Ur. M Erstes Blaff 182. Jahrgang Samstag, 25. Zuli 1952 (Er|d)eint tägltd), außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Siebener Familienblatter Heimat im Bild - Die Scholle monats-Bejugsprets: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , - 25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. 8ernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Eiehen. postscheckfonfo: granffurt am Main 11686. GieheimAiizeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnitk und Verlag: vrühl'fche Univer^lltts-Vuch und Steinöruderei K. Lange ht Stehen. Schriftiettung und Geschäftsstelle: rchnl'trahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswätts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20u , mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Will). Gange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich, in (Sieben. Zu neuen Usern. Reichskanzler von P a p e n hat das Eingreifen des Reichs in Preußen, die Enthebung des preußischen Staatsministeriums von seinen Aemtern und die Einsetzung eines Reichskommissars in seiner Rundfunkansprache mit der Notwendigkeit entschiedenen Vorgehens gegen die k o mm unistische Wühlarbeit begründet, das eine Zusammenfassung der staatlichen Machtmittel unter straffer, einheitlicher Führung bedinge. Der Reichskanzler hat dabei dem nunmehr seines Amtes entsetzten Preußenkabinett den Vorwurf gemacht, daß es sein Dasein unter den im neugewählten Preußischen Landtag gegebenen parlamentarischen Verhältnissen lediglich der Kommunistischen Partei verdanke. Da diese jedoch offen eine staatsfeindliche Tendenz verfolge, sei es mit der Autorität des Staates unvereinbar, wenn die Regierung des größten Landes im Grunde von einer Partei abhänge, die den gewaltsamen Umsturz auf ihre Fahne geschrieben habe. Damit hat sich der Reichskanzler bewußt frei gemacht von der rein demokratischen Auffassung einer Regierungsautorität, die sich auf eine parlamentarische Mehrheit stützt, gleichgültig, wie diese beschaffen ist, und er hat scharfe Grenzen gezogen zwischen staatstreuen Parteien, die ihre politischen Ziele auf legalem Wege im Rahmen der Verfassung zu verwirklichen erstreben, und solchen revolutionären Parteien, die mit gewaltsamen Mitteln und terroristischen Methode auf den Umsturz hinarbeiten. Die Sozialdemokratie, gegen deren Vertreter in dem seines Amtes enthobenen preußischen Kabinett und in der preußischen Verwaltung der Reichskanzler den schweren Vorwurf richtete, ihre innere Unabhängigkeit von den kommunistischen Feinden des Staates nicht hinreichend gewahrt zu haben und dadurch mitschuldig geworden zu sein an der ungenügenden Bekämpfung der zu offenem Bürgerkrieg hintreibenden innerpolitischen Auseinandersetzungen in Preußen, dieselbe Sozialdemokratie hat einst unter der Führung Eberts und Rostes sich zu dem staatspolitischen Grundsatz be- kannt, daß neben der Autorität des Staates keine Partei geduldet werden dürfe, die sich staatliche Funktionen auinaßt oder durch blutigen Terror und zersetzende Wühlarbeit versucht, die Macht an sich zu reißen. Damals wurde von den sozialdemokratischen Inhabern der Staatsgewalt zur Unter- brürtung der kommunistischen Revolution das Standrecht und über Berlin der Belagerungs- zustand verhängt. Heute wirft der Reichskanzler sozialdemokratischen Funktionären, die hohe Beamten- stellen in der preußischen Verwaltung bekleideten, vor. Querverbindungen zur Kommunistischen Partei zu unterhalten und sie in ihrem Widerstand gegen die Staatsgewalt geradezu ermuntert zu haben. Es ist kein Zweifel, daß die betonte Zurückhaltung und dann offene Feindseligkeit, mit der das bislang geschäftsführende preußische Kabinett und vor allem der bisherige preußische Innenminister Severing der nach dem Sturz Brünings berufenen Reichsregierung begegneten, erst die Atmosphäre schuf, in der der kommunistische Terror die letzten Hemmungen fallen ließ und zu offenem Kampf gegen Polizei und politisch Andersdenkende schritt. Es mußte in allen staatsbürgerlich denkenden Kreisen als ein Hohn auf die Staatsautorität empfunden werden, wenn Leute wie S e v e r i n g und Grzesinski, die als Innenminister und Polizeipräsident auf Verlangen der Retchsregterung das vom Reichsgericht bestätigte Verbot des ^vorwärts" aussprechen mußten, beim Wiedererscher- nen des Blattes diesem herzliche Degrüßungs- artikel widmeten. Richts kann besser als dieses gänzliche Fallenlassen jeglicher Rücksichtnahme auf den Gedanken der Staatsautorität die untragbaren Verhältnisse beleuchten, die sich aus dieser Zwiespältigkeit zwischen der für die Gesamtpolittk verantwortlichen Reichsregierung und der die float» lichen Machtmittel der Polizei und der Verwaltung in drei Fünfteln des Reiches in Händen haltenden preußischen Regierung entwickeln muhten, wenn der Reichspräsident sich nicht entschloß diesem Zustand mit energischem Zupacken ein Ende zu machen. Das ist mit der Amtsenthebung des Seschäftsführenden preußischen Kabinetts und der Ernennung des Reichskanzlers zum Reichskommissar geschehen, nachdem die Verhandlungen des Reichskanzlers mit den beiden, den Schlüssel zur Lösung der parlamentarischen Schwierigkeiten in Händcm haltenden Fraktionen des preußischen Landtags keine Aussicht auf eine baldige Bildung einer ordnungsmäßigen parlamentarischen Regierung eröffnet hatten. Die Aufrufe der Gewerkschaften, der sozialdemokratischen Partei und des Reichsbanners zur Besonnenheit und Fortführung des ihnen gewiß nicht verwehrten politischen Kampfes gegen die amtierende Reichsregierung mit dem verfassungsmäßig allein erlaubten Mittel des Stimmzettels sind vielleicht der beste Beweis dafür, daß die Reichsregierung mit ihrem schlagartigen energischen Zupacken auf dem rechten Wege war, wenn sie den bei der kritischen Zuspitzung der innerpolitischen Lage doppelt untragbar gewordenen Mißstand des Gegeneinanderregierens zwischen Preußen und dem Reich ausräumen wollte. And es ist nur zu begrüßen, daß sie nicht nach dem ersten Schritt stehen blieb, sondern auch gleich daranging, die Ministerien und die Verwaltung von den sog. politischen Beamten zu säubern, die ohne die für ihre Posten vorgeschriebene Vorbildung lediglich aus Grund ihrer Zugehörigkeit zur herrschenden Partei leitende Stellen in der inneren Verwaltung Preußens erhalten hatten. Der ständige Stellvertreter des Reichskommissars. Dr. Bracht, hat in seiner gestrigen Rundfunkansprache sich zu dem Grundsatz bekannt, die betreffenden Beamten, die entfernt werden muhten, weil sie vielfach in entscheidenden Fällen es an Objektivität hatten fehlen lassen und ihre Partei- Der Lleberwachungsausschuß fordert in Abwesenheit der Rechten Anfhebnng der Notverordnungen. zugehörigkeit nicht von ihrem Staatsamt zu trennen wußten, durch solche Beamte zu ersetzen, die durch ihre Laufbahn und ihre Persönlichkeit die feste Gewähr dafür bieten, daß in allen Kreisen der Bevölkerung wieder das Vertrauen in die überparteiliche Staatsautorität Einkehr hält. Das ist ein gesunder Grundsatz, den man billigen muh. Wir möchten nur hoffen, daß mit seiner Anwendung gleichzeitig auch eine Flurbereinigung verbunden wird insofern, als bei dieser Gelegenheit nun endlich mit der schon seit Jahren überfälligen und immer wieder verschleppten Derwal- tungsreform ein praktischer Anfang gemacht wird. Es scheint dies in der Absicht Brachts zu liegen, da an Orten, die Sitz eines Oberpräsidenten und eines Regierungspräsidenten waren, einer । biefer Posten künftig nicht wieder besetzt werden soll. Vielleicht kann von hier aus auch weiter nach unten die Dehördenorganisation vereinfacht und verbilligt werden. Gerade die Gießen zunächst, liegenden preußischen Gebietsteile bieten ein krasses Beispiel für die im Interesse der Bevölkerung dringende Rotwendigkeit einer durchgreifenden Derwaltungsreform. Würde hier ein Anfang ge- macht so konnte aus dem aus den politischen Verwicklungen des Augenblicks geborenen Rotstand öcr wie auch Bracht wiederum betonte, nur als Heber gang gedachten kommissarischen Verwaltung eine für die Dauer wohltätige Reform sich entwickeln. r , _ , „ Die Rechtsfrage nach der Derfassungs- mähigkeit der durch den Reichspräsidenten und den Reichskanzler als Reichskommissar getroffenen Maßnahmen hat heute der Staatsgerichtshof in Leipzig zu entscheiden, der durch die ihres Amtes enthobene preußische Regierung, aber auch durch die Länder Bayern und Baden angerufen worden ist. Rach der bisherigen Epruchpraxis ! des Staatsg«ichtshofs ist es mehr als unwahrscheinlich, dah er die von dem verflossenen Ka- 1 binett Braun beantragte einstweilige Verfügung erlassen wird. Auch ist es kaum anzunehmen, daß sein ja erst später zu erwartendes endgültiges Urteil im Sinne der klagenden süd- deutschen Länder liegen wird. Diese Klagen aus München und Karlsruhe machen leider ganz den Eindruck, als ob die Parteipolitik bei ihnen Pate gestanden hätte. Die ausdrücklichen Erklärungen des Reichskanzlers v. Popen — sein Bevollmächtigter Dr. Bracht hat sie gestern im Rundfunk wiederholt und unterstrichen — besagen, daß das Reich gar nicht daran denkt, die Selbständigkeit des Freistaates Preußen irgendwie anzutasten oder zu schmälern. Das hätte den süddeutschen Ländern genügen müssen. Wenn sie trotzdem vorgeben. aus Sorge um den Bestand der söderalisti- schen Verfassung beim Staatsgerichtshof gegen das Reich eine Feststellungsklage erheben zu müssen, so muß das bei Unbefangenen den Eindruck erwecken, als ob man dem Reich absichtlich Schwierigkeiten machen möchte, weil den regierenden Herren in München und Karlsruhe die politische Rase des gegentoärtigert Reichskabinetts nicht behagt. IPir halten diese Politik für ebenso töricht wie kurzsichtig, denn gerade den süddeutschen Ländern könnte unseres Erachtens nichts besseres geschehen, als wenn sich aus dem Rotstand der kommissarischen Verwaltung Preußens der Keim zu der In früheren Iahren fast totgeschriebenen Reichsreform entwickelte, die mit dem Dualismus zwischen Reich und Preußen eirrs der schwierigsten und wie gerade der eben aktuelle Konflikt gezeigt hat — gefährlichsten Hindernisse für einen gesunden Staatsaufbau und ein reibungsloses Funktionieren der einzelnen Glieder und Organe des Reichskörpers beseitigte. In Weiterführung der gestern an dieser Stelle schon bargelegten Gedanken über eine teilweise Reichskanzler von papen sagt sein Erscheinen für Montag zu. Berlin, 22. Juli. (Vdz.) Die Sitzung des Ueberwachungsausschusses des Reichstags wurde am Freitagnachmittag vom Abgeordneten Heil mann (Soz.) eröffnet. Zu der Sitzung waren außer den Nationalsozialisten auch Vertreter der Deutschnationalen, des Landvolks und der DVP. nicht erschienen. Zum stellvertretenden Vorsitzenden des Ausschusses wurde der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. H ö g n e r - München gewählt, der die weitere Leitung des Ausschusses übernahm. Die Frage der rechtmäßigen Einberufung des Ausschusses wurde von dem oolkskon- servatioen Abgeordneten v. Lindeiner-Wildau aufgeworfen, der die Fraktion des Christlich- Sozialen Volksdienstes im Ausschuß vertrat. Reichstagspräsident Lobe erwiderte, daß der Ausschuß auf Ersuchen der Mehrheit der Mitglieder einberufen worden sei, da es feststand, daß der Vorsitzende aus politischen Gründen die Arbeiten des Ausschusses sabotiere. Die Abgeordneten Weg mann (Z.) und Dr. Breitscheid (Soz.) stimmten der Auffassung des Präsidenten zu. Abgeordneter v. Lindeiner-Wildau erklärte demgegenüber, daß er nicht einsehe, welchen Sinn die Tagung des Ueberwachungsausschusses neun Tage vor der Wahl haben sollte, da der Ausschuß Beschlüsse mit Gesetz es Wirkung nicht fassen könne. In der Abstimmung erklärten sich sämtliche Anwesende für die Rechtmäßigkeit der Einberufung mit Ausnahme des Abg. von Lindeiner-Wildau, der sich der Stimme enthielt. Der Ausschuß trat dann in die sachliche Beratung ein und nahm zunächst mit allen Stimmen gegen die des Abg. v. Lindeiner-Wildau einen Antrag des Abg. Dr. Pfleger (Bayr. Vp.) an, durch den d e r Vorsitzende des Ausschusses Abg. Straßer (Rats.) abberufen wird. Zur Beratung des dem Ausschuß vorliegenden zahlreichen Antraasmaterials wurde von der Ausschußmehrheit die Anwesenheit des Reichskanzlers und des Reichsinnenmini ft ers verlangt. Ein Antrag auf Herbeizitierung der beiden Vertreter der Reichsregierung wurde gegen die Stimme des Abg. v. Lindeiner-Wildau angenommen. Die Sitzung wurde für kurze Zeit unterbrach c n, um der Regierung von dem Beschluß Kenntnis zu geben. Sozialdemokraten und Zentrum haben inzwischen übereinstimmende Anträge eingebracht, wonach der Ausschuß von der Reichsregierung die Außerkraftsetzung der Notverordnung über die Einsetzung des R e i ch s k o m m i s s a r s in Preußen und über die Verhängung des Ausnahmezustandes für Berlin und Brandenburg verlangt. Sozialdemokraten und Zentrum fordern darüber hinaus die Aufhebung der beiden Notverordnungen gegen politisch e A u s f ch r e i t u n g e n und die Sozialdemokraten auch die Aufhebung der Notverordnung über dieArbeitlosenhilfeundRechtspflege. Ein Antrag der Bayrischen Volkspartei verlangt tue Aufhebung der zweiten politischen Notverordnung, die das Uniformverbot aufgehoben hat. Ferner liegt dem Ausschuß ein Zentrumsantrag vor, der die Reichsregierung ersucht, angesichts der zunehmenden Verrohung und Verwilderung des politischen Kampfes die Wahlfreiheit unbedingt zu sichern. Um das zu erreichen, wird die Reichsregierung aufgefordert, ein allgemeines Verbot der Parteiuniformen zu erlassen. Bei Wiedereröffnung der Sitzung verlas der Reichstagspräsident Löbe einen Brief des StaatssekretärsDr. Planck. Darin wird mitgeteilt, die Reichsregierung sei bereit, sich an den Beratungen des Ausschusses zu beteiligen, soweit der Gegenstand der Beratungen sich im Rahmen der verfassungsmäßigen Zuständigkeit des Ausschusses halte. Der Staatssekretär bittet um Zuleitung der Ausschußanträge und um rechtzeitige Einladung der Reichsminister zu der nächsten Sitzung des Ausschusses. In Abwesenheit des Abg. von Lindeiner- Wildau wurde ein Antrag des Vorsitzenden Dr. Högner angenommen, wonach der Ausschuß es ablehnt, dah die Reichsregicrung ihr Erscheinen von Bedingungen abhängig macht. Vom Zentrum wurde noch erklärt, der Antrag auf Aufhebung von Rotverordnungen stelle nur eine Aufforderung an die Reichs reg ierung dar. Die Sozialdemokraten hielten jedoch an ihrer Auffassung fest, daß die Regierung sich mit der Verfassung in Widerspruch sehe, wenn sie dem Verlangen des Ausschusses, eine Rotverordnung aufzuheben, nicht nachkomme. Der Beschluß des Ausschusses und der Termin der nächsten Sitzung, Montagnachmittag, wurden dem Reichskanzler mitgeteilt, der telephonisch für die neue Sitzung sein Erscheinen zusagen ließ. Gegenüber den durchgreifenden und schnellen Entscheidungen der Reichsregierung wirkt der Versuch Hitlers Wahlfeldzug für die NSDAP. Ter nationalsozialistische Führer spricht in Schlesien. Adolf Hitler hat in nationalsozialistischen Kundgebungen in Liegnitz, Waldenburg und Gleiwih gesprochen. Er erklärte u. a., Zentrum, Sozialdemokraten und Kommunisten hätten das deutsche Volk moralisch zugrunde gerichtet und in den Augen der Welt degradiert. Durch den Rationalsozialismus werde das deutsche Volk so erzogen werden, daß es in den großen lebenswichtigen Fragen eines Willens sei. Dieses politische Ziel habe die nationalsozialistische Bewegung sich gesetzt und dabei bleibe sie. Deshalb könne man nicht verlangen, daß sich die Nationalsozialisten nun in die Koalition drängten. 