Hr. 145 Erster Blast 182. Jahrgang Donnerstag, 25. Juni (952 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustriert« Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monat,-Berugrpreir: Mit 4 Beilagen NM 1 95 Ohne Illusttierte , 1.80 Zustellgebühr. , -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüste unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten^ Anzeiger Liehen, poßscheclionto: frronffurl am Main 11686. GiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrbhl'sche Univer^tai5-Vllch' und Steinörudcrei R. Lange in Gießen. Zchriftleitnng und Seschäftrstelle: 5chnlttraße 7. Annahme von Anzeiaen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspsennig: für 'N— hlameanieigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrist 20• . mehr. Cbefrebahteur Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Terantmortlid) für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.Tdyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Neuer Impuls Die Die Meinung der andern Amerika habe sich mit diesen Dorschlägen in I weitern Umfang abrüstungspolitisch festgclegt. 64 wäre abweg.g. diesen Vorstoß des Weihen Hauses lediglich mit Wahlrücksichten erklären zu wollen. Dorn deutschen Standpunkt auS müsse die Initiative Hoovers auf das Wärmste begrübt werden. — Der „Vorwärts" meint. Hoover habe durch seinen Genfer Vorstoß einen deutlichen Wink an die in Lausanne versammelten Staatsmänner geben wollen. Insosern könne der Vorschlag trotz seiner ersten, etwas kühlen Aufnahme schließlich doch den weiteren Verlaus der (Senser Konserenz im Sinne eines greifbaren Ergebnisses entscheidend beeinflussen. Deutschland nicht Voll befriedigt. Das Rüstungsvcrßällnis mutz geändert werden. Genf. 22. Juni. (TU.) von maßgebender deutscher Seite wird zu dem Abrüstungsplan Hoovers erklärt: Die Initiative des Präsidenten Hoover ist schon deshalb sehr begrüßensroert, weil damit ein energischer Schritt auf allen drei Gebieten der Ab- rüftung unternommen wird. Ferner ist in einer Teilfrage der deutsche Hüftungsffanö, wie er im Versailler Vertrag festgelegt worden ist, als Ausgangspunkt genommen, und zwar bei der Berechnung der Efektivstärken für die innere Sicherheit. Ls muß aber darauf hingewiefen werden, daß auch die in der amerikanischen Erklärung oorgeschlagenen Lösungen noch weit von den deutschen Forderungen entfernt sind. Deutscherseits wird gefordert, daß die Konferenz feibft in ihren Beschlüssen über die amerikanischen Vorschläge hinausgeht, insbesondere fordern wir, daß — soweit Deutschland in Frage kommt — das Rüstung so erhall- nis zwischen den Staaten nicht das ! gleiche bleibt wie bisher, sondern durch die Berücksichtigung der beutfeßen Forderungen nach, äußerer Sicherheit abgeänöert wird. Das Echo der Hoover-Boffchast. Nur geringe Aussicht aus Annahme des amerikanischen Abrüstungsvorschlags gordischen Knoten, zu dem sich die internationalen Verhandlungen am Genfer See verwirrt hatten, gleichsam mit einem diplomatischen Schwertstreich. Amerika hat damit den Franzosen den Jehdehand- schuh hingeworsen, die französische Abrüftungs- theorie ist moralisch vernichtet, die Abrüstungsvor- schrislen des Versailler Verlages haben mit der Botschaft Hoovers ihren ursprünglichen Sinn wieder erhalten, der ungeheure Schwindel, der von dem französischen Generalstab und von den französischen Regierungen im Laufe der letzten zehn Oaljre verübt worden ist, wird damit demaskiert. Wenn mir von der deutschen grundsätzlichen (Einstellung aus diese Kundgebung beurteilen sollen, so können wir zunächst mit Genugtuung feststellen, daß das deutsche Rüstungsniveau des Versailler Vertrages als Ausgangs- neue Botschast des Präsidenten der Bereinigten Staaten an die Abrüstungskonferenz in Gens richtet sich an die ganze Well und stellt die Verhandlungen zwischen den Mächten auf eine neue Grundloge. Hoover zerschneidet den sogar, baß sich nach dem allgemeinen Eindruck der Widerstand gegen die amerikanischen Vorschläge als unüberwindlich erweisen werde. — „Daily Herald" fürchtet, daß dieser Vorschlag in einem Veh von Bedenken und Vorbehalten erdrosselt wird. — ,Vews Chronicle" betont, es sei jetzt an Frankreich, das Seine zu tun, um die Welt von dem Fluch der Rüstungslasten zu befreien. — „TirneS" begrüßt den Schritt des amerikanischen Präsidenten Hoover mit außerordentlicher Wärme. England könne die Vorschläge Über die Landrüstungen ohne das leiseste Bedenken auf nehme n. Was die Seerüstungen betreffe, so sei natürlich genauere Prüfung notwendig. - Die rcchtslonservative „Morning-Post" behandelt die amerikanischen Vorschläge mit Ironie. Es sei salsche Sparsamkeit sagt sie. die einzige Sicherheit, die gegen die Gefahren eines Krieges ; gegeben sei, allzusehr zu verringern. Tribute gehen auf Kosten der Gläubiger. Deutschland fällt als Kunde aus. London, 23. Juni. (ERD. Funkspruch.) Der TimeS-Korrcspondent in Lausanne meldet 2leuße- rungen des deutschen Reichswirtschaftsministers Warmbold zu der Frage des kommerziellen Wettbewerbs, es sei bezeichnend, daß gerade während der letzten eineinhalb Jahre Besorgnisse und Beschwerden über die Steigerung der deutschen Ausfuhr und die Drosselung der deutschen Einfuhr laut geworden seien. Zu diesen Maßnahmen sei Deutschland aber durch schweren Kapitalverlust gezwungen worden, um seine Schulden an das Ausland bezahlen zu können und seinen Kredit aufrechtzuerhalten. 3n besseren Zeiten fei Deutschland stets ein guter Kunde gewesen, besonders für britische Tuche, französische Seidenwaren, Weine und Parfümerien. Bei dieser Sachlage sei das Argument unbegreiflich, daß das Auferlegen künftiger finanzieller Lasten den kommerziellen Wettbewerb Deutschland gegenüber dem Auslande wenigerempfind- l i ch machen würde. Ganz im Gegenteil würde Deutschland bei solchen künftigen Verpflichtungen genötigt sein, seine Ausfuhr noch mehr zu steigern und seine Einfuhr aufs engste zu begrenzen. Wenn die kommerziellen Schulden Deutschlands bezahlt werden sollten. sei ein Einfuhrüberschuß nötig. Aber dieser ilebcrfdjuß reiche gegenwärtig kaum aus. Die Auferlegung künftiger Finarrzlasten würde nur a u f Kosten derGläubiger erfolgen. Aus allen diesen Gründen, so habe der Minister geschlossen, liege es im Interesse der betreffenden ßänber. Deutschland in eine Lage zu bringen, in der es nicht z u einer unnatürlich en Steigerung seiner Ausfuhr gezwungen, sondern es fähig zu machen. mehrKäufeals gegenwärtig im Auslande vorzunehmen. punkt für Hoovers Abrüstungsprogramm genom-, men wurde. Darüber hinaus ist aber der deutschen Auffassung, die aus Gleichberechtigung zielt, noch nicht damit gedient, wenn die Abrüstung der Land-, Lust- und Seestreitkräste auf zwei Drittel ihres bisherigen Umfangs gefordert wird. Man muß dabei beachten, daß die Herabsetzung um ein Drittel sich bei den Landheexen nur auf denjenigen Teil der Streitkräfte erstrecken soll, die über b i e Notwendigkeit en bes inneren Schutzes hinausgehen. Wenn man das deutsche Rü- ftungsnioeau nach dem Versailler Vertrag gerade als diesen Notwendigkeiten entsprechend betrachtet, so wäre unserer grundsätzlichen Forderung nur bann Rechnung getragen, wenn der Abbau um rin Drittel ausdrücklich als xin e r ft e r Schritt de- zeichnet wird, dem der Abbau um die weiteren Drittel in Abständen zu folgen hätte. Die Feststellung, daß Abrüstung dasPri- märe, daß Reparationen daS Sekundäre und daß die interalliierten Schulden den dritten Rang einnehmen, fleht in diametralem Gegensatz zu der Auffassung Frankreichs, das erst Reparationen, bann Schuldenstreichung und schließlich eine geringfügige Verbilligung der Rüstungen vorzunehmen empfiehlt. Abgesehen hiervor ist damit jede Friedensdeklaration überflüssig geworden. Der Vorschlag Hoovers zeigt die grundsätzliche Bedeutung des Kelloggpaktes und befreit uns daher von der Gefahr einer moralischen Isolierung, die durch nochmalige Friedenserklärungen unser- scihs erzielt werden sollte. Man kann die amerikanische Botschaft nicht damit abtun, daß man sagt, es handle sich um Wahlpropaganda. Hinter diesen Vorschlägen steht fraglos die Gesamtheit der öffentlichen Meinung der Bereinigten Staaten. Es ist kennzeichnend, daß sich Amerika in dieser Botschaft nicht nur völlig von der Grundanschauung des Versailler Vertrages abwendet, sondern daß es in dieser Grundanschauung des Versailler "Vertrages den Mittelpunkt der Weltwirtschaftskrise erfaßt zu «haben glaubt. Die Kriegsrüstungen Frankreichs und seiner "Verbündeten verhindern eine Wiederherstellung des allgemeinen Vertrauens. Weil die Welt kein Vertrauen zu der Sicherheit und der "Verläßlichkeit des Friedenszustandes besitzt, deswegen stockt Hntcmeß- mungsgeist und Wirtschaft. Amerika weiß, daß auf dem bisher verfolgten Wege ein neuer Weltkrieg unvermeidlich wird. Es will ihn verhindern, ehe es zu spät ist, es wünscht die Wiederherstellung eines Gleichgewichts der Kräfte. Der französische Ministerpräsident H e rrt o t ist mit diesem amerikanischen Vorstoß in eine höchst peinliche Lage hineingedrängt worden. Wie er sich ihr entziehen wird, wird sich demnächst zeigen. Bisher pflegte Frankreich solchen Situationen durch einen Regierungswechsel zu begegnen. Ob es auch diesmal diesen Ausweg wählen wird, muß abgewartet werden, kein Regierungswechsel wird aber Frankreich vor der Beantwortung her Botschaft retten. Darin steht unweigerlich und unwiderruflich die Feststellung, daß die Abrüstungsartikel des Dölkerbundsstatutes eine Einschränkung der Rüstungssouveränität bedeuten sollen und zwar auch für die Siegermächte. Der Artikel 8 der Völkerbundssayung hat damit seine wirkliche Bedeutung wieder erhalten. Für die deutsche Politik bedeutet die Hoover- Botschaft eine außerordentlich starke Entlastung. Wir sind aus der Zwangslage befreit, in der wir bisher lebten. Gewiß ist diese Befreiung vorerst nur eine diplomatische und verhandlungstaktische. Aber es ergibt sich doch daraus, daß wir nicht verlassen dastehen, Hoover bestätigt die Richtigkeit unserer politischen Forderungen. ilnö wenn er. um weitere Fortschritte zu erzielen, zunächst reinen Tisch macht, so können wir das nur begrüßen. Freilich sind damit ernste Gefahren aufs Reue erstandeir^ Wir dürfen uns nicht darüber täuschen, daß Frankreich und seine Verbündeten zu äußerstem Widerstände entschlossen sind. CSad von ihnen aus unternommen werden wird, laßt sich noch nicht absehen. Daß Frankreich aber in dem amerikanischen Verlangen eine Gefahr für das erblickt, was man bislang mit dem schönen Worte Sicherheit bezeichnete, worunter man aber die Kühle Ablehnung in Paris. Paris, 23. Juni (WTD. Funkfpruch.) Der Abrüstungsoorschlag Hoovers findet in der französischen Presse eine kühle Aufnahme, aller- dings mit Vuancen. Das Hauptargument gegen den Vorschlag ist, daß es sich um ein Wahl- rn a n i f e st handele. „QUatin“ schreibt, Hoover habe vergessen, daß eine internationale Konferenz dazu da fei, zu verhandeln, nicht aber, um Erlasse zur Kenntnis zu nehmen. — .Petit Parisicn" erklärt, wenn der amerikanische Vorschlag gleichzeitig mit dem französischen Plan ein- gebracht worden wäre, hätte man dies begrüßen können. Aber heute nehme der amerikanische Vorschlag wohl oder übel das Aussehen eines Mahlmanövers an. — »Petit Journal"' schreibt, man müsse anerkennen, daß der Plan Hoovers zahlreiche Zustimmung gesunden habe, leidenschaftliche Zustimmung seitens Italiens, abgewogene Zustimmung seitens Englands. Frankreich bewahre kaltes Blut. — »Journal" rechnet aus, wie sich der Hooversche Vorschlag der 33- prozentigen Abrüstung in Frankreich riffernmäßig auswirken würde und erklärt, die französischen Effektivbestände würden von 681000 auf 47 1 000 Mann zurückgehen. — n3oumee Industrielle" erklärt, diese Episode sei nicht dazu angetan, die französische Haltung in Genf oder gar in Lausanne zu verändern. Seltsamer Optimismus. Gibson mit der Aufnahme des Hoover- Vorschlages zufrieden. c o n ö o n , 23. Juni. (MTV. Funkspruch.) Keuler zufolge soll der amerikanische Delegierte Gibson dem Staatssekretär S t i m s o n gestern abend in einem Telephongespräch gesagt haben, die Rede Paul- Boncours fei von überraschender Freundlichkeit gewesen und sei, wenn man den Stand der französischen öffentlichen Meinung berücksichtige, soweit gegangen, wie eine französische amtliche Persönlichkeit hätte gehen können. Auch Sir John Simon habe den plan gebilligt. Gibson habe hinzugefügt, die amerikanischen Delegierten feien durchdiefranzösischehaltungsehrer- mutig!. Paul-Boncour habe erklärt, daß, wenn einiges Maß von Sicherheit für Frankreich ge- ftinden werde, die Franzosen mit Rüstungsbeschränkungen einverstanden seien. Oie Aufnahme in London. Keine Aussicht auf Annahme. London, 23. Juni. (WTB. Funkspruch.) Die Londoner Morgenpresse ist einhellig der Meinung, daß die .kühnen und weitgehenden" Vorschläge Dovers der Abrüstungskonferenz zwar neuen Antrieb gegeben haben, daß aber die Aussicht auf Annahme bei dem zu erwartenden Widerstand Frankreichs nicht sehr groß ist. Der Reutervertreter in Senf erklärt europäische Hegemonie verstand, ist ofsensichtlich. Es wird also zunächst den Sinn der amerikanischen ' Aktion zu verwässern suchen, und cs wird gleichzeitig Sabotage größten Stils treiben, wenn es den Mut dazu ausbringt. Die Gesahr ist nämrich für Frankreich nicht von der Hand zu weisen, - daß es als Feind des Weltfriedens an den Pranger gestellt wird. Auch Frankreich kann eine solche Lage auf die Dauer nicht ertragen. Das Berliner Echo. Deutschlands bUcichbercchtigung mutz anerkannt werden. Berlin 23. Juni. (TU. Funkfpruch.) Die Berliner Blätter sehen zwar in dem Vorschlag des amerikanischen Staatspräsidenten Hoover eine Möglichkeit, der Genfer Abrüstungskonferenz einen neuen Auftrieb zu geben, weisen aber gleichzeitig darauf hin, daß der Plan, den deutschen im Versailler Vertrag begründeten Forderungen nicht gerecht wird. — Die,, Börse n z e i t u n g" vermißt die Berücksichtigung der Tatsache, daß Deutschland, das 14 Jahre lang Deutschland im Kampf um das Gold. Don Dr. Carl Alexander von Tyszta, Professor der Staalswiffenschast an der Universität Hamburg. Die Länder der Wett