m. 175 Erstes Blatt 182. Jahrgang Dienstag, 26. Juli 1952 ------ Begriffs Gleichheit die geographische Lage Deutschlands mit seinem geschlossenen Gebiet und diejenige Frankreichs mit seinem weit verstreuten Kolonialreich berücksichtigt werden würden. Argumente gegen die französische Gicherheitsthese. Frankreichs Ostbefcstigungen beispiellos und unüberwindlich. Paris, 25. 3uli. (ERB.) lieber die Befesti- gungen an der französischen Ostgrenze machte der Abgeordnete Lamoureux sehr interessante und charakteristische Ausführungen. Lamoureux befin- bet sich zur Zeit auf einer Desichtigungsreise durch die Befestigungswerke in der Gegend von Metz. Sein erster Eindruck, so führte er u. a. aus, fei, daß diese Befestigungen prachtvoll ausge- führtund ausgedacht worden seien. Frank- reich habe mit dem Bau dieser Befestigungen eine in der Geschichte der Völker beispiellose Oie Antwort auf die Abrüstungsverschleppung. Ein deutscher Ausklärungsausschutz für nationale Licherheit. Berlin, 25.Juli. (TU.) Der Arbeitsausschuß deutscher Verbände, die Arbeitsgemeinschaft für deutsche Wehrverstärkung und der deutsche Reichs- friegerbunb Kyfshäuser beantworten ben Berta- gungsbeschluß der Genfer Abrüstungskonferenz mit der Einrichtung eines „A u f k l ä r u n g s - ausschufses für nationale Sicherheit" und geben diese Gründung mit einer besonderen Erklärung bekannt. Die Geschäftsführung des „Aufklärungsausschusses" liegt in den Händen des Arbeitsausschusses b e u t s ch e r Verba n b e. In ber Erklärung heißt es: Die Genfer Abrüstungskonferenz hat sich vertagt. Deutschlanb hat gegen bie Schlußentschließung gestimmt, bic burch leere Worte und hohle Phrasen der Welt ein Ergebnis vorzutäuschen sucht. Rach wie vor will man b c m d e u t s ch e n V o l k G l e i ch b e r c ch- tigung und Sicherheit vorenthalten. Es wirb damit bie Erfüllung ber vor 13 Jahren eingegangenen Rechtsverpflichtung vc.sagt, obwohl bic Gegenseite nicht genug bie Heiligkeit ber Verträge betonen kann. Der Bruch bes Vertrages muß Deutschlanb seine Hanblungs- freiheit roiebergeben. Je einheitlicher dieses Recht auf breitester Grundlage von allei Volksschichten geltend gemacht wirb, besto größer werben Wirkung und Erfolge sein. Scharfe Kritik in Italien. Rom, 25. Juli. (WTB.) Die Tagung ber Abrüstungskonferenz wirb in ben maßgebenden italie- ntschen Blättern außerorbentlich scharf beurteilt. In einem Artikel der Turiner „Stampa" wirb unter der Ueberschrist „Bankerott" ausgeführt, die Schlußresolution sei tot, bevor sie überhaupt bas Licht erblickt habe. Niemand könne mit den Ver- schleierungsoersuchen über diese Fehckgeburt getäuscht werden. Auch die Frage, ob das Hauptkriterium einer tasächlichen Herabsetzung ber Rüstungen trgenbroie einen Schritt vorwärts gekommen sei, könne nur mit Rein beantwortet werden. Dadurch, daß die Konferenz nichts Ernst- Haftes für bie Abschaffung ber Kriegslasten getan habe, habe sie ihr eigenes I o b e s u r t e i l ausgefertigt. Die Festsetzung eines Datums für ine Wiedereröffnung ber Konferenz in sechs Monaten erscheint bei der heutigen politisch und wittschaftlich unsicheren und raschlebigen Zeit geradezu widersinnig. — „Popolo d ' I t a l i a" sagt, bie Schlußreso- lution sei ein Betrug am guten Glaub en der Weltöffentlichkeit und ein schmähliches Bekenntnis schlechten Willens. Das Unvermögen, das aus dieser Schlußresolution spreche gebe dieser geradezu ben Charakter einer betrügerischen Bankero11erkla- r u n g Aus diesen Gründen und aus keinem anderen fribe Italien, das in ben großen außenpoliti- schen Fragen, so auch in ber Abrüstungsfrage eine vollkommen geradlinige Politik eingehalten habe, der Schlußresolution seine Zustlmmung versagen müssen. Oas Echo in London. Ein unmögliches Kompromiß. London, 25. 3uli. (WDB.) -Manchester Guardian" schreibt zu der Schlußresolution der Abrüstungskonferenz: Das b r 1t. t f d) e Volk iit für diese Entschließung der Konferenz verantwortlich. weil die brittsche Regierung für das bedauerliche Ergebnis der Konfere^ bisher hauptsächlich verantwortlich war. Seit Präsident Hoover mit seinen Vorschlägen hervortrat, war Sir 3ohn Simon planmäßig und sehr geschickt bestrebt, sie zu sabotieren. Bisher ist es ihm gelungen. Wenn die Abrüstung Erfolg haben soll, muß England eine andere Politik und einen anderen Staatssekretär des Aeuheren haben. Daily Telegraph schreibt: Die Schluhresolution ist in der Hauptsache akademische r A r t Ov bie Konferenz in einigen Monaten wieder susam- mentritt, und ob dann Aussicht auf wesentliche Ergebnisse besteht, hängt von den Verhandlungen über zwei Fragen ab, die der neuen Tagung voraufgehen müssen. Die erste Frage ist die Abrüstung zur See. Die fünf Hauptseemachte werden versuchen, eine Vereinbarung auf Grund bes Hoover-Plans unb 'ber britischen Gegenvorschläge zu erzielen, und gleichzeitig wird man sich um eine Beilegung ber Meinungsverschiedenheit zwischen Frankreich und Italien bemühen. Diese Verhandlungen dürsten zunächst auf diplomatischem Wege geführt werden. Hieran würde sich im Herbst e i n e S a ch- verständigen-Konferenz der fünf Mächte — wahrscheinlich in London — schließen. Die andere Frage, über die verhandelt werden muß, betrifft Deutschlands Forderung nach Rüstungsgleichheit. Frankreich leistet gegen diese Forderung grundsätzlich und in der Praxis Widerstand, während England, Amerika unb Italien vielleicht ben Grundsatz anzuerkennen bereit sind, wenn sie auch m der Praxis ein Kompromiß befürworten dürsten. Dieses Kompromiß würde darin bestehen, daß die einzelnen Schritte zur Wiederherstellung von Gleichheit über eine Reibe von Iahren verteilt werden unb daß bei Feststellung bes Grandiö Sturz - Mussolini an die Front Von unserem römischen k.-Korresponbenten. dem schülerhaften Gesichtspunkt sentimentaler Innenpolitik, so, als ob Mussolini nur deshalb für eine freieres unb stärkeres Deutschlanb wäre, weil auf einem solchen Boben sein Erzeugnis, ber Faschismus, besser gebeihen könne. Italien unterstützt vielmehr bie deutsche Befreiungspolitik aus gesundem Egoismus unb — fühlt baher heute besonders hart ihre Niederlage in Lausanne und Genf. Jeder Sieg Frankreichs über Deutschland ist in diesem Sinne auch ein Mißerfolg der italienischen Politik. Mussolini hat nach seiner brüsken, aber entschiedenen Art nicht lange gezögert, bic Folgen aus bem Zusammenbruch seiner Hoffnungen zu ziehen. Granbis Sturz ist das weithin sichtbare Signal — sichtbar für alle, bie sehen wollen — ber nahenden Katastrophe. Nicht um einen Wechsel der Wache handelt es sich, wie bie völlig überrannte italienische Presse schrieb, sondern um einen Kanzler- sturz. Seine Bedeutung wäre auch bann nicht zu verkennen gewesen, wenn er nicht durch ein halbamtliches Dementi, das eine Stunde später aber von der Tatsache dementiert wurde, aus dem vorbereiteten Wechselrahmen herausgehoben worden wäre. Und bann folgte alles unumstößlich zu machen, die Verschickung des Außenministers, der jahrelang bie rechte Hanb bes Duce, sein Mund unb sein Wille gewesen war, nach London. Die gleichzeitige Entlassung des Finanzministers, des Justizministers, des Korporationsministers, begleitet von einem allgemeinen Schub der Unterstaatssekretäre, mag eine verwaltungstechnische Maßnahme scheinen, es ist auch richtig, wenn Mussolini bekennt, daß er von Zeit zu Zeit jüngere Kräfte einspannen möchte, aber au Grandi, den jüngsten Außenminister Europas, trifft das wohl kaum zu, ebensowenig wie die weitere Erläuterung des Duce, die jetzt verbreitet wird, daß alle Leiter wichtiger Staatsstellen nach einiger Zeit ermüden und daher ersetzt