Ur. 96 Erstes Via« 182. Jahrgang Montag, 25. April 1932 Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Pnirf und Verla-: vrühl'fche UmverßtSl5-v»ch- und Steindruderei R. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schnlltratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20',, mehr. (Thefrebakteur Dr. Frrebr. Wilk. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilk. Lange; für Feuilleton Dr.H.Tkyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in (Biehen. Lrs cheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüsfe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gieße«. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Nie Länderwahlen. Das Ergebnis. Von unserer Berliner Redaktion. Die große Zahl der Länderwahlen liegt hinter uns. Sie hat nach den Voraussagen größere Tlebcrraschungcn kaum gebracht. 3n Bayern dürfte das Kabinett Held am Ruder bleiben; in Württemberg, wo die Nationalsozialisten aus Kosten oller anderen Parteien gegenüber Ger letzten Reichstagswahl 200 000 Stimmen gewonnen hoben, wird sich die Regierungsbildung sehr schwierig gestalten. In Hamburg hoben Sozialdemokraten und Staatspartci als Regierungsparteien etwas gewonnen. Das Gleichgewicht zwischen Rechts und Links hat sich aber kaum verschoben. Rur in Anhalt ist eine klare Regierungsmehrheit vorhanden. Das wichtigste Ergebnis ist natürlich Preußen wegen der mittelbaren und unmittelbaren Rückwirkungen auf die Reichspolitik Der Ansturm auf die Weimarer Koalition ist D#>n unzweifelhaftem Erfolg gewesen. Rur das Zentrum hat sich wieder olS Turm in der Schlacht erwiesen. Dagegen haben die Sozial- demokraten schwer bluten müssen. Eie verlieren fast ein Drittel ihrer alten Frak- tionsstärkc und sinken unter 100, während die Staatsportei von ihren 22 Mandaten nur Zwei retten konnte. 3m alten Landtag hotte die Weimarer Koalition von 450 Stimmen eine knappe Mehrheit von 230. im neuen wird sie gerade noch zusammen über 162 Sitze verfügen und dadurch ebenso stark sein als die R a t i o n o l s o z i o l i - st e n allein, die mit 162 Mandaten in deü künftigen Landtag einziehen. Die. Verluste.der Sozialdemokraten sind größer, als die Parteileitung selbst erwartet hatte. Die Abwanderung zu den Kommunisten ist doch recht erheblich gewesen. Allerdings haben auch die Kommunisten keine Ursache, über den Ausgang besonders erfreut zu sein. Sie konnten ihre Mandotssihe zwar von 48 auf 57 steigern, ihre Erwartungen sind aber doch etwas höher geschraubt gewesen. Sie haben zwar einen Teil der Verluste, die fie im zweiten Wahlgong der Reichspräsidentenwahl erlitten hoben, ausgleichen können, die Zahlen vom ersten Wahlgang haben sie jedoch nirgends erreicht. Gegenüber dem 13. März kehren sie mit erheblichen Verlusten vom Schlachtfeld zurück. Sieger auf der ganzen Linie sind die Ra - tionalfozialisten. 3hre Gewinne sind nicht überall gleichmäßig. Sie haben aber an allen Stellen ihre Stimmenzahl über den ersten Wahlgang der Präsidentenwahl hinaus steigern könnest, haben teilweise sogar noch einen Zuwachs über den zweiten Wahlgang hinaus gehabt. Aus dem Gesamtbild ergibt sich, daß ein großer Prozentsatz der H ugenberganhän- g e r, die im zweiten Wahlgang für Hitler stimmten. dort hängengeblieben sind. Die nationalsozialistische Bewegung hat also offenbar ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Dafür hobe'4 die Deutschnationalen schwer ein- gebüßt. Don den 71 Mandaten des alten Landtages haben sie gerade 31 gerettet. Der Kampf gegen die Rativnalsözialisten. den sie in den letzten Wochen mit steigender Verve geführt hoben, ist vergeblich geblieben. Sie erreichten etwa den Stand der Reichstagswahl von 1930 wieder. Ein besonderes Kapitel ist die Zerreibung der Mitte, die mit den preußischen Wahlen jetzt restlos auseinanderfällt. Die Gesamtheit der wirklichen Mitte, die im alten Landtag noch mit über 80 Mandaten war, würde vielleicht bei günstiger Zählung etwa zehn Mandate bringen, die Mitte bekommt die Quittung für ihre Unentschlossenheit, die parteipolitische Hemmungen nicht überwinden konnte und trotz der Gefahr des völligen Dankerotts nicht rechtzeitig den Weg zu -einem neuen Zusammenschluß finden konnte. Das Bürgertum, das in jedem gesunden Staat den Kernpunkt der Regierung bilden müßte, ist zur politischen Bedeutungslosigkeit verurteilt. Es hat aus der Verzweiflung über die trostlose wirtschaftliche Lage seine Zuflucht bei den Ratio- nalfozialistcn gesucht. Die Rationalfozialisten werden jetzt zu zeigen haben, was sie in der praktischen Arbeit leisten können. Die Parteibesetzung wird ungefähr fo aus- sehen. daß den 162 Sitzen der Weimarer Koalition jetzt aus den Deutschnationalen. Rationalsozialisten und den Resten der Mitte etwa 200 gegenüberstehen, so daß die 5 6 Kommunisten das Zünglein an der Waage bilden. Ausgefallen sein dürsten ungefähr , Millionen Stimmen, weil die wahltechnischen Voraussetzungen für die Auswertung dieser Stimmen, die jeweils an ein Mandat in einem Wahlkreisverband gebunden find, nicht vorhanden waren. Hätten die Deutschnationalen den Vorschlag der Volkspartei angenommen und einer formellen Listenverbindung zugestimmt, dann würde das Schwergewicht der Rechten sich unmittelbar an die Mehrheit herangezogen haben, während jetzt die Möglichkeit einer Regierungsbildung bis zur Hoffnungslosigkeit durchererziert werden muß. Zentrum und Rationalsozialisten toärcn allein zwar imstande, eine Mahrheit zu bilden, das Zentrum wird sich dazu aber sicher n.cht bereit finden. Für eine Minderheitsregierung nach dem Vorbild des Kabinetts I Geschäftsordnung eine absolute Mehrheit Brüning ist die Basis viel zu knapp, rechnungs- verlangt, sich als unmöglich erweist. Aber die mäßig hat also die Weimarer Koalition I Minderheitsregierung Braun muß rasch zu unwahrscheinlich Recht behalten, wenn sie glaubt, haltbaren Zuständen führen, da schließlich doch daß ihr Kabinett geschäftsführend am Ru- ein Eingreifen des Reiches kaum zu ver- der bleiben könnte, weil die Wahl eines meiden ist. neuen Ministerpräsidenten nach Veränderung der I ------- Oie neuen Landtage. Kammerdieners zur Wahl erschien. Das Lokal, das durch Polizeistreifen und mehrere höhere Polizeioffiziere besonders gesichert war, wurde neben vielen Reugierigen von einem Heer von Photographen und mehreren Tonsilm-Apparaten umlagert, sogar im Lokal selbst wurde der Wahlakt des Reichspräsidenten von einer Wochenschau festgehalten. 3m zweiten sog. Ministerwahl- fötal in der Tauben st raße wählte heute nur Reichspostminister Schätzet. Der preußische Ministerpräsident Braun wählte im Laufe des Vormittags in Zehlendorf unweit feiner Woh- Preußen. zusammen 422 (450) Bayern. Abgeg. Stimmen: 22 069 849. Wahlbeteiligung 81" n. 14.9. 30 Wandale So;. 4 674 943 (4 989 500) 93 (137) Deutschnat. 1 524 931 (1 968 700) 31 (71) Zentrum 3 374 413 (3 158 100) 67 (71) Kommunisten 2 819 602 (3 141 500) 57 (48) Dp. vp. 330 807 (1 004 200) 7 (40) H7p. 191 032 (803 100) 0 (16) Landvolk 153 562 (579 000) 0 (12) Staatspartei 332 441 (681 000) 2 (22) Tlat.Soz. 8 008 219 (3 968 000) 162 (9) D Hann. 63 803 (------) 1 (5) Chr.So;. 255 068 (509 400) 2 (4) So;.-ilrb.-Parfei 80 437 (-------) 0 (3) Bolksrechtsp. 44 119 (1928: 236 400) 0 (2) Hab. Mittelst. 9 949 (------) 0 (1) komm. Opp. — (-------) 0 (1) Linkskomm. ■ ■ l-------) 0 (1) Splitterparteien 189 632 (-------) 0 (0) Fraktionslos (7) zusammen 128 (113) Württemberg. 24. 4.32 14. 9. 30 Wandale Bayer, Bp. 1 272 074 (1 175 100) 45 (40) So,. 604 098 (787 700) 20 (30) Bayer. Bb. u. Slp. 253 260 (351 000) 9 (15) Deutschnat. 127 963 (75 100) 3 (11) Hat.-Sa,. 1 270 602 (677 900) 43 (9) komm. 259 400 (224 700) 8 (3) So,. Arb.-Part. 13 452 (--------) - H Chr.-So,. 12 109 (-------) - (-) D. Bp. u. wp. 66 012 (176 700) - (4) werkt, votksp. 236 (------) - (-*) 14.9.1930 Wandale So,. 206 572 (280 700) 14 (21) Zentrum 254 675 (281 600) 17 (16) B. u. wgb. 133 645 (178 400) 9 (15) StP. 59 689 4 (8) D. Bp. 19 319 (135 400) — (4) komm. 116 644 (130 100) 7 (6) Dn. 53 410 (54 500) 3 (4) Lhr.-So,. 52 352 (91 400) 3 (3) Hat.-So,. 328 188 (128 700) 23 (1) Bolksrechtp. — ( - ) — (2) 80 (80) Oie Hamburger Bürgerschaft 27.9.1931 Wandale So;. 226 233 (214 500) 49 (46) Hat. So;. 233 528 (202 500) 51 (43) Deutjchn. 32 344 (43 300) 7 (9) Zentrpm 10 019 (10 800) 2 (2) komm. 119 477 (168 700) 26 (35) Staalsp. 84 139 (67 100) 18 (14) D. Bolksp. 23 805 (35 900) 5 (7) wirtfchp. 4 880 (11 400) 1 (2) Ehr. So;. 7 729 (10 800) 1 (2) So;. Arbp. 2 200 ( — ) 0 (-) 160 (160) Oer Landtag in Anhalt. 14.9.1930 Mandate So;. 75120 (85 000) 12 (15) Deutjchn. 12 807 (13 700) 2 (2) Zentrum 2 630 (2 600) 1 (0) komm. 20 414 (23 700) 3 (3) D. Bolksp. 8194 (22 960) 2 (6) Haus- u. Grundbef. 6 386 (28: 8300) 1 (2) ' D. Slp. 3 227 (5 000) 1 (2) Jlal.-Soj. 89 602 (44 000) 15 (1) So;. Arbp. 803 ( - ) 0 (-) Landbund — ( - ) — (4) wirtfchp. — ( - ) — (1) 37 (36) Ruhiger Verlaus des Wahltags. Berlin, 24. April. (TLI.) Rach den bis *u den frühen Rachmittagsstunden vorliegenden Meldungen haben die Länderwahlen im allgemeinen einen ruhigen Verlauf genommen. Rachdem am Vortag der Wahl von allen Parteien noch einmal die letzten Kraftreserven mobilisiert worden waren, war die Propagandatätigkeit am Sonntag nur noch gering. 3n einigen Wahlkreisen war überdies ein Verbot jeglicher Wahlwerbung für den Wahltag erlassen worden. Die Wahlbeteiliguna war bis in die frühen Rach- mittagsstunden1 hinein keineswegs einheitlich, während aus Pommern, den schlesischen Wahlkreisen. Schleswig-Holstein und Magdeburg recht lebhafte Wahlbeteiligung gemeldet wurde, die mitunter diejenige vom 2. Wahlgang für die Reichspräsidentenwahl übertraf, wurde aus anderen Wahlkreisen eine auffallende Zurückhaltung der Wahlberechtigten gemeldet. 3« Berlin. Berlin. 24. April. Die Reichshauptstadl bietet heute, verglichen mit den beiden Reichspräsidentenwahlen, ein weitaus lebhaf- tere-S Gtraßenbi ld. Während die Hauptverkehrsstraßen und die großen Plätze, abgesehen von den Litsaß-Säulen, fatz gar keine Wahl- Propaganda aufweisen, herrscht in den Reben- strahen, vor allem denen des östlichen und nördlichen Berlins, aber auch in den südlichen Vororten, ein regelrechter glaggcntrieg, wie er bisher in Berlin noch nie beobachtet werden konnte. 3n vielen Häusern sind vier, ja manchmal sogar fünf verschiedene Parteifahnen herausgesteckt. Zahlreiche Radfahrer-Kolonnen, hauptsächlich der RSDAP. und der KPD. mit ihren Parteifahnen, durchfuhren die Stadt. Der Samariter- dienst, der einzelnen Parteien, der heute hauptsächlich die Aufgabe hat, bettlägerige und altersschwache Wähler an die Urne zu tragen, hatte bereits in den ersten Wahlstunden seine Arbeit intensiv ausgenommen. Die Litfaßsäulen sind fast restlos mit riesigen Wahlplakaten beklebt und nur unterbrochen durch die öffentlichen Bekanntmachungen über die Wahl und die Wahllokale Besonderes 3ntereffc erregte bei der heutigen Wahl das Wahllokal in der Kanonierst r a h e , wo kurz vor 8.30 Llhr der Reichs - I Präsident v. Hindenburg in Begleitung des Staatssekretärs Dr. Meißner und seines I nung. Rachdem es in der Reichshauptstadt in der Rächt zum Wahlsonntag schon vielfach kleinere Zusammenstöße, zwischen politischen Gegnern gekommen war. forderte der Wahltag am frühen Morgen ein Todesopfer. 3m Südwesten Berlins in der Möckemstraße wurde gegen 4.30 Llhr der 22jährige Kaufmann Udo Eurth, c i n Angehöriger der RSDAP von Kom- muniften überfallen und durch einen Schuß in die Schläfe getötet. Vier Kommunisten wurden als mutmaßliche Täter verhaftet. Als im Laufe des Sonntagvormil- tags die Ermordung des jungen Rationalfozialisten im Südwesten Berlins bekannt wurde, wurden in der dortigen Gegend vielfach die Haken- kreuzfahncn mit einem Trauerflor versehen. Ob es sich bei einem zweiten Fall auch um einen politischen Mord handelt, bedarf noch der Aufklärung. 3n einem Garten am Bahndamm in Steglitz wurde gegen 5 Uhr die Leiche des Architekten Hugo Freeck aus ® b a r l Ottenburg gefunden. Freeck ist wahrschein- lich nach voraufgegangenem Kampf übereinen 1.5 Meter hohen Drahtzaun getoor- f e n worden. 3n den preußischen Provinzen. 