Ur. 21 Erster Matt 182. Jahrgang Dienstag. 26. Januar 1952 Lrschetnl täglich,außer Sonntags und feiertags. Beilagen: Die Illustrierte (Bienener Familienblütter Heimat >m Bild • Die Scholle monat$:Bei«fl$prels: Mit 4 Beilagen RM.1.S5 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt, ^ernsvrechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger fiefcee. Paßscheckkonto: Sronlfnn am Main 11686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick VN- Verlag: vttthl'fche Univerßlälr-vRch' und Stcmönidcrei R. Lang« in Gieren. Zchttftiettnng und Kefchästrftelle: SchulNraße 7. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig: für Ne- hlamtanteigen von 70 mm Brette 35 Neichspfennig, Platzvorfchrift 201 , mehr. Chefredakteur Dr. Fnebr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Tdyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Werden die Preise weiter sinken? Don Or. Earl Alexander von Tvszka, profeffor der Staatswiffenschasten an der Universität Hamburg. Es albt wohl kaum einen Verbraucher in unserer Wirtschaft — und die Verbraucherschaft ist die große Masse — der nicht von dem neuen Jahre weitere Preissenkungen erwartet. Ist diese Hoffnung begründet oder werden wir Enttäuschungen erleben9 — Die Frage ist wichtig genug, um den Versuch zu wagen, einen Ucberblicf über die mutmaßliche zukünftige Preisgestaltung zu geben, und zwar durch WegenüberftcUung der Faktoren, die auf eine Preissenkung hinzielen mit denen, die die Tendenz haben, die bisherige Preissenkung auszuhalten oder gar eine Erhöhung der Preise zu bewirken. Von den Fak.aren, die hier in Frage kommen, wollen niii zunächst die Maßnahmen des Staates in dieser Hinsicht, die sog. Wirtschaftspolitik betrachten. 'd)l nur bei uns in Deutschland, sondern auch in fast allen übrigen Ländern war die Wirtschaftspolitik bisher in erster Linie Produzenten- freundlich. Das ist auch erklärlich und gerechtfertigt, denn der Produzent ist der Träger des Wirtschaftslebens, sein Wohlergehen bedingt die Erfolge in der Wirtschaft. Deshalb schützte man ihn durch mehr oder weniger hohe Zolle vor der Konkurrenz des Auslandes, subventionierte be dürftige Unternehmungen, erlaubte Kartelle und Preisbindungen, die ausgesprochen den Zweck per folgen, d i c Preise hoch z u halten. Denn hohe Preise galten und gelten immer noch im allgemeinen als ein Zeichen des Wohlergehens der Wirtschaft. Der Konsument wurde demgegenüber mehr oder we niger vernachlässigt, und zwar unter der Begründung, daß ja fast jeder Konsument auf der anderen Seite Produzent fei, und indem man feine Ein nahmen durch Steigerung der Preise und der Löhne erhöhe, stärke man zugleich seine Kaufkraft als Konsument. Eine solche Wirtschaftspolitik ist bis zu einem gewissen Grade ganz sicher richtig. Aber es gibt auch hier wie in allem Grenzen, ilnb diese sind gerade bei uns in Deutschland, vor allem in den Rachkriegsjahren, weit überschritten worden. War bereits vor dem Kriege unsere Politik produktionSoricntiert. so wurde diese 'Tendenz durch die Inflation in übermäßiger Weise verstärkt In dieser Zeit fortgesetzter Geldentwertung trat durch den Verlauf der Entwicklung das Konsumenteninteresse immer mehr in den Hintergrund. Die Preise fliegen enorm, die Lohne folgten nad); man lebte von der Hand in den Mund, gerechnet wurde kaum mehr, der Pfennig war verachtet. Die Stabilisierung der Währung konnte wohl mit einem Schlage unsere Geldverhältnisse ändern, nicht aber ebenso schnell die Gesinnung und das wirtschaftliche Denken. Dieses bewegte sich immer noch zum Teil in den Bahnen der Inflation. Der Pfennig blieb nach wie vor wenig geachtet, die Tugend der rechnenden Sparsamkeit hatte einen au argen Stoß erhalten, als daß sie sich schnell hätte erholen können. Aus Erhöhung der Preise und Löhne wurde die ganze Politik abgestellt und die wenigen Warner, die darauf hinwiesen, daß Deutschland im Begriff sei, das teuer st e Land der Erde zu werden, wurden nicht gehört. Da kam der Umschwung: die sortgesehte Kreditzusuhr vom Ausland, auf deren Basis jene Politik der hohen Preise und Löhne von 1925 bis 1929 ausgebaut war. blieb schon von 1928 an aus. Und damit ergab sich die Unmöglichkeit der Fortsetzung der bisher produktionsorientierten Wirtschaftspolitik. Man sah ein, daß man mit der immer weiteren Erhöhung der Preise und Löhne aus dem falschen Weg war. „Das Ganze halt und kehrt" so lautete von 1930 an die Parole. Lohnabbau und Preissenkung en wurden gefordert. Der Konsument und seine Interessen traten in den Vordergrund Aber es ist leichter, einen begangenen Fehler einzusehen, als ihn wieder gutzumachen. Denn man darf den Einfluß, den staatliche Maßnahmen auf die Preisgestaltung haben, namentlich wenn es sich darum handelt, die Preise zu sanken, nicht überschätzen. Freilich sind in den letzten beiden Jahren d i e Preise der meisten Lebensbedürs- nisse stark zurückgegangen, so, um einige wenige zu nennen: von Ende 1929 bis Ende 1931 Fleisch um 30 bis 40 v. H.. Milch um 20 v. H. Butter um 33 v. H., Margarine um 17 v. H. Gemüse um 15 bis 20 v. H.. Kartoffeln um 18 v. H.. Bekleidung um 25 v. H. Aöer die Preissenkung dieser und anderer Waren ist wohl nicht in erster Linie den Bestrebungen der Wirtschafts- volitik zu danken - wenn ihre Einwirkung auch durchaus nicht verkannt werden soll —, sondern der Tatsache, daß auf dem Weltmärkte die den Äerbrauchsgütern zugrunde liegenden ^tob- t o f f e noch weit mehr im Preise gefallen sind. Die meisten Rohstoffpreise liegen auf dem Weltmarkt gegenwärtig unter dem Borkriegsniveau. Infolgedessen muhten auch im Inland die Preise trotz Zollschutz sinken und nur ein geringer Druck der staatlichen Stellen genügte, um diese Preissenkung auszulösen. DiePreissenkungs- aktionen der Regierung standen also im Einklang mit der natürlichen Entwicklung der Dinge. Aber wie wird die Zukunft ausiehen? — Auf dem Weltmarkt scheint der Preisfall, jedenfalls der starke Preissturz zum Stillstand gekommen zu sein. Möglich, wohl auch wahr- scheinlich, daß die Preise dort noch etwas nachgeben werden, aber doch nur langsam, schwerlich in große- Oer Völkerbundsrai tagt in Genf. Oer Mandschureikonfßki vor dem Rat. — China fordert Sanktionen. — Oer Völkerbund in der Zwickmühle. Genf, 25. Jan. IWTB.) Die 66. Tagung deS DölkerbundSrates begann heute vormittag 11 Uhr mit einer nichtöffentlichen Sitzung, an die sich unmittelbar daran die erste öffcntlidje Sitzung anschloh. Den Vorsitz der Tagung führt Frankreich. Die französische Regierung hat den Senator Paul-Boncour mit ihrer Vertretung beauftragt. Auf der jetzigen Tagung sind nur wenige Mächte durch Außenminister ober aktive Minister vertreten. Für Großbritannien ist Lord Robert Eecil, für Japan der Gesandte in Brüssel, Sato, für Italien der aus den Flottenverhandlungen bekannte Delegierte, Russo, für Deutschland vorläufig der Gesandte Freiherr von Weizsäkker, Oslo, erschienen. Die heutige Tagesordnung weist nur Punkte von nebensächlicher Bedeutung auf. Das Interesse an der Tagung ist vorläufig nicht sehr groß. Unter den Anwesenden bemerkt man wiederum eine Reihe von DertreternderMin- derheiten, Danzigs und deS Saarge- I> i e t e 6 : bekanntlich enthält die Tagesordnung eine Reihe von Fragen, die sie besonders interessieren. Die Tagung begann mit einem Vorstoß des chinesischen BertreterS Ben, der verlangte, daß im Hinblick aus die Besetzung Schanghais durch japanische Truppen der Bölkerbundsrat unverzüglich das Dersahren über den japanisch-chinesischen Streitfall von neuem eröffne. Der japanische Vertreter erklärte, noch nicht in der Lage zu sein, zu den einzelnen Punkten der chinefischen Beschwerde Stellung nehmen zu können. Der Bölkerbundsrat beschloß —- entgegen den bereits getroffenen An- Ordnungen — am Rachmittag eine Sizung ausschließlich zur Behandlung des japanifch-chine- sischen Konfliktes einzuberufen. Der vorsihende, paul-Boncour, gab zunächst einen kurzen Mebcrblitf über die bisherige Tätigkeit des Völkerbundsrates in dieser Frage. Der Vertreter Chinas, Yen, stellte in außerordentlich scharfen Formulierungen fest, daß einem ungeheuer großen Aufwand von Bemühungen des Völkerbundes ein völlig negatives Ergebnis gegenüberflehe. Die Entschließungen des Rates hätten als Grundlage das feierliche versprechen Japans, seine Truppen sobald als möglich zurückzuziehen, gehabt. Dieses versprechen sei gebrochen worden. Die Erwartung, daß die Situation sich nicht verschlimmere, sei durch die japanische Gewaltpolitik, die sich zum Fiele gesetzt habe, die Mandschurei zu annektieren. überholt worden. China müsse jetzt freimütig erklären, daß die Rotwendigkeil immer größer werde, alle Mittel und Rechte zu erschöpfen und unter Umständen andere Artikel als Artikel 11 des Paktes anzuru- fen, um dem fionflift ein Ende zu machen. Der Vertreter Japans Sato erwiderte, daß der Bölkerbundsrat das Ergebnis der Untersuchungen der von ihm ernannten Untersuchungskommission abto arten ioilc, um dann erneut die Lage zu prüfen. Die stundenlange Aussprache konnte angesichts der unüberbrücksichen Gegensätze zwischen der japanischen und chinesischen Regierung nicht abgeschlossen werden. Sie wird am Dienstagvormittag fort- gesetzt. Der chinesische Gesandte Ben wies die langen Ausführungen des japanischen Botschafters mit dem Hinweis zurück, daß das Bandenwesen erst nach dem japanischenE in- marsch entstanden fei. Die Mächte ständen vor der Tatsache, daß China jetzt zum dritten Male in 18 Jahren eine japanische Invasion erlitten habe In der Geheimfitzung des Bölker- bundsratS ist, wie verlautet, der chinesischen Regierung mitgeteilt worden, daß im Völker- bundsrat keinerlei Mehrheit für daS Eingreifen anderer Mittel, insbesondere von Sanktirnsmaßnahmen ^Artikel 15 und 16 gegen Japan vorhanden sei. Der Konslikt müsse weiter aus der gegenwärtigen Grundl a g c behandelt werden. Der Vorsitzende Paul-Boncour wie» in seinem Schlußwort auf die Ereignisse in Schang - h a i hin. die er als äuherst e t n st bezeichnete. Er richtete an den chinesischen und den japanischen Vertreter den Avpell, sich sofort mit ihren Regierungen in Verbindung zu setzen, damit diesen Ereignissen in Schanghai Einhalt geboten werde Rücktritt des chinesischen Ministerpräsidenten. Banking, 25. Jan. IWTB.) Der zur Zeit in Schanghai weilende chinesische Ministerpräsident Sunfo ist zurückgetreten, weil die ReNeuer Vorschlag Englands. Am 30. Juni Reparationökonserenz. — Wenig Geneigtheit in Paris. Paris, 26. Jan. (IDIB. Funkspruch.) Der britische Botschafter Lord Tyrrell halte eine Unterredung mit dem französischen Ministerpräsident.n und dem Finanzminister Jlanbin. Der Malin berichtet. Lord Tyrrel habe Laval einen Texten!- wurs vorgelegt, der von dem englischen Schahamtsdelegierten Leith-Roß ausgcarbeitet worden sei. Dieser Entwurf lasse sich wie folgt zusammen- sassen: Die Vertreter Groß-Britanniens schlagen, unter bezug aus die Umstände, die die Verschiebung der Lausanner Konferenz heroorgerusen hätten, den interessierten Regierungen vor, am 3 0. Juni mit Deutschland Verhandlungen aufzunehmen. Sie hofften, daß bis dahin die MSHrungs- und Wirtschaftslage sich genügend weiter entwickelt haben werde, um nützliche Verhandlungen zu erlangen. „Echo de Paris" will in der Lage fein, über die englische und die französische Stellungnahme während der gestrigen Verhandlungen miffeilen zu können, die Angelegenheit sei keinen Schritt vorwärts gekommen. Lnglischerseits halte man an dem verlangen fest, daß die Reparalionskonse- renz im Mai ober Juni zusammenlrete unb eine Regelung vornehme, bie sich minbeftens auf eine Reihe von Jahren erstrecke, was bie Art biefer Regelung anbetreffe, fo genüge es, zu tagen, baß sie ein absolutes Moratorium, d. h. bie Unterbrechung aller beutschen Zahlungen, umfassen solle, auch ber, die das gegenwärtig in Kraft befindliche Hoooermoralorium habe bestehen taffen. wahrscheinlich feien weder Laval noch Jlanbin geneigt, biefen plan anzu - nehmen, ber in ber Praxis bie einfache B e - f e i t i g u n g ber deutschen Reparationen bedeuten würde, ohne Rücksicht auf das, was bie vereinigten Staaten hinsichtlich ber Kriegsschulben tun ober nicht tun würden. Die Grenze von dem, was Frankreich zugestehen könne, fei in einer Erneuerung des Hoover-Moratoriums, einschließlich der darin enthaltenen Sicherungsbestimmungen für einen Zeitraum vom 1. Juli 1932 bis 1. Juli 1933 zu erblicken. Außerdem dürfe nach französischer Ansicht die Reparationskonferenz im Mai oder 3uni die Zukunft nicht über den Zeitpunkt von zwei Jahren vorwegnehm e n. wenn London wünsche, daß sich diese Konferenz mit etwas anderem als ber Ciquiblerung eines Moratoriums für ein ober zwei Jahre beschäftigen solle, bann mühten außer ber Repara- tionssrage noch anbere finanzielle unb rolrt- fchasttiche Probleme auf bie lagesorbnung ber Konferenz gefetzt werben. Eine neutrale Rechnung. Tcutfchlaud hat bereits mehr bezahlt, alber Wiederaufbau kostete. Genf. 23. 