ltt. m Erstes Blatt 182. Jahrgang Dienstag, 25. August 1932 (Er|d)einl täglich, außer Sonntags und Feiertag«. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblatter Heimat im Dild Die Scholle monats-Bejugsprds: Mit 4 ‘Beilagen NM 1.95 Ohne Illustrierte < 1.80 Zustellgebühr. , -.25 Auch bet Nichterscheinen Don einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. 8ernsprechan)chlüfse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Elesten- postschecklonto: Kronfturt am Main 11686. Gietzeuer Anzeiger General-Anzeiger für Gberhessen Dntd nnd Verlag: vrühl'schc Unioeislküir Buch- und Stcinörudcrei R. Lange in Siehen. Sdfriftleitnng und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 nun Breite örtlich 8, auswärt» 10 Re'chspienntg; für R— klameanzetgen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrift 20°, mehr. Chefredakteur Dr. Frtedr. Wilh. Gange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THynoi; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filier, sämtlich in Gießen. Ottawa. Las Ergebnis von Ottawa muh in doppeltem Sinne bewertet werden, denn es birgt ebenso einen politischen, wie einen wirtschaftlichen Tat- bestand. Wir müssen vorweg eine außerordentliche Fe st igung des inneren Zusammenhanges des englischenReichs- verbandes seststellen. Es ist der englischen Lelegation geglückt, durch eine außerordentlich umsichtige Verhandlungstaktik den Gegensatz der Interessenten auf der höheren Ebene des Rcichs- interesses zu wirklich ehrlicher Zusammenarbeit umzugeftalten. Damit beschreitet England einen vollkommen neuen Weg: der gefühlsmäßige und ebenso der rein politische Zusammenhang des Imperiums wurde wirtschaftlich nutzbar gemacht. Man könnte sagen, daß in der Ausbeutung des Reichsgedankens eine Gefahr gelegen hätte, aber gerade diese Gefahr wurde zu einer neuen Kraftquelle. Das englische 3m- perium fühlt sich seit Ottawa in einem höheren Sinne als ein Ganzes, nämlich als eine auf Gegenseitigkeit gegründete Opfergemeinschast. Die psychologischen Wirkungen dieser Reichs- konferenz treten aber im Augenblick vor der handelspolitischen Bedeutung der abgeschlossenen Verträge zurück. Es ist gelungen, das Präferenzialsystem in weit höherem Umfange durchzuführen, als das die Skeptiker erwartet hatten. Tas ausschlaggebende Resultat von Ottawa ist die Einführung eines englischen Weizenzolls. Damit betritt England ein ganz neues Gebiet, die Besteuerung von Lebensmitteln, die bisher vor zollpoliti- scheu Zugriffen gefeit erschienen. Fleischzölle sind freilich noch nicht eingeführt worden, aber es scheint, als ob auch in dieser Hinsicht der eng» lisch« Markt nicht mehr als freier Markt betrachtet werden darf: gibt es auch keine Zölle, so wird man anscheinend die Fleischlieferungen anteilsmäßig kontingentieren. 3n der Wirkung ist eine Kontingentierung unter Umständen wichtiger, als eine Zollauflage. Damit werden die Lieferanten nacb Belieben zugelassen oder ausgeschlossen. Reben den Lebensmittelzöllen ist eine ganze Anzahl von weiteren Zöllen oder Präferenzen beschlossen worden. Eie beziehen sicy auf das zollpolitische Verhältnis Englands zu den Dorni- minions und ebenso auf das Verhältnis der Dominions zueinander. Die meisten und wichtigsten Einzelheiten des zoll- politischen Vertragswertes von Ottawa find noch nicht betanntgegeben worden. Die nach Haufe reifenden Delegationen müffen sie erst ihren gesetzgebenden Körperschaften vorlegen, ehe sie als genehmigt gelten können. Auch sind Abänderungen, Erweiterungen oder Einschränkungen ins Auge gefaxt, so daß noch längere Zeit hingehen wird, ehe sich der gesamte in Ottawa verwirklichte Tatbestand übersehen lassen wird. Nichtsdestoweniger ist er — das läßt sich schon heute mit Bestimmtheit sagen — von grundlegender weltwirtschaftlicher Bedeutung. Es ist gelungen, die scheinbar unlöslichen Jnteressentengegensätzk innerhalb des englischen Weltreichs in ein gran dioses zoll politisch es S h st e m zu brn ■ gen, dessen Bedeutung weniger in dem schon E - reichten und Verwirklichten liegt, als in der Rah • mentonftruftion für das Ganze. Man mag gewiß die Rückwirkungen einzelner Maßnahmen prüfen und erörtern, man darf fefteUen, daß die großen Rohstofflieferanten Englands, zuma Rußland und die Vereinigten Staaten, sehr schlecht behandelt worden find. Wir können erwägen, daß die skandinavische und die holländische Landwirtschaft sich nunmehr neu orientieren muß — wenn sie weiter existieren will. Das ist aber alles nicht so entscheidend wie die Tatsache, daß die politische Verbindung zwischen England und seinem Kolonialreich nunmehr auch wirtschaftlich aus eine neue Form und Formel gebracht worden ist. Ottawa ist ein mit Linien und Rubrikenver- fehcnes Blankoformular, das nunmehr nach Maßgabe der wirtschaftlichen Entwicklung mit den Zweckentsprechenden Eintragungen versehen werden wird. Es muß immer wieder betont werden, daß mit her Reichskonferenz von Ottawa der englische Tatendrang ein neues Betätigungs- gebiet erhalten hat. Es ist eine neue wirtichafts- politische Ordnung geschaffen worden, wobei es vermieden wurde, .zugleich mit der englischen wirtschaftspolitischen Front eine Front gegen das Zollausland aufzurichten. Ratürlich muß aber eine solche Reuordnung der Binnenwirtschaft des englischen Reiches weitgehendeRückwirkungenauch auf das Deutsche Reich ausüben. 3n einzelnen Fällen werden unsere Handelsverträge und Abmachungen mit englischen Dominions durchlöchert. Auf der anderen Seite bleibt aber der Rohstoffüberschuß des englischen Weltreiches bestehen. Man wird also auf die Kundschaft eines Landes wie des Deutschen Reiches nicht ohne weiteres verzichten können. Wichtiger freilich erscheinen die sekundären Folgen, die ins Auge gefaßt werden müssen. Wenn Skandinavien, Rußland und die Vereinigten Staaten die Leidtragenden von Ottawa sein werden, so bedeutet das auf der einen Seite verschärfte Konkurrenz, auf der anderen aber vermehrte Abhängigkeit von der deutschen Wirtschaft. Mehr als Dreiviertel des deutschen Ausfuhrhandels gehen nach Europa. Anderseits sind unsere Handelsbeziehungen nach Ucberfee, besonders aber jene nach englischen Kolonien, passiv. Kanada z. D. liefert das Vielfache von dem, was es von uns bezieht. Wir stehen also der neuen weltwirtschaftlichen Einheit von Ottawa keineswegs waffenlos gegenüber. Es fragt sich aber, ob wir unsere Waffen verwenden werden. Neichstagsauslösung schon beschlossen? Reichspräsident und Reichskabinett einig. - Papen will dem Mißtrauensvotum trotzen. Frankfurt a. 2TL, 23. August. Rach einer Meldung der „Frankfurter Zeitung" aus Berlin ind der Reichspräsident und die Reichs- regierung sich endgültig über ihre Politik gegenüber dem neugewöhtten Reichstag einig geworden, wie da» Blatt zuverlässig hört, werde die Regierung zwar vor den neuen Reichstag, der für den 30. August einberufen ist, treten, aber sie wolle sich nicht von ihm stürzen lassen, sondern sie werde ihn im Hamen des Reichspräsidenten o I s- b a t d wieder a u f l ü s e n. Die Session werde also nur von kürzester Dauer fein. Diese Entscheidung bedeute, daß die andere Möglichkeit: nach einem ormalcn Mißtrauensvotum zurückzutreten und — in Ermangelung einer arbeitswilligen Reichstagsmehrheit — vom Reichspräsidenten mit der Weiterführung der Geschäfte beauftragt zu werden, für den heutigen Fall nicht mehr in Betracht komme. Die Entscheidung der Regierung habe offensichtlich zur Voraussetzung, daß sich im neuen Reichstag eine arbeitsfähige und arbeitswillige Mehrheit nicht zusammenfinde, mit anderen Worten, daß die fioalitionsbilbung zwischen Zentrum und Rationalfozia- listen nicht gelinge. Gelänge sie, fo würde die Auslösung des Reichstages ohne Ausprobierung dieser Möglichkeit gegen den Sinn der Verfassung verstoßen. Die Reichsregierung, die in dauernder Fühlung mit führenden Persönlichkeiten des Zentrums und der Jlationalfoiia- listen fein dürfte, müsse also offenbar auf Grund des neuen Standes zu der Aeberzeugung gekommen fein, daß eine dieser Parteien (oder, was wahrscheinlicher fei, beide) ein Zusammengehen nicht oder nicht mehr für möglich hielten. Eine Prognose der NSDAP. München, 23. Aug. (ERD- Funkspruch.) Die Rationalsozialistische Parteikorrespondenz untersucht heute die Weiterentwicklung