Nr.m Svühausgabe 182. Jahrgang Montag, 27. Juni 1952 Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Bnirf vnb Verlag: vrühl'sch« Nstiver^nttr-V»ch, nnb StefwönKTcrei R. Lange tn Sietzen. Schnftleitnng und Seschästrftelle: Schnlffratze 7. Annahme von 3n$eigen für die lagesnummer bis jum Nachmillag vorher. Preis für \ mm Höhe für Anzeiqen von 27 mra Brette örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig; für R— klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reicbspfennig, playvorschrift 20*, mehr. Chefredakteure Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Jfr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr fylhgnot; für den übrigen Teil Ernst Blumlchein und für den Anzeigenteil Mar Filler, sämtlich in Gießen. Lrf chernt täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monatr-Bezug,preis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger riehen. Polfd}edfonto: Sranffurt am Main 11686. Des Reichskanzlers Berliner Wochenendbesuch. Berichterstattung über Lausanne. — Vorbereitung der innerpolitischen Entscheidungen. B e r li n, 25. Juni. (IBIB.) A rn t 1 i ch. R e i ch »- Präsident von Hindenburg empfing heute nachmittag den Reichskanzler von Papen zum Bericht über die bisherigen Lausanner Verhandlungen und die innerpolilische Lage. Der Reichskanzler berichtete in der heutigen Kabinettssihung über die von der deutschen Delegation in Lausanne geführten Verhandlungen. Die bisherige Haltung der Delegation fand die Billigung des Kabinetts Auch den vom Reichskanzler oorgefchlagencn weiteren Abfich- ten der deutschen Delegation stimmte das Reichs- kabinett einmütig zu. Im Anschluß hieran erstattete der Reichsministcr des Innern Bericht über feine Verhandlungen mit den Länderregierungen. Wie die Telegraphen-Union ergänzend erfährt, hat der Reichskanzler in seinem Bericht über die Lausanner Besprechungen auf die verschiedene n Dorschläge zur Lösung der Tribulsrage hingewiesen, die in Lausanne gemacht worden sind. Der von ihm vertretene Standpunkt in der Tributsrage — daß Deutschland keine Xri- butemehr lei st en kann und in dieser Frage kein K o m p r o m i fj mögt i.ch ist — fand die einmütige Zustimmung sämtlicher Kabinettsmitglieder. Der Kanzler wird sich also auch weiterhin in. Lausanne dafür einsehen, daß eine sofortige Lösung im Sinne einer Beseitigung der Tributbelastung erzielt wird. 3n der Frage des Uniform* und Demonstrationsverbotes hat das Kabinett nach dem Dortrag des Innenministers von Gayl keinerlei Beschlüsse gefaßt, da die Frist, bis zu der die Länder ihre Stellungnahme zu der Aufhebung des Llniformverbotes nach Berlin gegeben haben müssen, erst am Dienstag abläuft. Es dürfte jedoch innerhalb deS Reichskabinetts die Einmütigkeit darüber hergestellt worden sein, was für Maßnahmen zu ergreifen sind, falls die süddeutschen Länder bei ihrer ablehnenden Haltung verharren. Beschlüsse hierüber werden erst Mitte der Woche gefaßt werden. Irgendein Zurückweichen des Reiches in diesen Fragen kann jedoch als ausgeschlossen gelten. — Reichskanzler v. P a - Pen begab sich Sonntag mit dem fahrplanmäßigen FD-3ug Basel—Lugano um 16.22 Uhr nach Laus anne zurück. Oer Reichskanzler über die Verhandlungen in Lausanne. Nichtifstcllung französischer Verdrehungen. Berlin, 25. Juni. (WIB.) Reichskanzler v. Papen gab der Presse unter Bezugnahme auf Veröffentlichungen in der französischen Presse über die Unterhaltungen in Lausanne folgende Erklärung : Es war mir selbstverständlich äußerst wertvoll, daß ich in Lausanne Gelegenheit hatte, nicht nur mit den verantwortlichen Staatsmännern der an der Reparations- und Kriegsschuldenfrage interessierten Mächte persönlichen Gedankenaustausch zu pflegen, sondern auch mit den Vertretern der ausländischen Presse mich zu unterhalten. In einem Teil der französischen Presse ist aber der Nieder- schlag der letzten Unterhaltung vor meiner Abreise aus Lausanne in mißverständlicher Form wieder gegeben worden. Besonders gilt das von dem Passus, der von einem Recht Frankreichs auf weitere Reparationszahlungen handelt. Schon in der Rede, die ich in der ersten Plenarversammlung gehalten habe, habe ich darauf hingewiesen, daß es sich in Lausanne nicht darum handeln kann, die juristischen Grundlagen des Reparationsproblems zu erörtern, sondern ausschließlich die tatsächliche Lage, die zu einer endgültigen Beseitigung dieses für die gesamte Weltwirtschaft verheerenden Fragenkomplexes zwingt. In diesem Zusammenhänge habe ich gegenüber den Vertretern der französischen Presse wiederholt betont, daß die Wiederaufrichtung der Weltwirtschaft ein Zusammenarbeiten besonders zwischen Deutschland und Frankre« ch s o r - b e r e — eine Zusammenarbeit, aus der für Frank- reich bessere und g-reifbarere Vorteile erwachsen würden, als die Fortführung irgendwelcher Reparationszahlungen. Die L e i ft u n gs- Unfähigkeit Deutschlands sei bekanntlich nicht von Deutschland herbeigeführt worden, sondern eine Folge des Runs auf unsere Kapl - talreserven, der Verstopfung aller normalen Kreditwege und der Zollmauern, die jedes Land um sich errichtet habe. Wenn man also die Weltwirtschaft wieder in Ordnung bringen wolle, dürfe man nicht bei der Beseit i g u n g der politischen Kredite und Zahlun- gen ft ebenbleiben, sondern mußte kon- ft r u 11 i d e Maßnahmen ins Auge fassen Zu dieser gemeinsamen Anstrengung fei D e u 11 ch • land bereit, feinen Teil nach Straften b e i gutta g e n. Ich bin der Ansicht, daß der Entschluß der euro- päischen Großmächte, ihre eigenen Angelegenheiten auf solcher Grundlage zu ordnen, b e n b c |t c n Eindruck in ben Vereinigten ötaaten machen würde, und ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß trotz der in Angelegenheiten der Tribute lehr großen deutsch-französischen Meinungsverschiedenheiten der Weg zu einer gemeinsamen A k- tion der europäischen Mächte gefun- den werden wird. Ein Neurath-Interview. Ter Autzenministcr dielet wirtschaftliche Zusammenarbeit an Stelle von Tributen an P a r i-, 25. Juni. (TU.) Der Lausanner Sonderberichterstatter des „Petit P a r i s i e n" veröffentlicht den Inhalt einer LInterredung mit Reichsaußenminister von Reurath, in der sich der Außenminister wie folgt über die Reparationen geäußert haben soll: .Die ganze Welt erkennt an, daß Deutschland nicht zahlen kann. Es handelt sich hier um eine wirtschaftliche Tatsache, die nie- mend leugnen kann. Unter dem Druck der Krise ist unser Volk nicht nurim Augenblick unfähig, diese finanziellen Anstrengungen zu machen, sondern auch davon überzeugt, daß sich eine Möglichkeit dazu niemals ergeben wird. Jeder Regierungschef, der ihm noch von Reparationen sprechen würde, ganz gleich, ob es sich um die nahe oder die ferne Zukunft handele, würde Gefahr laufen, hinweggesegt zu werden. AuS diesen Gründen sieht sich die deutsche Abordnung verpflichtet. dieThese dervoll- ständigen Annullierung zu verteidigen. Der Boungplan ist bei un- Derart unbeliebt geworden, daß jede, wenn auch sehr herabgesetzte Wiederaufnahme seiner Zahlungen von der Oefsentlichkeit als unannehmbar angesehen wird. Wenn man also zu irgendeinem Ergebnis gelangen will, so muß man c8 a u f a n - herein Gebiete suchen. Die Lösung der Lausanner Probleme kann nicht in dem engen Rahmen der Reparationen gefunden werden, sondern ist nur in einer sehr weitgehenden wirtschaftlichen Zusammenarbeit der Gläubigermächte mit Deutschland möglich. Es würde sich hierbei um eine nutzbringend Lösung handeln, die geeignet ist, die Frage der Reparationen in einen sehr viel weiteren Rahmen aufzunehmen. Diese wirtschastliche Zusammenarbeit könnte auf verschiedene Gebiete ausgedehnt werden und damit allein eine Entschädigung bieten." Wenig günstige Aussichten für Lausanne. Schon für heute oder morgen Vertagung der Konferenz erwartet. Rücksprache mit 0r. Luther. Die inncrpolrtische Notverordnung cbcnsall.- vorbereitet. Berlin, 26. Juni. (IDXB. Drahtrneldung.) wenn man von der Chronik der poliiifchen Ausschreitungen und Zusammenstöße absieht, ist dar einzige politische Ereignis des Sonntags in der Reichshauptstadl eine Besprechung, bie Reichskanzler o. Papen vor seiner Rückreise nach Lausanne mit dem Reichsbankpräsiden- f e n hatte. Dr. Luther ist heule früh aus Lausanne zurückgekehrt, war dort also fast einen Tag länger als der Kanzler. Es ist selbstverständlich, daß er das Bedürfnis Halle, Herrn von Papen noch über feine fehlen Unterredungen und Eindrücke zu unter- richlen. Ueber diesen rein informatorischen Eharakler dürfte die Beteutuizg der Unterredung allerdings kaum hinausgehen. Das Signum der Situation ist in der Parallelität des Berliner Aufenthaltes des Reichskanzler» und der unerwarteten pariser Reise des französischen Ministerpräsidenten zu sehen, wobei ganz natürlich die Entscheidung über den vorläufigen Ausgang der Lausanner Konferenz auf der Gegenseite liegt. Der deutsche Standpunkt ist bekannt und deshalb halte der Berliner Aufenthalt de» Reichskanzlers außenpolitisch auch nur den Sinn, daß Herr von Papen seine Kollegen über den Stand der Dinge unterrichtete. Da» Schicksal der Konferenz dagegen liegt bei dem, was her- riot aus pari» mitbringt. Da bie Verhandlungen in Lausanne morgen weilergehen, ist es durchaus möglich, daß die Entscheidung bereits im Laufe des Montag abend oder am Dienstag fällt. Man verrät fein Geheimnis mehr, wenn man hinzufügl, daß die Aussichten nicht sehr günstig beurteilt werden. Die auch die Lausanner Sonderkorrespondenten der Berliner Zeitungen ja bereits andeuten, spricht alle Wahrscheinlichkeit dafür, daß die Konferenz in einer Permanenzerklärung endet, durch die das von der Gläubigermächten gewährte M o - ratorium aufrechterhalten bleibt, wenn auch bereits im Herbst die Möglichkeit eine» neuen endgültigen Arrangements besteht. Soweit innerpolitische Fragen bei dem Berliner Besuch des Reichskanzlers berührt worden find, ist festzustellen, daß für Dienstag mit dem Erlaß der Jlolocrorönung wegen des Uniform-undDemonflrationsoerbols der Länder zu rechnen ist. Bis Dienstag vormittag werden die Antwortcn aller Länder oorliegen und im Anschluß daran wird der Reichsinnenminister dem Reichspräsidenten die Notverordnung unterbreiten. Daß sie kommt, daran ist nach der bayerischen Antwort nicht mehr zu zweifeln. Lcr Reichsinnenminifter dürste in der Kabinettssitzung von Samstag nachmittag auch bereits in diesem Sinne ermächtigt worden fein. Der Notverordnung wird übrigens auch noch eine Durchführungsverordnung angefügt werden, die namentlich an die Bestimmungen des § 4 öer allen Verordnung über Demonstrationen anschließt. Darin war gesagt worden, daß der Reichsinnenminister darüber verfügen kann, ob Versammlungen anzumelden sind. In der Ausführungsverordnung wird der Reichsinnenminister entsprechende Bestimmungen treffen, damit die Polizei die Möglichkeit zu Maßnahmen in der Hand hat, die Zusammenstöße zu verhindern. Im gleichen Sinne werden übrigen» die Länder auch nach der kommenden Notverordnung das Recht zu Versammlungsoerboten haben, wenn die öffentliche Sicherheit und Ordnung dies erforderlich machen. Auch Hern'ot berichtet in Paris. Befriedigung über den Paris. 