3an. (TU.) In einem viel bemerkten Artikel führt der Außenpolitiker des „3our- nal de Genevc". William Martin, den Rach- weis. daß Deutschland an Tributzahlungen bereits weit mehr gezahlt hat. als die für den Wiederaufbau der im Weltkrieg zerstörten Gebiete verwendete Summe beträgt. Während die Reparationskommission die gesamten deutschen Zahlungen auf etwa 20 Milliarden Gold- mark schätzte, habe das amerikanische Institute os Eeonomists auf Grund eingehender Prüfungen die Höhe der deutschen Tribut Zahlungen auf 38,5 Milliarden Goldmark berechnet Rach deutschen Angaben habe Deutschland jedoch bereits etwa 68 Milliarden Goldmark an Tributzahlungen ausgebrach t.William Martin betont, daß Deutschland unbestreitbar bereits 135 Milliarden französische Franken an Tributen geleistet habe, während nach französischen Schätzungen die Kosten derW jeder- herstellung der zerstörten Gebiete 100 Milliarden französische Fran- k e n betragen haben Wenn die deutschen Tributzahlungen lediglich für die Reparationen verwendet worden wären, a n ft a 11 für alle möglichen anderen Zwecke, so wäre der Wiederaufbau der zerstörten Gebiete Frankreichs und Belgiens schon lange durch die deutschen Zahlungen vollständig gedeckt. rein Maße. Ist da überhaupt die Möglichkeit gegeben, daß sie sich bei uns in Deutschland noch senken? — Ich wage diese Frage zu bejahen und zu behaupten, daß unsere Preise nicht nur noch weiter sinken können, sondern auch sinken müssen. Und zwar aus mehreren Gründen. Zunächst hat Deutschland das Weltmarktpreisniveau nochlange nicht erreicht. Es gibt kaum einen Rohstoff- Preis, der in Deutschland nicht höher wäre als aus dem Weltmarkt. So liegen z. B die deutschen Getreidepreise um etwa 150 v. H. über dem Weltmarkt, die Fleischpreise um zirka 20 v. H., die Zuckerpreise um zirka 30 o. H. usw. Freilich liegt die Ursache zum wesentlichsten Teil in dem Zo 11 fchutz, den die Produzenten nicht zu vertreten haben, und den Zu ermäßigen Sache der Wirtschaftspolitik wäre. Jedenfalls find aber hier durchaus Möglichkeiten der Preissenkung vorhanden, und es ist Sache der deutschen Wirtschaft diese voll auszunutzen. An zu hohen Rohstoffpreisen könnte jedenfalls eine Preisfenkungs- aktion nicht fcheitern. Einen zweiten Grund sehe ich in den auch heute noch verhältnismäßig hohen P r c i s f p a n n e n , die von den meisten Produzenten berechnet werden Das soll fein Vorwurf fein, sondern nur die Feststellung einer Tatsache, die sich daraus erklärt, daß wir immer noch das unselige Erbe der Inflation, von dem ich oben sprach, mit uns herumtragen. Wie bekannt, sieht es der neuernannte Preiskommissar als eine seiner vornehmsten Ausgaben an, die Preisspannen in den einzelnen Gewerben zu senken. Zu diesem Zweck handelt er, unter Zugrundelegung ge nauefter ftalfulationsmeüjoöen mit den einzelnen gewerblichen Organisationen unter Mitwirkung der Behörden, um die Gewerbetreibenden freiwillig zur Herabsetzung der Preisspannen und damit der Preise der Waren zu veranlassen. Es ist zu hoffen, daß die gesunde Einsicht der Produzenten, daß heute nicht mehr durch hohen Stückgewinn, sondern nur allein nodj durchgroßenUmsatzein Verdienst erzielt werden kann, den Bestrebungen des Preiskommissars zum Erfolg helfen wird Wirtschaftlich möglich ist jedenfalls, wie die Berechnungen des Preiskommi! sars dartun, eine Senkung der Preisspannen in den meisten Gewerben Einen dritten Grund fehe ich in den von Mitte 1931 ab erfolgten und besonders in der Dezcmber- Rotvrrordnung vorge'ehenen Lohnsenkungen. Es ist bekannt, daß die vielfach verhältnismäßig hohen Löhne der Jahre 1927 bis 1929 d e Preise heraufgefchrmibt haben, da sie die Produktionskosten erhöht haben. Der Lohnanteil an den Kosten ist -war in den einzelnen Gewerben ein verschiedener, aber gerade in den Gebrauchsgütern. auf deren Senkung es ankommt, ein rcajt hoher. Mit der Herabfetzung der Löhne ermäßigten sich somit die Produktionskosten und in- folgedeffen kann und muh der Preis niedriger werden. Hier liegt die mnerc Berechtigung der Anordnung der Preisherabsetzung der Grundstoffe (Kohle. Eisen ulw > und der gebundenen Preise wie auch der obenerwähnten Bestrebungen der Preisfpannenfenkung Einen vierten Grund erblicke ich in der durch die Gehalts- und Lohnsenkungen wie durch den Rückgang der Einkommen überhaupt herbei- geführten Minderung der Kaufkraft. Sämtliche Preise haben ihre obere Grenze in der Kaufkraft der Bevölkerung. In dem Maße wie diele finkt, muh versucht werden, durch Preisnachlässe die Kaufkraft zu heben, um den ilmfatj zu steigern. Ein armes Land, tote unser Deutschland, muh billig fein; ..muh" in doppelter Bedeutung, einmal als ethische Forderung, zum andern aber, weil nut durch ..Billigkeit' der Dorf all der Kaufkraft aufgehoben werden kann. Ein weiterer Faktor, der das allgemeine Preisniveau senken würde, wäre die Herabsetzung sämtlicher Gebühren, die der öffentlichen Verwaltung wie besonders auch der halböffentlichen Versorgungs und Verkehrsbetriebe: Herabsetzung der Gas - und Elektrizitäts- gebühren, der Straßenbahn-, Eisenbahn und Pofttarife. Hier siegt ein weiteres dankbares Arbeitsfeld für den neuen Preiskommis- ior. Und auf diesen Gebieten ist er auch in der Lage diktatorisch vorzugehen, da es sich hier um öffentliche oder halböffentliche Betriebe handelt, die gezwungen werden können, wenn die Einsicht versagt, wahrend eine Preisdiktatur in der Privat- wirtschast stets ihre sehr bedenklichen Seiten hat. Eine weitere Möglichkeit der Senkung des Preisniveaus wäre in einer zweckmäßigen Beaufsich - tigung der Kartelle und ihrer Preis- p o 1 i t i k zu erblicken, und es läßt sich nicht leugnen, daß die kartellmäßig gebundenen Preise immer noch verhältnismäßig hoher als die freien Preise liegen. Diesen Tendenzen, die auf eine Ermäßigung der Preise hinwirken, stehen freilich Faktoren, die a u f das Gegenteil hinzielcn, gegenüber. Vor allem Zwei: die außerordentliche Steuerlast, die immer größer geworden ist, besonders auch jetzt wieder durch die Erhöhung der Umsatzsteuer und die großen ebenfalls fortgesetzt gestiegenen i o z i a I e n Lasten. Aber dies muß mit in den Kauf genommen und bezwungen werden, denn es bleibt uns kein anderer Weg zur lleberroinbung der schweren Wirtschaftskrise, der großen 'Jlot und des Elends als weitere Verbilligung sämtlicher Der- brauchsgüter. Nur dadurch allein können mir wieder Arbeit und Brot schaffen, und durch Ausfuhr uns die lebensnotwendigen Waren, die uns fehlen, besorgen. Wer aber ausführen will, muß billig auf dem Weltmarkt anbieten. Es ist kein rosiger Weg, sondern ein Dornenpfad, den wir gehen müssen und Schmälerung unserer Einkommen, gleich ob es aus Lohn, Gehalt oder selbständiger Arbeit fließt, bezeichnen ihn. Aber an seinem Ende steht die Aus- sicht auf eine bessere Zukunft flierung mit seiner Politik der „posi- trven Aktion" gegen Japan nicht ein- v e r st a n d e n toar. Inzwischen verhandeln die chinesischen Behörden in Schanghai zum Zweck der friedlichen Beilegung der chinesischjapanischen Schwierigkeiten über die Auflösung aller antijapanischen Bereinigungen, die den ersten Schritt zur Annahme der japanischen Forderungen darstellen soll. Wird Japan Schanghai besetzen? Amerika außerordentlich „befremdet." Washington, 25. Ian. (WTD.) Im Staatsdepartement werden die japanischen Pläne einer militärischen Besetzung Schanghais mit außer’ ordentlichem Befremden zur Kenntnis genommen. Man bestreitet nicht das prinzipielle Recht eines Staates, seine Angehörigen auch im Auslande zu schützen, aber nach allgemein anerkannter Auffassung komme die Ausübung dieses Rechts nur dort in Frage, w o chaotische Zustände herrschen und die Lokalbehörden machtlos seien, Ruhe und Ordnung zu erhalten. In der internationalen Riederlassung Schanghais bestehe dagegen ein sehr tüchtiges Polizeikorps, und der von Iapan vorgebrachte Grund des Schuhes der eigenen Staatsangehörigen sei daher hier nicht gegeben. Die Situation sei infolgedessen vollkommen verschieden von der in der Mandschurei, wo Iapan den gleichen Beweggrund als Recht- I fertigung für sein Eindringen in chinesisches Gebiet vorgebracht habe. In Washington betrachtet man die Lage in Schanghai als e r n st, und man erwartet, daß Iapan sie nicht durch Landung von Truppen in der internationalen Riederlasfung noch weiter kompliziere. Solange die Mannschaften der japanischen Kriegsschifse auf dem japanischen Dock im chinesischsen Stadtteil belassen würden, sei Grund für ein amerikanisches Einschreiten nicht gegeben, und man werde daher einstweilen keine Schritte bei der japanischen Regierung unternehmen. Englisch-japanische Zusammenarbeit in China? London, 25. Ian. (WTB) Der Reuter- Korrespondent in Tokio erklärt, die Aussichten einer engeren Zusammenarbeit zwischen Großbritannien und Iapan in China würden in der japanischen Presse eingehend erörtert. Es sei bemerkenswert, daß nichts so sehr dazu beigetragen habe, die japanische Freundschaft für Großbritannien, die während der Tagung des Dölkerbundsrates im Oktober zeitweise beeinträchtigt war, wiederherzustellen, wie die Weigerung Londons, sich der letzten Rote Washingtons hinsichtlich der offenen Tür in der Mandschurei anzuschließen. EnglandsiichiZollMoiimit-enMdjschcnJIla'chlen Oie Verstimmung über den deutschen Butterzoll wird ausgemünzt. Auch Holland und Argentinien sollen einbezogen werden. Snalanb fdjitft neue Regimenter naObien. Lin nach Indien bestimmtes Regiment aus Dem Marjch zum Hasen in Southampton. Die Soldaten tragen bereits Tropenhelme. - - ch 0 -M ÄchMch: LW Moskau Konferenzsaal Union wurde Zentrum und NSDAP, in Hessen Oer Gauleiter Lenz antwortet dem Zentrumsfraktionsführer Hofmann. Der polnisch-russische wchiangriffspaki in Moskau paraphiert. Sein Inkrafttreten setzt den Pattabschluß mit Rumänien und den baltischen ^andstaaten voraus. (über ftorono), 25. Dan. (TU.) Dm des Außenkommissariats der Sowjet- am Montag der rUssisch-pol- nischeRichtangriffsoertrag durch Außen- kommissar Litwinow und den polnischen Gesandten vr. patek paraphiert. Einheitsbewertung und Vermögenssteuer. E* ftts ar&„un?anfeit, bE1 (1. Januar 1931) eingetretenen Wertverän- 1 e9IhriMQ?9 ^'^ steuerlicher Wirkung vom 1; die bestehenden gesetzlichen di-s-nÄr^ ^maud getragen wird. Aus öiefer ^stunmung geht hervor, daß die Reicks- Kopenhagen, 25. Jan. (WTB.) Die Zeitung „Politiken" bringt ein Interview mit dem englischen Minister für öffentliche Arbeiten, Ormsby- Gore, worin dieser sich über den Plan der englischen Regierung, mit einer Reihe von Ländern, darunter Dänemark, neue Handelsabkommen zu treffen, wie folgt ausspricht: Die englische Regierung hat den Zoll plan ausgearbeitet, den sie dem Unterhause vorlegen wird. Rach diesem Plan wird auf alle Waren, die in England einge- fährt werden, ein Zoll gelegt, jedoch derart, daß die Kolonien und diejenigen Länder, mit denen ein Gegenseitigkeitsabkommen abgeschlossen werden kann, eine Vorzugsbehandlung behalten. Daneben werden jedoch die Kolonien eine größere Begünstigung erhalten als Dänemark und andere Länder. Das einzige Ziel der englischen Regierung ist, im Außenhandel Englands das Gleichgewicht herzu st eilen und den Welthandel wieder ingang zu bringen. 2Bir wünschen, mit diesen Vorzugsabkommen mit Den Kolonien und mit Ländern wie Argentinien, Holland, Schweden, Norwegen und Dänemark eine Interessengemeinschaft von einem Rlesenumfang zu schaffen, in der jeder Handelsumsatz mit möglich st geringen ?l"ocrn'Hen vor sich gehen kann. Wir sind bereit, Dänemark auf dem britischen Markt eine Vorzugsstellung einzuräumen, und werden dafür mehr als eine Meistbegünstigung verlangen. Wenn das mit den bestehenden Handelsverträgen nicht möglich ist, müssen wir den Weg der Zollunion beschreiten Auf gewisse Lebensmittel wird ein Zoll gelegt werden. Ein solcher Beschluß ist bereits gefaßt worden. Welche Lebensmittel davon betroffen werden kann ich noch nicht mitteilen, upenn der Vorschlag vom Parlament angenommen »st, kann der dänische Handelsminister eine Ein- Die Dank von England zahlt ihren Kredit zurück. Keine Gefahr mehr für das Pfund. 