Nr. 302 Kvühaussabe 182. Zahrgang Zreitag, 23. Dezember 1932 Erfcheinl lägUch,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte (Lietzener Familienblätter Heimat tm Bild Die Scholle MonatL-vezugspreir: Mit 4 ‘Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. 8ernsprechanschlüsse onter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach« richten: Anzeiger Lietzen. Postscheckkonto: ZranlsurtamMain 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vn'S vn- Verlag: vrW'sche Universtlätr-Vuch- und Zteindruckerel R. Lange in Sietzen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulttratze 7. ?lnnaQme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 nun Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Plahvorschrist 20°, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für denAn« zeigenteil i. D. Th.kummel sämtlich in Biegen. Frankreichs Weihnachtskrisis Wie wird paul-Boncour aus der Finanzkalamiiat herauskommen? Von unserem Zr.-Berichterstatter. Paris, De.zember 1932. Während es bei uns zu Hause bereits fo anheimelnd weihnachtet, denkt der Deutsche, der diese Vorweihnachtstage in Paris verbringen muß, mit Wehmut an die Heimat, wo dieser Weihnachts- friede doch wenigstens bis zu einem gewissen Giade sich in der Politik bemerkbar zu machen pflegt. Das ist hier eigentlich immer anders, und ganz besonders in diesem Jahre, daß ja noch schnell der französischen Republik eine Krise beschert hat. die von außerordentlicher Schwere ist. Bislang hatte man ja immer damit gerechnet, daß der Sturz Her- riots erst im Januar erfolgen würde. Ganz Schlaue wußten 7>gar das genaue Datum, den 20. Januar näml.ch, weil bis zu diesem Tage der neue Haushalt vorge.'cgt sein muß. Der neue Haushalt, der unbarmherzig die schlechte Finanzlage Frankreichs enthüllen würde, und der nach Ansicht aller einsichtigen Politiker Gehalts- und Pensionstürzun- gen we.tere Einschränkungen der militärischen Ausgaben und sonst ger sachlicher Ausgaben m t sich gebracht haben würde — kurz lauter Dinge, um deretwillen Parteien nun einmal Regierungen zu stürzen pflegen. Da Herriot. nicht gewillt war, sich dem sozialistischen Diktat zu fügen, das jede Gehalts- und Pensionskürzung unterfagte, war klar, daß er fallen würde; hatte sozusagen nur „S ch o n f r i ft" bis zum I a.n u a r. Eine Schonfl st übrigens, die von seinen Gegnern um so lieber gewährt wurde, als man hoffte, daß es sich in der Januarkrise, in der es ja um Bargeld und nicht um außenpolitische Phvasendrusch handeln würde, ganz erledigen würde ... % An diese .Lage muß man anknüpfen, wenn man die Aktionen Paul-Boncwrrs verstehen will, nachdem Herriot so ganz wider Erwarten schon vor dem Januar ausgeschieden ist. Paul-Boncour ist nicht etw.a beliebter als Herriot — im Gegenteil, es gibt wohl kaum jemanden, der gleichzeitig auf der Rechten und auf der Linken eine gleiche Anzahl von persönlichen Feinden hat — aber er ist sehr viel klüger. Er hat daher auch sofort den Braten gerochen, als die Reihe an ihn kam, die Regierung zu bilden: Er wußte, daß ihm dieser Auftrag von seinen zahlreichen Gegnern nur gegönnt wurde, damit er sich ebenso wie Herriot „erledige", und daß nur seine wenigen Freunde, zu denen allerdings auch der Staatspräsident Lebrun gehört, von chm ernstlich eine Lösung der Krise erwarteten. Denn nur sehr wenige waren sich im Augenblick der Betrauuna Boncours klar, daß dieser Außenpolitiker par excellence, dieser Advokat des internationalen Rechts auch einer der gewiegtesten Kenner der innerpolilischen Fragen feines Landes ist, in der er ja seit über dreißig Jahren eine Rolle spielt. Gewiß hat der Staatspräsident in dem Augenblick, in dem er Boncour betraute, auch daran gedacht, daß Boncour von allen Persönlichkeiten mit die geeignete st e sein würde, um die Ab- rüstungsfrage im Sinne Frankreichs zu vertreten und gegenüber Amerika einen gewandten Advokaten der verfahrenen Sache Frankreichs zu machen; entscheidend aber war, daß Boncour eine Lösung der innerpolitischen Fragen mit sich brachte, die ihm zunächst einmal eine Kammermehrheit sichert. Denn Boncour brachte eines mit, was seinerzeit auch bei ter Betrauung Herriots als ausschlaggebend empfunden wurde: die Unterstützung derfranzöfischenSozialisten. Das braucht aber jeder, der mit der gegenwärtigen Kammermehrheit regieren will. Die Kammer hat eben eine Links- mehrheir aus Sozialisten und Radikalsozialisten, die nur deshalb so schlecht funktioniert, weil es bisher nicht miigl ch war, das alte Kartell der Linken wieder herzustellen, da diese beiden Parteien in der Frage der Abrüstung und in der Frage der Bud- getgestaltung sich so grundsätzlich unterscheidm. Solange die jetzige Kammer besteht, wird daher jeder Ministerpräsident, der eine einwandfreie Kammer- mehrhcit haben will, die Sozialisten gewinnen müssen. Denn die Rechte wird sich erst dann wieder mit den Radikalsozialisten verbünden, wenn diese praktisch erledigt sind. Das Kunststück, die Sozialisten zu gewinnen, bestand also darin, ihren Forderungen weitgehend entgegen zu kommen und doch die Forderungen abzu- lehnen, die von den anderen Parteien abgelehnt würden. Das hat Boncour sehr schnell begriffen: Die Ablehnung der Kürzung aller Bezüge konnte er zugestehen, wenn er dafür die Unterstützung der Partei auf außenpolitischem Gebiete erhielt, während er die Kürzung des Militärhaushalts ab lehnen mußte, um die anderen Parteien zu gewinnen. Er hat daher fein Programm geschickt den Erfordernissen dieser Lage angepaßt, hat auf die Bezahlung an Amerika verzichtet, hat versprochen, die Ab- rüstungspolidik der Sozialisten fortzusetzen (so, wie er sie versteht, natürlich) kurz, hat in aller Geschick- lich eit ein Kompromiß zureclftgeschnitten, das jedem etwas zu geben scheint. Denn genau wie er den Sozialisten die Beibehaltung der bisherigen Be- ziige versprach, hat er das gleiche auch den anderen Parteien versprochen, so daß nur die Frage bleibt, wer denn nur das alles bezahlen soll. Aber auch hier hat Boncour Rat gewußt. Statt die Ausgaben zu kürzen, hat er die Ausgaben erhöht — und infolgedessen vorgeschlagen, daß auch die Steuern erhöht werden sollen. Da hat man also das Opferlamm gefunden: der französische Staatsbürger soll das Opfer bringen, um Boncours Kabinett am Leben zu erhalten. Jedoch würde auch diese Abmachung, die natürlich Vertrauensvotum für das Kabinett paul-Boncour. Oie Regierungserklärung wird von der Kammer mit 379 gegen 166 Stimmen bei 61 Enthaltungen gebilligt. Paris, 22. Dez. (TU.) Kammer und Senat traten am Donnerstag zusammen, um die Regierungserklärung entgegenzunehmen, die in der Kammer vom Ministerpräsidenten Paul-Bo n- c o u r und im Senat vom Justizminister G a r - deh verlesen wurde. Die Kammer wies das übliche Bild eines großen Tages auf. Als Paul- Boncour kurz vor 15 Uhr erschien, wurde er von der großen Mehrheit der Abgeordneten mit Beifall begrüßt, desgleichen der neue Finanzminister Cheron. Die übrigen Mitglieder der neuen Regierung wurden nicht besonders geehrt. Paul-Boncour verlas gleich zu Beginn der Sitzung seine Erklärung, in der er eingangs feststente, daß die Regierungskrise unter besonders heiklen Umständen ausgebroefjen sei. Weder das Ansehen des Regierungschefs, noch die von ihm vertretene Politik sei dadurch berührt worden. Die Zusammensetzung des neuen Kabinetts zeige, daß sie die Politik der vorhergehenden bewußt fortsetzen werde. Eine der wesentlichsten Aufgaben der neuen Regierung fei die Wiederherstellung der S t a a t s a u t o r i t ä t, da man zur Durchführung kühner Reformen zuerst das notwendige Instrument brauche, d. h. einen modernen Staat, in dem die Autorität unumstritten fein werde. Die Regierung müsse sofort einige Hindernisse beseitigen, und zwar zunächst die Finanzen gesunden, den Fehlbetrag ausgleichen und das Gleichgewicht des Haushaltsplanes wiederherstellen. Die Regierung beabsichtige energische Beschränkung der Ausgaben, zu deren Verwirklichung sie auf die Mitarbeit der zuständigen Kammerausschüsse und der Beamten und der Kriegsteilnehmer zurück- greisen werde. Gleichzeitig sei die Neuregelung des öffentlichen Dienstes und die Abschaffung unnötiger Einrichtungen notwendig. Da aber sofortige Maßnahmen erforderlich seien, schlägt die Regierung für den Augenblick ein provisorisches Haushaltszwölftel vor. Im Januar werde ein zweites Zwölftel eingebracht werden, in dem bereits em Teil der neuen Sparmaßnahmen enthalten fein werde. Die zweite wichtige Aufgabe fei die allgemeine Regelung der Kriegsschuldenfrage. Die Regierung verspreche, dieser Ausgabe alle Kraft zu widmen. Sie sei der Ansicht, daß die augenblickliche verwickelte politische Lage in den Bereinigten Staaten eine ä u ß e r st . vorsichtige V e r h a n d l u n g s f ü h r u n g erforderlich mache. Die Richtung dieser Verhandlung sei durch den Kammerbeschluß vom 12. Dezember gegeben. Inzwischen sei glücklicherweise während der Krise durch den bisherigen Ministerpräsidenten die Fühlungnahme mit Washington aufrechterhalten worden. Die neue Regierung erkenne an, daß in Washington ernste Anstrengungen gemacht worden seien, um die Schwierigkeiten zu beseitigen. Die französische Regierung sei außerordentlich glücklich, jede Möglichkeit einer Annäherung zu ergreifen und werde die Verhandlungen mit der festen Absicht führen, eine Gesamtlösung vorzubereiten, um der Unordnung ein Ende zu bereiten, wie sie die Last der zwischen st aatlichen Schulden für die wirtschaftliche Wiederherstellung darstellt. Gleichzeitig werde die Regierung im Einvernehmen mit den Staaten, an die Frankreich durch ein gemeinschaftliches Streben gebunden fei, und ohne Hintergedanken gegen einen Dritten, gestützt auf die wirksame Freundschaft Englands und in dem Wunsche, jede Schwierigkeit zu beseitigen, die mit den Ländern bestehen könnten, mit denen Frankreich eine alte Kultur und nahe Erinnerung verbünden, sich bemühen, andere internationale Verhandlungen zu einem guten Abschluß zu bringen. Auch sie drängten, von ihnen hänge zum größten Teil die Lösung der Krise ab, die die tiefere Arsache der budgetären Schwierigkeiten Frankreichs sei. Diese Krise sei nämlich nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch psychologischer Art, geboren aus der internationalen Beunruhigung und den Mißverständnissen und Rivalitäten unter den Völkern. Die vorangegangene Regierung habe sich erfolgreich bemüht, die Abrüstungskonferenz aus der Unsicherheit und Langsamkeit, in der sie zu versacken drohten, zu befreien. Die Regierung werde dieses Werk fortfetzen. Es sei ein konstruktiver Plan eingebracht worden, der in präzisen Formeln die notwendige Verbindung zwischen der Abrüstung und der Sicherheit hergestellt habe und der sich nicht einer dieser Formeln bediene, um die ctaSere auszu- schalten oder aufzuschieben. Die Regierung werde den Plan verteidigen. Ein wichtiges Ergebnis fei erreicht: Auf die Abrüstungskonferenz fei ein großes Land Die Regierungserklärung, die Paul-Boncour mit absichtlichem