Ur. 95 Erster Blatt (82. Jahrgang Samstag. 23. April 1952 Annahme »en änjeiaen für die lagtsmiramcr bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Neichspfcnnig; für Reklameairzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Polittk Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Or.H.THnriot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Ma? Filler, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich,auf}er Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild ■ Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustriert« , 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanschlüfie unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger «iehe». GießenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Postscheckkonto: frannurt am mein 11686. Vrvck und Verlag: vrühl'fche Universitälr-Vvch- Zleindruckerei B. taitge tu Sietzen. Schristleitung und Seschäftzftekle: Zchlllftratze 7. Oie Länderwahlen. Wenn morgen fast vier Fünftel des deutschen Volkes zum drittenmal in wenigen Wochen an die Wahlurne gerufen werden, so stellt das zweifellos die politische Verantwortungsfreudigkeit des Volkes- auf eine harte Probe. Aber es kann nach den Erfahrungen der letzten Zeit auch darüber kein Zweifel fein, daß diese Probe glänzend bestanden wird und jeder Wahlberechtigte sich seiner Pflicht bewußt ist, bei der großen Entscheidung, die morgen fallen muß, durch die Abgabe feiner Stimme auch seinerseits mitzuwirken. Daß die morgige Wahl zu den Parlamenten fünf deutscher Länder für unsere politische Gesamtentwicklung von nicht minder großer Bedeutung ist wie die beiden oorausgelaufenen Wahlgänge der Reichsprasidentenwahl, leuchtet jedem mühelos ein, der sich nur einmal vergegenwärtigt, daß ein Regierungswechsel in Preußen, Bayern und Württemberg etwa als Folge des morgigen Wahlergebnisses auf dem Umwege über den Reichsrat nicht ohne weittragenden Einfluß auf die Reichspolitil bleiben könnte. Aber dieses Umweges bedarf es nicht einmal. Wir alle wissen aus der Geschichte der letzten dreizehn Fahre, welch außerordentliche Einwirkungsmöglichkeiten hemmender oder vorwärtstreibender Art trotz der starken Beschneidung die sich die Länder in ihrer Souveränität durch die Weimarer Verfassung gefallen lassen muß- ten, doch dem größten deutschen Lande Preußen geblieben sind. Der oielbcflagte Dualismus Preußen-Reich ist nicht ohne Grund Angelpunkt aller auf eine Reichsreform und eine daraus folgernde Stärkung der Reichsgewalt hinzielenden Bestrebungen geworden. Diefer Dualismus Preußen-Reich hat die Reichspolitik gelegentlich geradezu lahmlegen können, wenn auf der einen Seite der Wilhelm- straße ein anderer politischer Wind wehte wie auf der anderen. Und daß er niemals zu einer Gefahr für den Bestand des Reichs werden konnte, wie etwa der Kon- flirt Sachfens mit dem Reich in der 21cra Zeigner ober die mehrfachen Zusammenstöße mit Bayern, lag — eine seltsame Fronte — lediglich daran, daß Preußen dank seiner Verfügungsgewalt über Polizei und Verwaltungsapparat in zwei Dritteln des Reichs es auf einen Konflikt mit dem Reich jederzeit hätte ankommen lassen können, das Reich indessen sich dem größten „Land" gegenüber gänzlich ohnmächtig fühlte. Die beste Illustrierung dessen ist eine Geschichte des Reichskanzlers Dr. Marx, also des Angehörigen einer der beiden Parteien, die auf dem Instrument des preußisch deutschen Dualismus in den letzten dreizehn Fahren zu eigenem Nutz und Frommen vortrefflich spielen gelernt haben. Marx erzählte einmal, daß er als höchster Beamter des Äeichs einem vor dem Kanzlerpalais patrouillierenden Polizisten keinen Befehl erteilen könne ohne Mitwirkung des preußischen Ministers des Innern. Diese prekäre Lage unterscheidet sich von dem in der Bismarckschen Verfassung feftgelcgten Ver- dältnis zwischen Preußen und Reich dadurch sehr erheblich, daß vor 1918 das Reichsoberhaupt zugleich König von Preußen war und als solcher über alle innerpolitischen Machtmittel von zwei Dritteln des Reichs verfügte. Daraus entspring! zweifellos auch das Bedürfnis, neben den Organen der Länder ein Retz reichseigener Behörden über das ganze Reichsgebiet zu spannen. So wurden die Reichfinanzverwaltung und in neuerer Zeit eine Reihe von sozialen Behörden aufgezogen, die das Reich selber in der Hand behielt. Daß die zentrale Verwaltung des weitaus größten Teils der öffentlichen Finanzen eins der stärksten Druckmittel für „unbotmäßige" Cänber ist, haben Thüringen und andere Länder erfahren müssen, als ihnen mit* der Sperrung der Polizeikostenzuschüsse gedroht wurde. Daß das Reich tu solcher Art kleiner Mittelchen greifen muß, um leinen Willen durchzuseßen, wenn es nicht gleich mit dem schweren Geschütz der Reichsexekutive auf- fahren will — das übrigens gegenüber Preußen laum zum Schuß kommen würde, beweist am besten die außerordentliche Bedeutung der Länderwahlen, ■nsbefonbere der Parlamentswahl in Preußen für die gesamte Reichspolitik. Am 13. März und am 10. April ging cs darum, dein Reich das überparteiliche Oberhaupt zu erhallen. Morgen gilt es in folgerichtiger Fortführung dieser Politik der inneren Reinigung und Erneuerung auch in Preußen wieder den Gedanken der überparteilichen Staatssührung ;u Ehren zu bringen. Das kann nur geschehen, wenn die bisher in Preußen unumschränkte Herr- chast der Hßcimarcr Koalition beseitigt wird mb an die Stelle der Parteipolitik, die zum Leitmotiv für alle Regierungshandlungen der heute in Preußen Allmächtigen geworden ist, wieder eine ayf das Ganze schauende Staatspolitik tritt. Nichts be- euchtete den bis heute in Preußen gesteuerten Üurs besser als das berüchtigte Wort des sozialdemokratischen Kultusministers Grimme, der nach lebernahme seines hohen Amtes im Landtag offen -•rflärtc, er fühle sich als Exponent feiner Partei. Unter dieser Parole ist bas Parteibuchbeam- t ent um zu einer in Preußen nie geahnten Blüte gelangt, rücksichtslose Unduldsamkeit gegen politisch llnbersbenfenbc, namentlich bei den Beamten, hat vahre Orgien gefeiert. Die Staatsfinanzen sind bei näherem Zusehen keineswegs in so mustergültiger Verfassung, wie es die Parteien der Regierungskoalition lerne wahr haben möchten. Ein besonders trübes .Kapitel ist die Kulturpolitik. Das flache Land wurde von höheren Schulen mehr und mehr ent» Maßt, während in den Großstädten geradezu eine J'nflation von höheren Schulen einsetzte ohne Rück cht auf die Bevölkerungsbewegung, die die ent- icrgengcfcßtc Richtung einschlug Die für die Dor- tilbung der Lolksschullehrer an Stelle der Semi- England kommt Tardieu entgegen. Ein britischer Kompromißantrag auf der Genfer Abrüstungskonferenz erlaubt auch die Internationalisierung der schweren Angriffswaffen statt ihrer völligen Abschaffung. Frankreich befriedigt. — Einstimmige Annahme im Hauptausschuß. Genf, 22. April. (TU.) Macdonald unb Tardieu nahmen an der heutigen Vormittags- sitzung des Hauptausschusses Ser Abrüstungskonferenz teil. Der Reichskanzler Brüning war nicht anwesend. Schon kurz vor der Sitzung wurde bekannt, daß ein Kompromiß zwischen den gestern noch scharf gegensätzlichen Auffassungen Frankreichs und Englands über die Ab- schafsu ng der schweren Angriffswaf- fen zustande gekommen sei. Henderson gab bekannt, daß der viel erörterte englische Antrag von 16 Staaten, der rumänische Gegenantrag von 13 Staaten unterstützt würde. Der englische Außenminister Simon machte sodann die Mitteilung, daß er eine neue Formulierung für seinen Vorschlag dem Hauptausschuh vorlege. Diese neue Formulierung für seinen Vorschlag nimmt jedoch dem englischen Antrag seine grundsätzliche Bedeutung. Nach dem neuen englischen Vorschlag heihi es jetzt, daß die Abrüstungskonferenz denGrund- sah der qualitativen Abrüstung an- nimmt, d. h. den Besitz oder Gebrauch bestimmter Rüftungsfafcgorien entweder für alle Staaten verbietet, oder es erfolgt eine Internationalisierung b i e f e r 2D a f- f e n durch ein internationales Abkommen. Durch diese neue Formulierung i ff das bisher oorgeseheneuneingeschränkte verbot aller Angrisfswaffen aufgehoben und als gleichberechftgte Maßnahme die von Frankreich geforderte Internationalisierung der schweren Angriffswaffen zugelasfen. Simon hob die Aotwendigkeit einer sofortigen einstimmigen Erklärung der Konferenz für die qualitative Herabsetzung der Rüstungen hervor und richtete an den rumänischen Gesandten T i ■ tulescu das Ersuchen, seinen gestern eingebrachten Gegenvorschlag zurückzunehmen. Titulescu erhob sich sofort von seinem Sitz zu der Feststellung, daß das von ihm angestrebte Ziel erreicht fei. Die französischen Vorschläge würden nunmehr gleichberechtigt und vorbehaltlos nach dem Grundsatz des Verbotes der Angriffswaffen behandelt werden. Er ziehe daher feinen gestrigen Gegenvorschlag zurück. Zwei südamerikanische Regierungsvertreter beeilten sich gleichfalls, dem Beispiel Titu- lescus zu folgen und zogen ihren Antrag zurück. nare vorgesehenen pädagogischen Akademien erwiesen sich zu kostspielig unb mußten bis auf wenige abgebaut werben, wobei die Parität zwischen ben Konfessionen gröblich mißachtet wurde. Dem (Einbringen der Gottlosenbewegung in die Volksschulen der Großstädte wurde kein Widerstand entgegengesetzt. Eine wenig erfreuliche Bilanz für die' Kultur- Politik des größten deutschen Landes in einer Zeit, bie mehr denn jede andere alles an die sittlich-religiöse Erziehung der Fugend setzen sollte. Auch der politische Druck auf die Fustiz hat zu schweren Mißhelligkeiten in der Rechtspflege geführt. Etwas besser sieht es in dem von dem Zentrumsmann Dr. Steiger verwalteten Landwirtfchafts reffort aus. Aber es darf nicht vergehen werden, daß die ersten Versuche einer durchgreifenden Osthilfe im Sande verliefen, nicht zuletzt, weil von Preußen her aus rein parteipolitischen Gründen dem Beauftragten des Reichs entgegengearbeitet wurde. Erft als bas Reich den Einfluß Preußens ausschaltete unb bie Osthilfe in ber Hand Schlange-Schöningens zentralisierte, konnten Erfolge erzielt werben. Das ©egeneinanberregieren zwischen Preußen unb bem Reich, besonbers bann, wenn im Reich eine andere politische Koalition am Ruder ist als in Preußen, gehörte überhaupt zu den wesentlichsten Kennzeichen der Aera Braun-Severing. Von pas- fivem Widerstand bis zu offener Auflehnung wurden alle Register gezogen, um einer mißliebigen Reichs- regicrung das Leben schwerzumachen ober einem einzelnen Reichsminister von anberer Parteicouleur ein Bein zu stellen. Dies vor allem, bie unbebingte Sicherstellung einer einheitlichen Reichspolitik, macht die Reichsreform fo dringend und als ersten praktischen Schritt dazu die Beseitigung der derzeitigen Koalitionsregierung in Preußen. Diese Beseitigung wird unter den feit den letzten Landtagswahlen des Fahres 1928 grundlegend veränderten Verhältnissen wahrscheinlich leichter sein — trotz der kleinen Siche- rungsmaßnahmen, die Herr Braun noch kurz vor Toresschluß durch Aenderung des Wahlmodus für den Ministerpräsidenten hat treffen lassen — als etwas grundsätzlich Anderes an. deren Stelle zu fetzen. Denn niemand von denen, die am 24. April ihre Stimme abgeben, um des großen staatspolitischen Zieles willen einer inneren (Erneuerung Preußens und einer Neugestaltung des Verhältnisses zwischen Preußen und Reich, niemand wird den non ihm bekämpften Darteiabfolutismus der Koalition von Zentrum und Sozialdemokratie lediglich gegen eine Parteidiktatur mit anderem Vorzeichen eintauschen wollen. Wenn nicht alles trügt, besteht dafür feine Gefahr, da die gemäßigte Rechte nach ber zu erwartenden Niederlage der Weimarer Koalition im Wahlkampf zur Bildung eines neuen Preußenkabinetts unentbehrlich fein wird, zumal nur eine von den Parteien ber Rechten von Hitler bis Dingeldey erzielte ab |o lute Mehrheit die Gewiß- Der französische Ministerpräsident Tardieu brachte sodann von der Rednertribüne aus Titulescu und den kleinen südamerikanischen Staaten feinenwärm st enDankfürdie Hilfe zum Ausdruck. Der neue Vorschlag des englischen Ministers lasse alle Wege offen. Die Konferenz werde sich in Zukunft somit entweder über das Verbot der Angriffswaffen, gegen das Frankreich ernste Bedenken geltend mache oder für'die Internationalifierungdiefer waf- f e n entscheiden müssen. Botschafter Nadolnh erklärte sodann im Ra- men der deutschen Abordnung, den neuen englischen Vorschlag anzunehmen. Er wolle jedoch völlige Klarheit über den grundsätzlichen deutschen Standpunkt schaffen. Die qualitative Abrüstung sei nicht durch die Internationalisierung, sondern nur durch die Vernich tung der Angriffswaffen wirksam zu machen. Die Frage, welche Rüstungen Angriffswaffen seien, sei bereits entschieden, da Deutschland und anderen Staaten die Vernichtung der Angrisss- wafsen auferlegt sei. Das deutsche Beispiel lehre, daß eine Vernichtung der Angriffs- toaffen praktisch durchaus möglich sei. Der sowjctrussische Außenkommifsar Litwinow bezeichnete den wahren Charakter des neuen Kompromisses als einen Vertag ungs- b e f ch l u ß. Die Kompromißlösung bedeute weiter nichts, als den Beschluß, die Angrissswassen entweder zu verbieten oder zu internattonalisicren, oder gar nichts zu tun. Die meisten Staaten würden das Kompromiß mit einer reservatio mentalis annehmen. Der neue englische Kompromißvorschlag wurde sodann einstimmig vom Hauptausschuß angenommen. 