Annahme von Anze.grn für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,' für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20° , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den An» zeigenteil i.B.TH.Kümmel fämtlich in Gie'jen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle । Monats-Bezugspreis: ' Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. «iernfprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn. ponscheckkonlo: 5ranifurl am Main 11686. General-Anzeiger für Oberhessen trrtf und verleg: Vrühl'sche llnivei fitäl§-Vucb- und Steindruckerei R. Lanie in Ziehen. Zchristleltung und Geschaftzrtelle: Zchul^trahe 7. Nr. 250 Erstes Blatt 182. Jahrgang Montag, 24. Oktober 1952 GietzenerAnzeiger DerGorn ag im Zeichen des Reichsiagswahlkampfs Wer spricht in Sachsen und Thüringen RülklnN des Präsidenten der Zremer Zürgerschafl Feuerwehrmann Al tbür gennei st er Amtsgerichtsrat Böhm, Bad-Rauheim, Schlossermeister Nachtigall, Gießen und Rechtsanwalt Lucius, Mainz. Die Volksrechtpartei hat für denselben Wahlkreis ausgestellt: Oberschulrat Dauer, Stuttgart, Bankbeamter Lorenz, Gießen, Kleinrentnerin Frau W e st p h a l, Offenbach, Justizrat Lindt, Darmstadt, Deamtenwitwe Frau Teufsert, Homburg, Rentner Luft, Reu- Isenburg, Mechaniker Raumann, Offenbach, Privatangeftellter K u ch, Darmstadt und Justizrat Brink, Berlin. Die Liste der Staatspartei für Hessen- Darmstadt enthält folgende Ramen: Dr. Weiner, Offenbach, Kaufmann Christ, Mainz, Gewerkschaftsbeamter M e s ch k a t, Worms, Bankbeamter Gabriel, Offenbach, und Fabrikant Hehl, Butzbach. Kandidatenlisten für Hessen. WSR. Die Deutschnationalen haben für den Wahlkreis Hessen-Darmstadt folgende Kandidatenliste aufgestellt: Dr. Hu g e nberg, Landwirt Lahr, Ober-Hilbersheim, Dr. Paul Mees- m a n n,Syndikus,Gießen, Schne.dermeist.B a u e r, Darmstadt, Landwirt Arras, Ober-Ostern,Pfarrer Schell, Pfifsligheim, Hausfrau Theodore L e j e u n e, Dad-Rauheim, Hoffmann, Worms, Knecht, Mittel Gründau, Zentrums kein Iota von den Grundsätzen des Zentrums preisgegeben. Von der Auslieferung der Macht an die Nationalsozialisten sei dabei nicht die Rede gewesen. Die Erkenntnis, daß Neuwahle n^doch nichtzu vermeiden seien, hätten dann bald zum Abbruch der Verhandlungen geführt. Nach dem 6. November würde man die Po itik und die politischen Methoden der gegenwärtigen Regierung liquidieren. In Mannheim sprach Reichskanzler a. D. Dr. Brüning vor etwa 10000 Personen. Cr bezeichnete es als großen politischen Fehler der jetzigen Reichsregierung, daß sie die Ratio- nalsozialisten nicht an die Verantwortung gebunden habe, bevor sie den Reichstag auflöste. Die Zentrumspartei wolle keine Rück.ehr zu dem Parlamentarismus vor 1930, sie wolle aber auch nicht, daß einem Volk, das so schwere Opf-r 14 Jahre lang getragen habe, seine Rechte genommen würden. Man könne die Reichsregierung nur mahnen, keinen neuen Zündstoff anzu- häufcn. Brüning wandte sich dann gegen die Kapitalfehlleitung, die nicht einer erhöhten Produktivität in den letzten Jahren gedient habe, sondern für nichtproduktive Zwecke angewandt woxden sei. Das Mißtrauen gegen uns sei heute in einem Maße gewachsen, wie seit Jahren nicht mehr. Cs sei die gefährlichste Außenpolitik, die nur Rücksicht auf die innenpolitische Agitation nehme. Ein Brief an Hitler. Bremen, 22. Okt. (CNB.) Der nationalsozialistische Präsident der Bremer Bürgerschaft, Rechtsanwalt Dr. Backhaus, hat sein Amt als Präsident niedergelegt, auf sein Bürgerschaftsmandat verzichtet und gleichzeitig seine Parteimitgliedschaft aut» gegben. In einem Brief an Adolf Hitler begründete er diesen Schritt mit der einseitigen Einstellung der NSDAP. Dr. Backhaus schreibt dann weiter: „Lange habe ich mit mir gerungen. Immer hatte ich gehofft, Sie würden dem Bruderkampf gerade der besten Deutschen, insbesondere innerhalb der Harzburger Front als der Stärksten unter ihnen, mit einem Machtwort ein Ende bereiten. Aber allem Haß und Hader, auch der Ihrigen gegen Andersdenkende, all dem einseitigen Klassen- k a m p f vieler Ihrer Redner und Schriftsteller, all ihrer Herabminderung der offensichtlich intensiv und energisch um unseres Vaterlandes Rettung bemühten neuen Reichsregierung vor dem In - und Auslande, ja, selbst den Dolchstößen einiger Verblendeter in den Rucken alter deutscher Soldaten stehen Sie ohne äußerlich sichtbaren Widerspruch gegenüber. Sind Stahlhelmer, Deutschnationale, Bürger aller Parteirichtungen und Staatsminister einschließlich Adliger denn keine deutschen Volksgenossen? Verstößt das alles nicht gegen den Hauptgrundsatz Ihrer Bewegung, den der Volksgemeinschaft? Sieht das trollieren, aber das Sechstrcgieren hat sich als unmöglich erto cfcn, sowohl bei uns, wie in der ganzen Wett. Wck sollten dankbar sein, daß sich •lltcmncr gefunden haben, die dem Parlament gesagt haben es gcjt auch ohne dich." Das lollektivistiiche und das individualistische 'sprinzip stehen sich gegenüber. Ich bin der Meinung, daß man weder den einen noch den anderen Weg ausschließlich gehen kann. Tarm liegt unser ganzes Unglück, daß man fid) mrmcr lOOprozentig zu dem einen odsc anderen bekennt, zu Rationalsozialismus, oder Kommunismus. Wirtschaft ist keine Mathematik, sondern Pu/choiog.e. Cs kommt nicht auf Zahlen an, !andern auf 'Verständnis. Darum muß der So- zialisM'us zum Derhängnis führen. Rur eine private W.rlichaft, in der es auf die Verantwort un g des einzelnen an lammt, kann uns wieder gefunden lassen. Persönliche Freiheit vn der Wirtschaft soll aber nicht eine Zügellos'.g° leit des einzelnen bedeuten, sondern die Verpflichtung gegenüber dem Ganzen. D.cse Derps.ichtung kann es nur in der Individualwirtschaft geben. Wenn die Arbeitslosigkeit beseitigt und die Wirtschaft angekurbelt werden sock, müßen wir in dieser Rotzeit d ie Regierung in Ruhe arbeiten lassen. Der Bayerische Bauernbund für papen. München, 23. Okt. (TU.) Auf dem Parteitag des Bayerischen Bauern- und Mittelstandbundes erklärte Minister a. D. Dr. Fehr, daß für die nächsten Jahre eine Abkehr von der parlamentarischen Regierungsform eintreten müsse. In den kommenden Jahren sei nur der Weg einer Präsidialgewalt unter Ausschaltung der P a r t e i h e r r s ch a f t von der S't a.a t s f ü h r u n g gangbar. Besondere Zeichen erforderten auch entsprechende besondere Maßnahmen. Auch in Bayern würde man bald genötigt sein, den Weg einer Präsidialregierung zu beschreiten. Das Wirtschaftsprögrammder Regierung Popen sei zu begrüßen. Einer R e • oision der Weimarer Verfassung im förderalistischen Sinne stimme der Bauernbund zu, denn den Länderrechten müsse wieder stärkerer Nach-, druck verliehen werden. In die V'erfassungsreform müsse auch die Revision des Wahlgesetzes eingeschlossen werden. Das aktive Wahlalter soll auf 25 Jahre hinaufgesetzt werden. Außenpolitisch sei die Reichsregierung mit der Forderung nach Gleichberechtigung Deutschlands in der Wehrfrage auf dem richtigen Wege. Die Tatsache, daß im Programm der jetzigen Präsidialregierung die Schaffung eines gesunden Unternehmer- k a p i t a 1 i's m u s betont sei, führe den Bauernbund auf die Seite dieser Regierung. — Einstimmige Annahme fand folgende Entschließung: Der Bundestag erklärt sich mit der von der Parteileitung eingeschlagenen Politik einverstanden, weil sie eine im Staätsinteresse notwendige Abkehr von der reinen Parteiherrschaft bedeutet. Don der gegenwärtigen Reichsregierung wird erwartet, daß die Kontingentierung schnellstens in die Tat umgesetzt wird. DerWahlausrusderStaatsparlel Berlin, 22. Okt. (TU.) Die Leitung der Deutschen Staatspartei wendet sich mit einem längeren Aufruf an die Wählerschaft, in dem es u. a. Wir wenden uns gegen die undeutschen Dikta- turgelüste und gegen die rückschrittlichen Plane auf Ausschaltung des Volkes und der Volksvertretung. Eine wirkliche Reichsreform die den Dualismus zwischen Preußen und Reich Meitigt, die Reichsrat,Rcichswirtschaftsrat SU organischer Einheit und Mitbestimmung in der Gesetzgebung verblichet, und eine Wahlreform, die den anonymen Schematismus der Listen durch die klare Verantwortung der Persönlichkeit erseht, und die das Wahlaltcr heraufsetzt, wurde stets von uns angestrebt. Wir bekennen uns zum P r i v a t- eigentum, zum L e i st u n g s ge d a nke n und ,ur freischaffenden Tlnternehmerper- ^ö n l ich ke i t. Die Wirtschaft br auch t R u he vor der Politik. Soll der deutsche älnter- nebmer wieder zu Kräften kommen, soll die Belebung der Wirtschaft die Rot der Arbeitslosen überwiiiden, so ist eine fühlbare L a st e n s e n - k u n g erforderlich. Die Kontlng e n t s p o l i - tik und alle Autarkiebestrebungen labotleren das Regierungsprogramm zur Ankurbelung der Wirtschaft