werden müßten Kein besseres und näherliegendes Gegenbeispiel als Mu|w- lini selber der nun zehn Jahre am -teuerrade steht, ohne Urlaub zu nehmen, ohne zu ermüden und — jünger zu werden. . ... . . . Die Uebernahme des Korporationsministeriums ' - freilich nichts anderes als eine Verlegenheitslosung, die bald eine andere Form annehmen wird aber die Uebernahme des Portefeuilles des Aeußeren, bas will in biefer kritischen Rom, Ende Iuli. Mit dem europäischen Rückzug von Lausanne, der die vernichtende Riederlage von Genf einleitete, sind die Ausgangsstellungen von 1918 und 1919 annähernd wieder erreicht. Frankreich hat Grund zum Iubel und es wäre ein verhängnisvoller Irrtum, darin nur einen Ausfluß gallischer Eitelkeit zu erblicken. Wenn die Pariser Presse ihren Herriot zu dem Sieg über Oesterreich und Deutschland, Italien und England, mit einem Wort: zu dem Sieg über die Vernunft beglückwünscht, so bleibt sie damit nur ihrem Glauben an Versailles, wo der Triumph des Rechts unb ber Gerchtigkeit unter dem Deifallsgcbrüll der halben Menschheit Derbtieft und besiegelt wurde, treu, ilnb so lange ber Riedergang Europas dauert, so lange muß an jenen Tag und sein Bekenntnis erinnert werden mag das vielen heute auch unangenehm sein, denn nichts von dem, was jetzt in Genf und Lausanne zum Himmel schreit, keine Unmoral und kein Spott auf die göttlichen unb christlichen Grundsätze, nichts fehlt in jener permanenten Kriegserklärung, bte sich freilich jetzt auch allmählich gegen ihre Urheber und ihre selbstzufriedenen Anbeter wendet. Vielleicht wird sogar noch die Stunde kommen, wo Frankreich vor seiner Gottähnlichkeit so bange wird wie Napoleon oder Wilson. Wahrhaft ttagifch ist bereits die Lage derjenigen Nation die seinerzeit bas Zünglein an ber Waage bilbete'unb mit ihrem Uebertritt tns Sager ber Kreuzritter" ben heiligen Krieg entschied: 3 ta - l i e n mußte notgedrungen als erste Die Revision des unheilvollen Vertrags verlangen, es fand sich schlimmer denn je in der Falle des Mittelmeers eingesperrt, die nur fein früherer Verbündeter offenhalten konnte, ° "("Äoftüd) auf Gedeih unb Verderb Eng- lanb ausgeliefert, unb politisch steht es unter der Gewalt t)9cr lateinischen Schwester. Vergeblich ruft es ihr immer wieder in (Erinnerung, daß das „Wunder an der Marne" nichts anderes war als bie Folge bes Abfalls vom Dreibund baß es Rom war, das Paris aus feiner Tobesgefahr rettete Aus dieser Lage heraus muß die italienische Politik mit ihren Forderungen auf Streichung der Tribute gerechtere Verteilung ber Kolonien wirtschaftlichen Ausgleich verstanden werben, nicht unter Stunbe etwas heißen, bas ist auch keine bloß italienische Angelegenheit mehr. Denn bas bebeutet, bah ich Mussolini nun selber an bic Front begibt unb keinen Unterführer mehr für einen Mißerfolg verantwortlich machen will und kann. Vielleicht war cs wirklich so, baß Mosconi unb Grandi sich in Lausanne nicht verstanden, die Tat- ad)c liegt jedenfalls vor, daß Mussolini nicht seinen Sprechern gratulierte, sondern dem Engländer Mac- donald. Andererseits darf nicht vergessen werden, daß Grandi niemals ben Ehrgeiz hatte, mit seiner per» önlichen Meinung hervorzutreten, sondern sich immer als getreuer Sachwalter Mussolinis oorstelltc. Wie dem auch sei, er ist in einer Zeit, die nur nach dem Erfolg urteilt, mit leeren Händen nach Rom zurückgekehrt und hat damit seinen Herrn bloßge- tellt. Denn wenn auch die Niederlage Italiens tat» ächlich nicht größer ist als die deutsche unb englische auch, so tritt sie doch plastischer hervor, weil Mussolini sich im vornherein mit seinen immer wiederholten Forderungen festgelegt hatte. Nicht eine einzige aber drang durch, alles scheiterte an bem ranzösischen Widerstanb. Was nun? (Erinnern wir uns an bic vor Beginn ber Konferenzen aufgestellten fünf Punkte Mussolinis, an den letzten vor allem, der verlangte, daß endlich Schluß mit den Konferenzen gemacht werde, nudan den sybillinischen Nachsatz, baß sich Italien vorbehalte, im Herbst seine Stellung im Völkerbunb einer Nachprüfung zu unterziehen. Soll bas heißen, daß bann g-e handelt, statt gerebet werben würbe? Und wie gehandelt? (Es nützt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken: alle Möglichkeiten stehen offen. Wer mit Worten zu jonglieren gewohnt ist, gern am Spieltisch bes Völkerbundes sitzt, Kommissionen gegen Protokolle, Resolutionen und Begriffe verschiebt, der mag weiterhoffen und weiterträumen. Jenseits des Genfer Nebels sieht bie Welt jedenfalls anders aus. Das Gleichgewicht Europas ist erschüttert, und der Sieg Frankreichs nicht geeignet, den ersehnten Ausgleich zu schaffen. Jenseits der Phrase wußte man von vornherein, daß die sogenannte Abrüstungskonferenz auffliegen würde, bevor sic nur anfangen konnte. Jenseits der Illusionen glaubt man nicht an die völkerverbündende Fähigkeit ber militärischen Uebermacht. \ Der neue Außenminister Italiens steht heute mehr benn je vor der Frage, ob er sich mit dieser Macht vertragen, d. h. sich ber nun einmal nicht wegzu- leugnenben französischen Vorherrschaft u n t c r ft c I » len muß ober noch einmal ben Versuch unternehmen kann, sich ihr entgegenzuwerfen. Die Umbildung seines Kabinetts, die nichts anderes anstrebt als eine rasche Konzentrierung aller Kräfte, die völlige Verschmelzung zwischen Staat, Volk und Faschismus, spricht nicht dafür, daß er sich schon geschlagen gibt. Die Aufhebung des Ausnahmezustandes für Groß-Verlm. Berlin, 26. Juli. (L71B. Funkspruch.) Folgende Verordnung ist veröffentlicht worden: „Auf Grund des Artikels 48 der Beichsverfasfung verordne ich: Die Verordnung betreffend die 2D i e - derherstcllung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in Groß-Berlin und der Provinz Brandenburg vom 20. Juli 1932 wird mit Wirkung vom 2 6. Juli 1 932, 12 Ahr mittags, aufgehoben. Die auf Grund dieser Verordnung durch den Inhaber der vollziehenden Gewalt ausgesprochenen Verbote periodischer Druckschriften werden hierdurch nicht berührt. Reudeck und Berlin, den 26. Juli 1932.“ gez. von Hindenburg. gez. von Papen. gez. Freiherr von Gayl. gez. von Schleicher. WiederKommunistenunruhen in Berlin. Berlin, 26.Juli. (TU.) Am Montagabend kam cs an verschiedenen Stellen der Stadt wiederum zu kommunistischen Zusammenrottungen. In der Stargarder Straße wurden Polizeibeamte von einem etwa 1 000 Mann zählenden Trupp Kommuni st en bedrängt unb mußten *n höchster Gefahr von ihrer Schußwaffe Gebrauch machen. Ein Kommunist erlitt einen Brustschuß und mußte ins Krankenhaus geschafft werden. Auch im Osten Berlins und in Neukölln versuchten die Kommunisten Demonstrationszüge zu bilden, die jedoch von der Polizei mit dem Gummiknüppel auseinandergetrieben werden konnten. Im Südosten Berlins hatten Kommunisten eine an einem Fenster angebrachte nationalsozialistische Fahne h c r u n t c r g e r, ss c n. Als Polizeibeamte gegen die Täter vorgehen wollten eröffneten Kommunisten aus den Häusern das Feuer auf die Beamten. Auch hier mußte die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch machen. Lei der Durstsuchung der Häuser, aus denen bie Beamten beschossen worden waren, wurde die 37jährige Anna Landwehr mit einem Kopfschuß schwer verletzt aufgefunden und rJ| Krankenhaus gebracht. Der Polizei gelang es, btt Ruhe wieder her. zustellen. Kurz vor Mitternacht wurde ein Streifen- wagen der Polizei vor bem Hause Naunynstraße 90 von Kommunisten mit Steinen bewor - s e n. Die Beamten gaben mehrere Schüsse ab unb nahmen einen Steinwerfer fest. Zur gleichen Zeit versuchten Kommunisten, aus Baumaterialien eine Barrikabe zu bauen, um bem Polizeiwagen ben Weg zu verlegen. Auch hier schritten bie Be- amten ein und nahmen neun Personen fest. Im Nordosten Berlins und in Charlottenburg wurden gegen Mitternacht acht Litfaßsäulen in Brand g e st e ck t. Wahlreden im Rundfunk. Christlich-sozialer Volksdienst und Deutsches Landvolk. Berlin. 