ar. 198 Erstes Blatt 182. Zahrgang Mittwoch, 24. August (932 6r|d)eini täglich, autzei Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Biehenei Samilienblättei Heimat Bild Die Scholle OlcmatSiBeingspreis: Mit 4 Beilagen NM 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. . -.25 Auch bet Nichterscheinen oon einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. 8ernfprechanschlüsfe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Siesten. Postscheckkonto: firanlfurt am Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck vnd Verlag: vrühl'fche Univer^lülr-Vuch« unö Steinönideret R. Lange in Gietzen. Zchriftleitnng und Geschäftsstelle: Schulstraße 7. annagme von anjetgen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen oon 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Re'chspfennig: für Ns- lilameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrift 20“ , mehr. Chesredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Berantworilich für Politik Dr Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Lrnst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Die Beuihener Todesurteile unserem Vaterland ist bereit, der Wirt- gesunden Zweck ihre stellen. Das Urteil von Beuthen ist hart. Die fünf Todes urteile bringen jedem Staatsbürger eindrucksvoll zum Bewußtsein, wie schwer das Gesetz ist, das zur Befriedung des politischen Lebens für Deutschland erlassen wurde, nach Ansicht aller Parteien erlassen werden mußte. Bei Erlaß des Gesetzes fand es allgemeine Billigung, denn jeder war sich darüber klar, daß die blutigen Formen des politischen Meinungskampfes nur mit der gleichen Rücksichtslosigkeit bekämpft werden konnten, mit der sie geführt wurden. Der Wortlaut des Gesetzes ist klar; nach ihm konnten die Richter von Beuthen nicht anders urteilen. Das Gesetz sollte eine abschreckende Wirkung haben, sollte, wie jedes Gesetz, nicht Rache, sondern Erziehung sein. Aus diesem Grunde hat sich der Gesetzgeber in bezug auf die Vollstreckung nicht festgelegt. Der Gedanke, daß fünf Todesurteile vollstreckt werden könnten, erschüttert, denn man müßte sehr weit in der Justizgeschichte Deutschlands zurück- gehen, wenn man einen ähnlichen Fall einer Massen- exekution finden wollte. Die Regierung steht vor der schwerwiegenden Frage, ob dieses Urteil vollstreckt werden, oder ob sie von ihrem Recht Gebrauch machen soll, Gnade sürRecht ergehen zu lassen. Die Entscheidung wird nicht heute oder morgen fallen, denn den Verurteilten bleibt noch ein Rechtsmittel. Sie können das Wiederaufnahmeverfahren beantragen. Wird einem Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens stattgegeben, dann muß der Prozeß vor einem ordentlichen Gericht, nicht mehr vor dem Sondergericht, verhandelt werden. Bei der Schwere des Urteils muß man erwarten, daß dem Antrag aus Wiederaufnahme des Verfahrens ohne weiteres stattgegeben wird. Sowohl bei der Entscheidung über die Begnadigung, wie über das Wiederaufnahmeverfahren ist auf das sorgfältigste zu prüfen, ob den Tätern im Augenblick der Tat das Sondergefetz mit seinen scharfen Strafbestimmungen bekannt gewesen ist. E-s darf dabei auch nicht übersehen werden, daß der Schonplatz der Tat, das oberschle- Mit der Kampferspritze der offenen, verschleierten oder dosierten Inflation mir als Reichsbankpräsident Volkstum- l i ch k e i t zu erringen, die sicher rasch einer ewigen Verfluchung Platz machen würde, muß ich vor meinem Gewissen und vor meinem Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber ~f ablehnen. Die Reichsbank schäft für jeden wirtschaftlich Kreditkraft zur Verfügung zu Reichsbankpräsident Luther über Krise und Währung Eine Rede auf dem Deutschen Genvffenschaststag. Rücktritt Trendelenburgs genehmigt. Berlin, 24. Aug. (ERB.) Wie wir aus gut unterrichteter Quelle Horen, wird noch heute das Abschiedsgesuch des Staatssekretärs Dr. Trendelenburg im Reichswirtschaf tsininifte- riurn genehmigt werden. Morgen wird sein Abschied sowie die Ernennung seines Nachfolgers erfolgen. . Hierzu hören wir weiter von privater Seite, daß Geheimrat Schwarzkopf, der bisherige Direktor der Landeskreditkasse in Kassel, zum Nachfolger Dr. Irenbelenburgs ausersehen ist. Hitlers letzte Anweisungen an Kerrl. München, 24. Aug. (CAB. Funkspruch.) Wie der „Bayerische Kurier" aus politischen Berliner Kreisen hört, soll gestern ein Sonderbeauftragter Hitlers in Berlin eingetroffen fein, der dem nationalsozialistischen Landtagspräsidenten Kerrl die letzten Entscheidungen und Anweisungen des Braunen Hauses für die preußischen Koalitionsverhandlungen zu übermitteln habe. Man nehme nun an, daß Die Besprechungen zwischen Zentrum und Aa- tionalsozialisten Ende der Woche weitergeführt werden. Abg. Stöhr Reichstagspräsident? Berlin, 24. Aug. (CAB.) Wie die „Deutsche Zeitung" erfahren haben will, soll von der nationalsozialistischen Aeichstagssraktion als Präsident des neuen Reichstages der Abgeordnete der AEDAP. Franz Stöhr vorgeschlagen werden. Stöhr ist am 18. Rovember 1879 geboren, war lange Zeit im Deutschnatio- nalen Handlungsgehilsenverband tätig uizd hatte im bisherigen Reichstag einige Monate lang daS Amt des Ersten Dizepräsidenten des Reichstages j inne. sische Grenzgebiet, noch immer ein Gefahrenherd ersten Ranges ist, daß vor allem in der dortigen deutschen Bevölkerung die Erinnerung an die furchtbaren Greueltaten der polnischen Insurgenten nachzittert. Der Tote von Poternpa war polnischer Insurgent, der sich, über die deutsche Grenze verschlagen wie so viele seinesgleichen, als Kommunist getarnt hatte, um in dieser Verwandlung den Kampf gegen das Deutschtum in Oberschlesien fortzusetzen. Hätte nicht ein Sondergericht, sondern das ordentlich« Gericht die Ermordung des Kommunisten Pietr- zuch abgeurteilt, so wären sehr wahrscheinlich den Tätern mildernde Umftänbe aus der politischen und geistigen Verfassung des Grenzgebietes heraus zugebilligt worden. Die Rot- verorduung gegen den politischen Schrecken läßt mildernde llmftänbe nicht zu. Darum ist es wünschenswert, die Ereignisse von Poternpa in einem Wiederaufnahmeprozeß noch einmal gründlich zu würdigen und dabei die für die Angeklagten sprechenden Milderungsgründe in gebührender Weife zu berücksichtigen. Aeue Beweisanträge. München, 24. Aug. (CAB. Funkspruch.) Rechtsanwalt Dr. ßütgebrune, der Verteidiger der Deuthener Verurteilten, erklärte heute dem Breslauer Vertreter des „Völkischen Beobachter", ihm seien neue Beweismittel beigebracht worden, die es notwendig erscheinen ließen, den Potempaprozeß im ordentlichen Gerichtsverfahren n a ch z u p r ü s e n. Es fei ihm gelungen, festzustellen. daß der getötete P i e t r z u ch am Abend des 9. August zwischen 10 und 11 älhr einen SA. - Mann namens Sowka mit 12 anderen Kommunisten übers allen habe. Ein Begleiter des Ueberfallenen sei zum Gastwirt L a ch m a n n geeilt, bet dem das SA.'Schuhkommando lag, und habe um Hilfe gebeten. Den Stillstand des Wirtschaftslebens als solchen kann abec nicht die Rotenbank überwinden, sondern nur der Wille der Teilnehmer des Wirtschaftslebens, nicht mehr stillzustehen. Gegenüber der Forderung, das Gold als Währungsgrundlage aufzugeben, ist zu sagen daß man einen anderen internationalen Wertmesser als Gold bisher nicht gefunden hat. Die falsche Goldverteilung auf der Erde hebt seine Eigenschaft als Wertmesser nicht auf. Auf die aktuellen Probleme der Z i n s h o h e ging Dr Luther nicht in vollem Umfange ein. Er behielt ratungen teilgenommen, und da ist es nun wertvoll, aus Ioftres Munde zu hören, daß einmal einstimmig beschlossen wurde, im Falle einer Aeutralitätsverletzung Belgiens durch Deutschland sofort durch das neutrale Luxemburg hindurch vorzu stoßen; zum anderen erfahren wir, daß Joffrö im Kriegsrat vom 21. Februar 1912 einen Plan zum Einmarsch in Belgien entwickelte. Er stellt ausdrücklich fest, ..daß wir" — also die Franzosen — „ein entscheidendes Interesse haben, unsere Heere in -Belgien e i n m a r s ch i er« n zu lassen, nicht nur für den Fall, daß die Deutschen, wie es wahrscheinlich ist, dieses selbst verletzt haben würden". Aus rein militärischen Erwägungen heraus kam also Ioffre zu denselben Ueberlegungen, di« auch im deutschen Generalstab eine RlKle spielten. ilnö da wagt man noch immer, uns den Druck) des Völkerrechts vorzuwerfen und die Kriegsschuldlüge aufrechtzuerhalten, obwohl auch die französische« Spitzen einen Einmarsch in Belgien als Vorbeugungsmittel für erforderlich hielten. renö des Krieges mehr als schlecht war. Ieder wollte tommandieren und befehlen, niemand sich ein- oder unterordnen, auch dann noch nicht, a-s der Oberbefehl in die Hände des Marschalls Foch gelegt worden war. Das Gegeneinanderarbeiten war aber nicht nur bei den Militärs, sondern auch bei den Politikern zu finden, es hat zu mehr als einer Panne geführt, hat aber offenbar auch bei allen Beteiligten den lebhaften Wunsch zu Tage gefördert, möglichst umfassende und ins Einzelne gehende Lebensermnerungen niederzuschreiben und zumeist auch noch bei Leb- «eiten zu veröffentlichen. Denn soweit hatten sich wohl alle durchschaut, daß demjenigen die Schuld für jeden Fehlariff in der Politik oder Kriegs führung aufgebürdet werden wurde, der sich nicht rechtzeitig durch seine Memoiren dagegen sicherte Dieses gegenseitige Mißtrauen bis über das Grab hinaus hat unserer Kriegsschuldforschung ausgezeichnetes Material zur Klar- stellung der Schuld am Ausbruch des Weltkrieges geliefert. . . Seit einiger Zeit werden nun Auszuge aus den Memoiren des Marschalls Ioffre in einer französischen Zeitung veröffentlicht, die ebenfalls sich seine ausführliche Stellungnahme vielmehr für eine demnächst an anderer Stelle zu haltende Ansprache vor, mit Rücksicht auf die Erörterungen, die zur Zeit noch zwischen der Reichsregierung und der R e i ch s b a n k schweben. was den Diskontsatz anbetrifft, sagte Dr. Luther, so ist die Reichsbank zur weiteren Senkung schon seit längerer Zeit bereit. Wenn diese Diskontsenkung bisher nicht erfolgt ist, so liegt das lediglich an der Vorschrift des Bank- g e s e tz e s, die bei Unterbreitung der 40prozentigen Deckungsgrenze einen Diskontsatz von weniger als 5 Prozent für unzulässig erklärt. Wunsch und Bemühungen der Reichsbank gehen dahin, daß die g e - setzlichen Hindernisse, die die Freiheit der Diskontpolitik der Reichsbank einengen, sobald als möglich beseitigt werden. Zum Abschluß seiner Darlegungen behandelte der Reichsbankpräsident noch kurz die D r ß a n i | a - tion des Bankwesens. Obwohl die schwere Wirtschaftskrise die Notwendigkeit herbeigeführt habe, in großem Umfange den Kredit des Reiches und Barmittel und Kredit der Reichsbank innerhalb des Bankwesens einzusetzen, so tonne doch eine Verstaatlichung des Bankwesens nicht die Lösung bedeuten. Für die Zukunft komme es darauf an, durch feste und durchgreifende Reformmaßnahmen am S tg a t - 1 i ch e n alles, was Staat und öffentliche Aufgabenerfüllung fei, gesund und kräftig zu machen. Das private Wirtschaftsleven aber könne nur in der Luft de Freiheit und der 6 c l b ft d e r • antmortung der einzelnen gedeihen. Das Durcheinander von Staat und Wirtschaft habe nur Umwege gebracht. Um des Wohles der Gesamtheit w n müßten ein starker Staat und eine freie Wirtscyaft die Leitsterne sein. Landnöten. In Preußen haben dieser Tage erneut zahlreiche höhere Staatsbeamte — über 60 Landräte — ihre bisherigen Posten verlassen müssen. Dieser Dcamtenschub ist in der Tat geeignet, nicht unerhebliches Aufsehen zu erregen. Bei den Personalveränderungen unmittelbar nach dem 20. Iuli war es eigentlich für jeden klar, daß die neuen Machthaber nicht sämtliche Beamten des bisherigen Systems übernehmen konnten. Damals hielten sich die Veränderungen auch in einem verhältnismäßig bescheidenem Rahmen. Inzwischen wurden aber neue Anstrengungen gemacht, um die Aationalsozialisten in die Reichsregierung hineinzubringen und in Preußen eine Regierungsgemeinschast herzustellen. In jedem Falle lag also eigentlich Veranlassung genug vor, zunächst den weiteren Gang der Verhandlungen abzuwarten. Daß aber ganz ohne Rücksicht auf diese Bestrebungen daran gegangen wurde, zahllose Landratsämter mit Gefolgsleuten P a p e n s, mindestens aber mit Männern, denen Papen vertraut, zu besehen, läßt doch den Schluß zu, daß sich die Reichsregierung außerordentlich stark fühlt und vorläufig mit einer Teilnahme der Nationalsozialisten an den Regierungsgeschäften weder in Preußen, noch im Reich rechnet. Es ließe sich aber auch daraus der Schluß ziehen, daß auf dem Gebiete der Personalpolitik schon jetzt mindestens in Preußen vollendete Tatsachen geschaffen werden. Wie wenig erbaut die Aatio- nalsozialisten von den Umgruppierungen fein werden, dürfte sich bald Herausstellen. Daß aber der Reichskommissar unbeirrt an der Beseitigung der nach links hin gebundenen politischen Beamten arbeitet, ist zu begrüßen. Wir wünschen aber auch, daß er ebenso unbeirrt an den Wiederaufbau Preußens auch auf anderen Gebieten herangeht. In welchem Zustand sich die deutschen D e r - teidigungsanlagen befinden, ist zur Genüge bekannt. Jeder Deutsche weiß auch, daß auf Befehl der Siegerstaaten eine Festung