3an- (TU.) Die Dank von England hat die Absicht, öengesamtenRest- ? e t r a g des im August v. I. aufgenommenen französisch-amerikanischen Redis- kontkr eöits in Höhe von 30 Millionen Pfund ©ternng (zirka 600 Millionen Mk.) zum Fälligkeitstermin am 1. Februar zurückzuzah- ten. Die Zurücknahme werde ohne jede weitere „a'!(Prllcyna6me der Goldreserven der Bank möglich sein. Der Status der Bank von England yot sich weiter günstig entwickelt, es besteht kaum m t 1 Gefahr für das englische Pfund. Die Dank erhält damit ihre volle Bewegungsfreiheit zurück und ist in Zu- lunft gegen jeben französischen oder amerikanischen Druck, der auf das Pfund ausgeübt werden sollte, weitgehend geschützt. Das erfüllt naturgemäß die Londoner Presse mit Befriedigung und Stolz. »Times saat: „dies ist die b e st e R a ch r i ch t. die der Geldmarkt seit Monaten hatte. Sie ^b,.a“8 vielen Gründen begrüßt werden, vornehmlich aber als ein bemerkenswertes Zeichen der Stärke". zweiten Kontrahenten das Recht zu, den Pakt ohne vorherige Ankündigung zu kündigen. Dm Artikel III verpflichtet sich jede der beiden Parteien, an keinen Vereinbarungen teilzunehmen, die als der anderen Partei gegenüber feindlich zu bewerten sind. Laut Artikel IV berühren die in den beiden ersten Artikeln enthaltenen Verpflichtungen nicht die internationalen Rechte und Verpflichtungen, die aus den von beiden Seilen früher abge- schlossenen Verträgen entspringen, insoweit diese Verträge an sich keine aggressiven Elemente enthalten. Artikel V sieht ein Schiedsverfahren vor, für das ein besonderer Vertrag abgeschlossen werden soll, der einen integralen Teil dieses Richtangriffs- pakles bildet und gleichzeitig mit dem Pakt ratifi- ziert werden muß Die Bedeutung des Pakts. Rußland wünscht für (Senf eine Waffe gegen die polnische Rüstu: g V-r*’ 2rr2?n' Dw Paraphierung As Polnisch-russischen Richtangriffspaktes ist ein Ereignis von weittragender politi- JerJebeutung. Die Verhandlungen zwi- schen Polen und Rußland über einen Richtan- griffspakt reichen bis in dasIahr1925 zuruck. Damals schlug der damalige Außen- kommissar Tschitscherin sämtlichen an Rußland angrenzenden Staaten in Europa den Ab- •ri6 r£on Nichtangriffsverträgen vor. Die pol- FÄ2^™"9 machte jedoch die Annahme die- les Vorschlages davon abhängig, daß der Vertrag gleichzeitig mit allen Staaten ,u,nr 1r polnischer Führung abgeschlossen werden sollte, eine Bedingung, auf \ " [ $* erging. Außerdem ucrlQ(J9te Polen seinerzeit eine Daran tie sei- n e r Westgr e n z e. Die Verhandlungen haben dann geruht und sind erst im August 1931 wieder ^'Senommen worden, nachdem in Paris ein V, sranzöfischer Richtangriffspakt zustandegekommen war. Das Inkrafttreten dieses Vertrages war jedoch von öer^lnterzeick- n u n ge l n e s p o l n i s ch ° r u s s i s ch e n Richtan grisssvertrages abhängig gemacht 1 I ehrlich gemeint gewesen. Das Urteil über die Ehrlichkeit oder Unehrlichkeit einer Politik wird letzten Endes das erwachende Volk mit sicherem In- stinkt sprechen. Jedenfalls ist dieser Vorwurf der Unehrlichkeit wenig geeignet, unser Vertrauen auf den Willen des Zentrums zu einer „ehrlichen und vertrauensvollen Zusammenarbeit", wie sie unser erstes Schreiben an dgs hessische Zentrum forderte, zu festigen. Mehr noch: Wenn Der Fraktionsvorsitzende des hessischen Zentrums behauptet, unsere Bewegung werde „aller Wahrscheinlichkeit nach in dem bestehenden Ausmaß nicht von langer Dauer sein", so bekennt er hiermit die alte stets enttäuschte Hoffnung des Zentrums, der Nationalsozialismus werde sich „t o t l a u f e n" bevor man ihn als die führende politische Kraft Deutschlands anzuerkennen gezwungen werde. Damit erscheint die Ehrlichkeit der vom Zentrum behaupteten Koalitionsbereitschaft bedenklich in Frage gestellt. So müssen wir feststellen, daß auf der anderen Seite beim Zentrum der Willen zur Ermöglichung einer nationalen Regierung in Hessen gefehlt hat und fehlt. Das Zentrum zieht noch immer — wie seit 13 Iahren — die marxistische Staatsführung (unter der es, wie Ministerialrat Hofmann zugibt, als Koalitionspartner seine behaupteten christlichen Grundsätze nicht durchsetzen kann) einer nationalsozialistischen Staatsführung vor. So trägt die Zentrumspartei die Verantwortung für das, was kommen muß, eine Verantwortung, deren Last und Gefahr sie schon jetzt peinlich zu empfinden beginnt. Wir haben keinen Anlaß, ihr aus der Verlegenheit zu helfen. Bei uns liegt schon letzt die Entscheidung, auch z. D. über Öen Zeitpunkt der L a n d t a g s a u s l ö- s u n g, und wir gedenken uns nicht das Gesetz des Handelns von andern vorschreiben zu lassen. Cs bleibt dabei: Heute haben wir die besseren Rerven und warten in Ruhe auf den Augenblick, in dem die anderen am unvermeidlichen Ende stehen und selbst uns zur Staatsführung rufen müssen. da der polnisch-russische Vertrag wieder erst in Kraft treten soll, wenn die Verträge mit den an- öeren eurDbaUcben Rachbarn Rußlands, vor allem v.t'o Rumänien, unterzeichnet wird, wird es vielleicht noch eine Weile dauern, bis der Vertrag in Kraft tritt. Immerhin ist der Vertrag für die fommen de Abrüstungskonse re n5 von besonderer Bedeutung, da Polen jetzt nicht mehr behaupten kann, daß es durch die Drohung seines russischen Rackbarn zu 6 e j 0 n - derernRüstungsaufwand gezwungen wäre Was wird mit Rumänien? Moskau schattet Peffarabien und Oie Tnjeftrgrcnze ans. Moskau (über Kowno). 25. Ian. (TU.) Außenminister Litwinow machte dm russischen Pressevertretern vor seiner Abreise nach Genf Mitteilung von der Paraphierung des russisch- polnischen Richtangriffsvertrages und gab weiter der Hoffnung Ausdruck, daß die Verhandlung en m i t L e t t l a n d u n d E st l a n d bald erfolgreich zu Ende geführt werden können Litwinow ging dann auf die Verhandlungen mit •Kiimanienein und erklärte, daß in diesem Falle d i e D i n g e g a n z anders lägen als bei den Verhandlungen mit den Ländern, mit denen die ©otojetunton n°rmaIe diplomatische Beziehungen unterhalte. Der Vertragsentwurf mit Rumänien fet fertiggestellt. Von sowjetrussischer Seite sei alles getan worden, um den Vertrag zum Abschluß^ zu bringen. Die Sowjetregierung sei bereit Rumänien gegenüber Verpflichtungen zu übernehmen, die sie auch in den Verträgen mit den ßänöem übernommen habe, mit denen normale Beziehungen unterhalten werden. So"^etruftland könne jedoch nich dleDesehungDessara- b 1 e n s a n e r k e n n e n und uie Moskauer Re- d,^."9 dabe sich bereiterklärt, eine Formulierung zu finden, die diese Streitfrage aus- schalte Die rumänischen Vorschläge seien für Sowietrußland unannehmbar. Der D n i e ft r kö^e nicht als russisch-rumänische Grenze anerkannt werden. Eine Anerkön- nung Bessarabiens als rumänisches Staatsgebiet komme nicht tn Frage. Die Sowjetregierun/habe alles, getan, um die Verhandlungen mit Rumänen 3u emem günstigen Abschluß zu führen: die Entscheidung liege nunmehr bei der rumänischen Re- WSA. Darmstadt, 25. Ian. Unter der Überschrift »Bekenntnisse und Verlegenheiten des hessischen Zentrums" erklärt der Führer der hessischen Rationalsozialisten, Abgeordneter Karl Lenz, u. a.: Der Fraktionsvorsitzende der hessischen Zentr um spartet hat in einer Betrachtung unter dem verlegenen Titel »Was nun?" zur politischen Lage in Hessen Stellung genommen. Seine tatsächlichen Behauptungen bedürfen einiger Korrekturen, feine Folgerungen einer Kritik von unserer Partei. Herr Ministerialrat Hofmann, M. d. L., versucht zunächst nachzuweisen, daß die RSDAP. „den Ausgang der hessischen Wahlen vom Rovember v. I. auch heute noch nicht objektiv zu würdigen vermöge" und stellt als seine objektive Würdigung fest, daß, da die RSDAP. n v ch n i ch t die Mehrheit, sondern »nur" 37 Prozent der Stimmen erlangt hat, die Mehrheit der hessischen Wählerschaft die Rationalsozialisten ab lehne. In dieser Feststellung erblicken wir mehr als eine »objektive Würdigung" der Lage, nämlich einBe- kenntnis gegen die RSDAP. und zu allen ihren Gegnern. Damit ist die E i n h e i t s - front von den Kommunisten bis zum Zentrum gebildet, verbunden durch den gemeinsamen Haß gegen den Rationalsozialismus und durch-die gemeinsame Angst. Wenn Ministerialrat Hofmann weiter feststellt, Daß die Zentrumswähler Z e n t r u m s p 0 l i t i k — nicht nationalsozialistische Politik — fordern, dann o^r äugeben muß, daß in der bisherigen Koalition wirklich christliche Schulpolitik unmöglich war, die mit uns nach unserem 12-Punkte-Pro- gcamm durchgeführt werden könnte, so liegt darin das Geständnis, daß Zentrumspolitik ohne christliche Schulpolitik möglich ist und daß eine solche Zen- trumspolitik einer Unterstützung der NSDAP oor- gezogen wird. Ganz entschieden muß die beleidigende Unterstel- Umg zuruckgewiesen werden, die Erklärung unserer Bereitschaft in Hessen mit Unterstützung des Zentrums die Regierung zu übernehmen, sei nicht ladung von Handelsminister Runciman erwarten, zu Verhandlungen nach London zu kommen. Auf die Frage, ob es richtig sei, daß die englische Regierung auf alle Einfuhrwaren einen Wertzoll von 10 Prozent zu legen beabsichtige, erwiderte Minister Ormsby- Gore, für einige Waren werde der Zoll etwas über 10 und für andere weniger als 10 Prozent betragen: 10 Prozent könnten aber a ls Durchsetz n i 11 s s a h betrachtet werden. Günstige Aufnahme in Schweden. Ernste Gefahren für die deutsche Au fuhr. S t 0 ck h 0 l m, 25. Ian. (TU.) Die Stockholmer Abendpresse geht in Leitartikeln und groß aufgemachten Telegrammen auf den von englischer Regierungsseite vorgeschlagenen Plan einer englisch-skandinavischen Zollunion ein. Obwohl man sich darüber klar ist, daß die laufenden Handelsverträge — im besonderen mit Deutschland — vorläufig diesem Plan entgegen stehen, sprechen sich die Blätter sehr günstig für einen weitgehenden Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen mit England aus. Eine Entscheidung ist allem Anschein nach noch nicht getroffen. Offensichtlich benutzt England die Mißstimmung über den deutschen Butterzoll in ben nordischen Ländern, um Skandinavien wirtschaftlich zu sich hinüberzu- ziehen. Für Deutschland stehen außerordentlich wichtige Interessen auf dem Spiel. Die Länder, zwischen denen sich neben der Valutaverbundenheit nun auch eine zollpolitische Zusammenarbeit anzubahnen scheint, gehören z u Öen wichtigsten Abnehmern Deutschland s. Auf diese Länder entfällt fast der ge- samte deutsche Ausfuhrüberschuß. Da der Einleitung zu dem Pakt betonen die vertragsschließenden Parteien ihren Dillen, den zwi- schen ihnen bereits bestehenden Frieden, der ein bedeutsamer Faktor für die Erhaltung des allgemeinen Friedens sei, aufrechtzuerhalten. Sie stellen geller fest, daß der F r i e d e n s 0 e r t c a g vom ? ui cJt92 1 weiterhin die Grundlage der gegen- feit gen Beziehungen und Verpflichtungen zwischen Polen und der Sowjetunion bildet, und geben der Veberzeugung Ausdruck, daß die friedliche Sch lichlung internationaler Streit- falle sowie die Beseitigung all dessen, was den normalen Beziehungen zwischen den beiden Staaten widersprechen würde, das sicherste Mittel auf dem TDege zur Erreichung dieses Zieles bildet. Sie erklären, daß keine ihrer bisher ein- gegangenen Verpflichtungen ein hinder- nis in der Entwicklung der friedlichen Beziehung dulde noch im Widerspruch mit dem abgeschlossenen Pakt stehe. Sie wollen den pafl ju dem Zweck abschließen, um den durch das Moskauer Protokoll vom Dahre 1929 ins Leben gerufenen kelloggpakt zu entwickeln und zu vervollständigen. 