3m Schatten der französischen Wahlen. Oie Unsicherheit der innerpolitischen Lage in Frankreich verhindert vorerst irgendwelche Entschlüsse in der Tributfrage. Tardieus Besprechung mit Brüning. Größte Zurückhaltung auf allen Leiten. Genf, 22. April. (WTD.) Reichskanzler Brüning harte heute nachmittag eine fast zweistündige llnterrebung mit Tardieu. bei der auch der Staatssekretär vonDü - low anwesend war. 3n dieser Unterredung sind alle großen aktuellen Fragen berührt worden. Die Besprechungen werden anfang nächster Woche, nach Rückkehr Tardieus. ihre Fortsetzung finden. Heute mittag hatte ein Frühstück den Reichskanzler mit Tardieu und Mae - donald zusammengeführt. Der Reichskanzler harte heute abend eine längere Besprechung mit Macdonald, mit dem auch Tardieu vor feiner Abreise nochmals zusammen- traf. Der Reichskanzler nahm am Freitagabend an einem großen Essen teil, das ber Oencral- hcit einer schnellen Regierungsbildung unb eines steten Kurses gibt. Die Parlamentswahlen in den vier anderen deutschen Ländern treten an Bedeutung hinter der in Preußen zu erwartenden Entscheidung erheblich zurück, zumal es in den beiden süddeutschen Ländern Bayern und Württemberg noch durchaus zweifelhaft erscheint, ob der Sonntag auch hier die Voraussetzungen für einen politischen Kurswechsel schafft. 3n Bayern führt feit dem Sommer 1930 das Kabinett Held nur noch die Geschäfte, nachdem die vormals regierende Koalition aus Bayerischer Volkspartei, Deutschnationalen und Bauernbund über den Versuch, ben Staatshaushalt durch die Einführung einer Schlachtsteuer auszugleichen, in die Brüche gegangen war Seitdem hat die Bayerische Dolkspartei mit Ausnahme des von dem Deutsch- nationalen Dr. Gärtner verwalteten Iustizmini- steriums alle Ministerien besetzt. Unter dem Druck einer ungeheuren Schuldenlast und eines riesigen Defizits im Etat hat das Geschäftskabinett sich zur Inangriffnahme einer energischen Verwaltungsreform entschlossen, die dem Lande durch Vereinfachung eines in keinem Verhältnis zur Gröhe Bayerns stehenden stark gegliederten Behördenapparates die dringend notwendigen Einsparungen bringen soll. Das Kabinett hat dabei die stillschweigende Billigung durch die Sozialdemokraten gefunden. Ob sich indessen als Ergebnis der morgigen Landtagswahl die Möglichkeit einer festen Regierungsbildung auf Grund einer Koalition zwischen Sozialdemokraten unb Bayerischer Volkspartei Herausstellen wird, steht noch keineswegs fest, wenn auch eine Koalition der Rechten unter Führung der Rationalsozialisten wenig Wahrscheinlichkeit für sich hat Möglich. daß sich ein ähnliches Gebilde ergibt wie gegenwärtig im Reich ein Kabinett der Mitte unter Führung von Bayerischer Volkspartei und Mitwtrkung des Bauernbundes, stillschweigend geduldet von der Sozialdemokratie. In Württemberg rechnet man offenbar mit einem ähnlichen Ergebnis, da es kaum wahrscheinlich ist, daß Rationalsozialisten und Zentrum sich zusammenfinden werden, das bisherige Kabinett Bolz aber, das Mitglieder von den Deutschnationalen bis zur Staatspartei bereinigt, schwerlich wieder auf eine Mehrheit im neuen Landtag rechnen kann. Württemberg ist das glückliche Land des gesunden Ausgleichs zwischen Landwirtschaft und Industrie, das Land der kleinen Städte, der vorwiegend kleinen und mittleren Gewerbebetriebe, die ebenso wie die Landwirtschaft in der Hauptsache Qualitätswaren erzeugt. So hat die Arbeitslosigkeit Württemberg in erheblich geringerem Maße heimgesucht wie das übrige Reich. Trotzdem hat die WirtschaftSkristS sekretär des Völkerbundes. Sir Eric Drumond, den führenden Staatsmännern gab. In gut unterrichteten Kreisen wird die Auffassung bestätigt, daß die bisherigen Besprechungen im wesentlichen nicht als ergiebig angesehen werden können. Der französische Ministerpräsident Tardieu hat im Hinblick aus die Unsicherheit der innerpolitischen Lage in Frankreich vor den Kammerwahlen in allen Fragen, insbesondere in der Reparations- und Donaufrage, g r o ße Zurückhaltung gezeigt. Auf französischer Seite ist deutlich der Wunsch zutage getreten, bis zu den französischen Kammerwahlen jede internationale Verwicklung und vor allem Schwierigkeiten auf der Abrüstungskonferenz für Frankreich zu vermeiden. Die Rücksicht- nähme auf die persönliche Stellung Tardieu im Hinblick auf die Kammerwahlen hot in den Verhandlungen eine wesentliche Rolle gespielt. Es besteht der Eindruck, daß man auf deutscher Seite dieser Lage bis zu einem gc- aud) Württemberg nicht verschont und im Staatshaushalt dieses finanziell bislang kräftigsten deutschen Landes ein Defizit verursacht, für das leine Deckung gefunden wurde. Das kleine Ländchen Anhalt, mit feinen 350 000 Einwohnern, kaum halb fo groß wie die Stadt Köln und in der Streulage zwischen preußischem Gebiet längst reif, ein Opfer der norddeutschen Flurbereinigung zu werden, kann bei dieser summarischen Betrachtung schnell abgetan werden. Die bisher regierende Koalition aus Sozialdemokraten und Staatspartei konnte sich im alten Landtag nur halten dank einer in sich uneinheitlichen Opposition. Es kann angenommen werden, daß es den Rationalsozialisten gelingen wird, die stärkste Partei des neuen Landtages zu werden und mit anderen Gruppen der Rechten ein Kabinett zu bilden. Als letztes deutsches „Land", das am 24 April seine Bürger an die Wahlurne schickt, ist die Freie und Hansestadt Hamburg zu nennen, deren »Bürgerschaft" indessen anders wie in Preußen, Bayern, Württemberg und Anhalt, die ihre Landtage sämtlich im Mai 1928 zuletzt gewählt haben kaum acht Monate alt ist. sich aber sehr schnell unfähig erwiesen hatte, einen Senat zu bilden, weshalb der alte Senat unter Führung der beiden Bürgermeister Roß und Petersen während des Winters die Geschäfte geführt hat. Es ist anzunehmen, daß die in der alten Bürgerschaft allein vorhandene Mehrheit von Sozialdemokraten und Kommunisten nicht wiederkehren wird, aber mehr ist von der Reuwahl am morgigen Sonntag kaum zu erwarten Wenn auch die Rationalsozialisten ihre bisherigen 43 Mandate noch um einige vermehren können, ist doch eine Regierungskoalition von Rational- sozialisten und bürgerlichen Parteien ohne die bisher 14 Mandate starke Staatspartei nicht möglich. Diese jedoch hat bisher wenig Reigung gezeigt. den Anschluß nach links aufzugeben, während die Deutschnationalen sich einer Koalition mit den Sozialdemokraten versagt batten. Ob die neugewählte Bürgerschaft ein günstigeres Bild bieten wird, oder ob auch hier wie in den süddeutschen Ländern es schließlich auf eine geschäfts- führende Regierung hinauslaufen wird, die das Parlament möglichst wenig behelligen würde, wird sich morgen entscheiden müssen. Jedenfalls dürfen die Länderwahlen des 24. April nicht bloß als politisches Stimmungsbarometer gewertel werden, es kommt ihnen vielmehr, besonders natürlich der Landtagswahl in Preußen, für b’e Entwickelung der Reichspolitik eine besondere Bedeutung zu. so daß auch wir. die wir in Hessen Z^B morgen mit gutem Gewissen daheimbleiben können, dem Waylergebnis des Sonntag mif wohlbegründeiem Interesse entgegensehen^ wissen Grade Rechnung trägt. Auch die Engländer haben in den Besprechungen eine vorsichtigeHaltung eingenommen, so das; als Gesamtergebnis der Eindruck besteht, daß in Genf in keiner der behandelten Fragen En tscheid ungen getroffen worden sind. Tardieu verlieh noch am Freitagabend Gens. Der amerikanische Staatssekretär Stimson beabsichtigt, sich zur Erholung von einer leichten Erkrankung für einige Tage in die Berge zu begeben. G r a n d i kehrt Samstag auf einige Tage nach Rom zurück. Auch Macdonald will sich am Ende der Woche für kürzere Zeit ausruhen, so dah bis Mitte nächster Woche keine neuen Verhandlungen zu erwarten sind. Noch keine Einigung über Lausanne. Tardieu über feine Unterredung mit Brüning. Paris, 23. April. (WTB. Funkspruch.) Heber die gestrige Unterredung zwischen Reichskanzler Dr. Brüning und dem französischen Ministerpräsidenten Tardieu berichtet der Auhenpolitiker des „Petit pa- risien" aus Gens, Tardieu habe nach der Unterredung erklärt, Brüning und er hotten keinen Besprechungsgegenstand ausgelassen. Er, Tardieu, habe noch niemals Gelegenheit gehabt, mit Reichskanzler Brüning und Staatssekretär v. Bülow sich so eingehend auszusprechen. Die gestrige Gelegenheit habe man benutzt, um die Deutschland und Frankreich interessierenden Fragen vorüberziehen zu lassen. Ministerpräsident Tardieu habe, so fährt der Korrespondent fort, die Ideen, die bei diesem Meinungsaustausch zum Ausdruck gekommen seien, und den Gesamteindruck, der sich ergeben habe, für sich behalten. Das Blatt berichtet hinzufügend, dah hinsichtlich der Reparationen noch keine Entscheidung getroffen worden fei, weder über das Datum des Zusammentritts der Lausanner Konferenz, die nicht vor der zweiten Hälfte des Juni beginnen dürfte, noch über den Vorsitz, obwohl die französische Regierung allerdings daran gedacht habe, als B o r s i h e n b e'n den Belgier Theunis vorzuschlagen. „Echo de Paris" dagegen erklärt, die Lausanner Konferenz könne kaum später als am 16. Juni zusam- menlreten. hinsichtlich der Reparationen hätte weder die deutsche noch die französische Einstellung bisher eine Aenderung erfahren. Keine Beruhigung in Paris. Tie Krisis der Konferenz nur vertagt. P a r i s, 23-April. (WTB. Funtfpruch.) „Echo de Paris" (nationalistisch) meint, der französische Borschlag werde früher oder später doch a b g e l e h n t werden und dann käme die Krise der Konferenz. Das scheine aber noch in weiter Zukunft zu liegen, da Brüning mit Tardieu übereingekommen sei, die Diskussion über die beiden entgegengesetzten Standpunkte bis nach den Wahlen in Deutschland und Frankreich zu verschieben. — „Journal" (rechts) stellt fest, dah der französische Borschlag formell nur von der Kleinen Entente, Polen, den südamerikanischen Staaten — mit Ausnahme Argentiniens und Brasiliens — Belgien und in gewissem Sinne auch von Japan unterstützt werde. Die übrigen Großmächte dagegen und die meisten kleinen Mächte seien Anhänger der These, daß die durch den Friedensvertrag Deutschland auferlegten Beschränkungen auch auf die übrigen Staaten ausgedehnt werden mühten. Es habe den Anschein, dah Frankreich bei jeder Etappe immer weiter eingeengt werde. — „Matin" (regierungsfreundlich) ist der Meinung, dah die neue Fassung der Cnt- schliehung England nicht fest lege, die Stellung Frankreichs dagegen aufrechtcrhalte. „Journee Industrielle" erklärt, die Gefahr für Frankreich sei nur vertagt worden. — Der sozialistische „Populaire" hebt hervor, Frankreich bleibe in der völligen Isolierung, in der es auch vorher in Genf gewesen sei. „Figaro" (nationalistisch) spricht von einer „Waffenruhe" für den französischen Borschlag. — Die „Action Fran^aise" (royalistisch) glaubt, dah