Nr 305 (Erft?$ Matt 182. Zahrgang Sonntag, 25. Dezember 1952 Eriche«»! tägltd), autze, Sonniags und Feiertags Beilagen: Die Illustriert» (Birnener Familienblättei Heimat m Bild Die Scholl» Monate-Vezugspretr: Mit 4 Beilagen RM 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr . . -.25 Auch de« Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernforechanschlllfie unter Sammelnummer 2251. Anschrift lür Drahtnachrichten Anzeiger Siehen. posischeckkonto: skronlfuri am Mai» 11686. GietzeiierAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Vri'S vnv verloy: vrühl'fchc UniDetfttäis«Bnch= und Stdnörucferei R. Lanqe in Gieße i. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulllraße 7. dnnagme von Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für | mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 um Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20" . mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein unbfür henfUn» zeigenteil i. D.TH.Kümmel sämtlich in Gieren Das Wunderber Weihnacht. Don D. veinrichBornkamm, o. ö. profeflor der Theologie an de Landesuniversitäi, Gießen. 3n den letzten Wochen haben sich Hunderte aus unserer Stadt durch das Drama Bjärnfons „lieber unsere Straft" erschüttern lassen. Auch wer es nicht gesehen oder gelesen hat. versteht den ganz ein* fach.'n Gedanken, den es ausspricht. Wäre nicht der furchtbare Widerstreit zwisichen Glauben, Zweifel und Nichtglauben, in den der Mensch von der Got- tcsbotschaf! gestürzt wird, mit einem Schlage zu lösen, wenn Gott sich 'M Wunder so bezeugte, daß niemand mehr zweifeln kann? Der glaubensmäch- tiac Pfarrer des Dramas hofft mit ganzer Leidenschaft aus das Wunder und fleht es herbei, alle warten darauf: Und es scheint zu kommen. Seine jahrelang gelähmte Frau erhebt sich und geht. Aber nach einigen Schritten bricht sie tot zusammen. Dem Mann entringt sich die letzte hilflose Frage, an der er stirbt: „Aber so war es doch nicht gemeint — oder?" Der Versuch, Gottes verschlossene Hand zu öffnen und zum Schenken zu zwingen, ihm sein Geheimnis zu entreißen, hat den Menschen, die ihn unternahmen, das Leben gekostet und alle anderen um so tiefer in den zerstörenden Zweifel gestoßen. Wer verstünde nicht das leidenschaftliche Verlangen, das zu diesem Versuch führte? Wer hätte nicht schon mit dem Propheten gewünscht: „Ach, das du den Himmel zerrissest und führest herab?" Irgend eine unzweifelhafte Vergew.sserung — wie gerne würden dann viele glauben! 215er der Himmel zerreißt nicht, sondern bleibt ehern verschlossen. Nur die Erde sche.nt immer tiefer zu zerreißen. Wie aus den Spalten einer vulkanischen Landschaft dringen immer dichtere Giftdämpfe hervor und verpesten die Weit mit Haß, Lüge und Mißtrauen. Und die Menschheit zerreißt immer tiefer. Völker sind auf* gestanden gegen Völker, Stände gegen Stände, Söhne gegen Väter, die Maschine gegen den Menschen. bet Mensch gegen das Tier. Es scheint von Jahr zu Jahr schwerer, Weihnachten zu feiern. Das Weihnachtswunder rückt, so scheint es, von Jahr zu Jahr ferner vor der harten Wirklichkeit der Welt. Dav Hamlet-Wort: „Die Wett ist aus den Fugen" wird immer wahrer; ganz buchstäblich: aus dem Gefüge der festen Ordnung. Sie hat ihr Gleichgewicht verloren und segelt dahin wie ein Schiff mit verschobener Ladung. Fast waffenlose und bis an die S gerüstete Völker wohnen nebeneinanber. Der rom der Welt staut sich an einigen wenigen Stellen, während er in anderen Ländern nahezu versickert. In großen Getreideländern wird über produziertes Getreide verbrannt — in Rußland und China verhungern Hunderttausende: Arbeitsüberlastete Menschen sind am Zusammenbrechen —, Millionen ihrer Volksgenossen sehnen sich seit Jahren wenigstens nach einem bescheidenen Maß regelmäßiger Tätigkeit. Sie können nicht tauschen, was jeder von ihnen im Ueberfluß hat, Arbeit und Zeit. Reinster Wille paart sich so oft mit der Unfähigkeit, ihn zur Tat zu gestalten, während niedrige Gesinnung sich ungewöhnlicher Gaben bedienen darf und den Triumph davonträgt. Der Friede wird von denen am meisten im Munde geführt, die das geringste Recht dazu haben. Das Sehnsuchtswort der Menschheit wird zur Waffe, mit der die brutale Gewalt sich sichern und verewigen möchte. In der Tat, es ist eine aller natürlichen Ordnungen beraubte Menschheit, eine aus den Fugen gegangene Welt. Wunder, die wieder Zutrauen zu Gottes Weltregiment begründeten, machtvolle Wendungen, herrliche Fügungen scheinen, je länger der Mensch dem Treiben der Welt zusieht, um so ferner. Was er etwa dafür gehalten hat, wird wieder ausgelöscht durch nachfolgenden Zweifel, und seine Not wird nur tiefer. So wird es immer schwerer, Weihnachten zu feiern. Die Freude, die wir uns gegen- feit a bereiten, kommt uns fast wie ein Unrecht vor inmitten des Leides der Menschheit. Der Lichter - glanz und Kinderjubel erscheint uns immer schwächer gegenüber der Dunkelheit in ungezählten Herzen und Häusern. Die Wärme, die bas Fest aus* strahlt, vermag ben Eishauch ber Not immer weniger zu vertreiben. Und doch: wenn wir das Christentum nur recht verständen, sollte es immer leichter werden, Weih- nachten zu feiern. Denn das Christentum weiß es längst, daß die Welt so aussieht, wie die Menschheit sie in den letzten Jahren und Jahrzehnten nach glücklicheren und freundlicheren Vorstellungen, die sie sich von ihr gemacht hatte, wieder anzusehen gelernt hat. Für eine solche Notwelt war von Anfang an seine Botschaft berechnet. Es hat Weihnachten nie bringen wollen als ein gemütvolles Familienfest und als unvergleichliche Umsatzgelegenheit. Darum weiß es in allem Ernst der schweren Hand Gottes zu danken, daß sie all das begleitende Weih- nachtsbeiwerk bei Seite rückt und es angesichts der Rot so kraftlos macht, wie es aus sich selbst ist. Lichter und Lieder, Gaben und Kindheitserinnerungen können nur als Spiegel hinter dem Licht stehen, bas von dem Kind in der Krippe ausstrahlt. Rückt man sie davor, so verlieren sie ihren Glanz, und nur ber Mensch spiegelt sich in ihnen. Wer nichts von dem echten Weihnachtslicht weiß, zeigt nach einer kurzen Freuden stunde — man kann das beobachten — bald wieder fein verarbeitetes ober mißmutiges Alltagsgesicht und lernt von Jahr zu Jahr immer sch'echter Weihnachten feiern Im Sturm der Not aber verfliegen ihm jene abgeleiteten Freuden wie welke Blätter. Vielleicht ihm zum Segen. Denn nun ist ber Blick mieber fr ei gegeben auf das wirtliche Deihnachtsgeschehen und er ist gefragt, ob er sich die Augen dafür öffnen lassen will ober nicht. Das Christentum weiß sehr wohl, daß Gott sich nicht mit unzweifelhaften Beweisen bestätigt. Ja, wenn er eine so unbestreitbare Gegebenheit wäre, daß es Torheit erschiene, sich seiner nicht zu bedienen, wie man sich der Schwerkraft ober ber Elektrizität be» Notwerk der deutschen Lugend. Ein Weihnachtsaufruf des Reichspräsidenten und der Reichsregierung zur Hilfe für jugendliche Erwerbslose Berlin, 24. Dez. (TU.) Der Reichspräsident und ble Beidjsregierung erlassen folgenden Ausruf: „Die flöt ber Arbeitslosigkeit lastet schwer ge- robe auch auf ber beuIschen 3 u g e n b. Weber Arbeitsbeschaffung noch Arbeitsbienst können oer- tjinbern, bah mit dem Anbruch bes Winters fjun- terttausenbe junger Deutscher mit bem Schicksal ber Arbeitslosigkeit unb ber Untätigkeit zu ringen haben. Darum rufen Reichspräsident unb Reichsregierung bas beutsche Volk am wechnachtstage zum Jl o t - werk ber beutfefjen 3 u g e n b auf. Das Rotwerk soll ber arbeitslosen 3ugenb Gelegenheit ;u ernstlicher beruflidjer Bilbungs- arbeit bieten unb ihr sonstige sinnvolle, geistige unb körperliche Betätigung ermöglichen. Ls soll ihr in verhinbung bamit täglich eine gemeinsame warme Mahlzeit sichern. Gemeinsinn unb Hilfsbereitschaft oller Teile ber Bevölkerung müssen in biesem Rotwerk Zusammenwirken, um die arbeitslose 3ugenb körperlich unb geistig gefunb unb lebenstüchtig zu erhalten unb ihren Willen zur kamerab- schafllichen Selb st Hilfe zu stärken. Die freiwilligen Anstrengungen ber Bevölkerung werben ble planmäßige Unter st ühung bes Reiches erfahren. Die Reichsregierung stellt allen geeigneten Einrichtungen, insbesondere auch freiwilligen Kameradschaften junger Arbeitsloser, die sich in ben Dienst bes Rotwerks stellen unb es praktisch verwirklichen, Hilfe zur Verfügung. Sie sollen vor allem bie vorgesehene Verpflegung ermöglichen. Die Förderung bes Rotwerks ber beutschen 3u- genb ist bem R e i ch s a r b e 11 s m i n i st e r übertragen. Er wirb bie notroenbigen Anorbnungen treffen.“ Berlin, ben 24. Dezember 1932. Der Reichspräsibent: gez von Hindenburg. Die Reichsregierung: gez. von Schleicher, Reichskanzler. Nie Durchführung. Amtlich wird zu obigem Aufruf weiter ergänzend mitgeteilt: Das Rotwerk der deutschen Jugend, zu dem Reichspräsident und Reichsregierung aufrufen, wird auf Anordnung des Reichsarbeitsrnmisters durch die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenver- sicherung durchgeführt. Für das Rot- werk stehen aus Reichsmitteln in dem laufenden Haushaltsjahr 9 Millionen Mark zur Verfügung. Hieraus dürfen Beihilfen solchen Einrichtungen und insbesondere auch solchen freiwilligen Körperschaften gewährt werden, die allein oder in Zusammenwirken mit anderen Stellen jugendliche Arbeitslose im Alter bis zu 25 Jahren außer zu gemeinsamer Mahlzeit durchschnittlich mindestens vier Stunden am Tage Zusammenhalten. Hiervon sollen nach Möglichkeit zwei Stunden der beruflichen Fortbildung dienen, die übrige Zeit soll sportlicher Betätigung und geiziger Bildungsarbeit gewidmet sein. Die Beihilfe soll so berechnet werden, daß höchstens, je nach den örtlichen Berhältnissen, 15 bis 25 Pf. für jeden Teilnehmer gewährt werden. Sie haben regelmäßig zur Boraussetzung, daß sich auch andere — private oder öffentliche — Stellen mit eigenen Mitteln an der Verpflegung und sonstigen Aufgaben des Rotwerks beteiligen. Die Reichsanstalt für Arbeitsvernnttlung und Arbeitslosenversicherung wird die hiernach erforderlichen Maßnahmen im eng st en Einvernehmen mit den Körperschaften, Berbänden, Bereinigungen und allen sonstigen Stellen einleiten und ÖUiujidpren, die sich nach ihrem Aufgabenkreis mit der Hilfe für die arbeitslose Jugend befassen. Zur Förderung des Rotwerks sollen unverzüglich in den Betrieben aller Arbeitsämter Arbeitsgemeinschaften gebildet werden, sie sollen unter Vermeidung überflüssiger Organisationsarbeit alle Stellen zusammenfassen, die sich der arbeitslosen Jugend annehmen: Reben den Arbeitsämtern vor allem die Gemeinden (Jugend- und Wohlfahrtsämter, Berufsschulen), die freie Wohlfahrts- und Jugendpflege (insbesondere Winterh Ife), die Geistlichen und Lehrerschaft, die Jugendverbände aller Art, die Derufsverbände der Arbeitnehmer, die Arbeitgebervereinigungen usw. Der Reichsarbeitsminister Hot sich an sämtliche Landesregierungen sowie an die kommunalen karitativen Bereinigungen und sonstige in Betracht kommenden Spihenverbände gewandt und