13 Iahre lang haben die Führer der alten Regierungsparteien Milliarden um Milliarden für Tributzahlungen bewilligt, jetzt nennen sie sich plötzlich Fürsprecher der deutschen Freiheit, jetzt sagen sie sogar, sie seien gegen die Belastung von 3 Milliarden, die das Lausanner Abkommen vorsieht. Wir Rationalsozialisten sind Gegner des Lausanner Abkommens. Der Grund des deutschen Zerfalls liegt tief inderganzenPar- teiwirtschaft. Wie wollen die alten Par- kläglich, ein parlamentarisches Zwischenspiel in der (Einberufung des lieber- wachungsausschusses des Reichstags einzuschalten. Aus dem Artikel 35 der Reichsoerfaffung, der diesen Ausschuß zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung gegenüber der Reichsregierung auch nach der Auflösung des Reichstags bis zum Zusammen- tritt des neuen Reichstags ermächtigt, leitet eine Mehrheit auch das Recht zur Aufhebung von Notverordnungen ab. Es ist nicht anzunehmen, daß sich die Reichsregierung um derartige Beschlüsse des Ueberwachungsausschusses kümmern wird. Ganz abgesehen von der zweifelhaften Rechtslage könnte sie sich auch noch darauf berufen, daß der Ausschuß nicht ordnungsmäßig einberufen wurde. Mit diesem Hinweis haben auch die Nationalsozialisten die Teilnahme an den Beratungen a b g e l e h n t. Sie sagen, daß nur der Vorsitzende das Recht habe, diesen Ausschuß ein- zuberufen. Dieser Vorsitzende, der Abgeordnete Straßer, hat die Abberufung jedoch abgelehnt. Daraufhin wurde bekanntlich das älteste Ausschuß- Mitglied von dem Präsidenten Löbe gebeten, den Ausschuß einzuberufen. Während auf der einen Seite Männer mit fester Entschlossenheit eine durchgreifende Handlung an die andere setzen, schickt sich ein Torso von Ausschuß, dessen Rechte und dessen Legitimation dazu noch bestritten sind, dazu an, papierene Proteste zu verfassen. Selbstverständlich, daß das Bild seines Wirkens von einem Hintergrund von vielleicht weltgeschichtlicher Bedeutung völlig erdrückt werden muß. teien jetzt etwas besser machen können, da doch ihre eigene Existenz die Voraussehustg für das war, was gekommen ist? Am 1. August, da die Rationalsozialisten viele Millionen zählen werden, wird man sagen, die Partei ist jetzt tot. Aber mit unserer Entschlossenheit und unserer Zähigkeit werden wir das Ziel erreichen. Das Wirtschastsprogramm der NSDAP. In Hamburg erklärte der Wirtschaftstheore- tiker der NSDAP., Gottfried Feder, Steucruber- lajtung, Verschuldung und Irrwege des Außenhandels bezeichneten den heurigen Zustand. Maßvolle Autarkie sei eines der Hauptmittel. Autarkie bedeute nicht Isolierung. Im Dritten Reich werde nichts eingeführt werden, was im Lande wachse oder produziert werde. Das schließe nicht aus, daß eine Lebensmitteleinfuhr in gewissen Grenzen und naturgemäß die unerläßliche Rohstoffeinfuhr erhalten blieben. Man dürfe behaupten, daß drei Millionen Arbeitslose das Ergebnis einer irre- gehenden Außenhandelspolitik feien und diese drei Millionen durch eine maßvole Autarkie wieder in Lohn und Brot gesetzt werden könnten. Die Erkenntnis, daß die Welt am Ende des technischen Zeitalters stehe, das eine Einmaligkeit gewesen fei, führe die NSDAP, zu ihrer Hauptforderung, nach Reagrarisierung und intenfioer Siedlungspolitik. Der Wahlkampf gehl weiter. R ü ck w ä r t s r e v i d ie r u n g der Weimarer Verfassung zur Bismarckschen Reichsverfassung wäre die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen, daß nach den Reichstagswahlen, die vermutlich ein ähnliches Bild ergeben werden, wie die Preußen-Wahlen vom 24. April 1932, der preußische Landtag, um sich nicht auf lange Zeit von der Mitwirkung ausschalten zu lassen, den jehigenReichskvm» m i s s a r für Preußen, den Reichskanzler v. Pa- pen, zum preußischen Ministerpräsidenten wählt und damit der jetzt durch Rot- Verordnung des Reichspräsidenten als Hebergang geschaffenen Perfonalunion zwischen dem Amt des Reichskanzlers und dem des preußischen Ministerpräsidenten gleichsam die parlamentarische Weihe geben würde. Der Reichskanzler wird es sich auf der nach Stuttgart einberufenen Länderkon- ferenz sicher angelegen sein lassen, die verfassungsrechtlichen Bedenken der süddeutschen Regierungen zu zerstreuen und ihnen hauptsächlich jeden Grund zu ihrer gewiß unberechtigten Angst zu nehmen, als ob die Einsetzung des Reichskanzlers als Reichstommissar in Preußen der erste Schritt zu einer weiteren Hnitarificrung des Reiches etwa im Sinne der Erzbergerschen Steuerreform fein solle. Die Befürchtung, daß in Preußen ein Präzedenzfall geschaffen würde, dessen Folgen gegebenenfalls auch einmal die süddeutschen Länder spüren könnten, muß in Stuttgart restlos aufgeräumt werden. Erst dann könnte aus der als Hebergang gedachten Rotmahnahme in der oben angebeuteten Weise ohne erhebliche politische oder verfassungsrechtliche Schwierigkeiten ein Dauerzustand werden als erster, aber auch größter und schwerwiegendster Schritt zu einer den föderalistischen Charakter des Reichs wahrendem aber die Schäden eines Gegeneinanderregierens und eines überkomplizierten, unübersichtlichen und unklaren Instanzenaufbaus vermeidenden Reichsreform, Erlaß der Hauszins st euer gegen Reparaturnachweis werde sofort eine ungeahnte Ankurbelung bedeuten. Hierzu komme die A r - beitsdien st pflicht. Die Finanzierungsfrage regele die produktive Kreditschöpfung. Hugenberg über das WirtschastS- programm der Deutschnationalen Dr. Hugenberg sprach in Stuttgart über das Thema „Privatwirtschaft statt Sozialisierung". Die Befassung des Staates mit der Leitung und dem Betrieb der Wirtschaft hat Staat und Wirtschaft korrumpiert. Zwecks Wiedergenesung muh derStaatvondiesen Gift gewordenen Wassern befreit werden. Einen Reichs- und Staatsbetrieb darf es in den nächsten Jahrzehnten in Deutschland nicht geben. Die wirkliche Rechte wolle keinen spekulativen Staat und keine auf Spekulation aufgebaute Wirtschaft. Sie wolle nicht, daß die Herrschaft über die Wirtschaft oder gar über den Stand in den Händen eines unfaßbaren, unverantwortlichen anorrhmen Großkapitals liege. Die Rechte müsse auch bei den größeren Werken zunächst diejenigen Betriebsformen begünstigen, durch die der einzelne verantwortlicheMepsch, die einzelne sich verantwortlich fühlende Familie eine dauernde Kontrolle des Unternehmens in Händen hat. Dr. Hugenberg schloß, es sei kein Anlaß, sich vor dem Reuen zu fürchten, nur vor dem Chaos, das aus Massenwahn und Unklarheit entstehe, könne nicht eindringlich genug gewarnt werden. Hugenberg gab dann 19 Thesen über das Wirtschaftsprogramm der Deutschnationalen Bolkspartei bekannt. Hervorzuheben sind Punkt 18 und 19, die folgenden Wortlaut haben: 18. Richt nur die Tribute und Kriegsschulden müssen verschwinden, sondern auch die aus den Tributen entstan- denen unerfüllbaren privaten Verpflichtungen, besonders die privaten 20 Milliarden Schulden Deutschlands. Hierüber muh mit dem Ausland folgender Akkord abgeschlossen werden: 1. Aufrechterhaltung des Nennbetrags des Kapitals! 2. Herabsetzung der Zinsen auf 2 Prozent; 3. Unkündbarkeit des Kapitals und 4. Iahrestilgung von etwa 3 Prozent. — 19. Ein solcher Akkord ist nur durchführbar, wenn er analog auch auf die fest gefrorenen inländischen Kredite angewandt wird. Weitere Wahlreden. In einer Wahlkundgebung der D D P. in H a r- bürg erklärte der Parteiführer Dingeldeh u. a., die Ereignisse der letzten Tage, die aus Fehlern der Vergangenheit entstanden seien, wären zu vermeiden gewesen. Der Reichspräsident habe schon seit Monaten von Brüning eine Aenderung der Politik verlangt. Brüning habe dies zwar in Aussicht gestellt, aber immer wieder zurückgeschoben, bis schließlich der großzügige Plan der Kommunisten, das Gefüge des Staates aus den Angeln zu heben, nicht aber die Einführung der Uniform die politischen Toten im ganzen Reich gefordert habe. In einer Wahlversammlung der Zentrumspartei in Hannover betonte Reichskanzler a. D. Dr. Wirth, den schwärzesten Tag in der politischen Geschichte der letzten 100 Jahre habe das deutsche Volk jetzt erlebt, als man die alte preußische Regierung auseinandergejagt und die Gefahr heraufbeschworen habe, daß die große Masse der radikalen Arbeiter dem Ueberradi- kalismus in die Arme getrieben würden. In einer Wahlkundgebung der Deutschen Staatspartei in Hannover bezeichnete Minister a. D. Dr. H ö p k e r - A s ch o f f die Konferenz von Lausanne als eine bittere Enttäuschung für das deutsche Volk. Papen sei dort mit seiner von ihm zugestandenen Abschluhzahlung von drei Milliarden von der Linie der Drüningschen Politik abgewichen. Der Reichskanzler in Stuttgart. Beginn der Ländcrkonferenz. Stuttgart, 23.Juli. (WTB. Funkspruch.) Die württembergische Landeshauptstadt steht heute im Mittelpunkt des Besuchs des Reichskanzlers. Am Bahnhof hatten sich zckm Empfang u. a. der württembergische Staatspräsident Dr. Bolz und Reichsinnenminister Freiherr von Gayl, der gestern abend schon von Frankfurt a. M. hier eingetroffen war, eingefunden. Als der Reichskanzler, in dessen Begleitung sich Reichsarbeitsminister Dr. Schaeffer, der württembergische Gesandte in Berlin, Staatsrat Dr. Basier und Baron von Lersner befanden, dem Wagen entstiegen, ertönten aus nächster Nähe, wo sich Publikum angesammelt hatte, stürmische Hoch- und Heilrufe, die sich, als der Reichskanzler in Begleitung des Staatspräsidenten den Bahnhof verlieh, mehrfach wiederholten. Die Ministerpräsidenten der Länder, die zum Teil schon gestern hier eingetroffen sind, begaben sich unmittelbar in das Staatsmini- st e r i u m. Bayern und der Artikel 48. München, 22. Juli. (ERD.) Der Vorsitzende der Bayerischen Volkspartei, Staatsrat Schäffer, beschäftigt sich in der Bayerischen - Volks- partei-Corresponkxmz mit den Rotmahnahmen des Reichs in Preußen und erklärt u. a., man dürfe die bayerische Protestaktion keineswegs so auffassen, als ob Bayern für das bisherige parteipolitische System in Preußen Hilfe st ellung lei st en wolle. Das Vorgehen Bayerns liege durchaus im Sinne der bisherigen bayerischen Bemühungen, die Anwendbarkeit des Artikels 48 in der Frage der Reichsreform festzustellen, der die Bayerische Volkspartei als bayerische und zugleich großdeutsche förderalistifche Partei gegenüberstehe. Schon mit der überspannten Anwendung des Artikels 48 unter der Regierung Brüning sei Bayern nicht einverstanden gewesen. Bayern, so wird in dem Artikel immer wieder betont, handele also keineswegs aus parteipolitischer Befangenheit gegenüber der neuen Reichsregierung. Cs klammere sich nicht an die Verfassung von Weimar, deren Zeit zu Ende gehe, sondern wolle nur ein Deutschland, in dem Bayern leben könne. Oer Deutsche Postverband zu der Gewerkschastöerklärung. 'Berlin, 22.Juli. (CUD.) Der Deutsche Post- verband bat sich in einer Sondervorstandssitzung mit der Unterzeichnung der bekannten Erklärung der Gewerkschaften durch den Deutschen Raubmord in Berlin. Die 53 Jahre alte Wirtschafterin Margarete Vierhuth wurde in der Wohnung ihrer Arbeitgeberin Frau Auguste Ziem in der Schönhauser Allee in Berlin tot aufgefunden. Die Leiche lag auf dem Fußboden und wies mehrere Verletzungen auf. Allem Anschein nach liegt ein Kapitalverbrechen vor, das bereits vor acht Tagen begangen worden sein dürfte. Frau Ziem ist seit längerer Zeit verreist. Auf einen Raubmord läßt die Durchwühlung sämtlicher Behältnisse in der Wohnung schließen. Beamtenbund befaßt. In der Unterzeichnung der Erklärung durch den Deutschen Beamtenbund wird vom Deutschen Postverband eine unzulässige parteipolitische Stellungnahme zu den letzten staatspolitischen Dorgän- gen erblickt, dieaufdas schärf st emißbil- l i g t wird und von der der Deutsche Postverband entschieden abrückt. Annahme der Entschließung auf der Abrüstungskonferenz. in vielen Ortschaften großen Schaden anrichtete. Bei Kaliß schlug ein Blitz in eine Abteilung vom Uebungsplahe heimkehrender Soldaten ein. Ein Infanterist wurde auf der Stelle getötet, zwei andere trugen schwere Verletzungen davon. Außerdem sind noch in anderen Ortschaften durch Blitzschläge vier Personen tödlich getroffen worden. Sech» Todesopfer bei einem Unwetter in Südserbien. Wie die „Prawda" aus Tetovo in Südserbien berichtete, forderte dort ein Unwetter sechs Todes- o p f e r. Aus der Proviuzialhaupistadt. Genf. 23.Juli. (WTB. Funkspruch.) Der erste Tagungsabschnitl der Abrüstungskonferenz wurde heule vormittag vom Hauptausschuh m i t d e r Annahme der bekannten Lntschlie- zung abgeschlossen. Gegen die Resolution st i m m t e n zwei Staaten, nämlich Deutsch- landundSowjetruhland. Ls enthielten i ch der Stimme acht Staaten. Für die Resolution wurden 41 Stimmen abgegeben. Zahlreiche Delegationen, die für die Resolution stimmten, erklärten, daß sie sie nur unter Vorbehalt onnehmen. ^eichsfinanzminister v. Schrieben f. Der frühere Reichsfinanzminister v. Schlieben ist nach einer Operation gestorben. Schlieben wurde 1875 in Schlesien als Sohn eines Rittergutsbesitzers geboren. Er studierte Rechtswissenschaften und trat in den preußischen Verwaltungsdienst ein, wo er zuletzt Landrat in Heilsberg (Ostpr.) war. 1916 kam er als Vortragender Rat In die Reichskanzlei, wo er unter den Reichskanzlern Graf von Hertling, Prinz Max von Baden und unter den Dolksbeauf- tragten als einziger Vortragender Rat der Reichskanzlei bis zum 1. Januar 1919 verblieb. Von dort kam er zum Reichsschahamt. 1920 erfolgte seine Ernennung zum Ministerialdirektor und ßeiter der Ctatsabteilung und 1925 zum Reichsf inanz- minister im Kabinett Luther. In seine Ministerzeit fällt die Durchführung der grundlegenden Steuerreform, die eine erstmalige ordnungsgemäße Veranlagung wieder einführte, sowie die Verabschiedung der Zollvorlage ufw. Am 25. Oktober 1925 schied er mit den übrigen Deutschnationalen infolge des Locarnovertrages aus der Regierung aus. Don 1926—1929 war er in Magdeburg Präsident des Landesfinanzamtes, feit Januar 1930 Vorsitzender des Direktoriums des Vereins der Deutschen Zuckerindustrie. Aus aller Welt. Wolfgang von Gronaus dritter Amerikaflug. Der bekannte deutsche Flieger Wolfgang von Gronau ist am Freitagvormittag 11 Uhr — nach langem Warten auf günstigeres Wetter — mit seinem „Grönlandwal" zum Fernflug nach Nordamerika ge st artet. Neben seinem Bordmonteur Franz Hack und seinem Bordfunker Albrecht, die ihn beide schon bei seinen Transatlantikflügen 1930 und 1931 begleitet haben, befindet sich noch als zweiter Flugzeugführer Gert von Roth an Bord. Gronau hat die Nordsee überquert, ,befand sich um 14.30 Uhr etwa 25 Meilen östlich von John O'Groat's Head, dem nördlichsten Ort Großbritanniens, und hat um 15.30 Uhr die Shetland-Inseln passiert. Wetterlage und Windrichtung sind sehr g ü n st i g. Gronau gibt stündlich mit seinem Kurzwellensender eine Standortmeldung und teilt mit, daß die Windrichtung Nord-Nordost (Rückenwind) Aussichten ergebe, die 2000 Kilometer lange Strecke von List bis Island in etwa 10 Stunden zurückzulegen. Um 16.30 Uhr MEZ. funkte v. Gronau an den Dampfer „Cap Norte"' für Elli Beinhorn folgenden Funkspruch: „Der eine kommt, der andere geht. Du hast es geschafft, alles Gute, Gronau und Besatzung Grönlandwal." Nach einer Meldung aus Reykjavik (Island) ist Gronau am Freitag kurz vor 19 Uhr glatt in Seydisfjord gelandet. Auch in diesem Jahre Verfassungsfeiern. Die am 11. August übliche Bersassungsfeier der Reichsregierung wird, wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, auch in diesem Jahre stattfinden. Aus Ersparnisgründen bleibt es jedoch in diesem Jahre bei der üblichen Mittags- feier im Reichstage, während die große Abendveranstaltung fortfällt. Bekanntlich ist a u ch i m v o r i ge n I a h r e aus Ersparnismöglichkeiten die große Feier im Stadion ausgefallen. Schweres Verkehrsunglück in München. — 4 Tote. Ein schweres Verkehrsunglück ereignete sich im Westen von München. An einer abschüssigen Stelle riß von einem mit Kies beladenen Lastkraftwagen einer Münchener Baufirma der Anhänger ab und fuhr nach rückwärts die abfallende Straße hinab. Ein Mann, der auf einem Fahrad ein Kind mit sich führte, wurde erfaßt und ebenso wie das Kind .auf der Stelle getötet. Dann geriet das Gefährt auf den Bürgersteig und überrannte mehrere Passanten. Eine Frau und ein Mann erlitten tödliche Verletzungen. Ein weiterer Passant wurde schwer verletzt. Autounfall bei Rüdesheim. Bei Rüdesheim ereignete sich auf der Straße nach dem Niederwald an der Kurve Kreuzberg— Engerweg ein schwerer Autounfall. Die Führerin eines Personenwagens aus Lampertheim verlor an der abschüssigen Stelle die Herrschaft über den Wagen. Bei dem plötzlichen Herumwerfen des Wagens überschlug sich dieser, stürzte in den zwei Meter tiefen Straßengraben