Hr. 146 Erster Via« 182. Jahrgang Freitag, 2^. Juni s<).32 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dmrf »nd Ptrlag: vrW'schr UniBerfr^Bnd). und Stemöraderti B. rangt In Sletztn. S^riftlelhing und 6ef* *äfts*t8e: SdjefWrate 7. Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholl» IHonats Bejugspreis: Mit 4 Beilagen RM. I 95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüfle unter Sammclnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger tieften. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Annahme oon Snjeiaen für die Tagesnummtr bl» zum Nachmittag vorher. Preis für | mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Rs- klameanjtigtn von 70 mm Breite 55 Nelchipfennig, Vlayvorlchrist 20* , mehr. LhesredaKteur Dr. Fnedr Milh. Gange. Berantwvrllich für Politik Dr Fr. Wilh. Gange, für Feuilleton Dr H.Tdyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Landnöten. Wenn eS in einem entlegenen Orte Spaniens zu politischen Zusammenstößen kommt und ein paar blutige Köpfe gibt, berichtet die Weltpresse von diesem Ereignis und beschwört den Schatten des Bolschewismus herauf. Wenn an der serbisch- bulgarischen Grenze ein Dandensührer oder Ko- mitadschi erschossen wird, so beschäftigt diese Bluttat den Völkerbund. Das) aber kein Tag in Deutschland vergeht, an dein nicht zugleich an mehreren Stellen des Reiches politische Gegner mit Dolch, Schlagring und Pistole übereinander hersallen, an dem nicht die Zeitungen der radikalen Gruppen sich allmorgendlich ihre Toten und Schwerverletzten vorzäylen, darüber scheint sich die Welt bereits getröstet zu haben. Es besteht die Gefahr, das) sich auch das deutsche Volk über den Zustand des latenten Bürgerkriegs himvegseht, weil er zur täglichen Hebung geworden ist, und sich mit Verhältnissen absindet, die man srüher in Deutschland „balkanisch" nannte, und die der Balkan heute zweifellos versucht ist, „deutsch" zu nennen. Förmliche „Verlustlisten "werden von den gegnerischen Gruppen veröffentlicht. Mit Entsetzen vernimmt man, daß auf nationalsozialistischer Seite bereits mehr als 300 Opfer des politischen Kleinkriegs gefallen sind. Rach tausenden geht die Zahl der Schwerverletzten, die für ihr ganzes Leben allerschwersten Schaden davongetragen haben. Wohl gemerkt, diese Blutliste erstreckt sich lediglich auf den Zeitraum der letzten Jahre, und es steht nach den Vorkommnissen der vergangenen Wochen und Tage zu befürchten, daß der anklagende Zug der Opfer eher zu- als abnimmt. Der anklagende Zug der Opfer! Denn die vielen hundert Toten und die vielen tausend Schwerverletzten, die alltäglich mit ihrem Blute das graue Pilaster färben, sind trotz ihrer Parteieinstellung in erster Linie Deutsche. Sie sind Söhne deutscher Väter und deutscher Mütter, sie sind Opsei der gleichen großen deutschen Rot, sie sind Erschlagene auf dem sinnlosen Schlachtfeld des deutschen Bruderkriegs. Hnd jeder Zunge, der mit durchschossener Stirne am frühen Morgen seinen Eltern ins Haus gebracht wird, und jeder Familienvater, den der Messerstich eines fanatischen Gegners seiner Frau und seinen Kindern raubt, klagt aus gebrochenen Augen die Schuldigen der Druderkämpfe an. Der Schuldigen sind viele! Da ist zuerst einmal d i e außenpolitische Unfreiheit und Hnterbrüdung. Sinnlose Tribute haben den deutschen Volkslörper ausgesoqen. Alle politischen Gegensätze wurden durch den Druck von außen verschärft und vertieft. Jahrelang wurden die wesentlichsten Hoheitsrechte des Staates von den übermütigen Siegern mit Füßen getreten. Während in allen Staaten ringsum der fübne Tatendrang der äugend in die geregelte Dahn der allgemeinen Wehrpflicht gelenkt wird, sind auf deutschem Boden private Armeen entstanden, die nur allzu leicht geneigt sind, den Feind im eigenen Volksgenossen zu erblicken. Während die Opser mörderischer Der- träge wahllos sinken, feilscht ein Kreis von Staatsmännern. denen der Mut zur Wahrheit und zur wirklichen Liquidierung des Krieges fehlt, um neue Tribute die in raffiniertester Weise aus Deutschland herausgepreßt werden sollen, wenn es dem deutschen Volke dank seiner eigenen Tüchtigkeit und Arbeitskraft erst einmal wieder besser geht. Wie wäre es. Herr Reichskanzler v. Papen, wenn Sie jenen Oe gen in Lausanne, die immer noch nicht begriffen haben, was die Stunde erfordert, die Liste des durch das Verbrechen der ungerechten Verträge aufgezwungenen Bürger- krie-is unterbreiten würden? Aber die Schuld trifft nicht minder alle diejenigen, die aus ihren sicheren Schreibstuben heraus die Massen gegeneinander hetzen. Besonders die kommunistische Presse hat in der letzten Zeit Ungeheuerliches an Verhetzung geleistet. So schreibt z. B. im letzten Heft des „Kampsbundes gegen den Faschismus" ein „roter Sportler": ,3c- der Straßenzug muß zu einer Barrikade gegen den Faschismus gemacht werden, jede Straße muß über eine Staffel verfügen, die, wenn einst der Tag kommt, mit der Knarre in der Hand für jeden ermordeten Arbeiter zehn Razis an die Wand stellt." 11 nb eine andere kommunistische Zeitung stellt sachlich fest „Kommen Heberfälle in einem Orte vor, so muß stets die örtliche Abrechnung dafür erfolgen, pnb zwar mit denselben Waffen, nur müssen diese als Vergeltung rücksichtsloser angewandt werden." Das Ergebnis liegt vor. Allein in den letzten drei Tagen sind sechs Opfer dieser Hetze ins Grab gesunken. Herr v. V ay l hat sich auf der Konferenz der Innen in ini st er n.cht hundertprozentig durchge etzt. Er hat b.e Ratschläge guter Freunde, die von ihm verlangten, daß er mit der Faust auf den Tisch schlagen sollte, absichtlich überhört, und dafür in der wohltemperierten Tonart gesprochen. die er selbst aus eigener Erfahrung als langjähriges Mitglied des Reichsrats kennt. Praktisch ist er damit auch sehr viel weiter ?, c t o ni m e n. we l dadurch wenigstens die psycho- ' ogischen Voraussetzungen für die Möglichkeit einer Verständigung geschaffen wurden Hnd wenn er auch in der Form verbindlich war. dann ist er in der Sache deswegen doch nicht weniger entschieden gewesen. Er hat keinen Zweifel darüber gelassen, daß die Reichsregierung ihre Autorität unter allen Hmftänbcn gegen parteipolitisch angesetzte Offensiven der Länder zu sichern wissen werde. Das ist bei den meisten Regierungen nicht ebne Eindruck geblieben. Es ist immerhin bemerkenswert. daß die preußische Regierung sich von jeder Fronde vorsichtig zurückhält; aus Die erste Besprechung zwischen Papen und Herrioi. Lau sänne. 24. 3uni. (GJIB. Junksproch) Die für heute geplanten Besprechungen zwischen der deutschen und der französischen Delegation begannen, wie vorgesehen, um 10 Uhr, wo sich der Reichskanzler von Papen zum französischen 2Hi- nislerpräsidenten begab. Rach etwa einer halben Stunde wurden zu der Besprechung der beiden Regierungschefs mehrere Herren der deutschen und der französischen Delegation hinzugezogen, darunter von deutscher Seite u. a. Beichsaußenminisler v. 71 curat f), Reichsfinanzminister Graf Schwerin v. Krosigk, Reichswirtschaftsminister Warm- b o l ö und Staatssekretär v. Bülow. Die Sitzung der deutschen und der sranzösischen Delegation hat bis kurz vor 13 Ahr angedauert. Bei ihrem Abschluß wurde folgende» Eommuniqs ausgegeben: „Die deutsche und die französische Delegation haben heute morgen eine erste Arbeitssitzung abgeholten. Graf Schwerin von Krosigk hat eine eingehende Darlegung der finanziellen und wirtschaftlichen Lage Deutschlands gegeben." — (Eine Zweite Sitzung wird heute nachmittag stattfinden. Tauziehen. Gedrückte Stimmung am Genfer Lee. Lausanne, 23. Juni. Da sitzt man nun im schönen Süden, aber ein düsterer Himmel und spätherbstliche Kühle verderben einem die Freude. Mit dunklen Wolken bleibt auch der Himmel der Konferenz bedeckt. Die Situation dieses politischen Kampfes wird immer mehr einem Tauziehen ähnlich, bei dem die Gegner sich mit den Absätzen in die Erde gebohrt haben und bei dem kein sichtbarer Ruck nach der einen oder anderen Seite sichtbar wird. Eine mißmutige Stimmung und das Gefühl einer gewissen Hoffnungslosigkeit drückt auf alle Gemüter. Mit dem bösesten Gesicht läuft Herriot herum. Als er am Donnerstagmittag das „Deaurivage" nach seinen fortgesetzten Hnterhaltungen mit Macdo- nald verließ, war er ersichtlich in schiech- test er Laune, und knurrend gab er die Auskunft, daß sich an der Lage noch nichts Wesentliches geändert habe. Man mußte den Franzosen am Abend vorher gesehen haben, wie er schweigend und vor sich hin- brütend in der Bierstube des „Hotels des Pal- miers" saß. Herr Herriot möchte den Konferenzen das Bild eines Staatsmannes erhalten, der sich abends in einer bescheidenen Bierkneipe aus- spannt. Er hat sich das Lokal ausgesucht, in dem die deutschen Studenten ihre Stammtische haben. Aber so witzig und unterhaltsam der französische Staatsmann sonst abends sein kann, so schweigsam und grübelnd erschien er am gestrigen Abend. Er ist sich natürlich klar darüber, daß der Mißerfolg in Genf und Lausanne restlos auf fein Konto geschrieben würde, wenn er sich nicht aus seinem Dau herauswagt. Aber nachdem die mehrfachen und stundenlangen Unterhaltungen, in denen Macdonald all seine Beredsamkeit aufgeboten haben mag, bisher die Dinge nicht sichtbar weiter getrieben haben, wagt kein Mensch mehr auf eine erlösende Initiative des Franzosen zu hoffen. Hnd nur sie könnte noch aus der Sackgasse herausführen. Es hat wenig Sinn, die vielfachen Einzelverhandlungen der Ressortminister und die Besprechungen der Sachverständigen im einzelnen zu erwähnen. Die Bemühungen der Detailfanatiker sind solange sinnlos, wie ihnen nicht von den leitenden Staatsmännern bindende Richtlinien gewiesen werden. Dis dahin gilt das Wort, das von dem englischen Außenminister Simon kolportiert wird: „Die Sachverständigen wissen täglich mehr und mehr, oder immer weniger und weniger." Ein gewisses Sonderinteresse kann der Besuch der belgischen Delegation bei den deutschen Vertretern beanspruchen Man hat sich im größeren Kreis über Projekte unterhalten, die eine Ankurbelung der deutschen Wirtschaft durch eine kompliziert angelegte Anleihe ins Auge fassen. Die Pläne haben wenig Aussicht auf Verwirklichung. Aber es erschien offenkundig, daß die Belgier den Deutschen gegenüber nicht mehr als bedingungslose Vasallen Frankreichs auftreten wollen. „Man sucht eine Brücke"! An diese» Wort des deutschen Reichskanzlers klammern sich die Optimisten. Sie setzen ihre Hoffnung vielleicht auch noch auf einen englischen Plan, in dem zwar eine deutsche Schlußzahlung nicht ganz ausgeschlossen wird, der aber andererseits auch nichts von einer festen Verpflichtung Deutschlands für die Zukunft wissen will, die man nach der wirtschaftlichen Seite gar nicht im voraus beurteilen kann. Die Franzosen halten aber nach wie vor daran fest, daß Deutschland nach einer Zahlung»- pause, in der die Sachlieferungen nach dem Poung- plan fortgeführt werden sollen, und über deren Ende ein besonderer Ausschuß zu entscheiden hätte, eine Abschlußzahlung von etwa sechs Mil- liarben in bestimmten Annuitäten auf sich nehmen müsse. Man braucht es nicht besonders zu betonen, daß an dieser Forderung die Konferenz scheitern müßte. Es wird davon gesprochen, daß Herr fjer- riot sich in Paris neue Handlungsfreiheit holen möchte. Aber kann man noch hoffen, daß Herriot aus der mehr als aufgeregten Stimmung feiner Hauptstadt den Willen zum großen Verzicht mit- bringen wird? Man sucht jedenfalls schon nach einer Entschließungsformel, mit der man den Mißerfolg der Konferenz bei einem baldigen Abschluß bemänteln konnte. Die Franzosen möchten in eine solche Entschließung gern den Plan eines neuen Ausschusses zur Feststellung der deutschen Zahlungsfähigkeit hineinarbeiten. Sie sollen Derlin, 23. Iuni. (ERD.) Im Sportpalast sand eine außerordentlich stark besuchte Kundgebung des Gaues Groß-Berlin der RSDAP. statt, bei der zum erstenmal wieder die SA.- und die SS.