nr. 147 Srühausgabe 182. Jahrgang Samstag, 25. Juni 1952 Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Dntrf und Verlag: vrShl'sche Univer^rüls-Vuch. und Steindruckerei H. Lange in Gießen. SchrWeitung und SeschaftrfteNe: 5chulltraße 7. Annahme oon Bnjelgeii für di» lagesnummrr bi» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspsenmg; für Rs» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspsennig, Platzvorschrist 20v , mehr. Chefredakteur Dr. Friede. Wich. Lange. Verantwortlich für "Doktili Dr. Fr. Wich. L'anqt; für Feuilleton Dr H.Tdyriot; für den übrigen Teil Crnst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. Er> cheinl täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte (Siebener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Manat» Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1 95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüfie unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehe». poflfthcdfonto: Frankfurt am Main 11686. Geringe Aussichten der deutsch-sranzöfischen Aussprache. Oie Gegensätze prallen unvermifieli aufeinander. — Frankreich beharrt auf Fortsetzung der Reparationszahlungen nach einer Erholungspause. C au (an ne, 24.3uni. (111.) Die zweite gemeinsame Sitzung der deutschen und französischen Ifiinifter, die um 17.30 Uhr begonnen hatte, wurde um 19.30 Uhr abgeschlossen, lieber den verlaus der Sitzung wurde folgende amtliche Verlautbarung her- ausgegcben.- „Die deutschen und französischen Verhandlungen find am heutigen Freitagnachmittag weiter fort- g c s e h t worden mit einem Bericht des französischen Finanzministers GermainMartin. hieran hat sich ein Gedankenaustausch angeschtossen, der von dem gleichen Wunsch beider Seiten getragen wurde, gründlich alle Elemente des gestellten Problems zu prüfen. Die nächste gemeinsame deutschfranzösische Sitzung ist auf Montag nachmittag 16.30 Uhr festgesetzt worden. Ls ist vereinbart worden, datz jetzt unverzüglich Beratungen der Finanzsachverständigen der deutschen und französischen Abordnung stattfinden fallen, die die INontagsihung oorzubereiten haben." Heber die beiden Sitzungen wird von zuständiger deutscher Seite darauf hingewkesen, datz die Verhandlungen im wesentlichen aus den Ausführun- Scn der deutschen und französischen Finanzminister estanden hätten, die die Gesamtlage in der Tri- bulfrag» beleuchteten. Der Reichsfinanzminister habe sich zunächst darauf beschränkt, darzulegen, wie sich die gegenwärtige Lage Deutschlands gegenüber den Feststellungen des Baseler Sachverständigenberichtes vom Dezember 1931 verschlechtert habe. Der Reichssinanz- minifter sah sich hierzu durch den Hinweis Her- riots veranlatzt, datz der Baseler Sachverständi- genbericht die Grundlage der gesamten Konferenzverhandlungen bilde. Demgegenüber habe Graf Schwerin-Krosigk den Rachweis gesührt, datz auf allen Gebieten der Wirtschaft eine wesentliche Verschlechterung in Deutschland eingetreten fei. Insbesondere hatten die in den Rot- verordnungen vom Dezember und 3uni neufeft- gesetzten Sähe für d i e Arbeitslo- fenunterftütjung einen Stand erreicht, der Anlaß zu schweren sozialen Spannungen geben müsse. Der Finanzm.nister wies hierbei auf die aützerordentliche Rotlage der deutschen Arbeitslosen hin. Der französische Finanz Minister ist in feinem Bericht nur furz auf die deutschen Darlegungen eingegangen, hat in der Hauptsache die französische Tribut-These vertreten, nach der die gegenwärtige Notlage Deutschlands durchaus anzuertennen sei, doch würde mit dem Ende der Weltwirtschaftskrise auch die deutsche Krise ein Ende finden, so datz von einem gewissen 3 e i p u n 11 ab d i e Möglichkeit neuer deutscher Tributzahlungen und des Transfers dieser Zahlungen an die Gläubiger eintreten werde. Ferner würde nach französischen Auffassungen eine Einigung auf dem Tributgebiet zu einer allgemeinen Erleichterung und Erholung führen, so daß nach einer gewissen Pause eine Wiederaufnahme der deutschen Zahlun- gen in beschränktem Umfange durchaus möglich sei. Die Verhandlungen sind bann bald nach kurzer Aussprache auf Montag vertagt worden, in der die Hauptfrage der grundsätzlichen Gegensätze zwischen der deutschen und französischen Tributauffassung geklärt werden soll, die darin besteht, daß die fron- zösische Regierung weitere Tributzahlungen verlangt, hingegen die deutsche Regierung erklärt, es könne keine weiteren Tributzahlungen mehr geben. Irgendwelche präzise Forderungen sind in den bei* den Sitzungen von französischer Seite nicht gestellt worden. Die Ausführungen Germain Martins trugen einen allgemeinen Charakter. Die weiteren Verhandlungen werden bis zur Montagssitzung jetzt zwischen den beiderseitigen Finanzsa ^verständigen geführt werden. Von der Einsetzung eines besonderen Studienausschusses für die Tributfrage ist abgesehen worden. Wachsende Versteifung. Herr ot vcrsci l eßt sich der wahren Sachlage In deutschen Kreisen besteht der Eindruck, daß die stark geschwächte innerpolitische Stellung des Kabinetts Hcrriot den französischen Ministerpräsident zu immer schärferen und radikaleren Forderungen in der Tributfrage treibt. Die deutsche Regierung stößt in den gegenwärtigen Verhandlungen täglich auf neue Schwierigkeiten, da die französische Regierung nicht das geringste Interesse für die wachsende Bedrohung der gesamteuropäischen Wirtschaft und die außerordentliche Notlage Deutschlands zeigt und s i ch jeder Erkenntnis des wahr en Ernstes der heutigen Lage verschließt. Don deutscher Seite ist in allen Besprechungen immer wieder darauf hingewiesen worden, daß weitere Tributzahlungen unvermeidlich zu einem vollständigen Zusammenbruch nicht nur der deutschen, sondern d e r gesamteuropäischen Wirtschaft führen würden und daß die deutsche Regierung in der Tributfrage unter gar keinen Umftänben ein Kompromiß annehmen werde. Die ^anzösische Regierung muß somit über den deutschen Standpunkt in der Tributfrage jetzt endlich vollständig im Klaren fein. Trotz der an sich aussichtslosen Lage werden die Verhandlungen noch weiter fortgeführt. Oie Engländer im Zwielicht. Man gibt den Deutschen Zugeständnisse anheim. Die Haltung der englischen Regierung in den letzten Verhandlungen muß als unklar bezeichnet werden. Die englische Regierung hat nach dem ergebnislosen Verlauf ihrer direkten Besprechungen mit Hcrriot die deutsche Regierung über den Verlauf dieser Be- sprechungen unterrichtet, jedoch anheimgeftellt, möglicherweise durch Zugeständnisse eine Lösung der Tributfrage möglich zu machen! Auf deutscher Seite ist diese Empfehlung eindeutig zurückgewiesen worden. Man hat vielmehr geltend gemacht, daß die englische Regierung sich bisher auch gegenüber maßgebenden deutschen Vertretern auf eine vollständige Streichung der Tribute verpflichtet hatte und datz deshalb derartige Kompromißverhandlungen gqnzlich unverständlich erscheinen würden. Die Lage auf der Tributkonferenz spitzt sich immer mehr zu der FlAge zu, in welcher Weise wenigstens nach außen hin eine formale Weiter füh- rung der Verhandlungen möglich ist. Die Verantwortung für einen Abbruch der Verhandlungen müßte ausdrücklich der französischen Regierung zur Last gelegt werden, die also auch für die dadurch unvermeidlich eintretenden wirtschaftlichen Folgen verantwortlich ist. Oer Reichskanzler nach Berlin abgereist. Lausanne, 24. Juni. (TU.) Der Reichskanzler von Papen verließ die deutsch-sranzösische Be- sprechung um 18.30 Uhr und begab sich direkt zum Bahnhof, um mit dem Baseler Schnellzug um 18.40 Uhr nach Berlin zu reisen, wo er am Samstag- nachmittag eintrifft. Der Reichskanzler wird im Laufe des Samstags noch dem Reichspräfi- deuten über bic Lausanner Verhandlungen Bericht erstatten und Sonntag abend wieder nach Lausanne abreisen. Der Reichskanzler empfing vor seiner Abreise hinter- einander den Reichsbankpräsidenten Dr. Luther, der am Freitagnachmittag in Lausanne eintraf, den österreichischen Bundeskanzler Dollfuß und oer- schiedene ausländische Journalisten. Das (Steuerprogramm der MionalsoziaWeii. Berlin, 24. Juni. (DDZ.) Die nattonalsozia- listische preußische Lanbtagsfraktion hat einen umfassenden Steuerantrag eingebracht, um, wie es in der Begründung heißt, schon jetzt die Grundlagefür die Aufbauarbeitder kommenden nationalsozialistischen Volksregierung sicherzustellen. Die Staatsregierung wird in dem Antrag ersucht, bei der Reichsregierung aufs dringendste vorstellig zu werden, um sofort eine Aenderung derEin« kommen st euer st affelung durch Rotverordnungen zu erreichen. Der steuersreieEin- kommensteil soll von 7 2 0 auf 2400 Mark erhöht werden, für Ehefrau und unterhaltsberechtigte Kinder von bisher 8 v. H. auf 12 v. H. und von bisher höchstens 600 Mark auf nunmehr höchstens 2100 Mark. Die Einkommensteuer bei Einkommen bis zu 8000 Mark soll von 10 auf 9 v.H. ermäßigt Werdern Die bisher 12,5proz«ntige Einkommensteuer bei Einkommensteilen von 8000 bis 12 000 Mark soll bestehen bleiben, während bei den Einkommensteilen über 1 2000 Mark eine Staffelung eintreten soll, die mit 20 v. H. beginnt und für den Einkommensteil über 46 OOO Mark a u f 80 v. H. steigt. Ferner soll durch Reichsgeseh die volle Erfassung der Gewinne von Kapitalgesellschaften, insbesondere Großbanken, Trusts und Konzernen mindestens in Höhe der Versteuerung der einkommenssteuerpflichtigen Einkommen unter entsprechender Erhöhung der Körperschaftssteuer gewährleistet und durchgeführt werden. Die Staatsregierung soll bei der Aeichsregierung gegen die Kürzung der Rentenbezüge für Kriegsopfer, Sozialrentner und Erwerbslose protestieren und die Richtdurchführung der letzten Rotverordnung verlangen. Weiter besagt der Antrag, daß die gesamten Vermögen der seit dem 1. August 1914 eingewanderten Ostjuden als unsittliche Bereicherung einer produktiv nicht arbeitenden, sondern rafsen- den Rasse sofort restlos beschlagnahmt werden sollen. Sie sollen nach einem binnen drei Wochen dem Landtag vorzulegenden Gesetz der Arbeitsbeschaffung diensfbar gemacht werden. Das Vermöaen sämtlicher Parteibuchbeamten innerhalb Preußens in Staat, Kommunen und öffentlich-rechtlichen Körperschaften und älnternehmungen soll sofort sicher- g e st e l l t werden und daraufhin im einzelnen untersucht werden, wieweit es in Ausbeutung der Amtsstellung zu eigenem Vorteil erworben wurde. Soweit das festgestellt wird, soll das Vermögen unbeschadet der strafrechtlichen und disziplinarischen Verfolgung der Partcibuchbeamten in doppelter Höhe beschlagnahmt und der Arbeitsbeschassung dienstbar gemacht werden. Ebenso wie mit dem Vermögen der Ostjuden soll mit sämtlichen im Zusammenhang mit dem Darmat - und Sklarek» Skandal kompromittierten Persönlichkeiten verfahren werden. 3n feierlicher, an allen Anschlagsäulen zu veröffentlichender Aufforderung sollen die preußischen Minister ausgefordert werden, rückwirkend ab 1. Januar auf den 12 000 Mk. jährlich übersteigenden Teil ihres Gehalts zu verzichten. Schließlich soll die Staatsregierung bei der Reichsregierung vorstellig werden, daß die 2of>n ft euerer ft attung von 1931 sofort nachgeholt wird. Annahme der Amnestievorfa^e im preußischen Landtag. Berlin, 24. 