sie um Unter ft üt)ung des Rot- Werks und Mitwirkung bei seiner Durchführung gebeten. Roosevelt unb Hoover kommen nicht zueinander. Washington, 23. Dez. (WTB.) Gouverneur I Roosevelt drückt in einer Erklärung über die von Hoover gemachte Bemerkung, daß dem zukünf- | tigen Präsidenten eine gemeinsame Arbeit mit Hoover in den Fragen der auswärtigen Politik unerwünscht sei, sein Erstaunen aus. Roosevelt sagt: Ich bin von der Erklärung des Weißen Hauses überrascht. Es ist nicht nur für unser Land, sondern auch für die Lösung der Welt* fragen bedauerlich, daß die Erklärung abgegeben und öffentlich verlautbart ist, ich betrachte eine Zusammenarbeit in den auswärtigen Fragen als unerwünscht. Ich habe Hoover vielmehr in klarer Weise na hege letzt, seine Vertreter zu einer vorläufigen Bearbeitung der schwebenden Fragen zu ernennen und habe gebeten. Über die Fortschritte dieser Vorarbeiten auf dem Laufenden gehalten zu werden Ebenso habe ich das Angebot gemacht, mich mit Hoover während der Zeit bis zum 4. März beraten zu wollen. Ich hoffe, daß dieses praktische Programm und dieses bestimmte Angebot zu gemeinsamer Arbeit vom Präsidenten angenommen werden wird. Im Staatsdepartement wurde bestätigt, daß in den Fragen der interalliierten Schulden, bes Handelsvertrags mit Frankreich und der Weltwirt- schaftskonferenz keine neuen Schritte u n - ternommen werden sollen, bevor Roosevelt sein Amt antritt. Hoover und alle führenden Männer in seinen Ministerien „sterben" am 4. März, so heißt es in der Erklärung, und für Europa hat es wenig Zweck, mit Leuten zu verhandeln, deren politischer Tod in nicht viel mehr als zwei Monaten bevorsteht. Präsident Hoover geht heute auf längere Zeit nach Florida in die Ferien. Er enttzcht damit nicht nur der Notwendigkeit, am Neujahrstag das diplomatische Korps zu empfangen, sondern er braucht auch das stundenlange Händeschütteln mit Amerikanern nicht mehr über sich ergehen zu lassen, das im Weißen Haus zum Jahresbeginn Brauch ist. Die Verhandlungen mit Frank- re ich, die Paul-Boneour anbahnen zu wollen scheint, dürften unter diesen Umständen ebenfalls verschoben werden. Wird Davis vermitteln? Besprechungen mit Hoover nnd ttoofevelt. Washington, 24. Dez. (Reuter.) Norman Davis, der amerikanische Hauptdelegierte bei ber Abrüstungskonferenz befinbet sich auf dem Wege nach Albany, wo er heute, Samstag, eine Besprechung mit Roosevelt haben wirb. Vor seiner Abreise hatte Davis eine lange Besprechung mit Hoover und Stirn fon über Fragen ber Weltwirtschaftskonferenz unb ber Abrüstungskonferenz. Nach seiner Besprechung mit bem zukünftigen Präsidenten wird er nach Washington zurückkehren und feine Konferenzen im Weißen Hause wieder aufnehmen. Man hofft, daß sein Besuch bei Roosevelt ben Weg zur I n - angriff nähme bes Schulbenproblems ebnen wirb. Präsibent Hoover hat inzwischen seine angetünbigte Ferienreise nach Florida angetreten. Die Bilanz eines Monstre-prozeffes Oer Streit Laro-petschet.- Inflation der Akten, Zeugen und Anwälte. Rach mehr als halbjähriger Dauer, am 97. Verhandlungstage, ist in Moabit von der Großen Strafkammer unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Ohnesorge das Urteil im Caro-Petschek-Prozeß gesprochen, einem Strafverfahren, das in der ersten Verhandlungszeit ein ungeheures Aufsehen erregte, um dann allmählich zum dankbaren Gegenstand der Witzblätter und der Berufshumoristen zu werden. Diesen ist allerdings in dem Monst.e Prozeß reichlich Stoss geliefert worden und zuguterletzt schien das eigentliche Verfahren, der wirlliche Streitgegenstand, immer mehr in den Hintergrund zu treten, um allerhand Entgleisungen und 6hl» blüten Platz zu machen, an denen beide Lager gleichmäßig beteiligt waren. Von dem zu Beginn erwarteten Wirtschaftskampf zwischen -Braunkohle (Petschek) und Stickstoff (Caro) vor den Schranken des Gerichts blieben kaum noch Reminiszenzen, und erst in den Plädoyers wurden die Zusammenhänge wieder angedeutet. Dr. Ernst Petschek, der Sohn des bekannten tschechischen Braunkohlenmatznaten Jgna§ Petschek, hatte gegen seinen früheren Schwiegervater Geheimrat Rikodem E a r o , den Miterfinder der Stickstossgewinnung aus der Lust, Anzeige wegen versuchten Betruges und Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versi cherung angestrengt. Der versuchte Betrug wurde darin erblickt, daß Caro wahrheitswidrig behauptet habe, er habe an Ignaz Petschek eine Mitgiftvon 400 000 Mark für feinen Schwiegersohn gezahlt und von diesem eine Quittung über Den Betrag erhalten. Diese Behauptung hat Caro in einem Zivilprozeß um die Herausgabe der Mitgift eidesstattlich wiederholt. Sowohl der Oberstaatsanwalt beim Landgericht lll, als auch der Generalstaatsapwalt beim Kammergericht wiesen die Anzeige ab, erst nach einem dient, bann sollte es wohl an Gottgläubigen nicht fehlen! Aber er verschmäht unechte Anhänger, bie «richt ihn selbst, sondern die Sicherheit ihres Daseins von ihm begehren. Er muh in Verborgenheit unb Dunkel gesucht werben. Darum kennt das Christentum nur das eine, in bie Gestalt eines Kindes verhüllte Weihnachtswunder: Jesus Christus. Von ihm unb nur von ihm redet die Weihnacht mit einem Jubel, in dem der Jammer der Welt nicht vergessen, sondern überwunden ist. Das ew'ge Licht geht da herein, Gibt der Welt ehr neuen Schein. Es leucht' wohl mitten in der Nacht Unb uns bes Lichtes Kinder macht. Wenn es so wäre! Ein neuer Schein mitten in ber Nacht — zu schön, um wahr zu sein, unb von der Wirklichkeit tausenbsach widerlegt. Es wäre nicht nur, es ist Unb der neue Schein bleibt seitdem in ber Welt trotz aller Nebel ber Not unb jener ©iftbämpfe ber Gemeinheit, die ihn verdunkeln, unb trotz des Spottes, ber doch, wenn Gottesglaube eine Versicherung des Lebens märe, sich als erster zu ihm bekennte. Vor bie Augen bes Kindes von Bethlehem, vor das Gericht Jesu Christi ist die ganze Menschheitsgeschichte gefordert. Der delle neue Schein, der mit ihm hereingebrochen ist, verklärt das Echte und Große In ihr zur Ewigkeit und läßt das Niedrige in Vergänglichkeit unb Nacht versinken. An den Augen Jefu kann niemand mehr vorüber Auch wer vor ihnen flüchtet, weiß etwas davon — oft tiefer als gedankenloser Glaube, —, daß Gottes Augen ihn darin anblicken. Und feit Gottes Liebe in Christus Menschengestalt angenommen hat, kann die Liebe in der Welt nicht mehr sterben. Freilich sie arbeitet nach Gottes Willen nach im Joch der Menschlichkeit und in ben Grenzen bes Eüblichen. Sic stößt an Mauern, die er ihr noch nicht wegnimmt, und trifft auf Festungen bes Hasses die er ihr nicht öffnet. Wo echte Liebe Christi ist, lebt in ihr die unruhige Sehnsucht nach ber Vollkommenheit. Deren sie weiß, baß sie allein die Deriteißung trägt, die aus den Fugen gegangene Welt wieder in ihre Ordnung zu bringen. Alle Verabredungen und Organisationen der Menschheit ohne sie finb hoffnungslos. Sie leidet unter bem Stückwerk, zu dem sie in dieser Welt noch verurteilt ist, obwohl sie stille Wunder Gottes 'm ihr vollbringt. Sie weiß über Abgründe zwischen Menschen doch Brücken bes Vertrauens zu bauen unb in bitterster Not oft Wasser aus Felsen zu schlagen. Sie vermag harte Herzen zu öffnen unb verleiht schwachen_Men> scheu Heldenmut und unerwartete Kräfte. Sie ist durch keinen Widerstand zu erschrecken, weil sie weiß, daß in Jesus Christus der schuldbeladenen, irregegangenen Menschheit die Heimkehr zu Gott offen steht. Ich glaube, daß es heute wieder leid)» ter geworden sein müßte, das zu verstehen. Wir haben einen furchtbaren Anschauungsunterricht von der Sünde der Menschheit bekommen unb können uns auch selbst schwerlich bezeugen, in Zeiten, bie die höchste Entsagung unb Liebeskrast von uns verlangen, unsere Schuldigkeit getan zu haben. Und zugleich sind wir aus den friedlichen Träumen von einem glücklichen Aufstieg der Menschheit zu immer lichteren Höhen unsanft, aber heilsam geweckt worden. Nun müssen wir wählen: Wollen mir bas Gebaren der Menschheit für einen sinnlosen, wilden Tanz halten, ber nach einiger Zeit ins Nichts sinken wird? Oder wollen wir es glauben, baß Gott für jedes Geschlecht die Tür der Heimkehr offen läßt und unser verspieltes, bruchstückhaftes Leben gnädig annimmt? Weihnacht verkündet immer neu das Wunder: „Heut tut er nieder auf die Tür zum fel'gen Paradeis." Well in der Geburt von Bethlehem bie ewige Morgenröte über ber zerrissenen Welt schon aufgegangen und die Welt dadurch in der Tiefe verwandelt ist, well Gott in aller Verborgenheit gegenwärtig ist, darum wagt die Christenheit im vollen Bewußtsein aller menschlichen Not ihre Jubellieber zur Weihnacht zu fingen. Heute geht aus ferner Kammer Gottes Held, ber die Welt reißt aus allem Jammer. Gott wird Mensch, bir Mensch zu gute, Gottes Kind, bas verbrndt sich mit unferm Blute. fi g v ti 2 n n E L ii n lc fl d r 0 t t? n n S t f I l i 1 Antrag auf Gerichtsentscheid wurde das Verfahren in den vorgenannten Punkten gegen Earo eröffnet, nachdem die Staatsanwaltschaft verfügt hatte, der Beschuldigten außer Verfolgung -u sehen. Zu dem Prozeß erschienen beide Parteien mit einem ungewöhnlichen Aufgebot an anwaltlicher Prominenz. Für den Angeklagten nahmen Prof. Alsberg, Rechtsanwalt Dix, der Präsident des Deutschen Anwaltsdereins, und der ehemalig Zustizminister Heine sowie zwei Assessoren aus der Verteidigerbank Platz. Der Rebenkläger Dr. Ernst Petschek wurde vom Ehrenpräsidenten des Deutschen Anwaltsvereins Iustizrat Drucker, Iustizrat Davidsohn und Rechtsanwalt Rothe vertreten. Hinzu kamen noch ein vierter Anwalt als Adlatus Justizrat Drnickers und einige Rechtsgelehrte, die ständig der Verhandlung beiwohnten, darunter auch der ehemalige Senatspräsident Titte! (Leipzig), der, wie die Fama berichtet, dem Prozeß zur Ermittlung von Revisionsgründen beiwohnte. Hinzu kamen auf beiden Seiten noch Stenographen, Sekretärinnen usw. Die Akten wurden in großen Koffern unter ständiger Bewachung handfester HHänner herbei geschafft. Eine Anzahl von Zeugen, darunter sogar einer aus Kanada und nicht weniger als 15 Sachverständige ohne die sachverständigen medizinischen Zeugen marschierten auf. Die Vernehmung des Angeklagten nahm -ehn Tage, die des Zeugen Franz Petschek, eines Bruders des Rebenklägers, volle 15 Tage in Anspruch. Die Zahl der Aktenbände auf dem Ge- richtstisch betrug etwa 150. Die Protokolle der Parteien schwollen auf etwa je 12 000 Seiten Maschinenschrift an. Wenn man berücksichtigt, daß das Strafverfahren, das am 6. Juni 1932 begann, bereits im September 1 929 anhängig gemacht wurde, kann man unschwer eine Vorstellung über den Umfang der Akten gewinnen, zumal wenn man berücksichtigt, daß dem Strafverfahren eine Reihe von Zivilprvzessen voraufgegangen ist. Einen Rekord stellten auch die Plädoyers der Verteidiger dar. Die drei An- walte Caros sprachen insgesamt elf Tage, die Ernst Petscheks zwölf Tage. Rechnet man gering die rednerische -Tagesleistung mit sechs Stund"n pro Tag, so ergeben sich 138 Stunden... ein forensisches Sechstagerennen und ein unfaßbarer Gedanke, daß um den einen Prozeß sechs Tage und fünf Rächte ununterbrochen gesprochen tourbe. Die Auslagen für die Zeugen sind sehr gering, da der größte Teil von ihnen auf Zeugengebühren verzichtete. Um so hoher dürften die reinen Verhandlungskosten fein, aber auch diese stehen zweifelsohne in gar keinem Verhältnis zu den Kosten für die Sachverständigen und die Anwaltselite. Roosevelts Mrtschastsprogramm Paris. 