Pathos langsam, jeden Satz unterstreichend, verlas, wurde mit einer g?wissen Zurückhaltung auf genommen. Da sie in der Hauptsache der äußersten Linken gerecht zu werden suchte, fand sie an den maßgebenden Stellen deren Beifall. Aber ausgefallen ist, daß selbst die Stellen, die den nationalen Interessen aller Parteien Rechnung tragen, von den rechtsstehenden Fraktionen und auch von den Gruppen des rechten Flügels der Mitte äußerst kühl aufgeuemmen wurden. Die Ausführungen Paul- Boncours über die Abrüstungskonferenz und über die Gleichberechtigung waren sehr vorsich- t i g gehalten. Seine Erklärung, die Regierung werde darüber Wachen, daß kein Mißbrauch mit dem Zugeständnis der Gleichberechtigung getrieben werde, sandBeifall. Bemerkenswert war in der Regierungserklärung, daß die Sicherheit nicht etwa vor der Abrüstung kommt, sondern daß beide gleichgestellt werden, die eine nicht gegen die andere ausgespielt werden kann. Oie Oebaiie, die sich an Paul-Boncours Rede anschloß, wurde durch die Interpellation des Kommunisten D o - r i o t eröffnet, der einen allgemeinen Rückblick über die Ministerkrise gab, an der Regierung und an ihrem Programm Kritik übte und außerdem die Streichung sämtlicher Kriegsschulden forderte. Der Radikalsozialift Hulin foderte die Regie- rung auf, die Politik zu betreiben, die die augenblickliche Mehrheit versprochen habe: Laienschule, finanzielle Gesundung, Beseitigung der Ungerechtigkeiten des Steuerwesens und Organisierung des Friedens. Unter großem Beifall der Linken zollte er Herriot besondere Anerkennung dafür, daß er Frankreich aus der Vereinsamung herausgeführt habe. Der Regierung Paul-Boncour falle die Aufgabe zu, das Werk Herriots fortzusetzen. Der Vorsitzende des Heeresausschusses, Oberst Berlin, 22. Dez. (ERB. Funkspruch.) Dor Vertretern der Presse äußerte sich Reichskommissar Dr. Gereke über die bisherigen Arbeiten des Reichskommissars für die Arbeitsbeschaffung. Er unterstrich noch einmal, daß nicht eine große Behörde auf gezogen werden solle, sondern daß es vielmehr darauf ankomme, allen einzelnen Arbeitsmöglichkeiten nachzuspüren und ein zusätzliches Programm für ö f - sentliche Arbeitsbeschaffung mit aller Beschleunigung durchzuführen. Dieses Programm soll eine Ergänzung der von der Reichsregierung schon in Angriff genommenen Maßnahmen fein. Genaue Zahlen über die Mittel, die für diese Aufgaben zur Verfügung stehen, taffen sich im Augenblick noch nicht nennen. Rach den bisherigen Verhandlungen mit der Reichsbank ist aber sicher, daß dem öffentlichen Arbeitsbeschaffungsprogramm die Kreditausweitung zur Ver- . fügung stehen wird, die Reichsbankpräsident Dr. Luther in seiner Münchener Rede a u f 2,7 M i l - I liarden beziffert hat. Für das Sofortpro- | gramm ist mit 500 Millionen zu rechnen. I zurück gekehrt, dessen Anwesenheit notwendig sei, um der abzuschließenden Konvention und den Garantie- und Kontrollmahnah- men, die deren Folge sein mühten, ihre volle Wirksamkeit zu verleihen. Die Regierung werde darauf achten, daß man aus der loyalen Anerkennung einer Gleichberechtigung und der Gleichheit der P(lid)fen und in einer positiven Organisation der internationalen oder wenigstens europäischen Sicherheit nicht Konsequenzen ziehe, die auf eine mit dem Zweck der Konferenz sowie mit den Friedensverträgen unvereinbare Ausrüstung abzielen würde. Fabry, wies daraus hin. daß gegenwärtig in Frankreich und in Deutschland Kriegsmini- st er an der Spitze der Regierungen ständen. Während Schleicher die Reichswehr stark mache, gewähre Paul-Boncour auf Kosten des französischen Heeres die Gleichberechtigung. Heute fordere die Reichswehr Tanks und eine Äeuord- nung ihres Aufbaus. Morgen werde sie die Be- feftigung der entmilitarisierten Zone verlangen, um dann Gebietsforderungen zu erheben. Die moralische Abrüstung und die Schaffung einer internationalen Streitmacht seien vor allem anzustrebLn. In Gens müßten die Verfehlungen Deutschlands gegen die Abrüstungsbestimmungen bekanntgegeben werden. Ministervräsident Paul-Boncour antwortete, Fabry habe die Einsetzung des interalliierten Kontrollausschu^es zur Feststellung der Verletzungen des Versailler Vertrages durch Deutschland gefordert. Die Tatsache aber, daß auch die anderen Regierungen das Ausleben dieses Ausschußes nicht wollten, beweise, daß eine einseitige Kontrolle gegenwärtig nicht durchführbar sei. Mit um so größerer Genugtuung begrüße er den französischen Ab- rüstungs- und Sicherheitsplan, der die einzig mögliche Kontrolle, die internationale Kontrolle, vorsehe. — Der Sozialistenführer Leon Blum äußerte sich sehr günstig über die Regierungserklärung. Hulin (Rad.-Soz.) brachte folgende Vertrauensentschließung ein: Die Kammer billigt die Erklärungen der Regierung und vertraut, daß sie die Friedenspolitik, die Politik der wirtschaftlichen und finanziellen Gesundung, des Schutzes der Landwirtschaft, des sozialen Fortschritts und der durch die allgemeinen Wahlen geforderten Laienschule betreiben werde. — Die Entschließung wurde mit 379 Stimmen gegen 166 bei 61 Enthaltungen angenommen. In der Durchführung der Aufgaben des Kommissariats soll vor allem der Grundsatz der Dezentralisation maßgebend sein. Es kommt im wesentlichen daraus an, Kredite unter besonders günstigen Bedingungen den Trägern der öffentlichen Arbeit zu geben. Das sind also die Gemeinden, Gemeindeverbände, Genossenschaften usw. Sie müssen Anträge stellen, die von dem Kreditausschuß bearbeitet werden. Für die Auszahlung der Beträge kommt in erster Linie die Deutsche Gesellschaft für öffentliche Arbeiten und die Rentenbank-Kreditanstalt in Frage. Beide Institute haben auf diesem Gebiete bereits große Erfahrungen. Dr. Gereke betonie, daß er nicht die Absicht habe, bewährte Methoden durch neue zu ersehen, sondern daß es ihm vor allen Dingen daraus ankomme, die ganzen Bemühungen um die Arbeitsbeschaffung zu beschleunigen. Deshalb soll auch der Instanzenzug für die Kreditgewährung nach Möglichkeit verkürzt werden. Der Reichskommifsar hofft, daß KWeAusnaftne drrRegieniWerklMW. Gerekes Ucheiisbeschaffungsproßramm. in sich schließt, daß das ganze Budget neu aufgeste111 werden müsse, noch nicht genügen, Boncour zunächst wenigstens eine Mehrheit zu sichern, wenn dieser schlaue Fuchs nicht noch anderen Rat gewußt hätte. Nachdem er sich nämlich nach den Sozialisten auch die Radikalsozialisten und weitere Gruppen der Luken auf Grund des geschilderten Budgetkompromisses gesichert hatte, hat er sich nun etwa keineswegs daran gefetzt, feine Versprechungen sofort zu verwirklichen. Er mühte nicht Boncour heißen, wenn er nicht gleich einen Dreh gesunden harte, um die Entscheidung hinauszuschie- d e n. lind der Dreh ist sehr einfach: Er bringt das versprochene Budget vorläufig nicht ein, und begnügt sich, mit der Einbringung eines Budgetzwölf - t e ( 5. Das .ist bekanntlich die geniale Erfindung Poincarös, der in Krisenzeiten innerpolilischen Entscheidungen dadurch ausw.ch, daß er immer nur für einen Monat die Gelder bewilligen li§ß. Dann konnte man den Entscheidungen aus; weichen, oder es merkte niemand, was los war. Daß Boncour sich Poincares Vertrauensmann Cheron als Finanzminister verschrieben hat, ist also nur bezeichnend für seine Absichten. Das wird natürlich nicht hindern, daß er in Kürze trotzdem neues Geld für die Staatskasse braucht, die gänzlich geleert ist. Aber pumpen tut die französische Kammer gern. Die Schwierigkeit wäre also zu überwinden. Man muß also wohl damit rechnen, daß Boncour zunächst einmal die Schwierigkeiten überwinden wird, über die Herriot im Januar gestürzt wäre. Aber er bedient sich dazu einer Methode, die schon einmal Frankreich unter der Herrschaft der Linken finanziell an den Rand des Abgrundes gebracht hat. Denn sie führt dazu, daß immer wieder Gelder bewilligt werden, die nicht durch solide Steuern gedeckt sind, und die schließlich nur durch Inflation beschafft werden können. Das scheint auch seine Ansicht zu sein, ba er woh! glaubt, mit den Gold-Milliarden der Bank öouv Frankreich im Hintergründe zunächst einmal sich den Luxus einer Vermehrung des Notenumlaufs gestatten zu können. Wobei er vielfach sogar die Vorstellung, hat, daß Frankreich von seinem Goldc etwa d e r l'i e r c n müßte, um gegenüber Amerika ebenso hilfsbedürftig zu erscheinen,^wie etwa England. Man täusche sich also nicht: oo verhaßt persönlich Boncour ist — er richtet sich mit seiner Bud- getpol'üik auf eine Politik auf lange Sicht ein. Dieser Gegner Deutsch'ands kann uns also u. U. noch sehr viel zu schaffen machen. Wie geschickt er ist, das zeigen doch gerade diese ersten Akte seiner Regierung ... schon i m Januar Kredite gegeben werden können, und daß also auch im gleichen Monat schon die Aufträge her- auskommen können. Bei diesen Aufträgen werden solche Gebiete bevorzugt, auf denen schnell gearbeitet werden kann. Deshalb gehören dazu die Hausreparaturen. Die 50 Millionen, die das Reich hierfür bereits zur Verfügung gestellt hotte, sind bereits voll in Anspruch genommen worden. Deshalb wird morgen oder in den nächsten Tagen zunächst der gleiche Betrag noch ein- m a 1 zur Beifügung gestellt werden. Der Werl dieser Aktion liegt vor allem darin, daß sie das fünffache der Arbeit schafft, wie für 50 Millionen möglich ist, da ja die Hausbesitzer selb st Bierfünftel der gesamten Aufwendungen zu tragen haben. Dr. (Betete rechnet damit, dah die Bemühungen gerade auf diesem Gebiet auch während der Jroff- periode gewisse Arbeitsmöglichkeiten schafft. Weiler werden in erster Linie solche Arbeiten gefördert werden, die aus Mangel an Mitteln im laufenden Etat zurückgestelll werden müssen. Dazu gehören vor allem St"rahen - und Brückenbauten, hier gibt es nach Ansicht des Reichskommissars eine ganze Menge notwendiger Arbeiten, und zwar wird dabei mehr aufzuwenden sein als für die hausreparaluren. Dem Deichskommissar kommt es darauf an, Fehlinvestitionen zu vermeiden. Deshalb sollen m den nächsten Tagen Richtlinien herauskommen. In der Öffentlichkeit dürfe unter keinen Ilmsländen der Eindruck entstehen, als wenn die Durchführung des öffentlichen Arbeitsbeschaf- fungsprogramms sich irgendwie gegen die private Wirtschaft richte. Im Gegenteil komme sie ihr ja gerade zugute. Denn die Aufträge würden doch an die private Unternehmerschaft gegeben. Die Zahl der Einstellungen aus Grund des Arbeitsbe- fchaffungsprog?amms sei selbstverständlich von der Inanspruchnahme der Kredite durch die öffentliche Hand abhängig. Ein äleberblick lasse sich erst frühestens anfangs nächsten Monats geben, wenn wenigstens ein Teil der Anträge schon vorliege. Die Bedingungen für die einzelnen Kredite mütßen natürlich besonders günstig sein, um eine neue Verschuldung der einzelnen öffentlichen Körperschaften zu vermeiden. Deshalb würden sie sehr erheblich unter den normalen Kreditbedingungen liegen.. Weiter werden sich die Bedingungen für die Kredite danach richten müssen, welcher Art die öffentlichen Arbeiten sind, für die sie in Anspruch genommen