-Formationen in Uniformen und mit ihren Fahnen und Standarten aufmarschierten. Dr. Goebbels erklärte, das Kabinett Papen sei nicht von den Rationalsozialisten berufen worden. Alles, was dieses Kabinett tue, geschehe auf seine eigene Verantwortung. Die Rationalsozialisten nähmen sich als Opposition das Recht, die Politik dieses Kabinetts nach sachlichen deutschen Gesichtspunkten zu werten. Man dürfe von den Rationalsozialisten doch wirklich nicht glauben, daß sie je ein Kabinett blanko tolerierten. Oder halte man sie für solche Schwächlinge, daß sie nicht in der Lage seien, ein Sa- binett mit ihren eigenen Leuten zu besehen. Rationalsozialistische Politik könne einzig und allein vonRationalsozialisten betrieb e n'werden und nicht von Männern, die mit dem Rationalsozialismus sympathisieren oder ihm nahestehen. Sie müßten schon in der Wolle gefärbt sein. Mit besonderer Schärfe wandte sich der Redner dann gegen die Vorgänge in Süddeutschland Ein nationalsozialistisches Kabmett hätte nicht 14 Tage gebraucht, um diese süddeutsche marxistisch- separatistische Kanaille zu zerbrechen. Man hätte sich keinen Illusionen hingeben. Auch bas kommt für uns absolut nicht in Frage. Um überhaupt etwas zustanbe.zubringen, bemüht sich ÜRacbonalfc geradezu fieberhaft, unabhängig von der Regelung des Iribulproblems wenigstens gemeinsame Richtlinien für den europäischen Wiederaufbau und die handelspolitische Zusammenarbeit der Staaten zu schaffen. Er dürste sich selbst Darüber klar sein, daß man einen Hausbau nicht am Dachsirst beginnen kann. London ist hoffnungsvoll. Hcrriot mutz ctwas biclcn. London, 24. Juni. (WTB. Funkspruch.) Die Nachricht von der Zusammenkunft zwischen dem deutschen Reichskanzler und dem französischen Ministerpräsidenten Herriot wird von der Presse als ein günstiges Zeichen betrachtet. News Ebro- nicke sagt, der Beschluß würde nicht gefaßt worden sein, wenn Herriot nach wie vor nichts anderes anzubieten hätte als einen Plan für die sck/tiehliche Wiederaufnahme der deutschen Reparationszahlungen nach einer der wirtjck^iftlichen Erholung gewidmeten Zwischenpause. Herriot dürfte beeinflußt morden fein, von dem Nachdruck, mit dem die britische Auffasiung vertreten wurde. Times meldet, es gibt keine Meinungsverschiedenheit zwischen Herriot und Macdonald darüber, daß Deutschland jetzt oder während der Periode der wirtschaft- liehen Erholung keine Zahlungen leisten kann. Die Franzosen geben auch offenbar zu, daß eine endgültige Regelung, eine Beendigung der Ungewißheit und die Sicherheit gegen eine 'Störung der gewöhnlichen kommerziellen Beziehungen durch etwaige künftige Zahlungen wünschenswert ist. Unter einer endgültige Regelung verstehen die Engländer, die Italiener und felbftverftänbha) die Deutschen eine Annullierung, während die Franzofen noch an eine „abschließende" Zahlung ober an irgendwelche Vorkehrungen für eite solche Zahlung denken. Die Deutschen erklärten. fünf Minuten Bedenkzeit gegeben und dann nur entweder ein glattes 3a oder ein glattes Rein entgegengenommen. Sonst hätte man einfach zu in Ausnahmezustand gegriffen. Diesem Pack müsse die Faust unter die Rase gesetzt werden. Wir lassen es uns heute nicht mehr gefallen, daß eine rote Minderheit bas nationale Deutschland von der Straße vertreibt. Wenn man keine Gewähr für die Sicherheit der Straße bieten kann, bann geben wir das Kommando: Straße frei! In den vergangenen Wochen habe das Kabinett im Volk schon viel Vertrauen und -war durch eigene Schuld verloren. Daß jetzt in den Straßen Berlins Barrikaden gebaut würden, sei die Schuld der Zauderpolitik der Reichsregierung. Eine nationale Regierung von der Prägung der RSDAP. hätte nicht die Drüningschen Rotverordnungen unverändert ausgenommen, sondern sie sozial gestaltet und nicht gefordert, daß die Aerm- sten noch mehr von ihrem kargen Unterhalt abgeben müssen. Sie hätte die Opfer gerecht verteilt und am stärksten belastet die Danken uiü) Börsen, sie hätte am stärksten die übermäßigen Gewinne besteuert und die roten Bonzen davongejagt. Da- Volk würde selbst freiwillig noch opfern, wenn es das gute Ziel dieses Opfer- vor sich sehe, und wenn eine Regierung ihr mit gutem Beispiel vorangehe. DerAaiionaWalisimlS und das Kabinettpapen. ör. Goebbels spricht im Berliner Sportpalast. dem sehr durchsichtigen Grunde wahrscheinlich, um ihre ohnehin schon schwache Position als geichäftsführendes Kabinett nicht noch weiter zu untergraben und dem Reich von dieser Seite her keine Gelegenheit zur Einsetzung eines Rcichs- kommissars zu geben. Für die Wirkung aber sind die Gründe belanglos. Iedenfalls waren Bayern und Baden bei ihren Protesten gegen die Eigenmächtigkeit der Reichsregierung allein, sie fanden nirgends Hnterstützung Alle anderen Länder werden dem Kabinett Papen in dieser Frage keine Schwierigkeiten machen, weder soweit die Aushebung des Hniformverbots, noch soweit die Lockerung des Demonstrations- Verbots in Frage kommt. Preußen hat bereits sogar für Anfang Iuli entsprechende Maßregeln ange'ünbigt. Die Frage liegt nun also so, ob Bayern und Baden zum Rückzug blasen oder das Reich zu einer neuen Rotverordnung zwingen wollen. Darüber erwartet Herr von Gayl bis zum Samstag Bescheid. Aber Bayern hat sich wohl schon so fest gefahren, daß es einen Rückweg nicht mehr findet. Herr Held würde sich vermutlich in München unmöglich machen, wenn er nachgäbe. Er legt deshalb seine Taktik offenbar darauf an, daß er sich vom Reich vergewaltigen lassen will, er provoziert a[fo_ die neue Rotverordnung. um sich ihr dann fügen zu müssen. Er hätte das Hilfsmittel, den Staatsgerichtshof mobil zu machen, aber damit ist keine aufschiebende Wirkung bedingt, Bayern müßte sich trotzdem sofort den Berliner Anweisungen fügen und könnte höchstens noch die Verantwortlichkeit abwälzen. Eine nicht gerade erhebende Taktik. Aber das Entscheidende bleibt doch, daß hier zum erstenmal die Reichsregierung aus ihremWil- len bestand und, was sich nicht biegen wollte, gebrochen hat. • Die Deutsche Lufthansa hielt ihre Generalversammlung ab, um den Geschäftsbericht für 1931 zu genehmigen. Die Lufthansa verfügt zur Zeit über 141 Flugzeuge von neuzeitlichem Typ. Davon sind 43 Fahrzeuge Großflugzeuge mit mehr als einem Motor. Reu in den Dienst gestellt wurden 19 Fluglage und 75 Motore. Das neueste Großflugzeug der Lufthansa, die „Junkers O. 38“ ist vor einigen Tagen abgenommen worden und wird heute in Berlin eintreffen. 3m Dau befinden sich mehrere fünf- bis sechssitzige Flugzeug« mit einer Fluggeschwindigkeit von 270 Kilometern pro Stunde und mehrere Flugzeuge mit 15 Eitzen und einer Geschwindigkeit von 230 Stundenkilometern. Am 15. August wird der Zeppelindienst nach Südamerika wieder ausgenommen,und zwar stehen bisher fünf Fahrten in Abständen von 14 Tagen fest. In diesem Iahre sollen die ersten durchgehenden Versuchst lüge mit Flugbooten nach Südamerika unternommen werden. Der Start erfolgt von der west afrikanischen Küste aus, bei Bathurst, dem äußersten Punkt Westafrikas. Auf halber Strecke wird im Atlantischen C»can ein-6000-Tonnen- Dampfer stationiert. Der Dampfer erhält eine Funkpcilstation, eine Katapultanlage und eine besondere Landevorrichtung. Die Flugzeuge sollen hier niedergehen und sich mit neuem Betriebsstoff versorgen. Hm den Start der schweren Maschinen in Bathurst zu erleichtern, wird auch dort eine Katapultanlage errichtet Rach Osten wird man noch im Lause dieses Iahres in fünf Tagen von Berlin nach Schanghai fliegen können Die fünftägige Flugzeit soll später auf drei Tage gekürzt werden. Per Achse braucht man für die Strecke 17 Reisetage Die Deutsche Lufthansa wird die Strecke von Peking bzw Schanghai über Zentralchina nach Lunchow bis Hrumschi sortsetzen. Dadurch ist die Flugverbindung von Berlin nach Schanghai hergestellt. Bisher konnten Flugreisen nach Ostalien nur mit dem russischen Dienst bis Semipalatinsk ausgeführt werden. Die Reise mußte von dort bis Lunchow mit der Dahn erfolgen. Troy der Wirtschaftskrisis hat der Luftverkehr im Iahre 1931 weiter zugenommen Der Per- sonenfluaverkehr ist um 7 9 Prozent gestiegen. Im Iahre 1930 wurden 53 498, im Iahre 1931 82 989 Flugpassagiere befördert An Rund- und Sonderflügen haben sich 20 908 Personen beteiligt Die Zahl der durchflogenen Kilometer ist dagegen von 9 446 958 auf 8 984 251 Kilometer zurückgegangen. Auch der Poftflugverkehr hat sich verringert, dagegen ist der Gepäck- und Frachtverkehr gestiegen. In Verhandlungen der Postverwaltungen Europas wird der Ausbau eines allgemeinen euro- väifchcn LuftfahrtsnetzcS erstrebt. Da Deutschland infolge seiner zentralen Lage hierbei eine besonders wichtige Rolle zufällt, wird dem Ausbau der Rachtstrecken großes Interesse zugewendet. Am 1. Iuli wird die Rachtstrecka Köln—Frankfurt—München in Betrieb genommen, die Rachtstrecke Berlin—Halle—Leipzig wird über Rürnberg nach München fortgeführt. Schwere Zusammenstöße im Wnflrierevier. Mehrere Todesopfer und Schwerverletzte. Die Nationalsozialisten hatten für Donnerstagabend im Lokal „Beraschänke" in Dortmund- Dorstfeld eine Versammlung einberufen. Schon vor der Versammlung hatten sich größere Kolonnen von Kommunisten eingefunden, die den anrückenden Nationalsozialisten auflauerten. Kurz vor 20 Uhr zog ein geschlossener Zug von etwa 80 Mann Nationalsozialisten zum Lokal. In der Hellwinaer Straße kam es dann zu einem schweren Z u s a m m e n st o ß. Die nachdrängenden Kommunisten bewarfen die Nationalsozialisten mit Steinen. Es fielen etwa 30 Schüsse. Hierbei wurde der 26jährige Nationalsozialist Heinrich Habenich durch einen Kopfschuß und mehrere Brustschüsse auf der Stelle getötet. Fünf weitere Nationalsozialisten erlitten erhebliche Verletzungen. Nur mit Mühe gelang es den drei begleitenden Polizeibeamten, mit »orqehaltenen Revolvern die nachdrängenden Kommunisten in Schach zu halten. * In Duisburg-Hamborn kam es, und zwar in dem Stadteil Marrloh, mehrfach zu Zusammenrottungen, die sich bis gegen 22 Uhr fort setzten. Als «ine Gruppe Nationalsozialisten in Uniform ihr Vereins heim am Hindenburgplah aufsuchte, wurden sie von politischen Geg - nernverfolgt. Es kam zu einem heftigen Zusammenstoß, in dessen Verlauf auch eine Anzahl Schüsse fielen. Gin Kommunist wurde getötet. Vach den bisherigen Feststellungen soll der Getötete irrtümlich von einem eigenen Parteigenossen erschossen worden sein. Die Polizei muhte mehrmals Schreckschüsse abgeben. Bei einem anderen Zusammenstoß wurde ein Nationalsozialist durch vier Messer- stiche schwer verletzt, so daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. In beiden Fällen sollen die Täter verhaftet worden sein. Die Zusammenrottungen wiederholten sich mehrfach, so daß die Polizei sich immer wieder genötigt sah, von der Schußwaffe und dem Gummiknüppel Gebrauch zu machen. Insgesamt wurden etwa 60 Personen festgenommen. Oie Nationalsozialisten fordern Ausnahmezustand. München. 24.3uni. (OB. Funkspruch.) Die Nationalsozialistische Korrespondenz beschäftigt sich in einem Artikel, der die Aufschrift „Sturmzeichen" trägt, mit den Vorgängen in Berlin und meint, ba es der Polizei 24 Stunden lang nicht gelungen fei, die Ruhe wieder- herzu st eilen, wäre es höchste Zeit zum Durchgreifen. 3m weiteren 3nhalt des Artikels wird dann das Seibftfchuhrecht für Nationalfoziaiisten, ferner die rascheste Verhängung des A u s n a h m e ; u st a n d e s im gesamten deutschen Staatsgebiet sowie rücksichtslos durchgeführtes Verbot der KPD. und ihrer Desorganisationen, endlich die Absetzung aller Parteibeamten bei der Polizei, insbesondere in Preußen, gefordert. keine deutsche Regierung könne fick auf künftige politische Zahlungen einlassen. Sie haben aber an- gedeutet, daß Frankreich für die Ausfälle, die es durch Annullierung der Reparationen erleide, kommerzielle Vorteile haben könne. Oberforstmeister von Bomhard zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Neustadt a. d. H., 24. Iuni. (END. Funk- spruch.) Nach einer Mitteilung des bayrischen Staatsministeriums ist Oberforstmeister von Dom- Hard von der Metzer Strafkammer zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Strafaufschub wurde nicht gewährt. Domharö befindet sich im Metzer Gefängnis. Wie erinnerlich, war Bomhard wegen verbotener Rück- kehr nach Lothringen und anderer ähnlicher Delikte verhaftet worden. Die Reichsregierung setzt ihre Bemühungen, Herrn von Bomhard trotz seiner Verurteilung frei zu bekommen, fort. Da» Springslutunalück an der mexikanischen Küste. Nach weiteren Meldungen aus Mexiko hat Die Springflut im Badeort Euyutlan weit größeren Schaden angerichtet, als man bisher angenommen hat. Die Flut brach 800 Meter in das Land ein und zerstörte den größten Teil der Stadt. Das Militär, das zur Hilfeleistung eingesetzt wurde, hat bis jetzt 65 Leichen geborgen. Riesenmengen verwesender Fische wurden an Land geworfen. Wettervoraussage. Obwohl die Druckoerteilung nur wenig Aenderung zeigt, lassen die Strömungsoerhältnisse der Luft einen Wechsel erkennen, und zwar fließt statt der seitherigen nordöstlichen Luft jetzt maritime aus Westen kommend zu. Sie wird uns Bewölkung bringen und außerdem zu vereinzelten Niederschlägen führen. Dabei macht die Erwärmung vorerst keine weiteren Fortschritte. AussichtenfürSamstag: Wechselnd wol- kig mit kurzer Aufheiterung, Temperaturen wenig verändert, vereinzelt Riederschläge. Lufttemperaturen am 23. Iuni: mittags 18,1 Grad Celsius, abends 14,5 Grad; am 24. Iuni: morgen^ 12,9 Grad. Maximum 20,2 Grad; Minimum 11,6 Grad. Niederschläge 0,9 Millimeter. Sonnenscheindauer 3 Stunden. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 24. Iuni 1932. Jtn Schatten der Linde. Wenn wir im Schatten alter Bäume Rast halten, dann ist gut ruhen, wenn das Blattwerk, von leisem Winde bewegt, raunt und rauscht. Der Wandel der Zeiten ist es, von dem die alten Bäume dem Nachwuchs ringsum erzählen; und vieles ist dabei, von dem sie einst in ihrer Kindheit hörten. Lassen wir uns von Merlin, der die Sprache der Tiere und Bäume verstand, zu einer alten Linde führen. Unter den weitausladenden dichten Aesten ist von der heißen Mitagssonne nichts mehr zu merken. Wie Traum liegt es in dem Wipfel, der Duft der Lindenblüte umwebt den ganzen Baum, und wie ein leises Schlummerlied tönt das feine Gesumme der Bienen, die fleißig den Honig aus den Blüten holen. Ein glitzernder, flimmernder Schleier liegt über der Landschaft und macht das Auge müde, eine Art leichter Betäubung macht sich geltend — aus Wirklichkeit wird Traum — und alte Zeiten werden wach... Ein Kreis ernster Männer umschließt eine Gruppe anderer: der Richter, ein Angeklagter und der Kläger. Verrat an dem heiligen Gesetz der Sippe ist es, den man dem Beklagten zur Last legt, und das Todesurteil ist ihm gewiß. Hart schlagen die Schwerter an die Schilde, und «in Beifallsgemurmel geht durch die Reihen der Krieger. Unter einer Linde wurden die Gerichtssitzungen abgehalten, und Femlinde heißt danach der Baum. — Schwatzend fitzen die Dorfältesten auf der Bank, die rings um di« Dorflinde geht, die ihren Platz auf dem Anger, der großen Spielwiese, hat. Und jubelnd und jauchzend singt im Tanz die Jugend, schwingt der Bursch sein Mädel. Des Lebens Freuden, des Lebens Sorgen, sie wurden von den Dörflern zur alten Linde getragen. — Längst ist der Mittag vorüber, di« lastende Sonnenglut gewichen, und dankbar schaut das wache Auge zur Baumkrone der alten, lieben Linde. Die blütenübersäte Krone hält sie den Menschenkindern hin: „Nehmt, in meinen Blättern und Blüten liegt Heilkraft. Siehst du das fieberkranke Kind, ein Tee meiner Blüten nimmt das Fieber". An kalten Winterabenden ist ein Glas Lindenblütentee mit Nurn ein gesundes, wirkendes Bluterwärmungsnritiet; doch schätzt ihn als tägliches Getränk so eigentlich nur der deutsche Landbewohner. In Frankreich ist es dagegen allgemein Sitte, daß selbst in den besten Hotels neben dem üblichen schwarzen Tee Lindenblütentee für den Gast zu haben ist. Linden — der Großstädter kennt kaum ihr Blattwerk, weiß sie kaum von einem andern Baum zu unterscheiden... Lebendig lebt die Linde aber im Herzen aller durch unendlich viele Lieder, aus denen sehnsüchtig weich Heimweh klingt nach freiem Anger, nach Jugendlust und nach friedlichem Schatten am Tag. Wer aber in der Kleinstadt und auf dem Lande lebt und noch vertraut ist mit Baum und Strauch, der wird der Linde die Liebe und Achtung geben, die sie verdient. M. Gr. Oer Holunder blüht! Nun steht er in der ganzen Fülle seiner Pracht da, der Holunderstrauch. Es ist ein Bild von eigenartiger Schönheit, wenn er um die Höhe des Jahres seine herrlichen, weißen Asterdolden in die Luft reckt, die duftspendend eine große Zahl kleiner und kleinster Kerbtiere anlocken. Wie schön hebt sich da das zartgefiederte dunkle Laub dazu ab. Zu jeder Zeit des Jahres, besonders aber in den Tagen feiner Hochzeit kann es der starke Holunderstrauch, auch Holder und fälschlich Fliederbusch genannt, mit den ausländischen Ziersträuchern und Blumen aufnehmen. Leider wird aber bei uns allzusehr das Fremdländische bevorzugt, wenngleich gerade viele dieser Schmuckpflanzen eines besonderen Schutzes gegen die Winterkälte benötigen. Als Deckpflanzung geaen die Sicht von der Straße her ift er ganz besonders geeignet, und ich war hocherfreut, feine vorzügliche Dienstleistung bei Bekannten bewundern zu können. Trotzdem wird der Holunderstrauch vielfach verkannt und als Untraut vernichtet. Und doch verdeckt er verfallene Mauern und vernachlässigte Gebäudeteile, schafft reizende Bilder an Wald- und Bachrändern, belebt Feldraine und Schutthaufen und gibt größeren Hecken eine ganz besondere Note. Gerade deshalb sollte er an solchen Stellen noch mehr Verbreitung finden. Kein Platz gebührt ihm in Haus- und Gemüsegärten, da er infolge feiner unverwüstlichen Wachstumsfreudigkeit alle benachbarten Sträucher unterdrückt. Wenngleich der Allerweltsstrauch so wenig gewürdigt wird, so kann er doch der Menschheit von Nutzen fein, da er Wildstrauch und Heilpflanze zugleich ist. Kenner sammeln seine duftigen Blüten und bereiten daraus einen Tee (ein Teelöffel auf zwei Tassen), der blutreinigend, beruhigend, schweißtreibend und gelinde abführend wirkt. Holunderblütentee ist auch ein vorzügliches Mittel gegen Erkältungskrankheiten und wird mit Erfolg bei Husten, Heiserkeit und Luftröhrenkatarrh angewandt. Daß die Blüten nur bei trockenem Wetter gesammelt werden dürfen, bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung. Beim Trocknen vermeide man die Einwirkung von direkten Sonnenstrahlen, weil dadurch ein Teil der flüchtigen, heilkräftigen Bestandteile verlorengeht. Ein Umschlag von frischgepflückten Blättern lindert starke Kopfschmerzen. Unsere Altvorderen rieben alljährlich ihre Obstholzmöbel mit dem Blättersaft des Holders ein zum Schutze gegen Holzwürmer. Metallgeschirre setzen bei gleicher Behandlung weder Rost noch Grünspan an. Auch in der Poesie wird des Holunderstrauchs gedacht. Wenn jetzt in den warmen Sommerabenden die Dorfjugend hinaus zum Anger oder Hag zieht, so klingt oft in die stille Nacht das zum Volkslied gewordene: Am Holderstrauch, am Holderstrauch, der blüht so schön im Mai, da fang ein kleines Vögelein ein Lied von Lieb und Treu. Beim Holderstrauch, beim Holderstrauch, wir saßen Hand in Hand, wir waren in der Maienzeit die Glücklichsten im Land. Beim Holderstrauch, beim Holderstrauch, da muß geschieden sein, komm bald zurück, komm- bald zurück, Herzallerliebster mein. Beim Holderstrauch, beim Holderstrauch, da weint ein Mägdlein sehr, der Vogel schweigt, der Holderstrauch, der blüht schon lang nicht mehr. Aosm in der Apotheke und Küche. Die Rose, die Königin der Blumen, ist so recht eigentlich her Schuck des Juni, und wieder erfreuen wir uns dankbar dieses Wunders der Natur. Aber im Lauf der Jahrtausende der Rosenverehrung hat man sich nicht nur mit der ästhetischen Freude begnügt, sondern sie auch praktisch verwertet, und zwar mußte sie sowohl zu Heilzwecken als auch in der Küche sich mißbrauchen lassen. Die alten Romer, die einen Massenkult mit Rosen trieben, benutzten nicht nur eine Art Rosenöl, sondern kochten auch den ausgepreßten Saft der Blumenblätter zu „Stofen- Honigs ein, und die Damen verwandten die getrockneten und pulverisierten Blätter als kosmetisches Mittel beim Waschen und Pudern. Seneca sagt von den Feinschmeckern seiner Zeit: „Der Glanz ihrer Küchenkünste hing von der Zufuhr an Rosen ab." Rosen wurden bei den meisten Gerichten als Gewürz verwendet, man aß Rosenpudding und trank Rosenwein; ja, Heliogabal, ein wahrer Tollhäusler des Rosengenusses, ließ ganze Fischteiche mit dem von ihm durch einen Zusatz von Pinienzapfen verbesserten Rosenwein füllen und diesen, nachdem er darin gebadet hatte, an das Volk verschenken. Die Rosen wurden zu mystischen Zaubermitteln, mit denen man alle möglichen Gebrechen heilte, bald durch Eingeben ober durch Auflegen. Das echte Rosenöl ist erst in Persien entdeckt worden. Man stellte dort nämlich die mit Wasser durchtränkten Rosen in flachen Gefäßen recht kühl auf und dann sonderte sich auf der Oberfläche des Wassers das Del in kleinen Tröpfchen ab, die man bann herunter- schöpfte. Dieses Rosenöl erscheint neben dem Rosenwasser in Persien seit bem 17. Jahrhunbert. Dem Rosenwasser schrieb man eine besonders reinigende, ja heiligende Kraft zu. Als der Kalif Omar Jerusa- lern eroberte, ließ er den ganzen Felsen, auf dem der Tempel Salomos gestanden hatte, erst mit Rosenwasser abwaschen, bevor er dort Allah eine Moschee errichtete. Das Christentum, das in der Rose das Symbol der Gottesmutter erblickte, schrieb ihr ebenfalls ganz besondere Kräfte zu, neben heil- samen auch verderbliche. So erzählte man, daß unreine Geschöpfe von dem Geruch der Rose getötet würden. Auch in der Astrologie spielte sie eine große Rolle, da ihr dieselben Kräfte wie dem Planeten Mars zugeschrieben wurden. In der astrologischen Temperamentenlehre galt die Rose als kalt. Die Medizin, die auf diesen phantastischen An- schauungen beruhte, schrieb ihr eine ähnliche küh. lenbe und lindernde Eigenschaft zu, wie es schon die antike Heilwissenschaft getan hatte. „Blumen, die eine brennende Farbe haben, wie die Rose, sind Heilmittel gegen Entzündungen", schreibt Parazel- sus. „Solche, welche die Farbe des vom Wein erhitzten Gesichtes haben, wie die Rose, heben die Trunkenheit auf." Im 17. Jahrhundert werden nicht weniger als 33 zum großen Teil lebensgefährliche Krankheiten aufgezählt, gegen die die Heckenrose helfen sollte. Sie wurden damals in den Apotheken soviel verwendet, daß Rosenberg in seiner „Rhodo- logia" sagen konnte: „Fast jedes dritte Heilmittel bcheht aus Rosen ober ist boch mit Rosen vermischt." ,'Man heilt soviele Krankheiten mit Rosen, „meint Pomet in seiner berühmten .Histoire bes Drogues', "daß ohne sie bie Medizin nicht so weit wäre wie sie ist." Einige der kostbarsten Heilmittel der Zeit wurden aus Rosen bereitet, so bas „arcanum re- giunT, das Königin Elisabeth dem Kaiser Rudolf II schenkte oder das „trinkbare Gold des Rodericus a Fonseca“. Wie in der Medizin herrschte die Rose in der Küche. Die Rosenpuddinge und Rosenkonfi- türen bes Altertums ließen die Küche der Renaissance nicht schlafen, und hauptsächlich wurde bie Blume als Gewürz benutzt, so zu vielen Backwerken. Die Kochbücher bes 18. Jahrhunderts führen noch eine Unmenge von Rezepten mit Rosenblättern und Rosenwasser an." Oaö Ende der „Siadtnarren" in Sowjet-Rußland. Die Sowjetregierung hat in ihrem Bestreben das russische Leben vollends neu zu gestalten und' jede Tradition, die im Volksaberglauben wurzelt, auszurotten, mit einer für die westeuropäischen Begriffe recht eigenartig anmutenber Sitte grünblich aufgeräumt. An ber „Front der Bekämpfung von Vorurteilen" ist eine „energische Offensive gegen patriarchalische Sitten der Urväterzeit in der Provinz" angekündigt. Insbesondere ist der Kampf der betr. Behörden gegen eine Sitte oder, richtiger gesagt, Unsitte gerichtet, die nur durch die in sich widerspruchsvolle Psyche des Russen, wie sie in den Werken eines Tolstoi und Dostojewsky der ganzen Welt nahegerückt ist, erklärlich ist, nämlich gegen die sog. „Stadtnarren". Bis heute ist der „Stadt- narr" eine Art geheiligten Symbols fast jeder mittel- großen russischen Prooinzstabt. Es sind dies harmlose Irrsinnige, bie statt im Jrrenhause gepflegt zu werden, ihre Freiheit genießen, weil ein alter Aberglaube aus der Zeit bes Zaren Iwan des Schrecklichen, der sich mit Vorliebe mit Starren und Irren, in denen er prophetische Gaben zu finden glaubte, umgab, lautet, baß der Irre der Stadt Glück bringt und sie vor jedem Unheil schützt. Auch der letzte Zar, der einen vollendeten Typ des traditionellen Russen darstellte, teilte diesen Aberglauben — der unerhörte Aufstieg des schlauen Bauern Rasputin erklärt sich gleichfalls aus bem Glauben an „SBunbertäter" unb „heilige Starren" — uhb ließ sich, ber sonst strengsten Bewachung zum Trotz, bei bem Besuch von Provinzstäbten von ben „irrsinnigen