die Aussichten für seine Annahme offensichtlich sehr schlecht stünden. Arbeitsbeschaffung durch Instand« sehung des Hausbesihes. Berlin, 22. April. (WTB). Amtlich. Unter den Möglichkeiten der Arbeitsbeschaffung ist die Instandsetzung des hausbesihes von besonderer Bedeutung. Der Reichsarbeitsminister hat vor kurzem die Länder auf verschiedene Maßnahmen tjingeroiefen, die der Arbeitsbeschaffung auf diesem Gebiete dienen können. Die Länder sind gebeten worden, soweit möglich, Mittel der Hauszins st euer für 3 n- stondsehungen bereit)« ft eilen und dem einzelnen Hausbesitzer die Aufnahme von Kapital durch Zinszuschüsse aus der Hauszinssteuer zu erleichtern. Es ist ferner darauf hin- geroiefen worden, dah auch die Möglichkeit besteht, die erforderlichen Mittel durch Wechselkrcdit zu beschaffen. Auf Grund von Verhandlungen mit der Reichsbank konnte feftgefteUt werden, dah d ie Reichsbank grundsätzlich bereit ist, derartige wechsel zu diskontieren. Auf diesem Wege wird sich die Ausführung von Jnstandsehungs- arbeiten in erheblichem Umfange ermöglichen lassen. Verminderung des Personalbestandes der Reichsbahn. Berlin, 22. April. (TU.) Die Reichsbahnhauptverwaltung hat mit den Eisenbahnergewerkschaften Verhandlungen ausgenommen, um über die Mahnahmen zur Berminderung des Personalbestandes zu einer Einigung zu kommen. Rach Angabe der Reichsbahn liegen gegenwärtig rund 3 0 0 0 Lokomotiven, die vollkommen betriebsfähig sind, fest. Aus dem gleichen Grunde können auch 1 4 0 0 0 Güterwagen nicht verwendet werden. Im ganzen sind 1 8 000 Arbeiter, in erster Linie aus den Werkstätten überzählig. Sie würden, wenn die Vorschläge der Hauptverwaltung verwirklicht werden, künftig zehn Monate im Jahre voll arbeiten und zwei Monate feiern. Bon den Gewerkschaften hat man sich bisher zu diesem Vorschlag noch nicht endgültig geäußert. Im Reichsarbeitsministerium steht man dem Vorschlag sympathisch gegenüber. Dieses wird jetzt zwischen den beiden Parteien vermitteln. Privatwirtschaft und Wirtschaftskrisis. Oer Reichsverband der Deutschen Industrie zur Lage. Berlin, 22. April. (WTB.) Unter Vorsitz von Dr. Krupp von Bohlen und Hallbach sanden'heute Sitzungen des Präsidiums und Vorstandes des Reichsverbandes der Deutschen Industrie statt. Beide vertreten den Standpunkt, daß die immer stärker zunehmenden Absperrtendenzen der einzelnen Staaten, den internationalen Kreditmarkt und Warenhandel zu vernichten drohen. Deutschland insbesondere kann nur dann seine kreditpolitischen Beziehungen mit dem Auslande aufrechterhalten und seine Verpflichtungen erfüllen, wenn man ihn in einem ausreichenden Maße seine Waren a b n i m m t. Jeder Versuch, die Zahlungen außerhalb des Warenverkehrs zu verlangen, muß zwangsweise zu einer Gefährdung der i n* ternationalen Währungsbasis führen. Der Reichsoerband hält es deshalb für erforderlich, daß die Reichsregierung gegenüber dieser Entwickelung eine weitgehende handelspolitische und innerwirtschaftliche Aktivität entfaltet. Insbesondere muß nach seiner Auffassung 1. mit allen Mitteln eine Stärkung des deutschen Produktions. und Handelsvolumens und damit eine Verbesserung des deutschen Arbeitsmarktes und eine Erhöhung des verfügbaren Devisenbestandes angestrebt werden; 2. muß eine möglichst weitgehende Förderung der deutschen'Ausfuhr unter gleichzeitiger Stärkung des Binnenmarktes Platz greifen. Hierzu gehört in erster Linie eine Senkung aller Faktoren der Produktionskosten sowie auch eine r e st l o s e Ausnutzung aller Kreditmöglichkeiten; 3. muß, solange eine Devisenbewirtschaftung nicht entbehrt werden kann, diese unter sorgfältiger Beachtung unserer handelspolitischen Interessen gehandhabt werden. Der Vorsitzende brachte zum Ausdruck, daß die Reichsregierung angesichts derunerträg- lichen Belastung der Betriebe die unabweisbare Pflicht habe, allergrößte Sparsamkeit walten zu lassen und insbesondere auch auf dem Gebiete der Verwaltungs- re form und des Finanzausgleiches Schritte zu ergreifen, um die Wirtschaft vor de r E r - drosselung durch Steuern und soziale Lasten zu bewahren. Das Präsidium beschäftigte sich mit Angriffen auf dem außerordentlichen Gewerkschaftskongreß gegen das Unternehmertum. Die Behauptung, daß insbesondere Teile der Schwerindustrie eine Inflation anstrebten, ist um so unverständlicher, als gerade diese Unternehmungen sich bei der Zerstörung der inländischen Kapitalbildung mit ausländischen Anleihen finanzieren mußten, also bei einer Geldentwertung nur stärker belastet würden. Auf demselben Riveau steht der Versuch, die Hauptschuld für die jetzigen Zustände derPrivatwirtschaft in die Schuhe zu schieben. Gerade die freien Gewerkschaften hätten allen Anlaß zur Zurückhaltung in dieser Beziehung. Denn dem Einfluß der sozialistischen Parteien und der freien Gewerkschaften auf die Poli- tik in den Jahren von 1918 biß 1 929 ist es in erster Linie zuzuschreiben, daß das privat- wirtschaftliche System seiner natürlichen Ent- wickelungsgri^ndlagen beraubt und a u s gehöhlt worden ist. Wenn sich aus dieser künstlichen Einschnürung der Privatwirtschaft Rückwirkungen auf den allgemeinen Lebensstandard und den Arbeitsmarkt ergeben haben, so ist das einzig und allein Schuld der sozialistischen Politik, die allen Warnungen der Wirtschaft zum Trotz ihre wirtschaftsbela st enden und Wirtschaf t s g e f ä h r d e nd e n Eingriffe von Jahr zu Jahr gesteigert hat. Rur durch eine grundsätzliche Abkehr von diesen Methoden könne die Grundlage für eine Erhaltung der Betriebe, eine dauernde Verringerung der Arbeitslosigkeit und eine allmähliche Verbesserung der Lebenshaltung aller Schichten des deutschen Volkes wieder geschaffen werden. Im Endkampf um Preußen. Deutschland wird nach dem 1. Füll nicht mehr zahlen. Eine Erklärung des Reichsfinanzministers. Altona, 22. April. (TU.) Auf einer Kundgebung der Deutschen Staatspartei erklärte Reichsfinanz- minifter Dietrich: Das Reich steht heute im Endkampf um die Abrechnung des Krieges. Das Mora- torium wird am 1.Juli ablaufen, aber Deutschland wird nach dem 1. Juli nicht mehr zahlen. Wann ich, der zuständige Finanzminister des Deutschen Reiches, das schon aussprechen darf, ohne daß es zu internationalen Verwicklungen kommt, so kann man das als Beweis dafür ansehen, daß auch den Staatsmännern der anderen Länder die Sachlage ziemlich klar geworden sein muß. Frankreich sei in einer schwierigen Sage, denn die Zahlungen von Deutschland fielen aus. Aber seine Schulden an Amerika müsse Frankreich weiter zahlen. Mehr und mehr zeige sich die politische und wirtschaftliche Unmöglichkeit der Friedensverträge, die eines Tages von selbst völlig zusammenfallen würden. Die Reichs- regierung habe den großen Banken 5 Milliarden Mark zahlen müssen, damit sie nicht zusammen- brechen. Außerdem habe das Reich 12 0 bis 1 30 Genossenschaftsbanken fortgesetzt stützen müssen; deren Zusammenbruch hätte die Vernichtung des gesamten Handwerkerstandes bedeutet. Das selbständige Unternehmertum des Mittelstandes müsse geschützt werden; denn es habe sich als das stärkste Fundament des Volkes erwiesen. Der kommende Winter werde noch schwerer als der norausgegangene. Ob wir ihn überstehen würden, hänge von' der Bereinigung der internationalen Atmosphäre und von der Lösung des Arbeitslosenproblems ab. Hitler und Kube im Berliner Sportpalast. Berlin, 22. April. (ERB.) Als letzte der großen Wahlkundgebungen im Sportpalast fand eine Versammlung der Nationalsozialisten statt. Für den erkrankten Dr. Goebbels sprach Abgeordneter Kube. Er wolle als Führer der nationalsozialistischen Politik in Preußen darüber keinen Zweifel lassen: Nach der Wahl würden die Nationalsozialisten es nicht nötig haben, H «gen berg um Unter- st ü tzungzu bitten. Der Nationalsozialismus fei nichc parteikonservativ, er sei im Sinne der Staats- autorität die einzige staatskonservative Partei, und zwar aus dem lebendigen Bewußtsein der Verbundenheit zwischen Nation und Staat. Je stärker der Nationalsozialismus in der Masse verankert ist, desto sicherer wird der kommende Staat stehen. Wer nach den Preußenwahlen noch daran Anstoß nimmt, daß wir nationale Sozialisten sind, mag es tun, das Gesetz des Handelns liegt bei uns, und di e anderen haben s i ch unserer politischen W i I ( e n 5 b i I b u ng zu beugen. Unsere Losung lautet: Alles f ü r den Staat durch das V 0 l k. — Nach der Rede Kubes betrat gegen 22.30 Uhr Hitler den Saal. Von den Galerien wurden ihm Blumen zugeworfen. Hitler führte aus: Im ganzen Reich herrscht überall eine lleberzeugung: Es wird dieses Mal über mehr entschieden, als über die bloße Zusammensetzung eines Landtages oder über die Bildung einer neuen Regierung. Die Gegner wissen das auch. Sie können nicht ihre Leistungen und ihre Werke für sich sprechen lassen. In der nationalsozialistischen Bewegung hat sich das deutsche Volk zusammengefunden. Alle Berufe und alle Stände, alle Konfessionen und alle deutschen Stände. Welche Bewegung hätte je eine so endlose Folge von Unterdrückungen erlebt. Man könne mit der Drganh Mion nicht auch die Treue ihrer Träger auslösen. Wir wollen dem deutschen Volke zeigen, wie verlogen es ist, ihm vorzugaukeln, sein Paradies könne in einer Klasse liegen. Warum ein Aechtskaßmett im Reich nicht zustande kam. Die deuifchnationale Lesart Solingen, 23. April. ($11.) Bor den deutsch- nationalen Industriellen Groß-Solingens sprach Dr. Eduard S t a d t l e r über die Gründe, die zu einem Scheitern der Berhandlungen zur Bildung einer Rechtsregierung in den letzten Monaten geführt haben. Acht Tage nach Harzburg habe ein Rechlskabinctt unmittelbar vor der Tür gestanden. Zwischen Hugenberg und Hitler fei in Berlin eine Zusammenkunft vereinbart gewesen, auf der die nächsten Schritte zur gemeinsamen Machtergreifung besprochen werden sollten. Hitler hätte aber bereits Berhandlungen mit der Mitte, mit Dingeldey und der Wirtschaftspartei angeknüpft gehabt — ohne .Kenntnis Hugenbergs. Als Kanzler sei Geßler in Aussicht genommen worden, als Außenminister Brüning und als Wirtschaftsminister ein Wirtschaftsparteiler. Als jedoch bekanntgeworden fei, daß Hitler ohne Hugenberg verhandelte, habe die Wirtschaftspartei erklärt, die Harzburger Front bestehe ja überhaupt nicht, da sei Brüning doch der sicherere Hort. Auch im Januar sei die Möglich- keit eines nationalen Rechtskabinetts in greifbarer Rähe gewesen. Sie sei an den diktatorischen Ansprüchen der Rational- sozialisten gescheitert. Kundgebung der Rationalen Front Deutscher Stände. Berlin, 22. April. (ERB.) Auf einer gut besuchten Kundgebung der Rationalen Front Deutscher Stände betonte Graf Westarp, daß eine Rechte, die an Stelle der Regierung Braun-Severing etwas anderes setzen wolle, der Ergänzung durch die Abgeordneten der „Rationalen Front Deutscher Stände", des Christlich-Sozialen Bolksdienstes und der Deutschen Volkspartei bedürfe. Die Hindernisse zwischen der Rechten und dem Zentrum müßten überwunden werden, nicht allein durch Kampf, sondern durch loyale Bereitschaft zu gemeinsamer Arbeit. Gelinge der Zusammenschluß mit dem Zentrum nicht, so blieben erst recht die Abgeordneten der sogenannten rechten Mitte unentbehrlich. Rur durch sie könne, wenn überhaupt, eine absolute Mehrheit der Rechten erzielt, nur mit ihrer Hilfe der Gewaltstreich der alten Koalition vom 12. April rückgängig gemacht werden, nur mit ihnen eine v d n Radikalismus und Parteiabsolutismus freie Aufbauarbeit geleistet werden. Als zweiter Redner der Kundgebung begründete Reichsminister T r e v i r a n u s die Rotwendigkeit der Wahl selbstsicherer, jahrzehntelang erprobter Persönlichkeiten. Im Massenrausch kämpfen Millionen Parteigenossen gegeneinander mit dem Anspruch auf Unfehlbarkeit. Der Mutlosen sind mehr geworden, wie in jenen dunklen Rovembertagen 1918. als die Mehrheit des Bol- kes es für gescheiter hielt, den Massenstimmungen Rechnun-g zu tragen. Eine bittere Zeche hat das ganze Volk für den Kleinmut jener Zeiten zu zahlen gehabt. Glaubt man im Ernst, daß ein radikalisierter sozialistischer Stimmungsüberschwang mit anderen Vorzeichen eine Gewähr dafür bietet, daß Fehler der Vergangenheit vermieden werden? Kein rotes, schwarzes oder braunes, sondern ein schwarz-weißes Preuße« soll dem Reichspräsidenten einen stärkeren Rückhalt als bisher für einen gerechten Ausgleich der widerstreitenden Interessen geben. Severing zum SA.