25. Juni. (WT2.) Ministerpräsident He r r i o t, der hier überraschend zu einer Äa- binettssitzu g eingetroffen war, hat nach dem Ministerrat der Presse Erklärungen abgegeben, in denen es u. a. heißt: Bei der Rachricht. daß die amerikanische Regierung der Abrüstungs- Konferenz ihr Programm unterbreiten wolle, habe er sich über das Schicksal der inzwischen vereinbarten Dersahrensmothode beunruhigt und dies auch der amerikanischen Delegation zum Ausdruck gebracht. Dennoch sei die Botschaft bekanntgegeben worden. Bei genauer Prüfung der Botschaft dürfe man vielleicht feststellen, daß gewisse Bestimmungen mit Rücksicht auf Frankreich darin ausgenommen seien, u. a. die Bestimmungen über die Befestigungsanlagen. Bielleicht habe sich bei der Uebcnrntt- lung auch ein Fehler hinsichtlich der Ziffern eingeschlichen: denn das Dokument schätze die deutschen Streitkräfte auf ICO 000 Mann. Man müsse sich fragen, ob bterre Programm auch die Möglichkeit von Koalitionen berücksichtige. In Lausanne nähmen die Verhandlungen einen wohlgeordneten "Berlauf. Ein großer Gedanke beherrsche die Lausanner Konferenz. Eine europäische Regelung ohne eine u n i v et- felle Regelung sei unmöglich. Gegen- wärtig verhandelten die Franzosen mit den Deutschen. Die gestrigen beiden Zusammenkünfte Verlauf von Lausanne. seien unter sehr befriedigenden Bedingungen abgehalten worden. Beiderseits habe man freimütig seine Ansicht unter Zugrundelegung von Zahlen und Dokumenten ohne die geringste Leidenschaft bargelegt. Heute mühten d i e Sachverständigen die Arbeit fortsehen. Es sei nicht verwehrt, zu hoffen, daß Lausanne nach vielen aufrichtigen Bemühungen eine Kräftigung des Friedens und infolgedessen auch eine Stärkung des Vertrauens bringen werde. Die italienische Tnbutdenkschnst. Lausanne. 25. Juni. (Xi1.) Die Tributdenkschrift der italienischen Regierung, die Grandi dem Präsidenten der Konferenz Macdonald üter- reicht hat. ist jetzt auch den übrigen Abordnungen übermittelt worden. Der wesentliche Inhalt stellt sich folgendermaßen dar. .Die italienische Regierung hält an ihrer bisherigen Auffassung test, daß eine vollständigeStreichung der Tribute erforderlich sei, verlangt jedoch, daß die Vorteile und Opfer, die sich aus einer endgültigen Regelung der Schuldenfrage ergeben, gleichmäßig auf sämtliche Staaten verteilt werden. Sollten den südosteuro- päischenStaaten für den wirtschaftlichen und ftnanziellen Wiederaufbau neue Kredite zur Verfügung gestellt werden, so tonne dies nach der Ausfällung der italienischen Regierung nur unter zwei Bedingungen erfolgen; l .Daß diese Gelder nicht für die Der- zinsungdcr alt cnSdju Iben Verwendung finden; unter diesen Schulden müßte also ein Schlußstrich gemacht werden; 2 . daß diese Gelder nicht für friegeriftbc Rüstungen Verwendung finden, sondern nur dem wirtschaftlichen Wiederau f b a u bienen. Tine bevorzugte Bebandluna ge- wisserStaaten, die die- für sich in Anspruch nehmen, könne nicht zu g e standen werten, da diese Staaten weder weitgehente Auslandsschulden, rwch erhebliche innere Schulden zu verzinsen hätten Die italienische Denkschrift übt sodann scharfe Kritik an einigen von Frankreich vorgebrachten Zahlen, insbesondere an dem berechneten Re11osa 1 do der Tribute, da diese Zahlen von falschen Voraussetzungen auSgehen. Deutsch-italienische Zusammenarbeit in Lausanne. Lausanne, 25. Juni. (XU.) Der italienische Außenminister Grandi stattete heute vormittag dem ReichSaußenminister v Reura 1 h einen längeren Besuch ab. Im Lause dieser Unterredung hat v. Reurath den italienischen Außenminister über den Gang der gestrigen deutsch- sranzösischen Verhandlungen unterrichtet. In dieser Unterredung hat sich von neuem die enge Zusammenarbeit zwischen der deutschen und italienischen Abordnung auf der Lausanner Konserenz bestätigt. Gibson treibt den Hoovervorschlag vorwärts. Genf. 25. Juni. (WTD.) Der amerikanische Hauptdelegierte Gibson hat. um den Hoover- Vorschlag vorwärts zu treiben, nicht bie Wiederaufnahme der privaten Besprechungen zwischen Amerika. England und Frankreich abgetoarkt, sondern hat sich inzwischen mit einer Reihe anderer Staaten in Verbindung gesetzt. Gestern abend sand eine längere Unterredung GibsonS mit Grandi. heute vormittag mit bem italienischen Flott ensachverständigen Rosso statt. Gibson hatte gleichfalls eine Unter- rebung mit dem deutschen Delegierten 5 reibe r r n v. Weizsäcker. Gibson nimmt seine Aufgabe außerordentlich ernst, und man scheint von amerikanischer Seite die Dinge entschloßen vorwärts treiben zu wollen. Das Gteuerprogramm der NGOAP. in Preußen. Mit kommunistischen Aenderungen un Landtag angenommen. Berlin. 25. Juni-. (DDZ.) In der Rachtsihung deS Preußischen Landtages vom 24. jzurn 25. Juni ist der umfangreiche nationalsozialistische Steuerantrag, über den besonders berichtet wurde, angenommen worden einschließlich einiger kommunistischer Aende - r u n g e n. die noch nach^utragen sind. Auf kommunistischen Antrag wurde eingefügt, daß bei der Reichsregierung die Schließung allerBör- s e n zu verlangen sei, um die Spekulativ^ und die Spekulationsgewinne ernstlich zu behindern. Außerdem hatten die Rationalsozialisten neben der Beschlagnahme des Vermögens der O st - j u d e n auch die Beschlagnahme des Vermögender im Tarmat - und Sklarekskandal kompromittierten Persönlichkeiten beantragt, wovon der aus Rationalsozialisten und Kommunisten gebildeten Mehrheit mit dem kommunistischen Zusahantrag angenommen wurde, in gleicher Weise zu verfahren mit den Vermögen der i m Devayeimskandal kompromittierten Personen. Schließlich wurde auf kommunistischen Antrag die von ben Rationalsozialisten geforderte öffentliche Aufforderung an die preußischen Minister, rückwirkend ab l. Januar auf den 12 000 Mark jährlich übersteigenden Teil ihre- Gehalts zu verzichten, ausgedehnt auch auf die R e i ch s m i n i st e r, die also gleichfalls öffentlich durch Anschlag ersucht werden Tollen, in dieser Weise ihr Gehalt zu reduzieren. A b g e l e h n t gegen die Kommunisten wurde aber die kommunistische Forderung, an Stelle des Vermögens der Ostjuden bie Abfindungen und Vermögenswerte ter ehemaligen Fürsten und StandeS- Herren sowie die Vermögen aller Kapitalisten und Großgrundbesitzer ,zu beschlagnahmen". Fortführung der vorstädtischen Kleinsiedlung. Berlin, 25. Juni. (WTV. Amtlich.) Die Reichsregierung hat sich entschlossen, das mit großem Erfolge begonnene Werk der vorftädtischen Kleinsiedlung und Bereitstellung von Kleingärten für Erwerbslose fortzukühren. und hat zu vielem Zweck dem R e i ch S k o m m i s s a r für bie vorftäbtische Klein- sieblung für bas Rechnungsjahr 1932 einen weiteren Betrag von 25 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig hat sie ben Reichskommissar Dr. Saahen beauftragt, sein Amt noch bis zum 31. Juli 1933 weiter z u führen An biefem Zeitpunkte werben die Geschäfte des Reichskommissars aus den Reichsarbeitsminister übergeleitet werden. Hessen und das Ltniformverbot Aeußerungen des Staatspräsidenten Adelung. Darmstadt. 25. Juni. (Lpd.) Nach einer Mitteilung der amtlichen Hessischen Pre^estelle äußerte sich Staatspräsident Dr. Adelung über die innerpolitische Krise u. a. folgendermasten. „In Hessen besteht ein Hniformver- bot nicht mehr. Das Demonstrations- Verbot hat sich mit Rücksicht auf blutige Zu- sammenstöste während der Hessenwahl wieder notwendig gezeigt. Die Befürchtungen die auch die hessische Regierung an die Aufhebung des SA.- und Uniformverbots durch das Reicys- kabinett geknüpft hat. sind leider m Erfüllung gegangen. In der Zeit politischer Siedehitze mustte die Wiederzulassung der verbotenen Parberum- formen natürlich aufreizend wirken und die Zustände noch verschärfen. Ich habe den Eindrucks dast der Herr Reichsminister des 2nnernNch darüber selbst klar ist. welche gefährlichen Wege es darstellt, die Polizeigewalt der Lander cin- zuschränken. dast damit der Schuh von Leben und Gesrmdheit der Bürger beeinträchtigt wurde ich glaube aber, dast das Reichskabinett den Rationalsozialisten gegenüber Bi n du n g e nein- gegangen ist. denen es sich nicht zu entziehen vermag. Der Herr R e i ch s p r ä s i de nt v. Hindenburg hat die Aufhebung des Uniform- und SA.-Berbots an die Boraussetzung geknüpft. dast die Meinungskämpfe sich dann in ruhigeren Bahnen abspielen und Gewalttätigkeiten vermieden wurden Wenn sich feine Erwartungen nicht erfüllen sollten, so sei er entschlossen, gegen Ausschreitungen ieder Art vor - zugehen. Die Erwartungen des Herrn Reichs Präsidenten haben sich, wie vorauszusehen war. nicht erfüllt. Man darf nunmehr erwarten, dast der Herr Reichspräsident, der parteitwlittsch nach keiner Seite hin gebunden ist, die Gefahr erkennt und jetzt seine Mastnahmen trifft." Oie NSDAP. an den hessischen Innenminister. Darmstadt 23. Juni. (WTB.) Der Mhrer der hessischen Nationalsozialisten Gauleiter Lenz hat wegen des erneuten Demonstrationsverbotes in Hessen an den hessischen Innenminister s o = wie an den Reichspräsidenten Emga- spreche durchaus demSinnder letzten Vgtvero r d u n g d e r R e i ch s r eg terung uni> t^r klar erkennbaren Tendenz der Reichspvli» tik die auf Wiederherstellung der poli- ; rSon Freiheit der Staatsbürger gerichtet se5 Die Nationalsozialisten forderten, dast auch die hessische Regierung den aus den Maßnahmen der Reichsregierung erkennbaren Willen der Reichsregierung re s P e k ti e re und ihn nicht durch Maßnahmen sabotiere, die die Ausübung der den Rationalsozialiften wiedergege- benen Staatsbürgerrechte unmöglich mache. Ler Reichspräsident wird um ein unverzügliches Einschreiten gegen die Beschränkung der politischen Freiheit der Rationalsozialisten und zur Verwirklichung der Absichten der Relchsregle- rung auch in Hessen gebeten. Oer Stahlhelm zum Oemonstrations- verbot in Hessen. Der Landesverband Groß-Hessen des „Der Stahlhelm, D. d. F" hat am 24. Juni nachstehendes Schreiben an das hessische M i n i st e r i um des Innern m Darmstadt gerichtet: Auf die Zuschrift vom 17. 6. hat der Landesverband bisher keine Antwort erhalten. Inzwischen hat der Landesverband aus Pressenachrichten von dem neuen D e m o n st r a t i o n s o e r b o t der hessischen Regierung Stenntnis erhalten. Es ist sehr bedauerlich, daß bei dieser Verordnung dem parteipolitisch nicht gebundenen Stahlhelm, der sich ausschließlich der Ertüchtigung und Wehrsportausbildung der Jugend widmet, ni ch t R echnung getragen wurde. — Wenn auch in Kürze mit einer Reichsnotverordnung zu rechnen ist, die dem Stahlhelm die nötiae Bewegungsfreiheit geben wird, so richtet der Landesverband Groß- Hessen nochmals an die hessische Regierung die dringende Bitte den unterstellten Kreisämtern und Polizeidienststellen sofort Anweisung zu geben, daß Aufmärsche des Stahlhelm, verbunden mit Wehrsportübungen, keinerlei einschränken, den Bedingungen unterliegen. Der Landes- führer: gez. Weiße." Deuffchnationale ReichsWemgung. Berlin. 