3m ganzen Ruhrgebiet ist es am Wahltage überall ruhig gewesen. Dagegen mußte die Polizei in der vergangenen Rächt wiederholt cinfd)reiten und Demonstranten und Klebekolonnen festnehmen. Zu ernsteren Zusammenstößen kam es gestern abend in Duisburg- Hamborn in einer nationalsozialistischen Versammlung, die von einer größeren Menge Kommunisten gestört wurde Bei der Schlägerei wurden 14 Personen so schwer verletzt, daß sie dem Krankenhaus zugeführt werden mußten. Auch am Hamborner Altmarkt kam es zu einer Schlä- gerei, bei der die Polizei einschreiten mußte. Ein 49jähriger Arbeiter wurde durch einen Bruststich so schwer verletzt, daß der Tod unmittelbar darauf eintrat. Drei Kommunisten wurden als mutmaßliche Täter feftgenommen. 3n Recklinghausen, Gelsenkirchen. Bochum sowie im Sauerland ist alles ruhig gewesen. 3n Düsseldorf wurde ein Kaufmann von Kommunisten auf der Straße überfallen und fo schwer verletzt, daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. 3n der Rächt waren verschiedentlich Malkolonnen unterwegs, von denen einige verhaften wurden. 3m ganzen Rheinlande find nirgends beachtenswerte Zwischenfälle am Wahltage vorgekommen. ebensowenig im übrigen Preußen. Wes Presse-Echo des WahlsonnlW. Berliner Montagsblätter. Berlin, 25. April. (ERB. Funkspruch.) Die ,.M o n t a g s p o st" bucht einen wesentlichen Stimmgewinn des Zentrums, der?vor allem deshalb gewürdigt werden müsse, weil Die Partei des Kanzlers im Brennpunkt des Angriffes gestanden habe. Vollkommen zusammengebrochen seien die bürgerlichen Parteien, die bisher dem Zusammengehen mit den Rationalsozialisten das Wort geredet hätten. Für das Zentrum, die Sozialdemokratie und auch die Etaatspartci bedeute die Tendenz der Wahl unbestreitbar eine Rechtfertigung ihrer Politik. — Das heute zum letztenmal erschienene „M o n t a g 8 b l a 11" nennt Hitler und Hugenberg „geschlagene Sieger". Es werde sich jetzt darum handeln, welche Entschlüsse das Zentrum fasse. Vermutlich werde es einstweilen für die ordnungsgemäße Fortführung der Staatsgefchäfte keinen anderen Ausweg geben, als das bisherige Ministerium als sogen. Geschäftsmini st e- r i u m im Amt zu belassen. Als das einzig erfreuliche der Wahl nennt das Blatt das fast gänzliche Verschwinden der Splitterparteien ..D e r M o n t a g" schreibt, als maßgebende Parteien 'kämen nur noch die Deutschnalionale Volkspartei, die Rationalfozialisten. das Zentrum, die Sozialdemokraten und die Kommunisten in Betracht. Eine sichere Mehrheitsbildung in den Grenzen, die bisher für die politische Entwicklung in Deutschland maßgebend gewesen feien, fei vermutlich nicht mehr möglich. — Die ..Reue Montagszeitung" nennt als wichtigstes Ergebnis der Preußenwahlen den großen Stimmverlust der Sozialdemokraten- Rund 500OOO ihrer Wähler hätten ihre Stimmen der KPD gegeben. Das Blatt glaubt an eine Koalition des Zentrums mit den Rational- s o z i a l i st e n. pariser presieftimmen. Paris, 25. April. (WTB. Funkspruch.) Zum Ergebnis der gestrigen preußischen Landtags- wahlcm schreibt der Berliner Korrespondent des „M a t i n“, die Wahlen hätten die Lage nicht geklärt. Die öffentliche Meinung in Deutschland werde gespannt bleiben, da die Verteilung der Sitze für den Augenblick wenigstens die Schaffung einer regierungsfähigen Koalition unmöglich mache Die Verhandlungen würden bald zeigen, ob Hitler geneigt fei, auf legalem Wege zu bleiben, um die Regierungsgewalt in die Hände zu bekommen. .3 o u r n a 1" schreibt. Hitler sei noch nicht Sieger. aber künftighin könnten nur sehr geschickte Kombinationen ihn daran hinderst, in der deutschen Politik eine wichtige Rolle zu spielen. ..Echo de Paris" meint, der deutsche Parlamentarismus sei gestorben Man befinde sich bereits einem 4. Reich gegenüber, das von Militärpersonen und methodischen Bureaukraten, von Kalkulatoren und Anhängern des Abenteuerführers geleitet werde. — ..R e p u b l i g u e" schreibt, die Wahl fei sowohl besorgniserregend wie beruhigend. Besorgniserregend, weil die revolutionäre Woge weiter über Deutschland hinweg- fege. Beruhigend, weil Hitler nicht über die absolute Mehrheit verfügen werde „Quoli dien" schreibt, Deutschland sei in ein Aden- teuer geraten, dessen Ende und Folgen man nicht absehen könne. Man beobachte eine Entwicklung, an der sich weder Frankreich noch Europa freuen könne — Der sozialistische „Populaire" äußert, die gestrige Weht sei die legte Gelegenheit für Hit- (er gewesen, sich der Regierungsgewalt wenigstens in Preußen zu bemächtigen. Gestern sei die letzte legale Schlacht ausgekämpft worden und Hitler habe sie verloren. Kleine politische Nachrichten. 3n Oldenburg hat der Wahlausschuß nunmehr amtlich das endgültige Ergebnis des Volksentscheides vom 17. April festgestellt, und zwar stimmten mit 3a 125 401, mit Vein 5807, ungültig toaren 1087 Stimmen. Mit dieser Feststellung war zugleich auch die Feststellung des Erfolges des Volksentscheides verbunden. Das oldenburgische Staatsministerium hat daraufhin die sofortige Auflös üng des Landtages ausgesprochen und die Reuwahl auf Den 2 9. M a i festgesetzt. • * Der volksparteiliche ReichstaAabgeordnete, Fregattenkapitän a. D. H i n tz m a n n (Bremen), der Geschäftsführer der Fraktion ist, hat dem Parteivorsitzenden Dingeldey in einem Schreiben seinen Austritt aus der Fraktion und der DVP. mitgeteilt. Abg. Hintzmann äußert in diesem Schreiben, er werde sich der DVDP. anschliehen. da nur diese Partei für die Sammlung der bürgerlich-nationalen Stimmen in Frage komme. Der Wahlkreisvorstand wird von Hinhmann die Viederlegung seines Reichstagsmandates fordern. Das Reichsarbeitsministerium hat sich entschlossen, die Frage der gesetzlichen Arbeitszeitverkürzung mit Rachdruck in Angriff zu nehmen mit dem Ziel, dem Kabinett den Erlaß einer Verordnungzur Beschränkung der Arbeitszeit vorzuschlagen. Reben den vorbereitenden Besprechungen, die das Reichsarbeitsministerium mit den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen vorgesehen hat, wird u. a. am 28. April eine Referentenbesprechung mit den Ländern und den anderen Reichsressorts stattfinden. Aus aller Welt. Das Sprengstoffatlenlal auf ein Frankfurter Kino aufgeklärt. In einem Frankfurter Filmtheater erfolgte am 10. Juli 1931 ein Sprengstoffattentat, um offenbar die Vorführung des Filmes „Im Westen nichts Neues" zu stören. Drei zusammengebundene 15 Zentimeter lange Bleirohre waren mit Explosivstof- en gefüllt und wurden in die Damentoilette gewor- en. Der Kreis der Gefährdeten war gering. Sach- choden wurde verursacht, dagegen kein Personen- chaden. Am 11. Juli wiederum gegen 23 Uhr wurde vom Dache des gegenüberliegenden Verkehrslokals der NSDAP, eine Eierhandgranate auf das Flachdach des Filmtheaters geworfen, die in den Vorraum zu den Logen und Rängen fiel und hier erheblichen Sachschaden, aber wiederum keinen Personenschaden verursachte. Nunmehr hat die Frankfurter Kriminalpolizei die Attentäter ermittelt. Ein früherer SA.-Mann, der sich mit der NSDAP, verfeindete, kam zur Kriminalpolizei und hat diese Sprengstoffattentate zugegeben, wobei sich herausstellte, daß er s e l b st der Hauptattentäter, der Werfer der Eierhandgranate war. Er wird also eine Verurteilung nach den Bestimmungen des Sprengstoffgesetzes von mindestens fünf Jahren Zuchthaus zu erwarten haben. Lieferant der Bleirohre und der Handgranate ist ein ehemaliger Oberführer des Gaues Hessen - Nassau - Süd. Er wurde verhaftet. Den Zünder zu seiner Eierhandgranate lieferte ein Ortsgruppenführer der RSDAP. Frankfurt- Sachsenhausen. der gleichfalls festgenommen wurde. Wie die Kriminalpolizei erklärte, habe sich kein Moment ergeben, daß die Partei selbst von diesen Attentaten Kenntnis hatte oder sonst irgendwie berührt werde. Der Kreis der Mitwisser beschränke sich auf etwa zehn Personen. Die Einweihung des neuen Shakespeare-Theater- in Stratford. Am Samstag, dem Geburtstag Shakespeare- und zuglei chdem Tag des englischen Rationalheiligen St. Georg, wurde in Straford on Avon das neue Shakespeare-Theater .du r ch den Prinzen von Wales feierlich eröffnet Diplomatische Vertreter aller Rationen waren erschienen und entfalteten persönlich die Flaggen ihrer Heimatstaaten, die an 70 Masten gehißt wurden. Bei einem der Eröffnung vorauf - gegangenen Festessen sprachen Baldwin, der amerikanische Botschafter M e l l o n und der fran- zosissche Botschafter de Fleuriau. Von der deutschen Botschaft war Legationsrat Dr. Auer erschienen. Aus allen Teilen Englands und aus dem Ausland waren tausende von Menschen nach der Geburtsstadt Shakespeares gekommen, um das Andenken des großen dramatischen Dichters zu ehren. Die Einzelergebniffe der Landtagswahlen. Unsere Tabelle gibt die Wahlergebnisse für die 23 preußischen Wahlkreise, ferner für die Länder Bayern, Württemberg, Hamburg und Anhalt. Die fetten Ziffern der e r st e n Spalte bei jeder Partei gehen das Ergebnis der Landtagswahlen (bzw. Durgerschafts- wähl in Hamburg) vom 24. April 1932. 3 n Vergleich gefetzt wurden dazu jeweils in der zweiten Spalte o b e n die Reichstagswahl vom 14. September 1930, unten die Landtagswahlen vom 20. Mai 1928 (in Hamburg die Bürgerschaftswahl vom 27. September 1931). Für die Kommunistische Partei und die Rationalsozialistische Partei wurden außerdem in einer d r i t - t e n Spalte die Ziffern der beiden Wahlgänge der Reichspräsidentenwahl vom 13. März und vom 10. April 1932 aufgeführt. Unter der Rubrik Sonstige wurden ausge- führt: in den preußifchen Wahlkreisen Hannover und Weser-Ems die Deutsch-Hannoversche Partei, Koblenz-Trier die Rationale Sammlung Karl Andres, Westfalen-Süd die Polen, in Württemberg der Bauern- und In der Rubrik Rationale FrontDeut- scher Stände erscheinen die Ziffern für die Wirtschaftspartei, Deutsches Landvolk und Iunge Rechte, die sich für den Wahlkampf in den meisten Wahlkreisen zusammengeschlossen hatten^ Sn Weingärtner-Bund, in Bayern, drr rische Bauern- und Mittel st a b n n h in Anbalt die Lifte der Ä a u s B ahnd s - und Bayern tritt ris^e Volks sur oas Zentrum wie ■D U V - parier em. Grund b e s i tz e r. Sozialdcmokr. Partei Tcutschnationalc Bollspartci Zentrum Kommunistische Partei Deutsche Dolkspartei Nationale Front Deutsche Staatspariei Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei Christl.-c ivolksl sozialer »ievst Toz. Arb.- Partei Sonst. Preußen Wahlkreis: LW. 24.4.32 RW. 14.9.30 LW. 20.5.28 LW. 24.4.32 RW. 14.9.30 LW. 20.5.28 LW. 24.4.32 RW. 14.9.30 LW. 20.5.28 LW. 24.4.32 RW. 14.9.30 LW. 20.5.28 RprW. 13.3.32 RprW. 10.4.32 LW. 24.4.32 RW. 14.9.30 LW. 20.5.28 LW. 24.4.32 RW. 14.9.30 LW. 20.5.28 LW. 24.4.32 RW. 14.9.30 LW. 20.5.28 LW. 24.4.32 RW. 14.9.30 LW. 20.5.28 RprW. 13.3.32 RprW. 10.4.32 LW. 24.4.32 RW. 14.9.30 LW. 24.4.32 LW. 24.4.32 Ostpreußen...... 250866 221924 264877 107771 205738 307472 85190 83064 73971 103024 124375 94199 116444 85128 16474 56847 94045 9733 32713 29416 13166 26915 38055 515445 236507 8008 402189 493176 19718 46083 1517 — Berlin........... 361957 346019 401997 81967 145032 307472 46560 44623 39698 352444 408646 350335 370965 314671 5853 27526 50227 5824 32572 28961 26218 53097 77208 288249 158257 15974 247427 332058 5903 10 §52 3466 — Potsdam II...... 287442 285655 299573 109496 164178 210647 43650 37724 29975 175291 217950 171201 205142 167257 15596 58830 89154 10437 57135 31842 45905 76833 93356 332779 184037 17084 326087 415362 5668 11936 3193 — Potsdam I....... 339610 329993 340550 1145461 159500 224195 29226 26942 21109 203887 230806 168234 229679 182838 11928 38582 64207 11602 81072 51790 25597 40241 51219 436528 215933 16036 374415 383599 7341 13381 3868 T* Frankfurt a. d. O.. 238263 240283 262401 96340 119086 236495 58575 52623 48993 68481 84268 48116 81521 57389 12653 34532 66366 13694 101202 68368 13196 27306 34749 410389 204595 7915 338046 420891 7864 20526 1580 — Pommern....... 241144 241748 269860 175876 242720 370952 12261 10388 9155 78942 85955 54594 94522 64519 11840 32446 49041 12453 73591 33131 16165 24262 35355 450875 237080 13280 391450 510655 8398 17707 2268 — Breslau......... 277951 314426 364556 68561 95276 220542 169814 171870 152306 75268 83133 43650 96862 69138 — 28740 57779 17533 53026 48206 11623 20275 28687 458119 259227 9074 403269 461150 16404 30681 14355 — Liegnitz ......... 