegung, Landnahme, Siedlung und freiwilligen Arbeitsdienst im allgemeinen und die z. Z. für den freiwilligen Arbeitsdienst geltenden Gesetze im besonderen. Er erwähnte hierbei die leider noch in den Gesetzen vorhandenen Härten und Lücken, die hoffentlich gemildert bzw. beseitigt werden können. Die Zahl der Erwerbs- losen-Anmeldungen hat den Bedarf von 85 Mann für den Straßenbau und 20 Mann für die Kanalisation in Bieber bedeutend überschritten. Die Arbeiten, die z. T. schon begonnen haben, können in den nächsten Tagen in vollem Ämfang ausgenommen werden. Träger der Arbeit ist die Gemeinde Rodheim a. d. B., Träger des Dienstes der Jungdeutsche Orden, Bruderschaft Biebertal. 50ZahreVHL.-Zweigverein Gedern. Y Gedern, 27. April. Der hiesige Zweig- verein des Vogelsberger Höhen- Clubs beging am Sonntag die Feier' seines 50jährigen Bestehens. Die Zweigvereine Schotten, Wenings und Hirzenhain nahmen mit starken Abordnungen daran teil. Der Saal des „Bergwirtshauses" war mit Gemälden des heimischen Malers Gewerbelehrer G- L i m p e r t prächtig geschmückt. Musik und ein Prolog (Anna Hoffmann) leiteten den Abend ein. Der erste Vorsitzende des Zweigvereins, Apotheker Beesenmeyer, hielt die Begrüßungsansprache und dankte allen, die zur Vorbereitung und Ausgestaltung der Feier beitrugen. Die Festrede hielt Dekan Widmann. Er schilderte das vergangene halbe Jahrhundert als einen Zeitraum, der ausgefüllt gewesen sei von heimattreuer und heimatbegeisterter Arbeit. Er erinnerte an die Mitbegründer, deren nur noch einer (Postmeister im Ruhestand Ehr. Mehring) unter den Lebenden weilt. Der Redner gedachte auch der Toten des Vereins und der im Weltkrieg gefallenen Kameraden. Besonders gedachte er der früheren Leiter des Vereins Richard Rispel und Lehrer Lenz, sowie des jetzigen Vorsitzenden Apotheker V e e s e n m e h e r, die den Verein mit großem Erfolg führten. Er erinnerte an die großen Aufgaben, die ein Heimatverein zu 'erfüllen habe, und forderte auf zu treuem Zusammenstehen in der Pflege des Heimat- und Vaterlandsgedankens. Das gemeinsam gesungene Vogelsberg- Lied schloß sich der mit großem Beifall aufgenommenen Festrede an. Im weiteren Verlaufe des Abends wechselten Lieddarbietungen des 'BHC.-Chores mit oberhessischen Tänzen und mit Mundartgedichten usw- ab. Zwei Straußsche Lieder, vorn Chor mit Orchesterbegleitung gesungen, wurden besonders beifällig ausgenommen und mußten wiederholt werden. Sehr gut gefiel außerdem die Aufführung des Körnerschen Lustspiels „Der Vetter aus Bremen". Als Vertreter des Gesamt°VHC. und im Ramen der Gäste überbrachte Lehrer i. R. Carl 2 i n cf, Schotten, dem Jubelverein herzliche Glückwünsche. Landwirt Hermann Guth erfreute zum Abschluß mit einem selbstverfaßten Gedicht zu Ehren des Jubelvereins. Die Feier nahm in ollen Teilen einen schönen ünb denkwürdigen Verlauf. Daten für Donnerstag, 28. April. Sonnenaufgang 5.05 Ähr, Sonnenuntergang 19.41 ilfjr. — Mondoufgang 3.01 Uhr, Monduntergang 11.34 Ähr. 1896: Der Geschichtsschreiber Hch. v. Treitschke in Berlin gestorben: — 1927: der Maler Hans von Volkmann in Halle gestorben. hinausging. Ihn trieb es fort, hinüber in sein Arbeitszimmer. Die Pläne! Die sorgsam von ihm ausgearbeiteten Verträge, die außer ihm nie ein Mensch zu Gesicht bekommen hatte. Richt einmal fein alter, treuer Privatsekretär! Er war gefährlich. Wenn nur das Geringste von all diesen Absichten laut wurde, dann konnte es sein — nein, cs würde sein, daß die mächtige Konkurrenz sofort mit allen Mitteln eingriff, um die Ausführung dieser Pläne zu hintertreiben. Konkurrenz? O nein! Hier spielten andere Interessen mit. Interessen mächtiger Länder! Tie Hände des Mannes rissen das Geheimfach im Wandschrank auf. Die Pläne verschwunden! Die mühsame, nächtliche Arbeit umsonst! Richt umsonst! Andere würden jetzt die Früchte dieser geistigen Arbeit ernten! Wie ein Rasender lief Ansbrück hin und her. Hatte sie — zu diesem Verbrechen die Hand geboten? Er preßte plötzlich beide Hände an seinen schmerzenden Kopf. Hatte — sie es selbst getan? Er stöhnte wild auf. Wohj^i verirrte er sich eigentlich? Tas würde Lisa niemals tun! Was hätte sie denn auch für einen Grund dazu? Der Rumäne! Der Baron, der sich in der letzten Zeit so auffällig in die Rähe gedrängt hatte! Wenn er ein ganz gewöhnlicher Spion wäre?! Wenn — er Lisa betört hatte?! Lisa, die es offen aussprach, daß er ihr gefiel! Tiefer Rumäne mit den feurigen Augen und dem blauschwarzen Haar! Wenn der Baron Lisa zu diesem Raube als Werkzeug benutzt hatte?! Es war ja gar nicht auszudenken. Ansbrück bückte sich. Ein seines, weißes Tuch lag am Boden. Er hob es auf. Lisas Parfüm! Sie war also doch hier in seinem Arbeitszimmer gewesen, das sie sonst nie betrat! Run war ihre Mitschuld bereits so gut wie erwiesen — denn was hätte sie gerade heute