Stabt- Patronen" begrüßen. Diese Irren belustigen auch heute noch die Stadteinwohner durch groteske Auftritte und Streiche, von denen die Chronik einzelner Städte manche amüsante Episode zu berichten weiß. Als Arthur N i k i s ch , ber in Rußland mit einer Begeisterung ohnegleichen empfangen worden ist, einmal in ber Stabt Charkow, bem Industriezentrum der Ukraine, gastierte, wurde er auf dem Bahn- Hof von einem Mann in einer seltsamen Aufmachung begrüßt. Der Fremde trug ein Lohengrin-Kostüm und — eine Bojaren-Mütze dazu. Der berühmte Meister verstand natürlich nichts von dem — auch in russischer Sprache reichlich seltsamen — Wortschwall des Mannes, über den er sich bei seinem Impresario erkundigte. „Das war Wassjka unser otabtnarr", ertlärte ber Impresario, „er ist bem Opernwahnsinn verfallen. Er ging sooft in bie Oper unb begeisterte sich so stark an ber Welt bes Scheins, baß er irrsinnig würbe. Er hat sich mehrere alte Kostüme aus ber Operngarberobe erbettelt unb mischt fie bann nach Belieben! Er ist auch zugleich ber Schutzpatron unserer Stabt!" In Kiew galt bis zuletzt als Stabtnarr ein Literat, ber nad)Dielen Mißerfolgen mit feinen Romanen ben Berftanb verloren hatte. Er pflegte täglich in ber ’Rebaftion ber fuhrenben Zeitung zu erscheinen, Stoße mit unleserlichen Buchstaben bebedten Pa- Piers 3u übergeben unb verabfchiebete sich mit ben stereotypen Worten: „Mein Honorar hole ich mir morgen ab!" In lichten Augenblicken lieferte aber ber Irrsinnige außerorbentlich geistreiche Leitartikel bie bann auch gebracht würben. In Poltawa war lahrelang — er ist erst vor kurzem gestorben — ein Irrer Stabtpatron bem man einen gewissen Witz nicht absprechcn kann Er inlenerte in zahlreichen Blättern bes Bezirks- »wegen Einsenbung von Rückporto verrate ich ein probates System, ohne Feber unb Tinte zu schrei- den Den Neugierigen, bie ben Witz noch nicht kannten unb an Petja Kosoy — so nannte man ben 3 rr finnig en — schrieben, gab er schriftlich folgenben Slot: „Schreibe mit bem Bleistift!" Für ben Erlös der Briefmarken, die Petja in größeren Werten als für das Rückporto eigentlich nötig war, wohl- weislich verlangte, kaufte er sich ... Spazierstöcke, um dann mit einem Wald von Spazierstöcken und Zwei Stunden Backkunst. Daß Vorträge kuchenwirtschastlicher Art trotz ber bisherigen Belehrungsveranstaltungen auf diesem Gebiete immer noch das starke Interesse unserer Hausfrauen finden, ließ der Vortragsabend über Torten- und Kuchenbäckerei, der auf Veranlassung der Hlektro-Gerneinschast Gießen gestern im Saale des Cafä Leib stattfand, erkennen. Der Saal war von Hausfrauen aus allen Schichten der Bürgerschaft vollbesetzt, die mit großer Aufmerksamkeit den Darlegungen der Vortragenden und den Hantierungen bei der Zubereitung von Torten und Kuchen folgten. Zu Beginn des Abends betonte Herr Ingenieur M a x e i n, in einer kurzen Ansprache, daß die Ansicht, das Kochen und Backen mit Elektrizität sei zu teuer, längst überholt sei. Seit der Einführung verbilligter Stromtarife sei die Wirtschaftlichkeit des elektrischen Kochens und Backens durchaus gewährleistet, besonders auch in finanzieller Hinsicht durch die überaus bescheidenen Geldaufwendungen für den Strom. Bei dem Kochen mit Elektrizität erfahre das Kochgut aber auch eine Erhöhung feines Wertes, ferner sei die Mühewaltung der Hausfrauen bei der Verwendung von Elektrizität in der Küche wesentlich geringer, als bei den anderen Kochverfahren. Das Kochen mit Elektrizität habe jedenfalls bisher^ie besten Erfahrungen für die Hausfrauen gezeitigt. Hierauf machte Frl. K r e i n e r - Frankfurt a. M. von der Firma Dr. Oetker in fesselndem Vortrage mit allen Einzelheiten der Sorten* und Kuchenbäckerei unter Verwendung von Dr. Oetkers Backpulver bekannt. Angefangen von den ersten Erfordernissen dieser Bäckerei bei der Zusammenstellung des Backmaterials, über dessen Mischung und Behandlung als Teig bis zur Zu- fammenfügung der einzelnen Teile zur Torte bzw. zum Kuchen gab die Vortragende ihren aufmerksamen Hörerinnen wertvolle Fingerzeige für die Praxis. AlL besonders beachtenswert war dabei die Ermahnung der Rednerin anzusehen, bei der Torten- und Kuchenbäckerei unter Verwendung von Dr. Oetkers Backpulver sich hinsichtlich der Bemessung der einzelnen Zutaten genauestens an die Vorschriften der Oetker-Rezepte zu halten, da diese sorgfältig geprüft und in ihrer praktischen Brauchbarkeit erprobt seien, eine Abweichung von den empfohlenen Mischungen aber die Herstellung eines guten Gebäcks vereitele. Die Red- nerin zeigte bann bei ber Durchführung praktischer Backproben, wie man in netter Zusammenstellung unb in geschmackvoller Weise Torten unb Kuchen im elektrisch geheizten Badaßparat anfertigt, fie erläuterte habet bie Hanbbabung unb bie Vorteile bes elektrischen Koch- unb Backapparats ber verschiebe- nen Systeme unb betonte bcsonbers bie Wirtschaftlichkeit biefer Apparate, bie z. B. beim Torten- unb Kuckenbacken barin bestehe, baß man zum Backen einer Torte gut eine Stunbe Backzeit benötige, aber nur Dreioiertelstunbe ben Apparat mit Strom heizen müsse, während in ber restl. Backzeit ber Strom abgeschaltet fein könne unb baburch bie außerorbent» ließe Billigkeit bes Badens mit Elektrizität erzielt werbe. Neben ben interessanten praktischen Vorführungen wurden im Verlaufe des Abends noch einige Filme gezeigt, deren erster in aufschlußreicher Weise ben Weg bes Kaffees von ber Probuktion in Süb» amerifa bis zum Verbraucher in Europa schilberte unb bie verschiebenen Behanblungen unb Zwischenstationen des Probukts im Bilbe veranschaulichte. Der Film stammte von ber Firma Kaffee Hag, bie im Rahmen biefer Bilbberichterstattung auch einen Einblick in ihre Betriebe ermöglichte. Zwei weitere Filme von ber Firma Dr. Oetker beban- belten bie Torten- unb Kuchenbäckerei unter Verwendung von Oetkers Backpulver. Den Abschluß des interessanten und lehrreichen Abends bildete eine Verlosung, bei der Packungen von Kaffee Hag, ferner Torten, Puddings usw. von einer Anzahl Besucher durch die Gunst des Loses gewonnen wurden. Die Firma Grünewald von hier hatte ein Quantum Kaffee Hag zur Verfügung gestellt, an dem sich die Besucher am Schlüsse des Abends noch stärken konnten. Sämtliche Darbietungen wurden verdientermaßen mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Heute abend findet im Caf6 Leib eine einem Blumenkranz auf dem Kopf, in den Straßen der Stabt, wo ihn Passanten ehrerbietig grüßten, spazieren zu gehen. — In Orel pflegte Der Stabtnarr bei feierlichen Gelegenheiten — Denkmalseinweihungen, Paraben usw. — in phantastischer Uniform hinter bem Gouverneur herzustolzieren unb durch feine unerwarteten Extempore bie Anwesenben zu belustigen. Man fragt sich, wovon lebten biese Leute, bie frei herumliefen, statt unter Aufsicht gestellt zu werben? Reiche Gaben von Kaufleuten unb Honoratioren ber Stabt flössen ben Irren zu, bie sich über Mangel an Nahrung unb Verpflegung wahrhaftig nicht beklagen bürsten; benn Wohltätigkeit im größten Maßstabe gehörte seit jeher zu ben Tugenben bes rätselhaften russischen Charakters. Die Sowjetregierung hat nun befohlen, alle Stabtirren, insofern es solche noch gibt, unverzüglich in Irrenhäusern einzusperren. Oas umgestoßene Tintenfaß. Ein umgestoßenes Tintenfaß führte zum Zusammenbruch der Ingenieurfirma Cobbett & Co. in London. Diese erhielt den Zuschlag zum Dau der Brücke über die Kaura in Rußland, wobei von der russischen Regierung sowohl für den Beginn wie für das Ende der Arbeiten bestimmte Termine vorgeschrieben waren. Cobbett & Co. brauchten allein sechs Monate, um die erforderlichen Vorbereitungen zu treffen. Gewaltige Mengen Material mußten beschaft und an Ort und Stelle gebracht, Maschinen gebaut und Arbeiter gedungen werden usw. Als endlich alles soweit fertig war, gingen die beiden Inhaber noch einmal alles gemeinsam durch. Man hatte die wichtigsten Zeichnungen und Pläne auf einem großen Tisch ausgebreitet; plötzlich stieß Iacob Cobbett eine große Tintenflasche um, der schwarze Strom ergoß sich über den Tisch und gerade über die wichtigsten Zeichnungen, die völlig unbrauchbar wurden. Zu einer Neuanfertigung blieb keine Zeit mehr, auch war es unmöglich, den Dau ohne die Zeichnungen zu beginnen. Ein von der russischen Regierung erbotener Aufschub wurde nicht gewährt; diese zog vielmehr den ^Bauauftrag zurück und vergab die Arbeiten an eine amerikanische Firma, die von dem Mißgeschick der Engländer gehört hatte, ihre schon vorbereiteten Pläne unverzüglich vorlegte und sich obendrein verpflichtete, den Dau zu derselben Zeit zu beenden. Di- Firma Cobbett & Co. konnte ihren für den Da« eingegangenen Verpflichtungen nicht nachkommen und mußte ihre Zahlungen einstellen HandelskaimnersordekUMU an die Reichsbahn. Oie hessischen Industrie' und Handelskammern zu Verkehrssragen. In ihrer letzten Vertreterbesprechung beschäftigten sich die hessischen Industrie- und Han- del,kümmern u. a. auch mit den Monopol» bestrebunaen der deutschen Reichsbahn. Im Einblick auf die schwerwiegenden Bedenken, die der Durchführung eines Monopols für das gesamte Wirtschaftsleben entgegenstehen, sprach sich die Dersamlung einmütig gegen die TNonopolbcsirebungen der Reichsbahn au,. — Zur Frage der G e st a l t u n g der Per - s o n e n t a r i s e der Reichsbahn fahle die Versammlung folgende Entschließung: „Bereits im Dezember 1931 hat der Hessische Industrie- und Handeiskammertag in Gemcinfcyaft mit dem Hessischen Berkehrsoerband in einer Denkschrift eine angemesiene Herabsetzung der Personentarifsätze entsprechend der Senfunfl de, Preisspiegels und daneben weitere Maßnahmen zum Zwecke einer Belebung des Personen- Verkehrs angeregt. Von diesen Vorschlägen ist bis jetzt lediglich dem Vorschlag auf eine Senkung der überhöhten Schnell- und Eilzugvzuschläge entspro- chen^worden. Dagegen hat die Reichsbahn leider die Senkung der Personentariflätze abgelehnt und lediglich eine Ausdehnung der Gültigkeitsdauer der Sonntagsrückfahrkarten für die Festzeiten, sowie für die Zeit vom 1. Juni bis 15. Oktober 1932 die Sommerurlaubskarte eingeführt. Leider sind die Bedingungen, zu denen die Sommerurlaubskarten ausgegeben werden, derart einschränkend, daß die dringend wünschenswerte Belebung des Somerreiseoerkehr» nicht annähernd In dem Maße eintretrn kann, wie die» bei einer zweckmäßigeren Regelung möglich gewesen wäre. Dach Ansicht der heflischen Industrie- und Handelskammern entsprechen diese aus Zeit gewährten Teilermüßigungen nicht den unabweisbaren Bedürfnissen unserer Wirtschaft. Die Kammern nertteten deshalb den Standpunkt, daß die volkswirtschaftlich überaus wichtige Frage einer ^itgemäßen Gestaltung der Personentarife in einer Weise gelob werden muß, die der Gesamtheit der Verkchrsinter- essenten Rechnung trügt und damit einen gerechten Ausgleich widerstreitender Interessen verschiedener Ä reife der DerkehrSinteressenten bringt. Ctne solche Lösung setzt die Herabsetzung der allgemeinen Personentarissähe alS erste und wichtigste Maßnahme voraus. SS wird dabei der Erwartung Ausdruck gegeben, daß von der Reichsbahn den beteiligten Stellen im Lande, die über vielfältige Erfahrungen auS der genauen Kenntnis der jeweiligen verschieden gearteten örtlichen Verhältnisse heraus verfügen, mehr alS bisher Gelegenheit gegeben werden möge, bei geplanten wichtigen Aenderungen rechtzeitig eine gutachtliche Aeußerung abzugeben." Wiederholung der DortragSveranstaltung flat* die unseren Hausfrauen, soweit sie gestern am Besuche verhindert waren, zur Beteiligung angelegentlich empfohlen sei. Trockener Hochsommer 1932 Wie Professor Dr. Franz D a u r von der Staatlichen Forschung-steile für langfristige WitterungS- vorhersage Frankfurt a. M. in einem Aussatz in der .Umschau" mitteilt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit in diesem Jahr im größten Teil Deutschlands ein trockener Hochsommer zu erwarten. Die voraussichtliche Trockenheit des Hochsommer- steht danach mit der Steigerung der Solarkonstante (b. h. der Bestrahlung der Erde durch die Sonne) und diese wiederum mit der Stellung des diesjährigen Sommer- innerhalb de- Sonnens lecken,hkluS in Zusammenhang Einen Anhalt bezüglich der Ausdehnung des Gebiets, in welchem der Hochsommer 1932 wahrscheinlich trocken sein wird, können wir dadurch gewinnen, daß wir die Luftdruck- und Riederfchlagsverteilung der in Deutschland trockenen Hochsommer 1876, 1887, 1899, 1911 und 1921 betrachten, die eine ganz ähnliche Stellung innerhalb de- Sonnenflecken,ykluS hatten, wie der diesjährige Sommer. Da- für die Trockenheit in Frage kommende Gebiet umfaßt Deutschland westlich der Weichsel, die Tschechoslowakei, Oesterreich, den größten Teil der ungarischen Tiefebene. Belgien. Holland, England, Dänemark und den südlich des 60. Breitenkreises gelegenen Teil von Skandinavien. Damit ist natürlich nicht gesagt, daß die Trockenheit nicht auch noch darüber hinausgreisen könnte. ES läßt sich nur eben bei dem Stand unsere- heutigen Wissen- im voraus auch keine Bermutung darüber aussprechen, ob das im kommenden Hochsommer über Mitteleuropa zu ertoar- tende Hochdruckgebiet sich mehr nach Westen, oder mehr nach Osten erstrecken, und wie groß seine Ausdehnung nach Süden sein wird. Aber das kann als wahrscheinlich bezeichnet werden, daß auch im kommenden Hochsommer wiederum, wie in den Jahren 1876, 1887, 1899. 