25- 3uIL (ERB.) Der Führer des Chri^tlich«Sozialen Bolksdienstes Abgeordneter Simpfendörfcr hielt heute abend im Rundfunk eine Wahlrede, in der er mit Nachdruck betonte, daß das politische Ziel seiner Partei derBolksstaat auf christlicher Grundlage sei. Der Volksdienst werde auch in Zukunft um einen gerechten Frieden und um die deutsche Freiheit und Unabhängigkeit kämpfen. Gegen eine Politik sozialer Ungerechtigkeiten wende er sich mit rücksichtsloser Schärfe. Ein gesunder Bauern- st a n d sei eine der wichtigsten Säulen eines starken Staates. In Erziehung und Bildung fordere die Partei für die evangelische Jugend die evangelische Schule, sie lehne er aber ab, den konfessionellen Riß, der durch Deutschland gehe, zu vertiefen. Der Gang und das Ergebnis der Verhandlungen in Lausanne finden nicht die Zustimmung des D o l k s d i e n st e s, der sich auch gezwungen sehe, sich der neuen Regierung auf manchen Gebieten abwartend, in mancher Hinsicht sogar in Abwehr gegenüber zu stellen. Dann sprach der Führer des Deutschen Land- volkes v. Hauenschild auf sämtlichen deutschen Sendern über das Thema: „Der Bauer im Staat von heute". Was der Bauer, führte der Redner aus, zu seiner Arbeit brauche, fei öie ruhige Sicherheit ohne politische Experimente. Diese Sicherheit zu schaffen, sei eine der vornehmsten Aufgaben des Staates. Die Landwirtschaft bedürfe in erster Linie einer fühlbaren Entlastung der Ausgabenseite, damit die bäuerliche Existenz wieder gesichert werde. Als weitere Maßnahme für Die Aufbauarbeit nannte der Redner u. a. neben einer durchgreifenden Senkung der Zinsen und öffentlichen Lasten weiteren Schuh der Deredelungsproduk- tion und Senkung der Umsatz st euer für alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse auf den für das Getreide gültigen Satz von 0,85 Prozent. Am heutigen Dienstag werden Minister außer Dienst Dietrich für die Staatspartei und ein Redner der Bayerischen Volkspartei gegen 19 älhr im Rundfunk sprechen. Ein Vries Schachts an Vriining. Berlin, 25. 3uIl (Täl.) Der ehemalige Reichsbankpräfident Dr. Schacht hat folgenden Brief an den früheren Reichskanzler Dr. Brüning gerichtet: Rach Zeitungsnachrichten vom 19. d. M., die Sie trotz meines Telegramms an Sie nicht berichtigt haben, haben Sie in einer Rede in Freiburg im Breisgau geäußert, daß es „dem Herrn Reichsbankpräsidenten Dr. S ch a ch t in Paris und später gelungen sei, der deutschen Regierung und dem deutschen Volke wider seinen Willen den Voungplan aufzuzwingen“. Jedermann in Deutschland weiß, daß die deutsche Reichsregierung bereits fünf Wochen v o r der älnterzeich- nung einhellig (also einschließlich der Zentrumsminister) auf Annahme des Boungpla- nes gedrängt hat. Jedermann weiß, daß die Presse Derjenigen Parteien, Die Ihre zweijährige Kanzlerschaft gestützt haben, bereits seit Mitte Der Pariser Verhandlungen mir in Den Rücken gefallen ist. Jedermann weih, daß ich g e * gen Die Ratifizierung des Voungplanes durch das Hgager Schl, ' rotokoll Den schärfsten Kampf geführt und ft :ßlich aus Protest mein Amt als Reichsbankpräsident niedergelegt habe. Sie haben sich also mit Ihren Freiburger Ausführungen der bewußten Llnwahrheit schuldig gemacht. Rach Den gleichen Zeitungsnachrichten haben Eie unter Bezugnahme auf mich hinzugefügt, „solche Persönlichkeiten täten besser, sie würden bescheiden aus Der Oeffentlichkeit verschwinden". Rach Der Ratifizierung Des Haager Protokolls und des Voungplanes, durch Sie und Ihre Partei haben Sie zwei Jahre lang immer wieder versucht, mich zur öffentlichen Mitarbeit heranzuziehen. S'e haben mich während meiner amerikanischen Aufklärungsreise über den Voungplan telegraphisch Ihres Vertrauens versichert, Sie haben mich nach meiner Rückkehr wiederholt zu stundenlangen polifischen Aussprachen gebeten, Sie haben mich im Juli 1931 als 33er a ter im Reichskabinett hinzugezogen, Sie haben mich dringend gebeten, die unter Ihrer Politik entstandene Bankenkrise zu bereinigen, Sie haben mich noch Ende September um Uebernahme einer besonderen politischen Auslandauf- g a 6 e gebeten und jetzt diese Aeußerung! Das ist selbst für einen Parteipolitiker allerhand, Herr Brüning. gez. Dr. Hjalmar Schacht. Aus aller Welt. Der Jlieger Santos-Dumont f. 3n Rio De Janeiro ft a r b der seinerzeit sehr bekannte Luftschifferbauer und Jlieger Alberto Sanlos-Dumont im Alter von 59 Jahren. Santos- Dumont war am 25. Juli 1873 in Sao Paulo in Brasilien geboren, wo sein Vater eine kafseeplan- tage besah. Er machte schon früh versuche mit Der Herstellung eines lenkbaren Luftballons. Rach anfänglichen Mißerfolgen gelang ihm Der Bau eines 600 Kubikmeter fassenden Luftschiffes, mit Dem er am 19. Oktober 1902 einen Flug um Den Eiffelturm ausführte. Mit Diesem Fluge gewann er Den von Henry Deutsch ausgesetzten Preis von 10 000 Franken. Später roanDte sich Santos-Dumont Dem Bau von Flugzeugen zu. Obwohl feine Erfolge von anderen Erfindern übertroffen wurden, ist er doch einer Der ersten gewesen, der einen einwandfreien Flug V?V Dem Flugzeug vollführte. 3m 3ahre 1906 gelang ihm Der erste Luftsprung mit Dem Flugzeug übe? 50 Dieter unD kurz Danach Der erste Flug von 21 SefunDen über 220 Dieter. Autounfall Der Prinzessin Heinrich von Preußen. Rach einem Funkspruch aus Eckernförde wurde die Prinzessin Heinrich von Preußen vor einigen Tagen auf Der Rückfahrt aus D o o r n von einem Unfall betroffen. In der Rähe von Quickborn in Holstein mußte Der Aus Der Provinzialhauptstadt Die Beunruhigung? Von Or. med.Bonnin. warme Jahreszeit läßt einige Fragen auf- Gießen, den 26. Juli 1932. Gesteigerter Durst - ein Grund zur Protest der Kriegsopfer Gegen den Rentenabbau Gronau in Labrador. Der deutsche Ozeanflieger Wolfgang v. Gronau ist, nach einer Meldung der „Associated Preß" aus Ottawa, in Joigtut auf Island mit Kurs auf Cart- wright an der Küste von Labrador gestartet und dort trotz starkem Nebel glatt gelandet. Elli Beinhorn wieder in Deutschland. Mit dem Dampfer „(Sap Norte" traf die Fliegerin Elli Beinhorn in Bremerhaven ein. Namens des Bremer Senats begrüßte Regierungsrat Dr. G r o ß- curit die Fliegerin und beglückwünschte sie zu dem großartigen Erfolg ihres Fluges, durch den sie dem Deutschtum einen unschätzbaren Dienst erwiesen habe. Elli Beinhorn, die sich auf dem Lloyd- Dampfer gut erholt hat, dankte mit herzlichen Worten für den Empfang, an dem auch ihre Eltern und die Ostasienfliegerin Marga o. Etzdorf teilnahmen. Während der Begrüßung umkreisten Flug- zeuge den Dampfer. Elli Beinhorn hat damit ihren Weltflug beendet. Sie hat den deutschen Namen in 18 Staaten des nahen und fernen Ostens und Südamerikas getragen und mit ihrem Flugzeug mehr als 30 000 Kilometer zurückgelegt. schäft auf. Man müsse den Gegner zwingen, auf dem Boden der Demokratie zu bleiben. Diktatur bedeute Mangel an Geist, der durch die Gewalt ersetzt werden müsse. Die Kommunisten müßten, wenn ihnen die Idee der USSR. am Herzen liege, die Eiserne Front verlängern, damit nicht der faschistische Staatenbund Wirklichkeit werde. Der 31. Juli müsse ein Tag der Abrechnung fein. (Beifall.) Gießener Wochcrrmarktpreise. Gießen, 26. Juli. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Shrahmbutter 130, Landbutter 130, Matte 25 bis 30, Käse, das Stück 5 bis 10, Wirsing 8 bis 10, Rotkraut 12 bis 15, gelbe Rüben, Bund 8 bis 10, rote Rüben, Bund 8 bis 10, Spinat 18 bis 20, Römischkohl 8, Bohnen, grüne 12 bis 20, gelbe 45 bis 20, Erbsen 15 bis 18, Tomaten 20 bis 30, Zwiebeln 12, Pilze 25, Kartoffeln 4XA, Zentner 350 bis 400, Birnen 30 bis 45, Dörrobst 30 bis 35, Kirschen 40 bis 45, Heidelbeeren 30, Stachelbeeren 15 bis 20, Johannisbeeren 15 bis 18, Pfirsiche 40 bis 60, Himbeeren 25 bis 30, Honig 40 bis 45, junge Hahnen 80 bis 90, Suppenhühner 60 bis 80, Tauben, Stück 50 bis 60, Eier, Stück 8, Blumenkohl 30 bis 50, Salat 5 bis 10, Salatgurken 20 bis 30, Gin- machgurken 2 bis 5, Oberkohlrabi 8 bis 10, Rettich 10 bis 12, Radieschen Bund 8 bis 10 Pf. Bornotizen. — Tageskalende r für Dienstag: Deutsche Volkspartei, 20.30 Uhr, Hotel-Restaurant „hinden- bürg", Erweiterte Mitgliederversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Elisabeth von Oesterreich"^ — Die Deutsche Volkspartei, Ortsgr. Gießen, lädt in unserem heutigen Anzeigenteil auf heute abend zu einer erweiterten Mitgliederverjamm- lung in das Hotel-Restaurant „Hindenburg" ein. (Siehe Anzeige.) — Eine öffentliche Wählerverfamm« lung der NSDAP, findet morgen, Mittwoch, 20.30 Uhr, in der Turnhalle statt. Alfred Rosenberg wird übet das Thema „Gebt Hitler die Macht" sprechen. (Siehe heutige Anzeige.) tende Bevölkerung ausgeübt werde, habe sich schon dahingehend ausgewirkt, daß sich die Arbeiterschaft enger zusammenschließe. Jahrelang habe man, so führte Der Redner u. a. weiter aus, die Erfüllungs- Politik bekämpft. Den Abbruch der Erfüllungspolitik habe man sich in nationalen Kreisen immer sehr leicht vorgestellt. Popen fei in Lausanne gewesen, nicht als Vertreter des „Systems", sondern als Vertreter der „nationalen Konzentration . Er habe politische Konzessionen erstrebt, fei aber zurückgekehrt mit dem Lorbeerkranz des erfolgreichen Erfüllungspolitikers, hinsichtlich der deutschen Wehrfreiheit sei nichts er» reicht worden; die Streichung der Kriegsschuldlüge sei nur eine formale Angelegenheit, für die man nicht so viel hätte zu geben brauchen. Es gebe auch keine Brüningsche Notverordnung, die so unsozial sei, wie die Der Regierung von Popen. Den Aermsten würden Die Unterstützungen weiter gekürzt, Der InDuftrie und den Banken weitere Subventionen gegeben. Verantwortlich dafür sei die NSDAP., die Den Antritt Der „Regierung Der Barone" ermöglicht Hobe. Die NSDAP, toleriere oußerDem Den antisozialen Kurs. In seinen weiteren Ausführungen beschäftigte sich Der RcDner eingehenD mit Der Haltung Der NSDAP, in sozialen Fragen, mit Den Zusammenhängen zwischen NSDAP. unD Reichspolitik unD mit Den Versprechungen Dieser Partei sowie Deren Stellung zur Frau. Man müsse sich bewußt fein, so betonte Der ReDner abschließend Daß Die beoorstehenDe Wahl eine enDgültige EntscheiDung von weltpolitischer BeDeu- tung bringe. Es gehe schlechterDings um Die Frage: Kapitalismus oDer Sozialismus? Die kapitalistische Welt opfere für Den Scheinsozialismus Der NSDAP, noch einmal alles, um Den wirklichen Sozialismus hintanzuhalten. Für Den Republikaner sei es Deshalb Pflicht, in Diesen Tagen Die Front mit allen Mitteln stark zu machen zum Kampf gegen Den Faschismus. (Lebhafter Beifall.) Als zweiter ReDner sprach Herr h e r t h (Langen). Auf Dem Spiele stehe in Diesen Tagen Leben und menschenwürdige Existenz Abertausender van Ar- beitern, die für Die Freiheit gekämpft hätten. Es sei trügerisch, auf eine Besserung Der wirtschaftlichen Verhältnisse zu hoffen, solange breiteste Volkskreise nicht einmal Das DringenDfte kaufen könnten. LeiDer habe es Die Arbeiterschaft in all Der bewegten Zeit nicht oerftanDen, ihre schwer erkämpften Rechte zu wahren. Die Jugend wisse nicht, wo sie hingehöre. Die Frau Dürfe nicht mehr abseits stehen, sie müsse Den Sozialismus in Die Familie tragen. Der Mann könne angesichts Der gegenwärtigen Verhältnisse Die Faust nicht immer in Der Tasche halten. Die Deutsche Arbeiterschaft fei bereit, für ihre Freiheit zu kämpfen. Darum gehe es am Sonntag. Nicht Hitler, fonDern Das Volk solle regieren. (Beifall.) Zum Schluß sprach Kreisturnwart Dobola (Wien), Der als Begleiter Der Fußballmannschaft nach Gießen gekommen war. Er kennzeichnete insbefon- Dere Die Haltung Der SozialDemokratie in Oesterreich, sprach von Den anDeren Voraussetzungen, Die in Oesterreich gegeben seien, unD von Der Einigkeit, Die Dort in Der Arbeiterschaft herrsche. Er beschäftigte sich weiter mit Dem Programm Der NSDAP, in DeutschlanD, mit Der Person Adolf Hitlers und Der Bewegung im allgemeinen. Er forderte zur Einigkeit und zum Aushalten für Die Sache der Arbeiter- In einer außerorDentlich stark besuchten KunD- gebung Des ReichsbunDes Der Kriegsbe- schäDigten am Sonntagvormittag auf Der „Lie- bigshöhe" sprach nach kurzen Worten Der Begrüßung Durch Den Gauvertreter Tauer zunächst Dberregie« rungsrat Ritzel im Auftrage Der erschienenen Be- hörDenvertreter. Die BehörDen, Die mit Der Wohl- fahrtsarbeit betraut seien, beDauerten Die Entwick- lung Der letzten Tage, auf Die sie keinen Einfluß hätten nehmen können. Man werDe sich bemühen, Härten zu milbern. SoDan sprach Der DorsitzenDe Des ReichsbunDes Der KriegsbeschäDigten, KameraD PfänDner (Berlin) übet Das Thema „Kriegsopfer und Wohlfahrtsstaat". Deutschland erlebe, so führte er u. a. aus, gegenwärtig eine Krise von unerhörtem Ausmaß. Leider müsse man Den Kampf aller gegen alle feftftellen. Der KriegsbeschäDigte müsse nicht nur feine Stimme um seiner Interessen willen erheben, sonDern sich auch Darüber klar werben, welcher Weg zur Besserung führen könne. Der Kampf gehe heute Darum, auf wessen Kosten Die Wirtschaft roieDer in Gang gebracht roerDen solle. Vielfach werDe vergessen, daß der schwerste Krieg der Weltgeschichte über Deutschland hinweggegangen sei. Die Verantwortung Dafür fei aber nicht Den Menschen nach Dem Kriege bei- zumessen, sonDern Den Verantwortlichen Des Vor- friegsftaates. Alle Not gehe auf Krieg unD Kriegsfolgen zurück. Durch Den Krieg feien Die Fundamente Der Wirtschaft in UnorDnung geraten. Alle Unterstützungen müßten nun naturgemäß erarbeitet merken. Nicht Durch NotenDruck gehe inan Der Krise aus Dem Wege. Zwar fei die Frage der Tributlasten erledigt, das Volk schleppe aber doch noch das Bleigewicht von Milliardenschulden hinter sich her. Bisher habe man habet stets gege die Erftillungspolitik gewettert von Popen habe aber, wie sich erwies, auch nicht anders handeln können, als er es in Lausanne tat. Außenpolitisch seien die Probleme nicht mehr so schwierig gelagert, wie innerpolitisch. Am ** Wanderungs-Sonntagsrückfahrkarten beantragt. Einer Anregung des Vogelsbergen höhen-Clubs, Zweigoerein Gießen, entsprechend hat der Verkehrsbund Oberhessen bei der Reichsbahndirektion Frankfurt o. M. die Schaffung von Sonntagsrückfahrkarten zwischen Gießen und verschiedenen Orten unserer Provinz zwecks Förde- rung des Wandererverkehrs beantragt. Die Wanderungs-Sonntagsrückfahrkarten sind Derart geDacht, Daß sie Gießen als Ausgangspunkt haben und von verschiedenen Stationen aus nach her Art von sog. Runhfahrkorten zur Heimkehr benutzt werben können. Es ist in bem Antrag vorgeschlagen worben, in biese Einrichtung eine ganze Reihe von ober- hessischen Orten, bie im Bereiche her hauptwaybe- rungsziele liegen, einzubeziehen. Die Reichsbahn- Direktion Frankfurt hat auf hen Antrag bes Ver- kehrsbunbes Oberhessen mitgeteilt, bah sie im Laufe bes Monats September auf ben Vorschlag zurück- kommen werbe, hoffentlich wirb bei her Behanhlung biefer Angelegenheit von her Reichsbahnbirektion großzügig verfahren unb alle Engherzigkeit beiseite gelassen, zumal