3uni. (VDZ. Funkspruch.) 3m Landtag erfolgt die Beratung eines Berichtes des Geschäftsordnungsausschus'es, der die Ei nstel- lung'von Strafverfahren gegen Nationalsozialist ifche Abgeordnete vorschlägt. Abg. Meistermann (Ztr.) hebt hervor, daß es sich hierbei um etwa fünfzig Fälle von Strafverfolgungen nationalsozialistischer Abgeordneter handele, die eingestellt werden sollten. Cs sei sehr bedenklich, daß Kommunisten und Rattonalsozialisten im Geschäftsordnungsausschuß erklärten, sie wollten unter keinen Umständen d i e Immunität eines Abgeordneten aufheben lassen. Das würde ja bedeuten, daß der Abgeordnete jede Freiheit für sich in Anspruch nehmen köime. Das Zentrum werde sich an der Abstimmung über diese Vorlage nicht beteiligen. Abgeordneter K u b e (Nationalsozialist) erklärt, seine Fraktion habe ausdrücklich betont, daß sie oon Fall zu Fall entscheiden wolle. Im vorigen Landtag aber habe das Zentrum nur die Immunität der Mitglieder der Oppositionsparteien aufgehoben. Hätte der preußische Iuslizminister nicht in den vergangenen vier Jahren bei jeder kleinsten Gelegenheit gegen oppositionelle Abgeordnete Strafantrag gestellt, so wäre die Opposition heute nicht zu einer solchen Abwehrstellung veranlaßt. Anderseits seien die schwersten Ehrenkränkungen gegenüber Führern der Oppositionsparteien von den Strafbehörden nicht verfolgt worden. Das Zentrum hätte sein Gerechtigkeitsgefühl vier Jahre früher Vorbringen sollen, statt mit dem Iustizminister seine politische Macht zu mißbrauchen. (Zwischenruf des Abg. Mei st ermann, Zentrum. Der Redner ruft dem Abg. Meistermann zu: ich »erbitte mir Ihre dämlichen Zwischenrufe. Es gehört schon die dreiste Stirn eines Zentrumsmannes dazu, hier zu bestreiten, was man vier Jahre lang mit der Opposition im alten Landtag gemacht hat. — Händeklatschen bei den Nationalsozialisten. — Als Nationalsozialisten sich oon ihren Plätzen erheben und zum Rednerpult oorgehen wollen, vor dem Abg. Meistermann steht, ersucht Präsident Kerrl alle Ab- geordneten, die Plätze einzunehmen, worauf die Erregung sich etwas legt.) Glauben Sie nicht, meine Herren vorn Zentrum, daß das deutsche Volk sich Ihr Spiel noch weiter gefallen läßt. Ihre Gerichte haben bei jeder Gelegenheit nur politisch ent- schieden. Dazu kommt die überhebliche Frechheit, mit der die Staatsanwälte gegen uns oorgehen. (Präsident Kerrl: überhebliche Frechheit dürfen Sie Staatsbeamten nicht vor werfen.) Aus solchen Zuständen ist der Haß erwachsen, der sich nur daraus erklärt, daß das Zentrum seine Macht in der Justiz mißbraucht hat. Abg. Mei st ermann (Ztr.) erklärt, der Abgeordnete Stube habe maßlose Angriffe gegen die Ju- stiz gerichtet (Rufe rechts: berechtigte!), auf die man nicht eingehen könne, da sie sich von selbst richteten. Er hat gefragt, warum in vier Jahren nicht ein einziges Mal die Aufhebung der Immunität eines Zentrumsabgeordneten beantragt worden sei. Wenn man sich in den anderen Fraktionen bemühen würde, sich im politischen Leben ebenso zu benehmen, dann hätten wir diese unliebsamen Debatten nicht. (Beifall Zentrum.» Den ungeheuren Vorwurf, daß wir aus parteipolitischen Gesichtspunkten zu diesen Fragen Stellung genommen hoben, weise ich zurück. Abg. K u b e (Natsoz.) erklärt, wenn bei 6 Abgeordneten einer Oppositioncgruppe 61 Strafanträge gestellt werden, bann sei das ein Beweis, daß es sich hier nur um politische Dinge handele. — Als der Abg. Schmelzer (Zentrum) widerspricht, , kommt es zu einer erregten Auseinandersetzung, in der Abg. Hube dem Zentrumsabgeordneten vorwirft, er gehe leichtfertig mit der persönlichen Ehre politischer Gegner um. Ost habe man Verhaftungen am lausenden Band vornehmen lassen, weil es darauf ankam, bei der schwachen Mehrheit der Regierung die Opposition zahlenmäßig zu schwächen. Das Reichsgericht habe in einem Falle direkt angenommen, daß das preußische Justizministerium in unzulässiger Weise ein- gegriffen habe. (Lebhaftes Hört! Hört! bei den Nationalsozialisten.) Darum ist eine Säuberungsaktion notwendig. Wir sind nicht so, wie wir von unseren Gegnern im Lande hingestellt werden. Sonst sähe Herr Gr.zesinski nicht mehr hier, der Adolf Hitler mit der Hundepeitsche aus dem Lande hinaustreiben wollte. Es gibt aber Grenzen, die man nicht überschreiten kann. Die preußischen Gerichte in ihrer gegenwärtigen Zusammensetzung sind die ungeeignetsten Verwalter des Rechts. (Händeklatschen bei den Nationalsozialisten.) Der Antrag des Geschäftsordnungsausschusses auf Versagung der Genehmigung zur Strafverfolgung nationalsozialistischer Abgeordneter wird gegen die Stimmen der Regierungsparteien angenommen. Abg. Dr. FreiSler (Ratfoz.) bringt hierauf einen Antrag ein, in dem erklärt wird, es sei in den Kreisen der Berliner Kriminalpolizei ossenes Geheimnis, daß der Berliner Polizei- Vizepräsident Bernhard Weiß Mit- Organisator undSchützer vonVerli- n e r S p i e l k l u b s sei, an denen er geldlich interessiert fei und in denen er mitsplele (Stürmisches Hört, hört! rechts.) Der Redner beantragt die sofortige Einsetzung eines Unter- suchungsausschusfes zur Prüfung dieser Vorwürfe. Der Ausschuß solle den Ramen führen: »Chikagoausschutz Bernhard Weiß". Außerdem beantragten die Rattonal- sozialisten das Verbot aller SpielklubS. Der Ausschuß wird eingesetzt: er besteht auS 29 Mitgliedern. Fortsetzung der Kulturdebatte. ES wird nunmehr die Aussprache über die Anträge zu den Kulturfragen fortgesetzt. Abg. Lauscher (Z.) erklärt, der nationalsozialistische Abgeordnete Haupt habe recht, wenn er die Weltanschauung als das tragende Fundament einer jeden Kultur bezeichne. Mindesten- müsse die grundlegende Stellung der RSDAP. zur Kulturpolitik klar herausgearbeitet werden, weil sonst eine bis zu einem gewissen Grade hoffentlich noch mögliche Verständigung wenigstens auf dem Gebiete des Geistigen nicht erzielt wird. Insbesondere sei eine Erläuterung dcS Begriffes vom positiven Christentum notwendig, wie es die Rationalsozialisten ausfaßten. Man müsse auch wissen, ob unter der christlichen Schule, die die Rationalsozialisten als Zwangseinheitsschule des künftigen Staates verwirklicht wissen wollen, die Bekenntnisschule zu verstehen sei, oder ob diese christliche Schule des Rational- so^ialismuS versuchen werde, eine über den Konfessionen gelegene höhere Ebene zu erreichen. Aus die Dauer könne man gewisse Dinge nicht in gewolltem Zwielicht halten, und es sei unmöglich, den Schulaufbau des nationalsozialistischen Staatswesens wie eine Katze im Sack entgegenzunehmen. Die politische Zusammenarbeit des Zentrums mit anderen Parteien habe mit der Gemeinschaft der Gesinnung nicht das geringste zu tun. Cs müsse möglich sein, über weltanschauliche Gegensätze hinaus zu einer gewissen Gemeinsamkeit des politischen Handelns zu kommen, sonst werde der neue Staat, den die Rattonalsozialisten auf* richten wollten, identisch sein mit dem Ende von Staat und Volk. Allein in Deutschland sei es möglich, daß ein Deutscher dem anderen die na* tionale Ces Innung abspreche. Das Ringen um die eigene Weltanschauung dürfe nicht dazu führen, daß eine andere Weltanschauung verhöhnt werde. Oie Abstimmungen. Auch der kommunistische Tteuerantraq für E «kommen über 120(10 Mark angenommen hierauf beginnen die Abstimmungen. Die Amnestievorlage wird in dritter Lesung und in der Schlußabstimmung mit den Stimmen der Rechtsparteien und Kommunisten angenommen. Bon der Straffreiheit ausgeschlossen sind Landesverrat, B errat militärischer Geheimnisse, Brandstiftung, vorsätzliche Gefährdung eines Eisenbahntransportes, Berbrechen gegen das Leben, schwere Körperverletzung, schwerer Raub und diejenigen Berbrechen gegen das Sprengstoffgeseh, aus deren Folge Menschen schwer verletzt oder getötet wurden oder erheblicher Sachschaden entstand. Auch Meineid und Bergehen gegen die Religion werden nicht amnestiert. Amnestie wegen Bergehens aus wirtschaftlicher Rot soll nur gewährt werden, falls die betreffenden Personen bei Begehung der Tat nicht einschlägig und nur geringfügig vorbestraft sind. Ein angenommener Antrag zur Arbeitsbeschaffung wünscht, daß irn Benehmen mit ban Reich ein umfangreiches Arbeitsbeschaffungs- Programm durchgeführt wird. Durch eine Beseitigung der anonymen Kapitalsgesellschaften und scharfe staatliche Kontrolle des Dank- und Börsenwesens soll die verantwortungslose Spekulatton mit den Volkswirt- schändlichen Gütern der Nation unterbunden teer» ben. Ein Antrag, daß im Zusammenhang mit der Arbeitsbeschaffung die Arbeitsdienst- Pflicht emzuführen sei, wird mit 200 Stimmen flegen 198 Stimmen der Nationalsozialisten, Deutschnationalen und Deutschen Volkspartei ab* gelehnt. Angenommen wird auch der kommunistische Antrag auf Degstcuerung aller Einkorn- men über 12 0 0 0 Mark, und zwar mit 141 Stimmen der Sozialdemokraten und S o m- m uni ff en gegen 45 Stimmen der Deutschnationalen und Mittelparteien bei 34 Enthaltungen des Zentrums, während sich die Jl a - lionalsoz »allsten nicht an der Ab ft im- mung beteiligten. Der nationalfoz. Antrag auf Erklärung des 28. 3 u n i alsVolkstrauertag geht an den Verfassungsausschuh. Dann wird die Kulturaussprache fortgesetzt. Abo. Dr. S t a d l e r (Dnt.) verweist auf die geistige Auseinandersetzung in unserem Volke. Westlicher Liberalismus und Marxismus einerseits und germanisches Volkstum lägen im Kampf miteinander. Das Ziel des Gesamtnationalismus sei dabei die Erreichung des national-völkischen Staates. Die Entscheidung in diesem Kampf wäre längst zugunsten der nationalen Nechten gefallen, wenn nicht das Zentrum sich eine politische Schuld auferlegt hätte. Das Zentrum habe seine Herrschaft als Mittelpartei dauernd zugunsten der Linken ausgenuht. Es gehe jetzt darum, das Zentrum zu fragen, mit wem und gegen wen es regieren wolle, nicht aber Schwimmübungen zu machen. Es könne sein, daß das Zentrum die Brücke abgeben müsse, auf der die nationale Rechte zu ihrem sieg- reichen Kampf gege die Linke vorgehen werde. Es müsse wieder möglich sein, dieselbe Gemeinschaft auf nationaler Basis zu bilden, die sich an der Front im großen Kriege gebildet hatte. Abg. Frau o. Kule sza (D. 23p.) fordert verschärften Kampf gegen die Freidenkeroerbände. Die weltlichen Schulen hätten immer mehr einen anti- religiösen Charakter angenommen. Trotzdem erführen sie in einzelnen Gegenden eine Bevorzugung, die nicht zu dulden sei. Durch Aufhebung und Eingliederung in die allgemeine Volksschule könne eine Berührung mit dem christlichen Erziehungsgut wiederhergestellt werden. Abg. Dr. Haupt (Nats.) führt aus: Die junge sozialistische Generation rücke von den sozialdemokratischen Führern ab. Ein junger Sozialist habe kürzlich erklärt, daß Sozialismus eine heroische, aber keine lukullische Angelegenheit sei. (Sehr gut! bei den Nationalsozialisten. — Abg. Kube (Nats.): Potsdam und nicht Schwanenwerder!) Das Zentrum zeige keine Toleranz gegenüber den katholischen Volksgenossen, die für