der politischen Lage in Deutschland, wobei sie allerdings nicht auf das gestrige Urteil im Potempaprozch eingeht, sondern lediglich die parlamentarischen Möglichkeiten durchdenkt. Die Lage sei klar, meint sie, und unmißverständlich. Der Reichspräsident habe bei den bisherigen Regierungsverhandlungen dem Führer der Rationalsozialistischen Partei die Kanzlerschaft und Führung der Regierung nicht angeboten. Wolle man die verfassungsmäßigen Möglichkeiten der Regierungsbildung nach dem Zusammentritt des Reichstages und nach dem Mißtrauensvotum gegen die Regierung v. Papen ausschöpfen, so bleibe dem Reichspräsidenten nur die nunmehrige Betrauung des Führers der NSDAP. b;w. eines Mannes, der dessen vertrauen genießt, mit der Kabinettsbildung oder die Auflösung des Reichstages. Alle übrigen Schritte, so meint die Korrespondenz, wie etwa eine Vertagung des Reichstages vor der Ab st immun g, seien verfassungswidrig. Jede Regierung ohne die RSDAP. sei eine Regierung gegen den Willen des Volkes, also auch eine bloße Geschäftsführung, von der man nicht annehmen dürfe, daß auf diese Weise eine Zermürbung der RSDAP. erfolgen werde. Die Beurteilung in England. London, 23. Aug. (ERD. Funkspruch.) „Time s" würdigt heute in einem Leitartikel die innerpolitische Lage Deutschlands. Das Blatt zeigt dabei volles Verständnis für die Haltung des Reichskanzlers, während es an der Taktik der Sozialdemokraten heftige Kritik übt und von ihr sagt, sie tue sowohl der Entwickelung der deutschen parlamentarischen Demokratie, als auch dem Prestige des Reichstages Abbruch. Das Blatt befürchtet, das angekündigte sozialdemokratische Mißtrauensvotum werde zu einer ernsten politischen Krisis führen, um fo mehr, als die Möglichkeit bestehe, daß die Rationalsozialisten und die Kommunisten für diesen Mihtrauensantrag stimmen werden. Zu den Beuthener Todesurteilen wird erklärt, sie hätten in den Reihen der Rationalsozialisten eine derartige Erbitterung ausgelöst, daß geradezu Zweifel entstehen könnten, ob die Regierung sich zu einer Vollstreckung entschließen werde. Allein die Widerrufung der Rotverordnung würde nach Ansicht der „Times" in mancher Hinsicht noch ernstere Folgen haben können, als die Riederlage der Regierung durch einen Mißtrauensantrag. Mißtrauensanträge könnten umgangen werden, eine Ablehnung der Rotverordnungen dagegen müßte zu ihrer Widerrufung führen, es sei denn, man suspendiere d ie Verfassung. Aus diesem so konstruierten Dilemma will die „Times" folgen* Berlin, 23. Aug. (WTD. Funkspruch.) Hinsichtlich der weiteren Behandlung der von dem Svndergericht in Deuthen gefällten Todesurteile wird von zuständiger Stelle mitgeteilt: Auf das Verfahren der Sondergerichte finden gemäß § 7 der Verordnung der Reichsregierung vom 9. August 1932 die Vorschriften der Strafprozehordnung Anwendung, soweit nicht in der Verordnung ausdrücklich etwas anderes bestimmt ist. Daher kann die Vollstreckung von Todesurteilen, auch wenn sie von Sondergerichten gefällt sind, gemäß § 453 dec Strafprozeßordnung erst dann stattfinden, wenn die Entschließung der zur Ausübung des Gnadenrechts erhobenen Stelle dahin ausfällt, von dem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch zu machen. Da die vondergerichte Ländergerichte sind, ist die zur Ausübung des Gnadenrechts berufene Stelle in diesem Falle nicht der Reichspräsident oder die Reichsregierung, sondern gemäß Artikel 54 der Preußischen Verfassung die preußische Staatsregie* rung. Das Verfahren regelt sich, wie bei allen Todes* urteilen preußischer Gerichte, nach der allgemeinen Verfügung vom 26. August 1919 über die Zuständigkeit und das Verfahren in Gnadenfachen. Danach hat der Oberstaatsanwalt, nachdem er zunächst die Stellungnahme des Generalstaatsanwalts eingeholt hat, die Akten mit einer Aeuße- rung dem Beauftragten für Gnadensachen vorzulegen. Dieser hat in jedem Falle, ohne die Einreichung eines Gnadengesuches abzuwarten, mit größter Beschleunigung anden3ustizministerzu berichten. Seinem Bericht hat er eine Aeußerung des Vorsitzenden des <Ä>ndergerichts, des Gnadenanwalts und etwa noch anderer von ihm gehörter Stellen beizudes schließen: Die Sozialdemokraten haben vielleicht in ihrer politischen Strategie einen ernsten Fehler gemacht,, nämlich die Behauptung, die Vorkämpfer parlamentarischer Regierung gegen die Diktatur der Kommunisten, Rationalsozialisten oder Junker zu ein, und sie legen sich trotzdem auf eine Politik est, die zum mindesten zu einer zeitweiligen Anschaltung des Deutschen Reichstages führt." Ls sind keine Anzeichen vorhanden, daß Herr von Papen eine Niederlage hlnnehmen wird. Er kann als Haupt einer Präsidlalrcgierung am Ruder bleiben, die schließlich das vertrauen de» Reichspräsidenten besitzt, der doch im April mit einer Mehrheit von fast sechs Millionen Stimmen wiedergewählt wurde. Wenn der Reichstag versucht, ein Regieren unmöglich zu machen, so kann und wird auch Herr von Papen wahrscheinlich daraus antworten, indem et auf ihn verzichtet. Das einzige unwiderlegbare Argument in der deutschen Lage ist die Reichswchr, die unter General von Schleicher fest hinter der Regierung steht." Damit kommt das Blatt zu dem Schluß, daß die sozialdemokratische Offensive unter solchen' Umständen kaum dazu angetan zu fein scheine, der deutschen parlamentarischen Demokratie förderlich zu sein oder das Prestige des Reichstags zu erhöhen. 3n Kreisen der Reichsregierung betont man jedoch mit aller Deutlichkeit, daß sie nicht gewillt sei, sich in ihrer Entscheidung irgendwie unter Druck sehen zu lassen. Adolf Hitler an die verurteilten. München, 23. Aug. (111.) von Adolf Hitler Ist an die zum Tode verurteilten SA.- Leute folgendes Telegramm abgesandt worden: „Meine kameradenl Angesichts dieses ungeheuerlichsten Blulurleils fühle ich mich mit Euch in unbegrenzter Treue verbunden. Eure Freiheit ist von diesem Augenblick an eine Frage unserer Ehre, der Kampf gegen eine Regierung, unter der dieses Urteil möglich war, unsere Pflicht. Adolf Hille r.“ Ein Aufruf Hitlers. München 23. Aug. (ERB. Funkspruch.) Adolf Hitler- veröffentlicht im „Völkischen Beobachter" einen langen Aufruf, in dem er zu den Todesurteilen in B e u t h e n Stellung nimmt. Der Aufruf enthält sehr scharfe Angriffe gegen die Regierung. Die Haltung der NSDAP, diesem Kabinett gegenüber sei nach dem Urteil endgültig vorgezeichnet. Der Aufruf schließt mit der Erklärung, daß der Kampf um das Leben der fünf Verurteilten nunmehr einsetze. Vorstellungen Röhms bei papen? Berlin, 23. Aug. (ENB.) Wie die „Deutsche Allgemeine Zeitung'^ erfahren haben will, soll der Stabschef der SA. Hauptmann Röhm als besonderer Abgesandter Hitlers sich auf der Reise nach Berlin befinden, um wegen der Todesurteile gegen die fünf schlesischen Nationalpersönliche Vorstellungen bei fügen. Es ist selbstverständlich, daß neben tunlichster Beschleunigung allen beteiligten Stellen mit Rücksicht auf die Bedeutung der Angelegenheit sorgfältig ft ePrüfung obliegt sozialisten Reichskanzler o. Papen zu erheben. Die Todesurteile von Beuchen. Oer weitere Gang der Behandlung. 3n Ottawa ist ein neues zollpolitisches System entwickelt worden. Vorhandene Abhängigkeiten sind rücksichtslos ausgenutzt worden. Man betrieb kaufmännische, aber keine wissenschaftliche Zollpolitik. Soviel ist schon heute gewiß, daß sie uns und andere Staaten zu entsprechenden Folgerungen nötigen wird. 3n Ottawa wurde das gesamte Interesse, wurden die nationalen R-o t- wendigkeiten als entscheidend behandelt Daraus können auch wir lernen. Das Deutsche Reich bleibt immer noch einer der wichtigsten Märkte der Welt — trotz Ottawa. Oie „Niobe" im Kieler Marine-Arsenal. 