werden. So könnten beispielsweise für Etrahenarbeiten, die keine Rente erwarten lasse, da man doch schließlich nicht wieder Schlagbäume einführen könne, nicht die gleichen ‘Bedingungen gestellt werden wie für Arbeiten für werbende Unternehmungen, die eine Rente abwerfen werden und eine Verzinsung der Kredite tragen können. Dr. Sereke erläuterte zum Schluß dann noch die Form, in der das Recht der Kreditbewilligung an lokale Kreditausschüsse delegiert werden solle. Dies könne naturgemäß nur innerhalb ganz scharf gehaltener Richtlinien geschehen, um zu vermeiden, daß die Zentrale durch zahllose kleinere Fälle lahmgelegt wird. Dadurch würde die wesentlichste Vorbedingung, die, wie er nur immer wieder betonen könne, die Schnelligkeit sei, stark in Frage gestellt werden. Selbstverständlich behalte sich die zentrale Stelle das Recht vor, alle Anträge nachzuprüfen. Das Urteil im Helserieck-Prozeh. Berlin, 22. Dez. (CNB.) Nach mehr als zweimonatiger Verhandlung wurde im Jelseneck-Prozeß deute das Urteil verkündet. Die kommunistischen j Angeklagten Becker und Schön wurden wegen I D!iebstahls zu je 6 Monaten Gefängnis verurteilt, die durch die Untersuchungshaft verbüßt sind. Gegen alle übrigen Angeklagten wurde auf Grund der Amnestie das Verfahren eingestellt. — Im Anschluß an eine nationalfoziallsttsch e Versammlung kam es in der Nacht zum 19. Januar d. I. in der Kolonie Felseneck im Worden Berlins zu einer blutigen Schlacht zwischen politischen Gegnern, bei der ein Nationalsozialist und ein Kommunist den Tod fanden. Angeklagt waren wegen dieses Ereignisses sechs Nation,llsoziallsten und 22 Kommunisten. Die erste Verhandlung fand ihr Ende, als sich der Vorsitzende des Gerichts und ein Beisitzer als befangen erklärten. Die zweite Verhandlung, die heute zum Urteil führte, begann am 17. Oktober. Finanzausschuß des Hessischen Landtags. Darmstadt, 22. Dez. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags stimmte einem nationalsozialistischen Antrag zu, daß den Kindern von anerkannten Kriegsbeschädigten und Krieger Hinterbliebenen ein besonderer S ch u lg e l d e r l a ß gewährt werden kann. Dabei soll der bisherige Ausbi.dungsgang verbessert werden dürfen, wenn bisher wegen des ,yu hohen Schulgeldes einem Kinde nicht die Ausbildung gegeben werden konnte, die seinen Fähigkeiten ent- spricht. Eine Anrechnung des Schulgelderlasses auf ein Einkommen der Eltern soll nicht erfolgen. Eine lebhafte Aussprache entwickelte sich über den nationalsozialistischen Antrag auf Maßnahmen zur Verhinderung des Doppelverdiener-Unwesens. Die Regierung stimmte der Tendenz des Antrages zu, hjsher wird schon u. a. ein 20projentiger Sonderabzug neben den normalen Abzügen am Gehalt der betreffenden Beamten und Staatsangestellten vorgenommen. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Der Antrag der gleichen Fraktion, die staatlichen und kommunalen Lieferungsund Arbei^sauftröge der hessischen Wirt- : schuft zu reservieren, wurde durch die Regierungsantwort für erledigt erklärt. Die Regierung wies darauf hin, daß es unmöglich sei, die Aufträge lediglich an hessische Wirtschastskreise zu vergeben, weil sonst mit entsprechenden Gegenmaßnahmen der Nachbarländer gerechnet werden müsse. Einem sozialdemokratischen Antrag, daß die Reichs bei Hilfe schon für Wohnunas- reparaturen im Kostenbetrag von 150 Mark angegeben werden sollen, wurde einstimmig zugestimmt. Die Klage der deutschen Oomgemeinde in Reval abgewiesen. Reval, 22. Dez. (TU.) Der estländische Staatsgerichtshof hat die gegen die entschädigungslose Enteignung des Nevaler Domes gerichtete Klage der deutschen Gemeinde z u r ü ck gewiesen. Der Beschluß der zweiten Gerichtsinstanz, des Appelationshoses, über die Rechtmäßigkeit der Nutzungsrechte der deutschen Domgemeinde an den Immobilien und Kapitalien des Revaler Doms wurde zur erneuten Beschlußfassung an den Appela- tionshof zurückgeleitet. Hiermit ist der Kamps der deutschen Domgemeinde in Reval um ihren Besitz — bekanntlich wurde der Revaler Dom im Jahre 1926 entschädigungslos fortgenommen — in allen Instanzen verloren. Man befürchtet, daß auch die vom Appellationshof zugebilligten Nutzungsrechte verlorengehen können. Kleine politische Rachrichten. Der Reichskommisfar für Arbeitsbeschaffung, Dr. Gereke, spricht am heutigen Freitag von 19.30 Uhr bis 20 Uhr über „Die vordringlichsten Auf- (laben der Arbeitsbeschaffung" über alle beut = ch e n Sender. Von 20 Uhr bis 20.15 Uhr Pricht Walter Jost, Hauptmann im Reichswehrministerium, über die deutsche Wehrmacht im Jahre 1932. Gesandter v. Keller ist zum ständigen Kommissar des Reiches beim Völkerbund ernannt worden. In bi es er Eigenschaft wird Keller auch Mitglied der deutschen Delegation bei der Abrüstungskonferenz fein. * / Der Ältestenrat des Hessischen Landtags tritt am 5. Januar zusammen. Es ist damit zu rechnen, daß die Plenarberatungen frühestens in der zweiten Ianuarhälfte beginnen werden. • In Fortsetzung der Personellen Veränderungen in dem Parteistab der hessischen RSDAP. ist der seitherige Kreisleiter Heß. Darmstadt, durch den Landtagsabgeordneten Zürtz, Darmstadt, ersetzt worden. * In Wiesbaden hat auf Grund des Arteils des Staatsgerichtshofs, das die preußische Sparnotverordnung vom 12. Dezember 1931 für ungültig erklärte, der besoldete Magistrat mit einigen Stimmen Mehrheit beschlossen, ab 1. Dezember die Magistratsgehäl- ter in der früheren Höhe vor Inkrafttreten der Sparnotverordnung wieder zur Auszahlung anzuweisen. Am Weihnachtsabend wird die vatikanische Radiostation die Rede des Papstes an die Kardinäle und an die römischen Prälaten übertragen. Die Uebertragung beginnt um 24 Uhr MEZ. und erfolgt auf Welle 1984. * Der neugewählte chilenische Kongreß hat Arthuro Alessandri zum verfassungsmäßigen Präsidenten ernannt. Alessandri, der bisher geschäftsführender Präsident war, übernimmt nun» mehr die Macht als verfassungsmäßiger Präsident. Aus Mer Welt. Grohfeuer im Weißenfelser Schloß. ,3m WeißenfeFer Schloß brach ein Grohfeuer aus, als dessen Ursache wahrscheinlich Kurzschluß in .der im Schloßturm untergebrachten Funkstation der Polizei anzusehen ist. Außer der Weißenfelser Feuerwehr eilten auch noch die Feuerwehren aus Hallch Leuna und anderen umliegenden Orten herbei. Der Schlohturm brannte vollständig nieder. Rach viereinhalbstündiger Arbeit gelang es, den ‘Brand auf seinen Herb zu beschränken. Der Sachschaden ist sehr groß. Zu dem Schloßbrand werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Das We'chenfe ser Schloß, die sogenannte Augustusburg, wurde in den Jahren zwischen 1664 und 1690 als Residenz der Herzöge von Sachsen-Weißenfels, einer 1746 ausgestorvenen Rebenlinie des Kurhauses Sachsen, errichtet. — Sechs Motorspritzen schickten aus neun Schlauchleitungen 4t» Stunden lang ungeheuere Wasfermassen in das Gebäude. Infolgedessen ist der Wasserschaden außerordentlich hoch. Die schwere Kupferluppel stürzte glücklicherweise in den Hof und nicht auf die benachbarten Seitenflügel, so daß es gelang, diese zu retten. Der Mitteltrakt selbst ist vollständig verbrannt. Kaffeeschmuggel in Hamburg. Der Hamburger Zollfahndungsstelle ist die Auf. deckung einer umfangreichen Zollhinterziehung gelungen. Unter Kohlenladungen Der* steckt sind seit August d. I. etwa 170 Sack Roh» faffee aus dem Freihafen gefdjmug» gelt worden. Der dem Fiskus dadurch hinterzogene Zoll beträgt mindestens 18 000 Mark. Als Täter kommen zwei Kaufleute in Betracht, gegen die, ebenso wie zwei weitere Mittäter. Haftbefehl erlassen worden ist. Nachspiel ;um JaU hinhe-Bindernagel. Bor zwei Monaten hat, wie erinnerlich, der Bankier Hintze feine Frau, die Berliner Sängerin Gertrud Binder nagel von der Städtchen Oper, niedergeschossen. An den Folgen der Verletzung ist Frau Bindernagel gestorben. Jetzt hat der in Untersuchungshaft befindliche Gattenmörder durch seinen Verteidiger den Erbanspruch an der Hinterlassenschaft der von ihm getöteten Sängerin angemelöet. Er habe, wie der Verteidiger in der Begründung ausführt, feine Frau nicht toten, sondern ihr nur einen Denkzettel geben wollen. Das ihm zufallende Erbteil will er benutzen, um sich nach Wiedererlangung der Freiheit eine Existenz aufzubauen. Wenn das Gericht zu der Erkenntnis kommt, daß Hintze n cht die Tötungsabficht gehabt hat, dann ist er an sich erbberechtigt, es bliebe nur die Möglichkeit, daß der Vormund des Kindes gegen den Gattenmörder die Erbunwü^digkeitsklage erhebt. Das Zio'genicht kann dann aber unter Un ständen unabtjdng g von der Entscheidung des Strafgerichts zu dem Ergebnis kommen, kaß es Hintze zu glauben fei, er habe feine Frau nicht töten wollen. Dann erhält Hintze das Erbrecht, eventuell sogar die väterllche Gewalt über das Kind und das Verfügungsrecht über die 6500 Mark, die auf das Kind aus einer Wohltätigkeitsveranstaltung der Berliner Städtischen Oper entfallen. Panik im Zoppoter Spielklub. Als an einem der letzten Abende der Spielleiter an einem Roulette-Tisch im Zoppoter Spiel- fafino die drei letzten Spiele ansagte, da um 11 Ahr abend das Roulettespiel geschlossen wird, erfolgten unter dem Roulette-Tllch plötzlich mehrere Explosionen. Ratürlich löste der Anschlag unter den anwesenden Spielern und Klubangestellten eine große Panik aus, die jedoch bald wieder beseitigt werden konnte. Eine Untersuchung des aufregenden Vorfalls ergab, daß jemand einen raketenartigen Feuerwerkskörver unter den Spieltisch geworden und zur Explosion gebracht haben muß. Irgendein Schaden ist nicht entstanden. Wer den Feuerwerkskörper gewor-en hat, ließ sich nicht fest stellen. Ganz ohne Zweifel wollte die betreffende Person eine Panik ^rvor- rufen. Entweder handelte sie aus Aerger gegen den Spielklub, oder es handelt sich sogar um einen Dieb, der die Absicht hatte, während der Panik recht viel Bargeld und Spielmarken vom Tisch zu raffen. Trotz der großen Verwirrung ist es dem Unbekannten jedoch nicht gelungen, irgend etwas zu stehlen. 3n Moskau blüht der Flieder. In Moskau und fast in der gesamten Sowjetunion wird eine für die jetzige Jahreszeit ungewöhnliche Erscheinung wahrgenommen. Während sonst überall in Rußland schon Mitte Dezember strenge Fröste herrschen, wird jetzt aus allen Gebieten eine Temperatur gemeldet, Sie jtoifchen vier und ach t Grad über Rull schwankt. Trotz der gelegentlichen Racht- fröste sprießen in Moskau die Knospen an den Fliederbüschen und den Kirschbäumen. 