kann man In Hinsicht auf den Goldwert Ihrer Währungen in 4 bis 5 Gruppen teilen, nämlich erstens Lander mit gegenüber dem Gold ftabilcr, zweitens Länder mit gegenüber dem Goldpunkt leicht schwankender, drittens Länder mit entwerteter Wahrung, viertens Länder mit Silberwährung, und schließlich fünftens als besondere Gruppe Rußland, das Land der B t n n e n- Währung. Zu der ersten Gruppe gehören Deutschland, Frankreich, die Schweiz, Belgien, Holland, die Vereinigten Staaten von Amerika, ferner die Tschechoslowakei, Jugoslawien, Polen und die baltischen Staaten. Zu der zweiten Gruppe gehören Italien, die Balkanftaaten und die Türkei. Die dritte Gruppe, die unter Führung Englands steht, umfaßt außerdem die nordischen Länder, Oesterreich, Ungarn, Spanien, Portugal, Mexiko, die meisten südamerikanischen Staaten, Japan und ferner alle Länder, die wie Eanaba, Inbien und Australien usw. in der englischen Einflußsphäre liegen. Silberwährung haben wir gegenwärtig nur noch in Ostasien, Arabien und Abessinien. Schon aus dieser Zusammenstellung geht die Bedeutung hervor, die das Gold für Wahrung und Notenbankpolitik heute wie vordem immer noch hat — obgleich eine Anzahl Länder (die der dritten Gruppe) vorn Goldstandard, wenigstens unmittelbar, sich abgekehrt haben. Aber dieser Schritt geschah ja, vor allem von England, ausdrücklich mit der Absicht, i h r Notenbankgeld zu schützen. Und auch noch eine andere Erscheinung beweist die Bedeutung, die die Notenbanken einer Goldreserve beilegen: eine Reihe europäischer Notenbanken, so Frankreich, die Schweiz, Belgien, । Holland versolgten nämlich in ihrer Deckungspolitik das Ziel, die Devisendeckung ihrer Noten immer mehr durch reine Golddeckung zu ersetzen, I und liquidierten daher einen erheblichen Teil ihres Guthabens bei ausländischen Notenbanken. Insbesondere wurden beträchtliche Guthaben bei den amerikanischen Banken in Effektivgold umgewandelt. So minderten sich zugunsten des Goldbestandes die Devisenbestände Frankreichs von Ende 1930 zu 1931 von 4,3 auf 3,5 Milliarden RM., die der Schweiz im gleichen Zeitraum von 279 auf H4 Millionen, in Holland von rd 500 auf 200 Millionen RM. Der Grund war überall das sich aus- breitende Mißtrauen gegenüber einer Devisendeckung. Dieser Kampf um das Gold hat nun Im verflossenen Jahr 1931 zu bedeutsamen Wandlungen und Umschichtungen im Bereich des Wäh- rungsgolbes geführt, die kennenzulernen zur Beurteilung unserer weltwirtschaftlichen und wäh- I rungspolitischen Lage wichtig ist. Die Goldbewegungen der Jahre 1924 bis 1930 waren oorrofr- genb hervorgegangen aus ftapitalüberlragungen von Ländern mit Kapitalüberschuß (Vereinigte Staaten von Amerika, Holland, Schweiz) nach Ländern, die Kapital zum Wie- beraufbau ihrer Wirtschaft bedurften (insbesondere Deutschland). Es war also eine der natürlichen wirtschaftlichen Verhältnissen entsprechende Goldbewegung gewesep. Im Jahre 1931 nahmen I aber die Kapital- und Goldbewegungen die gerade umgekehrte Richtung und hatten die entgegen- I gesetzte wirtschaftliche Bedeutung: die kapitalschwachen Länder wurden durch Kreditabzüge der Notenbanken und Privatbanken gezwungen, immer mehr Gold auszuführen, und dieses Gold strömte in die Länder des Kapital- und Goldüber- flusses. Insbesondere in der zweiten Hälfte des Jahres 1931 nahm dieser internationale Goldverkehr einen Umfang an, wie es weder In der Zeit vor dem Kriege noch in der Nachkriegszeit beobachtet wurde. Die Gesamtumsätze, die 1931 im Goldaußenverkehr der größeren Lander umgesetzt wurden, dürsten sich auf f a ft zehn Milliarden belaufen. Sie sind gekennzeichnet durch eine starke Konzentration der monetären Goldbestände bei einigen wenigen Notenbanken. Die Vereinigten Staaten dojj Amerika, Frankreich, Belgien, Holland und die Schweiz verfügen jetzt über mehr als 70 Prozent des gesamten Goldbestandes der W e 11. In aller, diesen Ländern ist die Goldreserve wcit größer als sie den Bedürfnissen der Länder entspricht. Dazu traten noch zwei außerhalb des monetären Bereichs sich bewegende Erfweinungen. Einmal eine umfangreiche private Goldhortung, besonders in den Ländern mit verhältnismäßig großem Wohlstand, wie Frankreich, Holland, die I Vereinigten Staaten von Amerika, die man auf über eine halbe Milliarde RM. schätzen kann und die den Goldbestand dieser Länder noch vergrößert hat. Zweitens eine Verringerung der indischen Goldhortung. Indien ist bisher stets das Land gewesen, das infolge feines Naturreichtums Gold an sich ziehen konnte. Jetzt beobachten wir zum ersten Male unter dem Druck der Wirtschaftskrise, der besonders die Rohstoffstaaten traf, wie auch unter der Wirkung der Entwertung der indischen Rupie eine Goldausfuhr aus Indien. I Dieie indischen Goldverkäufe von rd. 670 Millionen RM. kamen in der Hauptsache England zugute. Von den Ländern, die 1931 ihren Goldbestand verringern mußten, sind insbesondere zwei zu nennen: England und Deutschland. England verlor im Laufe bes Jahres 1931 an Gold über 870 Mil- lionen RM., Deutschland büßte insgesamt 1,4 Milliarden RM. pn Gold ein. Sehr uitereffarU stt ungeheuerliche ihm zu Unrecht auferlegte Opfer getragen hat, endlich wenigstens m bezug auf die Landesverteidigung als gleichberechtigt anerkannt wird. — Di« ,.V o s s. Zeitung" heb? hervor, daß di« Erwartungen, die das deutsch« Volk an den Hoovervorschlag knüpfe, erst voll erfüllt werden könnten, wenn es gelinge, im Lauf« ber kommenden Beratungen dem Grundsatz der Gleichberechtigung soweit Geltung zu verschaffen, daß in Deutschland nicht der Eindruck entstehe, auch die Amerikaner seien für die Verewigung von zweierlei Recht auf dem Gebiet der Landesverteidigung. — Die „D A Z." sagt, der Vorschlag sei der stärkste Beitrag für Friede und Wohlstand der Welt, der seit dem Kriege geleistet worden sei. Hosfentlich gelinge es diesmal besser als be: dem Hooverng-Latorium im vorigen Jahre, die französischen Widerstände zu überwinden. — Die „Germania" schreibt- die Entwicklung der Golbaus- und -einfuhren in diesen beiden Ländern: bereits im ersten Vierteljahr 1931 stand die Bank von England unter deni Druck französischer Kreditkündigungen und damit von Goldabzügen: im Juli und August erreichten die Goldabzüge einen derartigen Umfang, daß die Grundlagen der englischen Währung ernstlich ge- fährdet erschienen. Um nicht noch weiter Gold zu verlieren, loste England seine Währung von dem Go ldstandard, und die Goldausfuhren gingen auch beträchtlich zurück Tiit Hilfe überseeischer Goldzufuhren (vor allem Indien) konnte die Bank von England ihre stark gesunkenen Goldreserven wieder etwas auffüllen. Die Goldabzüge der deutschen Reichsbank setzten besonders im Juli ein; im Oktober und November mußte die Reichsbank auf Grund der Verpflichtungen aus dem Stillhalteabkommen noch einmal große Goldbeträge an das Ausland abgeben. Ein recht großer Teil (etwa 30 Prozent) floß an die Bank von England. Außer Deutschland und England haben auch Oesterreich, Ungarn, Dänemark, Schweden und Norwegen ihren Goldbestand verringert. Der Goldbestand anderer Länder aber wuchs zum Teil ganz enorm, den größten Zuwachs hatte die Bank von Frankreich aufzuweisen: ihre Goldreserve ist in einem einzigen Jahre, 1931, um 2,5 Milliarden auf gegenwärtig 11,3 Milliarden RM. gestiegen. Damit stellt sich der Anteil des französischen Goldfonds an den monetären Goldvorräten der Welt auf mehr als ein Fünftel, auf 21,9 Prozent, bei einer Einwohnerzahl von rund 40 Millionen. Gemessen am Goldbestand Europas (26,6 Milliarden) kontrolliert Frankreich fast die Hälfte dieses Bestandes. Auch die Notenbanken der kleineren Kapi- talüberschußländer Westeuropas: Hol- land, Schweiz, Belgien haben, insbesondere im zweiten Halbjahr 1931, ihre Goldreserven beträchtlich er- höhen können. Mit 2 Milliarden Mark statt 577 Millionen ist die Schweiz an die vierte Stelle unter den Gold besitzenden Ländern vorgerückt. Auch Hol. land hat seine Goldreserven stark erhöhen können; die Niederländische Bank hat 1931 ihren Goldbestand mehr als verdoppelt (von 719 Millionen auf 1,5 Milliarden). Fast ebenso stark hat Belgien seine Goldreserven erhöhen können (von 800 Millionen auf 1,5 Milliarden). Wieder anders war die Entwicklung des Goldstocks der Bank der Vereinigten Staaten von Amerika. Infolge des jid) immer mehr verstärkenden Mißtrauens gegen Devisen, besonders nach der Pfundentwertung, wandelten die europäischen Notenbanken im zunehmenden Maße ihre Dollardevisen in Effektivgold um, da man auch für den Bestand der Dollarwährung fürchtete. Die Folge war der Verlust an Gold. Bis Oktober 1931 verloren auf diese Weise die amerikanischen Zentralstellen rd. 3 Milliarden Mark, konnten in den folgenden Wochen allerdings ihre Bestände wieder etwas auffüllen. Ende 1931 lag der Goldbestand der Vereinigten Staaten von Amerika aber mit 18,7 Milliarden um über Vt Milliarden unter dem Bestand von Dezember 1930. Recht interessant ist auch eine Gegenüberstellung der Entwicklung des Goldbestandes in den sechs Gläubigerländern (Vereinigte Staaten von Amerika, Frankreich, Belgien, England, Holland und der Schweiz) mit allen übrigen Schvldnerländern (mit Ausnahme Rußlands). Hier zeigt sich geradezu eine Scherenbewe- gvng: dis 1929/30 laufen beide Linien etwa parallel, dann aber steigt die Kurve der Gläubigerländer stark an, während die der Schuldnerländer ebenso stark abfällt. Denn von Ende 1929 bis 1931 ist der Goldbestand der Gläubigerländer von 29 Milliarden Mark auf 36 Milliarden Mark gestiegen, die der Schuldner- länbcr dagegen von 18 Milliarden auf 13 Milliarden abgesunken. Welche Folgerungen ergeben sich hieraus? — Einmal die Notwendigkeit der weltwirtschaftlichen Zu- fammenarbeit. Die Gesundung der Weltwirtschaft, die Ueberwindung der schweren Weltkrise ist nicht eher zu erwarten, bis die Länder mit Kapital- Überfluß dieUnzweckmäßigkeitundSinn. lofigkeitderfortgesetztenGoldanhäu. f u n g eingesehen haben. Denn dadurch wird nur der natürliche Austausch der Produkte der Weltwirtschaft verhindert, der Welthandel und Weltverkehr lahmgelegt, da die einen Länder infolge ihrer Armut und Kapitalentblößung weder etwas kaufen noch genügend produzieren können, während die anderen Länder in ihrem Kapitalüberfluß ersticken. Für uns Deutsche ergibt sich aber noch eine andere Lehre: Da zunächst mit einer solchen Einsicht, vor allem leider bei unserem nächsten Nachbar, noch nicht gerechnet werden kann, müssen wir versuchen, auch kapitalwirtschaftlich auf eigenen Füßen zu stehen. Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit sind daher heute erste Erfordernisse. Und ebenso wie weltwirtschaftlich die Gold- Hamsterei einiger Länder verkehrt ist, so ist volkswirtschaftlich die Hamsterei von Geld- scheinen verderblich. Alles verfügbare Geld gehört auf die Banken und Sparkassen, damit diese es der deutschen Wirtschaft zuleiten. München und dasttnisornwerbot ’-Sci der Bayrischen Bolksparter keine Weitung zum Nachgcben. München, 22. Juni. (CNB.) Die Bayerische Volksparteikorrespondenz erklärt zu dem Ergebnis der Berliner Konferenz. Die Reichsregierung hat sich gegenüber den Nationalsozialisten in eine Situation begeben, die sie dazu zwingt, die angeblichen politischen Gesichtspunkte, die in diesem Falle stark parteipolitisch nationalsozialistisch untermauert sind, vor die rechtlichen Erwägungen und Tatsachen zu stellen. Sie will oder sie darf die Gefahren nicht sehen, die allein schon im Wesen der Parteiuniform liegen. Die Reichsregierung will es also aus politischen Gründen den Länderregierungen nicht mehr überlassen, in der Uniformfrage sich so zu verhalten, wie es ihnen Pflicht und Perantwortlichkeit für den anvertrauten Staat vorschreiben. Die Reichsregierung glaubt sich für befugt, die Landesrechte und die Landesgesetzgebung auf diesem wichtigen Gebiet einzuschränken, und sie scheint gesonnen zu sein, mit Hilfe des Artikels 48 sich ein Reicbsrecht zu schaffen, das das Länderrecht außer rast fetzt. Wir müssen uns nach dem Ergebnis der Länderkonferenz also auf einen schweren Eingriff der Reichsgewalt in die ßänöerrecbte gefaßt machen. Wir lägen es offen heraus, daß es eigentlich unverantwortlich ist, in diesen Zeiten den Ländern, die bewußt antirevolutionär und im -guten Sinne des Wortes konservativ eingestellt sind, die Möglichkeit zu nehmen, Zellen der Ordnung und der politischen Vernunft in Deutschland zu bleiben. planmäßige kommunistische Ueberfälk in Breslau. Breslau, 23. Juni. (TU.) Anluwlch einer Versammlung der NSDAP, in der Jahrhund er tyalle kam es bei dem Zuzug zur Jahrhunderthalle an verschiedenen Stellen der Stadt zu Zusammenstößen von Angehörigen der NSDAP., der KPD. und der SPD. Dabei wurden im Westen der Stadt auch mehrere Schüsse abgegeben, durch die zwei Nationalsozialisten und ein Reichsbannermann durch Brustschüsse schwer verletzt wurden. Außerdem' wurden noch drei Personen leichter verletzt. Nach den polizeilichen Feststellungen werden die Ueberfälle von der KPD. planmäßig vorbereitet. Auch im Nordosten der Stadt kam es zu schweren Zusammenstößen, wobei von Kommunisten die Straßenlaternen ausgelöscht wurden. Als die Polizei einschritt, wurde aus den Fen- stern geschossen und die Polizei mit Blumentöpfen beworfen. 