35 Mann Besatzung konnten nicht geborgen weiden. Wie die Marinestation der Ostsee in Kiel mitteilt, sind die am Sonntag noch nicht leergepumpten Räume der „Niob e" gelenzt worden. Es handelt sich dabei im Vorschiff um die Artillerie- und Sleuermannsräume und im Achterschiff um die Abteilung, die den Proviant-, den Zimmermanns- und den Akkumulatorenraum und die Heizkessel für die Warmwasserversorgung umfaßt. Alle Räume des Schiffes sind einer erneuten Durch suchuna unterzogen worden, weitere Tote wurden jedoch nicht gefunden. Es steht also fest, daß von den 69 vermißten Besatzungsangehörigen der „Niobe" 35 ihr Grab in der Ostsee gefunden haben. Während der Nacht wurden alle Räume genau beobachtet und festgestellt, daß der Schiffskörper dicht hält. Am Montagvormittag wurde die „Niobe" von dem Schlepper „Eapella" aus der Heikendorfer Bucht ins Marinenrfenal nach Kiel geschleppt. Auch die Hebeschiffe ,Kraft" und „Wille" sollen abgeschleppt werden. Eine genaue Besichtigung aller Räume der „Niobe" durch eine Gerichtskommission und die Marine- schifssuntersuchungsbehörde ist erfolgt. Zm Arsenal wurde sofort mit der Aufnahme des Nachlasses der Toten begonnen. * Der Bürgermeister von Burg auf Fehmarn hat durch die Reiteroereine auf Fehmarn zum Absuchen des Strandes nach etwa angetriebenen Toten der „Niobe" einen Patrouillendienst an der Küste eingerichtet. „Niobe^-Trauerfeiei- heute im Rundfunk. DieDeerdigungsfeier für bieToien der „R i o b e" wird heute, Dienstag, von 16 bis 17 Uhr von Kiel aus auf sämtliche deutschen Sender übertragen. Während der Feier spricht der Chef der Marineleitung, Admiral Or. Ii. c. R a e d e r. Zum Zeichen der Trauer herrscht anschließend für sämtliche deutschen Sender fünf Minuten Funkstille. Das übrige Programm des Tages wird der nationalenTrauer angepaht. — Der Ches der Marineleitung hat angcorbnet, daß am Tage der Beisetzung der „Riobe"-Opser bis zur Beendigung der 2rauerfeier und in der Stunde der Beisetzung des verstorbenen Admirals Zenker alle Marinedienst- gebäude Halbmast beflaggt werden und die Schiffe der Reichsmarine große Flaggenttauer anlegen. Präsidiumswahl im ThüriugerLaudiag Weimar, 23. Aug. (WTB. Funkspruch.) Der neue Landtag von Thüringen, der heute vormittag zu seiner ersten Sitzung zusammentrat, wähtte zum er st en Präsidenten den nationalsozialistischen Abgeordneten M a r s ch l e r. Erster Vizepräsident wurde ein Abgeordneter des Landvolks, zweiter Vizepräsident ein Nationalsozialist. Der SPD. hätte ihrer Stärke nach Anspruch auf den ersten Vizepräsidentenposten gehabt. Als der neue Präsident Marschler der Opfer der „Niob e" gedachte, erhoben s i ch die Korn- munisten nicht, wie die anderen Abgeordneten, von den Plätzen. Der Präsident schloß darauf die gesamte kommuni st ische Fraktion auf drei Tage von der Sitzung aus. Telegramme an Hindenburg und Popen. München, 22. August. (TU.) Der Leiter der Rechtsabteilung der NSDAP., Rechtsanwalt Frank II, hat folgendes Protesttelegramm an den Reichskanzler von Papen als den Reichskommissar für Preußen, Reichskanzlei, und an den Reichspräsidenten gesandt: „Die Reichsleitung der NSDAP, erhebt gegen das unfaßbare Beuthener S ch r e ck e n s u r t e i l schärfsten Protest vor der gesamten deutschen Oeffentlichkeit und erwartet unverzüglich die Begnadigung der Verurteilten. Die in der größten politischen Bewegung Deutschlands vereinigten Millionen deutscher Männer und Frauen schließen sich in Erbitterung und Empörung diesem Verlangen an. Ueber 300 ermordete Nationalsozialisten, die fast restlos bis heute ungesühnten Opfer der marxistischen Mordpest, sind der erschütternde Beweis dafür, daß der nationale deutsche Mensch schutzlos den internationalen marxistischen Treiben preisgegeben ist. Das Beuthener Schreckensurteil war nur möglich in Verkennung dieser unbestreitbaren Sachlage. Seine unverzügliche Aufhebung ist zur Sicherung und letztmöglichen Aufrechterhaltung des inneren Friedens eine Notwendigkeit. Reichsleitung der NSDAP., Dr. Frank II." Kundgebung der Reichsleiiung der AGOAp. München, 22. Aug. (TU.) Zum Beuthener Urteil nimmt die Pressestelle der Reichslei - tung der NSDAP, wie folgt Stellung: „Ein Schrei des Entsetzens und der Empörung geht durch das ganze nationale Deutschland. Fünf Todesurteile sind von dem Sondergericht einer sich national nennenden Regierung gefällt worden, in völliger Verkennung der die Angeklagten beherrschenden Verzweiflung über das Versagen des Staatsapparates gegenüber dem organisierten marxistischen Mordterror, dem über 300 Nationalsozialisten bereits zum Opfer gefallen sind. Diese fünf Todesurteile treiben jedem national und gerecht empfindenden Deutschen die Scham- und Zornesröte ins Gesicht. Die Empörung über dieses unfaßbare Schreckensurteil wird dadurch noch gesteigert, daß zu gleicher Zeit ein anderes schlesisches Sondergericht Reichsbannerleute, die in unmenschlicher Weise zwei SA.-Männer niedermetzelten und viele andere schwer verletzten, mit Höchststrafen von nur vier Jahren Zuchthaus bedachte. Das ist zweierlei Recht. Nationalsozialisten werden also von dem Sondergericht einer „nationalen Regierung" mit dem Tode bestraft, während der internationale Mord-Marxismus mit kurzfristigen Zuchthausstrafen davon- kommen darf und der menschlichen Gesellschaft erhalten bleibt. Diese beiden Urteile sind ein Schlag in das Gesicht des nationalen Deutschland. Millionen Deutsche erwarten von Herrn von Papen als dem reichskommis- sarischen preußischen Ministerpräsidenten die sofortige Aufhebung der unerhörten Beuthener Todesurteile, die unter keinen Umstanden vollstreckt werden dürfen. Es wird in Deutschland keine Ruhe mehr-geben, bis dieses Beuthener Urteil aufgehoben ist. Mögen die verantwortlichen Staatsleiter den Ernst der Stunde erlernten, bevor es zu spät ist." Oie weiteren plane der Verteidigung. Wiederaufnahmeve» fahren. G l e i w i tz, 22. Aug. (TU.) Von feiten der Verteidigung wird über die zu ergreifenden Maßnahmen erklärt, daß sofort olleSchrittebeim preußischen Staatsmini st erium getan werden würden, um eine Vollstreckung der Todesurteile zu verhindern. In der Praxis sei mit einer Entscheidung darüber vor Ablauf dieser Wache nicht zu rechnen; es sei erst einmal die Abfassung des Urteils erforderlich, was einige Tage in Anspruch nehmen werde. Aul Grund dieser schriftlichen Niederlegung des Urteils und eines gleichfalls vargeschriebenen Berichtes der Staatsanwaltschaft habe das Staatsministerium zu entscheiden. Da gegen Urteile des Sondergerichts bekanntlich keine Rechtsmittel, also Berufung und Revision, zulässig sind, werde vor allem der Weg des Wiederaufnahmeverfahrens beschritten werden. Das Wesen des Kürzverfahrens, das das Sondergericht darstellt, macht es leicht, neue Beweismittel und Tatsachen geltend zu machen, auf Grund deren die Wiederaufnahme des Verfahrens zulässig sei. Möglich sei außerdem noch die Ablehnung der Richter wegen Befangenheit, die aus Tatsachen erfolgen könne, die die Angeklagten erst nachträglich m Erfahrung brachten. Kundgebung des Verteidigers Luetgebrune. München, 22. Aug. (ERB.) Zum Beuthe- ner Urteil veröffentlicht der Rechtsberater der Obersten SA.-Führung, Rechtsanwalt Dr. Luetgebrune, folgende Stellungnahme: „Das Beuthener Sondergericht hat heute gegen fünf Nationalsozialisten fünf Todesurteile gefallt die weit über die Grenzen der Partei hinaus stärkste Entrüstung und stärksten W i d e r s p r u ch gefunden haben. In meiner mehr als zwölfjährigen politischen Verteidigertätigkeit ist mir kein Urteil vorgekommen, das in tatsächlicher, wie in juristischer Beziehung so sehr einen Justizirrtum darstellt, wie das Urteil dieses Sondergerichts. Aus tiefstem Rechtsempfinden heraus roirb mit allen Kräften dafür gesorgt werden, daß dieses Fehlurteil aus der Welt geschafft wird und seine Vollstreckung unterbleibt." Koalitionsverhandlungen in Preußen vertagt. Fortsetzung Ende dieser Woche? Berlin, 23. Aug. (VDZ. Funkspruch.) Wie das Nachrichtenbüro des VDZ. meldet, sind die für heute in Aussicht genommenen Besprechungen zwischen Nationalsozialisten und Zentrum über die Neubildung der preußischen Regierung abgesagt worden. Als Grund hierfür wird angegeben, daß erst die am Tienstagmittag im Landtag begonnene Tagung des Nationalsozialistischen Frakti- vnsvorstandes beendet sein müsse, die am Mittwoch sortgeführt wird. An diesen Verhandlungen dürfte auch. Landtagspräsident Ke r r l teilnehmen, der über seine Unterredungen mit dem Vertreter des Zentrums, Abgeordneten Dr. Graß, berichten wird. Von dem Ergebnis der Tagung des Fraktionsvorstandes wird es im wesentlichen abhängen, ob Ende dieser Woche die Koalitionsbesprechungen mit dem Zentrum fortgesetzt werden. Der Unterhändler des Zentrums, Dr. Graß, begibt sich am Mittwoch in seinen Wahlkreis Hessen-Nassau und dürste vor Freitag nicht nach Berlin zurückkehren. 