in gleichem Maße wie politische Experimente. Wir treten für eine L o h n - und Sozialpolitik ein, die den Reallohn erhöht den Schwachen Schutz gibt und dem Frieden der Wirtschaft dient. Das Zentrum im Wahlkampf. Essen, 23. Okt. (TU.) In einer Zentrumswahl- kundaebung erklärte der zweit« Vorsitzende der Zentrumspartei, Abgeordneter Joos: Eine »Hand können wir der Regierung nicht geben, deren Politik und deren Methoden wir für falsch halten. Die Zentrumspartei darf nie dabei sein, wenn das Recht gebeugt und gebrochen wird. Man habe die gewaltsame Vertreibung der preußischen Regierung mit S'aatsnotrecht begründet. Es könne eine Stunde kommen, wo Dolksnotrecht dagegen gesetzt werde. Weil das Zentrum die Regierung Papen nicht tolerieren konnte, habe es Verhandlungen mit den Nationalsozialisten ausgenommen. Bei diesen Verhandlungen hätten die Vertreter des Hoffentlich nehmen die Razis bei dieser Wahl wieder ab und unsere bürgerlichen Parteien wieder etwas zu. Da kann ich nur sagen: Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Sie haben also Klassenkampf zu wenig gehabt, es tut ihnen schon wieder leid, daß 14 Millionen Menschen auf eine politische Plattform gebracht wurden. Sie wollen wieder ihre 50 Parteien und Verbände. Run, sie können überzeugt sein, daß das niemals wieder eintritt. Das wäre vielleicht gekommen, wenn ich am 13. ja gesagt hätte. Wenn die bürgerlichen Politiker sagen: „Jetzt ist's Zeit, unsere Fahne äuszuziehen", so warne ich: „Passen Sie auf, daß auf der anderen Seite keine Fahne aufgezogen wird und täuschen Sie sich nicht, Ihre Fahne wird dem Ansturm der anderen nicht standhalten!" Ich kenne die Herren genau. Sie hatten einst die Macht, eine ungeheuere Tradition und berühmte Ramen, und ich war damals ein unbekannter Mann. Aber die Männer mit ihren berühmten Ramen, mit ihrer Macht, haben damals jämmerlich kapituliert, und ich habe Widerstand geleistet. Ich weih, wo die bürgerlichen Politiker zu finden sein würden, wenn meine Front nicht mehr wäre. Ich kann meine Stunde ruhig abwarten und brauche die Protektion des Herrn v. Papen nicht. Es ist unmöglich, daß ich kapituliere, und wenn mir Herr Hugenberg auch noch so herzlich zuredet: „Herr Hitler, der Klügere gibt nach", lieber bin ich der Dümmere: denn dieses Rachgeben aus Klugheit, das ist der Geist, den die Ration nicht brauchen kann, das ist die Melodie, die wir seit Rovember 1918 immer gehört haben!" Ob wir in der Regierung sitzen, ist nicht so wichtig, als daß die Bewegung erhalten bleibt. Das Ziel muh sein: Aas den deutschen Arbeitern und deutschen Dauern, aus den Katholiken und Protestanten, aus den Preußen und Bayern ein deutsches Volk zu machen. — Hitler sprach noch in Magdeburg und Zwickau. Von Zwickau begab sich Hitler nach Eisenach und von dort nach Weimar, wo er überall in Massenversammlungen sprach. alles nicht wie fanatische Voreingenommenheit gegen jeden anderen und trostloser Parteiegoismus mancher Ihrer Unterführer aus? Diese Inkonsequenz kann ich nicht mehr vor meinem Gewissen, unseren Harzburger Waffengefährten und meinen bremischen Wählern verantworten. Wir brauchen meines Ermessens heute mehr denn je außenpolitisch d i e mög 1 ichst geschlossene Einsatzkra ft der ganzen Nation. Wir aber zerfleischen uns gegenseitig und bieten der Welt unserer Feinde ein erwünschtes Schauspiel germanischer Zwietracht. Ich bin bereit, die Konsequenzen meiner selbständigen Handlungsweise zu ziehen. Die Trennung wird mir bitter schwer. Hoffentlich findet Ihre Bewegung, über deren mächtige nationale Bedeutung sich alle einig sind, eines Tages den Weg zurück in die Harzburger Front, zu den alten soldatischen und männlich-denkenden Kameraden, zu denen wir nach allem gehören, und die schließlich auch nichts anderes wallen, als Freiheit und Brat für unser geknechtetes und ausgesogenes Heldenvolk." Scharfe Rede eines SA-Führers. Freiburg i. Br., 23. Okt. (CNB.) Aus Anlaß der Weihe der Sturmfahnen der Standarte 113 der NSDAP, sprach Oberführer L u d i n der Untergruppe Baden zu den versammelten -Leuten. Halle, 22. Okt. (TU.) In einem überfüllten Riesenzelt sprach am Samstagnachmittag vor Zehntausenden von Zuhörern Adolf Hitler. Zur Frage, warum er am 13. August den Eintritt in die Regierung abgelehnt habe, erklärte er, er steige grundsätzlich in keinen Zug ein, der ganz wo anders hingehe, als er wolle und von dem er wisse, daß er entgleise. Das könnten Herr v. Papen oder Herr v. Gayl tun, die in eine solche Stellung nichts mit- bringen als ihre Aktentasche. Wirtschaftlich sei er schon jetzt gerechtfertigt. „Was würden wohl die Leute sagen , erklärte Hitler, „wenn ich damals in die Regierung eingetreten wäre und heute erklären müßte, daß das, was wir erhofften, nicht eintritt, und daß das Ganze ein Fehlgriff war? Solche Fehlgriffe kann Herr v. Papen machen: er hat in seinem Leben schon viele gemacht, und es kommt auf einen mehr oder weniger nicht an. Wenn man mich einlud, so geschah es nicht, weil man die Absicht hatte, dieses Kabinett unter unseren Einfluß zu stellen, sondern weil man die Absicht hatte, mich mundtot zu machen. 13 Jahre lang erklärte man, die Nationalsozialisten seien nicht legal. Die bürgerlichen Politiker, die sich jetzt in Illegalität förmlich baden, haben damals längst gefragt: Sind Sie denn wirklich legal? Ich bin legal gewesen, die Partei ist gewachsen und wir sind mit 230 Mandaten in den Reichstag eingezogen. Erst hat man uns versichert, wenn wir legal blieben, so sei alles in Ordnung. Und als wir nach ihrer Verfassung ein Recht hatten, die Regierung zu führen, da sagten sie, die Verfassung sei überlebt, und man handele nach einer göttlichen Ordnung. Was 13 Jahre lang gut genug mar, um gegen uns angewendet zu werden, muß jetzt auch gut genug sein, um uns zu dienen. Ich habe die Verfassung nicht gemacht. Aber die Bewegung hat 13 Jahre im Rahmen dieser Verfassung legal gekämpft. Und j e tz t fordern wir die Führung nach dieser Verfassung. Als ich vor 13 Jahren den politischen Kamps unserer Bewegung begann, war das politische Leben atomisiert in 38 ebenso lächerliche wie dumme und schädliche Parteien. Es ist eine äln» geheuerlichkeit, wenn bürgerliche Politiker sagen: Hugenberg über Wirischofis- und Sozialpolitik. C s s e n 24. Okt. (Sil.) Geheimrat Hugenberg sprach in Essen auf Einladung der Rheinisch-Best- fälischen Arbeitsgemeinschaft der DRDP. über Fragen, die für das Industriegebiet von besonderem Interesse sind: Kontingente, Schulden-Re- gelung und Sozialpolitik. Der schwerwiegendste ilmftanö sei, daß Deutschland keine handelspolitische Bewegungsfreiheit habe, und daß es die durch die Handelsverträge gegebenen Möglichkeiten nicht ausnutzen könne. Die Kontingent ie r u n g sei ein Mittel, aus dieser unglücklichen Lage herauszukommen. Sie sei ein schärferes Schwert als irgendwelck-e handelsvcrlraglichen Abmachungen. In der Frage der Schuldenregelung sei hoffentlich die Zeit für die Erkenntnis bald reif, daß man irgendwelche Zahlungen zwischen verschiedenen Staaten nicht mit Wertzeichen, sondern nur mit Waren begleichen könne. Der Wiederaufstieg der Welt werde durch das internationale Schuldensystem verbarrikadiert. Die Forderungen bestünden nur auf dem Papier. Irgendwelche Gegenwerte stünden ihnen nicht gegenüber. Ohne Beseitigung des Unsinns der internationalen Kredite gebe es keinen Wiederaufbau der Weltwirtschaft. Den einzigen Ausweg erblickte Hugenberg in einer geringen jährlichen Ämortifationszahlung und in einer Herabsetzung des Zinsfußes. Amortisat.ons«' Zahlung und Zinsen dürften den Betrag von zusammen 5 v. H. nicht übersteigen. Da mit einer derartigen Regelung auch die Weltwirtschaft wieder in Gang gebracht werde, sei vielleicht die Möglichkeit gegeben, daß Deutschland jährlich eine Milliarde Ausfuhrüberschuß erzielen könne, um daraus seine Schulden abzutragen. In ähnlicher Weise müßte die inländische Verschuldung geregelt werden durch Amortisierung der eingefrorenen Kredite und eine mäßige Verzinsung. Das Ergebnis einer derartigen in-- und ausländischen Schuldenregelung werde sein, daß der Druck auf die Warenpreise in der ganzen Welt aufhören, daß die inländische Wirtschaft frei werde von dem Druck der fälligen Kapitalien, und daß man dann auch der Arbeitslosigkeit Herr werde Zum Schluß seiner Ausführungen forderte Hugenberg, daß der Gedanke der Sozialpolitik popularisiert werde. Die furchtbarste Last für die Arbeiterschaft sei der Wechsel der Konjunktur. Diese Schwankungen müßten nach Möglichkeit ausgeglichen werden. In Zeiten der Konjunktur müsse die Arbeitszeit ausgedehnt, in der Zeiten der Depression eingeschränkt werden. Unternehmer und Arbeiter könnten dann in der Zeit der Konjunktur für die Zeit