und begrub die Führerin und weitere vier Insassen unter sich. Die Ehefrau Katharina I e k e l aus Lampertheim erlitt einen komplizierten Obssr - und Unterarm- bruch und schwere innere Verletzungen. Die Führerin des Wagens und die drei anderen Insassen erlitten mehr oder weniger schwere Schnittwunden und Quetschungen. Alle fünf Verunglückte wurden in das Rüdesheimer Krankenhaus gebracht. Schweres Autounglück. — Lin Toter und fünf Schwerverletzte. Am Stadtausgang von Sinzig (Rheinprovinz) stieß in einer als gefährlich bekannten Kurve eine mit sechs Personen und einem Kind besetzte Kraft- droschke aus Godesberg mit einem Essener Lieferwagen zusammen. Eine Insassin war sofort t o t. Fünf weitere Insassen wurden schwer verletzt. Kurz nach dem Unglück fuhr ein schwerer Personenwagen auf den Trümmerhaufen auf. Zwei Insassen dieses Wagens wurden durch Glassplitter verletzt. Blitzschlag in einen Trupp Soldaten. Der nordwestliche Teil Kongreßpolens wurde von einem heftigen Gewitter hÄrngesucht. das Gießen, den 23. Juli 1932. Strom des Lebens. Don Reinhold Braun. ... Soweit in diesem Reich des Lebens die Wasser wandern, hat noch nie ein Quell, noch nie ein Strom den Weg zurückgenommen, So glaube: auch der Strom des Lebens nicht. Vorwärts zum Licht! Das ist der Sinn der Quellen. Vorwärts zum Lickt! Das ist der Ströme Sinn, die deine Seele, deinen Leib durchrinnen ... Otto Ernst. Sie gehören nun schon lange zum Bestände der Wanderer, die immer an meinem Hause bergauf und weiterhin zum Walde schreiten: die Tochter und die Mutter. Jene, stattlich und nicht mehr ganz jung, und diese, alt, wehvoll gekrümmt, auch wenn sie aufrecht ginge, viel kleiner als die Tochter und ihr immer förmlich am Arme hängend und von ihr sanft nach vorn gezogen. Die Krummheit der Mutter wechselt seltsam! Bald ist sie arg wie ein Haken, bald scheinen Kopf und Rucken wie von einer geheimnisvollen Macht gehoben; besonders bei der Rückkehr von den Hängen ist dies der Fall. Eines Tages nun sah ich die beiden an einer einsamen Waldstelle mit ausgebreiteten Armen stehen, anscheinend Atemübungen machend. Ein sonderbares Bild war es, das sich mir in der schönen Herrgottsfrühe bot; besonders die Bewegungen der alten, gefrümm- ten Frau wirkten beinahe komisch. Dann schritten die beiden weiter in die Sonne yinein, heiter plaudernd, wie ich es an ihnen immer gewahrte, wenn ich sie traf. In ihnen erkenne ich zwei Menschen, die in wundervoller Eintracht und mit einer staunenswerten Zähigkeit sich immer wieder bewußt in den herrlichen Strom des Ledens stellen, um von ihm durchflutet neue Kraft zu gewinnen. Es braucht nicht immer der Wald oder die Weite da draußen zu fein: ein offenes Morgenfenster und ein paar helle, liebe Gedanken dazu tun's auch. Oder auch das Fenster am Abend mit dem Blick in die Sterne. Wenn wir überhaupt erst dahinkommen, den heiligen, ewig wunderbaren Strom als ein göttliches Geschenk dankbar au empfinden! Wenn wir mit Herder wirklich ganz aus beglückter Brust sprechen töfmen: „Leben ist Ledens Lohn, Gefühl sein ewiger sKampfpreis. Fließe, wogiger Strom! nirgend ein stehen- sder Sumpf." Leid und Seele müssen ganz zusammen klingen, beider Atem rein und tief sein. Wir lassen zu wenig den mystischen Strom durch uns durchfluten, ob er sich nun dartut im Sonnen- ödem eines jungen Tages, ober in der Beschwingtheit eines Gedankens, eines Gedichtes, eines Ge- janges, eines tiefen Gespräches. Wir sind in uns zuviel Stauung und Hemmnis, schleppen zuviel Ad- gestandenheit mit uns umher. Empfinden wir es nickt zuweilen,- daß unser Inneres einem trägen, sumpfhaft dunklen Wasser gleicht? Und die andern fühlen es, daß keine gute Seelenluft von uns ausgeht, feine reine Strahlung! Das Schlimmste, das ein Mensch gegen sich und seine Nächsten tun kann, ist, daß er sich gegen den Strom des Lebens abkapselt, daß er sich leidlich und seelisch willenlos der Verdumpfung hingidt. Nein, wir müssen Stunden Haden, da wir alle Trägheit wie ein Gift aus uns tjeraustun, da wir bewußt und voller Andacht voll dem Strom des Lebens uns hingeben, wie er sich in den offenen Her- zen und den wahrhaft Daseins- und Gott-Willigen auch heute noch offenbart immer mit dem Ziele: Vorwärts zum Licht! Bewegung ins Licht allein ist Heil. Trägheit ist beginnender Tod. Wir verbrauchen uns alle zu schnell, weil wir nicht mehr genügend ins Unverbrauchte und in seiner Lebens- und Gotteskraft Nie-zu-verbrauchende vorstoßen, bewußt in diesem Elemente einmal fröhlich schwimmen. Wir haben uns selbst in eine tragische Ferne von den großen Dingen verbannt. Das Nicht-mehr-recht- ergriffen.werden ist ein Hauptgrund des Leidens am Leben. Das Grenzenlose, Ewige muß wieder einschwingen in unsere arme Grenzenhaftigkeit. Oder ... Gießener Wochenmarktpreise. • Gießen, 23. Juli. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 130 Pf., Landbutter 130, Kochbutter 100, Matte 25 bis 30, Wirsing 8 bis 10, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 12 bis 15, Spinat 15, Römischkohl 8, Bohnen (grüne) 15 bis 20, (gelbe) 20, Erbsen 15, Tomaten 20 bis 30, Zwiebeln 12, Kartoffeln (neue) 4,5 (Pro Zentner 3,50 bis 4 Mk.) Pilze 25, Aepfel (ausl.) 55, Dirnen 35 bis 40, Dörrobst 30 bis 35, Kirschen 35 bis 45, Heidelbeeren 28 bis 30, Stachelbeeren 15 bis 20, Johannisbeeren 15 bis 18, Pfirsiche 40 bis 60, Himbeeren 25 bis 30, Honig 40 bis 45, junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80 Pfennig pro Pfund; Tauben 50 bis 60, Eier 8, Blumenkohl 30 bis 60, Salat 5 bis 10, Salatgurken 20 bis 30, Einmachgurken 2 bis 5, Oberkohlrabi 8 bis 10, Rettich 10 bis 12, Käse 5 bis 10 Pf. pro Stück; Radieschen 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10 Pfennig pro Bund. Bornotizen. — TageskalenderfürSamst a g: Verein Rudersport und Akademische Ruderabteilung, 20.30 Uhr, Bootshaus, Monats-Versammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Rasputin". — Tageskalender für Sonntag: Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Bezirk Oberhessen, 10.30 Ahr, „Liebigshöhe", Protest-Kundgebung. — Gesellschaft Liebig-Museum, 11.15 Uhr, Liebig-Museum, öffentlicher Vortrag von Geh. Med.-Rat Sommer über „Die Entwicklung des Liebig-Museums von 1924 bis 1932". — Spielvereinigung 1900, Sportplatz Nationale Wettkämpfe; Vorkämpfe ab 10.14 Uhr, Entscheidungen ab 15 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Rasputin". — Die Eiserne Front in Gießen ver- anstaltet am heutigen Samstag, 20 Uhr, in der Liebigshöhe eine öffentliche Wahl'undgebung, in der Reicystagsabgeordneter Fritz Tarnow (Berlin) über das Thema „Die Reichspolitik im Zeichen des Rechtskurses" sprechen wird. — Wählerversammlung derDeutsch- nationalenBolkspartei. Die Ortsgruppe Gießen der DNVP. beruft in unserem heutigen Anzeigenteil auf nächsten Mittwochabend eins Wählerversammlung in das Cafe Leib ein. Redner: Studienrat Kauer -Wetzlar und Landwirt Dr. Lahr -Ober-Hilbersheim. (Siehe Anzeige.) Daten für Sonntag, 24. Julr. 1783: Simon Bolivar, der Befreier Südameri- ka-s, in Caracas geboren. 1864: der Dichter Frank Wedekind in Hannover geboren. 1908: der Maler Walter Leistikow in Berlin gestorben. 1920: der Schriftsteller Ludwig Ganghofer in Tegernsee gestorben. • * Prüfungskommission f ü r Nah - rungsmittelchemiker. Degierungsrat Grein beim Kreisamt Gießen wurde vom Mi- nister für Kultus und Dildungswesen zum Mitglied der Prüfungskommission für Nahrungsmittelchemiker ernannt. "PersonalienderRfA. Versetzt wurden die Revisoren bei der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte Verwaltungsoberinspektor Busse von Gießen nach Nürnberg und Verwaltungsinspektor Höhle von Berlin nach Gießen. • • Gendarmeriepersonalie. Ernannt wurde der Gendarmeriehauptwachtmeister auf Probe Heinrich Beier zu Homberg an der Ohm unter Berufung in das Beamtenverhältnis, mit Wirkung' vom l.Iuli 1932. **GewerkschaftlicheUnt erst ützungen ür Hilfsbedürftige bleiben unberuck- i ch t i g t. Vom Deutschnationalen Handlungsgehil- en-Veroand wirb uns mitgeteilt: Die Regierungen von Preußen, Sachsen, Anhalt, Hessen, Mecklen- burg-Strelitz, Oldenburg, Hamburg und Lübeck haben erklärt, daß sie den Standpunkt des Reichsarbeitsministers teilen, nach welchem die gewerkschaftlichen Unterstützungen bei der Prüfung der Hilfsbedürftigkeit und der Bemessung der Leistungen außer Ansatz bleiben sollen. Von den anderen Regierungen stehen die Antworten auf die Eingabe des Deutschen Gewerkschaftsbundes (christlich-nationale Richtung) noch aus. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Bureaukralismus in der Stabtpoff. Seit dem Umzug der Stadtpost in das Gebäude des früheren Cafe Ernst Ludwig fordern Aufschriften an den Schaltern für Ein- und Auszahlungen die Kundschaft dazu auf, die Freimarken auf die Zahlkarten selbst aufzukleben. Ich stelle zunächst fest, daß diese Vorschrift in der alten Stadtpost nicht bestand und auch in der Hauptpost bis heute nicht vorhanden ist. Liegt so ohne weiteres der Verdacht nahe, daß diese Vorschrift nicht einem wirklichen Bedürfnis ihren Ursprung verdankt, sondern der Meinung, daß zu einer neuen Post auch neue Vorschriften gehören, selbst auf die Gefahr hin, daß die durch die Neueinrichtung gewonnenen Bequemlichkeiten auf diese Weise wieder quitt gemacht werden, so verlangt andererseits die Gerechtigkeit, daß man die Vorschrift vorurteilslos auf ihre Berechtigung hin untersucht. Offenbar verfolgt sie den Zweck, die Arbeit der Postbeamten zu erleichtern. Den besten Beweis dafür, daß das Gegenteil der Fall ist, bietet die Tatsache, daß die einsichtigeren Beamten die Vorschrift selbst ignorieren. Da aber andere um so fester auf ihrem papierenen Recht bestehen und sich persönlichen Einwendungen gegen ihr zeitraubendes Verfahren verschlossen zeigten, halte ich es für nötig, ihnen unter Hinzuziehung der Oefsentlichkeit folgendes zur Erwägung zu geben: Durch Befolgung ihrer Vorschrift machen sich öu Beamten das Vergnügen, jeden Kunden statt einmal zweimal zu bedienen, indem sie ihm zuerst die Freimarken verkaufen und dann die Zahlung entgegennehmen. Denn — und darin zeigt sich erst das Groteske der Vorschrift — die Freimarken werden nach wie vor an demselben Schalter verkauft! Wer von diesem Recht Gebrauch macht, wird jetzt freilich damit bestraft, daß er zur eigentlichen Einzahlung erst als Uebernächster zugelassen wird. Die eigentliche Pointe dieses Verfahrens offenbarte sich mir freilich erst heute, wo ich «für zwei Zahlungen und das dazugehörige Porto einen Hundertmarkschein mitgebracht hatte und mir, während ich gehorsamst die Marken aufklebte, 99,60 Mark zurückgezahlt wurden, die ich dann meinerseits wieder gnädigst zurückreichen durfte. Ich konnte während dieser Zeremonie die Frage nicht loswerden, was man wohl zu einem Kaufmann sagen würde, bei dem man ein Hemd und ein Paar Kragenknöpfchen erstanden hat, und der einem zunächst auf die Kragenknöpfchen herausgeben wollte, um dann erst die Bezahlung des Hemdes zu verlangen. Man weiß nicht, wen man mehr bedauern soll: das Publikum, das seine Zeit verliert, weil es in unserem „fortgeschrittenen Jahrhundert" den Geschäftsverkehr erschweren würde, wenn man einem Postbeamten zumuten wollte, zu dem Betrag einer Einzahlung noch 15 oder 20 Pf. Porto zu- zuzählen, oder den Geist, der solche Anordnungen treffen und durchführen läßt und den man seit alters Dureaukrattsmus heißt. E. Sch. 20 Merkregeln für die Pilzzeit. Die Deutsche Gesellschaft für Pilzkunde gibt folgende beherzigenswerte Winke fürdiePilzzeit. D. Red. 1. Wer glaubt, allein nach diesen Merkregeln rasch ein guter Pilzkenner werden zu können, lasse seine Hände besser weg von den Pilsen. 2. Allgemeine Merkregeln über die Eßbarkeit oder Giftigkeit der Pilze (Märchen von der Zwiebel und dem silbernen Löffel, Verfärbung, unangenehmer Geruch oder Geschmack usw.) gibt es nicht. 3. Iß nur solche Pilze, die du ganz genau und alS unschädlich kennst! 4. Der Anfänger sammele zuerst nur die bekanntesten Arten, wie Pfifferlinge und Steinpilze, die bei genauem Zusehen gar nicht verwechselt werden können. Erst nach und nach mache dich mit anderen häufigen und unschädlichen Pilzarten genau vertraut. Was du nicht kennst, lasse ruhig im Walde stehen. Aur Rohlinge treten alle Pilze um oder schlagen sie kurz und klein. Beim Sammeln von Steinpilzen hüte dich vor Verwechslung mit dem bitteren Gallenröhrling. Dessen Röhren werden im Alter rosa, beim Steinpilz dagegen grünlich. Cs gibt noch einige andere ungenießbare Röhrlinge mit bitterem Geschmack. Deren Fleisch verfärbt sich beim Anschnitt bläulich, während es beim Steinpilz weißlich bleibt. 5. In Zweifelsfällen wende dich an einen wirklich guten Pilzkenner, an die nächste Dienstberatungsstelle oder an die Deutsche Gesellschaft für Pilzkunde in Darmstadt (Hessische Landesstelle für Pilz- und Hausschwammberatung). 6. Der Pilzreichtum und die Artenzahl unserer Wälder sind viel größer, als meist angenommen wird. Rur leichtsinnige Prahlhänse kennen „alle Pilze". Vergiftungen sind »dann unausbleiblich. Der Steinpilz (Röhrenpilze mit Röhrchen aus der Hutunterseite) hat ungesäyr 50 ähnlich aussehende Verwandte; Dlätterpilze (Verwandte des Champignons und des grünen Knollenblätterpilzes; sie tragen Blätter auf der Unterseite des HuteS) gibt es bei uns ungefähr 1500 verschiedene Arten, deren Genuhwert und sonstige Merkmale größtenteils überhaupt noch nicht wissenschaftlich erforscht sind. 7. Sammele stets nur frische Pilze. Durchwässerte, zu alte, angefaulte und stark zerfressene Schwämme lasse im Walde zurück. 8. Rimm die Schwämme vorsichtig aus dem Boden heraus, damit Du das Pilzgeflecht (die eigentliche Pilzpflanze!) und junge Fruchtkörperanlagen nicht herausreißt und dadurch zerstörst. Entferne sofort im Wald anhaftendes Laub und Erde, damit die Puharbeit zu Hause einfacher wird. Bedenke aber, daß geputzte und zerschnittene Pilze selbst für den besten Kenner sehr schwer kenntlich werden. Deshalb nur tatsächlich eßbare und einwandfreie Schwämme in den Sammelbehälter! 9. Benutze als Sammelbehälter einen Korb oder einen offenen Kasten im Rucksack, damit die Pilze nicht zermatscht werden und sich nicht erhitzen. 10. Die gesammelten Pilze werden am besten sofort bei der Heimkunft geputzt und zubereitet. Andernfalls lagere man sie an einem kühlen und luftigen Orte bis zum nächsten Tag, wobei sie nicht in großer Masse aufeinanderliegen dürfen. Pilze enthalten etwa 90 Prozent Wasser und find leicht verderblich. 11. Die Fruchtschicht auf der Hutunterseite (Blätter, Röhrchen usw.) schneide man nicht weg, wenn dieselbe keine Moden enthält. Sie ist reich an wertvollen Rährstoffen. 12. Das Brühwasser schütte man nicht weg, weil es die am leichtert 'i löslichen Rährstoffe enthält. Pilze, die nur nach «bem Fortgießen des Brühwassers genießbar wvCDen (z. B. die gefährliche Frühjahrs-Lorchel u. aj, sind nicht empfehlenswert. 13. Pilze sind schwer verdaulich. Sie müssen deshalb bei der Zubereitung stark zerkleinert werden (am besten durch die Fleischmaschine). Außerdem müssen Pilzspeisen gut zerkaut werden. Abends sind größere Pilzmahlzeiten nicht zu empfehlen. Richtbeachtung dieser Vorschriften kann Verdauungsbeschwerden verursachen, die mit Vergiftungen nichts zu tun haben. 14. Die meisten Pilzvergiftungen werden durch den grünen Knollenblätterpilz hervorgerufen, der leichtsinnigerweise als Champignon, als Grünling oder als grüner Täubling eingetragen wird. Eine Gabelspitze von ihm kann den Tod herbeiführen. In manchen Iahren hat er in Deutschland bis zu hundert Todesfälle verursacht. Genaue Auskunft über diesen Giftpilz bekommst du durch das kostenlos erhältliche Knollenblätterpilz-Merkblatt der Deutschen Gesellschaft für Pilzkunde, Darmstadt, und durch die reichsbehördlich empfohlene Wandtafel dieses gefährlichsten Giftpilzes, die in einer großen Anzahl von Bahnhöfen als Warnungsmittel ausgehängt ist. 15. Zum Schutz vor dem gefährlichen Knollenblätterpilz sorge man dafür, daß der charakteristische Knollen, der oft tief im Boden steckt, beim Auf- nehmen nicht in der Erde zurückbleibt und übersehen wird. 16. lieber alle vorkommenden Pilzvergiftungen berichte man bitte sofort an die medizinische Fachkommission der Deutschen Gesellschaft für Pilzkunde (Dr. med. Welsmann, Pelkum bei Hamm in Westfalen), da alle diese Fälle dort mit Unterstützung durch das Reichsgesundheitsamt gesammelt und wissenschaftlich verarbeitet werden. Bei jeder Vergiftung fordere man sofort bei der Deutschen Gesellschaft für Pilzkunde in Darmstadt einen Fragebogen an, damit die ausführlichen Einzelheiten jeweils sorgfältig fcstgestellt werden können. 