18 Millionen Franken für Gasschutz in der Schweiz. Basel, 23. Juni. (TU.) Nach mehrtägiger Aussprache hat der Schweizerische Nationalrat am Mittwochabend mit 213 gegen 53 Stimmen entsprechend dem Antrag des Bundesrats zur Beschaffung von Gasmasken einen Kredit von insgesamt 16 bis 18 Millionen Franken bewilligt. Die Aus- • Kolonne Nr. 6. Von Hatpfi Urbon. Am 17. September 1919 sollte die neue Wasserleitung der Stadt Portland in Oregon (Nordamerika) in Betrieb gesetzt werden. Es hatte eineinhalb Jahre harter Arbeit bedurft, um die fünfzig Kilometer lange Leitung von dem im Caseaden- gebirge gelegenen Sammelbecken, das von mehreren ÖueUen gespeist wurde, bis zum neuerbauten Wasserturm vor der Stadt Portland fertigzustellen. Die Leitung war beendet, die Arbeitskolonnen hatten nur noch die Aufgabe, die Aquädukte auszu- gestalten und die Holzbölzungen in den Tunnels, durch welche die mannshohen Rohre führten, durch Zementmauern zu ersetzen. Punkt zwölf Uhr mittags an jenem Tage sollte das erste Wasser vorn Sammelbecken in die Rohre ielassen werden. Entlang der ganzen Baustrecke errschte Feiertagsstimmung, denn die Arbeiter ielten Ruhetag und bekamen Doppellöhnung. Die vierzig Mann der Kolonne Nr. 6 hatten mit ihren Ingenieuren das Lager beim Kilometer 22, von Portland gerechnet, aufgeschlagen. Die Leute saßen vor ihrer Holzbaracke und freuten sich auf das Mittagessen, das der schwarze Koch mit Beihilfe des jungen Frank zubereitete. Frank war der Jüngste der Kolonne und mußte es sich daher gefallen lassen, daß man ihn als Boy betrachtete. Er hätte viel lieber draußen mitgearbeitet, als Kartoffeln geschält und den Vorarbeitern die Pfeife gestopft. Um zehn Uhr vormittags kam ein Wächter von der Baustrecke herein und meldete dem Ingenieur der Kolonne Nr. 6, daß beim zwanzigsten Kilometer ein Erdrutsch stattgefunden hatte. Der Ingenieur brach sofort auf, um nacknusehen, ob für die Leitung Gefahr bestand. An der Stelle fand er durch den Erdrutsch einen Röhrentunnel verschüttet, so daß die Möglichkeit bestand, daß dieser sich mit dem Berghang gesenkt und die Leitung geknickt hatte. Der Ingenieur eilte ins Lager zurück und alarmierte die Kolonne, die unter dem Beseht eines Gruppenführers dem Fortschreiten des Abrutsches vorbeugen sollte, während er selbst mit vier Mann in die Rohrleitung einsteigen roollte, um von innen nawzusehen, ob Schaden entstanden sei. Im Lager blieben nur ein Vorarbeiter bei dem Telefon zurück, das die verschiedenen Kolonnen mit der Bauleitung verband, und der junge Frank, der die Küche zu besorgen hatte. Ilm keine Zeit zu verlieren, gab der Ingenieur dem Vorarbeiter Wei- jung, den Chefingenieur beim Sammelbecken anzurufen, damit man mit dem Einlassen des Wassers in die uwhre bis auf weitere Nachricht warte. Der Einsteigschacht In die Rohrleitung befand sich auf dem Aquädukt, der das Tal, in dem die Kolonne das Lager hatte, im mächtigen Bogen überbrückte. Oben angelangt, zündeten die fünf Männer ihre Lampen an, fliegen die Leiter hinunter und gingen gebückt durch die Rohre dem zwanzigsten' Kilometer zu. Beim Sammelbecken hatte sich eine große Gesellschaft eingefunden, um der Einweihung des Werkes beizuwohnen. Der Regierunasvertreter, der Chefingenieur und der Bürgermeister hielten Ansprachen. Rundum standen festlich gekleidete Menschen. Ueberall flatterten Fahnen mit den Sternen und Streifen. Der zuiunftige Wärter der Anlage, der auch das Feldtelefon zu betreuen hatte, stand, bei einer Gruppe von Arbeitern und lauschte andächtig den Reden, so daß er die verzweifelten Summsignale des Telefons nicht hören konnte. Punkt zwölf Uhr griff der Bürgermeister nach dem Hebel, der die elektrische Hochziehvorrichtung der Schleuse auslöste. Während die Wassermengen donnernd in die Rohrleitung stürzten, schickten sich die Herren in festlicher Stimmung an, das übliche Frühstück im Freien zu beginnen. Nun ging auch der Wärter gemächlich nach seinem Dienstraum; als er aber die Zeichen des Telefons hörte, beeilte er feine Schritte. Kaum hatte er sich gemeldet, ließ er schon den Hörer fallen, stürzte schreckensbleich zum Schleusenhebel und riß ihn auf „stop". Dann rannte er hinaus zu den ahnungslos schmausenden Herren und erstattete dem Chefingenieur die schlimme Meldung. Ein Blick auf den Wassermesser belehrte den Bauleiter, daß bereits breitaujenb Kubikmeter Wasser in die Leitung gegen Portland rasten und daß es für die fünf Leute beim zwan- Zigsten Kilometer keine Hoffnung mehr gab, wenn es auch noch gelingen sollte, sie zu warnen, so wurden sie doch nicht mehr den zwei Kilometer entfernten Einsteigschacht erreichen, denn die Wassermassen stürzten mit einer Geschwindigkeit von fünfzig Stundenkilometern durch die Rohre ... Der Vorarbeiter am Telefon „er Kolonne Nr. 6 hatte der Bauleitung nach dem Abgang des Ingenieurs ununterbrochen Anrufzeichen gegeben, und feine Besorgnis war von Minute zu Minute gestiegen. Er hoffte noch immer, es würde sich drüben jemand melden, und ließ so die Zeit verstreichen, in der er den Ingenieur und seine Leute noch hätte warnen können. Kalter Schweiß trat ihm auf die Stirne, als er erkannte, daß es zu spät war. Endlich ließ sich die Stimme des Wärters vernehmen, und der Vorarbeiter erstattete feine Meldung, aber er bekam keine Antwort. Erst nach einigen Minuten hörte er von drüben, daß das Wasser schon in den Rohren sei und in zwanzig Minuten den Kilometer zwanzig erreicht haben würde. Es war, als fchlüge ihn jemand mit der gäbe wird auf etwa acht bis zehn Jahre verteilt. In diesem Jahr werden 1,350 Millionen für die Anschaffung und Unterbringung von Gasmasken auf- geroenbet. Der Ständerat hieß den zweiten Bericht des Bundesrats über die weiteren Einfuhrbeschränkungen gut. Bundesrat Schulthes hob die Notwendigkeit eines Schutzes der Aus - fuhrindustrie hervor. Gegenwärtig werde ver- sucht, einen Kompensationsoerkehr mit Rußland einzurichten; dabei könne aber von einer Wiederaufnahme der politischen Beziehungen nicht die Rede sein. Aus oder Welt. Auf den Spuren Bertram«. Aus Wyndham (Westaustralien) berichtet der Kapitän des Schiffes, das Nachforschungen nach dem vermißten Flieger Bertram vornahm, aus dem Buch, das man gefunden habe, gehe hervor, daß Bertram am 15. Mai in Australien gelandet sei. Am Fenster des Flugzeuges waren mit Oel die Worte geschrieben: „25. Mai. Wir verlassen das Flugzeug auf dem Schwimmer, den wir als Boot verwenden. Wir treiben nach Westen." Die Fischwirtschaft fordert einen Fischtag. Die Industrie- und Handelskammer in Weser- münde hat beim Reichsernährungsminister angeregt, der Fischwirtschaft eine wirksame Hilfe dadurch zu bieten, daß ein Tag in der Woche zu einem „öffentlichen Fischtag" erklärt wird. Es wird vorgeschlagen, daß aue in Betracht kommenden Stellen des Heeres, der Marine und der Polizei, ferner Wohlfahrtseinrichtunqen aller Art sowie Gefängnisse und öffentliche Anstalten an dem „Fischtag" mittags nur Fischgerichte verabreichen dürfen. Die Handelskammer ist der Ansicht, daß auf diese Weise das Schicksal dieses wichtigen Gewerbezweiges gebessert werden könne. Walker soll sich rechtfertigen. Der Gouverneur des Staates Newyork, Franklin Roosevelt, forderte den Bürgermeister von Newyork, James Walker, auf, sich zu den ihn belastenden Anschuldigungen des Aus- f ch u f f e s zu äußern, der mit einer Untersuchung der Korruption in der Stadtverwaltung von Newyork beauftragt ist. Der Vorsitzende dieses Ausschusses hatte erklärt, daß Walker unwürdig sei, jein Amt weiter zu bekleiden. Erdbeben in Mexiko. Die Stadt C u y u t h a m an der Südwestküste von Mexiko ist von einem Erdbeben und einer Sturmflut heimgesucht worden. Man befürchtet, daß viele Menschen ihr Leben eingebüßt haben. Ein großer Teil her Stadt ist von den Wassermassen zertrümmert und ins Meer gespült worden. Bisher wurden 30 Leichen geborgen. Längs der mexikanischen Küste, besonders in Manzanillo und Colima, die bereits während der letzten drei Wochen zwei schwere Erdstöße erlitten haben, ist erheblicher Schaden angerichtet worden. Beraubung des Aschaffenburger Kupferstichkabinetts. Ein sensationeller Einbruch wurde in das erst kürzlich wieder eröffnete Aschastenburger Kupker- stichkabinett im Schloß verübt. Es ist anzu- nehrnen, daß der oder die Einbrecher die Schloh- sasjade von dem längs des Mains liegenden Teil des Schloßgartens aus erstiegen haben. 3m ersten Stock erbrachen sie dann das Fenster eines Zimmers, das zu dem Kupfcrstichkabinett führt. Die mit schweren Asbesttüren verschlossenen Bäume, in denen die wertvollen Kupferstichblätter aufbewahrt wurden, waren fast ausnahmslos gewaltsam geöffnet. Es ist anzunchmen, daß eine große Anzahl der wertvollsten Blätter gestohlen wurde. 3m Augenblick ist man mit der genauen Bestandsaufnahme beschäftigt. Die Vermutung liegt nahe, daß es sich um die gleichen Einbrecher handelt, die vor kurzem das Schloß Mespelbrunn im Spessart Faust zu Boden. Er vergaß, den Hörer aufzulegen lind wankte aus der Baracke. Hilflos lief er im Lager umher, er konnte die Kameraden in der Leitung nicht mehr retten. Da sah er den jungen Frank und machte ihm Mitteilung von der schrecklichen Gefahr. Vom Aquädukt kam plötzlich ein merkwürdiges Heulen, das von Sekunde zu Sekunde lauter wurde. Es rührte von der Luft her, die von den oorstürzenben Waffermaffen in den Rohren xufammengepreßt wurde und durch den Einsteigschacht entwich, daß dieser wie ein Pfeife wirkte: ein schauerliches Signal für das Nahen eines Unheils, und dem jungen Frank lief es kalt über den Rücken. Er starrte seinen Vorgesetzten einen Augenblick entsetzt an, dann erfaßte er die Lage und fühlte nichts als den Willen, zu helfen. Es schoß ihm durch den Kopf, daß die einzige Möglichkeit der Rettung darin bestand, ein Mittel zu finden, die Leitung zu unterbrechen. Sein Blick richtete sich immer wieder zum Aquädukt empor. Wenn man ihn zerstören könnte, würden fünf Menschen weiterleben. Doch was konnte ein kleiner, schwacher Mensch dem Werk anhaben? Dynamit fiel ihm ein. Da lief der Junge, derselbe, von dem Kameraden sich die Schuhe putzen ließen. Er lief um ihr Leben. Einige hundert Schritte abseits vom Aquädukt befand sich ein Magazin für Sprengmunition. Als Oranf dort angelangt, raffte er an Dynamit- und Ekrasitsprengkörpern zusammen, was er tragen konnte und schnürte sie zu einem Bündel. Dann steckte er ein Stück Zündschnur in die Deffnung einer Sprengkapsel und diese in eine der Sprengpatronen in der Mitte des Packs. Hierauf keuchte er mit feiner Last bergan der Einsteigstelle zu. Er mußte dort früher ankommen als das Wasser. Schon war es, als höre er ein fernes Brausen, unb mit aufgeschwollenen Abern nahm er bie letzte etretfe. Jetzt ging es um Sekunben. Im Lauf chnitt er noch ein Stück von ber 3u„u|O)nur ab, 1° daß nur noch fünf Zentimeter davon übrig blieben was einer Brenndauer von fünf Sekunben gleichkam. Am Einsteigschacht entflammte er ein Streichholz, bann zischte bie Zündschnur, unb gleich Darauf fiel die Sprenglabung auf ben Boben bes •Wes. 3eöt lief ber junge Frank um sein eigenes Leben, benn fünf Sekunben sind eine kurze •spanne, um sich von einer schrecklichen Explosion 3u retten. Er rannte, sprang, jagte wie noch nie in seinem Leben. Er hatte schon ben Berqhanq erreicht, da fing der Boden unter ihm zu wanken an, und im Fallen sah er hinter sich, wie der letzte Bogen des Aquädukts zerbarst, als würde er von einer riesigen Axt gespalten. Dann spürte er einen Schlag gegen den Kopf, es flimmerte vor seinen 'lluaen, ber Lustbruck erstickte ihn fast. Dann würbe es dunkel um Frank; die Welt zerrann. beraubten. Auch im Rhein-Main-Gebiet wurden dieser Tage verschiedene wertvolle Kunstgegenstände gestohlen; vielleicht stehen auch diese Dieb- jtähle im Zusammenhang mit dem Einbruch in daö Kupferstichkabinett. Drama in der Tierwelt. In der Nahe der Dettinger Mainfähre stieß ein Raubvogel auf einen Star, bekam ihn aber allem Anschein nach nur mangelhaft zu fassen. Der Star schrie und suchte sich aus den Fängen loszureißen. Da ging der Räuber auf den Fluß nieder und brückte,seinen Gefangenen unter Wasser, um ihn zu ersäufen. Durch Steinwürfe zuschauenber Ortseinwohner beunruhigt, floh der Vogel vom nahen Ufer des Flusses, sich nur wenig über den Wasserspiegel erhebend und seine Beute durch das Wasser schleifend. In der Mitte tauchte er sie erneut kräf- tig unter Wasser und man sah, wie der Star verzweifelt um sein Leben rang. Mehrere Steinwürfe, die ben Raubvogel — ber Beschreibung nach scheint es sich um einen Sperber gehanbelt zu Haden — selbst bebrohten, zwangen ihn schließlich boch, sich zu erheben. In einiger Höhe ließ er ben Geschun- benen fahren. Da ber Star zu fliegen nicht mehr fähig war, fiel er ins Wasser unb-ertranf nach erfolglosem Kampf mit ber unbarmherzigen Flut. Starte (Erbberoegungen im TTliftelrfjeTngebid. Nachdem die Landwirtschaft in Mülheim (Mosel) erst Pfingstmontag durch eine Unwetter- katastrophe heimgejucht wurde, ist die Gemeinde jetzt erneut von einem schweren Unglück betroffen worden. 3n der Rächt zum Dienstag sind im Gebiet „am Wald" große Erdmass en zu Tal gerutscht. Diele Felder sind in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Gesamtschaden läßt sich im Augenblick noch nicht übersehen. Auch am Dienstag dauerten die Erdbewegungen noch an. Ein etwa 12 Morgen großes Gelände ist in ständiger Bewegung. Als Ursache des Bergrutsches wird die Unwetterkatastrophe am Pfingstmontag angesehen, wo durch die niedergehenden Wassermassen das ganze Gelände unterspült wurde. (Eröffnung des Eucharistischen Kongresse«. 3n Dublin wurde der 3ntcmationalc Eucharistische Kongreß feierlich von dem päpstlichen Legaten Kardinal Lauri in der Kathedrale eröffnet. Tausende von Menschen erlebten ein Schauspiel, das all' die Tradition und Pracht der Katholischen Kirche darbot. 