-Verboi. Magdeburg, 22. April. (CNB-) In einer Wahlversammlung der Sozialdemokratischen Partei erklärte Innenminister Severing, am Sonntag werde der Versuch wiederholt werden, auf indirektem Wege auf die Neichspolitik Einfluß zu gewinnen. Die Länderregierungen ernennen bekanntlich nicht nur die Bevollmächtigten zum Reichsrat, sondern sie instruieren sie auch. Man könne ober wie den Reichstag auch den Reichsrat ausschalten. Die Möglichkeit bestehe auf jeden Fall, daß eine energische Reichsregierung gegen die Sabotage des Reichsrates vorgeht. Zum Schluß besprach Severing noch die Auflösung der SA. Er habe sich stets gegen alle Bünde, auch gegen d i e Gründung des Reichsbanners gewandt, weil er wisse, daß die Gründung des Reichsbanners nicht die letzte Etappe auf dem Wege zur Errichtung von Armeen für die Rüstung zum Bürgerkriege sein würde. Die Entwicklung habe ihm hier recht gegeben. Das Reichsbanner habe aber das Bewußtsein getragen, daß die Reichsfarben schwarz- rotgolb sind. Die Welt wurde wieder non der Anschauung durchdrungen, daß Deutschland nicht ohneRepublikaner ist, und das sei das große Verdienst des Reichsbanners. Hätten die anderen auch diese Zurückhaltung geübt, hätten sie sich nur auf die persönliche Ertüchtigung ihrer Mitglieder beschränkt, dann wäre es ihm nie eingefallen, die SA. zu verbieten. Aus aller Welt verminderte Zurechnungsfähigkeit Leo Sktareks? Im Sklarek-Prozeß überreichte Rechtsanwalt Dr. Pindar dem Gericht mehrere ärztliche Gutachten und erklärte, daß auf Grund dieser Gutachten eine psychiatrische Untersuchung Leo Sklareks notwendig erscheine. Professor S. H. Lewy und Universitätsprofessor Arthur Cronseld hätten zweifelsfrei erhebliche organische Abweichungen festgestellt, die teils auf anormale Anlage, teils auf schwere Erkrankung, besonders aber auch auf langjährigen Alkoholmißbrauch zurückzuführen seien. Auf Grund des ärztlichen Befunds sei bei Leo Sklarek eine organische Schädigung des Zentralnervensystems fcstzustellen, so daß beide Sachverständige die Begutachtung seines psychischen Verhaltens für dingend erforderlich halten, da eine erhebliche Verringerung seiner Zurechnungsfähigkeit vorliege. Eine Hochzeitsgesellschaft stürzt in den Keller. Gelegentlich einer Hochzeitsfeier in Alen 5 0 n, zu der etwa 40 Hochzeitsgäste erschienen waren, ereignete sich ein Unfall, der leicht schwere Folgen hätte haben können. Die Gäste wollten nach dem Essen tanzen, als der Fußboden plötzlich nachgab. Alle Gäste stürzten mitsamt den Möbeln und dem Geschirr in den Keller, in dein das Wasser über einen halben Meter hoch stand. Glücklicherweise kamen alle mit unwesentlichen Hautabschürfungen und einem ungewollten Bad davon. Das Einsturzunglück auf Korsika. Die Bergungsarbeiten im Justizpalast von Bast i a wurden beendet. Es bestätigt sich, daß d i e Zahl der Toten 15 beträgt, während sich die der Verletzten auf 30 beläuft. Unter den Toten befißden sich außer zwei Rechtsanwälte n ein Dataillonsführer der Kolonialinfanterie, der den Verhandlungen als Zuhörer beiwohnte. Unter den Schwerverletzten befindet sich außer den beiden Bürgermeistern von Bastia auch der Angeklagte, der sich wegen Hehlerei in der Angelegenheit der korsischen Banditen zu verantworten hatte. Er erlitt einen schweren Schädelbruch und muhte in hoffnungslosem Z u st a n d in das Krankenhaus überführt werden. Wie verlautet, sollte das Justizgebäude bereits vor mehreren Jahren einmal einer gründlichen Renovierung unterzogen werden. Da das Gebäude bereits 1858 errichtet wurde, hatten sich hier und daschonseitlan- gem baufällige Stellen gezeigt, deren Ausbesserung in Anbetracht der Wirtschaftskrise aber immer wieder verschoben wurde. Die Hinterlassenschaft von Edgar Wallace. Der bekannte Kriminalschriftsteller Edgar Wallace hat, wie jetzt bekannt wird, ein Vermögen von 1 8000 Pfund Sterling und Schulden in Höhe von 80000 Pfund Sterling hinterlassen. Letztere sind hauptsächlich auf schwere Verluste bei Pserd«e rennen und auf die weitgehende Gastfreu n d schäft des Verstorbenen zurückzuführen. Was war der Anlaß zu fireugers Selbstmord? Die Zeitung „Mya Dagligt Allehanda" erklärt, daß Ivar Kreuger schon am 11. Ak ä r z, also am Tage vor seinem Selbstmord, f a ft entlarvt worden märe. An diesem Tage fand eine Sitzung mit verschiedenen nach Paris berufenen Mitarbeitern Kreugers statt, und einer von diesen Herren verlangte Aufklärung von Kreuger über eine für ihn sehr unangenehme Frage. Kreu- ger stand, ohne ein Wort zu äußern, auf und entfernte sich, die Tür hinter sich zuknallend. Nach einigen Stunden erschien er wieder und erklärte, daß er am folgenden Tage d i e Frage beantworten wolle. Die Beantwortung erfolgte auch, aber in einer Form, die die Konferenzteilnehmer nicht geahnt hatten. Wettervoraussage. Nach wie vor bewegt sich das Tief über dein Nordmeer, welches seinen Kern wieder etwas vertieft und mehr nach Schottland verlagert hat. An seiner Südseite dringt weiterhin ozeanische Lust teils aus Südwesten, teils aus Westen kommend vor. Wenn sich auch zeitweise noch etwas mildere Lust mit einmischt, so besteht doch die Möglichkeit, daß kühlere Luft an der Rückseite des Tiefs sich stärker auswirkt, wodurch im ganzen leichte Auffrischung eintritt. Einzelne mehr schauerartige Niederschläge, die stellenweise auch von Gewittererscheinungen begleitet sein dürsten, sind noch zu erwarten. A u s s i ch t e n f ü r S 0 n n t a g: Wechselnd wolkig mit Aufheiterung, mild, jedoch etwas frischer, einzelne Schauer gewitierhasker Art. Lufttemperaturen am 22. April, mittags 13,6 Grad Celsius, abends 9,4 Grad; am 23. April: morgens 6,4 Grad. Maximum 15,6 Grad, Minimum 5,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 22. April: abends 9,8 Grad; am 23. April: morgens 7,6 Grad. — Niederschläge 9,8 mm. — Sonnenscheindauer 5K Stunden. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 23. April 1932. Jtn Sandhaufen. Hoben Sie schon» einmal den Kopf in den Land gesteckt? Ich alcrvbe. wir alle haben dies selbstbetrügerische Kunststück bildlich schon des öfteren au-geübt. Ohne Zweifel. Denn seit Iahren, seit mehr al- einem Iahrgehnt, fordert die Zeit ja direkt dazu herau s. Wohin wären wir gelangt, hätten wir uns immer klargemacht, was kommen konnte, muhte, lont-? Kopf in den Land gesteckt — vielleicht?? Aber ernst beiseite. Heute steckte ich den Kopf zum Fenster heraus und sah da zum ersten Male in meinem Leben, tone jemand den Kopf tatsächlich in den Sand steckte. Gs hing nicht im entserntesten mit Politik zusammen, denn e- war kein Vogel Strauß aus der Strafte, auch keine Gefahr vorhanden. Vielmehr nur eim großer Haufen Sand, der gerade halb aus dem Bürgersteig, halb auf dem Fahrdamm au-geschüttet worden war. Al- seine natürliche: Folgeerscheinung stellten sich im Handumdrehen.' Kinder ein. Ein halbe- Dutzend kleiner Kinder^ die bekanntlich mit un- ?laublich feiner Sandvsitterung ausgerüstet sind notabene Thema für d einzustellen. 2lngebote m. s unt. 3211 D Giebener 2lnz. roei mittlere errnume Nähe burger Str. — Itontr. gesuckt. .. 2tngeb. unter 1 a. d. G. Anz. Todesanzeige. Heute abend entschlief sanft unser lieber, guter Bruder, Onkel und Grobonkel, der Oberamtsrichter i. R. Geh. Justizrat SIMM m. g. Kenntn. in Franz, u. Engl., d. auäi selbst, korresv. kann u. f. fehlerfreie Arb. garant., fnckt Stellg., auch a. d. Lande. Ailgeb. an ‘II. Grossart, Gies;., Krofdorfer Str. 4. 3-4-Iimnier- Wobnun^ von ein. jung. Ehepaar (Beamt.) per 1. Juni od. 1. Juli ges. Sckr. Ang. unt. 02569 a. d. G. Anz. Plötzlich und ganz unerwartet entschlief heute nachmittag 6V, Uhr nach langem, mit Geduld ertra- Smem Leiden meine liebe Frau, unsere treusorgende ut-ter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Gote Frau Cbristine Pitz,geb.Nicolai im 63. Lebensjahr. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Christian Pitz und Kinder Steinbach, Garbenteich, Köln. Burkhardsfelden, den 21. April 1932. Die Beerdigung findet Sonntag, den 24. April, nachmittags 2 Uhr statt. 3224 d Nähe Kliniken. Schr. Angeb. u. 3173 D a. d. G. A. 3 Zimm. werd. geg. 2—4Zimm.u.Küche zu tauschen gesucht. Schr. Angeb. unter 02522 a. d. G. Anz. MlMWlnM Suche 3-4-Zimm.- Wohn., biete kleine 3-Zimm.-Wohn. m. Zub. (Friedensm.) in angen. Lage. Schr. 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Avril. 19-21.30 Uhr: Fremden-Vorst. Auber Abonn. Ermäßigte Preise. Zum letztenmal! Liebelei Schaufpieli.3Akten von A. Schnitzler. Vorher: Ter verwandelte Komödiant Sviel a. dem deutschen Rokoko von Stefan Zweig. Dienstag,26.Avril, 19.30-22.15 Uhr: Mignon (Gastch. Hess. Lan- desth. Darmstadt). Mittwoch,27.Avril. 19.30-22.15 Uhr: Ter Grane. Freitag, 29. Avril, Geichlossen! Samstag,rrv.Avril, 19.30 b. geg. 23.30: Faust (1. Teil) im Freitag-Abonn. Sonntag, 1. Mai, 18-22 Uhr: Der Hauptmann von Köpenick Dienstag, 3. Mai, 19.30-22.30 Ubr: Ter Vogel Händler (Gastsp. Stadtth. Mainz). B'V äw- 8“ »le'”1”81 «MSB 5 ftungen gemäß .schrittweise । geeigneten Zwischen verwirW Konferenz bieerft der allgemeinen s (jche Niveau »oll® scheu Einspruch wi verbessert. Zestgc rüftung gemäß sei und die jetzig scheidenden Schritt Aiveau vollzieh streiten, daß dam Kein Vernünftiger die Durchsetzung mit einem 6d ferenj erfolgen lot der der ganzen e Entscheidung für nichts Neues. D muh selbstverständ geholt werden, daß scheidungen di der deutsche Ansp gung anerkannt 1 Natürlich hat di dieser Entschließum heutigen Artikel 8 Bedenken. Aber Deutschland, das i Teil mit diesem Ar dem Mkerbundsm können. Auhland. i ist. konnte natürlich in dieser Festlegung Deutschland bei den Dieser Entscheidun bemeüenswerie am1 lienifche Aeußerunc hat sich AmeriU treters Gibfon ai schweren Ang gase, schwere Tesch Redner Grandi schlüge völlig zu schaffung der Haus Eee und in der l Punkt der italienis- ihre Aotwendigkeit begründet. Das gl ßhen Auhenministe Huben vermißt, w< Dei Anekdote t>oi 2ahr fischen fuhren, g ftnrfer als Sonnen! 