2luch aus Leningrad wird berichtet, daß der Finnische Meerbusen vollkommen e'.ssrei ist. Die Schiffahrt ist in vollem Gange. Die Deinprelse steigen. In Bad Kreuznach fand die erste große W e i n - Versteigerung des Verbandes der Ratur- weinverstcigerer (Raheweinbaugebiet), an der sich u. a. die staatliche Provinzial-Weinbaulehranstalt Dad Kreuznach mit 40 Rummern 1930er und 1931er Raturweine beteiligte, reges Interesse in Fachkreisen. Die Preise zeigten eine starke T e n - denz nach oben. Teilweise wurden seit Jahren wieder Rekordpreise erzielt. Ter Durchschnittspreis pro Stück (1200 Liter) belief sich auf zirka 900 Mk. Die Spitzenweine fanden Liebhaberpreise. Insgesamt wurden 36150 Mk. erlöst. Tie Winzer begrüßen lebhaft die günstige Konjunktur auf dem Weinmartt. ich Oer Donnerer privat. Eine heilere Weihnachisgeschichie von Martha von Zobeltih. Der ganze Konzertsaal ist ausverkauft, und ich denke schon, ich fall um mein Weihnachtsoratorium kommen, das mir das liebste von Bach ist, da höre ich, die Orchestermitglieder erhalten jeder eine Freikarte, wenn auch nur auf dem Podium hinter Chor und Instrumenten. Ich wende mich an den Saal- d-ener. Der streicht sich den Wachtmeisterschnurrbcrrt und meint, über diese Freikarten hätten sie sicherlich schon al'.e verfügt. Bloß vielleicht der Paukenist, der sei ein Einzelgänger, kenne auch niemand in der Stadt — vielleicht der Paukenist. Die Adresse könne er mir geben. 2ch habe in meinem Leben mancherlei Berufs- Menschen kennengelernt: Tierbändigerinnen und Olympiasieger, Stummelsammler und Fallschirm- abspringerinnen, aber noch nie hatte ich Gelegenheit, einem Paukerl'sten menschlich nahezu treten. Ein Musiker, der Herr ist über zwei gewaltige Kessel pauken, über denen er brütet, wie ein Urtier über Rieseneiern, und deren Flächen er bald grabe, bald übers Kreuz mit zwei gepolsterten Reibkeulen anrührt. Hat er den Donner entfesselt, wirft er sich hastig drüber hin, als wolle er die Schallwellen wieder einfangen. Oder er greift neben sich, und die Becken rufen gell. Sein Hoheitsgebiet reicht sogar bis zur Triangel, triumphierend hebt er sie hoch: prnterling die Triangel. Im Requiem von Berlioz werden acht Paukenisten ver.angt, aber in diesem Orchester gab es nur den einen — unb für das Weihnachtsoratorium reicht es ja auch, ?,^,n IF..nur stößig ist. Es gibt ja auch mannig- sache Klöppel, aus Leder und aus Schwamm, so daß die Pauken „milde tief und voll wie der Gesang der Nachtigall" klingen können und nicht nur mie der „Donnerhall" in der Haydnschen Sym- phome, die nach dem Paukenschlag genannt wird. achtzehnten Jahrhundert durften die fürst- lichen Hvspauker ganze Konzerte geben — Gott erpalte die Trommelfelle der Zuhörer. Später ver- jtand man unter diesem Titel ganz etwas anderes, Prttiz-n "icht übermäßig begabter Jedenfalls muß ein Paukenist ein Mann von Xaftgefuljl sein, und deshalb schien es mir unde- denEh$, ihn auszusuchen. Auch war ich begierig, rote ein Paukenist wohl seine kurzen bürgerlichen & Durfte er sicher nicht ha- peun. Man stelle sich vor: hundertzwei und vierzig lautlos aezahlte Takte - und plötzlich Pumm, daß der Kalk von den Wänden riefelt. Das ließe sich fein Nebenmann gefallen. (£r wohnte als siebenter Untermieter der Witwe Loratscheck in einem hohen und häßlichen Haus. Meine Hoffnung auf das Billett sank, als ich unter dem mir genannten Namen die Bezeichnung Masseur las, denn demnach war er doch nicht al- ein, sondern lebte mit einem Verwandten gleichen Namens zusammen, der dem menschenwalkenden Gewerbe oblag. Trotzdem klingelte ich. Die Witwe Loratscheck öffnete, und ich betonte, daß ich zum Musiker wollte, und nicht etwa zum Masseur. „Das müssen Sie mit ihm ausmachen! Geh'n Sie man rein — dritte Tür Hinterm großen Schrank ..." Ich ging rein. Da saß der Mann, dessen Betätigung mir in Chopins Trauermarsch Tränen entlockt hatte, an einem kleinen, runden Tisch, auf dem ein kleiner, runder Weihnachtsbaum stand, wie denn überhaupt alles im Zimmer mehr aufs Zierliche ging mit Ausnahme seiner selbst, und lauschte hingegeben einer kleinen, runden Spieluhr', die so leise zirpte, daß ich sie jenseits des großen Schrankes nicht einmal gehört hatte. Der große Donnerer lebte sich künstlerisch aus in der Spiel’ uhr, die er sich selbst zu Weihnachten geschenkt hatte. Ich bekam mein Billett. Geld wollte er keines nehmen, er hätte ja doch niemand. Die Witwe Loratscheck sei unmusikalisch. „Und Ihr Bruder?" „Wieso denn Bruder, Fräulein?" „Der Masseur ..." »Das bin ich doch selbst, Fräulein." Er reckte sich zu seiner ganzen Höhe auf und überragte nun den Tannenbaum und mich beträchtlich. „Was soll ich den ganzen Tag über machen? Die paar Proben füllen nicht. Und die Musikerhonorare, ach je! Ich massiere rhythmisch, das fleckt großartig — meine eigene Idee!" schloß er wohlgefällig. „Wenn Sie mal wollen?" Ich dankte und fragte, ob er nicht sonst einen Keinen Weihnachtswunsch ... Er sann nach. „Vielleicht ein wollenes Hals-* tüchlein", — er sagte „Tüchlein", trotz seines Stier- nackens — „wenn ich aus dem Konzert komme, bin ich immer so geschwitzt — von der musikalischen Erregung. Ja, die Musik!" und er zog seine Spieluhr auf und zirpte: „O Iannenbaum< Der Paukenist-Masseur erhielt sein Tüchlein, und ich ging ins Konzert. Als Oie vollen Chöre von dem dumpfen Rollen der Pause unterstrichen wurden, suchten meine Augen meinen musikerfüllten Freund. Ich konnte ihn nicht sehen, die Kontrabässe standen zwischen mir und ihm. „Jauchzet, frohlocket!" langen die Chöre. „Laßt uns den Namen des Herrschers verehren!" Ja, der Paukenist mußte fleißig sein. I Oie wahre Eva. „Wo findet man heute eine Frau, die aussieht, wie Eva ausgesehen haben muß, die Eva des Paradieses — eine Frau von reicher und ebenmäßiger Fülle, stark und geschmeidig zugleich, efrn Kind der Natur, genährt im Schoße der Natur?" Diese Frage hat der, berühmte englische Maler Frank Brang« wyn aufgeworfen, denn er braucht so eine Frau. Er hat den Auftrag erhallen, Wandgemälde für das größte Gebäude der Welt, für die Radio-Zity in Neuyork zu entwerfen, und er will hier in großen Gemälden voll Farbe und Leben den Weg der Menschheit und besonders die Entwicklung der amerikanischen Kultur darftellen. „Wenn ich nur das vollkommene Modell f.nden könnte, um das zu gestalten, was in meiner Phantasie lebt, dann könnte ich ein Meisterwerk hervorbringen", erklärte Brang- wyn. „Aber es gibt heutzutage keine weiblichen Modelle von dem Typ, den ich brauche. Was nützen mir diese schmalhüftigen Gewächse der modernen Welt? Ich brauche Frauen, wahre Vertreterinnen ihres, Geschlechtes, so wie es Eva gewesen sein muß." Brangwyn hat, nachdem er in den Großstädten auf den Modell-Mär.ten die Verkörperung seines Ideals nicht finden konnte, sich unter Ofen Frauen der Landbevölkerung umgofehen, und hier blüht noch eher die reife Weiblichkeit, die ihm das wahre Frauenwesen darstellt. Aber diese Land- frauen sind zum Modellstehen nicht geeignet, denn fie haben es nicht gelernt. Brangwyn will es da- ber so machen, wie es schon Raffael gemacht hat: er w.ll aus einer großen Anzahl von Modellen die- Innigen Züge herausnehmen, die nach seiner Meinung dem Aeußeren der wahren Eva am meisten entsprechen und bann eine Idealfigur aus vielen Pizzen gestalten. Der Ruf des bekannten Künstlers nach einer modernen Eva hat aber in England ein vielstimmiges Echo gefunden. Seine Klage, daß die Modelle von heute das nicht mehr seien, was sie vor 50 Jahren waren, wird von vielen Malern betätigt. Manche von ihnen geben dem Film die Hauptschuld an der „Verelendung der weiblichen Gestalt." So erklärt z. B. der Maler Nesinson: „Die Hauptursache des ganzen Unglücks ist das Kino. Diese Frauen von Hollywood sind nichts als hohle Schatten, ^ie haben sich abgemagert, weil man auf der Leinwand nur Zwerge und Schemen braucht, um der entstellenden Vergrößerung durch die Kamera vorzubeugen. Die Frauen der Welt haben sich nach diesen Idolen von Hollywood gerichtet, und damit ist diese schreckliche Manie der Abmagerung eingeriffen, die noch heute andauert." Doch gibt es auch ritterliche 'Verteidiger der modernen Frau, die in ihrer schlanken und eleganten Figur ein höheres Schönheitsideal erblicken als in Der reifen Ueppigkeit, die einst Rubens gestaltet. „Eine realistische Eva", sagt der berühmte Photograph Bertram Park, ein befoniberer Kenner ber heutigen Frauenschünheit/ „dürste einem Gorilla mehr ähneln als einer schönen Frau von heute. Suchen wir uns aus den ältesten Kunstwerken, die uns erhalten sind, ein Bild von dem weiblichen Schönheitsideal des Urmenschen zu machen, so stoßen wir auf eine unförmig dicke Masse, auf ein kleines Wesen, dessen mächtig ausladende Formen die Linien des Frauenkörpers vollkommen verwischen." Im übrigen wird betont, daß bas Uebermaß der schlanken Linie heute bereits aufgegeben ist und daß man zu ber Verehrung eckt weiblicher Formen zurück'ehrt. Ein Zeichen dafür ist, daß die Direktoren der großen Theater-Revuen, die immer eine feine Witterung für die gerade moderne Frauenschonheit besitzen, in Paris und London große stattliche Gestalten bevorzugen. In Paris haben- die beiden Tänzerinnen Moiig und Vanna Macbeth, die „überlebensgroß" find, einen starken Erfolg gehabt, und der Londoner Revue-Direktor Cochran hat in seiner neuen Revue eine Gruppe von acht Damen eingeführt, die alle über 1,70 Meter groß sind und durchaus die Formen aufweisen, die in früheren Zeiten ber männliche Geschmack von bem schönen Geschlecht forberte. Danach bars man also hoffen, baß Brangwyn doch noch bie wahre Eva findet, die er so schmerzlich vermißt. Eine Sammlung von 515000 Angerabvrücken. Aach zwei Jahren eifrigsten Sammelns glaubt man jetzt, in der Sammlung von 515 000 Fingerabdrücken, welche die Londoner Polizeizentrale Scotland Bard aufweist, eine Bibliothek von fast unbedingter Vollständigkeit zu besitzen. Eine allmähliche Zunah:ne ihres Besitzstandes wird solange erfolgen, bis alle Gewohnheitsverbrecher hier mit ihren Abdrücken festgehalten sind. Dann 5? f1111- "ach nötig fein, die neu überführten Sträflinge zu registrieren. Dagegen wird man die Fingerabdrücke von solchen Verbrechern, die in- zwischen gestorben oder in ein Alter getreten find, aas sie zu weiteren Missetaten unfähig macht, aus dm: Sammlung entfernen. In wenigen Jahren wird man den voraussichtlich höchsten Stand ber Bitliothek erreicht haben. Im letzten Jahre war die Identifizierung durch Fingerabdrücke mit 18 116 Fällen zahlreicher als je zuvor. Im Jahre 1902, dem ersten, da das gegenwärtige Abdruck- shstem eingeführt war, zählte man 1722, im Jab» 1901, dem letzten, in dem nach Bertillons Methode vorgegangen würbe, nur 503 erfolgreiche Fälle. Aus der Provinzialhauptstadt tag. Montag, 26. Dezember, ist ganz dem Hei. ter en gewidmet. Nachmittags soll den Kindern Ge- legenfjeit gegeben sein, den Märchenzauber vom Schicksal „Aschenbrödels' in sechs bunten Bildern unter der Spielleitung Karl Bolcks zu erleben. Für 19 älhr ist die Erstaufführung des Operettenschlagers „3m weihen Röhl" angesetzt. Hans Müller hat den bekannten Schwank gleichen Namens (von Blumenthal und Kadelburg) völlig frei umgearbeitet: Gesangstexte: Robert Gilbert. Schlager von Ralph Benatzky. Für die Auffüh- rung dieses Weltschlagers bemühen sich Heinrich Hub mit einem großen Aufgebot an Darstellern: ihm zur Seite am Dirigentenpult Kapellmeister M o e h l mit seinen Musikern, Ballettmeister Ewald B ä u l k e und Frau Anni mit den Girls desThectte.s. Die Erstaufführung ist außer Abon- nement und als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Operettenpreifem Anfang 19 älhr, Ende 22 Llhr. ** Straßensperrungsnachricht, mitge- tcilt vom Oberhessischen Automobil-Club E. V. (A. o. D.), Gießen: D.e Sperre der Ortsdurchfahrt Wieseck im Zuge der Sttaße Gießen—Alten- Duftck ist aufgehoben. ** Vorbe stellte Karten zu den Bor- stellungen im Stadttheater. Die Intendanz schreibt uns: Die zu den Weihnachtsfeiertagen vorbestellten Karten müssen bis spätestens Samstagmittag 13 ilfjr ab geholt fein. Infolge der großen Nachfrage muß die Kasse sonst anderweitig über bis zu diesem Zeitpunkt nicht abgrholte Karten verfügen. Vorbestellungen aus- toättiger Theaterbesucher blerben diesen bis 1/2 Stunde jeweils vor Dorstellungsbeginn aufgehoben. ** Das Fest der Silberhochzeit können am 1. Weihnachtsfeiertag der Friseurmeister Erich Stutzen st ein und Frau Lina, geb. Kircher, wohnhaft Neustadt 6, am 2. Weihnachtsfeiertag der (Spenden für die Winternothilfe. Don der Eeschäflsstelle der Gießener Wmttr- nothilfe werden uns folgende weitere Spenden gemeldet: , ~ , Oberheft. Automobil-Club monatlrch 53 Mark: Milchzentrale, Gebr. Grieb, 63 Pfund Allgäuer Käse ohne Rinde, 10 Karton Tilsator-Krem. 30 Pfund Palmin:Eierteigwarenfabr:k ICO Pakete E -f-peneinlagen, 100 Pakete ®ier* schnittnudeln. 