17. Bei den geringsten Anzeichen einer Piloergif- tung sorge man für sofortige und gründliche Ent- leerung von Magen und Darm durch Brech- und Abführmittel, wie für rascheste ärztliche Hilfe. 18. Das beste Bekämpfungsmittel der furchtbaren Pilzvergiftungen ist auf jeden Fall die weitgehendste Auskläruna in der Schule (praktischer Natur- kunde-Unterricht) und in der Öffentlichkeit durch die Presse, den Rundfunk, Aushang von Merkblättern und Bildern auf den Pilzmärkten, in den Rathäusern, in den Wartezimmern der Aerzte, in Apotheken, Kochschulen usw. 19. Vor dem Ankauf von Pilzbüchern erbitte man kostenlose Beratung durch die Deutsche Gesellschaft für Pilzkunde in Darmstadt. 20. Rege in Deiner Heimat die amtliche Pilz- markt-Kontrolle, die Einrichtung von Beratungsstellen, von belehrenden Exkursionen, Pilzausstel- langen usw. an. Oderheffen. Einweihung des Waldschwimmbades in Grimberg. * Grünberg, 22.Juli. Ein großer lag steht unserer Stadt bevor. Das trotz Wirtschaftsnot und Geldknappheit als Notstandsarbeit errichtete große Waldschwimmbad der Stadt ist fertiggestellt und soll am Sonntag, 24. Juli, um 15 Uhr, feierlich eingeweiht werden. Am Rande des Stadt- waldes, in einem flachen Wiesental unweit der Straße Grünberg—Alsfeld, präsentiert sich das Bad in seiner architektonischen und landschaftlichen Schönheit als eines der schönsten Bäder hessischer Landstädte, Bürgermeister Dr. M i l d n e r ist bei der Finanzierung äußerst vorsichtig zu Werke gegangen und hat, vom Gemeinderat verständnisvoll unterstützt, trotzdem eine Anlage erstehen lassen, die an Großzüaigkeit und Bequemlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Als Ergebnis dieses Vorgehens kann festgestellt werden, daß durch außerordentlich starken Besuch seit der Eröffnung des Bades am 11. Juni der zur Verzinsung, Abschreibung und Betriebsführung alljährlich aufzuwendende Betrag jetzt schon um einige hundert Mark Übertritten ist. Die Befürchtungen eines Teils der Bürgerschaft, daß aus dem Bade ein Zuschußbetrieb werden würde, cheinen sich nicht bewahrheiten zu sollen. Viel mag )azu beitragen, daß neben den zahlreichen erwach- enen Badegästen die Schüler, besonders diejenigen unserer Oberrealschule, deren höhere Klassen von auswärtigen Pensionären stark besucht sind, saft ausnahmslos begeistert baden und schwimmen. Die Bedeutung des Grünberger Schwimmbades für die Ertüchtigung der Jugend unserer Gegend ist vom Kultusministerium in Anbetracht der Opfer, die die Stadt für das Schulwesen bringt, durch einen Kostenzuschuß gewürdigt worden, den der Festredner bei der Einweihung, Oberschulrat H a s s i n g e r (Darmstadt), am Sonntag überreichen wird. 45 Schwimmerinnen und Schwimmer des Turnvereins von 1 8 4 6 Gießen wirken bet der Feier mit. Protest der ASOAP. an den Grünberger Gemeinderai. * Grünberg, 22. Juli. Don der Ortsgruppe Grünberg der NSDAP, wird uns mitgeteilt: Da die hiesige Gemeindeverwaltung in ihrer heutigen Sitzung beabsichtigt, die Bürger-, Grund - und Gebäude st euer erneut roefent- lich zu erhöhen, hat die Ortsgruppe Grün- berg der NSDAP, folgenden öffentlichen Protest an sämtliche Gemeinderäte, den Bürgermeister und die Presse gesandt: „Wie aus der Tagesordnung für die Gemeinderatsfitzung am Freitag, 22. d. M. heroorgeht, ist beabsichtigt, die Bürger-, Grund- und Gebäudesteuer erneut wesentlich zu erhöhen. Dem Vernehmen nach soll diese neue Belastung lediglich jum Ausgleich der durch die Mißwirtschaft der nach dem heutigen noch herrschenden System arbeitenden Gemeindeverwaltung entstandenen Fehlbeträge dienen. Die in der NSDAP, geeinigten Wählermassen erheben schärfsten Protest gegen jede weitere Belastung der breiten Volks- schichten der Arbeiter, Bürger und Bauern und warnen die Gemeindeverwaltung, den beabsichtigten Weg zu beschreiten. An die Gemeindevertreter richten wir den dringenden Appell sich ihrer Verantwortung und Pflicht den Wählern gegenüber bewußt zu sein. NSDAP. Ortsgruppe Grünberg. J.A.: W. Rockel." Landkreis Gießen. Reiskirchen, 22. Juli. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde heute die ä lteste E inwohnerin unseres Ortes, Frau Marie Hahn, geb. Schomber, im 86. Lebensjahre zu Grabe getragen. Noch im März konnte die Greisin mit ihrem Ehemann, dem einzigen hier noch lebenden Veteran des Krieges 1870/71, der ebenfalls im Alter von 85 Jahren steht, die diamantene Hochzeit feiern. D Lich, 22. Juli. Die am vorigen Sonntag aus Anlaß des hiesigen Jugendfestes von Mädchen durchgefuhrte Sammlung zum Besten des deutschen Jugendherbergswerkes ergab den Betrag von 23,89 Mark. KrciS Schotten. • Ruppertsburg, 22.3uR. Linser Ge- meinberat beschloß mit großer Mehrheit die Ernennung Adolf Hitlers zum Ehrenbürger unseres Ortes. • Köddingen, 22 Iuli. Durch einstimmigen Beschluß unseres Gemeinderats wurde der nationalsozialistische Führer Adolf Hitler zum Ehrenbürger von Köddingen ernannt. Wettervoraussage. Die Störungstätigkeit hat sich jetzt auch in unserem Bezirk mehr ausgewirkt und stellenweise stärkere, mit Gewittererscheinung begleitete Niederschläge hervor- gerufen. Die Aussichten auf eine Besserung sind zur Zeit gering, denn über Island ist ein neues lief erschienen, und im Westen besteht trotz des hohen Drucks im Wechselspiel der Luftmassen Die Möglichkeit zu Störungsbildungen. Aussichten für Sonntag/ Zunächst kühl, dann etwas wärmer, wechselnd bewölkt mit kurzer Aufheiterung, noch schauerartige und teils gewitterhafte Riederschläge. Aussichten für Montag: Langsame Erwärmung, vorübergehend etwas mehr aufheiternd mit nachfolgender Wetterverschlechterung wahfche'nlich * Lufttemperaturen am 22. Juli: mittags 19,5 Grad Celsius, abends 13 Grad; am 23. Juli: morgens 12,8 Grad. Maximum 19,5 Grad. Minimum 10 Grad. — Erdtemperaturcn in 10 cm Tiefe am 22. Juli: abends 19 Grad; am 23. Juli: morgens 15,4 Grad Celsius. — Niederschläge 14,5 mm. — Sonnenscheindauer drei Viertelstunden. Daten für Montag, 25. Juli. 1655: Der Dichter Friedrich v. ßogau in Liegnitz gest. — 1867: Der Dichter Max Dauthendey in Würzburg geb. — 1914: Abbruch der Beziehungen Oesterreich-Ungarns zu Serbien. Rircblirbc Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 24. Juli. 9. Sonntag nach Trinitatis. Siadlklrche. 8 Uhr: Pfr. Mahr; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Matthäus» gemeinde; 9.30: Pfr. Becker; Beichte und hl. Abendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde. — 3o- hanneskirche. 8: Pfr. Ausfeld; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Johannesgernctnbe; 9.30: Pfr. Bechtolsheimer; Beichte und hl. Abendmahl für Lukas- und Johannesgerneinde; 20: Bibelbesprechung im Johannessaal; Psr. Ausfeld. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr. Mahr. — Elisabeth-Kleinkinderschule. 9.45: Psarrassistent Knell. — Klein-Linden. 9: Gottesdienst und Christenlehre der männlichen Jugend; 10.15: Kindergottesdienst. — Heuchelheim. 10: Gottesdienst; 11.15: Katechisinus- lehre für die weibliche Jugend. — Wieseck. 9.30. — Alten-Vuseck. 10: Gottesdienst. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 11: Christenlehre für die konfirmierte weibliche Jugend; 13.30: Lollar. katholische Gemeinden. Samstag, den 23. Juli. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, den 24. Juli. 10. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Frauen; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 14: Andacht. 2onntaoOb!cnU b.'llmte it.'Jluof beten am 24 7.32 Dr. W. Klein. Dr. Nemnann-Tvenael. Hirsch» Avotbeke Sabnaru: Dr. Metz. ->967 o Universität Köln. Das Wintersemester 1932/33 beginnt am 15. Oktober. Vorlesungsbeginn: Mittwoch, den 2. November. Das Vorlesungsverzeichnis kann vom Universitäts-Sekretariat bezogen werden. (5471V Sil fvinein! foeTtläsc/w Man ütäuin! STWnb________- " ' 1—— --------- 5)r. 117. f(An>an Radio Seltersweg Nr 64 (Etagen-Geschäft) Hören Sie sich in meinen Vorführungsräumen die neuesten Marken-Geräte unverbindlich an 04403 (Radio Netzgeräte schon von Mk. 50.— an Haarwuchsmittel von Hofapoth. Schaefer ohne teure Verpackung. Echt. Brennesselheer- weiter 7< Ltr. 0.75. Echt. Birkenhaar- wasser Blalengold 1 < Ltr. 1.- gegen Schuppen, Haarausfall, Kopljucken. b ein parfümiert! 382s v Flaschen mitbringen! Allein-Verkauf: Apoth.z.go Id.Engel. Mahnung Bekanntmachung. Der vorn Rat durchberatene Voranschlag unserer Gemeinde für bas Rechnungsjahr 1932 liegt vom Dienstag, dem 26. Juli 1932, ab eine Woche auf dem Amtszimmer der Bürgermeisterei zu jedermanns Einsicht offen. Einwendungen können wahrend dieser Zeit schriftlich oder mündlich zu Pro- tokoll vorgebracht werden. o467D Die Erhebung einer Umlage ist De- schlossen worden. Steinheim, den 22. Juli 1932. Hessische Bürgermeisterei Steinheim. Schmidt.__ Bekanntmachung Der Voranschlag der Gemeinde Daubriu- gen für bas Rj. 1932 liegt vom 23. Juli 1932 acht Tage zur Einsicht der Interessen- ten bei der unterzeichneten Burgermeistere offen. Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch die Ausmärker herangezogen werden Saubringen, den 21. Juli 1932. Hessische Bürgermeisterei. Preis. und Jnoalidenversicherung für den Monat Juni 1932 können noch bis zum 31. Juli 1932 ohne Kosten bezahlt werden. Nach Ablauf dieser Frist erfolgt Kostenberechnung evtl. Beitreibung. 5463D Die Einzahlung kann täglich außer Samstags bei unserer Kasse oder auf unser Äedtonto Nr. 10833 Amt Frankfurt ain erfolgen. Allgem. Ortskrankenkasse Giehen-Stadt. Buttenverkaus. - , Sie Gemeinde Wieseck beabsichtigt auf Sie Beiträge zur Kranken-, Arbeitslosen-16em £ßegc der Submission einen Dogels- nh fXnnalibpnnprfidieruna für den Monat berget Bullen pro Zentner Lebendgewicht zu verkaufen. Offerten sind bis zum Mittwoch, dem 27. Juli 1932, vormittags 11 Uhr, auf hiesiger Bürgermeisterei, wo auch die Bedingungen offenliegen, einzureichen. Wieseck, den 23. Juli 1932. 5454D Hessische Bürgermeisterei Wieseck. Schomber. __fintier, Rechner._________ Mahnung. Die für den Monat Juni 1932 rückständigen Kranken- und Arbeitslosenver- sicherungsbeiträge können noch bis zum 30. Juli 1932 ohne Kosten bezahlt werden. Nach diesem Termin erfolgt Kostenberechnung und Zwangsbeitreibung. 54430 Gießen, den 21. Juli 1932. Allgem. Ortskrankenkasse Giehen-Land. Bekanntmachung. Ser Voranschlag der Gemeinde Großen- Duseck für das Rechnungsjahr 1932 liegt vom Samstag, dem 23. Juli, bis einschließlich Freitag, dem 29. Juli 1932, auf der Bürgermeisterei zur Einsicht offen. Mäh- rend dieser Zeit können von den Beteiligten Einwendungen erhoben werden. Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. Troßen-Buseck, den 22. Juli 1932. Hessische Bürgermeisterei. Gans. KünstlicheAugen fertigt naturgetreu am 1. 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Seit jenem Tag ging Oesterreich, trog eines von allen jeweils regierenden Parteien mit beispielloser Zähigkeit geführten Daseins- kampfes, den zwangsläufigen, unentrinnbaren Weg des Verfalls. Kein Wunder: von vornherein fehlten ja diesem Staat die notwendigen politischen und wirtschaftlichen Existenzgrundlagen. Der „Friede" von St. Germain traf Oesterreich härter noch als Deutschland das Diktat von Versailles: drängten sich doch hier die an sich gleichen Bedingungen auf den kleinen Raum eines Volkes von sechseinhalb Millionen zusammen! — Das heutige Oesterreich bildete einst den Stern der Donaumonarchie. Wien, eine Stadt von annähernd zwei Millionen Einwohnern, beherbergte den riesigen Verwaltungsapparat, der notwendig war, um 72 Millionen deutsch, ungarisch, tschechisch, slowakisch, polnisch, ruthenisch, fer= bis, rumänisch, kroatisch, slowenisch und italienisch sprechende Staatsbürger in verhältnismäßiger Eintracht zusammenzuhalten. Die Millionenstadt blieb, es blieb auch der große Verwaltungsapparat mit seinen vorwiegend deutsä)en Beamten. Aber das Hinterland fiel ab und bildet seither den mitteleuropäischen Balkan. Erst nachdem die nichtdeutschen Völker Oesterreichs entweder sich an bereits bestehende Rational- staaten angeschlossen hatten oder neue, eigene Staaten gebildet hatten, besannen sich die Deutschen darauf, aus den verbliebenen Trümmern der alten Monarchie ein eigenes Haus zu zimmern. Die Ereignisse im Oktober 1918 überstürzten sich: am 4. Oktober nahm der Leistungsausschuß des Verbandes der deutschnationalen Parteien eine sozialdemokratische Resolution an, die das Selbstbestimmungsrecht der slavischen und romanischen Nationen anerkennt und die Bereitschaft der Deutschösterreicher bekundet, mit den Tschechen und Südslawen über die Umwandlung Oester- reichs in eine Föderation freier na« tionaler Gemeinwesen zu verhandeln. „Lehnen die Vertreter der slawischen Nationen diese Verhandlungen ab", jo heißt es in dieser Resolution, „so erklären wir, daß sich das deutsche Volk in Oesterreich mit allen Mitteln dagegen wehren wird, daß seine staatsrechtliche Stellung ... durch die Staatsgewalt oder durch das Schwert eines fremden Eroberers bestimmt wird. Jedem solchen Versuch gegenüber wird das deutsche Volk in Oesterreich fein unbeschränktes Selbstbesti mm u n g s r e cht mit allen Mitteln verteidigen." Am 16. Oktober erließ Kaiser Karl ein Manifest, das den Völkern die föderalistische Umbildung versprach, — es k a m zu spät. Die Völker hörten nicht mehr darauf. Am 21. Oktober fand eine Bolloersammlung der deutschen Abgeordneten statt, die sich als provisorische Nationalversammlung konstituierte und in ihrer zweiten Sitzung am 30.Oktober den ersten Staatsrat, bestehend aus drei Präsidenten (Seitz, Dr. Dmg- hoser und Hauser) wählte. 