25. Juni. (ERD.) Als Auftakt zum Wahlkampf veranstaltete die Deutschnationale Volkspartei in Berlin eine Reichsführertagung, statt eines Parteitages, der in diesem Jahre ausfallen soll. Der stellvertretende Parteivorsrhende und Vorsitzende der deutschnationalen Landtags- sraktion Dr. v. Winterfeldt, betonte, dast unsere Rot nicht in erster Linie eine Folge der Weltkrise sei. sondern unserer falschen Innen- und Außenpolitik. Deshalb müsse man A b k e h r v o n der Verständigungspolitik m 11 Frankreich und vom Staatssozialismus verlangen. Wenn wir auch manchs gute Wort vom Reichskanzler in Lausanne gehört haben, so waren wir doch tatsächlich niemals voll befriedigt. Er hat zwar Rein gesagt und erklärt, dast Deutschland nicht zahlen könne, aber das Wort, auf das wir warteten, dast wir auch nicht verpflichtet sind, zu zahlen, ist noch nicht gesprochen worden. Wir hoffen, dast diese Regierung noch dazu kommt, außenpolitisch die alten Forderungen zu erfüllen, die wir Deutschnationale immer gestellt haben, den W i - derruf derKriegsschuldlüge und damit die Entziehung des Bodens für den Versailler Vertrag. Don der Abrüstungskonferenz fordern wir die Rückgabe unserer Wehrhoheit. Das neue Kabinett hat zweifellos guten Willen und Männer, die von uns kommen: aber es ist ohne uns gebildet worden und nicht ganz homogen zusammengesetzt, wir haben Zweifel, ob es stark genug sein wird. Der Reichsinnenminister und der Reichsjustizminister haben verfassungsmäßige Bedenken gegen i> ie Einsetzung eines St a a t s k o mm i s s a r s inPreusten. Wie man noch verfassungsmäßige Bedenken haben kann, gegen Preußen einzuschrei- ten, wenn hier täglich auf den Straßen die Toten liegen und Ruhe und Ordnung nicht mehr gewährleistet sind, dafür haben wir kein Verständnis Der Redner schloß mit einem Bekenntnis zur Wiederherstellung der konstitu- tionalenMonarchie. Die austenpolitischen Bemerkungen des Vorsitzenden vertiefte dann Frhr. v. Freytagh- Loringhoven in einem ausführlichen Referat über die Außenpolitik. Einen weiteren Vortrag über die Aufgaben des Staates für die Volksbildung hielt Professor W u n d t (Tübingen). Richt durch Massenbetrieb, sondern nur durch FörderungderPersön- l i ch k e i t forme die Bildung gedeihen. Der Redner setzte sich für entschlossenen AbbaudesDe- rechtigungswesens ein. Schmutz und Schund und alle Erscheinungen des Kulturbolschewismus seien mit wirksamen Mitteln zu bekämpfen, die großen deutschen Bildungsgüter in Religion, Wissenschaft und Kunst zu erhalten. Eine Rede Hugenbergs. Der zweite Tag wurde eingeleitet mit einer 1 programmatischen Ansprache des Parteiführers Dr.Hugenberg, der zu^chst der Erwartung Ausdruck gab, daß durch dle neue eg 1 e* rung im Reiche, die die Deutschnationalen begrüßten, für die sie aber ketne QRtt Verantwortung trügen^ em grundsätzlicher Wandel geschaffen würde. Er warne die Negierung jedoch davor, den richtigen Augenblick ju verpassen, und fordere von ihrs ch a r f e sDu E rgreifen gegen die Widerstände, die sich ihr entgegenstellten. Es bestehe sonst die Gefahr einer Staats- und Präsidentenkrise. Als das Ziel dieses Wahlkampfes bezeichnete Dr. Hugenberg die Schaffung einer nationalen Mehrheit, bei der aber mit allem Rachdruck dafür gesorgt werden müsse, dast die Deutschnationalen in dieser Mehrheit ein starker Faktor seien. Dr. Hugenberg ging dann auf das Verhältnis der Deutschnationalen zu den Rationalsozialisten ein, die durch die gleiche Volksidee verbunden feien; dem Rationalsozialismus fehle allerdings eine klare Staatsidee; er habe noch nicht Stellung genommen zu dem Problem „Republik oder Monarchie", wahrend zu der Haren Staatsidee der Deutschnationalen das Bekenntnis zur monarchischen Staatsform gehöre. Wenn die Deutschnationalen kein starker Faktor würden, bestehe die Gefahr, daß Rationalsozialisten und Zentrum zusammengingen, und dast im Grunde das fortdauern würde, was bisher das deutsche Geistes- und Wirtschaftsleben zugrundegerichtet habe. Ebenso bestehe dann aber auch die andere Gefahr der Alleinherrschaft der Rationalsozialisten. Aufgabe der Deutschnationalen sei es, beide Gefahren zu verhindern. Gegen das Zentrum müsse der Kampf mit besonderer Ent- schiedenheit geführt werden, da ihm in ers.«r Linie die Verantwortung für die ganze Entwicklung zufiele. Als zweiter Redner beschäftigte sich Oberfinanzrat Dr. Bang mit dem Problem der Sozialpolitik. Dr. Bang stellte an den Anfang seiner Ausführungen den Grundsatz: „Zurück vom Sozialismus zum sozialen Gedanken". Pfarrer Wilms sprach über das Thema „Die Kirche im Kampf um die Nation", der Reichsjugendführer Landrat a. D. von Bismarck über „Partei und Jugend", v. Rohr- Demmin über „Wirtschafts- und arbeitspolitische Fragen". Inflationistische Pläne lehnten die Deutsch- nationalen ab. Nur eine gesunde Wirtschaftspolitik ohne Inflation und die Beseitigung jeglichen Sozialismus seien die Mittel, die Arbeitslosigkeit au überwinden. Die wesentliche Sofortmaßnahme sei die Drosselung der agrarischen Einfuhren, für die fast restlos in Deutschland Ersatz vorhanden sei. Wo die Einfuhvdrosselung durch Zölle zur Zeit nicht möglich ist, müsse auf dem Wege der Kontingentierung, Devisenbewirtschaftung und an- derer Maßnahmen für deutsche Waren wirksamer Schutz geschaffen werden. Vizepräsident Graes- Thüringen schloß die Tagung. Oer $al( Bomhard. Metz, 25. Juni. (TA.) Die Verhaftung und Verurteilung des früheren reichsländischen Ober- forstrates vonBomhardzu einem Monat Gefängnis wegen angeblich unerlaubter Einreise in Lothringen findet bei der einheimischen Bevölkerung schärfste Zurückweisung. Die „Lothringer Volkszeitung", das große Metzer katholische Blatt, macht darauf aufmerksam, daß Herr von Bomhard im-Januar 1919 ausgewiesen wurde, zu einer Zeit also, da Elsast- Lothringen völkerrechtlich noch gar nicht z u Frankreich gehörte. Da ihm jetzt vom zuständigen französischen Konsulat d er S-i ch t v e r - merk zur Einreise erteilt worden war, habe er feine Reise im guten Glauben angetreten. Da er auf Anraten seines Verteidigers Berufung eingelegt hat, müsse man hoffen, daß die höhere Instanz den Zwischenfall kurzerhand aus der Welt schaffe. Auch in durchaus französisch eingestellten Kreisen seien „ungemein harte Urteile" über die Tatsache gefällt worden, daß Freiherr von Bomhard bei seiner Vorführung vor Gericht durch Handschellen mit einem bekannten Sparkassenräuber zusammengefesselt war. Von solchen Methoden wende sich das Volk mit Achselzucken ab. Protest der Kriegsbeschädigten. Der Verband der Kb. und Kh. in der Krie- gerkameradschaft „Hassia", Darmstadt, bittet uns, nachstehendes bekannt zu geben: Wegcm Der in der Rotverordnung vom 14. Juni 1932 erneut vorgenommenen Kürzung der Sprechstunde im Llrwaw. Aus den Erlebnissen eines Missionsarztes. - Untersuchung ist wichtiger als Heilung. - Ein König, der nicht lesen kann. Der Missionsarzt Dr. Müller gab im „Deutschen Aerztevereinsblatt" wertvolle Mittckrungen über seine Tätigkeit in Ostafrika. Dreimal die Woche war er in seiner Missionsniederlassung zu sprechen. Je nach der Jahreszeit und den Witterungsverhaltnissen kamen 30 bis 60 Kranke in die Sprechstunde. Der Sitte gemäß werden die schwarzen Patienten mit der landesüblichen Umständlichkeit begrüßt, lange geht das höfliche Fragen nach dem häuslichen und persönlichen Ergehen hin und her. Schließlich muß der Doktor fragen: „W oran st i r b st d u ?", dann erst wird das Leiden, von sehr drastischen Gebärden und Lauten begleitet, aufs umständlichste, aber recht anschaulich erzählt. Jede Bewegung des Arztes bei der Untersuchung wird interessiert verfolgt. Selbst bei einer Beinverletzung muß das Hörrohr in Aktion treten, wenn der Kranke befriedigt sein soll. Nur wenn die erste Untersuchung überaus eingehend ist ist das Vertrauen des Patienten gewonnen. Selbst der ungünstigste Enderfolg wird dann ruhig hingenommen. Den Arzt trifft ja keine Schuld mehr, er hat ja fo schön und gründlich untersucht. Die Eingeborenen sind heute schon so aufgeklärt, daß sie mikroskopische Untersuchungen von Blut und Harn für selbstverständlich halten. Besonders häufig sind auch in Ostafrika, wie bei uns, einfache Erkältungskrankheiten, Bronchialkatarrhe, rheumatische Beschwerden. Viel geklagt wird über Magenstörungen, wohl infolge der Ernährungsweise der Eingeborenen. Malaria und Tuberkulose sieht man gleichfalls häufig. Von besonderer Wichtigkeit ist die Lepra. In Ostafrika kommen noch immer auf 1000 Kranke fünf Aussätzige. Furchtbar ist für unsere Begriffe die Kindersterblichkeit. Die Hälfte aller Kinder sterben durchschnittlich bereits im ersten Lebensjahre. Falsche Ernährung und mangelnde Pflege zusammen mit Malaria dürften die Ursache sein. Ein besonders reiches Arbeitsfeld blüht dem Chirurgen. .. Er hat vernachlässigte Leistenbrüche von marchen- haftem Umfang, alle Arten von Geschwülsten, frhr viel Knocheneiterungen und durch die bekannte Ele- santenkrankheit angeschwollene Körperteile zu be- handeln. Diese Krankheit beruht auf Anschwellungen der Lymphgefäße und vergrößert dadurch die befallenen Körperteile derartig, daß sie, natürlich etwas übertrieben bezeichnet, einen elefantenähnlichen Umfang annehmen. Sehr häufig sind auch die mannigfachen Augen- erkrankungen. Im modernen Afrika braucht auch der schwarze Lehrer ober Schreiber im Alter von 40 bis 50 Jahren seine Lesebrille. Sogar ein schwarzer König kam eines'Tages mit der Bitte um eine solche zum Missionsarzt. Glücklicherweise konnte sein Sekretär dem Arzte noch rechtzeitig ins Ohr flüstern, er dürfe den Hohen Patienten aber nicht mit d e r Lesetafel prüfen, denn der König könne nicht lesen. Man muß sich allerdings bei allen diesen Betrachtungen klarmachen, daß der Neger eine durch und durch religiöse Natur ist und daher nur im Priester- arzt sein Arztideal erblickt. So verbohrt er auch im einzelnen durch Geister- und Aberglauben sein mag, so genau weiß er von dem Unleugbaren Zusammenhang von Leib und Seele. Korellenwetier. Don Ernst Rader. Am letzten Freitag traf ich meinen Freund Albert. „Was machst du immer?", fragte ich, „man sieht dich gar ja gar nicht mehr am Stammtisch!" „Mir sind diese ewigen Saufereien zuwider", sagte er. „Man hat nichts davon, als am andern Tag einen blöden Kopf. Und außerdem fetzt man Fett an und verkalkt allmählich. Du dürftest auch etwas für deine Gesundheit tun, mein Lieber; du hast den Winter mindestens zwanzig Pfund zugenommen." „Was tust du denn für deine Gesundheit?" fragte ich interessiert. „Ich? Ich