eine herartige Einrichtung schon vor dem Kriege von hier aus beftanben hat unb feit vielen Jahren bis heute in Frankfurt a. M. in Geltung ist. ** Die Wegemarkierung nach her Theoborsruh. In Dankenswerter Weife hat sich Der Vogelsberger höhen-Elub, Zweigverein Gießen, Der Aufgabe unterzogen, eine gute Wegemarkierung von Gießen nach Der Schutzhütte auf Der Theoborsruh, über Deren Errichtung wir kürzlich berichteten, zu schaffen. Der WanDerweg geht von Gießen aus zunächst bis zu Den Gailfchen Tonwerken, hier führt er vorbei nach Dem WalDe, Dann auf einem lauschigen PfaD nach einer breiten SchneiDe unb von Dort aus in mehrfach gewunDe- nem Wege in Der Richtung nach Der Leihgesterner Straße zu. Unmittelbar vor her Lanbstraße stößt bie Markierung auf ben Weg nach her Theobors- ruh, her jetzt schon mit Wegweisern versehen ist. Der Wegebezeichnungsausschuß (WBA.) bes VHC. Gießen hat bereits am Sonntag Die GrunDierung Der Wegzeichen (T auf weißem GrunD) vorgenommen, leiDer rourDe seine Arbeit aber Durch starken Regen beeinträchtigt, her bie Farbe verschmierte. Bei günstigem Wetter wirb bie Arbeit her Wegebezeichnung in anerkennenswerter Weise erneut in Angriff genommen werben, so baß man hoffen barf, in nicht allzu ferner Zeit auf schönem Walbwege unter 23er- meibung her Lanbstraße zu hem ibyllischen Plätzchen im Schiffenberger Walb gelangen zu können. tauchen, bie ben Winter über etwas in ben Hinter- grunb getreten sinb. Die Sanne brennt, Das schöne Wetter regt zu einem weiten Marsch an, Der sich auch über Die warmen MittogsstunDen hin erstreckt. Auch Die sportliche Betätigung aller Art nimmt wie- Der zu. Bei längerer AusDeynung solcher vielleicht ungewohnten Tätigkeit tritt nach anfänglichem gesteigertem Wohlbehagen ein ungewohnter Durst auf. Sofort fallen jeDem Die verschieDenartigsten Belehrungen ein. Die er im Laufe Der Zeit gelesen hat. Man soll solchem Durstgefühl nicht nachgeben, fon- Dern es mannhaft überwinhen, gerahe bie Be- herrschung aller Triebe unterscheibet ja ben Menschen erst van bem unroiffenben unb unvernünftigen Tiere! - Sa ober ähnlich hat mancher Ratgeber in burchous wohlmeinenber Weise gemahnt. Stimmen biese Ratschläge immer? Das absolute Trinkverbot ist in einer solchen Form vollkommen abzulehnen. Bei jeher körperlichen Betätigung bei sonnigem Himmel und noch mehr bei schwülem Wetter tritt nämlich, namentlich bei untrainierten Personen, ein ganz ungewöhnlicher Schweißverlust ein, her ben Wasserhaushalt bes Körpers bebeutenb entlastet unb vielleicht auch zu einer recht erwünschten Gewichtsabnahme Anlaß gibt. Anberseits barf aber nicht vergessen werben, boß bem Körper huret) ben Schweiß bie verschieDenartigsten Stoffe entzogen werben, bie nicht immer lebiglich als überflüssige Stoffwechselprohukte zu bewerten sinb. Es ist nur ein burchaus vernünftiger Ausgleich, wenn her Da» hurch bewirkten Austrocknung sämtlicher Schleimhäute hurch mäßiges Trinken Einhalt getan wirb. Viele Forscher stehen auf bem StanDpunkt, Daß ge» raDc bie ausgetroefneten Schleimhäute ben von außen einbringenben Bakterien aller Art nur äußerst geringen Wiberstanb entgegensetzen können. Als Beweis bafür kann bie Tatsache gelten, Daß bie schweren Orippeepibemien im Jahre 1918 unb 1928 zu einer Zeit aufgetreten sinb, bie sich Durch Das längere Ausbleiben jeglichen NieDerschlages auszeichnete. AllerDings sollen Diese Ausführungen niemänD Dazu anregen, in sinnloser Weise Drauflos- zutrinken, Denn man Darf ja nicht vergessen, Daß jebe Flüssigkeitsabgabe ben Organismus auch .zu vermehrter Flüssigkeitsabgabe wieher anreizt. Es erscheint baher auch burchaus angebracht, bas Durstgefühl bisweilen, gerahe bei sportlichen Anstrengungen, nicht hurch rasches Trinken, sonbern huret) langsames Genießen von saftreichen Früchten zu stillen, ober aber bei längerem Anhalten bes Durstes öfters Munbspülungen unb Gugelungen vorzunehmen. Bisher haben wir lebiglich bas vollkommen normale Durstgefühl nach vermehrten Anstrengungen unb bei heißem Wetter besprochen. Leiber gibt es aber genug Leute, bie auch über bauernben Durst zu klagen haben, ohne baß einer Der bisher beschriebenen Grünhe oorlicgt. Bei jeher Witterung, auch ohne bie geringste vorangegangene körperliche Anstrengung, macht sich bei biesen Bebauernswerten starker Drang nach Flüssigkeitsausnahme bemerkbar. Ausschließen wallen wir bei biefer Betrachtung bie Fieberkranken, bie natürlich einem erhöhten Stoffwechselumsatz unb baburch bebingtem Wasser- Verlust ausgesetzt sinb unb biefen auf natürliche Weise auszugleichen versuchen. Liegt aber kein Fieber vor unb besteht trotzdem bauernder Durst, so soll niemand bie kleine Mühe scheuen, sich einer genauen ärztlichen Untersuchung, besonders seines Urins zu unterziehen, ha ein herartiger sonst nicht erklärlicher Durst sehr häufig bas erste Anzeichen einer bestehenden Zuckerkrankheit ist. Ferner wurden auch Fälle von irgendwelchen Wasseransammlungen im Organismus bei Rippenfellreizungen und Herzleiden bekannt. Durch diese Stauungen wird Wasser in vermehrtem, krankhaftem Maße im Körper zurückbehalten unb nicht zur Ausscheibung gebracht. Auch hierbei sucht her Körper Durch vermehrtes FlüssigkeitsbeDürfnis wieher auszugleichen, nur ist es in biefen Fällen vielleicht recht unangebracht, bem Bebürfnis ungehemmt nachzugeben, ba bas an unb für sich schon kranke Herz bann noch mehr belastet werbe. Nicht in allen Fällen barf jebes vermehrte Durstgefühl als Grunb zur Beunruhigung gelten, obwohl sehr häufig unter ben oben geschilherten llmftänben vielleicht ein Anlaß zum Aufsuchen bes Arztes vorliegt. Kundgebung der „Eisernen Fronte Im Saale her „Liebigshöhe" fanh am Samstag- abenb eine Kunbgebung her Eisernen Front statt. Als erster Rebner sprach Reichstogsabgeorbneter Fritz Tarnow (Berlin) über „Die Reichspolitik im Zeichen bes Rechtskurses". Die Reichsregierung habe einen Vorstoß gegen Preußen unternommen unb glaube nach ihrer Auslegung auf Grunb verfassungsmäßiger Rechte gehanbelt zu haben. In Wirklichkeit bebeute bie Aktion eine Gewaltmaßnahme, um bie Rechte an bie Regierung zu bringen. Die Antwort auf bie Aktion her Reichsregierung werbe am 31. Juli gegeben werben. Sicherlich gebe es Kreise, bie ein Interesse barart hätten, bie bevorstehenbe Reichstagswahl zu verhinbern. Es komme barnuf an, baß her Vorwanb zur Verhinberung her Reichstagswahl nicht gegeben werbe. Sie müsse unter allen llmftänben ftattfinben. Es gelte, gegenüber jeher Provokation Disziplin zu bewahren. Der Druck, der auf bie arbei« wichtigsten sei bie Frage, welcher Weg unsere Wirt- schäft m bie Zukunft führe. Man klage ständig über hohe Wohlfahrtslasten über zu hohe Löhne; deshalb baute man auf allen Gebieten ab unb glaubte bamit helfen zu können. Erreicht habe man aber nur ein verhängnisvolles Sinken her Kaufkraft. Zu überlegen fei, baß her sog. Wohlfahrtsstaat nicht bem Zwischenempfänger zugute komme, sonbern Demjenigen, her etwas zu verkaufen habe. Für ben Rentenempfänger sei her Weg zum Postamt unb zum Wohlfahrtsamt sauer genug. Den Rentnern sei es nach bem Kriege noch immer schlecht gegangen. Der Reichsbunb der Kriegsbeschäbigten sei parteipolitisch nicht gebunben. Er stehe aber auf her Seite her Unterdrückten, auf b:r Orunblage her Demokratie. Der Kriegsbeschäbigte müsse wissen, Daß er nicht im Lager Der Diktatur, sonDern im Lager Der freiheitlich Gesinnten stehen müsse. ParlamentsDemokratie, in Der Das Volk mit- zubestimmen habe, sei immer noch besser als eine Diktatur Der Notverorbnungen. Die NSDAP., mit Deren Wesen hinsichtlich Der Sozialpolitik sich obr ReDner eingehender befaßte, habe bisher