der Depression Vorsorge treffen. Seldte Über die politischen Aufgaben des Stahlhelm. Kiel, 22. Okt. (CNB.) Bei einem Aufmarsch tgs Stahlhelms in Kiel erklärte der 1. Bundesführer Seldte u. a., mit der Anonymität der Massen habe man nie die Zukunft, lieber all« wirtschaftlichen Schranken hinweg müsse die nationale Idee stehen. Der Stahlhelm sei bewußt Nicht Partei geworden und werde es nicht werden, weil für ihn die Einheit des Volkes das letzte Ziel sei. Man habe das Instrument des Stahlhelms bisher noch nicht in die Politik geführt. Nachdem aber jetzt die Nachkriegsperiode der Gärung in Richtung einer Läuterung zu Ende zu gehen scheine, stehe der Stahlhelm bereit, wenn er gerufen werde, mit aller Macht einzugreifen. Wenn die Regierung Papen die Kraft besitze, eine bessere Verfassung zu schaffen, dann habe sie im Stahlhelm einen treuen Begleiter. Die Bundesführer dächten nicht daran, ihre Organisation zu früh einzusetzen. Sie arbeiteten auf ein fernes Ziel hin. Die Zeit des Bürgertums fei nicht vorbei, denn die bürgerliche Schichtung sei das tragende Glied des deutschen Volkes. Aber das Bürgertum dürfe nicht warten, bis es vom Staate aufgerufen werde, sondern es müsse -Zusammenhalten und an den Geschicken des Staates t e i l n e t) m e n. Er sehe die Möglich teit für eine gut bürgerliche nationale Zukunft. Richard Merton spricht für die Volkspartei. Frankfurt a. M., 23. Okt. (Lpd.) In einer Wahlkundgebung der Deutschen Volkspartei in Höchst sprach der volksparteiliche Spitzenkandidat für Hessen-Rassau, Dr. Richard Merton: „Ich bin dafür, daß man nicht die Partei wählt, die die meisten Versprechungen macht, sondern einen Menschen, der von seinen Wählern zur Verantwortung gezogen werden kann. Den Parlame.ckarismus, der sich in den letzten zwölf Jahren entwickelt hat, halte ich für unmöglich und schädlich Ich begrüße deshalb jeden energischen Schritt in der Bekämpfung dieses Parlamentarismus. Der erste Schrckt wurde, das soll ehrlich anerkannt werden, von Brüning gemacht. Er hatte den Gedanken, vom Parlament los zu kommen und der Regierung eine starke Autorität einzuraumen. Die Reg'erung muß u n a b h ä n g i g s e i n vom Parlament, das ist die Frage des Tages. Ein Parlament kann kritisieren und ton- den des der Dr. den den Aus aller Wett. Vom Deutschen Sludenienwerk. den kei- Satz geprägt daß die Grenzstadt Turin sich vor nem neuen Kriege fürchte? „Liberts" sagt, die ganzen Schwierigkeiten italienisch-französischen Verhältnisses lägen in 3n einer der letzten Nächte, suchten Einbrecher das .Fridolins Münster" in Säckingen in Baden heim und stahlen u. a. das Meßgewand des Heiligen Fridolin, ein kunstvoll verziertes und mit Edelsteinen besetztes Messer, ein Agnesenkreuz, ein Hylarius-Kä sichen und eine auf Frankreich äußer st unangenehm wirken müßten. Weshalb habe Mussolini Vorstellung von einer angeblich diplomatischen Diktatur, die der Quai d'Orsay auf die Staaten Mitteleuropas ausüb«, indem er sich auf die militärische Vorherrschaft Frankreichs stütze. Und doch wisse man ebensogut in Rom wie in Berlin, daß die französischen Rüstungen defensiv und nicht offensiv seien. „Journal" meint, es sei zu befürchten, daß Mussolini mit Befriedigung die deutschen Rüstungen sehe, weil er glaube, daß Italien daraus Vorteile ziehen könne. Mussolini unterstütze offen den deutschen Versuch der Erhebung, und durch diese Haltung arbeite er nicht für den Frieden, der durch das deutsche militärische Programm bedroht sei. Hungermärsche in England. London, 24. Oft. (MTB. Funkspruch.) Die Blätter berichten regelmäßig über Wände- rungender.Hundertdemon st ranke n". die ausverfchicdenen Teilen Englands n a chL on- don unterwegs sind. Es handelt sich um Gruppen von Arbeitslosen, die aus Lancafhire, Borkshire, Sudwales, Kent usw. kommen, um in London auf ihre Notlage hinzuweif en. Aus Lancashire ist jetzt eine Gruppe von 38 Frauen unterwegs. 3n jeder Stadt, die die Demonstranten passieren, wird von den Behörden und von Privatpersonen für ihre Verpflegung und älnter- ku-nfi gesorgt. Politiker könnten nicht angeben, auf welcher Seite schließlich das Schwergewicht der italienischen Politik liegen werde. Mussolinis Rede könne im wesentlichen als Zustimmung zu dem Plane Macdonalds gewertet werden, der auf ein Konzert der Großmächte abziele. Da aber dieser Plan wahrscheinlich nicht realisierbar sei, so müsse auch die Entwicklung der italienischen Politik als nicht eindeutig feststellbar gelten. „Ami du P e u p l e" schreibt, Mussolini habe u. a. erklärt, daß Turin, das so nahe der Grenze liege, sich nicht vor einem Kriege fürchte. Frankreich, das niemanden bedrohe, habe das Recht, feiner Ueberraschung über eine derartige Aeußerung Ausdruck zu geben. — Auch die „V o - l o n 16" fragt, warum auf mäßige und klug« Ausführungen Aeußerungen hätten folgen müssen, die werbsschaffenden Studentenbetriebe wurde aus der großstädtischen Arbeit heraus ein lehrreicher Berliner Bericht gegeben. Blondere Teilnahme galt den Besprechungen über die akademische Mitarbeit an den Wirtschaftskör- pern. Die Wirtschafts- und Fürsorgearbeit soll unter verantwortlicher Einfchaltung ' studentischer Kräfte gemeinsam mit den Dozenten weiter verfolgt werden. Mit der Erörterung der akademischen Berufsnot, des Werksjahresplanes und des Problems einer reinen Volksauslese wurde begonnen. Deutsches Theater in Metz. Die letzte größere Stadt in Elsatz-Lothringen, die sich seit dem Kriege zäh gegen ein deutsches Theater sperrte, hat jetzt ihren Widerstand gegen die Forderungen ihrer deutschsprachigen Burger aufgeben müssen. Ende November wird im Metzer Stadttheater Schillers „Don Carlos" aufgeführt werden. Es handelt sich um ein Gastspiel des Stadttheaters Freiburg im Breisgau, das seit Jahren in elsässischen Städten regelmäßig Gastspiele gibt. Bei den jüngsten Ersatzwahlen zum französischen Senat hatten alle Kandidaten, unter ihnen auch der Metzer Bürgermeister V a u t r i n, mit Rücksicht auf die Wähler in Ost-Lochringen Zusagen hinsichtlich der Gleichberechtigung der deutschen Sprache machen müssen. So konnte man sich auch nicht länger darauf versteifen, in der zur Hälfte deutschsprachigen Hauptstadt des lothringischen Departements nur französisches Theater zuzulassen. Es verlautet, daß das Freiburger Stadttheater in diesem Winter zunächst noch drei weitere Gastspiel« in Metz geben wird. Tränengasbomben im Elberfelder Sladtlhealer. Dieser Tag« wurden im Elberfelder Stadt- lheater, kurz vor Beginn der Vorstellung der Oper „Salome" von Richard Strauß, in der die Spanierin Iovita F u« n t as als Gast die Titelrolle fingen, sollte, Tränengasbomben ge- worfen. Zuschauerraum und Bühne waren bald mit derartig großen Mengen von Tränengas erfüllt, daß das Publikum fluchtartig das Theater verließ. Erst nach «instündigsr Arbeit der Feuer- wehr gelang es, den Theatevraum von den Gasen zu reinigen. Die Vorstellung konnte dann beginnen und störungslos zu Ende geführt werden. Ein junger Mann, der verdächtig war, eine Tränengasbombe geworfen zu haben, wurde f c ft- genommen. Man glaubt, daß der Anschlag als Protest gegen das Auftreten der auslän. bischen Künstlerin gedacht war. Zweiter Einbruch in „Fridolins Münster". Paris, 24. OH. (WTB.) Die Morgenpresse befaßt sich eingehend mit der Turiner Rede Mussolinis, deren Bedeutung sie abzuschwächen versucht. „Echo de Paris" spricht die Vermutung aus, daß sich die italienische Regierung hinsichtlich der relativen Herabsetzung der französischen Militärstreitkräfte und der Aktion zugunsten Rußlands sowie der ääeberwachung Süd- slawiens mit Berlin im Einvernehmen befinde. Das faschistische Regime dürfe aber nicht vergessen, daß auf Grund der Friedensverträge 200 000 Deutsche und 460 000 Südslawen zu Italien gekommen seien. Man müsse daran erinnern, daß eine zu enge Verbindung mit denen, Die sich gegen die Verträge auflehnten, gefährlich sei. Italien sei deshalb auch gezwungen, seiner Politik von Zeit zu Zeit eine andere Aich- - vul JIlllutluB.Ai tung zu geben und auch die sachverständigen^ B^me Äaffctt^’X än ^tem Er führte u. a. aus, daß nicht der parlamentarische Kuhhandel oder Notverordnungen der Papen-Re- gierung eine Aenderung in Deutschland herbeifüh- ren würden, sondern nur d i e sozial« und nationale Revolution der NSDA P. In Baden seien 15 000 SA -Männer die besten Garanten für diese kommende Revolution. Er wünsche sich, daß noch mehr S A.- L e u t e in die Gefängnisse fliegen, daß neue Verbote kämen, damit die NSDAP, endlich Schluß machen könne mit der ewigen Legalität. Die Politik mit dem Gewehr fei allerdings eine furchtbare Sache; wenn aber die Stunde gekommen sei, wo der illegale Weg zur nationalen Notwendigkeit werden müsse, werde die SA. in Deutschland den Sieg erringen. Die SA.