nr. 145 KrühauSgave 182. Zahrgang Donnerstag, 25. Juni 1952 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck vnd Verlag: vrühl'sche Untver^tttt^vuch. nnö Stetwöruderei IL fange in Gietzen. Schristleitnng und Seschäflrtt-lle: $»ntffrate 7. Annahme von Lnzetge» für die lagtsnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für | mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für R«- klamean,eigen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20'. mehr. Chefredakteur Dr. Friede. Wilk. Lange. Derantworilich für Tohuh Dr. o-r. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.IKyrio»; für den übrigen Teil Ernst Dlumjchein und für den ?lnzeigenteil Max filier, «amtlich in Gießen. Lrf cheinl lägltch, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle wonatrvezugrpreir: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illufttierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen. pohschecllonlo: Rronffurl am Main 11686. Der amerikanische Schritt in Gens. F rifiöenf Hoover schlägt Herabsetzung aller Rüstungen um ein Drittel vor. — Abschaffung aller Angriffswaffen. Oer Versailler Vertrag als Muster für die künftigen Rüstungen. Genf, 22. Juni. (Sil.) Selten war der Andrang des Publikums und der internationalen Presse, die größten* teils aus Lausanne zu den Verhandlungen her- beigeeilt war, auf der Abrüstungskonferenz so stark wie in der heutigen, überraschend einberufenen Sitzung des Hauptaus- schusfes. an der die Außenminister Deutschlands, Englands und Italiens sowie der französische Kriegsminister teilnahmen. Der Präsident der Abrüstungskonferenz, Henderson, eröffnete die Sitzung und erteilt« sogleich dem Führer der amerikanischen Delegation, Botschafter G i b s o n , das Wort, der folgende Mitteilung machte: „Der Präsident der Bereinigten Staaten hat mich beauftragt, der allgemeinen Konferenz für die Abrüstung den Text folgender Erklärung zu übermitteln, der gleichzeitig veröffentlicht wird: Die Stunde hat jetzt geschlagen, um endlich alle Einzelerörterungen zu beenden und e i n bestimmtes großzügiges Verfahren für die Verringerung der Aüstungs- lasten anzunehmen, die heute so schwer ruf allen Völkern lasten. Dieses Programm würde der ganzen Welt eine wirtschaftliche Belebung bringen und die Möglichkeit geben, die Furcht und alle die Mißverständnisse zu überwinden, die sich aus den Rüstungen ergeben und die das Vertrauen der Völker ersticken. Dieses Programm würde sur cine Periode vonzehn Iahren mindestens eine Ersparnis von 1 0 Milliarden Dollars zur Folge haben. Die amerikanische Regierung schlägt folgende fünf Grundsätze vor, die für die weitere Behandlung des Abrüstungsproblems bestimmend fein sollen: 1. Der wert des Briand-Kellogg-Paktes besteht in der Tatsache, daß die Staaten übereingekommen sind, ihre Waffen lediglich für die nationale Verteidigung zu verwenden. 2. Ls muß zuderherabsehnngder Hü ff ungen, nicht nur durch die Herabsetzung des Hüstungsstandes, sondern auch durch die Erhöhung der Kräfte der nationalen Verteidigung. durch Verminderung der Angriffswaffen geschritten werden. 3. Die Rüstungen stehen im gegenseitigen verhält- nis zueinander: Ls muß daher ein Aus- gleichbeiderhcrabfehungder R ü st u n g en angestellt werden. 4. Die Herabsetzung der Rüstungen muh konkret und vorsichtig sein und muß zu einer wahrhaften wirtschaftlichen Erleichterung fuhren. 5. Die Land-, Lust - und Seerü st ungen stellen die drei großen zu behandelnden fragen dar. Sie hängen voneinander gegenseitig ab und können nicht voneinander getrennt werden. Ausgehend von diesen Grundsätzen schlägt die amerikanische Regierung eine Herabsetzung sämtlicher weltrü st ungen um ein Drittel vor. Auf dem Gebiete der ßanbrü ft ungen schlägt die amerikanische Regierung die Annahme des der Konferenz bereits eingereichten Vorschlages vor. nachdem eine vollständige Abschaffung derTanks.derchemischen Kriegs waffe und der schwer en beweglichen Artille- r i e erfolgen soll, ferner Herabsetzung um ein Drittel sämtlicher Landarmeen, die über den Charakter von Polizeikräften hinausgehen. Die Bestimmungen des Vertrages von Versailles und der übrigen Friedens- verträge haben bereits die Rüstungen Deutschlands, Oesterreichs. Ungarns unö Bulgariens auf einen Stand herunter- gedruckt, der der Aufrechterhaltung der inneren Ordnung in diesen Ländern entspricht. Auf diese weise ist Deutschland, das eine Bevölkerung von 65 Millionen Menschen umfaßt, eine Armee von 100 000 Mann belassen wordcn. Die amerikanische Regierung schlägt deshalb vor, daß sämtliche Staaten als Streitkräfte, die den Polizeinotwendigkeiten entsprechen. eine Armee annehmen, die im Der- hältnisstehtzudenDeutschlandund den übrigen Staaten eingeräumten Streitkräften. Auf dem Gebiete der Militärluftfahrt schlägt die amerikanische Regierung die vollständig« Abschaffung der Bombenflugzeuge vor. Auf diese Weise würde der Besitz von Flugzeugen, die gegen die Zivilbevölkerung angewandt werden könnten, unmöglich gemacht werden. Auf dem Gebiete der Flotten rüstung lchlägt die amerikanische Regierung die Herabsetzung der Gesamttonnage der Linienschiffe um «in Drittel, der Tonnage der Flugzeugmutterschiffe, der Kreuzer, der Torpedoboots- zerstörer um ein Viertel und der Tonnage der U-Boot« um «in Drittel vor. In ke.nem Fall soll ein Staat mehr als 35 000 Tonnen U-Boote besitzen. Für die fünf Haupt- slottenmächte hat der Vertrag von Washington bereits die Grenzen für die Linienschiffe und di« Flugzeugmutterschiffe festgesetzt. Was btc Kreuzer und die Torpedobootszerstörer Frankreichs und Italiens betreffe, ’o werden sie so behandelt, als ob diese Mächte dem Vertrag von Washington beigetreten seien. Die Anwendung dieses Programms würde zu einer England macht Einschränkungen. Simon fürchtet Liörung der Privaten '-vcfprechuno.cn. Die Rede £c8 amerikanischen Delegierten Gib- son wurde von der Versammlung mit großem Teifall ausgenommen. In der daraus folgenden Debatte, an der zunächst die Vertreter Großbritanniens und Frankreichs das Wort ergriffen, zeigte sich jedoch, daß die mutige Initiative des Präsidenten Hoover bei den Haupt- rüstungsmächten Europas sehr wenig beifällig ausgenommen worden ist. Oer englische Außenminister Sir John Simon begann seine Reder mit der charakteristischen Erklärung. daß nicht einseitige Erklärungen eine Lösung des schwierigen Abrüstungs- Problems herbeiführen können, sondern daß es nur auf dem Wege der Zusammenarbeit und mit dem Ziele eines für alle Staaten annehmbaren Uebereinkommens gelöst werden könne. Er wies auf die im Gang befindlichen privaten Besprechungen der Delegationen hin, die den Zweck hätten, zu praktischen Lösungen zu kommen. Der Zweck der Konferenz könne nur durch den guten Willen aller Beteiligten erreicht werden. Rach dieser grundsätzlichen Einschränkung erklärte Simon, die englische Delegation begrüße den amerikanischen Vorschlag in allen seinen Einzelheiten. Großbritannien hoffe, daß der Plan bald von allen Seiten geprüft werde. Die amerikanischen Vorschläge auf dem Gebiete der Militärluftfahrt müßten besonders eingehend geprüft werden. Die englische Regierung lege vor allen Dingen Wert darauf, daß Angriffe von Bombenflugzeugen auf die Zivilbevölkerung unmöglich gemacht würden. Auf dem Gebiet der Flottenrü st ungen mühten jetzt praktische Vorschläge gemacht werden, jedoch erscheine es als zweifelhaft, ob die vorliegenden amerikanischen Vorschläge der verschiedenartigen Lag« der großen Flottenmächten entsprächen. Die englisch« Regierung wünsche eine über Die amerikanischen Dors chläge hinaus- gehende Verminderung der Flottenrüstungen, insbesondere völlige Abschaffung der Ll-Doote oder zumindest Festsetzung einer Höchsttonnage von 250 Tonnen für das Tl-Doot. Für die Grohlampfschiffe müsse eine niedrigere Höchstgrenze als die des Londoner und Washingtoner Flottenabkommens von 35 000 Tonnen festgesetzt werden. Das Werk der Abrüstung müsse jetzt mit aller Energie und in vollem Vertrauen durchgeführt werden. Aber die Durchführung der Abrüstung hinge von der Uebercinftim- mu n g . der Erfolg von der Zusammenarbeit aller ab. Krankreich lehnt ab. Paul-Boncour fordert vermehrte Sicherheit und Sanktionen. Dann gab der französische Kriegsminister Paul- B o-n e o u r eine Erklärung ab. die nur als eine glatte Ablehnung des amerikanischen Vorschlages aukzufassen ist. Paul-Boncour verlangte, daß der amerikanisch« Plan von der Abrüstungskonferenz gemeinsam mitdem Vorschlag der französischen Regierung au r Organisation der internationalen 6 i - cherheit behandelt werde. In den laufenden privaten Besprechungen fei jetzt versucht worden, eine Grundlage für die Regelung der Abrüstungsfrage zu finden, die im Falle der Einigung dem Hauptausschuh vorgelegt werden forme, jedoch sei nach den Bestimmungen des Dölkerbunds- paktcs die Lösung des Abrüstungsproblems unlösbar an die Organisation der internationalen Sicherheit gebunden. Die französische Regierung bleibe uneingeschränkt ihrem bisherigen Standpunkt treu, dah ohne Sicherhei tsgarantie eine Lösung der Abrüstungsfrage undenkbar sei. Es würde eine Heuchelei sein, die grohen Schwierigkeiten der Abrüstungskonferenz zu verheim- außerordentlichen Einschränkung der Ausgaben durch den Reubau von Kriegs- sch.ffen führen. Die Vorschläge der amerikanischen Regierung verlangen di« Mitwirkung jeder Ration. Richts würde so sehr die Hoffnungen der Menschheit wieder beleben, als die Annahme dieses Programms. Es ist ein Wahnsinn für die Welt, sich noch weiter in ungeheuren militärischen Ausgaben zu verbluten. Die amerikanische Regierung legt diese Vorschläge, die eine wesentliche Erleichterung für alle Mächte bedeuten können, in dem vollen Gefühl der eigenen Verantwortung vor. lieben, jedoch seien die Ziele, die die Abrüstungs- konferenz erreichen könne, auss engste mit der Lösung der Sicherheitsfrage verbunden. Er halte es für seine Pflicht, in aller Offenheit und Klarheit diesen Standpunkt der französischen Regierung darzulegen. 5>ie französischen Sicherheitsvorschläge müßten von der Konferenz geprüft werden, wenn man eine Herabsetzung der Rüstungen erreichen wolle. Die französische Regierung nehme den amerikanischen Vorschlag nur unter diesem grundsätzlichen Vorbehalt als Derhandlungsgrundlage an. Die französische Regierung habe bereits die Rüstungen weit stärker herabgesetzt als dies deramerikanische Vorschlagvorsehe. Paul-Boncour schloß bemerkenswerter Weise seine Rede mit dem Hinweis auf die im Äellogg- pakt fehlenden Sanktionsbestimmungen, di« nunmehr geschaffen werden mühten. Deutschland begrüßt die Vorschläge Hoovers. Der Führer der deutschen Abrüstungskonferenz, Botschafter R a d o l n y, erklärte, die deutsche Regierung habe mit größtem Interesse und besonderer Befriedigung von den Abrüstungsvorschlägen des Präsidenten Hoover Kenntnis genommen Es könne nicht länger verheimlicht werden, dah die Konferenz im Begriff sei, zu versanden, so dah zweisellos die Befürchtung bestände, sie werde niemals zu den entscheidenden Beschlüssen gelangen, die die gesamte Welt fordere. Die Vorschläge des Präsidenten Hoover hätten das große Verdienst, der Abrüstungskonferenz einen neuen Impulszu geben und die Arbeit der Konferenz wesentlich zu erleichtern. Besonders begrüßte Radolny den Grundsatz der Rotwendigkeit der Stärkung der Verteidigung und Minderung der Angriffsfähigkeit der Staaten. Es sei zu Berlin, 22. 