23. Dez. (LU.) Roosevelt hat dem Vertreter der >Agence economique et finan- ciöre" erklärt: Die Kürzung der Ausgaben sei eine der wichtigsten Fragen. Di« Aen- d e r u n g der Alkoholgesetze, die er beabsichtige, würde mehrere hundert Millionen Dollar für ixu Ausgleich des Haushalts ergeben. Der gegenwärtige Stand der Zolltarife sei nicht befriedigend. Das amerikanische System habe einen außerordentlich tiefen Preis st and für alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse zur Folge und habe auch die Ausfuhr industrieller Artikel geschädigt, da es Zwangs- und Derteidigungsmaß- nahmen von ausländischen Staaten in der Form von Tariferhöhungen, Kontingenten usw. hervorgerufen habe. Das demokratische Programm sei für einen Tarif des Wettbewerbs, mit anderen Worten für einen Tarif, der den ameri- kan schen Erzeuger auf gleichen Fuß mit dem ausländ.schen Wettbewerb stelle. Die übertriebenen Tarife müßten herabgesetzt toerbeu, um einen Abbau der ausländischen Zoll- schranken herbeizuführen und dadurch einen Umsatz amerikanischer Erzeugnisse im Auslande zu ermogl.chen. Roosevelt bekannte sich zu einer so- f ort.gen Abänderung des Volstaed- gesehes, die Herstellung und den Verkauf von B.er und anderen Getränken mit einem von bet Verfassung gestatteten Alkoholgehalt errnög- lnhen würde. Aus aller Welt Hindenburg wieder Großvater. Ober st Oskar von Hindenburg der persönliche Adsutant feines Vaters, und feiner Ge- mahlm Margarete, geb. Freiin von Mahrenholz, isteineTochtergeboren worden. Es ist das vierte Kind und die dritte Tochter aus ihrer 1921 geschlossenen Ehe Cine Prinzessin von Hohenlohe unter Spionage- verdacht In Biarritz verhaftet? „Liberte" in Paris will aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, daß die Sicherheitspolizei in Biarritz eine dort we-l-nde Prinzessin oonhohen- lohe unter dem Verdacht der Spionage verhaftet habe Die Prinzessin habe eine für Frankreich schädliche Tätigkeit entwickelt, die besonders darauf hinausgelaufen fei, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Frankreich und Polen zu stören Die Beweüe für diese Beschuldigung gingen eindeutig aus einem Briefwechsel hervor den sie mit Lord R o t h e r m e r e geführt habe und der von Der französischen Gegenspionage zum größten Teil abgefangen worden fei Das Blatt fügt hinzu, daß die Prinzessin in Frankreich schon längere Zeil politisch tätig sen und daß die französische Regierung schon einmal von einer befreundeten Regierung auf das Treiben bei Prinzessin aufmerksam gemacht worden sei. Die Regierung habe es damals noch nicht für notwendig gehalten, der Sache nachzu. gehen. Zwei Berliner Fabriken in zwei lagen niedergebrannt. Nachdem erst Freitag Nacht die Polsterwolle. abrit von Wolf in ReinickendorfOst voll- Itanbig niedergebrannt war. ohne daß es gelang ben eigentlichen Brandherd zu ermitteln, brach Samstag Nacht in R e i n i ck e n d o r f We st in Der trüberen Tegeler Munitionsfabrik ebenfalls deuer aus Bereits beim Eintreffen der Feuer- m»^e'Lt?ar^er1 DEttch' ein einziges Flammenmeer und sturrte in sich zusammen Troß angc- Lren$leJtCir 11 &er Löschmannschaften gelang es nicht, irgend etwas von den Einrichtungen und Vorräten der Firma hiidig, der das Gebäude jetit gehört, ju retten. Auch in diesem Falle konnte die Brandursache nicht fest gestellt werden Abstieg in den Krater der Stromboli. " ® elbun9 berliner Blätter aus Neapel ^.?^ssor Kir n e r in den Krater des Vulkans Stromboli hinadgestiegen und hat sich dort Aus Der Provinzialhauptstadt Auf Das Gießener Winternothilsswerk Vorbildliche Arbeit der freiwilligen Liebes ätigkeit. 100 Gutscheinen für Lebens- 100 Gutscheinen für 1 Pfund Erbsen: Gemüse: :a- 140 mittel 100 mittel ICO Diese Zahlen ermahnen der Ungunst der Zeit alle auswärtiger Kaufmann bemerkte am Ausgang des Ortes einen Mann, der ihm einen Betrag schuldete. Kurz entschlaf en versperrte er diesem mit seinem Auto den Weg, so daß der Schuldner fein Dreirad abstoppen muhte. Der Kaufmann und sein Beifahrer stellten den Mann zur Rede, mißhandelten ihn und warfen ihn in den Straßengraben. Sodann bestieg der Kaufmann das Dreirad, während sein Gehilfe mit dem eigenen Kraftwagen davonfuhr. In Riederbreisig wurde der Gläubiger ermittelt und das Dreirad sichergestellt. Der dreiste Ueberfall dürfte für ihn noch ein böses gerichtliches Rachspiel haben. Schlechte Zeiten auch für Millionäre in USA. Aus den statistischen Angaben, die das amerikanische Schatzamt veröffentlicht, g.'ht hervor, daß sich in Len Beie n'g en Staaten d e Zihl der L u e mit mindestens einer Million Dollar Jahreseinkommen inne:h lb ei e^ I hres um die Hälfte verringert hat. 1930 waren es noch 150 Personen, 1931 nur noch 75. 782 Familien mit 3628 Pfund Lebensmitteln (Hülsenfrüchte, Reis, Grieß, Graupen, Zucker, Tee, Kakao, Haferflocken, Mehl, Kaffee): 782 Familien mit 1465 Pfund Fett: 75 Familien mit 75 Eimern Marmelade zu je zwei Pfund: 455 Familien mit 769 Laibe Brot (hier sind die von der Däckerinnung Gießen kostenlos gebackenen Brote aus der Mehlstiftung der Firma Ed. K l i n k e l & Sohne - vgl. unseren gestrigen De- Familien mit a 2 Mark: Familien mit a 1 Mark: Familien mit " Don der Landes-Universität. Von der Pressestelle der Universität Gießen wird mit« geteilt: Der Privatdozent für Geographie an unserer Universität Dr. Hermann Lautensach und der Privatdozent der Musikwissenschaft Dr Rudolf Gerber wurden zu außerplanmäßigen außerordentlichen Professoren an der Landesuniversität richt — mit enthalten): 140 Gutscheinen für Lebens- sollte diese Entwickelung insbesondere die Geschäftswelt anspornen, mit aller Kraft die Arbeit des Der- kehrsoereins zu unterstützen, namentlich durch Erwerbung der Mitgliedschaft, an der es heute leider noch vielfach fehlt. Gießener Wochenmarktpreise. • Gießen, 24. Dez. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Süßrahmbutter 120 bis 130, Landbutter 130, Kochbutter 100, Matte 25 bis 30, Wirsing, gelb 8 b is 10, grün 12, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 25, Feldsalat 100, Zwiebeln 10, Meerrettich 35 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 3, Aepfel 18 bis 30, Dörrobst 35 bis 40, Honig 40 bis 45, junge Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 60 bis 80, Gänse 70 bis 85, Enten 80 bis 90, Russe 35 bis 40; das Stück: Käse 5 bis 10, Tauben 40 bis 50, ausländische Eier 12 bis 14, inländische 13 bis 14, Blumenkohl 40 bis 60, Endivien 10 bis 15, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 30; der Zentner: Kartoffeln 250 Pfennig, geboren; — 1837: Cosima Wagner bei Bellagio geboren; — 1840: der russische Komponist Iljitsch Tschaikowsky in Wotkinsk geboren. Puck. Oie Amnestie in Hessen. Grund des Amnestiebeschlusses des Reichs- muß erst durch Gerichtsbeschluß entschieden werden. Nach einer Meldung aus Darmstadt fallen im ganzen Dolksstaat Hessen 87 Straf- und 29 Untersuchungsgefangene unter die Amnestie, die größtenteils gestern entlassen wurden. Oer Fremdenverkehr in Gießen. Wie überall im Wirtschaftsleben, so ist auch in der Entwicklung b e s Fremdenverkehrs im Verlaufe der letzten Jahre ein erheblicher Rückgang eingetreten. Die Zeitumstände machen diese Abnahme ohne weiteres erklärlich. In den S o m - merhalbiahren 1930, 1931 unb 1932 (jeweils vom 1. April bis 30. September) haben sich nach der vom Städtischen Verkehrsamt ausgestellten Fremdenverkehrs-Statistik die Zahlen der in Gießen übernachtenden Fremden und der Weber* nachtungen wie folgt gestaltet: drei volle Stunden aufgehalten. Er war für diesen Abstieg mit einer voltständigen Asbestkleidung, mit Gasmaske, Sauerstoffapparaten und einem festen Helm versehen, der ihn gegen die Lavafälle schützen sollte. Hinter sich her zog er ein 300 Meter langes Asbestseil, in das elektrischer Draht eingefponnen war, der seine Grubenlampe speiste. Als er zurück' kam, war er vollkommen erschöpft und konnte nur die Worte sagen: „Es war fürchterlich!" Dann verfiel er in einen tiefen Schlaf. Streichung eines Lehrstuhls für deutsche Literatur an der Universität Straßburg. Das „Journal" veröffentlicht eine Verordnung, die bestimmt, daß der bisherige Lehrstuhl für deutsche Literatur an der philosophischen Fakultät der Universität Straßburg in einen Lehrstuhl für zeitgenössische Geschichte umgewandelt wird. Den Schuldner überfallen und mißhandelt. Ein nicht alltäglicher 51 e b e r | a 11 put sich in St. Sebastian (Kreis Koblenz) zugetragen. Ein tage«, der nach der Zustimmung des Reichsrats und der Verkündung durch den Reichspräsidenten Gesetzeskraft erlangte, wurden im Laufe des gestrigen Tages von der Staatsanwaltschaft Gießen sieben Straf - und Untersuchungsgefangene aus dem Landgcrichtsgefängnis Gießen, der Zellenstrafanstalt Butzbach und dem Zuchthaus Marienscyloß bei Rockenberg entlassen. Das Schwergewicht der Auswirkung der Amnestie wird sich dadurch geltend machen, daß eine Reihe von Personen, die bereits verurteilt ist, zum Strafvollzug nicht mehr zu erscheinen haben, ferner eine Anzahl Strafverfahren eingeftellt werden, zahlenmäßig ist dieses Ergebnis zur Stunde noch nicht festzustellen. Ob u. a. der aus politischen Gegensätzen im Juni entstandene schwere Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten zwischen Homberg und Nieder- Ofleiden ebenfalls unter die Amnestie fallen wird, ketts je 2 bzw. 3 Zentner; 22 Familien mit je zwei Körben Kleinholz: 152 Kinder mit 152 Paar neue Schuhe; 5 Erwachsene mit 5 Paar neue Schuhe; 1000 Hauptunterstützungsempfänger zu Weihnachten mit rund 3600 Mark (und zwar an Alleinstehende 2 Mark bzw. 3 Mark, Ehepaare ohne Kinder 3,50 Mark, für jedes Kind ein Zuschlag von 50 Pf.); 160 Fü. s argen rbei ter bis zu 40 Stunden Wochenarbeit zu Weihnachten etwa 500 Mk. (und zwar an Alleinstehende 1,50 Mk., Ehepaare ohne Kinder 2 Mk., für jedes Kind ein Zuschlag von 50 Pf.. Lebensmittel und Bcot); 75 verschämte Arme der Stadt Gießen zu Weihnachten je 20 Mk. In der Schuhmacherwerkstätte wurden 88 Paar getragene Schuhe aus der Hausfammlung repariert. Bei den vorstehend vermerkten Spenden sind aus der Sammlung der Frauenhilfe 375 Pfundspenden an 125 Familien mit enthalten. Manche Rot konnte mit diesen, Hilfsgaben bisher gelindert werden! Weitere große Rot ist aber noch zu bekämpfen! Datum: Helft weiter ver W.nternothilfe! An neuen Spenden find mit Dank zu verzeichnen von: Mehgerrneister Ernst Seibt. Marktplatz 15. 