-Männer seien nicht nur Soldaten, sondern auch glühende und begeisterte Revolutionäre. Eine zweite Provokation der Papen- Regierung lasse sich die NSDAP, nickt mehr gefallen. Die Papen-Regierung sei nur eine vorübergehende Episode: das Schicksal Deutschlands werde in Zukunft durch die Faust der SA. entschieden. Reichskanzler-Rede im Rundfunk Reichskanzler von Papen spricht heule mittag auf dem Märkischen Handwerker - Obermeistertog in Berlin über wirtschaftspolitische Maßnahmen der Reichsregierung. Die Rede wird in ihren wichtigsten Teilen heute ab 19 Uhr j auf Schallplatten im Rundfunk übertragen. Der neue Kurs in Wien. Bundeskanzler Dollfuß über die Bezießungeu zum Reich. Salzburg, 23. Oft. (WTB.) In der General- Versammlung des Katholischen Bauernbundes er» klärte Bundeskanzler Dr. Dollfuß u. a.: Ich glaube an Oesterreich und halte Defter r eitp für lebensfähig. Wenn wir nicht einander gegenseitig verhetzen, sondern uns bewußt sind, daß wir nur a l s Ganzes bestehenkönnen und Zusammenhalten müssen, dann werden wir bestehen und diese schwere und ernst« Zeit überdauern. Auch vom nationalen Standpunkt aus braucht man uns Kindern eines jahrhundertealten Bauernstammes nichts zu erzählen. Wir (eben in einem Land, dessen Herrscher sechs Jahrhunderte hindurch die alte deutsche Kaiserkrone getragen haben in einem Land, das sein Deutschtum jahrhundertelang gegen Türken und andere asiatische Völker verteidigt und erhalten hat. Wir waren, sind und bleiben Deutsche: wir wollen nicht aus Mitleid von unserem großen Brudervolk aufgenommen werden, sondern wir wollen vorerst unser Haus [ e l b ft b e ft e H € n, um dereinst als freier, s e l b ft ä n b i g e r deutscher Staat frei und unabhängig aus eigener, innerster Ueberzeugung über unser weiteres Sdjirffal zu entscheiden. pariser Echo der Muffolini-Rede. Tagung der Reichsgemeinschast deutscher Föderalisten. Aschaffenburg, 23. Oft. (WSR.) Die Reichsgemeinschaft deutscher Föderalisten tagte in Aschaffenburg. Professor Dr. Schmitt- m a nn. Köln, referierte über „Das Reich als Ausgabe": Professor Dr. Henle, Rostock, über „Bayerns Vorschläge zur Reichsreform" und Hauptschriftleiter Dr. D o s ch m a n n, Aschaffenburg, über „Grundsätzliche Gedanken zur Neugliederung". Die Referate wurden von der gut besuchten Versammlung mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Eine Entschließung wurde einstimmig angenommen, in der es u. a. heißt: „Die, Reichsgemeinschaft deutscher Föderalisten begrüßt die Absicht der Reichsregierung, den unhaltbaren Dualismus Reich-Preußen auf verfassungsmäßigem Wege zu beheben. Von einer wie immer gearteten Verbindung Preußens mit dem Reich vermag sich die Reichsgemeinschaft weder eine Wiederkehr des inneren Verfassungsfriedens noch eine Stärkung der Selbstverwaltung des preußischen Gebiets zu versprechen. Die echte föderative Lösung (hegemoniefreier Länderstaat durchAufgliederung Preußens) geht nicht negativ auf Zerschlagung Preußens, sondern positiv auf den Neubau des Reiches. Nur von ein^r solchen Lösung des Dualismus ist innerer Frieden und gestärkte Selbstverwaltung zu erwarten, zudem die Wegbereitung für den Anschluß von Oesterreich. Eine Aufhebung des § 18 der Reichsverfassung würde die Verewigung der Berliner zentralistischen und ' Vernichtung der großdeutschen Zukunft bedeuten." j Folgendes Telegramm wurde an Reichskanzler v. Papen und an den Reichsinnenminister gesandt: „Die Versammlung der Reichs- | gemeinschaft deutscher Föderalisten, zahlreich besucht aus Bayern und allen Teilen des Reiches, fordert auf Grund des Artikels 18 der Reichsverfassung freie Bahn für eine Aufgliederung Preußens in zweckent- sprechendeVerwaltungsländer, damit endlich unter äleberwindung des Dualismus Preußen-Reich das deutsche Deutschland werde." Zur Eröffnung der diesjährigen Wirtfchafts- tagung des Deutschen Studentenwerks und aller deutschen Hochschul - Wirtschaftskörper waren i n 3 e n a über 200 Dpzenten und Studenten aus dem ganzen Reich versammelt. Der Vorsitzende Prof. Dr. Tellmann konnte Vertreter des Reiches und der Länder und eine Reihe Rektoren, unter ihnen neuen Rektor der Universität Berlin, Professor Kohlrausch begrüßen. Er verband damit besonderen Dank an das Reich für das in Etatsmitteln zum Ausdruck gebrachte Verständnis der akademischen Not. — In den Beratungen wurde die schwierige Frage der Studentenheime und »f p e i f u n g e n, trie einen Monatsumsatz von 600 000 Mark haben und täglich 3 0 0 0 0 Essen an Studenten ausgeben, besprochen. lieber die Werksarbeit und er» doch glaubt man, daß es sich um die gleichen Diebe handelt, die, wie gemeldet, vor wenigen Tagen das Zittauer Stadtmuseum plünderten. Die Einbrecher haben sich nach den bisherigen Ermittlungen in der Kirche einschließen lassen, die Tür zur Sakristei aufgebohrt, um zu dem Reliquienschrein zu gelangen, und das Glasfenster des Schreines zertrümmert. Nach der Tat haben sie die Kirchentür von innen geöffnet und konnten unerkannt entkommen. Raubmord bei 5L Aoold. In der einsam gelegenen Bohrmühle bei St. Avold (Lothringen) wurden dieser Tag« die beiden einzigen Bewohner, das in den 60er Jahren stehende Ehepaar Meyer, Opfer eines Raubmordes. Der Mann atmete, als man ihn auffand, noch schwach. Die Frau war tot. Sie scheint vor Schreck einen Herzschlag erlegen zu fein. Der Mann wies schwere Verletzungen auf. Da er starb, ehe er vernommen werden konnte, sind die näheren Umstände einstweilen in Dunkel gehüllt. Lastkraftwagen vom Güterzug ersaht. Wie aus Bad Kreuznach gemeldet wird, fuhr bei dem Bahnübergang Kloningermühle bei Langenlonsheim ein Lastkraftwagen, dessen Führer die Warnungsglocke der Lokomotive überhört hatte, gegen einen Güterzug. Der Kraftwagen geriet unter die Lolomötive und wurde vollständig zertrümmert. Die beiden Insassen des Wagens, ein gewisser Wilhelm Simon und Karl Saintdenis, beide aus Mainz, wurden schwer verletzt aus den Trümmern geborgen und ins Kreuznacher Krankenhaus gebracht. Die Entfernung der Trümmer des Kraftwagens dauerte mehrere Stunden, während der Personenverkehr durch älmsteigen aufrecht erhalten wurde. Loopings mit einem Segelflugzeug. 3n der Krim fand ein allrussischer Wettbewerb derSegelflugzeuge statt, bei dem von einigen Fliegern bemerkenswerte Ergebnisse erzielt wurden. So blieb der Segelflieger Golowin ununterbrochen 14 Stunden und 50 Minuten in der Lust. Dem Flieger Slepantschenko gelang eine außerordentlich bemerkenswerte Leistung. Er führte mit seinem Segelflugzeug 29 Loopings aus. Wettervoraussage Anhaltender Dorüberzug von Druckstörungen gibt der Witterung Deutschlands das Gepräge. So brachte der legte Wirbel in der vergangenen Nacht unter stürmischer Luftbewegung erneute Niederschläge, welche in den heutigen Vormittagsstunden noch anhielten. Weitere Störungsgebiete sind im Westen zu erkennen, so daß dadurch teils wärmere, ^•ls f^lere ozeanische Luft zum Vorschub gelangt. Die Westwetterlage charakterisiert sich weiterhin in Unbeständigkeit und Schauern. Dabei führt zwischenzeitliches Aufreißen der Wolkendecke zu kurzen Auf- klarungspertoden. Entsprechend der Luftzufuhr er- folgen auch leichte Temperaturschwankungen, im Durchschnitt bleibt es aber mild. Aussichten für Dienstag: Unter auf- frischenden westlichen Winden wechselnd bewölkt mit Aufklaren, Regenschauer. Aussichten für Mittwoch: Leichte Beste- rung, aber keineswegs beständig. Lufttemperaturen am 23. Oktober: mittags 11,4 Grad Celsius, abends 9,6 Grad: am 24. Dfober: morgens 11,8 Grad. Maximum 13,5 Grad, Minimum 6,5 Grad. —Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 23. Oktober: abends 10,2 Grad: am 24. Oktober: morgens 9,7 Grad Celsius. — Niederschläge 4,1 mm. Sonnenscheindauer X Stunde. Aus der Provinzialhaupistadt „Herr Doktor, ich muß die Operation noch aufschieben, Ende der Woche heiratet meine Tochter, und da muß ich doch dabei sein.“ „Gut, Herr Müller, dann sagen Sie mir nur rechtzeitig Bescheid, sobald Sie bereit sind.“ „Selbstverständlich, Herr Doktor, aber können Sie mir inzwischen nicht noch etwas geben, was die Schmerzen und den Juckreiz lindert? Diese elenden Hämorrhoiden quälen mich so arg, daß ich es kaum aushalten kann “ „Kaufen Sie sich einmal in der Apotheke Posterisan, Salbe und Zäpfchen, gebrauchen Sie diese inzwischen regelmäßig, morgens und abends, es wird Ihnen sicher gut tun.“ (8 Tage später:) „Mein lieber Herr Doktor? Wie soll ich Ihnen nur danken? Das Posterisan ist ja großartig. Von Schmerzen und Jucken spüre ich nichts mehr, die Operation ist gar nicht mehr nötig.