3uni. (111.) Amtlich wird mil- gcteilf: 3m Reichsministerium de» 3nnern trat heute 11 Uhr die angekündigte Konferenz der 3nnenminister über die Verordnung des Reichspräsidenten gegen politische Ausschreitungen vom 14.3uni d. 3. unter dem Vorsitz des Reichs- Ministers des 3nnern, Freiherrn o. Gayl, zusammen. Rach einleitenden Worten des Reichsinnenministers fand eine mehrstündige Aussprache über die innenpolitische Lage und die Handhabung der Verordnung statt. Die Der,rette sämtlicher Länder äußerlen sich eingehend über die Verhältnisse in ihren Ländern und nahmen zu den einzelnen Punkten der Verordnung Stellung. Am Schluß der Aussprache richtete der Relchsminisler an die Länder- oertrefer d i e dringende Bitte, die heute bestehenden landesrechtlichen Vorschriften der Politik der R e i ch s r e g i e r u n g anzupass en unö eine einheitliche Hand- Ha b u n g der gesamten Materie hcrbeizusühren. Die endgültige Stellungnahme der von der Auffassung der Reichsregierung abweichenden Länder wurde dem Reichsminister des 3nnern in kürze sl er Frist zugesagt. Wie die „Telegraphen.Union" erfährt, handelt es sich bei den in der amtlichen Verlautbarung über die Innenministerkonferenz genannten Ländern, die von der Auffassung der Reichsregierung noch ab- weichen, um Bayern und Baden. Es ist anzunehmen, daß die Entscheidung dieser Länder über die vorn Reichsinnenminister erbetene Anpassung der landesrechtlichen Vorschriften an die Politik der Reichsregierung bis Ende dieser Woche in Berlin vorliegen wird. Sollte die Entscheidung in dem vom Reichsinnenminister gewünschten Sinne hoffen, baß man in weiteren Verhandlungen noch zu weitergebenden Herabsetzungen der Rüstungen schreiten werde. Ie stärker die Herabsetzung der Rüstungen, um so leichter werde das Problem der Wiederherstellung der Gleichheit erreicht werden. Der Grundsatz der Gleichheit bild« eine der entscheidendsten Bedingungen für den Endersolg der Abrüstungskonferenz. 3talien stimmt bedingungslos zu. Der italienische Außenminister G r a n d i erklärte. die italienisch« Regierung nehme uneingeschränkt den amerikanischen Plan in allen seinen Teilen bedingungslos und vollständig an. Die italienische Regierung bekenne sich zu folgenden Grundsätzen für die Abrüstung. Vollständige Abschaffung der schweren Geschütze und der Tanks, Herabsetzung dec effektiven Truppenbestände nach d e n M « t h o d e n h e 6 Berfa i 11 e r Vertrages, vollständige Abschaffung der Bombenflugzeuge. Deroot des Abioucls von Bomben, Abschaffung des Gas- und chemischen Krieges. Auch den Flottenvocschlä^en stimme die italienische Regierung zu. Dor einem Iahre habe der Präsident Hoover durch seinen Moratoriumsvorschlag den Weg für eine praktische Lösung des Kriegsschu>denprob'.ems gewiesen, heute zeige er den Weg für eine praktische Lösung des Abrüstungsproblems. Wenn man die Welt w e- derhrrstellen wolle, so müsse man s i ch jetzt entscheiden. Grandis Rede wurde mit stürmischem Beifall ausgenommen, während die Erklärungen «Simon8 und Paul-Toncours küh'e Ausnahme sanden. Die klaren und mutigen Ausführungen des italienischen Außenministers haben in allen Konserenzkrcisen starken Eindruck gemacht. Di« Sihuna sand sodann ihren Abschluß mit einer kurzen Erklärung Hendersons, dec darauf hinwies, daß die ameti(anifd>en Vorschläge nunmehr einen Teil des Programms bildeten, das in den privaten Besprechungen der De'e- gationen weiter behandelt werde. Er gab i:er Hoffnung Ausdruck, daß diese Besprechungen bald zu Ergebnissen führen, damit der Hauptr u^schuß noch vor der Sommerpause wenigstens einige große Prinzipien zu Beschlüssen erheben kan>.e. Damit sind die Verhandlungen des Hauplausfchusses der Abrüstungskonferenz wiederum auf unbefristete Zeit verschoben worden. Es besteht somit unleugbar die Gefahr, daß die große Initiative der amerikanischen Regierung wiederum ohne praktischen Erfolg bleibt. Es muß gerade im deutschen Interesse auss lebhafteste bedauert werden, daß de fce.tung der Xrüflun ;£• konferenz eine sofortige Erörterung dcs Hooverschen Vorschlages abgelehnt hat und auf dem bisher erfolglosen Wege rein privater Besprechungen weiter fortfahren will. ausfallen, so dürfte die Reichsregierung von ihrem Plan, das Tragen von Uniformen reichsrecht - 1 i ch zu regeln, Abstand nehmen. Die notfalls von den Ländern zu treffenden Maßnahmen mußten auf die örtlichen Verhältnisse beschränkt bleiben unö zeitlich begrenzt sein. Die Aussprache verlies zum Teil außerordentlich lebhaft. Rach der Eröffnungsansprache des Reichsinnenministers o Gayl, der den Standpunkt der Reichsregierung klarlegte, nahm als Vertreter des größten deutschen Landes zunächst der preußi fche Innenminister Severing das Wort. Er wies darauf hin, daß, da die preußische Regierung Mil derungcn des Demanstrationsoerbotes für die Zeit des Wahlkampfes in Aussicht gestellt habe und andere Länderregierungen, insbciondere in Rord- deutschland in dieser Hinsicht keinerlei Beichranlun- gen verfügt hätten, im Monat Juli für den größten Teil des Deutschen Reiches kein allgemeines Demonstrationsverbot bestehe. Rach Seoering vertrat der bayerische Innenminister Stützet den bekannten Standpunlt der bayerischen Regierung. Die drei in der Konferenz vertretenen nationalsozialistischen Minister, nämlich R o e v e r - Oldenburg, Klag- g e s - Braunschweig und Freyberg - Anhalt, traten für die restlose Aufhebung aller B e - schränkungen ein. Die Vertreter von Sachsen, Württemberg, Thüringen, Bremen und anderer Staaten waren der Meinung, daß eine schranken lose Demonstrationsfreiheit nicht eintreten dürfe. Immerhin haben sich auch diese Länder der Aufhebung des Uniformoerbotes auf Grund der Reichsnotoerordnung gefügt. Für di« Entscheidung der beiden Länder, auf die es im wesentlichen ankomm', sind zwei Möglichkeiten gegeben, nämlich einmal die Aufhebung oder wenigstens kürzere Befristung des älniformverbots. zum anderen die Mitteilung an die Reichsregierung, daß die SchmdieecheAusspracheerBIgroßeWiderstände Die Berliner Konferenz derZnnennnnister. Ende der Woche Entscheidung über die Stellung Bayerns und Badens zur Aufhebung des Llniform- und OemonstrationSverbotS. besonderen Verhältnisse in Düdöeutschland eine Aenderung des bisherigen Standpunktes nicht ermöglichen. Vach der Stimmung bei den Ländern betrachtet man in politischen Kreisen diese letzte Antwort als die wahrscheinliche, so dah dann also, voraussichtlich bereits am SamStag die Notverordnung des Reichs- Präsidenten erscheinen würde, durch die die ganze Frage von Reichs wegen geregelt wird. Vielleicht würden die beiden süddeutschen Länder darauf mit der Anrufung des Staatsgerichtshofs antworten. Diesem Schritt käme aber keine aufschiebende Wirkung zu, so bah also die Reichsregelung unter allen Umständen in Kraft treten würde. Man hat den Eindruck, daß die heutige Aussprache unter keinen älmständen eine weitere Zuspitzung herbeigeführt hat. Sie war freimütig und offen und dürfte in diesem Sinne besonders von bayerischer Seite gehandhabt worden sein, dessen Vertreter sich Wohl auch besonders deutlich gegen jede Anzweiflung der bayerischen Reichstreue gewandt hat. Aber im ganzen spielte die Besprechung sich in sehr viel verbindlicheren Formen ab, als der Streit in den letzten Tagen in der Oeffentlichkeit geführt wurde. Präsidentenwahl im preußischen Landtag. Kerrlö Wahl bestätigt. — Kein Sozialdemokrat im Präsidium. Oie Amnestievorlage in zweiter Lesung angenommen. (232)3) Das Interesse der Oeffentlichkeit an der heutigen Plenarsitzung des Preuß. Landtages ist deshalb besonders groß, weil neben der politischen Amnestie auch die endgültige Wahl des Landtagspräsidiums auf der Tagesordnung steht. Die Publikumstribüne. sowie die Diplomaten- und Abgeordnetenempore sind außerordentlich stark besetzt. Auch Journalisten und Photographen sind sehr zahlreich vertreten. In den Bänken der nationalsozialistischen Fraktion sind zahlreiche Abgeordnete in der neuen braunen SA.-Unisorm, andere in der schwarzen Uniform der SS.-Formation erschienen. Auch auf den Tribünen sieht man naNonalsozia- listische Besucher in Uniform. Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Beratung von Anträgen 'der NSDAP., der Kommunisten und der Deutschnationalen auf Erlaß einer politischen Amnestie. Es wird zunächst über den nationalsozialistischen Entwurf abgestimmt. Mit großer Mehrheit wird § 1 angenommen, der bestimmt, daß Straferlaß gewährt werde für rechtskräftig erkannte Strafen, soweit ausschließlich oder vorwiegend politische Beweggründe maßgebend gewesen sind und zwar, entsprechend einem deutschnationalen Antrag für Taten, die bis zum 15. Juni d. I. begangen wurden. Auf kommunistischen Antrag wird weiter beschlossen, daß auch solche Straftaten amnestiert werden sollen, die aus Anlaß von Wirtschaftskämpfen, Streiks und Demonstrationen entstanden sind. Im übrigen wird die nationalsozilistische Fassung beftu*.yl, uie Amnestie auch f ü r Vergehen wegen wirtschaftlicher Not gewähren will. § 3 des Entwurfs regelt die entsprechende Amnestierung von Dienststrafen für Beamte, Arbeiter und Angestellte im öffentlichen Dienst. Das Haus stimmt der nationalsozialistischen Fassung des § 3 mit einem deutschnationalen Aende- rungsantrag zu. Auch die übrigen Bestimmungen werden hn wesentlichen nach der nationalsozialistischen Fassung angenommen. Bei §4 wird dagegen der deutschnationale Antrag angenommen, der die schweren Delikte, wie Verbrechen gegen das Leben, schwere Körperverletzung usw. von der Amnestie ausnimmt. Das Haus wendet sich dann der endgültigen Wahl des Landtagspräsidiums zu. 2luf Vorschlag des Abg. Pieck (Komm.), der die bedingungslose Bereitschaft seiner Fraktion mit dem, Zentrum und den Sozialdemokraten zusammenzugehen, zum Ausdruck bringt, u m N a - tionalsozialisten und Deutschnationale vom Präsidium auszuschließen, wird die Sitzung auf eine Stunde unterbrochen. Um 17.15 Uhr wird die Sitzung wieder eröffnet. Inzwischen ist bekannt geworden, daß das Zentrum den kommuni st ischen Vorschlag abgelehnt hat. Abg. 6 u b e (RS.) schlagt den Abg. kerrl für die endgültige Wahl zum Landlagspräsidenten vor. Es werden 405 Stimmzettel abgegeben. 