Hr. 71 (Erftes Blatt 182. Jahrgang Donnerstag, 24. März 1932 Er>cheinl täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Giessener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.S5 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. zerusprechanschlüfie unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Oietzen. poßschecklonto: Srenffurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck »nd Verlag: vrLhl'lche U»ioersitütr-V«ch. u«d Stehibniderti L. Lange in Sietzen. Schriftleitnng unö Seschastrstelle: Lchnlltratze 7. Annahme »on Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re. klameanzeigen von 70 nun Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Will). Lange; für Feuilleton Dr.H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Gießen. Von Volk und Geist. Don Leopold Ziegler. 2lte geistige Menschen auf gerufen, unsere Itot au künden, haben wir zuerst gemäß der Wahrheit zu bekennen: Mo Not i st, li ft auch Schuld! Wo Not ist, ward ihr nicht rechtzeitig gesteuert oder nicht mit den rechten Mitteln. Wo Not ist, wurde sie nicht gewendet und so auch das Notwendige nicht getan. Was aber die Schuld des Geistes und der Geistigen angeht, liegt sie klar genug zutage. Der Deist, wie wir ihn verstehen oder mißverstehen, hat eine Kluft aufgetan zwischen uns und dem Volke, dem wir nach Blut und Schicksal angehören; statt unseres Volkes Mund zu sein, waren wir eines Tages bloß noch sein Gehirn. Einmal, in ferner Zeit, war der Geist ganz schlicht der Odem, war er der Einhauch Gottes. Ob die hebräische Bibel von der Ruah berichtet, die sich als Geistbraus auf Israels Propheten niedersenkte; ob die griechischen Evangelien das Pneuma auf die Apostel Ehr ist i herab- slehen; ob die lateinische Liebertragung des Alten und Neuen Testamentes den spiritus sanctus als dritte Person der Dreieinigkeit ertermt — stets bleibt der Geist der Schöpfungsatem, traft dessen sich der Mensch das Geschöpf seines Gottes wußte. Niemals verwechselt die Schrift den Geist mit einem denkenden, urteilenden, schließenden Vermögen des Verstandes, wie es im späteren Abendlande herkömmlich geworden ist. Noch die Reformatoren des 16. Jahrhunderts wirken und lehren aus jenem biblischen Geiste, der uns aus einigen großen Deutschen, aus Paracelsus und Böhme, Fichte und Görres, Arndt und Bismarck bisweilen noch fühlbar anweht. Stimme des Volkes genau insoweit, als sie die Inspirierten Gottes waren, sanden sie genau insoweit das Gehör des Volkes; und alles änderte sich von Grund auf erst, als sich der Geist aus einem Element der Schöpfung in ein Instrument des Denkens verwandelte, in eine Disziplin wissenschaftlicher Erkenntnis und gelehrter Bildung. Seither erreicht seine abgezogene Sprache in Be- fltiffen und Fachausdrücken das Volk seltener und diener. Als die Geistigen, als die Gelehrten, als die Gebildeten fonDcrtc er uns aus dem großen, unwillkürlichen Dasein des Volkes aus. ließ er da- lebendigmachen de Wort auf unseren Lippen zu einer toten Formel ersterben. Nun es kam, wie es kommen muhte, entspringt des Geistes höchste Not unmittelbar seiner tiefsten Schuld. Wir, seine Diener, stehen heute mitten im leeren Naume, und sogar unsere dringendsten Zeichen des Alarms werden in Wellen ausgesendet, auf welche kein Empfänger die feinigen abgestimmt hat. Soviel über die Not, soviel über die Schuld des Geistes. Hat es mit der Not des Volkes ähnliche Bewandtnis? Wurzelt auch sie in einem schuldhaften Versäumen? Oder entbehrt im Gegensatz zum Geiste das Volk vollkommen schuldlos? Wer nicht tiefer blickt, wird leicht und gern bejahen. Was soll auch schon das Volk dafür können, daß es unaufhaltsam verarmt, und daß seinen Söhnen kein einziges Gewerbe, kein einziger Beruf die Gewähr eines wirtschaftlichen Fortkommens mehr bietet? Was kann das Volk dafür, wenn cs sich in eine Lebensordnung hineingeboren findet, die es in keinem Zuge mehr versteht? Wenn es gewahrt, wie auf der einen Seite allerdings unendliche Gütermengen für jeglichen Bedarf verfertigt und ausgespeichert werden, dicht nebenan jedoch der Mangel am Nötigsten herrscht? Wenn es plötzlich in den Zusammenbruch einer Wirtschaftsform hineingezogen wird, obschon die Fruchtbarkeit der Erde nicht merklich erschöpft ist. obschon der Boden noch immer ungeahnte Schätze birgt, obschon die Naturkräfte unversehrt, die Menschenhände ar- beitswillig sind? Was kann das Volk dafür, daß jenseits des großen Wassers die Rohstoffländer ihren Ernte- fegen in den nämlichen Stunden gewaltsam vernichten, wo diesseits so viele Menschen darben? Daß drüben der Erzeuger von Weizen und Kaffee, von Zucker und Baumwolle im eigenen Reich- tum erstickt und heimlich den Himmel um Miß- wachs angeht, während hüben dem Verbraucher die begehrte Ware unerschwinglich bleibt? Das Volk wird es nie billigen oder auch nur fassen, daß man diese auf den Börsen zeitweilig entwerteten Waren lieber durch Feuer und Wasser zerstört, als sie unter ihrem Preise losschlägt oder gegebenenfalls verschenkt. Stumm und verbissen schaut es zu, wie ein Bauernhof nach dem andern unter den Hammer kommt, das flache Land verödet, das Grohgewerbe Millionen fleißiger Hände vom Arbeitsgang frei- setzt, die Hohen Schulen ihre ßtuöcntcn für längst > überfüllte Berufe vorbereiten, Welthandel und Weltwirtschaft fortschreitend einschrnmpsen. die Pariser und Neuyorker Banken das Gold der Welt sinnlos in ihren Gewölben häufen ... Angesichts fo brutaler Wirklichkeiten, wer wird das Volk ernstlich einer Schuld zeihen wollen? Wird es nicht vor unfern Augen das Opfer eines ungeheuerlichen Fatums? 'Bekommt es nicht am eigenen Leibe eine Wahrheit zu fühlen, die seine Führenden ihm nicht fest genug einzuprägen wußten: Wirtschaft sei Schicksal? 3a, wenn dies tatsächlich die Wahrheit ist, die ganze Wahrheit — wie sollte es da noch irgendeine Schuld geben? Dann ziemt dem Volke wirklich nur das eine — Ergebung ins Llnabänderliche! Dann war das Wort vom Untergang ein seherisches Wort! Genau hier aber, wage ich zu behaupten, be- beginnt eine ganz bestimmte Verschuldung des Volkes gegen sich selber und gegen seine Zukunft, genau hier, wo das Volk Schicksal sagt und damit die Freiheit von der Schwelle seines Lebens Oie Auflösung des Memellandiags. Wie Litauen mit den Großmächten umspringt.—Wird Deutschland zu Repressalien greisen? Zerrissene Verträge. Von der Memelkonvention und vom Memel- ftatut existiert heute nicht mehr als eine Handvoll Papiersehen. Hohnlachend haben die Litauer am Abend des 22. März diese beiden von nicht weniger als vier Großmächten feierlich unterzeichneten und garantierten Verträge zerrissen und die einzelnen Stücke den Vertragspartnern vor die Füße geworfen. Wir fragen uns mit Recht, warum die Regierungen in London, Paris, Rom und Tokio nicht beizeiten auf standen, um durch eine nicht mißzuverstehende Geste die übermütigen Herrschaften in Kowno zur Ordnung zu rufen. Sie haben gezögert und gezögert, sie haben dadurch den Litauern von Tag zu Tag neuen Mut eingeflößt, sich an den Rechten der Memelländer zu vergehen, sie haben erst ernste Worte gefunden, als es bereits zu spät war. Heute herrscht der Litauer im Memelgebiet, von der memelländischen Selbstverwaltung, zu deren Schuh sich vier Mächte bereitfanden, ist keine Spur mehr vorhanden. Wenn wir nicht durch unsere sprichwörtliche Uneinigkeit uns unserer nationalen Stoßkraft begeben hätten, dann brauchten wir weder übet das Verhalten Litauens noch die Scheu der Signaturstaaten, ein paar Kriegsschiffe in die litauischen Gewässer zu schicken, ein Wort zu verlieren : wir würden eben felbft nach dem Rechten sehen. Trotzdem wollen wir es uns nicht nehmen lassen, die Dinge so, wie sie tatsächlich sind, klar herauszuarbeiten: daß sich vier Nationen — unter ihnen das britische Weltreich — von einem Völkchen nicht größer als die Einwohnerschaft Berlins auf der Nase herumtanzen lassen und sich nicht einmal dazu aufzuraffen vermochten, sich rechtzeitig ihrer Verantwortung bewußt zu werden und einen der schlimmsten Rechtsbrüche der Nachkriegszeit zu verhindern. Deutscher Protest. Was werden die Liqnatarmächte tun? Berlin, 23. März. (111.) Die ungesetzliche Auslösung des Memelländischen Landtages hat zu Prote st schritten der deutschen Regierung in ftorono, Rom, Paris und London geführt. In diesen Protesten wird daraus hingewiefen — und zwar in Itebereinstimmung mit dem letzten gemeinsamen Schritt der Anterzeichnermächte in üorono — daß das Direktorium SimaitisimDider- spruch zum Memel st a t n t gebildet worden ist. da es als ein ausgesprochenes Kampsdirektorium gedacht war, zu dem Zwecke, den Memelländischen Landtag aufzulösen. Ungesetzlich war also bereits die Bildung dieses Direktoriums. Ungesetzlich ist ebenso die Auflösung des Landtages. Die llnterzeichnermächtc werden weiter darauf hingewiefen, daß ihre Verantwortung für die weitere Entwicklung im Memelgcbict fortbestehk, daß die Angelegenheit Böttcher das Haager Gericht beschäftigen muß und daß endlich — was nunmehr die wichtigste Frage ist, die Neuwahlen zum Memelländischen Landtage vollkommen im Einklang mit dem Memel st atut vor sich gehen müssen und durch irgendwelche Machenschaften des Direktoriums nicht versa l f ch t werden dürsten. In Berichten aus Kowno ist bereits von einer Verordnung des Gouverneurs die Rede, wonach Litauern, die in Memel nicht ortsansäßig sind, aber unter irgendwelchen Vorwänden während der Mahlzeit ins Memclgebiet hincingebracht werden, die Möglichkeit einer beschleunigten Einbürgerung verschafft werden fall. Auch dies würde felbsloerständlich einen verfloß gegen den klaren Wortlaut und Sinn der Gesetzesbestimmungen bedeuten, vielleicht wird zu überlegen fein, ob nicht notfalls eine einstweilige Verfügung des Haager Gerichtshofes in Anspruch genommen werden könne. 3m übrigen wird mit Bestimmtheit erwartet, daß der litauische Außenminister Zaunius seine in Genf gegebene Zusage nunmehr wenigstens in dem Punkte einhält, daß der Belagerungszustand endlich aufgehoben wird. Neuwahlen zum 4. Mai ausgeschrieben. Der Wahltcrror gegen die deutschen Parteien beginnt schon. K o w n v, 23. März. (TU.) Die Neuwahlen zum Memelländischen Landtag sind nach einer am heutigen Mittwoch erlassenen Verfügung des Gouverneurs auf den 4. M a i fe st gesetzt toorbert Gemäß Paragraph 11 der Memelkonven- tion werden die Wahlen zum Memelländischen Landtag auf Grund des in ßitaucn geltenden Wahlsystems durchgeführt. Es besteht also die Möglichkeit, daß eine Knebelung durch das geplante neue Sejm-Wahlgesetz eintritt. Der Kommandant des Memelgebie - te s hat der Memelländischen Landwirtschastspar- tei di e Abhaltung von Versammlungen vorläufig verboten. Die Memellän- dische Landwirtschaftspartei ist die größte Partei des Memelgebietes und bildete zusammen mit der Volkspartei in allen Landtagen bisher d i e Mehrheit. Diesem Verbot liegt ein .Zwischenfall" in einer Versammlung der Landwirlschastspartei zugrunde. In dieser wurde ein groß litauischer Parteimann. der fortgesetzt sich in schwersten Beleidigungen von Mitgliedern der Landwirtschastspar- tei erging, von den Versammelten trotz des Widerspruchs des Versammlungsleiters und des Partei- Vorsitzenden an die frische Lust befördert. Dieser Vorfall, an dem nur der groß- litauische Parteianhänger die Schuld trägt, ist jetzt zum Anlaß genommen worden, um der Memelländischen Landwirtschaftspartei einen wichtigen Abschnitt der Zeit, die für die Vorbereitung der Neuwahl benutzt, werden muß, fortzunehmen. Mchsfiihrerlagung der Hitlerjugend. Braunschweig, 23. Marz. (WTB.) Anläßlich der Reichsführertagung der Hitlerjugend, an der etwa 300 nationalsozialistische Iugendführer teilnehmen, findet am Ostersonntag in der Braunschweiger Stadthalte eine geschlossene Kundgebung der Hitlerjugend verbunden mit der Fahnenweihe von 22 Gaufahnen statt. Adolf Hitler wird voraussichtlich in der Kundgebung sprechen. Außerdem werden General L i tj m a n n, Reichsjugendführer Baldur von Schirach und der Reichsführer der Hitlerjugend R e n t c f n sprechen. An der Kundgebung fönnen lediglich Mitglieder der NSDAP, und der Hitlerjugend teilnehmen. Das Reichsinnen Ministerium hat mit Rücksicht auf die Verordnung über den Osters rieben eine telegraphische Anfrage an die braunschweigische Regierung gerichtet, und uni Aufklärung über die beabsichtigte Tagung gebeten. Wie vom Reichsinnenministerium erklärt wird, kann nach den Pressemeldungen über die beabsichtigte Tagung (u. a. sollen auch Eintrittskarten zu der Kundgebung zu verkaufen sein) bei der Kundgebung in Braunschweig von einer geschlossenen Versammlung nicht die Rede sein. Der braunschweigische Innenminister K l a g g e s hat daraufhin das Reichsinnenministerium um eine präziseAus- legung der Frage, was als geschlossene und was als öffentliche Versammlung anzusehen fei, gebeten. Die Antwort des Reichsinnenministeriums ist dahin gegangen, daß eine präzise Auslegung dieser Frage bei der Verschiedenartigkeit der Versammlungen nicht möglich. Das Reichs- innenminifterium sehe jedoch die für Ostersonntag vorgesehene Versammlung als ö f s e n t l i ch an. Wenn das Reichsinnenministerium an dieser Ansicht festhalte, so erklärte Klagges, so werde er d i e Versammlung nicht zu lassen. Er selbst stehe aber auf dem Standpunkt, daß die Versammlung nicht öffentlich sei. Er könne jedoch praktisch gegen die Ansicht des Reichsinnenministeriums nichts tun. Es bestehe noch die Möglichkeit, die Versammlung in a b g e - I änderten und beschränkender Form ' als geschlossene Kundgebung zu veranstalten. Englisch-irische Spannung. Oie .Regierung de Valero kündigt England Treueid und Zahreszahlungen. London, 23. März. IWTB.) Der Staatssekretär für die Dominions, Thomas, erklärte im Unterhaus, die britische Regierung habe vom Irischen Freistaat keinerlei offizielle Mitteilung über eine Verweigerung-es Treueides und eine Einstellung der Annuitäten- Zahlungen erhalten, allein es gehe aus einer Erklärung d e Vale ras unzweideutig hervor, daß die Regierung des Freistaates diese Absicht hege. Die britische Regierung werde der Regierung des Freistaates ihren Standpunkt so darlegen, daß kein Raum für etwaige Zweifel bleibt. Eine Weigerung Irlands käme einer Verletzung des Lleber- einkommens gleich, das durch Gesetz und Ehre dem Irischen Freistaat auserlegt ist. Die Frage ist ernsthaft und die beste Möglichkeit, sie zu lo- son, ist, darüber nicht hier zu debattieren. Die Annuitäten bilden den Gegenstand einer Vereinbarung zwischen zwei Völkern, die bis jetzt ehrenvoll gehalten wurde. Es ist unser Ziel, sie auch weiterhin aufrecht- zuerhalten. Nach der Erklärung des Staatssekretärs Thomas kam es durch Aeuherungen linksradikaler Mitglieder zu erregten Szenen. Der Abgeordnete Buchanan bezeichnete die Mitteilung Thomas unter lautem Protest der Minister als Kriegserklärung wegen drei Millionen Pfund. W a f t o n fragte, ob die irische Nation in einem Augenblick, wo die Regierung in fast allen anderen Ländern der Welt mit der Revision von Verträgen und Herabsetzung von Schulden beschäftigt sei, nicht ebenso gut behandelt