“ Die Tube Salbe kostet in jeder Apotheke Gießen, den 24.Oktober 1932. Ideale. Wenn sich jemand in den verflossenen Jahren zu irgendwelchen Idealen bekannte, dann hatte man in der „großen Welt" für ihn nur ein mehr oder weniger gezeigtes Minderwertigkeitsgefühl übrig. Das war ein Stehengebliebener, kein fortschrittlicher, aufgeklärter, neuzeitlicher, sondern bestenfalls ein altmodischer Mensch mit überholten Anschauungen, den man belächeln, aber nicht für voll zu nehmen glaubte. Ideale waren Tlrgrvß- vatertrödel, mit dem man seinen Körper und Geist um seine „natürlichen" Rechte beschwindelte. Man war doch ein vernunftgeblähtes Wesen und kein Sklave einer ledernen Vergangenheit, an der man srch unbeteiligt und der man sich nicht verpflichtet fühlte. Verpflichtung und Gefühl hätten den hemmungslosen Daseinsgenuh in Sinnenfreudigkeit beschwert. „Nach uns die Sintflut!" Aber es ist zum Glück nicht soweit gekommen, daß alle Dämme überspült wurden. Nachdem so ziemlich alles in den Fugen krachte, was das innere Gefüge eines Menschen gegen unterhöhlende Einwirkungen von außen feit, fast am Nande eines Kraters, in dem eine chaotische, unterschiedslose, entwurzelte und gehalt- und ziellose Masse, ein abgeschmackter Menschenbrei gebrodelt hätte, kommt es zu einer Umkehr, zu einem Ab wenden und einem, sagen wir ruhig: Rückschritt von diesem Fortschritt, der doch nur in einer immer dürrer werdenden Wüste gepredigt wurde. Denn Fortschritte nur mit dem Hirn müssen sich weiter und weiter von einem in der Vergangenheit erprobten Fundament entfernen und so automatisch einen luftleeren Raum zwischen sich entstehen lassen, in dem alles Leben in einem höheren Sinne erstickt. In der Angst vor einem seelischen Tod war jeder kurpfuscherische Strohhalm ein Wrack, auf dem. man sich weitertreiben ließ. Dieses Festland, ob man es wahr haben will oder nicht, sind die Ideale. Denn Ideale, die diefen Namen ohne Cin- schränkunigen und Verbrämungen verdienen, sind keine ideenverrannten Wolkenkuckucksheimereien, auch keine altjüngferlichen Reifröcke, mit denen man durch traumselige Gefilde trudelt oder als Moralpu-ter einherstolziert, „fein selbst und der Wett vergessend". Ideale sollen nicht Selbstzweck, sondern Mittel zu dem Zweck sein, jeden seinem Endzweck näherzubringen. Ideale können nie vollkommen erreicht werden. Man kann ihnen nur so nahekommen, wie es m der Kraft des einzelnen steht. Denn das ist ihr Wesen, daß sie „dort droben unveränderlich hangen", unerreichbar und doch ewiger Ansporn. Ideale sollen und wollen „Stecken und ©tab" fein, die Elmsfeuer reineren Menschentums, veredelte Lebensauffassungen, die über die Widerstände des All- zumenschlichen, über den Niederdruck der Materie erheben, der wir zwar tributpflichtig sind, aber nicht hörig sein sollten. Ideale sind keine Modeartikel, mit denen sich Saisongeschäfte machen lassen, kein Schaum, mit bem man sich und andere einseift. Ideale sind die guten Kameraden, mit denen sich bei Regen, Sturm und Sonnenschein wandern läßt. Sie sollen führen und nicht verführen. Sie wollen in Öen Menschen den göttlichen Funken nicht erlöschen lassen. Kig. Lieber 200 Anträge zu WohnungSinstandsehungen. Wie wir auf Anfrage beim städtischen Hvch- bauamt erfahren, find aus den Kreisen des Gie- hener Hausbesitzes über 200 Anträge auf Gewährung der Reichsbeihilfe aus dem 50-Mil- llonen-Fonds des Reiches für Jnstandseßungs- unö Ilmbauarbeiten an Wohnungen eingereicht worden. Die Geldsumme der rund 200 Anträge beziffert sich auf etwa 80 000 Mark und würde — da die Aeichsbeihilfe 20 Prozent der Dansumme crusmacht — ein Gesamtkapital für die Justand- setzungsarbeiten von rund 400 000 Mark bedeu- teau. Leider werden aber nicht alle Anträge berücksichtigt werden können, da aus dem Reichs- fonds vorläufig nur ein Betrag von 30 000 Mark -^bnungs.nstcmdsetzungen auf Gießen entfallt. Diese Summe bedeutet unter Zugrunde- düng eines Gesamtkapitals von 150 000 Mark, d. h. also, daß von den Antragstellern eine Summe von 120 000 Mark für die Instand setzungs- arbeiten selbst aufgebracht wird. Da diese Arbeiten -um größten Teil sofort ausgenommen werden sollen, bringen sie für den Gießener Arbeitsmarkt im Hinblick auf den Winter eine sehr begrüßenswerte Entlastung, zugleich bedeuten sie auch eine willkommene Befruchtung be$* heimischen Wirtschaftslebens. Für Wohnungs- uimbauten ist ein bestimmter Betrag für Gießen nicht vorgesehen, da über alle derartigen Anträge das Ministerium selbst entscheidet. Notstandsarbeiterstreik beendet. Der Pflasterer - und Maurer st reit auf den Prooinzialstraßen-Baustrecken Heldenbergen — Kaichen und Selters — D r t e n b e rg ist, wie wir zuverlässig hören, beendet. Dem Vernehmen nach haben die Bauunternehmer gewisse Zugeständnisse an die streikenden Arbeiter gemacht. Bornotizen. — Tageskalender für Montag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ich will nicht wissen, wer du bist" sowie ein Beiprogramm auf der Bühne. • ** DerAusbau der Pestalozzischule i n d e n E i ch g ä r t «n ist seit einigen Wocken rege im Gange. Leider kann aus finanziellen Gründen der ganze Schulhausbau nicht sofort fertiggestellt werden, man mußte sich vielmehr darauf beschrän- ken, nur den westlichen Flügel zu vollenden, da er gleichzeitig die Möglichkeit gibt, einen abgeschlossenen Schulbetrieb ungehindert durchführen zu können. Der Tellausbau umfaßt acht Klassen mit den erforderlichen Nebenräumen und machte einen Kapitalaufwand von rund 50 000 Mark erforderlich, die von der Verwaltung m vollem Umfange zur Verfügung gestellt werden konnten. Die Fertigstellung der neuen Schulräume wird im Lauf« dieses Winters erfolgen, so daß sie mit dem Beginn des kommenden Schuljahres in Benutzung genommen werden können. Hinsichtlich der Grünfläche, die von der Schule her die Verbindung bis zur Wieseck ermöglicht, ist zu erwarten, daß die Anlage bis zum näch- ften Frühjahr im freiwilligen Arbeitsdienst durch- geführt sein wird. "DieVolkshoch schule macht darauf aufmerksam, daß der Arbeitsplan für das Winterhalbjahr^ erschienen ist und kostenlos abgegeben wird. (Siehe heutige Anzeige.) Wirtschaft I Ohne Gewähr Nachdruck verboten die Ein 165782 166778 347493 361763 Folgenschwerer Auiounfall einer Fußballmannschaft. 181589 189478 241798 255577 302204 321505 223311 280395 85650 137461 218058 271587 325537 135343 201230 267227 323553 133992 339295 379313 251440 257004 346573 202377 351273 387524 35896 67247 77887 95461 Feuersbrunst durch Kinderspiel. Lauterbach, 23.Okt. (WSN.) In dem Nach- barorte Maar brannten auf dem Grundstück des Arbeiters Johannes Lang IV. die Scheune mit dem gesamten Heu- und Strohvorrat und ein Teil des Dachstuhls vom Wohnhaus nieder. Die ausgedroschene Körnerernte konnte nur zum Teil gerettet werden, ebenso war es möglich, das Vieh in Sicherheit zu bringen. Wie sich bei der Untersuchung der Brandursache herausstellte, ist das Feuer dadurch entstanden, daß der 5 Jahre alte Sohn Langs in einem Schuppen neben der nieder» gebrannten Scheune mit Streichhölzern gespielt hat, wobei der Brand entstanden ist. 2 Ototnne zu 10000 M. 4 Gewinne zu 5000 M. 8 Gewinne zu 3000 M 380928 6 Gewinn, zu 2000 M. 22 Gewinne zu 1000 M. 238184 291494 Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) 3.2TL, Gießen. Die Krisensteuer 1931 ist verdoppelt worden. Vorerst ist keine Aenderung eingetreten. Gewinnauszug 1. Klaffe 40. Preußisch-Süddeutsche (266. Preuß.) Staats-Lotterie 100425 113999 131963 134012 Deckung der dringendsten Verpflichtungen au& gereicht hätten und möglichst Vorsorge für Zukunft getroffen werden müsse. m o l s h a i n mit voller Geschwindigkeit in den Vorgarten eines Hauses. Der Ehauffeur Jakob La u n aus Kelsterbach war auf der Stelle tot. Weiterhin wurden sechs Schwerverletzte und mehrere Leichtverletzte in das Krankenhaus Königstein eingeliefert. Wie das Krankenhaus mitteilt, schweben drei der Schwerverletzten in Lebensgefahr. Es handelt sich durchweg um Spieler der der Kreisliga des Westmainkreises angehörenden „Germania"-Ökristel. Zuchthaus für politische Ausschreitung. WSR. Fulda, 22. Oft Das hiesige Schöffengericht beschäftigte sich gestern mit den Vorfällen in G i e s e l am 6.3uli d. 3., wo es anläßlich einer Wahlversammlung der R S D A P. zu einer SaalschlachtmitKomm uni st en gekommen war. Die Kommunisten wollten die Versammlung sprengen, und die einschreitenden Landjägereibeamten wurden von den Kommunisten umringt, wobei einer der Beamten einen Schlag mit dem Stuhlbein erhielt. Der Kommunist R e m - mert erhielt einschließlich einer noch zu verbüßenden Gefängnisstrafe von vier Monaten eine Gesamtzuch thaus strafe von einem 3ahr und einem Monat. Ein weiterer Kommunist erhielt ein 3ahr Gefängnis. K ö n i g st e i n (Taunus), 23. Okt. (WSN.) mit zirka 20 Fußballspielern besetzter L a st- kraftwagen aus Okriftel rannte in M a m - Keine Bürgersteuer. k. Hungen, 23. Oft Wie bisher die D ü r - gersteuer in unserer Stadt überhaupt noch nicht erhoben wurde, so lehnte auch der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung auch die behördlicherseits vorgeschlagene 500prozen- tige Erhebung der Bürger st euer für das Rechnungsjahr 1933 a b. . 