hier gewollt? Uno heute war sie heimlich abgereist. In dem Augenblick abgereist, wo sie hier recht liebenswürdig zu Mister Harrison und seiner Gattin sein sollte. Das also hatte sie fertiggebracht! Zeniralverband der ArbeiiSinvaliden und Wilwen Deutschlands. Die Funktionäre des Zentralverbandes der Ä r b e i t s i n v a l i d e n und Witwen Deutschlands — wie man uns berichtet — nahmen in einer in Gießen tagenden Konferenz zu den Auswirkungen der 4. Notverordnung in der Sozial- und Fürsorgegesetzgebung Stellung. Bezirksleiter Adler (Gießen) wies einleitend auf den schweren Kampf hin, den die Organisation zur Zeit zu bestehen hat. Herr I a x t (Darmstadt) erstattete sodann den Bericht über den Stand der Organisation. Im Jahre 1931 konnten 1000 Mitglieder neu gewonnen werden; die Organisation in Hessen umfaßt nunmehr beinahe 10 000 Mitglieder. Die Zahl der Auskunftsuchenden betrug 7406, Schriftsätze wurden 4556 erledigt, 1691 Vertretungen wurden übernommen und dabei 11 491,38 Mark laufende monalliche Rente, sowie 116 332,78 Mark Nachzahlungen erftritten. Bei 597 Sterbefällen wurden an Hinterbliebene 28 470 Mark Sterbe- unterftiitzung ausgezahlt. Nach der Erledigung weiterer geschäftlicher Angelegenheiten sprach Herr I a x t (Darmstadt) über die Auswirkungen der 4. Notverordnung. Er führte u. a. aus: Länge Zeit habe der Kampf der Erhaltung und dem Ausbau der Sozialgesetzgebung gegolten. Heute gelte es zu kämpfen, um einen weiteren Abbau der Renten zu verhindern. An Hand praktische» Beispiele zeigte der Referent den Abbau in der Sozialversicherung und das Ausmaß des Elends in der Lebenshaltung der 21« beitsopfer. Man fordere eine fühlbare Preisherav» setzung, ein Arbeitsbeschaffungsprogramm, Derkür- zung der Arbeitszeit, um dadurch eine Sanierung der Versicherungsträger und eine Beseitigung der finanziellen Bedrängnis der Sozialversicherung zu erreichen. Wenn es nicht gelinge, eine fühlbare Preissenkung und die Arbeitsbeschaffung für Millionen Arbeitsloser durchzuführen, dann würden die wirtschaftlich Schwachen der politischen Radikalisierung entgegengetrieben. Der Redner ging weiter auf den Leistungsabbau in der Sozialrentnerfürsorge ein, erkannte zwar die finanzielle Lage der Kreise und der Gemeinden an, betonte aber, daß es unmöglich sei, die Richtsätze für die genannten Hilfsbedürftigen noch weiter herabzusetzen. Leider habe man von feiten einiger Bezirksfürsorgestellen versucht, Unterstützungen ganz zu entziehen, wenn sich Sozialrentner weigerten, auf die ihnen gehörigen Grundstücke Sicherungshypotheken eintragen zu lassen. Einer größeren Anzahl von Sozialrentnern sei daraufhin die Unterstützung entzogen worden. In der Aussprache kam zum Ausdruck, daß endgültig Schluß gemacht werden müsse mit den von den Bezirksfürsorgestellen ergriffenen falschen Maßnahmen. Die Konferenz fand ihren Niederschlag in einer Entschließung, in d?r diesen Gedankengängen Ausdruck gegeben wurde und die den verantwortlichen Stellen zugeleitet werden soll. VfB. Gießen. Spo. Dillenburg Liga — VfB. Liga 1:2 (1:0). Die VfB.-Liga weilte am vergangenen Samstag zum Wochenendspiel-in Dillenburg. Beide Mannschaften haben in den letzten Jahren oft miteinander gekämpft; die Grünweißen stellten dabei stets den Sieger. VfB. trat den sympathischen Dillenburgern mit Ersatz entgegen. Der Gastgeber entpuppte sich als ein schlagfertiger Gegner, der sich auf feinem eigenen Platz sehr gut zu halten wußte. Die Gießener stellten die technisch bessere Elf; im Feldspiel waren sie stets leicht überlegen. Das Spiel begann mit forschen Angriffen der Dillenburger, die aber dem VfB.-Tor nie recht ge- fährlich werden konnten, da Die Verteidigung sehr auf Der Hut war. Trotzdem Die Arbeit Des VfB.- Sturms durch die schwache Arbeit des Mittelläufers erheblich beeinträchtigt wurde, lagen die Grünweißen stets vor Dem (Säftetor. Es wollte jedoch nichts glücken. Ritter schoß mehrmals knapp über Die Latte. Gegen Ende der ersten Halbzeit kam Dillenburg durch einen schwachen Schuß zum Führungstreffer der vor der Pause nicht wieder aufgeholt werden konnte. Auch in der zweiten Spielhälfte waren die Gießener weiter tonangebend. Dillenburg ließ aber nicht locker und verteidigte energisch. Die lieber- legenheit Der VfB.