64 Stimmzettel (des Zentrums) waren unbeschrieben. Es sind abgegeben worden 197 Stimmen für den Abg. kerrl, 91 für den Abg. Wittmaack (Soz.) und 53 für den Abg. kasper (komm.). Damit ist Abg. kerrl (RS.) mit absoluter Mehrheit endgültig zumPrasidenten gewählt. Diese Feststellung wird von den Nationalsozialisten mit stürmischem Händeklatschen ausgenommen, während die Kommunisten ein dreifaches Nieder auf den neuen Präsidenten ausbringen. Es folgt die Wahl des Ersten Vizepräsidenten. Abg. K u b e (Rats.) erklärt, daß seine Fraktion den Abg. D r. v. Kries (Dnt.) zum Ersten Vizepräsidenten Vorschläge, nachdem sich die Sozialdemokraten dem üblichen Brauch entzogen und gegen die stärkste Fraktion einen eigenen Gegenkandidaten aufgestellt und gewählt hätten. — Auf den Abg. Dr. v. Kries (Dnt.) entfallen 192, auf den Abg. Wittmaack (Soz.) 162 und auf den Abg. Kasper (Komm.) 50 Stimmen, ein Stimmzettel war unbeschrieben. Da keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen erhalten hat, muß eine engere Wahl zwischen den Abg. Dr. v. Kries und Wittmaack erfolgen. Hier fallen auf den Abg. Dr. v. Kries 182, auf den Abg. Wittmaack 174 Stimmen. Präsident Kerrl stellt fest, daß D r. v. Kries (Dnt.) damit zum Ersten Vizepräsidenten gewählt worden ist. (Bravo! rechts.) Zum Zweiten Vizepräsidenten wird Abg. Da umhoff (Z.) gewählt. Für die Wahl des Dritten Vizepräsidenten schlägt Abg. Kube (Rats.) seinen Fraktionskollegen Abg. Haake vor. Die Kommunisten halten an ihrem Kandidaten Kasper fest. Die Sozialdemokraten, Zentrum, Volkspartei und Sbaatspartei geben keine Karten ab. Der Abg. Haake (Rats.) wird zum Dritten Vizepräsidenten gewählt. Die Sozialdemokraten, die seit der Sbaatsumwälzung in allen Landtagen den Präsidenten stellten, sind also im Präsidium nicht mehr vertreten. Hierauf entwickelte sich eine stürmische Ge- schäftsordnungsdebatte um die W a h l d e s M i - nisterpräsidenten. Sie sollte nach dem Tagesordnungsvorschlag für Donnerstag stillschweigend unter den Tisch fallen. Die Deutsch- nationalen beantragten, wenigstens den Versuch einer Wahl des Ministerpräsidenten am Donnerstag vorzunehmen. Der deutschnationale Antrag wurde indessen abgelehnt. Abg. Pieck (Komm.) wirft den Rationalsozialisten Schiebung vor. Abg. Ks be (Rats.) sagt: Wenn der Abg. Pieck anstelle von Braun möglichst bald ein nationalsozialistisches Kabinett haben wolle, so brauche er nur für die Aenderung der Geschäftsordnung einzutreten. Dann aber würden auch die M o r d t a - ten der Kommunist en draußen im Land aufhören, und dann würde auch in Berlin für Ordnung gesorgt werden können. In diesem Augenblick würden in Moabit Ra- tionalsozialisten einzeln abgeschlachtet und der Polizeipräsident sitze hier und tue seine Pflicht nicht. Abg. G v z e s i n s k i (Soz.) erklärt, an der Behauptung, daß Rationalsozialisten in Moabit abgeschlachtet würden, sei kein wahres Wort. Im übrigen sei es seine eigene Angelegenheit, wo er seine Pflicht tue. (Die Ausführungen des Redners werden von den Rationalsozialisten mit anhaltender Tlnruhe begleitet. — Präsident Kerrl vermag nur mit größter Mühe die Ordnung im Saal aufrechtzuerhalten und setzt es schließlich durch, daß alle Abgeordneten ihre Plätze wieder einnehmen.) Abg. GrafHelldvrf (Rats.) erklärt, er habe beim Polizeipräsidium Berlin um Schutz gebeten für 25 von den Kommunisten bedrohte SA.-Männer, die.in einem Lokal eingeschlossen seien. Der Kommissar vom Dien st habe erklärt, er sei nicht in der Lage und auch nicht willens, die Meldung anzunehmen. (Große Llnruhe bei den Rationalsozialisten.- Die nationalsozialistischen Abgeordneten schlagen mit den Fäusten auf die Tische, einzelne versuchen, zu den sozialdemokratischen Bänken vorzudrängen. Abg. G r z e s i n s k i (Soz.) erwidert, die Angaben des Vorredners würden von ihm nachge- priift. Wenn die Angaben richtig seien, habe der Kommissar vom Dienst falsch gehandelt. Neues Oemonstraiionsverboi in Hessen. WSN. Darmstadt, 22. Ium. Der hessische Minister des Innern hat unter dem 20. Juni folgende Verfügung erlassen: „Auf Grund des Art. 233,2 NV. und des § 14 der Verordnung des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom 14. Juni 1932 und zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit, Ruhe und Ordnung verbiete ich mit sofortiger Wirkung im gesamten Gebiet des Volksstaates Hessen bis auf weiteres alle Versammlungen unter freiem Himmel, Demonstrations - Auf; üge, Umzüge, Durchmärsche und sämtliche Transporte aller Art, die von Mitgliedern politischer Vereinigungen oder zu politischen Zwecken unternommen werden." Als G r ü n d e werden angeführt: Durch die Lockerung des Verbotes vom 7. November 1931 ist es zu schweren politischen Ausschreitungen und damit zu erheblichen Störungen der öffentlichen Ruhe, Sicherheit gekommen (Mainz, Worms, Reichenbach, Schönberg, Geinsheim ufw.). Insbesondere das heranziehen von ortsfremden Elementen zu solchen Veranstaltungen bietet insofern einen besonderen Anreiz zu politischen Ausschreitungen, als diese glauben, vor Erkennung und damit vor Strafverfolgung sicher zu fein. — Diefe Ausschreitungen können in der Regel nur durch die Heranziehung größerer Abteilungen der Bereitschaftspolizei oder der Gendarmerie verhindert werden. Die hierdurch entstehenden kosten können von der Staatskasse nicht mehr g e t r a g en werden. Auch ist eine dauernde Reberlastung der Beamten, wie sie durch die Lockerung des Verbotes eingetreten ist, nicht möglich. Zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit, Ruhe und Ordnung ist daher ein erneutes verbot derartiger Veranstaltungen erforderlich geworden. Der Rektor zu den Vorfällen in der Frankfurter Universität. Frankfurt a. M., 22. Juni. (WSN.) Zu den gemeldeten Vorfällen an der Frankfurter Universität gibt der Rektor der Universität, Professor M a > delung, folgende Erklärung ab: Ich darf sagen, daß ich von den Vorfällen völlig überrascht war, denn ich hatte das Ehrenwort der Vertretung der nationalsozialistischen Studierenden, daß sie i n keiner Weise gegen das Verbot des Tragens der Uniform innerhalb der Universitätsräume demonstrieren wollten. Tatsächlich muß auch festgestellt werden, daß die ganze Bewegung n ich t ,e t w a von Studenten der Universität ausgegangen ist, sondern daß außerhalb der Universität stehende SA.-Leute die Eindringenden gewesen sind. Ich habe mich während der Vorfälle fortwährend unter den Studenten aufgehalten, und ich muß feft- stellen, daß man sich auf beiden Seiten, von ganz wenig Ausnahmen abgesehen, in must er- Has ter Ruhe benommen hat. Auch der Red» ner, der vom Fenster aus sprach, war, wie ich fest- gestellt habe, kein immatrikulierter Student, sondern ein ehemaliger Studierender, der nicht mehr der Universität angehört. Der Senat der Universität beschloß, die Universität am Donnerstag wieder z u öffnen. Es sollen nur zwei Eingänge offengehalten werden und nur Personen gegen Ausweis das Uni» versitätsgebäude betreten dürfen. Die Zugänge zur Universität und die umliegenden Straßen sollen polizeilich geschützt werden. Der Senat beschloß fer» ner, den Reichsinnenminister um Schutz der Universität gegen nicht zur Universität g e • hörende Elemente zu bitten, die die Absicht haben, den politischen Kampf in die Universität hineinzutragen. Ein Aufruf Hitlers. LcharfeAbsage an jedeZentrunis-Koaliiion. München, 22. Ium. (TU.) Adolf Hitler hat im „Völkischen Beobachter" einen Aufruf erlassen, in dem es heißt: „Das Iahr 1932 wird in der Geschichte unserer Bewegung dereinst fortleben als ein Iahr schwerster Opfer und Kämpfe, aber auch als das Iahr größter Siege und Erfolge. Zehn Wahlkämpfe liegen hinter uns. Zehnmal kämpften wir gegen eine Front von Gegnern, zehnmal haben wir beispiellose Sieg^erfochten. Die Tatsache, daß der Rationalsozialismus Deutschlands größte Partei ist, kann heute von niemanden mehr geleugnet werden und dennoch drückt uns soeben eine neue Welle von Unterdrückung und Verfolgung. Mit dem blutigsten Terror des Mordgesindels der kommunistischen Verbrecherwelt verbindet sich ein fortgesetzter Rechts-undVer- fassungsbruch des Zentrumsund der Sozialdemokratie in den Ländern, in denen diefe Parteien immer noch herrschen. Im selben Augenblick stehen das Reich und die Länder dank der 14jährigen Luderwirtschaft derselben Parteien vor dem politischen und wirt- scha/ftlichen Bankerott. Als verantwortlicher Führer der nationalsozialistischen Bewegung muh ich es daher ablehnen, mit diesenParteien heuteirgendeinenPa kt zu schließen. Preußen und Deutschland werden nicht durch Schiebungen und Kompromisse, sondern durch charaktervolle Kraft gerettet. Das Zentrum glaubt heute noch nicht an den Sinn der letzten Wahlen und an die Mission unserer Bewegung. Wir werden ihm diesen Glauben noch im Monat Iuli des Iahres 1932 bei bringen. Parteigenossen! Sorgt jetzt dafür, daß d-er Wahlkampf am 31. Iuli zur Entscheidungsschlacht wird. Der Sieg an diesem Tage muh auch die Macht der schwarz-roten Parteien in den Ländern endgültig brechen und zwar ohne Kompro- miffe. So Gott will, werden wir dann am 1. August die Voraussetzungen geschaffen haben zur Bildung der Regierungen, vor allem auch in Preuhen, die der geschichtlichen Tradition ebenso gerecht werden, wie sie zur Lösung der gigantischen Aufgabe der Gegenwart befähigt sein werden." Kritische Lage in Chile. Santiago de Chile, 22.Juni. (TU.) Von den Anhängern des bisherigen Junta-Mitgliedes Grove wurde der Generalstreik erklärt, der aber nur teilweise erfolgreich zur Durchführung kam. Die jetzigen Machthaber beantworten ihn mit der Erklärung des Kriegszustandes. Der Eisenbahnverkehr vollzieht sich unter militärischem Schutz, die Straßenbahnen in Santiago fahren unter polizeilicher Bedeckung. Die Sicherheitsorgane haben Anweisung, nachts ohne weiteres scharf zu schießen. In der vergangenen Nacht haben heftige, aber erfolglose AngriffevonZioilistenauf die Polizei stattgefunden. Die Straßen sind mit Toten und Verwundeten bedeckt. Zehn Polizisten wurden getötet, lieber die Höhe der Verluste der Zivilisten sind keine Angaben veröffentlicht worden. Am Tage wurde die Ruhe wiederhergestellt. Die Regierung hat ein Moratorium erklärt. Wenn die Schuldenzahlungen gesichert sind, sollen in den ersten beiden Viertel- jähren je 5 v. H. und in dem folgenden Vierteljahr 10 v. H., andernfalls sollen je Vierteljahr 20 v.H. gezahlt werden. Ein Sonntag war es, hell und klar ... Von Georg Mühlen-Schulte. Ihr müßt wissen, daß wir zu dummen Streichen aufgelegt sind, ich, der dicke Mufti, der lange Goldlack und noch ein paar andere. Das ist eine natürliche Reaktion auf den Emst der Zeit. Der Mensch kann nicht ewig mit dem Kopf zwischen den Händen dasitzen und über eingefrorene Kredite, Autarkie, versenkte Kaffeesäcke und andere Mysterien der Wettwirtschaftsgeba- rung nachdenken. Das kann er nicht, wenn er nicht riskieren will, daß er schließlich tobsüchtig wird und einem der berufsmäßigen Verteiler irdischer Glückseligkeit mit einem Klammerbeutel oder einem anderen Mordinstrument zu Leibe geht. Wir beschlossen also, unter Gehirn zu lüften, und fuhren am Sonntagmorgen raus nach Gatow. Das liegt idyllisch am Ufer der Havel. Viele kleine Wochenendhäuser stehen da rum; eins davon gehört dem Kunstmaler Wurzer. Es war der Zweck unseres Ausflugs, Wurzer zu besuchen. Wir wußten, daß er in der Küche seines Hauses drei Doppeldosen mit Hummer zu stehen hatte; die wollten wir zum Frühstück aufessen, um sie vor dem Verderben zu schützen. Außerdem wollten wir unsere Hängematten zwischen den Kiefern des Wurzerschen Grundstücks aufknüpfen. Es ist schön, in der Hängematte zu liegen, den Weg der Wolken am Himmel zu verfolgen und an nichts zu denken, außer an die guten Speckerbsen, die Wurzer alle Sonntage eigenhändig auf seinem Herd zu kochen pflegt, und an den Mokka mit hausge- backenem Napfkuchen, den es nachmittags gibt. Wir waren um zehn Uhr draußen, aber wir fanden das Haus verschlossen. Goldlack sagte: „Der Pinsel ist wahrscheinlich unten am Wasser." Mufti knurrte: „Ieht können wir noch eine Stunde auf das Frühstück warten; es ist wirklich auf keinen Menschen mehr Verlaß." Wir gingen