werden solle, wie ein auswärtiges Land. In seiner Erwiderung wies Staatssekretär T h o- rn a s darauf hin, daß das Abkommen n u r d u r ch Zustimmung von beiden Seiten geändert werden könne. Das Haus brauche keinen Zweifel und keine Befürchtungen über den Standpunkt der britischen Regierung zu hegen. Die wegen der Haltung Irlands so plötzlich eingetretene Krise, die die Hoffnung auf ein ruhige« Osterfest zu zerstören droht, wird von der P r e f s e mit echt englischer Gelassenheit er- vertreibt, genau hier, wo es den Anteil des Geistes an den Ordnungen unserer Menschenwelt leugnet. Genau hier, wo es sich der sog. Eigengesetzlichkeit der Wirtschaft blindlings unterwirft und damit sein Geschick besiegelt. Denn, um alles mit einem Worte zu sagen, was dem Volk in diesem Augenblick zum Verhängnis zu werden droht, ist viel weniger die vorgebliche E i g enge s e tz l i ch k e i t der Wirtschaft als der verstockte Aberglaube an sie! Die Wirtschaft folgt eifern und zwangsläufig dieser ihrer Eigengesehlichkeit, solange wir auf sie allein unser Augenmerk richten. Aber bildsam, wie alles Geschaffene, fügt sich auch die Wirtschaft den Absichten und Strebungen der Freiheit, sobald wir auf diese unsere Aufmerksamkeit sammeln. Was heißt zuletzt Eigengesehlichkeit? Wenn ich mit meinem Finger den Abzug einer geladenen Büchse berühre und losdrücke, bezweifelt niemand, daß Geschwindigkeit. Flugbahn, Durchschlagskraft meiner Kugel bis ins Kleinste nach den Regeln der Ballistik errechnet werden können — und insofern folgt das Geschoß durchaus seinem eigenen Gesetz. Trotzdem wird niemand bestreiten, daß von der Erfindung des Schießpulvers an bis zur Herstellung und zum Erwerb von Waffe und Geschoß, bis zur Wahl des Schußfeldes und des lebendigen oder toten Zieles ungezählte Zweck- und Willkürhandlungen getätigt werden, die ihrerseits die Kette der Eigengesehlichkeit unterbrechen und ausnahmslos auf dem freien Entschluß von Menschen beruhen. Kaum anders verhält es sich mit der wirtschaftlichen Eigengesetzlichkeit. Mögen immerhin Fertigung, Tausch und Verteilung der Sachgüter ebenso eindeutig den Wirtschaftsgesetzen folgen wie die Ereignisse auf dem Arbeits- oder Geldmarkt — diese ganze Eigengesehlichkeit besteht zuletzt doch nur aus Teilgesetzlichkeiten, mit welchen die freie Zielstellung von Personen oder Gruppen mehr oder weniger überlegen schaltet. Seitdem der geschichtliche Mensch sein Arbeitsgerät erfindet und formt, seitdem er Steine glättet. Metalle schmiedet, Pflanzen veredelt, Tiere züchtet, seitdem et die Grundstoffe der Natur verwandelt und den Wirkungsgrad ihrer Grundkräfte fast unbegrenzt vervielfältigt — seither entquillt jeder Wirtschafts- Vorgang der Freiheit seiner Planung. Seither hat jede Nation, hat jeder GesellsHafts- körper — der deutsche Volkswirt Friedrich 2ift versuchte es uns bereits vor hundert Jahren ein« zuhäunnern — genau die Wirtschaft, die fie wollen; vorausgesetzt freilich, daß sie überhaupt wollen! Damit sind wir unversehens bei unfern Ausgang wieder an gelangt. Es war die Not des Geistes, das Doll nicht mehr zu erreichen: und hinter dieser Not verbarg sich eine Schuld, zu der wir uns bekennen mußten, älnd wiederum es ist die Not des Volkes, dem Geiste sein Vertrauen zu entziehen und sich um ihn nicht mehr zu kümmern: auch hinter dieser Not verbirgt sich Schuld, die wir bekennen müssen In einem alten Weisheitsbuche des Femen Ostens finden wir die Doppelnot. an der wir heute kranken, in tiefer und schlichter Sinnbildlichkeit ausgedrückt. Wenn Himmel und Erde auseinanderstreben, heißt es in diesem Buche, wenn das Schöpferische und das Empfangende, der Geist und daS Volk einander meiden, dann stehen Welt und Mensch im Zeichen der Stockung. Dann können sich die beiden älrmächte unseres Lebens nicht befruchten. Dann findet der Führer keine Gefolgschaft und die Bewegungen in der Tiefe verebben spurlos. Ob sich Himmel und Erde, dos Schöpferische und das Empfangende, der Geist und das Volk künftig wieder nähern werden, entscheidet mithin über die Stockung. Für die Bereitschaft des Geistes stehen wir Geistigen ein. Für die Bereitschaft des Volkes vermag allerdings nur das Volk einzustehen. Möge es die Einmaligkeit der Stunde nützen und diele unsere deutsche Not, Not des Geistes und des Volkes, wird zms Hebel der Lst-Weuös- örtert. „Times" glaubt, daß die englische Regierung keine überstürzten Schritte tun wird. Sie werde den Standpunkt vertreten, daß bindende Abmachungen nicht durch einseitige Er- Höningen außer Kraft gesetzt werden können. „Daily Telegraph" erklärt, daß die britische Regierung im Rotfalle durch Sonderzölle auf die irische Einfuhr einen großen Teil der finanziellen Verluste wettmachen könnte, die ihr durch d e Rtchtbezahlung der irischen Landannuitäten erwachsen würden. Großbritannien nimmt ungefähr 90 Prozent der irischen Ausfuhr auf. Sn parlamentarischen Kreisen wird geäußert, daß der irische Freistaat durch Beseitigung des Treueides aufhören würde, ein Mitglied des britischen Gemeinwesens zu sein. Gespannte Finanzlage -er Reichsbahn. Anhaltend starker Rückgang des Verkehrs. Berlin, 23. März. Der Derwaltungsrat der Deutschen Reichsbahngesellschaft wählte den seit 1926 im Amt befindlichen Generaldirektor Dr.- Ing. e. h. D o r p m ü l l e r einstimmig auf weitere drei Sahre zum Generaldirektor. Die Beratungen über die Finanzen der Reichsbahn ließen den gesteigerten Ernst der Lage erkennen, die sich für die Reichsbahn aus der darniederliegenden deutschen Wirtschaft und der Weltkrise ergibt. Die bisherige Entwicklung der Einnahmen im Sanuar und Februar 1932 bleibt — mit 42,4 Prozent weniger als in den gleichen Monaten 1929 — noch weit hinter den bisherigen schon sehr ungünstigen Annahmen zurück. Sm Personenverkehr wurden 19,6 Prozent weniger als im gleichen Zeitabschnitt 1931 und 24,5 Prozent weniger als in 1929 vereinnahmt. Roch viel mehr litt der Güterverkehr, bei dem der Rückgang der Einnahmen gegen 1930 über 30 Prozent und gegen 1929 beinahe 50 Prozent ausmachte. Die der Wirtschaft seit dem Herbst 1931 gewährten Tarifermäßigungen von über '03 Millionen Mark haben sich bisher nicht als verkehrsfördernd ausgewirkt. Bei dieser Lage muh die Wirtschaft der Reichsbahn mit äußerster Vorsicht und Sparsamkeit geführt werden. Das aus der steuer- sreien Reichsbahnanleihe zu deckende Arbeitsprogramm in Höhe von 250 Millionen Mark wird planmähig durchgeführt. Ausdehnung der vorstädiischen Kleinsiedlung. Berlin, 23.März. (WTB.) Amtlich. Mit den a o m Reich bei der gegenwärtigen Finanznot für die vorstädtische Kleinsiedlung bereitstellbarcn Mitteln, lassen sich begreiflicherweise nicht alle Siedlungswünsche erfüllen. Um auch den zahlreichen Interessenten, die noch über eigene Mittel verfügen, eine verbilligte Siedlungs- Möglichkeit im Sinne der Notverordnung vom v. Oktober 1931 für die vorstädtische Kleinsiedlung Ku verschaffen, hat der Reichskommissar für vor- städtische Kleinsiedlung die Landesbehörden ermächtigt und angehalten, durch Anerkennung derartiger S i e d l u n g s v o r h a b e n als vor städtische Kleinsiedlungen auch den Bauherren, die keine Reichsmittel erhalten, d i c gleichen baupolizeilichen, ortsstatua- rischen und steuerlichen Erleichterungen zuzuwenden, die den reichsseitig unterstützten Siedlungsvorhaben zuteil werden. Der Kreis der Berechtigten ist nicht auf Erwerbslose und Kurzarbeiter beschränkt. Auch in bezug auf Raum und Landgröße sowie Bauweise der viedlerstellen sind im Falle der Selbstfinanzierung Abweichungen von den Richtlinien des Reichskommissars zulässig, sofern die Bauvorhaben dadurch nicht den Charakter vorstädtischer Kleinsiedlungen verlieren. Die Landesbehörden sind ferner ermächtigt worden, von den Erleichterungen für die Bereitstellung von Kleingärten für Erwerbslose und Kurzarbeiter, soweit dafür keine Reichsmittel in Anspruch genommen werden, in eigener Zuständigkeit Gebrauch zu machen. Der Reichskommissar hofft, daß die Ausnutzung dieser Befugnisse durch die Landesbehörden eine merkliche Belebung der Siedlungs- und Bautätigkeit zur Folge haben wird. Oie EmkommensteuervorauSzahlung. 23 e 11 i n, 23. März. (WTB. Amtlich.) Gerücht- weife wird behauptet, die Reichsregierung wolle die Einkommensteuer für 1931 durch die geleisteten Vorauszahlungen abgellen und überzahlte Vorauszahlungen nicht erstatten; weiter fei beabsichtigt, am 10. April 1932 eine weitere Vorauszahlung auf die Einkommensteuer zu erheben. Diese Gerüchte entsprechen nicht den Tatsachen. Die Termine für die Einkom- mensleuervorauszahlungen find durch die Notverordnung vom 7. Dezember 1931 und die Verordnung vom 5.Mär; 1932 um je einen Monat vorverlegt worden; die nächste Einkommensteuervorauszahlung ist also am 10. 3 uni 1932 fällt i g. Die Einkommensteuer Veranlagung wird ordnungsmäßig durchgeführt werden, über- zahlte Vorauszahlungen werden nach Maßgabe der gesetzlichen vorschriflen e r st a t 1 et werden. Auch Hamburg wählt am 24. April. Hamburg, 24. März. (WTB.) Rach außer» ordentlich hitziger Debatte in der Bürgerschaft wurde gestern der nationalsozialistische Auflösungsauftrag mit den Stimmen aller anwesenden 148 Abgeordneten angenommen. Der weitere Zusahantrag der Rationalsozialisten, die Reuwahl auf den 8. Mai festzusehen, wurde, da die erforderliche Dreiviertelmehrheit nicht erreicht wurde, ab« gelehnt. Danach bleibt es also verfassungsmäßig dem Senat überlassen, den Wahltermin festzusetzen, und es ist anzunehmen, daß der Senat die Wahlen ebenso wie bei den anderen Länderparlamenten aufden2 4. Aprilfestse tzen wird. Braud im Königsberger Opernhaus. Während einer Aufführung der „Drei Musketiere" brach im Königsberger Opernhaus Feuer aus. Der Zuschauerraum war gut beseht, das Publikum bewahrte jedoch vollständig e R u h e, als der Inspizient die Mitteilung machte, daß ein Brand ausgebrochen sei. Während die Oper in aller Ruhe geräumt wurde und dec eiserne Vorhang fiel, schlugen Wallfahrt zu Goethes Grab. ■ U/ 4V IM» 2K A Arck dem Wege zur Fürstengruft. In der ersten Reihe von links nach rechts: Staatssekretär Dr. Meißner, Großherzogin-Witwe Feodora von Sachsen-Weimar-Eisenach und Reichskanzler Dr. Brüning. die Hellen Flammen aus dem Dachstuhl des Dühnengebaudes. Die Feuerwehr rückte sehr schnell an und nahm kurz vor 22 Uhr die Löscharbeiten auf. Der Brand wurde während des Trommeltanzes bei den „Drei Musketieren" kürz vor der Pause bemerkt. Die Bühne war vollkommen rauchfrei und nur in den Rebenräumen beobachtete man einen Brandgeruch. Musiker, Künstler und Bühnenpersonal sind völlig ohneSchaden davongekommen. Bei den Löscharbeiten stürzte von dem Dache des Quer- baues ein Feuerwehrmann, der offenbar vom Rauch betäubt war, etwa acht Meter tief auf das Dach eines Vorbaues. Er wurde schwer verletzt. Das Feuer war gegen 23 Uhr bereits zum größten Teil gelöscht. Gegen Mitternacht konnten bereits einige Löschzüge abrücken. Von dem Brand ist im wesentlichen nur der Querbau des Bühnenhauses in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Schaden durch Feuer und Wasser scheint ziemlich erheblich zu sein. Der Zuschauer- raum ist nicht beschädigt worden. Auch die Garderoben» und Probenräume scheinen nur wenig gelitten zu haben. Aus aller Wett. ..Graf Zeppelin" in Brasilien. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist um 5 Uhr über der Stadt Pernambuco erschienen. „Graf Zeppelin" wurde bei seiner Ankunft von einer nach Tausenden zählenden Zuschauermenge begeistert begrüßt. Das Luftschiff flog über der Stadt eine Schleife und bereitete bann die Landung vor. Um 18 Uhr (Ortszeit, etwa 20.50 Uhr MEZ.) war es sicher verankert. Die Reise ist programmäßig ohne Zwischenfälle verlaufen. Der Erfinder des Pyramidons t- Sn Basel starb Professor Karl Spiro, der Erfinder des Pyramidons. Spiro wurde 1867 in Berlin geboren und studierte Chemie in Berlin, Greifswald und Würzburg. Rach fruchtbarer Tätigkeit in der chemischen Medizin (Erfindung des Pyramidons und einiger Farbstoffe) siedelte er nach Straßburg über, wo er Dozent und ordentlicher Honorarprofessor wurde und bis zum Sahre 1919 lebte. Rach vorübergehender Tätigkeit bei der Chemischen Fabrik vorrn. Sandoz wurde er im Sahre 1929 an die Tlniversität Basel als Ordinarius für physiologische Chemie berufen. Telephongespräch um den halben Erdball. Zu einem überraschenden Erfolg führten die Versuche der Hauptfunkstelle Rorddeich auf dem Gebiete der drahtlosen Telephonie. Es gelang zunächst, eine Verbindung mit dem am westlichen Ausgang des englischen Kanals befindlichen Lloyddampfer „E u r o p a" herzustellen. Dann verband man die „Europa" über Rorddeich mit Rauen, wo wiederum die Verbindung nach Bangkok (Siam) erweitert wurde, so daß sich das Gespräch über den halben Erdball hinzog. An Bord dec „Europa" sprach ein Offizier mit einem Chinesen in Bangkok eine volle Stunde lang- das teils englisch, teils deutsch geführte Gespräch war klar verständlich. Der geglückte Versuch ist als außerordentlicher Erfolg auf dem Gebiete der Funktelephonie anzusehen. Leprakranke revoltieren. Unter den Leprakranken, die in dem Krankenhaus von Pedo bei Alicante in Spanien untergebracht sind, ist eine Revolte ausgebrochen. Die Leprakranken überfielen die Wärter und drangen in die anderen Pavillons ein. Eine Anzahl Kranker stürmte in die umliegenden Dörfer und verlangte von den Gesunden, daß sie ihnen die Hand drückten. Die Kranken wurden in den Dörfern jedoch von den Bauern festgehalten und später wieder ins Krankenhau-s eingeliefert. Sklareks Hausdiener unterschreibt Schecks in höhe von 83 Millionen Mark. Der Hausdiener der Sklareks erklärte im Prozeß, daß er für 83 Millionen Mark Schecks unterschrieben habe. Das auf die G e - fölligkeitsschecks von der Stadtbank abgehobene Geld habe er als Deckung z u den Banken g e b r a ch t, auf die die Schecks lauteten. Die von ihm unterschriebenen Schecks seien von Max Sklarek giriert worden. Im Hause der Sklareks habe er einmal dem Angeklagten Stadtbankdirektor Hoffmann auf Anfrage erklärt, daß nicht er, sondern seine Frau die Schecks ausgestellt hätte. Hoffmann will sich ober an dieses Gespräch nicht mehr erinnern. Auch bestreitet er die Behauptung, daß er mindestens zweimal in der Woche die Sklareks aufgesucht hätte. Leo Sklarek bestätigte die Aussagen des Zeugen, daß Hoffmann bei ihnen gewesen sei und fügte hinzu: „Es war so gut, als wenn Hoffmann unser Kompagnon war." Der DelikatejjenhänLler Hennersdorf hatte für 4| Millionen und der Tuchoertreter Wende für 65 Millionen Mark Schecks aus Gefälligkeit unterschrieben. Wende hatte aber dieser Gefälligkeit kein großes Gewicht beigelegt und angenommen, daß nur Schecks in höhe von etwa 300 000 Mark auf seinen Namen laufen würden. Schmugglerjagd mit Panzerautos an der holländischen Grenze. Zollbeamte aus Krefeld und Geldern, die an der Landstraße bei ßue Hingen in einem Versteck auf der Lauer lagen, beschossen ein holländisches Schmugglerauto, das schon öfters hier über die Grenze gekommen war. Das Auto setzte jedoch seine Fahrt mit unverminder ter Geschwindigkeit fort. Daraufhin stellte