1 Dn Artikel I stellen beide Selten fest, daß sie in ißten gegenseitigen Beziehungen auf den Krieg al» Werkzeug nationaler Politik verzichten und sich gegenseitig verpflichten, sich sämtlicher aggressiver Handlungen zu enthalten, die die territoriale Dntegdtät und die politische Anabhängig- keit der anderen Seite bedrohen, auch in dem Fall, wenn derartige Handlungen ohne Kriegserklärung und mit Vermeidung aller möglichen Kriegserscheinungen begangen werden. Dm Artikel II verpflichten sich die beiden Staaten, einem dritten Staate nicht zu Hilfe zu kommen, der einen der vertragsschließenden Staaten angreifen würde. Sollte einer von den Kontrahenten einen Angriff gegen einen dritten Staat unternehmen, dann steht dem Wirkung vom 1. April 1932 in Straft treten, vielfach zu spät kommen. Da eine vollständige Teube Wertung und Veuveranlagung auf den 1. Januar 1932 praktisch nicht in De tracht kommen dürfte, ist der Antrag gestellt worden, zur Anpassung der Vermögenssteuer an die Verminderung der Vermögenswerte den am 15. Februar 1932 fälligen fünften D i e r t e l j a h r e S b e- trag nicht mehr zu erheben. Aus aller Welt. Die ©efängnbmeulercl In England. (fine Verlautbarung des Innenministers über die Aar^nge im D a r t m o o r - Gefängnis bestreitet die Behauptung von der Erschießung mehrerer Gefangener sowie von dem Entweichen einiger Straf, linge. Bon den verletzten Gefangenen befänden sich zwei in Lebensgefahr. Die ersten Anzeichen der Unruhen zeigten sich schon in den früheren Morgen, stunden des Sonntags, al» die Gefangenen e i n fürchterliches Geheul anstimmten, das sich von Zelle zu Zelle fortpslanzte. Beim Frühstück trommelten fie mit Löffeln und G a b e l n auf die Tische und beklagten sich dar- über, daß die Hafergrütze nicht gezuckert sei. einige warfen den Wär- ternihrePortioneninsGesicht. Auf dem Wege zur Kirche kam die Meuterei zum offenen Ausbruch. Die Gefangenen st i m m t c n bi« Internationale an und stürzten sich plötzlich aus di« Wärter, die sie mit Vögeln, Eisen stücken, Stuhlbeinen und Stöcken angriffen. (Sin Teil verhielt sich jedoch neutral, andere stellten sich sogar aus die Seite der Wärter Vach- oem die Meuterer die Zellen der Schwerverbrecher aufgebrochen hatten, stürmten sie da- Derwaltung-gebäude. warfen die scheiden ein und schlugen sämtliche Einrichtungs- gegenstände kurz und klein. Darauf setzten sie da- Gebäude in Brand. Da- Derwal- lung-gebäude brannte vollkommen nieder. Bei Bekanntwerden der Meuterei wurden in der Kaserne von Trownhill 200 Soldäten sowie -Wei MafchinengeWehrabteilun- gen mobilisiert und marschfertig aufgestellt. Ihre Absendung Wurde jedoch unterlassen, da die Meuterei noch vorher von der Polizei unterdrückt werden konnte. Da- Gefängni- steht nun unter schärfster Bewachung von über 100 Polizisten. Der angerichiete Schaden Wird auf etwa 200 000 Mark geschätzt Die Revision Jrenjele verworfen. Unter dem Vorsitz de- Senat-Präsidenten Dr. Witt verhandelte der II. Strafsenat des Reichs- g e r i ch t e - de- Revision de- Bornimer ArntS- vorsteher- Arthur Frenzel, der, wie erinnerlich. nach monatelanger Verhandlung am 1. Dezember 1930 vom Landgericht Potsdam Wegen Blutschande in Tateinheit mit der Vornehmung unzüchtiger Handlungen nach § 176 Abs. 3 StGB, zu einem Jahre zwei Monaten Zucht- Hau- und dreijährigem Ehren recht-Verlust verurteilt Worden war. Vach dreistündiger Beratung verwarf der Strafsenat die Revision des Angeklagten al- unbegründet. Schwere» vergwerksunglück In Wale». 3n einem Bergwerk im Rhondda-Tal in Hüb- WaleS Wurden in der vergangenen Rächt durch eine Explosion vier Bergleute getötet. Don den 30 im Schacht befindlichen Bergleuten konnten 20 gerettet Werden. Man befürchtet, dah die bisher nicht geborgenen sechs Bergleute nicht mehr am Leben sind. Schwere Gasexplosion. In Düsseldorf wurde die Feuerwehr nach der Sirnrock-Straße gerufen, wo sich in einer Billa ein 'Bewohner durch Deffnen der Gasleitung da s Leben genommen hatte. Als zwei Ange- hörige mit offenem Licht in den Nourn eindrangen, erfolgte eine schwere Explosion, bei der die Wände eingedrückt und auch das Dach der Villa bc- schädigt wurde. Die beiden Eintretenden erlitten der- artige Verletzungen, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Saubere Früchtchen. 3n Frankfurt a. M. hat di« Kriminalpolizei drei Schüler höherer Lehranstalten fest- genommen. die Autodieb stähle begangen haben. Sie unternahmen mit den gestohlenen Wagen Fahrten und ließen die Wagen dann in irgendeiner abgelegenen Gaffe flehen. Bei dem einen Schüler wurde eine Selbstladepistole und Munition und fünf Autoschlüssel gefunden. Lin Gcmülsmcnfch. Dem Schöffengericht Berlin-Mitte Wurde der 30jährige Schlächter Paul Dohm, der schon zahlreiche Vorstrafen wegen Hei- ratsschwindelei auszuweisen hat. wegen eine- neuen Heiratsschwindel- vorgesührt. Dohm, der ein Gewicht von drei Zentner hat, wurde im April v. 3. au« dem Gefängnis Tegel entlassen. Vach seiner Entlassung .verlobte" er sich in kurzer Zeit fünfmal und legte e- nur darauf an, feinen .Dräuten" die Ersparnisse zu entlocken. Dor Gericht bat der Heiratsschwindler um mildernde Umstände unter bcm_ Hinweis, daß er in der letzten Strafhaft im Gefängnis 25 Pfund zugcnommen habe und ernstlich um seine Gesundheit fürchten müsse, wenn er Wieder längere Zeit ins Gefängnis müsse, weil er dann bestimmt noch dicker werde. Diesem Argument gegenüber zeigte sich das Gericht aber ablehnend und verurteilte den Heiratsschwindler diesmal zu zwei Fahren Zuchthaus. 3m Schlafe erstickt. 3n ihrer Wohnung in Daunach bei Bamberg Wurden die 76 Jahre alte Witwe Kunigunde Uebel und deren 44jährige schwachsinnige Tochter erstickt in ihren Betten aufgefunbsn. 2lls man Rauch aus den Wohnräumcn aufsteigen sah, öffnete man gewaltsam die Tür und sand die beiden Leichen. Durch einen s ch a d h a s t e n Kamin war der Fußboden in Brand geraten: bas langsam weiterschwelende Feuer entwickelte starken Rauch, in dem die beiden Frauen nacht- erstickten. HaubüberfaK auf einen Berliner Juwelier Ein schwerer Raubüberfall wurde von Auto- räubern auf das Iuweliergeschäft von Hüsselmann in Lichtenberg verübt. Die Verbrecher schlugen die scheide ein. bedrohten den Inhaber mit P > st o l e n und raubten für 10000 Mark Brillantringe. Die Räuber sprangen in ihr wartendes Auto zurück. Der Führer hatte ständig den Motor laufen lasten. Auf die lauten Ruse des Juweliers eilten zwar einige Passanten den Räubern nach, konnten sie aber nicht einholen. Ein Bierkutscher ergriff einen Kasten mit Flaschen und schleuderte ihn nach dem Wagen. Er traf nur die rechte Türseite. Die Räuber entkamen. Aus der pwvinzialhauptüadi. Gießen, ben 26.Januar 1932. Keine Fristverlängerung der Mietsenkungen. WTB. (Amtlich.) Bekanntlich sollten nach den Bestimmungen über die Mietsenkung die Dermaler bi- zum 2 5. 3 an u a r ihren Mietern ernt endgültige Mitteilung über die neuen Mleten machen Vm, wird in einer Reihe von fallen die endgültige Mitteilung bi- zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich sein, weil noch ge- wtffe tBorfraflen zu klären sind Da- g.lt vor allem für Veubauten, wo da- AuSmah der Z.n-senkung. von der Wiederum die Mietermähigung abhängt, nod) nicht überall voll zu übersehen ist Die Reich«regierung hat trotzdem die genannte Fr i st n i blischen Wahrheit beharrlich ab- gewandten Lebensanschauung und Lebensweise, die in solchen Zeiten mit unheimlicher Totwenbig’cit in Verbitterung und Verzweiflung bincintrcibt, lehrt die Tot im Licht der biblischen Wahrheit beten. Ganz anders als sonst mit Gottes Wirklichkeit rechnend, lernen wir Gott und uns ganz anders sehen. Durch Totzeiten hindurchgeretteter Heils- und Heilandsglaube, steigend als hohes Snadenwunder emo- funden, erzieht zu immer demütigerem Dank. Gin rechter Dienst am Tächsten in Totzeiten hütet sich vor redseliger Oberflächlichkeit. Gottes Gnade besteht auch in dem Licht, das aus feinem Wort grabe in Totzeiten hineinleuchtet. Rätsel, die auch für ben reifsten Christen bleiben, haben keine Macht mehr über den, der sich für dieses Licht die Augen immer besser öffnen läßt. Der Vortrag, geeignet die Gewissen zu schärfen, blieb im Einverständnis mit Dekan Guhman n ohne Aussprache. Mit einem Lied schloß die Versammlung. Gießener Wochenmarktpreise. Gießen, 26. 3an. Auf dem heutigen Wochen- markt kostete das Pfund: Kochbutter von 80 Pf. an: Butter 100 bis 110; Watte 25 bis 30; Käse 10 Stück, 50 bis 120; Wirsing 8 bis 12; Weih- raut 7 bi- 8; Rotkraut 8 bis 12; gelbe Rüben 10 bis 12; rote Rüben 10 bis 12; Spinat 15 bis 20; Unter-Kohlrabi 5 bis 6; Grünkohl 8 bis 10- Rosenkohl 15 bis 20; Feldsalat 80 bis 100; Tomaten 60 bis 70; Zwiebeln 12 dis 15. Meerrettich 30 bis 60; Schwarzwurzeln 25 bis 35; Kartoffeln 4; Aepfel 8 bis 10; Dirnen 8 bis 10; Dörrobst 30 bis 35; Honig 40 bis 50; junge Hühne 80 bis 90; Suppenhühner 80 bis 90; Vüsse 35 biS 40; boS Stück, Tauben 50 bis 60. Sier 10: Blumenkohl 30 biS 70; Salat 20 bis 25. Endivien 10 bis 15; Ober-Kohlrabi 8 biS 10; Lauch 5 biS 10 Tettiä> 10 biS 15. Sellerie 10 bis 40 Psenmg^ der Zentner Kartoffeln 3 bis 3.50; Weißkraut 4 bis 5; Wirsing 7 biS 8; Rotkraut 7 bis 8 Mk. 2Reifeeinörürfe aus der Mandschurei. 3n der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde sprach am Donnerstagabend Dr Walter Stotz- ner «Dresden, in der Reuen Tula der ilnioer- fität vor einer stattlichen Anzahl von Zuhörern llber feine Forschungsreisen in bie Vorb Mandschurei. Die Reisen des Geledr- len galten in der Hauptsache der Erforschung der Sitten und Gebräuche der Solonen unguten) tm Vörden der Mandschurei, einem Dolle, daS im AuSsterben begriffen ist. Ton hohem 3ntereffe und aktueller Bedeutung waren die Ausführungen deS Redners über die politische Situation in der Mandschurei. Die Mandschurei sei, so führte er u. a. aus. feit 284 3ähren völkerrechtlich einwandfrei Ehina zugehörig. 3apan befinde sich in einer prekären Lage, benn die japanischen 3nseln bieten dem 60-Mil- lionen-Volk nicht mehr genug Raum, aber auch nicht genug Vahrung. 3apan habe deshalb eine bedeutende Erportindustrie geschaffen, um mit dem dadurch in daS Land fließenden Geld Vah- rungsmittel kaufen zu können. 3apan verfüge auch über Wenig Kohle und gar kein Eisen, während sich in der Mandschurei südlich von Mukden die größten Kohlenlager der Welt befinden. Der treit um die Mandschurei gehe deshalb weniger um die Frage der Unterbringung des Devölke- rungsüberschusseS (bie Mandschurei sei für den an das 3nselklima gewohnten 3apaner viel zu kalt), als um jene Kohlenlager, die für die Existenz deS japanischen Volke- von ausschlaggebender Bedeutung feien. Der gegenwärtige Boykott japanischer Waren in Ehina stelle Japan vor entscheidende wirtschaftliche Fragen. Die kriegerische Aktion fei außerdem eingeleitet Worben, um unter bem Druck ber Waffen den Boykott gegen bie japanischen Waren zu brechen. Vach dieser Schilderung erzählte der Vortragende von seinen Reisen in die unwirtlichen, sehr schwach besiedelten Gebiete der Vordmandschurei, in denen, auf großem Raum versprengt, die letzten Reste deS Dolksstammes der Solonen zu finden feien. An Hand vieler Bilder, die zum Teil sehr geschickt koloriert waren, lernte der Zuhörer ein Volk kennen, da- sich, seiner Kultur nach, noch auf der Stufe des vorsteinzeitlichen Menschen befindet und nur in geringem Kontakt Sur übrigen Menschheit steht. Die Solonen sind, so führte der Redner u. a. auS, ein Volk der 3äger. DaS Reh ist bas Hauptwild der dortigen Landschaft, und es liefert fast den gesamte Lebensunterhalt. Alle Geräte sind, soweit sie nicht aus bem Leder und den übrigen Teilen des Aches hergestellt Werden können, aus Birkenrinde. Vornlgliche Porträtaufnahmen heran» fchaulichten die Rasse, in anderen Bildern lernte man den merkwürdigen Religionskult dieses Va- turvolkes, den Schamanismus kennen, bei dem die Geister durch Autosuggestion beschwört Werden. Zum Schluß führte der Vortragende seine Zuhörer im Bild zu den Goldgräbern in der nördlichsten Mandschurei. Bornotizen. — T ageSkalenber für Dienstag. Stadttheater Gießen: .Kopf in der Schlinge", 20.15 vis 22.15 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: »Vorck". — Aus bent Stabttheaterbureau Wirb uns geschrieben: Heute, 20.15 Uhr, als 16. Vorstellung im Dienstag-Abonnement zu gewöhnlichen Preisen Wiederholung der erfolgreichen Kriminalkomödie .Kopf in ber Schlinge!" Spielleitung beS scharfsinnig aufgebauten Stückes, damit geistvoller Spannung das Thema ^Indizienbeweis" diskutiert, hat Wolfgang Kühne. Beginn 20.15 Uhr, Ende 22.15 Uhr. — Morgen Mittwoch, 27. 3anuar, alleinige deutsche Uraufführung des spanischen Lustspiels von Maura und Sierra, „3ulietta kauft sich ein Kind". Peter Fasfott führt Regie. 16. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement. Beginn 20 Uhr. Ende 22 Uhr. — Freitag, 29. 