194647 218023 227412 47728 58549 147040 49498 53451 47879 41645 41447 .25444 46741 33946 — 23670 39331 23608 83069 43387 14777 33755 38674 318938 142173 7266 275084 313797 10725 22011 2760 — Oppeln ......... 52585 62195 70338 52225 101568 94851 249699 234893 223651 85626 110633 71113 102699 79032 — 9451 15107 11961 31019 13747 3405 6923 9173 212455 63565 5492 185300 213747 2900 4808 1836 — Magdeburg...... 261087 280400 301999 64270 49900 118009 15326 14500 12592 71414 74600 50357 82600 62100 14335 49900 89518 11156 70600 38289 13550 28500 37046 307623 147800 10976 264800 318500 2267 4600 1961 — Merseburg....... 155759 160300 170095 65266 65400 152657 11273 10700 9942 180729 205600 175255 201500 165200 16603 55100 72988 19613 104500 44729 13503 • 25800 33174 344342 168700 19026 273400 351400 — 8100 2842 — Erfurt........... 65679 79400 83505 24965 24700 45778 47321 43200 37 355 53110 52600 32410 66000 47200 7076 19400 32571 6480 30100 24433 6466 14200 11747 143385 64500 ' 10090 117100 155200 1705 4500 831 — Schleswig- Holstein ....... 252290 255600 267293 48721 53000 172850 866 8800 8189 80899 92600 60723 98400 71200 20865 62500 105457 4068 67600 43884 18542 41100 42850 467663 232700 30046 405900 452700 8578 16300 2574 — Weser-Ems...... 68576 72200 70684 20276 25700 29420 98349 101400 75815 18356 14700 10894 23500 15300 6881 18500 32209 2664 19000 18752 5761 10300 13849 146122 77300 15658 130100 149600 8174 18500 1079 9374 Osthannover ..... 150 422 161900 166883 47564 46200 53303 7496 7700 6442 39620 43000 29671 49300 35700 1107 37300 48710 3661 38700 53190 10395 20700 18404 279379 118700 13182 240700 289100 5404 12100 1635 34319 Süd-Hannover... 285004 333100 333407 41598 45300 68078 52093 49600 41978 50084 . 42400 26620 59900 42800 20230 55200 89800 5194 31200 47734 13189 25300 29247 392601 200000 25798 342800 397100 6122 12600 2070 18924 Westfalen-Nord... 193270 266967 248610 62929 79015 91313 440187 42*1668 375994 131337 152475 102516 173943 122849 23296 65331 82395 39127 100169 103051 6551 28114 24224 304266 161993 10229 318607 376407 24772 45713 3429 — Westfalen-Süd ... 247551 300456 361558 62903 54615 104666 3ti076 312197 1 285609 227932 239663 145139 279441 190426 222 n 84932 130069 20991 73862 72923 14043 38424 51262 408768 195466 19329 363263 414471 41534 81615 — 7710 7652 Hessen-Nassau.... 309561 353111 369695 49010 44554 114615 —V'— 207388 | 192692 : 172012 136275 137148 92446 167171 112539 35103 76312 113304 28406 147891 129280 25670 54661 65564 606725 284996 40556 510686 583834 28420 60440 7590 —' Köln-Aachen..... 126607 165480 171641 37342 ' 34816 67547 482757 425273 389250 135056 169157 96744 182786 132876 28802 57782 77438 31056 77458 42640 14342 34019 29638 Ä7548 169510 10559 215949 224204 5347 8552 4040 Koblcnz-Trier.... 42980 58669 65631 28022 29242 37122 321891 296554 290932 45548 1 40143 26176 52185 37M 9919 24063 32606 24129 67605 55957 3436 10138 10667 192413 94157 11354 155586 195916 2523 — 1335 6515 Düsseldorf-Ost.... 143885 169451 j 201726 50601 59421 126192 251811 230348 222864 274410 321294 238691 319808 234265 227 73 61023 95161 23531 77171 65079 9186 30237 34051 399480 210162 19616 334722 388720 21018 42270 — — Düsseldorf-West ,. 93487 119214 142127 55198 59010 88754 341306 308937 294376 149159 176116 121679 190023 125521 16164 44202 69534 16972 66154 17900 4909 1583k 20873 293973 168784 10075 262691 299303 10308 21339 3713 Gesamtzahl: Preußen...... 467494? 5036514 5466394 1524931 I 96252( 3275490 3374413 3142147 2871454 2 819602 314870913291132 223826112449796 33080« 1 022169 1602713 345494 1517409 1415148 332441 68683k 837594 8 008219 399614216879571 5526598000890 255068 514110 80437 198632 Bayern......... 60409t 78769$ 80295 12769 75055 30664! 127207*. 1 17507** 1104596: 25940t 22471k 125842 31138k 22566! 6601! 7175k 109524 — 326033 491864 6910k 108771 1270602 677928 211030 1 280807 1364375 42109 66723 — 13452 253260 Württemberg .... 20657 28334 26707 5341 55205 l» 64131 25467. 30432k 21984t 116644 13173k 8252k 14514! 10807k 1931! s.St.P 5775t — 220045 214707 59689 136781 11319k 32818t 131683 20342 369718 416529 52352 91602 133654 Hamburg....... 22623 24098 1 21450 9 3234 3137t 4 4326! 1001 1098t 1079** 11947* 13527! 168618 123908 9648.' 2380k 6914k 3692t 488l 38 044 11373 8413$ 6412! 6708k 23352t 144684 202465 200420 238689 7729 11968 10874 220« — Anhalt......... 7512 12710 0 8450 0 7 1280 18804 7 1331 263 410t 0 228 2041 307(X 1495' 2490t 1900t 819 3810t 3086' — 2730t 322' 780t 844** 89602 66600 4117 86200 94900 — 803 6386 Die Preußenwahl in Hessen-Nassau. Kreis Lozialdeowkr. Partei Deutschuat. Volkspartei Zentrum Sommuuiftische Partei Deutsche Volkspartei Wirtschafts- Partei Laubvolk- Partei Deutsche Dtaatspartei Nationalsozialistische DcutscheArbeiterpartei Christl.-Loz. Volksdienst 2-z- Urb.» Partei b;w. Wemeinbe LV. ' RV. 24.4.32 14.9.30 LW. 1 RV. 24.4.32 14.9.30 LV. 24.4.32 RW. 14.9.30 LV. | RprV.' RV. 24.4.32 13. 3.32 | 14.9.30 LV. > RV. 24.4.32 14.9.30 LV. ' RV. 24.4.32 14.9.30 LV. ' RV. 24.4. 32 14.9. 30 LV. 1 RV. 24.4.32 14.9. 30 LV. ! RprV. RV. 24.4. 3^ 13. 3. 32 14.9. 30 LV. ! RV. 24. 4. 32 14.9. 30 LW. 24. 4.32 Kreis Wehlar. -reis Wetzlar........ 11518 13893 2057 2239 780 703 2099 3127 1849 1120 1998 311 1143 773 5378 946 2126 18825 16566 5599 999 1987 799 Stabt Wetzlar ....... 2937 3779 542 811 633 673 677 940 451 573 1073 143 461 66 116 546 928 3141 2508 1368 228 300 194 Atzbach............. 207 235 32 29 4 2 11 20 18 11 18 10 36 33 157 — 3 249 199 32 14 21 1 Dorlar............. 176 165 15 26 8 6 3 3 8 17 15 6 24 82 3 12 181 156 80 13 11 — Dutenhofen......... 244 266 40 50 5 1 10 10 7 14 43 1 30 12 99 3 10 304 225 61 60 69 1 Garbenheim......... 204 224 17 18 6 2 14 39 18 11 26 2 19 5 100 13 53 308 233 60 34 72 3 Kinzenbach ......... 234 225 17 7 _ 12 19 15 4 9 4 10 32 186 4 9 175 159 16 17 13 1 Krosborf............ 344 470 29 26 8 2 157 282 225 12 35 2 90 8 196 7 36 619 521 99 —• 5 93 Gleiberg............ 81 100 4 1 2 — 147 151 131 — 1 5 — 14 2 2 18 12 3 — — 9 Vetzberg ........... 76 116 2 10 — 1 58 73 97 1 8 *■ — — — 1 1 78 58 3 —— 1 21 LaunSbach.......... 113 162 5 6 1 — 169 207 180 2 6 2 10 32 85 5 9 159 127 21 — — 10 Odenhausen......... 141 133 2 8 2 3 4 — 5 4 — 5 7 55 4 2 135 128 61 2 2 — Salzböden.......... 97 109 3 5 — 1 13 15 8 — 2 1 1 3 94 6 5 157 150 39 2 17 5 Wißmar............ 339 391 12 10 2 2 266 331 236 26 22 10 21 49 223 13 15 289 231 29 36 43 15 Dornholzhausen...... 14 31 7 18 — 1 1 1 1 1 5 2 4 21 96 — 34 215 189 17 16 9 1 Ebersgön«.......... H 10 14 . 12 — — — 1 — 4 2 1 2 2 172 — 5 218 216 10 6 — — Groß-Rechtenbach.... 21 37 24 31 •— —— 3 8 1 8 3 — — 4 81 1 8 285 256 91 7 50 3 Hochelheim.......... 123 139 29 20 — — 11 13 4 2 9 2 20 2 134 5 14 235 207 36 40 65 1 HörnSheim.......... 54 53 19 8 1 — 8 14 2 3 1 — 2 17 93 9 63 270 221 75 7 45 — Klein-Rechtenbach ... c 3 8 7 30 — — — — —- 2 2 — •— 2 38 _ 5 157 147 25 1 10 1 Lützellinden......... 170 172 109 28 1 — 3 14 12 8 4 5 12 24 172 4 109 325 237 42 24 90 — Münchholzhausen.... 96 153 17 28 — — 34 38 22 6 11 4 2 14 63 3 11 201 191 48 5 2 —• Niederkleen......... 27 42 21 32 1 — — 2 — 8 16 1 2 4 80 6 6 285 258 101 6 — Oberkleen .......... 11 25 36 13 — I 1 5 3 7 1 1 4 102 4 4 211 202 40 1 3 —* Reiskirchen ......... 28 45 25 16 — — 10 10 8 1 3 2 2 3 78 3 — 157 164 47 12 25 — Vollnkirchen ........ 2 13 2 6 — — — — — —— 2 1 1 12 106 — 1 150 153 10 — — —• Volpertshausen ..... 22 34 16 6 — — 1 2 — 3 4 —— 2 —— 89 1 6 143 136 15 3 —— —• Weidenhausen....... 27 28 4 3 —— —- 2 1 — 2 — —• — — 32 —— 2 109 114 49 4 17 — Hohensolms......... 63 67 8 10 1 2 2 1 3 10 17 — 13 2 125 — 5 171 147 16 14 13 6 Erda............... 127 125 4 7 — — i 4 2 4 6 *• 10 1 137 2 7 426 372 99 1 18 1 Mudersbach ........ 21 34 16 26 — — 2 10 1 2 2 •— —- 12 — —— 130 110 44 — 10 — Altenkirchen ........ 13 11 35 24 2 1 3 4 2 1 1 — — 1 68 1 — 224 233 57 2 25 Kreis Biedenkopf. Kreis Biedenkopf .... 5501 6906 1238 888 86 86 623 1248 566 347 678 101 677 563 3198 232 778 19635 16928 7412 1249 4574 221 Stadt Biedenkopf.... 309 576 116 59 35 41 40 195 46 150 252 6 176 5 31 51 174 1188 937 526 45 96 85 Bieber............. 195 210 4 12 — — 9 2 1 6 2 1 3 11 — 4 266 233 142 10 49 — Bischoffen.......... 27 49 22 7 — — 2 3 5 — 1 — 3 — 2 2 e— 223 161 78 1 77 2 Bottenhorn......... 41 63 19 12 — — 17 24 25 4 10 — 5 — 59 5 6 406 293 101 10 147 2 Crumbach........... 133 123 8 9 1 — 4 5 13 1 3 1 1 10 12 —- — 60 42 12 23 61 3 Endbacb............ 61 100 3 . 6 — — 56 56 38 1 4 — 4 —— 1 7 4 182 134 32 51 124 — Erdhausen.......... 138 159 8 20 — 2 3 8 3 4 6 3 14 2 32 — 10 179 153 48 22 23 — FellingShau en...... 288 296 2 23 — 2 4 8 10 1 8 — 4 — 5 2 16 143 87 21 7 25 17 Frankenbarl'......... 72 61 4 1 — 1 5 2 1 9 4 1 2 11 8 2 2 222 206 108 29 123 — Gladenbach......... 271 280 59 107 15 7 44 115 35 26 60 3 75 2 26 13 55 598 473 223 40 57 2 Günterrod.........* 40 119 10 1 1 — 15 31 4 1 1 — 4 — 28 — 5 232 178 19 35 123 — Hartenrod .......... 92 80 12 19 2 1 21 22 34 — 2 4 5 ■— 4 5 7 455 309 114 30 199 — Königsberg ......... 57 74 2 19 — — 11 9 9 — 10 3 5 4 25 —— 7 118 104 27 — 16 — MorirShai'> n a. S.... 192 181 9 9 — _ 3 8 6 1 — —— 2 3 13 —— —— 210 182 105 24 48 — Niederweiobach ..... 34 45 16 21 — 1 19 22 6 2 — — 7 1 41 5 20 163 157 73 1 12 2 Oberweidbach....... — 1 1 2 — — — ■— 1 — — —— — —- 50 e— — 119 HO 24 6 24 —— Rodheim........... 344 378 8 21 — 1 8 16 13 4 . 15 5 20 7 54 2 47 521 447 224 15 65 5 Roßbach............ 8 12 — — — — — 1 1 — —- — 1 — 46 6 6 126 116 49 3 5 —- Runzhcmsen ........ —- 11 — 1 —- 1 3 4 3 — 2 1 — 1 50 — — 164 131 35 5 48 1 Schlierbach....... .. — 3 7 — — —— — — 1 1 — — — 11 1 1 147 129 47 19 78 — Waldgirmes......... 357 428 22 38 1 1 10 16 7 6 8 9 18 52 143 9 18 377 350 90 12 59 11 Weidenhausen....... 242 245 36 39 2 1 5 9 16 2 19 2 29 4 66 2 12 318 299 61 118 119 — Wilsbach............ — — — 2 — — —- — 1 — — 2 3 65 2 4 157 146 70 1 12 — Wommelshausen..... 101 126 4 4 3 3 6 9 10. — 3 1 6 — 27 1 4 191 146 44 60 99 1 Kreis Marburg. Weitere Kreise und Städte. Kreis Marburg...... 3915 4453 775 1054 751 727 1030 1204 938 202 448 44 154 52 1930 233 552 13334 11647 6045 461 1658 34 Marburg-Stadt...... 2432 1792 1495 1352 938 702 759 836 641 601 1305 102 495 25 38 445 890 8939 6357 3516 472 770 20 Fronhausen......... 168 131 36 43 2 — 61 50 64 5 26 — 7 1 60 11 14 356 301 148 25 73 — Bellnhausen ........ 16 29 32 24 _ _ 1 1 1 2 5 1 1 — 9 1 1 122 124 66 15 35 — Sichertshausen...... 53 44 17 21 — — 2 6 5 — 2 — 3 — 15 — 1 120 88 78 9 18 2 Nordeck............. 104 110 15 7 1 — 3 4 4 2 12 — 3 — 47 18 38 219 178 50 2 22 2 OberlahnkreiSss....... 5725 6862 506 302 3328 3282 1015 1025 672 732 1267 211 1325 1038 4074 206 401 10097 8274 2101 198 294 66 Kirchhain-Kreis ..... 1456 1684 292 285 4841 4521 624 782 287 117 189 43 198 — 1146 154 463 6301 5378 2884 133 376 15 Dillkreis............ 3 752 5661 1799 768 504 453 1077 1494 886 417 866 82 1377 317 1438 197 851 20332 16661 7547 1917 6875 54 Limburg-Kreis...... 3265 3755 398 369 15 665 14656 1878 19$0 1451 589 1197 345 1246 2210 3684 201 543 7735 7088 3123 203 238 97 Gelnhausen-Kreis.... 4276 5049 997 1379 7323 7163 4244 4957 4650 307 812 114 498 175 2623 312 791 12393 10683 3572 215 617 95 Frankfurt a. 9)?.-Stabt 79982 89714 7415 7135 40815 35659 45200 58129 49441 13739 28896 4750 15669 566 1640 10059 19099 117492 96963 68566 7155 10393 2884 Wiesbaden.......... 19495 22205 3378 2875 10571 9756 11128 12111 12449 4691 10404 2143 4349 208 1051 3015 4228 38097 31900 26932 1637 1995 208 Kassel-Stadt ........ 20332 33879 6124 6345 4302 4196 9388 11280 9583 2506 6642 462 3465 73 190 2340 5633 46169 37043 2728 5393 531 Fulda-Stadt ........ 1199 1125 356 228 8585 7 240 1375 1645 641 178 298 182 608 26 79 131 410 3124 2413 2017 284 473 16 Hanau-Stadt........ 