3n parlamentarischen Kreisen wird hervorgehoben, daß, falls die Koalitionsbespvechungen günstig verlaufen sollten, die Bildung der neuen Staatsregierung in 48 Stunden abgeschlossen sein könnte. Der Landtag würde in diesem Falle die Möglichkeit haben, schon in der nächsten Woche den Ministerpräsidenten zu wählen. Oesterreichs Verzicht auf seine Freiheit. Das Lausanner Protokoll endgültig angenommen. Wien, 23. Aug. (WTD. Funkspruch.) Der Nationalrat hat, heute nach längerer Debatte mit 82 g e g” e n 80 Stimmen den Beharrunasbeschluß über das Lausanner Anleiheprotokoll gefaßt. Damit ist das Anleiheprotokoll trotz des Einspruchs des Bundesrats in Kraft gesetzt. Mit dem gleichen Stimmenverhältnis wurde ein Antrag der Großdeutschen auf Volksabstimmung über das Lausanner Abkommen abgelehnt. Aus aller Welt. Gronau unterwegs. Der deutsche Flieger Wolfgang von Gronau, der in Junecm (Alaska) landete, war bereits eine größere Strecke über Juneau hinaus in der Richtung nach Cordova geflogen, als ihn ungünstige Wetterberichte zur Umkehr veranlaßten. Er beabsichtigt nach Cordova weiterzufliegen. Von dort geht es über die Aleuten nach Japan und zurück nach Deutschland. Er hofft seinen Flug Ende September in Berlin beenden zu können. 196 Stunden Dauerflug. Die amerikanischen Fliegerinnen Frances Mar- falis und Louise Thaden, die zu einem Dau er f lug aufgestiegen waren, sind nach einer Flugdauer von insgesamt 196 Stunden gelandet. Damit ist der bisher auf 123 Stunden stehende Dauerflugrekord für Frauen ganz erheblich überboten. Ein falscher Rundfunk-Ingenieur festgenommen. Dieser Tage wurde in Koblenz ein falscher Rundfunk-Ingenieur auf frischer Tat ertappt und fest genommen. Der Mann hatte auch in Frankfurt Mietschwindeleien und Diebstähle begangen und Inhaber von Rundfunkgerätehandlungen sehr empfindlich dadurch geschädigt, daß er sich wertvolle Radioapparate liefern ließ und nicht bezahlte. Ueberall hatte er sich als „Aufbau-Ingenieur" des neuen Senders ausgegeben, auch Mechaniker für diesen eingestellt und mit den Leuten entsprechende Verträge abgeschlossen. Auch in Wiesbaden beginn er Mietschwindeleien und prellte eine Reihe Gasthaus- und Pensions-- besitzer um teilweise recht erhebliche Beträge. Vor einigen Tagen tauchte er in Marburg auf und betrog auch hier mehrere Personen durch das gleiche Manöver. Bei seinem Verhör legte er ein Geständnis ab. In Frankfurt und anderen Orten trat er unter dem Namen Rudolf Herwig, Horst Hübener und Horst Römer auf; in Wirklichkeit handelt es sich um den 1909 in Warndorf (Tschechoslowakei) geborenen Rudolf H o r a ch e k. Einbruch bei Dr. Schacht. Wie die Berliner „Nachrichtenausgabe" aus Neuruppin hört, wurde im Schloß Quehlen bei Lindow, einem Besitz des früheren Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht, ein Einbruch verübt. Der Täter stieg mit einer im Park Vorgefundenen Leiter in Dr. Schachts Arbeitszimmer ein und entwendete aus verschiedenen Räumen silberne und goldene Teelöffel, Eßlöffel und Mokkalöffel, sowie verschiedene Kleidungsstücke, ein Zeiß-Fernglas und eine silberne Schmuckdose. Zwei Sträflinge in plöhensee ausgebrochen. Die beiden Strafgefangenen Neuhaus-Thiele ck e und Wischnewski sind, einer Meldung aus Berlin zufolge, aus der I r r e n a b t e i l u n g des Strafgefängnisses Plötzensee entflohen. Der 26jährige Staufmann Neuhaus-Thielecke, der sich unter dem Namen Ealistros Sujamani als Schriftsteller ausgab, hatte am 6. August 1930 in Berlin- Halensee seine Mutter in der Badewanne ermordet. Ein Toter, zwei verletzte — wegen eines Glases Bier. 9n einer Wirtschaft In St. Ingbert bei Köln verlangte dieser Tage ein Arbeitsloser ein Glas Bier, das ihm verweigert wurde. Einige Stunden später kam er wieder, ging sofort auf die 20jährige Wirtstochter los, feuerte mehrere Schüsse auf sie ab und verletzte sie schwer. Die Mutter, die der Tochter zu Hilfe eilen wollte, erhielt einen Schuß in den Arm. Dann richtete der Arbeitslose die Waffe gegen sich selbst und erschoß sich. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 23.August 1932. Oie spinale Kinderlähmung. Don Med.-Rat Dr. Zrobenius« Nervenarzt, Gicßm. In letzter Zeit sind in Ungarn und leider auch in Deutschland, in Magdeburg und sogar in unserer Nähe, im Dillkreis, Fälle von spinaler Kinderlähmung aufgetreten. In diesem Zusammenhang muß es uns interessieren, wie die Amerikaner vor einigen Jahren durch ihre Großzügigkeit der Epidemie gesteuert haben. Da die Seuche erfahrungsgemäß bestimmte Wege einschlägt und da, wo sie einmal gewütet hat, kaum mehr so schnell auftritt, haben die Amerikaner nach der ersten Epidemie für die anderen bedrohten Gebiete, besonders im dritten Sommer, umfangreiche Vorbereitungen getroffen. Mit einer Großzügigkeit, die Staunen und Bewunderung erzwingt, wurden aufklärende Vorträge gehalten, Flugschriften verteilt und nach der Erfahrung aus der früheren Epidemie von den Genesenen Blutserum gesammelt. Fünf Dollar wurden gezahlt für 50 ccm Blut, ein wirksames Serum daraus hergestellt, die Krankenhäuser und Apotheken damit ausgestattet — und als die Epidemie wirklich in dem gleichsam auf sie wartenden Gebiet einbrach, verfügte man über eine ganz hübsche Menge heilkräftigen Serums. Ländliche Bezirke wurden bei der ersten Erkrankungsmeldung mit Flugzeugen und durch Schnellzüge damit versorgt, die an Orten, die sie sonst durchfuhren, halten muhten, um das kostbare Mittel in die Hände des Arztes zu liefern. Auf diese erstaunlich großzügige Weise, die die ganze Aerzteschast und die Bevölkerung alarmierte, ist es den Amerikanern gelungen, der verheerenden Seuche ihre größte Furchtbarkeit zu nehmen. 12ns kann dieses Vorgehen, auch wenn wir ein verarmtes Land sind, nur Vorbild sein, denn für die Gesundheit seiner Bürger und Jugend darf dem Staat kein Preis zu hvch sein. Aber bei uns muß mehr als anderswo gerade der einzelne mithelsen, die Gefahr zu bannen. Um Au sagen: zu einer Beunruhigung durch das bisher vereinzelte Auftreten der Erkrank ung besteht bei uns kein An - .'29>cr Vorsicht schadet nie — wer öic Gefahren kennt, wird darauf achten, um seine xinber Dor ernstem Schaden zu behüten. Dre spinale Kinderlähmung - der Name ist et- was einseitig und soll nur der Kürze halber bei» behalten werden - ist eine Infektionskrankheit, d. h. durch einen Erreger verursacht. Sie ist sehr leicht übertragbar, durch Husten, Anniesen, aber auch durch sogenannte Zwischenträger, die selbst nicht zu erkranken brauchen. Es ist eine Jnfektions- ^ankheit die das Nervensystem, Rückenmark oder Gehirn befallt, besonders der Kinder, aber die auch bei Erwachsenen auf treten kann. Das schwierigste Moment liegt in der rechtzei- tigen Erkennung, denn die frühzeitige Behandlung entscheidet über Leben und Heilung. Das ist das Heimtückische an dieser Erkrankung, daß sie sich unter der harmlos scheinenden Maske einer „Grippe" einschleichen kann. Eine Magendarmerkrankung, ein Luftröhrenkatarih, eine Halsentzündung oder rheumatische Beschwerden können das erste Stadium bilden. Beinahe schlagartig setzen dann im zweiten Stadium, etwa nach zwei bis drei Ta- genplötzlich mehr oder weniger umfangreiche Lähmungen ein. Glücklicherweise gehen diese Lähmungen zum größten Teil wieder zurück, aber der Nest, der bleibt, ist genug, um das arme Menschenkind Zeit seines Lebens zu verstümmeln. Es ist auch ein Glück, daß der tödliche Ausgang durch lieber» greifen dieser erschreckenden Lähmung auf die Atmung relativ selten ist, d. h. die einzelnen Epidemien verhalten sich hier verschieden. Es ist auch ein Trost, daß selbst hartnäckige Reste noch nach Jahren einer fortgesetzten Behandlung weichen können oder wenigstens eine Besserung erfahren. 2Iber das Wichtigste ist und bleibt die Behandlung in der ersten Zeit, am besten schon im ersten —. leider schwer erkennbaren Stadium der Krankheit. Denn hier ist das ärztliche Wirken am erfolgreichsten. Es sollte also in Zeiten einer Epidemie oder auch schon beim Auftreten einzelner Fälle unbedingt beim geringsten Verdacht oder aus Vorsicht bei irgendeiner fieberhaften, aber noch so harmlos erscheinenden Erkrankung, besonders der Kinder, ein Arzt zu Rate gezogen werden. Nur so kann schwerer Schaden verhütet und auch einer Ausbreitung der Seuche wirksam entgegengetreten werden. (Siebener Wochenrnarttpreise. * Gießen, 23. Aug. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Süßrahmbutter 130, Landbutter 120 bis 130, Matte 25 bis 30, Wiking 6 bis 8, Weißkraut 5 bis 6, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8, Spinat 20, Römischkohl 8, grüne und gelbe Dohnen 15 bis 20, Unter-Kohlrabi 5 bis 6, Erbsen 20, Tomaten 15 bis 20, Zwiebeln 10, Pilze 20 bis 25^ Kartoffeln 3,5, Frühäpfel 15 bis 30, Birnen 15 bis 25, Dörrobst 30 bis 35, Zwetschen 25, Mira- bellen 35 bis , 40, Reineklauden 20, Pfirsiche 30 bis 50, Brombeeren 20 bis 25, Honig 40 bis 45, junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 60 bis 80; das Stück: Käse 5 bis 10, Tauben 50 bis 70, Eier 8 bis 9, Blumenkohl 30 bis 60, Salat 8 bis 10, Salatgurken 10 bis 25, Einmachgurken 2 bis 3, Endivien 10 bis 12, Obcr-Kohlrabi 8 bis 10, Rettich 10 bis 12; das Bund: Radieschen 8 bis 10 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 3 Mark. Por«oti;cn. r .— Tageskalender für Dienstag. Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „Trader Horn". Der Tierschutzverein Gießen veranstaltet am Donnerstag, 25. August, 20 Uhr, im Singsaal des Realgymnasiums eine öffentliche Vor- tragsveranstaltung. Oberbürgermeister Maas wird über das Thema „Aufgaben des Tierschutzes" sprechen. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. ** D i e Zahlung der Invalidenrenten gesichert. WTB. meldet: Bei dem natürlichen Unterschied in der Leistungsfähigkeit der Landesversicherungsanstalten hat die Notverordnung vom 14. Juli 1932 die Gesamthaftung der Anstalten für die Aufbringung der Postvorschüsse für die Zahlung der Renten aus der Invalidenversicherung begründet. Soweit Sie Postvorschüsse nicht geleistet werden, führt die nach der Dollzugsverordnung vom 10. August beim Reichsarbeitsministerium errichtete Ausgleichs- und Verwertungsstelle die Gesamthastung durch, z. D. durch die Eirzi hung und Ter ufj run] von Wer.- papieren der Anstalten. Diese Stelle wird aber nur für den Fall wirksam, daß die Anstalten nicht unter sich den Ausgleich vereinbaren und durchsetzen. Die Versicherten können damit rechnen, daß trotz des starken Beitragsausfalles die Renten gezahlt werden. ** Silberhochzeit. Der Elektro-Jnstallateur- meister Wilhelm Schmidt und Frau, wohnhaft Goethestraße 23 feiern am morgigen Mittwoch das Fest der Silberhochzeit. ** D i e hessischen Hebammen tagen in Gießen. Die hessischen Hebammen kommen auch in diesem Jahre zu einer Haupttagung am Samstag, 27. August, in Gießen (Restaurant „Lie- bigshöhe") zusammen. Der wissenschaftliche Teil sieht einen lehrreichen Vortrag, gehalten von Professor Schumacher von der hiesigen Landesuniversität über „Die Ausgaben der Hebammen auf dem Gebiete der Krebsforschung" vor; ein weiterer wird von Professor Dr. Schwartz Universität Frankfurt a. M. gehalten über „Schädigungen der NeugeborSßen bei der Geburt". Professor Dr. Walther-Gießen wird über seine reichen -• Erfahrungen und über die Bedeutung der Wiederholungskurse für Hebammen referieren. Die Vorsitzende «des Verbandes, Frau K e r n-Rumpenheim spricht über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Hebammen. Der Verband ist bestrebt, seine Mitglieder auf allen Gebieten neuerer Forschung unterrichten zu lassen. Oberheffen. Seuer in Saasen. • S a äsen. 23. Aug. In der Scheune des Landwirts Ludwig Kraft brach heute morgen, wie man vermutet, durch Kurzschluß Feuer aus. Der Brand wurde erst bemerkt, als die Flammen bereits zum Dach herausschlug e n und der gesamte Strohvorrat ergriffen war. Unter diesen Umständen konnte von der Scheune nichts mehr gerettet werden; sie brannte mitsamt dem Inhalt bis auf die Grundmauern nieder. Der unmittelbar angebaute Stall fiel ebenfalls den Flammen zum Opfer. Das Vieh konnte gerettet werden. Auch die Dreschmaschine, die in der Gefahrenzone stand, konnte man im letzten Augenblick in Sicherheit bringen. Die Saasener Feuerwehr, die sofort an den Brandherd eilte, konnte dem Feuer selbst kaum Einhalt gebieten. Zwar arbeitete man mit fünf Schlauchleitungen, mußte sich aber in der Hauptsache darauf beschränken, die unmittelbar angrenzenden weiteren Gebäude zu schützen. Das Wohnhaus, das nur etwa einen halben Meter entfernt von der Scheune steht, konnte völlig unversehrt bleiben, eine nachbarliche Scheune wurde ebenfalls erfolgreich geschützt. Zur eventuellen Hilfeleistung wurde die Kreismotorspritze alarmiert, die jedoch, dank der energischen Arbeit der Ortsfeuerwehr, nach ihrem Eintreffen nicht mehr einzugreifen brauchte. Der entstandene Schaden ist beträchtlich, er ist durch Versicherung gedeckt. Lanolrets (Szetzcn 00 Klein-Linden, 22. Aug. Von strahlendem Sonnenschein begünstigt, fand am Sonntag .m Rinnschen Garten das 3 6. I a h r e s s e st der hiesigen Kleinkinderschule statt. Unter den Klängen des Posaunenchors zogen die mit Blumenkränzchen und Sträußen geschmückten Kinder zum Festgarten. Die von der Schwester mit viel - Sorgfalt und großer Geduld eingeübten Lieder und Gedichtvorträge fanden dankbarste Ausnahme bei den vielen Zuschauern, die dem Fest beiwohnten. Auch die Spiele, die zur Aufführung gelangten, bereiteten viel Freude. Pfarrer Bremmer, der Vorsitzende der Station, hielt die Ansprache. Die Kollekte zum Besten der Kleinkinderschule ergab 34,01 Mark. . ch Hausen, 22. August. Unsere Kirche befindet sich schon einige Jahre lang in baufälligem Zustande. Trotz größter Geldknappheit konnten nun die Ausbesserungsarbeiten nicht mehr verschoben werden. Wie vor zwei Jahren Gewinnauszug 5. Klasse 39. Preußisch-Süddeutsche (265. Preuß.) Staats-Lotterie. Ohne Gewahr Nachdruck verboten 11. Ziehungstag 20. August 1932 3n der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 ©ttolnn« zu 100000 M. 2499 8 Gewinn, zu 10000 M. 174007 185408 203353 238031 16 »etolnne zu 5000 M. 7850 25409 49137 168335 228259 273891 363665 375384 14 Grwinn, ,n 3000 M. 66508 67388 78085 235730 240007 328262 338525 6S Gewinn« zu 2000 M. 16949 18371 27760 30368 64061 65345 70042 100287 104837 137402 143626 150063 171110 177954 197601 213085 241345 276384 293764 301881 318989 344680 357728 359108 364344 376523 385571 394247 118 Gewinn, »u 1000 . 525 14317 18215 20306 24338 24494 27224 30393 47631 53074 63346 79353 88166 88819 107604 109242 114631 119907 122080 122676 123150 125454 133351 133985 134969 140429 141142 143826 148190 148678 161900 165486 173269 175757 180264 181063 181268 196048 227078 229179 274648 276570 310157 328229 328892 331831 344857 364996 365735 366540 367539 370339 372865 380297 386795 394140 397092 397271 398099 180 Gew NN, zu 500 M. 227 1531 4298 6193 8184 11698 14890 16850 17660 25027 29151 29331 34944 35367 47345 53280 59301 74095 75435 80927 91517 96410 105875 116094 119133 121440 123756 135484 141052 147192 147735 152138 158096 166703 180866 188161 192200 192750 204641 214532 217534 218178 219528 220148 223368 227360 230096 235521 238767 240816 240965 244983 252555 257924 263907 272862 273204 283369 285324 286788 290915 294542 295970 299347 305588 305743 306992 307842 316788 317351 319513 336484 337196 339691 353523 357116 358702 358762 353954 363056 363756 364692 364925 374507 375015 377862 382725 384266 384894 395780 In der heutigen Nachmittagszkehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 323117 76 C1 «nlnne 'n 2000 M. 120 Gewinne?u 1000 M. 12160 29664 30134 32155 226787 300076 347603 378864 215614 289714 341888 369560 170710 227233 266033 299937 323923 349070 144202 168622 227042 298166 328986 381900 151857 187432 247419 302266 330896 385070 124026 182774 228039 267990 300147 333237 361894 137261 183344 243624 270639 301056 339443 370210 124047 153295 202558 257705 305699 346654 153467 232128 326417 359452 385037 141773 190427 249740 277869 308295 342215 380578 124711 156188 208031 291411 317104 352465 148591 197417 253519 292155 310663 344985 383930 137608 156484 218695 293004 321476 371805 187284 280307 333818 366519 110247 160668 198339 265916 297425 315454 345469 398518 134946 206569 285701 341657 369068 106054 144018 166143 218365 297564 324737 372867 99973 348923 164160 279180 333056 365988 20855 38879 77620 81705 221008 301937 10 Sein'""« >n 5000 M. 336331 376433 20 Äetohtne nt 3000 M. 100721 122490 196910 365343 --- ---- 15482 26366 46334 54474 55046 96389 102978 109722 114486 115597 140507 141270 ............ ...... 34051 65722 59501 60527 60978 63021 66961 72317 74017 77633 77645 82269 83633 90303 113859 122431 ------ ------ ------ - ------ 389355 398195 399401 138 Gewinn, >u 500 M. 42 15633 22959 23250 28249 34115 34514 34898 42471 44629 46361 51776 67317 70063 70169 73174 84900 85219 87447 88992 89273 89742 92773 98461 100812 108429 Im Gewinnrabe verblieben: 2 Prämien zu \t 500000, 100 Schlußprämien zu je 8000, 2 Gewinne zu je 200000, 2 zu je 100000, 4 zu je 75000, 4 zu je 50000, 20 zu je 25000, 126 zu je ll>-00, 284 zu je 5000, 616 zu je 8000, 1740 zu je 2000i 8528 zu je 1000, 5926 zu je 500, 17940 zu je 400 M. Vie Weibe des 118er-Denkmals in Worms. Das Wormser Ehrenmal nach der Enthüllung. Vor dem Denkmal der letzte Kommandeur des Regiments, Generalmajor Munter. Inbetriebsetzung von Eteinbrüchen, yt beginnen Außerdem soll die Regulierung sowie die Llserbefestigung eines Teiles des Horlofflaufes (als Rotstandsarbeit) vor- genommen werden. Obwohl eine Anzahl Arbeitsloser zur Zeit bei der Einbringung der Ernte Beschäftigung gefunden hat. ist es durchaus zu begrüßen, daß durch die von der Gemeinde getroffenen Maßnahmen weitere Arbcits- möglichkeiten geschaffen werden. — Ein Fußballspieler aus Utphe kam auf der Heimfahrt so unglücklich zu Fall, daß er im bewußtlosen Zustand in das hiesige Krankenhaus verbracht werden mußte. Glücklicherweise stellte sich heraus, daß die Verletzungen nur geringfügiger Ratur waren. Er konnte nach ärztlicher Behandlung nach Hause gebracht werden. — Ein aus der Wanderschaft befindlicher Bursche stellte sich am Freitagabend der Polizei mit der Angabe, vor einigen Wochen einen politischen Gegner ums Leben gebracht zu haben und sich seit dieser Zeit auf der Flucht zu befinden. Gr wurde dem hiesigen Hast- tolol zugeführt und am anderen Morgen durch das Amtsgericht einem Berhör unterzogen, wobei er jedoch ferne Abend vorher gemachten Angaben bestritt und behauptete, dieselben nur zu dem Zwecke vorbereitet zu haben, um für einige Zeit Unterkunft zu finden. Es stellte sich jedoch im Laufe der Vernehmung heraus, daß der schon fast zwei Jahre Umherirrende seelisch sehr zerrüttet ist, so daß eine Ueberbringung in die Landes-Heil- und Pslcge- anstalt Gießen für notwendig erachtet wurde. Die weitere Nachprüfung des Falles dürfte jedoch ihren Fortgang nehmen. -k. Steinheim, 22. Aua Ein Unglücks- fall ereignete sich heute nachmittag beim Fruchteinfahren. Die etwa SOjäbrigc Ehefrau des Landwirts Otto Roth stürzte beim Einfahren in die Scheune so unglücklich von dem hochbeladenen Wagen, wobei sie Kopfverletzungen sowie einen komplizierten Armdruch erlitt. Kreis Büdingen. * Ranstadt, 22. Aug. 3n der Rächt zum heutigen Montag zwischen 2 und 3 Uhr ging ein gewaltiges Gewitter über unsere Gemarkung nie» der. Ununterbrochen zuckten die Blitze. DaS Ueber- landwerk in Friedberg hatte viel Arbeit mit dem Auswechscln von Sicherungen, denn der Blitz schlug sehr häufig in die Leitungen. Kreis Schotten. Y ® e b e r n, 22. Aug. Gestern nacht um 1.30 Uhr versuchten zwei auswärtige Burschen in den Laden eines hiesigen MehgermeisterS e l n- zudringen. Glücklicherweise kam zur rechten Zeit der Lohn aus dem nebenan liegenden Gastzimmer und überraschte die Eindringlinge, worauf der eine unerkannt die Flucht ergriff, während der andere allerlei Entschuldigungen stammelte. Kreis Alsfeld. ss. Grebenau, 23. Aug. In der Nacht zum Montag wurde auch unser Dörfchen von einem schweren Unwetter mit Hagelschlag und wolkenbruchartigem Regen heimgesucht. Von den dicken Hagelkörnern wurden etliche Fenster- scheiben zertrümmert und ein großer Teil des Obstes abgeschlagen. Bei den Halmfrüchten, die größten- teils alle geschnitten und auf Hausen stehen, ist der Schaden nicht so groß. Ein großer Teil der Feldwege und Straßen wurden durch den gewaltigen Regen aufgerissen, Gräben und Kanäle zugeschwemmt, und viele Einwohner hatten dadurch in kurzer Zeit d i e Keller voll Wasser. G -S X Wirtschaft. Berlin schwankend. Berlin, 23.Aug. (WTB. Funkspruch.i In gewisser Beziehung brachte der heutige Borfenbeginn eine Enttäuschung. Vormittags und auch an der Vorbörse war man noch unter dem Eindruck des teilweise sehr festen Reuyork von gestern freund- licher gestimmt und hatte Kurse taxiert, die erheblich über den späteren ersten offiziellen Notierungen lagen. Man hatte doch wohl die innere Politik in der vorigen Woche zu sehr außer acht gelassen und wurde erst jetzt wieder durch den b e o o r st e h e n - den Zusammentritt der Parlamente und das gestrige Beuthener Urteil auf die Komplikationen, die noch entstehen könnten, aufmerksam gemacht. Das Geschäft war zwar im allgemeinen klein, und auch das Angebot, das zum Teil von Grohbankseite stammen soll, nicht umfangreich, doch genügte es bei dem geringen Kausinteresse, das vor- Händen war, um das Kursniveau ziemlich einheitlich bis zu 1,5 v. H. zu senken. Nur vereinzelt waren kleinere Besserungen festzustellen. So lagen Thüringer Gas 1,25 v.H., BMW. 1 o.H., Metall- gesellschaft 2,5 v. H., Rheinische Braunkohlen 1,5 v. H. und Akkumulatoren 2,5 o. H. über gestern. Aus höhere Auslandmeldungen und im Zusammenhang mit der Erhöhung der Kunstseidenpreise in USA. gewannen Aku bei lebhafteren Umsätzen 2 o. H. Montanwerte neigten überwiegend zur Schwäche, Vereinigte Stahlwerke waren auf die Kombinationen um eine Zusammenlegung 41 resp. 10:3 relativ widerstandsfähig und im Verlaufe der Börse sogar eher fester. Ueberhaupt setzten sich nach den ersten Kursen meist kleine Erholungen durch, eine Zunahme des Geschästsumfangs war hiermit aber nicht verbunden. Festverzinsliche Werte hatten ziemlich uneinheitliche Tendenz. Deutsche Anleihen waren knapp behauptet. Reichsschuldbuchforderungen stärker schwankend, Reichsbahnvorzugsaktien 0,13 o. H. niedriger. Industrieobligationen lagen unbedeutend höher Bei A u s l a n d r e n t e n machte sich im Verlaufe für Mazedonier etwas Interesse bemerkbar. Am Geldmarkt war die Situation gegen gestern vollkommen unverändert. Der Satz für Tagesgeld stellte sich wieder auf 5,25 und für erste Firmen auf 5,13 o. H. Am Privatdiskontmarkt hielten sich Angebot und Nachfrage die Waage. Frankfurt flau. Frankfurt a. M., 23. Aug. (WTB. Draht- Meldung.) Auf Grund des festen Schlusses der gestrigen Reuyorker Börse taxierte man im heutigen Vormittagsverkehr noch behauptete Abendbörsenkurse. Zum Börsenbeginn zeigte sich aber stärkere Zurückhaltung, La die Aussichten auf einen Wahlkampf stärkere Unsicherheit in die Börse trugen und jede Unternehmungslust unte.banden. Reben weiteren Glattstellungen der berufsmäßigen Spekulation sollen auch von Großbankseite einige Verkäufe erfolgt sein, so daß die Kurse überwiegend 0,5 bis 1 Prozent nachgaben. Die 11 m - sätze hielten sich in sehr engen Grenzen. Etwas fester eröffneten im Anschluß an die Abendbörse Aku mit plus 1.5 Prozent, wobei die Erhöhung der Kunstseidenpreise in den Vereinigten Staaten etwas anregte und auch in Erwartung höherer Kurse an der heutigen Amsterdamer Börse kleine Käufe vorgenommen wurden. Le.cht gebessert waren Holzmann mit plus 0,6 Prozent und Stahlverein mit plus. 0.4 Prozent. Bei letzteren regten die ©anie- rungsbestrebpngen durch einen vom Reich beauftragten Treuhänder etwas an. Schwächer eröffneten 2G -Farben, Deutsche Erdöl, Elektro« aktien, Reichsbank, sowie Montan- und Schifffahrtswerte. Am Rentenmarkt neigte die Tendenz ebenfalls leicht nach unten. Deutsche Anleihen und Reichsschuldbuchforderungen sowie Reichsbahnvorzugsaktien lagen bis zu 0.25 Prozent niedriger. Goldpfandbriese tendierten meist unverändert. Liquidationspfandbriefe lagen unregelmäßig und überwiegend etwas schwächer. Von Auslandrenten gaben Rumänen weiter nach, während sich einiges Interesse für Gulden-Russen und 02er Russen zeigte. 3m Verlaufe zogen einige Kurse vorübergehend um etwa 0,5 Prozent an, später bröckelten sie jedoch wieder leicht ab. Das Geschäft stagnierte fast vollkommen. Rur Aku und Stahlverein hatten noch kleine Umsätze auf unverändertem R veau zu verzeichnen- Tagesgeld war zu 4,25 Prozent unverändert. Kundfunkproqramm. Mittwoch, 24. August. 