3anuar, zum letzten Male im Abonnement ..Wilhelm Teil'. S.efc Vorstellung Wirb ihre besondere Tote dadurch erhalten, daß di« Rolle des Stauffacher von 3ntendant Dr. Rolf P r a s ch selbst gespielt werden wirb. — Das Kölner Hänneschen Theater in Gießen! Der Goethe-Bund teilt uns mit, daß es ihm gelungen ist, das berühmte Kölner Hänncs- chen Theater für Sonntag, 31. Januar, zu einem Gastspiel nach Gießen zu gewinnen. Damit wird der Goethe Bund feinen Mitgliedern und Freunden nicht nur etwas äußerst Originelles bieten, sondern er wird auch allen Besuchern einige Stunden herzlichen Lachens schenken. Das vom Institut für Theaterwissenschaft an der Universität Köln gegründete und unter Leitung von Dr. N i e f f e n stehende Original-Kölner Hänneschen Theater hat in den letzten sechs Jahren viertausend ausoerkaufte Vorstellungen vor mehr als einundeinerhalben Million Menschen gegeben! Ein Erfolg, wie er wohl nur qani wenigen Kunstunternehmungen beschieden ist. Der Spielplan bringt in der Vorstellung um 15 Uhr (’Jleuc Aula der Universität): „Der große Zauberer lartüffel"; Zauberpoise in drei Akten mit Gesang, Tanz und Schlägerei; in der Vorstellung um 2" Uhr. „Die Goldgräber" oder „Die kölsche Afrika-Erpedition". E lästig Spill in vier Akten mit Gesang, Tanz und Schlägerei. Jeder, der einmal von Herzen lachen wist, komme zum Kölner Hänneschen. (Roheres siehe gestrige Anzeige.) * •• Die öffentliche Sitzung des 6 t ab t- rats am lommenben Freitag. 17 Uhr beginnend, im Sitzungssaal«! deS Stadthauses Bergstraße gilt vor allem der Beratung über die Ermäßigung städtischer Tarife, Gebühren ufw. Ferner stehen Echankkonzessionsgcsuche und eine Dauangelegenheit auf der Tagesordnung " Tarifvertrag für die städtischen Angestellten im Rhein-Maingeb iet. Vach monatelangen Verhandlungen ist nunmehr mit dem Rhein-Mainilchen Dezirksarbeitaeber- verband der Gemeinden und Kommunalverbände, dem u. a. die Städte Frankfurt. Mainz. Wiesbaden. Offenbach. Darmstadt, Worms. Gießen. Hanau. Dingen urw. angeboren, ein Tarifvertrag für alle kommunalen Angestellten abgeschlossen Worben. Die Grunblage bes Tarifvertrags bildet ber ReichSangestellrentarifvertrag. ber mit der Reichsregierung abgeschlossen Worden ist. und der auch für Preußen und für die kommunalen Arbeitgeberverbände z. D. in Hellen-Vasfau. Mitteldeutschland und Rheinland-Westfalen gilt. Unter Führung des DürgertneifierS Dr. Kraus- Mainz und deS Geschäftsführer- Sch a W er vom ZenSralverband der Angestellten in Frankfurt a. M. kam das schwierige Vertragswerk, das nunmehr alle Anftellungsbebingungen für kommunale Angestellte enthält, zustande. Kaufmann Wtlhelm Schucharb f- Gestern abenb ist nach schwerer Krankdeit der Seniorchcs bes Huthaufes W. und G. Schucharb in Gießen, Kaufmann Wilhelm Schucharb. im 80. Lebensjahr« verstorben. Der Heungegan- gene war, wenn er auch im öffentlichen Leben nicht hervortrat. durch seine berufliche Tätigkeit eine markante Erscheinung der Gießener Wirtschaft. Er legte den Grunbstein des heutigen Haufe- Schucharb und konnte am 1 Februar 1929 gelegentlich^ deS 50jäbngen Bestehen- feiner {yirma die Freude erleben, daß durch sein Wirken, durch den verständnisvollen gefchästlichen Weiterbau seiner Vachfolger in der Leitung des Unternehmens und durch die pflichttreue Tätigkeit feiner Mitarbeiter das Haus Schucharb sowohl in ber Stabt Gießen, wie auch im deutschen Hut- großhandel eine achtunggebietende Stellung sich erworben hatte Ten Senior bes Hauso- Schuchard zeichneten neben hervorragenden beruflichen Eigenschaften perfonlichc Liebenswürdigkeit unb Descheidenheit feines Wesen- vorteilhaft aus. DaS Anbenkcn an den Verewigten wird nicht nur in feiner Firma, sondern darüber hinau- auch bei allen, bie mit ihm in Berührung kamen, in Ehren fortkeben. Stäbtische Brennholzversteigern na. Bei ber gestrigen Drennholzversteigerung au- den Waldungen der Stadt Gießen, Philo- sophenwalb und Försterei Rödgen, wurden bei guter Vachfrage im Durchschnitt folgende Preise erzielt: Sichensche.ter 7,t0. Kiefernscheiter 7.40. Eichenknüppel 6,00, Kiefernknüppel 6.60. Fichtenreisig (1. MI.) 3.00. Eichenstöcke 4.00 Mk. pro Raummeter. Sichenreisig (2. Kl.) 16,00. Kiefern- reisig (2. Kl.) 15 Mk. pro 100 Wellen. Vorstände- und Dirtgentenver- fammtung der Klrchengefangver- eine. Am Mcktwcchnachmittag tagte im Gasthaus „Hindenburg" unter bem Vorsitz von Pfarrer Stauvach - Watzenborn, bem Vertrauensmann des evangelischen Dekanate- Gießen für bie Kir- chengcsangvereinSsache eine Versammlung der Dirigenten und Vorsitzenden der fünfzehn Kirchen- gefangtxreinc des Dekanate-, bie ungefähr 500 Sänger und Sängerinnen umfassen. Die Konferenz War auf Grund gründlicher Aussprache der gemeinsamen Anficht, daß es im 3ntcreffe ber Gemeinben, der Vereine unb de- musikalischen Zieles nicht mehr möglich sein wird, da- jährliche Dekanatskirchengesangvereinsfest an einem Orte zu halten, vielmehr zwei Feste tn verschiedenen Gemeinden des Dekanate- zu veranstalten. 3n diesem 3ahre Werben es sogar drei sein. Die nördlich wohnenden Vereine Treis Lda., Beuern^ Durlhardsfelden werden einer Einladung Sur Fünfzigjahrfeier des Kirchengefangverein- nach Londorf folgen. — An Eraudi werden Allendors (Lahn). Klein-Linden, Leihgestern ihre Vereine nach Großen-Linden entsenden, um mit dem dortigen Verein das Fest seine- 25- jübrigen Destehens zu begehen. Der grof,e Rest ber Vereine wirb an einem Sonntage, ber noch nicht feststeht, mit bem Kirchengesangverein von L i ch in ber dortigen großen Marienkirche sich treffen. Da L'th ben einzigen Kivchcnchor Im Dekanate Hungen besitzt, Wurde eS von ben An- Wesenben freubtg willkommen ^heißen, mit bem Kirchenchor von Lich tn eine nachbarliche ArbeitS- gemeinschast zu treten. Vie Wetterlage. TS Mont den'2$■ cfanufjr Hz ~Tio VJwk'.ct QUorttnloi O hener 311419 oedetn •ocdrcit ••tgen ♦ Sturie»chtr Die PlcHt fhtgtn m>, drm Wmdt DK Pt-Otn Jli!tont v- fn - ;to Oric mit gicuhCNB tut Mcrtieivteo umptrecBacten uulldrvit Lr?cltcroo raussage. Don dem quer über Zentraleuropa gehenden Hoch, brurfgebiet hat sich der Kern über England unb der Rordsee weiter entwickelt. Durch ihn wertzen wir bei seinem Wcilerwandern mehr von seiner Südseite beherrscht, d. h. wir geraten in den Bereich nordöstlicher bis östlicher Luft. Dabei treten zunächst nur mehr lokal begrenzte Frühnebelbildungen auf, fcn|t geht die Bewölkung zurück und es dürfte zu Aufheiterung kommen. Außerdem treten verbreitete Nachtfröste auf, unb tagsüber wirb die herrschende Luftzufuhr mit Temperaturen um ben Gefrierpunkt anhalten. Aussichten für Mittwoch: Nur stellen- weise neblig, sonst leicht wolkig mit Aufheiterung, trocken, Nachtfrost, tagsüber Temperaturen um Null. Aussichten für Donnerstag: Fortdauer des trockenen Wetters mit Frost. Lufttemperaturen. Am 25. Januar: mittags 0,L abends 0,5; am 26. Januar: morgens 1,1 Grad Celsius. Maximum 1,2, Minimum minus 1,2 Grad Tel- fius. — Erdtemperaturen in 10cm Tiefe. 'Um 25. Januar: abends 0,4; am 26. Januar: morgens 0,4 Grad Celsius. Starke Kälte fit für die Haut nicht gut Schützen Sie sich durch Dknoendung bet gegen die Töte der &schr. Angeb. u. 0411 a. b. Gb. An;. Die Gemeinde Ettingshausen verkauft im Wege schriftlichen Angebots folgende Holz- sortimente: Stadttheater Gießen. 8rsD Mittwoch, 37. Aan. 20 bis 22 Uhr 16. Vorstellung int Mittwoch-Abonn. Gewöhnliche Preise Alleinige deutsche Uraufführung I Julietta kauft sich ein ftinb Lustspiel in 3 Akten v. Maura U. Sierra Statt besonderer Anzeige. Heute um 15 Uhr entschlief sanft nach kurzer, schwerer Krankheit und nach Gottes unerforschlichem Ratschluß mein lieber Mann, unser herzensguter, treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Heinrich Breuning Obertelegraphensekretär im Alter von 63 Jahren. 1. Büfetts, Kredenzen, Vertikos, Nähmaschinen, Warenschränke, Grammophone, Sofas, Schreibtische, Kleiderschränke, Chaiselongues, Trumeauspie- gel, Kommoden, Diwans, Halsketten, Schreibmaschinen, Kassenschränke, Werfpuppen, Radioapparate, 10 Flaschen Portwein, 1 Ständerlampe, 1 Rauchtisch, 3 Frisiertoiletten, 1 Standuhr, 1 Hobelbank, 1 Photoapparat, 1 Harmonium, 2 Bettstellen, 26 Platten Sperrholz, 1 Flurgarderobe, Kameras, Holzpfeifen, Holzmutzen, 4 Karton Seife, 12 Fläschchen Eau de Cologne. 2. 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Nr. 21 Zweiter Blatt Lausanne wartet. Son unterem -».Berichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Lausanne, Ende Januar 1932. Dird's oder wird's nicht? Das ist die Frage, die Zum mindesten sämtliche (Baryons und natürlich auch die Herren Hotelwirte bewegt. Die eigentlichen • Lausanner Bürger aber halten sich zuruck. Sie haben für solche Fälle ein Zwischending zwischen einem französischen Ausdruck, den man in guter Gesellschaft nicht sagen darf — und die cigent- lichcn Lausanner Bürger sind eine sehr betont gute Gesellschaft! — und dem deutschen „Nu, wenn schon". Es will besagen, baß der richtige Lausanner Surber jedenfalls so tut, als sei es ihm völlig gleichgültig, ob die neue Weltkonserenz unten in Ouchl) am eee tagen wird, oder nicht. Als die Tagung noch gewiß schien, als man schon den Ter min feftpclegt hatte, da wars man sich in tue Brust und erklärte mit Ueberzemiung: „Man braucht uns eben! Es ist nicht nur (renf ...” Jetzt laßt man die m. gliche Enttäuschung nicht merken, zuckt die Achseln und stellt sich erhaben Aber wenn es wirklich nichts wird, dann entladet sich bestimmt alle Wut auf d i e bösen Deutschen Sie sind hier in Lausanne immerunbanallembic'Sdjuh b i g e n gewesen. Am Krieg, am Bolschewismus, an der Weltwirtschaftskrise. Sie haben zwar immer viel Geld nach Lausanne gebracht und bringen es immer noch dorthin. Lor allem Wcstdeutichland liefert alljährlich feinen Tribut an Pensionsgeldern für die Scharen von jungen Mädchen ab, die hier in den unzähligen „Instituten für höhere Töchter" erzoaen werden. Aber das ist in den Augen des Welschschweizers nichts als die selbstverständliche Pflicht der Deutschen. Das ändert nicht das geringste daran, daß man Die Deutschen in feiner Weise liebt und daß man hier französischer ist als es nur ein Stocksranzose oder gar ein Belgier sein kann. Lausanne wartet. Man macht sich wohl im allgemeinen einen etwas falschen Begriff von den Lor- bcreitungen, die für eine solche internationale Konferenz im Gastort getroffen werden und getroffen werden müssen. Fällt eine solche Tagung in die Saison, so kann es sehr wohl Vorkommen, daß Örts- anwes-nde, die keine Zcitungslcttüre treiben, gar nicht merken, was vorgeht Nur die Hauptgaststätten und selbstverständlich auch die Lergnugungslokale merken den erhöhten Zustrom. Anders ist es schon, wenn, wie es diesmal der Fqll sein sollte, eine solche Konferenz in b i e tote Saison fällt. Dann finb bie Haupthotels geschlossen und dann müssen gerade diese erst wieder instandgesetzt und zur Aufnahme iftuftrcr Gäste bereit gemacht werden. Das erfordert schwierige Vorbereitungen und ganz erhebliche Kosten, zumal, wenn man bedenkt, daß der unentbehrliche Stamm des Dienstpersonals, vor allem die führenden Kellner und Köche während dieser Zeit ihren Wirkungsort nach den fernen Teilen der Welt, nach Aegypten, nach Made'ra und nach den kanarischen Itnjeln und selbstverständlich in die Winter- spvrtplätze verlegt haben, wo gerade Saison ist. Da aber Lausanne in ewiger Konkurrenz zu G c n s steht, ist es einfach nicht denkbar, daß man sich für einen solchen Fall mit einer „zweiten Gar nitur“ begnügt und den Konferenzteilnehmern nicht den Nachweis zu erbringen versucht, daß man Genf in jeder Beziehung überflügelt. In der Tat, Lausanne mit seinem am See gelegenen Stadtteil Ouchy ist ein idealer Konfe- r e n z o r t. Er hat vor Gens nicht nur die Schönheit der Lage, sondern auch manches andere voraus, vor allem die Kultur, die eine Stadt gewinnen muß, die feit Jahrhunderten ein bevorzugter Kurort reicher Gäste ist und die auch heute noch die bekannteste E.ziehungsstätte der jungen Mädchen aus aller Welt barstellt. Nimmt man dazu, daß Lau sänne über eine berühmte Universität und über eine hervorragende Handelsschule verfügt, (o rühmt sie sich mit Recht, den „Völkerbund der jungen Leute" in ihren Mauern zu beherbergen, Tonfilm: „ssorck". Lichtspielhaus Bahnhofstraße Dieser Film, künstlerisch eine der reifsten Leistungen der neueren Asa-Produktion, knüpft zeitlich etwa da an, wo der „Luise"-Film. den wir vor kurzem hier gesehen haben, abbrach: er schildert - die Handlung ist der Geschichte frei nachgestaltet von Hans Müller jene berühmte preußische Episode aus dem Jahre 1812. die recht eigentlich den Austakt bildete zu den späteren Ereignissen und so aus dem Preußischen ins Europäische