Nationalsozialismus kämpften. Das Zentrum habe auch noch keine Antwort erteilt auf die Frage, ob es in Zukunft für Deutschland oder gegen Deutschland sein wolle. (Händeklatschen bei den Nationalsozialisten.) Abg. Dr. Lauscher (Z.) erklärt, bei den Nationalsozialisten gibt es Persönlichkeiten, die eine fruchtbare Tätigkeit ihrer Partei für Staat und Volk zv sabotieren drohen. (Unruhe bei den Nationalsozialisten.) Wenn Sie einer großen Partei, die außerordentliches für das Volk geleistet hat, die deutsche Gesinnung absprechen, dann sind Sie Freo- ler am deutschen Volkstum. (Händeklatschen beim Zentrum.) Sie haben auch nicht das Recht den Sozialdemokraten den Vorwurf undeutscher Gesinnung zu machen. Abg. Veidt (Chrl. Soz.) weist die Angriffe gegen die Evangelische Kirche zurück. Aus den Kirchen seien immer gerade die Kräfte entwachsen, die in sozialer und kultureller Hinsicht sich als die tragenden erwiesen hätten, insbesondere in der Arbeiterschaft. Der Redner wendet sich besonders gegen die weltlichen Sammelklassen und ermahnt das Zentrum, nun durch Taten den Grundsatz friedlicher Zusammenarbeit der Konfessionen zu erhärten. Abg. Peperkorn (Nats.): Es wäre nicht einmal mit dem Marxismus so rasch bergab gegangen, wenn er nicht antireligiös gewesen wäre. Staats- Federmann. Äon Hans Ttiefcau. Die Schweiz. Mücke will verreisen. In die Alpen. „Komisch", sagt er, als er den Reiseführer studiert, „komisch eigentlich, daß es so verschiedene Sprachgebiete in der Schweiz gibt. Der deutsche Schweizer kann den französischen Schweizer nicht verstehen, und der französische Schweizer nicht den italienischen ..." „Gewiß", nickt Federmann, „und alle drei verstehen kein Wort von dem, was der sächsische sagt." Günstiger Einkauf. Fedcrmann geht in die Buchhandlung. „Das Text- buch für die Oper Romeo" von Gounod". sagt er. Der Buchhändler gibt ihm das Textbuch. „Romeo und Julie" steht darauf, „von Gounod". Federmann liest den Titel. „Ausgezeichnet", nickt er, „da ist ja die Julie auch gleich mit drin." Der Irrtum. Federmann und Mücke kommen vom Sommer- fest. Federmann und Mücke gehen, Arm in Arm, durch die Straßen. Mücke summt leise vor sich hin, Federmann summt etwas lauter vor sich hin. „Hören Sie mal", sagt da ein Schutzmann, „Sie dürfen nicht so laut sein, menq Sie nach Hause gehenI" „Haha", locht Federmann und schlägt dem Schutz- mann auf die Schulter, „wir gehen ja noch lange nicht nach Hause." Schwank. Mücke trifft Federmann. „Menschenskind", sagt er, ..wo kommst du her? Vom Frühschoppen? Du schwankst ja am hellen Mittag über die Straße. Reiß' dich doch gefälligst zusammen, zum Donnerwetter noch einmal!" „Ich?" fragt Federmann, „ich und schwanken? Ich schwanke höchstens, ob ich mir solche Unverschämt, beiten vor dir bieten lassen soll." Gegenteil. „Hör mal", fragt Mücke, „haft du nicht früher einmal in Finsterwalde gewohnt?" „Im Gegenteil", sagt Federmann, „in Lichterfelde." Die Uhr. Federmann hat einen Anfall von Kleptomanie gehabt. Federmann hat, er weiß selbst nicht wie, eine goldene Uhr gestohlen. und Dolkserhaltung ist nur möglich, wenn man die religiösen Kräfte des Volkes einschaltet. Ich erinnere an die Befreiungskriege, wo auch der Appell an dos religiöse Empfinden das deutsche Volk stark machte. Wir Nationalsozialisten dienen einer Bewegung, die noch dem Inneren des deutschen Menschen greift. Wir reißen erst die Lumpen von der Seele des deutschen Volkes. Wenn diese Lumpen herobgefoilen find, dan wird vielleicht der Augenblick nicht mehr fern sein, wo auch der Leib des deutschen Volkes wieder gesunden kann. Oie Kommunistenausschpeitungen in Moabit. Berlin, 24. Juni. (TU.) Don der Berliner Polizei wird darauf aufmerksam gemacht, daß eine Reihe von Blättern über die kommunistischen Ausschreitungen in Moabit in einer Weise berichtet Hobe, die mit den Tatsachen in keiner Weise in Einklang zu bringen sei. Daß die politischen Zusammenstöße in Moabit nur lokale Bedeutung hotten, geht aus folgenden polizeilichen Ausführungen hervor: In der Nacht zum Donnerstag ist aus einem ganz engen Bezirk von 23er- lin-Moabit das Straßenpflaster auf gerissen worden. Außerdem sind einige Verkehrshindernisse aufgebaut worden, die aber in keiner Weise den Ausdruck Barrikaden verdienen. Die Hindernisse seien auch als Schutzdeckung nicht geeignet gewesen. Die Polizei sei in allen Fällen Herrin de r Lage gewesen. In der betreffenden Nacht seien 22 Personen, die sich an der Errichtung der Hindernisse beteiligt hatten, sofort nach Ankunft der Polizei fest genommen war- den. Den ganzen Donnerstag über sei es in der betreffenden Gegend zwar noch etwas lebhaft ge- wesen. Zu ernsten Zusammenstößen sei es aber nicht gekommen. Nationalsozialistische Landtagsabordnung beim Reichsinnenminister. Berlin, 24. 3uni. (LU.) Amtlich. Eine Abordnung von Mitgliedern der nationalsozialistischen Fraktion des preußischen Landtages begab sich am Freitag in später Abendstunde z u dem Reichsmini st er des 3 n n e r n, um ihm aus den verschiedenen Gebieten zahlreiche Fälle von Uebersäl - len auf Parteiangehörige mitzuteilen und darüber eingehendes Material persönlich zu überreichen. Der Reichsminister des 3nnern nahm die Beschwerden entgegen und sagte zu, sich urw- gehend mit der Landosregiierung in Verbindung zu setzen. — Wie die „TU" hierzu ergänzend erfährt, ist es unrichtig, daß die Nationalsozialisten dem Reichsinnenminister ein Ultimatum «gestellt hätten, wonach sie bei einer Nichterfüllung ihrer Wünsche zur Selbsthilfe greifen würden. Dagegen ist es richtig, daß sie in der Unterredung auf den vollen Ernst der Lage hingewiesen haben. Kürzung her oberen Beamtengehälter in Anhalt. Dessau, 24.3uni. (WTB. Funkspruch.) Das neue anhaltische 'Staatsministerium hat eine Notverordnung beschlossen, die infolge der Kürzung derMini st ergehälter a u f 1 2 0 0 0 Mark im 3ahre notwendig wurde. Danach werden die Gehälter der Ministerialdirektoren, Präsidenten, Ministerialräte so gesenkt, daß sie unter der 1 2 000-Mark°Grenze der Ministersätze liegen. Litauens ersleAiederlage imSaag Der Gerichtshof erklärt fich für zuständig. Haag, 24. 3uni. (TU.) Der ständige 3nter- nationale Gerichtshof im Haag hat seinen Spruch in der Frage der von Litauen angezweifelten Zuständigkeit für die Entscheidung in den beiden letzten Fragen der Memelklage verkündet. Mit 13 gegen 3 Stimmen hat der Hof den litauischen Einwand verworfen und sich für die Entscheidung in dieser Frage für zu- ständig erklärt. Gleichzeitig hat der Gerichtshof „Ich verstehe Sie einfach nicht", schüttelt der Polizeikommissar den Kopf, „haben Sie, als Sie die Tat begingen, denn nicht an Ihre Frau gedacht?" „Wieso?" sagt Federmann, „es war ja eine Herrenuhr." Die Sabine. Federmann macht eine Dampferreife.. Als er sich an Bord eingerichtet und sein Gepäck verstaut hat, gibt es Frühstück, und dann wird zum Mittagessen gelautet, und bann trinkt er einen Cocktail, und dann kann er feine Kabine nicht wiederfinden. „Haben Sie sich die Nummer nicht gemerkt?" fragt der Steward. »Nein", sagt Federmann, „aber sie lag genau gegenüber von einem Leuchtturm." Ungeziefer. Federmann und Mücke machen einen Ausflug. Abends, im Wirtshaus, verpassen sie den letzten Zug. „Wir müssen hier übernachten", sagt Federmann. „Ausgeschlossen", wehrt Mücke ab, „in diesem Wirtshaus lege ich mich auf keinem Fall ins Bett." „Ader warum denn nicht?" fragt Federmann. „Wegen des Ungeziefers", sagt Mücke und fängt schon an, sich zu kratzen. .Komischer Kerl!" schüttelt Federmann den Kopf, „was brauchst du Rücksicht nehmen auf Menschen, die hier später einmal übernachten?" Oie schnellsten Züge. Berlin — Hamburg 96,1 Silometer Durchschnitt s- geschwindigkeit in der Stunde. An demselben Tage da auf der Avus in Berlin das Internationale Autorennen des ADAC, stattfand und Rekorde an Höchstgeschwindigkeiten vor einer Zuschauermenge von Hunderttausenden erzielt wurden, hat — kaum beachtet von der Außenwelt — auch die Deutsche Reichsbahn einen Rekord an Schnelligkeit zu verzeichnen gehabt, dem ein paar Worte zu widmen es sich wohl lohnt. Ein Geschwindigkeitsvergleich der schnellsten deutschen Züge in den letzten Jahren zeigt, daß die Deutsche Reichsbahn von einem Sommerfahrplan zum anderen stetig die Schnelligkeit des Personen- verkebrs in seinen Spitzenleistungen steigern konnte. In diesem Jahre weist der neue Sommerfahrplan Verbesserungen auf, die keinen Vergleich mit an- deren europäischen Eisenbahngesellschaften mehr zu scheuen brauchen. An der Spitze der schnellsten deutschen Züge steht jetzt der Berlin — Hambur- g er Hl). Zug, der für die 286,8 Kilometer lange ben 9. 3uii als letzten Zeitpunkt bestimmt, bis zu dorn die litauische Regierung eine schriftliche Darlegung über di« beiden Fragen einreichen kann. Bei diesen Fragen handelt es sich bekanntlich darum, ob die Ernennung des Direktoriums Sima>itis und die Auslösung des memelländischen Landtags ordnungsgemäß erfolgt sind. Mit der Entscheidung des Gerichtshofes hat Litauen die erste Niederlage in dem von England, Frankreich, 3talien und 3apan an- gestrengten Verfahren erlitten. Revolution in Siam. Das Ziel die konstitutionelle Monarchie. Berlin, 24. Juni. (CNB.) Die „Vossische Leitung" veröffentlicht einen telephonischen 23 e • richt der deutschen Fliegerin Marga v. Etzdorf aus Bangkok, wonach in der vergangenen Nacht in Siam eine Revolution ausgebrochen ist. Die königliche Familie fei gefangen genommen. Auf den Straßen von Bangkok jubele man den revoltierenden Soldaten und Matrosen zu, die sämtliche Straßenzüge besetzt halten. Ueberaü seien Tanks und Maschinen- gewehre aufgefahren: die Führung der Revolution liege offensichtlich in den Händen der Volks- partei, der sich Militärtruppen und Marine angeschlossen haben. Die Generalftabsoffiziers seien mit sämtlichen Mitgliedern der Regierung festgenommen, der Oberkommandierende der Armee, als er Widerstand leistete, erschossen worden. Die Revolution käme völlig überraschend. Bis zur Stunde sei noch nicht einmal der Name des Anführers bekannt. Es wurde die konstitutionelle Monarchie ausgerufen. Ein Kriegsschiff ist angeblich nachHuahin ausgelaufen, wo der König und die Königin sich in der Sommerfrische befinden, um sie nach Bangkok zu bringen. Der Telegraphen- und Telephonverkehr ist teilweise unterbrochen. Dagegen sind Ruhe und Ordnung aufrechterhalten, und die Ausländer sind völlig ungefährdet. Die Aufständischen wollen dem Verneh- men nach den Rücktritt des Kabinetts erzwingen, die Prinzen ausschalten und die absolute Regierungsgewalt des Königs beschränken. Die Sammlung des Bürgertums Bis nach den Neichstagswahlen vertage. Berlin, 24. 