treibe Angelsport." „Nanu? Da wird man ja noch dicker!" „Ja, wie du das verstehst: am Ufer hocken, die Strippe ins Wasser hängen und den Wurm haben. Nein, mein Lieber: ich sagte Angelsport! Das ist was anberes. Ich habe ba braußen bei Hinterniederweilerbach einen Forellenbach gepachtet — weißt du was: komm morgen mit hinaus! Abfahrt ein Uhr dreißig. Für Verpflegung und Schlafgelegenheit ist gesorgt — es wird dir sehr gut tun, einmal anderthalb Tage im Freien zuzubringen." Ich war sehr neugierig. Um ein Uhr zwanzig war ich auf dem Bahnhof, um ein Uhr achtundzwanzig erschien Freund Albert in voller Kriegsausrüstung und um ein Uhr dreißig fuhren wir los. Wir stiegen dreimal um, fuhren vier Stunden und während dieser vier Stunden hielt mir Albert einen sehr interessanten Vortrag über Sportfischerei im allgemeinen und Forellenfischerei im besonderen. Es war viel von künstlichen Fliegen die Rede, die fast jede Woche an- ders aussehen müssen, weil die Forelle sich genau nach dem Kalender richtet und am 14. Juli das Insekt, das sie am 13. noch mit Behagen gefressen hat, aufs tiefste verachtet. Es war von gesplißten Gerten die Rede und von Rollen und Seidenschnur und Seidenwurmdarm, und vor allem davon, daß man beim Forellenangeln ständig in Bewegung sein müsse was insbesondere der Gesundheit zuträglich sei Ich habe nicht alles behalten können, weil ein zu großes Gedränge in den Wagen war und die Säuglinge zu laut schrien, aber es war außerordentlich interessant und bildend. Als wir endlich ausftiegen, hatten wir noch anderthalb Stunden zu gehen. Ich durfte Alberts Rucksack und Wasserstiefeln tragen, weil ich doch abmagern sollte. Rucksack, wenn er schwer bepackt ist und Wasserstiefeln find schweißtreibend. „Natur- lief) geht es heute noch an den Bach", sagte Albert auf meine Frage. „Am Abend ist die beste Zeit auf Forellen. Gerade an solchen warmen Abenden wie heute habe ich meine besten Resultate erzielt!" Ich freute mich herzlich daraus, denn da war doch Aussicht, daß ich wenigstens die Wasserstiefel losbekam; die mußte Albert zum Angeln natürlich anziehen. Kurz nach sechs Uhr trafen wir in Hinterniederweilerbach ein. Ein nettes Dorf, muß ich sagen, und ein nettes Wirtshaus. Besonders, wenn man anderthalb Stunden auf der staubigen Landstraße gegangen ist. „Du wirst müde sein", sagte Albert als wir im Wirtshaus gelandet waren. „Ich bin kein Unmensch. Rasten wir eine halbe Stunde. Die Forellen laufen mir nicht weg. Außerdem haben wir heute Vollmond, und bei Vollmond erziele ich immer meine besten Resultate." Wir rasteten also „eine halbe Stunde". Wir saßen sehr hübsch auf einer überdachten Veranda, und der Wein, den der Wirt von Hinterniederweilbach ausschenkte, war ausgezeichnet. Und die Wurst delikat. Albert traf auch gleich einen Bekannten, einen Mann mit einem riesigen Vollbart, den er mir als den Herrn Oberförster vorftellte. Nach einer Viertelstunde waren wir bereits in der besten Unterhaltung, das beißt, wir spielten Skat: der Dberförfter, der Wirt, Albert und ich. Ich hatte zwar erst Bedenken wegen der Forellen, aber Albert meinte, am Abend sei es doch nichts rechtes, aber morgen in aller Frühe, da ginge es los. In der Frühe, da hätte er immer die besten Resultate gehabt. Gegen ein Uhr gingen wir schlafen, weil der Oberförster nach Hause gehen mußte. Ich hatte ein kleines Mansardenzimmer, und unter dem Fenster ein großes Froschkonzert. Frösche sind ekelhaft, wenn sie quaken. Und sie quaken immer, denn seit der selige Aristophanes eine Komödie über sie geschrieben hat, sind sie riesig eingebildet und halten sich für die besten Sänger der Welt. Manche unter ihnen sogar für Tenöre. Aber schließlich kann man auch bei einem Froschkonzert einschlafen, und ich tat es. Albert hatte mir als wir uns trennten, mitgeteilt, er würde beim ersten Morgengrauen an meiner Türe klopfen. Als ich erwachte, weil die Hühner einen furchtbaren Spektakel machten, war es neun Uhr. Ich war sehr ärgerlich. Run hatte ich richtig das Klopsen nicht gehört, und Albert erzielte seine besten Resultate ohne mich. Aber auch der verärgerte Mensch muß frühstücken, und als ich mich über die Butter und die Eier und den Schinken hermachte, erfuhr ich, daß Albert keineswegs beim ersten Morgengrauen zum Angeln ausgezogen war, sondern noch ruhig und friedsam in den Federn liege. Hm zehn Hhr kam er denn auch. Etwas mißgelaunt, wie mir schien. Er sah zunächst einmal nach dem Wetter und nach der Wetterfahne auf dem benachbarten Kirchturm. „Richts versäumt!" sagte er bann. „Keine Wolke am Himmel, Ostwind — da beißt keine Forelle. Ra — mittags wenn es erst wieder ordentlich heiß ist, läßt sich das leicht einbringen, was in der Früh' versäumt wurde. Mittags, gerade bei der größten Hitze, habe ich immer meine besten Resultate erzielt." Wir frühstückten also bis zum Mittagessen, wobei ich wieder eine Vorlesung über Forellenangeln erhielt, eine interessante Vorlesung, die der Wirt noch aus dem reichen Bom seiner Erfahrungen ergänzte. Als wir eben aufbrechen wollten, um an den Bach zu gehen, kam der Oberförster. Rach einer halben Stunde sahen wir wieder beim Skat. Albert verschob das Angeln auf den Rachmittag — vielleicht kam ein Gewitter, und beim aufziehenden Gewitter hatte er immer die besten Resultate erzielt. Hm sieben Hhr mußten wir aufbrechen zur Dahn. Der Wirt brachte gerade, als wir uns zusammenrichteten, in einem Korb ein hübsches Dutzend Forellen, die sein Junge für Albert gefangen hatte. Schöne Forellen. „Erzielst du deine besten Resultate immer um diese Zeit?" fragte ich Albert. Er sah mich wütend an; der Oberförster feixte, der Wirt lachte, während er die Forellen in den Rucksack Alberts packte. Ich durfte wieder Rucksack und Wasserstiefel anderthalb Stunden tragen, und wir waren rechtschaffen müde, als wir die vier Stunden stehend in den verschiedenen Zügen zugebracht Hattern die uns und eine Menschenmenge, die an die Völkerwanderung erinnerte, nach Hause beförderten. Ich fand, daß Albert recht hatte, und daß der Angelsport anstrengend sei. Ob aber auch gesund? Heute lief mir Albert in die Hände. Er sah nicht gut aus, hatte ein blaues Auge und einige merkwürdige Schrammen im Gesicht. „Warst du auch mit in dem Komplott?", knurrte er mich an. »In welchem Komplott?" „Ra, stell' dich nur nicht so unschuldig! Du hast doch den Rucksack auf dem ganzen Rückweg getragen!“ „Allerdings. Aber — ich verstehe dich nicht! War etwas mit dem Rucksack?" „Natürlich war etwas mit dem Rucksack! Die Halunken in Hinterniederweilerbach haben mir statt der Forellen grüne Heringe eingepackt. Ra — du kennst ja meine holde Gattin! Wie sie diese „Forellen" ausgepackt hat — ich danke! Dabei hat mir der Gauner, der Wirt, zehn Mark für seine stinkenden Heringe abgenommen! Hast du denn wirklich nichts gerochen?" Rein. Ich hatte wahrhaftig nichts gerochen. Aber vom Angelsport habe ich trotzdem die Nase voll. Ein einträgliches Röntgenbild. In der Zeit der Hochkonjunktur für Schotten- Witze ist die Geschichte von dem Schotten allgemein bekannt, der immer eine Fliege bei sich hatte. Er geht in ein Restaurant, bestellt sich Bier, trinkt es leer bis zur Reige und läßt in den Rest die Fliege fallen. Dann ruft er entrüstet den Kellner, der, wenn er die Fliege im Bier sicht, sofort das Glas nimmt, um ein frisch gefülltes mit vielen Entschuldigungen zurückzubringen. Dieser Trick genügt eben nur einem Schotten. Die Amerikaner legen für solche Dinge einen ganz anderen Maßstab an. In Ghikago hatte ein Mann namens Bodin in einem Restaurant mit dem Essen eine Küchenschabe verschluckt. Er ging darauf sofort zum Arzt und lieh sich von feinem Magen eine Röntgenaufnahme machen, auf ber man ganz verschwommen die Hmrisse einer Schabe erkennen konnte. Jetzt beschloß Do- din, sich in allen Restaurants von Ehikago ein Vermögen zusammenzuessen. Täglich ging er in ein anderes Restaurant, um zu speisen. Rach Beendigung der Mahlzeit schlug er regelmäßig Lärm und behauptete, eine Küchenschabe verschluckt zu haben. Entrüstet wiesen die Gastwirte diese Behauptung zurück und der Gast stand auf vom Tisch und ging zum Richter, wo er auf Schadensersatz klagte und zum Beweis für seine Behauptung das Röntgenbild vorlegte. Die Wirte ließen es meist nicht auf ein Urteil ankommen, sondern zahlten freiwillig einen Betrag, damit die verschluckte Schabe auch verdaut werden könne. Als endlich ein Restaurateur eine genaue polizeiliche Untersuchung durchsetzte und der Trick aufgeklärt wurde, hatte Bodin schon rund tausend Dollar verdient. Sehen Sie. das ist ein Geschäft. xSK ÄS' Versorgtv —• **■** ELs ?,n- inunfl betrug NU teiligun» 5ta SS„°S7- i»ng W -erM Hie jforW«“! ras loar eine srvhgc b'elen.Seefahrer am tzopag-SchnelldamPscr Ä>o des Kap'tans srs* ädeS Frauenverem Kutsche über See uni oon Srau Pros. Z v laufe des.Bordfestes iu vertiefen und Geldi die Tetreuungsarbeit an den deutschen Bold nis: zu!.: völlig geb des .Lchislszahlmeist ncrs, den Zeitverhäll digcnd. Lchisssbaumeifter L nifigen als Dühnenan ters in reichem Ausmc nutzbar gemacht. Da gedehntes Hauptdeck mafl in der Mitte, 1 reichem Dimpelschm: hübschem Ausguck, d öchisssapotheke, ein Kombüsen, 2>erfaufßl /Mnc&a"-QHöglk&fei .Betrieb" herrschte ga lungsreichen .Seesahi kchisssglocke undAebe er auf die Kommando .Fahrt" an, sachgemc rhrlicher Käpten", im neue .Rakete" oder „ Programm los. Die ,[ bekamen zunächst eint eines hübschen Prolog Krapps' ju hören, ztrrier kleiner .Chines ifoa" als Sängerin zu Tanzgruppen zu be .Mannschaft" des zu beobachten. Frau Q H-fahrt" als Sänge Hub zu hi das.Seefahrervvlf' s duzieren; daneben gin ft den Kombüsen unk mit Kurzweil.an Dord' e ünö dös «Maring waren, der üblichen Wn. Dafür gab es i SV* * cjppta Sabtf X-Wunbb’„ 6 sie ® r a e f. wichtiges ädigten. m drr Ärie. iQ"> $oyn- bekannt zu ge- ■rorihiung front >«n Kürzung bet fefrs und ^nvber. in fr *Hb i?äL*« d b-i . 1,19 au«, da Slsgh. Q* "id)t >u 'N«m u" ’Miott. d-b-« frsDeru. W dah bie iuhnhand m -glauben sein mag, j'baten Zusammen' itbfld) haben mit gc elngepa-kt. M ltin! Diesiedick banke! 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Wir protestieren deshalb gegen die neuen Sparmaßnahmen unb verlangen, bah derjenige, der Volk unb Vaterland 3ahre hindurch erfolgreich mit bet Waffe in bet Hand vor bem Vernichtung-Willen zahlen mäßig weit überlegener Feinbe geschuht hat unb hierbei körperlich zu Schaden gekommen ist, von ber Gesamtheit be« Volke« nicht einfach al« hilfsbebürftiger Volksgenosse betrachtet werben darf fonbem einen unantastbaren Anspruch auf eine Sonderstellung hat. Wir müssen von ber Reich-regierung die alSbalbiae 3n- angriffnahme von Maßnahmen fordern, die ge- rignet sind, unter grundsätzlicher Anerkennung Mete« Standpunktes eine gerechte unb au«reichende Versorgung wiederherzustellen." Amtstagswahl in Mecklenburg. Schwerin, 26.3uni (WTB.) Die heute ftatt- rosundene Wohl zum Amtstag in Schönberg atte folgendes Ergebnis: Sozialdemokraten 1523 (bei der letzten Landtag-Wahl am 13. März 1932: 2152), Rationalsozialisten 1725 (1790), Bauernverein sDeutschnationale) 754 (147z), die Wahlbeteiligung betrug nur 56 v. H. — Die Wahlen »um Amtstag in Stargard hatten folgende« Ergebnis: Sozialdemokraten 1604 (2039), Ratio- nalsozialisten 2528 (2158), Deutfchnationale 1226 (3711), Kommunisten 311 (579). Die Wahlbeteiligung betrug 55 v. H. Aus der Provinzialhaupistadt. Gießen, den 26. 