und Welthistorische eingegangen ist. Der Film behandelt die aus allen Schulbüchern bekannte Zusammenkunft in der Poscheruner Mühle und die Konvention von Tauroggen. die den Mittelpunkt und das Kernstück der Fabel bildet, in einer Bilder- und Szenenchronik des preußischen Schicksals vor hundertzwanzig Jahren. Dieses Schicksal der Entscheidung zwischen Frank- reich und Bußland ist in die Hände eines Mannes gelegt, des Generals Vorck. der vom König Friedrich Wilhelm mit der Führung des preußischen Hilfskorps gegen Rußland betraut und dem Oberbefehl des französischen Marschalls Macdona'd unterstellt wird. Vorcks Tat führt zum Hebelpunkt. $ur klärenden und befreienden Wendung im verhängnisvoll stockenden Lauf der Ereignisse. Der Film gibt das Dorspiel und den Gipfelpunkt dieser Entwicklung: er kann, da er der feststehenden ilebcr- lieserung nicht Gewalt antun will und darf, rein handlungsmäßig, filmdramaturgisch und von auften gesehen, aus der episodisch begrenzten Fabel nicht mehr machen, als da ist. Aber was die Regie von Gustav Tlcicky mit ausmalenden und charakterisierenden Szenen und Bildern umgibt, ist ja ein ganz innerlicher Dorgang Kamps zwischen Freiheit und Notwendigkeit, zwischen Gehorsam und Willen. zwischen Pflicht und Erkenntnis-... im tiefsten Grunde der alte tragische Konflikt des Kleistschen Prinzen von Homburg, des Prinzen Louis Ferdinand und der -Offiziere" bei Fritz von Unruh. Ein zeitloser, vor gewandelten historischen Kulissen immer wieder im Hin, und Herzen eines Einzelnen geborener und ausgetragener Widerstreit, die ewige, nach Entladung drängende Spannung. Die Szenerien wechseln und die Damen. Hier heißt er. Vorck. ■Serbienft und Bedeutung der Regie begründen sich vor allem in der Besetzung, welche eine Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhesfen) Dienstag, 26. Januar 1932 während bie Stabt des eigentlichen Völkerbundes als alt^unb grämlich geworben gilt. Für di« gesamte, aus aller Welt zusammengeströmte Jugend von Lausanne ist es natürlich ein außer- ordentliches Ereignis, daß hier bte neue Repara- tionskonferenz tagen soll, baß man erwarten kann, oon Angesicht zu Angesicht alle die Männer zu erblicken, bie das Schicksal der Volker bestimmen. Plötzlich ist die Streitfackel der Politik in die jugendliche Gemeinde geworfen, und überall ln? Redeschlachten im Gange, wer auf dieser Konserenz recht haben wirb und recht behalten soll. Und eigentümlich! Schon in der Grup l’er.bilbung ber Jugend zeichnet sich, sehr zum Erstaunen unb zum Schmer; ber Lausanner, bie ver- anberte weltpolitische Konstellation ab ... (Einmal ist schon in Lausanne ein Frieden geschlos- len worben, ber Frieden mit ber Türkei cn bem gleichen kleinen Schloß in Ouchy, das jetzt wieder als Konjerenzort dienen loll und das fonft mit feiner schönen Terrasse inmitten der Hafenan- *°9en eines der beliebtesten Restaurants für den 5-Uhr-Tee ist. In den Frühjahrsmonaten bis in den Sommer hinein promeniert hier, lachend und ichwayend, zwischen brr Anlegestelle ber Dampfer unb ber Terraf'e bie junge Welt, kreischen bie vielen uHitDcn, bie den Rand ber cecs beleben handeln öic trremben mit ben Baatsführern ben Preis für eine Seefahrt aus. Die Konferenz wird, wenn sie wirklich noch im 3anuar ober zu Anfang bes Februar ftatthnbei, v'chls von bielem heiteren Bilb sehen. Sie wirb u n - ter entlaubten Bäumen tagen unb nach ben Erfahrungen früherer Jahre den Aufenthalt bei Tauwetter, Dunst und Nebel, der die gerühmte Aussicht auf bas französische Ufer des Genfer Sees verhängt, reichlich ungemütlich finden. Gr:ppe, Husten und Schnupfen, und damit schlechte Laune, werden an der Tagesordnung sein und — was mir nicht helfen wollen — das Gesicht der Konferenz beftim men. co fröhlich Lausanne unb vor allem das mit wunderbaren Anlagen längs des Sees ausgestattete Ouchy in der Sonne ist, so langweilig unb trüb lann es fein, wenn der Regen rieselt ober wenn der cäfnec schmilzt unb die vom See auffteigenbe Feuch tigfeit trübe Nebelschwaben zusammenballt. Eine Grenzlandfahrt ins Saargebiet. Studentische Srenzlandarbeit im Warndt, an der Saar-lothringischen Grenze. Äon Werner Raykowski 3m Zusammenhang mit der Tributkonserenz toirö da- immer noch unbereinigte Saarpro- b l e m erwähnt. Die Rachrichten aus dem Saar- gebiet sind geradezu alarmierend, und der Saarverein muß diesmal seinem Jahresbericht die Bemerkung voransteUen: .Die Gefahr für die Saar ist größer denn j e.“ - Dies können Ine 120 Studenten von den westdeutschen Hochschulen bestätigen, die an der diesjährigen W e i h n a ch t S f a h r t ins Saargebiet teilgenommen haben. Die wirtschaftliche Rot im Reich dient der französischen Propaganda, um im Saargebiet eine Werbetätigkeit gegen die Rückgliederung zu entfalten. 'Der „S a a rbu n d". der aus dem Rheinland geflüchteten Separatisten und bunt zusammengewürfeltem Gesindel aus aller Herren Länder besteht, macht für eine spätere .S e I b st ä n d i g feit“ des Saargebietcs Stimmung. Die Annexion des Saargebietes hat man am Quai d Orsan als aussichtslos erkannt: daher macht Frankreich große Propaganda für dieFortdauerdes D ö l k e r b u n d s r e g i m e s. Aber die kern- deutsche Bevölkerung an der Saar wird der fran- zösischen Agitation nicht ins Garn gehen und 1935 ihre deutsche Pflicht tun. Frankreich wird trotzdem im Jahre 1935 versuchen, wenig st ens einen Teil des Saargebietes, schon aus Prestigegründen, zu bekommen. Da der Dersailler Vertrag eine gemeindeweise Abstimmung nach dem oberschlesischen Muster vorsieht, hält Frankreich keineswegs alles für verloren Sehr große Gefahr, vielleicht doch von Frankreich .gewonnen" zu werden, besteht für das Warndtgebiet, ein Waldgebiet im Südwesten des Saarlandes, das dort wie eine Halbinsel nach Lothringen hineinreicht. Das Warndtgebiet hat eine Ausdehnung von etwa 15 Kilometer in die Länge und Breite. Die männliche Bevölkerung dieses Gebietes arbeitet nahezu ausschließlich auf den französischen Gruben inßotb- ringen drüben, wo sie vielen Einflüssen ausgesetzt ist. Da die französische Grubenverwaltung neben dem Recht der unbeschränkten Ausnutzung der saarländischen Gruben aus 15 Jahre das Recht der Gründung französischer Schulen in dem rein deutschen Warndtgebiet hat. so s.eht sie natürlich sehr daraus, baß die Kinder der bei ihr beschäftigten Bergleute nicht in die deutschen, sondern in französische Schulen gehen. Die Bergarbeiter haben sehr darunter zu leiden: den Fügsamen winkt Protektion, den Aufrechten Benach- teilißung und sogar Entlassung Die Grenzbevölkerung hat einen steten Kamps gegen die französische Grubenverwaltung zu führen, um ihr Deutschtum zu erhalten. Etwa 120 Studenten. Angehörige der DE.- Turnerschoften. des DDSt. an den westdeutschen Hochschulen, sowie Angehörige des Wingolf- dundes, der Gießener und Marburger Burschen- schäften, haben in diesen We hnachtsserien eine F a hrt in das bedrohte Warndtge- b i c t unternommen. Die beiden zuerst genannten studentischen Derbände haben im vorigen Jahr Uck) mehrere kleine Grenzdörfer, die Bergarbeiter- siedlungen Raßweiler. Emmersweiler. Karlsdrunn und St. Rikolas, als S ch u h o r t e ausgesucht. Die anderen erwähnten Derbände werden in diesem 3ahr in der Schuyorkarbeit nachfolgen -Während der beiden letzten Semester wurden in den einzelnen Derdindungen Geld und Bücher für die deutschen Schulen der betreuten Orte gesammelt. sowohl für die katholischen als auch für bie evangelischen — Wer die begeisterte Ausnahme durch jung und alt miterleben durfte, wer die Begeisterung sah, mit der die Binder das Saar- lied fangen, dessen Schlußftrophe in die Worte ausklingt: .wir wollen niemals Knechte fein", dem wird dieser Festtag in seiner ganzen Schlichtheit unvergeßlich bleiben. '£er herzliche Dank des Dorfes aber galt nicht nur unseren Gaben allein. Wir Studenten wissen es: er galt vor allem dem Bekenntnis zur Schicksalsverbundenheit der Menschen gleichen Dolks- tums, unserem Willen, diese füllen und einfachen Bergarbeiter im Warndt nicht zu vergessen die sich nicht das höchste Recht eines Volkes nehmen lassen wollen, sich zu dem Dolkstum zu bekennen, dem sie angehören. Unsere Fahrt schloß mit einer Schulungstagung im Hauptort des Warndtgebietes, der Tcrgarbeitersiedlung Ludweiler, auf der uns Uni- vcrsitäts-Prolessoc Dr. Spahn . M. d R., Der- lin, Dr. Lütke, der Syndikus der Saarbrücker Handelskammer. Dr. Steinacher. Leiterder Zentralstelle für deutsches Auslandbüchere.wZen, Berlin. Beigeordneter S ch m e I z e r . Dorsitzender der Deutsch-saarländischen Dolkspartei. aus dem Schatz ihrer reichen Erfahrungen Einblicke in die Geschicke des Saargebietes und des Warndts gewährten. Eine Besichtigung der Röchlingschen Stahlwerke in Dölklingen bildete den eindrucks- volien Abschluß dieser Weihnachtsfahrt. E:>ke der deuilchen Schauspielerschoft versammelt und auf die geschichtlichen Standorte verteilt. Wer könnte den Vorck heute bei uns spielen, wie ihn Werner Krauß gestaltet, Heldendarsteller ganz großen und eigentlich unvergleichlichen Ranges. Rach dem Hannibal. dem Wallenstein, dem Ra- Poleon. dem Gneisenau (um von manchen andern und nicht nur in der Historie erlauchten Flamen zu schweigen) —: General Vorck. Er spielt ihn anders, als mancher vielleicht erwartet hat: nicht als den finstern, gewalttätigen Eisenfresser, sondern zunächst einmal viel jugendlicher, verbindlicher. gelassener: er rückt ihn menschlich an uns heran und er betont und formt nicht Io sehr die verbissene und starre Unbcugfamfe.t dieses preußischen Offiziers, sondern feine geistige Haltung und seine menschliche Reife, die allein seine Handlung legitimieren können. In den entscheidenden Szenen vor dem König, mit General Kleist, mit den Offizieren seines Korps, mit Macdonald und endlich mit Diebiksch entfaltet sich der ganze, hinreißende Schwung seiner Menschengestaltung. Gegen ihn, mit ihm. um ihn her ein saft verwirrendes Aufgebot schauspielerischer Prominenz. Es gibt nicht viele Filme, die, noch in kleinen und kleinsten Rollen, so stark besetzt sind. Den König macht Forster: er ist ein ausgezeichneter Schauspieler und er gibt eine ganz persönliche Leistung: aber wir finden, daß Gründ- fleni ollänDilcb* Sloten ^laltrnbdw Sloten Rorroegildte Sloten tJeurltb-Certenetd), • 100 SLWtng Rumdntfifif Sloten €dtroeDi|d)f Sloten €din>ei»er Sloten Spantlcde Sloten Unfloriidie Sloten ...... Reichsbankdiskoni 7 o. f?.. ,rrnnffurter Eiermarkt. Frankfurt a. M . 23. 3an. Infolge der zunehmenden Rcuprvdultion waren am Frankfurter Oicrmarft die Zufuhren reichlich, wenn man den schwachen Absatz an den Konsum berücksichtigt. Die Tendenz ist zwar stetig, doch ist Unsicherheit nicht zu verkennen. Die Preise biteben gegen die Vorwoche noch unverändert Sollten iedoch die billigen Offerten de< Auslandes anhalten, so seien neue Preisermäßigungen nicht zu vermeiden. Zum Teil wurde schon unter den jetzigen Preisen verkauft. 2« notierten in Pfennig per Stuck ab Uxo Frankfurt a M. Vulgaren. Jugoslawen, Rumänen, Russen und Polen je 8 bi# 8.5. Holländer 7,75 di# 10,5, Flandern 9 bis 9.5. Schlesier 8,5 bis 9.5. Bayern 9 di« 9.5. deutsche Frischeier 7,25 biS 11. in- und ausländische Mittel- und Schmutzeier 6,5 bis 7. Rundfunlproqramm. Mittwoch. 27. Januar. 7 20: Frühkon-ert. 1020 bis 10.50: Französische Kinderbriefe. Vorgelesen von QL Habaru. Paris. 12.05: Von Berlin: Konzert. 13.05: Von Köln: Konzert. 15.15 bis 16: Stunde der Jugend. 17.05: Schlangenbad: Konzert des KurorchefterS Bad Schlangenbad: 18.40: .Meine Erlebnisse bei den Zigeunern" von Elisabeth Schmidt • Pauli. 19 05: .Braucht man zum Siedeln Geld?". Dor- traH von Diplom-Landw rt Paul Wzing r. 19.35: Kleine Stücke für Violine. Gespielt von Elisabeth Bischoff. 20.10: Zum 75. TodeStag am 15. Fe- bruor von M. Glinka: Das Leben für den Zaren. Oper in 5 Akten. 22.50 bis 23.10. Olympische Spiele 1932. Gespräch zwischen Mittel- strcck'-mnstrr Max Danz, Redakteur Mar Freund und Paul Laven. Donnerstag, 28. Januar. 7.20: Frühkonzert. 12.05 (Von Berlin): Konzert. 13.05 (Von Köln): Konzert. 15.30: Stunde der Jugend. 17.05 bis 18: Rachmittagskonzert deS Rundfunkorchesters. 18.40: Stunde deS FilmS: „Vegiifcure bei der Arbeit", von Dr. Fritz Hock. 19.05: .Die Erhaltung deS katalanischen DolkS- tumS", Vortrag von Professor Hartmann. 19.35: -2Lu6 Frankreichs Geschichte". Vortrag mit Schallplattenbeispielen von A. Habaru, Paris. 