eine Gesetzgebung, die den Rentnertt zugute kommen sollte zu Hintertreiben gewußt. Die Einstellung Der NSDAP, zur Sozialpolitik müsse in ihrer gegebenen Form abgelehnt roerDen. Der eine Dürfe auch im andern nicht nur deshalb ben Lanbesverräter sehen, weil biefer anberer Meinung sei. Das Volk müsse seine Wunben aus bem Kriege in her Sonne her Freiheit heilen. Das könne aber nur geschehen auf bem Boben her Orbnung. Dem Volke unb bem Vaterland helfe man am besten, wenn Das Banner der Freiheit hoch- gehalten werDe. (Lebhafter Beifall.) Im Anschluß an Diese Ausführungen bestätigte bie Versammlung einstimmig folgende Entschließung: „Die am Sonntag, 24. Juli 1932, in einer Massenkundgebung des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten in der „Liebigshöhe" zu Gießen versammelten Kriegsopfer unb ihre Vertreter aus bet Provinz Oberhessen stellen in tiefer Empörung folgenbes fest: Kraftwagen vor zwei plötzlich auftauchenden Fahrzeugen scharf bremsen und geriet dabei in den Chausseegraben, wobei er sich überschlug. Die Prinzessin erlitt eine Kopfverletzung. Ruch eine Vegleiterin wurde leicht verletzt. Der Kraftwagen ist schwer beschädigt worden. — Irene, Prinzessin von Hessen und bei Rhein, geboren am 11. Juli 1866 in Darmstadt, ist die jüngere Schwester des Grohhcrzogs Ernst Ludwig; sie wurde am 24. Mai 1888 in Charlottenburg mit dem Prinzen Heinrich von Preußen, dem verstorbenen Bruder Kaiser Wilhelms II., vermählt; ihrer Ehe entsprossen die Prinzen Wuldemar und Sigismund. Hoovers Privatoermögen. — Starke Verluste an einer Zeitungsbeteiligung. Das persönliche Vermögen des amerikanischen Präsidenten Hoover, Das früher auf vier M i l- lionen Dollar geschätzt rourDe, ist, Der Zeitschrift „Fortune" zufolge, auf 7 00 000 Dollar gesunken. Den größten Verlustposten bilDen Die Investierungen Hoovers in einer Washingtoner Zeitung, bie später einging. Während in den letzten Jahren ohne sichtbaren Erfolg vom Reiche Hunderte von Millionen Reichs» mark als Stützungskrcdite und Subventionen verausgabt wurden, die zum größten Teil als nicht wieder eindringlich zu bezeichnen sind, hat sich die Lebenslaac der deutschen Kriegsopfer von Tag zu Tag verichlechtert. Sic müssen den Eindruck gc» ivinnen, als ob Subventionen usw. auf Kosten der Rentcnkürzungcn gehen müßten. Der Glaube der Kriegsopfer an Staat und Vaterland wird hierdurch stark erschüttert. Viele werden dein schädlichen Ra» ditalismuö in die Arme getrieben, weil sie neben -cm Abbau der Versorgungsrcnten auch dem Abbau In der Sozialversicherung unterliegen. Die Kriegsopfer im Rcichsbund weisen den Vorwurf ganz ener» gisch zurück, daß sie die durch ihre Blutopser erworbenen Rechte an Staat und Vaterland von einem Wahlfahrtsstaat der Nachkriegszeit erfüllt bekommen hätten. Sie fordern ein Recht für ihre dem Vaterlande in der Stunde der Gefahr mit Leib und Leben besiegelten Dienste. Hieraus folgert die Forderung auf Wiederherstellung des Rechtszustandes der 23er» forgungsgefetzgebung vor Erlaß der Notverord- nungen. 3m einzelnen bedeutet das u. a.: 1. Rechtsanspruch auf Heilbehandlung auch ahne Rentcnbezug, sowie an Hinterbliebene. 2. Orthopädische Versorgung nur nach der Zweck» Mäßigkeit und Notwendigkeit für den Verfor» gungsberechtigten. 3. Unbeschrankte Renten - Autragstelluna bei Kricgsverwundung oder bei schon erfolgter Anerkennung der Dicnstbefchädigung. 4- Zufatzrentcngewährung an bedürftige 23er» forgungsderechtigte bis zum geforderten Einbau der Zusatzrente in die allgemeine Rente. 5. Gewährung von Waisenrente und Kindcrzu- schlügen bis zur Vollendung des 18. Lcbens- lahres als Rechtsanspruch. 6. Gleichstellung der Lcichtbeschädigten mit den Schwerbeschädigten. 7. Wegfall der Einschränkungen nach § 62 RVG. (Anrechnung von Rente auf öffentliches Ein- kommen). 8. Streichung der Anrechnungsbestimmungen aus der Sozialversicherung. 9. Wiederaufleben des Kostcngcfetzes für die Soziale Fürsorge für die Kriegsopfer. 10. Wiederherstellung des Rcchtszuges vor den Spruchinstanzen der Reichsvcrsorgung." Zahlen vom Frankfurter Sängerfest WSV. F ra n k f u r t a. M., 25. 3uli. Die Tage des XI. Deutschen Sängerbundesfestes sind verrauscht und die Mehrzahl der deutschen Sänger hat Frankfurt wieder verlassen. Die Pessimisten, die glaubten. Voraussagen zu können, daß die Veranstaltung eines so grotzen Festes in einer Zeit der 21 ot mit Tiner großen Pleite enden würde, sind eines besseren belehrt worden. Im Gegenteil ist das Fest ein Erfolg auf der ganzen Linie gewesen. Man braucht nur die vergnügten Gesichter der Frankfurcer Geschäftsleute zu sehen, um zu wissen, daß die Sänger in Frankfurt etwas hängen gelassen haben. -Das geht auch aus folgenden Zahlen hervor, die bis jetzt vorliegen: Die Jranffurfer Straßenbahn Hal während der Jefltage rund 1,5 Millionen Fahrgäste befördert. Allein an die Sänger hat sie für 60 000 Mk. Marken, die zur beliebigen Benutzung der Straßenbahn berechtigten, verkauft. Daneben waren die Einnahmen im Barverkehr enorm hoch, allein am Samstag wurden auf diese Weise 46 000 Mark eingenommen. Selbst die ältesten Straßenbahnwagen mußten in Dienst gestellt werden, um dem Rieienverkehr gerecht zu werden. Eine Glanzleistung bedeutete es auch, innerhalb von wenigen Stunden 30 000 bis 40 000 Sänger nach dem Stadion und zurück zu transportieren, daneben aber auch noch dem starken Derkehrsbedürfnis im Regelverkehr gerecht zu werden. Auch die Kraftdroschken waren ständig unter- wegs und mehr ais 2 0 0 Omnibusse mußten aufgeboten werden, um die Sänger in Rundfahrten durch Frankfurt und feine Umgebung zu fahren. Natürlich hatte auch die Reichsbahn große Tage. Jn 40 Sonbcqügcn wurden etwa 25000 Sänger nach Frankfurt gebracht. Daneben brachten alle fahrplanmäßigen Züge weitere Tausende von Sängern an. Wenn auch die meisten Sänger in Privatquartieren untergebracht werden konnten, so hatten doch auch die Hotels gute Tage, da mit den Sängern viele andere Gäste gekommen waren, die in den Hotels wohnten. Die Frankfurter Sehenswürdigkeiten, wie Goethehaus. Palmengarten, Zoo usw. batten noch nie so viel Besuch, wie während der Sanger- tage. Die Frankfurter Gastwirtschaften waxen meist übeifünt, und selbst die entlegensten Apfelweinwirtschaften profitierten von der Sängerinvasion. Ein besonderes Kapitel bildete der Festplah auf dem Festhallengelände. Hier herrschte während der ganzen Festwoche' em Treiben, wie es Wohl in Frankfurt noch nicht dagewesen ist. Den Höhepunkt erreichte der Besuch der Vergnügungsstätten am Samstagabend, wo schätzungsweise 150 000 Menschen auf dem Festplah weilten. Die Attraktionen der Hugo Haafe AG. waren ständig dicht belagert und wurden nach jeder Pause gestürmt. Die große Bayerische Bierhalle war ständig überfüllt, sic faßte normal 12 000 Gäste. Was hier verzehrt worden ist, läßt sich ermessen, wenn allein die Zal ( der vertilgten B r a t w ü r st e mit 100 000 angegeben wird. Auch alle anderen Wirtschaftsstätten des Je tplatzes war ständig voll besetzt, so daß wohl keiner der Unternehmer ohne Gewinn den Fcstplatz verlassen wird. am in Arbeiter-Turn- unö Sportbund Dien — Naunheim 6:0. Die FußbalbMannschast von Wien war Sonntag beim Kreismeister des 9. Kreises Naunheim zu Gast. Etwa 5000 Zuschauer umsäumten das Spielseid, als die Mannschaften, lebhaft begrüßt, das Feld betraten. Das Spiel brachte gleich zu Beginn ein Ueberrafchungstor. Der linke Flügelmann der Gäste schoß eine schöne Flanke des Rechtsaußen zum Führungstreffer ein. Bald darauf gab es wieder gefährliche Momente vor dem Tor des Platzbefitzers. In der Folge fanden sich die Naunheimer aber