-Elf wurde aber immer augenfälliger und bald konnte durch Schmidt ausgeglichen werden. Der Siegestreffer ließ dann auch nicht mehr lange auf sich warten: Lehrmund konnte ihn in überlegener Manier erzielen. Der Rest der Spielzeit stand ganz im Zeichen der VfBer, aber der vereinten Abwehr der Gastgeber gelang es, weitere Torerfolge Der Grünweißen zu verhindern. Dillenburg stellte eine körperlich kräftige und gewandte Elf. Die Gießener nahmen zu Beginn das Spiel zu leicht, konnten sich aber trotz der ungewohnten Platzverhältniffe durchsetzen. Die Ligareserve verlor, wie schon berichtet gegen Heuchelheim I mit 2:9 Toren. Die Alte-Herren- Mannschaft konnte gegen eine kombinierte Mannschaft von Lollar 1:1 spielen, was mit Rücksicht darauf, daß VfB. nur mit 9 Mann antrat, anerken- nenswert erscheint. Die Gegner Der 1. und 2. Iugendmannschasten sagten die Spiele in letzter Stunde ab. Beide Mannschaften absolvierten ein Trainingsspiel, das die 2. Jugend mit 2:1 im Vorteil sah. Die Schüler konnten in Heuchelheim gegen die Dortigen 1. Schüler ein UnentschieDen (1:1) herausholen. Sie hatten Den körperlich weit Kräftigeren gegenüber einen schweren Stand. Gauiurnen des Gaues Hessen. Am 3. Juli in Gießen. Auf dem 100. Gauturntag des Gaues Hessen wurde der Gießener Turnerschaft (Turnverein von 1846 und Männerturnverein) die Ausrichtung und Durchführung des Gauturnens 1932 übertragen. Die Gießener Turnerschaft hat sich zur Äebernahme der Veranstaltung bereiterklärt und nunmehr die nötigen Vorarbeiten in Angriff genommen. In einer gemeinsamen Sitzung der Vorstände beriet man bereits über die Form der Durchführung und bildete einige Ausschüsse, die die Vorarbeiten im einzelnen in Angriff nehmen sollen. Man wurde sich gleichzeitig darüber klar, daß das Gauturnen in Anbetracht der großen Rotzeit weniger eine festliche Veranstaltung bar- stellen soll, wie es in ben Vorjahren der Fall war. sondern mehr als eine Heerschau der Turner Hessens gedacht ist und einen Äeberblick über die Leistungen der Turner des Gaues ermöglichen soll. Lediglich am Samstag, am Vorabend wird ein Begrüßungsabend stattfinden, in dessen Rahmen, die Austragung der Meisterschaften an den einzelnen Geräten vorgesehen ist. Die eigentlichen Gauwettkämpfe beginnen dann am Sonntag« morgen sehr zeitig. Auf dem Änidersitätsiport- platz werden zunächst der Zehn- und Zwölf-Kampf zur Austragung gelangen, die Geräteübungen sieht die Turner am Rachmittag in der Dolkshalle vereinigt. Die gemeinsame Sitzung der Vorstände der beiden hiesigen Turnvereine hat zunächst drei Ausschüsse gebildet. Der Geschäftssührende Ausschuß seht sich aus den Herren Äniversitäts-Bureau- direktor Erle. Rektor Kling. C. Strack, H. Dechert, P. Ritsert und L. Schneider zusammen. Dem Wirtschafts-. Finanz- und Wohnungsausschuß steht Herr A. R e i n i n g und Das... Dann war es ihr auch mit dem Verlangen nach dem Schmuck nicht ernst gewesen. Dann hatte sie den kleinen Zank nur deshalb in Szene gesetzt, um einige Stunden für sich sein zu können, weil sie diese Stunden zu ihren Reisevorbereitungen brauchte. Der Mann stand wie vernichtet da. • Laut und tief schlug die Ähr im Zimmer die siebente Stunde. Änd noch immer stand Rudolf Ansbrück auf demselben Platz in seinem Zimmer und starrte vor sich hin. Das hatte seine Frau tun können? Lisa, die Tochter eines überall geachteten Vaters? War denn eine solche Verirrung nur möglich? In kurzer Zeit, gegen acht Ähr, würde Mister Harrison mit seiner Gemahlin kommen. Die Verträge, wenigstens der wichtigste Vertrag hätte unterzeichnet werden sollen. Statt dessen war Lisa fort! Änd die mühsam ausgearbeiteten Pläne verschwunden! Was nun? Rudolf Ansbrück ging langsam, ganz langsam ins Rebenzimmer. Mister Harrison! Er kam! Was sollte er ihm sagen? Die Wahrheit? Rein! Tas ging nicht. Diese Wahrheit war viel zu erniedrigend, als daß ein Fremder sie erfahren durfte. Mister Harrison freute sich, Frau Ansbrück kennenlernen zu dürfen. Run kam er mit seiner Gemahlin — und Lisa war 4nidjt da. Gut! Lisa konnte im letzten Augenblick krank geworden fein. Doch dann würde das Gespräch auf die Verträge kommen. In besonders guter Laune würde der alte Amerikaner diese Verträge zu sehen wünschen. Was ja auch alles so gedacht war. Änd Lisas Schönheit und Scharm sollte ein übriges tun... Aus der Brust des Mannes stieg ein Keuchen. Lisa war schön, aber arm gewesen. Er zahlte noch heute ihren Eltern diese hohe Rente, Damit die sich nicht einzufchränken brauchten und es auf diese Weise niemand erfuhr, wie arm die Massows geworden waren durch die verfehlte Spekulation, die das Vermögen fraß. Lisa hatte alles aufs Spiel gesetzt. Sie hatte nichts bedacht. Änd er besah doch zunächst noch keinerlei Beweise wie das kleine, duftende Tuch, das er in seinem Zimmer gefunden hattet Wenn Lisa doch bei ihren Eltern wäre? Trotzig davongerannt, weil sie den Schmuck nicht erhielt? Das Tuch! Qlun, sie konnte es doch auch verloren haben, als sie ihn vielleicht noch einmal hatte aufsuchen wollen. Ansbrück ging zum Telephon. „Exzellenz selbst zu sprechen? — Hier ist Doktor Ansbrück!" „Jawohl, Herr Doktor, Exzellenz ist da. Darf ich bitten, einen Augenblick zu warten?" „Ditte!" Bald darauf ertönte die Stimme seines Schwiegervaters im Apparat. ..Guten Abend, lieber Sohn! Ra. waS macht ihr denn Schönes? Kommt doch ein bißchen herein. Wir haben euch schon eine Ewigkeit