20.15: Nobelpreisträger IX Karl Gjellerup, Leseproben: Wolf Beneckendors. 20.45: Bunter QEbenb. 22.40 biS 23.30: Tanzmusik. Freitag. 29. Januar. 7.20: FrühkonzerL 12.05 (Von Berlin): Konzert. 13.05 (Von Köln): Konzert. 15.30 bi« 1550: .Die Winterhilfe auf dem Lande", Vortrag von Herrn VcAirtejuflcnbpf leger Grebenstein, Wiesbaden. 17.05 (Von Wiesbaden): Konzert deS Kurorchesters. 18.40: .Berufsmöglichkeiten für Schüler mit mittlerer Reife", Vortrag von Berufsberater Werner. 19.75 (Von Mannheim): .Die Fortschritte der Medizin". 19.45: Dichtergalerie: Rudolf Pann- wih, Leseproben: Paul Hoffmann. 20.15: Böhmische Musikanten. Singspiel in drei Akten. 22 40: Rachrichten au« Kunst und Wissenschaft. 22.50 bi« 24: Tanzmusik. Konfirmanden- An71*1 hq Kommunikanten-Hll4UyC Qualitätsware, preiswert blau Kammgarn, Melton Mk. 16.50 1 8.50 21.- 25.- 29.- "grleT 4.22 58,77 79.36 14.40 16.59 169,89 21,11 78,26 2,51 80,76 52,26 35.37 (Selb 4.20 58.53 79.04 14,34 16.53 169.21 21.03 77,94 2,49 80,44 81,94 35,23 Freitag, den 29. Januar 1932, finden im Gemeindewald Cleeberg folgende Holzner- steigerungen aus den Distrikten Altenwald und Niederlag statt: 644V Talen für Tien taq, 26. Januar. Sonnenaufgang: 8.14 Uhr, Sonnenuntergang: 17.01 Uhr. — Mondaufgang: 21.02 Uhr, Mond- untergang: 9 34 Uhr. 1781: der Dichter Ludwig Achim v Arnim in Berlin geboren — 1920: der Maler Fritz August v. Kaulbach in Ohlstadt bei Vlurnau gestorben. Taten für Mittwoch, 27. Januar. 1756 ter Komponist Wolfgang Amadeus Mozart in Salzburg geboren. -- 1775: der Philosoph Friedrich Wilhelm Schelling in Leonberg geboren. — 1859. Wilhelm II., ehemaliger Deutscher Kaiser, In Berlin geboren. mindest gut behauptet. Die Abschwächungen von gestern abend bezeichnete man heute übrigen« al« eine gesunde Reaktion auf die oorangegan- genen Steigerungen, für die keine besonderen Gründe Vorgelegen hatten. Zwar mahnte die Unsicherheit an den AuSlandbörfen zum ch'k elwa« zut Zurückhaltung, ausschlaggebend für o;c Entwicklung de« hiesigen Markte« blieb aber doch bic positionstechnische Situation E« fehlt weiter an nennenswerten» Angebot, während die Deckungsneigung immer noch nicht befriedigt zu fein fcheint. Bor allem sollen die Transaktionen der Baisfepartei durch die Verhaftungen in der Devisenaffäre gestört worden fein, weil dadurch neue fog Kofferware auSgeblie- ben ist. 3m Vordergründe deS Interesse« standen auch heute Reich«bankanteile Für diese regle angeblich ein Rundschreiben de« Verbände« der Anteilseigner an, in dem neben einer günstigen Devisenbcurtcilung alle möglichen Berechnungen über die Dividende bei Instituts angestellt werben Leider schaffen diese Berechnungen nicht die Tatsache au« der Welt., das) bei der Reichsbank auch in der dritten Januarwoche ein weiterer Dold- und Devisenverlust von 13.4 Millionen eingetreten ist. Die Deckung hat sich allerdings auf 2c,4 gegen 25.6 Prozent bessern können, da die Gesamtentlastung 202.6 Millionen und die Rotenrückläufe fast 190 Millionen betragen haben Von den übrigen Bankaktien fielen Danatbank mit einem l,5projentigen Rückgang auf. Kaliwerte zeigten ziemlich feste Veranlagung und behaupteten ihre Höchstkurse von gestern: auch die sog. AuSlandwerte Chade und Svenfka waren ebenso wie Arbedbond« auf gefiri- gcr HöchstbasiS gehalten, während sonst im allgemeinen nur die ermäßigten Abendkurse zu Obren waren Vorn Montanmarkt ist Phönix zu erwähnen, die wie vorgestern immer etwa 1 Prozent unter den StahlvereinS-Altien gehandelt wurden und heute fast 1,5 Prozent über diesen umgingen. Farbenaktien waren gut behauptet, Zarbenbonds zeigten ebenfalls nur geringe Veränderungen. haben aber dem Aktienkurs gegenüber ein Disagio von fast 10 Prozent. Von festverzinslichen Werten fielen außerdem Reichsbahnvorzüge auf, die etwa 2 Prozent gewannen und jetzt fast w oder den Stand der Lpro^entigen Goldpfandbriefe, für die ebenfalls eher Rach.rage bestand, erreicht haben. Deutsche Anleihen hatten ruhige« Geschäft und nur unbedeutende KurSbesserungen aufzuweisen. Für Re.chrschuldbücher nannte man etwa 1 Prozent höhere Kurse. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2H. Buchen: 100 rm Scheit und Knüppel, 4000 Wellen. Fichten: 12 rm Scheit und Knüppel, 160 Stangen 1. Klasse, Bekanntmachung. Für die Lieferung des Kohlen-, Koks- und Brikettbedarfs an die staatlichen Be- Hörden, Betriebe und Anstalten für das 3aßr 1932 33 (Heizveriode) werden hiermit die Kohlenlieferanten zur Abgabe von Preis- und Lieferangeboten aufgefordert. 6300 Die für die einzelnen Dienststellen und Orte erforderlichen Mengen sowie die Lieferbedingungen sind nach Einzahlung von 1,50 RM. je Ort (höchstens 4 RM. für mehrere Orte) für Auslagen und Gebühren an unser Postscheckkonto Nr. 634 35 beim Postscheckamt Frankfurt a. M. bis spätesten» 31. Januar 1932 schriftlich bei uns anzufordern, wobei anzugeben ist, für welche Orte die Unterlagen gewünscht werden. Rach dem 3L Januar 1932 eingehende Anforderungen können nicht mehr berücksichtigt werden Darmstadt, den 23. Januar 1932, Staall. Brennsloff-Beschaffungsslelle, Holzversteigerung. In Stadtmitte Wohnhaus mit schönem, beziehbarem Laden, Einfahrt, großer Hot und Nebenräume äußerst vreiöwert tu verkaufen. 0486 G. Katz Ludwigstraste 45. 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Sin inete sich gestern .tafa Dchiar- Der Uetzger- :hlar geriet mit em sich noch 'ein ianö, ins Schl u- überfd) lua ieL MHrc-) Jungen davv - etr innere ion einem vor- nach Diehen gc- 'peration unt r- n waren jedoch ! gestorben ourde bcrmaf en werden mußte, ber die Ursache ge- Vf. >r Derkehrs« e i n hielt im ®e» tmlung ab. Der )ergewählt. Für er, Lehrer Au« Mi Sic Acch« iches Vilb- Die .on 93 Ml. aus. n Dächer werden, ut an Mitglieder Förster Pse's« Umgebung unserer Ilähung Weiter monatlichen 2«* i hat, aus 10 PI- J Schuhen. Schaft L verflosst, ,clfrig war die ' durde L oen wurde A l'.du Mitan wurden wieder- 4soistandSwaül en Derleihnngj. °rende Theater- 2 Sammlung Ulfe erbracht, Zentner VepfeL 15 ifunb Kleidungsstück, )um 'Bürget- ’urbe der Land- mb amtlich Verlag eingegangen iwlung. Pute. en. Sie kirchlUV« neinbe »nb« Ml» Trauungen. »- ch besuchten Prozent der evan« Abendmahl nab- Erwachsenen teü- gbgelausenen ® 9 (7) Stau* verzeichnet- #on' 'n (65®. * i besuchten 3n ,unffinbet 3^()uuö3 intern- ^iejJeVl1^ Mr ««*<*,* ! WS» h St Je? »cw SÄ’ Wirischast Im ®c- Da Besserung des Aeichsbankstatus Berlin. 26. Ian (WTB. Funkfpruch.) Rach dem AuSweiS der RcichSbank vom 2 3. Januar bat sich in der dritten Januarwoche die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks. Lombards und Ef sekten um 202.6 Millio- nen auf 3677,5 Millionen Mark verringert. Im einzelnen haben die Bestände an HandelSwech- um 180.7 Millionen auf 3406,9 ^^.^^ünde an Reick^schahwechseln um 16,5 Mill, auf 6.9 Mill. RIk. und die Lombard- bestönde um 5.4 Mill, auf 103 1 Mill, abenommen. An Reichsb 'nknoten und 1 entenban fch ne z - Jammen sind 189,9 Mill. Mk. in die Xaflen oct ReichSbank zurückgesloffen. und zwar hat sich der Umlauf in Reichsbanknoten um 183.6 Millionen auf 4198.0 Mill. Mk., derjenige an Rentenbank- scheinen um 6.3 Mill auf 405L Mill. Mk. verrin- gert Unter Berücksichtigung, daß in der De- richlSwoche Rentenbankfcheine in Höhe von 01 Mill. Mk. getilgt worden sind, haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankfcheinen auf 21.4 Mill. Mk. erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 370.7 Mill. Mk. eine Abnahme um 136 Millionen Mark. DieDestände anDold unddeckungS- fähigen Devisen haben fich um 13.4 Millionen auf 1107.7 Mill. Mk. v e r m l n d« r t.'Im einzelnen haben die Goldbestände um 9.8 Mill, auf 956.4 Mill. Mk. und die Bestände an deckungS- fähigen Devtfen um 3,6 Millionen auf 151.3 Mill. Mark abgenommen. Die Deckung der Rot en durch Gold und deckungsfähige Devisen beträgt 26.4 Prozent gegen 25,6 Prozent in der Vorwoche. Holzvelfteiqenings - Tenn'ne. Mittwoch, 27. Januar. Bürgermeisterei Gießen. Zusammenkunft an der L'cher Straße, 4 Schneise, 9.30 Uhr. * Der Großhandelsindex. Die vom Statistischen Reich«>amt für den 20. Januar berechnete GroßhandelSindexziffer ist mit 100,0 gegenüber der Vorwoche um 0,7 Prozent zurück- gegangen. Die Großhandelspreise haben damit rm Durchschnitt den Stand von 1913 wieder erreicht. Die Indexziffern der Hauptgruppen lauten: Agrarstosfe 91,6 (minu« 0,8 Prozent). Kolonialwaren 91,0 (plus 1.2 Prozent), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 92.5 (miau« 0.2 Prozent» und industrielle Fertigwaren 125,4 (minu- 1,1 Prozent). * D i e Einzahlungen auf die steuerfreie Reichsbahn-Anleihe. Das Anwachsen de« Zeichnungsergebnisses auf die steuerfreie Reichsbahn-Anleihe 1931 hält auch im bisherigen Verlauf des Januar mit den Ergebnissen im Dezember Schritt. Bis zum 18. Januar haben sich die Zeichnungen auf 242 555 Mill. Mk. erhöht. Auch die Einzahlungen auf die gezeichneten Beträge nehmen laufend zu. Am 5. Januar 1932 war die erste lOprozentige Rate fällig, bis zum 9. Januar waren aber bereit« rund 24 v. H. (55 Mill. Mk.) de« bisher gezeichneten Gesamtbetrages eingezahlt worden. Inzwischen haben sich die Einzahlungsbeträge bis zum 19. Januar einschließlich auf 56 519 Mill. Mk. erhöht. Belebung in der Offenbacher Schuhindustrie Wie WTD.-Handelsdienft bört, w rd die Schuhfabrik Herz AG. in Offenbach in diese: Woche 100 bis 150 Arbeiter neu einstellen Die Gesellschaft erwartet, daß das F.ühjahr eine sa fonmäßige Belebung mit sich bringen werde, so daß der Umfang ter Bor- jah.e^produktion wieder er.e cht werden kann. Die ersten Aufträge de« Ostergeschäftes feien be eit« einjelau e.i. • Brauerei Henninger-Kempff- Stern AG , Frankfurt a. M. Der B.erabsah der Gesellschaft, der im Geschäftsjahre 1929 30 be e t« einen Rückgang um 10 Prozent aufwies, senkte sich in dem am 31. August 1931 beendeten Geschäftsjahr bei gleich gebliebenem Kundenbestand um weitere 25 Prozent Verschuldet wu.de die Absatzverringerung in der Hauptsache durch die hohe Steuerbelastung, die Wirtschaftskrise und die starke Konkurrenz des Weine« Berlin. 26 3in. (WTB. Funkfpruch.) bcu.i'c.i tel phoni che i Freiverkehr war das schäft im aligenu acn ruhiger als gestern. _ sich aber wieder sür Spezialwerte Interesse ergab, war die Tendenz, gegen die ermäßigten gestrigen Abendkurse gesehen, zum Sinern Bruttoertraa von 6.45 (im Vorjahr 7.35) ^‘Uionen Mark stehen 2,94 (4.00) Millionen Mark Aufwendungen für Rohmate. i«ien, Betrieb«- und HandlungSunkosten. 2.73 (2.42) Millionen Mark Steuern und 0.39 ( 0.23) Millionen Mnrk Abschreibungen gegenüber, so daß einschließlich 72 685 Mk. VorjahreSvortrag ein Reingewinn von 383 030 (694 271) Mk- verbleibt, wor- aus 7 (9) Prozent Dividende verteilt werden fall. 60 029 Mk. kommen zum Vortrog auf neue Rechnung. * Entlastungen im Ruhrbergbau. «He Hoefch-Köln-Reuessen AG. für Bergbau und Hüttenbetrieb zeigt wegen Absatzmangels Be- triebSeinschränkungen aus der Schachtanmge Kai» ferstuhl II on. Zur Entlassung kommen 850 Arbeiter. Die Vereinigten Stahlwerke, Gruppe Bochum, zeigen Betriebseinschränkungen auf der Zeche Dannenbaum an. Hier kommen 200 Arbeiter und Angestellte zur Entlassung. Aus der zuni Klöckner-Konzern gehörenden Schachtanlage Viktor I—II bei Eastrop-Raurel kommen 500 Arbeiter und 50 Angestellte zur Entlassung Al« Grund gibt die Verwaltung des Klöckner-Kon- zern« Abfaymangel an * Bayerische Motorenwerke AG. (BMW ). München. Wie die Gesellschaft mitteilt, haben auf die neu herauSgebrachte Type die Anfragen und Aufträge gut eingesetzt, die Belegschaft konnte in den letzten Monaten um 350 VZann erhöht werden Wie weiter mitgeteilt wird, war es möglich. 1931 eine stückmäßige Steigerung der Motorenfabrikation um rund tO Prozent gegen das Vorjahr zu erzielen, auch umfaymäß g fei die Quotenerhöhung bedeutend Für 1932 verspricht sich die Gesellschaft in der Motorradherstellung, namentlich durch die Herausbringung deS neuen Typ«, einen namhaften Erfolg. Sranffurf fräff g angeregt Franks urt a. M., 25. Jan. Tendenz: fest. Der Frankfurter Esseltensreiverkehr eröffnete auch die neue Woche im Anschluß an die Festigkeit vom SamStag in sehr fefter Tendenz. Der Abschluß des Stillhalteabkommens gab weiterhin eine kräftige Anregung, zumal auch die Aeußerungen in der Presse hierzu günstig lauten und vor allem der die deutschen Leistungen stark anerkennende Bericht der Gläubiger-Delegierten Anlaß zu Optimismus gab. Der schwache Schluß *t>cr Reuyorker Samstagsbörfe blieb demgegenüber ohne Eindruck. Die Umsatztätigkeit war nicht groß, weil den Kaufaufträgen, worunter man besonders auch vom Ausland Käufe beobachtet haben will, kei.r Material g g?n- überstand. Mehr Interesse sanden naturgemäß die international bekannten Werte, von denen IG.» Farben 5 v. H., Reichsbank 4 v H. und Siemen« etwa 3,5 v. H. gewannen. Auch die übrigen Glektrowerte verzeichneten fast durchweg Kurs- befferungen von 2 v. H. Von Rebenwerten waren JG.