6te Kutschen nicht sc d>e Autos s S*«» galt es Lr?kn' Darum h. °b, Und 'ff bch>°alben und"d S'tZr ^"urbMgd. ? weiten A°"dau Unb< ^^tttnbnu? iu be --'L-s b9Un9 öet m ^^undnu'^ren in Wirbel 1 ^ute. weil >en wohi dtchnt,, , 06 djx < Hr.95 Zweiter Blatt siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 25. April (952 MhrJührung in derAußenpolittl Außenpolitische Umschau. Don Or. Otto Hoehsch, o. ö. Prof, der Geschichte an der Universität Berlin. Dach Abschluß der Reichspräsidentenwahl und vor sich die Entscheidungen aus den Wahlen des 24. April sah sich der Reichskanzler in der letzten Woche in den Strudel der großen Politik hercingenssen. Wir wollen Holsen, daß ihm der Kops frei genug bleibt, die Ucbcr- l'cht über diese Fülle von internationalen Fragen Au bewahren, die behandelt werden müssen und die alle miteinander verbunden sind. Wir wollen uns auch einstweilen dabei belcheidcii wenn auch die Zeit dazu uns nicht mehr lange gegeben zu sein scheint — baß eine wirklich entschlossene. vorwortstreibendc Führung in der Behandlung dieser Probleme von leiten Deutschlands nicht eigentlich zu erkennen ist. Allzu leicht verwechselt man dabei auch die groben Ziele, die ja klar aufgestellt sind und über die keine Meinungsverschiedenheit besteht, mit der Behandlung der Wege, die dazu führen sollen, mit der Klarheit über diese Wege und der Erkennbarkeit der Wege, auf denen die deutsche Außenpolitik wandeln will. Die Abrüstungskonferenz nahm ihre Arbeiten programmäßig wieder auf und tritt nun in ein wirkliches Stadium der Arbeit und der Entscheidungen. Das wird dadurch bezeichnet, daß beschlossen wurde, diä Herabsetzung der Düstungen gemäß Artikel 8 des Böllerbundpaktes solle ..schrittweise durch Devisionen. die sich in geeigneten Zwischenräumen zu wiederholen haben, verwirklicht werden, nachdem die gegenwärtige Konferenz dieersteentscheidendcCtappe der allgemeinen Herabsetzung aus das ticfmög- liche Riveau vollzogen haben wird". Aus deutschen Einspruch wurde die ursprüngliche Fassung verbessert. Festgclcgt ist dUein, daß die Ab- rüstung gemäß Artikel 8 tatsächlich durchzuführen se, und die jetzige Konferenz einen ersten entscheidenden Schritt auf das tiefst mögliche Diveau vollziehen könne. Es ist nicht zu befreiten, daß damit eine Richtlinie gesunden ist. Kein Vernünftiger kann auch erwartet haben, daß die Durchsetzung einer allgemeinen Abrüstung mit einem Schlage auf einer ersten Kon- serenz erfolgen könne. Insofern bedeutet für den. der der ganzen Sache überhaupt gefolgt ist. die Entscheidung für eine etappenweise Abrüstung nichts Deues. Dagegen bleibt noch offen und muß selbstverständlich noch eingefügt oder noch- geholt werden, daß s d>o nindieerstenEnt- scheidungen dieser ersten Abrüstungskonferenz der deutsche Anspruch auf Gleichberechtigung anerkannt und eingesetzt werde. Ratürlich hat die Festlegung der Arbeiten in dieser Entschließung auf den dehnbaren, ja zweideutigen Artikel 8 der Dölkerbundssahung ihre Bedenken Aber es ist nicht zu sehen, was Deutschland, das die Abrüstungskampagne zum Teil mit diesem Artikel 8 geführt hat und außerdem Bölkerbundsmitglied ist. anders hätte tun können. Rußland, das nicht Bölkerbundsmitglied ist. konnte natürlich dagegen stimmen. Gegen die in dieser Festlegung liegenden Gefahren hat dann Deutschland bei den konkreten Punkten zu kämpfen. Dieser Entscheidung waren vorausgegangen sehr bemerkenswerte amerikanische, englische und italienische Aeußerungen. Mit größter Deutlichkeit hat sich Amerika durch den Mund seines Ber» treters Gibson auf die Beseitigung der schweren Angriffswaffen (Tanks. Giftgase, schwere Geschützes sestgelegt. Der italienische Redner G r a n d i hat sich die amerikonischen Borschläge völlig zu eigen gemacht und die Abschaffung der Hauptangriffswaffen zu Lande, zur See und in der Lust geradezu in den Mittelpunkt der italienischen Abrüstungspolitik gerückt, ihre Dotwendigkeit sehr wirksam und schlagend begründet. Das gleiche geschah durch den briti- schen Außenminister Sir John Simon. Wir hoben vermißt, was auch sonst gilt, daß die 0er Knicker. Anekdote von Wilhelm Schäfer. Dor sechzig Jahren, als die Damen noch in Kutschen fuhren, galt es für vornehm, einen Knicker als Sonnenschirm zu haben. Denn weil die Kutschen nicht so geräumig waren, wie heutzutage die Autos sind, hinderten die langen Stöcke: auch galt es nicht für schicklich, den Arm zu heben. Darum hatten die Sonnenschirme damals einen Schieber, der durch einen raschen Griff das Dach im Winkel nach hinten klappen ließ, wobei die zierlich vorgespreizte Hand nicht aus dem Schoß gehoben zu werden brauchte. And weil die Frauen selten sind, die nicht aussehen möchten, wie wenn sie täglich in einer Kutsche spazieren führen, obwohl sie all ihr Lebtag bescheiden die eigenen Beine brauchen müssen, so gab es damals in Sommerzeiten wenig zarte Traume, aus deren Himmeln nicht irgendwie ein Knicker sanft herunterschwebte. Und als im Frühjahr 1848 mit den ersten Schwalben und dem Märzwind aus Paris nicht nur die neuesten Modenachrichten geflattert kamen, da wußte eine Straßenaufseherstochter bei Ruhleben nichts von dem Ausruhr in der Welt: doch ihren Knicker fand lie schon wie eine Dame — trotz ihrer sechzehn Jahre — auf dem Geburtstagstisch. Sie ging damit am ersten Tage bescheiden nur bis Spandau, weil es regnete, und blieb am zweiten Tag gairz zu Haus, weil sie Wäsche bügeln mußte: doch als am dritten Morgen die Sonne in Dampf und Rässe blinkte, hielt sie nichts mehr, den Onkel zu besuchen, der als Inspektor im Kadettenhaus am Kupsergraben seine Dienstwohnung Jjattc. Don Ruhleben bis dahin sind fast drei Stunden, und damals fuhr die Große Berliner Pferdebahn noch nicht. Es ist auch zweifelhaft, ob sie an diesem Tage noch zuverlässig gewesen wäre: denn als das Mädchen durch den Tiergarten beim Großen Stern ankam. hatte die Erregung der inneren Stadt die Menschen aufgesogen. und nur beim Brandenburger Tor war noch ein Wirbel, weil da viel Militär die Massen flaute. Run hört, wer draußen in den Wäldern unb Winden wohnt, am Rauschen in den Baumkronen wohl, ob die Lüfte von Osten oder Süden kommen, aber dem Aufruhr einer Stadt sieht er nicht an. ob all die Menschen aus Vergnügen oder nach Geschäften so sinnlos durcheinander lauten. Und weil am Brandenburger Tor zu allen Tagesstunden etwas Militärisches vorgeht, so schritt das muntere Kind aus Ruhleben mit seinem deutsche Delegation diese Vorschläge mit aller Verve unterstützt hätte. Ern überlegtes und ruhiges Operieren der deutschen Vertreter ist natürlich notwendig, aber sie hält sich im ganzen etwas sehr von der entschiedenen Unterstützung der Vorschläge anderer zurück. Das galt für bic Stellung zu Rußland, das galt jetzt bclonders für die Stellung zu den amerikanischen und italienischen Borschlägen. Diese gehen doch abfolnt in der Richtung der deutschen Absichten und Interessen! Darum ist auch geboten, daß energisch und wirklich eindrucksvoll nach außen gesagt wird, daß Deutschland neben d i e anderen tritt. Eine ähnliche Kritik erscheint für die deutsche Behandlung der Donaufrage geboten Wir sind doch wirklich an dieser sehr stark interessiert. Die hoffnungslos werdende Wirtfchaltsauflösung im Donauraum und die für beinahe das ganze Gebiet dort drohende Finanzkatastrophe sind doch selbstverständlich von größter Bedeutung für Deutschland Man sieht gewiß aus den Erklärungen. die Herr v. Bülow in London und dann ausführlich in Genf abgegeben hat wohl ungefähr. was die deutsche Außenpolitik sich dabei vorstellt und will. Aber das reicht weder sachlich aus noch wird es auch tmit dem nötigen Rachdruck vertreten, mit z u wenig Willen zur Führung in der Sache Wir lassen diefe Dinge zu sehr an uns herankornrnen. Wir beschränken uns zu sehr auf eine gewiß vorzügliche Kritik der Vorschläge der anderen, auf die notwendige Polemik dagegen und auf eine gewisse skeptische Behandlung einer Frage, über deren gigantische Schwierigkeiten ja gar kein Zweifel besteht, die aber auch wirklich nicht ohne einen gewissen Enthusiasmus, ohne einen entschiedenen Willen vorwärts gebracht werden kann. Liegt das daran — was nicht nur von uns betont wird —, daß der Reichskanzler eben durch die ungeheueren Aufgaben der Innenpolitik und Innenwirtfchaft so stark in Anspruch genommen ist? Auch in den letzten Tagen ist zur Donaufrage viel geredet toorben: in London, dann zweimal vor dem Bölkerbundsrat. der sich mit dem Bericht des Zinanzkomitees beschäftigte, dann auf der Konferenz der internationalen Handelskammer in Innsbruck, dann auf der Tagung der Donau- fachvcrständigen der vier Großmächte und des Bölkerbundes in Lugano. Borwärtsgekommen ist die Sache nicht. Geschehen ist nichts, ober nur etwas in Richtung zunehmenber Gefahr: nachdem der Völkerbundsrat nichts zustande gebracht hatte, hat der griechische Mini st er- präsident sofort die Einstellung des Schulbendienstes verfügt. Rach Ungarn nun Griechenland, das auf fünf Jahre die Amortisation seiner Auslandanleihen einstellt unb bie am 1. Mai fällig werbenden Zinsen dieser Anleihen nicht überweist. Diese Richtüberweisung — so klipp und klar macht es Venizelos — soll solange dauern, bis bie Gelbhilfe gewährt ist. die das Finanzkomitee des Völkerbundes den Mächten empfohlen hat. Muß das nun so weiter gehen? Einer nach dem andern zu diesem Moratorium kommen, bis schließlich eine Gesamtkatastrophe für Südosteuropa da ist? Muß. um bie Sache wirklich zu beschleunigen, schließlich auch Deutsch- lanb zu einem solchen Schritte sich entschließen? Das hängt natürlich wieder mit der Kriegsschuldenfrage im ganzen zusammen. Wird darüber in Genf gesprochen oder nicht? Interessant ist jedenfalls, daß der das letzte Mal unterlegene demokratische Präsidentschaftskandidat Amerikas. Alfred Smith, sich soeben in Washington sehr bestimmt für den Aufschub der Schulden Europas auf zwanzig Jahre ausgesprochen hat. Damit hat er einen originellen Vorschlag verbunden, nämlich das Angebot an jeden europäischen Schuldnerstaat, für je 100 Millionen Dollar Baumwolle. Weizen. Tabak oder andere Ausfuhr, die der Schuldner« float von Amerika kauft, diesem 25 Millionen Dollar von seiner Schuld abzuschreiben. Der Vorschlag ist etwas roh zugehauen, aber Knicker zwischen den Bajonetten harmlos hindurch und ahnte nicht in seiner Unschuld, daß die vielen Gewehre bei Fuß schon längst mit scharfen Patronen geladen waren. Rur als cs schon Unter den Linden hinspazierte und sich ein wenig ärgerte, weil die Sonne vom von der Seite, statt von hinten auf seinen Knicker fiel, hörte es Kom- manborufc und soviel Marschtritte hinter sich, daß es erstaunt umsah und sich vor einer breiten Front Soldaten fand, die rechts und links bis an die Häuser schließend wie ein Kamm die Linden säuberte. Sie sah wohl, daß die Menschen in Ve- benstraßen flüchteten und daß sie schließlich ganz allein vor den Soldaten mit ihrem Knicker unter den dünnen Schatten der Märzbäume ging. Doch weil sonst niemals verboten gewesen war. daher zu gehen, und weil sie gar nicht ahnte, daß hinter ihr der hunbertsältige Tob anrüdtc, erlebten bic erregten Berliner an biefem schlimmen Märztag noch ein Schauspiel dreister Art. indem ein Landmädchen mit seinem Knicker kindlich prahlend das Militär aum mörderischen Druderkampf anführte Ihm selber war es freilich nicht mehr wohl zuletzt, unb als sich an der Friedrichstraße immer noch ein schüchterner Strom von Menschen und Wagen quer über die Linden schob, verschwand ihr Knicker mit nach links, um über die Mittelstraße —wo das Gewühl sich drängte unb wo ihr die Empörung in angefangenen Barrikaden und Waffen aller Herkunft deutlich wurde — sich angstvoll flatternd in das Kadettenhaus zu retten, von der Tante fast mit einer Ohnmacht und vom Onkel räsonierend empfangen, .wie wenn sie wirklich den Aufruhr dieses Tages aus ihrem friedlichen Ruhleben in dos geängstigte Berlin herein getragen hätte. Das Scherzspiel dieses Knickers, harmlos vor Tausenden von scharfgeladenen Gewehren zur Schau getragen, wäre im Sturmwind dieser Märztage von 1848 vergessen worden, wenn nicht auch hier der Zufall über Menschenwichtigkeit fein Spottfähnchen geschwungen hätte. Denn als die Barrikadenkämpfe vorüber und die Straßen der inneren Stadt von brandgeschwärzten Trümmern und Leichen gesäubert waren, daß die Menschen wieder wie sonst an ihr Geschäft und zu "Vergnügungen eilten — wie wenn der Aufruhr weder nötig noch so blutig gewesen wäre: da machte sich bie Landtochter aus Ruhleben auch wieder auf den Weg zu ihren Eltern. Und weil die Sonne frohmütig schien wie vor drei Tagen, nur diesmal in den Rückern so daß sie endlich ihren Knicker zu Recht gebrauchen konnte, spazierte sie die Linden wieder zurück zum Brandenburger Tor. Sie merkte diesmal gleich. darum um fo brauchbarer für den Wahlfeldzug. ist noch nicht entfchieden. ob nicht Smith wieder von der demokratischen Partei als Kandidat proklamiert werden wird Unb er muß doch wissen, was er riskieren konnte, wenn er istzt dielen Vorschlag fo entschieden in die Oelfent- sichkeit warf. Rur vorwärts bringt auch er im jetzigen Moment die Schuldenfache nicht, die ebenfalls einstweilen durchaus verbarrikadiert erscheint. Kommen wir überhaupt aus der Weltkrise heraus? Zeigt sich eine Aussicht zur Besserung? Statt eigener Aeußerung stellen wir die Urteile von zwei ganz hervorragenden Amerikanern zusammen, die in der vorletzten Woche zu gleicher Zeit den englischen Boden betraten. Ä c 11 o g g kam an. um im Haag seine Pflicht als Richter wahrzunehmen. und äußerte sich, daß nach feiner Meinung bic lange Per > obe der D c • Pression enbgültig zu Ende fei. eine neue Aera ber Prosperität in Amerika begonnen hätte, bah er nicht einen raschen Aufschwung erwarte, ober bas Fortschreiten zur Gesundung Genau bas Gegenteil sprach ber anbcrc bedeutende Amerikaner