nicht mehr gesehen. Doch verzeih, du willst irgend etwas?" „Ja. Papa, ich wollte etwas. Die Frage hat sich aber durch deine Worte bereits erübrigt." „Was war es denn, Rudolf?" Die Frage klang entschieden etwas ängstlich. Rudolf Ansbrück sagte kurz: „Lisa hat mich heute abend verlassen. Ihr Brief gibt an, daß sie zu euch gehen wollte. Sie wird vielleicht noch kommen; doch ich glaube nun schon nicht mehr recht daran." „Junge, um Gottes willen, was ist denn nur los? Ist denn das Mädel verrückt? Ein kleiner Zank doch wohl nur? Wenn sie kommt, werde ich ihr den Kopf ganz gehörig zurechtsehen! Verlaß dich darauf, mein lieber Rudolf." „Ich danke dir, Papa!" „Du — bist — doch — nicht etwa auf — unS — Junge? Wir sind immer auf deiner Seite gewesen, wenn Lisa sich beklagt hat. Sie hat das nämlich schon einige Male getan.“ „Du bist im Irrtum, Papa! Euch würde ich es nie entgelten lassen, wenn sich hier etwas ändern sollte." „Rudolf? Wie habe ich das zu verstehen?" „Vorläufig kann ich noch nichts sagen, Papa. Ditte, gedulde dich noch etwas. Doch jetzt entschuldige mich, bitte! Auf Wiedersehen, morgen mittag bei dir!" „Auf Wiedersehen, Rudolf! Rimm Lisa nicht ernst! Sie ist ja so verwöhnt. Daran haben wir die Schuld. Ich habe aber immer geglaubt, es wird dir gelingen, das Mädel noch durch Liebe zu erziehen." „Lebe wohl, Papa!" Rudolf Ansbrück ging hin und her. Er lachte bitter vor sich hin. Das halte er ja gewußt. Lisa war nicht bei ihren Eltern und sie würde auch nicht zu ihnen kommen. 1 Vorläufig wenigstens nicht. Bis — Der — der — Baron Jlzenescu ihrer überdrüssig war. Vielleicht würde das schon bald I sein. Vielleicht schon in dem Augenblick, wo Lisa ihm die Papiere brachte. (Fortsetzung folgt) btr W l *»ö- S'Ä 7- Ä'L i"l-6en"“£" ^nSen^'" ^druck, bot... |Q ""antwort. h verloren haben, al hatte missuchen n. ? - Hier ist M rllenz ist da. 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Schneider jinanz- und Doh- Aeining und ^dedas^N- ’ut .«Mid, 2Wenb und he"- hin. wrt, nicht bei ^Igt) dem Turn-Ausschuß Oberturnwart Erb vor. Wir kommen zu gegebener Zeit auf die Veranstaltung zurück. Fechten im Turngau Hessen (OT ). Am Sonntag finden in der Turnhalle der Oberrealschule die Wettkämpfe der Oberstufe-Fechterinnen des Gaues Hessen zur Ermittlung der Teilnehmerinnen an den Wettkämpfen um die KreiSrneistcrschast statt. Daneben ist auch ein Degen-Wettbewerb für Fechter ausgeschrieben. Handball im Gau Hessen (D. T ) Lützellinden! — Klein-Linden! 6:5 (4:3). Die Erste des Turnv. Lützellinden empfing am Sonntag die erste Elf des Turnv. Äkm-ßinbcn -um fälligen Rückspiel Die Gastgeber gingen bereits in der l. Minute in Führung und konnten in der Folge aus 4:0 erhöhen Die Mannschaft verlor dann aber einen Spieler und damit an Zusammenhangs kraft. Die Gäste gestalteten da- durch das Ergebnis günstiger, vbwobl es für den Ausgleich doch nicht reichte, und Lützellinden knapp aber verdient Sieger bleiben konnte Die zweite Mannschaft von Lützellinden weilte in Klein- Linden und konnte die dortige Zweite mit 3:1 schlagen. Die dritte Mannschaft gewann gegen die Zweite von Grüningen mit 7:0 Toren. Schiedsrichter-Vereinigung Gießen. DsR. Butzbach Alte Herren gegen Schiedsrichter Gießen 2:2. Die älteren Schiedsrichter der Schiedsrichter- Bereinigung Gießen weilten am vergangenen SamStag in Butzbach und trugen gegen die Alten Herren des DkR. Buhbach ein UebungSspiel aus. Dem Treffen wurde von feiten des Butzbacher SportpublikumS reges Interesse entgegengebracht Dor allem konnten die jüngeren Anhänger des Fußballsportes sehr viel lernen, denn das Spiel wurde nicht nur mit großem Eifer, sondern auch sehr fair durchgesuhn Einzelnen älteren, sogar korpulenten Schiedsrichtern gelangen verschiedene technische Kabinettfrückchen und ernteten lebhaften Beifall. Das Spiel endete erwartungsgemäß mit einem Unentschieden von 2:2. Aus dem Lager der Hadsportler. Der Lahngau im Bund Deutscher Radfahrer hielt vor kurzer Zeit in Wetzlar-Biedergirme- scinen diesjährigen D a u t a g ab. Der Gautag war sehr gut besucht. Man beschäftigte sich Zunächst und in erster Linie mit der Ausstellung des IahreSprogramms für 1932. Beben diesen Beratungen wurde auch Gelegenheit genommen, verschiedene Mitglieder, die sich besonders in sportlicher Hinsicht hervorgetan haben, auSzuzeichncn. So erhielt der jugendliche Ernst Haas vornRod- Elub .Germania'* 1899 für einen im Einer-Kunst- fahren errungenen ersten Sieg eine prächtige Ledermappe mit einem künstlerischen Dedenkblatt und die Sieger deS in der Gießener Volkshallo zum Abschluß gebrachten Serienspiel- im Dreier- Radball (die Herren Daum, Bohl und S t o m m e l) je eine versilberte Plakette von stattlicher Größe. Die Mitglieder deS Rad-Elubs .Germania" konnten auch bei den in Wehlar- BiedergirmeS ausgetragenen