4163 4568 706 474 1960 1993 6593 8018 7195 1053 2254 209 1994 24 64 618 1406 8188 6241 3461 535 550 133 Die vorstehende Tabelle enthält zunächst die Gesamtresultatc unserer drei Nachbarkreise Wettlar, Biedenkopf und Marburg. An- jchlietzend folgen die Ergebnisse der drei Kreisstädte. Sodann wird über den Ausfall der Wahl in den Orten berichtet, die wir zu unserem engeren Interessengebiet zählen. In der letzten Abteilung der Tabelle haben wir die wichtigsten Kreise und Städte unserer näheren Heimat zusammengestcllt. Bei der räumlichen Anordnung der Parteilisten ist für uns die amtliche Reihenfolge maßgebend gewesen, jedoch haben wir davon abgesehen, die zahlreichen kleinen Splitterparteien mit anzusühren, die praktisch keine politische Bedeutung haben. Innerhalb der einzelnen Parteilisten haben wir der gestrigen La n d ta g s wa hl die Ergebnisse der Re i chs- tag 2 wähl vom 14. September 1930 gegenüber- gestellt, bei der NSDAP, und bei der KPD. hoben wir außerdem die Resultate des ersten Wahlaonges der Reichspräsidentenwahl hinzugesugt. Das Ergebnis in Seffen-Aaffau. WSA. Frankfurt a. M.. 24. April. Die Wahlen zum Preußischen Landtag haben auch in der Provinz Hessen-Rassau ein gänzlich verändertes Bild gegenüber den letzten Reichstagswahlen ergeben. Zunächst fällt — dos Gesamtergebnis der Provinz ist ans der Landes- Tabelle auf der ersten Seite ersichtlich — der katastrophale Stimmenverlust der M i t te l p a r t eie n in die Augen. Volks- Partei, Staatspartei und Christlich-Sozialer Dolks- dienst haben fast gleichmäßig mehr als die Hälfte ihrer Wähler eingebüht. Die Wirtschaftspartci brachte es kaum auf den vierten Teil ihrer Reichstagswähler, die Deutsche Landvoltpartei erzielte sogar nur noch knapp den sechsten Teil ihrer Stimmen bei der Rcichstagswahl. Auch die Sozialdemokraten haben 12 Prozent ihrer Stimmen eingebüßt. Demgegenüber haben die R a - tionalsozialisten wieder eine starke Zunahme zu verzeichnen. Sie verdoppelten ihre Stimmenzahl gegenüber der Deichstagswahl und konnten selbst ihre Ziffer vom zweiten Wahl gang zur Reichspräsidentenwahl noch um rund 96 000 Stimmen erhöhen. Das Zentrum geht mit einem Gewinn von etwa 15 000 Stimmen aus der Wahl hervor, ebenso haben die Deutsch- nationalen 4500 Stimmen gewinnen können. Die Kommuni st en haben gegenüber der Reichstagswahl nur eine geringe Einbuße erlitten. Die stärkste Vertretung unserer Provinz im Landtag haben die Rationalfoziali- st e n: sie stellen 12 Abgeordnete. Die Sozialdemokraten stellen 6 Abgeordete. Dom Zentrum werden 4 hessen-nassauische Abgeordnete im Landtag sitzen. Die Kommunisten entsenden zwei Abgeordnete. Die Deutschnationalen haben durch die Listenverbindung mit dem Radikalen Mittelstand gerade noch ein Mandat retten können. Auch der Deutschen Volkspartei ist es nur durch die Verbindung mit den Wahlvorschlägen der eigenen Partei der Wahlkreise Koblenz—Trier und Köln —Aachen gelungen, ihren Spitzenkandidaten durchzubrinoen. Wirtschaftspartei. Deutsches Landvolk, Staatspartei und Christlich-Sozialer Dolksdienst konnte dagegen auch mit Hilfe der gleichen Verbindungen zu keinem Mandat kommen. Großfeuer im Kreise Lauterbach. WSN. Lauterbach, 23. April. In dem Kreis- ort Allmenrod brach in dem Hause des Schindlermeisters H a b e r m e h l IV. ein gewaltiges Feuer aus, dem das. Wohnhaus, die Scheune mit großen Heu und Strohvorräten, die Schindlerwerk st all mit reichen Vorräten an Schindelmaterial, ein Teil des Hausmobiliars, sowie ein angrenzendes Gebäude der Gemeinde Allmenrod trotz eifriger Tätigkeit der Feuerwehren in kurzer Heil zum Opfer fielen. Das Feuer bedrohte zeitweilig die Kirche und den Kirchturm, der an zwei Stellen zu brennen anfing, zum Glück aber von einer Motorspritze so ergiebig unter Wasser genommen werden konnte, daß er erhalten blieb. Das Feuer soll auf Kurzschluß zurückzuführen sein. Da der Besitzer sehr niedrig versichert war, erleidet er schweren Schaden. Eisenbahnunfall bei Biedenkopf. WSR. Biedenkopf. 23. April. 3n einer Weiche des Bcchnhofes Friedensdorf entgleiste am Donnerstag der 17.58 Uhr aus Richtung Marburg kommende Personen zu g. wobei sich ein Personenwagen stark zur Seite neigte, ein anderer umfiel und der Packwagen aus den Schienen gehoben wurde. Ein Reisenoer erlitt infolge des ausgestandenen Schreckens einen schweren Herzanfall. Als man nach Eintreffen des Hilfszuges au« Marburg den Packwagen hochgewunden hatte, rutschte dieser plötzlich wieder zurück, wobei ein Bahnschlosser erhebliche Quetschungen erlitt. 3m übrigen entstand nur Sachschaden an Wagen, Schienen und Schwellen. Wettervoraussage. Mit dem Drehen der Winde nach Westen und Rordwesten ist die milde Luft weggeräumt worden und kühle ozeanische breitet sich über Deutschland aus. Vorerst werden wir noch im Bereich dieser Luftströmung verbleiben, mit der Bewölkung vorüberzieht und auch strichweise leichte Schauer nicht ausgeschlossen sind. Später dürst« jedoch die neue Atlantikstörung mit dem Vorschub wärmerer Lust auch wieder auf unsere Temperaturen Einfluß gewinnen. Aussichten für Dienstag: Wechselnd bewölkt mit Aufheiterung, kühl, keine oder nur vereinzelt geringe Schauer. Aussichten für Mittwoch: Wieder etwas milder und zeitweise stärker bewölkt. Lufttemperaturen am 24. April: mittags 14 Grad Celsius, abends 7 Grad: am 25. April, morgens 6,3 Grad. Maximum 14,5 Grad: Minimum 8,5 Grad. - Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 24. April: abends 11,8 Grad: am 25. April: morgens 6,6 Grad Celsius. — Sonnenschcindauer 12Vi Stunden. X... IPIFIEMNIIG* SIPA\IRIBUCIUI IUI AWSIFIRA\U wmAMrmmeM Roman von 3- Gchneider-Foerstl. Urheber-Rechtsschutz: Verlag O. Meister. Werdau. (Schluß.) $nnn standen sie wieder auf festem Boden. Aber ihre Füße schwankten, als ginge sie über schaukelnde Bretter. Alles ringsum fuhr zu kreisen fort. Unwillkürlich suchte sie nach einem Halt, fühlte, wie ein Arm sich unter den ihren schob und vernahm das helle, mitleidige Stimmchen der Kleinen: „Soll ich nicht eine Limonade holen, Dieter? — Oder Eis?" „Limonade", sagte Malnow und blickte der Schwester nach, wie sie mit fliegenden Locken nach einem der benachbarten Stände lief. „Wollen wir nicht lieber in eine Bude gehen? — Ja, Fräulein Suse?" Sie vermochte kein Wort zu entgegnen und biß die Zähne zusammen, um das Weinen zurück- zudämmen, das auS allen Tiefen ihrer Seele yervorzubrechen drohte. Das Dorli kam und hielt in der Rechten ein Glas Limonade, während ihre Linke eine mit Eis gefüllte Waffel umschloß. „Dieterle!" schmeichelte sie. „Bitte, nimm mir etwas ab. Ich verschütte -sonst. — Ich habe das Glas selber ganz rein gespült! Sie brauchen sich nicht davor zu ekeln, Fräulein." Suse trank mit geschlossenen Augen und fühlte noch immer Malnows rechten Arm durch ihren linken geschoben. Willenlos ging sie neben den beiden her, vernahm, wie das Kind bald dort, bald hier, in einen Ruf des Entzückens ausbrach und tausende Worte des Beifalls für all die Herrlichkeiten fand. Bald nachher saßen sie im Dämmer einer zeltbedachten Bude. Kleber das gestreifte Leinen rann die Sonne und ließ Schatten in den Gesichtern spielen, je nachdem der Wind es hob und senkte. Malnow bestellte Gumboldskirchner auf Eis gekühlt und erstand farbige Riefenlebkuchen, die in Dorlis Fingern wie Ungeheuer aussahen und von ihren kleinen Zähnen lustig angeknabbert wurden. Das Kind mochte fühlen, daß zwischen den beiden Menschen neben ihr ein Geheimnis zitterte, dos sich nicht erschloß, solange es zwischen ihnen am Tisch sah. Zudem wollte es auch hinaus, wo es all die Herrlichkeiten zu schauen gab. Aber so sehr sie auch bettelte, allein wollte Dieter sie nicht gehen lassen. „Du könntest dich verlaufen, mein Licb- ling“, warnte er besorgt. Und Suse brachte in dieser Minute das größte Opfer ihres Lebens, als fie sagte: „Dettermann wartet auf mich, vor der Bude, wo es die „schönste Frau der Welt" zu sehen gibt. Vielleicht könnte dein--Ihr Kind--unter seiner Obhut die Wiese beschauen." „Sie versprechen mir inzwischen hier zu bleiben und nicht wegzulaufen, bis ich wieder zurück bin?" Malnows Frage war mehr ein Befehl. „Ja!" versprach sie willenlos. Gegen die Lehne des Stuhles gedrückt, sah sie ihm nach, bis die Zeltvorhänge hinter ihm zusammenfielen. Fünf Minuten später stand er bereits wieder vor ihr. „Sie haben noch gar nicht getrunken", tadelte er. „Dettermann hat sich schon gesorgt und war der Meinung, es hätte sie einer der fahrenden Leute in seinen Wagen geschleppt, um Sie demnächst als „schönste Frau der Welt" auf den Jahrmärkten des Kontinents zu zeigen!" Sie lächelte verzweifelt und führte nur, um seinem Blick auszuweichen, das Glas mit der goldenen Flüssigkeit zum Munde. „Da uns ein Mehr nicht gegönnt war, Fräulein Suse, wollen wir nicht wenigstens gute Freunde sein?" Er hielt ihr die Hand über den Tisch entgegen und wartete. — Aber die ihre hob sich nicht. — Roch immer lag seine Rechte allein auf der gemusterten Decke. „Sie wollen nicht?" Sie schüttelte den Kopf und legte ihn aufweinend auf den Rand des Tisches. „Suse!" mahnte er betroffen. „Richt einmal zum Freund willst du mich haben?" Ihr Gesicht hob sich in schleppender Langsamkeit, während ihre Finger nach den seinen tasteten. „Vergib mir, Dieter!" Haltlos brach das Schluchzen aus ihrer innersten Seele. Er hob sich aus dem Stuhl und setzte sich in den neben ihr. Sie waren fast die einzigen in der Bude. Rur in einer Rische saß noch ein Pärchen, das aber für niemand Augen hatte. So konnte er es ruhig wogen, den Arm um sie zu legen und ihr Gesicht an seine Schulter zu ziehen. „Was haben wir uns gegenseitig Leid geschaffen, mein Mädchen. — — Hast du mich denn noch ein bißchen lieb?" „Lieber alles!" hauchte sie und barg das Gesicht enger gegen seine Brust. „Lind Doktor Wander?" „Es war nur Trotz — — weil ich dich nicht mehr haben durfte--wollte--“ verbesserte sie scheu und wagte nicht zu ihm aufzusehen. „Lind das Kind?" Da sie noch immer geschlos- 'senen Auges gegen ihn lehnte, gewahrte sie das Lächeln nicht, das ihm bei dieser Frage um Mund und Augen spielte. Ihre Wangen standen jetzt glutüberhaucht. Dann hob sich ihr Blick und ruhte offen und ehrlich in den seinen. „Ich will es lieben — wie ich dich liebe — und ihm die Mutter sein — wie du es von mir erwartest, und mich seinerzeit darum gebeten hast." „Ich danke dir, Suse! — Von ganzem Herzen danke ich dir, mein Mädchen." Er neigte sich über ihre Hand, hob diese an die Lippen und ließ sie darauf ruhen. Plötzlich gab er sich einen Ruck, ging nach dem Büfett und kam mit einer Flasche Sekt zurück. „Run wollen wir Verlobung feiern, Kind!" Ter Pfropfen knallte gegen das flatternde Leinen der Decke, daß sie einen großen Dogen in die Luft zeichnete. Schäumend brausten die Kelche über. „Trink, mein Schatz! — Suse! Liebes!" Er hielt ihr sein Glas entgegen und ließ keinen Blick von ihr, bis sie es zum Grunde geleert hatte. „Run hole ich das Dorli und--'Dettermann! Daß du mir keinen Schritt aus der Bude machst! Ich will die „schönste Frau der Welt" für mich allein haben. Einen Kuß noch, mein Mädl! Ich verschmachte sonst!" Der Sekt berauschte sie förmlich. Als er nach kurzer Zeit zurückkam, den einen Arm in den Dettermanns, den anderen in den des Dorli gehakt, sah sie ihm aus glückstrunkenen Augen entgegen. Ihre Hand streckte sich nach dem Kinde aus, das einen großen Strauß dunkel erblühter Rosen umklammert hielt, und ihr denselben in den Schoß legte. „Dieter, darf ich wirklich?" Malnow nickte, während Suse zwei Arme fühlte, die sich um ihren Hals legten und eine kühle Kinderwange, die sich an ihre heiße, glühende schmiegte. „Hab mich lieb!" bat Dorlis Stimmchen. Aber es zitterte etwas. Suse vermochte kein Wort zu sprechen, drückte nur das zarte Geschöpfchen an sich und küßte es auf Stirn und Lippen, und streichelte dessen'flimmerndes Blondhaar. Lieber die Kleinen hinweg tasteten ihre Finger Dettermann entgegen, der sich den Schnurrbart leckte, damit ihm die Tränen von dort weg nicht in den Hals rollten. Er drückte ihre Hand, daß sie völlig gefühllos wurde und nur mit Mühe, als er sie wieder frei gab, einen Zwanzigmarkschein aus dem Täschchen ziehen konnte. „Ditte, Dettermannchen. kauf dem Dorli alles, was ihm Freude macht! — Aber sei achtsam, daß es sich nicht den Magen verdirbt. — Hörst du?" Aber die beiden hörten nichts mehr. Das Kind und der Alte waren schon losgezogen, nur die Zeltwand flatterte an der Stelle, wo sie hinaus- gcschlüpft waren, noch einmal auf. Malnow nahm die Hand der Geliebten ganz behutsam zwischen die seine und neigte sein Gesicht darüber. Als er es wieder hob, waren seine Augen von Trauer und Ernst beschattet. „Ich werde dir nie vergessen, daß du