nach der anderen in die Luft gesprengt werden mußte und daß nicht einmal die ältesten und unmodernsten Anlagen von der Zerstörungswut namentlich der Franzosen verschont „ geblieben sind. Wir haben ein Stück Beton nach dem änderen abgetragen, wir haben uns darin fügen müssen, daß uns auf Grund der militärischen Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages noch extra eine entmilitarisierte Zone zu beiden Seiten des Rheins geschaffen wurde. Einige Werke im Innern des Reiches durften wir weiter unterhalten. Aber auch erst nach kräftiger Abrüstung der Forts. In Königsberg wurden nur 38 eingebaute Geschütze (darunter 16 Flaks) mit beschränkter Munitionsausstattung belassen. Zugeftanden wurde uns die Errichtung oon Befestigungswerken igi Osten auf der Linie Königsberg—Sensburg—Marienburg, die uns unter dem Namen „Heilsberger Dreieck" bekannt find. Wie anders sieht es mit dem Vefestigungsring. mit den Stärken der Landheere, den Luft- und Seeslotten unserer Aachbarn aus! An erster Stelle ist Frankreich zu nennen, das den Schwerpunkt seiner Festungen an der Grenze von Basel bis Metz liegen hat. Die ganze Front gegen Deutschland ist ein einziger Festungsgürtel. Selbst das kleine Belgien ist durch den Vertrag von 1920 mit Frankreich verpflichtet. Festungen, besonders in der Aahe der deutschen Grenze, zu bauen. Mit diesem Aufbau wurde bereits 1929 bei Lüttich, Antwerpen und an der Südostfront von Aamur begonnen. Die vollständige Herstellung dieser waffenstarrenden Städte dürfte wohl im Iahre 1934 erfolgt fein. Italien hat ebenfalls besonders an den Grenzen sog. Sperrforts errichtet, von denen zwölf alteren Formats und 29 neueren Stils das Land Mussolinis verteidigen sollen. Außer den stark bestückten Marinefestungen sind noch weitere Bau werke als Land- und Seeschuh vorgesehen. Au der anderen Seite Deutschlands steht das aufjer» ordentlich stark geschützte Polen, das nach Westen zu sechzehn modern ausgerüstete Festungswerke besitzt. Wir haben hier ein für uns sehr interessantes Experiment: die ehemals deutschen Festungen im Korridor, die für uns heute noch modern fein würden, sind von den Polen geschleift und an ihre Stelle von französischen Genieofft- zieren mustergültige, auf den letzten Kriegserfahrungen basierende Wassenarsenale errichtet worden. Die Tschechoslowakei hat allerdings nur wenige stark veraltete Forts zur Verfügung, doch ist auch hier mit französischen Geldmitteln nachgeholfen worden, um den Sicherheitsgürtel gegen. Deutschland zu vervollständigen. Allein ein kurzer lleberdlick über die Wehret a t s der einzelnen Staaten gibt uns ein Bild, wie die Machtverhältnisse in Europa liegen und wieviel die einzelnen Staaten für ihre Sicherheit aufbringen. Deutschland zahlt im Durchschnitt 690 Millionen Mark, denen Belgien mit 1363 Millionen Franken. Frankreich mit 19 750 Millionen Franken. Italien mit 5552 Millionen Lire, Polen mit 1062 Millionen Zloty und die Tschechoslowakei mit 1715 Millionen Kronen gegenüDcrfteqen. Die Abrüstungskonferenz ist durch die gute französische Arbeit wieder einmal vertagt worden. Wahrscheinlich wird sie schon in Kürze ganz das Zeitliche segnen. Ein Grund mehr für uns, nun endlich einmal den Ententemächten klarzumachen, daß wir aus Sicherheitsgründen uns zuminde t Landesbefestigungen zulegen müssen, wie sie in Anbetracht der von Waffen starrenden Grenzen der Nachbarn unumgänglich sind. •> Wir wissen längst, daß das Zusammenwirken der führenden Kreise im gegnerischen Lager wäh- Dortmund. 24. Aug. (WTB. Funkspruch.) Die Verhandlungen des hier abgehallenen 6 8. Deutschen Genossenschaftstages sanden ihren Abschluß mit einer Ansprache des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther, der u. a. ausführte: Wenn man auch noch nicht sagen kann, daß die Wirtschaftskrise ihren Drehpunkt bereits durchschritten hat. so ist doch die elementare Kraft des Schrumpfungsvorganges der Wirtschaft nicht mehr fo groß, daß man nicht alles daransehen mühte, den Wirtschaftenden wieder Mut zu machen, und daß man nicht mit wohlüberlegten und entschiedenen Maßnahmen der Staatsgewalt und der Reichsbank nunmehr versuchen dürste und mühte, den natürlichen Genesungsprozeh zu unterstützen. Angesichts des Gedankens, nur ganz Reues vermöchte Abhilfe von den vielen Hebeln der Zeit verschaffen, könnte bei manchen der Eindruck ent- tehen, als ob eine Verteidigung des Grundsatzes der Privatwirtschaft und der Aufrechterhaltung weltwirtschaftlicher Verbindungen, wie auch eine Verteidigung der Goldwährung Passivität sei, ist zu betonen, daß noch allen bisherigen Erfahrungen der Menschheit nur durch Einsetzung des privat- geschäftlichenErfolg strebens, aber auch der privatgeschäftlichen eigenenVer- antwortung jener höchste Ruherfvlg aus der Menschenarbeit herausgeholt werden kann, der herausgeholt werden muß, soll Deutschland einer neuen Blüte entgegengeführt werden. Möglich ist es und nützlich, den deutschen Menschen in tunlichst großem Umfange auf die Erzeugnisse des deutschen Bodens zu Der- weisen. Es gibt aber Grenzen, die von den Fanatikern autarkischen Planens über» ehen werden. Die absolute Autarkie würde mit Rat und Tod sehr vieler Deutscher überbezahlt werden. Die Landwirtschaft kann nur dann die Preise erzielen, die zu ihrer Erhaltung notwendig sind, wenn die Kaufkraft der Bevölkerung eine starke Ergänzung durch Beschäftigung im Dienste der Ausfuhr erfährt. Die vielen, die so bedingungslos heute für eine am Schreibtisch erdachte Planwirtschaft eintreten, machen sich kaum klar, daß auf dem Wege bis zur Erreichung der planwirtschaftlichen Ziele eine Elends st raße liegen muß, der Millionen von Deutschen zum Opfer fallen. Auch die Währung ist kein Versuchsfeld, keine Stelle, an der, ohne die Erfahrungen der Ver- gangenheit zu benutzen, herumgebastelt werden darf. In allen Krisenzeiten sind Pläne aufgetaucht, durch Währungsexperimente den Druck der Krise künstlich aufzuheben. Nie ist durch ein Experimentieren mit der Währung dieser Krisendruck dauernd gemildert worden, wohl aber werden Krisen durch Währungsexperimente ,u Katastrophen. ungewöhnlich interessant sind und vor allem ein b^eichnendes Licht auf das Problem Belgien werfen, das nicht nur für uns. sondern auch für Frankreichs Aufmarschpläne eine besondere Rolle spielte. Ioffre äußerte sich sehr eingehend übet eine Reihe wichtiger Despre- chungen, die sich um die militärische Bedeutung Belgiens im Falle eines Krieges zwischen Deutschland und Frankreich drehten. Daß sich die französische Heeresleitung überhaupt auf alle Eventualitäten vorbereitete, nachdem sie von dem Intrigenspiel der französischen und russischen Politiker genügend Kenntnis erhalten hatte, kann ihr niemand übel nehmen. Marschall I o f s r e wäre ein schlechter Patriot gewesen, hätte er nicht immer wieder die Landkarte zur Hand genommen und besorgt auf das sogenannte. Luxemburger Loch" und das dem nordfranzosischen Gebiet vorgelagerte Belgien geschaut. Was uns aber interessiert und was erneut die Luge von der deutschen K r i e g s s ch u l d zum französischen Zweckmärchen stempelt, sind die Feststellungen Ioffrös über Kriegsratsitzungen unter Beteiligung der höchsten politischen Beamten im Staate. Selbst P o i n c a r e halle an diesen De- Handwerkerverireter beim Reichskanzler. Berlin, 24.2lug. (WTB. Funkspruch.) Der Reichskanzler empfing heute vormittag Vertreter des Reichsverbandes des deutschen Handwerks zu einer eingehenden Aussprache über die Wirtschaftslage und die daraus abgeleiteten Wünsche. Diese betrafen vordringlich Die Schaffung von Arbeits - Möglichkeiten für das selbständige H a n d w e.r k, insbesondere durch Wieder- Herstellung des Althausbesitzes. 3m Zusammenhang hiermit wurden die Lage des gewerblichen Genossenschaftswesens und die Rotwendigkeit einer einheitlichen Kreditpolitik für den gewerblichen Mittelstand erörtert. Schließlich äußerten die Vertreter des Handwerks den Wunsch, dah bei künftigen organisatorischen und wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Reichsregierung mehr als bisher auf die Eigenart des Handwerks als einer selbständigen Berufsgruppe Rücksicht genommen werden möge. Der Reichskanzler sagte zu, dah die Vorschläge in Fühlung mit der Spihenvertretung des Handwerks eingehend geprüft werden würden. Prof. Gumbel-Heidelberg abgesehi. Heidelbera, 23. Aug. lWSN.) Gegen den Mathematikprofessor an der Heidelberger Universität Dr. G u m b e l schwebte ein Verfahren wegen der in einer sozialistischen Studentenversammlung gefallenen Aeußerung, wonach das Kriegerdenkmal des deutschen Soldaten „nicht eine Jungfrau mit der Siegespalme, sondern eher eine große Kohlrübe sein müsse". Wie jetzt amtlich mitgeteilt wird, haben sich sowohl die philosophische Fakultät, wie auch der engere Senat der Universität e i n st i m m i g dahin entschieden, vom badischen Unterrichtsministerium die Entziehung der Lehrberechtigung für Professor Dr. Gumbel zu fordern. Das badische Unterrichtsministerium hat diesem Anträge stattgegeben. Damit scheidet Professor Dr. Gumbel jetzt endgültig aus der Reihe der Dozenten der Heidelberger Universität aus. * Professor Gumbel ist wiederholt durch seine politischen Extratouren unangenehm aufgefallen. Er gehört dem extremen Pazifismus an und hat sich nur unter dem Schutz der Linken an der Universität Heidelberg halten können. Wiederholt ist der Versuch gemacht worden, ihn aus seiner Stellung zu entfernen. Aber alle Bemühungen scheiterten, weil die badische Regierung ihn nicht gehen lassen wollte. Sie hat sich jetzt doch gezwungen gesehen, auf seine weitere Tätigkeit an der Heidelberger Universität zu verzichten. Gumbel ist in letzter Zeit wieder durch abfällige Aeußerungen über Kriegerdenkmäler aufgefallen. Er hat sich wiederholt Entgleisungen geleistet, die so unerhörter Natur waren, daß man es einfach nicht verstand, warum man ihm nicht schon längst den Stuhl vor die Tür setzte. Man erinnert sich an seinen Ausspruch vom „Felde der Unchre", auf dem die deutschen Soldaten nach Ansicht Gumbels gefallen sind. Gumbel ist auch derjenige, der in einer sozialistischen Versammlung fest- stellte, daß für ihn das Sinnbild des Krieges nicht eine Jungfrau mit der Siegespalme, sondern viel eher eine große Kohlrübe sei. Allmählich fing man ober auch auf der gemäßigten Linken an, von Gumbel abzurücken. Wir begrüßen es, daß die Karlsruher Regierung nun endlich die Entschlußkraft aufgebracht hat, diesen Mann seines Amtes zu entheben. Neue Sondergerichis-Llrteile. Das Königsberger Sondergericht tagte gestern zum erstenmal und verurteilte drei kommunistische Arbeiter aus Labiau (Ostpreußen), die in der Rächt zum 8. August, also noch vor Erlaß der auf die Sondergerichte bezüglichen Rotverordnung, mit Waffen in der Hand betroffen worden waren, zu zwei bis fünf Monaten Hans Caroffa. Von Dr. Carl Wa brach. Nur mit der größten Bescheidenheit und Vorsicht kann man von diesem Dichter sprechen, der noch zu einer Zeit gelesen werden wird, wenn die Namen anderer zeitgenössischer Schriftsteller nur noch in den Literaturgeschichten zu finden sein werden. Denn aus seinen Büchern sprechen die deutsche Seele und das deutsche Herz in all ihrer Echtheit und Klarheit. Ca- rossa, der Münchner Arzt, geht so still durch das Leben wie durch die Krankenstuben der kleinen Leute, daß es schwer fällt, über ihn zu sprechen. Mit platten Lobpreisungen und schmückenden Beiworten kann diesem Mann nicht gedient sein; damit würde man höchstens seinen Wert beeinträchtigen. Heber seinen äußeren Lebensgang isi nicht viel bekannt. Er ist in Tölz geboren, hat feine Kindheit auf dein Boden römischer Kolonisation in Ober- und Niederbayern verbracht und dann das Landshuter Gymnasium durchlaufen. Als Student hat er die Hochschulen in München, Würzburg und — der be- deutenden Fakultät zuliebe — in Leipzig besucht; dann ließ er sich in Passau als Arzt nieder, das er 1914 mit München vertauschte. So hat sich sein Leben im wesentlichen nur in dem von der Donau begrenzten Süddeutschland abgespielt. Das mußte erwähnt werden, weil es die besondere Prägung seiner Dichtunaen verständlicher macht. Carossas Stellung zu Welt und Leben und Tod kann hier, wo es nur einen Hinweis auf fein, eine glückliche „Vereinigung des Deutschen und Lateinischen" darstellendes Wesen gilt nicht näher betrachtet werden. In den „Verwandlungen einer Ju- gen6" heißt es einmal: „... zog ich mir daraus die Lehre, daß es auf äußere Glücksumstände nicht so sehr ankomme, daß man nur immer klar, wach und gesammelt zu leben brauchte, um das ganze Glück der Welt in sich hereinzuleiten." Und der Sinn des „Rumänischen Tagebuches", des einzigen Buches feiner Art, das der Weltkrieg heroorgebracht ha», ist, „daß es vor dem Leiden keine andere Rettung gibt als die, das Leiden auf sich zu nehmen". Wenn der Begriff der Klassik nicht einer abgeschlossenen Epoche der deutschen Literaturgeschichte angehörte, dann wäre es erlaubt, Carossas Bücher klassisch $u nennen. Aber vielleicht wegen seiner humanistischen Bildung ist der Dichter davor bewahrt geblieben ein Nachahmer, ein Epigone jener Großen des 18. Jahrhunderts zu werden. Seine wahrhaft großartige Geftaltungskunst und