GaumeisterschastS- kämpfen (wir berichteten bereits darüber) im Radballspiel und Kunstfahren schöne Preise erringen. Wirtschaft. * Concordia Lebens - Bersiche- rungsbank AG., Köln. Der Aufsichtsrat hat beschlossen, der am 10. Mai stattfindenden Generalversammlung vorzuschlagen, von dem nach reichlichen Abschreibungen und Sonderrückstellungen (i. G. 465 559,92 Mk.) ausgewiesenen Reingewinn von 3 286 218,10 Mk. (i. B. 3 668 847,97 Mk.). der Gewinnrücklage der Dcrsichcrten 3016218.10 Mk. (i. B. 3 448 847,97 Mk ) 91,78 Prozent des Gesamtgewinns, der Sicherheitsrücklage der Ber- mögensverwaltung 100 000 Mk. (i. B. 50 000Mk ). der Bersorgungslasse der Angestellten 25 000 OHL (i. D. 25 000 Mk.) zu überweisen und an die Ak-, tionäre wieder, wie im Boriahr, 14 Prozent des bar eingezahlten Teil- deS Aktienkapitals (70 000 Mark) auSzuschüttcn. Die Gewinnrücklage der Versicherten erhöht sich damit auf 16 044 357,30 Mark. Aus ihr werden die Versicherten im nächsten Jahre die planmäßig erhöhten Dividenden erhalten. Frankfurt notiert leicht schwächer. Frankfurt a. M., 28. April. (WTB. Drabt- meldung.) Tendenz: etwas schwächer. Die bisher resultatlos verlaufenen Genfer Verhandlungen, die durch Absage Tardieus eine Aufschiebung erfahren haben, wirkten zu Beginn der heutigen Börse verstimmend. Daß die Verhandlungen in etwa drei Wochen wieder ausgenommen werden sollen, blieb ohne Einfluß. Da auch in der Innenpolitik keine Klärung eingetrcten ist, bekundete die Spekulation stärkere Zurückhaltung und schritt zu einigen Abgaben. Bei wieder kleiner gewordenem Geschäft lagen die ersten Kurse nicht ganz einheitlich. jedoch überwiegend etwas schwächer Das herauskommende Material fand ziemlich leicht iln- lerkunit. so daß die Veränderungen gegenüber der Abendbörse selten mehr als 0.50 biS 1 Prozent betrugen. Lediglich einige Spezialpapiere wie IG.. Reichsbank. Aku und AEG. hatten Rückgänge bis zu 1,50 Prozent. Am Montanmarkt war die Kurs- flcftalhmg unregelmäßig, während Stahlverein. Gelsenkirchen und Buderus bis zu 0.75 Prozent nachgabcn. konnten Rheinstahl etwa 1 Prozent an- ziehen. Am Eletlromarkt blieben Siemens und Gcssürei gut behauptet. Etwas niedriger lagen noch Echcideanstalt. Bkctallgcsellschaft. Daimler und Lech-Werke, die bis zu 1 Prozent verloren. Von Zcllstosfaktien büßten Aschaffenburger Zellstoff 1.53 Prozent ein. Bach den ersten Kursen stellten sich verschiedentlich wieder leichte Bessc- rungcii* ein. Im Verlaufe wurde die Haltung überwiegend fester, zumal kein weiteres Angebot hcrauskam und die Spekulation neue Deckungen vornahm. Besonders gefragt waren IG.. Reichs- bank und Elektro-Aktien. die bis zu 2 Prozent höber laaen. so daß die Ansangsverluste zum mindest wieder ausgeglichen wurden. Am Renten- markt bewirkte die Diskontermäßigung auch etwas Kausneigung des anlagesuchenden Publikums. Gold- und LlguidationSpsandbriefe lagen weitere 0,50 bis 1 Prozent höher. Deutsche Anleihen lagen nur wenig verändert. Reichsschuldbuchforderungen etwa 0.50 Prozent niedriger. Industrie-Obligationen zogen weiter etwa 1 Prozent an. Ta- gcSgeld etwa- gefragt und der Satz erhöhte sich auf 4,75 Prozent. Berlin uneinheitlich. Berlin, 28. April. (WTB. Funkspruch.) Bachdem gestern abend weitere Befestigungen zu verzeichnen waren, hörte man im heutigen Vormit- tagsvcrkehr und an der Vorbörsc eher schwächere Kurse. Der Grund hierfür war in einer gewissen Verstimmung über daS Stocken der Genfer Verhandlungen zu suchen. Der Derlustabschluh der amerikanischen Shell-Gesellschaft und der Konkurs des bekannten Investment-Trust Continental Share-Inc. sanden gleichfall- Beachtung. Zu Beginn des Verkehrs zeigte es sich jedoch, daß zwar die Deckungsneigung der Spekulation gegenüber den Vortagen abgenommen hat, dagegen aber von fcüen des Publikum- weiter Kauforders gegeben worden waren. DaS dürste nicht zuletzt eine Bachwirkung der gestern erfolgten Diskontsenkung sein. Außerdem befriedigte das anhaltende Interesse für Montane. Die Ansangsnotic- rungen zeigten dann kein einheitliches Aussehen. Degen gestern abend lagen die Kurse allerdings größtenteils etwa- schwächer: verglichen mit den Börsenschlußkursen ergaben sich Schwankungen von etwa 1 biS 2 Proz. nach beiden Seiten. Stärker gedrückt Feldmühle. Salzdetfurth, die etwa 2 Proz. cinbüßtcn. sowie Chadeaktien undSvenlka, die etwa 2,50 bzw. 2 Mark nachgaben. Anderseits gewannen Contigummi, Deutsche Telephon und Kabel 2 bi- 3.75 Prozent. Schlickert waren in Bachwirkung der schuldenfreien Ablösung ein Prozent gebessert. Der feste Schluß der gestrigen Beuyorker Börse, das kommunale Stillhalteabkommen und die Zwischenlösung bei der Landesbank der Rheinprovinz waren im Verlaufe anregende Momente. Zunächst holten Farben einen Anfangsverlust von 0.88 Proz. voll wieder aus. Vorübergehend realisierte die Börse etwas stärker. und cs ergaben sich vielfach kleine Abschläge. Für reine Kassawerte bestand Interesse des Publikums und man wollte außerdem Tausch- opcrationen der Börse von variablen Papieren in Kassapapicrc beobachten. Später wurde cs - ausgehend von Farben und Siemens, in denen noch ein Decouvert zu bestehen schien — allgemein bis zu 2 Proz. fester. Deutsche Anleihen lagen nicht ganz einheitlich, ausländische Renten waren wenig verändert. 