mir heute dein ganzes Selbst zum Opfer gebracht hast. Du hättest mir keinen größeren Beweis deiner Liebe geben können, als daß du das Kind in dein Herz einzuschließen bereit bist. —’ Lind nun sollst du auch wissen, wie sich alles verhält." — Suses Hände, die abwehrend auffahren wollten, herabdrückend. begann er zu sprechen: Von seiner Kindheit — seinem Zerwürfnis mit der Mutter, als sie eine zweite Ehe einging — „Lind dieser Ehe, mein Mädchen, entsproß das Dorli!" sagte er ernst. „Dann ist es also---" „Meine Stiefschwester", nahm er ihr das Wert vorweg. „Ich begreife selbst nicht, wie dieser unselige Irrtum damals bei unserer Aussprache möglich sein konnte. Ich war des festen Glaubens, daß du alles weißt, sonst wäre es doch mein Erstes gewesen, deine Annahme zu berichtigen und uns beiden diese Szene zu ersparen." „Dieter —!" Er wußte nicht mehr, welche Worte und welche Zärtlichkeiten er für sie finden sollte, als sie jetzt so bitterlich zu weinen begann. „Ist dir leid um die Tage des Glückes, die wir so nutzlos versäumt haben?" „Ja!" stammelte sie und hielt seine Finger umklammert. Er nahm sie in die Arme und wiegte sie glückversunken. Das Dämmer, welches dieDude mit halber Rächt erfüllte, wurde jäh durchbrochen, als die ersten Lampions in bunten Farben aufglühten. Er küßte sie rasch noch einmal, dann schritten fie Arm in Arm in das Toben und Johlen. Lachen und Schreien, in die sprühende, flimmernde Helle, welche den weiten Platz erfüllte. „Run hat auch das Recklinhäufensche^Iüngste heimgesunden", sprach er und drückte sie enger an sich. „Margret ist mit ihrem Doktor glücklich., nur Lenore — —“ Sie unterbrach ihn, indem sie die Finger auf seinen Arm legte und zu ihm emporsah: „Sie ist die beste von uns Recklinhausenschen Töchtern. Ein Wesen aus einer anderen Welt. Ihr Glück ist nicht das, was die anderen darunter verstehen. Sie findet es in immerwährendem Sich-opfern, selbst für Menschen, die ihr wehe getan haben. Jetzt betreut sie Swensens Kind, damit er seine Frau nach dem Süden bringen kann. — Sie will noch diese Woche nach Hause kommen, weil der Kleine etwas schwächlich ist und Landluft nötig hat. — Kannst du das verstehen, Dieter?" „Ja!" sagte er überzeugt. „Auch du, Suse, mußt es doch begreifen. Hast du nicht selbst heute dein eigenes Ich vergessen und dich aufs Reue dem Mann geschenkt, von dem du glaubtest, daß er dich betrog und so bitterschweres Leid zufügte?" „Das ist doch nicht solch schweres Opfer gewesen, wie Lenore es täglich bringt", wandte sie schüchtern ein, errötete tief, als sie den Blick seiner Augen sah und drückte sich fester an ihn. Reben und vor ihnen lag das schöne reiche Leben, dem sie nun gemeinfvm entgegengingen. Alles Bittere war ausgelöscht! Richts, als die große, selige Freude des Sichgehörens blieb. HessMene-Ausstellimg „Kampf den Krebs-Krankheiten, der Tuberkulose usw.“ im Einhorn-Saal, Kirchenpl. Dienstag, den 26. April, 20Uhr. Großer Hörsaal der Universität. Llchtbilder-Vortrag des Herrn Prof. Dr. Haas. — Thema: „Wie können wir sicher die Tuberkulose verhüten und heilen?“ 2978d Eintritt 20 Pfennitr Dr. Szubinski verreist bis 2. Mai Vertretung: Dr. Mehl Schöne 4 Zimmer« Attwvhnnng in ruh. Hause an ruh. Leute au vermiet. Neflekt. belieb. ihreAdr. unt. 02602 a.G.A.abzug. Gill möhl. Zimmer 3236 D mit elektr. Licht und sep.Eing. nächst der Unio. au vermieten. Schriftl. Ann. unt. 02586 a. d. G. A. ,Vei-8oiiieäsn^ Reichelsheim (Wetterau), den 23. April 1932. 3233 D 3234 D von Barsch Pfund 60 Pf. auf dem Neuen Friedhof statt. 02604 Reiskirchen, Oberbrechen, den 24. April 1932. Die Beerdigung findet Dienstag, den 26. April, nachm. 2 Uhr statt. 02595 2hre Verlobung geben bekannt Besuchen Sie die Großen-Äuseck, den 24. April 1932 Die Beerdigung findet in Gießen statt am Dienstag, 26. April, nachmittags 3% Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus. Anni Gerlach Karl Rühl Gießen (Bismarckstr. 14), Betzdorf/S., den 23. April 1932. Die Beerdigung findet Dienstag, den 26. April 1932, nachmittags 3 Uhr, Autofahrten Modern. 4-Sitzer- Limousine 02M* Kilometer 15 Pf. Telefon 2375. Kabeljau o. Kopf Pfd. 25—30 Pf. Fischhaus,Cuxhaven* Marktstraße 23 3235 a Telephon 2417 Werkstatt zu vermiet. 02587 Zlreuzvlatz 12. Freundl. möbl. Zimmer zu vermieten. 02600 Cichweg 7II. Gelegenheit! Fabrikn.Nähmasch. erste Marke, m.Gar. billig abzugeb. Asterweg 44. eineüeinellnsgaöe oberelll.grob.Gewjlln bedeutet es, wenn Sie für Ihre Gesundheit Dr. Landolf’s PSlanzensäfte nehmen. Preisliste m. belehrendemJn- halt bei 81wd Drogerie Noll Bahnhofstraße 53. Schönes ruhiges Zimmer evtl.m.2Betten., Näh.Uniy. z. unt. ""Stevhanstr.6. Mein geliebter Mann, mein^guter Vater, unser lieber Sohn, Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel Frankfurter Einkauf-Zentrale ist Dienstag, d. 26., u. 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Hebbel, Gerichtsvollzieher in Gießen. Wilhelmstraße 6 II. — Telephon 4039. Stadttheater Gießen 32 00 Ticnstag,26.Avril, 18.30-22.15 Uhr: 28.Vorst.imDiens- tag-Abonn., Ope- rettenvreife, Borzugs- u. Rundfunk- Gutscheine haben Gültigkeit. Gastspiel des Hess. Landestheaters Darmstadt. Mignon Oper in 3 Akten v.AmbroiseTbomas | Kaufgesuche | Leichter Sioß- Karren oder kleiner Leiterwagen zu kaufen gesucht. Schriftliche Angeb. unter 3230D an den Gießener Anzeiger. Dr. med. Ludwig Leun prakt Arzt ist heute vormittag nach längerem Leiden sanft entschlafen. Fischerei-Verpachtung. I Die Ausübung des Fischereirechts in den öffentlichen Gewässern der Gemarkung Dornholzhausen soll am Samstag, dem 30. April 1932, nachmittags 3 Uhr, in der Gastwirtschaft Rühl zu Dornholzhausen auf die Dauer von 6 Jahren öffentlich meistbietend verpachtet werden. Dornhol,Hausen, den 22. April 1932. (Kreis Wetzsar) 3232D Der Gemeindevorsteher: W a tz. Plötzlich und unerwartet entschlief heute nachmittag 7 Uhr nach kurzen, schweren Leiden mein innigstgeliebter, unvergeßlicher Gatte, unser treusorgender, lieber Vater, Schwiegervater, Schwager, Onkel und Pate Friedrich Vogel Eisenbahn-Oberschaffner L R. im 68. Lebensjahr. Heute morgen entschlief nach langem, schwerem Leiden unsere Hebe Tochter, Schwester. Schwägerin, Gote und Tante Marie Peter im 49. Lebensjahr. Q2420.....1 Tausche meine 3-Zimmer- Wohnung in. Küche Seliermeg <9 in. gegen 2 - Zimmer - wolmung m. .Küche. 0*9,J W. Wagner. | Stellenangebote! Mädchen oder Iran für einige Stünden vormittags gesucht. Borzustellen abds. zwischen 6 u. 8 Uhr Stevhanstr.39v."^ Junges Mädchen zur Bedienung der Kundschaft und zur Maschin.-Stepperei gesuchtfwird angelernt). Vorzustellen zm. 8—9 Uhr morg. Schuh-Hansa Marlwlatz 2. 0,601 Verkaufe 2 MeWnme $leme sofort zu verkaufen Deuisch-Amerikan. PelroleumtaeUalt Gießen (^d Telephon 2404. MöbL Zimmer mit elektr. Licht sof. zu vrm. 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Aus den Ereignissen bei anderen Völkern habe man nicht gelernt. Die psychologische Ein- stellung zur Außenpolitik gehe dem deutschen Volke völlig ab. So nur konnte es sein, daß z. B. der Plan der Zollunion mit einer kläglichen Niederlage endete, weil man es nicht verstanden habe, sich vorher die Sympathie einer Großmacht zu sichern Politische Bildung tue not. Das Volk vom Schlagwort zu befreien, sei die große Aufgabe. Es gelte endlich, grundsätzliche Erwägungen'darüber anzustellen, welche allgemeine Richtung ii» der deutschen Außenpolitik eingeschlagen werden solle. Das Einzelne werde sich dann der großen Linie unterzuordnen haben. Eine ziellose Außenpolitik laviere ein Volk in den Abgrund Die ziellose Politik Wilhelms II. sei ein Verhängnis gewesen Aach dem Kriege und dem Sturze der Monarchie sei es aber leider nicht anders geworden Der Redner betonte, daß sich eine neue deutsche Außenpolitik aus dem Verständnis der Vergangenheit und der Gegenwart, aus einer Auswertung geschichtlicher Bedingtheiten der deutschen Politik entwickeln müsse. So gab dann der Vortragende einen weitgreifenden Heberblick über die Geschichte Deutschlands, ging vom Vkittel- olter und dem Kampf zwilchen Papst und Kaisertum aus. erinnerte an die Zeit des. Dreißigjährigen Krieges und seine Folgen, kam in großer Linie auf die Niederlage Preußens durch Napoleon zu sprechen und schilderte die Geschichte des aufstrebenden Staates nach den Befreiungskriegen und die dadurch gegen Deutlch- lanö eingetretene Feindschaft in Europa Kurz streifte er die Ereignisse der Jahre 1848 rmd 1866 und befahlt? sich dann eingehend mit der Politik und der Staatskunst Bismarcks. Jnsbcsoirderc unterzog er die bismarcksche Dünd- nispolitik einer eingehenden Betrachtung, erläuterte die Vorgänge, die zum Kriege 1870 71 führten, behandelte die Politik Bismarcks nach diesem Kriege und ließ dabei die Größe des Staatsmannes Bismarck erkennen, dessen Erbe die folgenden Diplomaten schlecht verwaltet hätten. Hier wies der 'Redner besonders auf das Wirken Bülows hin, charakterisiert^ dessen Politik als bald freundlich, bald feindlich, bald nach links, bald nach rechts lavieren, während er die großen Linien aus dem Auge verlor und große Gelegenheiten, das Reich zu festigen und zu sichern, versäumte. Schließlich zog der Vortragende noch die Hrsachen des Weltkrieges in den Kreis seiner Betrachtungen, die er hauptsächlich in der Rachegelüsten Frankreichs und in dem Verfall der angelsächsischen Politik sah. Das toirt- schaftliche und politische Erstarken Deutschlands habe Englands Haß wachgerufen, und Haßgefühle lösten den Krieg aus. England mußte aber eine Enttäuschung erleben, denn der Friede nach dem Weltkrieg sei zu einer nationalen französischen Angelegenheit geworden. 3n der Auswertung der geschichtlichen Erkenntnisse auf die Gegenwart betonte der Vortragende, daß uns vom Westen kein Heil kommen könne. ..Los vom Westen" sei die Parole. „Schluß mit Dersöhnungs- und Erfüllungspolitik" sei die Forderung unserer Tage. Jetzt sei die Zeit. Deutschlands außenpolitischen Kurs zu ändern. Nur eine autarke Politik könne der deutschen Freiheit dienen. Die Politik müsse nach dem Osten weisen. Zwar werde man sich Die „Hess. Landeszeitung" verbreitete am Freitag eine Meldung aus Alsfeld. nach der der Krecsdirektor des Kreil?s Alsfeld. Dr. Stammler, seines Dienstes enthoben worden ki. Das Regierungsorgan. die ..Darmft. Zeitung" bemerkte dazu, diele Meldung entspreche nicht den Tatsachen. Durck Erkundigungen erfuhren wir. daß dem Kreisdircktor Dr Stammler von dem Vertreter des Innenministers eröffnet worden ist, er -Stammler) werde von der Leitung des Kreises Alsfeld abberufen und in einer anderen Stellung a l s Beamter weiter verwendet werden. Allerdings soll dabei die Versetzung in eine andere Krcisdircklor- stelle nicht in Betracht kommen Wie man von anderer Seite hört, sollen bei dem Vorgehen der Negierung gegen Kreisdirektor Dr. Stammler politische Gründe mitsprechen, die man darin erblickt. daß die Söhne des Kreisdirektors Mitglieder der SA. gewesen feien. Die Maßnahme der Regierung hat im Kreise Alsseld auhevordentliches Aussehen und stärk st es Besremden ausgelöst. Oie Kreisbevölkerung tritt für den Kreisdirektor ein. >4 A l s s e l d. 25. April. Am gestrigen Sonntagnachmittag fand in der großen städtischen Festhalle am Lindenplah. die bereits vor Beginn der Kundgebung bis auf den letzten Platz gefüllt war. eine eindrucksvolle Kundgebung für den Alsfelder Kreisdirektor Dr. Stammler statt als Protest gegen die von der Hessischen Regierung in Aussicht genommene Maßregelung von Dr. Stammler. Die Kundgebung war von der Bürgermeistervereinigung des Kreises Alsfeld und von den wirtschaftlichen Verbänden der Stadt Alsseld. dem Kaufmännischen Verein, der Einzelhandelsvereinigung, dem Ortsgewerbeverein und dem Verkehrs- u. Verschönerungsverein einberufen worden. Namens der Dürgermeistervereinigung des Kreises Alsfeld sprach Bürgermeister Oekonomie- rat Morell. Angenrod, der auch die Dersamm- lung leitete. Er betonte die großen Verdienste von Kreisdirektor Dr. Stammler, die dieser sich während seiner 15jährigen Tätigkeit als Leiter des Kreises Alsfeld auf allen Gebieten der Fürsorge erworben habe. Die gegen ihn beabsichtigte Maßregelung müsse als ein H n - recht empfunden werden, zumal gegen Kreis- r bireftor Dr. Stammler f e l b ft nicht das