aus. Mellon, der seinen Posten als amerikanischer Botschafter In London antrat Er glaubt nicht an irgendeine schnelle oder sichtbare Besserung einer wirtschaft- l'chcn Depression, die zum Teil der Preis sei, den wir für den .Krieg zu zahlen hatten Und jcdenlalls bestätigt bie Lage im Homatlande der beiben Sprecher daß Mellon recht hat Dio Wirtschaftskrise in Amerika nimmt durchaus nicht ab sondern verschärft fich. und schlimmer als das ist. daß die Führer ber Wirtschaft unb Politik drüben ihr immer ratloser und hilfloser gegcnübcrftcbcn Um so mehr, meinen wir. wäre Anlaß, daß die verantwortlichen Staatsmänner Europas und unter ihnen in erster Linie der deutsche Staatsmann. so sehr wie möglich in ber gemeinsam notwendigen Arbeit vorwärts drängten In der Tatsache, daß bic von der Krise vor allem betroffenen Völker Europas schließlich so lange ausgehalten Haden, liegt boch nicht die mindeste Sicherheit bafür, baß sie sic b a u c r n b aushalten werben! Spione, Mörder und Betrüger. Mein Kampf gegen Anarchie und Bolschewismus. Don Staatsrat a. D. Wladimir Orloff. H. Wie ein zaristischer Oberst zum Spion wurde. Copyright Greiner & Co., Berlin NW 6. „Himmelkreuzdonnerivetternochmal! Ist beim ber Kanzleischreiber nicht drüben in der Kaserne?! Wie oft soll ich denn noch nach ihm rufen! Soll dem Hollenhund wohl noch eine lithographierte Einladung in seine Schreibstube schicken? He? Bin ich hier Militärchef, he?" Der Herr Oberst sind wieder einmal übelgelaunt. Der Herr Oberst haben wieder einmal zu intensiv in die Wodkapulle geblickt. Der Herr Oberst brauchen wieder einmal einen Zechkumpan, auf den er sich von wegen Diskretion verlassen kann. Ein Schweiger ist sein Kanzleischreiber, bestimmt. Und kein Wodkaverachter obendrein. Krade so ge schaffen, um neben feinem allgewaltigen Herrn Oberst still zu saufen, bis die widerwärtige Umgebung in verlockend bunten Wolken verschwindet. Ist wahrhaftig kein Vergnügen, in so einem gottverlassenen Nest wie Nawa leben und eine Truppe kommandieren zu müssen, dieses elende, ungemütliche, schmutzige Provinzneft! Himmelkreuzbonnerwetter- nochmal! Her mit dem Wodka! Prost! Dazu hat Oberst I. I. Stein den russisch-japanischen Krieg mitgemacht! Dazu hat er’s bis zum Militärchef gebracht! Daß er nun auf seine alten Tage mutter feelenoUein ausgerechnet in Rawa sitzen muß. Die Frau hat er mit Tochter und Sohn ins nahe Warschau übersiedeln lassen, das Mädel besucht zahnärztliche Kurse, der (Zunge ist, natürlich, Kadett. „Prost! Alter Junge! Der Zar soll leben' Unb alles, was jung unb schön ist! Prost! Nicht schum- mein, richtig trinken, fauler Kopf!" Der Kanzleischreiber säuft sein Quantum, bann schlummert er auf dem Sessel ein. Bitte, was soll jo ein Oberst nun anfangen?! Also geht er raus zur Köchin. Alter Trampel. Dumm, daß man mit ihr nicht ein Wort reden kann. Mit ber säuft er weiter. Das geht so Abend für Abend. Nacht für Nacht. Bald hat er am Zweiten keinen Rubel für Schnaps mehr, geschweige fürs notwendigste andere. Na, da pumpt er sich aus ber Militärkasse die er verwaltet. Wichtigkeit! Die vierzig Rubel! Wirb er eben sparsamer leben! Nochmal sechzig Rubel. Nochmal! schnaps schmeckt ja so gut! „Schenk' mir mal was, altes Schwein!" forderte die Köchin. — „Hab' fein Geld übrig!" lehnt der daß wiederum Soldaten kamen, doch nun in Marschkolonne: denn weil der König furchtsam versprochen hatte, das Militär gurückzuziehen, marschierten sie nun ab; und weil der Zufall trotz den bösen Zeiten fein Vergnügen haben wollte, war es dieselbe Kompanie, vor der das Mädchen mit dem Knicker in die Hauptstadt hinein gezogen war. Cs hatte unterdessen manchem Kameraden eine Kugel den jungen Leib durchschlagen, der nun- in einem der Massengräber oder wundfic- bernd im Spital lag: sie waren darum nicht hell gesinnt, die armen Kerle, die nun vor einem Wink des Königs, erschöpft, verhöhnt unb angewidert von solcher Straßenschlächterei, zurück in die Kasernen von Spandau zogen. Run als sie wieder den blaugeblümten Knicker, von dem dünnen Schattengesprenket der Linden überlaufen, vor sich hinschreiten sahen, da mochte mancher den Gewehrkolben kalt in den Händen fühlen vor diesem harmlosen Gegenbild der mörderischen Schießerei. Doch weil wohl einem Wanderer im dunkeln Moor das Herz vor Grausen erkalten kann, jedoch im hellen Sonnenschein, wenn viele junge Menschen im Takt daher marschieren, der Sinn auch in der bösen Stunde nach Heiterkeiten sucht, erhob sich bald ein Brausen in den Reihen. daS rasch zum schallenden Gelächter schwoll, davor das Mädchen eiliger als vor der bangen Stille des ersten Tages die erschrockenen Füße zur Flucht ansetzte. Theater-Tk-änen. Ein Problem, das die Theaterforschung feit den Tagen Lessings und Diderots immer wieder beschäftigt Hot. ist das nach den Empfindungen des Schauspielers während des Spiels. Diderot hat seinerzeit das .Parador" ausgestellt, daß sich der echte Schauspieler von dem bloßen Pfuscher dadurch unterscheide, daß er auf der Bühne feine volle Kaltblütigkeit bewahrt, nicht er soll erregt sein, sondern das Publikum. Diele Auffassung, die durch manche große Künstler bestätigt wurde, hält aber doch vor der modernen psychologischen Erkenntnis nicht stand Cs ist unmöglich, aus eigener Gefühllosigkeit heraus so starke Empfin- düngen in der Maste zu erzeugen, wie es der bedeutende Mime vermag. Zum mindesten muh ein starkes, das Innere aufwühlendes Erleben voran- gegangen sein, das dann gewissermaßen automatisch wurde und immer noch durch die Darstellung hindurchleuchtet. Don verschiedenen Helden der tocltbcbeutenben Bretter wird uns berichtet, daß sie sich vor dem Auftreten künstlich in Erregung Oberst ab. — „Nimm doch wieder aus der Kasse?" — „Woher weißt du ? Das ist nicht wahr! Ich habe nie etwas aus der Kaffe genommen!" — „Doch! Du weinst es mir doch immer, wenn du besoffen bist, vor! Ich muß dir doch bic Schnauze bann zuhalten, damit es nicht der Bursche hort, was er für einen feinen Chef hat! Unb nun willst du bich sogar vor einem Geschenk für mich drücken!" Also schenkt er ihr. Natürlich vom „entliehenen" Geld aus ber Militärkasse Immer mehr. Plötzlich erscheint ein Warschauer Offizier. Zur Kontrolle. Oberst Stein weiß sich keinen Rat. Seine Karriere scheint am Enbe. Er läuft zu einem Wucherer. Der pumpt ihm rasch fünfhundert Rubel. Die Kontrolle ergibt nichts Belastendes. Es stimmt alles. Na, wäre ja auch noch schöner! Ein paar Tage später meldet die Köchin einen Mann, so gegen Dreißig, glattrasiert, nicht groß, nicht unsympathisch. Arnold Bart. „Was will er?" — Die Köchin fragt ihn draußen — „Privater Natur! Ich komme von «aller!" — Hoppla. Salier ist der Wucherer. Er will allo die fünfhundert Rubel zurück. Raus mit dem Hund! Es ist ja noch zwei Monate Zeit! Oder vernünftiger, mit ihm verhandeln? Ja? Richtiger! Klüger! Bitte, eintreten zu wollen. Arnold Bart erscheint. Ein sehr höflicher Herr, verbeugt fich tief, als ob er sich entschuldigen wolle, daß er lebt. „Bitte, nehmen Sie Platz, Herr Bart. Was führt Sie zu mir?" — „Sind wir allein?" — „Sie können reden! Bitte, einen Wodka? Prost! Zigarre? Bitte? Feuer, bitte!" „Ihr Freund Salier sendet mich zu Ihnen. Er will Ihnen behilflich sein. Sie sollen endlich etwa» verdienen. Damit Sie die Schulden loswerben. Ich habe eine ausgezeichnete Idee. Wir beide drucken Postkarten mit einem Abdruck russischer Banknoten auf der Vorderseite. Gelbe Postkarten mit einem Rubel, grüne mit drei, blaue mit fünf und rote mit zehn. Sie verstehen mich? Das ist hübsch und originell. Wir kaufen das Papier in Antwerpen, wir bestellen die Maschinen in Guben, die Klischees macht uns ein guter Bekannter, Wladimir Litwinowitsch in Sudowaja Wischnja bei Cornberg. Sie verstehen mich?" Ob ihn der Oberst versteht! Er überlegt nicht lange. Ist einverstanden. „Aber wie können wir denn zu Litwinowitsch reifen, Bart? Ich muß mir doch erst einen Auslandurlaub von der vorgesetzten Behörde verschaffen!" — „Aber, mein bester Oberst! Das machen wir viel einsacher^und viel unauffälliger! In Czenstochau lebt ein guter Bekannter von mir. Cin Deutscher. Ein gewisser Heinrich Baranek. Der bringen, an einem Pfosten hinter den Kulissen rütteln, zu schimpfen anfangen oder einen Stroit vom Saune brechen. Auch das spricht dafür, daß der Schauspieler selbst eine gewisse Ausregung braucht, um gut zu spielen. Besonders hat man sich immer damit beschäftigt, ob die Komödianten auf den weltbedeutenden Brettern „richtige" Tränen weinen. Daß dies zum mindesten sehr häufig der Fall ist. betont der englische Dramatiker und Theaterkritiker St. John Ervinc in einem Aufsatz, in dem er hauptsächlich das Beispiel der Sarah Bernhard anführt. Er ist ein entschiedener Gegner der Ansicht von der Gefühllosigkeit des Schauspielers bei seinem Schaffen. ..Alle guten Schauspieler empfinden außerordentlich stark bei ihren Rollen", schreibt er. .Ich habe eine Schauspielerin: während einer Probe von der Bühne kommen sehen, während ihr die Tränen über die Wangen liefen. In Wien sah ich bei einer Erstausführung Fritzi Massary von der Bühne kommen, nachdem sie eine erregte Szene gespielt hatte. Eie schluchzte laut. In den Erinnerungen an Sarah Vernarb erfahren wir immer wieder, wie viel sie bei ihren „großen Szenen" weinte, auch auf der Probe Sie probte ja stets: sie kümmerte sich um alles beim Theater, wie ihr Partner Lou 2eliegen in seinen kürzlich erschienenen Erinnerungen erzählt. Sie war unersättlich im Rachdenken über ihre Rollen und war bei jeder Vorstellung wieder eine andere. Reynaldo Hahn, der sic wohl besser gekannt hat als irgendein anderer, berichtet in seinen Memoiren. daß er sie bei einer Probe von Octave Feuil- lote „Julie" auf der Probe geradezu in Tränen aufgelöst sah. „Ich kann mir nicht helfen: ich muh weinen", erklärte sic schluchzend. „Ich durchlebe jedes Leid auf jeder Probe von neuem; sonst könnte ich später nicht gut spielen" Es gab gewisse Szenen, bei denen sie sich ..völlig ausgab" und nachher geradezu zusammenbrach. Dazu gehörte die Abschiedsszene in „Adrienne Cecou- vreur". Sie war stets danach völlig erschöpft und wurde oft ohnmächtig. „Es ist eine Art von Blutleere im Gehirn, die bei mir durch solche Aufregungen entsteht", sagte sie. „Mein Kreislauf stockt, meine Arme und Beine werden kalt und sterben ab .. Sochschulnachnchten. Der a. o Profestor Dr. Hugo Dingler von ber Philosophischen Fakultät der Universität München hat einen Ruf auf den Lehrstuhl für Philolophie an der Technischen Hochschule in D a r m ft a b t erholten. stellt uns gern feinen Paß für Sie für die beiden Tage Aur Verfügung. Sie fahren in Zivil. Verstehen Sie? Mit diesem Paß reisen wir bequem nach Galizien und zurück. Vor allem, wo Sie doch als Ab- tommling deutscher Kolonisten so fließend deutsch sprechen!" Das Geschäft geht in Ordnung. Samstag darauf fahren die beiden neuen Freunde nach Czenstochau. Wie verabredet, pumpt ihm Baranek den Paß. Den zeigt der Russe an der Grenze vor. Selbstverständlich wird er ohne jede Beanstandung nach Galizien durchgelassen. Der Oberst atmet aus. Ein bißchen hat er doch Angst gehabt. Es wäre ja auch peinlich gewesen, wenn man ihn mit einem falschen Paß ohne Urlaub obgesaßt hätte. Kaurn sind sie drüben, geht die Abteutür auf. Vier Herren treten ein. Fragen den Bart: „Wohin reisen Sie?" — „Nach Sudowaja Wischnja!" erwidert Bart erstaunt. — „Sie wollen wohl zu Wladimir Litwinowitsch?" — „Ja! Tatsächlich!" — „Der ist seit einiger Zeit in Wien! Kommen Sie am besten gleich mit nach Wien!" erwidert der eine der Fremden. — „Und wie ist Ihr Name?" forscht jetzt der zweite Unbekannte. — „Ich heiße Arnold Bart." — „Und der Herr, will er auch zum Litwinowitsch?" — „Gestatten Sie, mein Name ist Heinrich Baranek!" stellt sich Stein vor, um alle Fragen kurzerhand zu verhindern. — „Das paßt ja fabelhaft, Herr Baranek! Sie kommen wohl auch gleich mit nach Wien? Gestatten Sie, Hauptmann Lehr vom kaiserlich-königlichen ..." und brabbelt etwas Unverständliches vor sich hin. Oberst Stein erblaßt. Er wird um Jahre älter, der Unglückselige. In