3n jeder Kirche der Stadt und ihrer Dororte wird das Heilige Sakrament bis Mitternacht gezeigt. Scheinwerfer schrieben auf den nächtlichen Himmel Worte wie „adore- *mus“ und „laudamus“. Pilger aus allen Teilen der Welt fluten weit her nach der irischen Hauptstadt. Ein deutsches Schiff hat mit zahlreichen deutschen Pilgern den Bijchof von Os- n a b r ü ck jowie andere deutsche kirchliche Würdenträger nach Dublin geführt. Unter den Hunderten von Pilgern aus Holland befinden sich der Erzbischof von Utrecht und eine Zahl holländischer Prälaten. Kardinal L a v i t r a n o , Erzbischof von Palermo Kardinal D e r d i e r . Erzbischof von'Paris, Kardinal Hayes, Erzbischof von Reuhork, Kardinal Dougherth, Erzbischof von Philadelphia, Kardinal H l o n d , Erzbischof von Gnesen und Posen, der Erzbischof von Boston O'Connell und der Erzbischof von Mecheln van R o e h , nehinen an dem Kongreß teil, so daß Dublin die ansehnlichste Dersammlung kirchlicher Würdenträger, die seit 3ahrhunderten außerhalb Roms stattgefunden hat, beherbergt. Der Tod be« deutschen pater« Kapp in ber IHanbfdjurei. „Times" meldet aus Peking: Der deutsche Generalkonsul in Mukden ist nach T s ch i e n t a o in der Provinz Kirin abgereist, um die näheren Umstände zu untersuchen, unter denen am 15.3uni der deutsche Pater Rapp ermordet wurde. Koreanische Zeugen haben erklärt, daß Pater Rapp von japanischen Soldaten ermordet worden sei. Er sei, als er sich zu einem an Typhus sterbenden Kollegen begab, von japanischen Wachtposten ange - Der Ingenieur im Schacht hatte dem Luftzug zuerst keine Bedeutung zugemessen, als er mit seinen Leuten im Innern der Leitung Nachschau hielt. Da aber bie Luftströmung unb ber Druck stärker würben, sahen sich die Männer betroffen an, aber noch wagte keiner bas schreckliche Wort auszusprechen. Ein Dröhnen Hub an, als wäre bie Hölle los, unb nun gab es keinen Zweifel mehr: es kam bas Wasser. Reben war überflüssig. Zurück war unmöglich, es blieb nur ber Weg in Richtung Portlanb, wo sich ber nächste Schacht fünf Kilometer weiter befanb. Es war aussichtslos, mit bem Wasser um bie Wette zu laufen, aber bie Männer würben von ber gewaltigen Luftströmung mitgerissen. Sie wußten, baß es zu Ende.ging. Plötzlich würben sie burcheinanber geworfen, ein schrecklicher Druck, ber ihnen bie Kleiber in Fetzen vom Leibe riß, ein bläulicher, greller Schein, bann verloren sie bie Besinnung. — Das Wasser aber kam nicht, es ergoß sich von bem gesprengten Aquäbukt herunter unb überschwemmte bas Tal. Der Rettungsmannschaft gelang es, die fünf bewußtlosen Männer zu bergen und sie ins Leben Aurücfjurufen. Später fand man am Berghang ben schwerverletzten Frank. Die Männer der Kolonne Nr. 6 haben den jungen Frank, ber zwei Monate l"äter geheilt war, in ihrem Leben nicht vergessen. Aber auch bie Stabt Portland wußte Helbenmut zu schätzen. Ein gewisser Frank Tailor ist heute Leiter des stäbtischen Wasserwerkes von Portlanb. Wenn alte Freunbe ihn besuchen, wird davon gesprochen, wie seine Geistesgegenwart fünf Männern das ~coen rettete, obgleich er selbst kein Wesen davon machte. Hochschulnachrichten. Die außerordentlichen Professoren an der Technischen Hochschule in Braunschweig, Dr. Bernhard Herwig (Psychologie und'Psychotechnik), Dr. K. Hoppe (Deutsche Sprache und Literatur) und Dr. August R o l o f f (Deutsche Geschichte und Staatsbürgerkunde) sind unter Ueberlassung persönlicher Ordinariate zu ordentlichen Professoren ernannt worden. Anläßlich der Gustav-Adols-Feier ernannte die theologische Fakultät der Universität Halle den Professor der Religionswissenschaft der schwedischen Universität Upsala, Tor Andrae, den Rachsolger Soederbloms auf dem Katheder, und den um die Arbeit des Gustap-Adolf-Vereins in der Provinz Sachsen verdienten Pastor Ernst W o l l e n s e n in Zeih, zu Ehrendoktoren der Theologie. Die Ernennung des Berliner Privatdozenten Dr. R. Alewhn zum ao. Professor für neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Heidelberg steht bevor. Deutschlands neuestes Riesenflugzeug in den Dienfl gestellt Blick in da» Innere der 34sitzigcn Kabine. gleitete anfangs etwas unruhig, später mit zuneh- । mender Sicherheit. Die wunderbare Fuge des zwei- I £ 4M1V im 65. Lebensjahr. <751 i SCHUHHAUS ( <737 D Alten-Buseck. den 23. Juni 1932. Die Beerdigung findet Freitag, den 24. Juni, nachm. 2 30 Uhr statt Die trauernden Hinterbliebenen: Marie Stiehl, geb. Wagenbach Familie H. Schäler IL Familie K. Schäfer. EinFußspezialist des Lybelle-Beschuhungs-Systems steht Ihnen am 24. u.25. Juni kostenlos zur Verfügung Heute nacht entschlief plötzlich und unerwartet mein lieber Mann, unser guter Vater. Schwiegervater. Großvater, Bruder. Schwager und Onkel Ludwig Stiehl IL, Metzgermeister < Das zw.:istöckige Junkersflugzeug „D 2500", eine Schwestermaschine der bekannten „D 2000", ist jetzt auf dem Flugplatz Berlin-Tempelhof eingetrosfen, um auf der Streck« Berlin—Amsterdam—London • eingesetzt zu werden. Unsere geliebte Mutter. Schwiegermutter und Großmutter Frau Katharine Gräf geb Grimm wurde heute durch einen santten Tod von langem Leiden erlöst Prof. Dr. Gräf und Familie Bankvorstand Fritz Gräf und Familie. Friedberg (Bismarckstr. 10). Offenbach a.M. (Starkenburgring 29). Die Beerdigung findet am Freitag. 24. Juni 1932. nachm. 4 Uhr. von der Kapelle des Neuen Friedhofes in Gießen aus statt Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Clim- buch für Rj. 1932 liegt vom Freitag, dem 24. Juni l. 3. ab, eine Woche lang auf unserem Büro zur Einsicht der Interessenten offen. 47470 Es ist die Erhebung einer Umlage be- schlossen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. Elimbach, den 22. Juni 1932. Bürgermeisterei Climbach. Wißner. SM " Abendandacht für Studenten. Morgen abend findet in der Kapelle auf dem Alten Friedhof, um 20 Uhr pünktlich, eine Abend- andacht für Studenten statt, in der Professor D. Dr. Cordier von der Theologischen Fakultät der Universität sprechen wird. Die Mitglieder der evangelischen Gemeinden haben dazu freien Zutritt. •• Neuwahl deS israelitischen Gemeindevorstandes. Sn unserem heutigen Anzeigenteil wird die Offenlegung der Liste der Stimmberechtigten zur Neuwahl des Gesamtvorstandes der israelitischen Religionsgemeinde Gießen bekanntgegeben. Interessenten seien auf die Bekanntmachung besonders hingewiesen._________ Zwangsversteigerung 7oK3o Am Donnerstag, dem 14. 3uli 1932. vormittags 9 Uhr, wird im Amtsgerichts gebäude zu Gießen, Zimmer 107, das im Grundbuche von Gießen a) dem Weber. Heinrich, zu %, b) der Weber, ftatohne geb. Carle, dessen Ehefrau, zu Gießen, zugeschriebene Anwesen Ikieorich- strahe 3 . 4^D Flur 6, Nr. 105’/io = 192 qm Hofreite. geschätzt 21 840 NM., versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel. Bergstraße 20. «tadthaus, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 6- Juni 1932. I A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: Leo. O^sgcr'chikvl'rpeher. Aus der provmzialbauviüadf. Gießen, den 23. Juni 1932. Konzert des Nationalsozialistischen Reichs Sinfonie-Orchesters Das gestrige Konzert des Nationalsozialistischen Reichs-Sinsonie-Orchesters war ohne Zweifel ein künstlerisches Ereignis von hoher Bedeutung. Das Orchester, das — wie das Programmheft erläutert — aus der großen Schar der heute leider erwerbs- und beschäftigungslosen Orchestermusiker zusammengcstcllt und im Januar dieses Jahres zuerst an die Oefsent- - Rückständige Dersicherunasbel- träge sofort bezahlen! Die Allgemein» Ortskrankenkasse Giesten^tadt gibt in unserem heutigen Anzeigenteil bekannt, baß die rückständigen Kranken-, Arbeitslosen- und Invalidenver- sichcrungsbeiträge für Nlai noch bis zum 30. Sunt ohne weitere Kosten bezahlt werden können. " Diebe im Fr 1 seurgeschäf 1. In der ver- gangenen Nacht wurde in dem Friseurgcschäst von Jo ist en in der Plockstraße ein Einbruch verübt. Die Diebe, die sich vermutlich einiger Nachschlüssel bedienten stahlen etwa 40 Mark Bargeld, eine Anzahl Stämme. Schildpattgegenstande, Puderdosen, Manikürekasten, Scheren usw.. Die polizeilichen (Ermittlungen sind im Gange. Wettervoraussage. Während von Westen her der Luftdruck weiter an» steigt und über den britischen Inseln schon Barometerstände von 770 Millimeter herrschen, machen sich trotz steigenden Barometers bei uns noch Störungsreste bemerkbar, welche das mäßig warme Wetter mit vereinzelten Schauern aufrechterhalten. Aber auch über Deutschland dürfte der Storung»- einfluß weiter abflauen und der hohe Druck jetzt mehr an Energie gewinnen, so daß etwas bessere» und wärmere», wenn auch nicht vollständig heitere» Wetter eintreten wird. Aussichten für Freitag- Wolkig mit Aufheiterung, tagsüber etwas wärmer, meist trocken. Aussichten für Samstag- Trockenes, teil» wolkiges, teils aufheiterndes Wetter, tagsüber weitere langsame Wärmezunahme. Lufttemperaturen. Am 22. Juni: mittags 13,7 Grad, abends 12,5 Grad; am 23. Ium morgens 12,7 Grad Celsius. Maximum 17,6 Grad, Minimum 10,3 Grad Niederschläge 1,6 mm. Sonnenscheindauer 1 xX Stunde. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe. Am 22 Juni: abends 17,0 Grad am 23. Juni: morgens 14,8 Grad Celsius. __________(Schluß de» redaktionellen Telle.) Alle» auf den Kopf gestellt! Lesen Sie den Schwarzkopf-Prospekt „Kopf zerbrochen-, der im Fachgeschäft kostenlos zu haben ist. Auf diesen Kopf sind tzkstellt: eine interessante Ausgabe, Preise und die leichte Möglichkeit, durch „Haarglanz" prachtvolles Haar zu bekommen und zu bewahren! 4388V SCHWARZKOPF-HAARPF vollkommen durch »Haarglanz Zwangsversteigerung Am Donnerstag, dem 28. Juli 1932, vormittags 9 Ahr, wird im Amtsgerichtsgebäude zu Gießen, Zimmer 107, das im Grundbuche von Gießen dem Metzger- meister wax Jakob in Gießen zugeschne- bene Anwesen Scholtstrahe 9 und 11 llur 2 Jlr. 16O*/io = 578 qm Hofreite, Flur 2, Nr. 162' .o = 111 qm Grabgartem geschätzt 28 940 NM., versteigert. 473OD Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 20. Juni 1932. I A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsvorsteher. Bekanntmachung. Gemäß Gemeindesagung der Israelitischen Religionsgcmeinde Gießen vom 18. Februar 1932 muß eine Neuwahl des Gesamtvorstandes der Israelitischen Neli- gionsgemeinde Gießen erfolgen. Zu diesem Zweck liegt die Liste aller Stimmderech- tigten drei Tage lang, und aroar am 28», 29 und 30. Juni 1932, in der Zeit von 10 bis 17 Uhr, zur Einsicht der Beteiligten in dem Israelitischen Gemeindehause zu Gießen. Lonystrahc 4, offen. 4734D Nach § 13 der Gemeindesatzung sind Einwendungen gegen die Richtigkeit der Wählerliste nur während der Osfcnlegungs- frist an den Wahlausschuß schriftlich einzureichen und zu begründen. Gießen, den 22. Juni 1932. Der Wahlleiter: Eugen Rothenberger. len Satze» wäre in ihrer ganzen tantablen Schönheit durch eine geringere Etreicherbesetzung des Begleilkorper» noch bester zur Geltung zu kommen Bruckners IV. Sinfonie, die Romantische, ist eine der schönsten und beliebtesten de» bescheidenen oder- österreichischen Meister». Sie enthalt alle typischen äußeren und inneren Merkmale der Brucknerschen Sinfonien: pp. Anfang, Tremolo der Streicher, Mischrhythmen, choralartige Melodien und Beziehun- aen jur österreichischen Dolksmelodik. Auch der Organist Bruckner kommt hier zum Vorschein. Ebenso typisch ist im ersten Satz die langsame Entfaltung des ersten Themas zum Höhepunkt dynamischer Steigerung und das folaenbe Absinken. Das formale Geschehen vollzieht sich nicht gradlinig, sondern terrassenartig. Der langsame Satz ist ein stössige» Andante mit zwei Themen, die eine gewisie Gleichheit aufweisen Im Trio-Ten des Scherzos findet sich eine Ländlermelodie echt österreichischer Prägung. Im Finalsatz tritt mit Bruckners III. Sinfonie eine Zurückbeziehung auf die Thematik des ersten Satzes auf, wodurch die eigenen Themen dieses Satzes zurücktreten. Formal liegt den Finalsätzen im allgemeinen die Struktur des Sonatensatzes zu Grunde, oft in Synthese mit dem Rondoprinzip. Die Wiedergabe dieser kurz skizzierten Sinfonie zeigte da; Orchester auf voller Höhe und zeichnete Klang- bilder von großer Schönheit. Einen wesentlichen Anteil daran haben die solistischen Bläserstimmen, Horn, Oboe, Klarinette und Flöte, sowie, im langsamen Satz. (Teilt und Bratschen. Den Abschluß bildete bas hervorragend gespielte Meistersingervorspiel, besten prekäre Stelle, bas Geigenunisono, mit elementarer Wucht unb Sauberkeit glänzte Es war bei ber vorzüglichen Wiedergabe der drei Werke sehr zu bedauern, daß nicht mehr Zuhörer den Weg nach ber Dolkshalle sanben. Der Beifall war sehr herzlich, unb daß er nicht einer Parteiinstitution galt, zeigte sein spontanes Hervorbrechen nach dem langsamen Satz ber Sinfonie. Noch eine Bitte an bie Regie: Könnte man nicht in Zukunft früher unb pünktlich beginnen unb die betr. Werke vorher bekanntgeben? — Gicßcncr töofln nin.i rttpreife. * Gießen. 23. 3unL Es kosteten auf dem ' heutigen Wochenmarkt: Kochbutter 90 bis 1,00; Süßrahmbutter 1,30; Landbutter d.lO bis 1.20; Matte 25 bis 30; Wirsing 12; Weißkraut 15; Spinat 15; Römischkohl 12 bis 15; Dohnen 40; Spargel 30 bis 50; Erbsen 30, Tomaten 40 bis 55; Zwiebeln 16; Rhabarber 8 bi« 10; Kartoffeln (alte) 5; Kartoffeln (neue) 12 bis 15; Aepfel (ausländische) 50 bis 60; Dörrobst 30 bis 35; Kirschen 35 bis 50; Stachelbeeren (unreife) 20 bis 25; Erdbeeren 40 bis 60; Honig 40 bis 45; junge Hähne 80 bis 90; Suppenhühner 70 biS 80 das Pfund; Tauben 50 bis 70; Käs« 5 biS 10; Gier 7 bis 8; Blumenkohl 30 biS 60; Salat 8 bis 10; Salatgurken 30 bis 45; Ober-Kohlrabi 10 biS 12; Rettich 10 bis 12 das Stück; gelbe Rüben 10 bis 12; Radieschen 8 bis 10 daS Bund. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag: Elektrogemeinschaft Gießen, 20 Uhr, Cafs Leib, Dr.- Oetker-Backvortrag. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, „Hasenklein kann nichts dafür!" lichkeit getreten ist, hat sich in dieser verhältnismäßig kurzen $eit zu einem Klangkörper von hoher Qualität gebildet. Man darf es, ohne zu übertreiben, ruhig an die Seite großer ständiger Orchesterinstitute stellen, denen es an Technik unb Präzision nicht nachsteht. In bem Dirigenten, Franz Adam, hat es aber auch offenbar einen Führer, ber alle bte tausend Schwierigkeiten, die sich bei einer Neuaufstellung immer ergeben, mit sicherer Hand meistert und das Orchester in vorbildlicher Weise an die hohen Ausgaben, die es sich zum Ziel gesetzt hat, heranführt. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß das Orchester durch weitere Konzerttätigkeit und damit verbundene Probenarbeit an Sicherheit nach gewinnt, so daß es als ein wesentlicher Faktor deutschen Musiklebens angesprochen werden kann. Für den ausgd$bithneten kollegialen Geist der Mitglieder spricht ein Absatz im Programmheft, in dem gesagt wird, daß das Orchester nicht den ständigen Instituten in den Städten den ohnehin schon schweren Daseinskampf durch feine Konkurrenz erschweren will, sondern daß es vor allem die Prov'nz besucht unb solche Plätze, an denen ein ständiges Orchester nicht vorhanden ist. Wenn auch das Orchester eine Gründung der Partei ist, so wendet es sich, wenn ich den betr. Passus im Programm heft richtig verstanden habe, doch an alle, die der deuschen Kunst Interesse entgegenbingen ohne An- sehung der Partei. Wie sagt doch Hans Sachs: „Hier fragt fichs nach der Kunst allein!" - Mit Joh. Seb. Bachs selten gespielten Doppelkonzert für 2 Violinen und Streich-Orchester begann die öortragsfolge. Frau Milly Berber und der Konzertmeister des Orchesters Herr Erich Schnette spielten den Solopart. Beide Solisten ergänzten sich klanglich recht gut und waren dem Werk mit oll seinen Anforderungen technischer und musikalischer Art ausgezeichnete Interpreten. Das Orchester begleitete anfangs etwas unruhig, später mit zuneh halten worden und habe ihnen seinen Pah gezeigt, ohne vom Pferde herabzusteigen. Dies hätten die japanischen Soldaten für eine Beleidigung für ihre Armee erklärt. Sie hätten ihn ins Wachtlokal gebracht, dort mißhandelt und später in der Dunkelheit davongeführt. Die Koreaner und Atoci Priester hörten bald darauf Schüsse fallen. Die Leiche des deutschen Geistlichen sei später im Sande eines Flußbettes vergraben aufgefun- den worden. Nach einer Meldung aus Tschientao behaupten jedoch die Japaner, das Verbrechen sei von Chinesen begangen worden, die japanische Uniformen angelegt hatten. Eine amtliche japanische Aeußerung liegt noch nicht vor. Schwere» Btanbunglütf. Ein schweres Brandunglück, das neben ungeheurem Materialschaden auch ein Menschenleben sorderte, ereignete sich in Borde- aur. Eine mit 1000 Liter Benzin gefüllte Zisterne geriet in Brand. Das Feuer verbreitete sich mit ungeheurer Geschwindigkeit auf bas baruoer liegende Wohnhaus und die beiden Nachbarhäuser, deren Bewohner sich nur noch im letzten Augen- bl- in Sicherheit bringen konnten Zwei Ein- wohner erlitten schwere Brandwunden. Ein Nachbar, ber sich bei den Rettungsarbeiten betätigte, würbe im Innern eines Gebäudes von einer plötzlich stark austretenden Rauchentwicklung überrascht unb e r ft i cf t. All5 brei Gebäube brannten bis aus bie Grunbmauern nieder Der Schaden beläuft sich auf etwa 7 Millionen Franken. Der Strafantrag gegen den Direktor der Bank für deutsche Beamte. 3n dem Strafprozeß, der sich mit dem Zusammenbruch der Bank für deutsche Beamte ®. m. b. H. — der Zusammenbruch erfolgte mit einem Verlust von 9 Millionen Mark - beschäftigte. wurde nach einer Derhandlungsdauer von zwei Monaten die Beweisaufnahme geschloffen und am Dienstag vom Staatsanwalt die Strafanträge gestellt. Gegen den Kaufmann Alois Weber, den Direktor der Dank für deutsche Beamte. beantragte der'Staatsanwalt wegen Der- gehens gegen das Genofsenschaftsgeseh und wegen Bilanzverschleierung ein ^ahr sechs Mo- n a t e G e s ä n g n i s und 13 000 Mark Geldstrafe. Gegen die übrigen Angeklagten wurden Gefängnisstrafen bis zu vier Monaten beantragt. Das Urteil ist erst in der nächsten Woche zu erwarten. Preise winken für 5 Minuten Kopfzerbrechen: läßtsich leichter frisieren.Dauer-,Wasserwellen u.Ondu- b. Lassen Sie sich im Fachgeschäft kostenlos den erklärenden lation halten besser und länger. „Haarglanz“enthält keine h Prospekt „Kopf zerbrochen!“ geben! 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Ortskrankenkasse Gießen-Stadt. ________Hinkler, Rechner.________ Vornehm I Geschmackvoll f Persönlich' Diese wesentlichen Eigen echeften der gediegenen Familiendrucksache Bietet innen in zanlreichen neuzeitlichen Au»- fünryngearten und Pep e-en zu madigen prs »«" 2 • I Wiche Drucker«, Gießen. Schulstr. 7, Anruf 2251 Elisabeth erobert sich das Glück Roman von Margarete Ankelmann Copyright by M. Feuchtwanger, Halle. 17. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Elisabeth war froh, als die Sommerferien kamen und sie mit Frau Schelm er verreisen konnte. Die beiden Frauen fuhren in ein kleines österreichisches Alpendorf, nach Lech, in der Nähe des Arlbergs. Dort, in der Einsamkeit der Berge und der großartigen Höhenluft, erholten sich beide wundervoll von den Strapazen der Großstadt und des Studiums, und sie genossen die Wunder der Dergwelt in langen Fußwanderungen. Eckertsburg hatte sich nur kurz vor der Reise der Damen einmal sehen lassen. Er selbst verbrachte den Sommer in einem Nordseebad. Elftes Kapitel. Frau Schelmer und Elisabeth waren zurückgekehrt, braungebrannt und köstlich erfrischt. Elisabeth arbeitete mit neuem Feuereifer. Sn der zweiten Woche schon trat Elisabeth in einem Solistenkonzert des Konservatoriums auf und hatte mit Liedern von Mozart, Schubert und Brahms so stürmischen Erfolg, daß sie viele ihrer Vorträge wiederholen muhte. Sm gaiuen Konservatorium wußte man, daß Elisabeth Pfilipps Ausbildung vollendet, daß sie eine fertige Künstlerin geworden war. Sm nächsten Frühjahr sollte sie ihr erstes selbständiges, öffentliches Konzert geben, und Professor Walter hoffte, zum Herbst für sie ein erstklassiges Engagement zu finden. Nun, das war nächstes Sahr, bis dahin war noch lange Zeit. Es war an einem Novembervormittag, als Elisabeth wieder im Konservatorium weilte. Sie wartete auf Kammersänger Perlberg. Plötzlich wurde sie zu Professor Walter gerufen. Als sie in sein Zimmer trat, stand auch Kammersänger Perlberg da. Beide Herren hatten rote Köpfe, schienen ziemlich erregt zu sein. „Mein liebes Fräulein Pfilipp", sagte Professor Walter, „ich habe eine große Aufgabe für Sie." Perlberg fiel in seiner bärbeißigen Art ein: „Getrauen Sie sich die Elsa in „Lohengrin" zu singen? Aber natürlich, die Partie sitzt bei Shnen ja felsenfest! Also, wollen <Äe?" „Sch? - Oh..." Ein freudiger Schreck verschlug Elisabeth die Sprache. „Na, was denn?! Nur keine Zimperlichkeit..." „Lassen Sie mal, Perlberg! Sch werde es Fräulein Pfilipp erklären. Es handelt sich um folgendes, Fräulein Pfilipp. Das Neue Theater hat angerufen, ob wir eine vollwertige Vertreterin der Elsa hätten, Frau Hansen hat einen Knöchelbruch erlitten, und die zweite Vertreterin der Rolle liegt an einer schweren Halsentzündung zu Bett. Das Theater wandte sich an uns, ehe es nach auswärts telephoniert. Sch habe natürlich gleich an Sie gedacht. Dühnenfertig sind Sie, die Rolle haben Sie eingehend studiert — ich meine also, Äe können das Wagnis getrost unternehmen. Wollen Sie?" „Wenn Sie es für richtig halten — o ja, ich will schon." „Sch habe keinerlei Bedenken, Sie auftreten zu lassen, Fräulein Pfilipp. Einmal muß ja doch der Anfang gemacht werden. Natürlich bekommen Sie keine Gage, denn unser Snftitut wird ja von der Stadt unterhalten. Also machen Sie Zhre Sache gut! Sch bin überzeugt davon, daß das Experiment ganz gelingen wird. Sch werde heute abend natürlich selbst da sein und Sie hören. Seht müssen Sie ins Theater zur Probe. Man erwartet Sie am Bühneneingang. Sie haben ja bei der Konservatoriumsaufführung kein Lampenfieber gehabt, Sie brauchen auch heute keines zu haben. Nur Mut, es wird alles gut gehen." Elisabeth war noch ganz wirr im Kopfe, als sie schon auf der Straße ging. Sie nahm sich eine Taxe, fuhr ins Neue Theater. Es war Eile geboten, hatte ihr Kammersänger Perlberg noch gesagt. Die Probe im Theater hatte schon begonnen. Ein berühmter Gast war als Lohengrin da: mit dem hatte man kurz probieren müssen. Gleich zu Beginn der Probe war Frau Hansen über ein Kulissenstück gestolpert und hatte sich dabei einen Knöchelbruch zugezogen. Die zweite Vertreterin lag krank zu Bett. Das Stück konnte man kaum mehr absagen, da die Vorstellung des Gastes wegen ausverkauft war. Man hatte sich also eine andere Elsa verschaffen müssen. Perlberg hatte das Elisabeth alles schnell berichtet, während -sie sich ankleidete. Elisabeth stand vor dem Bühneneingang. Herzklopfend blieb Jte einen Augenblick stehen. Dann faßte sie Mut, ging hinein. Eine barsche Stimme fuhr sie an: „Wo wollen Sie denn hin, Fräulein? Karten gibt es drüben, im Haupteingang." „Nein, ich will keine Karten. Sch bin hierher bestellt, soll heute abend singen — die Elsa." „Aber das glauben Sie ja selbst nicht, Fräulein." Die Stimme war etwas milder geworden, als der Mann im kleinen Portierfenster die Verlegenheit und Aengstlichkeit Elisabeths gesehen hatte. „Das glauben Sie ja selbst nicht. Wo wollen Sie denn die Stimme zur Elsa hernehmen, Sie dünnes Ding?" Der Portier saH ungläubig an Elisabeths zarter Erscheinung herunter, die allerdings nichts von dem Umfang der berühmten Wagnersängerinnen an sich hatte. „Sa, aber man wartet drinnen doch auf mich. „Das ist alles schön und gut, Fräulein. Haben Sie denn einen Ausweis? Sonst kann ich Sie nicht da hinauflasfen." „Einen Ausweis — nein, den habe ich nicht. Aber ich komme doch von Professor Walter." „Kenne ich nicht, Professor Walter..." Sn diesem Augenblick kam ein Mann dieTreppe herabgestürmt, die ins Innere des Hauses führte. „Dienert, ist denn die Elsa noch nicht da?" Er sah Elisabeth und hielt inne, schaute sie fragend an. „Sch bin Elisabeth Pfilipp, mein Herr. Sch komme von Professor Walter. Aber der Herr Portier glaubte mir nicht, wollte mich nicht her- einlafsen." „Sie sind ein Trottel, Dienert. Das hab' ich Shnen ja schon immer gesagt. — Sch bin Doktor Kerner, Regisseur. Wir warten schon mit Sehnsucht auf Sie. Wollen Sie, bitte, mit mir kommen." Doktor Kerner führte Elisabeth an dem verdutzt dreinschauenden Portier vorüber hinauf zu den Dühnenräumen. Elisabeth ging wie im Traum. Sie sah nicht die verwunderten Blicke der Chorleute, die tuschelnd außerhalb der Bühne standen. Sie sah nichts von den Dingen, die um sie herum vorgingen. Doktor Kerner führte Elisabeth zum Oberregisseur: „Hier, Doktor Schäffer, das ist Fräulein Pfilipp vom Konservatorium." Aus dem Konversationszimmer, gleich hinter der Bühne, trat ein großer Mann mit einem schmalen, intelligenten Gesicht. Shm folgten mehrere Damen und Herren auf dem Fuße. „Professor Walter schickt Sie, gnädiges Fräulein?" Dabei streifte ein verwunderter Blick Elisabeths Erscheinung. „Sa, ich heiße Elisabeth Pfilipp und komme von Professor Walter." Der große Mann verbeugte sich vorstellend: „Doktor Schäffer, Oberregisseur. Also, bitte, kommen Sie! Wir haben keine Zeit zu verlieren." Elisabeth folgte dem Oberregisseur auf die Bühne. Doktor Schäffer sprach eifrig zum Orchester hinunter. Noch während des Gesprächs trat ein anderer Mann neben Elisabeth: „Drettschneider! Also Sie sind die neue Attraktion, von der Walter uns vorgeschwärmt hat. Hoffentlich hat er sich nicht verrechnet. Kulissenstaub scheinen Die noch nicht geschickt zu haben. Aber wir wollen gleich anfangen — die große Szene der Elsa...“ Er lieh Elisabeth stehen und ging hinüber zum Oberregisseur: „Sch bitte Sie, Schäffer! Walter ist nicht ganz gescheit, uns eine so junge Anfängerin zu schicken. Es wäre doch besser gewesen, gleich Dresden oder Halle anzurufen um Ersatz. Sollen wir das Risiko auf uns nehmen, mit diesem kleinen Mädchen?" Oberregisseur Schäffer sah Professor Drettschneider an. Er wußte, daß dieser Dirigent sehr anspruchsvoll war in bezug auf das Künstlerpersonal. Aber Walter hatte so geschwärmt von dieser Novize, und der Konservatoriumsdirektor war doch schließlich ein Mann, der etwas verstand vom Metier. Vielleicht, daß man es noch einmal versuchte. „Sch meine, Herr Professor, wir wollen einmal probieren. Es wird sich dann ja schnell Herausstellen, ob mit der jungen Dame etwas anzufangen ist oder nicht. Sie sieht jedenfalls gut aus, und es wäre einmal etwas anderes als unsere etwas mollige Hochdrgmatische. Wenn es gar nicht geht, müssen wir eben doch noch Halle oder Dresden anrufen." „Gut. Dann wollen wir gleich anfangen." Sm nächsten Augenblick erschien Drettschneider unten am Dirigentenpult. Nach einer flüchtigen Vorstellung gruppierte man sich auf der Bühne. Licht erhellte die Szenerie, die eine Aue darstellte. Auf der einen Seite die mächtige Gerichtsbude, darunter der König, umgeben von den brabantischen Edelleuten. Reisig und Volk. Es sah ein wenig komisch aus, wie die modern gekleideten Menschen mit Speer und Schild hantierten. Man fing mit dem Ende der Szene an: der König ließ die beklagte Elsa zu sich rufen. Elisabeth hatte sich chres Hutes entledigt, kam barhäuptig, in ihrem Strahenkostüm. Wie die Rolle es vorschrieb, kam sie mit ihrem Gefolge bis in die Mitte der Bühne. Bisher hatte sie ein banges Gefühl, starkes Herzklopfen nicht loswerden können. Setzt, mit einem Male, war daS vorüber. Nach den vorgeschriebenen, stummen mimischen Gebärden tönte es süß bezwingend zu den Lauschenden: „Einsam an trüben Tagen hab' ich zu Gott gefleht.. “ Alle starrten entzückt aus das blonde, schwanke Mädchen, das eine so wundervolle Stimme besah und das musikalisch und »schauspielerisch so Hervorragendes leistete. Der berühmte Gast war entzückt von seiner bildschönen Partnerin, der man die Elsa wirklich glaubte. Schmelzend scholl sein Tenor mit Elisabeths wundervollem Sopran zusammen. (Fortsetzung folgt.) Beim Einkauf sparen Sie durch unser günstiges Angebot: Schmalz, amerik........................Pfund 40 Pf. Schmalz, deutsch. (6E6), 1/1 Pfd. 60 Pf., V, Pfd. 31 Pf. Kaffee, stets frisch geröstet, nur beste Mischungen */4 Pfund 80, 75, 70, 60 und 50 Pf. Römerbrunnen, best.Tafelwass.,1/, Fl.25 Pf.,1/,Fl. 15Pf. Apfelwein o. 6I..........................Liter 30 Pf. Von unserer GEG-Mühle Mannheim Aus Unserer Gemüse - Konserven- Fabrik \ MD Stendal Pfund nur 40 Pf. Pfund nur 40 Pf. Pfund nur 45 Pf. Pfund nur 25 Pf. Pfund 23 Pf. Pfund 26 Pf. Weizenmehl (Spec. 0).... Weizenmehl (Rheinstern) Zwetschenmus........ Vierfrucht-Marmelade. Apfel-Gelee........... Sirup................. Weizenm.(RheinsL), 5Pfd.-Säckch.1.60RM. 10Pfd.-Säckch.3.10RM. Kuchenmehl (allerfeinstes)....Pfund 28 Pf. 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Keine Selbstauslösung des Provinzialtags. — Starke Steuerausfälle. — Energischer Protest gegen die Streichung des Staatszuschusses für die Landstraßenunterhaltung. — Oie Verabschiedung des neuen Voranschlags. ' Dieben. 23. 