100 Pakete Eieft adennudeln: Pfarrer Wolf, Co...^strahe 67, 2 Sark Kartoffeln: Frau Bürgermeister Kreiling, Heuchelhe.m, 10 Mark: Frau Pfarrer Schultheis, Großen-Linden, 15 Mark. Die beiden letzten Punkte sind Ergebnisse der Sammlung der Evangelischen Frauenvereine in Heuchelheim und Großen-Linden. Mühlenbesiher Klinket sttftete acht Sack Roggenmehl (16 Zentner), das von derBäckerin- nu n g Gießen ^stenlos zu Brot für die Hilfs- bebi" r. tige 1 ve backen tour', e Es w '.rden 63 > Laib gutes Roggeabroc aus dieser Mehlspende hergestellt. Das Brot wird durch die Winternothilfe an hilfsbedürftige Familien verausgabt. rpornouzen. — Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute bleibt das Theater der Dorbereitungen für den Weihnachtsfpielplan wegen geschlossen. — Dem ernsten Charakter des ersten Feiertages entsprechend hat die Intendanz für Sonntag. 2ö. Dezember, eine Aufführung des Frontstückes „Die endlose Straße" von Graff und Hintze angefeht. Spielleitung: der In t e n d a n t. Außer Abonnement, Fremdenvorstellung, ermäßigte Preise. Don 18.30 Ahr bis 21.30 Ahr. Der frühe Beginn und der zeitige Schluß der Vorstellung ist besonders für die auswärtigen Theaterbesucher günstig. An Wochentagen ist aus spielplantechnischen Gründen ein so zeitiger Vorstel- lunngsbeginn nicht möglich. — Der zweite Feier- Forderungen des Hessischen Landbundes. * Alsfeld, 22. Dez. Am vergangenen Sonntag tagten die Vertrauensmänner des Hessischen L a n d b u n d e s. Man beschäftigte sich mit den aktuellsten Fragen der Landwirtschaft. Einstimmig faßten die Teilnehmer folgende Entschließung: „Die in Alsfeld und Lauterbach versammelten Berttauensmänner des Hessischen Landbundes haben sich eingehend mit der weiteren Ver- schlechterung der landwirtschaftlichen Verhältnisse befaßt. Die Versammlung stellt fest, daß eine Reihe landwirtschaftlicher Betriebe bereits zusammenge- brachen ist, oder vor dem Zusammenbruch steht. Es wird.zugegeben, daß bei diesen Betrieben nicht immer und nicht allein die Lage ter Landwirtschaft den Zusammenbruch verschuldet hat. Nach dem weiteren Sturz der Diehpreis^ im Herbst vorigen Jahres stellen sich fetzt bei den Betrieben, die mit besonderen Unfällen ufto. rechnen mußten, Schwierigkeiten ein. Infolge des weiteren Abstnkens der Preise in den letzten Wochen, muh nun schon bamil gerechnet werden, daß jetzt die besten und tüchtigsten Bauern des Kreises an die Reihe tom- mcn und bis zum Frühjahre vor dem Zusammenbruche stehen. Schon allein die Auszahlung der Gesintelöhne macht es notwendig, daß ein Ausverkauf der Dieh- ställe stattfindet. Im Einzelnen fordern wir die sofortige lückenlose Einführung der Kontingentierung landwirtschaftlicher Produkte. Die Landwirtschaft wird trotz ter Schundpreise ihre Produkte einfach nicht mehr los. Wenn der Reichsernährubgsminister sich gegenüber der zwar geringen, aber trotzdem mächtigen Auesuhrindustrie und ten Gewerkschaften nicht durchsetzen kann, dann soll er einem stärkeren Manne Platz machen. In dem Zusammenhang weisen wir auch noch auf die ungeheure Preisspanne zwischen- Erzeuger und Verbraucher hin. Don den Behörden sowolst als auch von dem Verbraucher wird jedoch dagegen nichts unternommen. Bezüglich der Steuern und Abgaben ift es überflüssig, jetzt noch über einen Steuerstreik zu sprechen. Die Landwirtschaft befindet sich mitten in einem solchen. Dagegen sind wir machtlos, daß selbst di^ besten Landwirte jetzt ihren Verpflichtungen nicht mehr Nachkommen können. Handel und Gewerbe wollen wir, soweit dies überhaupt möglich ist, befriedigen. Mit dem Zwangsversteigerungs- schutz ist uns nicht gedient. Wir wollen uns nicht um unsere Verpflichtungen Herumdrücken, sondern auf Grund einer zielklaren Wirtschaftspolitik so gestellt werden, daß mir wenigstens bei den größten Anstrengungen unseren Anforderungen einigermaßen gerecht werden und unseren Besitz erha.ten können. Notwendig ist deshalb auch eine starke Senkung der Verwaltungsrosten. Die geringen steuerlichen Erleichterungen der letzten Jahre sind durch das Absinken der Preise der letzten Zeit wieder mehrfach aufgewogen. Die neu eingeführte Schlachtstcuer bleibt natürlich, wie auch die erhöhte Umsatzsteuer, wieder restlos aus der Landwirtsck)aft hängen. Die Parteien haben zwar mit der Schlachtsteuer eine lebhafte Agitation getrieben, ernstlich ist aber nichts unternommen worden. Die Richtzahlen der Umsatzsteuer waren für 1932 viel zu hoch und werden zweifellos bei dem fortwährenden Absinken der Preise auch für 1933 wieder zu hoch heraus- kommen. D e vom Hessischen Finanzminister verfügte Ermäßigung der Hessischen Grundsteuer wirkt sich überhaupt nicht aus, u mb Einzelgesuche bringen nur bei den härtesten Fällen eine geringe vorübergehende Ermäßigung. Mithin muh die hessische Regierung einen generellen Erlaß mehrerer Grundsteuerraten verfügen. Die Realsteuer ist umgehend auf den Einheilswert umzulegen, nachdem dieser durch reichsgesehliche Bestimmungen als Erlcagswert den heutigen Verhältnissen wirklich angepaht ist. Eine besondere Belüftung stellen die Kommunalsteuern dar. Zur Entlastung der Kommunen ist sofort der G e r e k e - P l a n in Kraft zu setzen. Als besonders drückend werten die Beiträge für Reichsunfalloersicherung (Land- und forstwirtschaftliche Berufsgenossenschaft) empfunden. Die Hessische Regierung muß hier einen Teil des Defizits aus 1931 übernehmen. Sodann find sofort Maßnahmen in die Wege zu leiten, um Betriebsinhaber und Familienangehörige aus der Zwangsversicherung herauszunehmen. Mit der Lohnfrage uno den sozialen Beiträgen wird sich der Arbeitgeberverband desoniters beschäftigen. Nicht zuletzt ist eine einschneidende Senkung der Zinsen aller Art zu fordern. Hierbei muß die Reichsregierung den Haupttoert auf die Senkung der Auslandsginsen legen, wenn die Zins- senkung praktisch überhaupt eine Bedeutung erlangen soll. Hiermit haben wir unsere Forderungen im Großen und zum Teil auch im Einzelnen niedergelegt. Die Parlamente haben, wie schon seit der Revolution durchgreifende Maßnahmen für die Landwirtschaft nicht getroffen. So sind auch diesmal wieder die landwirtschaftlichen Anträge in den Reichstagsausschüssen steckengeblieben. Für die taktischen Maßnahmen der Parteien haben wir kein Verständnis. Es muß daher das. Vertrauen zu ten Parteien immer mehr schwinden. Deshalb fordern wir heute ten Cantesoorftanb des hessischen Landbundes und den Bundesvorstand des Reichslandbundes auf, sich rücksichtslos für unsere Forderungen einzusehen und die für die Erfüllung unserer Forderung notwendigen Maßnahmen umgehend zu ergreifen. Zum Schluß machen wir die Drückeberger und Fahnenflüchtigen, die aus irgendeinem Grunde abseits der Organisation stehen, mitverantwortlich. Wenn wir heute auch von weiteren Maßnahmen gegenüber diese absehen, so erwarten mir jedoch, daß zum Endkampf um die Erhaltung der heimischen Scholle alles antritt." Tagung der landwirtschaftlichen Arbeitgeber. Im Anschluß an die Landbundversammlung tagten die landwirtschaftlichen Arbeitgeber. Die Richtlinien für die neuen Löhne, sowie die Dienstverträge sind bei dem Vertrauensmann zu erfahren. Einstimmig wurde beschlossen, daß jetzt nur noch bei der Mietung die Versicherungsbeiträge nach den gesetzlichen Bestimmungen zu übernehmen sind. Weiter wurde beschlossen, an die Regierungen und Verficherungsbehörden heranzutreten, daß eine Senkung der Sozial- la st en, stattftndet. Jnc-besondere wurde gefordert, daß die neu festgesetzten Ortslchne wesentlich gosenkt werten, da sie keineswegs den tatsächlichen Löhnen entsprechen und auch nach der Neufestsetzung noch nicht ermöglichen, daß die Arbeitgeber in ten Genuß der Beschäftigungsprämie gelangen. Landbund und $(eifd)preife. Der V 0 rstand des Landbundes und des Landwirtschaftlichen Bezirksvereins beschlossen durchgreifende Maßnahmen, um bei ter G e st a l tu n g d e r Preise auf dem Fleischmarkt andere Verhältnisse herbeizuführen. Die Schlachtviehpreise für Großvieh, Kälber und ganz besonders Schweine haben zur Zeit einen Stand angenommen, der wesentlich unter den Vor- kriegspreisen liegt und somit keineswegs die Produktionskosten deckt. In letzter Zeit wurden die Schweine mit 32 bis 38 Pf. pro Pfund Lebendgewicht, mithin 43 bis 48 Pf. pro Pfund Schlachtgewicht bezahlt. Bei Großvieh und Kälber liegen die Verhältnisse ähnlich. Die Landwirtsä-aft muh sich gezwungenermaßen jnit diesen Preisen ab finden, hat sich aber nunmehr dazu entschlossen, mit allem Nachdruck daraus hinzuwirken, daß dem Verbraucher das Fleisch .zu einem Preis zugefühtt wird, der sich den Prviiuktions- kvsten anpaßt und wie es die Kauftraft der Bevölkerung erträgt. Die Landwirtschaft kann nicht weiter mit zusehen, daß der hohe Stand ter Preise lediglich den Zwischeninst-anzen zugute kommt und der Derbraucherschaft oorenthalten wird. Die Vorstände der beiden landwirtschaftlichen Organisationen haben es sich zur Aufgabe gemacht, auf diesem Gebiet von sich aus Verhältnisse zu schaffen, welche als berechtigt angesprochen werden können. Sollte der öffentliche Hinweis nicht genügen, die Preise auf einen otanb .zu bringen, welcher als in die Zeit passend angesehen werden kann, so wird die Landwirtschaft durch Selbstfchlach - ten und Verkauf die Preise erzwingen. Schon jetzt richtet die Landwirtschaft durch ihre Vertreter die Bitte an die Derbraucherschaft, auch ihrerseits mittzuhelfen, daß durch diese Maßnahme dem Erzeuger, dem Derbraucher und nicht zu'etzt auch dem Metzger geholfen wird. Nur so läßt sich die Wirtschaft anfurbeln. Billige Produktion, kleine Preisspanne, großer Umsatz. Metzgermeister Otto V 0 n - E i f f und Frau, wohnhaft Bismarckstraße 14, begehen. (kinaesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) S