-Ehemie-Dasel lebhaft gefragt und 2 v. H. höher, auch Scheideanstalt und Dessauer Gas setzten ihre Auswärtsbevegung um einige Prozent fort. Dank-, Montan-, Kunstsei.de- und Schisf- fahrtSaklien lagen vernachlässigt und nur wenig verändert. Der Rentenmarkt lag ebenfalls recht f c st, und da« Geschäft gestaltete sich etwas lebhafter. ES lagen wieder zahlreiche kleine Kauf» orders vor, von denen jedoch nicht alle Märkte erfaßt wurden. Besonderes Interesse erhielt sich für Gold- und Liquidations-Pfandbriefe, Reichs- fchuldbuchsorderungen und einige Industrie-Obligationen, besonders für schwäbische Werte, die bis zu 1,5 v. H. hoher lagen. Von kommunalen Werten machte sich Rachsrage für rheinische Werte bemerkbar, während Stadtanleihen weiterhin still lagen. Von deutschen Anleihen zogen Reichsalt- besitz etwa 0,75 v. H. an. Berlin gut behauptet. Brenn- und Nuhholzversteigerung im Gemeindewald Langsdorf. Bei der am Mittwoch, dem 27. Januar 1932, vormittag» 9% Uhr, stattfindenden Versteigerung werden außer den bereits angegebenen Mengen noch versteigert: 140 rm Eichenrundscheit, 4 „ Eichenscheit, gespalten Langsdorf, den 25. Januar 1932. 647V Hess. Bürgermeisterei Langsdorf. Kneipp. / Inventur-^ / Ausverkauf \ I Popelin- und Zephir- 654 d \ I Reste I für Hemden für die H 11 f t e! I \ Popelinstoffe mit 20% Rabatt / \ Fr. Levermann/ Selters weg 71 Eine Anzahl «,o Hühner vom Jahre 1930 u. 1931 zu verkauf., b. Stück von 2 Mk. an Erich Wilhelm Hol- itraach.HthnerUra, Dornholxhanaea. 415-Zimmerbaus mit Bad. zw. Bahn- bof und Kliniken z. halben Rriebenßro. zu verkaufen durch Schanmberger&Sohn Qubroiflßr. 30. Afrikanische Zagdwaffe: Bogen, Pfelle und Köcher, orarfitöoüe Arbeit, a. Liebhaber zu verlaufen. »<« Bleichste. 12, 2 Tr. Elegante Maßanfertigung im eigenen AteUcr Mk. 125.- 138.- 148. 158. Maßkonfektion aus Maßstoffen mit einer Probe nach Kenanen Maßen anire- fertigt Mik. M9.- 88. 108.- Gießen. Telephon 2060 MENGE U9 nut qawldan ’lCfclLn'J'Aala Kein Suchen der Stationen, kein Notieren, sondern nur Einstellen Wünschen Sie z. B. Wien zu hören, dann stellen Sie MENDE 169 auf Welle 516, Rom auf Welle 441, Königswusterhousen auf Welle 1635 Jedes Kind kann MENDE 169 bedienen. RM.152.- ohne Röhren Lieferbar für Gleichstrom und Wechselstrom. MENDE-Geräte kauft man nur in Fachgeschäften. Zch had dir verzieh»! Vornan von Clotilde von Stegmann-Stein. Copyright by Martin Feuchtwange r, Halle. 26 ftortlefiung. Nachdruck verboten. Diese rätselhaften Worte liehen ihn einen Augenblick stutzen. Dann aber steckte ihre leichtsinnige Fröhlichkeit ihn wieder an. Er vergab, was sie gesprochen hatte, was ihn bedrückte. Aber es kam der Lag, an dem sich Hans Egon jener rätselhaften Worte aus Dolores' Munde erinnern muhte. Das war der Tag, an dem man ihm auf der Dank mitteilte, dah sein Konto erschöpft und man nicht in der Lage wäre, ihm neue Mittel auszuhändigen. Verzweifelt ging er zu Dolores. „Was gibt es denn?" erkundigte sie sich nach einem Blick in sein verstörtes Gesicht. Statt einer Antwort brach er aufschluchzend vor ihr zusammen: „Ich bin verloren, Dolores! Du siehst einen Bettler zu deinen Füßen. Was soll ich tun, um dich nicht zu verlieren? Aichts ist mir zu gering, keine Arbeit." Dolores fuhr ihm leicht mit der Hand über fein blondes Haar, indessen, für ihn unsichtbar, ihre Züge einen Ausdruck grausamer Befriedigung trugen: „Ich weih eine Arbeit für dich: sie ist nicht schwer, und sie bringt Geld ein. Aur eines ist dabei: du muht für einige Zeit nach Deutschland zurück!" „Aiemals"', schrie er auf und stand im nächsten Augenblick auf feinen Fühen, „niemals wirst du mich dazu bringen!“ „Wirklich nicht?" erwiderte sie, und ihre Augen schlossen sich wie bei einem Raubtier zu einem schmalen Spalt. „Du hast zu wählen, entweder hier zu verhungern und mich nicht wiederzusehen, oder aber in Deutschland für eine kurze Zeit nach meinen Weisungen zu arbeiten, um als reicher Mann zu mir zurückzukehren!" Er wollte sprechen. Sie hob die Hand und sagte verächtlich: „Geh jetzt! üeberlege dir, was ich dir gesagt habe. Es ist unabänderlich. Das Weitere besprechen wir bann morgen.“ Sie erhob sich und ging schnellen Schrittes in ihr Schlafzimmer, dessen Tür sie mit einem harten Ruck vor ihm verschloß. Taumelnden Schrittes, mit leeren, verzweifelten Blicken durchquerte Hans Egon das Vorzimmer, und hätte beinah Paolo, den Diener, umgerissen, der dort hantierte und auf ihn zu warten schien. „Ich habe Ihnen etwas mitzuteilen, HerrGraf", flüsterte Paolo leise und hastig — Gesicht und Stimme hatten die unbewegliche Dienerart plötzlich abgelegt —; „aber nicht hier. Hier haben die Wände Ohren. Die sind in Gefahr, Herr Graf. Kommen Sie heute abend in die Casa blanca, in die Wirtschaft zum „Schwarzen Pedro", dort werde ich Ihnen alles erklären." Er legte warnend den Zeigefinger an den Mund und wandte sich mit unbewegtem Gesicht wieder seinen Hantierungen zu. * Es war die bestimmte Stunde, als Hans Egon in die dun.le Gasse einbog und nach kurzem Suchen die Schenke fand. Paolo wartete bereits in einer einsamen Ecke des kleinen Hauses. Unaufgefordert brachte der dicke braune Wirt mit den breiten Goldohrringen eine Flasche chilenischen Rotweins. Er stellte sie vorsichtig vor die beiden Männer hin, von denen er Paolo genau zu kennen schien. Kaurn hatte er sich entfernt, zog Paolo, sich vorsichtig umschauend, einen Umschlag aus der Tasche und legte stumm mehrere Papiere vor Hans Egon auf den weiß gescheuerten Tisch. „Was ist das?" fragte Hans Egon mißtrauisch. „Was?" erwiderte Paolo leise, aber eindringlich, und legte seine braune Hand auf die Papiere. „Das sind die Beweise für einen raffinierten Betrug, den Madame und der saubere Bankier ©riefen schon einmal an Ihnen verübt haben — und den sie jetzt wiederholen möchten. Sie wissen doch von dem Rauensteinschen Bilde, das Sie seinerzeit an den Juwelier Mathis gegeben haben, um dafür einen Schmuck für Madame zu kaufen. Madame ist eine sehr gute Geschäftsfrau. Sie hat mit dem Juwelier zusammen Geschäfte gemacht, denn es waren viele Herren, die bei Mathis Schmuck erstanden. Der Juwelier wiederum hat das Bild an den Kunsthändler Frissard weitergegeben. Und auch dort hat Madame ihren Profit gehabt. Zum Schluß hat ©riefen, mit dem sie damals anbän- delte, das Bild mit ihr zusammen erworben und zu einem großangelegten Schmuggel benutzt. Herr Graf wissen doch, daß Madame eine Agentin der großen Rauschgift-Organisation in Paris ist, die ihre Helfer in der ganzen Welt und so auch hier hat? Madame und ©riefen haben sehr gut verdient, als sie das Bild unter Ihrem Rainen hierher brachten. Die beiden hatten Glück. Riemand hat entdeckt, was für wichtige Papiere in dem Rahmen des । Rauensteinschen Bildes verborgen waren. Wissen Sie, was diese Papiere enthalten? Richt mehr und nicht weniger als die Adressen sämtlicher südamerikanischer Rauschgifthändler und den Plan für einen neuen Schmuggel. Für diesen neuen Schmuggel aber sollten Sie, Herr Graf, benutzt werden. Das, was Madame Ihnen morgen als Auftrag für Ihre Deutschlandreise geben will, ipirb nichts anderes fein als wieder solch eine Schmuggelei von Papieren oder von Rauschgift selbst. Und das ist noch nicht alles. Gehen Sie auf die Pläne nicht ein, oder haben Sie Pech, daß Sie erwischt werden, dann wird man sich Ihrer zu entledigen wissen. Hat man doch auch seinerzeit schon zur Sicherheit das Rauensteinsche Bild auf Ihren Ramen im Zollhafen deponiert. Wäre die Hafenpolizei dahintergekommen, dann säßen Sie heute im Zuchthaus." Hans ©gon hatte mit immer bleicher werdendem Gesicht dieser ungeheuerlichen Mitteilung gelauscht. Jetzt sah er den Diener flehend an: „Schwören Sie, daß Sie die Wahrheit sagen, Mann, betrügen Sie mich nicht, um Gottes Barmherzigkeit willen! Sie wissen ja nicht, was das alles für mich bedeutet. Wenn Sie die Wahrheit sprechen, dann fällt ja jener schimpfliche Verdacht in sich zusammen, der auf mir ruht — jener Verdacht, der mich aus der Heimat getrieben hat, der dem Konsul Sibelius vielleicht das Leben gekostet hat." „Konsul Sibelius lebt", entgegnete Paolo: „aber fein Geschäft ist ruiniert. Auch das ist das Werk jened ©riefen. Auf die schändliche Lüge hin, Sie wären an dem Rauschgiftschmuggel beteiligt, hat ©riefen eine ungeheure Summe von Konsul Sibelius erpreßt. Der Konsul hätte es nicht nötig gehabt, seine Bürgschaft für Lund & So. bei ©riefen einzulösen: auch Lund & Co. sind durch die betrügerischen Machenschaften des Schurken ©riefen ins Verderben gerissen worden. Die Beweise" — Paolo schlug mit der ausgebreiteten Hand auf die Pochiere —, „sie liegen hier vor Ihnen. Rehmen Sie die Papiere, Herr Graf, und fliehen Sie. Fliehen Sie, so schnell Sie können, ©riefen und Madame schonen niemanden, der ihre Pläne zu durchkreuzen wagt." Hans Egon saß wie versteinert da und starrte in das gelbliche Gesicht des Dieners wie auf das Haucht der Medusa. „Und warum, Mann — warum sagen Sie mir das alles?" Das Gesicht des Kreolen wurde von einem rachsüchtigen Lächeln entstellt. „Weil man mich betrügen wollte, Herr Graf, weil man mich betrügen will, um den Anteil an den Geschäften. Bei dem, was ich von Madame und ihrem Galan weiß, sollte man sich hüten, mit mir zu spielen. Ich weiß mich zu wehren. Aber Sie, Herr Graf, wenn Ihnen Ihr Leben noch etwas wert ist, reifen Sie ab. Ein spanischer Dampfer hat heute seine Ladung gelöscht. Er fährt morgen früh mit der Route nach Europa. Mein Freund ist Steward auf dem Dampfer. Er wird Ihnen eine Stelle in der Küche verschaffen, so kommen Sie auch ohne Geld und ohne Schwierigkeiten in Ihre Heimat zurück. Geben Sie dem Steward biefen Zettel als Ausweis." Hans Egon stöhnte auf. In was für furchtbare Dinge war er durch seine Leidenschaft verstrickt worden, was für ein grausames Spiel hatte Dolores mit ihm getrieben! Kaum vermochte er die Schändlichkeit dieses Weibes zu erfassen. Aber er würde sie zur Rechenschaft ziehen, sie, die seine Leidenschaft, sein Leben zu so verbrecherischem Spiel benutzt hatte. Paolo sah, wie die Kriderstreitendsten Empfindungen in dem erschütterten Gesicht des Grafen sich widerspiegelten. „Denken Sie nicht daran, Herr Graf", warnte er, „Madame noch einmal sprechen zu wollen. Diese Auseinandersetzung würde gefährlicher für Sie werden, als Sie glauben. Madame und ihr Kumpan werden ihren gerechten. Lohn schon einmal finden, dafür lassen Sie andere sorgen." Ehe Hans Egon noch etwas zu antworten vermochte, hatte Paolo sich erhoben: Lem Wirt ein paar Geldstücke auf die Theke geworfen und war im Dunkeln verschwunden. ♦ Während Hans ©gon unter körperlichen und seelischen Qualen in den heißen Küchenräumen des spanischen Handelsschiffes als Gehilfe arbeitete, näherte sich sein Schiff den europäischen Gewässern. Diese Wochen der härtesten Arbeit, der Rot, ließen die Jahre des Luxus und des Leichtsinns wie hinter Rebeln verschwinden. Mit Beschämung dachte Hans Egon an die letzten Monate seines Lebens zurück, die ihn so tief erniedrigt hatten. Die Liebe zu Dolores erschien ihm jetzt schimpflich. Schwer hatte er gesündigt, schwer aber büßte er auch. Das Leben, das ihm sonst wie ein fröhliches Fest erschienen, das es zu genießen galt, es hatte sich für ihn verwandelt in eine Einöde, in der weder Hoffnung noch Zukunft warteten. Er war müde und zermürbt, und nur der eine Wunsch hielt ihn aufrecht, sein Bild noch einmal von dem schlimmsten Verdacht gereinigt erstehen zu lassen vor den Menschen, denen er so viel Böses angetan hatte. (Fortsetzung folgt.) Auch auf andere MAGGI-Erzeugnisse,wie MAGGI3 Suppen und MAGGI3 Fleischbrühwürfe!, gibt es Gutscheine 2x 3x 6x 'Iz Gutschein 7z 7z 7r HcuctyUMui voti MAGGI5 Würze 2 wtäutqui Sie von Jheew, WmdCer auch* Es gibt für eine flasche Nr. 0 Nr. 1 Nr. Z Nr. 3 WM 599 Al JtHMUCKER. _______ Verkauf an Wiederverkäufer und Mengenabgabe Vorbehalten Beachten Sie unsere Auslagen! 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