eine Falle gelockt? Dieser Gauner, der Bart! Oberst Stein nimmt sich zusammen, schweigt, fügt sich zunächst in feine Lage. Erklärt sich mit der Reise nach Wien einverstanden. Die Herren stellen sich alle als ö st e r r e i ch i s ch e O s s i - ziere vor. Bleiben neben ihm im Kupee, lassen ihn nicht auf den Gang herausgehen, besorgen ihm alles, was er sich wünscht. Wien. — Stein steiat aus. Die vier Herren um ihn. Bart hinter ihnen her. Flüstert dem Oberst zu, daß er sich doch erst mal beruhigen soll. Es fei alles doch nicht fo schlimm. Vor dem Bahnhof wartet ein Auto. Die Sechs nehmen Platz. Stein hinten auf dem schönsten Platz, Bart neben ihm, die Offiziere wieder als Wächter vor ihnen. Vor dem Kriegs- minifterium halten sie. Steigen aus. Geleiten Stein in ein Zimmer im ersten Stock. Ein schöner, großer Raum mit einem breiten Schreibtisch. Dahinter ein österreichischer Oberst. „Darf ich bitten, Plast zu nehmen, Herr Oberst Stein?" beginnt der Oesterreicher sofort die Unter- Haltung. „Sie wollten in Oesterreich eine Falschgeldfabrik einrichten? Das ist doch gar nicht notwendig. Wenn Herr Oberst wirklich soviel Geld benötigen, so könnte man sich doch darüber unterhalten. Man verlangt ja nichts Unerlaubtes von Ihnen, Herr Oberst. Nichts, was etwa gegen Ihre Pflicht verstößt. Sie brauchen nur diesen Fragebogen in russischer Sprache auszufüllen. Es sind alles keine Geheimnisse. Aber Oesterreich sieht es gern, wenn Sie. als Militärchef von Rawa die fachmännische sichere Auskunft geben ..." Oberst Stein überfliegt den Bogen. Er findet nichts, was etwa gegen das Staatsgeheimnis verstoßen würde. Darum beantwortet er sofort alle Fragen. Der österreichische Oberst notiert sich jedes Wort. Am Ende dieser Unterhaltung zieht er aus seinem Schreibtisch siebenhundert Rubel und überreicht sie dem Russen mit allerbestem Dank für die liebenswürdige Auskunft ... Zwei österreichische Offiziere bringen ihn wieder ins Auto, zum Bahnhof, in ein reserviertes Abteil erster Klaffe bis zur Grenze zurück, verabschieden sich von ihm und lassen ihn zurück nach Rawa fahren. Noch hat er eigentlich nicht begriffen, was man da mit ihm gemacht hat. Das einzige, was er genau weiß, ist, daß er nun den Wechsel pünktlich bezahlen kann und obendrein noch zweihundert Rubel besitzt. Kaum ist er wieder in seiner Wohnung, da beschließt er, sich auch weiterhin nicht viel Gedanken über diesen Zwischenfall zu machen und sein Leben in der liebgewohnten Form weiterzugenießen. Der Wechsel wird eingelöst, die Gefahr zieht vorüber. Der Druck der letzten Woche schwindet. Schnaps, Köchin und Sgrten tauchen wieder auf. Bald ist von dem Geld keine Kopeke mehr vorhanden. Ein neuer Wechsel wird unterschrieben. Und in gleicher kritischer Stunde läutet es abermals vor der Tür. Herr Arnold Bart tritt ein. „Wollen wir nochmal nach Sudowaja Wischnja reifen, Herr Oberst? Da wartet viel Geld auf uns!" — Der Oberst lacht nur. Sagt keinen Ton. Wenige Minuten später ist er schon in Zivil im Zimmer. Abfahrtfertig ... Wieder hilft der Paß des Deutschen Baranek. Bart löst gleich ein Billet nach Wien. Wozu erst die umständlichen Ausreden. Stein weiß doch Bescheid. In Wien wiederholt sich alles. Die Begleiter. Das Auto. Der Oberst hinter dem Pult. Der Fragebogen. Allerdings die Fragen, die verdammten Fragen sind etwas kitzliger als neulich. Oberst Stein, Militärchef von Rawa, wird stutzig. „Nein, diese Fragen kann ich nicht beantworten!" Stein ist entschlossen, sein Vaterland nicht zu verraten. „Ja, bann müssen wir allerdings gegen Sie wegen Paßoergehens vorgehen. Das wäre natürlich äußerst unangenehm ... nach all dem, was schon zwischen uns gewesen ist ... Sehen Sie mal, Herr Oberst, seien Sie doch vernünftig! Wir haben ja längst alle diese Fragen beantwortet. Wir wollen Sie nur einmal gegenprüfen. Wenn Sie's uns nicht sagen, bann erklärt es uns ein anderer. Selbstverständlich! Sie können mit tausend Rubeln rechnen, wenn Sie den Fragebogen wahrheitsgetreu aus- Men!" Stein sieht sich in die Enge getrieben. Er hat weder Zeit noch Möglichkeit, lange zu überlegen. Also macht er, was man von ihm verlangt. Und reift mit der Summe zum Standort zurück. Noch mehr als bisher wirft er mit dem Gelbe, kleidet die Köchin neu ein, säuft, spielt mit den unmöglichsten Gesellen Karten. Und wieder läutet’s abends in der Wohnung des Militärchefs, abermals erscheint Arnold Bart bei ihm. Aber er fordert ihn nicht mehr zu einer Reise nach Wien auf. Wozu derlei überflüssige Spesen? Er braucht sich überhaupt nicht zu bemühen. Möchte nur den hiermit überreichten Fragebogen ausfüllen. Der Oberst lieft das neue Formular. „Wladimir Litwinowitsch würde Ihnen dreihundert Rubel Vorschuß zahlen", meint Bart. „Und wenn Sie ihm die geheimen Generalstabskarten nach Wien bringen, sollen Sie weitere dreitausend bekommen ..." — „Ich kann diese Karten und die Informationen gar nicht besorgen. Sie sind so geheim, daß sie nur bei den Stäben der Militärkreise Warschau, Kiew und Petersburg zu haben sind." — „Ich glaube ja nicht, lieber Oberst, daß sich Wladimir Litwinowitsch auf diese Ausrede hin zufrieden geben wird. Er müßte bann, so schwer es ihm auch wird, den persönlich von Ihnen ausgefüllten Fragebogen an die Warschauer Spionageabwehr lenden ... Ich meide auch, lieber Freund daß Sie sich nicht mit Litwinowitsch überwerfen sollten. Ver- stehen Sie?" Stein bittet schweren Herzens um einen Zweiwöchigen Urlaub, reift nach Petersburg, nach Kiew, besorgt alles, was Litwinowitsch gefordert hat, packt es in einen kleinen Koffer, fährt nach Czenstochau zum Paßbefitzer Baranek, nimmt feine Papiere und sauft mit der Bahn bis zur österreichischen Grenze, bis zur Station Granitza. Es ist ihm nicht wohl. 2lm liebsten möchte er nicht nach Wien. Er fetzt sich ins Bahnhofsreftaurant, schüttet einen heißen Tee her- unter. Da tritt ein Gendarmerieoffizier an seinen s,Wohin reisen Sie?" — Stein fährt erschreckt auf, nennt die Station. — „Aber das ist doch das Signal für Ihren Zug!" — Stein erhebt sich aufgeregt, läuft durch bas Restaurant zur Tür. Wie ein Irrer. — „Halt! Herr! Ihr Gepäck!" — Stein hat in feiner (Erregung den wichtigen Koffer vergessen. Er stürzt zurück, holt bas Täschchen. Sechs Männer brängen ihn durch eine Seitentür in eine kleine Stube. In bie Polizeiwache. Man hat ihn vom ersten Schritt seiner Reise verfolgt ... Tags barauf sitzt der abgesetzte Militärchef schon in der Warschauer Zitabelle, Pavillon X ... Mich wählt man zum Untersuchungsrichter. Man führt ihn mir vor. Ein uralter Mann steht vor mir. Mit bcm Leben fertig. Man schickt ben Dreiunbfünfzig- jährigen auf zwanzig Jahre zur Zwangs- arbeit ins tiefste Sibirien ... Vezirksschöffengmchf Gießen. • Gießen, 22. April. Ein junger Angestellter der Wetterauer Volksbank in Friedberg hat, ohne irgendwie in Rot gewesen zu sein, die Dank um den Betrag von über 2500 Mk. geschädigt. Er tat dies in der Weise, daß er zur Ablieferung bei der Dank ihm übergebenen Gelder unterschlug: ferner unterzeichnete er Quittungen mit fremden □tarnen und verwandte das von der Dank auf Grund dieser Quittungen ausbezahlte Geld für sich: schließlich änderte er auf Quittungen, die die Dank ausgestellt hatte, die (Beträge ab und übergab die gefälschten Quittungen den Einzahlern. Das so erschwindelte Geld hat er in lustiger Gesellschaft durchgebracht. Ein dauernder Schaden ist nicht entstanden, da sein Vater die unterschKlB genen Deträge ersetzt hat. Wegen LlnterschlagunL Betrugs und schwerer Urkundenfälschung erhiell der Angeklagte neun Monate Gefängnis. Bier Wochen Gefängnis wegen 11» kunbensälschung erhielt ein Steinbrucharbeiter, der. um eine höhere Arbeitslosenunterstützung zu et» halten, Arbeitsbescheinigungen verfälscht und von ihnen dem Arbeitsamt Gießen gegenüber Gebrauch gemacht hat. Drei Monate Gefängnis wegen Un* terschlagung im Amt erhielt ein Polizeidiener, de» Diehversicherungsbeiträge, die er einkassiert hatte, unterschlug. Auf die gesetzliche Mindeststrase wurde erkannt, weil der Angeklagte in Rvt war und weil er den Schaden inzwischen wieder gutgemacht hat. Mit einem Mongt Gefängnis wegen Urkundenfälschung wurde ein Ingenieur bestraft, der für ein kleines Darlehen, das er erhalten hatte, nachträglich ein gefälschtes Sparkassenbuch als Sicherheit gab. SJL-tfpont Spielvereinigung 1900 Gießen. „Olympia" Frankfurt in Gießen zu Gast. Die Spielvereinigung 1900 hat sich als Gegner ihrer Liga einen Vertreter ber Frankfurter Kreisliga verpflichtet. „Olympia" Frankfurt hat sich in ben Verban'bsfpielen einen guten Tabellenplatz gesichert unb sollte auch für bie Blauweißen einen ebenbürtigen Gegner abgeben. Es interessiert beson- bers, baß sich bie Gäste bes morgigen Sonntags gegen bie Liga bes VfB. Friebberg mit einem Un- entfchieben von 3:3 halten konnten unb dadurch einige Spielftärke unter Beweis gestellt haben müssen. In Langen konnte bie Mannschaft mit 3:1 siegreich sein. Die 1900 treten ben Gästen voraussichtlich in stärk- fter Aufstellung gegenüber. Allerbings ist Heilmanns Mitwirkung noch fraglich. Der Ausgang bes Kampfes ist (Entscheibenbes läßt sich über bie Spielstärke ber Gastmannschast nicht sagen, bevor man sie spielen sah) durchaus offen. Ein Sieg bürste aber ben 1900ern kaum gegeben fein, wenn sie roieber so schlecht spielen, wie am vergangenen Sonntag gegen ben Lokalgegner. Der Platzvorteil allein wirb bas Spiel nicht entscheiben. Die Ligareserve tritt gegen bie 1. Mannschaft von „Teutonia" Watzenborn-Steinberg an, bie in letzter Zeit von sich reben machte. Das Vorspiel enbete 3:1 für Seinberg, unb bie 1900er mußten sich beugen, denn bie Gäste bes morgigen Sonntags spielen ausgezeichnet Fußball. Das bewiesen Sie auch im Spiel gegen bie Liga bes VfB. 1900 wird auch hier bie stärkste Vertretung ins Felb stellen "müssen, wenn ihnen auf eigenem Platze nicht auch eine Nieberlage beschert sein soll. Die Leyrmannschaft hat bie 1. bes VfB. Aßlar zum Gegner. Die 1900er sollten sich auch hier, wenn auch erst nach Kampf, erfolgreich burchsetzen. Die 4. Mannschaft trägt ein Spiel gegen „Teutonia" Steinberg II aus. Das Vorspiel entschieden bie Blauweißen für sich unb auch biesmal liegt ein Sieg, zumal bas Spiel auf eigenem Platze ausgetragen wirb, im Bereich ber Möglichkeit: bie Gäste bürfen nicht unterschätzt werben. Die V. empfängt bie II. des VsR. Lich. In ber Gießener Mannschaft befinden sich viele Anfänger unb bie Spielstarke der Licher ist nicht bekannt, so daß es auf ber Hut zu sein gilt, wenn eine Ueberraschung Dermieben werben soll. 3ugcnbfpiele. Die 1. Jugenb empfängt bie 1. von Nibba im Gesellschaftsspiel, bie 1. Schüler fahren zu einem Rück- spiel nach Großen-Buseck. 