1911 und 1921, im nord- westlichen Norwegen ein Gebiet sein wird, das cine übernormale Niederschlagsmenge aufweisen wird. Denn gerade dann, wenn die erwartete 'Verlagerung des subtropischen Hochdruckgürtels nach Mitteleuropa eintritt, werden infolge deS dadurch bedingten verstärkten polwärtS gerichteten Druckgefälles über dem nördlichsten Europa an der norwegischen Nordwestküste vorwiegend westliche (ozeanische) Lustströmungen herrschen, deren Ausgleiten am norwegischen Gebirge an dessen Luvseite ergiebige Negenfälte bringen muß. Evangelische Oiaspora-Arbeit in Hessen Die theologische Fachschaft der Lan- desuniversität hatte für Dienstag zu einem Vortragsabend eingeladen. Nach Begrühungsworten des Vorsitzenden der Fachschaft, stuck, theol. Jakob, hielt Pfarrer Becker einen interessanten Vortrag über „Dtasporaarbeit in Hessen und der Gustao-Adolf-Verei n". Der Redner unterscheidet ihrer Entstehung nach vier Arten von Diaspora: 1. die Ueberrestdiaspora (z. B. in Tirol), 2. die Uebertrittsdiaspora (wie in Steiermark). 3. die Siedelungsdiospora (wie in Siebenbürgen und dem Baltenland) und 4. die Wände- rungsdiaspora (z. B. in der Dobrudscha und in Süd- amerifa). Die Wanderungsdiaspora tritt als Außen- und Innenwanderungsdtaspora auf. zu der man auch die hessische Diaspora zu zahlen habe. Die bis An- fang vorigen Jahrhunderts rein evangelische Land- grafschaft Hessen erhielt in den beiden ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts einen bedeutenden Gebietszuwachs, der der konfessionellen Einheit ein Ende machte. 141 Gemeinden mit katholischer Bevölkerung waren dem neuen Großherzogtum zugefallen. In all diesen Orten waren bis dahin nur wenige Evangelische gewesen, noch im Jahre 1825 wohnten außer in Mainz in 121 der neuen hessischen Orte nur 2381 Evangelische unter 100 279 Kalho- liken, und weitere 20 Orte hatten überhaupt noch keinen evangelischen Einwohner. Dies wurde in den folgenden Jahrzehnten anders. Die immer stärkere Anteilnahme Deutschlands am Welthandel brachte eine Verschiebung der Bevölkerung nach den Verkehrszentren und damit eine Durcheinandermischung der Konfessionen. Evangelische durchsetzten katholische Gebiete, und Katholiken fluteten in evangelische Gegenden. Die Zahl der Evangelischen in den angeführten Orten war nach und nach bis auf 46 000 im Jahre 1925 gestiegen In diesem Jahre hotten der Volkszählung nach 845 Orte eine evangelische Mehrheit bei insgesamt 817 000 Evangelischen und 139 000 Katholiken. 142 Orte hatten eine katholische Mehrheit bei im ganzen 276 000 Katholiken und 68 250 Evangelischen. Nur noch ein Ort in Hessen war 1925 ohne einen evangelischen Einwohner, dagegen 113 Orte ohne Katholiken, davon in Oberhessen allein 98. Den höchsten Prozentsatz an evangelischen Bewohnern hat der Kreis Schotten mit 98 v. H. (Büdingen mit 94, Lauterbach mit 93, Gießen 90 v H ), den niedrigsten in Oberhessen der Kreis Friedberg mit 74 o. H., der 7 Orte mit katholischer Mehrheit auhuweifen hat. Den niedrigsten Prozentsatz in Hessen findet man im Kreis Mainz-Land mit nur 19 v. H. In den neu gewachsenen evangelischen Gemeinden zeigte sich bald Not. Zumeist waren es zu- gezogene Arbeiter, Beamte und Gewerbetreibende, Die in die katholischen Gemeinden eingezogen waren und dort Anstoß zu einem Zusammenschluß der Evangelischen gaben. Die inneren Schwierigkeiten einer solchen Diasporagemeinde sind groß, und die Arbeit, diese Schwierigkeiten zu beheben, nicht leicht. Die Steuerkraft dieser Gemeinden bleibt weit unter dem Durchschnitt der alten Gemeinden zurück, allerdings ist die Opferbereitschaft größer als dort, so daß der Seelsorger mit Freude an seine Arbeit gehen kann. Reges Leben zeigt sich in den kirchlichen Vereinen Die praktische Arbeit muß sich namentlich auch auf Kinder, und Krankenpflege erstrecken. Spe- iielle Seelsorge, das Sichbemühen um den einzelnen, nd in der Diaspora unbedingte Voraussetzung für as Gelingen der Arbeit. Der Hessische Hauptoerein der Gustav-Adolf-Stiftung ist treu der Losung. „Lasset uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen" seit 'einer Gründung im Jahre 1842 nicht müde geworden, den In der Diaspora lebenden Glaubensgenossen beizustehen. Seine erste Arbeiten In Hessen waren die Schaffung eines Bethauses in Bingen im Jahre 1843 und die Erbauung einer Kirche in Seligenstadt im Jahre 1847. Ungezählte weitere Liebeswerke erstanden in der Folgezeit, und heute kann der deutsche Hauptverein sich freuen, rund 3000 Kirchen-, 1000 Schulhaus- und 1000 Pfarrhausbauten ermöglicht zu haben. Zur Ergänzung des Vortrages zeigte der Redner gute Lichtbilder aus dem Wirken des Hefsifchen und Deutschen Gustav-Adolf-Vereins, aus denen zu ersehen war, daß die Arbeit reiche Früchte getragen hat. Der Vorsitzende der theologischen Fachschaft sprach unter dem Beifall der Zuhörer dem Redner den Dank der Versammlung aus. Hreilichispiele „(Söh von Eertidyrngen* in Wetzlar. Die (3 o e t he feiern in der ehemals Freien Reichs- und Goethestadt Wetzlar werden durch die Veranstaltung der F r e i l f ch t s p i e l e „Götz von Berlichingen" am 2. und 3. Juli auf dem malerischen Kornmarkte fortgesetzt. Kein Platz in Wetzlar ist — so schreibt man uns — für diese Ausführungen besser geeignet, als der Kornmarkt, diese historische Stelle, an der einst Goethe gewohnt und sicher nicht geahnt hat, daß eines seiner Jugendwerke an der Stelle seiner Entstehung zur Aufführung gelangt. Den Ritter Götz von Berlichingen spielt Karl Hans Schaesfler vom Nationaltheater in Mannheim, ein Künstler von Format. Hugo F i r m b a ch vom Frankfurter Künstlertheater spielt den Adelbert von Weislingen. Hans von Selbitz und und der Bauernführer Metzler werden durch Karl Burg vom Stadttheater in Koblenz bärge- stellt. R. Lauer vom Frankfurter Künstlertheater spielt den Bruder Martin und Mar Stumpf. In den Hauptrollen der Frauen sind Liefe! Schott vom Schauspielhaus Frankfurt und Liefet Becker vom Frankfurter Künstlertheater beschäftigt. Die übrigen Rollen sind durch einheimische Kräfte aus den Turn-, Sport. un6 Gesangvereinen besetzt. Insgesamt wirken bei der Aufführung mehr als bum den Personen zu Fuß und zu Pferde mit Nähere» im heutigen Anzeigenteil. Bornotizen. — Togeskalender für Freitag: Ober» Hess. Kunstverein. Turmhaus am Brandplatz, 15 bl» 17 Uhr, Ausstellung. — Elektrogemeinschaft Gießen, 20 Uhr, Cais Leib, Dr. Oetker-BackoortrokU — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: .Hasenklein kann nichts Dafür!*; 22.45 Uhr. ..Eros in Ketten*. •• Anlage nverbesserung am Lüth e r b e r g Nachdem man im vergangenen Jahr» »wischen Dem Alten Friedhof und dem Lulherbera die bi-berigen Schrebergärten durch Ecnsäen und Llmpslan^ungen gärtnerisch angelegt hat. ist man jetzt bannt beschäftigt, durch Anlage von Wegen, Weiteren Bepflanzungen und durch Ausstellung einer Anzahl Ruhebänke weitere Verbesserungen und Verschönerungen durchzusühren. Vom Alten Friedhof her werden zwei Hauptwege angelegt, so daß nach SertigfteUung dieser Arbeiten das neue Stück Anlage, das mit Gebüsch und Bäumen umsäumt ist. einen parkähnlichen Eindruck machen wird. 3n Verbindung mit den bereit- an der Licher Strafte entlang führenden Anlagen, dem Alten 'Friedhof und dem Lutherberg wird der neu geschaffene Teil als eine wesentliche Vergrößerung und Verschönerung unserer städtischen Anlagen und damit des gesamten Stadtbildes anAusppechen sein. *• Da - Fabrikgrundstück von Hey- ligenstaedt verkauft. Gestern sand am Amtsgericht der amtlich festgesetzte Zwang-ver- steigerung-termin über da« Besitztum der Firma Heyligenstaedt & So. statt. 3n dem gut besuchten Termin erwarb der erste Hypotheken- gläubiger, Fabrikant Rinn (Heuchelheim), zur Sicherung seines Hypothekenanspruchs das gesamte AnWesen, und zwar das Wohnhaus Am Riegelpfad 106 und die Fabrikanlagen. 3n welcher Weise der zur Zeit nur noch verkürzt arbeitende Betrieb weitcrgeführt wirb, steht bis jetzt noch nicht fest. •• Aus der Strafen ft alt entwichen. Der oft vorbestrafte 31jährige Schiffer Johann Emil Heß aus Worms, der in der Zellenstrafanstaft In Butzbach eine längere Strafe verbüßt, ist dort am vergangenen Sonntag entwichen. Heß wurden vom Anstallsarzt Sonnen- und Luftbäder verordnet, wobei er eine günstige Gelegenheit benutzte, um zu verschwinden. Er konnte bis jetzt noch nicht wieder fest- genommen werden. Heß ist der Hauptangeklaale in einem Totschlaflsprozeß, der vom 4. bis 9. Juli ror dem Mainzer Schwurgericht verhandelt werden soll. Falls bis dahin Heß nicht wieder festgenommen ist, muß der Prozeß vertagt werden. •• Der Bezirkslehrerverein Gießen- G an b stattete am Mitttoochnachmittag der Zigarrenfabrik Rinn St Eloos in Heuchelheim einen Besuch ab. Unter sachkundiger Führung wurden die gesamten Fabrikanlagen besichtigt, von der Tabaklagerung, der Verarbeitung der verschiedenen Tabakartcn, der fabrikmäßigen Herstellung der Kistchen bis zur Versandfertigkeit der Fertigwaren Die Erläuterungen de« Führers ließen die Besucher einen fesselnden Einblick in die große Bedeutung gewinnen, die die Tabak- Derarbeitung in unserem Vaterland und in unserer engeren Heimat einnimmt. Sonnenqebräunte Haul NIVEA * ÖL : <^NIVEA-CREME .. oder ober Statt Karten! HBÄti Haarwuchsmittel Dobel von Hofapoth. Schaefer ohne teere Verpackung.Echt. Brenneaaelhaar- ,... . vaaaor' .Ltr. G.75. Echt. Blrkenhaar- “ Karl Römer herrlicher Tennenhodiwilder mit prächtiger Fernlicht. Höhensonne. 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August 1932, vormittags 914 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht auf dem Amtszimmer des Ortsgerichts Rüddingshausen versteigert werden. Bezeichnung der Grundstücke: Grundbuch für Rüddingshausen, Band IV, Blatt 152. Ord.-Nr. 1, Flur I, Nr. 388, Kulturart: Hofreite, Gewann: im Dorf, 440 Quadratmeter, Betrag der Schätzung 14 000 RM. Ord.-Nr. 2, Flur III, Nr. 69, Kulturart: Acker und Wiese, Gewann: am Kirchweg, 3216 und 1391 Quadratmeter, Betrag der Schätzung 1000 RM. Ord.-Nr. 3, Flur XVII, Nr. 4, Kulturart: Acker, Gewann: am Schadenbacher Weg, 3487 Quadratmeter, Betrag der Schätzung 300 RM. Die Versteigerung erfolgt auf Antrag der Spar- und Vorschußkasse Kesselbach e. G. m. b. h. wegen eines Anspruchs von 100 RM. nebst 10 Prozent Zinsen seit 1. Januar 1932 (Teilbetrag aus Grundschuld von 5000 RM.). Der Versteigerungsoermerk ist am 4 Juni 1932 in das Grundbuch eingetragen worden. 