3uni. (CNB.) Vom Arbeitsausschuß zur Bildung einer zusammenfassenden bürgerlichen Partei geht uns folgende Mitteilung zu: Das Streben einer Reihe führender Männer des deutschen Geistes- und Wirtschaftslebens, unter Zurückstellung aller persönlichen und Parteiinteressen zu einem geschlossenen Vorgehen der bürgerlichen Wähler zu gelangen, hat zu vielseitigen Verhandlungen des Arbeitsausschusses mit Vertretern verschiedener Parteien geführt und Hunderte von zustimmenden Kundgebungen aus allen Teilen des Reiches zur Folge gehabt. Die Sammlung einer breiten, zum Kampf gegen Diktaturbestrebungen radikaler Massen entschlossenen nationalen staatsbürgerlichen Front ist die unerläßliche Voraussetzung dafür, daß Volk und Reich aus den schweren wirtschaftlichen und kulturellen Stürmen der Gegenwart herausgeführt werden. Das unveräußerliche Erbgut einer gesunden Selbstverwaltung des Staates muß durch die der Freiheit ihres Gewissens und ihrer Arbeit sicheren Bürger erhalten bleiben. —__ Die Feststellungen des Arbeitsausschusses haben zu der Erkenntnis geführt, daß unter dem Druck der bevorstehenden Reichstagswahl das weit gesteckte Werk der ange- strebten Sammlung nicht zu einer der Zukunftsbedeutung der Aufgabe entsprechenden Lösung gebracht werden kann. Weit über die Notwendigkeiten des Augenblicks aber steht dauernd das große Ziel der bürgerlichen Sammlung, die den Wählern eine geschlossene und kraftvolle Anteilnahme am politischen Leben ermöglichen soll. Für dieses große Ziel wird die aus dem Arbeitsausschuß e rwachsende Gemeinschaft einer ständig zunehmenden Zahl freier Persönlichkeiten des politischen, geistigen und wirtschaftlichen Lebens ihre Bemühungen fortsetzen und a u s b a u e n, um für diejenigen Entscheidungen den Boden vorzubereiten, die nach der Wahl vom 3 1. 3 u l i das deutsche Bürgertum zum Schuhe seiner politischen Freiheit zu treffen berufen sein wird. Aus aller Well. Schwere Ausschreitungen bei einer Pfändung. 3n Gillenbeuren an der Mosel kam es zu schweren Ausschreitungen, als ein Vollziehungsbeamter unter dem Schutz zweier Landjäger und eines Polizeibeamten Pfän dangen vornehmen und gepfändetes Vieh aus dem Stall holen wollte. Die Beamten wurden angegriffen und ihnen Sand in die Augen gestreut, so daß sie wehrlos wurden. Dann fielen die Einwohner mit schweren Gegenständen über die Beamten her und schlugen solange auf sie ein, bis sie ohnmächtig lieg en blie b e n. Sprengstoffanschlag auf eine Lehrerwohnung. Auf das Haus des Lehrers Gerken in dem Dorfe Osteel (Hannover) wurde nachts ein Sprengstoffanschlag verübt, und zwar warfen die Täter, nachdem sie eine Fensterscheibe zertrümmert hatten, einen Sprengkörper insZimmer, der explodierte und in dem Raum erheblichen Schaden an Möbeln und Wänden anrichtete sowie auch die Tur demolierte. Ein Brand, der infolge der Explosion ausbrach, konnte gelöscht toerben. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Die Täter konnten unerkannt entkommen. Die Motive der Tat sind vorläufig noch unklar, da sich Lehrer Gerke in keiner Weise politisch betätigte. Mieterschlacht in Idstein. In Idstein (Taunus) wohnen im früheren Hotel Nassau, einem jetzt städtischen Hause, zahlreiche Mieter, unter denen es zu einer regelrechten Schlacht kam. Die Ursache ist anscheinend die Neueinteilung des zu diesem Hause gehörenden Hofraume. Kurz nach der Anordnung über die Räumung des Hofes durch den städtischen Baubeamten, regnete es aus den oberen Stockwerken auf die unten Wohnenden Koch-undBlumentöpfe. Nach kurzem Wortwechsel wurden dann die gegnerischen Parteien handgreiflich. Ochsenziemer, Scheintodpistole, Axt usw. spielten hierbei eine gefährliche Rolle. Gen- darmerie und Polizei stellten die Ruhe wieder her. Ein Berliner Bauunternehmer unter Mordverdacht festgenommen. Die Berliner Mordinspektion nahm den 35- jährigen Bauunternehmer Bruno Matthe fest unter dem Verdacht, seine Wirtschafterin durch Veron al vergiftet zu haben. Am 19. Mai wurde in seiner Wohnung seine erste Wirtschafterin mit schweren Veronalvergiftungs- erscheinungen aufgefunden und ins Krankenhaus übergeführt, wo sie bald daraus gestorben ist. Damals hieß es, das Mädchen habe Selbstmord begangen. Matthe engagierte bald daraus eine neue Wirtschafterin. Gestern nachmittag wurde auch sie mit einer schweren Ve- ronalvergiftung ins Krankenhaus ein geliefert, wo sie in bedenklichem Zustand darnieder- liegt. Schneefall bei Bologna. Infolge von heftigen Niederschlägen und Gewitterstürmen macht fich in Italien ein erheb- licher Rückgang der Temperatur bemerkbar. Auf dem Äppennin bei Bologna hat es sogar heftig geschneit. In mehreren Gebieten werden Ueoerschwemmungen gemeldet. Eine Windhose hat in der Nähe von Venedig fünf Häuser ab- geberft. Ein Zementstreifen von etwa 80 Kilogramm ist über 200 Meter weit geschleudert worden. Strecke ohne Zwischenaufenthalt nur 179 Minuten, und von Hamburg nach Berlin 180 Minuten braucht. Die ganze Entfernung wird demnach mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 96,1 refp. 95,6 Kilometer in der Stunde zurückgelegt: die hierbei erreichten Höchstgeschwindigkeiten liegen Zwischen 110 und 120 Kilometer. Die Steigerung der Geschwindigkeit ist durch eine Neuregelung des Signalsystems ermöglicht worden, Die einem neuen Triebwagenoerkehr auf der Strecke Berlin—Hambura für den zur Zeit Versuche angestellt werden, dient. Die Durchschnittsgeschwindigkeit von 96,1 Kilometer in der Stunde auf eine relatio so große Entfernung darf wohl als eine Rekordleistung im Eisenbahnverkehr bezeichnet werden. Wir lassen nachstehend eine Zusammenstellung ber schnellsten deutschen Züge im Sommerfahrplan 1932 folgen: Berlin Lehrter Bf. — Hamburg Hbf. 286,8 Kilo- meter in 179 Min. = 96,1 Kilometer-Stunden. Breslau — Königszelt 48,4 Kilometer in 31 Min. = 93,7 Kilometer-Stunden. — Hamm 176,5 Kilometer in 116 Min. = 91,3 Kilometer-Stunden. A.T Hannover 254,1 Kilometer in 168 Min. = 90,8 Kilometer-Stunden. . Halle 161,7 Kilometer in 107 Min. = 90,7 Kilometer-Stunden. ~ Bremen 122,1 Kilometer in 82 Min. = 89,3 Kilometer-Stunden. Dortmund -- Hannover 207,5 Kilometer in 141 Mm. = 88,3 Kilometer-Stunden. Die zur Zeit schnellsten Verbindungen auf große (Entfernungen sind: 1 D * utsch l a n d: Berlin — München rd. 660 Kilometer in 9 Stunden = 73 Kilometer-Stunden. ?erlm — Königsberg rd. 590 Kilometer in 7% Stunden = 79 Kilometer-Stunden. Berlin — Köln rd 580 Kilometer in Stunden. Berlin - Franks furt a.M rd. 540 Kilometer In 6% Stunden - 80 Kilometer-Stunden. 3n 8 rankre ich: Paris — Bordeaux rd. 590 Kilometer in 63/< Stunden = 87 Kilometer-Stunden ?°7QStiünmT Ä ^0 Kilometer in 6% Stunden ^nA9Jr °m1eter’!5turn?zen- Paris - Straßburg rd. 500 Kilometer in 5K Stunden - 87 Kilometer- totunöen. 3n England: London — Edinburg rd 630 Kilometer in 8K Stunden = 76 Kilometer-Stunden. 3n Italien: Rom — Mailand rd. 665 Kilometer in 9K Stunden = 72 Kilometer-Stunden. IIW»W« ............ raaamumm— Oie Männerstadt. Die Engländer standen schon immer in dem Geruch. „speenig" zu sein: sie betreiben alles sportsmäßig, neuerdings sogar die Weiberfeindschaft. 3n der Nähe von Coventry ist ein großes Lager ausgeschlagen, ein richtiges Lager mit Holzhäusern und Zelten und allem Zubehör, auch der Stacheldraht fehlt nicht — man könnte glauben, ein Kriegsgefangenenlager fei aus Versehen übrig geblieben und werde jetzt vielleicht zur Unterhaltung und Belehrung öffentlich gezeigt. Aber der Stacheldraht, der um dieses seltsame Lager führt, soll nicht etwa die Bewohner des Lagers von Fluchtversuchen abhalten, sondern ganz im Gegenteil: Eindringlichen soll der Zugang unmöglich gemacht -werden. Unb zwar Eindringlingen weiblichen Geschlechts. Dutzende von Aufschriften zeigen nämlich, um was es sich hier handelt: um eine Gesellschaft von Männern, die keine Frauen bei sich dulden wollen. Keine Frau darf den Eingang zu diesem Lager passieren — unter gar keinen Umständen. Die dreihundertzwanzig Mann, die das Lager bevölkern — es werden übrigens von Woche zu Woche mehr! — wollen mit dem weiblichen Geschlecht nichts, aber auch gar nichts zu tun haben. Das geht so weit, daß es in den Satzungen dieser Lagergenossen strengstens verboten ist, die Wörter Frau, Mädchen, Gattin, Braut usw. überhaupt zu gebrauchen — nicht einmal gesprochen darf von den Frauen werden, auch nicht im abfälligen Sinn. Die englischen Blätter bringen Bilder aus dieser seltsamen Männerstadt, und ausführliche Berichte, und sie äußern mehr oder weniger deutlich die Meinung, daß die dreihundertzwanzig freiwilligen Zölibatäre wahrscheinlich deshalb von den Frauen nichts mehr wissen wollen, weil sie früher zu viel von ihnen gesehen und gehört haben. 3m übrigen soll es in dieser Lagerstadt sehr luftig zugehen. Die Männer kochen sich selbst, verrichten alle Arbeiten, auch die häuslichen, stopfen sich die Strümpfe und die Löcher in Hose und 3acke, unö versichern jedem, der es hören will: es geht auch so, und zwar ganz ausgezeichnet. Es ist ganz gut, meint ein sehr verbreitetes Londoner Wochenblatt, daß solcherart den Frauen einmal gezeigt wird, daß es auch ohne sie geht. Wir möchten übrigens wissen, fragte das Wochenblatt, wie die Gründung einer Frauen- ftabt unter den gleichen Modalitäten ausfallen würde. 3n der nächsten Nummer des Blattes anü wortete ein Leser: älnmöglich! Sie würden ein* ander schon in den ersten acht Tagen auffressen! Der Mann ist für Coventry reif! Aus -er Provinzialhaupiffadt. <» i . Red. Deutschland wird zur Zeit systematisch mit einem Filialnetz in- und ausländischer TinheitSprciS- geschäste überzogen. Diese Geschäfte nehmen die gangbarsten Artikel auS dem Gesamtbedarf heraus. überlassen den anderen Ladenbesihern die weniger leicht abzusehenden Qualitätswaren, die naturgemäß mit größeren Unkosten belastet sind. Sie erwecken durch dieses Geschäftsgebaren bei der unersahreren Kundschaft den Eindruck besonderer Billigkeit, während die übrige Geschäftswelt hierdurch als teuer, unmodern und rückständig erscheint. Manche Artikel, und zwar diejenigen, mit deren Normalpreisen die kaufende Bevölkerung vertraut ist, erhalten einen bescheidenen Ausschlag, andere Artikel dafür einen um so höheren. Der bescheik»ene Nutzen bei einem Artikel wird durch einen um so höheren bei anderen hereinaeholt! Durch diese Methoden erwächst der ganzen Volks- wirtschaft ein ungeheurer Schaden. Nicht hur. daß der Konsum immer mehr aus den Verbrauch billiger Massenfabrikate hingedrängt wird, deren Verschleiß sehr rasch vor sich geht und baldigen Ersah nötig macht, sondern auch der Staat, der Arbeiter, der Handwerker und die übrige Kaufmannschaft sind auf die Dauer die Leidtragenden. Die großen Aufträge der EinkaufSgesellschalten der Einheitspreisgeschäfte können von den Fabrikanten nur crusgesührt werden bei intensivster Rationalisierung der Betriebe, also durch Ersparung menschlicher Arbeitskraft und äußerstes Herab- drücken der Löhne. Auf der anderen Seite bleiben die lohnenden Aufträge der vielen kleineren Geschäftsleute aus. Es kann kein Gewinn mehr erzielt werden, die Arbeiter werden in ihrem Verdienst geschmälert, die ortsansässigen Gewerbetreibenden können nicht mehr in dem bisherigen Umfang Steuern ausbringen, immer mehr Existenzen werden vernichtet. Die ungeheuer große Wirtschaftsnot unserer Tage zwingt daher jeden einsichtigen Käufer dazu, sich auf das wirkliche und wahre Interesse unserer ganzen deutschen Volksgemeinschaft au besinnen