5proz. Tehuantepec gewannen 0.5 Prozent. Am Rentenmarkt war die Grundstimmung weiter freundlich, im einzelnen log der Markt noch unentwickelt. Rcichsschuld- buchforderungcn in späten Fälligkeiten bis 0.5 Prozent schwächer, mittlere Schichten fester. Am Berliner Geldmarkt machte sich angesichts der Bähe des Ultimo eine leichte Versteifung geltend. Der Tagesgeldsatz zog daher auf 5.5 bis 6.5 Pcoz. an, für erste Adressen war TagcSaeld noch zu 5,38 Proz. erhältlich, Monatsgeld blieb unverändert 7 Proz. und darüber nominell. Ermäßigung des Reichsbankdiskonts. Berlin, 27. April. Die Reichsbank hat mit Dir- fung ab 2 8. April den Diskontsatz von 5,5 ans 5 v. h., den L o m b ar d f a h von 6,5 auf 6 o. h. ermäßigt In der Begründung erklärte Re.chsbankpräsi- dent Dr. Luther u. a.: Die Reichs bank hat fich trotz der sich auS der Devisenlagc ergebenden Hemmungen zu dieser Zinssenkung entschlossen, um derWirtschaft von der ZinSseite her die nach der Gefamtlage vertretbaren An- triebSmöglich leiten zu verschaffen. Der Reichsbank wurde ihr Entschluß durch die Gestaltung des Geldmärkte-, durch die fortschreitende Entlastung ihre- Statu- und durch die feit der letzten deutschen Diskontsenkung etngelretenen weiteren au-ländischen Di-kvntermähigungen erleichtert. Schwcincmarkt in Schotten. ± Schotten. 27 April. Der heutige Ferkelmarkt inSchotten war nut 581 Ferkeln, 10 Läufern und 12 Einlegern beschickt Preis pro Stück: Ferkel, bis 6 Wochen alt. 12 bis 14 Mark, 6 bis 8 Wochen 14 bis 18 Mark. 8 bis 13 Wochen 18 bis 23 Mark: Läufer 23 bis 28 Mark: Einleger 28 bis 34 Mark. Tendenz: mittel, geringer Ucbcr- stand. Große Strafkammer Gießen. • Gießen.. 26. April. DaS Erweiterte Schöffengericht hatte vor einigen Wochen zwei Brüder. Arbeiter aus Langd, wegen ve/fuchten Straßenraubs und gemeinschaftlichen schweren Diebstahl- zu Gefängnisstrafen von 1 Jahr 6 Monaten bzw. 1 Jahr 3 Monaten verurteilt. ES handelte sich uni den Ueberfall auf einen Gendarmericbeamten im Walde zwischen Hungen und Villingen. Die Täter, die sich unkenntlich gemacht hatten, hatten es auf einen Bekannten abgesehen, der in jener Bacht einen größeren Geldbetrag von einem Bachbarort holen wollte. In der Annahme, daß er an jener Stelle vor beikomme, versteckten sie sich am Walde-rand. um ihm dort aufzulauern. Dieser hatte aber einen anderen Weg gewählt und war so den Händen der Wegelagerer entgangen. AlS die Täter merkten, daß sie sich in der Person des ileberfallencn geirrt hatten, liehen sie von ihrem Vorhaben ab und ergriffen eiligst die Flucht. Die Angeklagten, die gegen das Urteil Berufung verfolgten, leugneten auch heute hartnäckig. Bach Vernehmung von zahlreichen Zeugen bestand aber nicht der geringste Zweifel an ihrer Täterschaft. Außerdem wurden sie überführt, kurz darauf in einer Hühnerfarm eingebrochen zu fein, wo fic etwa 20 Hühner stahlen. Einem der beiden wurde ferner noch ein Einbruch in eine Arbeiterbude nach» getoiefen. DaS Gericht verwarf kostcnfällig die Berufung der Angeklagten und erhöhte bei dem einen Angeklagten die Strafe auf 1 Jahr 9 Monate Gefängnis. Wegen fahrläffiger Tötung war ein Krastwagenführer an Stelle von 1 Monat Gefängnis zu einer Geldstrafe von 150 Mark verurteilt worden. Als er in Vilbel zwischen einem Milchwagcn und einem entgegenkommenden Vichtransportwagen bindurchfahren wollte, kam in diesem Augenblick hinter dem Viehwagen plötzlich ein Radfahrer hervor, der von dem Kraftwagen gefaßt und derart zu Boden geschleudert wurde, daß er kurze Zeit später verstarb. Die Berufung des Angeklagten hatte nur geringen Erfolg. Mit Rücksicht auf die besonderen Umstände wurde die Strafe auf 100 Mark herabgesetzt. Dem Angeklagten wurde auch jetzt wieder zum Vorwurf gemacht, daß er an einer Stelle, an der die Fahrbahn durch andere Wege- benuher verengt war, überholt hatte und außerdem - mit zu großer Geschwindigkeit gefahren war. Von der Anklage des Diebstahls bzw. der Hehlerei waren ein Landwirt und dessen Sohn durch daS Amtsgericht Hungen freigespro- chcn worden. Sie waren beschuldigt, bei dem Diebstahl einer Kuh, bzw. deren Veräußerung mitgewirkt zu haben. Gegen dieses Urteil verfolgte die Staatsanwaltschaft Berufung. Das Gericht hielt die Angeklagten der Hehlerei für überführt^ hob das erstinstanzliche Urteil auf und verurteilte jeden der beiden an Stelle von je 1 Monat Gefängnis z u Geldstrafen von je 