geringste vorliege, für die politische Gesinnung und Betätigung seiner Söhne könne man ihn nicht verantwortlich machen. Der ganze Kreis Alsseld empfinde es als eine Kränkung. daß man einem hochverdienten Beamten das Vertrauen für fein ferneres Verbleiben im Amt entziehen wolle. Namens der Kreisstadt Alsfeld wandte sich Bürgermeister Dr. V ö l s i n g gegen die von der Regierung beabsichtigte Maßregelung. Es sei geradezu eine Tragik, daß man einen gegen den Boschewisrnus wehren und als dessen Vorstufe den Sozialismus bekämpfen müssen. Rußlands Staats- und Wirtschaftsform sei aber für die Außenpolitik gleichgültig. Die wirtschaftliche Kraft eines Nachbarstaates wirke sich nie schädigend, sondern immer belebend aus. Untere Zukunft liege nicht auf dem Wasser, sondern auf dem Lande — im erwachenden und erstarkenden Osten. Deutschland. Rußland und China müßten sich zusammenschließen gegen das Angelsachsen- tum. Die leitende Idee unserer Außenpolitik müsse sein — im bismarckschen Sinne — nach dem Osten zu streben, um so unserem Lande zu Kraft und zur Freiheit zu helfen. Mit einem Goethewort fand der mit lebhaftem Beifall aufgenommene Vortrag seinen Abschluß. Beamten, der sich während seiner ganzen Amtszeit strengster Hnpartcilichkeit bc- flcifjifit und sich von jeder P a r t p o l i t i k und politischer Betätigung f c r n gehalten habe, nunmehr aus politischen Gründen maßregeln wolle. Gegen dieses Unrecht protestiere die Kreisbcvölkcrung. Für den Kaufmännischen Verein Alsseld sprach Kommerzienrat R am speck, für die Einzel- handelsvereinigung Kaufmann Julius W a l d e ck und für den Ortsgewerbeverein Glasermeister Ernst Lcnth. die sich alle gleichfalls mit allem Nachdruck gegen die beabsichtigte Maßregelung des Kreisdirektors Dr. Stammler wandten. Namens deS KrcisauSlchusseS Alsfeld sprach Kreisausschußmitglied und Lan!Hpgsabgeordncter Lehrer K l o st c r m a n n. der in längeren lern- peramentvollen Ausführungen darauf hinwies, daß man den Beamten ihre verfassungsmäßigen Rechte nehme und sie als Bürger zweiter Klasse behandele, wobei er insbesondere das Vorgehen der Hessischen Regierung gegen den Kreis Alsfeld anläßlich der letzten Vorkommnisse bei der Auslösung der SA - Formationen einer scharfen Kritik unterzog Die Versammlung nahm alSdann die nachfolgende Entschließung an „Die heute in Alsfeld versammelten Mitglieder der Bürgermeisteroereinigung, die Angehörigen der roirlid)aftlidxn Verbände, sowie Tausende von Bewohnern des Kreises Alsfeld haben mit großem Befremden davon Kenntnis genommen, daß die Absicht erwogen wird, den Herrn Kreisdirektor Dr. Stammler dem Kreise Alsfeld zu nehmen und in eine andere Dienststelle zu versetzen. Herr Dr. Stammler hot sein Amt als Kreisdircktor in den langen und wirklich unruhigen Jahren seines Hiersein in derart vorbildlicher, und durchaus unparteiischer Weise ausgefüllt, daß die Kreisbewohner es als einen schweren Ner l u st für den Kreis betrachten würden, wenn man ihnen jetzt in einer ausgesprochenen wirtschaftlichen Krifenzeit den Herrn entziehen würde, der die Derhältnisfe des Kreises kennt wie kein anderer. Die Bevölkerung könnte es nicht verstehen, und es würde eine überaus ft ar Fe Mißstimmung und Unruhe in allen Kreisen heroorgemfen werden. Die Versammelten richten deshalb an das Gesamt- Ministerium die Bitte, von einer Versetzung des Herrn Dr Stammler unter allen Umständen .abzu sehen, und erklären sich bereit, durch eine Abordnung weniger Herren nähere Auf- tlärungen zu geben." Als Mitglieder der zu dem Gesamtmiaisterium zu entsendenden Abordnung wurden die Herren Bürgermeister Oefonomierat Korell. Angenrod: Bürgermeister Dr. Völfing, Alsfeld, Direktor Vogel eh. Alsseld, und Kommerzienrat R a m s p e ck, Alsfeld, bestimmt. Die in vollster Ruhe und Ordnung verlaufene Kundgebung, an der wohl 4000 bis 5000 Men- schen teilnabmen. wurde mit dem Gesang des Deutschlandliedes geschlossen. An die Vorträge schloß sich eine A ge an, zu der sich nur Studienrat Dr ank (NSDAP.) und Herr North (Christs ozialer Dolksdienst) gemeldet 'hatten, die den bekannten Standpunkt ihrer Parteien barlegten. In seinem Schlußwort befaßte sich Prof. Dr. Horneffer mit den Ausführungen der Diskussionsredner, charakterisierte den Nationalsozialismus aus seiner wissenschaftlichen Einstellung heraus und lehnte dann (bezugnehmend auf die Ausführungen des jUDciten Ausspracheredners) die Verquickung der Religion mit der Politik ab. Der Versammlungsleiter, Architekt Nicolaus, beschloß mit Worten deS Dankes an den Redner und die Zuhörer die anregend verlaufene Versammlung. Bornotjzcn. T a g e s k a I e N d c r für Montag: .Einhorn-Saal" 11 bi» 19 Hhr, Hcißschc Hygiene- Ausstellung. Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: .Tic andere Seite". Dicfecker ‘ Lichtspiele, 20.30 Hhr, .Tie Mutter der Kompanie". Aus dem Stadtthcaterbureau wird uns gefdnicber Heute. 19.30 Hhr. geschlossene Vorstellung des deutschen Märchens von Carl Zuckmever .Ter Hauptmann von Köpenick" unter der Spielleitung de» Intendanten Tr. Roll Prasch. Titelrolle Peter Fallott Ende 23 30 Hhr Dienstag, 26 April, als 28 Vorstellung im Dicnstagabonncmcnt Gastspiel des hessischen LandestheaterS mit der Oper .Mignon" von Ambroisc^ Thomas. Die musikalische Leitung hat Erwin Palm, Spielleitung Hamz Arnold Vorzugs- und Rundfunkgutscheine haben Gültigkeit. Opemprcifc. Beginn 19.30 Hhr, Ende 22.15 Hhr. — Vortrag von Professor Dr. Haas. Am morgigen Dienstag, 20 Hhr, pünktlich spricht im Rahmen der Hessischen Hygieiie-Ausstellung Pros. Dr. Haas im großen Hörsaal der Hniocr- fität über das Thema: .Wie können wir die Tuberkulose sicher verhüten und heilen". Der Vortrag wird durch Lichtbilder ergänzt: er ist icdcrmann zu empfehlen, da bedauerlicherweise die Tuberkulose heute noch Mne der schlimmsten Volks- kranshciten ist. Jedes Alter ist von dieser Krankheit bedroht, so daß cs unsere Psli'cht ist, uns Kenntnisse über die Verhütung und Heilung dieser Krankheit zu verschossen. (Siehe heutige Anzeige.) *• Don der Landesuniversität. Don der Pressestelle der Hniversität Gießen wird mit- geteilt: Die Professoren Dr. Rosenberg. Dr. Schumann und Dr. D o t h e, die Rufe an auswärtige Hniversiläten erhalten haben, lesen im Svmmcrsemester 1932 die von ihnen angefünbig- ten Dorlesungen an unserer Landesuniversitat. " Freihändigfahren der Radfahrer in den Straßen ist verboten! Vom Polizciamt Gießen wird mitgeteilt: In letzter Zeit wurde mehrmals die Beobachtung gemacht, daß Radfahrer beim Bergabsahrcn und auch dort, wo lebhafter Verkehr herrscht, oder der Heberblick über die Fahrbahn behindert ist, oder die Sicherheit des Fahrens durch die Beschaffenheit des Weges beeinträchtigt wird, beide Hände gleichzeitig von der Lenkstange tocq- nchmen Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß nach § .22 her Allgemeinen Straßenverkehrsordnung vom 21. Oktober 1921 das Freihändig- sahren in den oben angeführten Fällen strafbar ist. Die Radfahrer müssen sich darüber klar fein, daß sic durch diesen Leichtsinn nicht nur sich, sondern auch andere Wegebenuhcr in Gefahr bringen. Die Polizeibeamten sind angewiesen, streng ayf die Befolgung dieser Bestimmung der Allgemeinen Straßenverkehrsordnung zu achten und int Nichtbefolgungsfalle einzuschreiten. . Großfeuer in Kleeberg. <> Kleeberg, 25. April. In der Nach! zum Sonntag gegen 3 Uhr brach in unfewm Dorfe auf N ' noch ungeklärte Weise ein wroßseucr o , dem zwei neue Scheunen — die Sdjeunt । ii Karl Weber (Gastwirtschaft „Zum Adler") d die des Landwirts Slarl Jung — zum Opfer :ielen. Beide Gebäude wurden bis auf die .Grundmauern ein Raub der Flammen. In der Scheune des Karl Jung verbrannten alle darin untergebrachten landwirtschaftlichen Geräte. Die angebauten Ställe wurden ebenfalls von den Flammen vernichtet. Das Vieh konnte nur zum Teil gerettet werden: drei Schafe und 21 Hühner verbrannten, ein Schwein mußte notge- schlachtet werden. Die Bekämpfung des Feuers wurde sofort nach bet Alarmierung energisch in Angriff genommen. Die Pflichlfeuerwehr van Kleeberg ging zunächst dem Feuer zuleihe, die Pstichtscuer- wehr von Weiperfelden griff mit ein, die freiwilligen Feuerwehren von Brandvberndorf und Espa beteiligten sich ebenfalls an den Löscharbeiten. Trotz aller Anstrengungen gelang es jedoch nicht, die mit allerlei Ernteoorraten angefüllten Scheunen zu retten. Der Schaden erscheint beträchtlich, ist aber, wie man hört, durch die Versicherung gedeckt. Oberhessischer Kunstverein. Ferdinand Steiniger und Kran; Huth. Der größere Teil, der am Sonntag eröffneten neuen Ausstellung des O b e rhe s s i s ch e n K u n st v e r e i n s ist dem Werk von Ferdinand Steiniger, Dresden, eingeräumt, der hier aus Anlaß seines 50. Geburtstages eine Sammlung von Radierungen und Aquarellen — vorwiegend aus'Obcrhessen, wo er jahrelang gearbeitet hat — vorführt Die Kollektion gibt einen aufschlußreichen Heberblick über Stil und künstlerische Wesensart Steinigers. der durch mancherlei Beziehungen mit unserer Landschaft verbunden ist. (Einige biographische Bemerkungen zum Verständnis der neuen Ausstellung haben wir bereits im lokalen Teil am Samstag veröffentlicht.) Die graphischen Blätter, welche den breitesten Raum beanspruchen, auch künstlerisch den reifsten und jedensalls bestimmenden Eindruck hinterlassen. behandeln neben mancherlei Landschasts- ausschnitten und Architekturmotiven — von denen viele dem einheimischen Beschauer sehr vertraut fein werden — einige figürliche Themen. Da sind vor allem etliche Porträtköpfc zu nennen, die mit ihrer exakten, sicher beherrschten Technik und einem scharf eindringendcn Blick für die lebendige Individualität eines menschlichen Gesichts in Stil und handwerklicher Haltung etwa an die Arbeiten von Stausser-Bern erinnern. Ein in Ausdruck und Auffassung interessantes und unkonventionelles Blatt ist ferner in dieser Gruppe der liegende Christus — die einzige Vollfigur der Sammlung Die übrigen Radierungen, unterschiedlich zwar in Format und Materialbehandlung, geben insgesamt Naturausschnitte, großenteils nach heimatlichen Motiven, — wobei mit Vorliebe ein alter Baum, eine Baumgruppe oder em mächtiger Gesteinsblock als beherrschendes Bildelement ins Zentrum des Blattes gestellt wurde Aber auch liebevoll ausführlich und malerisch komponiertes altes Bailwerk. meist aus der engeren Heimat, bat Steiniger wiedergegeben, so die Marburger Elisabethkirche. Arnsburg. Limburg, Runkel an der Lahn und aus Gießen das Alte Schloß. Stille, freundliche, besonnte Landschaftsaquarelle aus dem Hessischen und eine Vitrine voll Exlibris und kleinen Glückwunsch-Karten runden das Bild dieser Gesamtschau angenehm ab. Als eine Huldigung des Kunstvereins an den Genius Goethes im Jubiläumsjahr darf die Vorführung einer Aquarell-Serie von Franz Huth, Weimar, gelten, die den Besucher empfängt. Huth ist von manchen früheren Ausstellungen im Kunstverein bereits bekannt: was er hier zeigt, sind liebenswürdige Impressionen, von freundlichen Lichtem erhellte Interieurs aus einigen der berühmtesten Goethe-Stätten in Deutschland. So zum Beispiel das Giebelzimmer, das Treppenhaus und das „Guckfenster'^ im Frankfurter Geburtshaus am Hirschgraben: Arbeitszimmer und Sterbezimmer in Weimar, die beide in ihrer schmucklosen und sachlichen Einfachheit ein unvergeßliches Bild aus dem Lebensbereich des großen Menschen vermitteln: dann das Dichterzimmer in Tiefurt, das Gartenhäuschen und die so vornehmen wie schlichten Räume aus dem Wittumspalais in Weimar. So wird diese Folge von Aquarellen den Freunden des Dichters und den Liebhabern der Malerei gleichermaßen willkommen und anregend sein. -y- Farn. Don Peter Bauer. Die Farne wohnen in Wäldern voll Schatten- kühle und Feuchtigkeit oder an Dachufern. die dichtes Buschwerk überdunkelt. Hnter weitgespannten Laubschirmen fühlen sie sich wohl. Das spärliche Licht, das durch das Blättergefüge rieselt, ist ihnen zum Leben genug. Sie neiden nicht den Großen die Sonnenseite des Daseins, sondern sind glücklich in ihrer Niedrigkeit und Erdnähe. Ihre zierlich gefieberten, wie Palrn- wedel geformten Blätter stehen in prächtigen, breit ausladenden Sträußen beisammen. Die Heidelbeerenleser schätzen diele herrlichen Wedel sehr Sie legen damit ihre Körbe aus. so daß rings um_ die schwarzblauen Deerenhaufen bas frische Grün wie eine reichgezackte Spitzengarnitur prangt unb bie köstliche Waldfpenbe noch verlockender macht. Farne gehören wie Algen. Moose unb Pilze Su den Sonderlingen im großen Werden und Vergehen der Natur, die keine Samen reifen unb i barum keine Blüten nötig haben, keine farbenprunkenden, duft- und nektarersüllten Gehäuse, die 1 sich zu ihren Staubblättern unb Stempeln bie be- stäubungsvermi ttelnden Insekten herbei locken. Es sind vielmehr Sporenpflanzen, denen eine leichte Windbrise genügt, die reifen Sporen zu verbreiten. Beim Farn bilden sich nämlich an den Dlatt- unterfeiten älterer Pflanzen winzige Sporenkapseln, die in Häufchen beisammensitzen und im Spätsommer aufspringen, um den feinen Sporenstaub fallen zu lassen. Aus ihm entwickeln sich kleine Keimschläuche, die sich blattartig auswachsen unb wie zarte grüne Pfennige auf dem feuchten Waldboden aufliegen. Diese Pfennige, die von ihrer Hnterfeite aus dünne Wurzelhaare in die Erbe senken, sind bie Werkstätten, aus denen neues Famleben Gestalt gewinnt. Zunächst bilden sich märmliche und weibliche Organe, Schwärmer unb Eizellen, bie nach Vereinigung drängen unb schließlich miteinander verschmelzen. Aus dem neuen Gebilbe formt sich nach einiger Zeit ein junges Farnkraut. 