3uli 1932. Bordfest auf dem ,Wadai^. Da« war eine frohgestimmte .Seefahrt", die die dielen .Seefahrer" am Samstagabend mit bem Hapag-Ochnelldampfcr .Wadai" unter bem Ko- manbo des Kapitäns Hub machten. Zeit unb Ortsbestimmung dieser Fahrt: Ab 20 Uhr Cie* bigshöye, Ende ??? Reederei: Ortsgruppe Gießen beS FrauenvereinS vom Roten Kreuz für Deutsche über Lee unter dem Generaldirektorium von Frau Pros. Zwick. Reisezweck: 3m Verlause de« .Dorbsestes" Sympathien zu wecken unb zu vertiefen unb Gelbmittei flüssig zu machen für Die Betreuungsarbeit ber Gießener Ortsgruppe an ben deutschen Volksgenossen über See. Ergebnis: zu 1.: völlig gelungen, za 2.: nach Angabe des .Schiffszahlmeisters" unb OrtSgruppenrech- ncr-, den Zeitverhältnissen entsprechenb befrie* bigenb. Lchifssbaumeister Löffler hatte seine Erfahrungen als Dühnenangestellter unseres Stabtthca- ters in reichem AuSmaß für den Dau deS .Wadai" nutzbar gemacht. Da waren vorhanden: ein ausgedehntes Hauptdeck mit einem gehörigen GchifsS- maft in der Mitte, eine vielseitige Takelage mit reichem Wimpelschmuck, ein Zwischendeck mit hübschem Ausguck, die Drücke deS Kapitän«, die Schiffsapotheke, eine Rettungsstation, diverse Kombüsen, Verkaufskajüten usw. ufto. kurzum .BetriebS"-Möglichkeiten vielseitigster Art. Unb .Betrieb" herrschte gar bald bei dieser abwechselungsreichen .Seefahrt". Kapitän Hub lieh Schifssalocke und Rebelsirene ertönen, bann flitzte er auf die Kommandobrücke und gab die jeweilige .Fahrt" an, sachgemäß und schnurrig alS .oller ehrlicher Käpten", und dann ging jedeSmal eine neue .Rakete" ober .Kanone" in dem Bordfest- Programm los. Die .lieben Seefahrer" deS Käptn bekamen zunächst eine Fahrtübersicht in Gestalt eines hübschen Prologs (Verfasser Professor R. T r a p p) zu hören, barm einen hübschen Tanz zweier kleiner .Chinesen" zu sehen, eine . Fi'.m- biva" alS Sängerin zu hören, .Farmerkinder" in Tanzgruppen zu bewundern, die Matrvsen- .Mannschaft" des .Wadai" beim SeemannStanz zu beobachten. Frau Gertrud Wehl auf dieser .Seefahrt" als Sängerin, fobann im Duett mit .Kapitän" Hub zu hören, schließlich konnte sich das .©eefabrerooir selbst im Preistanzen produzieren: daneben ging ber übrige Dordbetrieb vor ben Kombüsen unb Kajüten, sowie auf dem Hauptdeck vor sich, mit einem Wort: eS herrschte Kurzweil .an Bord', es war .Betrieb", es wurde .umgesetzt". Unb bas alles zu Preisen, die erstaunlich gering waren, in keinem Falle über die Grenze der üblichen Gaststättenpreise hinaus- gingen. Dafür gab es viele gute, schöne und an- genehme Sachen, was das Herz begehrte. Obendrein war auch Fortuna in einer Tombola mit .auf der großen Fahrt", man hatte eben seitens der.Reederei" und der.Schifssleitung" für alle« gesorgt, sogar für Blumenmädchen mit Rosen. Daher ist e« auch zu verstehen, dah man auf bem .Wadai" eine angenehme unb unterhaltende Fahrt hatte, bie weit über den .Aequator" der Rächt hinaus anbauerte und erst am hellen Frühmorgen um ? ? ? Uhr ihr Ende fand. Ein schöner Erfolg der Veranstalteri Schwerer Verlehrsunfall. Gestern gegen 20 Uhr ereignete sich in der Licher Straße an der Ueberführung der Bahnstrecke Dießen-Fulda über bie Lanbstraße ein schwerer A u t v b u s u n f a l l. Der Autobus eines Händlers aus Garbcnheirn, der 21 Mann eines Sportvereins von Garbenheim von einem Handballspiel in Lich Heimbringen wollte, näherte sich der Bahnüberführung, als im gleichen Augenblick ganz überraschend der 10 3ahre alte Werner Jahre- auf einem Fahrrad aus dem Alten Anneröder Weg herausgesahren kam und unmittelbar vor das Auto geriet. Um das ^rwnicht ju überfahren, ritz der Autoführer den Wagen -ur Seite, jedoch tarn der 3unge auf den Kotflügel zu liegen und das Auto sauste gegen den Cisenbahnschrankenbock, an den es mit erheblicher Wucht anprallte Während ber 3unge durch dielen Anprall vom Kotflügel heruntersiel, aber jum Glück unverletzt blieb, kamen die Autc^ insassen Übel davon. Der Autolenker blieb gleichfalls unversehrt, obwohl bie Schutzstange Des Wagens eingedrückt, die Motorhaube zertrümmert wurde unb ber Führersitz nach vorne heruntersturue, wobei bie Windschutzscheibe in Scherben ging. 4Ja* gegen wurden bie Fahrgäste heftig burdjeinanber- geworfen, wobei es fünf Verletzte gab. Die De* bauernswerten Leute erlitten zum Schnittwunden durch bie zertrümmerte Windschutz^ scheibe dzw. trugen sie Prellungen am JKirper oa- ,con, einer soll sogar mehrere Rippenbruche bavon- getragen haben, jedenfalls mußte dieses Opfer oes Unfalles nach ber Chirurgischen Klinik gebracht werden. Die übrigen Verletzten erfuhren von einem Mitglied der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz die erste Hilfe. Die Leute wurden dabei so ausreichend versehen, daß sie mit ber Straßenbahn zum Bahnhof fahren und sich von dort aus mit dem Zuge nach Hause begeben konnten. • ** Rückkehr in die Garnison. Heute, Montag, um 1453 Uhr trifft unter Bataillon vom Truppenübungsplatz Ohrdruf kommend — wie am Samstag schon erwähnt — auf dem hiesigen Bahnhof wieder ein. •• Siebenschläfert a a Alte Ueberliefe- rung nennt den 27.3uni .Siebenschläfer", auch ^Siebenschläsertag" Rach der Legend« wurden zu EphesuS sieben christliche 3ünglinge, die nach dem Bekenntnis ihre« Glauben« in eine Höhle flüchteten, von den Heiden dort eingemauert. 200 3ahre später sollen sie, durch einen Zufall befreit und ton ihrem todähnlichen Schlaf wieder erwacht, vor ben Kaiser TheodosiuS II. geführt worden fein. Dabei hätten fit den Glauben an die Auferstehung de« Fleische« laut und überzeugend bekannt. Da« Landvolk sagt vom Siebenschläfertag. .Regnet eS am Siebenschläfertag. sieben Wochen lang cS regnen mag.“ Daher auch die Regel. .Regen am Siebenschläfer ist von Unfegcn.“ Da nach langem Regen das Getreide gern fällt, lautet ein andere« alte« Bauemsprüchlein: .Sind bie Siebenschläfer regnerische Brüder, werfen sie da« Getreide nieder." Ein schöner Siebenschiäsertag wird al« gute« Erntevorzeichen gedeutet. .Siebenschläfer im Sonnenschein, verspricht viel Korn, viel Obst und Wein." •* (Ein „Deutsches Marschlieb" für bas Sängerbunbcsfeft. Der Festausschuß für bas XI. Deutsche Sängerdundessest in Frankfurt a. M. Hai die Marschkomposttion des Frankfurter Komponisten Max Dillinger, betitelt „Deutsches 6än- aermarichlieb" (Dörte von Franz R Geiß (Frankfurt a. Ti) als offiziellen Festtnasich für das 6än- gerdunbessest bestimmt. Das „Sangermarschlied wirb u. a. im Fcstzug von 25 Kapellen gespielt. *• Erbdeerbiedstahl. Die die Polizei mit- teilt, würbe in der Nacht zum Sonntag in einem Gartengrundstück am Dartweg ein Einbruch oer- übt, bet dem es die Töter auf die reifen unb wun- berschönen Erdbeeren abgesehen hatten. Dährend bie Einbringlinge in ben (Erbbeerbeeten beim Diebstahl beschäftigt waren, kam eine Polizeistreife auf bem Fahrrab vorbei, die sofort gegen bie Spitzbuben oorging. Die Töter rissen aber aus, so dah die Polizeibeamten, um die Flüchtenden zum Stehen zu bringen, einige Schreckschüsse abgaben. Einer von den (Einbringungen blieb daraufhin stehen und gab auch die Namen seiner Mittäter an. Gestern vormittag hatten sich daraufhin 6 Personen als Töter auf bem Polizeiamt zur ersten Vernehmung einzu- finden. Es handelt steh um 6 Kommunisten, die in Gemeinschaft mit Parteigängern In der Nacht bei jklein-Linden an einer Urbunfl teilgenommen hatten unb dann auf dem Rückwege die schon am Nachmittag in Augenschein genommenen Erdbeeren mit ihrem Besuche „beehrten". (Ein gerichtliches Nachspiel wird den latent zeigen, daß die Erdbeeren teuer sind. •• M i t bem Fahrrab geftürjt In ber Nacht zum Sonntag kam ber auf seinem Fahrrab ben Seltersweg passierende Ferdinand Möser aus Holzheim so unglücklich zum Sturz, dah er einen Unterschenkelbruch daoontrug. Der bedauernswerte Mann wurde von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz ber Chirurgischen Klinik zugeführt. Slraßenbahnerweitemng nach Meselk. Ein Projekt, bas schon seit vielen Jahren erstrebt wird, bisher aber immer an mancherlei Diderstän- den scheiterte, kann nunmehr verwirklicht werden: die Erweiterung der Gießener Straßenbahn nach Wieseck. Wie bekannt, wurde Ende Februar d. I. zwischen der Reichspost- Verwaltung und ber Gießener Stadtverwaltung ein Vertrag geschlossen, nach bem die Stabt Gießen ihren Einspruch aegen den Betrieb der Kraftomnibuslinie Gießen—Wieseck auf ber Strecke Walltor—Bahnhof zurückzog und sich damit einverstanbcn erklärte, baß die Reichspost bie Omnibuslinie Gießen—wieseck so lange betreibe, bis die Stabt Gießen die elektrische Straßenbahn nach Iviescck in Betrieb * nehme. Don bem Zeitpuntt ab, an bem die Stadt Gießen die Elektrische nach Wieseck gebaut habe, soll nach der vertraglichen Mmachuna die Reichspost ihren Kraftomnibusbetrieb nach Wieseck ftillegen. Wir haben daraufhin in einem Artikel in Rr. 61 des „Gießener Anzeiger" vom 12. März ber Stadtverwaltung dringend nahe gelegt, die Straßenbahn sobald wie möglich nach Wieseck zu erweitern, damit der Krastomnibusbetrieb der Reichspost durch unsere Stadt, bei dem die Straßen ohne jegliche Gegen- (eiftung der Post allmählich in Grund unb Boden gefahren würden, eingestellt werde. Die Stadtverwaltung hat nach eingehender Prüfung ber Sach- laae die von uns vorgebrachten Gründe sich ebenfalls zu eigen gemacht und daraufhin bei der Regierung die Konzession für bie Erweiterung ber Straßenbahnlinie nach Wieseck nachgesucht. Wie mir von gut unterrichteter Seite hören, ist die Konzessionsurkunde, bie bet Stadi Gießen das Recht zur Strahenbahnerwelterung bis an die Gießener Gemarkungsgrenze unmittelbar vor Mief eck erteilt, am Samstag bei ber Gießener Stadtverwaltung tingegangen. Damit ist bie rechtlich« Seite be« Strahenbahn- erweiterungsprojekt« zur Zusriebenheit bet Stadt erledigt. Die für den Erweiterungsbau erforderlichen Mittel formen au« der Detried«rück- lage entnommen werden, so daß auch nach bie» fer Richtung hin für bie al«balbige 3n- angriffnahme be« Baue« keine Schwierigkeiten mehr vorhanben sein werden. Dazu kommt, bah durch die Verwirklichung diese« Projekts in kurzer Zeit Arbeitsmöglichkeii für eine ganze Anzahl Leute geschaffen werden kann. ES wäre zu begrüßen, wenn die Stadtverwaltung unb bet Stad trat nun so schnell wie möglich zur Tat schreiten würben! Das oberhessische Lhemische MersachuWSaml im Jahre 1931. NahrungSmitteluntersuchung im Dienste der Volksgesundheit. Da« Chemische Untersuchung« amt ber Provinz Oberhessen teilt in dem Bericht über seine Tätigkeit im 3ahre 1931, ber am Mittwoch bem Provinzialtag unterbreitet wurde, u. a. folgendes mit: __ Die Tätigkeit be« älntersuchungsamteS erstreckt sich auf die amtliche Lebensmittelkontrolle in ben Städten Gießen. Friedberg, Bad-Rauheun unb in ben Landkreisen Alsfeld. Büdingen. Friedberg. Gießen. Lauterbach und Schotten. Außerdem werden für bie Zollämter die AuSland-weine mtf> bie Dergällungsmittel untersucht, sowie wr Behörden unb Private Untersuchungen angestellt. 