4764D Insoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des Dersteigerungsvermerks aus dem Grundbuche nicht ersichtlich waren, sind sie spätestens im Versteigerungstermin vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten Gericht anzumelden und, wenn der Gläubiger widerspricht, glaubhaft zu machen, widrigenfalls sie bei der Feststellung des geringsten Gebots nicht berücksichtigt und bei der Verteilung des Versteigerungs- erloses dem Ansprüche des Gläubigers und den übrigen Rechten nachgefetzt werden. Es ist zweckmäßig, schon zwei Wochen vor dem Termin eine genaue Berechnung der Ansprüche an Kapital, Zinsen und Kosten der Küdigung und der die Befriedigung aus dem Grundstück bezweckenden Rechtsverfolgung mit Angabe des beanspruchten Ranges schriftlich einzureichen oder zu Protokoll der Geschäftsstelle zu erklären. Diejenigen, welche ein der Versteigerung entgegenstehendes Recht haben werden aufgefordert, vor der Erteilung' des Zuschlags die Aufhebung oder einstweilige Einstellung des Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht der Ver- I steigerungseriös an die Stelle des ver- steigerten Gegenstandes tritt. Homberg (Oberhessen), 20. Juni 1932. I Hessisches Amtsgericht. J. B. Häuser Gießen, am Oswaldsgarten Wirksame Werbe-Drucksachen liefen die Brühl'sche Druckerei Nur noch kurze Zeit Total-Ausverkauf Das große Restlager muß bis auf’s Setzte Paar geräumt werden, daher: Verkauf zu jedem annehmbaren Preis! Diese Gelegenheit sollten Sie sich nicht entgehen lassen, deshalb: 47530 Sofort zu uns! Schuhhaus Herbert Schulstraße /EckeSonnenstraße Heute nachmittag um 6 Uhr entschlief nach langem, schwerem Leiden meine liebe, treue Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Schwester Frau Sophie Schmidt geb. Seipp im Alter von 58 Jahren. 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Juni 1932, Abfahrt pünktlich 6^v 'ehx nach Bevormundung ausgesehen. Elifa- deth war doch schließlich eine angehende Künstlerin, die man nicht behandeln konnte wie ein kleines Schulmädchen. Aber daß Elisabeth nicht von selbst angerufen hatte! Frau Schelmer war solche Rücksichtslosigkeit von ihr gar nicht gewohnt. Das Essen war schon ganz verdorben. Endlich klingelte es, die sehnlichst Erwartete trat ein. Mit fliegendem Atem stürmte sie aut Frau Schelmer zu. , „Tante! Tante! Ich bin ja so überglücklich .Ja, Elisabeth — aber was ist das, mich so lange warten zu lassen?" „Ach, Tante Schelmer. verzeih, aber ich konnte nicht anders. Hnd wenn du erst hören toirft, wirst du alles verstehen. Ich spiele heute abend die Elsa im Reuen Theater, die Elsa in „Lohen- ... * - „Aber Kind, das ist ja nicht möglich!" .3aiaja! Ich war den ganzen Vormittag Dort zur Probe. Frau Hansen tft gestürzt, kann nicht auf treten; ihre Vertreterin liegt erkältet zu Bett. Man hatte sich an Professor Walter gewandt, weil man die Vorstellung nicht abfagen konnte Kammersänger Hofmann singt den Lohengrin; man konnte den berühmten Gast doch nicht wieder heimschicken — die Vorstellung war ausverkauft. Walter empfahl mich, die Probe ist gut gegangen und jetzt werde ich fingen — heute abend... Kannst du so viel Glück begreifen, Tante Schelmer?" .Großer Gott — Kind, ich bin ganz sprachlos!" Richts mehr war da von Groll, die gute Frau Schelmer war ganz aufgelöst. Dann siegte die Vernunft. „Aber Kind, jetzt mußt du erst etwas essen. Du mußt ja ganz zermürbt fein — die lange Probe, die Aufregung." „3<* y i ir nicht hungrig. Tante Schelmer Das Glück ha mich falt g macht." „Sa^o>. r.,yt, das glaube ich dir. Aber vom Glück allein kann man nicht leben, und du weiht, du mußt heute abend auf dem Posten fein." Elisabeth tat Frau Schelmer den Willen, setzte sich an den Tisch und lieh sich die besten Disfen vorsetzen. „Du kommst doch mit, Tante Schelmer, heute abend — nicht wahr?" „Ratürlich komme ich mit. Ich muh doch dabei fein wenn du mit Pauken und Trompeten durchfällst In ihrer Garderobe faß Elisabeth, letzt Eifa von Drabant, in einem weihseidenen, altdeutschen Gewand Ihr wundervolles Blondhaar, das sie sich trotz des Zuredens der Kolleginnen noch nickt hatte verschneiden lassen, hing gelöst bis )u_Den Hüften herab, das goldene Band schmückte die Stirn. SHe Gewandmeisterin und der Tyeaterfrifeur blickten entzückt in das reizende Gesicht, auf die schöne Erscheinung der brabantischen Fürsten- tochter Das erste Klingelzeichen ertönte. Als Elisabeth aus der Garderobe trat, herrschte überall hinter bei Kulissen die geheime Aufregung, die die letzten Minuten vor dem Aufgehen des Vorhangs mit sich brachte. An den Galerien und Lauf- gängen. die rings um die Dühne liefen bis zum Schnürboden, huschten lautlos Dühnenarbeiter hin und her. Der Deleuchtungsinspektor und feine Gehauen waren an den vorgeschriebenen Plätzen und nahmen die letzten Defehle entgegen. Ser Inspizient lief noch aus der Dühne hin und her. zusammen mit dem Oberregisseur, letzte Anordnungen zu geben, den Statisten noch einmal einige Defehle zu erteilen. Rervös stand der berühmte Lohengnn neben feinem Schwan und stellte ein paar unnütze Fragen über die Mechanik des weihen Vogels. Der Darsteller des Telramund räusperte sich 5 Jahre Handball im TV. Groyen-Linden. In diesem Jahre kann die Handballabteilung des Turnvereins Grohen-Linden auf ihr fünfjähriges Bestehen zurückblicken. Die Großen-Lin- bencr Haden davon Abstand genommen, eine gröbere Veranstaltung durchzuführen, lediglich die 1. Mannschaft wird am morgigen Samstagabend ein Iubiläumsspiel gegen die 1. Elf des Ium- und Sportvereins Butzbach auStragen. Die Gäste befinden sich z. Z. in einer sehr guten Form. Die Grohen-Lindener stehen vor keiner leichten Aufgabe, sollten aber in der Lage fein, wenn jeder Spieler das leistet was in feinen Kräften steht, dah ein spannender Kamps zustande kommt und so die Dutzbacher zwingen, dah sie nur unter Hergabe ihres ganzen Könnens zum Siege gelangen. Sportwerbetag in Fettinaechausen. Am kommenden Sonntag veranstaltet der Ar- beiter Turn- und Sportverein Fellingshausen einen Sportwerbetag, mit dem gleichzeitig die Einweihung eines neuen Sportplatzes verbunden fein wird. Verschiedene Vereine der Umgebung haben ihre Teilnahme zuyesagt. Am frühen Nachmittag wird man vom Veremslokal gemeinsam zum Sportplatz mar- schieren. Herr Schneider wird eine Ansprache über die Bedeutung des Sports und dessen Ziele halten. 3m Anschluß daran gelangen einige Fußball- spiele zum Austrag. Es werden sich die Mannschaften Fellingshaufen — Krofdorf, Kinzenbach — Wieleck und Alte Herren — Jugend Fellingshaufen gegenüberstehen. Musik- und Gesangsoorträge der beiden hiesigen Gesangvereine sowie der Kapelle des Touristenoereins „Die Naturfreunde" werden außerdem zur Unterhaltung beitragen. Arbeiter-Tum- und Sportbund Am morgigen Samstagabend hat Giehen l auf dem Trieb Grohen-Dufeck I im Freundschaftsspiel zum Gegner. 3m Vorspiel konnte Giehen knapp mit 4:3 Toren Sieger werden. Auch im bevorstehenden Spiel werden sie sich, zumal auf eigenem Platze, den Sieg nicht nehmen lassen. 3n Grohen-Linden ist am Samstagabend die DezirkS-Schiedsrichtermannschaft Gast der Dortigen 1. Mannschaft. Auch hier werden die Schiedsrichter um eine Riederlage nicht herumkommen. Am Sonntag empfängt Grohen-Dufeck I Wiefeck I zum Rückspiel. 3m Vorspiel unterlag Grohen-Dufeck nur knapp mit 4:3 Toren. Wiefeck wird bei dem bevorstehenden Spiel, zumal man mit Ersah antreten muh, alles hergeben müssen, wenn auf dem unbekannten Gelände keine Riederlage eingesteckt werden soll. Wiefeck Ib und Kin.zenbach I stehen sich in Fellingshausen in einem Werbespiel gegenüber. Wiefeck 3ugenD ist bei der 3ugcnb von Kinzenbach zu Gast und sollte einen Sieg mit nach Hause bringen. — Wiesecks 2. Mannschaft hat auf eigenem Platze Grüningen I zum Rückspiel zu Gast. 3m Vorspiel konnten die Diesecker einen hohen Sieg landen und dürften auch das kommende Spiel für sich entscheiden. Lollar weilt mit drei Mannschaften in Marburg. 3m Spiel der 1. Mannschaften sollte Lollar den Sieger stellen, ob es auch bei den anderen Mannschaften dazu reicht, ist fraglich. Haufen I ist in Annerod zu Gast und wird in der Dortigen 1. Mannschaft einen gleichwertigen Gegner haben. RoDheim I hat Launsbach I zum Gegner unD Dürfte auf eigenem Platze Sieger werden. Lang-GönS I ist in Wetzlar zu Gast. Die Gäste werden sich sehr anstrengen müssen, wenn sie gegen Die dortige 1. Mannschaft bestehen wollen. D>ihmar ist mit seiner 1 und 2 Mannschaft in Waldgirmes zu Gast und wird in beiden Spielen auf gleichstarke Gegner treffen 3n Vetzberg wird Raunheim mit Der 2. und Iuaendmannfchaft erwartet. 3n beiden Spielen dürften Die Gäste Sieger bleiben. Krofdorfs Jugend spielt in Fellingshausen. In Lollar findet am Sonntag da» Jugend- und Kindertresfen De» 3. Bezirkes statt. Dort werden Freiübungen Der Kinder, gemeinschaftliche Spiele und Volkstänze, Schüler- Fuhballspiele usw. zu einem abwechslungsreichen Programm vereinigt fein. Deutschlands Tennishoffnuna Hilde Krahwinkel, die hervorragende deutsche Tennismeisterin, konnte in der ersten Runde der inoffiziellen Tennis-Weltmeisterschaft von Wimbledon die starke Engländerin King-Mndford in überlegener Form besiegen. Oie ungerechte BoxkampsSntscheidung Das Urteil der amerikanischen presse. „Rews Ehronicle" sagt in einem Leitartikel: Die amerikanische Presse ist so gut wie einst tm- m g Der Meinung, das) die Entscheidung zuungunsten SchmelingS ungerecht war Schmeling tst ein ausgezeichneter Vertreter des Sportgeistes des neuen Deutschlands, und auS diesem Grunde wäre es besonders wünschenswert gewesen, dah ihm eine gerechte Behandlung zuteil geworden wäre. Wenn es weiter Entsche'Lungen dieser Art gibt, dann wird der Ruf deS modernen Doriportcs völlig vernichtet werden. Für den Boxkampf mit Sharkey hat Schmeling 166 000 Dollar. Jacobs, sein Manager. 66 000 Dollar erhalten. dauernd und lief mit großen, unruhigen Schritten auf und nieder. Am ausgelassensten erschien noch die Darstellerin der Ortrud, eine reife, schöne Frau. Sie achtete nicht auf die Mätzchen Der anDeren, son- Dern winkte Elisabeth entgegen, nickte ihr freundlich zu unD streichelte ihr Die Wangen: „Angst, Kindchen?" Elisabeth schüttelte nur Den Kopf und schaute mit groben, glänzenden Augen um sich. .Aber Sie haben so kalte Finger. Kindchen. Trinken Sie ein paar Daldriantropfen, das beruhigt. Ich habe immer welche bei mir, Sie können gern etwas davon haben." „O nein, danke! Ich bin wirklich ganz ruhig." Jetzt ging die Ouvertüre zu Ende, Ortrud nahm ihren Platz auf der Dühne ein. Elisabeth trat zwischen ihre Frauen, die weißgekleidet waren wie ihre Herrin Zuerst eine momentane Stille, dann vernahm man den Daß des Heerrufers. Die Aufführung hatte begonnen. Frau Schelmer hatte einen Logenplatz bekommen. den man in Dem ausverkauften Haufe für sie eingeschoben hatte. Das Auftreten Des berühmten Berliner Tenors HanS Hofmann war eine gesellschaftliche und künstlerische Sensation. Alles, was zur Gesellschaft gehörte ober zu Leipzigs künstlerischer Elite, war erschienen, festlich gctleiDet unD auf einen großen Genuß oorbereitet. Ein votgc Druck ter Zettel lag Den Programmen bei -An Stelle Der erkrankten Frau Hansen singt Fräulcin Elisabeth Pfilipp die Rolle der Ella von Brabant.. Ein Kopfschütteln ging Durch Die Reihen Der Zuschauer Wer war diese Elisabeth Pfilipp? Kein Mensch hatte diesen Ramen je gehört. An welchem Theater war sie engagiert? Wie kam sie in diese Festvorstellung? Frau Schelmer sah und horte diese Aufregung. Sie bekam Angst für Elisabeth. Wenn ijur erst alles gut vorüber wäre! Es war gleich eine so große Partie. Beim ersten Austreten schon. Hnd Dann in einer solchen Vorstellung, vor einem solchen Publikum! Ob Elisabeth wohl Durchhalten würde? Der Lärm im Zuschauern:aum war verstummt, das Vorspiel vorüber. Der Vorhang harte sich geöffnet. Eine ungewisse Spannung lag über dem Hause, bis Elsa erschien. Dann ging eine Dewegung durch Die Reihen. Man horte leise flüstern. „Eine hübsche Elsa ist das heute..." , Frau Schelmer horte das Flüstern. Sie zitterte, als sie Elisabeth erblickte' Die Tränen waren ihr in die Augen getreten bei Dem rührend schönen Anblick des Mädchens. Wie ihr, erging es den anderen Leuten. Elisabeth hatte das Publikum schon durch ihre Erscheinung gewonnen. Hnd bann, als sie zu fingen begann, war alles restlos besiegt. Don Akt zu Akt steigerte sich daS Interesse für diese Elsa, man vergaß ihretwegen fast Den berühmten Berliner Gast Hnd im Dritten Akt. nach Dem großen Duett mit Lohengrin, riß sie das Publikum mit sich fort zu nicht enDentoollen- Den Stürmen Der Begeisterung. Immer unD immer wieder mußte sie sich zeigen nach Dem Schluß Der Vorstellung, immer toicDet mußte sie zusammen erscheinen mit HanS Hofmann, Der fast ein wenig ungehalten war Darüber, Daß fein Glanz sich so verdunkelte durch diese meteorhaste Erscheinung an seiner Seite. Das Publikum raste, und zuletzt horte man nichts mehr als die Rufe nach Elisabeth. Den Lohengrin hatte man vergessen. Roch durch die Tür des eifernen Vorhangs mußte Elisabeth kommen, um die Beifallsstürme der Leipziger einzuheimfen. Immer wieder wollten sie den süßen, blonden Mädckenkops sehen, und alle wußten, daß ihnen dieser T.