und dort zu laufen, wo er nicht nur billig, sondern auch Qualitätswaren kauft, deren Herstellung und Absatz auf die ganze Wirtschaft befruchtend wirkt. Die Stunde ist ernst! Möge jeder sich überlegen, was er tut. Es geht um Euch alle! Etatberatung im Gießener Stadtrat. Am nächsten Mittwoch, 16.30 Uhr beginnend, findet im Sitzungssaal des Stadthauses, Bergstraße, eine öffentliche Stadtrats- Sihung statt. Hauptpunkt der Tagesordnung ist die Beratung des städtischen Voranschlages für das Rechnungsjahr 1932. Ferner wird sich der Stadtrat u. a. mit der Errichtung von Klein st- Wohnungen beiderseits der Krofdorfer Straße zu beschästigen haben. Wahllokale auf Bahnhöfen. Amtlich wird mitgeteilt: Bei der Reichstagsmahl werden für den Jnlandreiseoerkehr über weite Strecken und für die am Wahltage nach dem Ausland fahrenden, oder vom Ausland zurückkehrenden Jnlandsdcutschen auf wichtigen Bahnhöfen Wahlinöglichkeiten geschaffen werden. Es handelt sich dabei um besondere Einrichtungen für solche Reisende, die vor Antritt oder nach Beendigung der Reise innerhalb der allgemeinen Abstimmungszeit (8 bis 17 Uhr) von den gewöhnlichen Abstimmungsmöglichkeiten keinen Gebrauch machen können. Gleichzeitig wird damit dem am Wahltage in den Fernzügen diensttuenden Beamten der Reichsbahn und der Reichspost, sowie den Angestellten der Mitropa und der Internationalen Schlaf, und Speisewagengesellschaft Gelegenheit zur Ausübung ihres Stimmrechts eröffnet. Die Bahnstationen und die näheren Bestimmungen über die Stimmabgabe im Reiseverkehr, besonders die für die einzelnen Bahnstationen in Betracht kommenden Abstimmungszeiten, werden noch bekanntgegeben werden. •• Rückkchr unseresDatai Iton s vom Truppenübungsplatz. Unser Bataillon wird am kommenden Montag, 27. Juni, vom Truppenübungsplatz Ohrdruf kommend, um 1 4. 5 3 11 ß r auf dem Bahnhof Gießen cintreffcn. Nach der Ausladung wird das Bataillon in geschloffener Formation nach den Kasernen marschieren. Bei dem guten Verhältnis zwischen unserer Garnison und der Bürgerschaft wird den Soldaten zweifellos wieder ein herzlicher Empfang bereitet werden. *• Don der Technischen Hochschule Darmstadt. Zum Rektor der Technischen Hochschule Darmstadt für die Zeit vom 1. September 1932 bis 31. August 1933 ist der ordentliche Prc- fessor Dipl.-Ing. Dr. T h u m gewählt und vom ®i» samtministerium bestätigt worden. — Professor Dr. Ernst Berl ist eingeladen worden, in London urö in Oesterreich, sowie an der Preußischen Geolog - schen Landesanstalt in Berlin Dorträge über d e Arbeiten zu halten, welche von ihm und seinen Mitarbeitern in dem von ihm geleiteten Chemisck- Technischen Institut der Technischen Hochschule Sarmftabt ausgeführt worden sind. " Die Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei gewöhnlichen Preisen geöffnet. "Zwei entlaufene Gießener Schüler aufgegriffen. Gestern mittag konnten in Frankfurt a. M. zwei entlaufene Schüler im Alter von 16 und 12 Jahren durch die Polizei aufgegriffen werden. Sie kamen aus Gießen und hatten ihr Elternhaus ohne Erlaubnis mit Fahrrädern verlassen. Die beiden Schüler wurden zunächst der Jugendbleibe zugeführt. *’ Der diesjährige Gleibergtag, das bekannte Sommerfest des Gleibergoereins, findet am Sontag, 3. Juli, nachmittags auf der Burg Gleiberg statt. Es wird ganz auf die heutige Zeit abgestimmt sein und den Charakter eines Dolks- und Heimatfestes im wahren Sinne des Wortes tragen. Die Musik wird von der Krofdorfer Ka- pelle ausgeführt. Während im vorigen Jahre die Damenabteilung des Turnvereins Krofdorf mitwirkte, haben in diesem Jahre die Mädchengruppe des Dolksbildungsausschusses, sowie der Mandolinenklub in Wißmar und der Gesangverein in Dorlar ihre Mitwirkung zugcsagt. Außerdem steht noch die Mirtwirkung der Damenabteilung eines anderen Turnvereins in Aussicht. Zum ersten Male werden auf dem Fest die Heimatlieder des Olei- L-erg Derein» erklingen, die gedruckt sind und zur Verteilung gelangen. Außer der üblichen Schießbude und Wurfbude werden auch der (Fierlauf und das Kasperltheater, sowie der Klcticrbaum nitch fehlen, so daß jung und alt in ländlich-sittlicher Weife Genuß finden kann. Der Reinertrag der Veranstaltung dient der Unterhaltung der Bury, so daß der Deranstaltung bester Erfolg zu wünschen ist. •• Zuteilung von Bauspargeldern. Die Oefsentliche Bausparkasse für Hessen (Abteilung der Landeskommunalbank-Glrozentrale für Helsen) in Darmstadt nahm m Anwesenheit einer Anzahl von Bausparern ihre 5. Baugeldzuteilung vor. Ausgelost und zugeteilt wurden diesmal 147 000 Mark an 35 Bausparer, so daß nunmehr nach ungefähr 2j^hrigem Bestehen der Bausparkasse im Ianzen 435 000 Mark an 89 Bausparcr ausgelost inb. Die nächste Baugeldzuteilung findet voraus- ichtlich Anfang November statt mit Stichtag 31. Oktober 1932. Zuteilungsberechtigt sind alle Bausparer, deren Dertrag spätestens am 1. August 1932 (bei Tarif 18 am 1. Juli 1932) beginnt und mit Einzahlungen nicht im Rückstand find. Schöffengericht Gießen. * Gießen, 24. Juni. Am 26. Februar gegen 7 11 hr waren ein junger Landwirt und sein Knecht auf der Straße Kloppenheim—Okarben mit je einem Pferdefuhrwerk hintereinander: sie gingen jeder neben den Pferden. Ein Lastkraftwagen mit Anhänger überholte von hinten zuerst den Knecht mit feinem Fuhrwerk. Sofort hiernach bog der Fahrer scharf rechts ein, so daß der Knecht zur Seite springen mußte, um nicht angefahren au werden. Er sah dann, daß der Autoführer bei dem etwa 50 Meter vor ihm befindlichen Landwirt es genau so machte und daß dessen Pferde plötzlich stehen blieben. Er lief bin; sein Dienstherr lag einige Meter vor den Pferden tot auf der Landstraße. Der Kraftfahrer, der inzwischen unerkannt weitergefahren war, hatte ihn offenbar mit dem Anhänger zu - fammengerlffen. Er wurde ermittelt und heute nach eingehender Beweisaufnahme zu drei Monaten Gefängnis wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Kleine Strafkammer Gießen. • Dießen, 24. Juni. Wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und v e r- b ole ne r Waffenführung waren nach einem Zusammenstoß mit politischem Hintergrund Angehörige verschiedener Parteien vom Schncll- richter in Dießen zu Freiheitsstrafen verurteilt worden. .Zwei von ihnen, die wegen Körperverletzung mit gefährlichem Werkzeug zwei und drei Wochen ''Gefängnis erhalten hallen, verfolgten dagegen Berufung. Auch heute wurde in umfangreicher Beweisaufnahme festgestellt, daß der eine, nachdem er mit einem Misthaken ein Wahlplakat von einem Baum heruntergerissen hatte, mit diesem Haken einem Gegner auf den Kopf schlug, während der andere mit einem Gummischlauch, den er einem Gegner aus der Tasche gezogen hatte, einen andern Angehörigen der feindlichen Partei verprügelte. Die Berufung des ersten wurde zurückgewiesen, die Strafe des zweiten auf zwei Wochen Gefängnis ermäßigt. Bei einem Dratis-Kakao-Ausschank zu De- klcrmezwecken hatte der Vertreter einer Kakaofirma angeordnet, daß der in eine verschlossene Milchkanne gefüllte Kakao vor Beginn des Ausschanks auf dem Herd erh'ht wurde. Beim Ocff» nen wurden durch die herausspritzende heiße Flüssigkeit einige Frauen nicht unerheblich verletzt. Gegen das Urteil des Amtsgerichts, durch das er wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt worden war, verfolgte der Angeklagte Berufung. Er wollte sich darauf hinaußreden, nicht er sei verantwortlich, sondern das Küchen Person al, das ihm (aus Gefälligkeit) geholfen habe. Die Strafkammer konnte diesen Einwand nicht gelten lassen: da indessen die Fahrlässigkeit gering erschien, wurde die Geldstrafe auf 2 0 Mark ermäßigt. Freigesprochen trotz erheblichem Verdacht wurde eine Rentenempfängerin, die wegen Rückfalldieb st ahls zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Sie sollte ihrer Z-mmervermieterin zweimal Geldbeträge entwendet haben. Heute, wie vor dem Einzelrichter, bestritt sie mit einem großen Wortaufwand jede Schuld. Da die, wenn auch entfernte. Möglichkeit besteht, daß das Geld von einer andern Person entwendet worden ist, wurde das erste Urteil aufgehoben. GroßesJugendgericht Gießen * Gießen, 24. Juni. Zum ersten Male feit dem Inkrafttreten des Jugendgerichtsgesehes (l.Juli 1923) trat gestern das Große Jugendgericht der Provinz Oberhessen unter dem Vorsitz des Jugendrichters, Amtsgerichtsrats Gros, zusammen, um gegen den nunmehr 17jährigen R. Sch. aus Lauterbach zu verhandeln, dem das Verbrechen des M e in e i d s zur Last gelegt wurde. Die Staatsanwaltschaft vertrat Staatsanwalt Schneider, die Verteidigung führte Rechtsanwalt Zimmer. Das Große Jugendgericht ist zuständig für Straffachen gegen Jugendlichen, die bei Erwachsenen zur Zuständigkeit des Schwurgerichts oder des Reichsgerichts gehören. Der Angeklagte war bisher Mitglied der Kommunistischen Partei. Rach einem im Oktober 1931 von den Nationalsozialisten abgehaltenen „Deutschen Abend" begab er sich in der gleichen Nacht u. a. mit seinem Bruder und dem Onsgruppen- führer der Lauterbacher Kommunisten, dem Arbeiter O., auf die Straße, um auf dem Pflaster mit Pinsel und Farbe Aufschriften zum Zwecke der Gegenpropaganda anzubringen. Hierbei wurde er ertappt, während die anderen entflohen, denen er beim Schmieren behilflich gewesen war. Er benannte alsbald vor der Gendarmerie die Mitschuldigen, die daraus einen Strafbefehl wegen groben Unfugs erhielten. Mit Ausnahme des genannten Ortsgrupvenführers ließen die Beteiligten die Strafbefehle rechtskräftig werden. Ersterer jedoch erhob Einspruch. Der als Zeuge vernommene jugendliche R. Sch. beschwor darauf vor dem Amts^richt Lauterbach, obwohl er noch wiederholt zuvor dem chn vernehmenden Gendarmeriebeamten den wahren Sachverhalt geschildert hatte, .daß er die Leute, die beim Schmieren bei ihm gewesen seien, nicht kenne, daß er nicht wisse, wer beim .Malen" zugegen gewesen sei, daß er auch nicht wisse, ob O. dabei gewesen sei, und es sei auch von keiner Seite Das große Sterben in der Welt des Zirkus. OasEnde einer romantischenKunft.- Millionenverluste für die deutsche Wirtschaft. 