3m Verlauf dieser Tätigkeit wurden im vergangenen Jahre 3662 Untersuchungen (im Vorjahre 3098) ansgeführt. Diese Untersuchungen verteilen sich auf 3548 Proben von Rahrungs- und Denußmitteln sowie Gebrauch-gegenstände mit 254 Beanstandungen, sowie auf 77 hygienische, physiologisch-chemische Untersuchungen unb auf 37 technische Untersuchungen. Bei den 3662 Proben ergaben sich insgesamt 254 Beanstandungen. 3n Verbindung nut ben Unter- suchungen würben viele kleinere und 62 ausführliche Gutachten abgegeben. 3n 8 Fällen mußte der Direktor des Amte- al« Sachverständiger vor Gericht tätig sein. Die Art und bie Zahl ber Untersuchungen der Nahrungs- und Genuhmittel ist aus folgendem erlichtlich (bie Zahl der Beanstandungen ist jeweils in Klammer beigefügt): Mehl, Barf- und Teigwaren 111 (18); Konditorei waren, Fruchtsäfte, Ob ft- und Obstkonserven 103 (44); Zucker, Sirup, Honig 2 (—); Durst- und Fleischwaren 190 (10); Milch- und Milchkonseroen 2373 (88); Butter unb Käse 100 (14); Margarine, sonstige Fette und Oele 11 (1); Wein unb Obstwein 16 (3); Bier und Branntwein 121 (33); Kaffee, Tee, Kakao, Schokolade 10 (1); Wasser und Mineralwasser 408 (24); Essig, Gewürze, Spezereien 92 (15); ®e- brauchsgegenstände 11 (3). dn ber Summe ergibt sich hieraus die Zahl von 3548 Untersuchungen und 254 Beanstandungen. Neben diesen Untersuchungen der Nahrungs- und Genuhmittel, sowie der Gebrauihsgegenstönde wurden die bereits erwähnten 77 bzw. 73 Prü- Hindenburg zieht um. Das präsidenienpalais muß renoviert werden. — Notquariier bei Bismarck. Auch die Schlösser find nicht für die Ewigkeit gebaut unb bie Klagen über ben zunehmenden Zerfall ber Mietshäuser, der bie Folge ber wirtschaftlichen Verhältnisse ist, beschränken sich nicht auf ben privaten HauSbesih, fonbem auch fül viele staatliche Gebäube läßt sich eine burchgrei- sende Renovierung nicht mehr länger hinauS- schieben. DaS Palai« in der Wilhelmstrahe, bas ber Reich-Präsident bewohnt, ist bringend renovierungsbebürftig. Das Gebälk ist vermorscht, der Dachstuhl muh abgerissen und durch einen neuen Oberbau ersetzt werden. Das Drä- sidentenpalai» ist 1734 erbaut. Die Fachleute rechnen mit der Möglichkeit, daß sich während des Umbau- noch ttesergehende Mängel zeigen werden, die ausgebessert werden müssen, um das Gebäude erhalten zu können. Ein durchgreifender Umbau des Gebäude- — Holzkonstruktionen sollen durch Eisenkonstruktionen ersetzt werden — macht es natürlich zur Unmöglichkeit, daß der Herr Reichspräsident während des Umbaus darin wohnen bleibt. Die Ruhe deS greisen Präsidenten, sowie die Abwicklung der Dienstgeschäfte werden ständig gestört. Der Reichspräsident hat fich daher entschlossen, umau- ziehen. Er wird in ber alten Reichskanzlei Wohnung nehmen unb bie sogenannten Kanzlerräuine beziehen, bie burch Bismarck historische Debeutung gewonnen haben. Das neue | Quartier enthält zwölf Räume. Acht Zimmer I liegen im Obergeschoß, vier im sogenannten Gar- । tengeschoß. Der Umzug de- Reich-Präsidenten soll Anfang 3uli erfolgen. Die Räume ber alten Reichskanzlei wurden gewählt, um bie gerade jetzt dringend notwendige enge Zusammenarbeit mit der Reichsregierung durch räumliche Entfernung nicht zu gefährden. Außerdem mußte auch auf die Gewohnheiten be« Herrn Reich-Präsidenten Rücksicht genommen werben, denn Herr von Hindenburg hängt sehr an seinem Garten, wo ihm jeder Strauch vertraut geworden ist. Er kann ihn von seiner neuen Wohnung au« auf seinem täglichen vpaziergana bequem erreichen, braucht seinen Weg nur durch ben Garten be« Auswärtigen Amts zu nehmen. Für bie Liebe, die ber ReichSpräsibent für seinen Garten empfindet, ist folgender Umstand charakteristisch. Wenn er auf feinem Spaziergang an heißen Dornmertagen eine trockene Stelle entdeckt, bann macht er mit bem Stock ein Kreuz. Der Gärtner weih bann, baß die dort stehenden Pflanzen begossen werden müssen. Ratürlich ist die neue Wohnung nur ein Rotquartier, man rechnet, daß der Umbau des Reichspräsibentenpalai« sechs bi« acht Monate dauern wird. Wahrscheinlich wird bet ReichS- präsibent im nächsten Monat nach Reu deck fahren und dort den Sommerurlaub verbringen. Da« Geld für den Umbau de« PalaiS wird erst durch den neuen Haushalt angeforbert Mit dem Bau kann erst begonnen werden, wenn die erste Rate bewilligt ist. hingen der verschiedensten Dinge rrorgenommeiu 3n einem besonderen Teile des Berich:» werden die Gründe der verschiedenen Beanstandungen näher erläutert Den Ausführungen sei bas wesent» ttchste entnommen: Bel ber Untersuchung von Brot, Mehl unb T t i pro a r e n wurden Roggenmehle, die entgegen ben Vorschriften des Brotgesetzcs über 60 v. H. autgemabkn waren, beanstandet. Dersch.cdenllich mußte Gebäck, das deutlich al» Buttergebarfenes bezeichnet worden war, beanstandet werden, da nicht reines Butterfett, sondern Margarine ober Mischungen von Butter und Margarine Verwendung fanden. Besondere Aufmerksamkeit wandte man der Besoffenheit pc, Speise-Eise» zu. E» mußt» feftgeslellt werden, daß e» sich meist um ganz minderwertige Erzeugnisse handelte, zu deren Herstel- luna nur Eispulver verwendet wurde. Einige Eis- proven mußten beanstandet werden, well sie Kupfer enthielten, das von den Kesteln stammte, deren Verzinnung schadhaft war. Wiederholt mußte bei der Untersuchung von Fleisch - und Dur st waren die Verwenduna von Stärkemehl beanstandet werden. Zn verschiedenen Fleischwürsten, die unter Ber- Wendung von Salpeter oder Pökelsalz hergestellt waren, wurde ein verhältnismäßig hoher Gehalt von Nitriten festgestellt. Die in Berkehr kommenden Pökel- und ^cwürzsalze entsprachen vielfach nicht den gesetzlichen Bestimmungen. Bei ben untersuchten 2373 Milchproben handelte e« sich um Vorzugsmilch, Vollmilch, Magermilch unb Buttermilch. Außerdem wurden füt Molkereien 18 596 Milchfettibestimmungen au«* geführt. Beanstandungen erfolgten in 88 Fällen, unb zwar wegen Wasserzusatze« in 63. wegen, Fettentzug« In 4, wegen Schmutzgehalte« in 1 unb wegen anormaler Beschaffenheit in 20 Fällen, Gegenüber dem Vorjahre ist eine ganz wesentliche Besserung im Milchoerkehr zu verzeichnen. Die veanstflndungszlffer der £leferproben Ist von 8,5 Prozent im Vorjahre auf 3,9 Prozent im Berichtsjahre jurürfgegangen. vor allem Haden die Verfälschungen der Milch durch Jettentzug abgenommen. Der durchschnittliche Fetgehalt ber in den Tkr» kehr kommenden Milch betrug 3,8 Prozent, gegenüber 3,6 Prozent im Vorjahre. Die bei den Molkereien zur Anlieferung kommende Milch hatte sogar «inen Fettgehalt von 4 Prozent aufzuweisen. Bei Butter unb Käse betrafen zahlreiche Beanstandungen einen übermäßigen Wassergehalt ber Butter. 3n einem Falle wurde in einer Margarine übermäßiger Wassergehalt fest- gestellt. Die untersuchten Ausland weine waren sämtlich einfuhrfähig, von ben 3 nlan b* weinen mußten 3 verdorbene Deine beanstandet werben. Bei Trinkbranntweinen bilbcte zu geringer Alkoholgehalt ben Grund zur Beanstandung. Bei den Prüfungen von Kaffee, Tee. Kakao unb Schokolade wurde nur «in Kakaogetränk beanstandet, da« mit Magermilch anstatt mit ber bezeichneten Vollmilch hergestellt war. Die Untersuchungen von Wasser unb Mineralwasser waren auch im 3ahre 1931 wieder sehr zahlreich. 408 Proben wurden untersucht. 286 Proben entfielen auf Trink- und Gebrauch-Wasser, 115 auf Mineralwasser. Verschiedentlich mußten Wasierprobcn beanstandet werden, weil Zuflüsse von Oberslächenwasser, oder Zuflüsse au« verunreinigten Erdschichten festgestellt wurden. Die jährlich regelmäßig voraenommenen Kontrollen der zentralen Wasserversoraungsanlaaen der Gemeinden führten tn einigen Fällen zu Beanstandungen. Vas wasier der Gießener Öafferleitung entsprach In jeder Beziehung ben Anforderungen, die man an ein gutes Irinhoaffer zu stellen pflegt. Die in unserem Bezirk gelegenen 31 Mineralbru- nen wurden einer regelmäßigen Kontrolle unterzogen, einige Mängel gerügt und deren Abstellung veranlaßt. Bei der Prüfung von Essig wurde verschiedentlich zu geringer Säuregehalt feftgestellt, bei einigen Gewürzen zu hoher Aschen- und Sand- gehalt gerügt; bet einer Maggi-Suppenwürzung hatte eine Unterschiebung ftattgefunben. Bei der Prüfung einiger Mineralwasserapparate auf Gesundheit-Unschädlichkeit mußten drei Apparate beanstandet werden, weil die Berzimrung schadhaft war und Kupfer an da- Mineralwasser abgegeben wurde. In ber Reihe der hygienischen, physiologisch-chemt- schen unb gerichtlichen Untersuchungen waren Ab- wasserproben nachzuprüfen, ob sie Stoffe enthalten, bie geeignet find, eine Schädigung des Fischbestandes des Vorfluters herbeizuführen. Das Vadewaster des Gießener Volksbades wurde einer regelmäßigen Kontrolle unterzogen und dabei festgeslellt, daß die Reinigung»- und Ehlorierungsanlagen gut funktionieren. Bei ben untersuchten Arzneimitteln Han- beite es sich meist um Prüfungen ber Präparate, die von Kurpfuschern ober Vertretern von Heilmittelfabriken in ben Bertebr gebracht wurden. Es waren meist völlig wertlose Präparate, deren Preis in keinem Verhöltnis zu ihrem Werte stand. Unter- suchungen von Lebensmitteln, nach deren Genuß anaeblich gesundheitliche Störungen aufgetteten fein sollen, verliefen ergebnislos. Die technischen Untersuchungen über die Zusammensetzung und Eigenschaften ber übergebenen Ob» ette ließen in verschiedenen Fällen erkennen, baß die gelieferte Ware nicht den vereinbarten Liefe- rungsbebingungen entsprach. Motorrad fährt auf einen Lastwagenzug. Velde TNolorradfohrer gelötet WSR. Darmstadt, 26. 3unt 3n der Rächt auf Sonntag, kurz nach Mitternacht, ereignete sich aut der Straße von Darmstadt nach Roßdorf ein schwerer Verkehr-unfall. Ein au« Richtung Roßdorf kommender Motorradfahrer mit S oziu-begleitung fuhr auf einen am Straßenrand haltenden Lastwagenzug au- Dingen auf. Die beiden Motorradfahrer. der 29jährig« RletzgermLister Bauer aus Darmstadt unö der 24jährige Student Han« Becker, gebürttg au« Sonder-Haufen, waren sofort tot. Da« Schlußlicht des An- hängerwagen« hat vorschrift-mäßig gebrannt. Wie Augenzeugen de« Unfall« versichern, hatten bie Führer de« Lastkrafttoagenzuge«. der sich auf einer Fernfahrt befand, eine kur^ Rast eirrgelegt. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bi» 1130 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloffen. SJ.