lrahenbohnwunsch aus wieseck. Die Sttaßenbahnverbindung Gießen — Wieseck wurde programmgemäß gestern dem Verkehr übergeben. Eine Enttäuschung brachte jedoch das Fehlen einer Haltestelle an der Ortsgrenze Gießen-Wieseck. Besonders für die in der Nähe der Ortsgrenze wohnenden Wiefecker ist e» sehr unbequem, den Weg von der Ecke Grabenstraße zurücklaufen zu müssen. Auch dürfte die Errichtung einer Haltestelle an der Ortsgrenze dem Wunsch der Ausflügler nach der Karlsruhe ober tem Philosophenwald entsprechen. Es ^ware sehr zu begrüßen, wenn die Direktion der Städtischen Straßenbahn Gießen die frühere Haltestelle oder doch wenigstens eine Bedarfshalte st eile an der Ortsgrenze Gießen-Wieseck errichten würde. photographieren an den Feiertagen. Ein paar Winke für den Amateur und den phoio-Neuling. Don Walther Appell, Plauen. Auch ter künstlerisch und ehrgeizig schaffende Liebhaberphotograph verschmäht es nicht, mit seinem Können sich bleibende Erinnerungen an schöne Tage oder besondere Marksteine tes Lebensganges zu schaffen. Sie brauchen ja nicht die steife Häßlichkeit jener langweiligen Gelegenheitsaufnahmen zu haben, die wir als (verzeihliche) Anfängersünden ablehnen. Weihnachten wird immer zu den „großen Tagen" im Iahreslauf gehören. Für den Photographen umso mehr, als die Weihnachtszeit viele Motive bietet, die sonst das gan^e Jahr hindurch nicht gegeben sind. Das ist namentlich dort der Fall, wo noch alte Dolksbräuche sich erhielten, die neben der kirchlichen Seite die kulturgeschichtliche betreffen und vielerorts noch heute lebendig sind. Für den Liebhaberphotographen kommen sie hauptsächlich als Motive in Frage, soweit sie Szenen im Familienleben schassen. Zu photographieren sind diese, wohl meist mit künstlichen Lichtquellen, genau so wie andere Innenaufnahmen von Personengruppen, z. B. von spielenden Kindern. Schwerer als es scheinen mag, sind die verschiedenartigen Schmückungen zu photographieren, die zur Weihnachtszeit in vielen Häusern angetrof- fen werden. Die stille Einöde des Winters soll durch einen grünen Gruß des Waldes im Zimmer gemildert werten. Das Photographieren von 2ld- ventskranz und Christbaum wird durch die Kerzen erschwert, die dazu gehören, und die im getreuen, wirksamen Bilde natürlich brennen sollen. Ihr Licht teilt sich ter Platte sofort und kräftig mit — und außerdem geben sie bei nicht ganz erstklassigem Piattenmaterial den unschönen und naturwidrigen „Hof". Diese kreisförmigen Gebilde stören dann das ganze Bild. Vollends verdorben wird es, wenn die Kerzen infolge eines Luftzuges flackern und die Flammen dann häßlich groß und verzerrt aus- sehen. Trotzdem genügt dieses Licht keineswegs, um die 'dunkelgrünen Zweige des Baumes zu erhellen, wenigstens nicht so, wie es zum Photographieren nötig ist. Wir können deshalb auf eine zus-ätzliche Lichtquelle nicht verzichten. Von deren verschiedenen Arten kommen für dis hier gemeinten Aufnahmen hauptsächlich solche in Frage, die nur ein ganz kurzes De ff n en des Verschlusses erfordern. (Also kein Blitzlicht mit dem langsam abbrennenden Zündpapier, sondern eine ter im gewünschten Augenblick aufleuchtenden Arten — oder eine Heimlampe, die Momentaufnah. men erlaubt.) Vor der Belichtung empfiehlt es sich, die Dochte der Kerzen so knapp wie möglich zu beschneiten. Da die Flammen mit den durch- schn'tt.ichen Mitteln des Liebhaberphotographen meist reichlich ausfallen, bekommen mir auf diese Weise keine Weihnachtskerzen ins Bild, von deren Leuchten nachher die Phantasie die Hälfte wieder wegdenken muß. Zu beachten ift weiter, daß ein voller Lichterbaum vom Ständer bis zur Krone im Bild fast nie so anziehend („stimmungsvoll") und lebendig wirkt wie ein geschickt und geschmackvoll gewählter Ausschnitt, oder nur ein einzelner Zweig. Weiße Kerzen sind dabei farbigen vorzuziehen, halb heruntergebrannte werden durchweg (ebensgetreuer wirken als neu aufgesteckte. Unbedingt ift dafür zu sorgen, daß Silberfäden und anderer, stark reslektterender Schmuck (Glaskugeln und tergl.) sich nicht- bewegen. Und was für jedes Stilleben, gilt, sei auch hier in Erinnerung gebracht: keine Ueberiaöung! Also den für die Aufnahme bestimmten Zweig nicht extra zu diesem Zweck oollhängen! Voraussetzung für Bildwirksamkeit ist ferner ein ruhiger, nicht ablenkender Hintergrund, wozu grelle Tapeten mit auffal lenden Mustern nicht gehören. Ein Gelbfilter wird die Ergebnisse immer noch verbessern. — Diese Ratschläge ändern nichts an der Tatsache, daß immer das beste und schönste Weihnachtsbild eine schweigende Winter l and^chaft sein wird: dunkle Tannen über weißen Fluren, Däd)er unter ter weichen Schneelast, eine ruhig nach dem Horizontwerlaufente. Spur in ter Flockendecke, ein Blick aus dem Fenster durch das Netz der Eisblumen, GraÄiüfchel im Rauhreif am Wegrand oder erstarrten Bach ... Nun noch Einiges für jene, die zu Weihnachten einen Photo-Apparat geschenkt bekommen! Sie seien gewarnt, gleich am ersten Tage zu sehr ins Dolle zu gehn! Das gibt oft böse Enttäuschungen. Nichts ist ratsamer, als den Apparat bis nach den Feiertagen still auf dem Gabentische liegen zu lassen, wenn's auch schwer fällt. Diese Zeit wird dazu verwandt, sich aus gedruckten Anleitungen ober in freundschaftlicher Unterweisung über das Nötigste zu informieren. Verzichtet darauf, die ganze Familie malerisch um den Baum zu gruppieren und eine Blitzlichtaufnahme zu riskieren! Schon die Aufregung, die für Tanten und Großmütter damit verbunden ist, macht das bedenklich. Kann es gar nicht vermieden werden, was mandjmal auch bei Fortgeschrittenen der Fall ist, so fei wenigstens folgendes beachtet: Wer erst am Apparat hantierte und dann bei schon geöffnetem Verschluß noch seinen Platz einnimmt, wäh.e diesen so, daß nicht eine brennende Kerze des Bau-' mes oder Festtisches hinter ihm ift! Sonst leuchtet im Bilde hernach ein rätseHaftss Licht durch seinen Körper hindurch ... Begreiflich ist^besonters bei jugendlichen Ph"toanfängern der Stolz und die Freude, jedem Gast ten neuen Apparat zu zeigen. Dabei soll ein unnützes Herumspielen mit dem Verschluß und ter Einstellskala vermieden werden. Dasselbe trifft für die Behandlung der Raffelten, die übrigens auf dem Gabentische nicht durch andere Gegenstände beschwert fein dürfen, weil sic dadurch bald unerwünschten Lichtzutritt bekommen könnten. Geduldet euch, bis das Fest vorüber ist und ihr in aller Ruhe ein vernünftges, überlegtes Arbeiten beginnen könnt! Nehmt euch für ten Anfang nicht zuviel vor, beginnt aber auch nicht mit Kitsch bildern, die ihr später mehr oder weniger beschämt selber ablehnen müßt! Mit allen Ermutigungen für freutebringente Erfolge wünschen wir den Photo-Sportlern und namentlich den Weih- nachts-Photoansängern zum Fest ein kameradschaftliches: G u t Licht! Buntes Allerlei. Oer voreilige Händedruck. In Berlin treibt lerdings ein Schwindler sein älnwefen, der Schauspelern und Schauspielerin- neu Engagements u..j Aufträge „vermittelt", die Vermittlungsgebühr der Einfachheit halber gleich einkassiert, dann verschwindet und bis jetzt vergeblich gesucht wird. Zwischendurch war er in Wien und München tätig und kam dann, da das Geschäft hier mehr einbringt, wieder nach Berlin zurück. Ein Künstler aber, der sich mit dem „Der-- mittler" treffen sollte, schöpfte Verdacht und bat einen Schupo, den Mann, dem er in wenigen Augenblicken die Hand schütteln würde, festzunehmen. ^lnglücklicherweise aber kam wenige Minuten später ein Kollege des Schauspielers vorüber, dem er, nichts Arges denkend, kräfttg die Hand drückte. Flugs kam der Hüter des Gesetzes dazu und nahm den Mann beim Mantelkragen. Bei der Gründlichkeit der Polizei dauerte cs geraume Zeit, bis der Irrtum geklart war. Inzwischen war aber der Schwindler, dem der Polizeigriff galt, auch um die Straßenecke gebogen, erkannte die Situation mit Blitzesschnelle, machte kehrt und ward nicht mehr gesehen. Graphologie vor Gericht. In einem Berliner Modesalon geschahen in der letzten Zeit allerlei sonderbare Geschichten. Kleider und Mäntel verschwanden plötzlich und wurden nach einiger Zeit vollkommen zerschnitten oder mit Tinte begossen wieder aufgefunden. Nach Ansicht der Besitzerin konnte nur eine der Angestellten diese mutwilligen Zerstörungen begangen hoben: alle Nachforschungen auch von selten der Polizei blieben jedoch ergebnislos. Als alles nichts hals, wurde die H.lfe einer Graphologin in Anspruch genommen und ihr die Handschriften aller Angestellten zur Charakter- deutung übersandt. Die Frau bezeichnete die Buchhalterin an Hand ihrer „rachsüchtigen und zerstörungswütigen" Handschrift als die a'T':n in Frage kommende Täterin, worauf die F.-ma dieses Mädchen postwendend entließ. Die Buchhalterin aber ging vor das Arbeitsgericht. Zu Anfang der Tüteverhandlung las der Borsitzende ein Schreiben der Deutschen graphologischen Studiengesellschaft vor, in dem vor der Anwendung derartiger Gutachten zu Deweiszwecken gewarnt wird, da es nach dem heutigen Stande der Graphologie nicht möglich sei, zutreffende Vermutungen über die Schuld oder Unschuld eines Menschen allein auf Grund seiner Schrift zu äußern. Dadurch würde nur die Forschungsarbeit der Graphologen in Mißkredit gebracht. Es wurde dem Gericht angeboten, zwei Mitglieder der Gesellschaft als Sachverständige ohne Honorar zu verr chmen. Das wurde aber abgelehnt, sehr zum Leidwesen der ob des Schreibens empörten Graphologin, die gerne vor Gericht ihre Theorie über Handschriftendeutung gegen die Kollegen von der Studiengesellschaft verteidigt hätte. Das Gericht stellte die Unzulänglichkeit des Gutachtens als Indizienbeweis fest und strebte einen Dergleich an, der auch zustande kam. Dreißig Zahre unter australischen Ureinwohnern. Mehr als dreißig Jahre ihres Lebens widmet eine tapfere englische Frau, Daisy Bates, dem Studium der älreintoebner des westlichen Mittelaustraliens, der primitivsten heute auf Erden lebenden Menschenrasse. Sie war, wie in einem Aufsatz von „My Magazine“ erzählt wird, vor 33 Jahren mit ihrem Gatten in das Kimberley- Gebiet von Westaustralien gekommen, wo sie eine Farm erwarben. Nach dem Tode ihres Mannes verkaufte sie ihren Besitz, um sich ganz den Eingeborenen widmen zu tonnen. Während der letzten 15 Jahre lebte Daisy Dates allein in einem Zelt oder kleinen Schuppen am Rande von Nul- labor Plain, P/2 Kilometer von der (Eisenbahnstation Coldea entfernt. Sie kam mit. einem von Kamelen gezogenen Wagen ins Land und wählte diese Stelle für ihre Arbeiten, da Coldea sie mit Wasser versorgte und zugleich ein feit undenklichen Zeiten von den wandernden Ureinwohnern immer wieder aufgesuchter Sammelpunkt ist. Sie beherrscht die Dialekte der Stämme, kennt ihre Sitten und Gebräuche wie kein weißer Mann und keine weihe Frau vor ihr. Eine tiefe Liebe zu den Ureinwohnern hat Frau Bates zu ihrem Tun bestimmt. Sie sucht die Lebensbedingungen der wohl noch in diesem Jahrhundert aussterbenden Stämme, innerhalb der ihnen zugewiefenen Gebiete auf alle