3uni 1932. Gestern mittag fand im Sitzungssaale des Re- gierunasgebäudes zu Gießen die diesjährige ordentliche Tagung des Prooinzialtaas der Provinz Oberheffen unter dem Vorsitz von Prooinzialdirektor Graes statt. Dor Eintritt in die Tagesordnung brachte der kommunistische Abgeordnete Dietz (Klein-Karben) einen Protest gegen die Anwesenheit von zwei Kriminalbeamten vor mit dem Ersuchen um Aufklärung, wer diese Beamten in den Sitzungssaal gebracht habe, und mit der Forderung, sie sofort zu entfernen. Prooinzialdirektor G r a e f als Vorsitzender antwortete dem Beschwerdeführer, daß die beiden Kri- minalbeamten aus seine Veranlassung anwesend seien, um etwaigen Störungen der Verhandlungen gegebenensalls wirksam entaegentreten zu können, wenn andere Mittel und Wege erfolglos bleiben sollten. Die Anwesenheit der zwei Kriminalbeamten bedeute in keiner Weise irgendeine Einschränkung der Redefreiheit, sie solle nur Vorkommnissen wie im vorigen Jahre vorbeugen. Veränderungen im prooinziallag. Prooinzialdirektor Graes teilte sodann mit, daß Lehrer Klostermann (Vockenrod. NSDAP.) sein Prooinzialtagsmandat niedergelegt und an seine Stelle Bürgermeister P s a n n st i e l tBermutshain) in den Provinzialtag eingetreten fei. An Stelle des aus der Provinz Oberhessen verzogenen Provinzial- ousschuß-Stellvertreters Bürgermeister Dr. I a n s e n (Butzbach) sei der Landwirt Karl Schwalb I. (Großen-Buseck) getreten. Ehrung des verstorbenen prooinzialdirektor» Geheimerat Dr. Usinger. Prooinzialdirektor G r a e f widmete sodann, wäh- renb sich die Sitzungsteilnehmer von ihren Plätzen erhoben, dem am^Sonntag in Mainz verstorbenen früheren Prooinzialdirektor von Oberhessen Geheimerat Dr. Usinger einen Nachruf, in dem er u. a. sagte: Herr Prooinzialdirektor Geheimerat Dr Usinger stand vom l.März 1910 bis 1 Fe- bruar 1922 an der Spitze der Verwaltung der Provinz Oberhessen. In die Zeit seiner Amtstätigkeit fällt die Eröffnung des Wasserwerks Inheiden, für das die Grundlage für die Errichtung bereits unter dem Vorgänger des Geheimerats Dr. Usinger gelegt war. Der frühere Gedanke, in Lißberg ein Zentralkraft, werk zur Versorgung der Provinz Oberhessen mit elektrischer Energie zu errichten, wurde aufgegebeh. Es wurde ein Vertrag mit dem hessischen Staat abgeschlossen über die Lieferung von elektrischer Energie für die Provinz Oberhessen aus den ftaat- lichen Braunkohlengruben bei Wolfersheim. Während der Amtstätigkeit des Verstorbenen wurde mit dem Ausbau der Ueberlandanlage der Provinz Oberhessen begonnen, und vom Jahre 1912 ab bis zur Uebersiedlung des Geheimerats Dr. Ufinger nach Mainz etwa 220 Gemeinden der Provinz Oberhessen mit elektrischer Energie versorgt. Ferner wurde beschlossen, in Lißberg ein Wasierkrastwerk zu errichten als Reserve- und Ergänzungsaniage der Provinz. Mit den Arbeiten wurde noch unter Herrn Geheimerat Dr. Usinger begonnen, sie wurden unter seinem Nachfolger dann zu Ende geführt. Herr Geheimerat Dr. Usinger hat in seiner zwölftährigen Amtszeit die ganzen Arbeiten mit Weitblick, Tatkraft und Energie gefordert, und damit große wirtschaftliche Werte für die Provinz Oberhessen geschaffen. Sein Name wird mit den wirtschaftlichen Unternch- mungen der Provinz für immer verbunden bleiben. Wir werden dem Heimgegangenen allezeit ein ehren- des Andenken bewahren. — Zum Schluß teilte der Redner noch mit, daß bei der heutigen Beisetzung des Verstorbenen ein Kranz im Namen der Provinz Oberhessen niedergelegt werde. Der provinzialtag soll sich selbst aufläsen. — Ein wirkungsloser Antrag. Prooinzialdirektor Graes gab hieraus bekannt, daß ein Antrag der Fraktion des Landbundes eingegangen sei, nach dem der Provinzial- t a g beschließen solle, er entspreche nach dem Ergebnis der letzten hessischen Landtagswahl nicht mehr dem Willen der Mehrheit der Bevölkerung und beschließe daher, sich als ausgelöst zu betrachten. Prooinzialdirektor Graes bemerkte dazu, der Antrag sei ungesetzlich, denn nach der Kreis- und Prooinzialordnung könne der Pro- vinzialtag sich nicht selb st auflösen, sondern er habe bis zum Schluß seiner Wahlperiode zu amtieren. Eine Auslosung des Provinzialtags könne nur durch Beschluß der Regierung erfolgen. Da der Antrag ungesetzlich sei, könne er nicht zur Abstimmung gestellt werden. Abg. Fenchel (Oberhörgern. Landbund) be- bemerkte, ob der Antrag gesetzlich ober ungesetzlich fei, spiele hier nicht mit Entscheidend fei der Mehrheitswille der Bevölkerung, und nach dem Ausfall der letzten Landtagswahl müsse man doch sagen, daß die Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr hinter dem Provinzialtag in der jetzigen Zusammensetzung stehe. Provinzialdirektor Graes bemerkte, wenn in dem Antrag gesagt würde, die Zusammensetzung des Provinzialtags entspreche nach der Ansicht seiner Mitglieder nicht mehr dem Mehrheitswillen der Bevölkerung, und deshalb richte der Pro- vinzialtag das Ersuchen an die Regierung, den Provinzialtag aufzulösen, dann könne über einen derart formulierten Antrag ab- gestimmt werden. Abg, H i l d n e r (Büdingen, SPD.) betont, seine Fraktion halte sich noch für kompetent, die hinter ihr stehende Wählerschaft im Provinzialtag zu vertreten. Wenn die Landdundfraktion sich zu dieser Vertretung der Wählerschaft nicht mehr für kom- petent halte, möge sie doch von ihren Mandaten zurücktreten und der NSDAP, die Möglichkeit geben, durch eine Ergänzungswahl in den Provin- zialtag einzutreten. Der Antrag kam nicht zur Abstimmung, er blieb also wirkungslos. Einrede des provinziatdirekiors. Die Beratung des Voranschlags für 1932 wurde von Prooinzialdirektor Graes mit folgender Rebe eingeleitet: • Der Voranschlag ist ein Spiegelbild der äußerst gespannten wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse in Deutschland, die natürlich auch ihre Wirkungen auf unsere Verhältnisse ausüben. Der Voranschlag für 1931 schloß in Einnahme und Ausgabe ab mit 4 639 800 RM. Der Voranschlag für 1932 schließt ab mit 4 159 918 RM., mithin weniger 479 882 RM. Ein klares Bild der wirtschaftlichen Verhältnisse bekommt man, wenn man sich den Rückgang der Reichssteuerüberweisungen seit dem Jahre 1930 vergegenwärtigt. Während wir im Jahre 1929 gegenüber dem Soll an Reichssteueranteilen mit 338 000 RM. nur einen Aussall von 758 R-t. hatten, betragt der Ausfall im Jahre 1930 rund 41 000 RM. Für das Jahr 1931 wird er bei einem Soll von 250 000 RM. schätzungsweise 70 000 RM. betragen; für 1932 wird gegenüber dem Jahre 1930 ein Ausfall entstehen von rund 200 000 RM. Die Besteuerungsgrundlagen, nach welchen im Jahre 1932 die R e a l st e u e r n ausgewogen wer- den sollen, werden wohl erst im Herbst d. I. vor- liegen. Wir waren daher vorerst genötigt, auf Grund von Erfahrungen zu Schätzungen zu greifen. Auch hier zeigt sich der starke Schrumpfungsprozeß in den gewerblichen Betrieben Beim Gewerbckapital haben wir wohl mit 34,5 Millionen - 25 v. H. Ausfall in Steuerkapital zu rechnen, beim Gewerbeertrag mit einem Ausfall von 10 Millionen Steuerkapital = 40 v. H., beim Waldbesitz in den selbständigen Gemarkungen haben wir einen Rückgang des Steuerwerkes von etwa 3 Millionen - 10 v. H., so daß die Realsteuern bei gleichbleibenben Ausschlagssätzen einen Ausfall von rund 69 000,— RIN. bringen werden. Die Finanzlage der Provinz Oberheffen hat sich nach dem Voranschlag für 1932 gegenüber dem Jahre 1930 wie folgt verschlechtert: 1. Weniger-Ueberweisungen an Ein- kommen-, Körperschafts- und Umsatzsteuer, schätzungsweise 2. Rückgang an Kraftfahrzeugsteuer, schätzungsweise 3. Ausfall durch Realsteuersenkung ohne staatlichen Ersatz 4. Mindereinnahmen an Realsteuern durch Verringerung der Steuer- werte, insbesondere bei den Gewerben 5. Wegfall des Ausgleichsstocks, weil dieser im Jahre 1931 aufgebraucht sein wird. * zusammen Rechnet man hierzu noch den Wegsall des Staatszuschusses für die Unterhaltung der Straßen mit 370 000 so kommt man insgesamt zu einer Zahl von 1 044 000 Zu der Streichung des Staatszuschusses für die Straßenunterhaltung ist folgendes zu bemerken: Der Herr Finanzminister hatte dem Herrn Minister des Innern bei Aufstellung des Staatsooranschlags für 1932 mitgeteilt, daß die Lage der Finanzen des hessischen Staates es notwendig mache, den Staatszuschuß für die Unter- Haltung der Straßen in Höhe von 1 Million Reichs- mark zu streichen. Wenn die finanzielle Bedrängnis zu großen Einschränkungen auf allen Gebieten der Staatsverwaltung zwinge, so könne es sicherlich nicht ungerechtfertigt erscheinen, daß man auch den Provinzialverwaltungen zumute, in dieser Notzeit nur bas unbedingt Notwendige an Straßenherftellungen vorzunehmen, zumal ja auch die Kraftfahrzeugsteuer soviel an Mitteln für die Straßenherstellung erbringe. Trotz eingehender Darlegung der Verhältnisse durch die drei Provinzialoerwaltungcn wurde der Staatszuschuß im Entwurf des Staatsvoranschlags gestrichen. Da die drei Provinzen in hohem Maße an dieser Frage interessiert sind, sand eine Besprechung der drei Provinzialdirektoren mit dem Herrn Minister des Innern in Anwesenheit von Vertretern de- Herrn Minister» der Finanzen statt. Hierbei wurde die Frage eingehend durchgesprochen und bargelegt aus welchem Grunbe man sich nicht bamit absinben'könne, daß der Staat sich einseitig feinen rechtlichen Verpflichtungen entgehe. Der ursprünglich erwogene plan, den hessischen Staat auf Zahlung des Slaatszuschusfes zu oer- klagen, wurde faUengelaflen, da der Ausgang eines solchen Prozesse» immerhin zweisclhast war. Mit Ermächtigung des Provmzialausschusses sand eine Aussprache mit oberhessischen Mitgliedern des Landtags statt, in der die Finanzlage der Provinz Oberhessen und die Auswirkung der Streichung des Staatszuschusses auf den Zustand der Straßen dargelegt wurde. Darüber hinaus beschloß der Provm- zialausschuß einstimmig, gegen die Absicht des Fi- nanzministers fdjärffte Verwahrung einzu- legen. Der Redner verliest hierauf den Beschluß des Provinzialausschusfes. der den Ministern der oi- nanzen und des Innern sowie dem Landtag mit- geteilt worden ist. _ Durch die Ungültigkeitserklärung der letzten hessischen Landtagswahl ist der Staatsvoranschlag durch Notverordnung der hessischen Regierung pom 20. Mai 1932 in Kraft gesetzt worden. Die Streichung des Staatszuschusses ist aufrechter- halten worden. Dem neuen Landtag in Hetzen soll der Beschluß des Provinzialausschusses alsbald wieder vorgelegt werden. RM. 200 000 265 000 60 000 69 000 80 000 674 000 Zum Finanzausgleich ist folgendes zu bemerken: Nach der Notverordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen vom 1. Dezember 1930 sollte der Finanzausgleich zwischen Reich, Landern, Gemeinden und Gcmeindeoerdanden mit Wirkung vom 1. April 1932 ab unter Berücksichtigung gewisser Grundsätze durch Gesetz endgültig geregelt werden. Seit Jahren sind wir aus dem Gebiete des Finanz- ausgleichs aus Dem Provisorium nicht herausgekom- men. Auch das obenerwähnte Rcichsgefetz über den endgültigen Finanzausgleich wurde nicht erlasien. Die bisherigen Verhandlungen über den Finanzausgleich geben ein Bild von dem Kampf zwischen Reich, Ländern, Gcmeindeverbänden und Gemeinden um die Wahrung ihrer Interessen. Es ist ein Kamps um die Lebensmöglichkeit aller Glieder des Reichs und der Länder. Die ganze Frage de» Finanzausgleichs stockt. Sie ist neu ausgcrollt worden durch das Gutachien des früheren Staatssekretärs im Reichsfinanzministerium, Professor Dr. P o p i tz. Dieses Gutachien steht zur Zeil im Vordergrund des Interesses. Es wird bei allen Tagungen öffent- sicher Verbände behandelt. Die finanziellen Verhältnisse haben sich Inzwischen so zugespihl, bah ein längere» Hinausschieben einer gründlichen Lösung zur Katastrophe führen muh. Hand in Hand mit der Regelung de» Finanzausgleich» muh aber auch die Frage der Abgrenzung der Ausgaben und der Zuständigkeiten geregelt werden. Die bisher nur als programmatischer San bestehende Bcsiimmung „K eine neue Au »- gaben ohne Deckung" muß zu einer bindenden Regelung ausgebaut werden, wonach alle, die Gemeinden und Geineindeverbande betreffenden Spezialgesetze auch über die Deckung der erforderlichen Ausgaben Bestimmungen treffen müssen. Wie ich bereits zu Beginn meiner Ausführungen bargelegt habe, werden die Vorarbeiten für die Feststellung der Besteuerungsgrund- lagen, nach welchen im Jahre 1932 die Realsteuern zu erheben sind, vor Herbst l. I nicht ab- geschloffen werden können. Um aber eine Unter- rechn ng in der Erhebung der Kommunaisteuern zu vermeiden, hat die Steuerverordnung des hessischen Gesamtministeriums die Rechtsgrundlage geschossen für die Erhebung von Vorauszahlungen auf Grund der zuletzt festgestellten Jahressteuerschuld Auch für das Jahr 1932 sind die R e a l st e u e r n w i e im Vorjahre zu senken (6 o H. bei der Grundsteuer, 12 o. H bei den Gewerbesteuern). Während für 1931 der hefsifche Staat gesetzlich ver- pflichtet war, den Aussall der Mealsteuerfenkung aus dem Aufkommen der Sonbergebaubcfteuer den Ge- meinden und Gemeinbeverbänben zu ersetzen, ist für 1932 biefe reichsrechtliche Bindung für die Länder rocggefoUcn, so daß der hessische Staat in diesem Jahr keinen Ersah leisten wird. Der protefl der Provinz gegen die Streichung des flaattichen Stmßenznschusses. Der von Prooinzialdirektor (9 r a e f in seiner Etatrede verlesene Protest gegen d i e Streichung des Staatszuschusses für die Straßenunterhaltung hat folgenden Wortlaut: Der Provin zialausschuß der Provinz Oberhessen hat mit Befremden davon Kenntnis genommen, baß in dem Entwurf des Staatsvoranschlags für 1932 der Staatszuschuß zur Unterhaltung der Provinzial st raßen ge- st r i ch e n ist. Es bedeutet dies für die Provinz Oberheffen einen Ausfall von 3 7 0 0 0 0 RM, die für die Unterhaitug der Straßen weniger zur Verfügung stehen. Der Provinzialausschuh weist darauf hin, dah beim 11 ebergang der Staatsstraßen auf die Kreise im Jahre 1897 der Staat seine damaligen .Unter- Haltungskosten in Höhe von 1 Mill. Mk. jährlich auf die Kreise abgewälzt hat und als Ausgleich dafür den Kreisen eine „2fbfinbung'‘ in gleicher Höhe jährlich überwies. (Dgl. Artikel 13 des Gesetzes vom 12. August 1896). Am 1. April 1927 wurden die Provinz«* Rechtsnachfolger der Kreise als Eigentümer der Kreisstrahen. Der Provinzialausschuh vertritt daher die Auffassung, dah die Provinzen einen Rechtsanspruch gegen den Staat haben auf Weiterzahlung des Staatszuschuffes von 1 Million Reichsmark im Jahre. Die beabsichtigte Streichung des Etaatszuschus- ses für die Unterhaltung der Provinzialstraßen verstößt aber auch gegen Artikel 15 des Hess. Ausführungsgesetzes zum Finanzausgleichsgeseh in der Fassung der Bekanntmachung vom 21. Juni 1927. Hiernach darf das Land den