-fpor/ Wirtschaft Devisenmarkt Berlin — Frankfurt clUL Banknoten. B e i den Nürnberger Radrennen siegte im Gesamtergebnis der Dauerrennen Krewer vor Prieto, Hille, Möller, Blekemolen. einen kurzen die Entwickln Jahren deu UnterfuiT dent Ziehm Danziger Äeg Olm Sonntag Kriegsschiffen c Empfangm für die Offizie sohung der Halle. Am Samsta! ger Hauptk Bahnhof zu n tionen gekon nischer M i l i t Durchfahrt vor hatte auf dem - geren Aufenthc liehen den Zug nifcheLiede Echmährufe selbe Schauspiel deutsche Bevölk« Polnischen Prov zurücthaltend. Einweihl Danzig, 26 in den geraubte, tonhng de L °udenz ei. Ebau ist vom in Pole. LaJb tiOn 3 S2? Ei .Ae'lnahine de. und de Nch Überfall Wegen verbotener Devisengeschäfte verhaftet. WSR. Frankfurt a. M., 26. Sunt Der Mitinhaber eines angesehenen Frankfurter Privatbankhauses ist auf Ersuchen des Amtsgerichts Waldshut unter dem Verdacht, verbotene Devisengeschäfte getätigt zu haben, verhaftet worden. Ein Kunde des Bankhauses soll Wertpapiere in Höhe von zirka 80000 Mk. au- der Schweiz nach Deutschland unter Kenntnis deS Bankiers geschmuggelt und dann dem Bankhaus zum Verkauf übergeben haben. Der Beschuldigte behauptet, daß der Kunde ihm versichert habe, daß der Erwerb der Papiere in Ordnung gehe. Die Verhaftung erfolgte auf Grund einer Revision der Geschäftsbücher der Firma durch die Zollfahndungsstelle. 0er deut'" LH «*»• Deneke statt. *«0®™ MdU-» SA.- und &)■. schäft der M Ä Ansprache die-l anderGedenkta Hieraus fand eine st s itz direktor Profess Rundfunk übert stehung de und über Danz dem mittags ' Essen in der C Zakobskirche, n Danziger Sena! in Danzig Dr Führer des der Emirat Förs schisfes .Schle zahlreiche Offis Spitzen der D titr «*'«* AS hlrt Wrfe rund 254 000 Zuschauer gezahlt, 14 000 mehr als im Dorjahre. Den stärksten Besuch fand das Nürnberger Endspiel zwischen „Bayern" und Eintracht mit 52 000 zahlenden Zuschauern. trägt 118,2 (uno.), der für Konsumgüter 116,9 (minus 0,4 v. H). * ÄeuerDerlust bei Demberg. Zn der Aufsichtsratssihung der 3. P. Demberg AG., Wuppxrtal-Barmen, wurde der Abschluß für das Zwischengeschäftsjahr vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1931 vorgelegt und genehmigt. Die Bilanz schließt nach Vornahme von Abschreibungen und Wertminderungen in Höhe von 1 671 516 Mk. mit einem Verlust von 2 162 993 Mk. ab. Der für den 16. Juli einberufenen Generalversammlung soll vorgeschlagen werden, diesen Verlust vorzutragen, so daß zuzüglich Verlustvortrag ein Gesamtverlust von 5 232 165 Mk. entsteht. • Maschinenfabrik MoenuS A. - G., Frankfurt a.M. Die Maschinenfabrik MoenuS AG., Frankfurt a. M., erzielte im Geschäftsjahr 1931 einschließlich 48 936 Mk. Dorjahresgewinnvortrages einest Bruttogewinn von 1,53 (1,56) Millionen Mark, dem allgemeine Handlungsunkosten von 1,28 (1,29) Millionen Mark und Abschreibungen von 0,22 (0,22) Millionen Mar? gegenüberstanden, so daß sich ein Verlu' von 14 674 Mk. ergab, wodurch sich der Dorjahresgewinnvortrag auf 34 262 Mk. vermindert und in dieser Höhe auf neue Rechnung vorgetragen werden soll. Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. M., 25.Juni. Am Eiergroh- markt hat sich die Lage im abgelaufenen Berichtig abschnitt wenig verändert. Don Seiten des Konsums wird auch weiterhin nur der Tagesbedarf gedeckt. Bei kleinsten Umsätzen hielten sich die Preise zunächst auf dem Stande der Dorwoche, zogen jedoch später allgemein von 0,5 bis 1 Pf. an. Die Zufuhren in deutschen Eiern, die bis 0,75 Pfennig höher notierten, blieben ziemlich knapp. ES rotierten in Pfennigen ab loco Frankfurt a. M. Rumänen 5,75 bis 6, Bulgaren 6,25 bis 6,50, Russen 5,50 bis 6, Holländer 6 bis 8, Flandern 7 bis 7,25, Dänen 5,50 bis 7, deutsche Landeier 7 bis 7,50, deutsche Frischeier 6,50 bis 8,50. ßf,l48 . Die SÄ“" ar»*“ Ä DflK'4 Schmeling ist auf der Heimreise nach Europa unterwegs. Große Scharen der für den Boxsport begeisterten Bevölkerung waren zum Hafen geeilt und bereiteten ihrem Helden bei der Abfahrt stürmische Kundgebungen. Suropa-Boxmeisterschast im Halbschwergewicht. In der überfüllten Stierkampfarena von Valencia trat gestern der Bonner Adolf Heuser das Erbe seines durch einen Unglücksfall vom aktiven Boxsport zurückgetretenen Landsmannes Piftulla im Halbschwergewicht an. Im Kampf um die Europameisterschaft schlua Heuser den spanischen „Tiger" Martinez de Alfa ra in der ersten Runde ko. Schon nach 45 Sekunden mußte der Spanier auf einen rechten Kinnhaken bis „Acht" auf die Bretter, der gleich darauf folgende Uppercut Heusers setzt ihn ober vollends ko. Heusev gelang damit endlich beim dritten Versuch der große Wurf, nachdem er sich schon zweimal von Pistulla uyzntschivden getrennt hatte. Staffelmeldungen vor, darunter 417 Einzel- und acht Mannschaftsmeldungen der der 100-Meter-Lauf die größte ^lnziehunMcaft ausgeübt, für den 24 Frauen gemeldet haben. Mit je 21 Bewerberinnen folgen Diskuswerfen und Fünfkampf, während im 800-Meter-Lauf mit acht Läuferinnen das kleinste Feld am S^rt sein wird. — 3m ganzen werden ber den Winnern 21 Einzel- und drei Staffelmeisterschaften vergeben, während das 50-Kilometer-Tehen nur als Rahmenkonkurrenz gilt. Die Frauen kämpfen um elf Einzel» und einen Staffeltitel Selbstverständlich sind bei der Bedeutung dieser Veranstaltung alle Kräfte vertreten die nur einigermaßen Platzaussichten haben. Don den Titelverteidigern fehlen nur der Marathon- meister Paul de Bruhn und Lingnau un Steinstohen, sowie bei den Frauen Dollinger im 800-Meter-Lauf, die diesmal nur die kurzen Strecken bestreitet, und im Schlagballweitwersen Frl. 11 e b l e r. Der „(Hub- siegt in Frankfurt. Gegen Fußballsportverein mit 2:0 (1:0). Obwohl das nahende Saisonende eine allgemeine Fußballmüdigkeit mit sich bringt und trotzdem das Wetter nicht gerade vom besten war zog der 1. FE. Rürnberg am Samstagabend auf dem Platz am „Bornheimer Hang" 5000 Zuschauer an. Der „Club" trat mit stärkster Besetzung an auch Hrbel Kraus war dabei. Es spielten: Köhl: Popp, Munkert; Weikmann, Dillmann, Urbel Kraus: Guhner, Hornauer, Friedel, Schmitt, Kund. Dagegen sah man beim Sportverein wieder zahlreiche Ersatzleute. Die Frankfurter Farben trugen: Dlaimer: Schreiber, Radler; Knapp, Wühler, Keck: Stabiler, Schweinhardt, Süß, Heldmann, Hensel. Diese junge Mannschaft lieferte den routinierteren Rürnbergern in der ersten Halbzeit einen völlig ausgeglichenen, spannenden und temperamentvollen Kampf, bei dem es auf beiden Seiten gute Einzelleistungen gab. Während aber die Rürnberger Elf keinen schwachen Punkt aufwies, waren beim FSV. die Stürmer Süß und Schweinhardt (der später gegen Schiffler ausgewechselt wurde) schwach. Die übrigen Leute konnten dagegen gefallen. Rach der Pause setzten sich die Dayern mit ihren klugen Kombinationszügen immer stärker durch und ihr Sieg war auch berechtigt. Der erste Treffer für den „Club" fiel fünf Minuten vor der Pause. Hornauer startete nach einem von Dillmann borgefegten Dall. Die Frankfurter Verteidigung griff im Glauben, daß der Schiedsrichter (Windhaus- Mainz) abseits pfeifen werde, nicht rechtzeitig ein und so konnte Hornauer unbehindert den Dall ins Tor lenken. Kurz darauf verhängte der Schiedsrichter für Frankfurt einen unmotivierten Elfmeterball, den aber Süß bei der Ausführung Köhl auf den Leib setzte. Durch einen flachen Schuh erhöhte Hornauer nach der Pause schon in der zehnten Minute auf 2: 0. ^palastpage" deutscher Oerbysieger. DaS Deutsche Derby, die wertvollste Prüfung des deutschen Galoppsporics gelangte am Sonntag bei prachtvollstem Wetter und glänzendem Besuch in Hambuog/Horn zur Durchführung. Sieger wurde „Palastpage" unter E. Haynes vor Mio d'Arezzo. Der hohe Favorit Widerhall (Gestüt Schfenderhan) konnte nur als Fünfter einkommen. Für sein Versagen wird als Grund der Reiferwechsel angegeben, der vierzehn Tage vor dem Derby vorgenommen werden mußte. Der Sieger „Palastpage" stammt aus dem Stalle P. Mülhens, der damit sein erstes Derby gewinnen konnte, während der 3ockeh E. Haynes bereits seinen dritten Derby-Sieg errang. Die weiteren Plätze belegten: 2. Mio d'Arezzo, 3. Lord Relson, 4. Liberto. Kurze Sportno^izen. Die Aufstiegsspiele sind beendet. Zweiter neuer Bezirksligist in der Gruppe Main ist der VfB. Friedberg. Hans Nüßl ein, der deutsche Tennisberufsspieler, kehrt jetzt aus Amerika, wo er große Erfolge hatte, nach Deutschland zurück. Mörtel > e” " Kni’"6' iHlt,' “«> 21 Nm „ ®«tb, SlQbf 'Un9 de< GRG.in Frankfurt abermals erfolgreich 1. Sieg im Zweiten Achter. Die Gießener Rudevgesellschaft hatte für die Große Frankfurter Regatta wieder chren Ersten Achter gemeldet, der im Ersten und im Zweiten Achter der Regatta an den Start ging. Am Samstag lieferten die Gießener den Favoriten des Ersten Achters, dem Boot Mainz-Kaste- fer RG. einen rassigen Kamps, den sie -war nicht für sich entscheiden konnten, immerhin aber dabei eine Leistung zeigten, die allgemeines Aufsehen erregte. Der Achter von Mainz-Kastel konnte den Sieg erst nach schärfstem Kampfe an sich bringen. Rach dem eindrucksvollen Auftreten der Gießener am Samstag war den Ruderern der GRG. am Sonntag ein beachtenswerter 1. Sieg beschieden. 3m Rennen um den Heinrich- Hey ter-Gedächtnispreis konnten sich die hiesigen Ruderer gegen RD. Worms und Würzburger RD. siegreich behaupten. Die Ergebnisse: 1. Achter (3ubiläumsachter am Samstag). Vubiläumspreis, Herausforderungs-Achter: 1. Mainz-Kasteler RG. 6:15,4; 2. Gießener Ruk^r- geselischaft 6:21,4; 3. Mainzer Ruderverein 6:43,6. 