2lm 11. November bestätigte eine Kundgebung des Kaisers diese Tatsache: „Im voraus erkenne ich die Entscheidung an, die Deutschösterreich über seine künftige Staatsform trifft. Das Volk hat durch seine Vertreter die Regierung übernommen. Ich verzichte auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften." Damit war, ohne daß eine ausdrückliche Abdankung des Kaisers erfolgt märe, der deutsch- österreichische Staat geschaffen. Aber damit war Oesterreichs Leidensweg noch lange nicht beendet. In dem Gesetz vom 12. November 1918 erklärte sich Deutschösterreich, da alle Verhandlungen mit den Nachfolgestaaten aussichtslos waren, als einen Bestandteil der Deutschen Republik. In Artikel 3 des Gesetzes vom 21. Oktober ober heißt es: „In Durchführung des Staats- Schicksal, aus einer Sand gelesen. Don Luigi pirandello. Es war in dem Spital, in dem ich zuletzt gewesen bin. Stellt euch vor, daß dieses Spital, von dem icy rede für seine Pfleglinge die ganz besonders zarte Aufmerksamkeit vorgesehen hatte, zu verhindern, datz der eine das Gesicht des anderen sehen konnte, und zwar mittels einer spanischen Wand oder besser gesagt: mittels eines Rahmens, auf den mit Kugeln ein Musselinoorhang gespannt war, der ,ede Woche ausgewechselt, gewaschen und gebügelt wurde, und so immer sauber und weiß war. Jedes Bett auf dem langen, Hellen luftigen Gang hatte an seiner rechten Seite einen solchen Rahmen, der bis zur Höhe des Kopfkissens reichte, so konnte ich von dem Kranken, der links von mir lag, nichts anderes sehen, als seine Hand, wenn er den Arm auf die Bettdecke legte. Ich betrachtete dann mit iieoe- voller Neugier diese Hand, und von ihr ließ ich mir nach und nach die Geschichte erzählen, die ihr jetzt hört. Die Hand erzählte sie mir mit den unbewutzten Bewegungen, die sie von Zeit zu Zeit machte: mit den Stellungen, denen sich diese abgemagerte gelbe Hand auf der weißen Bettdecke überließ, jetzt aus dem Handrücken liegend, die Handfläche nach oben, die Finger ein wenig geöffnet, in vollständiger Ergebung in das Schicksal, das sie wie an ein Kreuz an dieses Bett fesselte: jetzt ballte sie sich zur Faust, vielleicht infolge eines heftiaen und schmerzlichen Anfalls, vielleicht in einem Ausbruch von Zorn und Ungeduld, worauf immer ein Zustand von tödlicher Ermüdung folgte. Es war mir klar, daß es die Hand eines armen Kranken war, denn obwohl diese gelbe magere Hand sauber gewaschen war, wie es die Hygiene in den Spitälern vorschreibt, blieb doch etwas wie unabwaschbarer Schmutz an ihr zurück; etwas, was an der Hand der Armen nicht wirklich Schmutz ist, sondern sozusagen die Patina des Elends, die kein Wasser jemals wegbringt! ... Man sah diese Patina auf den Spitzen der etwas rauhen Fingerknöchel, in den Hautfalten der Gelenke, bei denen man an den Hals der Schildkröte denken mußte; in den Runzeln des Handtellers, die, wie man sagt, das Siegel des Todes in der menschlichen Hand sind. Und jetzt überließ ich mich meinen Gedanken, zu welchem Handwerk wohl diese Hand gehören möchte? Sicherlich zu keinem groben Handwerk, denn sie war zart und fein, fast frauenhaft und gar nicht träges von St. Germain wird die bisherige gesetz- liche Bestimmung: .Deutschösterreich ist ein Bestandteil des Deutschen Reiches'... außer Kraft gesetzt." — Das gleiche Gesetz bestimmt in Art. 1: „Deutschösterreich, in seiner durch den Staatsvertrag von St. Germain bestimmten Abgrenzung ist eine demokratische Republik unter dem Namen „Republik Oe st e r r e i ch". Die Republik Oesterreich übernimmt jedoch — unbeschadet der im Staats- vertrage von St. Germain auferlegten Verpflichtungen — keinerlei Rechtsnachfolge nach dem ehemaligen Staate Oesterreich ..." Diese nicht gerade heldenhafte Erklärung konnte weder die Belastungen mindern, die sich für den neuen Staat aus den Fehlern des alten ergaben, noch konnte sie eine siebenhunderjährige, ruhmreiche Vergangenheit streichen. Immerhin aber ist diese nutzlose Geste symbolisch geworden für den Leidens- weg Oesterreichs, der von St. Germain ihren Ausgang genommen hat. Oesterreich lebt seither tatsächlich wie ein Volk, das gegen das Diktat eines Siegers nichts anderes zu unternehmen gewußt hat, als sich die Wurzel seines historischen Werdens abzuschnekden: es kann nicht leben und kann nicht sterben. Seit jenen Tagen von Versailles und St. Germain bewegt sich die europäische Politik in Konferenzen, die das Unglück mindern sollen, das die wahnsinnigen Diktate über Europa gebracht haben. Mitteleuropa ist nicht in der glücklichen Lage, Der- sallles und St. Germain so behandeln zu können, wie die Türkei den Vertrag von Sövres (abgeschlossen am 10. August 1920) behandeln konnte. Deutschland und Oesterreich, beide entwaffnet und machtlos, muhten sich aufs Verhandeln verlegen und im zähen Ringen der Front der Gegner Bruchteile von dem abkaufen, was gesunder Menschenverstand für selbstverständlich halten müßte; jetzt endlich, in Laufan ne, sind die Dinge bis zu einem gewissen Abschluß gediehen, von dem aus mit dem Wiederaufbau Europas begonnen werden kann. Eine reine Freude aber hat auch an diesem KonferenzErgebnis niemand. Der Kampf um die Selbstbehauptung, der auf diesen Konferenzen von Deutschland, Oesterreich und Ungarn gegen die Engstirnigkeit der „Sieger" geführt wurde, hat in den verschiedenen Ländern zu verschiedenen innerpolitischen Folgeerscheinungen geführt, bzw. ist infolge der verschiedenartigen innerpolitischen Struktur mit wechjelndem Temperament, stets aber mit kaum nennenswertem Erfolg geführt worden. Denn der ganze Aufbau dieser Konferenzen war so, daß er es nicht erlaubte, die wesentlichen Grundfragen überhaupt nut zu berühren. Man kann den Existenzkampf eines Volkes nur aus feiner Mentalität heraus verstehen. Und die österreichische Mentalität ist auch durch die Revolution nicht beseitigt worden. Nur bis 1922 beherrschte der Austromarxismus die österreichische Politik. Dann kam Seipel, der die Krisis der In- slation überwand, und durch sein großzügiges Sanierungswerk Oesterreich vor der drohenden Aufteilung unter die nichtdeutschen Nachbarstaaten rettete. oeipel ist der Repräsentant des universaldeut- schen, Schober der 2krtreter des nationaldeutschen Oesterreich. Um Seipel und Schober kristallisieren sich die beiden kulturpolitischen und wirtschaftspolitischen Grundanschauungen, die der österreichischen Mentalität möglich sind. In ihrem Verhältnis zu Deutschland lassen sie sich am besten durch die Worte: „Anschlu ß" und „Donau- f oderation" umreißen. Freilich darf man nicht glauben, daß der Seipelsche Kurs etwa eine Donau- föberation im Geiste Herriots wünscht. Soudern hier lebt noch ein lebendiger Rest der alten österreichischen Mission, die mit der Gründung der Ostmark durch Karl den Großen begonnen hat: die deutsche Ausgabe Oes' -reichs im europäischen Sudosten, ein Bollwerk zu sein gegen das Asiatentum in jeder Form, und ein Stützpunkt für die weit nach Osten vorgeschobenen deutschen Vorposten in Ungarn, in Südslawien, in Rumänien. Der Schobers che Kurs will den Anschluß an Deutschland, und damit die österreichische Ausgabe in Mitteleuropa erfüllen: Vermittler zu sein zwischen Sud und Nord, zwischen Ost und West, und zugleich em Kultur- verarbeitet Äußer vielleicht ein wenig am Zeige- I finger, dessen letztes Glied offenbar steif war, und ' am Daumen, der ein wenig stark zurückgebogen und am Gelenk außergewöhnlich entwickelt war. Ich bemerkte, daß dieser Daumen oft ynd wie gewohnheitsmäßig sich dem Druck der Spitze des Zeigefingers unterwarf, als ob der Kranke unbewußt mit diesem Druck sich an seine ferne Wirklichkeit erinnerte, sie im Druck des Daumens fühlte. Die Wirklichkeit feiner Existenz als Gesunder. Vielleicht ein Laden^ dessen Dust erfüllt ist von dem besonderen Geruch neuer Stoffe, die in Ballen ordentlich einer auf dem anderen in den Regalen, auf den Bänken und in den Kasten aufbewahrt sind; ein Ladentisch, ein Tisch zum Zuschneiden, auf dem ein Stoff ausgebreitet ist, darauf eine große Schere und unter dem Tische eine große graue Katze; die Gesellen sitzen in einer Reche eifrig dabei, zu heften, mu der Ma- schine zu nähen, und er mitten unter ihnen. Ja, ohne Zweifel, dies war die Hand eines Schneiders. Aus einer anderen Bewegung der Hand entnahm ich dann, daß dieser arme Schneider seit kur- zem Vater sein, ein Kind haben mußte. Don Zeit zu Zeit zog er unter der Decke ein Knie hoch. Die Hand, bisher untätig, hob sich mit zitternden Fingern und strich über dieses hochgezogene Knie mit einer Zärtlichkeit, die sicherlich nicht dem Vielleicht stellte er sich unter dem Knie den Kopf seines Kindes vor und jene Hand streichelte zärtlich die frischen seidenweichen Härchen dieses Kinderköpfchens Sicher waren die Augen des Kranken, während die zitternde, tastende fianb auf bem Knie, die Liebkosung anbeutete geschlossen, sicherlich sahen sie unter ben gesenkten Libern bas Köpfchen, sicher- lich füllten sich bie Augen mit Tränen, bie bann über bas Gesicht strömten, bas ich nicht sah. Unb wirklich, jetzt unterbrach bie Hanb bie zärtlich taftenbe Bewegung, verschwanb hinter bem Rahmen, nadibem sie ben Überschlag ber Bettbecke gehoben hatte Unb kurz barauf war biefer Ueberschlag wieder in Ordnung gebracht, aber an einer Stelle war er durchnäßt von Tränen. Eines Morgens erwachte ich spät aus einem bleiernen, tiefen Schlaf, wie er den heftigen Anfällen meines Leidens zu folgen pflegte. Als ich die Augen öffnete, sah ich um das Bett meines Nachbars eine Menge Leute stehen Manner Frauen vielleicht Verwandte. Zuerst dachte ich, er fei gefloßen. Aber nein — Niemand meinte, niemand klagte. Sie sprachen viel mehr mit bem Kran- Das Ehrenmal für das deutsche Pferd. ■ Auf bem Gelänbe des Tannenberg-Nationaldenkmals ist ein Ehrenmal für die im Weltkrieg gefallenen Pferde in Form einer Pferdetränke errichtet und feierlich eingeweiht worden. faktor von eigenständigem Rang. Wien ist für das Deutschtum ein Begriff, der ebensowenig wegzudenken ist, wie Potsdam ober Weimar. Auf ben internationalen Konferenzen konnten sich triefe beiben Standpunkte nicht so stark auswirken, wie etwa in Deutschlanb bie Methoben ber Erfül- lungs- unb ber Wiberstanbspolitik. Denn bas natio- nalbeutsche Ziel ber Anschlußsreunbe war niemals Oegenftanb einer internationalen Diskussion, wäh- renb bas Problem ber Donauföberation burch bie Einmischung Frankreichs in Bahnen gelenkt mürbe, die sicher nicht von Seipel, kaum von einigen Unentwegten gutgeheißen worben sind. Und wenn Gras Arthur Poltzer-Hoditz kürzlich in einem Wiener Blatt gemeint hat, man dürfe die Hand, die Frankreich ausgestreckt hot, nicht zurückstoßen — so hat er der lechtimistischen Bewegung in Oesterreich keine guten Dienste geleistet. — Wie Deutschland ist auch Oesterreich von Anleihe zu Anleihe geschritten. Unb jede Anleche mar ein Ring in ber Kette, die Oesterreich zu einem neuen Donaustaat mit ben übrigen Trabanten Frankreichs zusammenschmieben sollte. Daß ber französische Donauplan noch nicht Tatsache geworben ist, ist bem Wiberstanb zuzuschreiben, ben nicht nur Oesterreich, sonbern auch bie übrigen Nachfolgestaaten dieser Idee entgegenstellen. In Lausanne sollte bi e golbene Schlinge zusammengezogen werben, bie Frankreich um ben Hals Oesterreichs gelegt hat: für eine Anleihe von 300 Millionen hat Oesterreich für bie kommenden zwei Jahrzehnte auf sein Selbstbestim- mungsrecht verzichten müssen. Deutschland aber hat dazu geschwiegen, hat lediglich durch Stimmenthaltung gegen bie neuerliche Versklavung Oesterreichs protestiert. Was wirb Oe st erreich jetzt tun? Der Nationalrat hat zunächst bas Wort. Es wird ihm nichts anberes übrig bleiben, als die Lausanner Anleiheoereinbarungen anzunehmen. Denn Oesterreich ist zu klein, um autarkische Experimente machen zu können, durch die es sich aus der internationalen Schuldverkettung befreien könnte. Der Weg von Versailles bis Lausanne, auf dem es für Deutsch- land wenigstens Augenblicke der freien Entscheidung gegeben hat, ist für bas Meine Oesterreich eine ununterbrochene Kette von Zroangsläufigkeiten gewesen. Jetzt aber scheint es, hat dieser Weg sein natürliches Ende erreicht. Die Stunde drängt zur Entscheidung. Der Augenblick, in dem Anleihen auch jeden Schein augenblicklicher Vorteile verlieren, ist jetzt auch für Oesterreich gekommen: schon von dieser jüngsten Anleihe soll es ja nur einen geringen Bruchteil ausbezahlt bekommen, während der weitaus größere Rest zur Bezahlung älterer Schulden und Schuldzinsen (!) verwendet werden soll. Don der nächsten Anleihe wird voraussichtlich überhaupt nichts mehr für das Land selbst übrig blei- fen. Dann aber muß sich Oesterreich sagen: wir haben nichts mehr zu verlieren. Unb in ber Verkennung ber Tatsache, baß dieser Augenblick für jeden Schuldner einmal kommen muß, liegt der Bruch im kapitalistischen Weltversklavungsgedanken. Eine Welle ungeheuerer Not hat sich über den kleinen Donaustaat ergossen. Eine Not, von der man sich selbst in Deutschland kaum eine Vorstellung machen kann Vor dieser Not müssen — vorläufig — die typisch österreichischen Probleme schweigen, lln- wichtig ist das Problem der Staatsform, unwichtig auch bie Frage nach ber universaldeutschen ober na» tionalbeutschen Lösung ber österreichischen Kulturaufgabe. Jetzt geht es um Sein ober Nichtsein. Und diese Lebensfrage kann Oesterreich nicht allein lösen. Denn es ist eine gesamtdeutsche Frage, unb darüber hinaus eine mitteleuropäische. Die Staaten können nichts, aber die Völker alles. Was die Staaten an offiziellen Versuchen einer Annäherung getan haben, ist mit voraussehbarer Zwangsläufigkeit mißlungen. So das Dekret der österreichischen Regierung, ein Bestandteil Deutschlands zu sein, so der Gedanke ber Zollunion, so überhaupt die mit viel Geschrei unb wenig Wolle in Szene gesetzten Anschlußkunbgebungen, die beiderseits zu sehr mit partikularistischem Egoismus durchsetzt waren, um große moralische Wirkung zu haben. Das worum es heute geht, ist nicht bie Propaganba einer sicher wünschenswerten juristisch-politischen Tatsache, sondern weit mehr: es geht um eine geistige Zeugung; um die Verlebendigung des Wissens um die Schicksalsverbundenheit aller Deutschen, aus der allein der Slufftieg erfolgen kann. Jenseits aller Parteipolitik, jenseits aber auch des scheinbar so großartigen, in Wahrheit aber so unwesentlichen Getriebes der internationalen Konferenzen, kann sich heute das Entscheidende vollziehen, das uns kein Friedensdiktat verwehren kann: die Geburt des H e i 1 i g e n R e i ch s d e r D e u t s ch e n imHer- zen aller deutschen Menschen. Dieses Gemeinsame ist so groß, daß auch das Unterscheidende in ihm Raum genug hat, sich auszuleben. Und es ist so gewaltig in seiner Notwendigkeit, daß es mit len und untereinander, zwar leise, um bie anberen Kranken nicht zu stören, — aber wie bei einem festlichen Anlaß. Es war kein Besuchstag. Wie unb warum also war so vielen Leuten der Zutritt zum Bett des Kranken gestattet worden? Was sie sprachen, horte ich nicht, wollte ich nicht hören. Ihr Anblick tat meinen Augen weh, da ich von dem langen Erschopfungsschlaf noch betäubt war; ich schloß die Augenlider. Als ich sie wieder öffnete, war niemand mehr am Bett dieses Kranken. Ich suchte seine Hand. Was war das? Am Ringfinger, war da nicht ein Ring? Ja, ein Goldreif: ein Trauring. Also — ein junger Ehemann ... die Hochzeit war es gewesen! Jene Leute waren gekommen, um ihn zu verheiraten. Arme Hand, so gelb, so abgemagert, mit diesem Zeichen ber Kette ... ber Liebe? Nein! Des Tobes ... auf bem Spitalbett heiratet man nur in Vorahnung bes Todes ... Das Selben war also unteilbar. Ja: beutlich hatte es mir biefe Hanb gesagt, bie allzu gelb war. allzu abgemagert, allzu unsicher im Tasten, in ihren Bewegungen. Wie langsam, wie traurig brehte sie jetzt mit ben Daumen biesen zu großen Ring am Ringfinger! Sicher sahen bie Augen in bie Ferne, obschon ber Blick auf biesen nayen Golbreif gerichtet war; unb vielleicht bachte sein Geist: Dieser Ring, was will er besagen? Ich bin im Begriff, mich von allem zu losen, unb er hat mich binben wollen ... wem verbindet er mich? Für wie lange noch? Heute haben sie ihn mir an ben Finger gesteckt, schon morgen vielleicht werben sie kommen, um ihn mir abzuziehen ... Die Hanb hob sich unb blieb eine Weile vor bem Gesicht. Ganz aus ber Nähe wollte er sie betrachten mit biesem Ring für einen Tag, der so viel Dinge hätte sagen können und nur ein einziges sagte, das traurig, ach so traurig war Aber vielleicht dachte er, daß dieser Ring doch etwas verband: seinen Namen und das Leben seines Kindes. Das Kind war ihm vor ber Hochzeit geboren worben unb hatte keinen Namen gehabt; jetzt würbe es einen haben. Wieber liebkoste er ben Ring mit bem Daumen; bann fiel bie Hanb mübe auf bas Bett zurück. Am nächsten Morgen sah ich sie nicht mehr: kaum erriet ich sie an einer Falte bes ßementudjes, bas über bas ganze Bett gebreitet war. (Autorisierte Uebersetzung aus bem Ita- lienischen von vr. L. v. H e r g e t.) Das Bildnis eines deutschen Narren. Ein in einer Stockholmer Sammlung befindliches Gemälde des 16. Jahrhunderts, das wegen seines merkwürdigen Gegenstandes besonders auffällt, wird von dem Direktor des ‘Berliner Kaiser-Friedrich-Museums, M. I. Friedländer, in der Bruckmannschen Kunstzeitschrift „Pantheon" gewürdigt. Dargestellt ist ein Harr, in bunter Schellenkappe, mit der Pritsche in der Hand und mit einem Hund neben sich, der an seinem Frühstück teilnimmt. Der Harr lacht über das ganze Gesicht und zeigt dabei beide Zahnreihen und rwch etwas von dem Fleisch über der oberen. Das Werk gehört zu den ältesten Harren-Darstellungen, denn es ist ums Jahr 1520 entstanden und für diese Zeit durch seinen natürlichen Ausdruck beispiellos. Die Maler des 16. Jahrhunderts sind sonst über ein starres Grinsen nicht hinaus gekommen, und erst die Holländer des 17. Jahrhunderts, vor allem Franz Hals, haben die vollständige Illusion einer herzhaften Lustigkeit erreicht. Hofnarren waren damals an den Höfen sehr beliebt, und man weih, daß auch andere Maler des 16. Jahrhunderts Zwerge von Königen porträtierten. Diese