mögliche Weise zu verbessern. Dabei geht sie ganz selbständig, nicht im Dienste von Kirche oder Staat stehend, zu Wert. Die zarte Frau in mittleren Jahren, die man einem solchen Leben voller Mühsale kaum gewachsen glauben möchte, will ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit diesen Stämmen in einem Buche niederlegen, das aber erst nach ihrem Tode erscheinen soll. C- wird wohl das letzte Erinnerungszeichen an eine zum Aussterben verurteilte Rasse fein. Westdeutschland und die Profifrage. Schorfe Trennung zwischen Amateur und Profi. Unter dem Dor sitz von Rechtsanwalt I e r s ch wurde in Bochum in einem kleinen Kreise führender Männer im westdeutschen Fuszballsvort über die 'Berufsspielerfrage beraten. In erster Linie wollte man Klarheit darüber schaffen, ob der Profisport scharf getrennt oder in Verbindung mit den bestehenden Vereinen aufzubauen sei. Man entschied sich für die scharfe Trennung und hat bereits 10 Städte herausgegriffen, in denen Mannschaften für die kommende westdeutsche Berufsspieler-Liga aufgestellt werden sollen. Um weitere technische Fragen zu regeln, es ist z. B. die Erweiterung der Profiliga auf 12 Vereine geplant, werden sämtliche Verhandlungen geheim geführt und gehalten. Die westdeutschen Fußballführer werden sich voraussichtlich gleich zu Beginn des Jahres noch einmal zusommenfinden und bei dieser Sitzung einen festumrissenen Plan fertigstellen. Ob vor der Sitzung des Gesamtvorstandes des Deutschen Fußball-Bundes, die nunmehr bestimnll am 29. Januar in Berlin stattfindet, noch ein außerordentlicher westdeutscher Verbandstag einberufen wird, bleibt noch abzuwar- ten. Karl Zimmer erhält den Ehrenbrief der OSB. Die Deutsche Sportbehörde hat dein Vorsitzenden des Doppellreises Frankfurt-Offenbach, Karl Zimmer, ihren Ehrenbrief überreicht. Wohl nicht häufig hat jemand diese Auszeichnung eher verdient, als Karl Zimmer, der feit langen Jahren mit vorbildlicher Hingabe und mit einer seltenen Kenntnis der Materie sich große Verdienste sowohl um den Fußball, wie auch um die Leichtathletik erworben hat. Rieffersee-Oxford iorlos. Vor der gemeinsamen Abreise nach Davos zum Spengler-Po'al trafen am Mittwochabend auf der Münchener Kunsteisbahn der SC. Riessersee und die S t u d e n t e n m a n n s cha f t aus O r - fort) vor 1000 Zuschauern zusammen. Der Larnpf verlief trotz des tonlosen Resultates recht interessant. Als die Bayern im Schlußabschnitt die bessere Mannschaft waren, zeigte sich der englische Torhüter L i t t l e von seiner besten Seite und vereitelte alle Erfolge des Gegners, nur sein großes Können bewahrte seine Mannschaft vor einer Niederlage. Akademische Skiwettkampfe in St. Moritz. Die deutsche Streitmacht. Stärker als zuvor wird Deutschland bei den Akademischen Skiwettkämpfen aller Länder vom 5. bis 8. Januar in St. Moritz vertreten fein. Die Teilnehmer werden von den Hochschulen aus München, Freiburg und Breslau gestellt und nach der sehr sorgfältig vorgenommenen Auswahl dürften toir im Engadin gut vertreten fein. Für die einzelnen Wettbewerbe sind in Aussicht genommen: 18-Kilometer-Langkaus und Kombination: Leupold, von Lobenthal (Breslau): Ertl (Brandenburg) und Dehmel (München). Sprunglauf: Leupold, Ertl, v. Weech (München). 30-Kilometer-Stafsellaus: Leupold, v. Lobenthal, Zacharias (München), Dehmel. Abfahrt und Slalom: Höfflin, v. Weech, Zacharias (München), Stober, Dr. Pahl, Vetter, Sickinger (Freiburg). Kurze Sportnotizen. Der e r st e „O l y rn p i a g r o s ch e n" für 1936 in Höhe von 1913 Mark wurde vom Automobilklub von Deutschland dem DRFL. überwiesen. Die Summe wurde von der Nürburg-Ring G. m. b. H. in Adenau aus dem Programmerlös des letzten „Großen Preises" bereitgestellt. Die deutsche Studentenelf, die am zweiten Feiertag in Catania im Fußballänderkampf gegen Italien antritt, setzt sich wie folgt zusammen: Fischer (Dresden): Radecke (Berlin), Clauß (Dresden): Claaß (Berlin) Kiehl (Dresden), Oehm (Nürnberg): Grebe (OffenbachH Knapp (Frankfurt), Niggemeyer (Mülheim), Gäßler (Freiburg), Heck- mayer (München). Wirffchast. Neue Sanierungs-Maßnahmen. Berlin, 22. Dez. (CDB.) Unter dem Ra- men Deuts ches Finanzierungsinsti- t u t A G., Berlin, wird in den nächsten Tagen ein Unternehmen ins Leben gerufen werden, das der Förderung des gewerblichen Bankkredits dienen soll und die Aufgabe hat, die Fortführung solcher Kredite, sowie ihre Umwandlung in Aktien und ähnliche Beteiligungen zu erleichtern. Das Grundkapital der Gesellschaft wird 30 Millionen Mk. betragen. Hiervon entfallen 10 Millionen Wk. auf Vorzugsaktien, die durch die Golddiskontbank, die Akzept- und Garantiebank und die Bank für deutsche Industrieobligationen übernommen werden. Das Institut wird von Banken und Bankfirmen Aktien und sonstige Geschäftsanteile gewerblicher Unternehmungen und mittel» und langfristige Forderungen gegen solche unter der Bedingung übernehmen, daß die betreffenden Unternehmungen saniert sind. Die Bank hat dafür einzustehen, daß die von ihr eingelieferten Werte einen Zins- bzw. Dividendenertrag von mindestens 4 Prozent, auf die Gesamtsumme des Kaufpreises berechnet, erbringen. Als zweite Institution, die der Erleichterung der Wirtschaftslage dienen soll, wird die T i l - gungskasse für gewerbliche Kredite ins Leben gerufen mit dem Ziel der Beseitigung von Folgen der Wirtschaftskrise. Zweck der Kasse ist, für Dankforderungen gegen gewerbliche Unternehmung die allmähliche Tilgung zu ermöglichen, soweit sie in Verbindung mit der Sanierung solcher Unternehmungen steht. Die Til- gungskasse übernimmt von Danken und Bankfirmen Forderungen gegen gewerbliche Unternehmungen. Die Reichsregierung hat sich dazu entschlossen, einen Betrag von 30 Millionen Mk. aus dem Garantiefonds, der bei der Deutschen Golddiskontbank gebildet worden war, hinter die Tilgungskasse zu stellen. Der Krupp-Abschluß 1931 /32. Die Friedrich Krupp AG. in Essen schließt ihr Geschäftsjahr 1931 32 mit einem Ver - I u st in Höhe von 15 231 642 Mark, der sich durch den Verlustvortrag aus dem Jahre 1930/31 um 4 415 733 Mark auf 19647375 Mark erhöht. Der Gesamtverlust ist aus Rücklagen gedeckt worden. Der Ertrag nach Abzug der Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe stellt sich, auf 108 065 165 Mark. Die Erträge aus Beteiligungen belaufen sich auf 4 696 106 Mark, und die außerordentlichen Erträge auf 3 020 299 Mark. Dagegen betragen Löhne und Gehälter 69 568 603 Mark, soziale Abgaben 7 544 549 Mark, Abschreibungen auf Anlagen 11 354 961 Mark, andere Abschreibungen 6 705 000 Mark, Zinsen 4 665 203 Mark, Steuern insgesamt 10 504 713 Mark (im Vorjahr 13,540 367) Mark, Wohlfahrtsausgaben 6 143 466 Mark, Verluste aus Beteiligungen 3 472 548 Mark, fonft ge Aufwendungen^ (für Vertriebs- und Verwaltungskosten, Bergschäden, Patentabgaben, Versicherungskosten, Mieten, Pachten u. dgl.) 11 054 171 Mark. Die Zahl der Werksangehörigen, einschließlich derjenigen der Tochterunternehmungen, betrug am 30. 9. 1932 insgesamt 35 647 (i. V. 44 107). Bei den abgeschlossenen Werken und Handelsfirmen waren weitere 10 460 (i. V. 12 750) Personen beschäftigt. In Auswirkung der Notverordnung zur Belebung der Wirtschaft wurden in den Betrieben der Friedr. Krupp AG. und ihrer Tochtergesellschaften seit dem 1. Oktober rund 1400 Arbeiter neu eingestellt. Die Friedr. Krupp Grusonwerk AG. in Magdeburg schließt das Geschäftsjahr 1931'32 mit einem Verlust von 389 175 Mark (i. V. 358 685 Mark), der aus eigenen Rücklagen der Gesellschaft gedeckt wurde. Die Friedr. Krupp Germaniawerft AG. in Kiel weist einen Verlust von 766 476 Mark im Vorjahr 45 991 Mark Gewinn) aus, der von der Friedrich Krupp AG., Essen, übernommen wurde. Die Aktiengesellschaft für Unter-- nehmungen der Eisen - und Stahlindustrie schließt ihr Geschäftsjahr mit einem Verlust von 255 986 (i. 23. 59 929) Mark, der vertragsmäßig von der Friedr. Krupp AG. Essen übernommen wurde. * * Adlerwagen-FabriEation in Frank- reich. Die französische Automobilfabrik L. Rosen- gart in Paris hat von der Adlerwerke vormals Heinrich Kleyer AG. in Frankfurt a. M. eine Li- zenz zur Herstellung von Adlerwagen in Frankreich erworben. Das Abkommen bezieht fick zunächst auf den Typ Adler-Trumpf, cs ist jedoch eine spätere Vereinbarung auch über andere Adler-Typen vorgesehen. Da in Frankreich keine allzu scharfe Konkurrenz in der von Adler fabrizierten Wogenklasss vorliegt, hofft die Gesellschaft, durch diesen auf drei Jahre abgeschlossenen Vertrag eine wesentliche Besserung des Gescistiftsergebnisses zu erzielen. * Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk A G., Essen. Die Generalversammlung der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk AG., Essen, genehmigte den Abschluß für 1931-32 mit wieder 5 v. H. Dividende. Ab Oktober fei der Rückgang im Stromabsatz zum Stillstand gekommen. In den ersten fünf Monaten des Geschäftsjahrs habe 'her Bruttoüberfchuß aus dem Stromverkauf trotz des Absatzrückganges das Ergebnis des gleichen Vorjahrszeitraums noch etwas überschritten. * Mansfeld 21®. f ü r Bergbau und Hüttenbetrieb, Eisleben. Wie WTB.- Handelsüienst hört, haben die Verhandlungen der Reichs- und Staatsbehörden mit der Mansfeld 21®. für Bergbau und Hüttenbetrieb, Eisleben, zur Reuordnung des am 30. Dezember ablaufen- ocn Vertrages befriedigende Fortschritte gemacht. Es ist geplant, die Kupferbetriebe der Mansfeld in eine besondere Gesellschaft zu überführen. Diese Gesellschaft, deren Aktien der Mansfeld gehören werden, soll in Zukunft den Kupferbergbau und Hüttenbetrieb führen und demgemäß alleiniger Empfänger der fiskalischen Zuschüsse sein. Die Bearbeitung der für die Umgründung erforderlichen Unterlagen beansprucht eine gewisse Zeit. Infolgedessen wird der formelle Stilllegungsantrag vom 31. Dezember 1932 auf den 31. Januar 1933 verschoben. Dis zu diesem Termin ist nach dem bisherigen Stande der Verhandlungen damit zu rechnen, daß das neue Dertrags- verhältnis perfekt wird, das im übrigen mit Wirkung ob 1. Januar 1933 gelten soll. * Charlottenburger Wasser- und Jndustricwerke AG., Berlin. Die Charlottenburger 'Wasser- und Jndustriewerke AG., Berlin, erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen erhöhten Reingewinn von 3 458 965 (2 388 963) Mark, auf dem der Generalversammlung am 2. Januar 1933 eine Dividende von 5 (4) Prozent vorgeschlagen wird. Frankfurter Abendbörse geschästslos. Frankfurt a.M., 22. Dez. Die Abendbörse war nahezu g e s ch ä f t s l o s, die Kurse zeigten gegenüber dem (Berliner Schluß kaum Veränderungen. 2lur Demberg gaben erneut 1 v. H. nach. I®.