113765 141129 230686 342050 354463 373905 384516 32 Gewinne ju 800 M. 7440 11840 23465 53357 72829 78153 126478 137433 161586 267907 278551 322182 331760 350062 374078 374217 62 Gewinne ,u 500 M. 39288 51282 51513 62777 1. Ziehungslag 21. Oktober 1932 3n der heutigen Vormittagszlehung wurden Gewinne über 300 M. gezogen 2 Gewinn« zu 50000 M. 392208 Gaalsportfeff und Stiftungsfest des Radklubs Germania. 2m Cafä Leib hatten sich am Samstagabend zahlreiche Freunde des Radsports, die Mitglieder des veranstaltenden Vereins und viele Gäste eingefunden, um Zeuge spannender sportlicher Wettkampfe und interessanter Darbietungen im Rei- £eTVx1un‘>. Kunstfahren zu werden. Der Abend brachte ein sehr lebendiges Programm. Musik t K r e n g e l eröffnete die Veranstal- jugendlichen ^s Radklubs „Germania" fudann in schmucker Sporttracht einen De- grußungsreigen, der ausgezeichnet klappte, und for^altige Tlebungsarbeit verriet. Das Publikum dankte mit stärkstem Beifall. Rachdem das Banner des nunmehr 33 Jahre alten Vereins eingebracht worden war, hielt der erste Vorsitzende, Herr J^n,e E"rze Begrüßungsansprache. Im weiteren Verlaus des Abends folgte man mit gespannter Aufmerksamkeit dem Zweier-Kun st - der Herren E.Haas und R.Rohl. Auf dem verhältnismäßig kleinen Raum zeigten x beiden Wahrer auf ihren Fahrrädern, bzw. auf einem Fahrrad geradezu artistische Leistun- gen die so ohne weiteres nicht zu übertreffen sein durften. Eine Fülle der schwierigsten Figuren charakterisierten diese Darbietung. Rach einer kurzen Pause folgte sodann das Zweier-Ra d- ircJ'£lcI i>er 2.Jugendmannschaft des Rad- ^rmania" gegen die 2. aktive Mannschaft. Aktiven erwiesen sich hier als die reifere Mannschaft Die Jugendlichen wurden immer ziemuch stark in die Verteidigung gedrängt Gleichwohl sie auch ihrerseits oftmals energisch zum Angriff übergingen, konnten sie sich doch nicht voll behaupten und hatten bereits zur Halb- zeit mit 6:2 Toren verloren. Die Jugendlichen gaben sich aber noch nicht geschlagen, mußten aber, nachdem sie nach der Pause etwas aufrücken konnten, zum Schluß doch mit dem Ergebnis bis 200 Pfund 38 bis 45, fleischige von etwa 120 bis 160 Pfund 35 bis 40 Mark. — Marktverkauf: Rinder ruhig, Ueberstand, Kälber und Schafe mittelmäßig geräumt, Schweine sehr schleppend, Ueberstand. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 24. Okt. (WTB. Drahtmeldung.) An der Getreidebörse kam keine Unternehmungslust auf. Das Angebot in Weizen ist reichlich, die Nachfrage hielt sich dagegen in engen Grenzen. Roggen lag nach wie vor sehr ruhig. Hafer und Gerste waren ziemlich unverändert. Auch das Mehlgeschäft war sehr still, besonders in Roggenmehl. Der Konventionspreis für süddeutsches Weizenmehl ist erckeut um 0,10 Mark ermäßigt worden. In Futtermitteln sind die Umsätze ebenfalls klein. Die Forderungen für Soyabohnen lagen niedriger, nachdem die Landwirtschaft auf eigene Bestände von Hafer und Roggen zurückgreift. Gegen 14 Uhr nannte man etwa folgende Preise: Weizen 207,50 bis 209 Mark, Roggen 162, Weizenmehl (süddeutsches Spezial 0) 30,50 bis 31,50, Roggenmehl 23 Mark. Berlin gefchästsloer und schwächer. Berlin, 24.Okt. (WTB. Funkspruch.) Zu Beginn der neuen Woche lag die Börse wieder g e - s ch ä f t s l o s, zumal auch das Ausland lustlose Tendenz meldete. Die zuversichtlicheren Artikel in einem Teile der Sonntagspresse wurden durch schwächere Meldungen von den Warenmärkten, durch die Ermäßigung der Kupferpreise und durch einen Bericht des Ostelbischen Braunkohlensyndikats über sinkenden Braunkohlenabsatz in ihrer Wirkung aufgehoben. Für die Schweizer Börsen ist man heute im Hinblick auf die Schwierigkeiten bei der Schweizerischen Diskontbank schwach gestimmt, was sich in Berlin am Markte der Chadeaktien stärker auswirkte. Dieses Papier erschien mit Minus-Minus-Zeichen und wurde etwa 5 bis 7 Mark schwächer taxiert Die Notiz wurde bis zum Kassakurs ausgesetzt. Im allgemeinen bröckelten die Kurse aber nur um Bruchteile eines Prozents ab. Klöckner, Schlesisch- Gas, Wasser Gelsenkirchen und Gesfürel verloren bis zu 1,5 v. H., Bubiag sogar 2,5 o. H. Für Maschinenwerte bestand dagegen teilweise etwas Interesse; Schubert & Salzer gewannen 3 v. H., Deutsche Erdöl besserten sich um 1,13 o. H. Sonst gingen auch die gelegentlich festzustellenden Gewinne nicht über Bruchteile eines Prozents hinaus. Im Verlaufe bröckelten die Kurse bei anhaltender Geschafts- stille weiter leicht ab. Schultheis und Allgemeine Lokal und Kraft lagen je etwa 1 o. H. niedriger. Bei ersteren erörterte man die Dividendenhöhe. Etwas lebhafteres Geschäft herrschte am Rentenmarkt. Deutsche Anleihen waren wenig verändert. Altbesitz waren gefragt. Reichsschuldbuchforderungen und Reichsbahnoorzugsaktien setzten ihre Aufwärtsbewegung fort und zogen bis zu 0,5 o. H. an. Von variablen Jndustrieobligationen lagen Hosch 1,5 o. H. höher. Pfandbriefe hörte man eher etwas leichter Von Ausländern lagen Bosnier etwas schwächer, Rumänen und Mazedonier freundlicher. Bei den übrigen Werten dieses Marktgebietes stagnierte das Geschäft. Gegen 13 Uhr kam bei Allgemeine Lokalbahn wieder erheblich Ware heraus. Bei einem Angebot von etwa 30 bis 40 Mille ging der Kurs 2,5 bis 3 v. H. unter den Anfang zuruck. Am Geldmarkt blieben die Sätze unverändert, Tagesgeld war eher weiter gesucht. Infolge der Vorbereitungen zum Ultimo blieben Prlvatdiskon- ten angeboten. Frankfurt uneinheitlich. F r a n k f u r t a. M., 24. Okt. (WTB. Drahtmeldung.) Die Börse stand am Wochenbeglnn stark unter dem Eindruck der innerpolitischen Unsicherheit, die durch die bevorstehende Reichstagswahl hervorgerufen ist. Der stetige Verlauf der Neuyorker Sch muck-Ausstellung H. Küchel. Der Gießener Kunstgewerbler H. Küchel veranstaltete auch in diesem Jahre wieder im Hotel „Prinz Carl" eine Ausstellung seiner Arbeiten. Man sah wieder eine Reiße ausgezeich-neter Werke, mit denen der Künstler vor nicht allzu langer Zelt auf der Ausstellung „Handwerk und Kunst" in Berlin großen Erfolg verzeichnen konnte. Vor allem interessierte der sehr verschiedenartig gestaltete Kleidschmuck, die Radeln, Droschen, die Knöpfe in apartesten Formen und 1 geschmackvoller Materialverarbeitung. In der Hauptsache verwandte der Künstler das gefügige Silber, das oftmals gehämmert, graviert, in Relief und getrieben verarbeitet wurde und sich in Verbindung mit der ornamentalen und dekorativen Gestaltung zu schönen Schmuckstücken verwenden ließ. Reben dem Kleidschmuck der verschiedensten Art fielen schöne Ringe, Ketten, Armbänder auf, die sich durch ihre sorgfältige handwerkliche Bearbeitung und die klare, künstlerische Gestaltung auszeichneten. Auch mancher Gegenstand täglichen Gebrauchs war zu sehen und war deshalb beachtenswert, weil der Künstler gerade auf diesem Gebiet neue Wege geht. Reben den ausgeführten Stücken hatte Herr Küchel auch eine Reihe von Entwürfen ausgestellt, die persönliches Schaffen dokumentieren. Besonders beachtenswert erschien hierbei die Entwursserie für Schmuck nach astrologischen Motiven, in der der Künstler die Tierkreis» und Sternzeichen zu dekorativen Wirkungen steigerte. Die Ausstellung, für die auch diesmal wieder ein feiner Rahmen geschaffen war, fand mit Recht viel Beachtung. ** „U in d e n P iz P a l ü." Selten noch sah man die mannigfache Schönheit der Hochgebirgswelt so umfassend und gründlich im Bilid gezeigt, wie in dem Kulturfilm, der gestern vormittag im Lichtspielhaus Bahnhofstraße zur Aufführung gelangte. Der Regisseur Richard Brewing, der für dieses hervorragende Filmwerk verantwortlich zeichnet, brachte die Schweizer Alpen, insbesondere die Alpen im Kanton Graubünden, in bester Form nahe. Man sah Dörfer im tiefen Tale, himmelanstürmende Berge, silbrigschimmernde Kämme, Grade, Berggipfel, rauschende, sprühende Gebirgsbäche, klare, abgrundtief erscheinende Bergseen, tiefdunkle Tannenwälder an den Hängen der unteren Regionen, Almen mit frietüid) weidendem Vieh, idyllische Dorfgassen und riesige Elektrizitätswerke, die das Land mit Kraft versorgen, herrliche Burgen, große Hotels an den bevorzugten Wintersportplätzen und kühn geführte Bergbahnen, die sich sehr glücklich der Landschaft einfügen und oft auf kurze Distanz große Höhen- unterfchiede überwinden. In dem Film klangen Namen auf, die Begriffe bedeuten: Piz Palü, Piz Bernina, Piz