zur Badewiese hinunter und suchten Wurzer, aber wir fanden ihn nicht. Schließlich zogen wir uns aus und badeten. Wir hatten lebhaften Appetit, als wir aus dem Wasser tarnen; deshalb legten wir die Strecke bis zum Wurzerschen Grundstück in beschleunigtem Tempo zurück. Wurzer war immer noch nicht da. „Ich kann mir denken, wo er steckt", sagte Goldlack. „Er hat gestern ein Honorar einkassiert, und wenn Wurzer Geld hat, bann ißt er im Ufer- restaurant in Cladow." ..Los, gehn wir nach Cladow!" ordnete Mufti an. „Wenn wir Wurzer finden, dann gnade ihm Gott; ich esse allein dreimal Schweinebraten mit gemischtem Gemüse." Wir marschierten eine gute halbe Stunde bis Cladow. Lind eine gute halbe Stunde zurück. Wurzer war nicht im Gartenrestaurant, und wir hatten nicht genügend Kasse, um uns selbst zu beköstigen. Wir standen wieder vor demWurzer'schenGrund- stück. Dreimal knurrten wir im Chorus mit dem Magen; als sich daraufhin noch immer nichts im Haus regte, sagte Goldlack: „Er hat sich verspätet, der Schuft. Er ißt in der Stadt und kommt erst nach Tisch raus. Wir wollen unsere Hängematten aufspannen und uns hin- emlegen. Man erträgt den Hunger am besten, wenn man kein Glied rührt." Wir handelten nach seiner Weisung. Bis drei Uhr nachmitags lagen wir in unseren Hängematten und guckten in die Wolken. Dann sprang Mufti heraus und rannte, ohne ein Wort zu sagen, nach dem Strand hinunter. „Es ist der Hungerwahnsinn," meinte Goldlack. ..Los! Wir dürfen den Unglücklichen nicht im Stich lassen! iilts wir an das Wasser kamen, sahen wir Mufti im eifrigen Gespräch mit einem Mann, der einen Kneifer trug und ein bißchen dämlich aussah. Wir kannten den Mann; es war der Photograph Kirch- Haus, der zuweilen an unferm Stammtisch erscheint und der dort auf den schlichten Namen „Kirchenmaus" getauft worden war. „3d) habe nocheinmal den ganzen Strand nach Wurzer abgesucht, aber er ist nicht da. Wir sind dem Hungertode verfallen/' erklärte Mufti düster. „Na und Kirchenmaus?" fragte Goldlack mit einem Hoffnungsschimmer im hungrigen Blick. Der Photograph zuckte die Achsel. „Meine Schalter sind geschlossen," meinte er, und Dabei holte er aus seinen beiden Hosentaschen das Futter heraus. Wir setzten uns im Kreise ins Gras und berieten. „Wurzer ist ein Lump!" erklärte Mufti mit Ueberzeugung. „Man sollte ihn für vogelfrei er- klaren. Jedermann müßte das Recht haben ihn mit einer Latte, in der rostige Nägel stecken, zu er chla- „Große Worte, nichts als große Worte," meinte Kirchhaus. „Damals, als es gegen mich ging, da hatten die Herren Mut; da blieb es nicht bei dem Gerede." Was habt ihr denn mit Kirchenmaus gemacht?" erkundigte ich mich. „Wir haben inseriert, daß er Katzen zu Dressur- Zwecken zu kaufen sucht," antwortete Goldlack. „Ja," ergänzte der Photograph. „In aller Herr- gottsfrühe wurde ich schon von einem Mann geweckt, der mir einen Angora-Kater für fünfzig Mark anbot. Mittags stand das Treppenhaus voll von Leuten mit Katzen. Und als ich spät abends vollständig zerbrochen von all dem Aerger mein Bett aufsuchte, da lag eine fauchende Bestie mit einem Wurf von sechs Jungen drin. Wirklich eine feine Sache. Damals hatten die Herren Kurage, wie gesagt. „Es fehlt uns auch heute nicht daran", erklärte entschlossenen Gesichts Mufti. „Aber was wollen wir machen?" fragte Goldlack. „Ich habe eine Idee," sagte Kirchhaus. „Montieren Sie Wurzers Haus ab uüd stellen Sie es an einen anderen Platz." ..Das ist doch nicht möglich," wandte ich ein. „Möglich ist es schon," erklärte Goldlack. Er ist Architekt und versteht was von solchen Dingen „Möglich ist es durchaus. Handelt sich doch bloß um em paar verspundete Bretter. Türen und tyenfter sind mit einem Handgriff ausgehoben. Der Nahmen macht auch keine Schwierigkeiten. Steinsundament ist nicht. Schornstein auch nicht. Also das wäre eine Kleinigkeit. Aber, — wohin mit der Bude? -.Das ist das wenigste," meinte Kirchhaus "Sehn Sie mal zum Beispiel die eingezäunte Parzelle da drüben. Liegt ganz im Gebüsch versteckt und es steht noch kein Haus drauf. Da müßten Sie Wurzers Villa hintragen. Gäbe einen Riesenspaß." „Verdient hätte es der Halunke!" sagte Goldlack sinnend. Dann sprang Mufti auf und schrie: „Los! Wir kommen auf die Weise wenigstens an den Büchsen- Hummer ran!" 71 Um das gleich vorwegzunehmen, es war kein Buchsenhummer da. Es gab auch nichts anderes zu beißen; es gab bloß eine furchtbare Schusterei. ..Das mit den „paar verspundeten Brettern" hört fick) sehr einfach an, aber es versteckt sich allerhand dahinter. Hier ist eine genaue Statistik des Teils der allgemeinen Pflichten, der auf mich entfiel: 3ch habe sechsundvierzig Bretter ausgehöben und einhundertsiebzehn Nägel gerade geklopft. Ich habe mir einen Stützpfeiler auf den Fuß fallen lassen, ich bin zweimal mit der Hose und dreimal mit dem Hemd hängen geblieben. Ich habe mir acht Splitter eingerissen. Ich bin neununddreißig Mal mit schweren Lasten aus Hölzern und Teerpappe den Weg von Wurzers Haus nach der Strandparzelle gekeucht. Ich habe mir beim Wiederaufbau des Hauses sechzehn Mal mit einem Hammer auf den linken Daumen geschlagen. Immer auf den linken Daumen. Ick) habe einen halben Eimer Schweiß verloren, und mein Hunger nahm derartige Dimensionen an, daß ich mich in einer Wette mit Mufti verpflichtete, eine Gans von zehn Pfund ungerupft zu verzehren. Es war aber niemand da, der die Gans hätte bezahlen können. Zusammenfassend ist zu sagen, daß wir alle drei sehr hart arbeiteten. Die Sache ging ohne Störung oonftatten, denn es war ein trüber Tag, und in der Kolonie hielten sich nur ganz wenige Menschen auf. Außerdem stand Kirchenmaus Schmiere. Er hatte oben an der Autostraße Posten bezogen. Wenn Wurzer käme, sollten wir durch einen Pfiff gewarnt werden. Aber der Maler ließ sich nicht blicken. — Um vier Uhr hatten wir mit der Ar- beit begonnen; um acht stand das Haus an seinem neuen Platz. Und um neun waren wir wieder in der Stadt, hundemüde, dreckig wie die Hottentotten und so hungrig, daß ein Rudel Wölfe vor uns umgekehrt wäre. Mufti fand noch einen Groschen in der Tasche, den steckte er in den Schlitz eines Telephon-Auto- maten. „Hier bet Wurzer" meldete sich Fräulein Leuthold, die Haushälterin des Malers. „Hier ist Mufti. Sagen Sie mal, Leuthold'n, wo steckt eigentlich Wurzer?" „Herr Wurzer ist verreist. Nach Wiesbaden." „Nach Wiesbaden? Bei den schlechten Zeiten?" „Ja, Herr Wurzer hat eine arößere Einnahme gehabt. Er hat doch sein Häuschen verkauft." „Wa .. a ... s? Etwa das Grundstück in Gatow?" „Nicht das Grundstück. Das Grundstück behält Herr Wurzer. Nur das Häuschen hat er verkauft. 2ln einen Photographen Kirchhaus hat er es verkauft. Kirchhaus hat eine Strandparzelle in Gatow, da will er das Häuschen raufftellen." Hier sank Mufti kraftlos in unsere Arme. Versteht man, daß wir jetzt für ein Inserat sparen, durch das der Photograph Kirchhaus Kreuz, ottern zu Dressurzwecken zu kaufen sucht? D,si, si I Schrank oder ein andere I die Arme über den Kos < hinten, allmählich imme: | richten kann man sich in ' dem helfen lassen. Der K j Hebungen gewöhnen. Ji ' man dann imstande, a j ohne Mühe auszusührer | Sehr wertvoll sind bi | ausgesührt werden. Mar | einen Teppich, streckt b 1 aus unb versucht sich । 1 heben. Ansaizgs wirb | zu Hilfe nehmen müssei 3 weiter versucht, wird | Hebung bald beherrsche) | immer gerade gestreckt | l Natt) jeher liebung st I Nepaufe machen. Besc I niemals zu lang onhülb 1 mart dadurch zu sehr erm lut man gut, sich richtig I einem Beit ober einem 1 richtig ausstrecken kann, i Übungen, bei denen man | gleichzeitigem heben uni 3 Körperhaltung im öligem j Gehübung einschieben, in ■i nen Armen unb gerade ■ 9Ifl* aus den Zehspitzen I wesentlich, dürfen aber n 1 fie imInsang sehr anstr. Weitere : derWohlfahstseru I Wat Hessen IÄRbe5 wfc I h i X mr DOn den 5 I hn ^irlsfursvrge I ^-erwerbslos I ?° ,°°" 45 751 aus I 24987% wef 0leid’e < I ™ Nahlsahrlserwer -Ate* tote n bs I W gleichMg°' 1 0Qnbte ein C, k?°'en I Än uÄU(fL 3d) H Ühr miL^ ben R |l Mische K^uefi I ftnhig. S .'st für SD l Sei*etÄen toirL 15U geprüft. gehl. E. Drouckere auf einer Völkcrbundssitzung äußert. UnivrrsiZ yle. il (IU.) Son inta-Müglieder ! erklär», der Mhrung kam. ihn mit her indes. Der militärischem go fahren un< herheitsvraane lerer schaß zu haben heftige, Straßen sind len bedeckt, -r die hohe der Angaben narbe die Ruhe ein Mora- uldenzahlungen beiden Sierkl- den Bierteljahr eljahr 20 v.y. und mit Schutzanzügen ausgerüstet werden sie alle ton Gas befallenen Gegenstände entgiften, ehe irgend« ein Ungeschützter mit ihnen in Berührung kommt. In einer intensiv beworfenen Grogstadt wird man mit Hundert en von Bränden rechnen müssen, die in der gleichen Stunde aufslammen. Abgesehen davon, daß jeder Hausbesitzer seinen Feuerschutz noch wird verstärken müssen, müssen in solchen Momenten der Feuerwehr auch schon geschulte Hilfskräfte zur Verfügung stehen. Die Reichsregierung ist in letzter Zeit mit aller Intensität an die Aufgabe herangctreten, die hier erwähnten behördlichen Stellen im Gasschutz und Luftschutz auszubilden! Don all den Selbst, schutzmatznahmen, die die Bevölkerung ausüben soll, weiß noch kaum jemand etwas, weil die Dinge Schritt für Schritt vorbereitet werden mußten. Aber heute wird mit aller Intensität an der Organisation des zivilen Luftschutzes gearbeitet. In allernächster Zeit werden olle Kreise der deutschen Bevölkerung nicht nur von diesen Dingen hören, sie werden auch über den zweckmäßigen Selbstschutz unterrichtet werden. Deutschland -raucht Lustschuh Wie schützt sich die Bevölkerung im Kriegsfälle vor Lustangriffen? •• Forstpersonalie. Verseht wurde der Förster Ludwig Vage! zu Zlteshaulen vom l. August 1932 ab in gleicher Diensteigenschaft in die Försterei Daum garten des Forftamts Schifsen- berg zu Gießen. . _ . •• Verbesserte Eilgut er befördern n g nach Hamburg. Der h'.er um 15.02 über Kassel. Göttingen. Elz«. Hil^heim nach Hamburg abfahrcnde Eilgüterzug 5131 kurzem so beschleunigt worden, daß er schon 's Scheuer: Kühe: *) Ackern: ') Peitsche. s) euch. •) sagen: -) 4 Uhr: ’) heute; ') Regen; u) Heu; “) neben; u) Kleiegetränk; M) neues. Ihm bei dem Zäckcrn zu: „Ihr Keuh, aich will uch°) ebbcs sahn"). Um vier Auer') mache mer Schluß, Weil aich, denn Hauers gibt's noch Rahn'), Das Haa'°) noch häufle muß. Wann mer bis dahin ftrtig fei Gibts nebig “) Haa un Grummet Für jed' von uch e Kleicbreuh u) Un zur Kirmes e nau") Kummet." in der vierten <5tunte anderen TagS in Hamburg eintrifft. Die Deförderungsdauer ter für Hamburg bestimmten Eilgüter beträgt allo ab Gießen nur noch 12 61 unten. Eilgut, das mit diesem Zug befördert werten soll, muß bis spä- testens 14.30 Hhr auf geliefert sein. Eine besondere Aufgabe wird den Arbeitern es städtischen Reinigungswesens zu- & der modernen Oberflächlichkeit. Auf Singewochen bildeten sich unter Walter Hensels Führung Singekreile: die seichten Landsknechtslieder werden zurückgedrängt. DaS 18. und 19. Jahrhundert hat auf dem Gebiet des Volksliedes und deS geistlichen CieteS kaum wertvolle- geschaffen, auf das ganze Völker gesehen. Darum greift die Singebewegung auf das Gut deS 16. und 17. Jahrhundert zurück. Auch unsere Kirchenchöre müssen wieder Volkslieder singen, die das ganze Leben unter den Dlickpunkt „®otl“ stellen: am Choral ter Aesormationszeit erlebte die Singebewegung. waS Kirche ist. Sein herber Realismus wigt Zurückhaltung auf der GefühlSseite. Die Bewegung legt Wert darauf, daß der tiefste Gehalt des LieteS beim Singenden sich auswirkt: sie rückt Singen und Leben zusammen. So bleibt sie von Bedeutung für unsere Gemeinden, die das rechte Singen erst wieder lernen müssen. Der gehaltvolle Vortrag wurde mit lebhaftem Deifall ausgenommen und gab Anlaß zu einet regen Wrssprache. Warndienst, ter vom Kriegsausbruch an jede bedrohte Stelle in kürzester Frist von ter heran- nahcnoen Gefahr verständigen kann. 11 .ter Verwendung von -i-clcpbDn. Telegraph una Funkcin- richtung sollen die Dehorten ein das ganze Reich überziehendes Flugrneltewescn schaffen. Durch dieses werden Anflug und Flugrichtung jedes feindlichen Flugzeuges rechtzeitig erkannt und die Meldung an die mutmaßlich bedrohten Gebiete zur Warnung geleitet Selbstschutz der Bevölkerung. Dann w'.rd die Devö.kerung sofort von den Straßen in die Kellerräume verschwinden. 