2. Ach ter (Heinrich-Heyter-GedächtniS-Preis): 1. Gießener Rudergesetischaft 6:22,2; 2. RG. , Worms 6:26; 3. Würzburger RG. 6:39 Hin. Leichtathletik Vierverbändekampf. Der traditionelle Dierverbändekampf, diesmal in Wiesbaden ausgetragen, stand unter einem guten Stern Gutes Wetter, ansehnlicher Besuch und gute Organisation bildeten die besonderen Merkmale des Tages. Etwas enttäuscht haben dagegen die Leistungen. Verschiedene Ersatzleute, die in letzter Stende noch eingestellt werden mußten, die weiche Bahn und schließlich die Verletzung von Geerling und Welscher sind wohl die hauptsächlichsten Entschul- digungsgründe. Internationale Leistungen gab es un Stabhoch von Wegener und im Speerwerfen durch Weimann. m v , Im Verlauf des Kampfes lag zuerst Brandenburg dank guter Durchschnittsleistungen m Front, dann setzte sich Mitteldeutschland an die Spitze, die es aber in den Schlußwettbewerben wieder an Brandenburg abgeben mußte. Berlin siegte mit 41 Punkten vor Mitteldeutschland mit 37 Punkten, während West-, und Süddeutschland dichtauf mit je 36 Punkten gemeinsam den dritten Platz belegten. Deutscher Sieg im Krauenländerlampf. Deutschland — Frankreich 58:41. Der zweite Frauenländerkampf Deutschland- Frankreich in der Leichtathletik führte die beiden Rationalmannschasten am Sonntag im Elberfelder Stadion zusammen. Etwa 4Ö00 Zuschauer hatten sich eingefunden, als die beiden Mannschaften in die Arena einzogen. Wie üblich wurden die Rationalhymnen gespielt und Kränze überreicht. Der Sport des Tages war ausgezeichnet, die Franzosen konnten sogar zwei neue Landesrekorde buchen. Eie tarnen aber nur zu zwei Siegen, und zwar über 80 und 1000 Meter. Alle übrigen Wettbewerbe wurden von der deutschen Vertretung mehr oder weniger glatt gewonnen, obwohl sich die deutsche Mannschaft fast ausschließlich aus westdeutschen Damen zusammensetzte. Lediglich aus Frankfurt a. M. waren einige Verstärkungen gekommen. Besonders interessant war der Kampf in der 4mal 100-Meter- Staffel. Bei der deutschen Staffel wechselten die beiden ersten Läuferinnen, Treue und Erfling, schlecht, wodurch die Französinnen aufschliehen konnten. Erfling lief dann aber sehr gut und wechselte auch mit Frl. Lorenz (Frankfurt) gut. Die beiden Frankfurterinnen Lorenz und Haux liefen dann einen klaren Vorsprung heraus. Deutsche Leichtathletik'Meisterschaften. Fast 400 Manner- und 170 Jtauenmelbungea. Ein überaus günstiges Meldeergebnis haben die diesjährigen Deutschen Leichtathletik-Meister- schasten der DSD und DT. gefunden, die diesmal dadurch erhöhte Bedeutung haben, daß auf Grund der Ergebnisse die deutsche Vertretung für die Olympischen Spiele in Los Angeles aufgestellt wird. Für die Männerkonturrenzen, die am 2. und 3.3uli in Hannover durchgeführt werden, wurden insgesamt 398 Einzel- und 40 Mannschaftsmeldungen abgegeben, davon entfallen allein 293 Einzel- und 34 Stafselnennungen auf die DSD. Am weitaus stärksten besetzt ist der Marathonlauf mit 65 Teilnehmern, dann folgen der 800-Meter-Lauf mit 30, die 100 und 400 Meter mit je 27 und der Zehnkampf mit 24 Teilnehmern. — Für die Titelkämpfe der Frauen liegen insgesamt 169 Einzel- und elf Entlastung der Reichsbanl. D e r I i n, 25. 3uni. (WTD.) Rach dem Ausweis der Reichsbank vom 2 3. 3 u n i hat sich in der verflossenen Dankwoche die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 119,9 Millionen auf 3336,9 Millionen Mark verringert. 3m einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln und -schecks um 112,4 Millionen auf 2868,6 Millionen Mark, die Bestände an Reichsschatzwechseln um 1,0 Million auf 1,4 Million Mark und die Lombardbestände um 6,5 Millionen auf 102,5 Millionen Mark abgenommen. An Reichsbanknoten und Renten- bankscheinen zusammen sind 102,0 Millionen Mark in die Kassen der Reichsbank zurück- gefloffen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 98,5 Millionen auf 3716,9 Millionen Mark, derjenige an Rentenbankscheinen um 3,5 Millionen auf 397,3 Millionen Mark verringert. Dementsprechend haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 29,8 Millionen Mark erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 400,3 Millionen eine Zunahme um 19,9 Millionen Mark. Die Bestände an Gold und deckungS- fähigen Devisen haben sich um 3,1 Millionen auf 961,4 Millionen Mark erhöht. 3m einzelnen haben die Goldbestände um 0,9 Millionen auf 823,4 Millionen Mark und die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 2,2 Millionen auf 138,0 Millionen Mark zugenommen. Die Deckung der Roten durch Gold und deckungsfähige Devisen beträgt 25,9 Prozent, gegen 25,1 Prozent in der Vorwoche. Deutscher Stickstoff gegen ägyptische Baumwolle. B r e m e n, 25. Juni. (WTB.) Wie wir aus Streifen des Bremer Baumwollhandels erfahren, sind die chon feit mehreren Monaten schwebenden deutsch- ägyptischen Verhandlungen über einen Austausch von Baumwolle gegenStick- st o f f nunmehr zum Abschluß gelangt. Ein unter der Führung der Firma Boden & Haac stehendes Konsortium von 12 Bremer Baumwolleinfuhrhäu- lern wird durch Vermittlung der Alexandriner Firma Mist (Lindemann 8z Co.) etwa 20 000 Ballen ägyptische Regierungsbaumwolle übernehmen, um sie an die deutschen Spinnereien abzusetzen. Die Bezahlung der Baumwolle wird in Reichsmark erfolgen. Somit wird durch diesen Import eine Herausgabe von Devisen an das Ausland nicht erforderlich, was für Deutschland und insbesondere für die deutsche Baumwollindustrie von sehr großer Bedeutung ist. Die Verschiffung des ganzen Quantums nach Bremen wird, wenn irgend möglich, auf deutschen Schiffen erfolgen. * Die Indexziffer der Großhandelspreise. Die vom Statistischen Reichsamt für den 22. Juni berechnete Großhandelsindexziffer ist mit 96,2 gegenüber der Vorwoche um 0,2 v. Sy gestiegen. Die Ziffern der Hauptgruppen lauten: Agrarstoffe 92,4 (plus 0,8 v. H.), Kolonialwaren 85,2 (plus 0,8 v. H.), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 87,0 (uno.) und industrielle Fertigwaren 117,5 (minus 0,2 v. H.). Der Index für Produktionsmittel be- Kurszettel -er Berliner un- Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlofsenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o.H, Lombardzinsfuß 6 v. f). Süddeutscher Samstags > Fußball: Bayern München — Boldklubben Kopenhagen 6:1 (3:0); SB. Wiesbaden — Eintracht Frankfurt 0:2 (0:1); FSV. Frankfurt — 1. FC. Nürnberg 0:2 (0:1); SV. Feuerbach — VfL. Neckarau 3:4; SV. SBalbbof — PhSnlx Mannheim 2:0; ’DlannJetm 08 gegen FV. Rastatt 3:1; Mainz 05 — VfL. Neu- Isenburg 2:2; Offenbarer Kickers — Rot-Weiß Frankfurt 3:1 (2:1). , Anstelle von Kreß (Rot-Weiß Frankfurt), der von feinem Verein auf sechs Monate kaltgestellt wurde, nimmt der DFB. den jungen westdeutschen Torhüter Buchloh (Speldorf) mit auf die Reste nach Helsingsors. e In Wimbledon stehen jetzt in den Einzelspielen die „letzten Acht" sämtlich fest. Sie heißen bet den Herren: Shields, Wood, Vtnes (alle USA.), Derry Austin (England), Maier (Spanien), Satoh (3apan) Crawford (Australien) und bei den Damen: Krahwinkel (Deutschland), Mills, Jacobs (USA.), Mathieu (Frankreich), Round, Whittingstall, Nutt- hall und Heeley (England). Bei den süddeutschen Schwimm- Meisterschaften gab es am Samstag eine lleberraschung: Witthauer (Frankfurt) gewann das 400-Meter°Crawlfchwimmen glatt vor K i e n z l e (Stuttgart) und dem favorisierten Nürnberger Hans Sait. B e i den Endspielen um die Deutsche Fußball-Meisterschaft wurden in diesem Jahre insgesamt Daten für Dienstag, 28. Juni. 1865: der Dichter Julius Otto Sierbaum zu Grünberg in Schlesien geboren; — 1914: Erzherzog- Thronfolger Franz Ferdinand von Oesterreich-Este und seine Gemahlin in Sarajewo ermordet; — 1919: Unterzeichnung des Vertrages von Versailles. .tvanhih .. ~'i. •gf Ä ,ur< Mrft Sranlturt a. 1'1. Berlin $ramiur, a. Berlin Schluß- hirt Schluß!, illbend- böri- Schluß, für« Schlupf. Mittag« böne Schluß- furrf Schluß!. Abend» Mrfr Schluß- turt Schluß!. Mittag, bSrse Datum 24-6 25 6. 24 6. 25.6 Dalum 24.6. 25.6. 24.6. 25-6. jpambuto-’Zlmenta Pale, . . . t Hainburg-Südain. Dampfschiss. O Hanta Dampsjchiss . . . . O 9?oror?utfd)Ct Stand.....6 B.G. tüt Verkehrswesen Mt. . . Berliner Handelsgesellschaft . 8 Commerz» und Privat-Bank . 7 Darmstädter und Nationalbank 8 Deutsche Bank und TtSconto-Gesellschaft... 6 Dresdner Bank...... 6 ReichSbank........12 A.C.G............7 Bergmann.........9 Elektr. LieserungSgesellschast. 10 Licht und Kraft......10 Felten & Guilleaume.... 6}'t Gesellschaft sür.Elcktrisch« Unternehmungen .... 9 Rheinische ElcktrijttLt .... 9 Schucker« & (So.......11 Siemens & Halske.....14 LahmeyerL Co.......12 Deutsche Erdöl ....... 6 Gelsenkirchen« ....... 8 Harpen er..... O Laesch Eisen.........6 Ilse Bergbau.......10 Klbcknerwerke..... 6 Köln-Neuessen. ...... 6^ ManncSmann-NShrett .... 6 Manlfelder Bergbau ..... O Oberschlef. KakSwerke .... 8 Phönix Bergbau. .... 4% Rheinische Braunkohl«... 10 Rhein stahl..... 6 10,65 11,75 87 16 18,5 30 18,5 124 20 66,25 35,5 51,25 64 57,5 115,75 76 24 64,25 34 45 22 Ji 37,76 13 16 158 40 10.9 25,5 87 16 18,5 30 18,5 123 19,75 65 35,5 50,9 56 114 75,75 24 60.5 33 22 12,5 IS 157 39,5 10,75 41,25 11,4 26 87 16 18,5 30 18,5 124,75 20,25 54,65 66 36.9 51,75 63,5 57,5 116,5 75,25 24,25 64,5 34,13 47,75 26 23,75 38,4 13 31 16,75 157,25 40,5 10,13 35 11 27,5 87 16 18,5 30 18,5 123 20,65 18,25 65,5 50,65 64 56 114,9 74,5 60,13 32.75 48,5 254 37,13 12,75 30 16.75 160,5 39,75 iHtebed Montan......7,2 Ber-inigte Stahlwerke .... 4 Olaui Minen......16'/, Kaliwerke Aschersleben ... io Kaliwerke Westeregeln ... 10 Kaliwerke Salzdetfurth ... 15 I. ®. Farden-Invustrie... 12 Verein, chem. Industrie Frank» furt a. M........... Scheideanstalt.......10 Goldschmidt........ o Rütgertwerke ........ 6 Metallgesellschaft.......5 Phlltpp Holzmann ...... 8 Zementwerk Heidelberg. ... 7 Zementwerk Karlstad». .... 7 Wayh L Freytag......o Schultheis PaNenhofer ... 15 Mu (Allgemein, Kunstseide) 0 Bemberg......... o Zellstoss Waldhos.....ir Zellstoff Aschaffenburg ... 6 Dessauer GaS....... . 9 Daimler Motoren ...... o Deutsche Linoleum.....5 Orenstctn & Koppel ..... 0 peonhard Dietz ....... s SvenSka........... Chade........... frankfurter Maschinen Ma^ikraftwerke Höchst a.U * < Süddeutscher Zucker .... i< 14,75 10,5 84,5 94,25 149 89,9 132,5 16 31,5 24,5 32 37,5 37 3,75 31,75 26 16 10,75 27,5 51,5 172^5 16,5 48 97,5 14,4 10,25 83.5 93 148 88 16 31 25,5 32 37 37 31 29 25 15 11 27 51,5 170 16,5 48 100 14,9 10,4 85 94,5 151 90,25 16 31,13 24,25 32 3,75 48,9 31,75 28,25 26 80,13 11 28 21,13 51,75 6,25 172,5 l ü 97,75 14,75 10,25 86 96 152 88,13 16 31 32 >,ü 47,4 30,75 28,75 25,25 79,65 10,75 27 21,13 52 6.65 170 16,25 98 24.3unt 25.3unl Amtliche Meld Dotierung Srir' Amtliche Notierung Geld | Brie' Helsingfort . 7,043 51,95 7,057 52,05 7,043 51,95 7,057 52,05 Prag . . . Budapest . . 12465 12,485 12,465 12,485 —- —— —— Sofia . . . Holland . . 3,057 3,063 3,057 3,063 170,23 170,57 170,23 170,57 Oslo. . . . Kopenhagen. 74,83 74,97 74.88 75,02 82,77 82,93 82.82 82,98 Stockholm . 77,97 78,13 78,12 78,28 H London. . . 15,20 15,24 1,952 15.20 15,24 Buenos Atrel 1,948 0,948 0.952 Neuyork . . 1,209 4,217 4.209 4,217 Brüssel. . . 58,56 58.68 58,56 58,68 Italien. . . 21,43 21,47 21,43 21,47 Pari» . . . 16,55 16,59 16,55 16,59 Sckwet, , . 81,92 82,08 81,92 82,08 Spanien . . 34,67 34,73 34,67 34,73 Danzig. . . 82,37 82,53 82,37 82,53 Japan . . . 1,199 1,201 1.199 1.201 Rio de Ian.. 0,325 6.793 0,327 0,325 0,327 Iuaostawte«. Lissabon . . 6,807 6,743 6,757 13,84 13,86 13,84 13,86 Datum 24.6. 25.6. | 24.6. 25.6. 6% Deultche Reichsanteihe u.192. 52,75 52.75 53,5 53 7% Deutsche Meichsanleihe v. 1929 58,25 58,25 58,25 58,5 6yt% Doung-Anleihe von 1930 . Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit 60,25 60,75 60,25 60.9 Auslos.-Rcchten....... 37,5 37,25 37.5 36.65 DeSgl. ohne AuSIos^Rechte . 8% Hess. BoUSstaat von 1929 3,7 3,65 3.75 3,7 ("rückzahlb. 102%)...... vberhessen Provinz-Anleihe mit — — 45,5 45 AuSlos.-Rechten .... Deutsche Komm. Scnnmelabl. 36,5 36,5 — — Anleihe Serie 1...... 8% Franks. Hyp.-Vank Goldpfe 32,5 32,5 33 33 15 unkündbar bis 1935 - - 7% ffrankf. Hyp^Bank Goldpfe. unkündbar bis 1936 Serie 16 .