7.05: Frühkonzert. 10.20 bis 10.50: Schulfunk: „Der Dichter Seume wird Soldat", von Historicus. 12: Unterhaltungskonzert des Rundfunkorchesters. 13.30: Mittagskonzert des Orchesters des Westdeutschen Rundfunks. 15.15: Stunde der 3ugend. 17: Rachmittagskonzert. 18.25: „Die romantische Melancholie: „QHaler Rollen" von Mörike". Vortrag von Dr. Leo Löwenthal. 18.50: „Elsaß von außen und innen“, Vortrag von Dr Ernst Müller. 19.30: „Scusate, Signor!", italienische Novellen. 20 (Von der Funkausstellung, Berlin): Konzert. 22: Eine Goethe-Feier, Novelle von Peter Hüchel. 22.45 bis 24: Nachtmusik. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgulachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.» Gießen, LNlhelmstrahe. 1. Sie sind zur Weiterzahlung des Lohnes nicht verpflichtet, da die Betreffende Krankengeld erhält. 2. Die Kündigungsfrist beträgt bei monatlicher Lohnzahlung zwei Wochen. Wettervoraussage. Der Einbruch der fühlen Ozeanluft hat in unserem Bezirk zum Aufzug di Bewölkung und zu Niederschlägen geführt. Das Tiefdruckgebiet wandert östlich weiter und wird allmählich seinen Einfluß verlieren. Aber immerhin bleibt an seiner Rückseite in Verbindung mit dem hohen Druck über den britischen Inseln die Zufuhr kühler Luft noch erhalten, so daß sich die Temperaturen zunächst weiter in mäßigen Grenzen bewegen und neben Bewölkung auch noch vereinzelte Niederschläge auftreten. Mit der kühlen Luft gelangt das kräftige Hochdruckgebiet nach dem Festlande, wodurch dann wieder mehr aufheiterndes und beständigeres Wetter in Aussicht steht. Aussichten für Mittwoch: Zunächst noch bewölkt und mäßig warm mit vereinzelten Niederschlägen, später wieder ruhiger und mehr auf- heiternd. Aussichten für Donnerstag: Meist auf- heiterndes und trockenes Wetter. Lufttemperaturen am 22. August: mittags 26 Grad Celsius abends 18,2 Grad, am 23. August: morgens 16.4 Grad. Maximum 27,5 Grad, Minimum 15 Grad — Erdtemperaturen in 10 cm liefe am 22 August, abends 26,8 Grad, am 23. August: morgens 21 Grad Celsius — Niederschläge 0,3 mm. — Sanncnjchcindauer 9 Stunden. Verantwortlich für Politik: I. D.: Ernst Blurnschein. Worms, 22. Aug. (WSN.) Ueber Samstag und Sonntag fand hier die feierliche Einweihung des 118er-Ehrenmals, einer Schöpfung des Berliner Bildhauers Birr Jtatt. Etwa 10000 ehemalige Anaehörige des Regiments hatten sich eingefunden, um in der festlich geschmückten früheren Garnisonstadt an der Denkmalweihe teilzunehmen. Eingeleitet wurde die Feier am Samstag mit Begrüßungsveranstaltungen. Unter den zahlreichen Ehrengästen bemerkte man u. a. Bildhauer Birr aus Berlin, Frhr. L. v. H e y l zu Herrnsheim und Generalmajor a. D. Günter, den letzten Friedenskommandeur des Regiments und viele andere mehr. Festgottesdienste leiteten die Feiern des Sonntags ein. Nach dem großen Zapfenstreich auf dem Kasernenhof bewegte sich um die Mittagsstunde ein Festzug durch die geschmückten Straßen der Stadt zum Denkmalsplatz. Um 15 Uhr wurde die Enthüllung und die Denkmalsweihe vor- genommen. Nach dem gemeinsamen Gesang des Liedes: „Ich hatt' einen Kameraden" erfolgte die Weihe durch die kirchlichen Behörden. Dann übergab der Vcrbandsvorsitzcnde des Regiments Oberleutnant Hohmann-Offenbach das Denkmal in die Obhut der Stadt Worms. Der Start zum Europa-Run-flug Links: Staatssekretär Königs gibt das Startzeichen — Rechts: Die Flugzeuge m Startaufstellung der Turm, fo wurde nun auch das eigentliche Kirchendach im Holzbau erneuert und neu mit Schiefer gedeckt. Die Heizeinrichtung wurde durch den Einbau eines neuen Kamins wesentlich verbessert. Im Innern wird elektrisches Licht gelegt. Das auf dem Turm befindliche 2,50 Meter hohe eiserne Kreuz hatte sich gelockert, und geriet beim Läuten der Glocken ins Schwanken, daß Gefahr drohte, Kreuz und Hahn könnten herab- stürzen. Das Kreuz wurde ausgrbessert und mit einem neuen Hahn aus Kupfer auf die Kirchturm- spitze gebracht. Einem alten Brauche chw k>er Zeit des Zunftwesens folgend, zeigten die Dachdecker bzw Schlosser den neuen Hahn in jedem Hause unseres Dorfes Sie erhielten bei diesem Umgänge ansehnliche Gaben an Eiern, Speck und Geld, die Grundlagen eines besonderen Festmahls Der sehr nötige Verputz des äußeren Mauerwerks, sowie die ebenso notwendige Herrichtung im Innern der Kirche müssen vorerst noch zurückgestellt werden, weil für diese Arbeiten kein Geld mehr vorhanden ist Ein der Kirche zu Hausen gehöriges Kruzif' x. das lange Zeit im Museum zu Gießen auchewahrt wurde, hat wieder in unserer Kirche Ausstellung gesunden. ar. G r ü n i n g e n, 23. Aug. Am vorletzten Sonntag hat sich der sechzehnjährige P aut 3 s h e i m, der bei einem Gießener Lehrherrn das Schreinerhandwert erlernt, von zu Hause m i t dem Fahrrad entfernt. Angeblich soll ihn eine väterliche Strafe dazu veranlaßt haben. Da er bis heute noch nicht zurückgekehrt ist, so ist man um seinen Verbleib besorgt. r. Lang-Göns, 21 Aug. Ein Waldbrand, der leicht schlimme Folgen hätte haben können, brach gestern nachmittag aus ungeklärte Weise in unserm Gemeindewald, Distrikt „Heide", aus. Durch die Aufmerksamkeit des Försters und des Feldschützen wurde ein Umsichgreifen verhindert Gegen Mitternacht mußte die Feuerwehr alarmiert werden, die bald Herr des Brandes wurde Bg. Grohen-Buseck, 22. Aug. In einer eindrucksvollen Feier wurde gestern unser neuer Ortsgeifllicher K Mutter durch Deka .i Gutz - mann in sein Amt eingeführt. Dor einer zahlreichen Gemeinde legte er in seiner Antritts- predigt dar wie er mit Demut Mut und Gott- vertrauen seine Au ga?. als S e o.ge*. undP a - rer gerecht zu lvcr^e Hof e unu bat um ba& Vertrauen der Gemeinde Mit Herz ichen War en be- grüßte Bürgermeister Gans den Geistlichen un Hamen der Gemeinde Darbietungen des Posaunenchors und zwei passende Lieder der Ober- klasse verschönten die Feier. -t Hungen, 22 Aug Die Gemeinde Hungen beabsichtigt, in vieler Woche im Wege des Freiwilligen Arbeitsdienstes mit der Herstellung von Waldwegen, verbunden mit der Beamten Sie: 3 CLUB kosten 10 Pfg. und jede dieser sehr guten Zigaretten wiegt 1,2? gr. (Gesetzlich zulässiges Höchstgewicht). Außerdem enthält jede 3 Stück Packung einen Gutschein für die neuen Bromsilber-Bilder (echte Die schönsten Frauen Welt Niles NmWs Vornan von Hertha Fricke Urheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau 2. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Wo wollen wir hin, kleines Sonntagsausgeh- Mädchen?" scherzte der Doktor, „Hasenheide, Rummelplatz?"-- „Mein Herr soll bestimmen", sagte Eva-Marie, auf seine Scherze eingehend. „Wir fahren nach Wannsee, schicken den Wagen nach Hause und wandern zu Fuß weiter!" schlug Der Doktor vor, „ist Ihnen das recht?" „Sehr!" sagte fröhlich Eva-Marie. Diel zu vasch verging den beiden die schöne Fahrt. Dann gingen sie den See entlang durch Die wundervollen alten Kiefern. „Ich glaube, wir werden bald gute Freunde, gnädiges Fräulein!" meinte Dr. Andresen mit einem gewinnenden Leuchten seiner klugen, guten Augen. Eva-Marie sah ihn herzlich an. aber sie antwortete nicht. — Es gibt ein Schweigen, das spricht mehr als tausend Worte. Er war auch so zufrieden, der kluge Doktor, und er fühlte plötzlich ein kleines Mitleid mit Schwester Elisabeth. Sonntagsausflügler begegneten ihnen in großer Zahl. Doktor Andresen machte kurze, treffende Bemerkungen über alles, was er sah. Er schien ein großer Menschenkenner zu sein. Wohl auch ein Frauenkenner, wie Aerzte das oft sind. — „Mir scheint, Sie haben eine wenig gute Meinung von uns Frauen!" sagte Eva-Marie auf eine mehr geistvolle, als wohlwollende Bemerkung des Begleiters. „Don solch lieben Sonntagsspaziergeh-Mädchen, wie ich hier eines begleiten darf, habe ich durchaus keine böse Meinung!" scherzte er. „Aber es gibt andere!" ..Was für Arten von Frauen unterscheiden Sie denn?" forschte Eva-Warie. „Eigentlich nur zwei!" „ilnö die wären?" „Frauen, die Mütter sind, und solche, die keine sind!" „Was können wir dafür, wenn das Schicksal uns versagt, Mütter werden zu dürfen!" antwortete Eva-Marie leise. Sie dachte an die gutherzigen, alten Fräuleins aus ihrer Familie, die doch alle Mangel litten, Mangel an dem Glück der Frau. „Rein, gnädiges Fräulein! Sie verstehen mich falsch, ich meine Frauen, die von Ratur aus mütterlich