feine vollkommene Beherrschung unserer, doch oft so ungefügen und spröden Sprache befähigen ihn, Werke zu schaffen, die, auf bestem altem Boden erwachsen. Gefängnis wegen unbefugten Schußwaffenbesitzes bzw. unbefugter Waffenführung. * Vor dem bei dem Landgericht in Kiel eingesetzten Sondergericht fand gestern die erste Verhandlung statt. Wegen Landfriedensbruches usw. hatten sich zu verantworten der Arbeiter Bracker, der Tuchmacher Wolter, der Tuchmacher Sick, der Maurer Luettjohann, der Arbeiter Warnte, der Weber S ch n o o r, der Arbeiter Heyden und der Schlächter Münster, sämtlich wohnhaft in Neumünster. Den ersten sieben Angeklagten, die der Eisernen Front angehören, wurde zur Last gelegt, am 24. Juli sich zusammengerottet und in der Lerchenstraße in Neumünster nationalsozialistische Zettelverteiler angegriffen und mißhandelt zu haben. Der letzte Angeklagte hatte sich wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu verantworten. Das Gericht verurteilte unter Zubilligung mildernder Umstände Bracker zu einem Jahr zwei Monaten, Wolter zu einem Jahr sechs Monaten, S i ck zu einem Jahr vier Monaten, Luettjohann, Warnte und S ch n o o r zu je einem Jahr zwei Monaten Hey - d e n zu acht Monaten und M ii n st e r zu drei Monaten Gefängnis. Gegen sämtliche Angeklagten bis auf Münster wurde Haftbefehl erlassen. Zusammenstöße in Polnisch-Oberschlesien. K a t t o w i h , 23. Aug. (WTB.) 3n der Nähe der Agnes -- Hütte bei Dittkow kam es heute nachmittag zwischen den dort wilden Abbau treibenden Arbeitslosen und der Polizei zu blutigen Zusammenstößen. Eine größere Polizeitruppe im Stahlhelm und mit Gewehren sperrte das ganze Gelände ab und vertrieb die Arbeitslosen aus den Rotschächten. Die Arbeitslosen setzten den Polizeibeamten verzweifelten Wider st and mit Aexten und Keilhauern entgegen, mußten aber der älebermacht der Polizei weichen. Rach den bisherigen Mitteilungen sollen mehrere Arbeitslose getötet und verletzt worden sein. Die Unruhe dauert noch immer an. Die Polizei hat das Gelände noch nicht verlassen. Große französische Lustmanöver an der deutschen Grenze. Paris, 23. Aug. (TU.) Am heutigen Dienstag beginnen im französisch-deutschen Grenzgebiet in dem Viereck Maringen— Diedenhofen — Berry au Dac — Eperney die größten französischen Luftmanöver, die bisher überhaupt in Frankreich durchgeführt worden sind..» Von heute ab gilt das gesamte Manövergebiet als „im Kriegszustand" befindlich und wird von „feindlichen" Flugzeugen aller Gattungen überflogen. Ziel dieser Flugzeuge sollen öfc Elektrizitätswerke von Metz, die Hochöfen von Diedenhofen, die Bahnhöfe von Reiuis und Verdun, verschiedene andere Jndustrieunter- nehmungen und schließlich die im Manövergebiet liegenden Flugplätze sein. Den Höhepunkt werden die Manöver in der Rächt auf Freitag erreichen, wo das gesamte Manövergebiet verdunkelt wird. An den Manövern nehmen sämtliche Fliegerformationen der westlichen französischen Garnisönen teil, die yoch durch andere Fliegerregimenter unterstützt werden. OesterreichSAbschied vonSchober Wien, 23. Aug. (WTB.) Unter starkem Andrang der Bevölkerung wurde heute nachmittag mit großer Feierlichkeit der Altbundeskanzler und Polizeipräsident Dr. Johannes Schober zu Grabe getragen. Unter Vorantritt der Geistlichkeit bewegte sich der Trauerzug zur Votiokirche. Hinter dem Sarge schritten die Gemahlin des Verstorbenen mit den Verwandten dann folgten u. a. Bundespräsident Miklas, Bundeskanzler Dollfuß mit den Mitgliedern der Bundesregierung und der Landesregierungen, ferner das Diplomatische Korps, darunter der deutsche Gesandte Dr. Rieth mit den Herren der Gesandtschaft. Den Schluß des Trauerzugs zeigen, wie ein reiner Dichter auf Höhenwegen wandert. Caroffa schreibt nur, weil es ihm in seinem Innern dazu drängt. Er ist keiner von denen, die den Reife- prozeß nicht abwarten können. Und gerade diese innere Beherrschtheit — nur fünf schmale Bände machen bis jetzt sein Werk aus — läßt ihn unserer jagenden Zeit gewissermaßen als Vorbild erscheinen Deshalb sind seine Bücher alle von so innerlicher Tiefe, Ruhe und Klarheit, voll Sternensehnsucht und Erdenverbundenheit, daß keine noch so ausführliche Besprechung imstande wäre, ihren Geist und Sinn annähernd zu vermitteln: man muß sie in ruhiger Stunde, fern vom alltäglichen Jagen und Hasten lesen — lesen, nicht um sie gelesen zu haben, sondern weil man von ihnen gefangen wird um der Liebe und Frömmigkeit willen, der Ehrfurcht vor dem Leben und dem Tod, des Ewigen, das aus Vergänglichem kommt. Nur dann kann man dem Wesen dieses Dichters nahe kommen und es erfassen. Nur dann kann man den Mensch Carossa verstehen; denn das Menschliche in ihm scheint mir das Bedeutendste, ia, das Wesentliche zu sein. Wohl schaut er zu den fernen Welten auf, aber er steht fest mit beiden Füßen auf der Erde, er schwebt nid), losgelöst über dem Irdischen und steht doch „über den Dingen". Und zwar nicht kühl und fern, sondern mitten drin, er erlebt Großes und Kleines bewußt mit. Und wie fein Kriegsbuch ersehen läßt, ist er auch in Not und Tod und Verwüstung guter Dinge und vermag zu lächeln, wo andern die Lippen erstarren. Das kann er, weil er ein „Geheimnis" hat — wenn man es so nennen will, denn es ist nichts Geheimnisvolles dabei, sondern nur etwas ganz Einfaches — nämlich: „Die Kunst, das Leben zu ertragen, ohne wider den Stachel zu löcken. Das ist alles. Es ist eine christliche Kunst. Auch eine stoische — auch eine klassische"; eine Kunst, die man recht vielen Menschen wünschen möchte. Er spricht nirgends davon und trotzdem oder deshalb spürt man, daß er nach Totalität strebt, nach der harmonischen Ausbildung seiner Persönlichkeit in jeder feiner Natur gemäßen Richtung. Aus diesem Streben entspringt ihm eine tiefe innere Ueberein- ftimmung mit sich selber, die bei jedem Dichter eine Notwendigkeit fein sollte, „um den vollkommenen harmonischen Gleichklang der Gestaltung des Werkes zu erhalten, in dem menschliches Sein und künstlerisches Tun sich unlösbar durchdrinaen". Die meisten Freunde hat Carossa offenbar in der Generation, die heute etwa zwischen 30 und 60 ist, während die Jugend ihm manchmal ziemlich verständnislos gegenübersteht. Die Jungen selber können wenig dafür, denn sie sind vom Geist ihrer Zeit befangen, dem Geist der technischen Erfolge und der bildeten ein Infanterie-Regiment und mehrere Artillerieabteilungen. Vor dem Parlament war ein Katafalk errichtet, hinter dem sich die Rednertribüne befand, auf der Bundespräsident Miklas das Wort ergriff. Er erinnerte an die Tragik, welche Oesterreich innerhalb von drei Monaten drei der hervorragendsten Männer des öffentlichen Lebens im besten Lebensalter raubte: Kardinal Pfiffl, dann Dr. Seipel und jetzt Dr. Schober. So sei der Dienst am Volke an höchster oerK antwortungsvoller Stelle ein Opferdienst, der die besten Kräfte verzehre und allzu früh ihnen den Grabhügel wölbe. Dr. Schober sei in treuester Pflichterfüllung in allen Lebensstellungen ein deutscher Mann in seinem ganzen Den- fen und Fühlen gewesen. In seiner Auffassung von unbedingter Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit als erste Voraussetzung der nationalen Wohlfahrt sei er alle Zeit der Hüter der staatlichen Ordnung, der getreue Ekkehard, der große Polizeipräsident geblieben, dessen Ruf weit über die Grenzen Oesterreichs hinausgedrungen sei. Heber sein öffentliches politisches Wirken werde einst die Geschichte ein gerechtes Urteil fällen und in objektiver Würdigung seiner Taten auch seinem Namen im Buch der Geschichte Oesterreichs und des deutschen Gesamtvolkes den gebührenden Platz anweisen. Die Befreiung des Vaterlandes von den Reparationen sichere ihm für immer den Dank Oesterreichs. Dann nahm Bundeskanzler Or. Dollfuß namens der Bundesregierung Abschied von Dr. Schober. Dr. Schober werde im Herzen der Deutschen des Donaulandes, so sagte der Bundeskanzler, und darüber hinaus im Herzen des gesamten Deutschtums als treuer Diener des Staa- t e s und als der Mann deutscher undeuro- päischer Gedanken und Taten in dauernder Erinnerung bleiben. Vom Nationalrat entbot Vizepräsident Tau- schitz dem dahingegangenen Abgeordneten Dr. Schober die letzten Grüße. Der Sarg wurde nach der Feier nach Perg, dem Heimatort Dr. Schobers, gebracht, wo die Beisetzung in der Familiengruft erfolgt. Oie Unterwerfung unter Lausanne. Wien, 23. Aug. (LTl.) Die letzten Beratungen des Rationalrates über das Lausanner Protokoll gingen mit ziemlicher Erregung vor sich. Der sozialdemokratische Redner betonte, daß die Regierung arithmetisch siegen könnte, moralisch habe sie eine Riederlag« erlitten, von der sie sich nicht mehr erholen werde. Der FaN Dtnzl sei ein eklatanter Fall einer politischen Erpressung. Der Redner des nationalen Wirtfchastsblocks erklärte, vor acht Wochen habe der Bundeskanzler gesagt, daß in zwei Monaten 300 Millionen Schilling in den Händen der Regierung sein würden. Jetzt sehe man, daß diese ersten Mitteilungen über Lausanne bereits eine Irreführung gewesen seien. Am Schluß seiner Rede beantragte er eine Volksabstimmung über das Lausanner Protokoll. Der christlich-soziale Redner beschuldigte die Opposition, Vinzl seinen Mandatsverzicht herausgelockt zu haben. Die Opposition sei froh, daß es im Rationalrat Leute gebe, die die Dtaatsnotwendigkeit von Lausanne erfüllten. Rachdem noch ber Dissident des Heimatblockes, Werner, seine Stellungnahme gegen den Lausanner Vertrag begründet hatte, erfolgte die Abstimmung. Ein deutscher Führer im Weltkrieg 75 Jahre alt. General a. D. Oskar von Hutier, im Weltkrieg Führer der 8. und später der 18. Armee, vollendet am 27. August sein 75. Lebensjahr. Hutier ist Präsident des Deutschen Offiziersbundes. Aus aller Well. Abgesagte Deltkirchenkonferenz. Die Evangel.sche Weltkirchenkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung, die in Wiesbaden abgehalten werden sollte, ist auf das Jahr 1933 vertagt worden, weil, wie der Erzbischof von Bork dem vorbereitenden örtlichen Komitee mitgeteilt hat, den Amerikanern in diesem Jahre eine Teilnahme aus finanziellen Gründen nicht möglich ist. Die Stadt Wiesbaden soll auch im nächsten Jahre Tagungsort der Konferenz sein. Beginn der Frankfurter Goethe-Gedächtniswoche Die Frankfurter Goethe-Gedächtniswoche wird eingeleitet durch die Feiern der Volks-, Mittel- unb Höheren Schulen und der Berufsschulen. An die Frankfurter Jugend werden zur Erinnerung an das Goethe-Jahr von der Stadt Frankfurt Buchgaben verteilt, und zwar erhalten die Schüler und Schülerinnen der oberen Klasse die von Wilhelm Schä - f e r verfaßte Schrift: „Goethes Geburtshaus" mit einer Widmung, die Schüler und Schülerinnen der jüngeren Jahrgänge erhalten ein anschauliches kleines Bildheft „Zum Leben und Wirken Goethes". Außerdem wird an 500 Schüler und Schülerinnen als besondere Auszeichnung die im Auftrage der Stadt Frankfurt in zwei Bänden herausgegebene Auswahl „Goethes Werke für Jugend und Volk" gegeben. Reklame, des Sports und Rekords. Für diese äußerlichen Seiten des Lebens, die sich auch auf den Gebieten der Wissenschaft und Kunst bemerkbar machen, kann Carossa nichts bieten, weil die den äußeren Wirkungen verhafteten Menschen seine Einfachheit für Flucht vor der Welt und seine charaktervolle Zurückhaltung für Starrheit ansehen. Daß Carossa ein echt deutscher Mann ist, hat man offenbar auch noch nicht überall recht erkannt. Mit politisch-nationalen Dingen allerdings hat er nichts zu tun; aber wer sein Kindheits- und sein Jugendbuch und den „Arzt Gion" mit offenen Sinnen gelesen hat, wird feine deutsche Seele und fein deutsches Herz fühlen Diese kurze Betrachtung mag mit einem Wort aus dem „Rumänischen Tagebuch" geschlossen werden, das der Dichter der geheimnisvollen Gestalt des gefallenen Glavina in den Mund legt: „Laßt uns den Hügel bauen am Berge Kishavas, ein Mal den Getöteten auf der bereiften Felsen- und Wacholder- stur! — Dem Gesetze treu, ohne Klage, unbemerkt, bluten sie hin auf den fremden Steinen, wo kein Eichbaum grünt. — Wie das endet, wer schaut? Finster brüten Völker. Habet acht, o Freunde! Seht ihr einen Sterbenden, demütig bittet ihn, daß er heilsam sterbe, keine Flüche denke! Bald ist alles Vorspiel nur. Alle gehn wir morschen Weg. — Wer aber heimkehrt, halte Bereitschaft! Jeden mit anderer Stimme ruft Gott. Ein grober Wandel ist euer, ein langer Werktag, selten ein Fest, selten ein feiernd Lied. Schlummert wachsam, wie die Gemse schläft!" und mit einem kurzen Gedicht, aus dem uns Goethes Geist anweht: „Warum geben wir uns hin Jedem eitlen Grauen? Laßt uns dock mit höchstem Sinn Dem Gestirn vertrauen, Das zwar ewig nicht vernimmt Hofer Jubeln, Klagen, Doch fein Licht fo milde stimmt, Daß wir es ertragen." Zn der Gchmetierlingsfarm. Hier ein lebendes Lager von Hunderten von weidenden, sich entwickelnden, Farben und Gestalt wechselnden, über die Wiesen im Winde dahingaukelnden bunten Farbenflecken; und dort eins von trägen Seidenwürmern, eifrig mit dem Verzehren von Maulbeerblättern beschäftigt: das sind die wechsel- vollen Bilder, die sich dem Besucher der einzigen englischen Schmetterlingsfarm darbie- weihe des ermländifchen Prieflerfeminars in