sich ein Zollbeamter dem Schmugglerwagen mit einem Kraftwagen in den Weg und liech seinen Scheinwerfer so stark spielen, daß die Führer des Panzerautos geblendet wurden, die Sicherheit verloren und gegen einen Straßenmast fuhren, wo der Wagen beschädigt stehen blieb. Den Sn- fassen gelang es, in der Dunkelheit zu entkommen. Der Wagen war mit 12 -Millimeter-Stahlplatten gepanzert. Er enthielt etwa 12 Zentner Kaffee und Tee. Marburg die größte Zlnnsoldatengarnison der Welt. Kürzlich ging eine Meldung durch die Presse, wonach die Stadt Torgau die größte Garnison der Welt sei, indem nämlich ein dortiger Schuhmacher eine Sammlung von 1 6000 Zinnsoldaten nachweisen konnte. Dieser Rekord ist aber schon wieder gebrochen, denn jetzt meldet sich in Marburg der Obergerichtsoollzieher a.D. halsen, der 96000 Zinnsoldaten mit dem nötigen Zubehör, wie Burgen, Dörfer, Bäume, Brücken usw. sein eigen nennt. Die Sammlung berücksichtigt sämtliche Zeitalter, angefangen vom Trojanischen Krieg bis z-um Weltkrieg 1914/18. Die Sammler der Zinnsoldaten sind bekanntlich in dem Bund „Clio", Bund der Zinnfigurensammler, zusammengeschlossen, der auf der mittelalterlichen Plassenburg bei Kulmbach ein Zinnfigurenmuseum einrichtete. Glimpflich daoongekornmen. Ein 12jähriger Junge aus Lintorf (Bezirk Düsseldorf), der zu einem nach Glücksburg bestimmten Kindertransport gehörte, stürzte in der Nähe des Bahnhofs Tostedt aus dem in voller Fahrt befindlichen V-Zug Köln- Hamburg. Der Unfall ist glimpflich abgelaufen. Der Knabe hat eine leichte Gehirnerschütterung und einen Unterschenkelbruch erhalten. Es wird angenommen, daß der Knabe während der Fahrt die Wagentür geöffnet hat. Beim Einbruch von der Polizei erschossen. Der25jähr. Zeitungshändler Wilde in Berlin drang gegen 5 Uhr mit Hilfe dreier Kameraden in die Wohnung seiner früheren Braut ein. Er hatte sich vom Dach aus an einem Strick bis zum Fenster einer Kammer ihrer Wohnung herunter- gelafsen und das Fenster eingedrückt. In der Annahme, daß feine Braut in der Kammer schlafe, gab er drei Schüsse a u f das Bett Q b , in dem jedoch der Bruder der Braut lag. Die Schüsse gingen fehl. Die übrigen Angehörigen flüchteten in die Nachbarwohnung und alarmierten die Polizei. Während der Eindringling in der Wohnung nach seiner früheren Braut suchte, traf ein Beamter ein und stellte ihn in der Küche. Als Wilde darauf in die Kammer flüchtete, gab der Beamte einen Schuß nach der Kammer ins Dunkle ab und tötete Wilde durch einen Kopfschuß. Wettervoraussage. lieber Ostdeutschland liegt eine flache Störung, durch deren Rückseite kältere Luft mit Bewölkung und vereinzelten Schneefällen vordringt. Wahrscheinlich wird durch sie auch unser Gebiet berührt, so daß zeitweise Bewölkung aufkommt und auch tagsüber wieder etwas kühleres Wetter sich einstellt. Da gleich, zeitig über dein Atlantik das neue Tief vorschreitet, welches die britischen Inseln bereits stärker beeinflußt, so dürften wenn auch die Störung eine andere Zugrichtung einschlägt, seine Randausläufer bis über Westdeutschland vordringen und durch ozeanische Luft etwas Milderung bringen. Aussichten für Freitag: Zeitweise bewölkt, sonst aufheiternd, nachts leichter Frost, tagsüber etwas kühler, trocken. Aussichten für Samstag: Etwas milder, aufkommende hohe Bewölkung, stellenweise Nebel- und Dunstbildung wahrscheinlich. Lufttemperaturen am 23. März: mittags 3,8 Grad Celsius, abends —1,8 Grad; am 24. März morgens — 2,9 Grad. Maximum 4,2 Grad, Minimum —6,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 23. März: abends 4,8 Grad; am 24. März: morgens 1,2 Grad. — Sonnenscheindauer 10% Stunden. Aus der pwvknzialhauvistadk. Gießen, den 24. März 1932. Das Kreuz des Karfreitags. Von pfarrverwalier Wilhelm (Seemann-Schwickartshausen. Moltke hat einmal von der „großen llmrangie- rung", Riehsche von der „Umwertung aller Werte" geredet. Man könnte diese beiden klassischen Zitate nicht mit Unrecht auf das Christentum beziehen, weil es, richtig verstanden, wie kaum eine andere Religion eine Umwälzung großen Stils dokumentiert. Dafür ist sein Hauptsymbol, das Kreuz, der,beste Erweis, insofern es, ursprünglich Sinnbild der größten Schmach, in ein Ehren- und Siegeszeichen verwandelt wurde. Das eiserne Kreuz ist der Stolz des schlachterprobten Kriegers, das Kreuz schmückt die Türme unserer Kirchen und steht in der luftigen Höhe richtungweisend über allen Riederungen des Lebens. Das Kreuz auf den Gräbern redet von Todesüberwindung. Das Kreuz des Karfreitags sieht zunächst ganz anders aus. lieber ihm verliert die Sonne ihren Schein. Schmach und Gericht, aller Marter Fülle scheint es zu künden. Der am Kreuze Leidende und Sterbende ist ja der Schuldbeladene. -Buchstäblich auf- gefaßt scheint auch bei der Exekution auf dem Kalvarienberg das Dichterwort zu gelten: „Der Hebel größtes ist die Schuld". Schuld, die man nicht abwälzen kann, wenn man selber sie sich aufgeladen hat, ist die schwerste Last. Aber dem Dulder auf Golgatha sind seine Feinde die Antwort schuldig geblieben, als er sie fragte: „Wer von euch kann mich einer Sünde zeihen?" Und als man ihm den Prozeß vor dem staatlichen Gericht machte, kam Pilatus nicht hinaus über das Erkenntnis: „Sch linde keine Schuld an ihmI" „Don Rechts wegen" hätte ein Freispruch erfolgen müssen, nicht eben „wegen Mangels an Beweisen", sondern „wegen erwiesener Unschuld." Fremde Schuld hat der Mann mit der Dornenkrone auf sich geladen: Stellvertretendes Leiden kündet sein Kreuz. Stellvertretendes Leiden ist ehrendes, auszeichnendes Leid. So ehren wir die Brüder, die in dem großen Krieg für uns gelitten und geblutet haben und wissen, daß wir immer in ihrer Schuld bleiben. Aber das ist auch ein Stück der ewigen Tragik von Golgatha: viele von unseren Volksgenossen ahnen heute nicht einmal, daß das Kreuz des Karfreitags uns etwas zu sagen hat von stellvertretendem Leid, geschweige denn, daß man begreift, wie dort eine Menschheitsschuld offenbar und gerichtet wird. Oder wäre die Selbstherrlichkeit, die damals mit dem gellenden „kreuziget, kreuziget ihn", den Gerechten, zum Missetäter stempelte, die Selbstgerechtigkeit, die mit dem Mantel leiblicher Ehrbarkeit vor dem Heiligen bestehen wollte und ihm darum vorwarf, die Blindheit, die nicht scheiden konnte zwischen Christus und Darrabas, die Feigheit, die nicht wagte, für das Recht einzutreten — wäre das alles so fern und fremd von unserer Art? Wo wären die- Menschen, die im Ernst von sich behaupten wollten, daß sie nie den eigenen Willen zum Gesetz ihres Lebens und Handelns hätten machen wollen? So redet das Kreuz von Schuld, von unserer Schuld. Daß Sünde und Schuld unter Gottes Gericht stehen, beweist das Leben jedem nachdenklichen Menschen, wie ein solcher denn auch ohnehin schon die Stimme des Richters im eigenen Herzen vernimmt. Und da wird eben die Erkenntnis geboren: Diese Schuld kann ich nicht abbezahlen oder abverdienen, sie muh erlassen sein. Den Menschen fällt es schwer, wirtlich von Herzen Schuld zu vergeben, und ebensoschwer können sie darum auch an Vergebung glauben: denn die leichtfertige Rede von dem „lieben Gott" verstummt allzubald in wirklicher innerer Rot. Die Frommen, die Gott in strengste Lebensschule nahm, die er durch alle Tiefen des Leides und der Rot hindurchführte und denen er auch die letzte, schwerste Prüfung des inneren Zweifels nicht ersparte, sie alle bezeugen! übereinstimmend, durch welche Schauer des Gerichts der Ewige hindurchzwingen kann. Darum hört der Zug zum Kreuz nicht auf, solange noch ein Gewissen im Menschenherzen wacht. Das Kreuz verbürgt Erlösung von der Schuld und macht den Weg frei zu dem Gott, nach dem die Menschenseele geschaffen ist und in dem sie allein Ruhe findet. Aber das Kreuz ist nicht nur das Zeichen des Christenglaubens, sondern gar oft das Zeichen, unter dem unser Leben steht: das Kreuz des Karfreitags kündet unerhörten Sieg über unerhörtes Leid. So lohnt es sich, nach dem Geheimnis des Sieges über das Leid zu fragen. „Er hat an dem, das er litt, Gehorsam gelernt", so heißt es von Christus in dem Hebräerbrief. Sm Gehorsam auch schwere Wege gehen, das ist der Anfang der Leidensüberwindung. Rur muß dieser Gehorsam in der Ueberzeugung wurzeln, daß ein guter und gnädiger Wille unser Leben regiert. Leicht ist das nicht zu glauben. Aber das Kreuz des Karfreitags, das, obschon geheimnisumwoben und anfänglich rätselhaft dunkel erscheinend, dennoch als lauter Licht-Offenbarung eines gnädigen, erbarmenden Gotteswillens sich erwies, kann uns Mut und Recht geben, daß auch unser Weg aus Rächt zum Licht führt. Das Kreuztragen bleibt einem nicht erspart, aber wer in Glaubens- Gehorsam das Kreuz auf sich nimmt, wird des Lebens mächtig, während der, welcher nur Ansprüche an das Leben stellt, in bitterster Enttäuschung enden muß. Diele gehen heute müde die Kreuzesstraße, jetzt in der Rotzeit Deutschlands. Da ragt über alle Erdenkreuze das Kreuz des Karfreitags hinaus mit feiner Verheißung: „Sn diesem Zeichen wirst du siegen!" Oie verbilligten Osterreisen auf der Reichsbahn. Die Reichsbahnverwaltung hat bekanntlich für den Osterreiseoerkehrdie beim vorjährigen Weihnachtsfest zum erstenmal durchgeführte Einrichtung der verbilligten Festtags-Rückfahrkarten auf der Reichsbahn in erweitertem Umfange vorgesehen. Fertiggestellte Rückfahrkarten dieser Art sind an den Fahrkartenausgaben nach den beliebtesten Ausflugszielen vorrätig, noch anderen Orten werden sog. Blankokarten ausgeschrieben. Die Festtags-Rückfahrkarten mit 53,33 v. H. Ermäßigung werden zu Ostern von allen Stationen der Reichsbahn nach allen Stationen der Reichsbahn aus- gegeben. Sie gelten vom 23. März bis zum 4. April, und zwar zur Hinfahrt nur vom 23. März (den »n Tag) ab an allen Tagen bis einschließlich ärz, und zur Rückfahrt nur vom 24. März, 12 Uhr ab an allen Tagen bis einschließlich 4. April. Die Reise muß am 4. April um 24 Uhr beendet sein. Auch die am 2. oder 3. April gelösten Sonntags- Rückfahrkarten gelten bis zum 4. April, 24 Uhr. Die Benutzung der zuschlagspflichtigen Züge (mit Aus- Viel" di-M (tatt. 2 Wchba nalW der W praM jungen ür i>ai M? politisch genehm Angekla Lersam schon de nahezu auch subjekln glauben samnA So hall den, uni es sich 1 waren vergleich gingen" einer U' wacht, ii wehrjaä verlasst' deshalb ft r a f ( zu eine Der nach 11 Straße bei dew gesährli new b! auf der Höhe d des .2 ©ernünt Otto 9 aussage in die beide t Der jui davon, Aerle davonir ständig der mi stark lizeigetv nrittlunt ' ®i heutigen Landbul Weihst Avista Kariös gelbe l Spinat Grlinko Feldsal, Zwiebel Schwärz b ■ B Emi] Bi lei Gut Mei V A |,'V|I nähme der Luxuszüge) Ist gegen Zahlung der gewöhnlichen Zuschläge zugelosten. Die Arbeiter-Rück- fahrkarten gelten ebenfalls vom 23.März ab.; die m der Zeit vom 23. bis 28. März gelösten können zur Rückfahrt bis einschließlich 4. April benutzt werden. Die Entfernungsgrenze von 250 Kilometer ist für die in der Zeit vom 23. bis 28. Marz gelösten Arbeiter-Ruckfahrkarten aufgehoben. Schnellgericht in Gießen. Wiederum fand hier vor dem Einzelrichtcr bis in die Abendstunden hinein ein Lchncllgerichlsocrfahren statt Der Cinberufer und der Leiter einer in einem Nachbarort vor einigen Tagen abgehaltenen nationalsozialistischen Versammlung sowie der Redner und der Girl des Versammlungslokals waren eines Vergehens wider die Verordnung des Herrn Reichs- Präsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschrei- langen vom 28. März 1931 — die Mindeststrafe für dasselbe sind drei Monate Gefängnis — angc- klagt, weil es sich damals um eine öffentliche politische Versammlung gehandelt habe, die nicht genehmigt und deshalb verboten gewesen fei. Die Angeklagten bestritten den öffentlichen Charakter der Versammlung. Das Gericht vejahle ihn aber u. a. schon deshalb, weil unter den Teilnehmern tatsächlich nahezu 50 v. H. Nichtnationalsozsalisten, darunter auch Kommunisten, gewesen seien, sprach aber aus subjektiven Gründen die Angeklagten frei, weil sie glauben konnten, alles getan zu haben, um die Versammlung als eine nichtöffentliche zu kennzeichnen Co halte am Saaleingang eine Kontrolle stattgesunden, und es war öfters hervorgehoben worden, daß es sich um eine geschlossene Gesellschaft handle, auch waren Einlaßbegehrende abgewiesen worden und dergleichen mehr. Die drei erstgenannten Angeklagten gingen aber deshalb nicht straflos aus; sie haben sich einer Uebertretung des Vereinsgesetzes schuldig gemacht, indem sie nach Schluß der Versammlung trotz mehrfacher Aufforderung das Versammlungslokal zu verlassen, noch lange darin verblieben. Sie wurden deshalb verurteilt, der Cinberufer zu einer Haft- ft r a f e von zwei Wochen, die beiden anderen zu einer Geldftrafe von je 50 Mark. Schwerei- VerlehrSunfall. Der heutige Polizeiber'cht meldet: Gestern kurz nach 19 Uhr ereignete sich in der Grünberger Straß« ein schwerer Verkehrs Unfall, bei dem der Taglöhner Heinrich Ulrich lebensgefährlich verletzt wurde. Ulrich fuhr mit seinem Sohne auf Fahrrädern nach der Stadt zu auf der rechten Straßenseite, als ihnen in der Räh« deS Schützenhauses der Personenkraftwagen des .Metzgers Karl Stein II. auS Burg- Gemünden, gesteuert von dem Krastwagenführer Otto P h i l i p v . «ntgegenkam. Der nach Zeugenaussagen im Zickzack fahrende Kraftwagen fuhr in di« beiden Radfahrer hinein, die beide von ihren Rädern geschleudert wurden. Der junge Ulrich kam mit leichten Derlehungen davon, während der Bater schwere innere Verletzungen und Kopfverletzungen davontrug. Die beiden Fahrräder wurden vollständig zertrümmert. Der Kraftwagenführer und der mitfahrende Besitzer des Wagens waren stark angefrunfcit und wurden in Polizeigewahrsam genommen. Die polizeilichen Ermittlungen wurden sofort in die Wege geleitet. Gießener Wochenmarktpreisc. * Gießen, 24. März. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 130 Pf., Landbutter 120, Kochbutter 100, Matte 25 bis 30, Wirsing 10 bis 25 (pro Zentner 15 bis 18 Mk), Weißkraut 10 bi- 12 (pro Zentner 6 bis 6,50 Mk.), Rotkraut 10 bi- 15 (pro Zentner 8 bis 10 Mk.j, Kartoffeln 4,5 (Pro Zentner 3,80 bis 4 Mk ), gelbe Rüben.10 bis 12. rote Rüben 10 bis 12, Spinat 25 bis 30, Unterkohlrabi 5 bis 8, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat 100 bis 150, Tomaten 50 bis 60, Zwiebeln 20 bis 22. Meerrettich 30 bis 60, Schwärzwurzeln 25 bis 35. Dörrobst 25 bis 30, Äepfel 4 biS 15, Birnen 10 bis 12, Düsse 35biS40, Honig 40 bis 45, Suppenhühner 70 bis 60, junge Hähne 80 bis 90 Pfennig pro Pfund; Tauben 60 bis 70. Eier 8. Salat 25 bis 35, Blumenkohl 30 bis 70. Endivien 15 bis 30, Lauch 5 b.s 10. Rett ch 10 bis 15. Sellerie 10 bis 40, Oberkohlrabi 8 b;e 10, Käse 5 bis 10 Pf. pro Stück; Radieschen 15 biS 20 Pfennig pro Bund. Hornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ronni)". — Tageskai cnder für Freitag. Ober- hessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplag, 11 bis 13 Uhr, Tischbein-Ausstellung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Berge in Flammen". — Rus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Freitag, 25. März, bleibt das Theater geschlossen. — Samstag, 2o. März, 20 Uhr, „Romeo und 3ulia“, Trauerspiel von Shakespeare. Diese Vorstellung gilt als 23-Vorstellung im Freitagabonnement zu gewöhnlichen Preisen. Intendant Dr. P r a s ch hat die Spielleitung, die Titelrollen sp.elen Raimund Schel- ch e r und Beatrice Doering. Ende gegen 23 Uhr. — Ostersonntag, 27. Marz, 18 Uhr. als Fcemdenvvrstellung zu ermäßigten Schauspiel- Preisen „Der Hauptmann von Köpenick", ein deutsches Märchen von Carl Zuckmayer. Regie, der Intendant- Titelrolle Peter Zassctt. — Ostermontag, 28. März, zum letztenmal: „Die tolle Lola", Operette von Kadelburg und Redner. Musik von Hugo Hirsch. Spielleitung: Heinrich Hub. Musikalische Leitung: Walter Moehl. Tänzerische Gcsamtleitung: Ewald Däulke. Die Vorstellung gilt als Frcmdenvorstellung zu kleinsten Operettenpreisen. Spielzeit: 19 bis 21.30 Uhr. ♦ • • Staatliche Dien st stellen am Ostersamstag geschlossen. Das Hessische Gesamtministerium hat beschlossen, daß zur Kohlenersparnis am Ostersamstag die staatlichen Diensträume geschlossen bleiben. Sofern erforderlich, haben die Ämtsvorstände für Ostersamstag Sonntagsdienst anzuordnen. — Die gleiche Anordnung hat die Stadtverwaltung für die städtischen BureauS getroffen. •• Der Straßenbahnverkehr nach dem Neuen Friedhof wird am Karfreitag, Öfter- famstag und an den beiden Osterfeiertagen von 10.15 Uhr bis 1620 Uhr durchgeführt. Der letzte Wagen an diesen Tagen fährt um 16.20 Uhr ab Neuen Friedhof. •* Oberheff ischer Kun st verein. Die Tischbein-Ausstcllung wird während der kommenden Feiertage an folgenden Tagen geöffnet sein: Karfreitag von 11 bis 13 Uhr, Ostersonntag bleibt die Ausstellung geschlossen, Ostermontag von 11 bis 13 Uhr. Dann, wie sonst, Mittwochs und Freitags von 15 bis 17 Uhr. * Spülung der Straßenkanäle. Die Stadtverwaltung gibt im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß vom 29. März bis 23. April sämtliche städtischen Straßenkanäle gespült werden und wäh- renb dieser Zeit die Rückstauverschlüsfe an den Grundstücksentwässerungen verschlossen zu halten sind. * * Goldene Hochzeit. Am Samstag, 26. März, feiert das Ehepaar Ludwig Goß. wohnhaft Erlengasse 13, bei bester Gesundheit das Fest der goldenen Hochzeit. ** Unglücks fall beim Spielen an der Lahn. Der Polizeibericht meldet: Gestern gegen 10.30 Uhr wurde aus der Lahn unmittelbar an Der Kläranlage die Leiche eines dreijährigen Jungen ge« länbet, der beim Spielen am Tage vorher in die Lahn gefallen und ertrunken sein muß. Es handelt sich um das Söhnchen des An der Kläranlage wohnhaften Ernst K ü n z, der am 22. März 1932 bei der Polizei Anzeige über das Fehlen feines Kindes erstattet hat. * * Allerlei Diebesbeute. Zu dem Einbruchsdiebstahl in der Wilhelmstraße, über den wir gestern bereits berichteten, ist nachzufragen, daß nach den genaueren Feststellungen nicht nur 17 Mark gestohlen wurden, sondern den Dieben auch ver- schiedene Wertgegenstände in Die Hände fielen. Die Einbrecher nahmen ein wertvolles Zeiß-Glas mit braunem Ledcrfutteral, ein älteres Opernglas, eine schwarze Hornbrille mit rotem Etui, ein dünnes goldenes Halskettchen mit vier kleinen Brillanten, einen Füllfederhalter und ein blaues Damenhandköfferchen mit sich. Sachdienliche Mitteilungen über den Verbleib der Sachen und die Täter erbittet die Sh imüialpolijei. Oberbeffen. Lanorreis Ctficfccn. 'Grüningen. 23. März. Am LamStag feierten die Eheleute Karl Leidichl. und Frau Katharine, geb. Marsteller, das Fest der goldenen Hochzeit. Zahlreiche Glückwunschschreiben, u. a. des Reichspräsidenten, des Landes- lirchenamts, des Ministeriums und deS Kreisamts Gießen waren e.ngcgangen. Am Abend brachte der Adam Iöheimsche Gesangverein dem Jubelpaare ein Ständchen Der Jubilar war lange Zeit im Vorstand des Vereins und ist bcifen Ehrenmitglied. Der jetzige erste Vorsitzende L e i d i ch und der Ehrenvorsitzende Mohn würdigten in kurzen Ansprachen die Verdienste ihres treuen Mitgliedes. Der Jubilar dankte für die Aufmerksamkeit mit herzlichen Worten. □ Staufenberg, 22. März. Am Samstag- abend fand im Saale der Burg Staufenberg bei starken Besuch eine Werbeveranstaltung der „H a s s i a" statt. Die Hassia-Jugendgruppe „Hindenburg" in Lollar gestaltete den Abend durch vielseitige Darbietungen über praktische Jugendarbeit und durch Vortrag ernster Gedichte, umrahmt von flotten Märschen, zu einem Erlebnis für die Gäste. Der Jugendabteilungsführer Karl Bruck (Lollar) sprach über Zweck, Sinn und Ziel der Hassia- bzw. Kysfhäuser-Jugendbewegung, während der Bezirksoorfitzende, Pros. Dr. K r a e m e r (Gießen), der hohen Ausgabe der Kriegervereine in einer Ansprache gedachte. Sämtliche Darbietungen hinterließen bei den zahlreichen Zuhörern den besten Eindruck. ! S t e i n h e i m , 23. März. Der hiesige Gesang- verein „Frohsinn" hielt dieser Tage seine Ge- neralversammlung unter Leitung des ersten Vorsitzenden Gustav O st h e i m ab. Aus der Rechnungsablage war ein günstiger Stand der Vereinsfinanzen Iu erkennen. Bei der Vorstandswahl wurde für den reiroiüig aus seinem Amt zurückgetretenen Schrift- ührer Wilhelm Berk Rudolf Theiß gewählt. Die Choroorträge der Sänger unter der Leitung von Lehrer Sommer bewiesen die erfolgreiche Sangesarbeit des Vereins. Kreis Büdingen. nd. Ridda, 22. März. Am Sonntag fand in der Kirche eine gemeinsame Sitzung des Kirchenvorstandes und der Kirchengemeindevertreter statt, die sich mit dem Voranschlag des Kirchspiels Ridda für das Rj. 1932 beschäftigte. Der Voranschlag schließt bei einem Rechnungsrest aus dem Jahre 1930 von 1829 Mark in Einnahme und Ausgabe mit 8368,27 Mk. ab. Die Gehälter der Kirch^nbedien- steten, die einen geringen Iahresbetrag aus- machen, sollen nach Genehmigung des Landeskirchenamtes nicht entsprechend der letzten Rotverordnung gekürzt werden, sondern nur die Bezüge von 300 Mark ab. Der Ertrag der örtlichen Kirchensteuer wurde mutmaßlich auf 5627 Mk. festgesetzt und der Ausschlagskoeffizient etwas gesenkt. Acht Zahre Zuchthaus für einen Revolverhelden. WSR. Frankfurt a. M., 23. März Das hiessge Schwurgericht verurteilte heute den Autoschlosser Johann Müßig wegen bollen* detenTotschlagsundTotschlagsver* fuchs in zwei Fällen und wegen VergcchenS gegen das Schußwasfengesetz zu acht Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Auf die Strafe wurden zwei Monate und drei Wochen der Untersuchungshaft angerechnet. Der An* gcHagtc hatte bekanntlich vor einigen Wochen im Verlaufe einer durch zechten flacht frühmor- gens mit mehreren Begleitern das Eafö Daube ausgesucht und dort nach einem Wortwechsel mit einem Kellner und mehreren Gästen wiederholt um sich geschossen. Das Gericht nahm auf Grund der Zeugenauslagen an. daß 6er Angeklagte nicht in Rotwehr gehandelt hat. Das Schießen war nicht erforderlich, um einen Angriff abzuwenden, denn als er die Waffe hochhob. zeigte sich schon die Wirkung des Hochbebens darin, daß ein Teil der Gäste, darunter die Musiker, daS ßotal verließ. Mildernde Umstände wurden dem Angeklagten nicht zugebilligt. Trotzdem der Angeklagte wußte, was geschehen war, hat et nach der Tat noch mehrer« Lokale besucht, getanzt und ging dem Vergnügen nach. Rach der Urteilsverkündung lächelte der Angeklagte seinen Angehörigen zu, di« sich im Saal eingefundcn hatten. Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Karfreitag, den 25. März. Ltadtkirche. 9.30 Uhr: Pfr. Mahr; Beichte und hl. Abendmahl für Matthäus- und Markusgcmeindc; 18: Pfarraffistcnt Knell; liturgischer Gottesdienst — Iohanncskirchc. 9.30: Pfr. Bechtolsheimer; Beichte und hl. Abendmahl für Lukas- und Johannes- gemeinde; 11.15: Kinderkirche für die Lukas- gemeinde; Pfr. Bechtolsheimer; 18: Pfr. Ausfeld. — Kapelle des Allen Friedhofs. 9.30: Pfr. Lenz. 15: Karfreitagsvesper- Pfr. Ausseld; Pfr. Lenz. — Elisa« belh-kleinkinderschule. 9.45: Pfr. hie. Waas; Beichte und hl. Abendmahl für die Petrusgemeinde; 18: Pfr. Lic. Waas. — Heuchelheim. 10: Gottesdienst; Kollekte; 13: Kindergottesdienst. — wiescck. 9.30; im Anschluß Feier des hl. Abendmahls; Kollekte. 18: Kollekte. — Alten-vuseck. 10: Gottesdienst mit Feier des hl. Abendmahls; Kollekte; 13: Passionsandacht. — Hausen-Garbenteich. 10: Hausen; 13: Garbenteich. — Dahendom-Steinberg. 9.15: Beichte; 9.30: Predigt- gottesbienft; im Anschluß Feier des hl. Abendmahls (Alte). — Grüningen. 13.45: Hauptgottesdienst. — Lich. 9.30: Stiftsdechant Kahn; Chorschule; Kirchenchor; Kollekte; 14: Stiftspfarrer Draubt; Kollekte; 17: liturgischer Gottesbienft. — Klein-Linden. 10: Gottesbienft; 13.30: Abenbmahl ber Alten. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 10: Lollar; 11: Feier des hl. Abenbrnohls für bie alten Oemeinbcglicber. Katholische Gemeinden. Freitag, den 25. März. Karfreitag. Gießen. Don 7.30 Uhr an Slnbctungsftunben; 9: „Verstörte Meße" und Predigt; 18: Andacht — Hungen. 13: Predigt und Andacht. — Laubach. 15 30: Predigt und Andacht. Lich. 9: „Verstörte Messe" mit Predigt; 20: Kreuzwegandacht. — Ridda. 8.30: „Verstörte Messe". Samstag, den 26. März. Karsamstag. Gießen. 7 Uhr: hl. Weihen; 8.30: Hochamt; 16.30 und 19: Beichte. — Lich. 6.30: hl. Weihen; 7.15: Hochamt. — Ridda. 8.30: Hochamt. Israelitische Gemeinden. Jfraelitische^Religionsgemcinde. Gottesdienst in der Synagoge (Sübanlage). Samstag, 26. März. Vorabend 6.30 Uhr; morgens 9; abends 6.55 und 7.35 Uhr. Israelitische Religlonsgescllfchafl. Sabbatseier den 26. März 1932. Freitag abend 6.20 Uhr; Samstag vormittag 8.30; nachmittags 3.30; Sabbatausgang 7.35. — Wochengottesdienst: morgens 6.45; abends 6 Uhr. _____________ Lonntanediemt d.Aertte u.Avotheken am 25.3,32 Dr. S. Klein. Frau Dr. Marr. Hirlchavotbeke. ■. AnsteUunqeverhand» unqen. Oft ist und ber Austraaqrber unbekannt unblnt>ie(cn:TäUen können wir nichts tun fflr b. Wiedererlangung der Bewerbungsunterlagen Gietzenev Auretgev Metzgerei Jakob Friedrichstraße Fernsprecher 4346 Ja. Rind- und Ochsenfleisch ... Pfd. 604 la. Mastfleisch, besonders schön. Pfd. 50 I gebraucht,geg.Kasse n b v—. 01834 mu kaufen gelllcht. 0 Fahrzeage, | Schriftl.Angeb.nnt. Telephon 3096. 101837 a. d. G. Anz. Nur eo berät und beliefert Sie zu gQneUger. 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Shakespeare. §s (in de silche Zuger nem " denen spielei über, genres sich nu heil ) Es um da sühm - am sührt geben, 3aum Art l QU1 d scheid 3ei lichen oder wenn schreit offen l.Einf stehen Hüanc Dai denken lveltm- zöfifch Dinge. Mstei die gri Probli Arbeit fische nehmst Mr | sollten uns te das fii dem - mir hc nerakn es uni in den geteilt aWn mW denen find figfei Wir dein1' Wir Braud Grenz an um Mr t •Umtoa Wozu' die So faffung lich m dollen Betten-Bär Marktstr. LS 2^33a Selterswea 20 Die dächte «fron? 9tün o Ms Hnen iRn dd n< gut?" schreck gar $ hin du urchtbc an - Auflegematratzen von Mk. 36.00 an Deckbetten, mit 6 Pfund Federn gefüllt ......... von Mk. 18.00 an Kopfkissen, mit 2 Pfund Federn gefüllt_______ von Mk 500 an Kleiderschränke von Mk. 35.00 an - Waschtische von Mk’ 30.00 au Dielen-Garmturen.................. von Ml- iQm Polster-Sessel von Mk. 18.00 an Stühle.......von Mk 3 00 an MlöM. 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Gesternab end 6 */>Uhr verschied sanft nach langem schweren Leiden unsere liebe Mutter, Schwägerin und Tante Fran Margarethe Lehrmnnd geb.Schütz im Alter von 62 Jahren, versehen mit den heiligen Sterbesakramenten. Kaufmann Fritz Scholz im 51. Lebensjahr durch den Tod entrissen. Herr Fritz Scholz war vom 1. Januar 1909 bis zum 30. September 1930 bei der Geweikschaft Friedrich in Trais-Horloff und von diesem Zeitabschnitt bis zu seinem Ableben bei der Braunkohlen-Schwelkraft- werk Hessen-Frankfurt A. G. (Hefrag) tätig. Wir verlieren in ihm einen treuen Mitarbeiter, der uns durch seine reichen Kenntnisse und sein starkes Ffflichtbewußtsein eine große Stütze gewesen ist, und einen lieben Kameraden, der sich durch sein freundliches und entgegenkommendes Wesen die Liebe und Achtung seiner Kollegen erworben hat. Sein Andenken wird von uns in Ehren gehalten werden. Leiden Sie? dann nur Hofapoth. SchaefenM. Mieren-md Blas wies das wirks.vollständ. unschädl. Naturprodukt. 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SS gibt keine einheitliche französische Jugend (in dem Sinne, wie eS heute eine einheitliche russische Jugend gibt). SS gibt mehrere französische Jugenden von verschiedener Art und verschiedenem Wert. ES ist nicht allzuschwer, diese verschiedenen Gruppen gegeneinander irbzugrei'zen, ooch spielen die Grenzlinien häufig genug ineinander über. Es entsteht dadurch ein „melange des genres“ (eine »Mischung der Gattungen"),- worin sich nur der genaue Kenner Frankreichs mit Sicherheit zurechtfindet. CS ist nötig, diese Bemerkung vorauszuschicken, um das Approximative der folgenden Ausführungen gebührend zu unterstreichen. Was hier — aus der unerschöpflichen Ttosfmasse — angeführt wird, soll nur ein ungefähres Bild geben, soll (und kann angesichts des knappen Raumes) nur eine Art Disposition, eine Art Orientierung sein aus einem Gebiete, auf dem man in Deutschland viel zu wenig Bescheid weih. ' Jeder denkende die Zeichen dieser ungewöhnlichen Zeit verstehende Deutsche — sei er nun 20 ober sei er 50 Jahre alt — ist maßlos erstaunt, wenn er immer und immer wieder auf junge Franzosen stößt, die völlig blind durch ihre Epoche schreiten. Blind und taub zugleich. Drückt man offen sein Erstaunen über eine solche Haltung (»Einstellung") aus, die man einfach nicht verstehen kann, so bekommt man — in verschiedenen Aüancierungen — immer da« gleiche zu Horen: WaS wollen Sic? Wir denken französisch, wir denken nicht kontinental, nicht europäisch, nicht weltmäßig, nicht kosmopolitisch - und wir französisch benfen, ist uns Frankreich das Maß der Dinge. Wir sind ein geschlossenes Imperium in Westeuropa und Westasrika. Wir haben in Asien die große Kolonie Indo-China. Wir haben also Probleme genug, die uns bewegen und unsere Arbeitskräfte in Anspruch nehmen. Die französische Art zu leben erscheint uns als die angenehmste (und nachahmenswerteste), die es gibt. Wir sind »Bürger". Zugegeben. Aber warum sollten wir es nicht sein? Warum sollten wir ein uns teure« Lebensideal ersehen durch ein anderes, das sich noch nicht erwiesen hat und uns außerdem soweit wir es zu verstehen vermögen — nur höchst fragwürdigen Ersatz für das durch Generationen erprobte zu gewähren scheint? Worauf es uns a n f o m m t ? Auf ein angenehmes Leben, in dem Arbeit und Genuß in schönem Maß auf- geteilt sind. Wir wollen uns nicht abbladen und abschinden. wir wollen nicht rasen unb bem Gold nachjagen wie diese verdammten Amerikaner, von denen da« Unheil kommt. Wir find Menschen. Wir sind Individuen. Wir haben unsere berechtigten Bedürfnisse. Sehr bescheidene, finden wir. Wir wollen unser „Bien-ctre“, unser »Wohl- Sein". Wir wollen den angenehmen Durchschnitt. Wir haben in unserem Lande alles, was wir brauchen. Wir haben kein Verlangen, über die Grenzen zu gehen. Was wir an Abwechslung — an uns zuträglichen — wünschen, gibt es bei uns. Wir verstehen nicht die ewige Reuerungs- und .Umwandlungssucht anderer Voller unb Rassen. Wozu? Wir wehren uns bagegen. Wir sinb die Sohne unserer Väter. Wir teilen ihre Auffassung. Wir wollen arbeiten wie sie — natürlich mit den neuen technischen Mitteln —. wir wollen erwerben wie sie, bewahren, aufspeichern, Frühlingsrezept. Von Polly Tieck. Magnvlienbaum. Als erstes kommen immer die Magnolien, — das kennen wir schon. Eigentlich sehen sie aus wie eine Schaufensterdekoration für Frühjahrssachen, — man mochte darüber lachen, über die kohlen Zweige mit den rosigen Kerzen, aber man fühlt betroffen: es geht uns zu Herzen! Offenbar ist es gerade die saubere Blütenparade. die so früh kommt, um früh wieder zu gehn, vor der wir erschrocken stehn ... Später, wenn erst Werder kommt und der ewige Flieder, finden wir die Fassung wieder und wissen: Cs ist wie im Jahre vorher. — Marke: „Plütemneer!" Aber das erste, sparsame Erwachen, die erste Magnolie, - das sind so Sachen! Wenn man symbolisch werden wollte, was nicht mehr modern ist, könnte man sagen ... na. Sie wissen schon, welcher Vergleich nicht fern ist! Jedenfalls wirb am Magnolienbaume wieder klar, wie das damals war, als wir zum erstenmal horten: Der kriegt erst Blüten, und bann die Blätter" ... Es war blaue« Frühlingswetter, wir waren sehr klein. — und die Wolken standen im Himmel wie weißer Schaum, unb wir träumten: »Magnolien- baurn!