3n ihnen ist durch zweckmäßige H.rrichtung Schuh vor Granatsplittern und Galen möglich. Die Kosten, die bei dem Umbau eines m.tte^roßen Keller- zu solch einem Sch uh raum entstehen, betragen kaum mehr als 70 d.S 80 Wart Genaue Anwe.sungen. wie ein solcher Umbau am zweckmäßigsten vorgenommen wird, werten schon in ter nächsten Zeit allen Bevöl- kerungSkreisen zugehen. Die Frage einer Herrichtung solcher zentraler Sammelschutz- räume für das ganze deutsche Volk wird augenblicklich von Fachwissenschaftlern eingehend überarbeitet. Um die Verbindung mit ter Außenwelt ohne Gefahr Herstellen zu können, wird nur eine 'Person den Keller verlassen dürfen, die eine DaS - maSke trägt. Mutmaßlich werten schon im voraus solche Maskenträaer als Luftschutzwarte für alle Sammelräume bestimmt werten, vielleicht wird man diesen auch die Defügnisse eine- Hilfspolizisten übertragen. Doch nie werten alle Bewohner eines Häuseln den Sammelschuhraum flüchten dürfen. Zeder- zeit kann ja eine jener leichten Brandbomben. die feindliche Flugzeuge zu Hunderten mit sich zu führen imstande sind, daS Dach durchschlagen. Dann würde in wenigen Minuten schon der Dachstuhl in Flam n, en stehen. Deshalb wird in jedem HauS mindestens ein -Mann zur Brandwache bestimmt werden müssen, ter nicht nur die Feuerwehr zu alarmieren hat, sondern auch selber die Bonide schleunigst mit Sand zuschütten muß, um ihr die Zündkraft zu nehmen. Selbstverständlich muß auch dieser Mann mit einer GaSmaSke ausgerüstet sein. Gerate gegen diese Brandbomben wird di» Bevölkerung auch schon im voraus recht wirkungsvolle Sicherungsmaßnahmen durchführen können. Dor allem werten, sobald Kriegsgefahr droht, die Dachböden von allem alten Gerümpel befreit werden müssen. Sandschichten im Dachstuhl und Anstrich mit einer sicheren Feuerschuhlösung vermindern ebenfallweitgehend diese Gefahr." Dieser Selbstschutz kann aber immer nur eine wertvolle Ergänzung zu jenem Lustschuhdienst bilden, mit dessen Durchführung von feiten ter Behörden begonnen worden ist. Der behördliche Lustschuhdienfl. Mit diesem behördlichen Luftschutzdienst sind heute eine Reihe öffentlicher und privater Stellen als mit einer Zusatzaufgabe betraut worden. Die Polizei dient als Befehlsstelle und vereinigt die einzelnen Stellen in Luftschutz-Beiräten, welche bereits vielerorts gebildet sind. Die Technische Nothilfe wird verschüttete Straßen frei machen müssen, damit die Fahrzeuge der Feuerwehr und des Rettungswesens du^chkom- men. Sie wird hierzu besondere „Räumungstrupps" bilden. Die I n d u st r i e wird gemeinsam mit den Arbeitern Anlagen zur Verdunkelung und Tarnung des Betriebes und zum Schutze der Belegschaft treffen; in einzelnen Werken sind bereits derartige Hebungen vorgenommen worden. Die Jraae einer zweckmäßiaen Tarnung wichtiger amtlicher Gebäude und Industriezentren, fei es durch Vernebelung, sei es durch eine anderweitige Unkenntlichmachunq, wird von den zuständigen amtlichen Stellen gerade des st _ fallen. Man wird ihnen die Entgiftung der vergasten Straßen und Räume übertragen. Mit Gasmasken an der Maschine zu erfüllen hatten. Ich verstand nämlich die russische Sprache nicht und mußte ihnen mit allen Mitteln der Zeichensprache, gewissermaßen mit Händen und Füßen, begreiflich zu machen versuchen, was sie zu tun hatten. Nach einigen Monaten ging es besser. Auch hatte ich mich an die herrschenden Verhältniste bald gewohnt, es gab meist gutes Essen, ich verdiente viel Geld und konnte es eigentlich gut aushalten. Die Beleaschast des Werkes betrug zur Zeit meiner dortigen Tätigkeit bereits 16 000 Mann. Man trägt sich aber mit dem Gedanken, das Werk so weit auszubauen, daß 60000 Mann beschäftigt werden können. Der Beomtenapparal zur Inganghaltung des Betriebes erschien mir dabei immer sehr groß und gleichzeitig sehr kostspielig. Von der oielgepriese- nen „Gleichheit" habe Ich nur wenig bemerkt. So verdienen manche Arbeiter nur 45 Rubel im Monat, die anderen 1000 in der gleichen Zeit. Es waren auch verschiedene deutsche Staatsangehörige im Betrieb, die aber kaum das Esten verdienen konnten und deshalb in die Heimat zurückkehrten. Lieber Onkel! Ich hätte Dir sehr gern von Moskau aus geschrieben, ober es hätte herzlich weyig Zweck gehabt, denn das, was Du im besonderen wissen wolltest, das hätte ich nie schreiben dürfen ... Ameisen — die Schutzpolizisten des Waldes. Wer einmal gesehen hat, wie Hunderte, ja Tausente von Hektar frischer grüner Fichten- und Kiefernwälder von Millionen und aber Millionen Raupen kahlgefressen werten, ter wird diese- Bild nie vergessen und die dringende Forderung verstehens Bewahrt den Wald vor solchen Verwüstungen. Auf ausgedehnten Flächen ragen die kahlen Stämme zum Himmel und sind stumme Zeugen solcher Ereignisse. Dazu kommt heute, daß die auf diese Weise vernichteten Waldbestänte nicht einmal eingeschlagen werden können, da das Holz sich nicht verwerten läßt, und es dem Wald- besitzer an den notwendigen Mitteln fehlt, das Holz einzuschlagen und aufzuarbeiten, wenn er nicht die Gewißheit hat, da- Holz auch verkaufen zu können. So sind die kahlgefressenen Wälder wieder wertlose Oedflächen und legen zugleich Zeugnis ab von ter schweren Rot ter deutschen Waldwirtschaft. Sie warnen jeden eindringlich: Behütet den deutschen Wald vor Feuersgefahr und Raupenfraß. Freilich sind solche Raupenplagen in den letzten Jahren schon recht häufig erfolgreich durch Bestäubung vom Flugzeug aus bekämpft worden, aber das Verfahren ist für den Waldtesiher recht kostspielig und ein Schaden für die betroffenen Bestände läßt sich niemals vermeiden. Darum heißt eS auch hier: Vorbeugen! Die natürlichen Feinde der Raupe, die Do gelweit, die verschiedenen Schlupfwespen, aber auch die Waldameisen sind zu erhalten. Gerade die Ameisen haben schon manchen Bestand vor Kahlfraß tewayren können. Wenn man das Leben im Umkreise eines großen Ameisenhaufens beobachtet, so wird man mit Bewunderung feststellen, was all^s von den Ameisen an Raupen, Käsern, Schmetterlingen, Larven, Fliegen usw. herbeigeschleppt wird. Durch Zählung konnte fest- geftellt werden, daß bis zu 100 000 dieser verschiedenen Insekten die Tagesbeute ter Bewohner eines einzigen großen Ameisenhaufens bilden. Ferner konnte man beobachten, daß ein normaler Ameisenstaat mit schätzungsweise 75 000 Bewohnern ungefähr einen Hektar vollkommen vor Insektenfraß zu schützen vermag. Cin Waldkomplexe von 500 Hektar, ter künstlich mit 340 Ameisenhaufen besiedelt werten konnte, blieb bei einem dreimaligen Ronnenfraß und einmaligem Forleulen- fraß, dem die umliegenden Bestände zum Opfer fielen, vollkommen verschont. Die verschiedenen forstschädlichen Raupen kommen im Sommer ober Herbst von den Bäumen herunter, um sich im Erdboden oder unter der Moosdecke zu verpuppen ober bort als Raupe zu überwintern. Sind genügend Ameisen vorhanden, so wird jede Raupe verschleppt und getötet, so daß eine Verpuppung und damit Entwicklung neuer Falter nicht vor sich gehen kann. Jeder Waldbcsitzer muß daher seine Ameisen schonen, deren Existenzbedingungen verbessern und keinesfalls dulden, daß Ameisenhaufen aus Langeweile von Kindern oder Halbwüchsigen zerstört werden. Die Lebensbedingungen der Ameise kann er aber nicht fördern, wenn er noch immer die auch für den Bestand so überaus verderbliche Streu- Nutzung oornimmt. Die Ameise gehört in den Wald, sie sorgt dafür, daß die forstschädlichen Insekten auf den „eisernen Bestand" beschränkt bleiben und bewahrt den Wald zusammen mit der Vogelwclt vor Insektenkalamitäten, die dem Waldbesitzer und Forst- mann allzu häufig schwere Sorge bereitet haben. Das Versprechen hinterm Pflug. Der Schibbehannes ist ein Bauer Wie es viele gibt im Land, Sein Haus, die Ställ und auch die Schauer') Sind immer gut imftanb. Sein Diehstanb kann sich sehen lasten, Er hat bie bicksten Sau Und Gäns und Hühner feinster Rassen Und auch die schönsten Keuh-). Auf seinen schuldenfreien Aeckern Schafft er stets unermüdlich, Sein Sinn beim Mähen und beim Zockern') Ist immer fromm und friedlich. Er brauchte für sein Kuhgespann Stein Fluchen, keine Peutsch ), Er trieb's mit guten Worten an In oberhest'schcm Deutsch. Einst suchte ich am Weldesrand Nach langer Wanderung Ruh Und hört, geschützt vorm Sonnenbrand usgefjöben unb lopft. Ich W 3 fallen lallen, reimal mit bcm mir acht Split' eifrig Mal mit Teerpappe den Stranbparjelle iberaufbau des immer auf den auf ben linst" Eimer Schweiz berartige „ wmil « * * er niemanb oa, i mir alle drei ohne Störung ’ag, und indek iss M3 )QU5 an ’oirm* " •. hie -ollen- übel DO °°r in her * Telephon'^?' St«®* ” jere ®!n* verkauft- AÄ t ellt ßn-iiy \# Oie Aufgaben des zivilen Lustschutzes. Hnd dennoch brauchen wir nicht ganz un- ge schützt uns solchen feindlichen Luftüberfällen un gegebenen Falle auszuliefern. Das Pariser Luftsahrtabkommen vorn Jahre 1926 hat auch un- die Errichtung eines zivilen Luftschutzes gestattet. Sein Ausbau ist eine ter notwendigsten Aufgaben ter Behörden unter Mitwirkung der Bevölkerung. Aber noch ist das Wissen der Bevölkerung um diese Rotwendigkeit nur gering. Deshalb ist auf Anregung von privaten Sachverständigen der .Deutsche Lustschutzverband" gegründet worden. Das Wichtigste eines zivilen Luftschutzes ist ein sorgfältig vorbereiteter Flugmelde- und Dom 23. bi- 25. 3uni findet hx Ostpreußen die erst« große Luftschutzübung statt. Die Bedeutung dieser Hebung gebt schon aus ter Tatsache hervor, daß an ihr auch der Reich-tnnenminister teilnehmen wird Dennoch wissen weite Kreise kaum, wa- .Luftschutz" «igenllich bedeutet. oie wissen vor allem auch nicht, tote dieser Luftschutz durch gesührt werten wird. Deshalb hat unser Berliner Mitarbeiter, das Dorstandsmitglied des vor kurzem gegrünte len DeutschenLuftschutzver- oandeS. Herrn Direktor G e i ß l« r ausgesucht. und ihm über den Stand deS deutschen Lustschutzwesen- einige Fragen vorgelegt. Die Gefahren eines Luftangriffs. .Wir dürfen keinerlei Luflstreitkräfte baten. Dir dürfen auch keine Streitkräfte besitzen, die lediglich der Abwehr feindlicher Luftangriffe dienen. Wenn also Krieg wäre, würden feindliche Flugzeuge ungehindert über unsere Grenzen dringen kennen. 