01(16 niemals entsteht aus dem Farn ein neuer Farn, sonbern es findet Generationswechsel 'statt, indem auf die ungeschlechtliche sporentragende Form der Farnpslanze die geschlechtlich^ des Dorkeims folgt unb erst auf diesen wieder das Farnkraut. Natürlich hat diese merkwürdige und von andern Gewächsen abweichende Entwicklung des Farns schon früh die Phantasie schlichter Natur- kinder erregt. Da man ihn weder blühen noch Samen reifen sah. muhte er ein'Gcheimnis haben. Otto Braunfels, der Verfasser des ersten gedruckten .Kräuterbuches" in deutscher Sprache, das 1534 erschien, sagt von dem Farn: .Hie muß ich mit dem Dergiliv sagen hic nihil nisi carmina desunt: hie mangelt mir nicht dann bah ich nit auch zaubern unb Teufel beschwören kann. Ich weih cs wohl, bah viele ein Aug auf dickes Kraut geworfen unb verzollen, ich werde etwas davon sagen wollen. Kein Kraut ist ba mehr Hexenwerk unb Teufelsgespenst mit getrieben wird. Ich muh hier mit Gewalt mich bereden lassen, wie dieses Kraut einen Samen trage, welchen es an S. Johannisnacht wirft, so doch Dioscorides Plinius und alle die davon getrieben keines Samens gedenken. Hnd biefer Same wirb auch nit jeber- mann zu theil. sonbern man muß zuvor das Kraut bekchwörcn und den Teufel darüber anrufen und alsdann jo jchwchet es wie ein Gunnnucopftei» welche gleich auf Stund hart werden unb zu einem schwarzen Samen, ber mir auch von etlichen ist gesagt worben." Trotz alledem hält Braunfels nichts von ber Teufclsbeschwörung, sonbern nennt sie „lauter Gaukelwerk', selbst auf die Gefahr hin, bah ihm „die Farenbeschwörer vielleicht zürnen". Der Glaube, daß geheimnisvolle Kräfte am Werk seien, hat sich jedoch noch in örtlichen Sagen erhalten. Die Niederösterreicher wissen, daß irn Gölsental einst zwei Männer in einem Farngebiet spazieren gingen. Plötzlich sah ber eine den andern nicht mehr, obschon er ihn noch reden hörte. Erst als ber Hnsichtbargewordene seine Echuhe auszog, unb der Farnsame, der ihm hin- eingeweht war, herausfiel, wurde er von seinem Weggenossen wieder gesehen. Auch die Fähigkeit, Schlösser zu sprengen, schrieb man dem Farn Au und suchte ihn als .Epringwurzel" um 12 Hhr in ber Johannisnacht. Dabei ist es. wie bie Sage erzählt, einem Mann im Harze übel ergangen. Er hatte sich ein Schloß an das Bein gebunden und stolperte im Dunkel zwischen den Farnkräutern herum, die er blühen sah. PlöhliH stellte ihm em großer Kerl, der aus den Wurzeln empor- schoß, das Bein unb zerrte den Heberraschten in den Farnen hin und her, bis es zwölf Hhr schlug. Dann verschwand er. Der Springwurzel- sucher aber lag eine Stunde besinnungslos. Dann eilte er heim und wenn das Schloß an seinem "Dein klapperte, wähnte er den großen Teufel hinter sich, und verdoppelte seine Geschwindigkeit. Atemlos stürzte er in die Stube, brachte kein Wort heraus und war an den Körperteilen, wo ihn der Kerl gepackt hatte, schwarz. Am nächsten Morgen konnte er stotternd sein Erlebnis erzählen und war am Mittag tot. Solche Geschichten haben wohl dem Wurmfarn, dem häufigsten unter den Waldfamen, den Na- men Teufelsfeder eingebracht, wie man ihn in Oesterreich noch nennen hört. An eine schlanke, breitfabniqe Feder erinnern ja die Blätter, bie so leicht im Winde spielen unb denen wohl alle Farne ihren Namen verdanken. Tenn Farn ist daS englische fern, daS Flügel, Feder bedeutet Nur seinen sarnartigen Blattern verdankt der Rainfarn seinen Namen, ber wie die Schafgarbe überall an Wegrändern anzutreffen ist und in gelben Dolden blüht, also nicht zu den Farmen gehört. 9.J.4pori Wirtschaft kommens 31. März 342 122 129 282 — 6 494 63,5 62,2 36,3 37,8 213179 212 830 ;+ 349 + 0,2 Gesfürel 1 und Zellstoff-Aktien 0,5 bis 1 Proz. niedriger. Don Montanaktien lagen Gelsenkirchen sogar 0,5 Proz. höher, Phönix blieben behauptet. An den übrigen Marktgebieten herrschte voll- . ....... _ . agnation. Rach den ersten Kursen wurde die Haltung etwas freundlicher, da kein Angebot von außen her an den Markt kam und die Widerstandsfähigkeit des Montanmarktes anregte. IG.° Farben konnten sich um 1 Proz. er- Zu- bzw. Abn. —6145 ter Hergenröther, Bü r ck und Hennig tätig. Zu den Florettkämpfen traten 18 Alt- mannen an, die in Dor-, Zwischen- und Endrunden hart um den Rang kämpften. Die meisten Gefechte endeten mit dem Trefferverhältnis 5: 4 oder 5:3. Die Schlußrunde der acht Besten hatte folgendes Ergebnis: 1. Hans Mulch, Tv. Wetzlar, 6 Siege, 20 erhaltene Treffer: 2. Robert Sch a u ß, Tv. Wetzlar, 6 Siege, 22 erh. Tr.; 3. Walter Gerhardt, Tv. 1846 Gießen, 5 Siege, 22 erh. Tr.; 4. W. C h a t e a u, T. u. Spv. Marburg, 4 Siege, 2» erh. Tr.: 5. H. Blumenauer, Tv. Wetzlar, 3 Siege, 29 erh. Tr.: 6. Hans Leonhard, Tv. 1846 Gießen, 2 Siege, 26 erh. Tr.: 6. K.P la a ck, T. u. Spv. Marburg, 1 Sieg, 32 erh. Tr.: 8. Heinrich K e u t n e r, T. u. Spv. Marburg, 1 Sieg, 33 erh. Tr. Die sechs ersten Sieger erhielten die Berechtigung, an den Kreismeisterschaften beim mittelrheinischen Kreisturn- sest in Trier teilzunehmen. Zur Ausscheidung auf leichten Säbel traten zwölf Fechter an. In der aus den fünf Besten bestehenden Endrunde gab cs nach spannenden Kämpfen folgende Rangfolge: 1. Walter Gerhardt, Tv. 1846 Gießen, 4 Siege, 10 erh. Tr.; 2. R. Schauß, Tv. Wetzlar, 2 Siege, 14 erh. Tr.: 3. W. Chateau, T. u. Spv. Marburg, 2 Siege, 15 erh. Tr.: 4. W. Fink> T. u. Spv. Marburg, 2 Siege, 17 erh. Tr.: 5. L Fuchs, T. u. Spv. Marburg, 0 Siege. 20 erh. Tr. Der Wetzlarer Hans Mulch mußte infolge eines Unfalls leider aus der Endrunde ausscheiden. Die fünf Sieger dürfen auf Grund des erzielten Ergebnisses an den'Kämpfen um die Kreismeisterschaft teilnehmen. Verfügbare Arbeitsuchende: am insges. Saisonber. v. S). übr. Ber. v. 5). 15. April 335 967 122 788 "" ......... Unterstützung wurde in der letzten Märzwoche an rund 12 000 Personen gezahlt, die in der Woche nur an drei Tagen und weniger arbeiteten. $ronffurf still und abwartend. F r a n k f u r t a. M., 25. April. (WTB. Drahtmeldung.) Die erste Börse der neuen Woche stand naturgemäß vollkommen unter dem Eindruck des Ausganges der Preuhenwahlen. Die Tendenz war etwas schwächer, doch hielten sich die Kursrückgänge in erträglichen Grenzen. Die Ungewißheit über die weitere Gestaltung dcr inner- politischen Lage hemmte aber jede Grschäfistätig- keit. Die Spekulation übte zunächst stärk st eZu- rückhaltuna, doch schritt sie zu kleinen Deckungen, während vom Publikum kaum Orders vorgelegen haben. Anregungen lagen so gut wie keine vor. Der feste Schluß der Reuyorker Samstagbörse blieb ohne Einfluß. Bei denkbar geringsten Umsätzen eröffneten IG.-Farben 1,38, Scheideanstalt 1, Reichsbank 0,25, Siemens 2,5, holen. Am Anleihemarkt lagen Altbesitz schwach und 1,38 Proz. niedriger. Schuygebietsanleihe gingen um 0,15 Proz. zurück, dagegen blieben Reichsschuldbuchforderungen und von Industrieanleihen Stohlverein-Bonds behauptet. Im Derlaufe blieb die Börse widerstandsfähig. Umsätze fanden aber so gut wie keine mehr statt, die Haltung blieb im allgemeinen abwartend. Tagesgeld war mit 4,5 Proz. unverändert. * Berlin zurückhaltend/ später freundlicher. B e r l i n , 25. April. (WTB. Funkspruch.) Die heutige Börse stand völlig unter dem Eindruck der Wahlen zum Preußischen Landtag. An sich brachte das Ergebnis keine Ueberraschung mehr, denn die Schätzungen, die man im Laufe der vorigen Woche abgegeben hatte, haben sich fast genau bewahrheitet. Trotzdem war man sich natürlich über die politische Weiterentwicklung, insbesondere über die praktischen Möglichkeiten einer Regierungsbildung, völlig im Unklaren, und so kam es, daß zu Beginn des Verkehrs sowohl beim Publikum als auch bei der Spekulation Zurück- haltung herrschte. Die Kursgestaltung war in erheblichem Maße vom Zufall abhängig, doch betrugen die Deränderungen nach beiden Seiten nur vereinzelt mehr als 1 Prozent. Stärker abgeschwächt waren anfangs Salzdetfurth mit einem Verlust von 4,5 Prozent, Farben, die 2 Prozent einbüßten, die Reichsbank, HEW., Dessauer Gas und Schlesische 8-Gas mit Rückgängen von je 1,5 Prozent; auch Chadeaktien lagen 1,50 Mark gedrückt. Berger fielen durch einen Gewinn von 2 Prozent auf. 2m Freiverkehr waren Bürbach leicht erholt. Harpener wurden von den Mitteilungen in der Bilanzsitzung nicht beeinflußt, während Charlottenburger Wasser auf die neue Bilanz geringfügig abgeschwächt waren. Die wirtschaftlichen Momente fanden heute überhaupt wenig Beachtung, der feste Schluß Reuyorks vom Samstag hatte keinerlei Einfluß. Selbst die Wahlergebnisse in den anderen deutschen Ländern traten stark in den Hintergrund. Im..Verlaufe stagnierte das Geschäft zunächst nahezu fast vollkommen; Kursverändc- rungen waren kaum zu bemerken. Später, als es sich zeigte, daß von Publikumsseite her kein Angebot herauskam, für Kassawerte sogar eher Interesse bestand, bekundete die Spekulation wieder Deckungsneigung. Ausgehend vom Farbenmarkt wurde es allgemein freundlicher, die Gewinne betrugen bei führenden Papieren bis zu 1 Prozent. Oie Arbeitsmarktlage in Heften und Heffen-Aaffau. Um 20 Prozent mehr belastet als im Vorjahre. WEN. Frankfurt a.M., 23. April. Heber die Arbeitsmarktlage in Hessen und Hessen-Nassau berichtet das Landesarbeitsamt Hessen in Frankfurt a. M.: In der ersten Aprilhälfte ist die Zahl der Arbeitsuchenden um 6145 oder 1,8 v.H. auf 335 967 gesunken. Der Ar- beitsmortt im Bezirk des Landesarbeitsamts Hessen ist demnach am 15. April d. I. mit rund 55 900, also mit 20 Prozent, Arbeitsuchenden mehr belastet als im Vorjahr. Wie die nachstehende Gegenüberstellung zeigt, erstreckt sich die Auflockerung des Arbeitsmarktes ausschließlich aus die Saisonberufe, während die Arbeitslosigkeit in einzelnen Gruppen der übrigen Berufe kaum zurückgeht und besonders bei den Angestellten (Zunahme über 1800) noch weiter steigt. In den Nichtsaisonberufen haben zahlreiche Entlassungen von Lehrlingen (Neuausgelernten) aus Industrie und Gewerbebetrieben und von Angestellten infolge des Quartalsschlusses die Lage ungünstig beeinflußt: Beginn Oer Aufstiegsspiele am Main. Am Sonntag hat nun auch die Gruppe Main ihre Aufstiegsspiele ausgenommen. Sechs Kreis- meister kämpfen um zwei Plätze in der Bezirksliga. Schon der erste Sonntag brachte Heber- raschungen. Der DfB. Friedberg verlor auf eigenem Platz gegen Kickers Obertshausen & 4 (0:1). In den beiden anderen Spielen konnten die Plahbesiher nur je einen Punkt herausholen, was gewisse Rückschlüsse auf ihre weiteren Chancen zuläßt. Sportfreunde Frankfurt spielten in Okriftel 2.2 und mit dem gleichen Ergebnis trennten sich Rüla und Kickers Aschaffenburg. Fechten im Turngau Heften (OT.). Ausscheidung für die Kreismeisterschaften. Vor einigen Tagen fanden in G i e ß e n die Fecht- kämpfe der Oberstufe des Gaues Hessen zur Ermittelung der Teilnehmer an den Kreismeisterschaften statt. Die 'Veranstaltung, die von Gau- fechtwart Kühn (Friedberg) geleitet wurde, wies eine gute Beteiligung auf und zeigte in ihrem ganzen Verlauf, daß das Turnerfechten von Jahr zu Jahr weitere Fortschritte zu verzeichnen hat. Die Leistungen der Kämpfer standen in beiden Massen auf hoher Stufe. Besonders in den Schlußrunden gab es spannende Treffen. Als Kampfrichter waren u. a. auch die Gießener Fech- 1. Hallen-Handball-Tumier. Heuchelheim und Bataillon als Gruppensieger. Das 1. Hallon-Handball-Turnier der Gießener Turnerschaft gestaltete sich zu einem großen Erfolg für die 'Veranstalter. Etwa 1200 Zuschauer hatten sich eingefunden und wurden Zeuge spannender Kämpfe. Rachdem sich schon in der Dorrunde heftige Kämpfe zwischen den Mannschaften uni die weitere Teilnahme an dem Turnier abspielten, kam es besonders in der Zwischen- und in der Endrunde zu fesselnden, manchmal auch reichlich harten Kämpfen, au5 denen aber schließlich die Mannschaft des hiesigen Bataillons in der Gruppe I (das Endspiel Turngemeinde Friedberg — Bataillon endete mit 2:3 Toren für die Soldaten) als Sieger hervorging. In der Gruppe II setzte sich Heuchelheim allerdings erst nach Derlängerung des Spieles mit insgesamt 7:5 Toren gegen Turn- und Sportverein Marburg durch und wurde so Sieger im-Wettbewerb. Das Publikum nahm lebhaften Anteil. Die Sieger wurden stürmisch gefeiert. Wir berichten über die Deranstaltung noch ausführlich. Fußball der Gießener Mannschaften. Die Spielvereinigung 1 900 hatte für ihre Liga einen spielstarkes Gegner verpflichtet, und zwar die Mannschaft von „Olympia" Frankfurt. Die Blauweißen spielten mit Ersah aber in guter Form und konnten das Treffen zwar knapp, aber doch verhältnismäßig sicher für sich entscheiden. 