Braunsberg. Der Reubau für das ermländische Priester-«, seminar in Draunsberg (Ostpreußen) wurde dieser Tage durch den apostolischen Runtius Monsignore O r s e n i g o feierlich eingeweiht. Zum Ausdruck der Ehrerbietung, des Dankes und der Liebe wurde ein begeistert aufgenommenes Hoch auf den Reichspräsidenten und den Papst ausgebracht. Der Runtius dankte namens des Reichspräsidenten und des Papstes für die Begrüßung durch den Diözesanbischof und bezeichnete als die Seele des Priesterseminars die enge Verbundenheit mit Rom. Gesangsvorträge des Studentenchors schlossen die Feier. Ab?wds nahm der Runtius einen Fackelzug der katholischen Einwohner ab. Reue Amerikafahrt des „Gras Zeppelin". Das Luftschiff „Graf Zeppelin", das am kommenden Montag wieder zu einer Südame- r i k a f a h r t startet, und zwar voraussichtlich gegen 5 ^lhr morgens, wird am nächsten Sonntag einen Flug nach Frankfurt a. M. unternehmen, um anläßlich des Goethe-Jahres über der Stadt zu kreuzen. Das Luftschiff startet voraussichtlich gegen 8 Uhr morgens und wird in den frühen Rachmittagsstunden wieder in Friedrichshafen erwartet. ten. An der Straße von Bexley in Kent birgt sich diese seltsame, zartestes Leben umsorgende Farm hinter einer unscheinbaren Mauer, sorglich betreut von ihrem Besitzer L. W. Newman. Das Erste, was dem Besucher bei dem Eintritt in den von blühenden Schlingpflanzen, Büschen und Sträuchern erfüllten Garten in die Augen fällt, sind die zahllosen wie eine luftige Maskerade wirkenden Säcke. Da ist eine Lorbeerrose in einen weißen Sack gehüllt, dort ein Maulbeerbaum ober irgendein anderer Strauch mit seltsam geformten Blättern. Nirgends aber läßt sich ein Schmetterling erblicken. „Die Raupen sind eben bei der Mahlzeit!" erklärt ein Wärter und öffnet vorsichtig einen der Säcke. Ein jeder von diesen dient einer Herde der plumpen Geschöpfe als Speisesaal, wobei dafür Sorge getragen ist, daß jede Sorte auf ihrem Lieblingsbusche weidet. Die Säcke werden unter stetiger Kontrolle gehalten, weil es ja in jedem Augenblick geschehen kann, daß eine der Raupen sich verpuppt und dann nach den „Käfigen" ober „Ställen" im Gewächshaus gebracht werden muß. Auch ist diese Heberwachung wegen der Seuchengefahr nötig, und es wird eine jede Herde gesondert gehalten, um ein Hmsichgreifen einer ausbredjenben Krankheit zu verhinbern. In ben „Ställen" im Gewächshaus geht bann die Verwandlung der Raupen vor sich. In einem Raum hängen sie wie tote Blätter vom Dach herab. In einem andern weben sie ihren Seidengürtel, mit dem sie sich während ihres langen Schlafes sicher an bequemen Stentzein festhalten. Wieder in einem an- dem sind die kleinen Puppen in Streichholzschachceln und Rinde verstaut, die ihnen als Ersatz für Baum und Stamm dienen. Ganz nahe bei flattert eine Schar von Totenkopf-Faltern aus ihrem Schlupfwinkel hervor, die gerade aus der Verpuppung aus- gebrochen sind. Ein jeder „Stall"enthält geeignetes Futter für die letzten Stunden des Raupenstadiums, wie Kohl-, Maulbeer- oder Brennesselblätter oder irgendeine exotische Blattart. Die Farm liefert während der Saison Schmetterlingseier zum Preis von 1 Schilling für das Dutzend an Museen, Sammler und sogar an den Londoner Zoo. Doch kann der Käufer, wenn er vorzieht, auch die bereits geflügelten Larven ober Puppen im Dutzenb ober fertige Schmetterlinge erhalten. In ber Farm wirb nicht nur jebe in Englanb vorkommenbe Schmetterlingsart aufgezogen, eine Tierzucht, bie mit unenblidjen Mühen unb Schwierigkeiten verknüpft ist — sondern man ist in neuerer Zeit auch dazu übergegangen, die Flügel der auf schmerzlose Weise getöteten galtet durch ein besonderes Verfahren zu Härten und sie zur Herstellung farbenprächtiger Ornamente zu verwerten. O. L. Gronau nach Cordova gewartet Wolfgang v. Gronau ist von Iuneau (Alaska) nach Cordova gestartet. Wegen des Nebels über dem Golf von Alaska hatte sich der Weiterflug um mehrere Stunden verzögert. Um 21.30 Uhr pazifischer Zeit (6.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit) ist er dort emgetrossen. Piccard in Zürich. Prof.Piccard ist jetzt wieder in Zürich ein- getroffen. Bei seiner Ankunft sandte er ein Danktclegramm anMussolini. Weitere Telegramme richtete er an den italienischen Lust- sahrtminister Dalbo, an da» belgische KönigS- paar sowie an den Bürgermeister von Desenzano. Zur internationalen Anerkennung de» Höhenflugrekords wurde bei der F6d£- ration internationale d’ Aeronaute eine Höhe von 1 6500 Meter angemeldet. Auf eine Frage des Vertreter- der Schweizerischen De- pefckenagentur. ob die Mitteilung seine» Zwillingsbruders, Prof. Hans Piccard, -utreffe, dah der nächste Stratosphärenflug an der Hudson-Bay stattlinden werde, erklärte Piccard, dah er bei diesem Flug nicht dabei sein werde, sondern ihn jüngeren Leuten überlasse, die in der Lage seien, die mit einem solchen Flug verbundenen Strapazen in nördlichen Breiten zu ertragen. Für Männer gesetzten Alters sei das nicht». Norwegische JUcger starken zum Ozeanflug. Die norwegischen Flieger Thor Solberg und Karl Petersen sind einem Funkspruch au» Deuyork zufolge nach Harbour Grace gestartet, wo sie ihre Denzinvorräte auffüllen und den Ozeanflug nach Oslo beginnen werden. Jamilicnflug über den Ozean. Der amerikanische Oberst George Hutchinson ist nach einer Meldung Berliner Blätter aus Neu- york mit feiner ganz en Familie, und zwar mit seiner Frau und zwei Kindern im Alter von sechs und acht Jahren (!), sowie vier Mann Besatzung aus einem zwölfsitzigen Sikorsky-Flug- zeug zu einem Flug über dem Nordatlan- t i k gestartet. Er beabsichtiat, in neun Etappen auf der Route, die der deutsche Flieger Wolfgana v. Gronau zum Hinflug gewählt hatte, bis nach London zu fliegen. Eine Kirche durch Blitzschlag eingeascherk. Bei einem heftigen Gewitter schlug der Blitz in die zum Rittergut Billberge bei Stendal gehörige Kirche. Der Einschlag wurde erst festgestellt, als bereits die Flammen aus der Kirche her- ausschlugen. Die Feuerwehren konnten nicht mehr viel ausrichten, obwohl durch die nahe vorbeiflie- ßende Elbe die Löscharbeiten wesentlich erleichtert wurden. Die Kirche wurde ein Raub der Flammen. Das Inventar wurde größtenteils gerettet, jedoch sind die Orgel und die Glocke mit vernichtet worden. Zur Flucht der beiden Strafgefangenen aus plötzensee. Die Flucht der Strafgefangenen Neuhaus- Thiel ecke und Wischnewski aus der Irren- beobachtungsabteilung des Gefängnisses Plötzensee bei Berlin Ist, soweit bisher ermittelt werden konnte, durch grobe Nachlässigkeit einiger Beamten ermöglicht worden. Die Beamten sind abgelost; Straf- und Disziplinarverfahren gegen sie sind ein- geleitet. Darüber hinaus hat der Präsident des Strasoollzugsamtes um schleunige Nachprüfung und Berichterstattung ersucht, ob noch weitere Verfehlungen oder Verstöße gegen die strengen Deobach- tungsvorschriften vorgekommen sind. Politische Tätlichkeiten auf einer Hochzeitsfeier. Wie das „Hamburger Fremdenblatt" meldet, ist es auf einer Hochzeitsfeier in Tangstedt bei Duvenstedt im 9 Stormarn zu schweren Aus- einandersetzung" chen Kommunisten und Nationalsozialisten nen, die bald in Tätlichkeiten ausarl. >wei Nationalsozialisten wurden schwer v e . . e tz t. Den Arzt, der herbeigeholt wurde, empfingen die Kommunisten mit einem Steinhagel und bedrohten ihn tätlich. Auch als die Polizei Ordnung schassen wollte, wurde ,sie mit Steinen beworfen und mußte von der Schuß- waffe Gebrauch machen. Dabei wurde ein Kam- munist durch einen Obcrschenkelschuß schwer verletzt. Jabrifbranö in Ludwigsburg. 3n dec Württemberaischen Zelluloidwaren, fabrik vorm. Müller & Kirschbaum in Ludwigsburg brach dieser Tage ein Schadenfeuer aus, da» in kurzer Zeit zwei große Fabrikgebäude völlig in Asche legte. Ehrend eS Den Feuerwehren, die mit 20 Aohr.eltungen den Brand bekämpften, gelang. Awei benachbarte Wohnhäuser und ein« große Schreinerei au retten. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Der Sachschaden wird auf mehrere hunderttausend Mark geschätzt, soll.aber durch Versicherung gedeckt sein. Heber die Brandursache ist nichts genaues bekannt; e» soll sich um eine Explosion handeln. Kiefenfeuer im Basler Industrielager. 3m Industrielager der Stadt Basel brach dieser Tage ein A i e s e n s e u e r aus. Das Feuer, entstand in der Sperr Holzfabrik Braun, Brüning & Co. Heftiger Wind trieb die Flammen m kur. zer Zeit auf den Kohlenlaaerplatz der Firma Ja- cobh und die Laaer der Eisen, und Stahlsirma Bögeli.Dückert. Auch die Anlagen der Schiff S- agentur Doba und der Betrieb der Spedition». rrsellschaf t Secgmüller w rde . v o m F e u e r e r. aßt und eingeäscherl. . -ee Berufs, seuecwehr sind fast sämtliche freiwilligen Feuerwehren Basels aufgeboten worben. Aach stunden, langer Arbeit gelang es, die Feuersbrunst auf ihren Herd zu beschränken. Deutscher Schwimmer im Kanal. Der deutsche Schwimmer Fritz F i s ch e r ist am Cap Gris Nez zur Kanaldurchschwimmung gestartet. Da bis jetzt keinerlei Nachrichten über seine Landung eingetroffen sind, wird in London angenommen, daß Fischer seinen Versuch aufgegeben hat und nach Frankreich zurückgekehrt ist. Allerdings liegen vom französischen Ufer keine derartigen Nachrichten vor. Drei Schweizer Studenten am Matterhorn tödlich abgestürzt. Am Matterhorn sind drei Studenten aus Sitten, Kanton Wallis, etwa 1500 Meter tief a b g e • stürzt. Die Leichen wurden geborgen und werden nach Zermatt gebracht. Fünf amerikanische Studenten überqueren den Atlantik. Fünf amerikanische Studenten der Universität Princeton, die am 5. Juli mit ihrem 15 Meter langen Segelboot und Proviant für sieben Wochen von Massachusetts zur Heber q uer u ng des Atlantischen Ozeans gestartet wa- ren, sind dieser Tage in Tanger eingelaufen. Sie haben ihr« abenteuerliche Fahrt zurück- gelegt, ohne über moderne Meßinstrumente zu verfügen. Sie hatten nur einen gewöhnlichen SchiffSkompah an Bord. Aus der Proviuzialhauptstadi. Gießen, den 24. August 1932. Hochsommernächte. Aach drückender Tageshttze kommen die kühlen Aächte. Wie ein Aufatmen geht es durch die Aatur. Die Blumen duften stärker in diesen Stunden, die Bögel sind verstummt, nur die Grillen zirpen ununterbrochen. Wir sitzen in der Gartenlaube, ein mattes, von zartblauer Seide umspanntes Lämpchen leuchtet uns. llnb ist doch hell genug, um die nächtlichen Schwärmer anzu- loden. Sie, die tagüber hinter den großen Blättern des Pfeifenstrauches und dem wilden Wein gesessen haben, angstvoll jeden Sonnenstrahl meidend, sie wagen sich nun in die kühle Sommer- nacht. Die Lichtflamme ist ihr Ziel. Taumelnd schweben sie der Lampe zu, rasten einige Sekunden auf dem Schirm, und von neuem beginnt das Spiel. Die Nachtfalter haben zum Teil ganz prächtig gefärbte Flügel. Jetzt sitzt einer, still auf meiner Hand. Wie sein leichter Körper atmet, wie er die kühle Aachtlust einlaugt! Zwei große rote Punkte sind auf feinen Flügeln, von denen ein feiner Staub auf meine Hand riefelt. Eine kleine Bewegung — er fliegt auf, wieder der Lampe zu. Ob den Tierchen das glühende Licht als erstrebenswertes Glück erscheint? Haben auch diese zarten Geschöpschen eine Sehnsucht im Herzen? — Ganz dunkel spannt sich der Dachthimmel über uns. Die Sterne funkeln, und ein leichter Schein am Horizont zeigt das Kommen des Mondes an. Einzelne Aebelsehen legen sich wie ein weißes Gewand über die Dergeshänge. 3n den Ställen der Nachbarhäuser klirren manchmal die Ketten. Irgendwo bellt ein Hofhund. Der Bach drüben in den Wiesen rauscht lauter. Schon sehen wir, wie sich die ersten Mondstrahlen in dem Wasser spiegeln. Aun steht die volle Mondscheibe am nächtlichen Himmel Die ganze Landschaft ist wie mit Silber übergossen. Da, wo vorher Waldbäume und Himmel ineinander Überflossen, ist jetzt ein klarer, heller Grenzstreifen. Und wie glänzt der Spiegel des Mühlenteiches! Aun dort ein Bad nehmen! Kaum gedacht, sind wir auch schon auf dem Wege. An stillen Bauernhöfen, in denen die Landleute von der schweren TageSarbeit ruhen, geht es auf schmalem Wiesenpfade hinab. Dor einem Gebüsch unter dem Schuh eine« vorspringenden Felsens, steht eine Bank. Hier haben tagsüber die Kinder getollt, geturnt und sich Dann im Wasser gütlich getan. Aun liegt alles still und verlassen im Mondenschein. Wie schön ist es. bei hellem Sonnenlicht in dem kühlen Wasser ein erfrischendesBad zu nehmen! Aber wie viel schöner ist ein Bad in dec stillen Sommer- nacht, wenn nur die Sterne und der Mond am dunklen Himmel stehen und ein sanftes Licht alles zauberhaft beleuchtet. Warm und wohlig umschmeicheln uns die sanften Wellen- Das Wasser gleitet durch unsere Finger wie flüssiges Silber. Lautlos, um die Stille der Aacht nicht zu stören schwimmen wir hinüber zum anderen Ufer. Da Drunten rauscht das Wasser über Da» Wehr. Das Mühlrad dreht sich, und dumpf klappert die Mühle, während Müller und Knecht schlafen. Aeues Getreide wurde schon gebracht, neue» Mehl rieselt in die Säcke. Gegen die Lust erscheint das Wasser warm. Schwer nut trennt man sich davon. Ein kurzer Lauf durch die taunassen Wiesen- gräfer, und zurück geht e» nach der Laube, in Der noch unser blaues Lämpchen glüht. In allen Häusern sind die Lichter erloschen. Dur die Grillen zirpen noch, und ganz fern spielt ein junger Künstler auf seiner Geige ein Lied von Schubert. Wir lauschen! Es ist schwer, in solchen Dächten zu schlafen. Dom Kirchturm schlägt es Mitternacht. Fern am Horizont ziehen einige dunkle Wolken auf. Wie große blaue Gebirge überdecken sie die Landschaft. Dann zuckt irgendwo ein Blitz, und weithin werden Wald und Wiesen grell beleuchtet. Den Donner hö.en wir nicht. Cs war. als hätt' der Himmel die Erde still geküßt, daß sie im Blütenschimmer von ihm nut träumen müht: Die Luft ging durch die Felder, Die Aehren wogten sacht, es rauschten leis die Wälder, so sternklar war die Dacht. UnD meine Seele spannte weit ihre Flügel aus. flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Hau». (Eichendorff.) Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. ßid)i- spielhaus, Bahnhofstraße: „Trader Horn". Taten für Mittwoch, 24. August. 1572: Bartholomäusnacht (Pariser Bluthochzeit); Niederrnetzelung zahlreicher Hugenotten; — 1919: Der Politiker Friedrich Naumann in Travemünde gestorben. Das Urteil im Niederflorstädter Landfriedensbruchprozeß. • Gießen, 24. Aug. In dem Prozeß vor der Großen Strafkammer Gießen, der sich — wie heute früh bereits berichtet — mit der Landfriedensbruchaffäre in D ie- derflorstadt zu beschäftigen hatte, wurde heute mittag das Urteil verkündet. Ein Angeklagter wurde als Rädelsführer beim Landfriedens btuch zu sechs Monaten Gefäng- n i s verurteilt, «in weiterer Angeklagter erhielt wegen Gewaltanwendung gegen Personen und Sachen bei diesem Landfriedensbruch ebenfalls sechs Monate Gefängnis, drei Angeklagte wurden wegen Landsriedensbruchs zu j e Drei Monaten Gefängnis verurteilt, zwei jugendliche Angeklagte, die sich gleichfalls des Landfriedensbruchs schuldig gemacht hatten, kamen in Anbetracht ihrer Iugend mit je 14 Tagen Gefängnis davon, ein weiterer jugendlicher Angeklagter erhielt wegen Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeugs 14TageGefängnis. Die übrigen An« geklagten wurden freigesprochen. Die Der- urteilten gehören — mit Ausnahme des zuletzt erwähnten jugendlichen Qlngeflagten — sämtlich der politischen Linken an. Rundfunkprogramm. Donnerstag, 25. August. 7.05 (Bad König): Frühkonzert des Kurorchesters Bad König. 9 bis 9.45: Schulfunk: Aus Dem Leben in Staat und Wirtschaft: »Wir fahren durch den Hamburger Hafen". 12: Mittagskonzert des Rundfunkorchesters. 13.30: Konzert ausSchall- platten. 15 bis 16: Stunde Der Iugend. 17: Dachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.25: »Wie lerne ich filmen?", von Dr. Hans Feld. 18.50: »Die deutschen Grohrundfunksender unter besonderer Berücksichtigung Der Verhältnisse im süDwestDeutschen und süddeutschen SenDebereich. 19.30: Klaviermusik von Iosef Stahl. 20.35: Eine Viertelstunde Lyrik: Rainer Maria Rille: Sprecherin: Ienny Schaffer. 20.50: Heitere Einakter- folge: »Glauben Sie das?" 22.15 (Von Berlin): Zeltbericht: Die britische Reichskonferenz in Ottawa, bearbeitet von Actualis. 22.35: Funkstille. Freitag, 26. August. 7.05 (Bad König): Frühkonxert Des Kur- orchesters Bad König. 12: Schallplattenkonzert. 13.30: Konzert. 17: Konzert. 17: Aachmittagskon- zert Des Rundfunkorchesters. 18.25: „Goethe und wir", Vortrag von Dr. Hans Geisow. 18.50: Aerztevortrag: Wesen, Bekämpfung und Vorbeugung Der Fettsucht. 19.30: Zwei Frauen auf Den Spuren Des Odysseus, ein Dreigespräch zwischen Dr. Käte Drodnih-Fröhlich, 2lnna Lichten- stem unD Curt Elwenspoek. 20.10: Rationale Tanzweisen, gespielt vom Philharmonischen Or- chester Stuttgart. 21.15 (M. unD Deutschlandsen- der): »Das Frankfurt des jungen Goethe", Hörbild von Adalbert Brink. 22.45 bis 24: Tanzmusik. Samstag, 27. August. 7.05 (Bad Merg niheim): Frühkonzert des Kur- orchcsters. 10.10 bis 10.50: Schulfunk: Dialogue in London between an Gnglishman and a German boy, geleitet von LeSlie Reed. 11 (Opernhaus): Feier des Freien Deutschen Hochstiftes. 13.50 bis 14.40: Märsche und Walzer aus Operetten. 15.30 bis 16.30: Stunde der Jugend. 17: Konzert. 18.25: »Iakob Kneip, ein Dichter landschaftlicher Verbundenheit", Vortrag von Heinrich Bach- mann, Berlin. 18.50: Iunge Generation. 19.30; Polka, Ländler, Schleifer, Schwäbische Volksmusik, gespielt vom Rundfunkorchester. 20: Kundgebung auf dem Hauptmarkt zu Dürnberg anläßlich des Gustav-Adolf-Iabres 1u 3000 M. 167679 175926 180203 334570 345747 370031 46 •eto-nne >u 2000 Al. 07632 133030 145437 221332 2 5716 257352 299747 312179 348921 388406 120 tfctolnne nt 1 000 (rrt. 43708 55421 55309 80942 ------ ------ 125056 367912 368432 374092 384492 178 ®tto nn» -u 500 AI. 6712 7 <40, _11541^ 13813 20124 27564 28456 2«243 35929 45185 45695 50002 50037 51601 56292 60190 60899 651 51 66245 74067 76746 81579 81646 98280 110104 110320 —-------- ------ 128202 3n der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 132c52 I32036 131916 240194 285811 356988 399375 169067 243292 285929 359681 112615 136614 168763 201485 232677 264602 283459 321481 372483 127082 142735 169154 209367 239004 269006 295242 328H16 375412 127999 155236 173344 209894 240018 271113 300544 333806 379662 159855 180193 213004 241837 276563 303336 338483 380199 95822 111391 133773 164747 197469 229910 262329 278960 314063 369493 393222 163611 190408 219494 242220 273230 304900 349177 382357 42282 46349 64641 64762 63494 73554 93807 85245 87843 89860 98066 101419 107477 111011 22626 169965 184171 193578 196645 244428 246888 287214 268555 323077 323432 349419 361286 360921 389278 389490 392119 4 ®ttoinne !■ 10000 M. 9703 68891 4 l*ta> nne »u 5000 M. 183301 233052 ______ 90 »etolnn« >u 3000 97t. 45600 123661 173862 186585 200600 206942 279345 306456 322817 387384 34 ©ttn'nn« -u 2000 M. 4370 37686 42844 45071 62937 92220 158140 161463 162773 174381 178225 238710 243200 294311 322274 379538 386769 88 c*fninn» -u 1000 Al. 12948 19378 23340 33185 " 164 tfetolnnt »u 600 Tt. 2134 10590 18439 24531 28817 32016 33398 35170 42004 45088 47453 52921 66522 57473 62567 62685 66087 71282 74233 77573 ----- 96151 98813 101342 101852 106187 110245 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, luO Schlußprämicn t je 3U00, 2 Gewinne zu je 200000, 2 zu fe 100000, 4 zu je 75000, 4 zu je 5U0 J0, 2u zu je 25000, 120 zu je 10 >00, 268 zu je 5000, 668 zu je 3000, 1660 zu je 2000, 3320 zu je 1000, 6584 zu je 500, 16940 zu je 400 M. Verantwortlich für Politik: I. D.: Ernst Blumschein. 4-RM.-Box-Kamera eingetroffen in modernster Ausführung. 5996D Photo-Ruhl, Gießen OBERST auch ohne Mundstück ' Schritt und Tritt überall findet man zufriedene Sberst-Laucher! Der gute Tabak, das dicke Format und die schönen Soldaten-Bilder machten die Oberst 5 zum treuen Lameraden des Rauchers. IflllH BttlilMS Vornan von Hertha Fricke Urheberrechtsschuh: Verlag Oskar Meister, Werdau 3. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Es freut mich um Ihretwillen, Cva-Marie! Denn Sie sind jung, Sie sind sehr hübsch, Sie sind fein und herzensgut. Es täte mir leid, Sie in diesem Krankenzimmer zu hallen! Jugend hat ein Anrecht aufs Leben! Darum freut es mich, das) mein guter Schwager etwas zu geben hat. Richts bringt doch unserem Leben mehr Inhalt, als der Umgang mit einer liebenswürdigen Person des anderen Geschlechts. Haben wir den, so entbehren wir nichts!" „Ich entbehre auch so nichts bei Ihnen! Sie sind so gütig zu mir!" Eva-Marie sah die Leidende dankbar an. „Ich habe Sie lieb!" sagte Renate einfach. „Und es ist etwas Köstliches, jemanden um sich zu haben, den man lieb hat!" Da küßte Eva-Marie gerührt die feine, blasse Hand, die auf der fliederfarbenen Seidendecke 'lag. „Erzählen Sie mir von Ihrer Rügenheimat!" bat leise Renate. „Ich war dort so glücklich, wie nie wieder auf Erden!' Eva-Marie erzählte von den Buchenhainen itnö Hünengräbern. Don dem blauglihernden Boden zwischen den hohen Ufern. Bon dem vornehmen alten Stralsund mit feinen herrlichen alten Türmen. Don den Sagen aus germanischer Dorzeit, von all dem drolligen und zähe fest- gehaltenen Glauben und Aberglauben auf Rügen. Don Mönchguter Trachten und den originellen Volkstänzen. „Ich möchte noch einmal nach Rügen, ehe ich sterbe!" Die Kranke hatte eine heiße Sehnsucht in den großen Augen. „Wenn Sie mitkämen, Eva-Warie!" „Ich komme gern mit!" sagte erschüttert Eva- Marie. „Warum sollten Sie nicht einmal dahin reisen können? Wenn der Sommer kommt und es uns hier in Berlin zu heiß und zu staubig wird, wie gut wird Ihnen das tun!“ „Wenn ich noch so lange lebe!" Renate Andresen sah trübe ins Leere. Eva-Marie wußte keinen Trost. Sie streichelte nur den blonden Scheitel, küßte zärtlich die blasse Stirn. „Ich habe Sie lieb!" hatte die kranke Herrin doch gesagt, da durfte sie es wagen. „Möchten Sie zu einer schlichten Frau Andresen ,®u' sagen Fräulein Eva-Marie von Diemen?" flüsterte Frau Renate. „Oh, sehr gern!" antwortete das Mädchen herzlich. Da zog Frau Andresen ihren Kopf zu sich herab und küßte sie auf den Mund. „Wir sind doch schon lange Freundinnen, Eva-Marie, und ich brauche dich — so sehr!" „Du kannst dich auf mich verlassen, liebe Renate! Ich brauche wohl nicht zu versichern, daß ich dir unendlich zugetan bin!" Eva-Marie nahm einfach und still die feinen, blassen Hände. „Rein, mein Herz, das brauchst du nicht, das fühle ich!" Die Kranke legte sich mit einem glücklichen Gesicht in ihre Seidenkissen zurück. „Wie schön, daß ich dich habe, Eva-Marie!" Sie nahm einen kleinen Schlüssel, den sie an einem kleinen Kettchen trug und in ihrem Kleide versteckt hatte. Den reichte sie dem Mädchen. „Da, schließe einmal auf, das dritte Fach links in dem Schreibtisch drüben. Da steht ein kleiner silberner Kasten, hol' mir den einmal!" Eva-Marie nahm den Schlüssel und schloß den weißen Schreibtisch auf, dessen Wände und Kästen feine, schwarze Intarsien verzierten. Ein unendlich fein gearbeitetes Kästchen, auf dessen Deckel kostbare Edelsteine einen kleinen indischen Gott umrahmten, stand in dem Fach. Eva-Marie bewunderte es und reichte es der neuen Freundin. Die zog eine Feder, schob an einigen Verzierungen und drückte zuletzt auf den großen Rubin in der Mitte, da sprang das Kästchen mit einem klingenden Ton auf. „Kein Mensch kann es öffnen!" sagte Renate mit kindlichem Vergnügen an der kostbaren Spielerei. „Rur ich! Ünd niemand ahnt, was für Schätze ich darin verwahre. Richt dies" — sie holte einen einfachen kleinen Ring heraus, der eine schöne Perle trug — „auch dies nicht." Sie zeigte auf ein hübsches orientalisches Armband. „Rein, das Beste sind die Briefe hier! Mein köstlichster Besch! ilnb wenn ich einmal sterbe, Eva-Marie, dann nimmst du das Kästchen an dich! Du allein darfst die Briefe lesen. Den Ring sollst du dann erben, aber das Kästchen mit den Briefen und dem Armband, das bringst du jemanden, von dem ich dir noch erzählen will! Versprichst du mir das?" „Ich verspreche es, Renate!" sagte Eva-Marie. „Unb du sprichst zu niemandem davon! Rie darf meine Gerti das erfahren. Rie! Sonst würde sie Dater und Mutter verachten!" „Verlaß dich auf mich, Renate! Mein heilig Ehrenwort!" Eva-Marie tupfte eine Träne aus den Augen. „Aber sprich nicht vom Sterben, und rege dich nicht auf! Es schadet dir doch! Hub mir tut's weh!" Da hörten bie beiben Damen bas Rauschen eines Kleides. Erschreckt sah sich Eva-Marie um. Schwester Elisabeth war lautlos hereingekommen. Ihre kalten, blauen Augen sahen mit einem erstaunten Blick auf das kleine Kunstwerk und auf die Kranke. Diese schloß ellig das Kästchen, reichte es Eva-Marie und winkte ihr, es wieder art seinen Platz zu stellen. Eva-Marie nahm es ruhig und schloß es wieder ein, den Schlüssel an Frau Renate zurückgebend. Diese nestelte ihn behutsam wieder an das Kettchen an ihrer Brust, zog das Kleid zusammen und fing an, von alltäglichen Dingen zu erzählen. 