3n unseren Nachbarländern steh:n siebentausend Bombenflugzeuge bereit. Da-rheinisch - westfälische 3n- dustriegebiet kann von den französischen Flugzeugen in einerStundeerreicht werten. Wenige Minuten schon nach ter Kriegserklärung können über den Gruben und Hütten Ober- schIesien - tschechische und polnische Domben- geschwater erscheinen. Auch Berlin — das heute ja nur mehr zweihundert Kilometer von ter Grenze entfernt Hegt — kann von polnischen und tschechischen Lustgeschwatern in einer Stunde bedroht sein. Daim werten die Bomben fallen, Arbeit und Menschenleben Vernichterxd. Sie werten keinen Hnterschied machen zwischen alt und jung, zwischen Arbeiter und Unternehmer, zwischen Kind und Mann. Die Sprengbomben, die beim Aufplatzen in sechshundert bis zwölfhundert Splitter nusein- anberfüegen, werben alles zerfetzen, was mit ihnen in Berührung kommt. Die Tlinenbomben, bie heute schon ein Gewicht von bis zu taufenb Kilogramm haben, werben Inbustriewerke unb float- liche Gebäude auseinanberreihen. Eine Bombe von fünfzig Kilogramm durchschlägt ja schon ein vierstöckiges Haus. Andere Flugzeuge werben Brandbomben werfen. Diese strömen nach ihrer Explosion eine Hitze von zweitausend bis dreitausend Grad aus bringen dadurch alle brennbaren Stoffe zur Entzündung. Und mit all diesen Schrek- ken werden jene Maschinen kommen, die Gasbomben werfen, Bomben, gefüllt mit den ent- setzlichsten Giftstoffen, die je die Chemie ersann, und unter deren Wirkung Mensch und Tier qualvoll verenden werden. Ist es wahr, daß wir tatsächlich nach Internationalem Recht all diesen frauenvollen Gefahren ungeschützt ausge- ie f e rt sein sollen?" Deutschlands militärische Ohnmacht. „9a und Nein. Militärisch sind wir gegen solche Angriffe feindlicher Luftgeschwader vollkommen ungerüstet, denn durch das Diktat von Versailles ist die deutsche Luftwaffe zerschlagen worden. Selbst Reichswehr und Polizei dürfen sich im Fliegen nur sportlich und im ganz kleinen Aus- maß üben. Aber auch fast jede Erdabwehr ist durch jenen Vertrag uns untersagt. Unsere Nachbarn haben eintausendachthunbert Flugzeugabwehrkanonen aufgeftelt, obwohl wir keine Mili- tärflugzeuge haben. Die paar Kanonen jeboch, die wir in Königsberg, in einigen Küstenanlagen und an Bord weniger Schiffe führen dürfen, bedeuten k e i n e r l e i S ch u tz für die deutschen Städte gegen feindliche Luftübersalle. Für den feixxdlichen Piloten würde ter Angriff auf unsere Heimat nichts weiter bedeuten als die Ausführung eines ganz gewöhnlichen Fernfluges. Selbst an daS fliegerische Können wären die An- forterimgen nur gering. Denn die bei einem Luftangriff gegen Deutschland zu bewältigenden Entfern xm gen betragen kaum über zweihundert Kilometer. Der Aktionsradius der Bombenflugzeuge beträgt in ter Regel aber tausend Kilometer. .Die Tatsache, daß es Deutschland verboten ist, sich gegen Luftangriffe zu verteidigen, muß als eine zynische Grausamkeit bezeichnet werten", hat selbst der belgische Delegierte d e ^ilion, -'te 2®z9nem Men. Ti« Deutsch. J^nieman. brüdt Gunter- dem Mu- rtvklt bet. 'undAer- * und der intern, jn urschen. 3m Jni> die ßfa, Uschast der. "und Din- 'Micher Füh. Sftng muh ich ^ritien 1 Iwhefren 1 nicht durch andern durch rntrum glaubt -tzten Dahlen ng. Dir wer- Monat 3uli arteigenossen! ikamhs am lgsschlacht chufr auch die in den Län« >hne ftompro- 'ir dann am Men haben r allem auch m Tradition ' Lösung bet : befähigt fein Kirche und (Schule. Tie T kanatökonfercitz der eoanselischen (4c stlichcn des Dekanats ttutzen tagte gestern im Matthäussaal. Der Vorsitzende Dekan ©ufrmann (Kirchberg) begrüß le besonders den Superintendenten D. Wagner Rach Besprechung von dienstlichen Angelegenheiten hielt Pfarrassistent Knell (Gießen) einen Vortrag über .Die Singebewcgung und ihre Bedeutung für die Kirche". Diese e^reuliche Bewegung (Fritz Zote) ist erwachsen auf dem Boden der Großstadt» und Gremzlandnot. Das alte Liedgut unseres Volkes begegnet in ihr Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 23. 3uni 1932. Hebungen zwischen Aufflehen und Frühstück. ES ist eine alle Erfahrung: wenn man Jung und schön ist, denkt man meist nicht so viel an sein Aussehen. Man freut sich, wenn man in den Spiegel blickt und einem daS hübsche Gesicht entgegenlacht und die geschmeidige Gestalt auch vor der kritischsten Prüfung bestehen kann, aber man denkt nicht daran, daß diese herrlichen Besitztümer einem nicht immer bleiben, und doch hantelt man klug, wenn man in jungen Zähren, so lange man eS eigentlich .noch nicht nötig hat", daraus bedacht ist, seine Schönheit zu pflegen, und zwar auf vernunftgemäße Weise. Wer bereiten anfängt. seine Haut zu pflegen und auf seine Haltung au achten, wird immer später denen gegenüber un Vorteil sein, die erst an ihre Schönheit denken, wenn sie dahin ist, wenn sich Runzeln gebildet habexx, wenn sich Fett anseht und der Körper feine Geschmeidigkeit verloren hat. Der junge Mensch soll sich sagen, daß eine vernunftgemäße Hautpflege viel besser ist al- Puter und Schmi-xke. Regelmäßige Körperübungen sind jedem jungen Mädchen anzuraten. Hier ist hie Gewohxcheit ter teste Lehrmeister, und wenn irgendwo, so gilt hier das alte Sprichwort: .Jung gewohnt, alt getan." Man darf gar nicht auS der Hebung kommenI Dann erhält man feinen Körper leistungsfähig, geschmeidig und jung. Alle Hebungen sind am besten im Badeanzug auSzusühren. Eine sehr wesentliche Hebung ist das Acten ter Deine. Man stellt sich in etwaS nach hinten geneigter Haltung, natürlich ohne Schuhe, auf und hebt das eine Dein ganz gerate in die Höhe, so hoch man kann. DaS macht man mehrmals. Zinmer ein Dein mit dem andern abwechselnd. Wenn man nicht höher kommen kann, stützt man sich mit den Händen gegen die Wand und versucht nun, die möglichste Höhe zu erreichen. Die dritte Position ist, sich mit den Händen zu stützen und dann das Dein von einem andern hoch heben zu lassen, immer so hoch wie möglich, selbst wenn es etwas weh tut. Immer beide Beine abwechseln. Man wird sehen, baß man nach einiger Zeit bei regelmäßiger täglicher Hebung dahin kommt, ohne fremde Hilfe und ohne jede Stütze bie Beine sehr hoch heben zu können und doch im Gleichgewicht zu bleiben. Eine andere wichtige Hebung ist die Streckung des Rückgrats. Man jetzt sich auf einen Stuhl, so daß die Lehne seitlich ist, stellt die Füße unter einen Schrank ober ein anderes schweres Möbelstück, hebt bie Arme über ben Köpft unb neigt sich nun nach hinten, allmählich immer weiter. Beim Wieberaus- richten kann man sich im Anfang ruhig von jeman- bem helfen lassen. Der Körper muß sich nur an diese Hebungen gewöhnen. In erstaunlich kurzer Zeit ist man bann imftanbe, auch schwierigere Hebungen ohne Mühe auszusühren. Sehr wertvoll sind die Hebungen bie im Liegen ausgeführt werben. Man legt sich auf eine Decke ober einen Teppich, streckt die Arme längs des Körpers aus unb versucht sich auf Schultern unb Ferse zu heben. '21nfaiys wird man vielleicht die Ellbogen zu Hilfe nehmen müssen, aber wenn man beharrlich weiter versucht, wirb man auch biese schwierige Hebung bald beherrschen. Beine und Körper müßen immer gerade gestreckt sein. Nach jeder Hebung soll man immer eine kleine Ruhepause machen. Lesonbers im Anfang soll man niemals zu lang anhültenbe Hebungen matten, ba maif baburd) zu sehr ermüdet wirb. Nach ber Hebung tut man gut, sich richtig auszuruhen, am besten auf einem Bett ober einem Sofa, auf bem man sich richtig ausstrecken kann. Sehr erfrischend sinb Atemübungen, bei benen man tief ein. unb ausatmet unter aleichzeitigem Heben und Senken der Arme. Für bie Körperhaltung im allgemeinen kann man immer eine Gehübung einschieben, indem man mit emporgehobe- nen Armen unb gerate gerichtetem Kopf unb Rückgrat auf ben Zehspitzen geht. Auch Kniebeugen sind wesentlich, dürfen aber nicht übertrieben werden, da sie im^lnfang sehr anstrengend sind. D. R. Weitere Zunahme der Wohlsahrtserwerbslosen in Hessen Im Dolksstaat He-ssen ist nach ben neuesten (Ermittelungen des Hessischen Lanbesstatistischen Amts bie Zahl ber von ben Arbeitsämtern anerkannten, bei ben Bezirksfürsorgestellen gezählten Wohl- fahrtserwerbslosen gegenüber bcm Vormonat von 45 751 auf 47 851 am 31. Mai gestiegen. Um die gleiche Zeit des Vorjahres waren 24 987 Wohlfahrtserwerbslose ermittelt. Während im Mai bie Wohlfahrtserwerbslosen in Hessen um 2100 zunahmen, hatten sie sich im gleichen Monat des Vorjahres nur um 10 vermehrt. Ein Briöf aus Rußland. Ein Gießener Bürger, ber vielen bekannte Kreisfeuerwehr.Inspektor D i ck o r 6, erhielt in biesen Tagen von seinem Neffen einen Bries, in dem ber Schreiber Einbrücke von seiner Reise nach Rußlanb unb seiner Tätigkeit in einer dortigen Kriegsmate- rialfabrit schildert. Der Brief ist hx einigen Stellen sehr interessant und gibt einen kleinen Einblick in das Rußland von heute. In diesem Briefe heißt es unter anderem: „In Deutschland konnte ich, wie du weißt, lieber Onkel, keine Arbeit finden. Um Arbeit zu bekommen und gleichzeitig ein Stück Welt kennenzulernen, wandte ich mich nach Rußland. Anfang September des vorigen Jahres begann ich die Reise, die mich über Polen dem Sowjetstaat entgegenführte. Zwischen den beiden Staaten befindet sich eine etwa 100 Meter breite neutrale Zone. Durch diese Zone fuhr ter Zug sehr langsam, die polnischen Zug- poften sprangen ao, die russischen auf. Kurz vor der Grenzstation Nigoralle fuhr der Zug durch einen Empsangsbogen, mit roten Fahnen unb bcm Sowjetstern geschmückt. Ich mußte mein Gelb um- wechseln unb für ben Rubel 2,17 Mark bezahlen. Die Uhr mußte vorgerückt werben, denn bie mitteleuropäische Zeit ist für biese Gegend nicht mehr zuständig. Nach einigen Stunden Aufenthalt beftiea ich ben russischen Zug, fuhr 16 Stunden lang burch flache russische Lanbschast, um endlich in Moskau (Alexander-Bahnhof) anzukommen. Dom Trustleiter wurden wir (es fuhren noch mehrere deutsche Arbeiter mit) empfangen, bas Freiheitslieb erklang, unb bann würben wir unseren Bestimmungsorten zugeleitet. Der Omnibus brachte uns burch bas Zentrum der Stabt zum Bahnhof Ieresslavky, unb eine elektrische Schnellbahn führte zum Werk, einer Fabrik, in ber leichte unb schwere Geschütze hergestellt würben. Dort würbe ich als Einrichter beschäftigt. Es ist nicht weiter verwunderlich: es war mir anfänglich sehr schwer, ben Leuten, bie ich anzulernen hatte, begreiflich zu machen, welche Funktionen sie >n irtschafi Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a.2R. Banknoten. q 2)te hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o.H, Lombardzinsfuß 6 v. H. S.Jl.