besser und konnten das Spiel offen gestalten. Es dauerte geraume Zeit, bis Wien zum zweiten Erfolg kam. Bis zur Pause tonnten von den Naunhcimern wohl einige Torchancen herausgearbeitet werden, aber die unglaubliche Sicherheit der Gäste-Verteidigung verhinderte jeden Erfolg. Halbzeit 2:0. Nach dem Seitenwechsel kam Naunheim etwas mehr in Fahrt, der Linksaußen konnte auch einige fchöne Torschüsse anbringen, die Wiener Fußball in Gießen. DaS Gastspiel der Arbeiter-Fußball-Mannschaft von dem Gaswerk St. Deith in Wien, zeigte so recht, wie man auch Fußball spielen kann. Damit will gesagt sein, daß der Fußballsport, wie er in Wien (und zwar speziell in Wien) getrieben wird, nicht nur etwas, sondern wesentlich anders und vor allem sympathischer aussieht, als der deutsche Fußball in seiner üblichen Erscheinungsform. Vicht der Kampfsport stand hier im Vordergrund, sondern das Spiel an "sich und als solches. Die Gäste aus Wien zeigten einen Fußball, der nicht Kamps bedeutete, sondern zielbewußte disziplinierte Leibesübung, Spiel mit den Mitteln des Geistes und des Körpers, gewissermaßen transferierter Sport der in dieser Form für die Ausübenden sowohl wie auch für den Zuschauer ästhetischen Genuß bedeuten konnte. (So wie ihn z^B. der Anblick der Bewegung des Diskus- oder Speerwerfers oder eines vollendeten Läufers auszulöfen vermag!) Allerdings verlangte diese Art zu spielen auch vom Zuschauer auch eine andere Art der Betrachtung: man mußte sich von dem Gedanken lösen, Sensation und Draufgängertum fchen zu wollen, man mußte auch gut aufpaffen, um alle die Feinheiten wahrzunehmen, die dieses Spiel maßgeblich bestimmten. Unter den gegebenen Voraussetzungen gestaltete sich das Spiel weicher, flüssiger und vor allem außerordentlich fair. Die Wiener hatten es gar nicht nötig, hart zu spielen, die Gastgeber aber hüteten sich, aus den verschiedensten Gründen hart aufzutreten. Die Gäste entschieden das Spiel mit 8:0 für sich. In der Halbzeit stand das Spiel 3:0 für Wien. Die Gastmannschaft war, das erwies sich in jeder Phase des Spiels, ein homogenes Ganzes, das durch keinerlei Egoismus des einzelnen Spielers gestört werden konnte. Die Elf arbeitete zusammen (dieser Vergleich ist durchaus'angebracht) wie ein Uhrwerk. Ihre unnachahmliche Kombinationstechnik stellte den Gegner schon rein körperlich vor höchste Anforderungen. Die Gießener Arbeitersportler mußten viel laufen. Das Stellungsspiel der Wiener war so ge» schickt angelegt daß kaum ein Ball, von einem Mann zum anöeren gegeben, trotz ungünstiger Bodenverhältnisse, sein Ziel verfehlte. Ermöglicht wurde dies durch eine vollendete Balltechnik, die ein sorgfältiges Training verriet (das in den Kreisen der Gießener Fußballer ja leider nur allzuviel vernachlässigt wird). Die Gießener Freien Turner waren vor eine große Aufgabe gestellt. Die Elf machte aber trotz aller Ueberlegenheit des Gegners keine schlechte Figur. Erstens kämpfte man mit unverdrossenem Eifer, und zweitens mit aller Hingabe. So konnte cs den Gießenern auch nur gelingen, das Spiel einigermaßen offenzuhalten. Es wurden auch einige, wenn auch wenige, Torchancen herausgearveitet, im entscheidenden Moment aber durch eine auffällige Nervosität versiebt. Während des ganzen Spelverlaufs, auf dessen Einzelhelen einzugehen reichlich über- flüssig erscheint, spielten die Wiener mit verhaltener Kraft. Bestimmt hätten sie viel mehr Tore zu schießen vermocht. Sie ließen es sich aber genug sein, mit 8:0 ihre Ueberlegenheit zu beweisen. Dabei wurden die Tore durchaus nicht durch besonders angelegte forsche Angriffe erzielt, sondern aus der Kombinationsarbeit heraus, und nur so nebenbei geschossen. Der Torwart der Gastgeber mußte dabei aber mit gespanntester Aufmerksamkeit den Operationen der Wiener folgen; der Wiener Torwart war demgegenüber kaum befchäftigt. Die Fußballspieler, deren sich viele unter den Zuschauern befanden, dürsten aus diesem ideenreichen Spiel manche Anregung erhalten haben. Leider litt die Begegnung unter den Unbilden der Witterung. Es regnete sehr dauerhaft, und erst mit dem Schlußpfiff heiterte sich der Himmel auf Der Ball rollte nur aus einer Wasserlache in die andere. Die Wiener bewiesen aber gerade dadurch, daß sie auch unter solchen Umständen encn so vorzüglichen Eindruck vermittelten, ihre hohe Qualität ... aber vom Gästehüter glänzend gemeistert wurden. Schließlich bei>idt aber doch Wien die Oberhand, und Naunheim mußte alles aufbieten, um den technisch prachtvollen Angriffen der Gäste nur einigermaßen zu begegnen. Erst nach geraumer Zeit kam Wien zum dritten Treffer, dem kurz darauf der vierte folgte. Wohl hielt Naunheim bas Spiel immer noch offen, doch gelang es den Ocfterrcichcrn, noch zwei weitere Tore zu erzielen und fo auch aus diesem Spiele als sicherer Sieger hervorzugchcn. Launsbach I — wicseck II 3:3. Wieseck war zu einem Freundschaftsspiel In Launsbach zu Gast. Sofort entwickelte sich ein flottes, zeitweise jedoch sehr hartes Spiel. Die Wicseckcr zeigten dabei ein reichlich zulammenlwnglojes Spiel und mußten sich mit dem Unentschieden Antrieben* geben. Großen vuseck II — wieseck 111 0:0. Wicseck trat nur mit zehn Mann an, lieferte dem Gegner aber trotzdem ein flottes Spiel. Alle An» ftrengungen blieben jedoch erfolglos. Nachdem bis kurz vor Schluß Wieseck nur noch mit sieben Mann auf dem Felde stand, mußte der Unparteiische das Spiel abpscifcn. wicseck Jugend — krosdors Jugend 8:1. wieseck Schüler — Grohen-Vuseck Schüler 3:1. Wirtschaft. Leichte Besserung des Heichsbankstatus Berlin, 26. Juli. (WTB. Funkspruch.) Nach dem Ausweis der R e i ch s b a n k vom 23. Juli hat sich in der verflossenen Bankwoche die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 103,4 Millionen auf 3394,4 Millionen Mark verringert. Im einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln und -Schecks um 60,2 Millionen auf 2922,1 Millionen Mark, die Lombardbestände um 43,7 Milliarden auf 102,0 Millionen Mark abgenommen, und die Bestände an Rcichsschatzwechscln um 0,5 Millionen auf 5,1 Millionen Mark zugenommen. An Reichs- bankiwtcn und Rentenbankscheinen zusammen sind 76,1 Millionen Mark in die Kassen der Reichsbank zurückgeslossen, und zwar hat sich der Umlauf an Rclchsvanknoten um 74,4 'Millionen auf 3721,9 Millionen Mark, derjenige an Rentenbankscheinen um 1,7 Millionen auf 403,3 Millionen Mark verringert. Dementsprechend haben sich die Bestände der Relchs- banf an Rentenbankscheinen auf 23,8 Millionen Mark erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 358,8 Millionen Mark eine Zunahme um 20,2 Millionen Mark. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen haben sich um 0,3 Millionen Mark auf 891,9 Millionen Mark erhöht. Im einzelnen Haden die Goldbestände um 28 000 Mark auf 754,1 Millionen Mark und die Bestände an dcckungs- fähigen Devisen um 237 000 Mark auf 137,8 Millionen Mark zugenommen. Die Deckung der Noten durch Gold und dcckungsfähigc Devisen beträgt 24 Prozent gegen 23,5 Prozent In der Vorwoche. Berlin lebhafter. Berlin, 26. Juli. (WTB. Funkspruch.) Im Gegensatz zu den Vortagen bot der Beginn der heutigen Börse ein etwas lebhafteres Bild. 21 n Der freundlichen Grundstimmung hat sich nichts geändert, doch scheint das Interesse des Publikums eher weiter im Zunehmen begriffen zu fein. Wie immer erstreckt sich dieses zunächst aus Renten- und reine Kassawerte. Avcr auch zu den ersten nariablon Kursen war der Ordereingang etwas größer als sonst, so daß die ersten Notierungen ziemlich allgemein bis zu 1 v Sy und häufig bis zu 2 v. H. fester waren. Philipp Holzmann war mit plus 2,5 v. H., Chadeaktien mit plus 3 Mark und Allgemeine Lokal und Kraft mit plus 3,75 v. H. etwas gebessert. Allerdings kam die letzte Kurssteigerung durch eine Bestens-Kauforder von 3 Mille zustande ein Beweis, wie eng die Märkte, besonders die Nevcnwerte, Immer noch sind. Die Aufhebung des Ausnahmezustandes wurde als ein Zeichen der Stärke der Regierung gewertet und auch außenpolitisch machte die Beruhigung Fortschritte, da die bereits gemeldeten Ausführungen des Senators Borah in der Kriegsschuldenfrage unwidersprochen geblieben sind. Ferner ging von der Festigkeit der Auslandbörsen ein kräftiger Impuls aus. Auch der Neichsbankauswcis für die dritte Iuliwoch' wurde als normal angesehen. Für die Börse selbst war ferner eine Beruhigung, daß die Abwicklung der Lombarddarlehn wahrscheinlich nochmals um einen Monat hinausgeschoben wird, so daß man erst Ende August an die allmähliche Abwicklung zu denken braucht. Auch am Renten markt war das Geschäft leb-' Hafter. Das Hauptinteresse erstreckte sich auf Rclchs- fchuldbuchsorderungen, die 1 bis 1,25 v. H. gewannen. Aber auch Deutsche Anleihen und Rcichsbahn- vorzugsaktlen waren ebenso wie Jndustrleobligatio- nen bis zu 0,5 v. H. gebessert. Von Auslandrenten setzten Mazedonier ihre Aufwärtsbewegung auf 2,95 vH. fort. Mexikaner waren gleichfalls fester. Zertifizierte Dollarbonds blieben einen Dollar yöhcr gesucht. Frankfurt fest. Frankfurt, 26. Juli. WTB. Drabtmelbung.) Die festere Grundstimmung der letzten Tage übertrug sich auch auf den heutigen Börsenverkehr, da weiteres Dcckungsbcdürsnis bestand und auch aus Stillhaltegeldern einige Käufe vorgenommen worden fein sollen. Starke Anregung schöpfte die Börse von der festen Haltung der gestrigen 'Auslandsbörsen und dör Aufwärtsbewegung der deutschen Werte an den kontinentalen Börsen Plätzen. Die Aufhebung des Ausnahmezustände- über Berlin und Brandenburg blieb daaegen ohne Einfluß, wie überhaupt im Hinblick auf die bevorstehende Wahl Zurückhaltung geübt wurde. Gegen die 2lbenbbörfe betrugen die durch- fchnlttlichen Besserungen zirka 1 o. H darüber hinaus lagen einige Spezialwerte bis zu 2 o. H. befestigt. Später bröckelten die Kurse verschiedentlich etwas ab, die Grundstimmung blieb aber fest. Am Elektromarkt gewannen Schuckert und Siemens bis zu 1,75 d. H., die übrigen Papiere bis zu 1 v. H. IG. eröffneten mit 89,39 v. H. 0,75 o. H. höher, stiegen dann bis auf 90 o. H., um später wieder auf 89 v. H. zuruckzugchen. Deutsche Erdöl setzten dagegen 0,75 d. Sy niedriger ein. Montanaktien »er- zeichneten Kurebesserungen bis zu 1 v. H., Schisf- sahrtspapicvc und einige Nebenwege solche von etwa 0,5 v. H. Recht fest lagen im freien Markt Reichsbank in ft plus 1.5 ü. Sy Am Renten- marft standen Relchsfchuldbuchfordcrungcn mit vlus 1,5 v. H. weiterhin im Vordergrund des Interesses. Deutsche Anleihen zogen um 0,13 bis 0,25 v. Sy an, ebenso Re ichvbahn Vorzugsaktien. Dagegen lagen von Jndustrieobllgatlonen Stahtvcr- cinbonds fast 1 v. Sy niedriger. Bon fremden 'Wer- ten blieben Mazedonier gefragt und lagen weiter leicht erhöht. Am Pfandbriesmarkt stellten sich meist kleine Besserungen ein Liquldationspsandbriese blieben behauptet. Sehr fest lagen einige Kommunalobligationen, besonders Rheinische Hyypotheken-Bank und Nassauische Landesbank, die Erhöhungen bis zu 2 v. H. aufwlefen. Im Verlaufe erfuhr das Geschäft eine ft a r f e Schrumpfung, und die Tendenz war überwiegend leicht abgeschwächt. IG. gingen bis auf 88,25 v H. zurück, während anderseits AEG. mit 28 erneut 0,5 v. H. anzogen. Das Gros der Papiere blieb etwa behauptet, doch traten auch Abschwächungen bis zu 0,5 v. H. ein. Am Geldmarkt war Tagesgeld zu 4 o.H. unverändert. • Lanotrciv Wieben. * Beuern. 25. 3uli. Wie erst jetzt beginnt wird, wurde bei dem Gewitter, da« am Freitag über unserer Gegend niederging, auf einem Felde nach TreiS zu ein allein st ehcndesältereS Fräulein von hier vomDIiherschlagen. Die Leiche der Verunglückten konnte erst am Samstagmorgen gesunden werden. Ein verorann- tes Kopstuch und verschiedene Vrandwunden am ■Stopfe wiesen auf den Tod durch Dlihschlag hin. r. Lang-Göns, 25. Juli. Din Qluto- Unfall, der noch ziemlich glimpflich ablief, ereignete sich heut« morgen mitten in unserem Dorfe. 3n der Bähe des Kirchplatzes wollte ein Personenauto einen Motorradsahrer überholen. Dabei wurde das Motorrad gefaßt und der Fahrer nebst Begleiterin vom Bad gerissen. Sie kamen zum Glück mit einigen leichteren Verletzungen und Dem Schrecken davon. Ein Washington-Platz in Darmstadt. WSN. D a r m ft a b L 25. Juli. In Anwesenheit des Bccthoven-Ebors, Neupork, des amerikanifchen Generalkonsuls L o w r i c • Frankfurt a. M., der amerikanischen Leiter der Opelwerke, zahlreicher Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden wurde aeftern der Platz vor dem Orpheum als George- Washington - Platz elngeweiht. Nach zwei Vorträgen der gesamten Darmstädter Sängerschaft hielt Oberbürgermeister Müller, der im vergangenen Jahre eine längere Reise zu den hessischen Landsleuten In Amerika unternommen hatte, die Weibe- rede. Der Platz liegt vor der Walter-Nathenau-An- läge im .Kreis neuerbauter großer Wohnhäuser mit dem Ausblick auf das Villenviertel Hohler Weg und den Wildpark. Der erste Vers des Deutschlandlieds beschloß die stimmungsvolle Feier. Oie Marburger Festspiele ohne Oefizit. WSN. Marburg, 25. Juli. Wie in der Sitzung des Marburger Vcrkehrsvereins mitgcteilt wurde, haben die Marburger F c st s p i c l e in diesem Jahre ohne Defizit abgeschlossen. Bekanntlich war im Frühjahr die Veranstaltung von Festspielen sehr umstritten. Nachdem das Stadtparlament zu- nächst die Veranstaltung abgelehnt hatte, genehmigte es nachträglich die Mittel aus dem Verkehrsctat. Dr. Budde übernahm die Spiele in eigene Regle und verhalf ihnen zu großen Erfolgen. Es hat sich wiederum erwiesen, daß die Veranstaltung von Festspielen das beste und billigste Werbemittel für die Universitätsstadt Marburg bedeutet. Langfristige Wettervoraussage. Bei vorwiegend maritimer Luftzufuhr wird die Witterung auch in den nächsten zehn Tagen noch un- beständig (ein, jedoch im großen und ganzen besser als in der letzten Woche. Es werden heitere, warme und im wesentlichen trockene Tage mit tühftren, bewölkten, zu Regenfällen geneigten wechseln. Dabei wird die Niederschlagsfeuchtigkeit In Norddcutschland etwas größer fein, als In Süddcutschland. Wettervoraussage für Mittwoch und Donnerstag. Nachdem durch die Südseite des britischen Druck- fallgebietes über unser Gebiet eine Warmluststafsel hinwcggezogen Ist, unter gleichzeitiger Herbeiführung einer Wetterverschlechterung, bricht jetzt von Westen her kühler« Luft ein. Sie wirb zu wechselhaftem Wetter führen, dabei gleichzeitig Gewitterstörungen und Schauer verursachen. Die Temperaturen gehen etaxis zurück. Aussichten für Mittwoch: Wechselnd wolkig, vorübergehend etwa- aufheiternd, gewitterartige Schauer, etwas kühler, westliche olS nordwestliche Winde. Aussichten für Donnerstag: Bewölkt und aufheiternd, etwas beständiger, aber noch nicht störungsfrei. Band. _ 0 Tötet Flieg«*1 < Flöh* WM Vernichte diese Pesti Heimtückisch greifen die Stechmücken an, während Sie schlafen " und rauben Ihnen die Ruhe. Sie verderben Ihnen die Sommerfreude und sind eine ständige Gefahr. - Stechmücken können Ihnen gefährliche Fieberkrankheiten zufügen. FLIT - überall bekannt - ist das beste Mittel, um Fliegen, Mücken, Schnaken und alle ’ästigen Insekten schnell und sicher zu töten. Achten Sie auf den 1 Flit-Soldaten auf der gelben Kanne mit dem schwarzen Nur in der plombierten Kanne ist FLIT erhältlich 6 Mr