4. „Es ist mir jetzt leichter, mit Ihnen von Renate zu reden, da Sie Ihre Freundin sind, Fräulein Eva-Marie!" sagte Dr. Andresen, als er wieder einmal die junge Dame auf einem Sonn- tagsspaziergang begleitete. Sie gingen diesmal durch Potsdam, wohin der Vorortzug sie gebracht hatte. Schimmernd im lichten Grün stand die Allee nach Sanssouci. Hochragend wie zwei grüne Wände die geschnittenen Bäume, wie ein Auftakt zu der blühenden Sommerschönheit, der fast unbegreiflichen, wunderbaren Gartenkunst, die um die uralten, prächtigen Schlösser her alle Jahre von neuem erblühte. „Es ist mir lieb, wenn Sie mir von Renate sprechen!" antwortete Eva-Marie. „Denn ich habe sie lieb und möchte ihr so gerne helfen!" „Was da zu helfen ist, Sie Gute, das tun Sie schon! Cs gilt, ihre letzte Lebenszeit so sonnig und freundlich wie möglich zu machen!" Dr. Andresen sah nach einer schönen Mar-morfigur hin. Es war, als würde es ihm schwer, ruhig und unbefangen zu sprechen. „Steht es so?" fragte Eva-Marie von Diemen erschrocken. Er nickte nur. Sein feines, rassiges Profil stand klar gegen den weißen Stein einer Mauer. „Renate sieht manchmal so rosig aus! Man könnte sagen ,so wohl', wenn dann ber flackernde Glanz in ihren Augen nicht wäre!" meinte bas junge Mädchen sinnend. „Rosig? — wohl? — ach, das sind Fried- hossrosen! — Sie haben wohl noch nicht viel Schwerkranke gesehen, Fräulein Eva-Marie?" „Rein, Herr Doktor!" „Es ist sehr schade, daß hier so viele Menschen sind", sagte das Mädchen nach einer Weile. „Sonntag!" gab der Doktor zur Antwort. „Aber Friedrichs schöner Garten hat auch stillere Plätze. Kommen Sie!" Er führte seine Begleiterin weiter hin nach Charlottenhof. Dort am Wasser war eine leere Bank. „Was fehlt Renate?" fragte mit innigem Mitgefühl das Mädchen. „Ein Arzt spricht nicht gern davon und soll es auch nicht. Aber Sie haben ein Recht, es zu wissen!" sagte er still. „Wie lange Feit geben Sie ihr?" Der köstliche Sommertag war plötzlich trostlos für Eva- Marie. Warum — warum war das Schicksal so hart? — Warum vernichtete es unbarmherzig solch blühendes Leben? — Eines Kindes Mutter? — „Wer kann das sagen, liebes Fräulein! — Cs können drei, vier Jahre noch werden — es kann auch bald vorüber fein. — Vielleicht wäre es gut! Denn die letzten Leiden sind entsetzlich! Gegen die haben wir Aerzte kein Mittel, nur eine große Barmherzigkeit, die heißt Morphium!" „Wie heißt die Krankheit?" fragte Eva-Marie leise. Einige Minuten zögerte ber Mann. Dann sprach er bas Wort aus, bas bie Menschen scheuen und fürchten. „Krebs!" „Ach Gott!" sagte Eva-Marie. Tränen rannen über ihr liebliches Gesicht. „Weinen Sie nicht! — Es ist Ihr Sonntag! Sie sollen und müssen sich erholen! Sie werden noch manche Kraft brauchen!" „Ich werde sie haben!" versprach das Mädchen fest. „Renates Stimmungen sind oft nicht leicht erträglich!" sagte Andresen. „Sie kann nichts dafür!" entschuldigte Eva- Marie. „lind mir sind sie nicht unerträglich!" „Rein, Sie sind ein Segen für die Arme! Es ist viel besser mit diesen Stimmungen, seit Sie bei ihr sind. Wie machen Sie das nur?" „Ich habe sie lieb!" antwortete Eva-Marie. „Ja, das mag es sein! — Aber nicht jeder kann eine so hoffnungslose Kranke liebhaben! — Mitleid ist etwas anderes! — Sie sind ihr ein Trost!" . „Ich weiß nicht, womit ich sie tröste!" sagte versonnen Eva-Marie von Diemen. Ihre Gedanken waren weit ab von ber blühenben Schönheit rings umher. Sie waren bei ber kranken Renate. „Cs gibt Menschen, bie trösten, ohne es zu wissen! Durch bie Liebe, bie sie ausstrahlen. Durch ihr ganzes Dasein! So finb Sie auch mir ein Trost!" „Es soll mich freuen, wenn es so ist! Denn Sie finb ein guter Mensch, Herr Doktor! lind einer, ber sehr viel arbeitet! Hnb Sie sehen viel Trauriges in Ihrem schweren Beruf! Darum freue ich mich!" „Das ist gewiß! Darum ist mir bas bißchen Sonne nötig! So nötig, wie bie Ruhe nach bem mühseligen Tag! ilnb heute ist mein Ruhetag! — Ich habe Sie traurig gemacht, Eva-Marie! Damit habe ich mich selbst um mein Sonntagsglück gebracht!" Da lächelte ihn Eva-Marie an. „Sehen Sie diese Rosenpracht, Herr Doktor? — Unb bas Finkenpärchen ba brüben!" Die schönen, graublauen Augen schimmerten noch feucht, während ber Wunb zu lächeln versuchte. Es war ein schmerzliches, kleines Lächeln, aber gerabe barum bem Mann so unsäglich rührend. Er fühlte, daß sie ihn damit erfreuen wollte. (Fortsetzung folgt.) Denken Sie an Stoffe/ denken Sie an L* Bernard Friedhofes statt. Gießen, 24. August 1932. 04900 Die Beisetzung fand in der Stille statt. 6000 D Klein-Linden, Lützellinden, den 23. August 1932. 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In stiller Trauer: Alexander Ringel u. Frau Elisabeth, geb. Bramm Conrad Bramm und Frau Luise, geb. Sepp 5 Enkelkinder und 4 Urenkel Allersvereiiiigimg 1872-1922 Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres lieben Alterskameraden Herr Balthasar Amend in Kenntnis zu setzen. — Die Trauerfeier findet Donnerstag, den 25. August, nachm. 2*/2 Uhr, statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet eooeD der Vorstand. UMI) Ein tüchtiger Metzgergeselle kann wöchentlich 2 Tage aushelfen. Zu erfragen in der Geschäftsst. d. G. A. Junger Schuhmacher gesucht. Kost und Wohnung wird gestellt. Heinrich Noth III.. Steinbach, Am 22. August 1932 verschied nach langem schweren Leiden mein lieber Mann, unser lieber Bruder, Schwager und Onkel Herr Balthasar Amend Schuhmachermeister im Alter von 60 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen \ Johanna Amend, geb. Dickhardt. Gießen (Hundsgasse 4), den 24. August 1932. Die Trauerfeier findet Donnerstag, den 25. August, nachmittags 2'/r Uhr, in der KapeUe des Neuen Reste jeder Art sehr billig Donnerstag, den 25. August d. 3., nachmittags 2 Uhr. versteigere ich im „Löwen". Neuenweg 28, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 6007D 3 Klubsessel, 3 Vertikos, 3 Nähmaschinen, 4 Chaiselongues, 1 Eisschrank, 2 Aktenrollschränke, 4 Schreibmaschinen, 1 Papierstanze, 1 Haarschneidemaschine, 1 Damenfrisiertoilette, 4 Diwans, 5 Büfetts, 1 Broschüren-Heftmaschine, 33 750 Bogen Papier, 3 Gläserschränke, 1 Badeofen mit Wanne, 1 Wirtschaftsbüfett, 9 Flaschen Branntwein, 1 Musikapparat, 3 Tische, 10 Stühle, 2 Spiegel, 1 Teppich, 2 Wäscheschränke, 1 Kassenschrank, 5 Sofas, 1 Grammophon, 1 Kommode, 3 Kleiderschränke, 2 Schreibtische, 1 Bitrine, 2 Bücherschränke, 1 Harmonium, 1 Kredenz, 1 Ständerlampe, 1 Pianino. Ferner an Ort und Stelle (Bekanntgabe erfolgt im Versteigerungslokal): verschiedene Spielwaren, Besen, Christbaumschmuck, 1 Aga-Personenwagen, 1 Kuh, 2 Schweine, 1 Horch-Personenwagen, Zinkeimer. 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Wird ein Tropfen Wasser in einem Kalibergwerk gesichtet, so ist es nach längstens 20 Jahren erledigt, das ausgehöhlte Erdreich stürzt zusammen wie vor zwei Jahren bei Vienenburg. Aber von nichts dergleichen war hier die Nede, nur roch es so merkwürdig, wie es sonst in einem Kalibergwerk nicht zu riechen pflegt, fast wie Benzin. Aber woher sollte das kommen? Doch noch ehe die drei Männer sich diese Frage vorlegen konnten, erfolgte eine furchtbare Explosion, die keiner von ihnen überlebte. An der Flamme einer der Grubenlampen hatten sich die Benzindämpfe entzündet, und bald brannte die ganze Grube. Gs blieb nichts anderes übrig als sie zu verlassen und alle Schächte luftdicht abzuschließen, um so das Feuer an Sauerstoffmangel ersticken zu lassen. 16 Tage und Nächte brannte es weiter, erst dann konnte man die Grube wieder betreten, um den Schaden zu übersehen und die Ursache zu ermitteln. Und da zeigte sich dann das, worauf niemand gerechnet hatte: aus einer durch den Abbau der Kalisalze aufgeriffenen Spalte war von tiefer- liegenben Schichten aus Erdöl aufgestiegen, hatte die Grube überschwemmt und die Benzindämpfe gebildet, die den drei Männern den Tod brachten. Doch nun begann das Glück. Denn die Grubenverwaltung ging dem unverhofften Funde sofort energisch nach, ließ Bohrungen anstellen, und bald zeigte sich, welch reiche Quelle man da angezapft hatte.,Etwa 55 Meter unter dem Kalisalz liegt eine 40 Meter starke Schicht von Dolomitgestein, das in seinen Klüften das kostbare Erdöl beherbergt. 3m November desselben Jahres traf man auf einen zweiten Erdölzufluh, der noch mehr Oel brachte als der erste. 3m ganzen liefert Volkenroda heute annähernd ebensoviel Erdöl wie alle anderen deutschen Del» quellen zusammengenommen. Natürlich war das ganze Vorkommnis auch für die Gelehrten des Petroleums ein rechter Leckerbissen, da es wiedermal die schon oft erörterte Frage aufwarf, woher denn diese wunderbare Flüssigkeit eigentlich stamme. Gerade fein Vorkommen im Zechstein-Dolomit gab eine Anzahl neuer Rätsel auf. Es ist selbstverständlich, daß es über seine Entstehung eine Anzahl verschiedener Theorien gibt. So einfach wie bei den Kohlen ist die Sache nicht. Die haben ja immer ihre Geburtsurkunden mit. ileberrefte der Schachtelhalmwälder, aus denen sie entstanden sind, finden sich darin ebenso wie wunderbar fein erhaltene Blattabdrücke: hier ist kein Zweifel möglich. Beim Erdöl ist die Entstehung viel schwieriger zu erklären, weder von irgendwelchen Meerestieren noch den Bakterien, die sie zersetzt haben sollen, bewahrt es Neste auf, so daß nur seine chemische Zusammensetzung uns darüber auf» klären kann, wie es entstanden ist. Der Chemiker und nicht der Geologe, Botaniker oder Zoologe hat hier das Wort. Merkwürdigerweise war es noch nicht einmal ganz sicher, ob es auf orga- Tufcbcm oder anorganischem Wege entstanden sei, d. h. aus urweltlichen Pflanzen und Tieren oder aus Metallen, Vletallfäuren und ihren Zusammensetzungen mit Kohlenstoff. Denn der muß natürlich unter allen Umständen vorhanden sein, er zeigt sich ja beim Verbrennen in der ungeheuer rußenden Flamme. Nuß ist reiner Kohlenstoff. Einer der berühmtesten Chemiker des 19. Jahrhunderts, der Russe Mendelejeff, hatte die Hypothese aufgestellt, daß aus Verbindungen des Eifens mit Kohlenstoff, den sog. Eisenkarbrden, im Grdinnem unter der Einwirkung von cals» Technik und Rettungswesen. Eine Betrachtung zum Untergang der „Niobe" Don Or. Helmut ThomasiuS. Das schwere Unglück, von dem das deutsche Schulschiff „Niobe" betroffen wurde, legt Die Frage nahe, ob es denn keine Einrichtungen gibt, die die Gefahr des Kenterns so rechtzeitig melden, daß noch Gegenmaßnahmen getroffen werden können. Freilich hätten solche Einrichtungen im Falle der „Niobe" wahrscheinlich auch nichts genutzt, well Der Windstoß, der das Schiff ummarf, so plötzlich kam. daß keinesfalls mehr Zeit geblieben wäre, irgend etwas dagegen zu unternehmen. Aber immerhin ist es interessant, zu erfahren, daß vor kurzem vor amerikanischen Marinesachverständigen eine Vorführung stcnifand, bei der eine neue W a r nungsvorrichtuna erprobt wurde, die |elb|t> tätig meldet, wenn Die Neigung zum Kentern auf- tritt. In jeDem in Schräglage befindlichen Schiff gibt cs einen Punkt, in Dem Die in Der Längsrichtung Des Schiffskörpers ocrlaufenDe Mittelebene von Der Richtung des Auftriebs geschnitten wird. Dieser Punkt ist das „Metazentrum". Es liegt nicht immer an der gleichen Stelle, sondern ändert seine Sage je nach der Neigung des Schiffes. Solange es sich über Dem Schwerpunkt befinDet, kann das Schiff nicht kentern. In diesem Falle richtet sich der Schis'ö- körper immer wieder auf. Sobald.aber die Neigung zu groß wird, kommt das Metazentrum unter den Schwerpunkt zu liegen: Die Gefahr Des Kenterns ist Da. Bei Der neuen Einrichtung roirD Die jcroeilige Lage Des Metazentrums ununterbrochen automatisch nach Der Brücke gemelDet. Dies geschieht Durch ein Pendel, Das mit einer zweiten Vorrichtung in Der- binDung steht, Die Die Schnelligkeit Der Hin- unD Herbewegung aufnimmt Die Bewegungen Dieser Vorrichtung werden auf elektrischem Weae derart nach einem Hebelwerk übertragen, daß sie hier durch Den Winkel eine Beeinflussung erfahren, Den Das PenDel mit Der Mittelebene Des öd)iffstorpers blitzet. Auf diese Weise wird ein Ergebnis erzielt. Das Straülunosmeffungen in 28000 Mer Höhe. — w «T* - NachDem seit vielen Jahren Die aus Dem Weltall zu uns DringenDen kosmischen Strahlen bei ihrem Auftresfen auf Die ErDoberfläche erforscht wurDen, ist es jetzt, wie kürzlich bereits gemelDet murDe, einem Stuttgarter Gelehrten. Professor Wegener, gelungen, erafte Messungen in Höhen bis zu 28 000 Meter Durchzuführen. Die zu Den Messungen Der» menDeten. von Regener konstruierten automatischen Meßgeräte rourDen von Gummiballons in Die Höhe getragen. Professor Regener ist also in Der Lage, ohne Aufwendung großer Mittel Messungen in hohen Stratosphären-wchichten vorzunehmen, die mit bemannten Ballons (PiccarD!) vorläufig wohl nicht erreichbar sein werden. — Unser Bild zeigt den Aufstieg eines Regenerschen Messungsballons vom Hof der Technischen Hochschule in Stuttgart. — Oben links: Professor Regener. aus einer Skala sichtbar gemacht werden kann und das den Führer des Schiffes erkennen läßt, ob die Lage gefahrlos ist, oder ob und in welchem Maße sie gefahrdrohend wird. Die Skala befindet sich ständig vor seinen Augen und gibt ihm besser, als vielleicht sein eigenes Gefühl, das nicht bei allen Menschen gleich gut ausgebildet ist und manchmal sehr täuschen kann, Aufschluß, wann die ersten Maßnahmen gegen das Kentern zu ergreifen sind. Die Einrichtung soll sich den Berichten zufolge bei Den Erprobungen vorzüglich bewährt haben, unD Die SachverstänDigen sprachen sich sehr günstig über sie aus Eine weitere Sicherheit auf See roirD durch Die Benutzung kurzer Wellen für Den R e t- t u n g 5 D i e n ft eintreten. Die Rettungsboote sollen möglichst viele Menschen, sie müssen aber auch noch Borräte an Nahrungsmitteln und Trinkroasser aufnehmen. Auch mit drahtlosen Sendern und Empfängern hat man sie ausgestattet, damit sie Hilfe herbeirufen können. Wenn man mit Den SenDern eine größere Reichweite erzielen will, müssen sie, sofern man mit Den bisher gebräuchlichen langen Wellen arbeitet, einen Umfang bekommen, der den oerfügbaren Raum bis zu einem gewissen Grade cinschränkt. Wenn man hingegen mit den feit einiger Qcit immer mehr zur Verwendung kommenden kurzen Wellen arbeitet, kann man Kurzwellensender benuhen Diese können klein gehalten werden und haben Dabei eine große Reichweite Es sinD nunmehr eigene Kurzwellensender für »ettungs- boote entworfen und gebaut worden, die mit einer Trockenbatterie betrieben werden können, eie sind trQgbar und in wasserdichte Kasten eingeschlossen. Ein mitqeführter Sendedraht kann