-'fpOTt Wie Schmeling unterlag Mit Ausnahme von Rheinhessen, in dem die Nachtigall von der einheimischen Bevölkerung als eine alltägliche Erscheinung des heimischen Vvgellebens angesehen wird — der naturschützerisch hochinteressante Altrhei-narm, der zwischen Erfelden und Stockstadt das Dorado des Rachtigallengesanges, den Kühkopf umfließt, sowie die vielen Brutorte bei Worms, Ingelheim, Rierstein, Bodenheim, Mainz, bilden oft das Wanderziel vogelfreundlich gesinnter Menschen, die in ihrer Heimat nie Rachtigallengesang gehört haben —, müssen Hessen und seine Rachbarländer im allgemeinen als nachtigallenarm bezeichnet werden. Rur mühselig, vermag man sich aus der vogelkundigen Literatur unseres Heimatlandes eine Vorstellung über die Verbreitung, d. h. die Vorkommensdichte im ganzen Lande oder über das sporadische An- und Abschwollen ihres Bestandes in bestimmten, offenbar bevorzugten Teilgebieten Oberhesseirs und Starkenburgs zu machen. Denn trotzdem schon frühzeitig der Anwesenheit von Rachtigallen bei uns besondere Aufmerksamkeit zugewendet wurde, sind seit den siebziger Jahren bis auf den heutigen Tag nur einige wenige Einzelfundorte bekannt geworden. Vielleicht läßt sich aus dieser Tatsache schließen, daß auch in früheren Zeiten Rachtigallen bei uns eine seltene Erscheinung gewesen sind und daß auf hessische Verhältnisse das Allgemeinurteil der Ornithologen gar nicht zu- trisft, nämlich das in Deutschland der Rach- tigallenbestand nur durch' das immer häufiger werdende Herumstromern vogelnestplündernder Katzen so heruntergekommen sei. Persönlich bin ich davon überzeugt, daß es in früheren Jahren, als die Rachtigall bei uns noch häufiger gewesen sein soll, bedeutend mehr Katzen im Feld gegeben hat, nicht nur deshalb, weil in Kleinstädten und Dörfern zahlreichere Katzen als heute gehalten wurden, die ab und zu jagen gingen, sondern auch deshalb, weil es früher viel öfters als heutzutage vorkam, daß Hauskatzen bei der Ranzzeit mit verwilderten oder gar wilden Genossen in Berührung kamen, und der mit Wildererblut versippte Rachwuchs sich alsdann einfach nicht mehr im Hause hielt. Lloberhaupt hat die Vertreibungsthese durch Katzen m. E. nichts für sich. Denn einmal sind durch Katzen nur das bodenständige Rest — im besten Falle samt dem brütenden Weibchen —, sonst nur die unflüggen Jungen, gefährdet, was bedeutet, daß man das Männchen mindestens eine Zeitlang müßte haben singen hören, wenn Rachtigallen überhaupt da waren, und das um so mehr, als das Männchen 5 bis 8 Tage früher zu ziehen pflegt, als das Weibchen und es alsdann bei seinem Durchzug durch lauten Gesang anzulocken und zum Herbeikommen zu veranlassen sucht. Zum andern aber trifft die Vertreibung durch Katzen stets nur ein bestimmtes Individuum Rachtigall, nicht aber die Art. Mit anderen Worten: besitzt eine Gegend ein der Rachtigall zusagendes Gelände mit Unterholz und etwas Bodenfeuchtigkeit, so müssen auch dann, wenn Katzen vorhanden sind, immer wieder einmal die Ansiedlungsversuche von Rachtiaallen vorkommen, denn wenn wirklich einmal ein bestimmtes Pärchen vertrieben würde, so spricht sich das noch längst nicht unter den in Zukunft durch die Gegend durchziehenden Rachtigallen herum und es findet sich gelegentlich immer wieder einmal ein Pärchen, das von dem Mißgeschick seines Vorgängers nichts weiß und da bleibt. Diese Gedanken liehen sich noch weiterhin indirekt ergänzen durch die De- obachtungstatsache, daß es immer wieder vorkommt, daß man Rachtigallen urplötzlich in Geländeformationen antrifft, in denen seither nie der Versuch einer solchen Ansiedlung gemacht worden ist. obwohl schon ehedem die Beschaffenheit in Vegetation und Untergrund genau so einladend, für einen Rachtigallen-Standort genau so „typisch" war, wie heutzutage. Mit einem Wort gesagt, ich glaube, daß man — vielleicht gestützt auf Einzelfälle — erst dann auf diese Geschichte von Katze und Rachtigall gekommen ist, als man sich die arteignen Gewohnheiten von Auftauchen und Verschwinden, die die Rachtigallen bei uns zeigen, eben nicht anders erklären konnte. Wobei man beachten muh, dah im Gegensatz zu ihrem regelmäßigen und zahlreichen Vorkommen auf allergrößten geschlossenen Realen in Rheinhessen bei uns nur einzelne De- büschgruppen — und damit stets auf ein und demselben Standort nur ein oder einzelne Pärchen — Ansiedlungsmöglichkeit haben. Am besten geht das aus eine kurzen Uebersicht über die Nachtigallenbeobachtungsliteratur hervor. Rach Arnold nistete durch Jahre hindurch ein einzelnes Pärchen im Londorfer Schloßpark (Rabenau). 5ein1 >$>■ Auch JJ2W von S herer onter5< ^hl' ss In den 70er Jahren beobachtete derselbe Gewährs. mann unsere Nachtigall im ehemaligen Altefeld- garten bei Wetzlar, der „leider samt dem alten Häusertor verschwunden ist". 1922 brütete eine Nach, tigall in Gießen, „heute noch in Wetzlar, Braunfels, Weilburg". (Sunkel.) Erhard stellte 1925 ein paar bei Schloß Eisenbach fest, Fischer 1920 bei Laubach. Bad-Nauheim hat stets einige Nachtigallenbrutplatze gehabt. Nach L. Schuster wurden dort 1909 Junge ausgesetzt, 1910 brüteten 500 Meter von der Aussetzungsstelle mehrere Paare. Im benach- barten Taunus hat die Nachtigall ganz gefehlt. Aus Starkenburg ist bislang nur ein Brutvorkommen bei Heppenheim 1922, bei Bensheim 1921 und des öfteren bei Darmstadt bekannt geworden. Das ist gerade alles, was feit den 70er Jahren an Nachtigallen einwandfrei bei uns beobachtet wurde. Im Jahre 1932 ist es nun urplötzlich anders geworden. Allenthalben kommen aus Oberheffen Mitteilungen über das Auftreten von Nachtigallen in Gegenden, in denen sie nie oder nur höchst selten — und nur gelegentlich — vorkam. Allein im Gießener Bergwerkswald bzw. dem darin gelegenen Ruderal- gelände nisteten vier Pärchen, ein weiteres Vorkommen wurde von Leihgestern gemeldet, in Lich I hat man in der Nähe des Schloßparkes zwei Paare 1 Schlechte Arbeitsmarktlage in Hessen und Hessen-Nassau. WSR. Frankfurt a. M., 22. Juni. Die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes hat merklich nachgelassen. Während in der vorigen Derichtszeit die Zahl der Arbeitsuchenden um 3039 zurückgegangen ist, ist in der Derichtszeit vom 1. bis 15. Juni nur ein Abgang von 715 zu verzeichnen, so daß jetzt 3 2 2 8 6 4 (269 480 männliche und 55 384 weibliche) Arbeitsuchende bei den Arbeitsämtern gemeldet sind. In 6 von 18 Arbeitsamtsbezirken ist die Arbeitsuchendenziffer bereit swiedergestiegen (um 1640). Auch in den meisten Derufsgruppen ist schon wieder eine leichte _ Zunahme zu beobachten. Die Zahl der Unterstützten in der Arbeitslosenversicherung ist um 4940 auf 48 002 zurückgegangen, die der Krisenunterstützten um 1135 auf 85 609 gestiegen. Frankfurter Abendbörse lustlos. Frankfurt a. M., 22. Juni. Da alle schwebenden Fragen der Innen- und Außenpolitik noch der Lösung harren, konnte man an der Abendbörse stärkste Zurückhaltung beobachten. Von Pudlikumsseite lagen wieder so gut wie keine Orders vor das geringe Geschäft wurde lediglich von der Kulisse getätigt. Das Kursniveau lag gegenüber dem Berliner Schluß behauptet. IG.-Farben eröffneten mit 89% unverändert. Für Gelsenkirchen wurde ein Schätzungskurs von 35 Prozent genannt. Auch am Rentenmarkt war das Geschäft sehr still. Die Diskussionen über eine neue Zins- senkung stehen jeder Unternehmungslust hemmend entgegen. Von Jndustrieobligationen konnten Stahl- verein-Bonds % Prozent gewinnen; bei Dollar- Bonds waren RWE. etwas mehr gefragt auf das Anziehen der deutschen Werte im Auslande. Nvibesitzanleihe 3,45, Altbesitzanleihe 37, Schutzgebiete 2,60, Dedibank 30, Reichsbank 123,50, Gelsenkirchen 35, Aschersleben 82, Westeregeln 90, Stahl- oerein 13%, Aku 33, AEG. 20. Sche'ideanstalt 133, JG.-Farben 89%, Gesfürel 50,50, Holzmann 32 Brief, Metallgesellschaft 25, Rütgerswerke 31,25. Wi Di, nm SÄ- ÖS*’'"; qleiam mit e|"t das "Mt rc ernstenur bea M«nbni,W d Die Verbreitung der Nachtigall in Seffen 23on Karl Rudolf Ascher. Bücheriisch. — „Die neue Einheitsbewertung des Vermögens" von Bankdirektor a. D. Rudolf Körfgen, Steuersachverständigem in Bonn, gibt jedem Steuerpflichtigen eine genaue Anweisung, auf welche Art und Weise man die Einheitswerte prüfen kann, und wie man infolgedessen alle statthaften Steuerermäßigungen erlangt, die unter Berücksichtigung der neuesten Gesetzgebung möglich sind. Das Büchlein ist zu beziehen durch den Verlag Rudolf Körfgen, Bonn, Ermekeisftraße 1, zum Prei e von 2,— RM. — (135) außerorventllch erbittert. Er erklärte, Schmeling sei von dem Urteil vollkommen überrascht, der Sieg sei seinem Schützling einfach weggenommen worden. Mindestens zehn Runden seien durchaus zugunsten Schmelings verlaufen, der niemals besser als in diesem Treffen kämpfte, während Shar- key durchweg in der Defensive war. Or. Carl Diem 50 Jahre. Dr. Carl Diem, der Generalsekretär des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen, feiert am morgigen Freitag seinen 50. Geburtstag. Er wurde in Würzburg geboren und fiedelte zu feiner Aus- Gilbung nach Berlin über, wo er im Jahre 1899 den Sport-Club Marcornannia gründete. Auf Grund feiner großen Fähigkeiten wurde er 1903 Schriftführer der DSB., deren Vorsitzender er später fünf Jahre lang bis 1913 war. Von dieser Zeit an wurde Diem in den Deutschen Reichsausschuß als Generalsekretär berufen. Diesen Posten bekleidet er heute noch. In dieser Eigenschaft führte er den Auf- und Ausbau der Deutschen Hochschule für Leibesübungen durch, wirkte für die Einführung der täglichen Turnstunde, arbeitete am Reichsspielplatz- und Jugendsportpflicht-Gesetzentwurf. In Anerkennung seiner großen Verdienste um die Leibesübungen verlieh ihm die Universität Berlin im Jahre 1920 den Ehrendoktortitel. Auch im Auslande erfreut sich Carl Diem eines sehr guten Rufers» wurde er bereits von Japan und Amerika zuVortragsreisen eingeladen und wird auch in diesem Sommer wieder vor und nach den Olympischen Spielen in Amerika eine Vortragsreise abhalten. Sporiabteilung des Turnvereins Lollar Die Fußballabteilung trug die fälligen Rück- spiele gegen die Mannschaften von Ebsdorf in Ebs- dorf aus. Die 2. Mannschaft Lollars siegte gegen die 1. Elf des Gastgebers durch ein Prachttor von Seipp mit dem knappen (Ergebnis von 1:0, während die 3. Mannschaft von Lollar gegen die 2. von Ebsdorf mit 1:2 Toren verlor. ganz zufriedenzustellen. Die Runde bringt wenig Kampf. In der 5. Runde landet Sharketz zum ersten Male tief, was Schmeling lächelnd entschuldigt, den Amerikaner aber ermahnt, höher zu schlagen. Auch in der 6. R u n d e ist der Amerikaner noch der Angreifende, wird aber von Schmeling immer gut gedeckt: Schmeling- Schläge sind überdies genauer. In der 1. Runde ist der Amerikaner auffallend wütend und wild, wodurch die Genauigkeit seiner Schläge beeinträchtigt wird. Am Ende der immer noch ruhig verlaufenen 8. Runde scheint Sharketz mitgenommen, erholt sich aber wieder und wird in der 9. Runde sehr agressiv. Don nun an kommt Schmeling stark auf. Er forciert alle Runden, legt in der 1 0., 1 1. und 12. Runde ein höllisches Äempo vor, kann aber den mit Erbitterung gesuchten entscheidenden Treffer nicht anbringen. Sharketz erholt sich wieder, schlägt in der 13. Runde wieder einmal tief, was Schmeling kaum berührt. In der 14. Runde ist der Amerikaner sehr mitgenommen, Schmeling kann aber nicht entscheidend treffen. In der Schlußrunde setzen beide Gegner alles auf eine Karte: der entscheidende Schlag bleibt aber aus. Der Gong beendet den Kampf, das Kampfgericht verkündet Punktsieg des Amerikaners: Sharketz ist Weltmeister. Schmeling zeigt sich als anständiger Verlierer und umarmt seinen Gegner. Was sagt Schmeling? Bei der Verkündung des Urteils galt das allgemeine Interesse weniger dem Sieger Sharketz als dem „Unterlegenen" Schmeling. Daß er seine berechtigte Enttäuschung zu verbergen verstand und nach einer kurzen Pause der Verblüffung sofort zu seinem Gegner eilte, um ihm zum Siege zu beglückwünschen, wurde ihm von den sportlich denkenden Zuschauern hoch angerechnet. Trotz der Riederlage darf man sagen, dah der Deutsche durch diesen Kampf eher an Sympathien gewonnen als verloren hat. Rachdem sich der erste Sturm gelegt hatte, gelang es dem WTD.