-eaterabend unvergeßlich bleiben würde. Elisabeth könnt? sich vor innerer Erregung kaum auf den Deinen halten. Aber sie mußte noch die Glückwünsche der Kollegen über sich ergeben lassen, des Oberregisseurs, des Dirigenten; sie mußte Professor Walter die Hand drücken und dem Kammersänger Perlberg, und sie mußte den Fragen Der vielen Presseleute stanDhalten, Die des Gastes wegen gekommen waren und eine Sensation erlebt hatten. Elisabeth war völlig erschöpft, als sie enDlich in ihre Garderobe kam. Dort wartete Frau Schelmer Elisabeth stürzte in ihre ausgebreiteten Arme, und alle Aufregung Des Tages löste sich in einem Tränenstrvm. Am anDeren Tage brachten die Zeitungen spaltenlange Berichte über das StimmtounDer, Da« man am Vorabend erlebt hatte. Man pries daS glückliche Geschick der Opemleitung, diesen Stern entdeckt zu haben, der neben einer unvergleichlichen, märchenhaften Stimme Jugend und Schönheit befaß und eine Anmut, die man an Wagner- fängerinnen häufig vermissen mußte. Man sprach die Hoffnung aus, daß die Intendanz alles Dran» setzen würde, um Diese junge Begabung Dem Leipziger Theater tu erhalten. Elisabeth lebte wie im Taumel. Eckertsburg, Der in Schottland weilte, wurde zunächst Durch ein Telegramm verständigt. Gleich daraus konnte Elisabeth ihm mitteilen, Daß sie von Der Intendanz vorläufig zu sechs Gastspielabenden ver- pflichtct worden war, zu einem außerordentlich hohen Honorar. Ein formelles Glückwunschtelegramm kam au8 Schottland, und bei ihrem zweiten Auftreten fand sich unter der Dlumenmenge. Die man ihr Diesmal spendete, auch ein großer Korb rosa Rosen mit Eckertsburgs Karte. (Fortsetzung folgt) Reichswehr und Polizei bei der Olympiade. Man kann sich das beinahe gar nicht mehr vorstellen, wie es war, was Karl Diem, der jetzt 50 Jahre ist, in seinem Jubiläumsaufsah zu „25 Jahre Potsdam-Berlin" uns zum Beispiel über die Haltung der Polizei von damals zu dein sportlichen Staffellauf gesagt hat. Das war für sie glatter Unfug. Die Genehmigung wurde rundweg abgelehnt. Es bedurfte hoher Protektion, um die Durchführung überhaupt zu ermöglichen. Lind am Ziel, der Polizeileutnant, hatte überhaupt keine Ahnung, was ein Staffellauf war. Sein Erstaunen war grob, als am Ziel nur acht, nämlich nur die acht Schlußleute der Staffeln, nicht aber alle erwarteten 400 Teilnehmer eintrafen ... Der Potsdam-Derlin-Lauf ist feit Jahren eine unbestrittene Domäne der Polizei. In diesem Jahre hat es Aufsehen erregt, daß die Reichsweh rstaffel, die zum erstenmal mitlief, auf dem fünften Platz einlief. Kenner der Verhältnisse des Sports in der Uniform sehen auch hier bei der Reichswehr eine neue Gröhe hochkommen. Kein Wunder also, daß die Uniformen auch bei der Olympiade in Los Angeles eine große Rolle spielen, wie sie es schon bei den Amsterdamer Spielen vor vier Jahren zu tun begannen. Leider können unsere Reichswehrreiter, die eine der sichersten Einsätze auf goldene, silberne und bronzene Medaillen abgegeben hätten, mit Rücksicht auf das Pferdematerial nicht tellnehmen. Die lange Lieberfahrt bis Kalifornien schlicht das aus. Wer alles mitgehen wird, bleibt bis zu den deutschen Meisterschaften am 2. und 3. Juli in Dresden noch offen. Unsere Olympia-Mannschaft wird ja nur klein sein. Denn neben den ausgezeichneten neun Schwerathleten, fünf Ringern, vier Gewichthebern, die bereits feststehen, wie ferner den beiden Boxern und zwei Fechtern, werden voraussichtlich noch 18 Leichtathleten, 16 bis 17 Ruderer und 15 Schwimmer die deutsche Mannschaft vervollständigen. Die Mannschaften spielen hier die Hauptrolle. Von Einzelkämpfern scheint bisher von der Reichswehr nur Hirschfeld, von der Polizei der Weitspringer Vie- b a ch so gut wie sicher mitzufahren. Dann aber werden unter den Fünfkämpfern (Schießen, Fechten, Schwimmen, Geländeritt, Geländelauf) die Polizei mit den Wachtmeistern Miersch und Schröder und die Reichswehr mit Oberleutnant R a u d o , dem deutschen Heeresmeister, starke Olympia-Kandidaten stellen. Am 18. Juni fiel in der zweiten Serie der Ausscheidungskämpfe die Entscheidung über die drei Vertreter für Los Angeles. Don Einzelkämpfen können natürlich aus der Masse der sportlichen Disziplinen nur solche Olympia-Kandidaten wirklich entsandt werden, die ihren Leistungen nach eine gewisse Anwartschaft auf Siegerplähe ausweisen. Oberleutnant Hax als glänzender Pistolen- schühe, hat mit dem Ergebnis, unter 200 Schüssen 194 Treffer zu erzielen, für diesen Einzelkampf besonders glänzende Doraussehungen mitzubringen. Aber auch sonst sind unter dem Rachwuchs der Sportler in Reichswehr und Polizei hervorragend veranlagte Athleten. In der Heeresschule Wuns- dorf und in den verschiedenen Polizeistandorten wachsen fortgesetzt aus dem prächtigen Menschcn- material junge Anwärter für künftige internationale Wettkämpfe heran, die von ihren erfolgreichen Kameraden, voran Feldwebel Hirschfeld und der breite Stamm der als Sportlehrer glänzenden bewährten Reichswehr- und Polizeioffiziere, entwickelt und gefördert worden. Dor dem „Deutschen Derby". Deutschlands größte Zuchtvrüfung, das klassische Deutsche Derby, steht am Sonntag im Brennpunkt der Turfereignisse. Auf der traditionsreichen Bahn in Hamburg-Horn bewerben sich wieder einmal die besten Dreijährigen um den wertvollen Preis. Als hoher Favorit startet „Widerhall" vom Gestüt Schlenderhan unter dem Jockey A. Zimmermann. Dom Düchertisch des Sportlers. Der gewandte Faltbootfahrer. Eine genaue Anleitung zur sicheren Fahrtechnik — Ferienfahrten und Zelten-Dau und Pflege des Bootes. Von Sportlehrer A. Glucker. Mit 32 Bildern. Süddeutsches Verlagshaus G. m. b. H., Stuttgart, Birkenwaldstr. 44. (167.) Dem Paddelbootsport steht dieselbe verheißungsvolle Zukunft wie dem Skilauf bevor. Heute schon sind mit Beginn des Frühjahrs alle Waldflüßchen, Ströme und Seen belebt von den flinken Booten. Das neue Buch des Sportlehrers A. G l u ck e r ist eine lehrreiche und klare Darstellung alles dessen, was der Paddler, sowohl der Anfänger, wie auch Fortgeschrittene, wissen muß. Es zeigt an Hand prachtvoller Bilder zunächst den Bootsbau, dann die Gepäckverstauung, die verschiedenen Arten des Doot-Einsetzens. Es ist der Zweisitzer wie auch der Einsitzer behandelt. Selbstverständlich ist auch die Paddel- und Fahrtechnik eingehend behandelt und mit Bildern veranschaulicht. Aber noch mehr enthält das Buch an oft scheinbar kleinen und doch recht wichtigen Kleinigkeiten. Keine Frage ist unbeantwortet gelassen. Wirtschaft. • Zellstoff abrik Waldhof, Mann- heim-Waldhof. In der gestrigen Aussichts- rats-Sihung der Zellstoffabrik Waldhof, Mannheim-Waldhof, wurden die bisher im Wege des Pachtvertrages betriebenen Tochtergesellschaften Papyrus°AG. und Coseler Zellulose- und Papier- fabriken-AG. durch Fusion mit Wirkung vom 31. Dezember 1931 mit der Zellstoffabrik Waldhof vereinigt. Im Besitze der Gesellschaft befindliche nom. 4 280 000 Mark Stammaktien, nom. 630 000 Mark Vorzugsaktien lit. a und nom. 450 000 Mark lit. b werden durch Kapitalherabsehung in erleichterter Form eingezogen, so daß die Gesellschaft keine eigenen Aktien mehr besitzt. Zwecks Vornahme normaler und angesichts der veränderten Wirtschaftslage notwendig gewordener außergewöhnlicher Abschreibungen in Höhe von 13 306 167 Mark wird der gesetzlichen Reserve ein Betrag von 10 494 427 Mark entnommen, so daß der gesetzliche Reservefonds mit 10 Prozent des verbleibenden Aktienkapitals einsch'iehlich der finnischen Llmtauschaktien dotiert ist. Demgemäß findet die Ausschüttung einer Dividende auf Stamm- und Vorzugsaktien nicht statt. Der aus der Fusion mit den oben genannten beiden Gesellschaften sich ergebende Buchgewinn dient, soweit er nicht zu den erwähnten Abschreibungen Verwendung fand, der Bildung einer weiteren offenen Rückstellung im Betrage von 3 427 857 Mark. Die Gesellschaft glaubt, mit den verbliebenen internen Rücklagen und offenen Reserven der im lausenden Geschäftsjahr weiter verschlechterten Wirtschaftslage Rechnung getragen zu haben. Etwas günstigereStimmung in Berlin. Berlin, 24. Juni. (WTB. Funkspruch.) Bereits an der gestrigen Frankfurter Abendbörse konnten sich Kurserholungen im Ausmaße von । 0,50 Prozent durchsetzen, und heute vormittag und an der Dorbörse taxierte man die Kurse durchweg weiter höher. Wenn auch die ersten offiziellen Notierungen unter den vorbörslichen Taxen lagen, ergaben sich doch im Durchschnitt Iprozentige, bei Spezialwerten ca. 2prozentige Gewinne. Man war heute wieder etwas zuversichtlicher über d i e Lausanner Konferenz gestimmt und maß den Besprechungen zwischen ch e r r i o t und dem Reichskanzler, deren Ergebnis gespannt erwartet wird, große Bedeutung bei. Anregend wirkte die Tatsache, daß in dem deutschen Memorandum, das Macdonald überreicht worden ist, auch ein Hinweis auf eine zu erstrebende Anpassung der privaten deutschen Ausland- schulden enthalten ist, und daß Deutschland wünscht, die Frage zur allgemeinen internationalen Erörterung zu stellen. Die unter Schwankungen leicht befestigte Neuyorker Börse wirkte gleichfalls freundlicher, ebenso wie die ziemlich unerwartet gekommene Neuyorker Diskontsenkung auf 2,5 Prozent, die als günstiges Zeichen für den amerikanischen Aufbauwillen gewertet' wird. Sonst lagen keine besonderen Momente vor mit Ausnahme der anhaltenden Zusammenstöße im Reiche und in Berlin, die heute weit ruhiger betrachtet wurden. Am Montanmarkt konnten sich Gelsenkirchen, in denen nicht mehr Ware herauskam, sogar etwas befestigen. Deutsche Erdöl zogen um fast 2Y Prozent an, da die Erklärungen in der GV. ziemlich befriedigt haben. Recht fest tendierten Kaliwerte und Eintracht Braunkohle, die bis zu 4^prozentige Gewinne erzielten, und auch Elektropapiere sowie Schultheiß, Gasaktien und Eisenbahnverkehrsmittel lagen ziemlich fest. Neichsbank waren bei etwas größerem Interesse wieder fast 2 Prozent höher. Dagegen gingen Obcr- koks, BEW., Svenska, BMW., Charlottenburg-Was- fer, Gelsenkirchen, Wasser, Junghans Ya bis 2 Prozent zurück. Im allgemeinen setzten sich ober bte Umsätze nur aus Deckungen der Spekulation zusammen, und das Publikum war nur an einigeni aRart- ten mit kleinen Orders vertreten. Deutsche Anleihen konnten sich im Einklang mit ber übrigen Börse leicht erholen und auch Reichsschuldbuchforderungen waren etwa Yk Prozent höher. .. , Im Verlaufe wurde das Geschäft merklich ruhiger, und die Kurse schwächten sich meist bis zu Ya Prozent wieder ab. Der G e ldmarkt war auch heute völlig unverändert. Der morgen zur Veröffentlichung gelangende Relchsbankauswels dürfte ein ziemlich befriedigendes Aussehen haben. $ranffurf gut behauptet. Frankfurt a. M.. 24. Juni. (WTB. Draht- meldung.) An der Dorbörse herrschte heute stündliche Tendenz, da die Herabsetzung Z>e8 Diskontsatzes der Aeuyorker Bundes-Reservebank und die Befestigung zum Schlüsse der gestrigen ReuyoNer Börse einen guten Eindruck hinterliehen. Zu Beginn der offiziellen Börse vermochten sich die anfänglich genannten hohen Kurse nicht voll zu behaupten, doch war die Tendenz weiter als gut behauptet anzusprechen. Gegenüber dem Vortrag ließ das Geschäft eine leichte Belebung erkennen, da die Kulisse nach den Glattstellungen der letzten Tage Deckungsneigung bekundete. Roch immer bestand eine merkliche Unsicherheit im Hinblick auf die heute beginnende Aussprache zwischen dem französischen Ministerpräsidenten Herriot und dem Reichskanzler. IG. kamen unverändert mit 89,25 Proz. zur Dotierung. Am Montanmarkt zeichneten sich Mannesmann bei einem Kursgewinn von 1,25 Proz. durch feste Haltung aus, während Gelsenkirchen erneut 0,88 Proz. nachgaben. Für Deutsche Erdöl boten die optimistischen Ausführungen in der gestrigen GeneralversamM» lung Anregung. Der Kurs dieses Papiers stellte sich 1,88 Proz. höher. Am Elektromarkt ergaben sich kleine Besserungen um Bruchteile eines Prozentes. Die übrigen Märkte lagen sehr still aber durchaus freundlich. Am Rentenmarkt lagen Deutsche Anleihen behauptet. Reichsschuldbuchforderungen und Goldpfandbriefe waren eher angeboten, Li- quidationspsandbriefe lagen unverändert. Reichsschuldbuchforderungen waren bis zu 0.25 Prozent befestigt. Jndustrieobligationen und Stahlvereinbonds gingen um 0,38 und Reichsbahnvorzüge um 0,50 Prozent zurück. Lchweinemarkt