leicht zwischen zwei Stäben anqepa&t werden. Die am Bug und am ficrf des Bootes angebracht werden. Die Kurzwellensender eignen sich vor allem für kleine Rettungsboote, in Denen wenig Platz ist. * Die Rettungseinrichtungen, Die man bisher am MeeresstranDe insbefonbere zur Rettung Ba - Deuber verwenDete, beftanDen in Der Hauptsache aus Booten. Wenn jemanD in Gefahr geriet, schwammen meist einige Mutige hinaus, um ihn zu reiten. Boote suchten ihn zu erreichen. Aber selbst wenn Diese fahrbereit auf Dem Wasser lagen unD nicht erst klar gemacht roerDen mußten, verging immerhin einige Zeit, ehe sie an den Ertrinkenden herankamen. Unter Umständen konnte es, bis sie ihn erreichten, schon zu spät fein. Ist er weit draußen, dann ist selbst bei schnell fahrenden Motorbooten nicht mehr die Gewähr gegeben, daß sie noch rechtzeitig ankommen. Ein neues eigenartiges Rettungsverfahren bezweckt deshalb, die Retter schneller, als es bisher meist möglich war, an Die richtige Stelle zu bringen. Es besteht aus einem hohen hölzernen oDer eisernen Turm. Der am BaDestranD errichtet roirD unD oben eine Plattform trägt. Hier stehen Die Beobachter unD Die Retter, Diese sinD erprobte Schwimmer. Draußen im Meer sind Bojen verankert. Die sich parallel zum BaDestranD Dahinziehen. Von Der Höhe Des Turms sind Seile nach Diesen Bojen gespannt. Die Bojen roerDen durch den Wellenschlag hin- und herbewegt. Deshalb sind dort, wo die Seile an ihnen befestigt sind, besondere Vorrichtungen angebracht, die bewirken, daß Die Seile sich selbsttätig etwas verlängern unD verkürzen, also Den Bewegungen Der Bojen folgen können. Diese Seile stellen Das Dar, was man bei Seilbahnen „Tragseil" nennt. Sie sinD also eine Art über Dem Meer befinDlicher Schienen, die vom Turm aus strahlensörmig nach den Bojen führen. Aus jedem Seil kann eine Rolle gleiten, an der ein zweites Seil befestigt ist, Das sich von einer auf der Plattform befindlichen Trommel abrollt. Unter Der Rolle hängt ein Sitz, auf dem Der Retter Platz nehmen oDer sinD Griffe befestigt, an Denen er sich festhalten kann. . SobalD Draußen im Meer ein in Gefahr Befindlicher beobachtet wird, fetzt sich der Retter auf diesen Litz ober er hängt sich an die Griffe an. Die Rolle wird auf das Tragseil gelegt, das am nächsten beim Ertrinkenden vordeiführt. Der Retter gleitet im Nu an der Rolle über das Meer hinaus, bis er an bie Stelle kommt, von wo aus ber Gefährbete am schnellsten zu erreichen ist. Hier läßt er sich ins Meer fallen unb schwimmt auf ihn zu. Die Rolle wirb sofort nach bem Turm zurückgezogen, woraus ein zweiter Retter bie Fahrt antritt, bem bann nach Bedarf weitere folgen können. Auch Rettungsringe Technische Umschau. Don Ingenieur W. Heinrich DaS verbesserte Fahrrad. Unter den vielen Unbequemlichkeiten, Die Der Radfahrer im städtischen Verkehr auf sich zu nehmen hat, ist eine der lästigsten und hinderlichsten die Häufigkeit der Haltepausen, Die ihm in verlehrsre.chen Straßen aufgezwungen werden. Um den Fahrern bei derartigen Vcrkehrs- pausen eine größere Erleichterung zu verschaffen, hat jetzt eine süddeutsche Firma eine Sattelverstellung mit Hebelmutter herausgebracht, durch welche es dem Radler möglich gemacht wird, bei Haltepausen sofort den festen Stand auf beiden Füßen zu erreichen, ohne daß abgestiegen oder das Fahrrad aus seiner aufrechten Haltung gebracht werden muß, um mit dem einen Fuß den Boden zu erreichen. Die Sattelverstellung gestattet jetzt ein sofortiges Heruntergehen beider Füße auf die Erde — Eine andere Verbesserung für das Fahrrad steUt sich in einem Ventileinsatz vor. der von allen Mängeln des veralteten Ventilgummis befreit. Oft wurde der Radler bisher ?erade durch das Ventilgummi in die miß- ichste Lage gebracht. Der Gummi wurde porös, klebte fest, vertrocknete oder platzte, häufig war für den defekt gewordenen Gummi nicht einmal ein Ersatz vorhanden, so daß der Fahrer das Rad schließlich wohl oder übel nach Hause drücken mußte. Der Ventileinsah kennt keine Verwendung von Gummi mehr, desgleichen hat sich auf die Verwendung einer Gummieinlage in der DichtungSkappe verzichten lassen. Die Anwendung ist denkbar einfach und unterscheidet sich von der gewohnten Handhabung in nichts. Man setzt den Ventileinsah genau so ein, wie man es bisher beim veralteten Ventillegel gewöhnt war. Es braucht lediglich darauf geachtet zu werden, daß die Ueberwurfsmutter genügend stark angezogen wird. Der Ventileinsah bringt zugleich eine bedeutende Vereinfachung und Erleichterung des Aufpumpens. Da der Gummi fortgefallen ist, geht das Aufpumpen nunmehr leicht vonstatten. Infolge einer sinnreichen Konstruktion des Ventileinfatzes wird ein vollkommen luftdichter Abschluß durch den Gegendruck der Luft im Schlauch erreicht. Roch manche schätzenswerte Verbesserungen sind im Fahrradbau bemerkbar. So wird versucht, das tote Gewicht der Rahmen, Tretkurbeln, Raben und Pedalen noch weiter herunterzudrücken. Hier leistet insbesondere die Bevorzugung von Leichtmetall (Duraluminium) wertvolle Dienste. Für die Felgen verwendet man jetzt mehr als bisher Buchenholz, das den Vorteil einer wesentlich besseren Federung bietet und trotzdem an Widerstandsfähigkeit hinter dem Stahl nicht zurück- bleibt. Verkehrsspiegel verhüten Autounfälle. Die Erfahrung hat gelehrt, daß achtzig von hundert Autounfällen bei größerer Uebersicht» lichkeit der Straßen, namentlich an Kreuzungsstellen, vermieden werden könnten. Unter den unübersichtlichen Verhältnissen leidet vor allem der Autoverkehr in kleineren und mittleren Städten, wo die Kreuzungspunkte nicht überall oder nur selten durch Verkehrsbeamte überwacht werden. Um auch in solchen Städten künftighin die Gefahren zu umgehen, sind nunmehr eigenes für diesen Zweck gebaute Verkehrsspiegel herausgebracht worden, die aus einer konvex gc' wölbten Kristallspiegelschicht bestehen. Bei richtiger Anbringung solcher Verkehrsspiegel ist cs dem Chauffeur möglich, bereits--etwa aus fünfzig Meter Entfernung die Kreuzungsstelle und ihre nähere Umgebung genau zu überblicken, so daß gefährlichen Verkehrssituationen noch früh genug aus dem Wege gegangen werden kann. Das Blickfeld ist so groß, daß auch die schwierigsten Strahenverhältnisse sogleich übersehen werden können. Die Verkehrsspiegel eignen sich ebenso wie für den eigentlichen Straßenverkehr natürlich auch für Torausfahrten, für Fabrikhöfe mit regem Autoverkehr und für alle ähnlichen Zwecke. unb sonstige Rettungsgeräte lassen sich auf diese Weise mit außerordentlicher Schnelligkeit an Die richtige Stelle bringen. Wie man sich bestrebt, auch aus Bekanntem, Das auf völlig anDeren Gebieten liegt, Nutzen für Das Rettungswesen zu ziehen, beweist ein neuer Feueralarm. Wenn in einer Schule, in einem Theater, in einem Konzertsaal oDer sonstwo Feuer ausbricht, kommt es in erster Linie Darauf an, Beruhigung zu schaffen. Irgenb jemanD, Der meist schon vorher Dazu beftimmt ist, soll eine Ansprache an Die AnwesenDen halten, sie zur Ruhe ermahnen unD sie aufforbern, ohne Drängen bas Oebäube zu verlassen. Das ist alles geübt, aber es gibt boch keine Gewähr bafür, baß er in ber Panik mit ber Stimme burchbringt unb baß man auf ihn hört Der neue Feueralarm arbeitet in einer Weise, baß man ihn unbebingt vernehmen muß. Er wirkt, fobalb irgenbroo ein Feuer ausbricht, vollkommen selbsttätig. Alarmsignale, bie burch bie bei Bränben auftretenbe Erwärmung ausgelöst werben, gibt es genug. In biefem Falle ist jeboch eine breifache Sicherheit geschaffen, inbem brei verschiebens Verfahren angeroenbet sinb, um ihn in Tätigkeit zu setzen. Beim Versagen bes einen ober anberen, arbeitet immer noch bas britte. Der Alarm benachrichtigt Die nächste Feuerwehrstelle, zünbet alle Lichter im Oebäube an unb setzt eine Lautsprechereinrich- tung in Betrieb, bei größeren Räumen auch mehrere. Aus biejen Lautsprechern klingt eine beruhi- genbe Ansprache, bie vorher in ähnlicher Weise wie bie Sprache im Tonfilm ausgenommen würbe unb ebenso roiebergegeben wirb. Sie sagt, baß ein Brand- herb vorhanden ist, baß aber keine unmittelbare Gefahr besteht. Immerhin solle man ruhig bas Ge> bäubc verlassen. Es wirb ersucht, auf bie Wänbe zu blicken, bort würben farbige Pfeile aufleuchten. Jeher solle bem Pfeil nachgehen, ber seinem Sih am nächsten ist, bann komme er unmittelbar ins Freie. Bekannte Technik vereinigt sich hier also mit seelischer Beeinflussung zu einem Rettungswerk, ba» nicht zum geringsten Teil barauf aufgebaut ist, baß schon bie Neugier, woher bie Sprache kommt, bie Gebanken vom Brande ablenkt und dadurch zur Beruhigung beiträgt. 9Jt.-Spoit Handball der Sp.-Vg. 1900. 1900 I — Polizei Butzbach I 9:10. Die beiden Spiele brachten für die 1900er die erwartet schweren Kämpfe. Eine besonders aufregende Sache war das Treffen gegen die Butzbacher Polizisten. Diese traten mit ihren bewährten Kräften, wie Becker, Straube usw. an, fanden sich jedoch nicht besonders gut zurecht, so daß die forsch angreifenden 1900er nach einer knappen Diertelstunde 3:0 in Führung lagen. Die Gäste drehten nun auch auf. Dadurch, daß 1900s Hintermannschaft sich verschiedene Male täuschen lieh und die Mannschaft das Tempo nicht mehr recht mithielt, zog Butzbach nicht nur gleich, sondern ging noch 4:3 in Führung. Die zweite Spieihälste unterschied sich in ihrem Verlaus kaum von der ersten. Wiederum schönes und auch erfolgreiches Spiel der 1900er — sie hatten eine Diertelstunde vor Schluß eine 9:5. Führung inne — txnrn verlor man wieder mit stärkerem Aufkommen der Polizisten die Verven und vergab damit den Sieg. — Das Spiel war als Schiedsrichter-Prüfungs- und Delehrungsspiel angeseht. Bon einer Belehrung war jedoch nichts zu merken. Auch war das Spiel als Prüfungsspiel viel zu schwer. Der mit der Leitung beauftragte Anwärter gab sich zwar alle Mühe, war jedoch der Sache nicht immer gewachsen. To. Münchholzhausen I — 1900 I 5:4. 3n Münchholzhausen (nicht Pohl G ns, wie irrtümlich in der Borschau erwähnt), litt die Mann- schaft noch stark unter den Strapazen des Vortages, auch fand sie sich auf dem kleinen tückischen Platz, auf dem schon äußerst spielstarke Mannschaften Federn lassen mußten, schlecht zurecht. Zur Halbzeit stand die Partie 4:2 verlo. ren, das Schlußresultat wurde dann auf 5:4 verbessert. Die Ergebnisse der Gau-Bolksinrnmeisterschaflen Einzelwettkämpfe. Turner. Hochsprung: 1. Werner Langenohl, Tv. Heuchelheim, 1,70; 2. Richard Wagner, Tgm. Friedberg, 1,65; 3. Karl Pfeffer, Tv. 1846 Gießen, 1,60; 4. H. Meyer, Mtv. Gießen, 1,55 Meter. Schleuderball: 1. O. Lindenstruth, Mtv. Gießen, 51,66; 2. W. Roth, Tv. 1860 Bad-Vau- heim, 46,74; 3. W. Krick. T. u. Spv. Butzbach, 46 Meter. Stabhochsprung: 1. Willi Deaupain, T. u. Spv. Marburg, 3; 2. Karl Schwalb, Tv. 1859 Vidda. 2.90; 3. Ludwig Urff, T. u. Spv. Butzbach, 2,80 Meter. Kugelstoßen: 1. H. Müller, Tv. Holzheim, 12.02; 2. H. Vold, Tv. 1847 Wetzlar, 11,74; 3. W Langenohl, Tv. Heuchelheim, 11,52 Meter. 1 00 - Meter - La u f: 1. G. Schäfer, Tv. Echzell, 11,6; 2. R. Becker, Mtv. Gießen, 11,8; 3. Ludwig Schwab, T. u. Spv. Butzbach, 11,9; 4. E. Seyb, Mtv. Gießen, 12 Sekunden. 200-Meter-Lauf: 1. K. Gerlach, Tv. 1847 Wetzlar, 24,5; 2. Walter Trapp, Tgm. Friedberg, 24,5; 3. Ludwig Schwab, T. u. Spv. Butzbach. 24.6 Sekunden. 400 -Meter-Lauf: 1. Kuno May, Tv. 1860 Dad-Vauheim, 54,2; 2. Wilhelm Stuckardt, T.u. Spv. 1860 Marburg. 54,2; 3. Rudolf Doll- möller, Tv. Schlitz, 53,6 Sekunden. 800-Meter - Lauf: 1. Kuno May. Tv. 1860 Dad-Vauheim, 2:03,2; 2. Willi Stuckardt, T u. Spv. Marburg, 2:04,6; 3. Erich Ploch, Mtv. Gießen 2:10,2 Minuten. 3000-Meter- Lauf: 1. H. Holzapfel, T. u. Spv. Münchhausen, 9:44,2; 2. Hans Reidel, Tv. Heuchelheim. 9:44,6; 4. Philipp Weppler, Tv. Schlitz, 9:58,2 Minuten. 4x1 0 0 ° M e t e r - S t a f f e l: 1. Mtv. Gießen, 47.4; 2. T. u. Spv. Butzbach, 48,3; 3. T. u. Spv. Marburg, 48,6 Sekunden. 1 0X' L - V u n d e n ° S t a f f e l. 1. Mtv. Gießen, 4:36,2; 2. Tv. Kirchhain, 4:45,1 Minuten. Diskus: 1. K. Frey, Tv. Lang-Göns, 33,60; 2. H Müller, Tv. Holzheim, 32,35; 3. O. Lindenstruth, Mtv. Gießen, 30,23 Meter. Weitsprung: 1. K. Gerlach, Tv. 1847 Wetzlar, 6,23; 2. E. Stengel, Tv. Großen-Linden, 6,23; 3. W. Beaupain, T. u. Spv. Marburg, 6,18; 4- Fr. Llakob, Mtv. Gießen, 6,17 Meter. Jugendkurner-Oberslufe. Kugelstoßen: 1. K. Veitschmidt, Tv. Gut Heil Eberstadt, 13,31; 2. E- Gebauer, Tv. Als- feld, 13,17; 3. H. Berg, T. u. Spv. Butzbach, 12,70 Meter. Speerwurf: 1. Heinz Berg, T. u. Spv. Buh. bach, 48,10; 2. E. Lodahl, T. u. Spv. Ebersgöns, 43,20; 3. Leo Wiese, T. u. Spv. 1860 Marburg. 42 Meter. Hochsprung: 1. E. Gebauer, Tv. Alsfeld, 1,55; 2. H. Guntrum, Tv. Schlitz, 1,50; 3. C. Dccher, Tv. Schlitz. 1,50; 4. K. Strack, Mtv. G eßen, 1,50 Meter. Weitsprung: 1. H. Zehner, Tv. 1860 Bad- Vauheim, 5,82; 2. O. Hill, Tv. Alsfeld, 5,75; 3. 21. Göbel, Tv. 1847 Wetzlar, 5,68; 4. V. Stock, Tv. Lauterbach, 5,59 Meter. 1 00-Meter- La u f: 1. Otto Hill, Tv. Als- feld, 12,1; 2. Karl Schindel, T. u. Spv. Ebers, göns, 12,4; 3. Willi Vickel, Tv. Vieder-Ohmen. 12,5 Sekunden. 4X1 00-Meter-Staffel: 1. Tv. Kirchhain. 49; 2. Mtv. Gießen. 50,1; 3. Tv. 1847 Wetzlar. 