-Korrespondenten, Max Schmeling in seiner Kabine zu sprechen. Der Deutsche, der erstaunlich frisch war und kaum Spuren des Kampfes aufwies, erklärte: „Ich mache mir keine besonderen Sorgen wegen dieser Entscheidung. Aber wie konnte Sharketz den Sieg erhalten, obwohl er meist auf dem Rückzüge war?" Lachend fügte et hinzu, er sei noch jung und habe Zeit genug, die Meisterschaft zurück- xugetoinnen. Jederzeit trete er gegen Sharketz an, t>er ihm nichts anzuhaben vermochte, den er vielmehr in 15 Runden gejagt habe. Die Entscheidung sei durchaus ungerecht. aber ein Einspruch dagegen erscheine ihm zwecklos. Schmelings Manager, Joe Jakobs war In der großen Arena auf Long Island stellte sich am Dienstagabend — wir berichteten bereits kurz über den Kampf — der zweimalige deutsche Boxweltmeister Max Schmeling seinem amerikanischen Herausforderer Jack Sharketz, über den er vor zwei Jahren durch dessen Disqualifikation wegen Tiefschlag zum ersten Male seine Weltmeisterschaft gewann. In einem außerordentlich erbitterten Kampf, den der Amerikaner mit leichtem Vorteil begann, wurde der favorisierte Deutsche nach dem Urteil des amerikanischen Kampfgerichtes als besiegt erklärt. Rur ein knapper Punktsieg war es, den Sharketz errang; ein Punktsieg sogar, den man vielleicht als nicht ganz verdient bezeichnen kann und der es auch nach Ansicht eines großen Teiles der gegen die Entscheidung protestierenden Zuschauer nicht war. Auch der Deutsche hielt die Entscheidung für falsch. Zu ändern ist aber an dem Spruch nichts und selbst, toenn es ein Fehlurteil fein sollte, bleibt Max Schmeling kein anderer Ausweg als ein Revanchekampf, zu dem sich ihm hoffentlich baldigst Gelegenheit geben sollte. Vor 80000 Zuschauern. Das Stadion auf Long Island schien bis auf den letzten Platz gefüllt, als der große Kampf begann. Die auf 80 (XX) Personen geschätzte Menge nahm das Rahmenprogramm ohne sonderliches Interesse hin: alles fieberte dem Hauptkampf entgegen. Veben den Vertretern der amerikanischen Regierung fehlte selbstverständlich auch Reuhorks Bürgermeister Jimmy Walker nicht. Ebensowenig vermißte man die prominentesten Vertreter von Kunst, Wirtschaft und vom Film. Trübes Wetter machte den Veranstaltern in den Rachmittagsstunden große Sorge. Man erwog eine Verschiebung der Veranstaltung um 24 Stunden. Abends besserte sich aber dann die Wetterlage, so daß der Kampf gesichert war. In großem offiziellen Rahmen fand am frühen Rachmittag das Wiegender Teilnehmer mit für uns ungewohntem Zeremoniell im Reuhorker Staatsgebäude statt. Die deutsche Doxsportdehörde war durch Generalkonsul Dr. Schwartz vertreten. Sharketz brachte 205, Schmeling 188 englische Pfund. Oer Kampf. In der 1. Runde entwickelt sich trotz der Rer- vosität beider Boxer schon ein ziemlich aufgeregter Schlagwechsel, bei dem beide Gegner leicht getroffen werden. Sharkey forciert den Kampf, kann aber den Deutschen nicht erschüttern. Auch in der 2. Runde ist Sharketz der An- greifenbe, ohne aber zu Erfolgen zu kommen. Sharkey sucht eine Blöße des Gegners, der ruhig abwartet, bis er seine Zeit für gekommen erachtet. 3n der 3. Runde bleibt das Tempo das gleiche: der Amerikaner scheint die Runde schlechter zu über stehen, als der kalte Deutsche: dem man fein Zeichen der Erregung anmerkt. Von der 4. Runde ab wird der Kampf schneller, ohne aber die sensationsgierigen Zuschauer feftgefteHt, ln Wetzlar mehrere, bet Ortenberg und Lißberg wurden welche gehört, ebenso bei Bad-Nau- beim, Friedberg und anderwärts, kurz, man hat den Eindruck, als habe Oberhessen dies Jahr eine regelrechte Nachtigalleninvasion. Und sicherlich kommen in manchen Gegenden noch weitere Exemplare oor. die man bislang vielleicht nicht „entdeckt" hat. Worauf mag diele eigenartige Erscheinung beruhen? Möglich ist, daß der lange Nachwinter einen gewissen Einfluß auf den Nachtigallenzug gehabt hat: vielleicht in der Art, daß Paare, die eigentlich nördlicher zu reifen gedachten, ähnlich wie dies Jahr die Waldschnepfe, längere Zeit an südlicheren Stationen rasteten, um abzuwarten, bis im Norden die Gebüsche laubreicher geworden sind, und denen dann etwa in unserer Gegend, weil die Zeit schon zu weit vorgerückt war, der Zug, und Wandertrieb einfach ausging, und die dann blieben, wo sie gerade waren. Möglich ist aber, und das halte ich siedlunys- geographisch für das erklärende Moment beim ganzen, auch schon oben angeschnittenen Nachtigallen, Problem, daß die Nachtigall auf dem Zuge neben ihrem typischen und damit ständigen Brutgebieten (Kühkopf, Schwetzinger Park) auch noch Gelegen- beitsbrutgebiete besiedelt, das sind itjr an sich zusagende größere Gebüschgruppen in Wassernäbe, Parks und feuchtgründige Strauchvegetation (Bergwerkswald), die aber nicht immer auf ihrem Zug von Nachtigallen berührt werden, alsdann jahrelang ohne Nachtigallenbesiedlung bleiben, bis dann der Durch- zug wieder einmal durch diese Gebiete gebt und einige Paare dableiben. Fromme, a. JJ(. iVronffurl a.M. »erlln Schluß« furd Schluß». Abend« birfc Gchluß« kurS Schluß!. Mittag« bSrse Schluß- kurs Echlußt. Abend« Schluß« kure Schlußk. Ulllag* Dalum 21.6. 22 6. 21.6. 22.6. Datum 21.6. 22 6. 21.6. 22.6. 6% Stunde iHetd)oanietbe v. 192; 7% Deutsche Reichsanleihe 0.1929 6¥i% Doung.Anieihe von 1930 . Deutlche Anl.-Ablös.-Cchuld mll AuSlos.-Rechlen....... Desai, ohne AuSlos.-Rechte . 8% Heil. Volksstaal von 1929 ttüchahlb. 102%)...... Oberhesjen Provinz-Anleihe mll AuSlol.-Rechtcn...... Deutzche Komin. Sarnmclahl. Anleihe Serie 1....... 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfc 15 unkündbar bis 1935 .... 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse unkündbar biü 1936 Serie 16 . *¥,% Franks. Hyp.-Bank Ltqu.» Psandbriese......... *y2% Rheinische Hyp.-Bank.Ltau. Goldpse........... 8% Pr. LandeSpsandbrtcsanstalt, Psandbriese R. 19...... 7% Pr. Landespfandbriesanstalt, Psandbriese R. 10 4% Oestrrretchische Goldrente . . 4,20% Oesterreichische Silbcrrente 4% Unaarische Goldrente . . . . 4% Ungarische Staatirente V. 1910 4yz% dcSgl. von 1913 ... 6% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie 1 . . • ■ ■ 4% dcSgl. Serie II....... 5% flluniän. vereinh. Rente v. 1903 4k%RumLn.veretnh.Rcn1ev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente . « )L% >-Anatolier..... 59,4 60 37,75 3,65 36,5 33,75 66,5 66,25 77,65 75,8 67 8,5 1,05 4,75 5,75 5 2,25 2,9 2,4 6,75 2,9 15,25 53 59,5 60 37 3,45 36,5 32,75 66 65,75 77,5 75,8 66,5 9,25 1,05 5,75 5 2,25 2,25 2,25 7 15,25 54 58,5 60 37,65 3,65 47 33,5 67 1,15 4,65 5,6 5 2,4 2,75 2,4 7,13 3 15,5 53,75 59,5 60 37 3,5 33 67 8,75 4,7 5J 2,4 2,5 2,4 4 6,9 3,05 15,6 Hamburg.AmerÜa Pate, . . . v Hamburg-Südam.Dampsschtss. o Hansa Dampsschiss .....o Norddeutscher Lloyd.....s A.G. für Verkehrswesen Akt. . . Berliner Handelsgesellschast . & Commerz- und Prtvat-Bank. 7 Darmstädter und Nationalbank 8 Deutsche Bank und DtSconto-Gesellschast... e Dresdner Bank...... e Reichsbank........12 A.E.«............7 Bergmann.......... Eleklr. Liescrungigesellschast. io Licht und Kraft......io Felten & Guilleaume. ... 6¥. Gesellschaft für Elektrisch« Unternehmungen .... 9 Rheinische ElektnzttLt .... 9 Schubert L Lo.......U Siemens« Halske ..... 14 Lahmeyer L Eo.. ..... 12 Buveru» ........ ,,4 Deutsche ErdSI ....... 5 Gelsenktrcheuer........ Harpener....... . . . 0 Voesch Eise«.......... Ilse Bergbau ....... 10 Klöcknerwerke......... Söln-Neuesseu.....• • 6% Mannetmann.Röhre, .... 6 Manlselder Bergbau ..... 0 vberschles. lloktwerke .... 8 PHSnir Bergbau. . .... 4% Rheinische Braunkohle»... 10 «detnstahl.........g 10,5 11,65 87 16 18,25 30 18,25 125,25 20,13 17,9 67 36 52,13 64 57 77 64^5 41 47,75 13 17,25 159 42 10,5 IM 87 16 18,5 30 18,5 123,5 20 54,5 65 36 50,5 64 55,25 115 76,5 25 62,9 35 46 23 37,5 12,5 15,75 159 39,75 10,5 41 20,5 11,5 26,5 87,5 16 18,5 30 18,5 125 20,25 18,4 54,25 67 36,25 52 64 56,25 116,75 76,5 26 63,75 41,13 48 25,5 23 38J> 32,75 16,75 159,5 42,25 10,5 41,9 20,5 11,4 25,9 87,5 16 18,5 30 18,5 124 20,13 18,5 54,5 65 36 50,75 64 55,25 115 76,25 25 62,9 35,25 45,25 24,5 23 36,75 13,5 32,65 15,5 157 39,65 Frontiur. u. DI. Derlin Schluß- kurS «Schlußk. Abend« bSrse Schluß« kurö Schlußk. mittag» bSrse Datum 21.6. 22.6. 21.6. 22.6. Rtcbeck Montan......7,2 Vereinigte Stahlwerke .... 4 Olavi Minen......16'/. Kaliwerke Aschersleben ... 10 Kaliwerke Westeregeln ... 10 Kaliwerke Salzdetsurth . . . 15 9. ®. Farben.Industrte ... 12 Verein, chem. Industrie Frank« surt a. M........... 16 11 82 92 146 M 13,65 10,75 82 90 89,4 15 10,75 82,5 92 146,25 90,4 14 10,9 82 91 143 89,4 Schetdeanstall.......10 Goldschmidt.........0 Rütgerswerke ........ 6 Metallgesellschaft. ...... 5 Phtltov Hotzmann ...... 8 Zementwerk Heidelberg.... 7 Lementwerk Karlstadt. .... 7 Wayh & Freytag......v Schultheis Patzenhoser . . . 16 Mu (Allgemeine Kunstseide) 0 Bemberg......... v Zellstvss Waldhos.....12 Zcllstoss Aschossenburg ... « Dessauer GaS........9 Daimler Motoren ...... 0 Deutsche Linoleum ..... 6 Orenstein S Koppel.....0 Leonhard Tietz ....... 8 SvenSka.........16 Thade............ ^mntsnrier vkoschta« . . Mastikraftweeke Höchst M.' ' ® Süddeutscher Zucker .... 10 133,5 16 32 25,5 31,5 38 4 33,75 32 25 17 10,75 28,75 53 172,5 "ck 98,5 133 16 31,25 25 32 37,5 37,5 33 31 25 17 10,75 27,5 53 174,5 18,5 2 16,13 31,5 25,75 32 48 34 30.75 25,5 16.5 80,75 11,5 28,5 21,5 53 6 172 M 17 31,5 32 46,5 33,5 29,5 25,25 16,75 78,5 11.4 28 21,25 52 6,5 171,75 21 .Juni 22. Juni Amtliche Dotierung Amtliche Notierung «»eld 1 Äriet Geld »riet Helsingsor» . 7,033 7,047 7,053 7,067 Wien. . . . 51,95 52,05 51,95 52,05 Prag . . . Budapest. . 12,465 12,485 12,465 12,485 — — — Sofia . . . 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland . . 170,08 170,42 170,13 170,47 OSlo. . . . 74,83 74,97 75,07 75,23 Kopenhagen. 82,92 83,08 83,27 83,43 Stockholm . 77,77 77,93 78,12 78,28 London. . . Buenos Aires 15,16 15,20 15,24 15,23 0,948 4,209 0,952 0,948 0,952 Reuyork . . 4,217 4,209 4,217 Brüssel. . . 58,54 58,66 58,54 58,66 Italien. . . Parts . . . 21,50 21,54 21,50 21,54 16,535 16,575 16,54 16,58 Schweiz . . 81.89 82,05 81,89 82,05 Spanien . . 34,67 34,73 34,67 34,73 Danzig. . . 82,22 82,38 82,22 82,38 Japan . . . 1,269 1,271 1,259 1,261 Rio de Jan.. 0,325 0,327 0,325 0,327 Jugostawten. Ltsjabon . . 6,943 6,957 6,893 6,907 13,84 13,86 13,89 13,91 gtrlln, 22.Juni Geld Dries Amerikanische Noten....... 4,20 4,22 Belgische Noten......... 58,38 58,62 Dänische Noten ......... 83,08 83,42 Englische Noten......... 15,20 15,26 Französische Noten........ 16.50 16,56 Holländische Noten........ 169,76 170,44 Italienische Noten........ 21,58 21,66 Norwegische Noten........ Deutsch-Oesterreich, i 100 Schilling 74,90 75,20 Rumänische Noten........ 2,49 2,51 Schwedische Note»........ 77,94 78,26 Schweizer Noten. ........ Spanische Noten......... 81,71 34,53 82,03 34^7 Ungarische Rotte........