in Mtzlar. # Wetzlar, 23. Juni. Der gestrige Schweinemarkt war mit 491 Ferkeln und 24 Läufern beschickt. Bei lebhaftem Handel wurden folgende Preise bezahlt: für 5 Wochen alte Ferkel 12 bis 14 Mark, für 6 bis 8 Wochen alte 15 bis 18 Mark, für 9 bis 11 Wochen alte 19 bis 23 Mark je. Stück. Läufer und Springer, die gesucht waren, wurden je nach Stärke mit 25 bis 36 Mark je Stück bezahlt. Der Markt wurde geräumt. Schweinemarkt in Grünberg. -s- Grünberg, 23. Juni. -Der heutige Schweinemarkt hatte einen Auftrieb von 510 Ferkeln zu verzeichnen. Folgende Preise wurden erzielt: Ferkel bis sechs Wochen alt 10 bis 12 Mk., sechs bis acht Wochen alt 13 bis 17 Mark, acht bis dreizehn Wochen alt 18 bis 26 Mark. Tendenz: gut, es verblieb geringer Lieberstand. Verantwortlich für das Feuilleton: i. V. Dr. F. W. Lange. " 11 - 11 Oer Soldat als Beamtenanwärter. Oie vorbereitende Ausbildung in der Heeresfachschule. Dor kurzem fanden in der Neuen Kaserne die Abschlußprüfungen für diejenigen Soldaten statt, die nun nach zwölfjähriger Dienstzeit als Beamtenanwärter in das öffentliche Leben treten werden. Es dürfte für weite Kreise von Interesse fein. Grundsätzliches über die Form ihrer vorbereitenden Ausbildung zu erfahren. Nach § 23 des Wehrgesetzes soll den Unteroffizieren und Mannschaften während ihrer Dienstzeit eine vorbereitende Ausbildung für den Uebergang in bürgerliche Berufe gewährt werden. Heber die Art und das Ergebnis der während der Dienstzeit für den künftigen bürgerlichen Beruf genossenen allgemeinen u. fachlichen Ausbildung wird ihnen gemäß § 6 des Wehrmachtsoersorgungsgesetzes ein Zeugnis erteilt. Hauptvermittlerin dieser vorbereitenden Berufsbildung im Heere sind die Heeresfachschulen für Verwaltung und Wirtschaft. In dieser Schulen werden im Wehrkreis V (dem das Gießener Bataillon angehört) nicht weniger als 8500 Soldaten von besonders hierfür ausgesuchten voll- unb nebenamtlichen Lehrern betreut. Wie der Name schon sagt, vermitteln die Heeresfachschulen nicht bloß eine Allgemeinbildung, sondern sie bereiten die Leute in erster Linie für ihren gegenwärtigen und künftigen Beruf vor. Der Unterricht ist dementsprechend in weit- gehendem Maße auf die Bedürfnisse des Lebens eingestellt. Das ist um so bedeutungsvoller, als das Bildungsgut nicht Jugendlichen sondern Erwachsenen, reifen Männern, zum größten Teil Familienvätern, vermittelt wird, die das Gelernte unmittelbar für das praktische Leben verwenden müssen. So ist beim Reichsheer während der letzten zwölf Jahre in aller Stille bei zielbewußter Arbeit ein neuer Schultyp entstanden: eine Erwachsenenschule, die ihre besten Antriebe von den Bedürfnissen des Lebens erhält. Das militärische Fachwissen setzt heute einen hohen Grad von geistiger Beweglichkeit voraus. Der junge Soldat als solcher bedarf daher eines vorbereitenden Unterrichts. Dieser wird ihm im zweiten, dritten und vierten Dienstjahr erteilt. Der Stoff ist eingestellt auf die Bedürfnisse des militärischen Dienstes. Die Methode zielt darauf ab, die jungen Soldaten zu scharfer Beobachtung, klarer Urteilsfähigkeit und rascher Entschlußkraft zu erziehen. Die Vorbereitung auf das künftige Berufsleben kann der Soldat vom fünften bis zwölften Dienstjahr in bestimmten Stufen vollziehen. hier wird er in erster Linie zu einem brauchbaren Beamten und Angestellten erzogen, daher nehmen die staatsbürgerkundlichen Fächer (Gesetzeskunde, Staats- und Verwaltungskunde, Volkswirtschaftslehre usw.) und technische Fächer (Kurz- und Maschinenschrift) neben den Kernfächern (Deutsch und Mathematik) einen auffallend breiten Raum ein. Es ist in der Öffentlichkeit noch viel zu wenig bekannt daß gerade diese den Soldaten zuteil werdende Ausbildung geeignet ist, der Iruppe einen wertvollen Ersatz, den Behörden und der Wirtschaft brauchbare Beamte zu sichern. Besonders hervorzuheben ist, daß das Schlagwort von der „freien Bahn dem Tüchtigen" im Reichsheer durch praktische Einrichtungen längst in die Tat umgesetzt worden ist. Heute kann das bereits zahlenmäßig belegt werden. Wenn die Zahl der nach Vollendung der zwölfjährigen Dienstzeit im Wehrkieis V Ausscheidenden durchschnittlich etwa 800 beträgt, so muß es als eine erfreuliche Leistung betrachtet werden, wenn fast 500 Schüler die Abschlußprüfung I und | etwa 100 die schwierigere Abschlußprüfung II | bestanden haben. Die übrigen Schüler fallen meist auf die anderen Bildungszweige, oder aber sie begnügen sich mit der Anwartschaft auf die untere Beamtenlaufbahn. Beide Prüfungen berechtigen zum Eintritt in die mittlere Beamtenlaufbahn, die Abschlußprüfung II zum Eintritt in die Laufbahn der gehobenen mittleren Beamten. 85 v. H. aller Reichswehrangehörigen besitzen nur Dolksschulbildung. Neben den Prüfungsanwärtern, die die Sekunda- und Primareife schon von der Schule mitbrachten, stehen daher meistens Leute, die in zäher Arbeit ihr Volksschulwissen in der Heeresfachschule so weit ausbauen konnten, daß sie eine gleiche Anwartschaft wie Schüler höherer Schulen erlangen konnten. Mit dieser sozialen Aufstiegsmöglichkeit vollbringt das Heer eine soziale Tat, deren Segnungen vielen Söhnen des Volkes zu wünschen wäre. Allerdings werden in der Prüfung I hohe, in der Prüfung II höchste Anforderungen an die Leute gestellt. Gründlichkeit, Gediegenheit und strenge Sachlichkeit find die Grundlagen, auf denen die Prüfungen ruhen. Es darf daher nicht verschwiegen werden, daß es auch Anwärter gibt, welche die Ziele der Prüfung nicht erreichen können. Sie gehen dann, ebenfalls mit brauchbaren Kenntnissen ausgestattet, in die Hnterbeamtenlaufbahn. Die Prüfungen werden von Fachlehrern abgenommen in Gegenwart des Wehrkreisunterrichtsleiters, eines Offiziers des zuständigen Truppenteils und Vertreter der Anstellungsbehörden, die als Mitglieder des Prüfungsausschusses die Beurteilung des Anwärters entscheidend mitbeftimmen. Das Recht, das die Anstellungsbehörden auf Grund des § 27 der Anstellungsgrundsätze besitzen, die Allgemeinbildung ihrer künftigen Beamten selbst zu bestimmen, haben sie dem Prüfungsausschuß übertragen, und über diesen Weg haben erfreulicherweise die Reichs-, Landes- und Kommunalbehörden sowie die öffentlichen Körperschaften die Prüfungen der Wehrmacht anerkannt. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o. H, Lombardzinsfuß 6 v. H. ur. u. X't. Len. Schluß-1 fürs | l'Uyr. ffuri Schluß» 1 IUM 1 Ansaug« Kurs Datum 23-6. 24.6. 23.6. 24.6. 6% Deunche Retchsaniethc d.192", 52,75 — 53 —- 7% Deutsche Reichsanleihe V.1V29 58,75 — 58,5 — 6'/.% Doung-Anleihe von 1930 . 60,25 — 60,25 — Deutsche Anl.»Ablös.-Schuld mit AuSlos.-Rechten....... 37,13 37,25 37,13 37.4 DcSgl. ohne AuSIos.-Rcchte . . . 3,4 3.4 3,45 3,5 8% Hess. Bolkvstaat von 1929 lrückzahlb. 102%)...... 46,75 Lberhcsien Provinz-Anleihe mli Auelos..Rechten..... Deutsche Komm. Gammelabl. Anleihe Serie 1....... 36,5 _ 32,5 _ 33 _ 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse 15 unkündbar bis 1935 .... _ _ 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse unkündbar bi« 1936 Serie 16 . _ 4/,% Franks. Hyp.-Bank Liau.- Psandbricse......... 76,4 __ _ 4'/i% Rheinische Hyp.-Bank.Liau. Goldpse........... 75 _ _ 8% Pr. LandeSpsandbriesansialt, Pfandbriefe R. 19...... 66 _ _ 7% Pr. Landespsandbricfanstalt, Pfandbriefe R. 10 — — — 4% Oesterreichycye Golbrentr . . _ _ _ 4,20% Ocslerretchlsche Eilberrentc 1,05 — 1,13 __ 4% Ungarische Goldrcnle . . . . 4,25 — 4,75 — 4% Ungarische StaatSrcnIe v. 1910 5,65 — 5,9 —. 4V-% bedgl. von 1918 . . . . — — 4.5 — 6% abgest. Goldmcxikancr von 99 — — — 4% Türkische Zollanieihe von 1911 2,25 — 2,5 2,4 4% Türkische Bagdadbahn.Anlcihe Serie I . — 2,65 4% deSgl. Serie II...... 6% Rumän. Vereins,. Rente v. 1903 «N%Ruman.vercInh.Renlev.l919 — — 2,5 2.4 -- 7 — 6,9 — 4% Rumänische vcreinh. Rente 2.9 —— 3 _ 2J4% 1. Anatolier...... 15,25 15,5 Fran.'-uri a. .01. Berlin Schluß- lurS l«Ubr« Kurs Schluß« l lurS | Anfang- KurS Datum 23.6. 24.6 23 6. 24.6. Hamvurg-AmerNa Pate, . . . t 10,4 10.4 10.4 10,75 Hamburg-Südam. Dampsschis! . 0 —— — 40 41,25 Hansa Tampsschlss .... . 0 — — — Norddeutscher Lloyd .... . 6 11,25 11,25 11.25 11,65 A.G. für Verkehrswesen Akt. — — 25,5 25,9 Berliner HandelSgescUschast. 8 87 — 87 Commerz, und Privat-Bank . 7 16 — 16 Darmstädter und Nalionaibauk 8 18,5 18.5 — Deutsche Bank und — TiSconto-Gesellschast. . . 6 30 — 30 — Dresdner Bank...... 6 18,5 — 18,5 —. Reichöbank........ 12 123,25 — 122,65 124,5 A.E.G........... . 7 19,9 _ 20,13 20,4 Bergmann........ . 9 — — 18,5 — öletti. Lleserungsgesellschast. 10 — — 55 — Licht und Kraft...... 10 64,25 66,25 65,5 65,75 Felten & Guilleaume.... 6^: 35 — 36 36.5 Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 9 50.5 51,4 50,75 51,5 Rheinische Elckttizität . . . . 9 63 64 65 Schuckert & Co....... 11 55.25 — 55,4 56,75 Siemens & Halske ..... 14 114.5 — 113,5 115,25 Lahmeyer & (So....... 12 76 — 75 — Buderus....... . . 4 24 — 24,4 —— Deutsche Erdöl...... . 6 62 63,25 61,4 63,75 Gelsenkirchener...... . 8 32,75 31.9 31,9 32,25 Horoener......... . 0 44,75 — 44,5 45 Hoesch Eisen........ . 6 — 24,5 24,9 Ilse Bergbau....... 10 — 120 Klöcknerwcrke ....... . 8 22,5 —— 22,4 — Koln-Neucssen....... 6K — ManneSmann-Röhren ... . 6 36 37,75 36,5 37,9 ManSseldcr Bergbau .... . C 13 13,5 13,5 Lbcrschlel. KokSwcrke . . . . 8 — 31,75 31,25 Phönix Bergbau . , . 4V, 15.75 — 16 Rheinische Braunkohlen. . . 10 158 — 158,5 158 RheinkUchl........ . 6 39 — 38,5 39,75 tfrantiun a. DI. Berlin Schluß«! turü | 1-Uhr- K'uS Schluß«! kurS | Anfang- Kurs Datum 23-6. 24 6. 23.6. 24 6. Rieveck Montan...... 7/. — — _ Bereinigte Stahlwerke . . . . 4 14,25 14,25 14 14,25 Olavi Minen......16*/, 10,75 — 10,5 10,5 Kaliwerke Aschersleben . . . 10 81 ,5 — Kaliwerke Westeregeln . . . 10 90.5 _ 91 94 Kaliwerke Salzdetfurth . . . 15 143 — 145 149 I. G. Farben-Jndustrie . . . Verein, chem. Industrie Frank- 12 89,25 89,25 88,65 89,25 surr a. M......... —— — - __ __ Scheibcanstalt....... 10 130.5 — __ _ Goldschmidt........ . 0 16,25 — 16 16 RütgcrSwerke....... . b 31,5 — 30,5 30,9 MetallgescUschast...... . 6 24,5 24,5 25 Philipp Holzmann..... Zementwerk Heidelberg. . . Cementmerk Karlstadt. . . . . »8 31,25 — 31,5 32 7 37.9 Wayb & Freytag..... . 0 3,65 — — Schultheis Payenhoser . . . Aku (Allgemeine Kunstseide) 15 _ _ 47 48 0 31,5 — 31,5 32 Bembcrg......... 0 — _ 28,5 28.75 Zellstoff Waldhos..... 12 25,5 — 25,5 26 Zellstoss Aschasscnburg . . . 6 16 — 16 Dessauer Gas....... . 9 — — 78,65 80 Daimler Motoren..... . 0 11 10,75 11,25 11 Deutsche Linoleum .... . 6 27,75 27,75 Orenstcin & Koppel .... . 0 — 21,25 21.13 Leonhard Tietz ...... . 8 50 — 50,75 51 SvcnSka......... 15 —— 7 6.25 173.5 Chade .......... 171,25 — 172,65 Frankfurter Maschinen . . . Gritzner......... . 0 . 0 16,5 5 Mainkrastwcrke Höchst a. ®L. . e 49 Süddeutscher Zucker .... 10 95 97,75 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2H. 23.3uni 24.3unl Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Aries Geld Ariel Hclslngfor« . 7,053 7.067 7,043 7,057 Wien. . . . 51,95 52,05 51.95 52,05 Prag . . . 12,465 12,485 12,465 12.485 Budapest. . — — Sofia . . . 3,057 3.063 3.057 3,063 Holland . . 170,23 170,57 170,23 170.57 Oslo. . . . 75,02 75,18 74,83 74,97 Kopenhagen. 83,02 83,18 82,77 82,93 Stockholm . 78,12 78,28 77.97 78.13 London. . . 15,23 15.27 15,20 15,24 Buenos Aires 0,948 0.952 1,948 1,952 Neuyork . . 4,209 4.217 4.209 4.217 Brüssel. . . 58,54 58,66 58,56 58.68 Italien. . . 21,46 21,50 21.43 21.47 Paris . . . 16,55 16,59 16.55 16,59 Schweiz . . 81,93 82,09 81,92 82,08 Spanien . . 34.67 34,73 34,67 34,73 Danzig. . . 82.27 82,43 82,37 82.53 Japan . . . 1,199 1.201 1,199 1,201 Rio de Jan.. 0.325 0.327 0,325 0,327 Jugoslawien. 6.843 6.847 6,793 6.807 Lissabon . . 13.89 13,91 13,84 13,86 Banknoten. Aerlin, 23. Juni Geld Ariel Amerikanische Noten ....... 4,20 4,22 Belgische Noten ......... 58,38 58,62 Dänische Noten ......... 82,83 83,17 Englische Noten . ........ 15,19 15,25 Französische Noten ....... 16,51 16,57 169,86 170,54 Italienische Noten ........ 21,54 21,62 Norwegische Sloten........ 74,85 75,15 Deutscl^Oesterrcich, 6 100 Schilling Rumänische Noten........ 2,49 2.51 Schwedische Noten........ 77,94 78.26 Schweizer Noten......... 81,75 82 07 Spanische Noten. ........ 34,53 Ungarische Noten........