-Farben lagen zu 93,40 v. H. unverändert, ebenso Reichsbankanteile mit 138,5 v. H. 21m Rentenm arkt schwächte sich die Altbesitzanleihe um 0,25 v. H. auf 58,25 v. H. ab, späte Reichsschuldbuchforderungen waren mit etwa 74,60 v. H. behauptet. Von Auslandrenten waren Ungarische Goldrente um weitere 0,30 v. H. auf 6,60 v. H. erhöht. Die Arbeiismarkllage in Hessen nndHessen-Aassan Zunahme der Arbeitsuchenden um 9000. WSR. Frankfurts. M., 22. Dez. Ueber hie Arb eitsm arktlage im Dezirk des Landesarbeitsamts Hessen in der Zeit vom 1. bis 15. Dezember teilt das Landesarbeitsamt mit: In der ersten Hälfte des Monats Dezember hat die Zahl der verfügbaren Arbeitsuchenden bei den Arbeitsämtern um 9095 oder 2.8 v. h. des Standes von Ende Rovember zugenommen. In der gleichen Zeit des Vorjahres war die Zunahme bei allerdings niedrigerem Ausgangsstande mit 9370 oder 3,1 v. H. etwas höher. In sämtlichen Arbeitsamtsbezirken ergab sich wahrend der Berich tszeit ein Zugang der verfügbaren Arbeitsuchenden. Gegenüber dem Durchschnitt von 2,8 v. H. im gesamten Bezirk war er relativ in den Bezirken Corbach (9,6 v. H.), Fulda (9.4 v.H.) und Worms (8,l v. H.) am stärksten: verhältnismäßig am niedrigsten war er in Dillenburg und Mainz mit 1,4 bzw. 1,7 v. H. der Ausgangszahl von Ende Rovember. Insgesamt wurden am Stichtag vom 15. Dezember 328 348 verfügbare Arbeitsuchende gezählt. gegenüber 319 253 Ende November. auch weiterhin als verfügbare Arbeitsuchende gc- meldet bleiben. Während in der vorhergehenden Derichtszeit sich bei den Frauen noch eine Abnahme ergeben hatte, hat nunmehr auch die Zahl der arbeitsuchenden und arbeitslosen Frauen zugenommen. Der Anteil der Frauen an der Gesamtzahl der Arbeitsuchenden beträgt Mitte Dezember 15,1 v. H.. an der Zahl der Arbeitslosen 15,3 v. H. In der Arbeitslosenversicherung tourben am 15. Dezember 33 274, in der Krisenfürforge 56 734 Hauptunterstützungsempfänger gezählt. Gegenüber den Destandszahlen von Ende Rovember liegt die Zahl der Hauvtunterstühungsempfanger in der versicherungsmäßigen Arbeitslosenunter- stühung um 548, in der Krisenfürforge um 1112 höher. In dieser Zunahme der Hauptunter- stühungsempfänger in der Krisenfürsorge wirkt sich erstmalig die Verordnung vom 7. Rovember aus, nach der nach dem 28. Rovember Aussteuerungen in der Krisenfürforge bis Ende März 1933 nicht mehr erfolgen dürfen. Insgesamt be» trägt die Zahl der hauptunlerstühungsempfänger Milte Dezember in beiden Unterskühuugs- elnrichlungen rund 90 000 gegenüber rund 88 350 im Zeitraum von Mitte Rovember. so daß die Zunahme insgesamt 1660 beträgt. Die Zahl der Arbeitslosen nahm stärker zu, als die der verfügbaren Arbeitsuchenden. Sie erhöhte sich während der Derichtszeit um 10 600. Die Erklärung dafür ist darin zu suchen, daß infolge des eingetretenen Frostes die Rotstands- arbeiten wenigstens zunächst in erheblichem Umfange zur E i n st e l l u n g gelangten und die bei solchen Maßnahmen Beschäftigten daher zur Entlassung kommen mußten. Diese Entlassungen aus Rotstandsarbeiten wirken sich in der Zahl der verfügbaren Arbeitsuchenden nicht aus, da Rotstandsarbeiter während ihrer. Beschäftigung Bei den Rotstandsarbeiten waren Ende Rovember 7115 Personen beschäftigt: von diesen waren 564 Wohlfahrtserwerbölose. Die Zahl der aus Mitteln der Arbeitslosenverficherung unterstützten Kurzarbeiter hat sich wieder erhöht: sie betrug in der letzten Rovembcrwoche rund 8500, während in der letzten Oktoberwoche nur rund 8100 gezählt wurden. Mord oder Notwehr? Geständnis einer Zwanzigjährigen. Mainz, 22. Dez. (WSN.) Kürzlich wurde über die Festnahme 'der 20jährigen Kindergärtnerin Johanna Degen von hier berichtet, die verdächtig erschien, in Gemeinschaft mit dem 21jährigen ©oft- wirtssohn Hans Rommel aus Augsburg in einer Siedlung bei Wahrendorf in Holstein den 21jährigen Siedlungsbesitzer Fritz Möller aus Kiel ermordet, in einen Sack eingenäht und in ein Wasserloch geworfen zu haben. In der Wäsche der Degen wurde bei ihrer Verhaftung eine blutgetränkte Schürze vorgefunden. Vor dein Mainzer Amtsgericht bestritt sie, irgend etwas mit dem Mord da der Tote sie nachts in ihrem Zimmer überfallen habe. Sie bestreitet, daß Rommel in irgendeiner Weise an der Tat beteiligt fei. Briefkasten 0er Redaktion. lRechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeil der Schriftleitung) B. 200. Durch die Notverordnungen ist an der Verpflichtung der Schuldner, die Zinsen zum vereinbarten Zeitpunkt pünktlich zu bezahlen, nichts geändert worden. Dementsprechend hat der säumige Schuldner auch die Folgen einer unpünktlichen Zinszahlung zu tragen. Es empfiehlt sich heute jedoch, daß Sie lediglich hinsichtlich des nicht gezahlten Zinfenbettags einen Zahlungsbefehl erwirken. H. K. Der Beitrag zur Invalidenversicherung zum Zwecke der Aufrechterhaltung der Anwartschaft beläuft sich bei einem wöchentlichen Einkommen von mehr als 36 Mark auf 2 Mark wöchentlich. Bei der freiwilligen Versicherung müßen mindestens 20 Marken innerhalb von zwei Jahren zur Verwendung kommen. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hmter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. a m Sranrtun a. JJl. ■Benin .yianuun u. ja. •öeriui ;Vranf|urt 0.2)1. Berlin Devisenmarkt Berlin — .‘Ttonffur Schluß- turd Schluss. Abend» börf Schluß» iura Schlußk. Mittag, bö'se Schluß» kurS Schluß». Abend» bö-le Schluß» kurü Schlußk. Mittag, hörfe Schluß» furd Schluß,. Abend» Sch'uß» kurü Schlußk. Ml lag» ri.Sezember 22-Orzember '.Datum 21-12 22-12- 21-12- 22-12- Datum 21-12- 22-12- 21-12- 22-12- Datum 21-12- 22-12- 21-12- 22-12- «Vlh | Srlc -aininme viDiicrung Geld | ?rie 6% D«mche Wetchäanletije u. 198) C% cfjem.7% Di. Reichsanl. v. 1929 6Vi% ®oimfl.'2lnlei(>e bon 1930 .. Deutsche Anl.-Abtös.-Schuld mii Auolos.-Rechten ............. 76 92,25 76,25 58,25 6,45 71 57 53,9 82,9 34,4 84,65 80 80 8,25 1 5,8 5,6 6,5 4,1 4,1 4,15 5,65 8.75 2L65 76 91,75 76,25 58,25 6,45 71 57 54 82,9 82,65 84,9 84,9 79,75 80,5 10 1 6,6 6 6,25 4,1 4,275 4,2 5,5 8,7 4,45 21,5 76 92 76,5 58,5 6,4 71 — 53,9 - 8,75 5,85 6 6 4 4,15 4,55 21,75 76 91 76,75 58,5 6,5 71 — 53,65 9,75 1,1 6,4 6,3 4 Zfi 4,55 21,5 Hamdurg-Amerika-Pakei .....< Hamburg-Südam. Dampfschiff, o Hansa Dampfschiff...........0 Norddeutscher Lloyd .........o N W. für Perkestrswescn Alt. .. o BerlinerHandelsgesellschaft.... 4 Commerz- und Privat-Bank... o Deutsche Bank und TKconto- Gesellsckmft................o Dresdner Bank..............0 Reichebank ......... i A.E.G......................o 16,75 17,4 89,25 53,5 75 61,75 134,75 29 73 93.25 53 72,5 89 120 114 42,75 83,5 50,75 85,25 133 99,5 59,75 16,9 43 89,4 53,5 75 61,75 138,5 29,75 73 93,5 52,5 72,5 88 79,5 121 113 42,75 84.25 52.9 88 101,5 45 60 24 35 205 73,25 16,75 17,25 42,4 89,5 53,5 75 61,75 133.9 29,25 73 93 53 72,13 89,5 78,5 120,5 113,75 16,5 23,75 17,13 f 8,75 89,75 53,5 75 61,75 138,5 29,75 74,65 93 52,5 73 88,5 80,25 121,5 Bereinigte Stahlwerke........u Olavi Minen ...............0 Kaliwerke Ascheröleben........6 Kaliwerke Westeregeln........6 Kaliwerke Salzdetfurth.......s I G. Farben-Jndustrie.......7 Schetdeaustalt...............10 Goldschmidt .......... 0 Rütgeröwerke...............0 Metallgesellschaft.............0 Philipp Holzmann...........0 Hcmentwerk Heidelberg ...... 1 Lementwerk Karlstadt.........0 Waytz & Frey tag ............0 Schultheis Pahenhofer........t Aku (Allgemeine Kunstseide) ... 0 Beinberg...................0 33,25 108 113 167 92,65 150 26,5 42,5 33 54,75 45,25 57 5 47 58 42,5 29 — ,7i? 29 56 141,5 33.75 15.9 107 111,5 168 93,4 150,5 26,25 43,25 33,5 45 J 3 47,25 54,5 43 28,13 18,25 40,5 37 144 29 1 59 142 33,25 15,13 107 167 93,13 26,5 42,5 32,9 55,65 99,9 48,25 58 42,5 28,25 99,65 18 41 36,75 36,75 29 141,5 34 15.5 106,25 111,5 167 93,5 27,5 53,13 34 55 99 47,13 55,5 42,75 27,65 100 18,5 40,5 37,25 37,5 144 29,65 Helsingfors. Wien...... Prag...... Budapest ... Sofia..... Holland .... £81o....... Kopenhagen. Stockholm... 6,154 51,95 12,465 3,057 169,13 71,28 72,68 75.42 14.03 0,858 4,209 58,23 21,24 16,425 81,06 34,37 81,72 0,899 0,269 5,574 12,76 6,166 52,05 12,485 3,063 169,57 71,42 72,82 75,58 14,08 0,862 4,217 58,35 21,58 16,465 81,22 34,43 81,88 0,901 0,271 5,586 12,78 Zanknoten. 6,159 51,95 12,465 3,057 169,13 72,28 72,68 76,47 14,03 0,858 4,209 58,24 21,54 16,42 80,98 34,37 81,72 0.899 0,269 5,574 12,76 6,171 52,05 12,485 3,063 169,47 72,42 72,82 76,63 14,07 0.862 4,217 58,36 21,58 16,46 81,14 34,43 81.88 0,901 0,271 5.586 12,78 Desgl. ohne Aublos.-Rechte...... 6% cficm.8% Hess. Bolkeslaat 1929 lruckzahlb. 102%)........... Oberhellen Provinz-Anleihe mii Auslos.-Rechten ............ Deutsche Komm. Smnmelab l.Än leihe Seriel mit Auslos.-Rechten 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Banl Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 6% ehem. 7% Franks. Huv.-Bwll ^oldvse. 16 unkündbar bis 1936 b'/-% ehem. 4'/ä% Franks. Hqp. Bank»Ltqu.-Psandbrtefe ..... 6¥i% ehem. d'/2% Rheinische HyP.-Bank.Ltou..Goldvse. ... 6% ehem. 8% Pr. Landesvfand briesanstatt, Pfandbriefe R. 19 6% ehem. 7% Pr. LandcSpsand briesanstatt, Pfandbriefe R. 10 4% Oesterretchische lstoldrente... 4,20% Oesterretchische Silberrente 4% Ungarische voldrenie_______ 4% Ungarische Staatürenle v. 1910 4'/i% deegl. von uns..... Buenos Aires Neustork.... Brüssel.... Italien..... Porto ..... Schwei, ... Spanten... Danzig.... Japan ..... Rio de Jan. Jugoslawien Lissabon... CIcktr. Lieferungögesellschaft... 6 Licht und Straft .............6 gelten & «uilleaume ........c> SeseMchaft für Elektrische Unternehmungen ...............4 Sistemische Elektrizität ........6 Schuckerl L Co..............o Siemens & Halske ........... f Lahmeyer & (Jo..............10 Berlin, 22-Dezember Selb Brief Deutsche Erdöl .............4 Gelsenkirchener..............0 Harpencr...................0 Hoesch Eisen—Äölu-Neuessen.. 0 fjlfe Bergbau ............... 7 Ilse Bergbau Genüsse........ 7 Riodnerrocrfe ...............0 83,65 50,4 86 50,25 99,25 45,13 60 74 34,13 204,25 72,4 83,65 52.4 88 51,4 100,75 45,25 60,13 23,75 73,75 34,65 203 73,25 Zellstoff Waldhos............ 0 Zellstoff Aschaffenburg .......0 Dessauer Gaö ...............7 Daimler Motoren............ 0 Deutsche Linoleum ......... 0 Orenktetn & M oppx! ......u Leonhard Ttep.........e Amertkantsche Noten.............. Belgische Noten.................. Dänische Noten ................. 4,20 53,08 72,31 13.99 16,38 168,76 21,48 72,11 2,46 76,30 80,60 34,23 4,22 58,32 72,59 14,03 16,44 169,44 21,56 72,39 2,48 78,60 81.12 34,37 6% abgest. Goldmextkancr von 99 4% Türkische Jollanlelste von 1911 4Türkische Bagdadbastn-Anleist? Serie 1 ........ Französische S Holländische N Italienische N Norwegische 9" Deutsch Oester Rumänische N Schwedische N Schmelzer No oten............... ölen............... oten................ 4% desgl. Serie II ............ 8% Rumän. vereinst. Rente u. 1903 4'/r%Rumän.veretnst.Rentev.i913 4% Rumänische vereinh. Rente . 8%% Anatolier........... Manneeniann-Röhren........0 Marisfelder Bergbau......0 Sberjchlcs. Kvkewerke.........(, Alwinr Bergbau............„ Rheinische Braunkohlen ......10 Rhetnstahl............... 0 Grüner........ 0 Mainkraftwerte Höchst a.üi. ... 4 Süddeutscher Zucker ..... v oten .............. Teld), ä lOO Schilling oten............... oten ................ en................. topautime Violen................. Ungarische Note»................