“ ... Luftballons. Die Luftballons haltet hoch in Ehren! Wer möchte sie entbehren und wäre eine richtige Frau? ... Was wollen Sie immer? — Rot, grün ober blau? Trugen Sie auch die Schnur durchs Knopfloch vom Mantel gezogen? Ist Ihnen auch mal einer weggeflogen, und Sie standen 5Öa in Ihrem Helgoländer Hut und sahen ihm nach und fühlten: ..Das wird nie wieder gut?“ ... Erinnern Sie sich an den furchtbaren Schreck? Kleiner Punkt im Himmel — und plötzlich ganz weg? Und dann weinten Sie und wollten hinter ihm herlaufen, und die Bonne tröstete: Sie würde einen neuen kaufen, aber Sie schrien furchtbar: das könne Ihnen nichts nützen, weil er ..Gretchen" hieße — und i h n müßten Sie besitzen und keinen andern — das machte Ihnen £a r kein Vergnügen! • • Und die Bonne sagte: Sie «mühten Keile kriegen! So ein ungezogenes Kind! ... — Was wissen Donnen von Luftballons, die nicht zu ersetzen sind? ... D a t i st Im Winter fragt man erstaunt, was das eigentlich ist: Batist ...? Ein Stoff? — Hat man unser Dasein in jeder Weise gesichert wissen. Dir wollen eine« Tages ausruhen, und unseren Lebensabend genießen... Unsere Sohne sollen sein wie wir... Frankreich soll bleiben, was es ist und wie es ist. D e r K r i e g ? Wir haben ihn nicht gewollt. Wir konnten ihn verlieren. Da wir ihn gewonnen haben, erübrigt es sich, darüber nach- zudenken. was geworden wäre, wenn wir ihn verloren hätten. Das ist die Sorge ande er Leute. Wir werden uns um die Früchte des Sieges nicht betrügen lassen. Für un« war 1914 bis 1918 eine böse Unterbrechung. Ein fürchterlicher Albdrud. Er ist vorbei. DasLebenhat feinen Äur« wieder aufgenommen. Seinen normalen, un« angenehmen Kurs. Einiges ist anders. Natürlich. Aber das Wesentliche ist wieder da. da« worauf es unS ankommt: der bürgerliche, französische Lebensstil. Wir würden abermals für ihn kämpfen, wenn es sein müßte. Das ist gewiß — obwohl wir bei Gott keinen Krieg wollen... Was sollen wir und mehr als unerläßlich nötig mit Problemen Herumbalgen, die uns nur indirekt betreffen? Was sollen wir uns in Ungewißheiten einlassen, wo wir doch nur eine einzige Gewißheit wollen: die. daß unser Frankreich lebe, bestehe, und sich nach seinem eignen Gesetz entfalte? Wir glauben an dieses Frankreich. Das genügt uns. Was wollen Sie eigentlich? S o sprechen — so sprachen zu mir seit Jahr und $ag_ — die Angehörigen dieser ersten Gruppe. Sie gehören sehr verschiedenen sozialen Ständen an und durchaus nicht etwa nur — was man vielleicht denken könnte — der besitzenden Schicht. Söhne kleiner und mittlerer Beamten, ja Arbeiter haben in ähnlicher Art zu mir gesprochen. Und eine ganze Reihe von Studenten. Auch junge Dauern — in der Vormandie, in der Touraine, in den baskischen Provinzen, in Burgund, äußerten Ansichten, die von einer gleichen Denkweise Zeugni« ablegten. Wer nun etwa annimmt, es müsse doch ein Leichtes sein, durch energischen Hinweis auf die Weltlage diesen Leuten zu beweisen. daß ihr Standpunkt eine große Gefahr für ihr Land bedeute: der täuscht sich gewaltig. Der Grad der Unzugänglichkeit für modernere und zeitgemäßere Gedan'engänge ist ungeheuerlich: der Versuch einer Beeinflussung ist von vornherein zum Scheitern verdammt. Vichts aber wäre nun — vom deutschen Standpunkt aus - falscher, als die große Menge der so Denkenden als eine qauntite negligeable zu betrachten. Das genaue Gegenteil hat zu geschehen! Jeder Deutsche, dem Deutschland« und Europas Zukunft (was das gleiche ist) am Herzen liegt, hat sich darüber klar zu fein, welchen bedeutsamen Faktor die soeben geschilderte Gruppe französischer Jugend in jeder europäischen Zukunftsberechnung darstellt, und er hat den Fehler aller Fehler zu vermeiden: sich ausschließlich auf diejenige Gruppe zu berufen und zu stützen, welche man als die Gegenspieler in der konservativ-sterilen darstellt: nämlich auf die Gruppe der — in sich zweigeteilten — kollektivistisch gerichteten französischen Jugend. Ihr einer Teil umfaßt die Anhänger der rein kommunistischen Doktrin (ä la Moskau dritte Internationale), der andere die jungen Menschen, welche sich um die sehr interessante und hochnivellierte Zeitschrift »Plans" gruppieren. Es erübrigt sich, hier von den waschechten Kommunisten zu sprechen. Wir wissen, was sie sind, denn wir haben ihrer genug im eigenen Lande, und wir wissen auch, was sie wollen. Dagegen ist von den „P l a n s" - L e u t e n ein Wort zu sagen. Was diese Menschen auszeichnet, ist: 1. ihre Integrität und absolute Uneigennützigkeit (kein Mitarbeiter der Zeitschrift bezieht ein Ho- norar) und 2. ihre unbedingte Erkenntnis der heute nicht mehr auflösbaren Schidsalsverbun- denheit aller europäischen Völker. Rußland einbegriffen. Die Zeitschrift »Plans", welche in französischen Regierungskreisen und ganz beson- daraus nicht früher mal Wäsche gemacht? ... Batist? Daran haben wir ewig nicht gedacht! Aber plötzlich sind wieder Kleidchen da aus weißem Batist. Tausend zärtliche Fähnchen, die man hißt für den Frühling und seinen Empfang, lauter weißer Batist, gepflanzt die Straße entlang, auf den Plätzen und Parks und Alleen, überall, wo junge Mädels unb Kinder gehn! Gestärkt, gewaschen und furchtbar weih, auch wenn s noch gar nicht so heiß — wenn der Mai naht, ist bei dem Jahrgang bis zu zehn nur eines zu sehn: Glänzend: steif und knitternd. Hochflut, weißen Batists: „Frühling — j a, d u b i st 's ...!" Epilog. Man nehme von diesen drei Sachen ein- bis dreimal je einen Schluck — die Wirkung ist kolossal! Die Rührung kommt ganz von selbst, man braucht sich nicht anzustrengen, sanfte Gefühle drängen sich unvermutet herein — man muß etwas vorsichtig fein mit dem Standesamt - das geht in dieser Jahreszeit ziemlich geschwind! (Ratschlag für die, die noch in der glücklichen Lage find!) ... Im übrigen fasse man sich, leise geniert, aber doch, bei der Hand und empfinde klassisch: »Frühling läßt sein blaue« Band" ... Kreislauf. Eine Anekdote von Hans ^Reimann. Der Held der Anekdote (nicht nur Dramen, nein auch bescheidene Anekdoten können einen Helden haben)... der Held unserer Anekdote ist ein Ungar, und zwar wollen wir ihn Gödollö nennen, weil das ein so herrlich ungarisches Wort ist. (Tatsächlich hört eine Bahnstation zwischen Wien und Budapest auf diesen bemerkenswerten Flamen.) Mein Freund Godottö aus Ungarn arbeitet bei einem großen Verlag als Zeichner und Photograph, und dieser Verlag eröffnet eines Tages ein Reisebureau — im leerstehenden Trakt des eigenen Hauses. Am Eingang liest man, daß hier französisch und englisch und spanisch und italienisch und schwedisch und dänisch gesprochen wird. Sächsisch nicht. Aber auch nicht ungarisch. Es vergeht taum ein Tag. wo mein Freund Gödollö nicht hinunter bestellt wird ins Reife- bureau, um zu dolmetschen, und da er ein liebenswürdiger und hilfsbereiter Mensch ist. wird er weidlich ausgenutzt und sogar nach offiziellem Oe* schästsschlnß mit Fragen überhäuft, die irgend» der« in den Kreisen der Schwerindustrie (Comite des borgest mit sehr scheelen Augen angesehen wird, vertritt mit großer Energie den Standpunkt, daß die Epoche des wirtschaftlichen Individualismus endgültig vorüber sei unb sieht eine Möglichkeit, bem herrschenden Welt-Elend zu begegnen, lediglich in der Einführung einer über ganz Europa ausgedehnten Planwirtschaft (daher der Vame »Plan«") auf syndikalistischer Basis. Das ein solches von nichtkommunistischen Menschen ausgestelltes Programm in dem heutigen Frankreich bedeutet, kann nur derjenige ermessen. der Frankreich seit langen Jahren kennt und mit dem Besonderen der franz?sischen Mentalität auf« engste vertraut ist. Die Leute um „Plan«" — vor allem die Herausgeber unb Leiter, welche durchweg der besitzenden Klasse angeboren und alles andere als Proletarier find, aber beileibe auch keine .Edelkommunisten ' — sehen haarscharf die Gefahren, welche ein sich von der revolutionären Weltbewegung au«fi) testendes und in einer Art nationaler Hypertrophie abschließendes Frankreich läuft, und toiflen, daß we.ec eine hege- monistische noch wirtschaftlich reaktionäre Politik Frankreich« im europäischen Konzern auf die Dauer mit Erfolg durchgeführt werden kann. Es ist hier nicht unsere Aufgabe, kritische Stellung zu nehmen. Es ist lediglich unsere Aufgabe, einen Bericht über ein Seiende« zu geben. Wir müssen es aber als ein Phänomen außergewöhnlicher Art bezeichnen, wenn eine Zeitschrift wie »Plans" im September letzten Jahre« Flugblätter großen Formates herausgab. in denen die Zoll- und Geldeinheit Deutschlands unb Frankteichs rigoros gcforbcit würbe: so wie heute die Herstellung des ungeheuren Wirlschaftsblock« dieser beiden Länder der wichtigste Punkt des „Plans'-Programmes ist. Wir müssen es weiter als einen bedeutsamen Schritt bezeichnen, wenn „Plans" vor drei Wochen eine Konferenz nach Frankfurt einberufen unb in vier Sitzungen Jugend gruppen aus Frankreich, Belgien, Schweiz und Deutschland (unter den Deutschen auch Hitlerleute) einen ersten Kontakt fassen konnten. In der französischen Initiative liegt das Bemerkenswerte. Es wird darauf zu achten fein, welche weiteren Schritte folgen und zu welchem weiteren gemeinsamen Handeln Jugend auf den Plan gerufen wird. „Plans" ist ein sehr junges Unternehmen. An seiner Spitze steht, als Chesredakieur, der Rechtsanwalt Philippe Lamour. Die Oberaufsicht liegt in Händen des bekannten unb bedeutenden Soziologen Hubert Cagarbcllu, der als der beste Kenner der Geschichte des Syndikalismus gilt, ebenbürtig beratende Stimmen haben Le Corbusier, der auch in Deutschland berühmte Architekt Francois dePierrefeu und Pierre Winter. Cs wirb nichts schaden, wenn man sich diese Vamen einstweilen merkt. Es könnte fein, baß ber eine ober anbere — ober auch mehrere — in der Geschichte der französischen Zukunft unb in der Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen eine wesentliche Rolle spielen wird. Es kommt niemals darauf an, daß eine neue Bewegung in ihren Anfängen die Massen hinter sich habe: es kommt nur darauf an, daß sie kommende Votwendig- feiten richtig unb rechtzeitig crtoittcre. 'Die nächsten Jahre schon toerben barhtn, ob Hie« bei »Plans" ber Fall war ober nicht. Und was ist von anderen Gruppen ber französischen Jugend zu sagen? Vicht allzuvieles, das man nicht wüßte, ober sich nicht denken könnte. Diejenige Jugend, welche sich parteipolitisch links orientiert unb auch in Einzelheiten die jeweilige Parteidoktrin unterschreibt, ist als tragende Kraft — so zu bewerten wie alle Angehörigen der Partei. Sie wird immer ihren humanitären Charakter betonen, im Pritrzip verständigungsbereit fein, sich durchaus friedliebend gebärden, aber sie wird natürlich allen Relativitäten des Parteischicksals ausgesetzt bleiben, solange ihr Parteigeltung wichtiger ist als unbedingte Verfechtung und Durchsetzung einer großen und schöpferischen Idee Genau dasselbe gilt von ber Jugend der Rechtsparteien, deren Argumentation in vielen Punkten auf ähnliche Ergebnisse hinausläuft wie welche ungarischen Angelegenheiten betreffen. Das geht so sechs, acht Wochen. Da liest Gödöllö plötzlich am Eingang des Reisebureaus ein soeben angebrachtes Schildchen, darauf steht, baß hier auch ungarisch gesprochen werbe. Das interessiert ihn. Er tritt ein. Am Schalter wirb er von einem Fräulein empfangen, bas offenbar neu ist und ihn noch nicht kennt. Er fragt etwas auf Ungarisch. Das Fräulein sagt: „Einen Augenblick" und entfernt sich. Gödollö nimmt auf einer Dank Platz und wartet ebcnlo geduldig wie neugierig. Im Reisebureau jedoch spielt sich inzwischen das folgende ab: ein Bote flitzt hinauf in den dritten Stock, um Herrn Gö- döttö zu holen. Herr Gödollö ist nicht da. Wo steckt er? Viernanb weiß es. Was soll er? In« Reisebureau kommen. Güt, man werde ihm bas ausrichten. Aber es hat Eile. Jawohl, man werde ihn sofort suchen. Im ganzen Betrieb flitzen die Boten und arbeiten die Telephone. Gögöllö ist nirgend« aufzutreiben. Schließlich meldet einer den Pförtner, man habe ihn vor einer Weile im Reisebureau verschwinden sehen. C« wird ein Boy ins Reisebureau gejagt... und richtig: da fitzt Gödöllö und träumt vor sich hin. Der Boy schießt auf ihn zu und zerrt ihn hinter sich her und bugsiert ihn zum hinteren Eingang besReife- bureaus hinein. .Wa« ist los?" fragt Gödöllö. Ollan eröffnet ihm, daß draußen ein Herr au« Ungarn sei, mit dem er schleunigst reden müsse. „Cffio ist der Herr?" fragt Gödöllö. Der Herr ist verschwunden. Und es hall gar nichts, daß die Dame vom Schalter optimistisch immer wieder auf ben Platz zeigte, wo Gödöllö eben noch gesessen batte. Der Platz war leer. Vatürlich war er leer. CCBcnn jemand nicht ba ist, kann man nicht auf ihn zeigen, unb wenn er keinen Platz hat. ist der Platz leer. Und das war ein Glück. Sonst hätte Gödollö in doppelter Ausfertigung vorhanden sein müssen. Der Hund und die Seifenblase. Einen Sinn für das Geheimnisvolle bei einem Hund hat Ferdinand Silbereifcn beobachtet, wie er in der Frankfurter Wochenschrift „Die Umschau" berichtet. Er blies in einem mit einem Teppich belegten Zimmer eine Seifenblase auf und ließ diese dann über den weichen Boden gleiten. Sein Hund, der dabei mar, nahm lebhaften Anteil an dem bunten, sich fortbewegcndcn Ding, von dem er nicht recht wußte, ob es lebendig sei oder nicht., Anfangs war er sehr vorsichtig und folgte der ocijenblojc nur in ba« Raisonnement der in Gruppe I vertretenen jungen Franzosen Immerhin ist ihr Viveau oft besser, ihre Intelligenz oft schärfer, ihr Kampfgeist oft geweckter — unb es ist natürlich immer von wett größerem Reiz für den Deutschen, gerade bei ihr mit plausiblen deutschen Argumenten wirklich durchbringen zu können Zu erwarten ist von ihr starke Bereitschaft zu rein wirtschaftliche- Derständigung. Das ist nicht so wenig wie c» scheint. Denn eben diese kann zum Ausgangspunkt für Wichtigeres werben, sobald sie sich bewährt hat. Selbstredend sprechen wir hier nicht von der hoffnungslos vcrranten Jugend um die royalistische „Action frnn^aisc“, noch von der rein militärisch orientierten. Weder von der einen noch von der anderen ist ba« geringste zu erwarten. Es gibt noch eine andere Schicht junger Franzosen. welche schwer zu umschreiben ift. nennen wir sie die Schicht der Teilnahmlofen, die Schicht derer, die „au-dts-ms de la mclee“ stehen (»jenseits des Getriebes"). Viele Künstler, viele geistige Menschen überhaupt gehören au ihr. Diese Jugend ist oft deutschfreundlich. Sie sieht die großen Linien der europäischen Gegebenheit unb hat die Kraft, nicht nur französisch, sondern auch europäisch zu fühlen Sie könnte, richtig verstanden unb gut unterrichtet, zu einem sehr wesentlichen Faktor der deutsch-französischen Koordination werden. Sie ist ohne Hochmut, ohne Voreingenommenheit — und oft voll Bewunderung für die deutsche Kraft. Bildungsweite und Modernität Sie hält sich von Schlagworten fern, redet nitt ewig vom deutschen „Dvnamismus" unb der französischen „Statik", ist ganz unmilitarislisch und von schärfstem Spott gegen das bequeme bourgeoise CI ich c. Aber e« fehlt ihr das Leid, da« stark macht, unb der Glaube, ber Berge verseht. Sie ift. ohne es zu wissen, reichlich saturiert unb häufig spielerisch. So stellt sich — in ganz groben, nur eben das Gestalthafte mitreißenden Linien gesehen — das Bild ber französischen Jugend bem unbefangenen Betrachter bar. Cs genügt, ihm ba« Bild der heutigen leidenden deutschen Jugend entgeaenzuhalten, um z>i be- fireifen, welcher schwere Weg der Auseinander- ehung hier gegangen werden muh. Ja, e r m u ß gegangen werden, um jeden Preis. Denn nur er kann zu einer Befriedung führen, welche Geist unb Seele einbezieht. Erst die Entgiftung der Lust kann wirkliche Ergebnisse zeitigen. Daß die französische 3ugenb, welche guten Willen« ist, nicht ohne Stützung durch erleuchtete Geister ber älteren Generation dahinlebt, beweisen drei Tücher, welche im Laufe b?