300 Mark. Amtsgericht Gießen. Der Vater von sechs minderjährigen Kindern, die sämtlich sich in Fürsorgeerziehung befanden, wurde auf Grund deS Iugendfürsorgegesetzes zu einer Gefängnisstrafe von 4 Wochen verurteilt. Die Fürsorgeerziehung war durch Beschluß des Dormundschastsgerichts angeordnet worden, weil ohne sie die gänzliche Verwahrlosung der Kinder durch Verschulden des Vaters unausbleiblich gewesen wäre. Das hiesige 3u- gendwohlfahrtSamt machte von der ihm auf Grund bei Gesetzes zustehenden Befugnis Gebrauch und gab zwei Kinder deS Verurteilten in ein nicht allzunahe bei Dießen gelegenes Dorf zur Verpflegung und Erziehung. Dort hat fic der Vater von den Pfleaceltern eigenmächtig und gegen den ihm wiederholt erklärten Willen deS Jugendamts nach Hause zurückgcholt. Seine Behauptungen, die Pflegeeltern taugten nicht zur Erziehung, zumal Mißhandlungen vorgckommcn seien, erwiesen sich als unwahr. Mehrere Aufforderungen zur Herausgabe der Kinder fruchteten nichts. Auch vereitelte der Vater die Unterbringung der Kinder in daS hiesige Zufluchtsheim Bach alledem war die ausgesprochene Gefängnisstrafe angebracht. Doch gewährte da» Gericht dem Verurteilten bedingten Strafaufschub unter den üblichen Bedingungen. aber auch in Unterstützung der Maßnahmen deS FürsorgeamteS unter der weiteren Bedingung, daß er einer anderweitigen Unterbringung seiner Kinder keine Schwierigkeiten entgegensetzen werde, da andernfalls der Strafaufschub zurückgezogen und die Strafe sosort vollstreckt werde. Auf einem von auswärts kommenden Lieferwagen wurde Vieh transportiert, zwei Rinder und zwei Kühe. Der Wagen erwies fich alS zu klein. Eine Kuh fiel, al» der Wagen eine Kurve nahm, heran-, brach zusammen und wurde dann wieder von dem Angeklagten, seinem Bruder und einem Dritten — gegen die beiden letzteren läuft ein besonderes Verfahren auf den Wagen verbracht. Diese mißhandelten hierbei daS Tier in überaus roher Weise. Diner von ihnen zog, auf dem Wagen stehend, das am ganzen Körper zitternde und widerstrebende Tier in die Höhe, während der andere mit einem dicken Stock auf die Kuh einschlug, ohne Rücksicht darauf, wo er hjntraf. Der Dritte drehte dem Tier fortgesetzt den Schwanz herum, um eS durch diese schmerz- haste Prozedur gefügig zu machen. Der Vorfall veranlaßte einen Menschenauflaus. die Zuschauer waren empört, und auS ihrer Mitte hörte man den Rus: .Wär's dunkler, gäb'ä Prügel". Der Angeklagte war bei dieser schamhaften Tierquälerei fraglos beteiligt, in welchem Grade konnte nicht festgestellt werden. Don einer Haftstrafe wurde deshalb abgesehen und der Angeklagte au einer immerhin recht erheblichen Geldstrafe verurteilt. Gegen drei Einwohner von Wiefeck ergingen Strafbefehle auf je 10 Mark, weil von ihnen Gremplarc der dort erscheinenden periodilchen Druckschrist .Die Fanfare", die als Flugblätter anzusehen waren, aber wie dies Vorschrift ist. dem KreiSamt nicht zur Genehmigung vorgelcgt hatten, verkauft worden waren. Sie legten Einspruch ein, nahmen ihn aber vor der Verhandlung wieder zurück, wohl in der Erkenntnis, daß e- mindestens bei der Strafe verbleiben würde, va schon in einer gleichliegenden Sache früher Verurteilung erfolgt war. Rundfunkprogramm. Samstag, 30. April. 7.20: Frühkonzert auf Schallplatten. 10.00 bi« 10.40: Von Köln: Schulfunk. Bärrifche Weisheit. 12.00: (M, Köln und München): Konzert des Rundfunkorchesters. 13.00: Von München: Konzert. 14.05: Konzert. 15.30: Stunde der Jugend. 16.30: Mannheim: Liebeslieder für alt und jung. 17.00: Bachmittagskonzert deS Rundfunkorchester». 18.25: Europäische Gespräche: Deutschland-England. Rudolf Kircher und H. Bicolson. 1915: Joachim Ringelnatz lieft eigene Gedichte. 19.45: Oberst Lawrence. Hörspiel. 20.30: Kurhaus Wiesbaden. Großer Bunter 2lbend zugunsten der Wiesbadener Winternothilfe. Taten für Freitag, 29. April. Sonnenaufgang 5.03 Uhr, Sonnenuntergang 19.43 Uhr. Mondaufgang 3.16 Uhr, Monb- unterganq 12.50 Uhr. 1767: der bayrische Feldmarschall Karl Philipp Fürst v. Wrede in Heidelberg geboren, 1806: der Dichter Ernst Freiherr von Feuchtersleben in Wien geboren. Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 v. H, Lombardzinsfuß 6 o.H. ^ranfhin a. IN. | Zterlln rianou u. Jfl. Zknm ftranrtun a. Ul. Stalin ejdiiuj« hi'# 1 l«Ut>r< fluri wr< Anfang, e®iu0. Kirf 1-ubr» flur< Schluß- hir# »nla g» ftur* Schiup- *ur< 1 i-Uyr» Rvt« Kchlutz-, fcnläna. für# Rum Votum 27.4 28 4. 27.4. 28.4. Volum 27.4. 28.4 27.4. 21.4. Ootum 27.4. 28.4. 27.4. 28.4. Teutidw? Geldanleihe v. 192". 60 — 60.5 — yamPurg.-Tlmenta IBatci . t '4,75 — 14.5 14,75 dlicbed Wontan......*,_• _ — — 7% fceutldjc frVWanlcibe O.192U 62,5 —— 62.5 — Vamburg.Ludam.Lomvsichi!!. •> — 38,5 38.5 Bereinigte Stahl werte .... 4 ciaoi Minen......16' , 17.5 16.75 16.75 16.9 &'/»% tjoiinfl.'?lnletbe von 1930 . 