35 Pfund Fett; bei der Geldfpenden-Annahme im „Gießener Anzeiger" von R. R. 1 Mk., von Herrn Kärl Jäckel, Landgrafenstraße 7, 2. Rate 5 Mk. Weitere Gaben werden mit Dank jederzeit angenommen. unsere Mitbürger, trotz „ , . _ . . Kräfte anzuspannen, um der Verkehrswervung unserer Stadt weiterhin die Kraft zu regstem Wirken zu geben. Wenn auch die rückläufige Entwickelung der Gießener Fremdenverkehrsgahlen an sich bedauerlich ist, so steht sie doch im Einklang mit der Tendenz des Fremdenverkehrs in allen anderen Städten und gibt mithin keinen Anlaß, die Derkehrswerbung unseres Gemeinwesens ungünstig zu beurteilen. Immerhin Zur Linderung der Not unserer hilfsbedürftigen Mitbürger hat die Gießener Winternot- Hilfe, wie im Winter 1931 32, auch in den bisherigen Herbst und Wintermonaten alle Kräfte der freiwilligen Liebestätigkeit aufgerufen In dankenswerter Weife ist den Bitten des Hilfswerks weitgehend entsprochen worden. Wenn auch unter dem Drucke der verschärfsten Wirtschaftsnot für alle Bürgerkreise die Gaben diesmal nicht ganz fo um- fangreich eingehen konnten, wie im vorigen Jahre - eine ganz natürliche Erscheinung, die man auch in allen anderen Städten beobachtet —, so kann doch feftgeftellt werden, daß aus allen Kreisen unserer Einwohnerschaft nach b e ft e n Kräften gern gespendet wird Der vorbildliche Opferfinn der Gießener Bevölkerung hat sich beim bisherigen verlaufe des winlernothilfswerks entsprechend den Erwartungen der winterhilfeausschüsse voll bewährt Be> dem Hilfswerk haben sich auch in diesem Win- ter die Frauenvereine unserer Stadt wieder besonders hervorgetan Nach außen hin tritt dieser Teil der Mitwirkung an dem Werk der Nächstenliebe als Gießener Frauenh'lfe in Erscheinung, aber noch wirkungsvoller wird von den Vertreterinnen unserer Frauenvereine hinter den Kulissen — durch die vielfach entscheidend« Mitarbeit in den einzelnen Ausschüssen, durch opfer- und entsagungsbereites Schaffen im Lager ober in den Ausgabestellen, durch persönliche Bittgänge und Verhandlungen usw. — mitgearbeitet. Die männlichen Mithelfer an dem gemeinnützigen Werk sind in gleicher We>se bestrebt, unter Einsatz aller Kräfte der guten Sache zu dienen So ergibt sich aus dem dankenswerten An- spannen aller Kräfte der Spender, der Sammler und der Verteiler ein Hilfswerk für unsere not- leidenden Kinder, Frauen und Wanner, das sich als ein neues „Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns" darstellt. Möchte die anerkennenswerte Kraft der Rächst e n 1 i e b e und des sozialenDerantwor- tu n g s be w u tz t s e i n s weiterhin in diesem Werke lebendig bleiben und den Hilfsbedürftigen zum Rutzen gereichen' (Sine Zwischenbilanz. An der Schwelle des Weihnachtsfestes erscheint es angebracht, einen Rückblick aus die bisherigen Lei stungen des dieswinterlichen Hilsswerkes zu geben. Rach einer amtlichen Zusammenstellung der Geschäftsstelle der Winternothilfe wurden bisher versorgt: 1119 Familien mit 3700 Zentner verbilligte Kartoffeln: Weihnachten. Die Weihnachtssreude unserer Altoorderen war wett natürlicher und naiver, als die der Menschen der Gegenwart. Die vor uns gelebt haben, waren am Heiligen Abend fromm und fröhlich wie die Kinder. Jahrhundertelang war in Deutschland das „Kindelwiegen" bei der Christmette ein stehender Brauch. Man stellte in den Kirchen eine Wiege auf, in der eine weißgekleidete Puppe lag. Dieser Puppe sang man Wiegenlieder. Sie klingen wieder in Luthers unvergleichlichem „Kinderlied auf die Weihnachten vom Kindlein Jesu", ihr Nachhall ist auch in dem sonnigen, farbenprächtigen Liede Paul Gerhardts zu finden, das mit den Worten beginnt: „3di steh' an deiner Krippe hier". Der bekannte Berliner Gewerbeschuldirektor Karl Friedrich von Kläden erzählt in seinen Lebenserinnerungen, wie er um das Jahr 1800 als Schulknabe zu Preu- ßisch-Friedland an den „Ejasingen" bei der Ehrist- mette sich beteiligt hat. In diesen Liedern kehrt immer das „Eja" wieder, der Laut, mit dem die deutschen Mütter in alten Tagen ihre Kinder in den Schlaf gesungen haben. Im Jahre 1850 veranstaltete der spätere Berliner Hofprediger Emil Fromme! als Vikar in dem badischen Dorfe Altlußheim eine Christmette, eine für diese Bauern- gemeinde ganz unbekannte und fremdartige gottes- dienstliche Veranstaltung. Er ließ die Jugend alte Weihnachtslieder fingen, ein Christbaum leuchtete in der Kirche, als die Kerzen an diesem Baume gelöscht worden waren, strahlte ein Transparent auf, das die Geburt des Iesukindes im Stalle zu Beth- lehem darstellte. Da blieb, als der Gottesdienst zu Ende war, und die Teilnehmer die Kirche verlassen hatten, ein alter Mann vor dem Transparent fitzen und sagte mit bewegter Stimme, erfüllt von reiner Freude, daß er hier sterben wolle. Heute steht es anders um die deutsche Volksseele. Ein wett verbreitetes, namentlich bet Fragen der Politik und der Erziehung immer wiederkehrendes Wort ist das Wort „Problematik". Es ist nicht ganz leicht, dieses Fremdwort mit deutschen Worten zu umschreiben Ist bas Wort „problematisch" gleichbedeutend mit „fragwürdig", „zweifelhaft", so bedeutet Problematik so viel wie „Fragwürdigkeit, Rätselhaftigkeit" Man glaubt heute, nirgends mehr einen festen Grund unter den Füßen zu hoben, alle Grundanschauungen schwanken. Wer Weihnachten recht feiern will, muß auch etwas Romantik in sich verspüren, muß etwas von dem Geiste berührt sein, der in dem Dichter Eichendorff lebte, dessen wir vor wenigen Wochen an seinem 75. Todestage gedacht haben. Dieser feinfühlige, fromme, tiefinnerliche Mann hätte mit feinem Dichten und Träumen von der Einsamkeit des Waldes, von der feierlichen Mondnacht von dem Beten in entlegenen Kapellen und von stiller Weihnachtsfeier nicht in die heutige Welt mit ihrem Skeptizismus, ihrer Rationalisierung, ihrem Tempo und der Art ihres politischen Kampfes hineinpaßt Rechte Weihnachtsfreude hängt mit der Freude an der Heimat und ihrem Frieden zusammen. Nur der kann an diesem Feste sich recht freuen, der schon einmal aus der Fremde mtt ihrer Kälte und Harte in den Tagen vor den Feiertagen über beschneite Felder und durch den Winternebel hindurch zu den Seinen gereift ist Es will leider scheinen, als ob für viele namentlich auch für viele unter der heutigen Jugend, der Zusammenhang mit der Heimat nicht mehr fo stark sei. wie früher. Ist die alte, naive Weihnachtsfreude dahingegangen, so sind doch die alten Hemmungen des Lebens geblieben Geblieben ist die Krankheit; auch der Rüstigste und Mutiaste erlebt früher ober fpater, daß feine Lebenskraft ins Wanken geraten ist Mag er im Anfang sich noch sehr dagegen stemmen, das Naturgeschehen ist stärker als seine Energie. Immer noch sterben die Menschen, und die Glocken, die zu einem Begräbnisse läuten, rufen: „Heute mir und morgen dir!" Geblieben sind Armut, Not, Mißerfolg. Leid um liebe Menschen Aber es ist nicht daran zu zweifeln, daß die Weihnachtsbotschaft heute noch einen mächtigen Widerhall in den Herzen fwdet, daß in Jesus der Menschheit ein Retter und Erlöser erschienen ist. Unsere deutschen Weihnachtsbräuche sind schon und stimmungsvoll, wichtiger aber als sie ist Jesu großes Wort, das man an die Spitze aller Weih- nachtsfeiern stellen sollte: .Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beloben seid, ich will euch er- quicken Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen " Es ist erfreulich, daß an Weihnachten die Menschen zum Frieden und zur Liebe gestimmt sind, daß viele sich Mühe geben, am Heiligen Abend denen Freude zu machen, die sich in Bedrängnis und im Dunkel befinden Aber das Wichtigste ist doch, daß ieber durch bas Fest bazu getrieben wird, durch Jesus Ruhe zu finden für feine Seele. H. B •ZAornoti^en — Tageskalender für Samstag: Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „Die ober feine. — Tageskalender für Sonntag: Stadt- theater: 18.30 bis 21.30 Uhr „Die endlose Straße". — Dauerscher Gesangverein, Caf6 Leib: 15.30 Uhr Kinderbescherung, 20 Uhr Weihnachtsfeier. — Licht- spielhaus, Bahnhofstraße: „Die ober keine" — Astorio-Lichtspiele, Seltersweg: „Gentleman für einen Tag" und „SOS, Schiff in Not". — Tageskalender für Montag- Stadttheater 15 bis 17.30 Uhr „Aschenbrödel'" 19 bis 22 Uhr ,Zm weißen Röhl". — Verein ehem. 116er, Caf6 Leib: 20 Uhr Weihnachtsfeier. — Bund ehern. Leibgarbiften: 20 Uhr Zwanglose Familien zusam- 122 Familien mit 444 Familien mit Kleidern, Wäsche und gehn genen Schuhen (Stiftungen der Geschäfte uni aus der Hausfammlung); 44 Familien mit 92 Zentner Kohlen und Dri- menfunft im Vereinslokal. — Artillerie verein, Hotel Schütz: 16 Uhr Weihnachtsfeier mit Kinderbcjche- rung. — VfB.: 19 Uhr Walidweihnacht im Ehrenhain; 20 Uhr Weihnachtsfeier im Vereins heim. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Frühvorstellung vom Goethvbund, 11.15 Uhr: „Der we.ße Rausch', ab 15 Uhr „Wie sag' ich's meinem Mann?" — Astoria- Lichtspiele, Seltersroeg: „Gentleman für einen Tag" und „SOS, Schiff in Not". An Einen und Alle! Mög das Fest trotz Zeit und Not, Dir gesegnet sein! Wenn dir auch die Sorge droht, laß sie nicht herein! Schließe deine Türe zu, komme, was da mag. Finde Glück und stille Ruh an dem einen Tag. Lebe nur den Deinen ganz. Schließe fest Öen Kreis. Freu dich an dem Lichterglanz und am Tannenreis. Möge dir der Kerzen Schein stärken Herz und Sinn für den Weg dann hinterdrein in den Alltag hin! . 1930: Deutsche Ausländer Fremde: 20 737 426 Uebernach- hingen: 37 220 900 Zusammen: 21163 38120 1931: Deutsche Ausländer 16 592 353 26 363 617 Zusammen: 16 945 26 980 1 9 32 : Deutsche Ausländer 14 461 206 26 698 315 Zufammen: 14 667 27 013 ginlöfi men*5 heutige barauf »• tat»; hing?11 2ien(t< 'S anff des E Logen llnisich ftillun' W BelaN' zu wa W direkt toürb Werts elioer elita"." die ve Nation Giehei er Le unb 31 zeit m auM manns sichten ebenso! Am klagte von hi larer Neben radsah links z gangen rooröer Das J Straß' hing t aufnal Äugen spre 'Bemti derart oblieg. namen links { Al Wä lirchli eigen! Zeit; Kirche loie K 'W? Gieße des £ 27. 