33on Dr. A. 6. STober. Dr. A. H Kober ist lange Jahre mit den Riesenzirkussen barrasani und Earl Hagen- deck um die West gereist und ist einer der besten Kenner des modernen Wanderzirkusies. In diesen Tagen gibt e a r r a f a n t bekannt, daß er seinen Betrieb auflösen wird: diese Nachricht kommt von Holland. Dort hot Sarrasani. nachdem er in Norddeuiichland kein Geschäft gemacht hatte, [ein Glück versucht. Vergeblich: auch in Holland, überall heute, sind schlechte Zelten für den Zirkus! Man kann in Neapel mit einem Zirkus Pleite machen, wie kürzlich der bekannte »Löwen-Kapitän" Alfred Schneider, man kann es in Frankreich, wie neulich der deutsche Zirkus Barum, in Skandinavien, — sogar in den gelobten USA.: in ollen Ländern der Erde brechen Zirkusie zusammen. Wo liegen die Gründe für dieses Massensterben? Rann dem Zirkus überhaupt noch geholfen werden, und mit welchen Mitteln? Das sind Fragen, die heute nicht nur die Zirkus-Direktoren, die Tausende von Artisten, denen der Zirkus als Arbeitsstätte nie durch das Dariets ersetzt werden wird, bewegen, — sondern auch die Millionen von Menschen, die sich am bunten Zauber des Manderzir- kus erfreut haben und — nicht zuletzt — auch die zahllosen Fabrikanten, Lieferanten, Behörden, die am gutgehenden Zirkus immer gut verdient haben! Zunächst einmal möchte ich — aus langjähriger Erfahrung in verschiedenen Ländern und Erdteilen — feststellen, daß e l n Grund, der vielfach für das Sterben der Zirkusse angeführt wird, nicht richtig ist, die Annahme nämlich: der Zirkus habe sich überlebt Das stimmt ganz gewiß nicht! Wer, wie ich, erlebt hat: wie Tausende schaulustiger Menschen stundenlang vor einem Zirkuszelt stehen, mit fiebernden Wangen auf die herausklingende Musik lauschen, mit heißen Blicken jedem nachsehen, der sich noch ein Billett leisten kann und hinter der Gardine verschwindet, wer das erlebt hat — in Deutschland, Frankreich, Schweden, Amerika — der weiß: die alle Freude am romantischen Zirkuszauber lebt noch immer! Es ist also zuerst einmal di« allgemeine schlechte Wirtschaftslage, die sich auch auf den ZirkuS ausw.rlt! Ein großer Wanderzirkus konnte früher für ©ametag—«Sonntag mit einer Einnahme von 33 000 Mark rechnen, und das mußte er denn seine Lagerspesen beliefen sich au, mindestens 6 000 Mark! Heute haben sich die Spesen beträchtlich vermehrt, imb zwar aus folgenden Gründen. Die Zirkusse haben heute eine ganz andere Konkurrenz von VarietSS, Kino-Vari«t6s, Revuen, sie wurden gezwungen, die Scharen ihrer Artisten und Tiere zu vergrößern, mehr auf die Ausstattung zu geben, kur;: das Programm wurde viel teurer! Damit verteuerte sich auch gleich der Transport eines solchen WanderunternehmenS: und was .Transport" beim Zirkus bedeutet, begreift der Laie nur schwer: ich habe oft erlebt, daß unser Zirkus, wenn er in einer neuen Gastspiol- Vtadt ankam, 20—40 000 Mark Transportkosten auckgegeben hatte, ehe die erst« Mark in di« Kasse gekommen war. Und das war innerhalb Deutschlands! Wie solche Reiserech- nungen aussehen, wenn es sich um Expeditionen nach dem Auslande oder gar nach Uebcrfce handelt, kann man sich danach ausmalen. 6 a r r a » sanis Transport nach Südamerika kostet« 20 000 englische Pfund gleich 400 000 Gvlb- mark! Gestiegen sind heute auch alle Platzgelber, Spesen für Licht. Was'er, Kraft: daS Anschlägen von Plakaten, b'e Ausstellung von Plakattafeln wird von vielen Städten als Gelegenheit zu einer bequemen und hohen Einnahme ausgenuht. Allein allem: Mil 10 000 Mark Tagesspesen muß ein großer Wanderzirkus heute rechnen! Und da er leider ebenso sicher rechnen kann, daß er 10 000 Mark heute nirgends und nie a-18 tägliche Durchschnittseinnahme bekommt, ist die Verlustrechnung ganz klar! Alle diese Schwierigkeiten gelten in ganz besonderem Ausmaße für den deutschen Wanderzirkus! Ich habe mein Buch: ..Rund um die Manege" demjenigen Manne gewidmet, der im deutschen Reichstag die erste Rede dafür halten würde, daß man amtlicherseits dem Zirkus, als einem Volkskildungs- und Volksunierha't'mgS.Institut ähnliche Förderung angedeihen lasse, wie dem Theater ... Leider hat sich der Tlann, der diese Rede hielt, — bis heute nicht gefunben! Aber inzwischen sind etwa 40 deutsche Zirkusse eingegangen, 40 Drotstätten für Taufende von Artisten, Angestellte, Arbeiter, 40 Derdienst- ftätten für zahllose Fabrikanten und Lieferanten, 40 Cteuerquellen für Reich und Gemeinden! Zusammengebrochen sind alte Zirkusse, wie Dlumen- selds. deren Geschäft über hundert Jahre alt war, Eorty-Althoff, der mehr als siebzig Jahre erfolgreich gearbeitet hatte, Mittelgeschäfte, wie Zirkus Lorch und Zirkus Dirkeneder: Unterneß- auf ihn eingewirkt worden, was er jetzt sagen solle. Bei dem Hauptwachtmeister habe er eine falsche Aussage gemacht, weil er sich eingeschüch- tert gefühlt habe und er allein gewesen sei." Aus Grund dieser Aussage wurde O., der die Unwahrheit derselben kannte und in dessen Gegenwart sie vor Gericht gemacht wurde, frei» gesprochen. Der Angeklagte ist nunmehr in vollem Umfange geftänbig, daß alles» waS er vor dem Amtsgericht Lauterbach auf seinen Eid genommen hat, unwahr ist. In glaubhafter Weise schilderte er und sein Bruder, in welcher Weise, zum Teil bureb Drohungen, vor der Eidesleistung auf ihn eingewirkt worden ist. Die der Anstiftung -um Meineid Verdächtigen haben deshalb schon längere Zeit in Untersuchungshaft gesessen. Die Verhandlung, in der die damals amtierenden Gerichtspersonen, sowie eine ganze Anzahl weiterer Personen vernommen wurde, endete mit der Freisprechung des Angeklagten. Das Gericht nahm an, daß eine strafbare Handlung trotz erwiesenen und in vollem Umfange vorliegenden Geständnisses des Angeklagten nicht vorhanden ist, weil der Jugendliche durch Drohungen älterer Parteigenossen, die mit einer gegenwärtigen, auf andere Weise nicht abwendbaren Gefahr für seinen Leib ober sein Leben verbunden waren, zu dem Meineide genötigt worden ist. Die Kosten des Verfahren- wurden der Staatskasse auferlegt. Es ist anzunehmen, baß nunmehr zunächst baS Strafverfahren gegen O., zu dessen Gunsten sich der Angeklagte R. Sch. der vorsätzlichen Verletzung der Eidespflicht schuldig gemacht hat, im Wiederaufnahmeverfahren wieder ins Rollen kommt. öer Chefarzt des Nauheimer Konihkyftifls. * Bad-Nauheim, 24. Juni. Zum Ehef» arzt des Konitzkystists wurde durch die von dem Stadtrat dafür besonders bestellte Kommission Professor Dr. L u e g - Berlin gewählt. Er wird neben der von ihm hauptamtlich zu versehenden Chesarztstelle des Konitzkystists nebenamtlich die Leitung der Untersuchungsabteilung des kerckhoff- Herzforschungs-Jnftituts als Vorstand dieser Abteilung übernehmen. Dr. L u e g ist am 21. Juli 1893 zu Unna i. W. geboren. Er studierte an den Universitäten Münster, Heidelberg und Berlin und legte im März 1920 llt Berlin das medizinische Staatsexamen ab. Bis Ende 1922 war er als Assistent an der 1. Medizinischen Klinik Berlin tätig. In den Jahren 1923 und 1924 mungen fleißiger Artisten, die sich mit zäheste* Energie ßerauTgcarbcüel hatten, — zusammen gebrochen sind Zirkus Schneider, der mit feinen 100 Löwen einzigartig auf der Welt war, Zirkus Barum, Zirkus Amarant, Geschäfte von imposantem Umfange, mit vielen Artisten und Tieren, gang zu schweigen von den vielen kleinen Familien- Zirkussen, die massenhast, irgendwo, gleichsam unter Ausschluß der Ocfientlidtkil, verendet sind! Leider muß der Kenner der Verhältnisse fest stellen: Es brauchte nicht so schlimm zu kommen! Es ist an den deutschen Zirkussen gesündigt worden! — Während jede Kommune sich eine Ehre daraus machte, ihrem Theater durch Zuschüsse zu Helsen, preßte man aus dem Zirkus an Abgaben und Steuern heraus, was überhaupt nut • herauszupressen war. Ich selbst habe erlebt: baß in einer großen norb- deutschen Stadt die Spielerlaubnis für einen Wanderzirkus davon abhängig gemacht werden sollte, daß dieser Zirkus soundsoviel tausend Mark — an daS Stadttheater zahlen sollte! Keine Behörde, keine Bank, kein Mensch Hal einem Wanderzirkus Kredit gegeben! Bon dem fianjen Dollarsegen, bet seinerzeit auf Deutsch- and herniederging, von all den Anleihen ist nichts beim Zirkus hängen geblieben... älnb ich kann mit gutem Gewissen sagen mancher von diesen Zir- kusleuten, von diesen alten, einfachen Sanbftraßcn- Häuptlingen, bei denen Wort noch Wort, und Ehre noch Ehre gilt, hätte besser und gewissenhafter mit einem Darlehen gewirtschaftet, als mancher .Generaldirektor"! Man hat also die deutschen Wanderzirkusse nicht gefördert... Man hat sie auch nicht einmal geschont! Keinerlei Erleichterungen sind ihnen gewährt worden, rücksichtslos hat man von ihnen die LustbarkeitSsteuer — die berüchtigte Eftrabestrasung des ganzen deutschen Vergnü- gungSgewerbesl — «innetricben. Früher konnte ein Wanderzirkus leicht über bl« Grenzen wandern, sich ein Arbeitsfeld suchen. Diese goldenen Zeiten der Freizügigkeit sind vorbeil — Gewiß: man kann mit einem ZirkuS nach Wien gehen, - wenn man nämlich für die Kassen deS Wiener Steuergewaltigen, des StadtrateS Breitner, arbeiten will, der die LustbarkeitSsteuer — bis au 25 Prozent von der Bruttoeinnahme erhebt! Ebenso ergeht eS dem Wanderzirkus in der Tschechoslowakei und in Polen. Andere Staaten wieder lassen fremde Zirkusse nur unter sehr erschwerenden und teuren Bedingungen zu. Ein ganz großes älnglüd für die Wanderzirkusse bedeutet aber heute die Isolierung Rußlands, wo eS nur noch StaatSzirkusfs gibt Rußland war vor dem Kriege das denkbar beste Arbeitsfeld für Zirkus- unterneßmer toie für Artisten, und daS Auge jedes ZirkuSmenschen leuchtet, wenn er von feinen russischen Gastspielen berichtet. Heute: vorbei, aus! — Rußland hat sich den StaatS- z i r k u s geschaffen und hat damit als erster Staat die national-pädagogische Wichtigkeit des Zirkus- seS anerkannt und ausgenützt: aber der Wanderzirkus als internationale Arbeitsmöglichkeit hat damit einen neuen furchtbaren Schlag bekommen. Der deutsche Zirkus, dem das Ausland verschlossen ist, befindet sich in derselben Lage wie eine Industrie, der die Exportmöglichkeit benommen ist. In solchen Fällen pflegt man Staatshilfe einzusctzen. Beim Zirkus denkt man natürlich nicht daran ... Was ist schon ein Zirkus? — Nun, ich will es hier noch einmal sagen: ein Unternehmen von hoher volkswirtschaftlicher und von hoher nationalpada- gogischer Bedeutung! Wenn ich nur die zehn größten deutschen Wanderzirkusse nehme — Sarrasani, Krone, Carl Hagenbeck, Straßburger, Barum, Jakob Busch, Schneider, Eorty-Althosf, Amarant, Blumen- seid —, bann haben sie zusammen einen Tagesetat von 60 000 Marsi d. h.. Innerhalb ihrer 8 Monate Spielzeit einen Aus- gabenelal von etwa 14% Millionen Mark! Darin stecken noch nicht die Anschaffungen, deren Wert jährlich ebenfalls in die Millionen geht, und dazu kommen dann noch alle die kleinen Zirkusse, deren Ausgaben sich auch summieren und noch einige Millionen ergeben! Und diese Millionen — das ift Geld, das im wahrsten Sinne des Wortes ins Rollen gebracht wird, das wirklich umläuft, zwischen Artisten und Ctadtleuten, zwischen Direktoren und Lieferanten, zwischen Stadt und Land! Aber nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell kann der Wanderzirkus fehr bedeutsam sein! Rußland hat erkannt, daß im Zirkus viele psychologische, zoologische, ethnologische, technische Lehrmöglichkeiten stecken, daß man dem politischen Clown eine wichtige Rolle geben kann. In Deutschland ist man mit seinen amtlichen Erkenntnissen noch nicht soweit gekommen. So wird nun also das große Massensterben der deutschen Zirkusse weilerwüten — und mit ihnen gehen dahin: wirtschaftliche Werte, erzieherische Werte — und ein Stück von jener Romantik, die wir alle einst geliebt haben und heute noch lieben! arbeitete er am Physiologischen Institut der Universität Leipzig. Am 1. Januar 1925 ging er als Assistent an die Medizinische Klinik in Jena und habilitierte sich dort im Juni 1926 für das Fach der inneren Medizin. Am 1. Oktober 1926 kehrte er nach Berlin an die 1. Medizinische Klinik zurück. Dort war er bis jetzt als Privatdozent und zuletzt als 1. Oberarzt und Vertreter des Chefs der Klinik, Herrn Geheimrats His, tätig. Professor Dr. Lu eg wird seinen Dienst in Kürze antreten. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 26. Juni, 20 bis22.30 Uljr: „Das Land des Lächelns". — Montag, 27., 19.30 bis 2230: „Der Freischütz". — Dienstag, 28., 19.30 bis nach 22.30: „Die schöne Helena". — Mittwoch, 29., 19.30 bis 22.30: „Die Zauberflöte^. — Donnerstag, 30., 20 bis nach 2230: „Die Magd als Herrin", „Der arme Matrose", „Die spanische Stunde". — Freitag, 1. Juli: Ge-i schlossen. — Samstag, 2-, 20 bis 22.30: „Das Land des Lächelns". — Sonntag, 3., 19.30 bis gegen 23: „Aida". Schauspielhaus. Sonntag, 26.Juni, 20.15 bis 23.30 Mr, Freilichtaufführung auf dem Aömerberg: „Geschichte Gottfriedens von Der» lichingen m. d- eisernen Hand" (älrgöh) (bei ausgesprochen schlechtem Wetter von 20-15 bis gegen 24 Uhr im Schauspielhaus). — Montag, 27., Dienstag, 28-, jeweils von 20 bis 22.30: „Wetter veränderlich". — Mittwoch, 29., 20.15 bis 23.30, Freilichtaufführung auf dem Aömerberg: „Geschichte Gottfriedens von Derlichingen mit der eisernen Hand" (Ur^öh) (bei ausgesprochen schlechtem Wetter, im Schauspielhaus, 20.15: „Wetter veränderlich").—Donnerstag, 30., 15 6.18.30 (Schuler- vorstellung): „Geschichte Gottfriedens von Verlr- chingen mit der eisernen Hand" (Alrgöt)); 20.30 bis 23: „Wetter veränderlich". — Freitag. 1. Juli, 20 bis 22.30: „Wie heißt das Stück?". — Samstag, 2., Sonntag, 3., jeweils von 20.15 bis 23.30 (Freilichtaufführung auf dem Aömerberg): „Geschichte Gottfriedens von Derlichingen mit der eisernen Hand" (Llrgötz) (bei ausgesprochen schlechtem Wetter im Schauspielhaus von 20.15: „Wetter veränderlich"). „Aheinfranken^ Faustballmeister der Llniversiiät. Auf dem Universitätssportplatz standen sich gestern Nachmittag je jwei Mannschaften zum Kampf um die Teilnahme am Endspiel um die Faustballmeister- fchaft der Universität gegenüber N a s s o v i a und A d e l p h i a, sowie Rheinfranken und Wingolf traten zu den Spielen der Zwischenrunden an. Zwischen den Mannschaften entwickelten sich spannende Kämpfe, und besonders im Spiele zwischen Rassovia und Adelphia lieferte man sich ein hartnäckiges Spiel und einen Kampf Punkt um Punkt. Bei Halbzeit lagen die Adelphen mit 14:13 Punkten voran. Nach der Pause kamen aber die Gegner wesentlich auf, sie spielten nun weitaus sicherer und konnten sich bis zum Schluß mit 35:25 Punkten für das Endspiel qualifizieren. Im Spiel Rheinfranken gegen Wingolf waren die Rheinfranken von Anfang an die Besseren und führten dementsprechend bereits zur Halbzeit sicher mit 23:12 Punkten. Auch in der zweiten Spielhälfte änderte sich an dieser Tatsache nichts. Mit 55:30 Punkten stellten die Rheinfranken den Endspielteilnehmer. Rassovia — Rheinfranken. Im Anschluß an die beiden Spiele der Zwischenrunde traten nun die beiden Siegermannschaften zum Spiel um die Endrunde an. Beide Mannschaften erschienen ziemlich gleichwertig und es fiel schwer, zu sagen, wer der bessere Teil ist. Es wurde ein sehr lebendiges Spiel gezeigt, man spielte mit aller Energie und Vorsicht. Bei Halbzeit lagen die Chancen auf Sieg noch völlig gleichverteilt, obwohl die Rheinfranken um einiges sicherer zusarnmen- arbeiteten. Mit 13:13 Punkten wurden die Seiten gewechselt. Während der zweiten Spielhälfte schoben sich die Rheinfranken aber in den Vordergrund, sie führten bald mit 5 Punkten und hielten diesen Vorsprung geraume Zeit und erst gegen Schluß des Spieles, als die Mannschaft der Rassovia sichtlich etwas nachließ, gelang es den Rheinfranken die Punktzahl etwas zu erhöhen um schließlich mit 32:24 Punkten als verdienter Sieger hervorzugehen. Damit hat sich die Mannschaft der Rheinfranken (Trapp E., Reinhard, Ploch: Runge, Loh) die Faustballmeisterschaft der Universität gesichert. Faustball im Männer-Turnverein. Ebenso wie in den vergangenen Jahren, konnte auch bei den diesjährigen Faustball-Verbandsspielen die erste Turnerinneninannschast des Gießener Männerturnvereins wieder die Gaumeisterschaft erringen. Die Mtv.erinnen haben infolgedessen am kommenden Sonntag den Gau Hessen bei den Gau- verbandsnieisterschaften in Offenbach, den Vorentscheidungen für die Kreismeisterschaftskämpfe in Trier, zu vertreten. Im vergangenen Jahre konnten die Gießenerinnen hinter dem JG.-Sportverein Frankfurt einen ehrenvollen zweiten Platz einnehmen, und konnten durch ihre Siege die bekannten spielstarken Vereine Tv. 1860 Frankfurt und Tv. Bad-Homburg auf den 3. bzw. 4. Platz verweisen. Die Mtv.-Mannschaft spielt zwar in der altbewährten Aufstellung, wie im vergangenen Jahre, hat iedoch noch nicht ihre vorjährige Spielstärke erreicht. Man wird deshalb dem Ausgang der Gauverbandsrunde mit Spannung entgegensehen können. Der Gießener Männerturnverein stellt folgende Mannschaft: Anni Bickelhaupt, Ria Schwan; Paula B ü r ck, Paula Hofmann. Liefe! Hofmann. Gommersporttag der Lugend Jugendtreffen auf dem Sportplatz der Spielvereinigung. Der Derbandsjugendausschuß des WSV. hat vor einiger Zeit die Anregung gegeben, in der Sommerpause des Fuß- und Handballsportbetriebs, die jugendlichen Mitglieder der Vereine auf eine andere Weife zu beschäftigen. Die Pause soll nicht das völlige Ruhen des Sportbetriebs zur Folge haben, sondern den Jugendlichen Gelegenheit geben, sich zur Abwechslung auch einmal in anderer Form sportlich zu betätigen. Die Gaujugendleitungen wurden infolgedessen vom Verband verpflichtet, Jugendsportfeste in die Wege zu leiten. Mit diesen Veranstaltungen, die in der Hauptsache nur der leichtathletischen Betätigung und dem Spiel gelten sollen, soll nicht nur die leichtathletische Jugend erfaßt werden, sondern auch diejenigen Jugendlichen, die sonst in Fuß- und Handballspiel ihre Aufgabe sehen. Dabd ist nicht etwa beabsichtigt, Spitzenleistungen herauszufordern, fontern nur eben Leichtathletik in friedlichstem Wettbewerb zu treiben. Grundsatz sollte dabei aber sein, daß alle Fußball- und Handballmannschaften zu diesem Wettbewerb antreten. Die Hebungen in diesem Wettbewerb sollen dabei nur a l s Mannschaftsübung bewertet und die siegreichen Mannschaften mit einem Diplom ausgezeichnet werden. Gewertet wird nach Punkten. Am morgigen Sonntag findet nun eine solche leichtathletische Gau-Jugend-Veranstaltung auf dem Sportplatz der Spieloereinigung 1 9 0 0, um 13 Uhr beginnend, an der Liebigshöhe statt. Zur Teilnahme wurde eine Anzahl der Vereine des Gaues aufgefordert. Jede Mannschaft soll aus 12 Teilnehmern bestehen. Die Hebungen werden in drei Klassen ausgetragen. 3n der A-Klasse (Jugendliche des Jahrganges 1914-15) ist 100-Meter-Lauf, Tauziehen, Weitsprung, Steinstoßen und eine Bahnstaffel 12 mal eine halbe Runde vorgesehen. Die B-Klasse (Jahrgang 1916-17) tritt zu Weitspringen, Ballweitwurf, zu einer Pendelstaffel mit Hindernissen und Völkerballspiel an. In der C - Klasse, in der die Schüler des Jahrganges 1918 und jünger vereinigt werden, wird Ballweitwurf, Weitspringen, Ball- stasfeln oder Wettreiten, Wetthüpfen und Tauziehen verlangt. In der A Klasse erwartet man die Vereine 1900, VfB. Gießen, Wetzlar und Butzbach stark vertreten, in der B-Klasse sollten sich die Jugendlichen von 1900, die 2. Jugend der Wetzlarer Vereine, die Jugendlichen von Garbenteich, von Leihgestern und einiger anderer Landvereine zum Wett'ampf stellen. In der C-Klasse erwartet man die Schüler alter dem Gau zugehörigen Vereine. Bei einigermaßen gutem Wetter und bei der erhofften starken Beteiligung sollte sich die Ju-gendoeranstaltung nicht nur für die unmittelbar Beteiligten, sondern auch für Zuschauer zu einer unterhaltsamen Angelegenheit gestalten. Kurze Sportnotizen. Don dem Gauturnfest. In der gestrigen Frühausgabe des Gießener Anzeigers wurde als Zeitpunkt der Veranstaltung des Gauturnfestes ein falsches Datum genannt. Es mußte in der ersten Zeile nicht Samstag, 25. und Sonntag 26. Juni, sondern Samstag, 2. und Sonntag, 3. Juli heißen. Hilde Krahwinkel hat sich in Wimbledon durch einen Sieg über die Engländerin James be* reits unter die „letzten Acht" gesellt. * Beim Daoispokalkampf gegen England vom 8. bis 10. Juli in Berlin werden wahrscheinlich Prenn/Jaenecke das Doppel bestreiten. * Willy Kreß wurde von seinem Verein, SC. Rot-Weiß Frankfurt, wegen seiner Teilnahme am Spielerftreif auf sechs Monate disqualifiziert. Man rechnet damit, daß Kreß feinen Verein und Frankfurt verlassen wird. Wirtschaft. Wochenbericht vom Frankfurter Schtachtviebmarkt. Am Frankfurter Schlachtviehmarkt war der Auftrieb im abgelaufenen Berichtsabschnitt etwas geringer als in der Vorwoche. Das wirkte sich namentlich bei den Schweinen, Kälbern und Schafen in der Preisgestaltung stärker aus. Bei der Beurteilung der Gesamtlage spielt auch der Umstand eine nicht zu unterschätzende Rolle, daß der Bestand an schlachtreifem Vieh in Deutschland in diesem Jahre geringer ist, als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Der Fleischkonsum hat unter der allgemeinen Wirtschaftskrise schwer zu leiden, da sich die Kaufkraft- chwächung bei den Verbrauchern empfindlich fühl- bar macht. Geschäftshemmend wirkte außerdem die auf Grund der Notverordnung bevorstehende Einführung der Schlachtsteuer, die ohne Frage einen wesentlichen Einfluß auf die Absatzgestaltung haben wird. Am Rinder markt war der Auftrieb um 29 Stück auf 1559 Stück verringert. Nach anfangs schleppendem Handel wurde der Markt jedoch geräumt. Preise: Ochsen al) 31 bis 35; a2) 28 bis 30; bl) 24 bis 27. Bullen a) 28 bis 31; b) 23 bis 27. Kühe a) 25 bis 28; b) 22 bis 24; c) 16 bis 21. Färsen a) 31 bis 35; b) 28 bis 30; c) 24 bis 27. Verglichen mit den Preisen des letzten Hauptmarktes der vergangenen Woche waren Ochsen und Kühe um je 1 bis 2 Mark, Bullen um 1 bis 3 Mark und Färsen um 2 bis 3 Mark niedriger. Am Kälbermarkt haben die Zufuhren eine weitere Verminderung erfahren. Der Austrieb betrug 1461 Stück (1689 in der Vorwoche). Preise: Kälber a) gestrichen, b) 36 bis 40, c) 32 bis 35, d) 26 bis 31. Gegen das Wochenende wurde der Markt mittelmäßig geräumt. Infolge des geringen Austriebes ,am Schaf- markte wurden keine Notierungen vorgenommen. Man hörte einen Schätzungspreis von 30 Mark. Der Schweinemarkt hatte mittelmäßiges Geschäft, und der Markt wurde mit 5245 Stück (5082 Stück in der Vorwoche) ausverkauft. Am Nebenmarkt von Schweinen waren in der aufgetriebenen Menge 180 Litauer enthalten. Die Woche schloß zu folgenden Preisen: Schweine a) gestrichen, b) 43 bis 44, c) 42 bis 44, d) 39 bis 42, e) 36 bis 40, f) nicht notiert, g) Sauen: 33 bis 37 Mark. Wochenbericht vom Frankfurter Vroduktenmarkt. An der Situation des Getreidemarktes hat sich im abgelaufenen Berichtsabschnitt gegenüber der Vorwoche keine wesentliche Aenderung vollzogen. Be- stimmend für die Tendenz sind nach wie vor die Ernteaussichten, die als außerordentlich günstig be- zeichnet werden. In Anbetracht der günstigen Wit- terungsverhältnisse, die auf teilweise vergrößerter Anbaufläche ein gutes