51,9 —— 52 — i'anla Tampfid’ifl . . . . 0 — — — —— 11,65 11,4 Seutfdrt •?(nl..'?lt'loi.-3d)ulb mit '?.'orPBeutidin I'lonb.....6 15.5 ♦ 15,5 15,5 Naliwerte Alchersleben ... 10 92 — 92 92 5 Sutlof -Rechten....... 40.2 40 39.9 39.75 91.01. für Berledrswelen 91 ft. . . 31 — 32 5 32 Äallroerte tiriirrep-in ... 10 102 — 102 101 $e«gl. ohne fluelo1.»!Reekir. LiefeningDgeseNIchesi. 1» — — 55,5 56.5 itrnnll. Hyp.-Bank Ltqu. 77,25 t'idit unß Rrah.....10 69,5 — 68.75 70 PWipp Heizmann......* 35 35 35.5 35,5 Tlanbl’ttefc......... 4),% «he niidje Hyp.-Bmik-Lüui Öolbpic........... ■ — gelten S (»utllemirre . ... 6). 34 — 35 35 Zemennvert Heibelberg. ... 7 (fementTcrf gatiftoti.....7 42,25 »efrUfdiafi für Glefmfdie — — 76 5 —— — Unkernebmunoen .... 9 Sbelnifdie (Hcftrijitil .... 9 55,5 55,5 55 54.75 eaOü & grebiofl......0 5.5 _ — - 5% Pr. kanbeipfanbbdclattnal!. 72,5 68,5 66.65 Pfondbnese N. 19..... 71,5 — Sdiudert & <3o.......11 Tiemen»» HolNe.....14 — — 47 48 7% Pr. Sonbe9p|cntbbtie|anfta!t 101 101 101,5 100.5 edjultbrie Panentzmrr ... 15 9ihi (Tlgemeine Äunftteibe) 0 — — 60.25 60.75 Mandbrleke R. 10 —» —> — LahmeverL Co.. ..... 12 76,25 76.25 38 36.25 37,25 36,25 Bemberg........ C 38 — 38 38 <% Oefterretdind’c Goldrenie . . 4,20% Ceflencidntoe Eilberrente - 0.9 - 8 u Bente..........4 Teuiicke drt.M.......5 23,75 23 23,75 58.25 23 58.9 Zell kost Btilbbol.....12 Zellkloü Zfdioffentuzg ... 6 TeNauer -a» ........ 9 Tatmler Mowren......0 Teurid* Linoleum.....5 CienRetn & Kappel.....0 Leonhard Tietz.......6 29 27,5 31,25 28 83.75 10 28,5 24.9 58,5 31,75 27,5 84,25 10,13 29.75 4% UHgarifdie Goldrenie 4% Unganidie gtaatliente o. 1910 4'i% be-^l. oon 1913 . . . 5% abflefi. Öolbmenfaner von 99 4% lürtvdie ZoUanleide von 1911 Hill 111 1 1 5,7 5.4 5,2 2,25 5,5 6.4 2,3 •elfenftrdjer.et ....... 8 (•atWBtt..........0 fiocidi Eifen.........6 Ille Bergbau.......10 ftlödnerwetie........6 37,25 37 36,75 39 28.4 121 24,4 37 28 24,9 10,4 29 58 9,9 4% lürtiiäe Bagbadbadn-Aniet-e Seite i _ — 2,4 Löln-Neueflen.......«U Mannesmann^löbren .... 6 — — 37,5 37,75 ibebf ......... 212 *— 16 212 14 209,5 4% be4fli. Serie II....... — — 2,25 — ManZfelder Bergbau.....0 — — 14,25 5%fiumän.eeremb.Rente B. 1903 — — — C beritfilef. ftoUrcerte . . . . 5 — —— 32.9 34.9 3tanfhjrtet Tlaltf^ee . . . c •—1 — *H%9himön.ticreinb.9tenteo.l913 — — — — Lhöniz Bergbau......41- — — 18,25 18,75 151,25 >>rixner..........0 2tantiafteerte Hichtz a.$L. . 6 — - — *% «umanna-e vereinh. Rente . 3,8 —— 4 — RbeiniiLe Siaunf.-Ken ... !■> — 152 — — • Ltaattlie:....... - - 13,4 13,25 Sbearficel.........6 39 38,5 39,25 LLddeuricher ZuSer .... 10 -» - 93,5 - Devi enmarkt Berlin — Frankfurt a. 217. 27.«PriI 28. April Amtliche Dotierung »efb 1 Sriel «mtlldn Ttoilerunq «Selb ZJrie' frtllmgfn» . Bien. . . . 7,143 51,95 7,157 52,05 7,143 51.95 7,157 52.05 Trog . . . Butopeft . . 12,465 12,485 12.465 12,485 — —— Sofia . . . 3,057 3,063 3.057 3.063 Holland . . 170.63 170,97 170.63 170,97 uu>.... eop-Hbaa* • 77,27 77,43 78.02 73,18 84.52 84,M 84,67 84.83 eto^boi« 76,67 76.83 72,02 72.18 London. . . 15.38 15,42 15,41 15.45 (Buenol Äfrel 1.008 1,012 1,003 1.012 Reuoed . . 4.209 4,217 4,209 4,217 8rüffel . . . 58,96 59.08 58.95 59,07 n,olieu . . . 21,63 21,67 21,63 21,67 v sril , . . Schwei» . . 16,58 16.62 16,575 16,615 81,74 81.90 81.73 81,89 L van len . . 33,07 33.13 33.07 33,13 Danzig. . . 82.67 82.83 82.67 82.83 9a pa . . . Rtn de 9ol. 1,349 0.284 1,351 0,288 1,359 0,284 1,361 0,286 Jnaoslawi«. ÜiHabse . . 7,423 13,99 7,437 14,01 7,423 13,99 7,437 14,01 Vanknoten. Kerl in, 27 «prfl ®elt> Sri? Smeiilantjche Kotei....... Velgifche tztsten......... Tanllche 9?:!en.....«... Ln-Iüche 9ioi»n......... ^rarudftiche Rotei........ H-llLdijche Retei........ ntaüewfldx Roien........ tziormeiilche Rote*........ DeuriLLeiterrrich. tz 100 Lchllli*tz R jtnfafldit R:ten........ 4,20 58,80 84.33 15,34 16 54 170,28 21,81 77,10 2,49 76.50 81,56 32,98 4.22 59,04 84,67 15,40 18.60 170,94 21,8» 77^40 2,51 76 80 81,88 33,12 Lchwediich- Slrffi........ Schweiler Roten......... SpanSche Rorci. ........ Lntzartsch« Kote* ........ 2)ie ■■V wundervollen 3-riil)jafjrs- und Sommer-3/eufjeiten z> Detektiv K. Gerz, Bad-Nauhelm, Kur- strabe 17 erledigt alle vertrauliche Privat- u. Geschäftsangele- genüeiten, wie Auskünfte, Beobachtungen, Ermittlungen, Beschaffung v. Be- weismat. in Stras- u. Zioilvroz. streng diskr. Svrechst.:9b. 12'/-u. 3—6 Uhr. Hühneraugen Warzen,Hornballen beseitigt restlos auch in den hartnäckigst. Jällen totsicher unt. Gar.innerb.5-6Tg. Hühneraugen-Rapid Erhält!, mir: Löwen- Drogerie W. Kilbinger Macht., Seltersweg 69. Vereine fr.MMie zum Kochen v. 30 an zum Braten, Marke „Flfl", von 30 a an Rotzungen Schollen «„d Seehechte leb. Karpfen leb. Schleien leb. 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