Provinzen neue Ausgaben nur zuweisen, wenn es gleichzeitig für die Bereitstellung der erforderlichen Mittel Sorge trägt. Diese Vorschrift gilt entsprechend bei wesentlicher Erweiterung bereits bestehender Aufgaben. Die beabsichtigte Streichung des Staatszuschusses ist mit dieser Vorschrift nicht in Einklang zu bringen, da die Provinzen nicht in der Lage sind, die ausfallenden Beträge anderweit zu beschaffen, zumal auch die Realsteuern nach reichsrechtlicher Vorschrift nicht erhöht werden dürfen. Wenn von dem Herrn Finanzminister die Auffassung vertreten wird, daß die Provinzen auf den Betrag von 1 Mill. Mk. für die Zeit der Rotjahre um deswillen verzichten könnten, weil den Provinzen die Kraftfahrzeugsteuer in einem Betrag überwiesen werde, der erheblich über den Staatszuschuß von 1 Mitt. Mk. hinausgeht, so darf demgegenüber darauf hingewiefen werden, daß die provin; Oberheffen in den Jahren 1927 bis 1930 ein Kapital von annähernd 6 Millionen Reichsmark ausgenommen hat, um die Straßen den veränberten Verkehrsverhältniffen an;u- pAffen. An Zinsen unb Tiigungsbienst würben in ber Provinz Oberheffen seither zu Lasten ber Krastsahrzcugsteuer jährlich 800 000 RM. benötigt, so bah nur ein kleiner Teil ber Krastsahr- zeugsteuer für die Zwecke ber Straßenunterhaltung übrig blieb. • In dem Protestbeschluß des ProvinzialauS- schusses wird sodann die Verschlechterung der Finanzlage der Provinz Oberhessen bargelegt, wie sie in der vorstehenden Rede des Prooinzialdirektor- Graes unter Anführung der Steuerausfälle zahlenmäßig ebenfalls mitgetcilt wird. Dann wird weiter gesagt: Der Rückgang an Einnahmen mußte sich zwangsläufig auch auf den LtraßenunterhaltungSvoran- schlag auswirken, da die Realsteuern nicht erhöht toerben können und sonstige Einnahmequellen nicht zur Verfügung stehen. Während im Voranschlag 1931 für die Straßenunterhaltung. und zwar für lausende Unterhaltung ohne Arbeiten, die zu Lasten der Kapitalaufnahme gehen, noch 3 132 000 Mark eingestellt werden konnten, schließt der vorläusige Entwurf des Straßenunterhaltungsvoranschlags mit Mark 2 655 000 ab Kommt hier noch der Staat-zuschuß mit 370 000 Mark in Wegsall. so bleiben für die Straßenunterhaltung für 1932 insgesamt nur noch 2 285 000 Mark. Es bedeutet die» im vergleich mit dem Jahre 1931 eine Verringerung ber Mittel für die Straßenunterhaltung in höhe von 847 000 RM. Diesen geringeren Mitteln für die Dtrahenunter- haltung im Jahre 1932 stehen zwar auch Ersparnisse an Gehältern, Löhnen, Derwaltungskosten, Zinsen und geringerem Aufwand für Tilgung gegenüber in Höhe von 324 700 Mark, so daß immer noch ein Ausfall von522300Mark verbleibt. um den die Unterhaltungskosten verringert werden müssen. Eine so einschneidende Einschränkung der Kosten für die Straßenunterhaltung hat zwangsläufig zur Folge, daß der Zustand der Straßen, der, wie allgemein anerkannt, zufriedenstellend war, sich in ganz kurzer Zeit so verschlechtern wird, daß namentlich die Teerstraßen einem vollständigen Verfall entgegengeben; es wären dann die in den letzten Jahren aufgewendeten sehr erheblichen Mittel für Oberflächenbehandlung umsonst ausgegeben. Die Gefahr für den Kraftwagen verkehr wird alsbald so groß werden, daß die Provinz mit untragbaren Schadensersahansprüchen rechnen muh. Schließlich wird noch daraus hingewiesen, daß infolge der starken Drosselung der Ausgaben die Arbeiter der Basaltindustrie entlassen toerben, die Zahl der Erwerbslosen noch vergrößert wirb unb bie Vasaltinbustrie bem sicheren Ruin verfällt. Wir verweisen in dieser Beziehung auf die Eingabe der Vereinigung für neuzeitlichen Straßenbau Frankfurt a. W. und der angeschlossenen Verbände an den Herrn Minister des Innern vom 7. März 1932 Unter Berücksichtigung all dieser Gesichtspunkte legt der ProvinzialauSschuß der Provinz Ober- Hessen schärfste Verwahrung ein gegen die beabsichtigte -Streichung des Staatszuschusses für 1932 und lehnt die Verantwortung für alle Folgen ab, । die zwangsläufig aus dieser Maßnahme entstehen I müssen. Die Einzelberatung. Zunächst hatte sich bas Haus mit Anträgen des fianbbunbes unb des Kommunisten zu beschäftigen, in denen gefordert wurde, die Aufwandsent- jchadigung an den Provinzialdirektor im Betrage von 936 Mark jährlich zu streichen Dem. gegenüber wurde — diesen Teil der Verhandlungen leitete an Stelle des im Sigungssaale nicht anwesen- den Vorsitzenden Provinzialdirektors dessen Stellvertreter Dberregierungsrat Ritzel — von dem Abg. Dr. Niepoth - Schlitz (DDP) und Lux-Nieder- slorstadt darauf hingewiesen, daß der jetzige Betrag gegenüber dem Vorjahre mit 1128 Mark schon gekürzt worden sei, er außerdem aber seine Begründung finde in der vom Prooinzialdirektor auszuübenden Betreuung der wirtschaftlichen Betriebe unserer Provinz, die in den beiden anderen Provinzen Hessens überhaupt nicht vorhanden seien; im übrigen habe man schon seit Jahren unter Mitwirkung aller Parteien die Aufwandsentschädigung bewilligt. Nachdem ein Landbund-Dertreter noch einmal für die Streichung gesprochen hatte, wurden der Landbund- unb der Kommunisten-Antrag gegen diese Parteien abgelehnt. Der Provinzialausschuß hat, ohne den Provinzial- tag abzuwarten, hüt Wirkung vom L November 1931 ab die Tagegelder der Provinzial- ausschußmitglieder wie folgt herabgesetzt: für die einheimischen Mitglieder von 8 Mark auf 6 Mark, für die auswärtigen Mitglieder von 12 Mk. auf 10 Mark. Der Provinzialtag trat diesem Beschluß bei und führte die gleiche Ermäßigung auch für die Tagegelder der Provinzialtags- abgeordneten ein. Ein Antrag der Landbund-Fraktion, die im Voranschlag wieder vorgesehenen Zuschüsse ber provin; an bas Gießener Stabt- thealer (3000 Mark) unb an bas Hess. Künstler- khffaker (1500 Mark) zu streichen, wurde abgelehnt. Gegen die IIStimmen-Minderheit, bestehend aus der Landbund • Fraktion und dem Kommunisten, stimmte das gesamte übrige Haus. Ebenfalls gegen diese 11 Stimmen ab gelehnt wurde ein Landbund-Antrag, die besondere Funk- lionszulage für die höheren Baubeamten zu streichen. Der Prooinzialtag gab auf Antrag des Vorsitzenden, Prooinzialdirektor Graef, dem Pro- vinzialausschuß die Ermächtigung, den Straßen- bauvoranschlag nach der Streichung des Staatszuschusses für die Straßenunterhaltungskosten Öen veränderten Verhältnissen an» Supassen und die entsprechenden Maßnahmen von sich aus zu treffen. Beschlossen wurden weiter der Umbau der Fuldabrücke bei Hemmen, der Um- bei der Fuldabrücke bei Groß-Felda und die Herstellung von drei Flutöffnungen in der Brücken- r^impe der Schlitzbrücke bei Uetzhausen, soweit das Geld dafür durch Kapitalaufnahme beschafft werden kann. Auf Antrag des Abg. Dr. N ie p o t h - Schlitz (DVP.) im Namen der Parteien der Mitte wurde e i n st i m m i g beschlossen: ,x 3m Interesse der Gasversorgung eines größeren Teils der Provinz und ganz besonders auch zur Schaffung von Arbeitsmöglichkeilen wollen die Provinzialverwaltung den Vorstand der hekoga veranlassen, daß er im Einvernehmen mit der Ruhrgas die Finanzierungsfrage für die Leitungsverlegung zu lösen versucht, damit die hekoga ihren Zweck erfüllen kann und die langgehegten Pläne wenigstens schrittweise zur Durchführung kommen. Provinzialdirektor Graes teilte mit, daß der Aufsichtsrat der Hekoga den Vorstand ersucht habe, mit allen Mitteln mindestens den Weiterbau der Ferngasleitung von Siegen über Gießen bis Friedberg durchzuführen. Da bei dieser Arbeit etwa 80 Prozent allein auf Löhne kämen, sei dieses Unternehmen in das Arbeitsbeschaffungsprogramm einzureihen. Der Provinzialausfchuß wurde weiter beauftragt, zu prüfen, ob im Rahmen der Wohlfahrtspflege ein Zuschuß von je 500 Mk. an das Rote Kreuz und an die Arbeiter-Sarnariter- Kolonne geleistet werden kann, ohne mit dieser Entschließung den Provinzialtag zu prajudizieren. Qluf Antrag der Parteien der Mitte, vertreten durch den Abg. Dr. R i e p o t h »Schlitz (DVP.), wurde einstimmig beschlossen, in der Vermögensrechnung aus dem Zinsvertrag zu entnehmen: für Zwecke der Arbeitsbeschaffung im Interesse der Straßenunterhaltung 30 000 Mk., für kulturelle, soziale und hygienische Zwecke, insbesondere für das von der Gemeinwirtschaft Oberhessen betriebene Kinderheim 20 000 Mk. Die Voranschläge der Anstalten und Einrichtungen wurden ohne Aussprache en bloc angenommen. Die Gesamlabstlmmung ergab die Annahme des Haushaltsvoranschlags mit 3 828 800 Mk. in der Betriebs- und mit 331118 Mk. in der Dermögensrechnung, insgesamt also mit 4 159 918 Mk. Für den Voranschlag stimmte das ganze Haus mit Ausnahme des Kommunisten. Der Provinzialausschuh wurde ermächtigt, die Ausschlagssähe für die Provinzialumlagen des Rj. 1932 zu beschließen für den Fall, daß keine Erhöhung der Ausgangsausschlagssätze eintritt. Die Werke der Provinz. Der Rechenschaftsbericht 1930 über den Betrieb des Wasserwerks Jnheidey, der einen Betriebsabschluß in Höhe von 940 749,34 Mark in Einnahme und Ausgabe, gegenüber einem Voranschlag von 869 300 Mark aufweist, wurde ohne Aussprache genehmigt. Dem Voranschlag des Wasserwerks Inheiden für das Rj. 1932 in Höhe von 883 000 Mark in Einnahme und Ausgabe stimmte das Haus glatt zu. Der Rechnungsabschluß des Ueberland- roerts Oberhessen in Friedberg für das Rj. 1930 wurde mit 3 297 547,59 Mark in Einnahme und Ausgabe ohne weiteres gutgeheißen. Die Ver- mögensübersicht schließt nach dem Stand vom 31. März 1931 mit 9 045 247,44 Mark ab. Dem Voranschlag des Ueberlandwerks Oberhessen für 1932 mit 2 900 000 Mark in Einnahme und Ausgabe wurde zugestimmt. Provinzialdirektor Graef berichtete bei dieser Beratung über die Verhandlungen der P r e a g mit der Provinz Oberhessen wegen Überlastung des Ueberlandwerks an die Preag, die bekanntlich gescheitert sind. Von der Landbundfraktion wurde beantragt, die Ueberschüsse des Ueberlandwerks zur Stromverbilligung zu verwenden und etwaige Einnahmeausfälle durch Ersparnisse an den sachlichen Kosten auszugleichen. Demgegenüber wurde von Provinzialdirektor Graef betont, daß die Heranziehung des Werküberschusses zur Senkung der Steuerlast der Bevölkerung diene, es aber nicht möglich sei, auf diesem Wege Steuern zu senken und auch noch den Strompreis zu ermäßigen. Angesichts der Finanzlage der Provinz, die außerordentlich angespannt sei, müsse dringend vor Experimenten gewarnt werden. Der Provinzialtag müsse das Vertrauen zum Provinzialausschuß haben, daß er in vertretbarem Rahmen den Stromabnehmern entgegen komme. Abg. Dr. Riepoth- Schlitz (DVP.) vertrat den gleichen Standpunkt und lehnte den Landbundantrag ab, Abg. Lutz-Klein- Felda (Landbund) trat für den Antrag seiner Fraktion ein, Abg. Lux- Niederflorstadt sprach sich ebenfalls gegen den Landbundantrag aus. Im weiteren Verlaufe der Aussprache wurde von Abg. Dr. N i e p o t h ein Mebereintommen zwischen der Provinz und der Stadt Gießen hinsichtlich der künftigen Elektro- Mirtschaft gefordert, wozu sich Provinzialdirektor Graes zustimmend äußerte. Schließlich wurde der Antrag des Landbundes dem Provinzialausschuß als Material überwiesen. Schluß der Sitzung. Die Fairsiballmeisterschast im Gau Hessen der DT. Turngemeinde Kriedberg Gaumeister der Sonderklasse. - Zn der Altersklasse Turnverein 1846 Gießen. Am Sonntag begegneten sich in Cölbe bte Mannschaften der Faustball-Sonderklasse des Gaues Hessen in den Endspielen um die Gaumeisterschaft. Cölbe hatte die Veranstaltung sehr gut vorbereitet, so daß die Spiele unter Leitung von Faustball-Obmann W. L o h (Gießen) einen einwandfreien Verlauf nahmen. Zu dem spannenden Spielverlauf ist mitzuteilen, daß die Tgm. Friedberg ihren Siegeszug aus der Vorrunde fortsetzen und sämtliche Gegner schlagen konnte. Rur die Mannschaft des letzjährigen Gaumeisters, des Tv. 1846 Gießen (Hans Geismar, Willi Reih, Werner R o h l, Walter Loh, Karl Pfeffer», leistet- harten Widerstand und wurde in dem entscheidenden Spiel der Runde von den Friedbergern erst in den letzten Spielminuten bezwungen. Es war das spannendste Spiel des Tages, lag doch die Gießener Fünf, die zweifellos in besserer Form als bei der Vorrunde war, bei Halbzeit 19:16 in Führung. Ein knappes Resultat gab es auch noch im Spiel Tv. Frankenau gegen Tv. 1846 Gießen, das Frankenau, das bei Halbzeit im Vorteil war, nur mit zwei Bällen verlor. Weniger in Frage kamen T. u. Spv. Butzbach und Tv. Ridda, Reulinge in der Sonderklasse, die mit gleicher Punktzahl das Tabellenende zieren. Der 6. Vertreter der Sonderklasse, Tv. Wetzlar, war zu den diesjährigen Spielen nicht angetreten. 3m einzelnen lauten die Ergebnisse: Tv. 1846 Gießen — Tv. Ridda 35:22 (14:13) T.- u. Spv. Butzbach — Tgm. Friedberg 34:60 (15-29;. Tv. Frankenau — Tv. 1846 Gießen 30:32 (14:12). Tv. Ridda —T.- u. Spv. Butzbach 44:42 (23:29). Tgm. Friedberg — Tv. 1846 Dießen 36:33 (16:19). Tv. Ridda — Tv. Frankenau 32:35 (18:16). Tv. 1846 Gießen — T.- u. Spv. Butzbach 37:29 (21:15). Tgm. Friedberg — Tv. Frankenau 40:33 (18:17). Tv. Ridda — Tgm. Friedberg 30:53 (20:29). T.- u. Spv. Butzbach—Tv. Frankenau 28:36 (14:16). Das ergibt nach Vor- und Rückrunde den Schlußstand der Tabelle: Spiele gew. verl. Tgm. Friedberg 8 8 0 Tv. 1846 Gießen 8 6 2 Tv. Frankenau 8 4 4 T.» u. Spv. Butzbach 8 1 7 Tv. Ridda 8 1 7 folgen» Punkte 16 12 8 2 2 Altersklasse. Die Altersklasse, in der bei den diesjährigen Spielen der vorjährige Teilnehmer Tv. Wetzlar- Riedergirmes nicht angetreten war, spielte die Endrunde bereits am Samstagabend unter Leitung von Gauspielwart Seibert (Wetzlar) in Butzbach. Es wurden sehr schöne Spiele geboten. Der vorjährige Gaumeister, Tgm. Friedberg, konnte wie in der Vorrunde . auch hier nicht überzeugen und verlor sämtliche Spiele, lieber» raschend war, daß die Mannschaft des Tv. 1846 Gießen, die in der Vorrunde sich sicher an die Spitze der Tabelle sehen konnte, diesmal von dem DSB.-Gast, Pol.-Spv. Butzbach, geschlagen wurde, so daß beide Vereine punktgleich die Tabelle führten. Es war somit ein Entscheidungsspiel notwendig, das die Gießener Altersfünf dann aber sicher für sich entscheiden konnte. Rachstehend die Ergebnisse der Altersklasse: Tgm. Friedberg — Pol.-Spv. Butzbach 37:41 (18:20); Tv. 1846 Gießen — Pol.