Ernteergebnis erwarten lassen, legen die Käufer stärkere Zurückhaltung an den Tag. Hinzu kommt, daß über die beabsichtigten Regierungsmaßnahmen noch immer keine völlige Klar- heit besteht, so daß die Unternehmungslust auch von dieser Richtung her bis jetzt keinen Antrieb erfahren konnte. Die endgültige Regelung des Vermahlungszwanges für Weizen nach dem 30. Juni steht noch aus und über die Wiederaufnahme des Äus- tauschexports für Weizen und Roggen ist noch keine Entscheidung getroffen worden. Besonders gegen Ende der Woche kam am Brotgetreidemarkt etwas reichlicheres Angebot heraus, wodurch ein Druck auf das Preisniveau ausgeübt wurde. Am Weizenmarkt macht sich das stockende Mehlgeschäft mehr bemerkbar, zumal die Aufnahme der Mühlen völlig fehlt. Die Erhebungen des preuß. Statistischen Landesamtes über die Anbauflächen fü Getreide, die für Sommerweizen gegenüber dem Vorjahre eine Zunahme um 6,3 v. H. ergaben, lösten Verstimmung aus. Infolgedessen stellte sich die Notiz für. Weizen 74 Kg. auf 261,50 gegenüber 267,50 Mk. in der Vorwoche, hat also einen Rückgang um 6 Mark pro Tonne erfahren. Auch am Roggenmarkt herrschte bei kleinem Geschäft schwächere Stimmung. Die Vermehrung der Anbaufläche von Winterrpgggen, die nad) der vorerwähnten Statistik 1,8 o. H. beträgt, glaubt man in Kauf nehmen zu können, weil der Winterroggen in den meisten preußischen Gebieten, die sicherste Getreidefrucht ist, deren Anbau beleben derzeitigen schwierigen Verhältnissen das geringste" Risiko mit sich bringt. Der Preis für Roggen wurde um 5Mk. auf 220 Mk. Brief ermäßigt. Da Futtergetreide mit Rücksicht auf die herrschenden Witterungsverhältnisse schwieriger ab- zusetzen ist, hat sich das Preisniveau auch hier weiter gesenkt. H a f e r stellte sich um 5 Mk. niedriger, während Sommergerste mit 200 nom. unverändert blieb. Hafer notierte 170 bis 180 Mark. Am Mehlmarkt kannte die in der Vorwoche erfolgte Herabsetzung der Preise durch die südd. Mühlenkonvention um 0,15 Mark keine Belebung des Geschäfts mit sich bringen. Die Notizen für Weizenmehl südd. Spezial 0 mit Austauschweizen 38,60 bis 39,75; dito Niederrhein, mit Austausch- weizen 38,60 bis 39,50. Roggenmehl gab 0,25 Mark auf 27 bis 28 Mark nach. Auch Kraftfuttermittel wie Soyaschrot und Treber bleiben weiter vernachlässigt. Treber wurde mit einem Abschlag von einer halben Mark gehandelt. ‘ Philipp Holzmann 21.-®., Frankfurt a. M. Die gestrige Generalversammlung der Philipp Holzmann 21®. genehmigte einstimmig den Geschäftsbericht und die Jahresabrechnung, die mit einem Gewinn von 433 553 Mark abschließt. 2luf die Vorzugsaktien werden 6 Prozent Dividende verteilt und 428 153 Mk. auf neue Rechnung vorgetragen. Weiter wurde auf 2Intrag der Verwaltung das 2lktienkapital von 20 090 000 Mk. auf 18 990 000 Mk. durch Einziehung von 1 100 000 Mk. eigener 2lktien in erleichterter Form gutgeheihen und entsprechende Satzungsänderungen vorgenommen. • Starke Detriebseinschränkung der Gutehoffnungshütte. Wie dem- WTV.-Handelsdienst mitgeteilt wird, sieht sich die Gutehoffnungshütte in Oberhausen wegen des dauernd rückläufigen Auftragseinganges gezwungen, ab Sonntag zehn Tage lang die Oberhausener Betriebe einzuschränken. In der Eisenhütte wird von den beiden noch in Betrieb befindlichen Hochöfen einer gedämpft werden, während der andere zwecks Gasversorgung weiterbetrieben wird. Die Stahl- und Walzwerke werden zum großen Teil ruhen. Es steht noch nicht genau fest, wieviel Arbeiter von der Maßnahme betroffen werden. Man kann deren Zahl vielleicht auf 2500 schätzen. Frankfurter Abendbörse geschästslos. Frankfurt a. M., 24. Juni. Sowohl am Umsatzgebiet der Aktien, als auch am Renten- markt war an der heutigen Abendbörse größte G e f d) ä f t 5 ft 111 e zu bemerken. Die Vertagung der Lausanner Verhandlungen auf die nächste Woche haben die Hoffnungen auf eine unmittelbar bevorstehende Entscheidung enttäuscht, so daß die Unsicherheit weiterbesteht. Das geringe Geschäft wurde ausschließlich von der Kulisse getätigt. Die Kurse bröckelten unter dem Druck der Geschäftslosigkeit bis 0,5 v. H. ab. Pfandbriefe lagen gegen den Mittagsschlußoer- kehr unverändert. Reichsschuldbuchforderungen wurden vereinzelt um eine Kleinigkeit höher genannt. Einiges Interesse machte sich für Frankfurter Hyp. ßiquibatiönspfanbbriefe geltend, die infolgedessen ihren Kursstand um 0,25 v. H. erhöhen konnten. Nassauische Kommunal Obligationen Reihe 6—8 kamen mit 43,5 und Brief rat. zur Notiz. Neude- sitzanleihe 3,70, Altbesitzanleihe 37,5, Schutzgebiete 2,5 Brief, Berk. Handels-Gesellschaft 87, Reichsbank 124, Gelsenkirchen 34, Aschersleben 84,5, Westeregeln 94,25, Mansfeld 13, Stahlverein 14,75, Aku 31,75, AEG. 20, Scheideanstalt 132 5, IG., Farben 89,87, Gesfürel 51,25, Holzmann 32, Rüt- gerswerke 31,5, Siemens 115,75, Hapag 10,65. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 v H. Lombardzinsfuß 6 v. H ü ■ >1 Schluß» für« Sch.uß! Abend. b5r|r Schluß» kurs Sa>luß> Mittag» bSrft Oatum | 23 6 ,24 6 23.6 24 6 6% Scundie iHetduameiOr d.19z. 7% Sciittdje NeickSanleihe v. 1929 5%% Doung-Ankeihe von 19.30 Deutsche AnI.Ablös..Schuld mit Auslol..Rechten ®c5fll. ohne Auslo1..Rechle 8% Hess. Bolksftaai von 1929 (tüdiahlb. 102%) Cbethcllen Provlnz-Anleihe mit Anslos.-Rechlen Deutsche ftonim. (sammelabl. Anleihe Serie 1 8% üntnlL Hyp.-Bank Goldpse 15 untünDbnr bi« 193b 7% Rtanfl. Hnp.-Banl Goldpse unkündbar bis 1936 Serie 16 *y2°o Franks. Hnv-Boul Liou.- Bsandbrieie. 4y2% Rheinische Hnp.-Bank-Licm. Goldpse. 8% Br. Landespsandbriesanstalt, Dfandbriese R. 19 7% Pr. Landespsandbriesanstall, Pfandbriefe R io 4% Oesterreichilche Golvrenle 4,20% Oesierreichische Silberrenke 4% Ungarische Goldrente 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4yt% desgl. von 1913 6% abgesl. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Zollanlciüe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anleibe Serie I 4% deSgl. Serie II Rumän. vereinb. Rente 0.1903 4ZL%Rumän.verrtnh.Rentev.l913 4% Rumänische veretnh. Rente 8*6% I- anatoliet...... 52.75 58,75 60.25 52,75 58,25 60,25 53 58,5 60.25 53.5 58.25 60.25 37,13 37,5 37,13 37.5 3,4 3.7 3.45 3.75 — — 46,75 45,5 36,5 36,5 — — 32,5 32,5 33 33 — — — — — 64 — — 76,4 76,75 — — 75 75 — — 66 — — 65 — — — — — 8,75 — 8,75 1,05 1.05 1,13 1,1 4,25 4,5 4,75 4.85 5,65 5,65 5.9 5,9 — —— 4.5 4,65 — 5 — — - 2,25 2,3 2,5 2,4 _ 2,3 2,65 2,4 — 2,3 2,5 2i — —- 7 7 6,9 7 2.9 3,13 3 3,2 15,25 15,25 15,5 15,4 Schluß« fürs Schluhi. Abend- böi' Schuß» lurs e'Cbiuuf. Mi lag» b6r;c Oaium 23.6 24 6 23 6 24 6 vamvurg-Amenta Pale. b 10,4 10,65 10.4 10,75 Hamburg-Südam. Dampfschiff . 0 — — 40 41,25 Hania Dampfschiss . 0 — —— — — Norddeutscher Liond . . . 6 11,25 11,75 11.25 11,4 A.G. für Verkehrswesen Akt. — — 25,5 26 Berliner Handelsgesellschaft 8 87 87 87 87 Commerz, und Pnoat-Bank . 7 16 16 16 16 Darmstädter und Nationatban 8 18,5 18,5 18,5 18,5 Deutsche Bank und Tisronto-Gesellschaft. . . 6 30 30 30 30 Dresdner Bank ...... 6 18,5 18.5 18,5 18,5 Reichsbank........ 12 123,25 124 122,65 124,75 A.E.G........... . 7 19,9 20 20,13 20,21 Bergmann........ . 9 —— — 18,5 — Elektr. LieserungSgesettschasl 10 — — 55 54.65 Licht und Kraft 10 64,25 66.25 65,5 66 gelten & Guilleaume.... 6 Ti 35 35,5 36 36.9 Gesellschaft für Elektrische Ünternehmungen .... 9 50,5 51,25 50,75 51,76 Rheinische Elektriziiät . . . . 9 63 64 64 63,5 Schuckert & (So. . ..... 11 55.25 57,5 55,4 57,5 Siemens & Halske..... 14 114,5 115,75 113,5 116,5 Lahmeyer & Co....... 12 76 76 75 75,25 Buderus ...... . 4 24 24 24,4 24,25 Deutsche Erdöl...... . 6 62 64,25 61,4 64,5 Gelsenkirchener ...... . 8 32,75 34 31.9 34,13 Horoener . ...... . c 44,75 45 44,5 47,75 hoesch Eisen........ . 6 — —— 24,5 26 Ilse Bergbau....... 10 — — 120 Klöcknerwerke....... . 6 22,5 22,5 22,4 23,75 Köln-Neuessen....... «K — — Manne? mann-Nöhren . . . . 6 36 37.75 36,5 38,4 Mansfelder Bergbau .... . 0 13 13 13,5 13 Lberschlei. Kokswerke . . , . 8 — — 31,75 31 Phönix Bergbau . . . 15.75 16 16 16,75 Rheinische Braunkohlen. . . 10 158 158 158,5 157,25 Rheinitahl ........ . 6 39 40 38,5 40,5 Frau ur a. Di. Schlußkurs Schlupl. Abend» br-rl Schluß« iure Schluß!. Mittag- börse Datum 23 6. 24 6 23.6. 24.6. Rieben Monian...... 7,. — — — _ Vereinigte Stahlwerke . . . 4 14,25 14,75 14 14,9 Olavi Minen .... 16'/, 10,75 10,5 10,5 10,4 Kaliwerke Aickcr leben . . . 10 81 ,5 84.5 85 Kaliwerke Westeregeln . . . 10 90.5 94,25 91 94.5 Kaliwerke Salzdetfurth . . . 16 143 149 145 151 I. G.Farben-Industrie . . 12 89,25 89,9 88.65 90,25 Verein, chem. Industrie Frank» furt a. AI......... — -- _ Scheideanstalt....... 10 130.5 132,5 _ _ Goldschmidt........ . 0 16,25 16 16 16 Rütgerswerie..... . . 5 31,5 31,5 30,5 31.13 Metallgefellschast...... . k> 24,5 24,5 25 24,25 Philipp Holzmann..... Zementwerk Heidelberg. . . . 8 31,25 32 31,5 32 . 7 37.9 37,5 Zementwerk Karlstadt. ... . 7 37 Wahß & Freytag..... . v 3,65 3,75 — 3,75 Schultheis Patzenhofer . . . Aku (Allgemeine Kunstseide) 15 _ 47 48,9 31.75 0 31,5 31,75 31,5 Bemberg........ Zellftosf Waldhof..... 0 28,5 28,25 12 25,5 26 25.5 Zellstoff Aschaffenburg . . . 6 16 16 16 Dessauer Gas....... Daimler Motoren..... . 9 . 0 11 10.75 78,65 11.25 27.75 80,13 Deuttche Linoleum .... . 6 27,75 27,5 28 21,13 51,75 6,25 172,5 Orenstein & Koppel .... . 0 21,25 Leonhard Tietz...... Svenska......... Ehade.......... . 6 16 50 171,25 51,5 172,5 50,75 7 172,65 Frankfurter Maschinen . . . Griyner......... . 0 . 0 16.5 — 16.6 ?6 — Moinkraftwerke Höchst n. M.. . e 49 48 Süddeutscher Zucker .... 10 97,5 95 97,75 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. Banknoten. 23. Juni 24.3uni Amtliche Notierung Amtliche Notierung »rlb Brie Geld Brie Helsingfor« . 7,053 7,067 7,043 7,057 Wien. . . . 51,95 52,05 51,93 52,05 Prag . . . 12,465 12,485 12,465 12,485 Budapest . . — — — — Sofia . . . 3,057 3,063 3.057 3,063 Holland . . 170,23 170,57 170,23 170.57 Oslo . . . . 75,02 75,18 74,83 74.97 Kopenhagen. 83,02 83,18 82,77 82,93 Stockholm . 78,12 78,28 77,97 78,13 London. . . 15,23 15.27 15,20 15.24 Buenos Airet 0,948 0.952 1,948 1,952 Neuyork . . 4.209 4,217 4,209 4,217 Brüssel. . . 58,54 58,66 58,56 58.68 Italien. . . 21,46 21,50 21,43 21,47 Paris . . . 16,55 16,59 16,55 16.59 Schweiz . . 81,93 82.09 81,92 82,08 Spanien . . 34.67 34.73 34,67 34,73 Danzig. . . 82,27 82,43 82,37 82,53 Japan . . . 1,199 1,201 1,199 1,201 Rio be Ian.. Jugoslawien. 0,325 0,327 0,325 0,327 6,843 6,847 6,793 6,807 Lissabon . . 13,89 13.91 13,84 13,86 Berlin, 24.Juni Geld Bries Amerikanische Noten....... 4,20 4,22 Belgische Noten..... 58,40 58 64 Dänische Noten......... 82,58 82,92 Englische Noten......... 15,16 15,20 Französische Noten........ 16,51 16,57 Holländische Note»........ 169,86 170,54 Italienische Noten....... 21,54 21,62 Norwegische Noten........ 74,65 74,95 Deutsch'Oeflerreich, i 100 Schilling Rumänische Noten....... 2.49 2.51 Schwedische Noten........ 77,79 78,11 Schweizer Noten......... fil 74 Spanische Noten......... 34"i>3 34 6? Ungarische Noten ........