« letzten Jahre c erschienen sind. Auch die deutsche Jugend sollte sie lesen und sich zu Herzen nehmen. Sie heißen: 1. Incertitudes allcmandts, von Viönot; 2. Le des- armement moral, von Julien Luchaire und 3. Rc- gards sur Ic monde actud von dem großen Dichter Paul Valery. Das letzte Buch ist ein großes Vermächtnis eine« weiten unb feinen Geistes an alle europäischen Menschen: vor allem aber an bic Franzosen, die „den Dreh noch nicht fanden". Vielleicht gelingt cs dem gemeinsamen, ehrlichen Bemühen deutscher und französischer Jugend, dielen .Dreh" zu finden. Dann tonnten vielleicht auch wir. die wir al« junge Menschen das Glück hatten, schon europäisch zu leben, noch einmal atmen. Heute können wir nur nach Atem ringen denn die Sorge um Deutschland zerdrückt uns das Herz. Taten für TonnerHtag. 24. März. 1N44: ber dänische Bildhauer Albert Thorwaldfen in Kopenhagen gestorben: — 1905: der französische Schriftsteller Jules Verne in Amiens gestorben. Taten für Freitag, 2 » März. Sonnenaufgang 6.18 Uhr, Sonnenuntergang 18.45 Uhr. — Mondaufgang 23.40 Uhr, Monduntergang 6.57 Uhr. 1801: der Dichter Novalis in Aicihenfels gestorben: — 1860: der Politiker Friedrich Naumann in Störn- thal bei Leipzig geboren. respektvoller Entfernung. Als er ermutigt wurde, näherte er sich mißtrauisch mit gespitzten Ohren und eingekniffenem Schweis und zog sich sofort zurück, wenn die Seifenblase sich wieder bewegte. Nach einiger Zeit aber gewann die Neugierde über die Angst vor dem Geheimnisvollen die Oberhand, er näherte sich vorsichtig einer Seifenblase und berührte sie mit seiner Pfote. Als diese daraufhin auseinander barst, erfdjraf das Tier und stellte in seinem Em setzen über das unerklärliche Erlebnis eine jammer liche Figur dar. Nach langem Zureden erst ließ er sich bewegen, zum zweitenmal nach einer Blase zu fassen. 2115 sich aber dasselbe ereignete, lief er furcht sam zum Zimmer hinaus und ließ sich nicht wieder zurückbringen. Ein Halsband der Marie Antoinette. Wenn man von einem Halsband der unglücklichen französischen Königin Marie Antoinette spricht, dann denkt man zunächst an den berühmten Schmuck, ber eine ber größten Skandalaffäcen der Geschichte hervorrief und zu den Vorboten der Revolution gehörte. Um dieses Halsband handelt es sich aber hier nicht, sondern um einen andern prächtigen Schmuck aus dem Besitze der Königin, der Gegenstand eine« Prozesses geworben ist. ist ein Kollier aus 45 großen Diamanten, ba« der Herrscherin von der Stadt Paris als Hochzeit« geschenk dargebracht wurde. Der Schmuck kam als Familienerbstück in den Besitz des früheren spanischen Prätendenten Don Carlos von Bourbon unb vererbte sich auf feinen Sohn Don Jaime, ber vergangenes Jahr in Paris starb. Seine Erben, die aus feinen Schwestern unb (Reffen bestehen, können sich über die Verteilung des Vachlasfes nicht einigen, unb so wurde die Wohnung des Prinzen feierlich versiegelt. Das Halsband ist einer Vertrauensperson übergeben worben, unb es wirb von dem Ausgang eines jetzt vor die Pariser Gerichte gebrachten Prozesses obhängen, wer es erhält oder ob es vielleicht unter ben Hammer kommt. Die Erinnerung an Marie Antoinette wirb jetzt auch dadurch wieder wachgerufen, baß ihr kleines Theater im Park von Versailles wieder eröffnet worben ist. Dieser zierliche Rokokobau. in dem die Königin selbst die Bühne betrat, unb in bem u. a. die berühmte Aufführung be« »Barbier von Sevilla" von Beaumarchais stattfand, war nur noch eine traurige Ruine. Aber infolge der Stiftungen von Rockeseiler ist ber Bau nun doH- flänbig wieder hergestellt worden unb zeigt sich in seinem alten Glanze. S.Jl.-lfport Hoch einmal: Spielabsehung 1900-$riebberg. Das Urfell des Bezirksvorstandes. 3n feiner jüngsten Sitzung beschäftigte sich der Bezirksvorstand des Bezirkes Hessen-Hannover mit der Spielabsetzung Friedberg kontra Spielvereinigung 19 0 0 Gießen. In den amtlichen Mitteilungen des Westdeutschen Spielverbandes („FUL") vom 22. März wird das Urteil in dieser Angelegenheit veröffentlicht. 3n dem Urteil heißt es wörtlich: „1900 läßt ein Berbandsfpiel wegen des am gleichen Tage stattfindenden Berbandsspieles des VfB. verlegen, seht dann aber ein Privatspiel an. Dieses Verhalten kann verbandsseitig nicht gebilligt werden. 1900 wird mit einer ernsthaften Verwarnung bestraft. Die Mitglieder C l o o s und Kraus (VfB.) sagen dieses Spiel telephonisch ab. Sie sind vom ordentlichen Gericht bestraft worden. Sie haben sich durch diese Tat außerhalb der Reihen des WSD. gestellt und werden aus dem Verband ausgeschlossen. Der VfB. Gießen kann für diese Tat nicht verantwortlich gemacht werden. Beim Verbandsvor- stand wird daher Genehmigung zur Privatklage des Vereins 1900 gegen C. und K. befürwortet. 1900 hätte vor Einreichung einer Anzeige den fahungsgemäßen Weg über die Verbandsinstan- zen einschlagen muffen. Wegen Satzungsverstoh wird 1900 mit 20 Mk. bestraft." • Wie der Vorstand der Spielvereinigung 1 900 uns mitteilt, will er gegen diese Bestrafung, wie auch gegen die Verwarnung, die vom Bezirksvorstand verhängt bzw. ausgesprochen worden ist. Einspruch beim Derbandsvorstand und evtl, sogar bei der Spruchkammer erheben, da die Bezirksinstanz in beiden Fällen, soweit die Spielvereinigung 1900 in Betracht komme, von Voraussetzungen ausgegangen sei, die mit der Sachlage nicht im Einklang ständen. Gpieweremigung 1900 Gießen. SB. Wehlar 1. Jugend — 1900 1. Jugend 0:4 (0:3). Die 1. Jugend weilte in Wetzlar und trug dort ein Rückspiel in der Pflichtserie aus. Rach dem Anstoß entwickelte sich sofort ein ungemein schnelles und oft zu hartes Treffen. 3n den ersten zehn Minuten waren alle Spieler so nervös und aufgeregt, daß sie nur ein planloses Spiel zu zeigen vermochten. Allmählich erst sand sich 1900 besser zusammen und wurde durch genaueres Zuspiel überlegen. Als nach einem Foulelfmeter 1900 in Führung gegangen war, wurde mit unermüdlichem Eifer weitergekämpft, durch den bis zur Halbzeit noch zwei schöne Tore erzielt werden konnten. Rach der Pause ließ 1900 nach, so daß Wetzlar mehr aufkam und manchmal vor dem Tor gefährlich wurde. Die Gießener Schlutzleute waren aber auf der Hut und wußten jeden Erfolg der Gegenseite zu vereiteln. Kurz vor Schluß stellte der Halbrechte nach feiner Kombination mit unhaltbarem Schuh durch das vierte Tor daS Endresultat her. SB. wehlar 2. Jugend — 1900 3. Jugend 0:2 (0:0). Zwei wohl gleichstarke Mannschaften, die einzelne gute Kräfte, aber auch große Versager in ihren Reihen hatten, lieferten sich einen lebhaften Kampf, der sich meist in der Mitte des Spielfeldes abwickelte. Wenn die Stürmer mal vor einem Tore waren, vergaßen sie meist das Schießen. Die Angriffe des Gegners waren durchweg gefährlicher. Torlos wurden die Seiten gewechselt. Zum Schluß wurde 1900 zeitweise etwas überlegen und konnte mit 2 Toren Sieg und Punkte an sich reihen. SporLabieilung des Turnvereins Lollar Am Sonntag trug die 1. Fuhballmannschaft Lollars ein Gesellschaftsspiel gegen die 1. Mannschaft der Spielvereinigung Leihgestern in Leihgestern aus und verlor 4:3. Die 2. und 3. Mannschaft spielte kombiniert gegen die 1. Mannschaft von Daubringen und holte gegen den spielstarken Gegner ein Unentschieden von 2:2 heraus. Die 2. Handballmannschaft hatte sich die 1. und 2. Mannschaft (kombiniert) von Staufenberg verpflichtet und schlug den Gegner nach schönem Spiel mit 5:3. Sportverein 1928 Garbenteich. Am Sonntag trug die erste Mannschaft des Spv. Garbenteich gegen die erste Mannschaft desSpv. Wieseck ein Freundschaftsspiel aus. Sofort nach Anstoß entwickelte sich ein temperamentvoller Kampf, bei dem man die Plahbesitzer stets im Angriff sah. Das Halbzeitergebnis lautet dementsprechend 2:0 für Garbenteich. Rach dem Wechsel sah man weiterhin flottes Spiel, die Gäste verteidigten jedoch geschickt und vielbeinig verhinderten dadurch jeden weiteren Erfolg der Platzmannschaft. Durch Fehler der Verteidigung der Einheimischen tarnen die Gäste bann zu zwei überraschenden Erfolgen, so daß das Treffen unentschieden 2:2 endete. Die neu aufgestellte zweite Mannschaft des Sportvereins trug gegen eine Mannschaft von Steinbach ein Gesellschaftsspiel aus, das Garbenteich mit 2:0 für sich entscheiden formte, trotzdem die Gäste körperlich überlegen waren. IC „Teutonia"Wahenborn-Steinberg Watzenborn-Steinberg II — BfN. Lich I 3:2 (2:0). Die erste Mannschaft des VfR. Lich weilte am Sonntag in Steinberg, um gegen die zweite Mannschaft ein Rückspiel auszutragen. Steinberg konnte in der ersten Halbzeit zweimal kurz hintereinander aus dem Gedränge heraus einsenden und so das Halbzeitresultat erzielen. Jedoch nach dex Pause waren die Gäste meistens tonangebend und errangen den Ausgleich, Aber bei einem schönen Durchburch der Steinberger konnte der Halbrechte seinen Farben zum Sieg verhelfen. Iechten im Turnoau Hessen (OT). Ausscheidungsfechfen der Mittelstufe. 3n Butzbach fand am Sonntag bei nur geringer Beteiligung ein Ausfcheidungsfechten der Mittelstufe stctt. Da die Vereine nur gute Könner gemeldet hatten, standen die Leistungen auf recht hoher Stufe. 3n den Endrunden vor allem wurden ausgezeichnete Gefechte gezeigt. Es wurde nur in Florett gefochten, für ein Säbelfechten war die Beteiligung zu gering. Von den neun Fechtern, kamen vier in die Endrunde und traten in folgender Rangfolge zur Oberstufe übet; 1. H. Keutner, T.- u. Spv. Marberg, 3 Siege; 2. W. Kimpe 1, T.- u. Spv. Butzbach, 2 Siege; 3. F. De cke r, Tv. 1860 Dad- Rauheim, 1 Sieg; 4. E. Beck. T.» u. Spv. Butzbach. Von den sechs Fechterinnen holten sich die folgenden die Berechtigung, an den Wettkämpfen der Oberstufe teilzunehmen: 1. H. R u t h, Tv. Wetzlar, 3 Siege; 2. Helene H e r g e t, Turnv. Wetzlar, 2 Siege; 3. Liefet Moser, Tv. Wetzlar, 1 Sieg, 4. Paula Bürk, Mtv. G i e ße n. Dem Leiter der Veranstaltung, Gausechtwart Kühn (Friedberg) stand ein erfahrenes Kampfgericht zur Seite, dem von Gießen W. Gerhardt angehört. Handball im Gau Hessen (O. T.) Am Sonntag trafen sich in ©rüningen die zweite Mannschaft des T v. Lützellinden mit einer kombinierten der 1. und 2. des Tv. ©rüningen zu einem Freundschaftsspiel. Sofort nach dem Anstoß entwickelte sich ein flottes Spiel. Es zeigte sich bald eine kleine Überlegenheit der Gäste, die auch mit 0:2 Toren bis zur Halbzeit in Führung gingen. Rach dem Seitenwechsel fanden sich die Grüninger besser zusammen. Es kam zu mehreren erfolgreichen Durchbrüchen und schlieh.ich konnten sie das Spiel 4:2 zu ihren Gunsten entscheiden. To. Großen-Linden I — Tv. Großen-Buseck I 7:9. Greß n-Buf ck weilte mit fci.iec stä kst.n Mannschaft in Großen-Linden und konnte das äußerst gck. Großen-Buseck, 19. März. 3n der hiesigen Bezirks - Fortbildungsschule fand die Entlassung des ältesten Jahrgangs der landwirtschaftlichen Abteilung statt. Berufsschullehrer Dr. Lutz hatte dazu die Schulvorstände und Eltern der Schüler eingelaben. Rektor Inder thal begrüßte die Besucher und wies daraus hin, daß heute mehr denn je für den Landwirt gründliche Unterrichtung nötig sei. Darauf zeigte Dr. Lutz an einem Lehrbeispiel, wie der Unterricht heute betrieben wird und wie die übrigen Unterrichtsfächer in den Dienst des Fachunterrichts treten können. In etwa zweistündigem Lehrgespräch bewiesen die Schüler, daß sie gründlich unterrichtet wurden. Anschließend ermahnte Dr. Lutz die zur Entlassung kommenden Schüler, sich bewußt zu Bleiben, daß für den Landwirt das Lernen nie aufhören dürfe. Rektor Inderthal sprach den Dank der Schulleitung aus und gab auch seinerseits den Schülern gute Worte mit auf den Weg. Die erschienenen Landwirte sprachen sich lobend über das Gehörte aus und brachten ihr Einverständnis mit dieser Art des landwirtschaftlichen Unterrichts zum Ausdruck. — Daubringen, 23. März. Am Sonntag fand in allen Räumen unserer Schule eine Ausstellung von Schülerinnenarbeiten der hiesigen Volks- und Fortbildungsschule statt, die in Anwesenheit des Schulvorstandes von dem Schulleiter, Lehrer Henkel, eröffnet wurde. Alle ausgestellten Handarbeiten trugen den Forderungen und Bedürfnissen des praktischen Lebens weitgehend Rechnung. Sehr stark waren die hauswirtschaft- * Zahlungsein st elluna b e r Industrie- und Privatbank. Wie WTB.-Handelsdienst erfährt, hat die zum Michael-Konzern gehörende Industrie- und Privatbank in Berlin gestern ihre Zahlungen eingestellt und das gerichtliche Bergleichsverfahren beantragt. Die Börsenengagements des Unternehmens sollen, dem Vernehmen nach, nicht sehr umfangreich sein. * Frankfurter Handelsbank 21©., oorm. Frankfurter Viehmarktbank. Die Gesellschaft, die für das Geschäftsjahr 1931 bekanntlich von der Ausschüttung einer Dividende Abstand nimmt (i. 23. 