2 D:e $ den, t futter beim fache, einst I heule Iratiui mehr zur 9 Hof. ' Goß ^ahr Fried damat nieder nahm, dem Qj die Pt betann zur Ki gelchiel nichts dertela der Ki sie ali ?ahrei bei be benniL ,,0n l Milli N gen £Hi Mo denn berg aus d »Esche dem Q gerssö die K Mül hause Witter da Ti Du, Nicht des 3 Ration 'Qbre(a feaui le toanbtj ■526 Q t'ge P war j ®c ter tage Ql S^rri ernannt — Von -er Pressestelle der Landesum- oersität wird weiter mitgeteilt: Dem Universitäts- Musikdirektor Dr Stephan Temesoary wurde die Bezeichnung „Professor" verliehen. *• Dien ft Jubiläum beim Elektrizitätswerk. Am 27. Dezember kann der Verwaltungsinspektor Fritz Jaeggle auf eine 25jährige Dienstzeit bei der Verwaltung des Städtischen Elektrizitätswerkes zurückblicken. j)err Jaeggle trat am 27. Dezember 1907 als Kaufmann in die Dienste des Elektrizitätswerkes ein. Später wurde ihm die Lagerverwaltung übertragen, die er stets mit großer Umsicht und Gewissenhaftigkeit ausübte. Seine An- stcllung als Beamter erfolgte mit Wirkung vom 1. April 1919 an. Arn l.Mai 1923 wurde er zum Verwaltungsinspektor ernannt. Der Jubilar hat die Belang, seines Werkes stets mit großem Interesse zu wahren gewußt und es während seiner 25jährigen Dienstzeit verstanden, sich das Vertrauen der Werk- direition und seiner Mitarbeiter, durch sein hebens- würdiges und gefälliges Wesen aber auch große Wertschätzung in weiten Kreisen der Bürgerschaft zu erwerben. •• Stadttheater-Abonnement. Die Einlösung des 4 Abschnitts des Stadttheaterabonne- mcnts betrifft eine städtische Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil. Interessenten seien besonders darauf aufmerksam gemacht. ** Zur Berufswahl weist der Deutsch- nationale Handlungsgehilfen-Verband, Ortsgruppe Gießen, im heutigen Anzeigenteil darauf hin, daß er Lehrstellen für den Kaufmannsberu-f vermittelt und zur Auskunftserteilung in der täglichen Sprechzeit von 10 bis 13 Uhr bereit ist. lieber die Voraussetzungen, die ein junger Mensch für den Stauf- mannsberuf mitbringen muß, und über die Aussichten in diesem Beruf wird von dem Verbände ebenfalls Aufschluß gegeben. (Siehe Anzeige.) Amtsgericht Giehen Am 20. August zur Mittagszeit fuhr der ange- klagte Chauffeur einen beladenen Lastkraftwagen von hier nach der Badeburg. Er bog von der Lol- larer Straße links in einen dorthin führenden Nebenweg ein, als zur gleichen Zeit ein Motorradfahrer im Begriff war, ihn auf der Landstraße links zu überholen Das Einvieaen war diesem entgangen, oder zu spät von ihm wahrgenommen worden, so daß er dem Wagen in die Flanke fuhr. Das Rad wurde zertrümmert, der Fahrer auf die Straße geschleudert und verletzt. In der Verhandlung blieb die Schuldfrage ungeklärt, die Beweisaufnahme war nach eidlicher Vernehmung der drei Augenzeugen erschöpft, und es mußte Freisprechung des Angeklagten wegen mangelnden Beweises erfolgen. Dieser erklärte, allen ihm in derartigen Fällen nach 9 26 KVO. vom 10.5.1932 obliegenden Verpflichtungen nachgekommen zu fein, namentlich habe er rechtzeitig den sog. Winker nach links gestellt und sei langsam gefahren. Die Beifahrer bestätigten beides. Der verunglückte Motorradfahrer. sowie ein weiterer Motorradler, der zur nämlichen Zeit die Straße befuhr, erklärten, der Winker sei nicht nach links eingestellt gewesenl wenn dies geschehen wäre, hätten sie es sehen müssen. Doch bleibt immerhin die Möglichkeit offen, daß der Win- ter, insoweit es sich um die Sicht von hinten handelt, an dem Führerhaus unübersichtlich angebracht und diese durch irgendwelchen Umstand, etwa durch zu hohe Beladung der Pritsche, verdeckt war. Für eine derartige etwa vorhanden gewesene mangel- hafte Anbringung des Richtunaszeigers kann aber der Chauffeur nicht verantwortlich gemacht werden. Der Verletzte will die Ueberholungsvorfchriften eingehalten haben, aber ohne seine Schuld durch das plötzliche Einbiegen des Wagens in eine wenig verkehrsreiche und laum auffallende Nebenstraße völlig überrascht worden fein, so daß ein rechtzeitiges Stoppen unmöglich gewesen fei. Dies mag richtig fein, vermochte aber an dem oben angegebenen Be- weisergebnis nichts zu ändern. Ein Kaufmann, bzw. nachdem dessen Ladengeschäft auf seine Ehefrau als alleinige Geschäfts- Inhaberin übergegangen war, deren Prokurist, erhielt von einem auswärtigen Kunstmaler, der sich durch besonderen Vertrag sein Eigentumsrecht Vorbehalten hatte, kommissionsweise 6 wertvolle Ge- malbe zum Verkauf Drei davon wurden in dem Ladengeschäft verkauft, die Erlöse aber nicht abgeführt, so daß gegen den Kaufmann Anzeige wegen Unterschlagung erfolgte. Er erklärte aber, nicht er, sondern seine Ehefrau, der der Kommissionsvertrag unbekannt gewesen sei, mit der er auch darüber nie gesprochen habe, sei die Verkäuferin, er habe von dem Verkaufe nichts gewußt. Diese Angaben, so unwahrscheinlich sie auch z. T. klingen, konnten nicht widerlegt werden; die Ehefrau verweigerte das Zeugnis, so daß Freisprechung wegen mangelnden Beweises erfolgen mußte. Eine Derhan-lung, die im Rahmen des Feldgerichtsoerfahrens ftaftfanb, ergab die altbekannte Tatsache, daß der „Trieb" mit seinen zahlreichen städtischen Kirschbäumen zur Erntezeit den unerzogenen Jungen Gießens ein ergiebiges Feld für Obstfrevel bietet, daß auch von jeher das Feldschutz, personal, mag es auch noch so rührig sein, den jugendlichen Frevlern ihrer flinken Beine wegen nur schwer beuutommen vermag. Wenn es sich um gelegentliches Abpflücken von Obst handelt, wird das Feldschutzpersonal wohl auch Nachsicht üben. Im Fragefall hatte es sich aber ein Junge auf dem Kirschbaum bequem gemacht, oben ganze Aeste abgerissen und sie seinen unten stehenden kleinen Komplizen zugeworfen in der offensichtlichen 2lb- sicht, spater in irgendwelcher verborgenen Ecke eine opulente Kirschmahlzeit zu halten. Gegen einen Jungen hatte sich der Verdacht derart verdichtet, daß es zur Verhandlung kam, in der aber Entlastungszeugen für den Jungen auftraten, die sein Alibi nachwiesen. Auch hier mußte Freisprechung erfolgen VitthundMchreEvangelischespsanMGießen ^on Pfarrer Heinrich Äechtolsheimer. Während des Mittelalters gehörte Gießen in kirchlicher Beziehung zur Diözese Trier. Eine eigentliche Gießener Pfarrkirche hat in dieser Zeit nicht bestanden, vielmehr war damals die Kirche zu Selters die Pfarrkirche der Stadt, wie Karl Ebel, dem ich hier folge, in einer Abhandlung „Zur Kirchen- und Schulgeschichte Gießens im Resormationszeitalter" (Mitteilungen des Oberhof! ischen Geschichtsvcreins, Heue Folge, 27. Band, 1926) überzeugend nachgewiesen hat. Die Kirche zu Selters hat vermutlich da gestanden, wo freute der Wetzlarer Weg in die Frankfurter Straße einmundet. Dort wurden nämlich be.m Ausschachlen Gebeine gefunden, eine Tatsache, die zu dem Schlüsse berechtigt, daß hier einst der Kirchhof von Selters gelegen hat. Wo heule die Stadtkirche steht, lag damals die Pan- kraliuslapelle. Als die Stadt Gießen sich immer mehr ausdehnte, wurde diese Kapelle allmählich zur Pfarrkirche; auch neben ihr lag ein Kirchhof. Beide Kirchhöfe bestanden, bis Philipp der G oßmütige im Jahre 1530 den Friedhof am Nahrungsberg anlegen lief), den heutigen „Alten Friedhof". B.elleicht war die Kirche zu Selters damals baufällig, jedenfalls ließ Philipp sie niederlegen, als er die Stadt befestigt, da er annahm, daß das Gebäude bei einer Belagerung dem Angreifer als Stützpunkt dienen könne. Wann die Pankratiusk.rche erbaut worden ist, ist nicht bekannt; sie wurde im Laufe der Jahrhunderte zur Kirche umgebaut. Wie es bei Umbauten oft geschieht, so wurde auch hier nichts Halbes und nichts Ganzes aus der Umgestaltung. Jahrhundertelang wurde über den erbärmlichen Zustand der Kirche getlagt, schon im Jahre 1613 wurde sie als baufällig bezeichnet, aber erst in den Jahren 1810 bis 1821 erfolgte der Neubau, wobei der Kirchturm, mit dessen Erbauung man vermutlich 1484 begonnen hat, stehen blieb. In der Zeit unmittelbar vor der Reformation scheint das religiöse Leben in Gießen recht lebendig gewesen zu fein. Don den Pfarrern, die zuletzt der alten Lehre ergeben waren, feien genannt Dr. Johannes Sile, 1457 bis 1471, Martin R« - Vermont, 1467 bis 1474, Dr. Johann Schicke- berg, 1486 bis 1496. Don religiösen Brauchen aus dieser alten Zeit sei erwähnt, daß am „Escherstag" (Aschermittwoch) der Schulmeister auf dem Markte mit feinen Schülern und mit Bürgerssöhnen ein Stück aufführte, so wurde einmal die Komödie „Susann" aufgeführt. An diese Aufführung schloß sich ein Imbiß auf dem "Rat- Hause an, die Kosten wurden von dem Rate bestritten. Dieser Brauch bestand noch in der Zeit, da Giehen bereits evangelisch geworden war. Run darf man, wie Ebel gleichfalls ausführt, nicht denken, daß nach der Hornberger Synode des Jahres 1526 in Giehen sofort die Reformation völlig zur Einführung gekommen sei. Roch jahrelang amtierten hier katholische Geistliche, so der aus Giehen stammende Georg E b e 1, der bis 1539 fein Amt noch in der alten Art versah, von diesem Zeitpunkte aber sich der neuen Lehre zu- wandte .Giehen hat auch nicht sofort vom Jahre 1526 an einen evangelischen Pfarrer gehabt, ver- mutl'ch haben in den ersten Jahren hier auswärtige Prediger gewirkt. Der erste Pfarrer, der hier Im Amte stand, war Daniel Greser (auch Greifer geschrieben). Er kam „für den heiligen Christfeyertagen" 1532 hierher und trat sein Amt am ersten Weihnachtstage an. Ueber seinen Lebensgang sind wir genau unterrichtet, da er ihn in feinem Alter selbst beschrieben hat. Ilse Matthes hat in Ar.9 des Jahrganges 1931 der „Heimat im Bild" des (Siebener Anzeigers das Wichtigste hieraus mitgeteilt, so daß ich mich hier auf kurze Angaben beschränken kann. Greser war am 6. Dezember 1504 in Weilburg geboten, er erhielt an verschiedenen Orten seine Dorbildung, in Butzbach war der Rektor Heinrich B e yn i n g , ein Freund des Erasmus von Rotterdam, fein Lehrer. Er studierte in Kassel und Mainz und wurde Priester. Rachdem er mit Martin Luther zweimal zusammengetroßen war, schloh er sich der neuen Lehre an. Ehe er nach Giehen kam, war er Pfarrer in Marburg. Im Jahre 1542 berief ihn Herzog Moritz von Sachsen als Hofprediger nach Dresden, wo er im hohen Alter von 87 Jahren am 29. September 1591 gestorben ist. Aus seiner Giehenet Tätigkeit ist bekannt, daß er den Grund zu den späteren Kirchenkonventen legte. Diese hielten in der Gemeinde auf Zucht und Ordnung, bis sie im Anfang des 19. Jahrhunderts eingingen. Interessante Mitteilungen machte Greser über das Grassieren der Pest während seiner Gießener Zeit. Am Jakobustage 1538 kaufte er hier ein Haus, in dem Kaufbriefe ist auch seine Ehefrau „Creyngen" (Katharina) genannt. Das Haus lag zwischen dem Markt- platz und den Reuen Dänen, nach der „Sonne" (Sonnenstraßes zu, und zwar da, wo die Wagengasse in die Schulstraße einmündete; es kostete 110 Gulden. Im Jahre 1543 wurde es an den Schultheißen Adam Sauer verkauft. Qlugen- scheinlich war es Privatbesih des Gießener Pfarrers. Das geht auch aus einer Aeuherung Gre- sers vom Jahre 1542 hervor, denn hier sagt er. daß er mit den Seinen Gießen ungern verlassen habe, denn dort habe er eine ihn sehr liebende Gemeinde, ehrliche Besoldung, ein eigenes Haus. Aecker. Gärten. Wiesen und einen ziemlichen Hausrat zurücklassen müssen. Sein Rachfolger in Gießen war Johann U l i ch i u s (Uhl) aus Gelnhausen Im Jahre 1645 erhielt Gießen em zweites Gotteshaus. Man baute zu diesem Zwecke das Universitätsballhaus um. Diese gottesdienstliche Stätte sollte dem Militär dienen, man nannte sie die Durgkirche. Sie stand am Rande des heutigen Botanischen Gartens. Das heute Herrn Spediteur Adam gehörende Haus war das alte Durgpsarrhaus. An seiner Rückwand findet sich ein längst xugemauerter Türrahmen, der vermutlich einen Eingang zur Kirche bildete. 3m Jahre 1824 wurde die allmählich baufällig gewordene Durgkirche niedergelegt; leider findet sich von ihr keine Abbildung. Im Jahre 1893 wurde die Johannes kivche eingeweiht. 