veranlagt sind. Ob sie es werden oder nicht, das steht auf einem anderen Blatt. Gute Frauen kommen als Mütter auf die Welt! Sie betreuen schon als ganz kleine Mädchen zerbrochene Puppen, kranke Dögel, Hunde, Katzen oder Kinder, die noch «in bißchen kleiner sind und lassen sich weder durch Geschrei noch durch Häß- lichtest davon abbringen. Oder wenn sie junge Damen sind, achten sie nicht einmal auf ihr schönes, neues Kleid, sondern heben behutsam solchen kleinen Dreckspatz auf, der in den Rinnstein gefallen ist, wie neulich ein gewisses Fräulein von Diemen, Tochter eines hohen Militär- gewaltigen aus der schönen Kaiserzeit!" „Und die anderen, Herr Doktor?" Eva-Marie war rot geworden. „Die, die keine Mütternaturen sind?" „Das sind Egoisten durch und durch, gnädiges Fräulein. — Das sind die eleganten Dämchen mit den hübschen, nichtssagenden Gesichtern. Diese kennen Pflichten überhaupt nicht und die Liebe nur von der amüsanten Seite. In diesem letzteren Punkte gleichen sie der Art von Männern, die die Frauen nicht lassen können! Solche Frauen 'lieben weder Kinder noch Blumen, nichts was Pflege beansprucht. Alles Gebundene ist ihnen verhaßt und unbequem. Das sind die Frauen, die den Männern flüchtigen Rausch, ein leeres Portemonnaie und einen verächtlichen Zorn gegen alles Weibliche beibringen! Ihre Anlagen vererben sich bedauerlicherweise sehr stark!" — Eva-Marie hörte interessiert zu. „Sind Sie ein Fvauenfeind, Herr Doktor? Sahen Sie so viel Schlimmes?" — „Schlimmes? O nein! Interessantes nur! Und je verächtlicher mir diese Weiberchen sind, die den oberflächlichen Männern meistens am besten gefallen, — desto inniger verehre ich die andere Art Frauen, die mütterlichen. Bei diesen sind wir Männer wohl aufgehoben!" — Man kam an einen hübschen kleinen Kaffee- .garten und nahm dort in einer Laube Platz. Das Sonnenlicht spielte durch die frühlingsjungen Blätter auf die rot- und weißgewürfelte Tischdecke. Ein Kännchen Kaffee wurde bestellt. Der beschäftigte „Ober" setzte das Tablett mit dem Geschirr auf den Tisch und wurde eiligst an den Rebentisch gerufen. Eva-Marie setzte mit ihren hübschen Händen die Dassen auseinander und schenkte dem Doktor Kaffee ein. Der sah ihr triumphierend zu. „Sehen Sie, Mütterchen, so tun die richtigen Frauen! Die können gar nicht anders. Sie müssen uns irgend etwas zuliebe tun. Die anderen sitzen da und lassen sich bedienen! Aber ihr, ihr Guten! Richt nur die Kinder, die euch.zum vollen Lebensglück unerläßlich sind, auch der an» gebetetste Mann verfällt eurer Mütterlichkeit! Ihr müht ihn betreuen, euch um ihn sorgen und mühen, ganz eurer Ratur nach, ihr könnt nicht anders! Es ist etwas Entzückendes, das eines gewissen Humors nicht entbehrt, wenn eine manchmal recht llelne Frau ihren riesengrohen Mann mit besorgten mütterlichen Augen ansieht und ihm Ratschläge gibt, damit ihm ja nichts passiert! — Die mütterlichen Frauen geben die glücklichen Ehen und guterzogenen Töchter, sie sind brave Hausfrauen, geduldige Krankenpflegerinnen und treue Freundinnen, und sie verdienen unsere höchste Achtung und Liebe!" „Ist Schwester Elisabeth nicht solche geduldige Krankenpflegerin?" fragte Eva-Marie gedankenvoll. Der Arzt machte ein nachdenkliches Gesicht. „Es liegt nicht am Tun, gnädiges Fräulein, es liegt am Sein! Oder am Haben! Ein Herz haben, das bedeutet bei einer Frau alles! Schwester Elisabeth tut exakt ihre Pflicht. Das tun manche, weil es der Weg ist, auf dem sie etwas erreichen! Dabei können sie eine kleine gehässige Seele haben! — Das ist durchaus vereinbar! Ich bin überzeugt, daß es der Wesensart Schwester Elisabeths viel mehr entspräche, als Leiterin eines großen Krankenhauses oder Sanatoriums zu herrschen. Herrschsucht ist niemals Mütterlichkeit!" „Aerzte sind mir zu klug!" meinte Eva-Marie. Sie sah entzückend aus mit dem feinen Lächeln um den hübschen Mund und dem Interesse in den klugen Augen. „Cs ist nur ihr Schicksal, viel zu sehen!" sagte Dr. Andresen ernst. „Aerzte sehen die Menschen unverhüllter als andere. Auch ihre Beziehungen zueinander und die Beweggründe ihres Tuns! Aber nun machen wir noch eine kleine Bootsfahrt, und dann ist unser Urlaub bald um. Ich habe Rachtdienst von acht Uhr an!" Man mietete einen Kahn und fuhr auf das leise kräuselnde Wasser des Wannsees hinaus. Eva-Marie saß am Steuer und sah auf den sympathischen Mann, dessen kräftige Bewegungen beim Rudern jene männliche Anmut zeigten, die nur harmonische und ausgeglichene Raturen haben. Die Sonne streute ihr letztes Rot auf die Stämme der dunklen Kiefern. Es war eine Stimmung, wie auf den Gemälden jenes märkischen Landschaftsmalers, der soviel Glut und schwermütige Schönheit auf seine Bilder legt. „Er ist ein Mann, den man bewundern und gern haben muß", dachte Eva-Marie und sah Dr. Andresen an. „Sie ist doch «ine von den lieben, kleinen Mütterlichen!" dachte Dr. Andresen beglückt und sah das Mädchen mit seiner gewinnenden Herzlichkeit an. Sie wurde rot, wie die Abendwolken über dem See. Ein ganz klein wenig verspätet kamen beide zurück. Eva-Marie entschuldigte sich bei Frau Renate. Aber die lächelte gütig. „Ich habe geschlafen, seit Gerti fort ist, und das hat mir recht wohl getan!" sagt« sie zufrieden. „Ich hoffe, ihr zwei habt einen schönen Rachmittag gehabt!" Schwester Elisabeth aber sah auffällig nach der Uhr, sah Eva-Marie von Diemen an und machte ein geringschätziges Gesicht. Dann ging sie hinaus, um irgend etwas für die Rächt für die Kranke vorzubereiten. „Erzählen Sie mir etwas von Ihrem Sonntag- nachmittag, Fräulein Eva-Marie!" bat die kranke Dame und legte sich so recht behaglich zurecht. Sie hatte es gern, wenn Fräulein von Diemen mit ihrer weichen, sympathischen Stimme erzählte. Das Plaudern war so behaglich, ihre Art, wie sie Menschen und Dinge ansah, war so liebenswürdig und sprach von Herzensgüte und Verstand. Frau Renate war eine von den Frauen, die eine feine Seele haben und hellhörig sind. Wenn nicht gerade die Stumpfheit des Krankseins Gefühle gefangenhielt, die oft momentan über sie kam durch den Schmerz ihres Leidens, und noch ein anderes Leid, das Eva-Marie mehr erriet als wußte. Renate liebte ihren Gatten nicht, — seine Gegenwart bedrückte sie, und mit ihm allein zu fein, war ihr eine Qual. Rur wenn Gerti da war, beherrschte sie dies Gefühl der Abwehr gegen ihn, und sie suchte durch gleichförmige Freundlichkeit dem Kinde zuliebe eine fast heitere Stimmung aufkommen zu lassen. Eva-Marie erzählte von der Fahrt im Auto, die ihr so viel Genuß bereitet hatte, von dem Kaffeegarten unter den Kiefern und von der Kahnfahrt. Und auch «in wenig von Dr. Andresens klugem Geplauder. „Es scheint mir, liebe Eva-Marie, mein Schwager gefällt Ihnen ein wenig! Das freut mich!", sagte Frau Renate. Eva-Warie wurde ganz verlegen. „Ia!" gab sie ehrlich zu. „Männer, die arbeiten, Männer, die klug sind und doch gut und warm dabei, die habe ich gern!" Die kranke Frau sah sinnend in sich hinein. Ihre blassen Hände spielten mit der seidenen Decke. Es fiel Eva-Marie auf, daß sie gar keine Ringe trug, auch keinen Trauring. Rur um ihr mageres Handgelenk schlang sich eine feine, goldene Kette. „Heinrich ist «in guter, kluger Mensch! Sie haben Recht, wenn Sie ihn schätzen, und es freut mich. Er ist seinem Bruder ganz unähnlich!" sagte Frau Renate leise. Eva-Marie von Diemen erschrak. Lieber den Rachsatz! — Es lag in diesen Worten doch, daß Renate ihren eigenen Gatten weder gut noch klug glaubte. (Fortsetzung folgt.) BeWoertWm 9Im 25. August 1932, 20 Uhr, wird Herr Oberbürgermeister Maß im Singsaal des Realgymnasiums einen öffentlichen Vortrag halten über UWm«i!IeWW wozu unsere Mitglieder und alle Tierfreunde herzlich emgeladen werden. Eintritt frei! 5984 d Der Vorstand. Berta Möller staatl. geprüfte Musiklehrerin, erteilt nach moderner, erprobter Methode Klavierunterricht Theorie u. Gehörbildung. Honorar zeitgemäß. Näh. Ludwigstrabe 70 I. 04789, Im Rahmen des Arbeitsbeschaffungs- Programms der C. BECHSTEIN A.-G., Berlin können wir in der Zeit vom 18.8. bis 31.12.32 sehr weitgehende Nachlässe auf fabrikneue Sechstem - Instrumente gewähren! Bitte fordern Sie noch heute einen Bechstein - Aufbau - Gutschein an Pianohaus R. 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