6 v. H.), weist einen Reingewinn von 6300 RM. (41 500) aus, der auf neue Rechnung vorgetragen werden soll. Im Geschäftsbericht wird daraus hingewiesen, daß durch recht- zeitigen Abbau der Debitoren um mehr als 15 v. H. genügend Mittel beschafft werden konnten, um der Kundschaft über die Krise hinwegzuhelfen. Der Umsatz ist von 248 auf 175 Mill. RM. zurückgcgangen. * Berlu st absch küsse der Handelsgesellschaften der Vereinigten Stahl- w e r k e. Im Geschäftsjahr 1930/31 weist die Thy s- sen Eisen - und Stahl-AG., Berlin, nach Abzug der Betriebs, und Handlungsunkosten von 4 276 000 (5 755 000) RM. und der Abschreibungen von 139 000 (255 000) RM., einen Verlust von 502 000 RM. aus, der sich um den Verlustvortrag aus dem Vorjahre auf 954 000 RM. erhöht. — Bei der Thyssen - Rheinstahl AG.. Frankfurt a. M., erforderten Betriebs« und Handlungsunkosten 1 834 000 (2 525 000) RM., Abschreibungen 111 dOO (276 000) RM., nach deren Abzug sich einschl. des Verlustvortrags aus dem Vorjahre von 182 000 RM. ein Verlust von 770 000 RM. ergibt. — Die Heinrich 21 u g u ft Schulte Eisen A G., Dortmund, meist nach Absetzung der Ge- neralunkosten von 6 337 000 (6 094 000) RM. und der Abschreibungen von 364 000 (484 000) RM. einschl. des Gcwinnvortrages von 9565 RM. einen Verlust von 1 200 000 RM. aus (i. V. 489 565 RM. Reingewinn, daraus 6 v. H. Dividende). Frankfurt im Verlaufe erholt. Frankfurt a. M., 24. März. (WTB. Drahtmeldung.) Der letzte Börsenverkehr vor den Feiertagen zeigte ein recht ruhiges Aussehen und zu Beginn eher etwas schwächere Tendenz, weil die Insolvenz der Industrie- und Privatbank etwas verstimmte und auch in einigen Werten wieder Verkäufe vorgelegen haben. Bei der geringen Unternehmungslust fanden sie nur auf ermäßigter Basis Aufnahme. Maßgebend für die eher schwächere Tendenz war auch daS weitere Angebot auf einzelnen Gebieten des Renten- Marktes. Gegen die Abendbörse ergaben sich Kursrückgänge von 0,5 bis 1 v. H. Mehr offeriert waren am Elektromarkt Gesfürel und Schuckert, die je 1,5 v. H. verloren. IG.-Farben und Scheideanstalt bröckelten bis zu 1 v. H. ab. Von Banken verloren Reichsbank 1 v. H. Schiffahrtsaktien gaben 0,5 v. H nach, während Montanwerke ziem- lick) widerstandsfähig lagen und nur ganz wenige QBerte 0,25 bis 0,5 v. H. verloren. 3m Verlaufe harte Spiel, daS zeitweise die Grenzen des Erlaubten überschritt, für sich entscheiden. Kurz nach der Pause stand die Partie noch unentschieden 5:5. Dann kommen die Gäste zu weiteren 4 Treffern, aber die Einheimischen ließen sich nicht entmutigen und setzten noch einmal zum Endspurt ein, der ihnen noch 2 Treffer ein- brachte. Die 2. Mannschaften beider Vereine trennten sich mit einem Unentschieden 4:4. Auch die Schülermannschasten trugen ein Freundschaftsspiel aus. Hier erwiesen sich die Großen-Lindener als die weitaus Besseren und siegten 11:4. Handball im Lahn»Oünsbera Gau Tv. Kinzenbach I — Tv. Waldgirmes I 3:1 (1:1). Zum letzten Verbandsspiel trafen sich beide Mannschaften am Sonntag in Kinzenbach. Während die erste Hälfte ziemlich ausgeglichen verlies und beiden Mannschaften je einen Erfolg brachte, wurde der Gastgeber in der 2. Hälfte überlegen und konnte durch 2 weitere Tore den Sieg sicherstellen. Tv. Ahbach I — Tv. Hausen I 5:2 (2:2). Hausen entpuppte sich als eine sehr schnelle Mannschaft und machte den Gastgebern hauptsächlich in der ersten Hälfte schwer zu schaffen. Erst nach dem Wechsel konnte sich Atzbach besser durchsetzen und errang einen verdienten Sieg. Tv. Burkhardsfelden I — Tv. Dorlar I 3:3. In diesem Spiel mußten sich die Gauleute um ein Unentschieden sehr anftrengen. Burkhardsfelden war im Feldspiel meist etwas besser, konnte aber den gegnerischen Schlußmann nicht überwinden. lichen Fächer vertreten. In der Herstellung von einfachstem und feinstem Gebäck und Speisen legten die Schülerinnen bewundernswerte Geschicklichkeit an den Tag. Der Vertreter der Gemeinde, Beigeordneter Jahres, dankte den Lehrerinnen Fräulein Weimer- Lollar und Fräulein liefert-Gießen für ihre aufopfernde Arbeit. Am Rachmittag war die Ausstellung sehr stark besucht. f T r e i s a. d. L., 22. März. Die Schulent - las sung-sfeier der diesjährigen Konfirmanden fand, wie alljährlich in einfacher Weise im Schulsaal in Anwesenheit der Eltern, der Kinder und des Schulvorstandes statt. Lehrer Walter besprach in längerer Rede das Verhältnis, wie cs zwischen Schule und Lehrer einerseits und den Kindern und Eltern andererseits walten soll, und forderte Verständnis der Eltern für die Arbeit der Schule. Gesänge und Gedichte der Kinder, auch ein ansprechendes Zwiegespräch zwischen den zu Entlassenoen und den zurückbleibenden Klassen- genoffen, rahmten den Vortrag aufs beste ein. + Hungen, 23. März. Der letzte Jahrgang der hiesigen Mädchen-Fortbildungsschule veranstaltete am Schlüsse des Schuljahres eine Ab« schiedsfeier. Rektor Schaad begrüßte die Erschiene- nen und wies auf die Bedeutung des Hauswirtschaft- lichen Unterrichts hin. Bei Kaffes und Backwerk, die ungeteilten Beifall fanden, herrschte bald frohe Stirn, mung. Ein kleines Theaterstück und mehrere Mund- artdichtungen, von den Schülerinnen vorzüglich wiedergegeben, gefielen sehr gut. Bürgermeister Fendt dankte im Namen der Gäste der Schulleitung für den unterhaltsamen Abend. setzte sich eine merkliche Erholung durch, da die Spekulation zu Deckungen schritt und auch die Zahlungseinstellung der Industrie- und Privatbank kaum noch verstimmte, weil man keine Rückschläge auf die Börse befürchtete. Im Vordergrund des Interesses standen IG.-Farben, öte wieder 1,5 v. H. gewannen, während an den übrigen Marktgebieten die Besserungen nur Bruchteile eines Prozentes betrugen. Im späteren Verlauf war das Geschäft zwar sehr ruhig, doch nahm die Kulisse weitere Deckungen vor, so daß die Kurse nochmals 0,25 bis 0,5 v. H. höher lagen. Stark befestigt waren Siemens mit plus 2,5 v. H. Am R e n t e n m ar 11 lagen Reichsschuldbuchforderungen bis zu 1 v. H. schwächer. Auch Stadtanleihen lagen unerholt und nochmals 1 bis 2 v. H. niedriger, besonders Kölner und Frankfurter Schahanweisungen. Gold- und Liquidationspfandbriefe waren nur wenig verändert. Für letztere bestand eher etwas Kaufneigung. Deutsche Anleihen blieben gehalten. Reichsbahn- Vorzugsaktien waren weiter angeboten und 0,5 v. H. niedriger. Am Geldmarkt blieb Tagesgeld mit 6 v. H. unverändert. Berlin etwas fester. Berlin, 24. März. (WTB. Funkspruch.) Die heutige Börse stand im Zeichen der kommenden Feiertage. Die Umsatztätigkeit beschränkte sich auf wenige Spezialwerte, wobei das Geschäft noch in der Hauptsache von der Spekulation getragen wurde, die vor der Unterbrechung des Verkehrs zu Glattstellungen ihrer Engagements, d. h. also meist zu Deckungen, geneigt war. Mehr psychologisch als kursmäßig wirkte sich die Insolvenz der Michael-Hausbank aus, obwohl man bisher immer noch mit einer stillen Liquidierung des Unternehmens gerechnet hatte. Für die Industrie- und Privatbank fanden heute nur noch vereinzelt Exekutionen am Psandbriefmarkt statt. Diel unangenehmer empfunden wurde das Anhalten der Auslandsabgaben in Reichs- bankan teilen, Reichsschuldbuchforderungen und Reichsbahnvorzugsaktien, doch schienen diese gegen gestern auch schon im Rachlassen begriffen zu sein. Bei letzteren hat zweifellos der inzwischen zur Veröffentlichung gekommene Bericht über die bis zu 50 Prozent rückgängigen Einnahmen der Deutschen Reichsbahn zu der Abschwächung beigetragen. Auch daß aus der Schweiz wieder schwächere Kursmeldungen besonders für Deutsche und Kreugerwerte vorlagen, verstimmte etwas, wurde doch hierdurch der gute Eindruck, den die Erholung der deutschen Werte an der gestrigen Reuhorker Börse gemacht hatte, wieder verwischt. Rein kursmähig eröffnete der heutige Börsenfreiverkehr bis zu 1 Prozent unter den gestrigen Mit- tagöturfen, d. h. also etwa auf dem ermäßigtem gestrigen Abendniveau. Relativ widerstandsfähig lagen die Elektropapiere, der Montanmarkt und Kaliaktien. Im Verlaufe setzte sich am Farbenmarkt auf Käufe eines hiesigen Privatbankhauses eine Erholung durch, und hiervon ausgehend Scholentlasfmgsseiem im Kreise Gießen. Wirtschaft. wurde es auch an den übrigen Märkten allgemein etwas fester. Am Pfandbriefmarkt bestand weiter überwiegend Angebot, so dotz die meisten Werte bis zu 0,50 Prozent zirka einbühten. Mit Ausnahme von Mittelstahl waren Industrieobligatio- nen relativ gut gehalten, auch Kommunalanleihen setzten ihre Abschwächung nicht fort. Die g stern besonders schwache Berliner Verkehrsanleiye war auf Deckungen sogar bis zu 1 Prozent erholt. Reichsschuldbuchforderungen waren dagegen weiter Angeboten, doch waren auch hier die Umsätze nicht mehr so groß wie gestern. Am Geldmarkt trat der Quartalsultimo wieder stärker in Erscheinung, zumal bekanntlich der Apriltermin einer der schwersten des ganzen Jahres ist. Die Geldsätze erfuhren aber trotzdem keine Veränderungen. Deoifenmartl Berlin — Frankfurt a M. 2 3. Mär, 24. März Amtliche Notierung Amtliche Notierung mpb Srle Geld I JMe öelftnflfoti . 7,033 7.047 7.053 7,067 Wien 49,95 50,05 49,95 50,05 Prag 12,465 12,485 12,465 12,485 Budapest . . 56,94 57,06 56.94 57,06 Sofia 3.057 3,063 3,057 3,063 Holland 169,73 169,97 169,58- - 169,92 Oslo 81,52 81,68 82,12 82.28 Kopenhage». 84,37 84,53 85,01 85,19 Stocklwlm 82,42 82,58 83,22 83,38 London 15,32 15.36 15,44 15,48 Buenos Aires 1,073 1,077 1.073 1,077 Neunort . . 4,209 4,217 4,209 4.217 Brügel 58,67 58,79 58.64 58.76 Italien . . 21,78 21,82 21,78 21,82 Parts . . 16,53 16,57 16,51 16,55 Schweiz . . 81,20 81,36 81,19 81,35 Spanien . . 32,07 32,13 32,07 32.13 Danzig 82,02 82,1 82.02 82,18 Japan 1,349 1,351 1,359 1.361 Rio de Ian.. 0,254 0,256 0,254 0,256 Jugoslawien. 7,413 7,427 7,413 7,427 Liilaboo 13,99 14,01 13,99 14,01 Banknoten Berlin, 23.Mär, Meld »riet »Amerikanische ’JZolen . . . 4,20 4,22 Belgische Noten .... 58,51 58,75 Dänische Noten .... 84,18 84,52 Englische Noten .... 15,28 15,34 Französische Noten .... 16,49 16,55 Holländische Noten .... 169,26 169,94 Italienische Noten . . . 22,11 22.19 Norwegische Noten . . . 81,34 81,66 Deutsch-Oesterreich, * 100 Schilling Rumänische Noten . . 2,49 2,51 Schwedische Noten.... 82,24 82,56 Schweizer Noten..... 81,02 81,34 Spanische Noten .... 31,94 32,06 Ungarische Noten . . Reichsbankdiskont 6 Proz. —»Lombardfah 7 Proz. Frankfurter Schlachtviehmarkt. F r a n k f u r t a. M., 24. März. Auftrieb: 113 Rinder. 1151 Kälber, 108 Schafe, 293 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: beste Mast, und Saugkälber 40 bis 43 Mark, mittlere Mast- und Saugkälber 36 bis 39, geringe Kälber 30 bis 35; Schafe: Mast- lämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 30 bis 32, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 25 bis 29, fleischiges Schafvieh 20 bis 24: S ch w e i n e: vollfleischige von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 37 bis 40, von etwa 160 bis 200 Pfund 36 bis 40 Mark. — Marktverlauf: Kälber und Schafe mittelmäßig, Schweine ruhig, ausverkauft. Schöffengericht Gießen. " Gießen, 23. März. Eine Dienstmagd aus der Umgegend von Homberg hatte im Juli 1931 bei einem dortigen Schuhmacher unter Vorzeigen einet gefälschten Bescheinigung ihres Dienstherrn sich auf dessen Rechnung ein Paar Schuhe erschwindelt. Mit Rücksicht auf ihre Jugend und ihr Geständnis erhielt sie fünf Wochen Gefängnis. Der frühere Marktmeister R. von Gießen sollte sich heute wegen Unterschlagung verantworten. Gr war nicht erschienen; fein Verteidiger legte ein ärztliches Zeugnis vor, wonach er nicht wegfähig fei. Die alsbald durch den Amtsarzt vorgenommene Untersuchung des Angeklagten ergab seine derzeitige Verhandlungsunf ähigkei t. Der Termin mußte daher vertagt werden. Ein Mütter aus der Provinz war des Konkursvergehens und des Betrugs ange- tlagt. Et sollte seine Bücher nicht vorschriftsmäßig geführt und bei einer Mainzer Firma zu einer Zeit noch für mehrere tausend Mark Roggen gekauft haben, als er schon feine Zahlungsunfähigkeit kannte. Die Beweisaufnahme war umsangreich; allein drei Bücherfachverständige wurden vernommen. Das Gericht sprach den Angeklagten frei. Rach seiner Auffassung konnte der Angeklagte seht wohl glauben, Saft feine Buchführung in Ordnung gehe. Im übrigen hielt es für nachgewiesen, daß er zur Zeit des Getreidekaufs seine schlechte Vermögenslage nicht erkannt hatte. Zeitschriften. — „Das 2nselsch if f" , Zeitschrift für die Freunde des Insel-Verlags, XIII. Jahrgang, 2. Heft, Frühling 1932, wird von einem weitausgreifenden Aufsatz des Münchener Literarhistorikers Fritz Strich über Goethes europäische Sendung eröffnet: Goethe selbst kommt mit der Abhandlung, „Einfache Rachahrnung der Ratur, Manier, Stil", auch mit Proben aus den „Maximen und Reflexionen" zu Wort; einige Zeichnungen von seiner Hand sind dem Heft beigegeben. Aus dem übrigen Inhalt des von Karl Weiher wie immer vorzüglich redigierten Heftes nennen wir die „Zwölf Selbstbildnisse" von Alfred Mombert und Canossas „Bekenntnis zu Mombert"; ferner eine unheimlich gedrungene Bauernerzählung von Karl Heinrich Waggerl, dem vom Insel-Verlag entdeckten jungen Autor der Romane „Brot" und „Schweres Blut"; ein Gedicht von Otto Freiherrn von Taube und ein Brief Tolstois an Gandhi seien noch erwähnt. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) Zinssah. Der Prozentsatz, mit dem Ihre Hypothek zu verzinsen ist, beträgt 7,5 v. H. W. h. in w. Ihr Sohn wolle unter Darlegung der Verhältnisse seinen Anspruch bei der Behörde geltend machen, die ihn verhastet hatte. Er kann einen Anspruch nur geltend machen, wenn er außer Verfolgung gesetzt wurde, und wenn das Verfahren seine Unschuld ergeben oder dargetan hat, daß gegen ihn ein begründeter Verdacht nicht vorlag. Die Höhe der Entschädiguna hängt von den Umständen ad. Da, einschlägige Gesetz in der Fassung des Gesetzes vom 17. August 1,920 finden Sic im Reichsgesetzblatt von 1920, Seite 1579. Sic können es auf Ihrer Bürgermeisterei einsehen. Darum - Prost! . Endlich!/ Ufr ■ Bekanntmachung. Die städtischen Dienskräumc bleiben am Oflerfamstag, dem 26. Mär; 1932, -e schlossen. Lowell erforderlich, ist Sonntags, dienst angeordnet. 2361C Gießen, den 23. März 1932. Bürgermeisterei Gießen. Dr. Keller. Bekanntmachung. Betr.: Das Landgestüt: hier: den Abgang der Landgestütsbeschäler nach den Deckortcn. Nach Mitteilung der Landesgestütsdirek- tion sind die staatlichen Lcihhcngste aus- gestellt bei: 2353C 1. Emil -ach, Beltershain, 2. Christ. Seipp, Birklar. 3. Otto Zimmer, Lauter 4. Fürstu Rentkommer, Lich, in ihren Standorten eingctroffen. Gießen den 23. März 1932. Bürgermeisterei Gießen. I. D.: Dr. Rosenberg. Bekanntmachung. In der Zeit vom 29.März bis 23. April 1932 werden sämtliche städtischen Straßen- konäle gespült. 2336C Während dieser Zeit sind die Rückstau- Verschlüsse an Grundstücksentwässerungen verschlossen zu halten. Gießen, den 21. März 1932. Kanal-Bau und -Betrieb. Braubach. Mahnung. Die für den Monat Februar 1932 rück- tändigen Kranken- und Arbeltslosenver- icherungsbeiträge können noch bis zum 31. März 1932 ohne Kosten bezahlt werden. Nach diesem Termin erfolgt Kosten- berechnung und Zwangsbeitreibung. Gießen, den 22. März 1932. Allg. Ortskrankenkasse des Landkreises _______________Gießen.