1927 wurde die Kapelle des Alten Friedhofs wieder eine ständig benützte Gottesdienststätte. Erst vor wenigen Wochen wurde die Petruskapelle eingewe ht und dem Gebrauche übergeben Sechs Gemeindepfarrer, ein Pfarrer der Krankenanstalten und ein Pfarrassistent sind zur Zeit hier tätig Rund hundert Pfarrer sind feit dem Jahre 1532 hier tätig gewesen, eine verhältnismäßig geringe Zahl. Es ist aber zu bedenken, daß die meisten sehr lange hier im Amte waren, so der Geheime Kivchenrat Pfarrer Dr. Engel, der von 1810 bis 1864 hier amtierte. Die meisten Gießener Pfarrer waren geborene Hessen, nur zwei von ihnen sind auf der linken Rheinseite geboren. Zu einer Bedeutung in weiten Kreisen ist kaum einer von ihnen gekommen. Rur der Pfarrer Johann Philipp Fresenius, der von 1734 bis 1736 zweiter Durqprediger war, ist allgemein bekannt, denn er hat, nachdem er nach Frankfurt am Main gekommen war, dort Goethe getauft, und dieser hat ihm in „Dichtung und Wahrheit" ein schönes Denkmal gesetzt. Weihnachten in aller Welt. Oer papierne Wechnachtsbaum Im amerikanischen Dölkergemisch von Reuyork hat sich ein eigener Weihnachtsstil noch nicht herausbilden können, und so kommt es, daß die einzelnen Faniilien, je nach ihrer deutschen, französischen, italienischen oder englischen Abstammung das Fest aus ihre eigene Weise begehen. Don allen Weihnachtsgebräuchen sagt dem Durchschnittsamerikaner jedoch das deutsche Weihnachten mit Adventskranz, Tannenbaum und Gabentisch am meisten zu; allerdings werden unsere alten, guten Gebräuche mehr und mehr amerikanischer Zweckmäßigkeit angepaßt: Der Tannenbaum, falls er überhaupt zu finden ist, ist häu- ftg aus Papier (Papier wirft keine Radeln ab) und die Kerzen find natürlich elektrisch, weil Wachskerzen verboten sind und weil keine Der- sicheiungsgesellschaft ihre Haftpflicht anerkennt, falls ein Feuer durch Tannenbaumkerzen entsteht. In jüngster Zeit hat sich sogar die Mode des Tannenbaums bemächtigt, und so kann man in allen Blumenläden meterhohe, papierne „Tannen- bäume" in krassem Blau, Rot und Weiß und Gelb erstehen. In Dororten und Gartenstädten hat sich die Sitte eingebürgert, im Dorgarten einen ober mehrere Tannenbäume, die ej-tra für diesen Zweck angepflanzt sind, abends elektrisch zu beleuchten, ebenso wie in vielen Großstädten riesige illuminierte Tannenbäume die Hauptplätze und Anlagen zieren — ganz wie bei uns. Amerika ke.mt nur einen offiziellen Weihnachtsfeiertag, und wenn dieser auch von allen Schichten weidlich zum „Feiern" ausgenuht wird, so bedeutet er für einen Beruf doch den arbeitsreichsten Tag des Jahres, — für den Briefträger. Der Amerikaner hat nämlich die entsetzliche Sitte, ober besser Unsitte, zu ben Festtagen außer ben Geschenkpaketen an feine näheren Freunde ganze Wagenladungen von Weihnachtskarten und Briefen auch an die weitläufigsten "Bekannten und Geschäftsfreunde zu verschicken, und so kommt es, daß man in den Weihnachtstagen wahre Stoße von Glück- und Segenswünschen nicht nur von feinen Bekannten, sondern auch von seinem Friseur, seiner Waschfrau, seinem Zahnarzt, seinem Schneider usw. erhält, die man natürlich mit entsprechenden Glückwünschen zum Reuen Jahre beantworten muß — eine ebenso langweilige, wie durchaus unpersönliche und kostspielige Arbeit. Während in Deutschland Weihnachten das Fest der Familie ist, feiert ein großer Teil der Groft- stadtbevölkerung in ben Restaurants, in ben Sondervorstellungen der Kinos ober im „Speakeasy". ber sogenannten Flüsterkneipe. Unb wenn dann bas Fest vorüber ist, bann beginnt für die Amerikanerin die eigentliche Festsreube, nämlich die Geschenke, bie sie erhalten hat, in den Geschäften gegen solche umzutauschen, die ihrem eigenen Geschmack entsprechen. Was in England die Feiertage kosten. Mag das Gebot der Stunde auch noch so vernehmlich zur Sparsamkeit mahnen — an den Weihnachtsseiertagen wird es doch nach Möglichkeit außer Geltung gefetzt. Es find ganz erhebliche Summen, die in diesen Tagen in allen Ländern ihren Besitzer wechseln. So berechnet man, daß in London allein rund 70 Millionen Mark für Weihnachtsgeschenke ausgegeben werden. Dabei sind die Kosten für Festtagsreisen und Vergnügungen, wie Theater- und Kinobesuch, nicht mit eingerechnet. In den Londoner Restaurants gilt der Preis von 14 Mark für ein Gedeck als recht bescheiden. Selbst daheim stellt sich das Weihnachtsmahl, bestehend aus dem traditionellen Truthahn, Plumpudding und Bier oder Apfelwein auf zwei bis drei Mark. Wie anders war es doch einst, da man vier Gänse für eine Mark ober ein Hühnchen für 7 Pfennige kaufen konnte! DaS war, wie alte englische Haushaltsbücher berichten, im 14. Jahrhundert, wo das Leben zwar weniger bequem1 als heute, die Rahrungsmittel aber viel billiger waren. Diese Rechnungsbücher, von denen einige sich bis auf unsere Tage erhalten haben, sind eine sehr interessante Lektüre, aus der wir erfahren, daß di« wöchentlichen Ausgaben einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie, auf deutsches Geld umgerechnet, selten 3,50 Mk. überschritten. Alle einheimischen Rahrungsmittel waren äußerst wohlfeil. So kostete z. D. ein ganzes Schwein nur 2,40 Mk. Man lieft es sich daher auch an den Feiertagen an nichts fehlen, und wir lesen z. B. bei Chaucer, daft es zu Weihnachten „Speisen unb Getränke schneite"'. 3n einer Weihnachtsrechnung aus dieser Zeit finden wir vier Spanferkel, jedes zu 40 Pf., 12 Kapaune für 3,00 Mk., 10 Schnepfen für 9,50 Mk., sechs Regenpfeifer, das Stück zu 7 Pf., dazu Rind-, Hammel- unb Schweinefleisch für 12 Personen zum Preise von 3,50 Mk., und ein Diertel Faß Bier für 1,40 Mk. angeführt. Die Familienmütter werden den Zeiten nachseufzen, da 600 Heringe nur 2,80 Mk. kosteten. 3n einem bescheidenen Gasthaus konnte man ein reichliches Mahl für 28 Ps. einnehmen. Diele der guten Dinge aber, die uns heute unentbehrlich wie Brot und Butter scheinen, waren damals überhaupt nicht erhältlich. Orangen z. B. waren äufterst selten, und Zucker ein Luxusgegen- stand, kostete doch ein Pfund 2,80 Mk., Tee, Kaffee und Kakao waren ganz unbekannte Dinge; eine Biersuppe zum Frühstück stand an ihrer Stell«. Zu den Kostbarkeiten zählte auch der seltene ReiS und das Salz. Ueberhaupt waren alle Gewürze außerordentlich teuer; so zahlte man für ein Pfund Pfeffer 4,20 Mk. Natürlich war auch das Geld in jener Zeit mehr wert als heute. Roch in 15. 3ahrhundert galt jeder für reich, der jährlich 700 Mark zum Ausgeben hakte, und in dem ganzen Lande gab es nicht so viel Geld, wie die Engländer des 20. Jahrhunderts an den beiden Weihnachtstagen verbrauchen. OaS städtische Christkindchen. In der ungarischen Stadt Kalocfa pflegt ber „unbekannte Weiynachtsengel" alljäyrlich Einkehr zu halten und erfreut eine kinderreiche Familie mit einem wahrhaft fürstlichen Weihnachtsgeschenk: mit einer Kuh! Das Geschenk, von der Stadtverwaltung gestiftet, wird kurz vor dem Fest überreicht, und zwar in ber schönen romantischen Form, als wäre es in der Tat eine Gabe des Christkindes. Es zum letzten Augenblick wird geheimgehallen, wer die Kuh bekommt, und erst am späten Nachmittag macht sich Knecht Ruprecht auf den Weg, verkörpert vom leweiligen Bürgermeister oersönlich, begleitet von mehreren Stadtvätern und der Bevölkerung. Nach einem feierlichen Umzug hält die mehrhun- dertköpsige Prozession vor dem Hause des noch Ahnungslosen, ruft den Glücklichen auf die Straße und „überreicht" das Geschenk. Um technischen Schwierigkeiten vorzubeugen, sorgt der Magistrat nicht nur für entsprechende Stallung, sondern auch für die Nahrung ber städtischen Weihnachtskuh. In diesem Jahre wurde der Arbeiter Franz Kollar mit der Ehrenkuh ausgezeichnet; nun werden seine acht Kinder reichlich Milch haben. Wohltätige Bürger sorgten dafür, daß die Kollarschen Kinder die Feiertage auch sonst in dankbarer Erinnerung behalten: man stiftete noch allerlei Geschenke, und so erlebt die arme Familie ein geradezu märchenhaftes Christfest. Der städtische „Engel hat feine Sache gut gemacht ... Kunst und Wissenschaft Rektor unb Senat der Breslauer Universität für Abberufung von Professor Lohn. Rektor und Senat der schlesischen Friedrich-Wil- helm°Universität zu Breslau veröffentlichen eine Erklärung in der es u. a. heißt: Rektor und Senat halten es für ihre wichtigste Pflicht, die akademisch Lehrfreiheit unbedingt zu schützen. Des- Hall» sind sie mit aller Entschiedenheit für die unbehinderte Lehrtätigkeit des Professors Cohn eingetreten. Leider hat Professor Cohn neuestens die pflichtgernäfte Zurückhaltung durch sein unnötiges Hervortreten in einer umstrittenen politischen Frage vermissen lassen. Deshalb halten Rektor und Senat eine weitere Lehrtätigkeit deS Professors Cohn an unserer schlesischen Universität im Interesse der Aufrechterhaltung der Ordnung und des ungestörten Lehrbetriebes für nicht tragbar. Die Pressestelle der Universität Breslau übermittelt folgende Erklärung des Senats: In der letzten Zeit sind gegen unseren Rektor, einen Mann von bewährter nationaler Gesinnung, in der Presse und im Landtag unerhörte Angriffe und Beschimpfungen erfolgt. Der Senat verurteilt diese Vorkommnisse auf bas schärfste Er spricht dem Rektor sein volles Vertrauen und seinen Dank aus, dafür, daß er sich mit Ruhe, Umsickt und Entschiedenheit für die Autorität unserer Hochschule und für die akademische Lehrfreiheit eingesetzt hat. Einschränkung des Opernbetriebs in Frankfurt. WSN Frankfurt a. M., 23. Dez. In einer Pressebesprechung teilte der Theaterdezernent, Stadtrat Dr. Michel, mit, daß Theaterbeputation und Finanzausschuß die Frage, ob durch Schließung der Bühnen wesentliche Ersparnisse erzielt würden, verneint haben. Die Ersparnisse würden sich lediglich auf 119 000 Mark belaufen. Der Magistrat hat nun die Ermächtigung erteilt, die Engagements für 1933 abzuschließen. Stattrat Dr. Michel legte Aufstellungen über die finanzielle Entwicklung der Theater vor, aus denen her- oorgeht. daß sich ihr Zuschußbedarf von 3,05 Mill. Mk. im Jahre 1928 auf voraussichtlich 1,63 Mitt. Mk. im Jahre 1933 vermindert hat. Allerdings werden auch die Einnahmen für 1933 nur mit 1,30 Mitt. Mk. geschätzt, nachdem sie 1928: 1,89 Mitt. Mk. und 1932 etwa 1.26 Mitt. Mk. betragen haben. Im neuen Spieljahr wird die Oper, wie Prof. T u r n a u mitteilte, voraussichtlich nur Dienstags, Donnerstags, Samstags und Sonntags spielen. Zur finanziellen Entlastung der Bühne werden aber Mittwochs, Freitags und Sonntags nachmittag Operetten gegeben, wofür ungefähr bas bisherige Operettenensemble, ergänzt durch ältere Mitglieder des Opernpersonals, zur Verfügung stehen wird Spiclplan der Frankfurter Theater Opernhaus. Sonntag, 25. Dezember, von 15.30: Der gestiefelte Kater. Don 19 Llhr: Rosen- kavalier. Montag, 26., von 15 Uhr: 3m weihen Röhl. Don 19.30 Uhr: Erstes Gastspiel Margit Suchy (Wien-Berlin) die Es rbassirrstin. Dienstag, 27., von 20 Uhr: Die Entführung aus dem Serail. Mittwoch, 23., von 15.30 Uhr: Der gestiefelte Kater. Don 19.30 Uhr: Don Carlos. Donnerstag. 29., von 20 Uhr: Undine. Freitag. 