Bilder sind aber nicht erhalten. So besitzt das Stockholmer Bild einen einzigartigen Wert. Friedländer sieht als Schöpfer den sog. „Meister des Angerer-Por- träts" an, der um 1520 in Tirol tätig war. Die frische und gesunde Kunst dieses Walers wird durch das neue Werk sehr bedeutsam bereichert. Sochschulnachrichten. Der Wiener Ordinarius für Zivilprozeßrecht, Professor Dr. Georg P e t s ch e k, wurde dieser Tage 7 0 Jahre alt. Der Gelehrte, der zusammen mit Alfred Handl das Zentral- blatt für die juristische Praxis herausgibt, hat sich u. a. für eine gemeinsame Zivilprozeßordnung für Deutschland und Oesterreich eingesetzt. Professor Karl Thieme, der frühere langjährige Hertreter der systematischen Theologie an der Leipziger älniversität, beging dieser Tage feinen 7 0. Geburtstag. Der Privatdozent für Bürgerliches und Handelsrecht, Zivilprozeh- und Konkursrecht an der Frankfurter Hnloerfität, Gerichtsassessor Dr. E. Cohn, ist zum ordentlichen Professor an der HniDcrfität DreSl au ernannt worden. der Macht des lebendigen Blutes über papierene Hindernisse Hinwegschreiten wird, wenn seine Zeit gekommen ist — wenn wir wissen, daß wir nichts mehr zu verlieren und alles zu gewinnen haben. Dann muß der Aufstieg kommen. Denn es ist schon so, wie Werner Beumelburg sagt: „Alles ist Werden und Vergehen. Ein Mann folgt dem Gebot in seiner Brust, und das Werk gehorcht dem Gesetz. In der Tiefe ruhen die Wurzeln, der Stamm steigt empor, Sturm und Wetter rütteln in seiner Krone. Kampf, überall Kampf, wohin der Blick geht. Alles ist Anfang und Ende zugleich, und wir sind nur Glieder in einer Kette, lieber uns breitet das Schicksal dunkel die Flügel." Lausanne war Ende und ist ein Anfang zugleich. Versailles und St. Germain — das waren Werke, die dem Gesetz des Todes gehorchten. Ihr Gesetz ist erfüllt — ein neues Werk, aufspringend aus dem Gebot des Blutes, getragen vom Gesetze des Lebens, mag beginnen. Das Gängerbundesfest in Frankfurt. Gestern abend wurde mit dem Begrüßungskonzert die Reihe der großen Konzerte des XI. Deutschen Sängerbundesfestes eingeleitet. Ausführender war der Sängerbund A a s s a u unter Leitung des Bundeschormeisters Dr. Rudolf Werner, Frankfurt a. M. Die Festhalle war sehr gut gefüllt, als die Programm- fvlge mit der Ouvertüre zu Goethes „Egmont durch das verstärkte Städtische Orchester Frankfurt a. M. eröffnet wurde. Die stilrein zum Vortrag gebrachte Ouvertüre leitete gut zum ersten Teil des Sangesprogrammes über, das dem Gedächtnis Goethes gewidmet war. Sechs Gesänge, von denen die machtvoll getragenen „Talismane", vertont von Heinr. Zöllner, das wundersame Lied vom alten Zecher „Der König in Thule" (Karl Friedrich Zelter), und das Freibeuterlied besonders hervorstachen, hatten Goethe als Dichter. Der Chor, der eine anfängliche Ansicherheit sehr bald überwunden hatte, fand sich mit den verschiedenen Schwierigkeiten der Partituren sicher ab und konnte, ebenso wie sein verdienstvoller Leiter, reichen Beifall ernten. Der zweite Teil des Programms begann mit zwei Liedern von Armin Knab: „Wach' auf du deutsches Land" und „Frisch auf zum Streit". Besondere Wirkung hatte das dann folgende deutsche Volkslied „Im schönsten Wiesengrunde", für dessen Vortrag die Zuhörer stürmisch dankten. Einen Höhepunkt des Abends bildete die W e i h e der Bundes st andarte des Sängerbundes R a s s a u durch den Bundespräsidenten Geheimrat Dr. Karl Ha m m e rsch m i d t, der nach tiefempfundenen Worten die Standarte dem Rassauischen Bund zur treuen Haltung und Ehrung übergab. Den Abschluß des Konzerts bildete ein „Festlicher Hymnus" für Männerchor und großes Orchester von Otto Siegl. SJlxfpori Internationales Reitturnier in Aachen. Reichswebroffiziere wieder in Front 4» , d L* MMS» 8 " A I - - Links: Major von Walden fels, der Führer der deutschen Offiziersmannschast und Oberleutnant Nagel, der einen fehlerlosen Ritt auf „Benno" zurücklegte. — Zu Pferde: Oberleutnant o o n M o m m, der ebenfalls der siegreichen deutschen Mannschaft angehörte, und rechts unten: Oberleutnant von S a h l a, dem auf „Wotan" ein fehlerloser Ritt gelang. — Die deutschen Reiteroffiziere vermachen auf dem Internationalen Turnier in Aachen in dem wichtigsten Mannschaftspreis, dem „Großen Preis der Nationen", den Sieg für ihr Land gegen die Mannschaft Italiens und der Schweiz zu gewinnen. Im Zeichen der fünf Ringe. Curtis eröffnet die Olympischen Spiele. Der wegen der bevorstehenden Präsidentenwahlen stark beschäftigte Präsident der Vereinigten Staaten, Herbert Hoover, hat als seinen Vertreter für die Eröffnung der Olympischen Spiele in Los Angeles am 30. Juli den Vizepräsidenten Charles^C u r t i s ernannt. Die elektrische Zeitmessung, die bei den amerikanischen Ausscheidungskämpfen verwandt wurde, hat bestätigt, daß die amerikanischen Kampfrichter mit den von ihnen gehandhabten Stoppuhren sogenannte „bestellte" Weltrekorde gemessen haben. Vergleiche zwischen Stoppuhr und elektrischer Zeihnessung haben ergeben, daß C a r r über 400 Meter nicht 46,9, sondern nur 47,1 Sekunden gelaufen ist. Auch Keller schaffte über 110 Meter Hürden nur 14,6 und war damit um 0,2 Sekunden schlechter. Interessante Feststellungen kann man an Hand des Filmes machen. Graber schwebte bei seinem Weltrekordsprung, der übrigens offiziell genau mit 4,367 Meter nachgemessen wurde, mindestens 0,25 Meter über der Latte. Während man für die weiblichen Teilnehmer bekanntlich eine besondere Hotelunterkunft geschaffen hat, wohnt die Mehrzahl der männlichen Olympiakämpfer im „Olympischen Dorf". Das Dorf ist ausschließlich nur für Männer vorgesehen. * Die deutschen Olympiaboxer bilden in Chicago seit ihrer Ankunft das Tagesgespräch. Von den von allen Seiten eingehenden Einladungen konnten nur „zwei Dutzend" angenommen werden, da sonst die Zeit nicht ausreichen würde. Am Dienstagabend veranstaltete der Rotary-Club ein Essen, an dem 1000 Personen teilnahmen und bei dem die Deutschen wieder stark gefeiert wurden. Geradezu glänzend hat der Germania- Club für die Troiningsmöglichkeiten der deutschen Staffel vorgesorgt. Der größte deutsche Verein in Amerika hat in seinem riesigen Clubheim eigens für die deutschen Boxer einen besonderen Ring bauen lassen, wo täglich trainiert wird. Die Oeffentlichkeit bleibt jedoch während der Aebungszeiten der Deutschen ausgeschlossen. — Wie riesengroß das Interesse für den Länderkampf am kommenden Dienstag ist, beweist die Tatsache, daß die Zuschauerräume im S >ldiers Field-Stadion ausgebaut wurden, so daß 30 000 Personen Sichtmöglichkeiten erhalten Der finanzielle Erfolg der Olympischen Spiele steht schon jetzt außer Frage. Bereits im Vorverkauf wurden bisher 1300 000 Karten umgesetzt, eine ^tzahl, die noch bei keiner früheren Olympischen Veranstaltung erreicht wurde. 12. Etappe ohne Kampf. Die zwölfte Etappe der „Tour de France" führte am Freitag von Cap nach Grenoble über nur 99 Kilometer. Es gab dabei keine Kämpfe, so daß das ganze Feld geschlossen am Ziel eintraf. Sieger wurde der Franzose Lapebie in 3:31,52 Stunden. Im Gesamtklassement gab es keine Aenderung. Kronfeld stürzt ab — und rettet sich im Fallschirm. Die „Austria" von Robert K r o n f e I ö (vorn am Flugzeug), mit der der Rekordslieger bei einem Höhenflug über der bayrischen Rhön abstürzte. Das schöne Flugzeug ging völlig in Trümmer. Schade.. U prämiierungsmarkt in Lich. J) ß i d), 22. Juli. Wie schon kurz berichtet, brachte der gestrige Licher Sommermarkt, begünstigt durch gutes Wetter, unserer Stadt recht lebhaften Verkehr Mit dem Markt war Zuchtvieh-, Handelsvieh-, Schweine- und Krämermarkt, Prämiierung von hessischem Fleckvieh und Vogelsberger Vieh, Bullen-, Eber- und Schafbockoersteigerungen verbunden. Zur gleichen Zeit sand die Prämiierung des Rindviehs statt. Als Preisrichter für hessisches Fleckvieh fungierten die Herren Oberveterinärrat Dr. M o n n a r d, A l t v a t e r und Bopp, für Vogelsberger Vieh die Herren Trautmann und Velten. Sie fanden reichliche Arbeit vor und entledigten sich in anerkennenswerter Weise ihrer schwierigen Aufgabe. Die bereitgestellten Prämiierungsgelder konnten restlos zur Verteilung gelangen. Weiterhin wurden an die preisgekrönten Tiere Prämiierungsschilder ausgegeben. Das Ergebnis der Prämiierung war folgendes: Hessisches Fleckvieh (A. = Anerkennung): Klasse 1: Bullen über 2 Jahre: Stadt Lich 2. Preis. — Klasse 2: Bullen von 16 bis 24 Monate: Stadt Lich 2. Preis; Wilhelm Bausch, Reichelsheim, 3. Pr. — Klasse 3: Kühe mit 3 und mehr Kälbern, erkennbar tragend: Karl Ludwig Hch. Schäfer 1. Preis; Gustav Krausch, Birklar, 1. Pr. Karl Hch. Albohn, Lich, 2. Pr.; Karl Zimmer, Lich, 2. Pr.; Hch. Müller II., Birklar, 3. Pr.; Hch Uhrhan IV., Lich, 3. Pr.. Karl Kleinkurt I., Langsdorf, A.; Wilhelm Weisel, Birklar, A.; Karl Ludwig Albach II., Lich, 21.; Christian Ludwig Fischer, Lich, 21.; Georg Rühl, Langsdorf, 21.; Heinrich Schiel I., Langsdorf, A. — Kl. 4: Kühe mit 3 und mehr Kälbern in Milch: Karl Scheid I., Langsdorf, 1. Preis; Adam Hofmann, Langsdorf, 2. Pr.; Wilhelm Roth, Langsdorf, 2. Pr.; Christian Ludwig Fischer, Lich, 3. Pr.; Karl Ludwig Albach II., Lich, 21.; Heinrich Märle, Lich, A. — Klasse 5: Kühe mit 1 bis 2 Kälber, erkennbar tragend: Heinrich Müller II., Birklar, 2. Preis; Karl- Christian Wolf, Lich, 2. Preis; Philipp Keck, Lich, 2. Pr.; Hch. K. Ludwig Schäfer 2. Preis; Karl Hch. Albohn, Lich, 3. Pr.; Phlipp Keck, Lich, 3. Pr.; Karl Walz V., Lich, 3. Pr.; Karl Nathes, Lich, 3. Preis; Heinrich Köhler IV., Langsdorf, 21.; Karl Vogt I., Lich, 21. — Klasse 6: Kühe mit 1 bis 2 Kälbern in Milch: Heinrich Steuernagel III., Nied.-B., 1. Preis; Karl Chr. Wolf, Lich, 2. Pr.; Hch. Schiel I., Langsdorf, 2. Pr.; Adam Hofmann, Langsdorf, 2. Preis; Hch. Schmidt I., Langsdorf, 3. Preis; Joh. Peter Dietz I., Lich, 3. Pr.; Karl Nathes Lich, 3. Pr., Gustav Krausch, Birklav 3. Preis. — Klasse 7: Rinder, erkennbar tragend: Karl Nathes, Lich, 2. Pr., Heinrich Schöck, Birklar, 2. Pr.; Georg Rühl, Langsdorf, 3. Pr., Hch. K. Ludwig Schäfer, Lich, 3. Pr.; Heinrich Schiel I., Langsdorf, 21.; Karl Hch. Albohn, Lich, 21. — Klaffe 8: Rinder über 18 Monate, a): Fr Bommersheim, Langsdorf, 2. Pr.. Ludwig Weber, Langsdorf, 2. Pr.; Karl Ludwig Albach II., Lich, 3. Pr.; Hermann Wedemann, Eberstadt, 3. Preis; b): Rinder bis 18 Monate: Karl Zimmer, Lich, 1 Preis; derselbe 2. Preis; derselbe 2. Preis Karl Nathes, Lich, 2. Preis; Karl Christian Wolf, Lich, 3. Preis; Adam Hofmann, Langsdorf, 3. Preis; Karl Zimmer, Lich, 3. Preis; Hch. Brück III., Nieder-Bes- fmgen, A., Joh. Peter Dietz I., Lich, 21.; K. Friedr. Fischer II., Lich, 21.; Karl Vogt I., Lich, 21. — Kl. 9: Familien: Hch. K. Ldg, Schäfer, Lich, 1. Preis; Hch. Müller, Birklar, 2. Preis; Karl Hch. Albohn, Lich, 2. Preis; Karl Ldg. Albach II, -ich, 3. Preis; Karl Christian Wolf, Lich, 3. Pr.. Heinrich Rühl, Langsdorf, 3. Pr.; Gustav Krausch, Birklar, 21.; Heinrich Schiel, Langsdorf, A. Vogelsberger Vieh. Klaffe 2: Heinrich Rau 4., Hattenrod, 2. Preis.— Klasse 3: Karl Fr. Märle, Lich, 1. Preis; Karl Keblowsky, Nieder-Bessingen, 1. Preis; Heinrich Weiß, Oppenrod, 2. Preis; Konrad Schöne, Lich, 3. Preis. — Klasse 4: Hch. Münster, Hattenrod, 3. Preis; Heinrich Botz, Bersrod,'3. Preis; derselbe A. — Klasse 5: Karl Keblowsky, Nieder-Bes- singen, 1. Preis; Wilhelm Fach, Nieder-Bessingen, 2. Preis; Leopold Alles 2„ 21. — Klasse 6: Karl Keblowsky, Nieder-Bessingen, 2. Preis. — Klasse 7: Karl Keblowsky, Nieder-Bessingen, 1. Preis; Heinrich Münster, Hattenrod, 3. Preis. — Klasse 8: Konrad Schöne, Lich, 3. Preis; Leopold Alles 2., Lich, A. — Klasse 9: Karl Keblowsky, Nieder-Bessingen, 1. Preis; Konrad Schöne, Lich, A. Sodann wurde die von dem Landwirtschaftskammerausschuß für die Provinz Obevhessen geleitete Butten-, Eber- und Schafbockversieigerung Dorgenommen, nachdem zuvor eine Sichtung der Bullen erfolgt war, die folgendes Ergebnis hatte: 2. Preis Moritz Müller, Ober-Hörgern, 3. Preis Georg Wilhelm Vissel, Griedel. Wirtschaft. Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviehmarkt. Der Großviehmarkt war mit 1633 Stück um nahezu 200 Stück stärker beschickt als in der vorhergehenden Woche. Rach ruhigem Handel verblieb Aeberstand. besonders Kühe und Bullen, während Ochsen und Färsen etwas besser beachtet waren. Trotzdem ergab sich für letztere ein Preis, rückgang von 2—3 Mark. Dullen büßten 1—2 Mk., Ochsen und Kühe je 1 Mk. ein. Verhältnismäßig groß war auch der Zutrieb von Kälbern, der mit 1867 Stück beinahe um ein Drittel des Gesamtauftriebs stärker war als in der Vorwoche. Rach anfangs ruhigem Ge. schäft und bis zu 2 Mark zurückgehenden Rotte» rungen setzte sich später, trotz der nochmals starken Beschickung am Rebenmarkt, eine Erholung der Preise durch, wobei noch ein Gewinn von 1 Mark gegenüber der Vorwoche verzeichnet werden formte. Rach mittelmäßigem bis regem Geschäftsgang formte der Markt geräumt werden. Für beste nord- deutsche Kälber wurden Preise über Rotiz erzielt. Der S ch a f m a r k t wurde nach ruhigem, später mittelmäßigem Handel ausverkauft, obgleich auch hier der Austrieb mit 188 Stück um rund 100 Tiere größer war. Die Rotierungen der Vorwoche blieben unverändert. Der Schweinemarkt verzeichnete in dieser Woche mit 6302 Stück nahezu einen Rekordauftrieb, wenn man die jetzige Iahreszeit berücksichtigt. Bei normalen Verhältnissen wäre zweifellos auch eine merkliche Abschwächung der Preise erfolgt, die Preise blieben indessen (Auswirkung des Sängerfestes I) gut behauptet. Das Geschäft war anfangs ruhig, später etwas reger, so daß der Markt ausverkauft wurde. Im einzelnen notierten per Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen al) 31—34, a2) 27-30, bl) 24—26. Dullen a) 26—29, b) 22—25. Kühe a) 23 bis 27, b) 18-22, c) 14-17. Färsen a) 31-34, b) 26—30, c) 21-25. Kälber a) —, b) 36—40, c) 31—35, d) 25-30. Schafe al) Weidemast 26-30, b) 20—25, c) 13—19. Schweine a) —, b) 41—44, c) 41—44, d) 38—43, e) 36—42, f) und g) nicht notiert. Berlin freundlich und zuversichtlich. Berlin, 23. Juli. (WTB. Funkspruch.) Nachdem in Preußen eine weitere innerpolitische Beruhigung eingetreten ist und schon Erleichterungen zum Demonstrationsverbot verbucht werden konnten, hofft man stark auf eine baldige Aufhebung des Ausnahmezustandes, um wenigstens in der letzten Woche vor der Wahl in der Propaganda nicht beengt zu sein. Auch daß seitens der Reichsregierung nunmehr ein Anfang mit dem A r - beitsbeschaffungsprogramm, wenn auch vorläufig nur in Höhe von 162 Millionen, gemacht wird, befriedigte ebenso wie die festeren Meldungen von den Auslandsbörsen. Allerdings waren die ersten Notierungen nicht immer ganz so fest, wie die höher gesprochenen Vorbörsentaxen, die Stimmung war aber durchaus z u v e r si ch t l i ch. Es lagen auch einige kleine Publrkumsausträge vor, die, verbunden mit Wochenschlußdeckungen der Kulisse, bei der Mehrzahl der Papiere 0,5- bis Ipro- zentige Kursbesserungen zur Folge hatten. Im ganzen gesehen war das Geschäft aber weiter sehr klein. Das Interesse erstreckte sich heute mehr auf einige Nebenmärkte. So konnten AEG. auf eine Derwal- tungserklärung, die von einer gewissen Saisonbelebung spricht und die Liquidität dieser Gesellschaft als recht gut bezeichnet, auf 25,65 v. H. anziehen, Chadeaktien setzten ihre Erholung um 2,5 Mk. fort, Schubert u. Salzer gewannen 2,75 v. H. und Daimler Motorenwerke, denen es nach einer Pressemeldung gelungen sei, im laufenden Ge- sä)äftsjahr ihre gesamten Bankschulden zu beseitigen, 2,65 v. H. Montan waren fast ganz uneinheitlich. Von Braunkohlenwerten gewannen Eintracht und Niederlausitzer je 1 v. H., Rheinische Braunkohle 1,5 v. H. Auch am R entenmarkt war die Tendenz eher freundlicher, wenn auch nur für Neubesitzanleihe und Reichsschuldbücher zunächst etwas größeres Interesse bestand. Letztere konnten um 0,5 o. H. anziehen. Für Goldpfandbriefe liegen nur wenige Aufträge vor, doch werden auch hier die Kurse fester taxiert. Obwohl das Geschäft auch im Verlauf keine Belebung erfuhr, konnte man bei einigen Werten doch Besserungen um Bruchteile eines Prozentes feststellen. Reicksbankanteile