__________2348D Zagd-Verpachtung. Die der Gemeinde Rollshausen, Bahnstation Lohra, Anschluß der Hauptbahn Frankfurt—Kassel, zustehende 486 Hektor große Dald- und Feldjogd, ausgedehnter Wald, soll am Samstag, dem 2. April, nachmittags 3 Uhr, in der Gastwirtschaft Schomber auf 6 Jahre öffentlich verpachtet werden. Dos Jagdrevier ist in 20 Minuten von der Bahnstation Lohra zu erreichen. Die Bedingungen werden im Termin be- kanntgegeben. 2354D Rollshausen, den 23. März 1932. Der Iagdvorsteher: Wagner. Zur Frühjahrsbestellung Saathafer - Saatgerste Saaterbsen - Saatwicken Virginia Saatmais Saatkartoffeln: Böhms Allerfrühslc - Julinieren Odenwälder Blaue - Ackersegen Erdgold - Industrie - Vater Rhein Düngemittel Bär & Wetterhahn Liebigstrafoe 3 Telephon 2141-43 221 r> ♦HHp Afhmoino besonders auch kränkliche, ZJUJLUtlllt, zurückgebliebene und wiche mit Helfen Deinen, gesunden und 163D entwickeln sich überraschend schnell, wenn Sie durch |«öes Futter 1 Eßlöffel voll echtes RASSOL Xä mengen. Verlangen Sie nut echtes Basiot in Ongmalflaschen u. weisen Sie Nachahmungen zurück. Allein. Hersteller: (Engel» apotheke Gießen. Zu haben in allen Apotheken. ■Wir ziehen um ■ nach Neustadt 10 (früher Gebrüder Well) und gewähren bis zum 15. April 1932 auf alle Waren 10 Prozent Rabatt! Wem elegante Herren-Anzüge in geschmackvollen Farben, ein- und zweireihig. 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Die Bedingungen werden vor der Versteigerung bekanntgegeben. 2198D Lang-Göns, den 18. März 1932. Hessische Bürgermeisterei Lang-Göns. R o mpf. Falt neue Maschinen für Bäckerei wie Knetmaschine. Teilmaschine, Tack« auSt'täubemaschiue. Mcblsicbmaschiue und 2 Backtröge, zusammen oder einzeln zu verkaufen. Aus Wunsch Teilzahlung. Schrift!.Ange bote unt. 2341D an den Gieß. Anzeiger. Erste talililen zu billigsten Preisen liefert Ihnen Fernsprecher 3160 2355d Nutz- und Brennholzversteigerung im Licher Stadtwalde. Aus verschiedenen Distrikten des Licher Stadtwaldes (Försterei Lich) soll am Donnerstag, dem 31. März 1932, in Steins Saalbau, am Bahnhof in Lich, nachftehen- des Holz vormittags 10 Uhr versteigert werden. 2326D Stämme: Eiche 1. Kl. 1,87 km, 2. Kl. 23,13 fm, 3. ÄL 10,10 fm, 4. Kl. 9,08 fm, 5. Kl. 3,11 fm; Kiefer 2. und 3. 1,71 fm (ohne Rinde gemessen). Derbstangen: Fichte 1., 2. und 3. Kl. 76 Stück, 5 fm. Ruhscheit rm: Kiefer 6, Fichte 1,3. Brennholz: Scheiter rm; Buche 12, Eiche 2, Fichte 40, Kiefer 4,8. Knüppel rm: Buche und Eiche 3, Fichte 28. Das Nutz, und Brennholz wird nicht vorgezeigt und ist vorher zu besichtigen. Spätere Reklamationen werden nicht berücksichtigt. Nummerverzeichnisse sind bei der Bürgermeisterei Lich erhältlich. Nähere Auskunft erteilt Förster Textor in Lich. Es werden gegebenenfalls auch schriftliche Angebote für dos Eichenstammholz, die bis zum 31. März 1932, vormittags 6% Uhr, bei uns eingegangen sind, berück- sichtigt. Lich, den 17. März 1932. Hessische Bürgermeisterei Lich. Geil. Holzsubmission. Die Gemeinde Langsdorf, Kreis Gießen, verkauft auf dem Wege schriftlichen Angebots aus verschiedenen Distrikten folgendes Nutzholz: 2331D Stämme: Los 1. Eiche 1. Klasse 2 ,, 2. „ 2. „ 76 „ 3. „ 3. „ 22 „ 4. „ 4. „ 5 „ 5. „ 5. „ 3 „ 6. Kiefer lb-, 2a.Kl. 2 „ 7. „ 2b.Klasse 1 „ 8. Fichte la- „ 33 „ 9. „ lb- „ 27 „ 10. „ 2a. „ 9 „ 11. „ 2b- „ 1 „ 12. „ 3a° „ 2 „ 13. Eiche 4. „ 10 St.- 0,51 fm .. = 23,14 „ .. - 13,70 „ „ - 6,70 „ ,, « 6,15 „ „ - 0,52 „ „ = 0,74 „ „ - 4,96 „ „ = 7,53 „ „ -- 6,09 „ „ = 1,18 „ ,, = 2,47 „ „ - 10,36 „ Angebote sind in Reichsmark pro Festmeter, nach Losen getrennt, verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, bis spätestens Freitag, den 1. April 1932, nachmittags 3 Uhr, bei uns cinzureichen, woselbst auch die Bedingungen, denen sich die Käufer mit der Einreichung ihrer Gebote unterwerfen, eingesehen werden können. Zahlung bei entsprechender Sicherstellung des Kaufpreises je zur Hälfte am 1. Juli bzw. am 1. Oktober d. I. Das Holz ist mit Rinde gemessen. Die Interessenten werden ersucht, das Holz vorher cinzusehen, da spätere Reklamationen nicht berücksich. tigt werden können. Auskunft erteilt die unterzeichnete Stelle und Förster Sarnes, Langsdorf. Bemerkt wird, daß die unter Los 13 auf. geführten Eichenftämme 4. Klaffe aus der Holzernte 1931 stammen. Langsdorf, den 21. März 1932. Hessische Bürgermeisterei Langsdorf. Kneipp» I Als Josef Garbäty vor mehr als 50 Jahren, anfing,war sein Geschäft einkleiner,bescheidener Raum,in dem er selbst mit wenige nGe hilfen Cigaretten arbeitete: „Königin von Saba'1 Cigaretten. Heute geht er als Seniorchef durch eine riesige Fabrik mit Hunderten von Arbeitern, die täglich Millionen Cigaretten herstellen: „Königin von Saba“ Cigaretten. Die Zeit verging; aber der Mann blieb derselbe unddieCigarette blieb dieselbe: die unerreichte, echte WMWrMUMM Vornan oonj. Schneider-Foerstl. Urheber-Rechtsschutz: Verlag 0. Meister, Werdau. 11. Fortsetzung. Rachdruck verboten! „Mehr als alles, was cs sonst noch für mich auf Erden gibt." Sie schrak zusammen, als draußen im Flur die Klingel onschlug. Doktor Wanders Fuß wurde auf dem Korridor hörbar und dann erklang eine Stimme, die Swen- sens Gesicht erblassen lieh. „Meine Frau", stammelte er, hob sich in den Knien auf, tappte zur Türe und schob geräuschlos den Riegel vor, Dann neigte er sich über Lenores Hand, berührte mit den Lippen ihre Stirne und schob die Portiere des Rebenausganges zurück. Lautlos schlug der rote Samt hinter ihm zusammen. Als der Doktor mit der Diva in das Herrenzimmer trat, lag Swenscn in einem Lederstuhl gestreckt und sah ihr mit kühlen Augen entgegen. „Du hast deine Brieftasche Wohl hier vergessen?" fragte sie lauernd. „Rein! --- Aber ich bin so lange nicht mehr bei Hans gewesen und hatte Verschiedenes mit ihm zu besprechen. So ist es etwas später geworden, als ich dachte. Wir können sofort heimsahren, wenn du willst." Sie blickte ihn etwas unsicher an und sah dann zu Wander hinüber, der gleichgültig am Fenster stand und nach dem Garten horchte, wo eine Amsel flötete. Offenbar stimmte alles, was er ihr gesagt hatte. Schade! Sie hatte mit einer kleinen Sensation gerechnet. Run war es eben nichts damit. Zehn Minuten später verließen die beiden Gatten das Haus. Eben in demselben Augenblick kam Margret Recklinhausens Auto, das sic in ihrer Angst gemietet hatte, um die Ecke und machte vor dem Gartentor halt. Das Kabriolet Swensens setzte sich gleichzeitig in Bewegung. So blieb beiden Teilen eine Begegnung erspart. Dann ging Margret neben dem Kollegen >>er, der hinter ihnen die Haustüre ins Schloß drückte. „Du bist ein Feigling! Ich hätte dich nie für eine solche Memme gehalten?" Suse Recklinhausen streifte erbost Malnows Hand, die ihr über die Achseln hing, von sich und bohrte die Absätze ihrer weißen Schuhe tief in das schwarze Erdreich, das unter der Bank, auf der sie sahen, in lockerer Fülle vorhanden war. „Kind, du weißt nicht, was du sprichst!" mahnte er in das Flüstern des Waldes hinein, der über ihnen rauschte. Er wollte aufs neue den Arm um sie legen, aber sie wehrte heftig ab. Sie schickte einen raschen Blick über ihn hin: „Wenn man dich sieht, glaubt man einen Helden vor sich zu haben! Wie Siegfried bist du mir immer vorgekommen, trotzdem du kein blondes Haar hast. Ader weit gefehlt! Ich glaube, wenn sich jetzt die Erde auftun würde, mich zu verschlingen —" so würde ich voraus springen, um dich mit meinen Armen auszufangen und umschlossen zu halten, daß dich kein Steinchen drückt", ergänzte er ihren Sah. Sie mußte trotz ihres Aergers lachen: „Rein, allen Ernstes, Dieter! Wann hältst du endlich um mich an?“ „Du bist kaum siebzehn geworden!" wandte er vorsichtig ein. „lind du bist neunundzwanzig! trumpfte sie schnippisch auf. „Also wann hälft du um mich an!“ Cr hatte es wieder gewagt, seinen Arm um ihre Hüften zu legen und ihren Kopf gegen seine Schulter zu drücken. „Ist es dir — sagen wir im — am — nächste Ostern früh genug?“ „Rächste Ostern? Du bist ja verrückt. Warum nicht gleich im nächsten Jahrhundert! Rein, mein Lieber, es ist mir zu Ostern nicht früh genug! — Ich gebe dir Termin bis Weihnachten. Traurig genug, wenn du dich solange besinnen muht, ob du mir die Ehre antun willst, eine Frau Malnow aus mir zu machen." „Suse!" Sein Arm fiel kraftlos von ihr ab. Die sonnverbrannten Hände zwischen den Knien hängend, starrte er nach dem schwarzen Erdreich, durch das ein Wurm seine Wellenlinien zog. So langsam wie dieser Wurm würde er zu seinem Ziel kommen. Suses Worte an jenem Sonntag- Dormittage: „Sie sind wohl gezwungen, irgend- einmal auf ein Gut ober so einzuheiraten", brannten in ihm wie Feuer. Die Geliebte hatte wahrscheinlich längst auf diesen ihren Ausspruch vergessen. Aber er kam nicht mehr darüber hinweg. So oft er die Arme um sie legte und feinen Mund auf ihre blühenden Lippen preßte, fliegen sie in sein Gedächtnis. Sein Schweigen war Suse unangenehm. „Was ist es denn?" forschte sie etwas schuldbewußt. Ihre Finger schmeichelten sich zwischen die seinen, fühlten, wie rauh und rissig und von tiefen Schwielen sie durchzogen waren und riefen das Mitleid ihres Herzens wach. „Bist du sehr müde, Dieter?" Er nickte und empfand es dankbar, wie ihre Linke über seine Wange streichelte. Seit Wochen schmerzte ihn jede Muskel. Es gab jetzt viel zu tun. Das zweite Heu mußte herein, die Wintersaat bestellt und die Kartoffeläcker geräumt werden. Das Schäferstündchen mit Susanne muhte er sich stehlen und war immer in Aengsten, ob sich nicht ein Lauscher fand, ob keiner um ihr Zusammensein wußte, und niemand zu Frau von Recklinhausen trat und ihr das Anerhörte meldete: „Ihr Verwalter sitzt mit Ihrer jüngsten Tochter drüben am Waldsaum, und während Sie ihn bei der Arbeit glauben, scherzt er mit ihr und küßt sich seine Lippen an den ihren wund." „Was seuszst du denn so jämmerlich?" forschte sie lachend und rückte näher gegen ihn, um die Wärme seines Körpers zu fühlen. „Lenore will Säuglingsschwester werden! Weißt du das schon? In der gleichen Klinik, in der auch Margret jetzt arbeitet. Ich glaube, der Chefarzt heißt Doktor Wander. Jede meiner Schwestern hat somit etwas gelernt. Rur ich kann nichts, als dich lieben.“ Er vergaß in diesem Augenblick alles. Ihre Worte von jenem Sonntag. Die Furcht vor Entdeckung. Die drohende Entlassung, die notwendig darauf folgen mußte. Mit beiden Arnien riß er sie an sich und küßte sie immer wieder, ganz weit in seinen Arm zurückgebogen. Sein fieberndes Gesicht über ihr holdselig glühendes geneigt, sog er den Blick an jeder Linie desselben fest — „Wenn du mir einmal nicht mehr gehören würdest!" keuchte er in das Brausen seines Blutes. „Was wäre dann, Dieterlein?" Er drückte ihr die Zähne in die Schultern, daß sie leise aufschrie. „Würdest du dich dann in den Fluh stürzen?" scherzte sie, wenn auch etwas beklommen. „Rein!" sagte er. Es klang drohend. „Was dann?" forschte sie neugierig. „Du sollst keinen Spaß mit so etwas treiben!" warnte er erregt. „Solche Sachen sind zu ernst, als daß man sie zum Gegenstand des Spottes macht." „Gott solch ein Philister!" schalt sie verärgert. „Was ist da schon weiter dabei! Wenn ich dich einmal satt habe, tu ich dir's ganz einfach in höflichster Form zu wissen — auf das Höflichsein legst du ja Wert — mein Herr, ich will nicht länger das Vergnügen haben, Ihre Braut zu sein! Suchen Sie sich gefälligst eine —“ Sie vermochte den Satz nicht zu beenden. „Dieter!" flehte sie verängstigt. „Dieter!" Er hielt beide Hände um ihren Oberarm geschraubt und sah mit verzerrtem Gesicht auf sie herab. Sie sah, wie sich die Linien seines Mundes verschoben, dicht an ihrem Ohr hörte sie jetzt seine Stimme, die ihr ganz verändert klang: „Ich habe dir bereits gesagt, mit so etwas treibt man keinen Scherz. Damals, bei jenem Anwetter auf dem Eglofstein, als ich dich das erstemal im Arme hielt, habe ich dich gefragt, ob du weißt, was Treue ist. — Erinnere dich, Suse! And hüte dich! — Du bist erst siebzehn! Aber ich bin neunundzwanzig!" Er wischte ihr die Tränen, welche ihr der Schmerz durch die Amklammerung seiner Hände ausgepreßt hatte, mit seinem Taschentuch von den Wimpern. „Ich bringe dich jetzt bis an den Rain. Dort warte ich, bis ich dich durchs_Hoftor treten sehe. — Rur noch eins, Suse, es ist die Antwort auf deine Frage, was ich tun würde, wenn du mir heute oder morgen den Laufpaß geben wolltest: Es wäre möglich, daß ich mich, wie du annimmst, in den Fluh stürzen würde. Seine Rähe ist so bequem. Aber ich würde nicht allein gehen! Beriah dich drauf, daß du mit- kommst, auf welche Weise ich auch immer aus dem Leben scheide. — Hast du mich verstanden, Suse? — Ja? Dann geh jetzt!" Er hob sie etwas brüsk von seinen Knien und stellte sie zu Boden. „Wie häßlich du sein kannst!" Sie empfand plötzlich eine heftige Angst vor ihm. Ganz hilf- und wehrlos fühlte sie sich ihm auggeliefert. „Ich denke ja gar nicht daran, dah ich dich loshaben will. Ich habe dich doch heb!" „Ich hoffe es!“ sagte er ernst und zog ihren Arm, der nicht zu widerstreben wagte, durch den feinen. „Weine jetzt nicht mehr", bat er, während er mit gesenkten Schultern neben ihr her ging. Sie ist ein Kind, dachte er in ehrlicher Selbstanklage und ich ein Mann von neunundzwanzig Jahren, den das Leben schon nach allen Seiten geschüttelt hat. Kein Wunder, wenn sie alles noch leicht und scherzhaft nahm. Er wollte seine Heftigkeit von vorher gut machen und schöpfte für sie aus dem tiefsten Borne seiner Güte. Aber sie hörte ihn nicht, achtete kaum darauf, daß er sein ganzes Herz vor ihr -axiftat. Als er sie am Waldrande bat, ihm noch einen Kuß zu schenken, wandte sie hastig das Gesicht zur Seite. „Du hast mir weh getan“, trotzte sie. „Ich werde Arnschläge machen müssen, daß man deine Finger auf meinem Arm nicht sieht! Die ganzen nächsten, Tage kann ich nun keine kurzen Aermel tragen. Sieh doch her, wie du zugedrückt hast", weinte sie zornig auf. „Aber das sage ich dir vorweg: Ein zweitesmal lasse ich mich nicht so behandeln. Wenn du jetzt schon so mit mir verfährst, was wird dann erst fein, wenn ich deine Frau bin!“ „Wenn du meine Frau bist!" wiederholte er verträumt, „dann. Suse, werde ich mich morgens vor dein Bett legen, damit deine Füße weich zu stehen kommen, wenn du sie zu Boden fetzen willst." Sie war entwaffnet, wollte die Qlrme zu ihm aufheben, um sich küssen zu lassen, fühlte, wie er sie von sich abhielt und folgte der Richtung feines Blickes. Ein Knecht kam über die Wiesen auf sie zu, übersprang ein paar Gräben und stand etwas hastig atmend vor ihnen. «Die gnädige Frau läßt bestellen. Herr Malnow möchte unverzüglich nach Hause kommen." „Run ist es da!" tobte es in Dieters Kopf. „Wußten Sie denn, bafc ich hier bin?“ sagte er so gefaßt, als möglich. „Das nicht! Aber Dettermann hat gesagt, daß Sie nach dem Wald gegangen seien. Da habe ich mir gedacht, daß Sie dann wohl zu finden wären." (Fortsehung folgt.) kvortftpfel Kelterei ime / flftpott- Rpfelrotin <6 i essen TürdltorstmsseS PhotoWinterhoff Kreuzplatz 9 2'^5 A lieferbar in Faß und Flaschen frei Haus 23500 Wirten und größeren Konsumenten Preisermäßigung 2332 D Samstag, den 26. 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