30., von 19.30 Uhr: Die Zauberflöte. Samstag. 31., von 15.30 Uhr: Der gestiefelte Kater. Don 19 Uhr: Zweites und letztes Gastspiel Margit Suchy (Wien-Berlin) Die Csardasfürstin. Schauspielhaus. Sonntag, 25.Dezember: 17 Uhr an: Zum Abschluß des Goethes ahres Faust l.Teil. Montag, 26., von 15 Uhr an: Der Hauptmann von Köpenick. Don 20 Uhr an: Der Verschwender. Dienstag, 27., von 20 Uhr an: Der Derschwender. Mittwoch, 28., von 20 Uhr an: Hedda Gabler. Donnerstag, 29., von 20 Uhr an: Moral. Freitag, 30., von 20 Uhr an: Der Derschwender. Samstag, 31., von 19 Uhr an: Die Journalisten. Wettervoraussage. Nachdem die kräftige Island-Störung feuchtmilds Luft nach dem Festlände vorgeschoben hat, bie zu verbreiteten Nebenbildungen und vereinzelt auch zu leichtem Nebelregen Anlaß gab, setzt nunmehr über Frankreich und der Biscaya kräftiger Barometeranstieg ein. Mit dem steigenden Druck gelangt zunächst noch maritime Luft östlich vor, so daß das Wetter vorerst mellt diesig bleibt, ohne baß babei wesentliche Niederschläge auftreten. Wenn der hohe Druck aber auf dem Festlande Platz ergriffen unb sich mit dem Balkanhoch vereinigt yat, kommt absinkende Lustbeweaung zustande, wodurch ber Himmel dann zeitweise aufklaren wird. Die Temperaturen gehen dabei in der Nacht wieder stark zurück. Vorhersage für Sonntag: Zunächst noch verbreitete Nebel, und Dunftbilbungen, nachts leichter Frost, trocken. Vorhersage für Montag: Neblig, bewölkt, aber auch zeitweise aufklarend, Nachtfrost sich etwas verschärfend, trocken. Lufttemperaturen am 23. Dezember: mittags + 1,9 Grad Celsius, abends + 0,5 Grad; am 24. Dezember: morgens + 0,3 Grad. Maximum 2 Grab, Minimum — 0,5 Gra^ — Erdtemperaturen in 10 an Tiefe am 23 Dezember: abends —2,5 Grad; am 24- Dezember: morgens —0,5 Grad. & o I Reparahüren.komplehhe Anlagen Stoffe U Bis 1. Fe.eitag e nschl., ab 3 Uhr: Gitta Alpar Max Hansen Renate Müller in ihrer fraulichen Anmut und 9135 A AEG Rundfunkgeräte wollen sich schon jetzt an uns wenden. 91ö7C 16 bis lö uhc. 9113D Spirituosen 12,— 10,— 8 — Verlangen Sie bitte unser Weihnachtsangebot 18), 7,- Vermögen 2503025,74 5724747,84 100,— 156498,31 4. Rücklage ... 360 570,55 gesucht. [07501 1797374,75 7397848 2674251,18 287638,77 17278412,97 17 278412,97 Bauunternehmer! bef. Rudolf Messe. Düsseldorf. 9116V Zöpfe in großer Auswahl ;arren >: " , » , [07503 1 billig bet Karnbach ffe 62.1 Kaplansgasfe 29.. Ludwigstrai Sichern Sie sich ihre Existenz trotz Fortfall der Neubautätigkeit durch rechtzeitige Umstellung auf Hausreparaturen. Wir zeigen Ihnen den richtigen Weg zur konkurrenzlosen Dauerbeschäftigung. 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Zögernd kam es von Ioes Lippen. „Run, ist es Ihnen nicht recht, Fräulein Rowa- kowska?" „Sie werden es vielleicht nicht verstehen, gnädiges Fräulein... aber mein Bruder ... wir hängen so aneinander: jetzt sollen wir uns trennen, auf so lange. Wir haben bisher alles zusammen getragen: Freude und Leid — jetzt, wo es ihm schlecht geht. Ich kann Ihr Angebot nicht annehmen, so schrecklich leid es mir tut, so sehr ich mich darüber gefreut habe. Aber — ich kann nicht allein von Berlin Weggehen, kann ihn nicht zurücklassen." Eine Helle, große, glitzernde Träne hing an den langen, seidenen Wimpern Ioe Rowakow- skas. Magdalenes Herz erzitterte vor Mitgefühl, und in dieser Minute hatte sich das Schicksal dreier Menschen entschieden. „Sie brauchen sich nicht zu grämen, Fräulein Rowakowska, brauchen sich nicht von Ihrem Bru- der zu trennen und können doch bei mir bleiben. Hören S:e zu: Cs ist vielleicht besser, wenn wir zwei Frauen nicht allein in der Welt herum- reisen, wenn wir männlichen Schuh haben. Ich werde Ihren Bruder auch verpflichten, als Se- kretar und Reisemarschall, dann ist uns allen geholfen. Was sagen Sie dazu?" Ein jähes Awblihen durchfuhr Ioe. Diese vlQXL?Q t?ar ia.unbezahlbar! So etwas hatte sie sich ,chon lange in ihren Wunschträumen ersehnt: nur hatte sie me geglaubt, daß es wirklich existieren wurde. Dieses Mädchen vor ihr mußte ia unhe.ml.ch viel Geld haben! Endlich war sie an die R.cht.ge gekommen. ’&nb‘n' 'inMic6en ®Hmme «riirffi* 0Sbi?.^ Fräulein, Sie machen mich so £ 1° gütig .. ich weiß gar nicht, tv-e ich Jbnen danken soll. Lächelnd winkte Magdalene ab. Sie war zu- ,rieben Mit ihrer Wahl, und sie wurde es noch ihr™ «w JMa^mlttag wiederkam. um ihren Stiefbruder Titus van Iolliet vorzustellen. NÄM 0001W Roman von Margarete Antelmann. Copyright bv Martin Zeuchtwanger, Halle (Saale) Frau Hahn war schon am nächsten Tage ab- gereist, unter vielen Ratschlägen und Ermahnungen. Sie hatte sich Ioe und Titus van Iolliet angesehen und hatte zuerst gar nichts gesagt. Aeu- ßerlich sahen die beiden gut aus, das mußte sie selbst zugestehen. Aber — so recht einverstanden war sie nicht mit Magdalenes Wahl. Die Augen des Mädchens gefielen ihr nicht sonderlich. Am Abend, als sie zusammen beim Essen sahen, wagte sie eine leise Andeutung. Zum ersten Male wurde Magdalene ein wenig heftig. Was wollte Mutter Hahn eigentlich? Traute sie sich mehr Menschenkenntnis zu als Magdalene? Schnell war sie wieder beruhigt. Die alte Frau wollte nur ihr Bestes, das wußte sie. ilnö wenn in ihrer Besorgtheit mal ein wenig über das Ziel hinausschoß, durfte man ihr nicht böse fein. Sie waren ganz versöhnt miteinander, als Frau Hahn am nächsten Morgen wegfuhr. Ilnö Magdalene versprach, oft zu schreiben und sofort die gute alte Freundin zu besuchen, wenn sie von ihrer großen Reise zurück fein würde. Ioe und ihr Bruder waren gleich nach Frau ins Hotel gezogen. Das war Praktischer bei den vielen Dingen, die vor Antritt der Reise zu erledigen waren. Mit Ioe hatte sich Magdalene schnell angefreundet. Die Polin hatte Magdalenes Schwäche bald erkannt und ihr geraten, für die Reise ihren langweiligen Ramen abzulegen. Sie würde viel mehr Furore machen, wenn sie sich einen aus» iänd.sch klingenden Ramen zulege. Rach langen Beratungen hatten sie einen gefunden: Madelon Wintöre. Dahinter würde niemand die simple Magdalene Winter suchen. _ 2lu M 9; hierin ordenll sigcn - mig ®i guth' höhe i und sic Aufwer Sh hiesigen wurden - 'n bestehe. Es an Namen Ms zu unb leistungsfähige Bullenhaltung die Grundlage jeder Viehzucht sei. Weiter umriß er die Aufgaben der Züchteroereine. Line lebhafte Aussprache schloß sich an. Anschließend stellte Landwirt Wilhelm Langsdorf (Groß-Rechtenbach) den Antrags die Kreisbauernschaft mochte bei den zuständigen Sollen vorstellig werden, daß 1. die Verfügung der Regierung, nach der ab 1. Januar 1933 nur noch Bullen angekört werden dürfen, die Leistungsnachweis haben wieder ausgehoben würde; 2. in Zukunft die Körkommission sich zusammen setzen soll aus dem Landrat, dem T.erzuchtdirektor, einem Mitglied der Herdbuchgesellschaft und einem Landwirt, der Nichtmitglied der Herdbuchgesellschaft ist; 3 vor Verteilung der Beihilfen eine neutrale Kommission angekört wird und nicht nur die Vorsitzenden der Verbände. Beantragt werden soll außerdem, daß der Eintritt zu den Bullenmärkten frei ist Punkt 1 des Antrages bekam keine Mehrheit, während die anderen drei Punkte des Antrages mit Stimmenmehrheit beschlossen wurden. Anschließend hielt Geschäftsführer Schmidt von der Krsisbauernschaft einen Vortrag über die Schlachtsteuer. (p Aodheim a. D.lieber, 18.Dez. Bei einer Feldtreibjagd am Samstag in einem Teil der hiesigen Gemarkung wurden 59 Hasen erlegt. 3m Vorjahre wurden in demselben Abschnitt 76 Hasen geschossen. < Münchholzhausen, 20. Dez. Für die Winternothilfe wurden in der hiesigen Gemeinde gesammelt: 10 bis 12 Zentner Kartoffeln, 3 bis 4 Zentner Gemüse, einige Pfund Fett, 1 Laib Brot und 1 Pfund Reis Das Sammlungsergebnis wurde an bedürftige Einwohner des Ortes verteilt. □ Lützellinden, 20. Dez. Bei einer in einem Teile der hiesigen Gemarkung abgehaltenen T r e i b- j a g d wurden 18 Hasen, 6 Fafanenhähne und ein Reh geschossen. 0 Hörnsheim, 22. Dez. Dieser Tage fand hier in der Gastwirtschaft „Zur Traube" eine außerordentliche Generalversammlung der hiesigen Spar, und Kreditkasse statt. Einstimmig wurde der Beschluß gefaßt, die alten Sparguthaben a u f z u w e r t e n. Die prozentuale Höhe der Auswertung soll später festgelegt werden und sich nach dem Maße, in dem die Kasse ihre Aufwertungsforderungen hereinbekommt, richten. 5 Hörnsheim, 20. Dez. Bei einem in der hiesigen Feldmark veranstalteten Kesseltreiben wurden 38 Hasen geschossen. - Niederkleen, 20. Dez. Der hier bisher bestehende Turnverein hat sich aufgelöst. Es wurde ein neuer Verein gegründet, der den Namen „Sportverein Grünweiß" führt. Bis zur Neuwahl des Vorstandes werden die Vereinsgeschäfte von Karl Reuter II. geführt. ♦ Erda, 22. Dez. Auf eine 25jährige Tätigkeit bei der Firma Airln & Cloos, Zigarrenfabriken Heuchelheim-Gießen, Filiale Erda, konnten die Arbeiterinnen Wilhelmine Brück, Karoline Singel und Katharine W i e h n e r zurückblicken. Anläßlich des Jubiläums wurde den Mitarbeiterinnen durch den Geschäftsführer der Firma je ein Diplom sowie je ein Geldgeschenk überreicht. Kreis Marburg. -4- Hachborn, 21. Dez. 3n der letzten Zeit mehrten sich die D i e b st ä h l e in unserem Orte und dessen nächster Umgebung. Dem Gastwirt Peter Bender wurde ein geschlachtetes Schwein aus dem Keller entwendet, dem Schneidermeister Schnabel wurde zu nächtlicher Stunde die ganze Wäsche von der Leine ge- stohlem 3n der Äacht zum Dienstag statteten die Diebe der Geflügelfarm von Konrad W a l l o n zu Erbenhausen einen Besuch ab; 5 0 Hühner verschwanden dabei. Die Polizei leitete jeweils sofort die notwendigen Ermittlungen ein. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur. Dom Leichenauto totgefahren. M a r b u r g , 23. Dez. (WSN.) In A l b s h a u - sen wurde der siebenjährige Schüler Paul Greding beim Ueberqueren der Dorfstraße von einem Kasseler Leichentransportwagen erfaßt und ein Stück über die eisbedeckte Straße geschleift. Er erlitt dabei schwere Verletzungen an Hals, Kopf und Bein, die den sofortigen Tod herbeiführten. Den Kraftwagenführer soll keine Schuld treffen. __________________________ &. A-Sport. Sportverein 1920 Heuchelheim. Die 1. Mannschaft vom Sportverein 1920 Heuchelheim hat für den 1. Weihnachtsfeiertag die 1. Mannschaft von „Teutonia" Laubach verpflichtet. Die Gäste gehören der 2. Bezirksklasse an und stellen einen achtbaren Gegner dar. Da die Platzmannschaft in letzter Zeit erheblich an Spielstärke gewonnen hat, dürste sie eine gleichwertige Partie liefern. Der eigene Platz bedeutet für Heuchelheim ein Plus. Handball im Sau Hessen (O.T.) Am 1. Feiertag ist eine kombinierte Elf des Tv. Pohl-Göns (DI.) in Londorf zu Gast. Die Gäste stellen eine flinke Kombinationsmannschast ins Feld und Londorf wird sehr aus sich herausgehen müssen, um einen gleichwertigen Gegner ab geben zu können. Man erwartet von der Mannschaft des Platzbesitzers, daß sie eine geschlossene Leistung zeigt und die Scharte vorn Dorsonntag auswetzt. Handball im Lahn-Oünsberg-Gau In Lollar fällt am ersten Feiertag mit dem Spiel Allendorf — Lollar die Entscheidung um den Meistertitel im Handball. Dem Spiel kommt deshalb besondere Bedeutung zu, weil bei einer Niederlage des Tabellenführers die Mannschaft vom schärfsten Rivalen Londorf eingeholt wird. Beide Mannschaften sollten sich ungefähr die Waage halten. Es ist mit einem harten Kampf zu rechnen. Im 1. Bezirk treffen sich in Waldgirmes der voraussichtliche Meister Garbenheim und die Platzmannschaft. Den Sieger sollte die Gästemannschaft stellen, welche knapp in Front zu erwarten ist. Atzbach II hat auf eigenem Platz gegen die derzeitig geschwächte Mannschaft von Rodheim einige Aussichten. Im 2. Bezirk trifft Lollars auf Allendorf II und wird wohl den Gästen den Sieg überlassen müssen. Ruttershausen und Nordeck sollten sich einen harten Kampf liefern, besten Ausgang bei der Gleichwertigkeit der beiden Mannschaften nicht oorauszusagen ist. Tabafschmuggler vor Gericht. Gefängnis- und Geldstrafen von insgesamt 572 938 R2T1. WSA. Mainz, 23. Dez. Unter Mithilfe eines Holländers gelang es dem vorbestraften 40jähri- gen Schachtmeistcr Karl Pütz aus Viersen, dem vorbestraften 26jährigen Matrosen Karl Hinkel aus Mainz und der 23jährigen Arbeiterin Franziska Dillinger aus Mainz-Weisenau 39 3,80 Kilogramm unverzollte n und unversteuerten holländischen Tabak nachDeutschland einzuführen und hierher zu bringen. Von dem Tabak konnten hier noch ungefähr 96 Kilo durch die Zollfahndungsstelle beschlagnahmt werden, während der größte Teil schon unbekannte Abnehmer gefunden hatte. An dem Absatz des geschmuggelten Tabaks hatten sich die vorbestraften 27 und 31 3ahre alten Arbeiter Philipp Rath und Lorenz Bargon aus Mainz beteiligt und sich dadurch der Steuerhehlerei schuldig gemacht. Das hiesige Bezirks- schösfengericht verurteilte heute Pütz zu 247 464 Mark Geldstrafe evtl, ein Jahr Gefängnis, einer Wertersahstrafe von 1250 Mark evtl, zwei Wochen Gefängnis, und außerdem zu drei Monaten Gefängnis; Hinkel zu 193 592 Mark Geldstrafe evtl, neun Monate Gefängnis, einer Wertersahstrafe von 1000 Mark evtl, einer Woche Gefängnis und außerdem zu sechs Monaten Gefängnis. Die übrigen Angeklagten erhielten Geldstrafen von rund 54 000 bis 32 000 Mark und Gefängnisstrafen von einem 3ahr einem Monat. Mrcksscke Aacknchien. Evangelische Gemeinden. Heiliger Abend, den 24. Dezember. Watzenborn-Steinberg. 19.30 Uhr: Liturgischer Gottesdienst (Schülerchor). — Grüningen. 18.15; Liturgischer Gottesdienst (Schülerchor). 1. Weihnachtsfeiertag, den 25. Dezember. Stadtkirche. 9.30 Uhr: Pfr. Mahr; Beichte und hl. Abendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde; 17: Pfr. Becker. — Iohanneskirche. 9.30: Pfr. Bech« tolsheimer; 17: Pfarraffistent Knell. — Kapelle de» Alten Friedhofs. 6.30; Christmette; Pfr. Ausfeld; 9.30: Pfr. Lenz. — petruskapelle. 9.45: Pfarrassistent Knell; 17: Weihnachtsfeier der Kinderkirche der Petrusgemeinde; Pfr. i. R. Kertsch. — Gemeindesaal (Liebigjtrahe 56). 14: Taubslummengottesdienst; Pfr. Bechtolsheimer. — Klein-Linden. 10: Gottesdienst; 13.30: Mittagsgottesdienst. — Heuchelheim. 10: Pfr. Becker (Gießen); 19: Pfarrassistent Knell (Gießen). — wieseck. 9.45: Hauptgottesdienst (Frauenchor); Kollekte; 11: Kinderkirche; 17.30: Christoesper (Schülerchor). — Allen-Buseck. 10: Festgottesdienst (Frauenchor); 18: Liturgischer Gottesdienst (Kinderchor). — Großen-Luseck. 10.30; Gottesdienst (Gesangverein Germania); 19: Liturgische Weihnachtsfeier (Schülerchor Posaunenchor). — Oppenrod. 9: Gottesdienst; 17: Liturgische Weihnachtsfeier (Kirchengesangoerein). — Kirchberg. 10: Kirchberg; Kollekte, 11: hl. Abendmahl für die jungen Männer und Frauen von Staufenbera; 16: Kirchberg; Liturgischer Weihnachtsgottesdienst. — Hausen-Garbenteich. 10: Hausen; 13: Garbenteich.— Watzenborn-Steinberg. 13.15: Hauptgottesdienst (Po- saunenchor); Kollekte; 16.15: Weihnachtsfeier der Kinderkirchc. — Grüningen. 9.30: Hauptaottesdienst; im Anschluß Beiche und Feier des hl. Abendmahls; Kollekte. — Lich. 10: Stiftsdechant Kahn (Chorschule, Posaunen- und Kirchenchor); 14: Stifts- Pfarrer Draudt; 17: Weihnachtsfeier der Kinderkirche. 2. Weihnachtsfeiertag, den 26. Dezember. Stadtkirche. 9.30 Uhr: Pfarrassistent Knell; 17: Pfr. Mahr; Liturgischer Gottesdienst. — Johanne»- kirche. 9.30: Pfr. Ausfeld; Beichte und hl. Abendmahl für Lukas- und Johannesgemeinde; 17: Pfr. Bechtolsheimer; Liturgischer Gottesdienst. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr. i. R. Wolf. — Petruskapelle. 9.45: Pfr. Lenz. — Klein-Linden. 10: Gottesdienst. — Heuchelheim. 10: Pfr. Becker (Gießen). — wieseck. 10: Hauptgottesdienst (Chorschule und Schülerchor); Kollekte. — Alten-Buseck. 10: Gottesdienst. — Großen-vuseck. 10.30: (Kirchenchor). — Oppenrod. 13. — Kirchberg. 10: Kirchberg; Kollekte; 16: Kirchberg; Weihnachtskindergottesdienst.— Hausen-Garbenteich. 10: Garbenteich; 13: Hausen.— Watzenborn-Steinberg. 10.30: Hauptgottesdienst. — Grüningen. 13.15: Hauptgottesdienst. — Lich. 9.45: Beichte; 10: Stiftsdechant Kahn (Chorschule); hl. Abendmahl; 14: Stiftspfarrer Draudt. katholische Gemeinden. Samstag, den 24. Dezember. Gießen. 15.30 und 19 Uhr: Beichte. — Lich. 17< Beichte. Sonntag, den 25. Dezember. Weihnachtsfest. Gießen. 5 Uhr: Christmette; 6: hl. Messe; Beichte; 7: Messe; Kommunion der Frauen; 8: Messe; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 16 30: Beichte; 17.30: Vesper; 19: Beichte. — Grünberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. — Laubach. 6: Christmette; Beichte; Hirtenmesse; 9: Hochamt mit Predigt; 14: Weihnachtsandacht. — Lich. 6: Christmette mit Predigt; 10: Hochamt mit Predigt; 15: Weibnachtsfeier der Pfarrei. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt. Montag, den 26. Dezember. Fest des hl. Stephanus. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; 8: Kommunion; 9: Hochamt; 11: Messe; 17.30: Andacht mit Segen. — Echzell. 11: Hochamt mit Predigt. — Grünberg. 9.45: Messe; Hochamt mit Predigt. — Dienstag, den 27. Dezember. Lich. 8 Uhr: Weinweihe, darauf Hochamt. Sonntagsdienst d.Aerzle u.Avotheken am 25.12.32 •’ ftrau Dr. Rothenberger. Dr Neumann-Svengel. (Hlgelavotheke. Zahnarzt: Dr. Haubach. aul &gon SKtein Die Verlobung Ihrer Tochter Hilde mit dem Syndikus Herrn Paul MÜNch geben bekannt Apotheker Max Heß und Frau Anna, geb. Heß Die Verlobung ihrer Kinder be- beehren sich anzuzeigen Zhre Verlobung geben bekannt Hermine Schultheis Richard 3ung Philipp Cngelhardt und Frau Lina, geb. Mohr Fra u H e i n r. Wi e g e r i g Ww e. Neustadt 45 ...... '7489 Al» I. .Innunr 1033 bin Ich zu sÄmllldien Krdnkenkassen Annedore Stein Otto Matthies Kaufmann Verlobte Wilhelm Lecker u.Frau^lisabeth,geb.Weeg August Pascoe und Frau Olga, geb. Huth 1.Feiertag: Kraftbrühe Garah-Äernhardt Gecmngenröllchen n.Mozart, Die Verlobung ihrer Tochter Anni mit Herrn Forstastestor Wilhelm Gruhn geben bekannt Meine Verlobung mit Fräulein Hilde Pascoe Tochter des Ingenieurs Herrn August paScoe und feiner Frau Gemahlin Olga, geb. Huth, gebe ich bekannt Meine Verlobung mit Fräulein Gudrun Krüger zeige ich ergebenst an Dr. Ernst Stöver Cafe-Rest. »Bürgerhof« 2. Feiertag, 11-1 Uhr; Frühschoppen-Konzert 9i im Ob.-Vei.-Rat Dr. Stein u.FrauElisabeth,geb.Echeid Otto Matthies sen. u. Frau Helene, geb. Völker | Übernahme von Hochzeits- und Gesellschasts-Esten. - 3m Ausschank die beliebten Viere der Brauerei „Zum Augustiner", München. Hamburger MastkalbSrülken, Leipziger Merlei und Kar- Kate Kolb Gustav Markowiak verreist vom 24.12 bis 2.1.1933 Meine Verlobung mit Fräulein stud.med. Jeanette-Hi Idegard v. Hamilton zeige ich ergebenst an Meine Verlobung mit Fräulein Anni Lecker gebe ich hiermit bekannt Wilhelm Gruhn Forstastestor Ihre Verlobung beehren sich anzuzeigen Erna Hofmann Ludwig Oaubertshauser Gießen, Weihnachten 1932 Die Vermählung ihrer Kinder Anna und Paul geben bekannt 3hve Vermählung beehren sich anzuzeigen Paul Wiegerig U. Frau Anna, geb.Engelhardt Ihre Verlobung beehren sich anzuzeigen Anna Hahn Karl Faust Die Verlobung unserer Tochter Gudrun mit Herrn Postbirektor Dr. jur. (Lrnst Stöver beehren wir und anzuzeigen Obcringenleur Waldemar Krüger und Frau (Tiara, geb. Theuerlauff Düsteldorf, Kölner Straße 374 3l)rc Verlobung geben bekennt Hedwig Oebus Wtllt Schmidt fließen i -irfurt (£a/jn) 7Oeifjnacf)fcn 1932 Christof Gerhard Eckert cand. med. toffcln Tornedos Rossini Cremeschnittchen Ole Verlobung unserer Tochter Jeanette-Hildegard mit Herrn cand. med. Christof Gerhard Eckert zeigen wir ergebenst an La'ndesrat a. D. Eduard v. Hamilton Direktor der Feuersozietät für die Provinz Ostpreußen und Frau Hildegard, geb. Kocks Königsberg (Oetpr.) Tragh. Pulveretr. 18/1» _____________ Bianjacken-Iazzkapelle Saalbau Waldlust Äitten-VufeS Oberhörgern Weihnachten 1932 Am 2. Feiertag:Tanz --- _ ____________ 9142 D Wissenschaftliche Werke •ooaergwDiet umi Brühl'schen Druckerei Gießen / Kastel Weihnachten 1932 Steinbach, Hauptstraße Gießen, Rodheimer Straße Weihnachten 1932 Werseine Kunbschast, seine Freunde und Äe- kannten zum Jahreswechsel beglückwünschen will wählt dazu am zweckmäßigsten eine Glückwunsch-Anzeige im GießenerAnzeiger Bestellungen der Anzeigen für die Silvester- Jlummer möglichst frühzeitig erbeten Verlag des Gießener Anzeigers 2. Feiertag: Krebssuppe von frischen Oder- krebsen Karpfen blau mit zerl. Butter und Kartoffeln 5g Junge Wetterauer Mastgans, Salat und Kompott ßg Wiener Itahmschlegel, Rosenkohl und Kartoffeln 1.10 Schlllerlocken Dr. Schlierbach Reiskirchen Sprechstunden 1 0- ll tH glich •*'/»-fl Ul glich außer Mittwoch» und Snmstng* Sonntags keine Sprochwlundi'u Dienstag unö Srellog frlldie Waffeln! Tanz-Muttk DicneUaa, den 3. iVcifr(nn, auf bet (074ns Lttmanusvurg Speisen Sie zu Weihnachten im HOTE L- R E STAU R A NT Tel. 4215 KOHLER Tel. 4215 Menu Gießen Kaleerellee 31 i Weihnachten 1932 «Im 2. Weilmachtsfcicrtaa nachmittags 3 Ubr: abcndS 8.30 Uhr: Tanz! Theater! Burg Staufenberg Empfehle zu den bevorstehenden Feier-' faßen wie alljährlich meine Lokalitäten im groben Saalbau;TANZ Jazz-Kapelle Pauli, Marburg ohtD Eintritt 30 Pf. Tanz frei! Es ladet freundl. ein Ludwig Bicrau. Gertrud Tropp Jakob Hetl, Lehrer ßimqcn älilcuborf (£umbo) (angödorf Weihnachten 1932 Gießen (Lahn)____________ Düsteldorf, Herzog-Siraße 32 Böilolomenioolli empfiehlt seine Lokalitäten, ohsd Kleinschreibmaschinen große Auswahl erster I Fabrikate finden Sie zu niedrigsten Preisen bei Niederhausen&Co. Seltcrsweg17ersterStck. von Kleider Köhler. <3340 llllllllllllllllltilllllllllllllllll Detektiv K. Gerz, Bad-Nanhelm, Knr- atraßel7crleöiotnllc uertniuhrbe 13rtuiit- 11. Mcidiäftiiiumelc* ncnbcitcn.mic ')luS* [ilnfte,^cobnri3tmi' neu, Ermittlungen. Beschaffung v Be« tucitmnt. in Straf' " 11. Zivilvro4. streun 1 bivt Lvreniff.' 9 b. \ 1‘>ve u. n ni r. Glesien, Steinstraße 86 Marburg Weihnachten 1932 Bochum Weihnachten 1932 2. Feiertag ---------LL2.