4:3 lautete das Ergebnis für Gießen. Die 2. Mannschaft verlor gegen Watzenborn-Stein- berg mit 1:5. Die dritte errang gegen die erste von Aßlar einen sicheren 4:0-Sieg. Die fünfte blieb gegen DfR. Lich 2. mit 3:2 siegreich. Die 1. Schülermannschaft spielte gegen Großen-Buseck 1. Schüler 2:2, die 2. Schüler verloren gegen Wiesecks Schüler mit 0:2. Der Gegner der l.Iu- gendmannschast blieb aus. Am Samstagnachmittag spielte die Liga des DfB. in Dillenburg, fuhr mit Ersah, konnte aber trotzdem das Spiel mit 2:1 gewinnen. Die Ligareserve verlor gegen Heuchelheim 1. überraschend hoch mit 2:9. Die Alten Herren spielten gegen eine Mannschaft von Lollar unentschieden 1:1. Der Gegner der 1. Jugend blieb aus. Westdeutschlands drei Vertreter ermittelt. Nachdem schon am Vorsonntag' in Borussia Fulda der erste westdeutsche Dertreter ermittelt worden war, konnte der Westdeutsche Spielverband am 24. April auch die beiden übrigen Dertreter für die Dundesrneisterschaft nennen. Im zweiten Zwischenrundenspiel um die WSD.- Meisterschaft schlug Schalke 04 im Duisburger Stadion vor 30 000 Zuschauern den Meivericher Spielverein ganz überlegen 5:1 (3:0) und qualifizierte sich damit für das Endspiel um das „grün-weiße Band" des Westens, das am nächsten Sonntag in Köln oder Düsseldorf zwischen Schalke und Borussia Fulda zum Austrag kommt. Die beiden Enidspielteilnehmer sind automatisch „Dertreter". Der dritte westdeutsche Dertreter wurde im Pokal-Endspiel zwischen DfL. Benrath und Rheydter Spielverein ermittelt. Denrath siegte im Düsseldorfer Stadion vor 10 000 Zuschauern mit 3:2 (3:1). 13 Endspiel-Teilnehmer festgestellt. Don den 16 Mannschaften, die am 8. Mai zur Vorrunde um die Deutsche Fußballmeisterschaft antreten sollen, waren am Abend des 24. April 13 ermittelt. Diese 13 verteilen sich auf die einzelnen Landesverbände wie folgt: Süddeutschland: Eintracht Frankfurt und Bayern München: Westdeutschland: Schalke 04, Borussia Fulda und DfL. Denrath; Rorddeutschland: Hamburger Sportv., Holstein Kiel; Mitteldeutschland: Pol.-Spv. Chemnitz; Brandenburg: Tennisborussia. Minerva Berlin; Balten verband: Hindenburg Allenstein; Südostdeutschland: Deuthen09, Breslauer SC. 08. Es fehlen noch je ein Vertreter aus Süddeutschland (1. FC. Dürnberg, FSV. Frankfurt oder Stuttgarter Kickers), Mitteldeutschland (SBC. Plauen oder VfB. Schönebeck) und dem Baltenverband (DfB. Königsberg ober Viktoria Stolp). Von den feststehenden 13 Mannschaften nehmen vier, nämlich Borussia Fulda, Polizeispv. Chemnitz, Minerva Berlin und Hindenburg Allenstein zum ersten Male an Endspielen um die Bundes- Meisterschaft teil. in v.H. —1,8 —5,0 Die Zahl der Hauptunterftühungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung ist um 12110 von 84 077 auf 71 967 zurückgegangen. Krismunter- stützung haben 96 074 Hauptunterftühungsempfänger erhalten, gegen 95 563 (Abnahme 489) am 31. März. — Die Zahl der am 31. März im Freiwilligen Arbeitsdienst Beschäftigten hat sich fast verdoppelt, sie ist von 1342 Ende Februar auf 2391 gestiegen. Auch die Zahl der bei Rot- standsarbeiten beschäftigten Unterstützungsempfänger ist gestiegen, und zwar von 325 Ende Februar auf 685 Ende März. — Kurzarbeiter- Don deutschen Anleihen toarch Altbesitz mehr als 1 Prozent schwächer. Ausländer tagen uneinheitlich, Rumänen, Türken und Ungarn waren fester, während Bosnier und Anatolier etwas schwächer waren. Pfandbriefe lagen eher etwas freundlicher. Industrie-Obligationen im Verlaufe fester, Reichsschuldbuchforderungen gaben 1,5 Prozent nach. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 5,25 Prozent an der unteren Grenze etwas leichter, Monatsgeld blieb unverändert 7 Prozent und darüber. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. 1, 25. April. Die Frankfurter Getreidebörse verkehrte zu Beginn der neuen Woche in sehr ruhiger Tend en z. Der Ausgang der Preußenwahlen und die jüdischen Feiertage hemmten naturgemäß das Geschäft. Das Angebot von Auslandbrotgetreide bleib weiter klein. Von feiten der Mühlen bestand noch Rachfrage nach Weizen, so daß sich ein neuerlicher Gewinn von 2,50 Mark für die Tonne ergab. Roggen blieb unverändert, ebenso Futtergetreide. Das Mehlgeschäft zeigte keine Belebung; die Preise für Weizenmehl, blieben unverändert, während Roggenmehl leicht zur Schwäche neigte. Futterartikel in prompter Ware sind nach wie vor gesucht, doch hielt sich das Geschäft infolge des geringen Angebots in engen Grenzen. Es wurden notiert: Weizen 270 bis"272,50; Roggen 225; Sommergerste (für Brauzwecke) 195 bis 200; Hafer (inländischer) 165 bis 172,50 per 100 Kilo. Weizenmehl, südd., Spez. 0, mit Austauschweizen 39,25 bis 40,25, 'dasselbe, Sondermahlung, 38,25 bis 39,25: Weizenmehl, niederrh., mit Austauschweizen, 39,25 bis 40, dasselbe. Sondermahlung, 38,25 bis 39,25; Roggenmehl (70%) 28,75 bis 30; Weizenkleie 11; Roggenkleie 11; Erbsen, je nach Qualität für Speisezwecke 26 bis 35; Linsen, je nach Qualität für Speisezwecke 24 bis 52 Mark per 100 Kilo. Heu, südd., gut, gesund, trocken 5, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepr., 5; Weizen- und Roggenstroh, gebündelt, 5; Tre- ber,, getrocknet, 12,25 bis 12,75; Industriekarwf- feln, hiesiger Gegend, bei Waggonladung 3 Mk. per 50 Kilo. Tendenz: ruhig. Frankfurter Schkachtviehmartt. 5r anfTur t a.M., 25- April. Au ft riebt 1326 Rinder, darunter 358 Ochsen, 102 Bullers 440 Kühe, 346 Färsen, ferner 693 Kalber. 74 Schafe, 4586 Schweine. Es wurden notier« Rinder: Ochsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts (jüngere) 31 bis 34 Mk^ (ältere) 27 bis 30, sonstige vollfleischige (jüngere) 23 bis 26; Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 28 bis 32, sonstige volkfleischige oder ausgemästete 23 bis 27; Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 26 bis 28, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 23 bis 25, fleischige 16 bis 22; Färsen (Kalbinnen, Iungrinder): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 31 bis 34, vollfleischige 27 bis 30, fleischige 23 bis 26. — Kälber: beste Mast- und Saugkälber 41 bis 45. mittlere Mast- unb Saugkälber 36 bis 40, geringe Kälber 30 bis 35. — Schweine: Fettschweine über 300 Pfunb Lebendgewicht 37 bis 39; vollfleischige Schweine von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 37 bis 39. von 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 35 bis 39. fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 32 bis 37, Sauen 28 bis 31 Mk. — Marktverlauf: Rinder mittelmäßig, nahezu ausverkauft. Kälber und Schafe rege, geräumt. Schweine ruhig, ausverkauft. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) H. D. inD. 1. Die Gemeindebeamten sind in ber Versicherungsanstalt für gemeinbliche Beamte in Darmstadt versichert. 2. Rach zehn Jahren tritt Pensionsberechtigung ein. 3. Bei einem Beamten, ber 1926 eingestellt ist, wirb gemäß Artikel 17 die Kriegszeit bei ber Pensionierung ungerechnet. 4. Die Kriegszeit rechnet doppelt, soweit die Kriegsjahre in einer mobilen Formation verbracht wurden, für die anderen Beamten zählt sie nur zur Hälfte. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religlonsgemeinde. Gottesdienst in ber Synagoge (Südanlage).' Mittwoch, den 27., und Donnerstag, den 28. April: Paffahfest-Ende. Mittwoch: Vorabend 7.30 Uhr. Morgens 8.30 Uhr Predigt. Donnerstag: Vorabend 7.30 Uhr. Morgens 8.30 Uhr. Abends 7.55 und 8.35 Uhr. katholische Gemeinden. Mittwochs den 27. April. Hungen. 6.15 Uhr: Messe. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5,5 v.H., Lombardzinsfuß 6,5v.H. lyrantfurt a. 2)1. Berlin ifraniiur. u. Ml. 25erlu-, Schluß« rurd ffur«< Echluß» furd llnsang« Kurs Schluß«! tun) | t «Uhr- Kurs Schluß« i Ansang« ture I flur# Datum 23.4. 25.4. 23.4. 25.4. Datum 23.4. 25.4 23.4. 25.4. 6% Deutsche Reichsanleihe u. 1927 7% Deutsche MeichSanleiye v.1929 B%% Doung-Anlethe von 1930 . Deutsche Anl.«Ablös.«Schuld mit Au-los.»Rechten....... 61 63,65 51,5 40 2,9 32,5 37,25 71,75 71 75,9 75,4 71 0,75 5,4 6 2,1 2,1 2,1 4 3,7 ui se i i ii i i i i i 1111111 mm 61 62,5 51,25 40 2,9 53 38 71 51 4,75 4,6 4 8,2 3,75, kiiiEE xii£i£i i i i l i i i i i Si ui Hamdurg-Amertta Patei ... 6 Hamburg.Südam.Dampfschisf. o Hansa Dampfschiff .....O Norddeutscher Lloyd.....6 A.G. für Verkehrswesen Akt. . . Berliner Handelsgesellschaft . 8 Commerz, und Privat-Bank. 1 Darmstädter und Nationalbanl 8 Deutsche Bank und DiSconto-Gesellschaft... 6 Dresdner Bank...... 6 Reichsbank .......12 A.E.G........-. . . 7 Bergmann.........9 Clektr. Lieserungrgesellschasi. 10 Licht und Krast . . ... 10 Felten & Guilleaume. . . . 6% Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 9 Rheinische Elektrizität .... 9 SchuckertL Co. ...... 11 Siemens & Halske.....14 Lahmeyer S Eo.. . • • • . 12 Buderus..........4 Deutsche Erdöl.......5 Gelsenkirchener.......8 Harpener..........0 Hoesck Eilen.........6 Ilse Bergbau.......io itlöcknerwerke........6 Köln-Neuesten.......6% ManneSmann-Röhren ....♦> ManSselder Bergbau.....o Oberschlei. kokSwcrke .... 8 Phönir Bergbau......*y, Rheinische Braunlohlrn. . . io Khenltohl ..UHto« — 'M 83 22,25 23,25 40 23,25 103,75 25,5 52 59 32 50,5 63,5 43 96 72,5 21,5 54,25 34,5 22,5 32,4 16 150 ö SIIHIdl IIS 1 1 1 1 1 £ I I £ । 1 1 1 1 I । । । I 1 121 1 14 14,65 28,75 84 22,5 23,5 40 23,5 104,5 24 53,5 58,5 30 49,75 42,25 94,5 72 21,5 53,5 34,9 33,25 24,5 20,5 32,75 12,5 29,75 16,25 148 36,6 13,5 14,13 103 24,25 53 49,5 43,25 93,63 21,5 52,75 34 33,5 23,25 20,25 34 12^5 16,25 147 DeSgl. ohne AuSIos.-Rechte . . . 8% Hess. VolkSstaat von 1929 (rüdiablb, 102%)...... Oberhellen Provinz-Anleihe mit AuSlos.-Rechten....... Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1....... 8°/o Franks. Hyp.-Bank Goldpse 15 unkündbar bis 1935 .... 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse unkündbar 618 1936 Serie 16 . ä b 'M 5y *« leicht ,io^a rse. ?5 Frank. der 49 59,05 8.8 15,2 16'60 170,g 2J-S 77,6» 24' 77,» 81,« 33j| W5 E E = « Q- Ä ift C <» o CM »O r= o js- e s: o L E 3 ( t'2 = -2 = ± = ° 2’-e P'X »s=Ssy M e*c T - ■e - xT-E s-H E C^fe 5OC = 3 E = -Z ' ° —--:O $ Cc 2 3 _ E 'M -o “ — x> 5 = (9 = ,c - — (2) t» .x x Ä er« SS=’Ä5ff2ff e w 2 •«■ ® H^*L* e^- - w i- _± o *“ = c<9~s E <-*« -'€' tr — ■ ‘ t.X>, , ■ IS® 1 — i «ft z B 2 /5 - = e ec «8 E *, E = ! ?Z -- E §J-.E c S Z = c 8 . o — ~Ä c o E — — C ir •=?) J - ° 2 U V c C H = t EZZ <5.Ee = ° ZU.ZL ■E <= = Cc:H t=€- = e 5,H«i = -L L 5 «C* r; Ä 5^ = ^15 «, ± 5 E t £ « 5 c .S-ß^-ck liSysi — -e .e . cs; E E le a — t = _*6 l- = v «Et :£ 5 X3 . 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