Julier, Engadin, Puschlavtal, St. Moritz, Daoos, Ponttefina, Samaden usw. 600 Prozent Bürgersteuer in Frankfurt. WSR. Frankfurt a. M., 23. Okt. Wie die Pressestelle des Magistrats mitteilt, hat der Regierungspräsident in Wiesbaden als kommunale Aufsichtsbehörde die Bürger st euer 19 3 3 für Frankfurt a. M. auf 600 Prozent festgesetzt. Die Anordnung, die in Frankfurt a. W. starken Widerspruch findet, wird damit begründet, daß bereits in den letzten Monaten die Einnahmen der Stadt bei weitem nicht zur von 9:5 Toren für die Aktiven vorlieb nehmen. Der Kampf wurde sehr flott geführt. Im weiteren Verlauf des Abends zeigten die Akttven einem Schulreigen, der in nun schon beinahe historisch gewordenen, traditionellen Kostümen gefahren wurde. Der Reigen wurde sehr exakt wiedergegeben und fand berechttgten lebhaften Beifall. Herr E. Haas wartete dann noch mit dem Einer-Kunstfahren auf und zeigte dabei eine Reihe der kompliziertesten Figuren, die außerordentliche Anforderungen an Geschicklichkeit und Kraft des Fahrers stellten. Das Hauptinteresse des Abends galt dem „Lokal- devbh" in Zweier-Radball. Cs standen sich die Mannschaften des Radklubs „Germania" (A. Baum und W. S t o m m e l) und des Gießener Radsahrvereins von 1885 (E. Hauck und K. Wiehner) gegenüber. Der Kampf wurde in schärfstem Tempo unter Aufbietung aller Geschicklichkeit (auf die es beim Radballspiel ja besonders ankommt) geführt. Der Germanen lagen stets leicht im Vorteil. Die 85er leisteten aber einen energischen Widerstand. Zur Halbzeit stand das Spiel 4:5 für die Germanen. Hartnäckig wurde nach der Pause der Kampf fortgesetzt. 4:6, 5:6, 5:7, 6:7 lautete in Etappen das Ergebnis für die Germanen. Aber bald daraus glichen die Gäste aus. Die Germanen gingen aber wieder in Führung und kurz vor dem Schlußpfiff fiel das Ausgleichstor. 8:8! Das Spiel muhte verlängert werden. Die Germanen gingen nun sehr aus sich heraus. Die 85er spielten sichtlich etwas nervös. Die Germanen erhöhten auf 8:9, 8:10, 8:11, ja auf 8:12 und stellten sich damit den verdienten Sieg sicher. Der Kampf wurde sehr fair geführt. Das Publikum dankte mit lebhaftem Beifall. 2m Anschluß an das Spiel überreichte der Ehrenvorsitzende Herr Rüdiger der siegreichen Mannschaft den vom Gießener Brauhaus gestifteten Wanderpreis. Tanz beschloß den Abend. Samstagbörse blieb ohne jeden Einfluß. Die Kundschaft hiell sich demgegenüber ebenso wie die Spekulation weitgehend vom Geschäft zurück, zumal anregende Momente aus der Wirtschaft fehlten. Die Kursgestaltung war im allgemeinen uneinheitlich. Am Montanmarkt waren Mannesmann und Laurahütte 0,5 v. H. niedriger, während Stahlvereinsaktien gut behauptet lagen. Von Spezial- werten eröffneten IG. und AEG. je 0,25 v. H. höher, um später auf die Geschäftsstille hin je etwa 0,75 v. H. nachzugeben. Am Elektromarkte waren Bekula mit plus 0,40 v. H. gut behauptet, dagegen büßten Chadeaktien auf Befürchtungen von Transferschwierigkeiten etwa 6,50 Mark ein. In Verkehrswerten zeigte sich keine Veränderung. Conti- linoleum lagen 0,5 v. H. niedriger, während Jung- Hans.behauptet blieben. Der Anleihemarkt wies im ganzen freundliche Fassung auf. Altbesitz notierte 0,75 v. H. höher, während Neubesitz und Reichsschuldbuchforderungen gut gehalten lagen. Von Jndustrieobligationen lagen Stahlvereinsbonds 0,75 v. H. erhöht. Reichsbahnvorzugsaktien waren gleichfalls 0,65 v. H. fester. Von Auslandrenten konnten sich Anatolier und lln- aarische Goldanleihen bis zu 0,5 v. H. verbessern. Am Pfandbriefmarkt waren Goldpfandbriefe eine Kleinigkeit schwächer, Kommunalobligationen tendierten um ein wenig nach unten. Im Verlaufe setzte sich die Stagnation fort. Am Aktienmarkt zeigten sich keine Veränderungen, und auch am Rentenmarlt war nur eine geringe Abschwächung der Reichsschuldbuchforderungen als neues Merkmal feftzustellen. Tagesgeld war zu 3,5 v. H. unverändert. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 24. Okt. Auftrieb 1371 Rinder (367 Ochsen, 118 Bullen, 510 Kühe, 346 Färsen), 471 Kälber, 78 Schafe, 4804 Schweine. Es wurden notiert: Rinder: Ochsen: vollfleischige, ausge- mäftete, höchsten Schlachtwerts, jüngere 29 bis 32 Mark, ältere 25 bis 28, sonstige vollfleischige, jüngere 22 bis 24; Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 27 bis 29, sonstige vollfleischige ober ausgemäftete 23 bis 26, Kühe: jüngere, voll- fleischige, höchsten Schlachtwerts 24 bis 26, sonstige vollfleischige ober ausgemäftete 20 bis 23, fleischige 17 bis 19, gering genährte 14 bis 16; Färsen (Kalbinnen, Jungrinber): vollfleischige, ausgemäftete höchsten Schlachtwerts 30 bis 32, vollfleischige 26 bis 29 fleischige 23 bis 25; Kälber: beste Mast- unb Saugkälber 42 bis 45, mittlere Mast- und Saugkälber 38 bis 41, geringe Kälber 32 bis 37; Schweine: vollfleischige von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 43 bis 47, von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 41 bis 46, von etwa 160 3n der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 300 M. gezogen 2 Gewillll« 8U 10000 M. 389113 4 Gewinn« su 5000 M. 217127 318377 6 Gewinne,u 2000 M. 115914 237085 341420 36 Gewinne au 1000 M. 7923 20902 50548 63994 91617 160945 250017 264978 278892 283109 283989 286825 307740 345202 346236 392798 394452 398463 48 Gewinne ,u 800 M. 6159 19245 27340 31955 46185 51489 98646 105346 105774 123330 138048 167617 187956 196306 243156 264876 277045 287999 320304 332845 345436 387986 389491 895854 44 Gewinn« su 500 M. 15173 18749 19526 64239 65443 56800 60735 96984 107463 154817 157740 162480 200883 211888 228914 253027 266567 279483 292320 320666 347651 391495 Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uh:. Samstag nachmittag geschlossen Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen Anzeigen aufträge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II SD* >4^” Wi= XU wLA o KÖNIGIN Ä Nachdruck verboten I 21. Fortsetzung. Ich doch daß diese jetzt endlich vernich'.et werden? Wenigstens so bloßgestellt von der betrogenen Frau, Fritz Lohgarten endlich auch wußte, was Person wert war? Ilse Wiedener sagte plötzlich: „Hilde, ich sah da eben eine Bekannte. glaube, sie hat mich auch gesehen und ist mir nun böse. Sie denkt vielleicht gar, ich habe sie schneiden wollen. Ich muh zurück und sie begrüßen." „Ich muß aber nach Hause, Ilse. Du weißt, ich habe es Mama so fest versprochen, pünktlich da zu sein. Tante Ada kommt heute." Die andere hatte es hastig gesagt. Ilse lachte. „Ich will dich nicht mithabcn, Hilde. Ich weiß doch, was Tante Ada für euch bedeutet", sagte sie dann und verabschiedete sich. „Allein? Aber Ilse! Das kann ich nicht verantworten." „Unsinn! Geh nur! Mir wird schon nichts geschehen. An dieser belebten Ecke hier, du Dummchen." Hilde von Loh sah ihr verwundert nach. Läuft sie etwa dem Altendorf nach? Mein Gott, das hätte ich ihr nicht zugetraut!, dachte sie und ging nun schnell nach Hause. Aber I sie nahm sich vor, keinem Menschen etwas von I dieser seltsamen Sache zu erzählen, damit auf I Ilse kein schlechtes Licht fiel. Ieht war die Stunde da, in der er sich für immer von ihr trennen und ihr das brutaloffen auch sagen würde. Und Hilma lächelt« wieder ihr totes, verlorenes Lächeln. Ein« Stund« spät«r kam er, legt« ihr Veilchen und Maiglöckchen in die Hände, lächelte liebenswürdig und sagte: „Ich trete «ine Gastspielreise an. Willst du mich hier erwarten oder reisest du lieber mit Mama? Wir könnten uns ja dann ebenso gut im Süden treffen. Die letzte Station dieser Gastspielreise ist Budapest. Später gehe ich allerdings auf einig« Monat« nach Amerika. Wie denkst du darüber?" . v Sie sah auf Pi« duftenden Blüten nreder. „Ich werde doch lieber hierbleiben. Der Frühling hier im alten Garten ist auch sehr schön." Die wenigen Worte wurden von einem trockenen Husten unterbrochen. In den dunklen Augen des Mannes war kein Mitleid. Etwas Lauerndes war darin. Hilma hob den Kopf. „Wann gedachtest du abzureisen — und ift auch alles in Ordnung mit deiner Wäsche?" „Danke, di« Wäsche ist tadellos in Ordnung. Mama ist da ein« vorzügliche Hausfrau. Abzu- reisen ged«nk« ich mit dem Nachtschnellzug. Ich habe jedoch zuvor noch «inen sehr wichtigen Weg. Gehe immer schlafen; es wird vielleicht spat werden, Hilma." „Gewiß, Ich fühl« mich auch müde. Er stand auf. „Dann darf ich mich von brr verabschieden. Lebe wohl, Hilma, und ich hoffe, dcch du dich gut erholst." . . . Er wußte, daß er diese Frau ni« Wiedersehen würde, auch wenn nicht inzwischen, Wie er vom Arzt genau wußte, der Tod sein Anrecht geltend machen würde. Er küßte sein« Frau flüchtig auf die Stirn. Das war sein Abschied! Er überhörte die leisen Abschiedsworte seiner Frau und ging. / Bon der Tür her sagte er: „Mama hat sich schon hingelegt, ich will nicht erst stören. Grüße Sie bitte, Hilma!" Die Tür schloß sich. Hilma erhob sich. Klar gezeichnet lag ihr Weg vor ihr. Lind jetzt gewann auch der Brief noch Bedeutung! Der verächtliche, anonym« Brief! • Heinz ging zu jener Frau! Lind jetzt sollte sie mit ihm sterben! Ia, das war nur Garechtigkeit! Hilma schlich in ihr Schlafzimmer, nahm die Waffe aus dem Kasten. Dann warf sie ein großes dunkles Tuch über und ging hinaus. Draußen im Garten, hinter der Figur des Herkules versteckt, wartete sie. Im Ankleidezimmer ihres Gatten brannte noch Licht. Er war noch dort oben. Wie mm, wenn er einen Wagen anrief? Dann wußte sie nicht, wohin er gefahren war. Plötzlich erlosch das Licht. Die kranke Frau zitterte am ganzen Körper. Nach einer Weile 905 Hit W Ito W Roman von Gert Rothberg. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale) kam Altendorf elastisch den breiten Mittelweg zum großen Eingangstor herab. Hibna atmete kaum noch. D:e Kalte drang durch ihre Kleidung. Diese kühle, heimtückische Luft die dem Frühling vorangeht! Ietzt kam das Mädchen und schleppt« zwei große Koffer. Altendorf wartete auf sie, gab ihr Geld und sagte: „Liesbeth, Sie warten die paar Minuten hier; di« Droichk« muß j«den Augenblick kommen. Dann fahren Sie zum Bahnhof und geben die’C Koffer nach Hamburg auf. Das bezahlen Sie alles. Die Adressen sind fertig am Gepäck. Das übrige Geld gehört Ihnen. Leben Sie wohl." „Auf Wiedersehen, Herr Altendorf." Das hübsche Dina weinte. Er kniff sie in die Wang« und lacht« kurz auf. Dann ging er. Hilma huschte zum kleinen Tor. Gott sei Dank, der Schlüssel steckte. Nun konnte sie ihrem Manne ungehindert folgen. Er ging, um Abschied von seiner Geliebten zu nehmen! Vereinzelte Fußgänger begegneten Altendorf. Hinter ihm tarnen auch noch Menschen. Es war eben jetzt die Zeit, wo die vielen Arbeiter und Angestellten auf dem Heimwege waren. Trotz der allgemeinen Arbeitskrise feierten doch noch nicht alle Fabriken. Zwei Damen kamen dem Sänger entgegen. Er blickte sie nicht an, aber sie hatten ihn beide erkannt. „Das war doch Altendorf?" fragte neugierig Hilde von Loh. Sie kam mit ihrer Freundin Ilse Wiedener von einer Modenschau bei Dernhold. Lind Ilse wollte sich dann zum Abendessen mit ihrem Vater in der Stadt treffen. Ilse Wiedener zog die Freundin weiter. Fieberhaft arbeitete es in ihrem Kopf. Sie hatte die nachfolgende dunkle Gestalt erkannt: Heinz Altendorfs Frau! Hatte ihr Brief diese Wirkung ausgelöst? Lind was geschah jetzt? Ging Altendorf zu Traute Bolscher, und würde dieses verhaßte Geschöpf Ilse aber eilte inzwischen hinter der Frau des Sängers her. Ihre Nerven waren auf- gepeitscht. Endlich einmal etwas in diesem stumpfen Dasein, das sie in diesen letzten Wochen bald verrückt gemacht hatte. Lind es würde etwas geschehen! Bestimmt würde etwas geschehen! Diese Situation war seltsam genug und abenteuerlich. Ilse überlegte fieberhaft, wie sie wohl am besten alles beobachten könne. Lind da kam eine Querstraße. Ietzt muhte es sich entscheiden, ob Altendorf nach den Arbeiterhäusern hinüber wollte oder ob er sein Liebchen von der Fabrik abholte. Altendorf schlug den Weg nach der Fabrik ein- Hinter ihm liefen zwei halbwüchsige Burschen, die sich laut und gröhlend unterhielten, und hinter diesen, sich immer im Schatten haltend, folgte die Frau Altendorfs. Lind sie, Ilse Wiedener, lief auf der anderen Seite der Straße. Ilse Wiedener lief jetzt den schmalen Seitenweg, der auch nach der Fabrik führte. Sie konnte dann um die Mauer Herumlaufen, sich hinter einem dec niedrigen Gesträuche verstecken und alles beobachten. Als sie an der Fabrik ankam, stand das große Tor noch weit offen. Sie stellte sich hinter einen dicken Baumstamm, da das unbelaubte Gebüsch nicht genügend Schuh bot. Altendors kam jetzt dicht an ihr vorüber. Er blieb eine Weile stehen und sah zu den Fenstern des Bureaus hinauf, die noch erleuchtet waren. In diesem Augenblick wurde der ganze Platz vor dem Tor durch die riesige Lampe taghell erleuchtet. Der Pförtner wollte dem großen Privatauto, das langsam auf das Tor zusuhr, die Ausfahrt erleichtern. Dieses Helle Licht ließ die Frauengestalt erkennen, die hinter dem Baumstamm stand. In diesem Augenblick krachten mehrere Schüsse. Das Auto hielt, unö' zwei Herren sprangen heraus. Fritz Lohgarten und ein Fremder, ein Freund, der ihn abgeholt hatte, um mit ihm ein wichtiges Geschäft zu besprechen. Dicht am Tor lag Heinz Altendorf auf dem Rücken, während eine dunkle Gestalt, eine Frau, quer am Rande des Weges lag. Lind mitten im Licht, den Revolver noch in der Hand, stand mit irren Augen Hilma Altendorf! Lohgarten erkannte sie zuerst: „Lim Gottes willen, Hilma, was hast du denn? Wer ist das da?" „Mein Mann ist es! Er traf sich hier mit diesem Geschöpf, dieser Traute Bolscher! Lind nun habe ich mich gerächt. Was ist da weiter dabei? Ich bereue nichts. Starre mich nicht so an, Fritz! Ich sage dir, er war nichts Besseres wert. Oder — vielleicht war es eben doch das Beste, was ihm noch geschehen konnte. Lind um die da ist es doch auch nicht schade. Meinst du nicht?" Auf einen Wink Lohgartens legte sein Geschäftsfreund den Arma um Hilma. Er selbst beugte sich über die Frauengestalt. „Traute? Nein! Es ist nicht Traute!" Wie eine Erlösung aus tiefster Qual klang es. Dann beugte s.cy Lohgarten tiefer über die regungslose Frauengestalt. „Ilse Wiedener?! Mein Gott, wie kommt sie mit hierher in dieses Drama?" Er versuchte sie aufzurichten. Doch — Ilse Wiedener, die reich«, verwöhnte Ilse Wiedener war tot! Lind Altendorf? Ein Stöhnen kam von dort her, wo er lag. Also lebte er noch! Lohgarten war schon bei ihm, kniete neben ihm nieder. „Altendvrf! Wie konnte dies geschehen? Ich denke, es war alles gut zwischen Ihnen und Hilma?" Er stützte den Kopf des Schwerverletzten. In diesem Augenblick kam Traute Bolscher an der Gruppe vorüber. Lohgarten erkannte sie. „Fräulein Bolscher, bitte, rufen sie den Arzt und die Staatsanwaltschaft an. Es ist eine unglückselige Tat hier geschehen." Traute erschrak bis ins Herz hinein. Dann aber lief sie schnell ins Bureau guraa, wo ein älterer Angestellter noch über seinen Büchern sah. Von hier aus rief sie die Behörde und den Arzt an. Sie wußte nicht, dah sie indirekt die Hauptperson dieses Dramas war. Noch ganz erschüttert von dem Furchtbaren, ging sie dann wieder hinunter. Lind der Schreiber blickte ihr nach, und auf seinem Gesicht lag, starres Entsetzen, denn er hatte ja gehört, was Fräulein Bolscher in den Apparat hineinsprach. Lind er klappte das Buch zu und ging auch hinunter. Traute lehnte am Tor, Grauen im Blick der großen Augen. Lohgarten blickte sie einmal an, und da hätte sie am liebsten laut aufgeweint, weil so viel Schweres erneut über ihn hereinbrach. Noch wußte sie nicht, wie das alles geschehen war; da aber Frau Altendorf von einem kleinen untersetzten Herrn gehalten wurde, vermutete sie, daß diese die Schüsse abgegeben hatte. Die Waffe lag jetzt am Boden. Lind dann kam der Arzt. Gleich hinter ihm mehrere sehr ernst aussehende Herren. Es wurde verhört, geschrieben; leise Worte wurden ausgetauscht. Der Arzt stellte den Tod Ilse Wiedeners fest. Heinz Altendors war schwer verletzt, er würde den Morgen kaum überleben. Ein Blick des alten Arztes traf die bleiche Frau, die jetzt zwischen zwei fremden Herren stand. Er trat zu dem obersten Beamten, der noch mit Lohgarten sprach, und sagte leise: „Wenn diese Frau dort die Mörderin ist, dann lohnt es sich nicht, sie festzunehmen. Ia, es darf wohl nicht einmal geschehen. Diese Frau ist lungenkrank, letztes Stadium! Ich kenne sie seit langer Zeit." Ein Achselzucken „Bedaure! Das wird der Gerichtsarzt entscheiden. Bei aller schuldiaen Hochachtung vor Ihrem Können fühle ich mich nicht berechtigt, di« Täterin jetzt freizulassen." „Das habe iu& -auch nicht erwartet — ich meinte nur, man wird diese bedauernswerte Frau schnell wieder freilassen müssen. Wenigstens, man wird sie ins Krankenhaus bringen müssen." Der Arzt wandte sich wieder Heinz Altendorf zu, der in tiefer Ohnmacht dalag. Plötzlich riß sich Hilma los, warf sich über ihren Mann. (Fortsehuna folgt.) Zum Weltspartag 1932! Darum spare bei der 7468 D geben werden, und zwar: 7491D Vezirkssparkaffe Gießen! 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De kann das $ angewandt lich mit ei Eteuergutsä lohn enttid Arbeitnehm wird. Eine unmöglich. Zungen zu k Werung , Jyte.taa ^'schilderten ikt. ui sich auch nicht. veranlagte scheinversah vorzugung 2lroeitnchm Umständen ^lusdehnW ltie Ejntvmi Möglichkit seiner A Dollte mai «intemmenf träge lai 'n Aerbrau durch eint ft "^wejseihaf fm ""Wt ta *" Sdri fett“ dF'Ä toitb OS11>' -K; Dereita h,.6ul sfe bem yJJer