zogen um 0,75 o. H. an. Auch Deutsche Anleihen und Reichsschuldbuchforderungen biteben im Verlaufe gefragt, die Altbesitzanleihe konnte 0,5 v. H. gewinnen.' Von Auslandsrenten waren Oesterreicher leicht gebessert, während Ungarn etwas abbröckelten. Frankfurt ruhig und zurückhaltend. Frankfurt a. M., 23. Juli. (WTB. Drahtmel- düng.) Die Wochenschlußbörse verkehrte bei freundlicher Grund st immung in sehr ruhiger Haltung. Die Spekulation und auch das Publikum bekundeten wegen der innerpolitischen Lage weiterhin stärkste Zurückhaltung, insbesondere im Hinblick auf die heutige Entscheidung des Staatsgerichtshofes in der Klage Preußens gegen das Reich. Die Umsatztätigkeit hielt sich in engen Grenzen, und die ersten Kurse wiesen gegenüber der Abendbörse nur unwesentliche Veränderungen auf. Durch feste Haltung zeichneten sich AEG. aus, die 1,40 v. H. gewannen. Am Chemiemarkt lagen IG. 0,13 v. H. niedriger, Scheideanstalt blieben unverändert. Von Bergwerksaktien konnten sich Buderus um 0,25 v. H. befestigen, Stahloerein waren behauptet. Der Elektromarkt laa sehr vernachlässigt, Gesfürel zogen um 0,5 v. H. an. Am Schiffahrtsmarkt gingen Hapag um Bruchteile eines Prozents zurück. Am Re n t e n m a r k t war die Tendenz überwiegend befestigt, wobei die feste Veranlagung an den Auslandbörsen stimulierte. Besonders Reichsschuldbuchforderungen und zerttfizierte Dollarbonds lagen 0,5 bis 1 v. H. fester. Aber auch Deutsche Anleihen wiesen Erhöhungen bis zu 0,5 v. H. auf. Goldpfandbriefe blieben bei kleinen Umsätzen meist unverändert. Mur Rheinische Hypotheken-Bank zogen 0,5 v. H. an. Liquidationspfandbriefe waren nur unwesentlich verändert. Auslandrenten waren geschäftslos. Im Verlaufe stagnierte der Verkehr vollkommen, und die Kurse bröckelten meist leicht ab. Die Grundstimmung war aber nicht unfreundlich. Tagesgeld war zu 4,5 v. H. unverändert. Amtsgericht Gießen. Am 9. Mai 1932, nachts gegen 1 Uhr, verursachte ein Motorradfahrer in der Wagengasse übermäßig lauten Lärm, der geeignet war, die Anwohner erheblich zu belästigen und in ihrer nächtlichen Ruhe zu stören. Zwei Beamten der Polizei, die gewiß bei Feststellung von derartigen Motorgeräuschen Unterschiede zu machen versteht und nicht gleich rigoros aufzutreten pflegt, war der Lärm, zumal sie ihn schon in weiter Entfernung hörten, doch zu arg, um Rachsicht zu üben und zunächst zu warnen. Sie erhoben Anzeige und erklärten in der Gerichtsverhandlung, es seien „dauernd Explosionen" erfolgt, die wie Schüsse anzuhören gewesen seien und einen gewaltigen Lärm hervorgerufen hätten. Der nächtliche Ruhestörer erhielt die übliche Strafe von 6 Mark. Im Mai fuhr ein Radfahrer von den „Bleichen" nach der Lahnbrücke den durch Sperrtafeln für den Radfahrverkehr verbotenen Fußweg. Ein Feldschühe stellte ihn auf der Drücke, wies sich als Feldpolizeibeamter aus und frag, nachdem er ihn auf das Verbot aufmerksam gemacht hatte, nach seinen Personalien. Statt sie anzugeben, erging er sich gegen den Beamten in gänzlich unveran- lahter Weise in einer ganzen Serie von Schimpfwörtern, von denen „Lump" und „Schuft" noch die gelindesten gewesen sind. Der Feldschütz nahm ihn bann fest, doch er riß sich unter Drohungen wieder los. Der Vorgang spielte sich öffentlich in Anwesenheit einer großen Reihe von Passanten ab, mit deren Hilfe es dem Beamten erst gelang, die Personalien des renitenten Radfahrers festzustellen. Wegen schwerer Deamtenbeleidigung und Widerstands gegen die Staatsgewalt erhielt dieser eine Gefängnisstrafe von drei Wochen. Auch darf der beleidigte Feldschüh das Urteil an der Dürgermeistereitafel aushängen lassen. Wandern und Reisen • Bäder und Sommerfrischen. Dreitägige Dsgelsbergwanderung. 1 ra<>: Alsfeld — Romrod — Groh-Felda — Ulrichstein. Ein« für di« F«rienz«it überaus lohnende Wanderung durch den Vogelsberg ist die Begehung des rot-weihen Bandes, einer Verbindung des Vordens Oberhessens mit dem Süden. Die Markierung ist ein Werk des im vorigen Jahre verstorbenen Prof. Bender, Frankfurt a. M., der sich unvergehliche Verdienste um seine oberhessische Heimat und besonders des Dogeisberges erworben hat. — Das Wegzeichen beginnt in Alsfeld, dieser Perle unter den hessischen Städten, wo wir nicht versäumen dürfen, die Stätten mittelalterlicher Romantik, wie Rathaus, Walpurgiskirche, Weinhaus, Leonhardsturm usw. zu besichtigen. Unser Weg führt uns dem Krebsbach aufwärts über Liederbach und Oberrod mit einem der Sage nach von Bonifatius gegründeten Kirchen nach Romrod. Hier können wir gegen ein geringes Entgelt das sehenswerte grobherzogliche Jagdschloß besichtigen. Durch Feld und Wald gehen wir weiter, überschreiten in Grob- Felda den reizenden Hohlen Grund und kommen über Stumpertenrod und den sog. Koppel nach insgesamt sechsstündiger Wanderung zum Endziel des ersten Tages, dem hochgelegenen Ulrichstein. Gut« Wirtschaften. 2. Tag: Ulrichstein — hoherodskopf— herchenhalner höhe — harlmannshain. Am Morgen des zweiten Tages besteigen wir vor allem den Schlohberg, um von oben die prächtige Aussicht zu geniehen, und wandern über Feldkrücken und die Feldkrücker Höhe zum Ludwigsbrunnen mit schönem Blick auf Rudingshain und den Hohen Vogelsberg. Hier erreichen wir die Staatsstraße, auf der wir bis zur Pop- penstruth weiterschreiten. Bei der Schuhhütte Gharlottenhöhe gelangen wir zum Oberwald, der uns bis zum Hoherodskopf begleitet. Rach einer Erholungspause in dem gut bewirtschafteten Klubhaus führt uns das Zeichen zum Taufstein, von dessen Turm wir die weite, umfassende Rundschau betrachten und weiter durch Wald und aussichtsreiche Triften, an der Lauterbacher Hütte vorüber, zur Herchenhainer Höhe, die wir bei dem stimmungsvollen Gefallenendenkmal erreichen. 2m nahegelegenen Vater-Denderheim ist gute Einkehr. Wir steigen nunmehr abwärts und gelangen nach Hartmannshain, wo wir bei Schmalbach oder Rühl übernachten. Wanderzeit am zweiten Tage 5l/t Stunden. 3. Tag: harlmannshain — Wenings — Bübingen. Der dritte Tag führt uns zunächst auf der Staatsstraße, die wir beim Bahnübergang verlassen, hierauf durch Wald, später einen Höhenweg mit prächtigen Ausblicken nach Ober-Seemen. Hinter dem Ort berühren wir wieder die DogelS- bergbahn, die hier nach einer gewaltigen Steigung mit vielen Windungen di« Höhe erreicht hat. Wir kommen an der DHC.-Linde Wanderlust vorüber durch Wernings, einem früheren Dorfe, von dem nur noch ein einzeln^ Gehöft steht, nach Wenings mit guten Gasthäusern. Ein großes Stück durch freie Gegend, jedoch stets mit hübschen Blicken führt uns jetzt das rot-weiße Band nach Michelnau, hinter dem uns nunmehr der Wald aufnimmt. Rach geraumer Zeit erreichen wir auf dem Pfaffenwald das Weichbild unseres Endziels Büdingen und sind überrascht von der herrlichen Aussicht, die sich uns beim Austritt aus dem Walde bietet. Zu unseren Fühen liegt die liebliche Kreisstadt und in der Ferne arühen die Glauburg, die Hardeck, der Herrn- yaag und di« truhige Ronneburg. Wir steigen nun hinab und weiden unsere Blicke an den vielen Kleinodien mittelalterlicher Schönheit des Städtchens. Dauer der Wanderung am dritten Tag 51/, Stunden. Reisewinke. Nehmt Kleingeld mit auf die Reife! 2n den Städten fließt das Silbergeld zur Zeit reichlich: Zehn- und Zwanzigmarkscheine sind selten, und das »dicke Portemonnaie" mit den schweren Fünfmarlstücken wird manchmal unbequem. Wer aber in den ersten 2ulitagen in die Ferien fuhr, konnte — besonders in den kleinen Sommerfrischen — die Erfahrung machen, daß die Reisekassen der Gäste im allgemeinen mit Fünfzig- und Zwanzigmarkscheinen gefüllt waren. Denn Reisegeld — meist eine größere Summe — erhielt man daheim vom Arbeitgeber oder von der Sparkasse in großen Scheinen. Soviel Fünfzigmarkscheine aber, wie die neuangekommenen Reisenden in den ersten Tagen in ihrer Sommerfrische gewechselt haben wollen, können di« Geschäfte, die Postagenturen oder auch die Fahrkartenschalter gar nicht einlösen. — Darum: nehmt Kleingeld mit auf die Reise! DeutscheLtudenten-Kampss-iclemFreiburg 2n Freiburg finden Ende Juli die .Deutschen StudeOten-Kampfspiele 1932' statt, bei denen etwa 500 bis 600 deutsche Studenten und Studentinnen sich in sportlichen Wettkämpfen messen werden. Die Veranstaltung beruht auf dem Gedanken des MannschaftSkampses, bei dem möglichst gute Durchschnittsleistungen erzielt werden sollen. Der Schauplatz ist das Freiburger Universitäts-Stadion, das berrlich am Fuß der Schwarzwaldberge und am Ufer der Dreisam liegt. Die Universität Freiburg erwartet zu den Spielen außer reichsdeutschen auch deutsche Studenten aus Danzig, Prag, Brünn, Wien, Innsbruck und Graz. Fahrt in die Eifel. Ein Reisegebiei, das für viele noch zu entdecken ist! Von (Surf Hohel. Die Eifel ist eines der charaktervollsten Bergländer im deutschen Raum. Ein englischer Schriftsteller nannte sie ein »Deutschland im Kleinen". In' breitgelagerten Gruppen dehnen sich ihre Berge im weiten Winkel von Mosel und Rhein zu den Grenzen Belgiens und Luxemburgs hinüber. Die Hauptstrecke Köln-Trier durchschneidet sie und verschafft Anschluß an all die viel- verzweiten Nebenbahnen, die in die Berge klettern. Ausgezeichnete Straßen bieten Gelegenheit zu genußreichen Autofahrten in alle Teil« des in sich sehr verschiedenartigen Gebirges und seiner weilen Ausläufer. Weite, Größe, Unberührtheit: das sind die Kennzeichen dieses Landes. Burgen, Klöster, alte Herrensitze in weiten Wäldern, und über allem di« seltsamen Spitzgipfel der erkalteten Vulkanberge, von den Hochstraßen gesehen weite grüne Wellen eines Hochlandes, majestätischer Rhythmus einer in sich ruhenden großen Landschaft: das ist Eifelcharakter. Richts von Düsternis im Frühsommer, wenn das Eifelgold, die Ginsterblüt«, an den Hängen schäumt, zu allen Felsrändern klettert, in bi« schluchtartigen Täler hinabschieht. Tiefer Friede des Septemberglücks, wenn sich die Hejdestrecken des Hochlandes rot färben von der Blüte der Erika. Aber einen Eindruck von unerhörter Kraft hat dieses deutsche Dergland ganz für sich allein: wenn man nämlich in mondheller Sommernacht aus lieblichen Dörfern und Sommerfrischen aufbricht zu seinen Maaren, au den Kraterseen seiner toten Vulkane. Dann offenbart dieses Land seine ganze geheime Herrlichkeit. Wenn wir eine Eroberung der Eifel von der Mosel her unternehmen wollen, so fahren wir etwa mit dem Schnellzug von Koblenz bis Bullay und besuchen das im bergigen Eifelvorland liegende Bad Bertrich im engen waldigen Tal des Ueßbaches unterm Kondelwald. Bertrichs Heilquellen sind berühmt, ebenso seine reizende Anlage als idyllischer, sehr gepflegter Bade- und Kurort. Mit der nahen Mosellandschaft bildet es erst den Uebergang zu der eigentlichen Eifel. Diese erreicht man, wenn man entweder von Bertrich auf einem bezeichneten Eifelwanderweg oder über Wittlich mit der Dahn und über die gute Autostraße nach Manderscheid kommt. Manderscheid gehört zu den romantischen Glanzpunkten der Eifel als Sommers rischen gebiet. In geschützter Lage zwischen hohen Waldbergen im viel gekrümmten Tale der Lieser liegt der lieblich« Ort unter seinen zwei Burgruinen. Richt weit davon ist seit einigen Jahren die prachtvolle, barock« Zisterzienserabtei Himnterod im Salmtal aus Ruinen wiedererstanden. Hinter Manderscheid erhebt sich unmittelbar der Mofenberg, der imposanteste erloschen« Vulkan ter Eifel, mit feinem Kratersee, seinem Maar. Dort oben erlebt man die Eifel zu jeder Zeit in ihrer ganzen Größe und in der Fülle ihrer Reize. In dieser Landschaft ter südöstlichen Eifel liegen noch die anderen Maare: das Pulvermaar bei Gillenfeld, daS Meerfelder Maar, die Schalkenmehrener Maare. Don all diesen Orten führen unzählige Wanterwege in die Hohe Eifel nach* Nörten. Wir können aber auch auf ältesten Straßen, auf Römerstrahen heute noch von ter zweitausendjährigen Kaiserstadt Trier au8 in die Eifel Vordringen. Die Schnellzugstrecke folgt in dieser Richtung, nahe bei Trier von ter Mosel abzweigend, ter Kyll hinauf in die Eifelberge. Als Ziel nimmt man dort am besten Kyllburg, das mittelalterliche Städtchen, das von ter Bahnstrecke unten am Flüßchen hinaufklettert zum Plateau des „Hahn", eines merkwürdig runden Berges, ter auf seinem Gipfelplateau Reste einer alten Burg und daneben den einzigartigen düsteren Eiseldom trägt. Aus diesem Waldwinkel gehts bald weiter hinaus nach G e r o l st e i n, dem tefamiten Luftkurort. Hier herrscht reinster Eifelcharakter. Wie Birresborn und Riedermen d i g , hat Gerolstein seine Mineralquelle, Es ist eine luftige liebenswürdige Sommerfrische in den Bergen ter Hocheifel. Richt weit davon das Kreisstädtchen Daun mit eisenhaltigen Quellen und modernem Batebetrieb. Die Eiset zählt ja an 300 Heilquellen. Von ter Kyll ists nicht weit hinüber zur Ahr, die durch ihr liebliches Tal hinunterströmt, an vielen Sommerfrischen vorüber nach dem schon dicht am Rhein liegenden BadReuenahr. Aber wir wollen weiter quer durch dieses schön« einsame Dergland wandern, nach Westen gewandt zur Schnee.Eisel hin an deren Rand Prüm liegt. Von hier aus führen Wanderwege zum Westrand ter Eifel in das Gebiet von Neuerburg und weiterhin zur Sauer, dem in einem reizenden Tale dahinfließen den Grenzfluß gegen Luxemburg. Heber die Schnee-Eifel geht nach Norden ein Wanderweg über tee Wasserscheide hinauf nach Schleiden, ter hübschen Kreisstadt, wie alle diese alten Gifelstädtchen von einer mächtigen Burg, heute Kloster, überragt 2m Kreise Schleiden sind als Luftkurort zu nennen: Gemünd am Zusammenfluß der Urft und Olef, die vereint den weiten Stausee ter Urfttalsperre bilden. Dieser Stausee gehört zu den Glanzpunkten der schönen N o r d «i f e l. Die Urft mündet kurz nach ihrem Abfluß aus ter Sperre in die Rur. Sehr lohnend ist eine Wanderung die Rur abwärts, an der Burg Niteggen vorüber ,die das Tal malerisch überragt. Hinter dem Kermeter-Wald die Trappisten-Abtei Mariawald und weiterhin Heimbach mit ter Burgruine Hengebach. Ausgangspunkt für Wanderungen in diese Gegend ter Norteifel ist die behagliche Stadt Düren, an der Hauptlinie Köln—Aachen. 2n einer tiefen Schlucht liegt an ter schmalen Rur das berühmte Tuchmacherstädtchen Monschau (Montjoie). Diese Kultur kam — wie die Monschauer Tuchherren selber — aus Aachen. Dorthin führt schließlich unser Weg vom Venn herab. Die alte deutsche Kaiserstadt, das europäische Bad Aachen, ist die eigentliche Eifel- hauptstadt. Rundfunkprogramm. Sonnlag, 24.3uli. 6.15: Don Bremen: Hafenkonzert. 8.15: Frie- tenskirche Kassel: Morgenfeier, veranstaltet von ter Evangelischen Landeskirche in Hessen-Kassel. 10.00 bis 10.45: Von Hamburg: Totengedenkfeier zu Ehren ter gefallenen Kameraden vom Reichsverband deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebenen. 11.00: Festhalle Frankfurt a. M.: XI. Deutsches Sängerbuntessest. III. Hauptkon- jert 12.00: Mittagskonzert des Kurorchesters Bad Hersfeld. 14.10: Stunde des Landes. 15.00: Stunde ter 2ugend. 15.30: Festzug des XI. Deutschen Sängerbuntesfestes. Am Mikrophon: W. W. Knoeciel und Carl Stueber. 16.00: Nachmittagskonzert des Rundfunk-Orchesters. 18.00: »Gibt es Klassen?". Gespräch zwischen einem Arbeiter und einem Akademiker. 18.25: Dreißig bunte Minuten. 18.55: »Was bedeutet ter preußische Osten für die deutsche Zukunstsentwickkung?" Dortrag von H. v. Zihewitz. 19.30: Mannheim: Die Flucht. Aus dem Roman »Den—Schi—Chua", von Tretjakow. Erzählt von Walter Jensen. 20.00: Königsberg i. P.: Großes Militärkonzert. 22.00: Die ilpr. Don Martin Raschle. 22.45 bis 24.00: Nachtmusik. Leitung: Erich Kloß. IHonlag, 25. Juli. 7.05: Bad Mergentheim: Frühkonzert des Kur- orchesters. 12.00: Freiburg: Serenaden. 13.30: Don Münster: Konzert. 15.20: „Die Berufsaussichten der Frau im Hotelgewerbe", Vortrag von Helene Haimann. 17.00: Mannheim: Konzert. Volkstümlich« Melodien. 18.30: »Wie kann dem Handwerk geholfen werten?", Vortrag von Dr. Carl Schäffer, Franklurt/M. 19.00: Frei- gehalten für politische Vorträge. 20.00: Deutsch« Volkslieder II. 20.45: Deutsch« Reden. Erwin Guido Kolbenhcyer. 21.10: (M, Deutschlandsen- ter): Orchester-Konzert. 22.45: Nachtmusik. Dienstag, 26. Juli. 7.05: Don Bad Oeynhausen: 'Frühkonzert der Kurkapelle. 