-Spv. Butzbach 33:34 (18:19); Tgm. Friedberg—Tv. 1846 Gießen 31:48 (16:26). Das ergibt folgende Schlußtabelle: Spiele gew. verl. Punkte Tv. 1846 Gießen 4 3 16 Pol.-Spv. Butzbach 4 3 16 Tgm. Friedberg 4 0 4 0 Das Ents cheidungsspiel ging 40:30 (23:14) für Tv. 1 8 4 6 Gießen aus, der damit Altersmeister des Gaues wurde. Am nächsten Sonntag finden auf der Rosenhöhe in Offenbach a. M. die Spiele um die Gaugruppen-Mei st erschaft statt (Gaue Hessen, Frankfurt, Main-Taunus, Main-Offcn- bach-Hanau, Kinzig), die gleichzeitig Ausscheidungsspiele zwecks Ermittelung der Teilnehmer an den mittelrheinischen Kreisendspielen beim Kreisturnfest in Trier sind. Bei den Gruppenspielen in Offenbach a. M. wird unter Heimatgau Hessen durch folgende Mannschaften D&Treten sein: Meisterklasse: 1. Tgm. Friedberg, 2. Tv. 1846 Gießen; Altersklasse: 1. Tv. 1846 Gießen, 2. Pol.- Spv. Butzbach; Turnerinnen: Mtv. Gießen. Wirtschaft. Frankfurt lustlos. Frankfurt a. M., 23. Juni. (WTB. Drahtmel- dung.) U n s i ch e r hei t und starke Zurückhaltung drückten der heutigen Börse den Stempel auf. Auf der Lausanner Konferenz sind die Besprechungen noch immer nicht zu einem greifbaren Ergebnis gekommen. Der Vorschlag des Präsidenten Hoover wurde in Börsenkreisen zwar mit Befriedigung ausgenommen, doch machen sich starke Zweifel geltend, ob sich die R Ü st u n g s e i n s ch r ä n k u n - gen praktisch durchführen lassen werden, da man allgemein mit einem starken D) i d e r - stand Frankreichs rechnet. Auch in der Innenpolitik ist die Lage nach wie vor unübersichtlich. Unter diesen Umständen gebt die Spekulation nicht aus ihrer reservierten Stellung heraus, und auch das Publikum zeigt wenig Neigung, sich ins Geschäft einzulassen, bevor eine klare Entwicklung der Dinge zu erkennen ist. Bei minimalem Geschäftsbeginn gaben die Kurse überwiegend bis zu 1 v. H. nach, wenn es auch hier und da zu kleinen Kursbesserungen führte. Am Montanmarkt blieben Gelsenkirchen weiter größerem Kursdruck ausgesetzt und verloren, nachdem sie bereits 2 v. H. niedriger eingesetzt hatten, später erneut 1 Prozent. Buderus und Mannesmann lagen bis zu 1 Proz. niedriger, dagegen konnten sich Phönix und Stahlverein behaupten. ZG. wurden 0,38 Proz. schwächer gehandelt. Metallgesellschaft und Scheideanstalt gingen bis zu 1 Proz. zurück. Am Elektromarkt war die Tendenz nicht einheitlich. Während AEG., Gesfürel und Siemens um Bruchteile eines Prozentes nachgaben, konnten Reichsbank und Schuckert im gleichen Ausmaß Kursbesserungen erzielen. Don Bauwerten fiel die Schwäche der Holzmann-Aktien, die mit einem Abschlag von 1,25 v. H. zur Notiz kamen, auf. Schiffahrtswerte waren im Kurse gehalten. Am Rentenmarkt erfuhren Deutsche Anleihen keine wesentlichen Kursveränderungen. Don ausländischen Werten waren ungarische Goldanleihen 0,25 v. H. abgeschwächt. In Pfandbriefen, besonders in RheinischenHyp.-Liqu.-Pfandbriefen, lagen weitere Angebote vor, so daß sich aus diesem Umsatzgebiet Rückgänge bis 0,75 v. H. ergaben. Reichsschuldbuchforderungen waren gleichfalls schwächer veranlagt. Im Verlaufe der Börse trat keine Aen- berung der Allgemeintendenz ein. Berlin völlig zurückhaltend. Berlin, 23. Juni. (WTB. Funkspruch.)^ Genau wie an der gestrigen Börse störten auch heute wieder außen- und innerpolitische Betrachtungen. In Lausanne hat sich die Situation noch nicht geklärt, und die neue Abrüstungsbotschaft des amerikanischen Präsidenten Hoover wurde bezüglich der Annahme dieser Vorschläge durch Frankreich skeptisch beurteilt, obwohl man davon überzeugt ist, daß diese Vorschläge von Amerika durchaus ernst gemeint sind. Jnnerpolitisch ist auch durch die gestrige Länderkonferenz der Innenminister noch keine Klarheit geschaffen worden, und die erneuten Zusammenstöße zwischen den radikalen Parteien wirkten natürlich weiter recht verstimmend. Die aus der Wirtschaft vorliegenden Nachrichten waren gleichfalls nicht dazu angetan, die Unternehmungslust zu bessern. Der heute zu erwartende Abschluß der Zellstoff Waldhof für das abgelaufene Geschäftsjahr dürfte einen Verlust von 2 bis 3 Millionen aufweisen. Ferner war die Dividendenreduktion und Herabsetzung des Aktienkapitals der Leonhard Tietz erwähnenswert, und auch die schwache Haltung der Neuyorker Börse sowie die anhaltenden Diskussionen um die Gerüchte einer Zinskonversion verstimmten. Das her, auskommende Material war zwar nicht umfangreich, doch drückte es allgemein auf das Kursniveau, so daß Verluste von 0,5 bis zum Teil 2 v. H. zu verzeichnen waren. An einigen Märkten beobachtete man kleine Publikumsoerkäufe, die wohl mit der Reisezeit im Zusammenhang stehen dürsten. Lediglich am Montanmarkt war das Angebot größer, vor allem aber in Gelsenkirchen, die erneut bei Minus-Minus-Notiz fast 3 v. H. verloren. Kunstseidenwerte lagen ziemlich schwach, auch Feldmühle, Tietz, Hamburg-Süd, Chade und Montane waren ftäiEer gefragt. Nur Bürbach, Dessauer Gas und Rheinische Braunkohlen konnten sich leicht bessern. Farben, in denen gleichfalls ziemlich Material herauskam, verloren 0,65 v. H. Deutsche Anleihen tendierten uneinheitlich. Ausländer waren schwächer, Reichsschuldbuchforderungen gingen um etwa 0,40 o. H. zurück, auch Pfandbriefe waren meist angeboten und niedriger. Im Verlauf setzten sich bei kleinsten Umsätzen die Rückgänge bis zu 0,75 o.H. weiter fort, nur Gelsen, Bemberg und Chade waren leicht erholt. Im weiteren Verlauf der Börse konnten sich die Kurse auf Deckungen'der Spekulation zum Teil bis auf Anfangsnioeau wieder erholen. Der Geldmarkt war heute vollkommen unverändert zu gestern. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 23. 3uni. 1932. Auftrieb: Rinder 92, Kälber 749, Schafe 24, Schweine 1032 Stück, darunter 180 Litauer. Es notierten pro ICO Pfund Lebendgewicht: Kälber. Beste Mast- und Saugkälber 36 bis 40, mittlere Mast- und Saugkälber 32 bis 35, geringe Kälber 26 bis 31 Mark. Schweine. Vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund 43 bis 44, von etwa 200 bis 240 Pfund 42 bis 44, von etwa 160 bis 200 Pfund 39 bis 42, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 36 bis 40 Mark. Marktverlauf: Kälber. Schafe und Schweine mittel, mäßig, ausverkauft. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Freitag, den 24. Juni 1932. Kapelle auf dem Allen Friedhof. 20 Uhr pünktlich: Abendandacht für Studenten. Pros. D. Dr. Cordier. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 25. Juni: Vorabend 7.45 Uhr; morgens 8.30 Uhr; abends 9 und 9.40 Uhr. Gottesdienst der israelitischen RelegionsgeseU- schäft. Sabbatfeier den 25. Juni 1932. Freitag abend 7.45; Samstag vormittag 8.00; Rachmittag 4.00; Sabbatausgang 9.40. Wochengottesdienst: morgens 6.30, abends 7.15. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlosseney Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 v. H, Lombardzinsfuß 6 v. H. Ul., u u. in. Öet. Schluss. Iur0 1-Uyr- Kur- Schluß-iAnsaug» ’ur ■ | Kurs Dalum 22.6. 23.6. 22.6. 23.6. ii% Deunche ;Keicn»anicthc D.1H2, 53 - 53,75 — 7% Deuljchc Reichsanleihe v. 1929 59.5 59,5 5'/2% youno»’2lnlelhe von 1930 . Deutsche Anl.-Ablöl.-Echuld rnil 60 60 — jluolol.iStcdncn ...... 37 37 37 37,13 SJcflnl. ohne 9ln6lol.-$Rechte . 8% Hess. Bolksstaai von 1929 3,45 — 3,5 3,4 trückzahlb. 102%)...... Cbcrhclicn Proviuz-Anlelhe rnil — — — — Auolos.-Rechten Toilljclio Komm. Sammelabl. 36,5 — — — Anleihe Serie 1 . 8% Krankt. Hnp.-Bank Goldpse 32,75 — 33 — 15 unkündbar bis )935 7% ,'rnutf. Htiv.-Bav! Goldpfe 66 — — — unfitnobar bis I93ß Serie 16 4',.% ,'rnntl. bnv.-Aanl fiiqu. 65,75 — — — Pianvbrie,e 4'.% Stbeiniirfie Hnv-Bauk-Ltau 77,5 — — — ÖJulbv c. . 8°;, ‘Br. l'anbccpfanbbrtefanftalt, 75,8 — — — Pfandbriefe R. u> 7% '^r. Uatibei'Vfanbbrtcfanftalt, 66,5 — 67 — ’Efanbbrlefe R 10 — — — — 4"„ Ceilerreidiudie (9olDtente 9,25 - 8,75 _ CefieneicDUdie Gllbenente 1,05 — 4°„ lliiflüriirtie Goisrenie — 4,25 4.7 - i ',, llngitrifdic SiantorenteD. 1910 5,75 — 5,7 — 41 fcvon 1913 — — — iibi'.'i!. Ololpn)C$itnner von 99 5 — — i"„ Tiirliidie jullnnleihe von 1911 1 ■, TNrkiicho •UanDaDbohn-'Hnleibr 2,25 — 2,4 2,3 serie 1 2,25 — 2,5 2,4 4".. Serie II 2,25 — 2,4 2,3 . n,in Vereins,.Nenie v. 190.1 — 4 4 :z» %91umän .oerelnh.9iente 0.191 :■ 7 — 6.9 — r :tiunmiiiirtir vereint), diente — 3,05 — '■Wo Anatolier ..... 15,25 15,6 — :srant un a. Berlin Schluß- lurS 1-Uhr- Kurs Schluß« iurd Anfanq« Kurs Datum 22.6 23.6 22.6. 234. yamburg-ülmerila Pate, . . . t Hamburg-Südam. Dampfschiss. 0 10,5 10,5 10,5 10,5 41,9 40 Hansa Dampsichisf . . . 0 — 20,5 Viorbbeutidier Llond.....6 11,4 11,5 11,4 11,4 A.G. für yettef)t0roefen Mt. . . 25,9 Berliner Handelsgesellschaft . 8 87 — 87,5 — Commerz, und Privot-Banl . 7 16 —— 16 Darmstadter und Nalionalbant 8 Deutsche Bank und 18,5 — 18,5 — DiSconto-Gesellschaft... 6 30 - 30 _ Dresdner Bank...... 6 18,5 18,5 _ ReichSbank...... . 12 123,5 — 124 124 A.E.G............7 20 19,9 20,13 20,13 Bergmann.........9 — 18,5 Eleklr. LieserungsgeleMchaft. 10 54,5 — 54,5 — Licht und Straft......10 65 — 65 65 Reiten & Guilleaume.... 6% Gesellschaft für Clektrische 36 •— 36 35,9 Unternehmungen .... 9 Rheinische Elektrizität .... 9 50,5 50 50,75 50,25 64 64 Schuckert S Co.......11 55,25 55.25 55,25 — Siemens L Halske ..... 14 Labmener & Itn....... 12 115 76,5 25 114,5 115 76,25 25 114,5 Buderus..........4 24 Deutsche Erdöl.......5 62,9 — 62,9 61,9 Gelsenkirchener.......8 35 33 35,25 32.4 Harvener. . ....... 0 46 — 45,25 44,75 Voesch Eilen...... 6 — — 24,5 Ilse Bergbau ....... 10 _ -__ _ Klöcknerwerke ........ 6 23 .— 23 22,65 Kvln-Neuessen.......6% — LianneSmann-Röhren .... 6 37,5 36 36,75 35,9 Monsfelder Bergbau.....0 12,5 — 13,5 Lberschlel. Kokswerke .... 8 — 32,65 32 VbönE Bergbau.....*y. Rheinische Braunkohlen... 10 15,75 15,5 15,5 15,5 159 157 158,5 Rheinstahl ......... 6 39,75 — 39,65 39,25 Frankfurt a. JJl. Äerlu Schtuß- lurs t-Uhr- Kurs Schluß- kurs Anfang- Kurs Datum 22.6. 23 6. 22.6. 23 6. ilitebed Montan......7,k — — — — Bereinigte Stahlwerke .... 4 13,65 13,75 14 13.9 Otavt Minen......16'/, 10,75 10.9 10,5 Kaliwerke Aschersleben ... 10 82 — 82 Kaliwerke Westeregeln ... 10 90 —— 91 90,25 Kaliwerke Salzdetfurth ... 16 — 143 143 I. G. Yarben-Indusirte . . . 12 Verein, dient. Industrie Frank- 89,4 89 89,4 88,75 l'urt a. M.......... ___ Scheldeanstalt.......10 133 132 — — Goldschmidt.........0 16 17 — tRütgcräroerte........6 31,25 — 31,5 31 Metallgelellschaft.......6 25 24,5 25 VHUtpv Holzmann......8 32 30,75 32 — ZementwersHeidelberg. ... 7 Cementwerk Karlstadt.....7 37,5 37,5 Wayß & Freytag......0 — — — Schultheis Patzenhofer ... 15 Alu (Allgemeine Kunstseide) 0 _ _ 46,5 46 33 32,25 33,5 32,5 Bemberg......... 0 31 — 29,5 27,5 Zellstoff Waldhof.....12 25 — 25,25 25,13 Zellstoff Aschaffenburg ... 6 17 — 16,75 Dessauer GaS........s — — 78,5 79 Daimler Motoren......0 10,75 10,75 11,4 11,25 Deutsche Linoleum.....5 27,5 28 27,75 Orenstein & Koppel . . . . 0 — 21,25 Leonhard Tietz.......8 53 _ 52 50,5 Svenska . . . ......15 — 6,5 174,5 — 171,75 169,75 Frankfurter Maschinen . . . . 0 Gritzner..........0 Mainkraftwerke Höchst a. . . 6 16,5 _ 49 Süddeutscher Zucker .... 10 — Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2IL 22. Juni 23. Juni Amtliche Notierung Amtliche Notierung («ein Arie' Geld 1 Arle Helstngsor« . 7,053 7,067 7,053 7,067 toten. . . . 51.95 52,05 51.95 52,05 Prag . . . 12,465 12,485 12,465 12,485 Budapest . . — —i- Sofia . . . Holland . . 3,057 3,063 3,057 3.063 170,13 170,47 170,23 170,57 Oslo. . . . Kopenhagen. 75,07 75,23 75,02 75,18 83,27 83,43 83,02 83,18 Stockholm . 78,12 78,28 78,12 78,28 London. . . Buenos fllireS 15,24 15,28 15.23 15.27 0.948 0,952 0.948 0,952 Neunork . . 4,209 4,217 4,209 4.217 Brüssel. . . 58,54 58,66 58,54 58,66 Italien. . . 21,50 21,54 21,46 21,50 Paris . . . Schweiz . . 16,54 16,58 16,55 16,59 81,89 82,05 81.93 82,09 Spanien . . 34,67 34,73 34,67 34,73 Danzig. . . 82.22 82,38 82,27 82,43 Japan . . . 1.259 1,261 1.199 1,201 Rio de Jan.. 0,325 0,327 0,325 0,327 Jugoslawien. 6.893 6.907 6,843 6,847 Lisfabon . . 13,89 13,91 13,89 13,91 Bantnoten Berlin, 22. Juni Geld »rief Amerikanische Noten . . . . 4,20 4,22 Belgische Noten ...... 58,38 58,62 Dänische Noten ...... 83,08 83.42 Englische Noten ...... 15,20 15,26 Französische Noten..... Holländische Noten..... 16,50 169,76 16,56 170,44 Italienische Noten..... 21,58 21,66 Norwegische Noten..... 74,90 75,20 Deutsch-Oesterreich, * 100 Schilling — Rumänische Noten..... e ■ . 2,49 2,51 Schwedische Noten..... • • • 77.94 78,26 Schweizer Noten...... e e ■ 81.71 82,03 Spanische Noten e e M 34,53 34,67 Ungarische Noten . . . . . e e e Sie «nummern ton ttnjdJ® öen)aÜ. infol9e J* Lfllülft SemlP«Ser2251. W'ti« W*- s#*«*2** M-onal- M ' Delegation g'»' Kommunique i-beri"^ Die Lesprcchungen unö itW*nhf* nachmittag m "OM sicher weise |or W um der ftaniofijftn >u geben, mit der tianRüchrache zu r Die plötzliche Unterbrech Aschen Verhandlungen wui füre amtliche MIeilung d mir) in unterrichteten km Die versuche IHacöi sche Regierung zu einer e lung der Itibulfrage »r Regierung zu bewegen, g donald sott heniat erklärt jlusweg direkte Ve scheu den deutschen Iliinistern beginnen ni Itiefem Wege zu einer Re mglische vemittiungstät! schöpft Sie krisenhafte Lage de wm ersten Tage an beft oerschörsl. Die bisherige die neue deutsche Regier (Zugeständnisse machen wir zösischer Seife abgegeben i die deutsche Regierung fro gehobenen liebenswürdigen sachlichen deutscher großem Lrnst und Lnts schränkt aufrecht et Sie verschiedensten plan wiche weise ein „ossiziell - Unseren; vermieden werd Seite wird stark dafür S im Herbst zunächst Dirtschastskonserei °nd sodann anschließend Deltwirlschas tskon «erden soll, jedoch nur u ,nnet vorherigen Regelung “5rofg aus der imme E>oser werdenden Lage 7 Met nirgends ab. ? •'M ..Permanente, "6 «’Meljung |*sl4i|l«n gewinnt Je »chr-ch, iBiid)e„ rn™ Jeeifagootmiing ’ He« Bauplan Me.ee, X «? st Bqp,2*n ™ tat meng * d°m H *l""ni|l«t (orale 1 Sl* d'r Li"'0’ «■ Die i . ■ “i,ls Woehl ? >de - '"I «Ine ** M lUn9- Bi? i, „ *gung mi ' eni*änf' ; ^^(,.1. "einem n. Monden n ? 7en Qus g Spruch u ? "He QUc . .^»en ? > deulf°l ^".l.chUher^ IDtfi . , sichle^ äSS"