50,1 Sekunden. Turnerinnen. Kugelstoßen, 1. E. Bicrelhaupt, Mtv. Diesten, 9,65; 2. T. Reinheimer, Turngemeinde Fried. berg, 8,67; 8. E. Röhmig, Mtv. Gießen, 8,42 Meter. Speerwerfen: 1. E. Röhmig, Mtv. Gießen, 25,27; 2. Christine Schmitt, Mtv. Gießen, 23,28; 3. Lilli Reinheimer, Turngemeinde Friedberg, 21,07 Meter. Hochsprung: 1. E. Dickelhaupt, Mtv. Gießen, 1,50; 2. M. Arabin, Tv. 1847 Wetzlar, 1,35; 3. L. Röder, Tv. 1847 Wetzlar, 1,30 Meter. Schlagball: 1. CH. Schmidt, Mtv. Gießen, 59,15; 2. M. Arabin, Tv. 1847 Wetzlar, 55,70; 3. E. Röhmig, Mtv. Gießen, 51,95 Meter. Weitsprung: 1. E. Bickelhaupt, Mtv. Gießen, 5; 2. Liselotte Voder, Tv. 1847 Wetzlar, 4,94; 3. E. Röhmig, Mtv. Gießen, 4,85 Meter. 50-Meter-Lauf: 1. Ehr. Amend, Mtv. Gießen, 7,4; 2. E. Fremd, Tv. 1847 Wetzlar, 7,6; 3. E. Reinheimer, Turngemeinde Friedberg, 7,7 Sekunden. 100-Meter-Lauf: 1. E. Dickelhaupt, Mtv. Gießen, 13,9; 2. M. Arabin. Tv. 1847 Wetzlar, 14,7; 3. Trinchen Sauer, T. u. Sp. Marburg, 14,9 Sekunden. 4x!00-Meter-Staffel: 1. Mtv. Gießen 54,7; 2. Tv. 1847 Wetzlar 66,6; 3. T. u. Sp. Marburg 59,6 Sekunden. Dugenbfurnerinnen-Oberffufe. Hochsprung: 1. Erika Röhmig, Mtv. Gießen, 1,35; 2. Henny Fisch, Tv. 1860 Dad-Vau- heim, 1,30; 3. Erika Schneider, Tv. 1847 Wetzlar, 1,25 Meter. 75-Meter-Lauf: 1. Anni Heß, Mtv.Gießen, 11; 2. Annemie Lack, Tv. 1860 Dad-Vauheim, 11,6; 3. E. Schneider, Tv. Wetzlar, 11,7 Sekunden. Dugenöfurnerinnen-Unferffufe. 4x75-Meter-Staf fel: 1. Mtv. Gießen 44,4; 2. Tv. Wetzlar 45,1; 3. Mtv. Gießen 47,2 Sekunden. 4xl00-Meter-Staffel: 1. Mtv. Gießen 54,1; 2. Turn- und Sport-Derein Duhbach 55,2; 3. Mtv. Gießen 58,8 Sekunden. Abiurnen im Tv. Lich. Das diesjährige Abturnen des Turnvereins 1860 Lich, dos am vorigen Sonntag auf dem großen Turnplatz hinter der Turnhalle vorgenommen wurde, fand Eröffnung mit einem Schauturnen am Samstagabend in der Turnhalle. Der erste Sprecher des Vereins, Hermann Schmidt, hielt die Degrüßungsansprache. Der Abend zeigte den Licher Turnverein von seiner besten Seite. Alle Arten deutschen Turnens wurden unter Leitung der Turnwarte Zimmer, Hermann und Volz vorgeführt, und Turner wie Turnerinnen fanden mit ihren Darbietungen reichen 'Beifall. Eine ganz besondere Bereicherung aber erfuhr der Abend durch die Mitwirkung einiger Turner der Frankfurt-Dockenheimer Turngemeinde. Der Sonntag brachte nach einem Feldgottesdienst von Stiftspfarrer Staubt die eigentlichen Wettkämpfe der Licher Turner und Turnerinnen. Trotz des heißen Wetters wurden im allgemeinen gute Leistungen erzielt. Am Vachmittag ging es in geschlossenem Zug durch die Stadt zum Festplatz, wo nach turnerischen Vorführungen gegen Abend die Preisverteilung an Schüler und Schülerinnen vorgenommen wurde. Sie hatte folgendes Ergebnis: Schüler-Oberstufe: 1. Preis Harrs Staubach, 2. Berthold Schäfer, 3. Karl Rebhahn. Schüler-Mittelstufe: 1. Karl Ledermann, 2. Max Hisgen, 3. Otto Wagner. Schüler- Unterstufe: 1. Helmut Schöne, 2. Friedrich Loh, 3. Karl Dierbach. Schülerinnen-Oberstufe: 1. Gertrud Weber, 2. Marie Dlasini, 3. Gretel Keck und Else Weisel. Schülerin- nen-Unterstufe: 1. Hanna Uhrhan, 2. Irma Sann, 3. Gertrud Windecker. Die Preisverteilung für Turner und Turnerinnen wurde am Abend vorgenommen und hatte folgendes Ergebnis: Turner-Oberstufe: 1. Albert Linnemann, 2. Willi Menges, 3. Albert Mittermeier. I u - gendturner-Ober stufe: 1. Heinrich Weigel, 2. Ludwig Fischer, 3. Heinrich Kambeitz. Volkstümlicher Fünfkampf der Turner: 1. Willi Menges und Karl Erb, 2. Albert Linnemann, 3. Albert Mittermeier. Turnerinnen- Oberstufe: 1. Hermine Walz, 2. Marie Schäler. Turnerinnen-Mittel stufe: 1. Else Schmidt, 2. Klara Eise, 3. Elisabeth Schäfer. Turnerinnen-Unter stufe: 1. Thea Walz, 2. Erna Pfeffer, 3. Kätha Wissig. Arbeiter-Turn- und Sportbund. Gießen I — lieber-Jlorffabt I 3:3. Auf dem Trieb ftanben sich beide Mannschaften im Kreisklassenspiel gegenüber. Vom Anstoß ab sah man hier ein flottes, scharfes Spiel. Beide Hüter mußten öfters rettend eingreifen, bis es den Gästen gelang, die Führung zu übernehmen. Auch Gießen zeigte schöne Momente, verpaßte jedoch verschiedene Male die sichersten Gelegenheiten. Erst kurz vor Halbzeit gelang der Ausgleich. Nach Seitenwechsel bekamen beide Hintermannschaften reichlich Arbeit. Durch Strafstoß gingen die Gäste in Führung, doch stellte Gießen den Ausgleich wieder her. Aus dem Gedränge heraus kam Florstadt wieder zur Führung. Gießen glich abermals aus, verpaßte aber in der Folge die Hch bietenden Siegeschancen. Heuchelheim I — Wieseck I 5:3. Schon mit dem Spielbeginn trat die Ueberraschung ein: Wiesecks Hüter war noch nicht am Platze. Heuchelheim nützte diese günstige Gelegenheit aus und konnte in der ersten Minute die Führung übernehmen. Dem technisch überlegenen Spiele der Gäste setzte Heuchelheim ein kraftvolles Abwehrspiel entgegen und hielt sein Heiligtum rein. Durch einen scharfen Schuß erhöht Heuchelheim auf 2:0. Alle Anstrengungen der Gäste scheiterten an der reich, lichen Abwehr der Platzbesitzer. Bis Halbzeit stellte Heuchelheim das Resultat auf 3:0. Nach dem Seitenwechsel kam Heuchelheim zum vierten Tor. Dann aber holte Wieseck in kurzer Zeit drei Tore auf. Aus einem Eckball erzielte Heuchelheim das fünfte Tor. Ein weiteres Tor für Wieseck wurde nicht anerkannt. So konnte Heuchelheim mit viel Glück die Punkte für sich behalten. Raunheim I — Riederwöllsiadk I 7:1. Niederwöllstadt war mit nur 10 Mann in Naunheim zu Gast. Das Spiel entsprach nicht den gehegten Erwartungen. Naunheim war wohl überlegen und stellte auch bis Halbzeit ein 4:0-Resultat her. Nach Seitenwechsel ließ das Spiel etwas nach. Naunheim blieb wohl weiter überlegen, ließ aber die meisten Torschancen aus. 91hr noch drei Tore waren die Ausbeute. Daubringen I — Lollar I 0:1. Am Samstagabend standen sich die beiden Nachbarn in Saubringen gegenüber. Vom Anstoß ab ging Lollar in Führung und schoß damit das einzige Tor des Spiels. Trotz des manchmal' recht harten Spieles blieb es bei dem Resultat. Lollar wurde glücklicher Sieger. Allendorf a. d. Lahn I — Oberndorf I 1:0. Auch in diesem Spiele, das am Sonntag stattfand, gab es nur ein knappes Ergebnis. Allendorf war feinem Gegner wohl etwas überlegen, konnte aber durch fein überlautes, aufgeregtes Spiel nur einmal erfolgreich fein. Großen-Linden I — Alsfeld I 2:3. Der Spielbeginn brachte ein flottes, hartes Spiel. Großen-Linden ging schon nach wenigen Minuten in Führung. Alsfeld ging dann mächtig aus sich heraus und konnte bald Ausgleich und Führung erzielen. Nach Seitenwechsel brachten die großen Anstrengungen beiden Parteien je noch einen Erfolg. Großen-Linden ließ die Ausgleichsmöglichkeit in Gestalt eines Elfmeters aus. Im Spiele Großen-Linden II — Langgöns I mußten die Gäste eine 5:0-Niederlage hinnehmen. Wirtschaft. Sranffurf sehr still. Frankfurt a. M., 24. Aug. (WTB. Drahtmeldung.) Die heutige Börse eröffnete zwar uneinheitlich, doch war ein fefter Grundton unverkennbar. Obwohl in der innerpolitischen Situation keine Veränderung zu verzeichnen ist, machte die Erklärung der R e i ch s r e g i e r u n g gegenüber dem Aufruf Hitlers einen guten Eindruck, weil man in dieser Erklärung eine ftarfe P o ° sition der jetzigen Regierung erkennen wollte. Auch die Ausführungen Dr. Luthers auf dem Genossenschaftstag in Dortmund fanden eine günftige Aufnahme ebenso befriedigte die weiter feste Haltung der gestrigen Neuyorker Börse. Da aber anderseits das Publikum fast vollkommen fehlte, übte die Spekulation gewisse Zurückhaltung, so daß das Geschäft allgemein ziemlich klein war und sich meist nur auf einige Spezialgebiete beschränkte. f Durch feste Haltung zeichneten sich Rheinische Braunkohlen mit plus 3,5 v. H. und Kunstseiden- aktien mit neuen Besserungen von etwa 2 o. H. aus. Im allgemeinen betrugen die Abweichungen nach beiden Seiten etwa 0,25 bis 0,50 o. H. Von Chemieaktien eröffneten IG. 0,40 v. H. und Scheideanstalt 0,75 o. H. niedriger. Am Elektromarkt lagen AEG. und Gesfürel 0,40 bzw. 0,25 v. H. hoher, Licht & Kraft und Schuckert bröckelten im gleichen Ausmaße ab. Montanwerte lagen nur knapp gehalten, ebenso Schiffahrtsaktien und von Bauwerten Zement Heidelberg. An den übrigen Marktgebieten stagnierte das Geschäft fast vollkommen. Der Rentenmarkt lag ebenfalls nahezu gefdjäftslos. Nur späte Reichsschuldbuchforderungen lagen beachtet und bis zu 0,50 v. H. hoher. Deutsche Anleihen lagen dagegen sehr vernachlässigt und zunächst ohne Notiz. Die gestern stark gestiegenen Russen-Prioritäten lagen heute allgemein schwach. Der Pfandbriefmarkt lag zwar still, doch waren Goldpfandbriefe eher etwas gesucht. Liquidations- Pfandbriefe und Kommunalobligationen blieben behauptet. Im Verlaufe konnten sich einige Papiere etwas erholen, das Geschäft stagnierte aber f a st vollkommen. Von Deutschen Anleihen kamen schließlich Reichsaltbesitz mit plus 0,65 o. H. zur Notiz, während Neubesitz unerholt waren. Am Geldmarkt wurde Tagesgeld auf 4 v. H. ermäßigt. Berlin ruhig. Berlin, 24. August. (WTB. Funkspruch.) An der Börse wirken gegenwärtig wirtschaftliche und politische Momente sehr stark gegeneinander. Rein wirtschaftlich ist man im Augenblick zu einer etwas freundlicheren Beurteilung der (3 e f a m 11 a g e geneigt. Jedenfalls finden die Aufwärtsbewegung der Neuyorker Aktienkurse, sowie die steigenden Rohstoffpreise hier stärkere Beachtung. Während des Dormittagsverkehrs und an der Vorbörse taxierte man daher freundlichere Kurse. Die Anfangsnotierungen zeigten dann aber kein einheitliches Aussehen, was in der Hauptsache auf die doch noch sehr unübersichtliche politische Lage zurückzuführen war. Die außerordentlich scharfe Erklärung der Reichsregierung gegen jeden Terror hatte zwar eine gewisse Beruhigung zur Folge, doch bleiben, selbst wenn die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung im Lande als gesichert angesehen wird, im Hinblick auf den bevorstehenden Zusammentritt der Parlamente noch so viel Störungs- und Unsicherheitsmomente bestehen, daß die Unternehmungslust stark gehemmt wird. Wenig freundlich wurde auch die Nachricht von Rücktrittsabfichten des Staatssekretärs Trendelenburg, der bekanntlich ein entschiedener Gegner jeder Autarkie ist, aufgenommen. Mit Ausnahme weniger Spezialwerte lagen die Märkte recht ruhig. Sehr fest eröffneten Kunst- seideaktien, die bis zu 3 v. H. anzogen. Neben der internationalen Preiserhöhung wirkten Gerüchte über ein neues Aku-Patent kurssteigernd. Ziemlich schwach lagen Gelsenkirchen, Buderus und Leopold- Grube, die je zirka 1 v. H. verloren. Sonst gingen die Veränderungen bis zu 1,50 v. H. nach beiden Seiten, Salzdetfurth gewannen anfangs 2 v. H Im Verlaufe vermochte sich das Geschäft nicht zu beleben. Kunstseidenwerte lagen weiter lebhaft und fest, außerdem sollen in Harpener und Betula kleine Anlagen von Stillhaltegeldern erfolgt fein. Farben lagen heute völlig unverändert gegen gestern; erst gegen 13 Uhr ging dieser Kurs um 0,38 v. H. herauf. Deutsche Anleihen waren in Auswirkung der Ausführungen Dr. Luthers auf dem Genos- senschaftstag, die im allgemeinen keinen Einfluß auf die Tendenz nahmen, obgleich sie mit Interesse zur Kenntnis genommen wurden, etwas befestigt. Ausländer ruhig und wenig verändert, Reichsschuldbuchforderungen in späten Fälligkeiten bis 0,50 v. H. fester, Russen bei nachlassendem Geschäft abbröckelnd. Am Geldmarkt war die Situation vollkommen unverändert, auch die Sätze wurden auf gestriger Basis genannt. Frankfurter Getreidebörse. Fran kfurt a.M., 24.Aug. Es wurden notiert: Weizen 212,50 bis 21< Mark, Roggen 166 bis 167,50, Wintergerste für Brauzwecke 167,50, Hafer (inländischer) 147,50 bis 155, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0, mit Austauschweizen) 34 bis 34,75, Wei- zenmehl (niederrheinisches, mit Austauschweise!,) 34 bis 34,50, Roggenmehl (60 v. H.) 25 bis 26, Weizenkleie 8,50 bis 8,30, Roggenkleie 8 Mark. — Tendenz: Brotgetreide gehalten, Futtermittel ruhiger. „Alle ßruchleidende“ ÄVrat bandagisten K.Ruffing aufmerksam gemacht.““'V Eine neue Köche gut und billig aus dem Spezi al-Geschäft für Küchen-Möbel Küchen-Blum • Gießen • Bahnhofskolonnaden Zur jetzigen Aussaat Herbstrüben Winterspinat Feldsalat oder Nüßchen Winterkopfsalat Weißkraut Wirsing Rotkraut Frühlingszwiebeln Stiefmütterchen Vergißmeinnicht usw. Samenhaus Heinr.Hahn Bahnhofstraße, Ecke Wolkengasse — Tel. 3403 Herbst-Preisliste zu Diensten 599;$A verlegt Damaste Leinen Kretonne Schürzenstoffe Rohnessel Inletts Bettledern Mein Geschäft wird in den ersten Tagen des Septembers nach Kirchenplatz 8 (Laden) Wissenschaftliche Werke Sondergooiei um BrUhi'schen Druckerei Mahnung. Die Beiträge zur Kranken-, Arbeite losen, und Invalidenversicherung für öen THonat 3uli 1932 können noch bis zum 31. August 1932 ohne Kosten bezahlt werden. Nach Ablauf dieser Frist erfolgt Kostenberechnung evtl. Beitreibung. Die Einzahlung kann täglich außer Samstag bei unserer Kasse oder auf unser Postscheckkonto Nr. 10833 Amt Frankfurt am Main erfolgen. 59940 Allgem. Ortskrankenkasse Giehen-Sladt. Hinkler, Rechner. Herren- u. Damen-Wäsche, Kleiderstoffe, Seiden, Unterkleidung, Strümpfe 5997 D TEITLER Dammstraße 25 p. 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