12.00: Mittagskonzert. 13.30: Konzert auf Schallplatten. 15.20 bis 15.50: HauS- frauen-Nachmittag. 17.00: Konzert. 18.30: »Der Stand der Arbeitslosenhilfe und was weiter?". Vortrag von Stadtrat Dr. Ernst Michel. 19.00: Freigehalten für politische Vorträge. 20.00: Don Freiburg: Wiener Schrammelmusik. 20.30: Don Friedrichshafen: Plauderei vom Bodensee. Don Erwin Erdmann. 21.00: Länderquerschnitt. Skandinavien. 22.45 bis 24.00: Nachtmusik der Stuttgarter Philharmoniker. Mittwoch, 27. 3ulL 7.05: Don Bad Oeynhausen: Frühkonzert bet Kurkapelle. 12.00: Mittagskonzert. 13.00: Konzert auf Schallplatten. 13.30: Konzert aus Schallplatten. 15.20 bis 16.20: Stunde ter Jugend. 16.30: „Mit dem Rundfunkgerät auf AuSlandS- reifen". Dortrag von Hans Neuert, Berlin. 17.00: Nachmittagskonzert des Rundfunk-Orchester-. 18.30: „Robespierres Tisch", von Dr. Friedrich Sieburg. 19.00: Freigehalten für politische Dorträge. 20.00: Mandolinenkonzert teS erften Stuttgarter Mandolinen-Orchesters. 20.20: Die Gondoliere. Durlesque-Operette in zwei Akten. Don W. S. Gilbert. 22.45 bis 24.00: Blasmusik des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. Donnerstag, 28. 3ull. 7.05: Bad Bertrich: Frühkonzert der Staatlichen Kurkapelle. 12.00: Konzert auf Schallplatten. 13.30: Konzert. 15.00: Stunde ter Jugend. 17.00: Don Wiesbaden: Nachmittagskonzert des Städtischen Kurorchesters. 18.30: .Wirtschaftsverfassung und Wirtschaftslage der Dölker: Spanien". Dortrag von Professor Dr. Fritz Neumark. 19.00: Freigelassen für politische Vorträge. 20.00: Reue Balladen. Don Hans Friedrich Blunch, gelesen vom "Verfasser. 20.15: Naturschutzpark der Mundarten: Hessisch. 20.40: Auf ter Kegelbahn. Hör- tericht von Ernst Nebhut. 21.00: Die Komödiantin. Singspiel in 2 Akten von Jos. Haydn (1766). 21.45: Gianni Schicchi. Oper von ®. Puccini. 22.45 bis 24.00: Nachtkonzert. Freitag, 29.3utt. 7.05: Bad Bertrich: Frühkonzert der Staatlichen Kurkapelle. 12.00: Unterhaltungskonzert des Rundfunk-Orchesters. 13.30: Konzert auf Schall- platten. Unterhaltende Klaviermusik. 17.00: Desperkonzert. 18.30: »Sanierung deS städtischen Grundbesches"', Vortrag von Dr. Luehr, Frankfurt a. M. 19.00: Freigelassen für politische Vorträge. 20.00: Symphonie-Konzert. 21.00: »Ziviler Lust- und Gasschutz", Vortrag von Pros. Dr. Helsferich. 21.30: Unterhaltungskonzert. 22.45 bis 24.00: Nachtmusik der Stuttgarter Philharmoniker. Samstag, 30.3uIL 7.05: Bad Sooden-Allendors an ter Werrar Frühkonzert. 12.00: Konzert auf Schallplatten. 13.30 bis 14.40: Konzert des Kur-Orchesters Bad Hersfeld. 15.30 bis 16.30: Stunde ter Jugend. 17.00: Nachmittagskonzert des Rundfunk-Orchesters. 18.30: „Die Merck-Goethe-Ausstellung in Darmstadt", Hörbericht, Leitung: Ernst Nebhut 19.00: Freigelaffen für politische Vorträge. 20.00: Bad Kreuznach Südwestfunkbühne: Städte-Tres- fen. 22.45 bis 24.00: Nachtkonzert. Goldenes Doktor-Jubiläum Arthur v. Weinbergs. WSN. Frankfurt a.M., 22. Juli. Siner der bedeutendsten industriellen Forscher auf dem Gebiete der anorganischen Farbstoffe, Geheimer Regierungsrat Dr. Dr.-Ing. e. h. Arthur von Weinberg, Frankfurt-Nieterrad, Mitglied deS Aufsichtsrats und Verwaltungsrats der 2G- Farbenindustrie, Ehrensenator der Universität Frankfurt a. M. und Ehrenbürger der Stadt Frankfurt a. M., begebt am 24. Juli die fünfzigste Wiederkehr des Jahrestages feiner Doktor-Promotion. Diese fand in München bei Adolf v. Bayer statt, der bekanntlich ein berühmter Führer der wissenschaftlichen Chemie des 19. Jahrhundert- war und dessen Assistent Geheimrat A. v. Weinberg gewesen ist. Dem Jubilar wurde als Zeichen der Dankbarkeit für seine unermüdliche und großzügige Förderung aller kulturellen Bestrebungen in Frankfurt anläßlich seines goldenen Doktor-Jubiläums di« Goethejahr-Medaille ter Stadt Frankfurt zugeeignet. Daten für SamStag, 23. Juli. 1532: Religionsfriede zu Nürnberg. 1562: Ritter Götz v. Berlichingen in Homberg gestorben. 1914: Ultimatum Oesterreich-UngarnS an Serbien. Erholungsheim Ächhof Lauterbach (Hessen) 10 Minutenv.Bad-Salzschlirf, am Südost' vbbang des Eichbergs mit großen in die Waldungen des Eichbergs übergebenden Parkanlagen. Neuzeitliches Schwimmbad m nächster Nabe. Ruhige, sonnige Höben- lagen sichern beste Erholung. 3953 v Volle Pension 3,50. aiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiD • AUSKUNFT fSad tfclters das zeitgemäße Bad heilt Leber, Galle, Magen, Darm, CHcbt, Rheuma Stark herabgesetzte Preise, Insbesondere für die beliebten Pauschalkuren. Das Kurhaus steht unter neuer Leitung eines erstklassigen Hotel- und insbesondere Küchenfachmannes. Beste Verpflegung, Diätküche, Prospekte durch die Kurverwaltung Bad Selters (Oberhessen). Anmeldungen frühzeitig erbeten 2910 BadsNauheim Gasthaus zur Waldlust best. seit 1860.—Größtes bürget Gartenrestaurant am Platze.—Eigene Schweine- metzgerei. eigene Ävfelweinkelt. Bürger!. 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Nachdruck oerdotenl Wie so ganz anders hätte er alles aufgesastt, wenn ihm seine Mutter auch einen anderen Brfefsah Lils wiederholt hätte. Wenn sic ihm gesagt, dast der Sah: Werners Liebe ist zu klein, sie kann mich nicht zurückhalten! den Nachsatz hinter sich hergezogen: Schade! Ich habe Werner lieber als alles sonst auf der Welt! — Hätte er von diesem Nachsatz auch nur die leiseste Ahnung gehabt, er hätte noch in dieser Stunde das Haus verlassen, um Lil zu suchen und sie sich wieder- zuholen. Denn so sehr es ihm wehgetan, so sehr es im Augenblick sein Herz verhärtet, weil Lil seine Liebe „klein" genannt, so stark fühlte er jetzt wieder, er liebte sie, liebte sie mit tiefer Inbrunst. Er liebkoste das Bild, murmelte: Lil, meine süste geliebte Lil, warum hast du mir das angetan? Leise kam der Frühlingswind durch das ein wenig offene Fenster, strich wie eine kaum wahrnehmbare und doch sanft beruhigende Hand über die Schläfen und Stirn des Mannes, dem ein schöner Lebenstraum zerronnen war. Derselbe linde Frühlingswind aber drängte sich auch, weit brausten an den Grenzen der Stadt, durch das ein wenig offenstehende Fensterlein eines Zirkus- Wagens, darin auf schmalem Lager die noch vor kurzem so verwöhnte, jetzt bettelarme Lil ruhte, und sich mühte, den Schlaf zu finden. Sie wollte so gern wenigstens für ein paar Stunden vergessen, dast sie für immer den Mann aufgegeben, nach dem ihr Herz so verlangend schrie. Sie atmete bedrängt. Angst vor dem Abenteuer, in das sie sich gestürzt und Sehnsucht nach Werner quälten sie. Mit der Weichen linden Mailuft drang Stallgeruch in den kleinen Wohnwagen. Lil dachte an die Pferde und Hunde, die man ihr vor ein paar Stunden gezeigt, sie dachte auch an den Clown Melchior Stampfer! und an den Direktor. Ebenso an den Seiltänzer mit den frechen Augen, der sie von weitem betrachtet und an die verschminkten Direktors- töchber. Sie sog mit gierigen Lungen die Luft ein, die durch das Fensterchen kam und prestte die Hand auf das Herz, das so unruhig schlug. Tränen brannten in ihren Augen, Tränen, die sich aus der Tiefe ihres Herzens gelöst und nun einen Ausweg suchten. Sie schluchzte leise auf. Werner! hätte sie schreien mögen. Werner.' So laut, dast er es hätte hören müssen über den ganzen langen Weg, durch den sie von ihm getrennt war. Sie preßte ihr Gesicht fest in die Kissen und spürte dabei unangenehm den groben Stoff der Kissenbezüge. Es überkam sie das Verlangen, leise aufzustehen, zurückzulaufen nach der Linden- straste und um Wiederaufnahme zu bitten. Ganz bescheiden darum zu bitten. Dann sah sie Werner wieder und dann nahm er sie vielleicht wieder an sein Herz. Schon hob sich ihr einer Fust, schon hob sich ihr Körper, da stand mit einem Male Werners Mutter vor ihren geistigen Augen, abweisend und hart. Mit einem wehen Seufzer liest sich Lil wieder in die Kissen fallen. Der Brief fiel ihr ein, den sie zurückgelassen, damit hatte sie den Schlüssel zur Tür der Versöhnung ein für allemal selbst weggeworfen. Es gab kein Zurück mehr. Derselbe Frühlingswind liebkoste die beiden Menschen, und doch besäst er nicht einmal die Kraft, sie voneinander zu grühcn. Sic waren sich nahe und waren sich doch so fern, als lägen Länder zwischen ihnen, weite Länder. Hell und klar glitzerten dieselben Sterne auf das kleine Haus in der Lindenstraüc nieder, die auch auf den Wohnwagen der Zirkusleute herabschauten, darin ein blondes Mädelchen sich in den Schlaf geweint. Aber kein Stern war hell genug, um den zwei Menschen einen Weg zu beleuchten, auf dem sie sich entgegengehen und wiederfinden konnten. Kein Stern war hell genug. 12. Kapitel. Langsam zogen die Wagen durch die Nacht! Die Gräfin Celia Kurzmann fast vor dem dreiteiligen Frisierspiegel und lieh sich von ihrer Zofe Meta das Haar ondulieren. Celia Kurzmann Cwar heute erst spät aufgestanden, was sehr häufig bei ihr vorkam. Sie gähnte ab und zu, nörgelte: „Sie wissen aber auch gar nichts Neues, Meta, als gute Zofe müstten sie ständig einen Sack von interessanten und pikanten Neuigkeiten bereithalten. Schliestlich will man doch unterhalten sein, wenn man stillsitzen must." Meta lächelte: „Frau Gräfin sind sensationslüstern. Das Wort habe ich von Fräulein Lil Körner gehört." Sie wustte. wenn sie den Namen Lils nannte, hatte die lebhafte Gräfin ein Thema, das ihr gefiel. Dann fragte sie dies und fragte das. Lil Körner war anscheinend in den gräflichen Augen eine sehr interessante Person. Sie hatte sich nicht getäuscht: die junge Gräsin, die feit zwei Jahren schon Witwe war und doch erst fünfundzwanzig Jahre zählte, schnappte auf den hingehaltenen Köder an. Sie fragte: „War sie denn als Clown in der Wohltätigkeitsvorstellung wirklich so heiworragend, wie man mir erzählt«? Ich kann mir nämlich gar nicht vorstellen, dast eine Dame der Gesellschaft dergleichen fertigbringt." — Meta prüfte die Brennschere, ob sie Heist genug wäre und drückte dann damit in die Haarsträhne eine tiefe weiche Welle. Meta gab Antwort: „Für meinen Geschmack war sie als Clown grästlich! Frau Gräfin müssen sich das vorstellen. So 'n Dreikäsehoch, der schielt und Grimassen schneidet, dabei Nad schlägt, dast man die Drehkrankheit davon »kriegen kann." Sie zuckte die Achseln. „Aber es ist Geschmacksache. In der Wohltätigkeitsvorstellung war man ganz aus dem Häuschen wegen ihr." Es klopfte und das Mädchen meldete: „Frau von Welp!" Die Gemeldete folgte dem Mädchen schon auf dem Fuste. Sie schlug die Hände zusammen. „Aber, Celia, noch bei der Toilette und es ist zwölf Uhr! Jede Minute kann es schlagen!" Sie blickte nach der Stuhuhr auf der geschweiften Komode, die ihr auch den Gefallen tat, jetzt zwölfmal ihr dünnes Stimmchen zu erheben. Celia Kurzmann lachte. „Tantchen, hier brausten bei uns ist es so totenstill, dast ich leider zu oft verschlafe und ich tue es sogar gern, seit ich schon mehrmals gelesen, guter Schlaf wäre ein Schönheitsmittel. Aber nun mach es dir bequem und, nicht wahr, du istt bei mir? Es gibt heute lauter gute Sachen." Frau von Welp hatte schon den Hut abgelegt, Meta half ihr noch aus dem dünnen Seidenmantel, ehe sie weiterondulierte. Celia fragte nun: „Bringst du keine Neuigkeiten mit, Tantchen? Bei euch in Frankfurt passiert doch mehr als bei uns hier brausten in Nödelheim." Die Gefragte rieb sich vergnügt die Hände. „Hm dir eine Neuigkeit mitzuteilen, bin ich doch gerade schon am Vormittag gekommen." Es störte sie nicht, dast die Zofe dabei war, sie berichtete mit glitzernden Fischaugen: „Lil Körner hat heimlich das Haus der Baronin Sturm verlassen und kein Mensch weist, wo sie hin ist! Seit gestern nachmittag ist sie fort mit ihren Koffern. Als die Baronin nicht zu Hause war und der Doktor auch nicht, hat sie sich auf und davon gemacht. Das Mädchen hat sie vorher weggeschickt mit einem Auftrag. In dem Brief, den sie hinterlassen hat, steht, man solle sich nicht um sie kümmern, sie hätte schon ein Unterkommen, das ihr zusagt. Die arme Baronin Sturm tut mir leid, die macht sich nun allerlei Sorgen, wo Lil Körner sein könnte. Vielleicht tut sie auch nur so. denn sie hat mir selbst gesagt, sie bereue all ihre Güte gegen die Nichte." Celia machte jetzt ein munteres Gesicht. „Das ist ja eine fabelhaft interessante Geschichte! Diese Lil Körner scheint wirklich ein tolles Geschöpf zu sein. Erst stellt sie sich als Clown zur Schau, dann boxt sie die Zofe und jetzt kneift sie aus. Und so 'was wollte der Doktor heiraten, von dem du mir schon so viel erzählt und auf den du mich neugierig gemacht hast, Tante?" Sie sah Meta im Spiegel an. „Eilen Sie sich doch ein bistchen." Sie wanbte sich über die Schulter zurück an Frau von Welp. „Erzähle weiter, Tantchen, was du über die Sache sonst noch weistt. Der Flucht Lil Körners must doch irgendein Familienkrcüh oder so 'was vorangegangen sein?" Frau von Welp war ziemlich gut unterrichtet. Heute vormittag, gleich nach dem Frühstück, nachdem Werner fortgegangen, um Patienten zu besuchen, war die Baronin zu ihrer Vertrauten geeilt, und hatte ihr von dem Geschehenen Mitteilung gemacht. Natürlich in der Form, die sie für richtig hielt. Ohne sich selbst auch nut im geringsten anzuklagen. Sie war in der Tragödie der weiße Unschuldsengel unu Lil die schlechte, kohlschwarze Teufelin. Frau von Welp erzählte und berichtete auch, dast Lil Körner sich gestern morgen schon einmal für längere Zeit von Hause entfernt hätte und am Frühstückstifch gefehlt habe. Erst eine halbe Stunde nach neun wäre sie zu rück gekommen. Anscheinend habe sie sich bei diesem frühen Mor- genausgang das Unterkommen gesucht, das sie ohne nähere Angabe in ihrem zurückgelassenen Brief erwähnte. Metas Hand begann ungeschickt zu werden, sie versengte ein paar Haarspitzen der Gräfin, die ärgerlich ausrief: „Passen Sie doch lieber auf Ihre Arbeit auf, statt so genau auf jedes Wort zu achten, das meine Tante sagt!" Meta murmelte: „Verzeihung, Frau Gräfin, aber was die gnädige Frau eben erzählte, hat mich besonders interessiert, weil ich glaube zu wissen, wohin Fräulein Körner gegangen ist gestern früh, ich meine, wo sie sich jetzt aufhalt." Der Kopf der Gräfin fuhr herum. „Woher wollen Sie denn bas wissen?" „Durch Zufall habe ich das erfahren, Frau Gräsin, nur durch Zufall." Nach Art klatschsüchtiger Menschen stellte fia sich wichtig in Positur, war ganz rot vor freudiger Aufregung, jetzt eine richtige Sensationsnachricht loslassen zu können. „Nasch, rasch", drängte die Gräfin, „fegen Sick doch vorläufig die verflixte Brennschere weg, Meta, und erzählen Sie, was Sie wissen." lFvrtfetzung folgt.) faiseiv iclttuß w BEGINN MONTAG DEN 25. JULI “ FRANKFURT'/m GOETHEStR.9-H Oeflenü-Versammliind Mittwoch, den 27. Juli, abends 8% Uhr, im Saale des Caf6 Leib. — Thema: Schlußabrechnung mit dem November- System. Der Weg zum neuen deutschen Reich. «-7, Rednenl.HerrStudienratKauer,Wetzlar. 2.Herr Landwirt Dr.Lahr,Ober-Hilbersheim Deutschnationale Volkspartei / Ortsgruppe Gießen, Universität Köln jSchützenhaus Statt Karten! Winter-Semester 1932/33 5471 V MUMen-Buseck RPv IV f V K Sonntag, d. 24. und Montag, d. 25. Juli [5452D Aus dem Programm 04370 Kmiststoiilerei Köniü Lichtspielhaus Sonntag, d. 24. und Montag, d. 25. 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Vorführungen der Schwimmabteilung des Turnvereins 1846 Giehen mit 45 Schwimmern u. Schwimmerinnen. Musik: Musikverein Grünberg.______ Wissenschaftliche Werke Sondergebiet aer Brühl'schen Druckerei M. CH. Mühlstein Sackfabrik Gießen An der Margareten- hütte 5/ Telephon Nr. 2132. Detektiv K. Gerz, Bad-Nauheim, Kur- »trabe 17 erledigt alle vertrauliche Privat- u. Geschäftsanaele- genheiten,wie Auskünfte, Beobachtungen, Ermittlungen, Beschaffung v. Be- weismat. in Straf- u. Zivilvroz. streng d^kr. Svrechst.:9b 12*/,". 3—6 Uhr Hühneraugen Warzen,Hornballcn beseitigt restlos auch in den hartnäckigst Fällen totsicher unt. Gar.innerh.5-6 Tg. Hühneraiiyen-Rapid Erhält!. nur: Löwen- Drogerie W. Kllbinger Nacht., Seltersweg 69, am Sonntag, dem 24., und Montag, den 25. Juli 1932 | 2 Tanzböden | 2 Musikkapellen] Für vorzügliche Speisen und Getränke ist bestens gesorgt!