2. unb 3. Jugenb finb spielfrei. BfB. Gießen. Der VfB. hat am morgigen Sonntag sechs Mannschaften im Spielfeld. Die Ligareserv»>tritt gegen die 1. Mannschaft von Heuchelheim an, die 3. Mannschaft spielt auf eigenem Platze gegen die 1. Mannschaft von Steinbach. Die Alten Herren spielen ebenfalls auf eigenem Platz gegen eine kombinierte Mannschaft von Lollar. Die 1. Jugend empfängt die 1. Fugend von VfB. Kurhessen Marburg und hat damit einen spielstarken Gegner vor ber Klinge. Die 2. Fugend tritt auf dem Waldsportplatz gegen die 1. Fugend von Watzenborn-Steinberg an, während die 1. Schüler in Heuchelheim gastieren. Gchiedsnchiervereinigung Gießen. Schiedsrichiervereinlgung Gießen — Buhbach Alte Herren. Eine Mannschaft ber Gießener Schiebsrichterver- einigung, beftend aus burchweg älteren Schiebs- richtern, weilt heute, Samstag, in Butzbach, um gegen bie bärtigen Alten Herren ein Gefellfchafts- spiel auszutragen. Die älteren Schiebsrichtern finb bemüht, sich burch berartige Spiele ihre körperliche Wiberstandskraft zu erhalten unb mit ben Vereinen engere sportliche Beziehungen zu pflegen. Sportverein 1920 Heuchelheim. Die 1. Mannschaft bes Sportvereins Heuchelheim empfängt am Sonntag bie voraussichtlich durch einige Ligaspieler verstärkte Ligareserve bes VfB. Gießen. Die Gäste bürsten bas Spiel für sich entscheiden, denn sie befinden sich gegenwärtig in ausgezeichneter Form. Die Platzmannschaft wirb alles aufbieten müssen, wenn sie ein ehrenvolles (Ergebnis erzielen will. Vorher stehen sich bie Schülermannschaften ber beiben Vereine gegenüber. Gporlabieilung des Turnvereins Lollar Am tommenben Sonntag empfängt bie Sportabteilung bes Tv. Lollar brei Mannschaften ber Spiel» Vereinigung Leihgestern. Zuerst spielen bie zweiten Mannschaften, sodann treten die ersten Mannschaften an, den Beschluß der Spiele bildet bas Treffen ber Schüler. Die 2. Elf sollte sich einen Sieg sichern können. Der Ausgang bes Spieles ber beiden ersten Mannschaften ist ungewiß. Don ben Schülern erwartet man weniger einen harten Kampf um ben Sieg, als ein schönes Spiel. Handball im Gau Hessen (O.T.) Lang-Göns I — Hörnsheim I 3:4 (3:1). Beibe Mannschaften lieferten sich in Lang-Göns einen (pannenben Kampf. Die Einheimischen gingen bald in Führung unb lagen bei Halbzeit mit 3:1 Toren in Front. Nach der Pause konnten bie Gäste das Spiel etwas überlegener für sich gestalten unb als glücklicher Sieger ben Platz verlassen. Bei bem Treffen der zweiten Mannschaften entschied bas bessere Zusammenspiel ber Einheimischen. Mit 4:1 Toren enbete das Spiel für Lang-Göns. Die 1. Mannschaft des Turnvereins Stein- Linden tritt am kommenden Sonntag inLützel- linden gegen die 1. Mannschaft des dortigen Turnvereins an. Der Ausgang des Freundschaftsspieles ist nicht vorherzusagen. Klein-Lindens Zweite empfängt auf dem hiesigen Sportplatz bie Zweite von Lützellinden. In Großen-Linden herrscht am Sonntag Hochbetrieb. Die 1., 2. und die Schülermannschaft des Tv. Großen-Linden empfängt die gleichen Mannschaften bes Tv. Lang-Göns. Den Reigen der Spiele eröffnen die Schüler, sodann spielen die beiden 1. Mannschaften (hier sollten bie Großen- ßinbencr, wenn sie an bie Leistung in Alsfeld an- knüpfen, den Sieger stellen), zum Schluß treten die 2. Mannschaften an. Auch hier sollten die Platzbesitzer' siegreich fein. Schlepp-Flugversuche im Gießener Flughafen. Auf dem Flugplatz ist ein Hochleistungs- Segelflugzeug neu in ben Dienst gestellt worben, mit bem Schleppversuche vorgenommen werben sollen. Bei ben Schleppstarts, bie aus ber Ebene erfolgen, wird bas Segelflugzeug an einem 100 Meter langen Stahlkabel von einem Motorflug, zeug in bie Luft geschleppt und in einer gewissen Höhe von dem Motorflugzeug gelost, um bann felb- ftänbig ben Flug fortzusehen. Bei dem auf unserem Flugplatz in Dienst gestellten Segelflugzeug handelt es sich um ein Hochleistungs-Segelflugzeug, Type „Kassel 25", mit einer Spannweite von 18 Meter und einer Länge von 6,5 Meter. Das Flugzeug ist von dem „Fieseler Flugzeugbau" in Kassel hergestellt. Nach einer genügenden Anzahl von Versuchen wird das Segelflugzeug von der Südwestdeutschen Sport- fliegeroereinigung zu Vorführungen auf Flugtagen zur Verwendung kommen. Die Südwestdeutsche Sportfliegeroereinigung veranstaltet morgen Sonntag einen Flugtag in Hungen. Der nächste Sprech- abend findet am 27. April statt. Launsbach — ^odheim - Kinzenbach. Launsbach siegt abermals im Gerätemannschaftskampf. Der Gerätemannschaftskampf zwischen den Mannschaften der Turnvereine Launsbach, Kinzenbach und Rodheim (Bieber) gelangte nunmehr zum dritte Male zum Austrag. Launsbach stellte abermals den — allerdings glücklichen — Sieger vor Rodheim. Rodheim war in den Leistungen gleichwertig, lieh aber die nötige Routine im Wettkampf vermissen. Außerdem war die Mannschaft gerade am ersten Gerät (Pferd) von viel Pech verfolgt. Der Sieger könnte sich infolgedessen schon am ersten Gerät einen Dorsprung Nachdem ber Polizeisportverein Butzbach mit feinem Hallen-Handball-Turnier vor einiger Zeit beispielgebend oorausging, hat nun die Gießener Turnerschaft die Initiative ergriffen und für den kommenden Sonntag zu einem Turnier eingelaben. Diese Handball-Turniere sollen — hier geht die Turnerschaft einen Schritt weiter — eine ständige Einrichtung werden. Jeweils nach Schluß und vor Beginn einer neuen Sommerspielzeit will man sich in Zukunft in der Halle ein Stelldichein geben. Der Handballsport wird auf diese Weise Freunde gewinnen, die er sonst nicht gewinnen konnte. Für den kommenden Sonntag wurden nicht weniger denn 16 Mannschaften verpflichtet. Turner und Sportler werden um ben Sieg ringen. Vier Vereine finb aus dem Lager ber DSB. 11 aus ber Deutschen Turnerschaft und außerdem nimmt bie Bataillonsmannschaft teil. Die Kämpfe werben in zwei Gruppen ausgetragen. Der Sieger wirb in Vor-, Zwischen- unb (Enbrunbe ermittelt. Die Mannschaft, Die in ber Vorrunde verliert, scheibet sofort aus bem Kampfe aus. In ber Gruppe I treten sich gegenüber: Mv. Gießen — Polizei Butzbach Tgmbe. Friebberg — Tv. Großen-Buseck Tv. Bab Homburg — Bataillon Gießen Tv. 1846 Gießen — VfL. Wetzlar. Eine Voraussage über ben Ausgang ber Kämpfe in dieser Gruppe ist nur schwer möglich. Mtv., das Bataillon, die Polizei Butzbach und Großen-Buseck stellen vorzügliche Mannschaften. Polizei Butzbach hat die meisten Aussichten. Die anderen sind aber durchaus ernste Konkurrenten. In ber Gruppe II sind folgende Begegnungen vorgesehen: 1900 Gießen — Tv. Heuchelheim Tv. Münchholzhausen — Tv. Krofdorf T. u. Spo. Marburg — Mtv. II Gießen Tv. Pohl-Göns — VfB. Gießen. In ber Gruppe II erscheinen verschobene Mannschaften, bie zum ersten Male in ber Halle auftreten. Die Situation ist infolgebessen unklar. Heuchelheim gefiel beim letzten Turnier sehr gut und hat eigent- sichern, der nur schlecht aufzuholen war. Launsbach konnte den VorsprunL am Barren noch etwas vergrößern. Kinzenbach und Rodheim hielten sich an diesem Geräte die Waage. Das Reck brachte die Rodheimer etwas in Front, der Vorsprung, den Launsbach hatte, wurde etwas verringert, Kinzenbach lag hier in der Einzelvorführung knapp hinter Launsbach. Das Ergebnis an den Geräten lautete: Launsbach 498 Punkte, Rodheim 494 und Kinzenbach 465 Punkte. Bei den Freiübungen erzielte Launsbach 52, Kinzenbach 51 und Rodheim 50 Punkte, so daß sich das Schlußergebnis auf 450 Punkte für Launsbach, 444 für Rodheim und 416 für Kinzenbach stellte. Arbeiter-Turn- und Sportbund. Am Sonntag ist Heuchelheim mit drei Mannschaften in Großen-Linden zu Gast. 2m Vorspiel konnte Heuchelheim 1. überlegen Sieger bleiben und wird sich auch diesmal den Sieg nicht streitig machen lafWi. Ob es aber auch bei den unteren Mannschaften zum Siege reichen wird, ist fraglich. Saubringen 1. ist in Grimberg zu Gast und sollte Sieger bleiben. Londorf 1. hat Lollar 1. zum Gegner. Lollar hat die besseren Aussichten. Annerod 1. ist in Lang-Göns zu Gast unb sollte einen Sieg mit nach Hause bringen. Lich 1, und Hungen 1. dürften sich in Lich ein gleichwertiges Spiel liefern. Hungen 2. ist in Lindenstruth zu Gast. Saasen 1. hat Großen-Buseck 2. zum Gegner und sollte als Platzbesitzer siegreich sein. » Zum Aufstiegspiel zur K re is klasse stehen sich am Sonntag in Altenstadt (Meister des 6. Bezirkes) Altenstadt 1. und Allendorf (Lahn) 1. (Meister des 3. Bezirkes) im Vorspiel gegenüber. Beide Gegner stellen junge, flinke Mannschaften, die eine ruhige Spielweise pflegen. Der Ausgang des Kampfes ist offen. Handball. Aus dem Trieb stehen sich am Svnntagvor- mittag Gießen 1. und Wieseck 1. in einem Freund«, schaftsspiel gegenüber. Wieseck tritt mit verjüngter Mannschaft an, die einen schweren Stand haben wird. Trotzdem dürfte ein abwechslungsreiches Spiel zu erwarten sein. Gerate-WeUkamPf. Wieseck — Offenbach. Rachdem in den einzelnen Bezirken des 9. Kreises die Bezirksmeister im Mannschafts-Geräteturnen ermittelt worden sind, beginnen am Sonntag die Wettkämpfe der Bezirksmeister um die Kreismeisterschaft. Beteiligt hieran sind die Vereine Dreieichenhain (1. Bezirk), Frankfurt-Böcken- heim (2. Bezirk), Wieseck (3. Bezirk), Offenbach (4. Bezirk) und Weisenau (5. Bezirk). Zum ersten Wettkampf empfängt nun Wieseck die Offenbacher Geräteturner. Der Wettkampf bringt nur Kürübungen an den drei Hauptgeräten (Darren, Pferd, Reck) und 10 Minuten Gymnastik. lich bie besten Aussichten auf den Sieg in dieser Gruppe. Als Schiebsrichter sind bewährte Kräfte gebeten woben. Wilke (Frankfurt), ßangsborf (Bab- Nauheim), Ientzsch (Gießen), Bauernschub (Wetzlar) unb Rieß (Gießen) haben kein leichtes Amt. Ein Schiebsgericht einzufetzen, hat man nicht vergessen. Die ßeitung ber Veranstaltung liegt in ben Händen ber Spielwarte Mohr (1846) und Ritsert (Mtv.). Neben den voraussichtlich aus diesmal wieder spannenden Wettkämpfen soll ein abwechslungsreiches Beiprogramm bie Zuschauer unterhalten. Die Reichs- wehrkapelle hat ihre Mitwirkung zugesagt. Die Damen ber Turnvereine Mtv. unb 1846 flehen sich im Faustballspiel gegenüber. Die Faustballmannschaft bes Mtv. ist seit langer Zeit Gaumeister und ist eigentlich in diesem Treffen zum Siege verpflichtet. Sie werden allerdings in ben Damen von 1846 keinen leichten Gegner finden. Eine Riege ber Gießener Turnerschaft wirb ihr Können am Barren zeigen. Schick, Reuter unb Burkhardt sind dabei. Fräulein Will und Herr ßoh vom Gießener Eisverein werden Rollschuhkunstläufen zeigen. Ein Aufmarsch ber etwa 200 Sportler in buntem Dreß, der sehr einbrucksvoll zu werben verspricht, Musik und eine Ansprache des 1. Sprechers ber Gießener Turnerschaft, Unioerfitäts - Bureaubirektor (Erle, werben die Veranstaltung einleiten. Die Preisverteilung findet im Anschluß an bie Wettkämpfe in ber ßiebigshöhe statt. Für bie Siegermannschaft ber Gruppe I ist als Preis eine große gerahmte Plakette ausersehen, ber Sieger ber Gruppe II erhält eine künstlerisch ausgeführte lose Bronzeplakette, bie 2. unb 3. Sieger erhalten Diplome. Der Wettbewerb, ber ßanb» und Stadtvereine, Turn- und Sportvereine einander gegenüberstellt, wird seine Anziehungskraft nicht verfehlen. Der Ausgang der Spiele wird interessante Pergleiche über die Spielstärke ber Mannschaften unter sich zulassen. Das Zustanbekommen der Veranstaltung ist ein schönes Zeichen ber Zusammenarbeit, bie heute zwischen Turn- unb Sportvereinen,. zwischen Stabt unb ßanb, immer mehr gepflegt wird. (Man beachte die heutige Anzeige.) Erste« Hallen-Handball-Turnier der Gießener Tnrnerschast. Eine Großveranstaltung in ber Voltshalle. — 16 Mannschaften im Wettbewerb. IIIIIIIIIIIIIIIMIIIIIIIIIIIIIIIHI cf>< 'lU9- ! $ teJ S'A", l.ar) “ 'erhielte" Verdat y.erau und Sa ötrc,nlS.Sleinber$ * Är" s-K Anfragen wurden Auttenaulr ö Lauterbach- 1 MschaststamMr.Au lenauktronvar 'Ma. Die erzielten Aen Erwartung rungspre.se vonjm» iw vorigen Jahtt tt tracht der schlechten I meinben M nicht w gemeldeten Tieren n ben: darunter beson! Äichtmaterial könnt sihr gut bezeichnet v tonnten IS Tiere m 1 Preis erhielt ' 2. Preise erhielten Ulrichstein, h. Scho (A 3- herch Schneider (Kirto. miß I. (Heuchelheim Ärbeilerkolonie New der-Breidenbach), K. pertshäuser (fit (Angersbach). Bon 3 den insgesamt 29 ve zwischen 30 und 640 betrug 405 Mark füt Der gleichzeitig ab, war durch die Bullen Hertel unb einige ü entwickelte sich lebho Markt nicht ganz gt acht Wochen alte Fe Vü ältere bis yi 23 I schweine wurden 2k bezahlt. Lam X Wieseck, Landwirt Hein 25. d. M. seinen 8 des Jubilars hak litten: im übrige guten Gesundheit 1( g< Reich auf t £££•* S 'in,, L? lhrenunverbTn, Haben Mart Ditte sowie alle Sorten See- u, Fl SAHe Arten Räucl Pit Ai Koc Mäusburg 15 te iiiiiimiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiujiiininiiiiiniiiHiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiyjiiiiiiiiifiiiiiiiiiiHiiiiiiiniiiiiiiiiiiniiiiitiiiiiiiiiiniiiiiiiiiimiiii(£iiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiniiniiiiiiiinit Reichs-Fischwoche HMD 25. bis 30. April w—>- Täglich -et = großer Werbe-Verkauf einmal Jisrfi frischer Seefische und Filets - zu 1 A. 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Wilhelm Horn * Sohn Gießen, Kreuzplatz 15. 3m a Kirche und Schule. Landkreis Gietzen. • Greßen, 21 ApriL Gebern fand im Marku-« saal eine 1 aQ t>DlIyäbhg betuchte .Konferenz der Pfarrer des Dekanats Gießen statt. Dekan Guhmann (Kirchberg) eröffnet« die .Konferenz mit Debet und Schriftlesung. Dr gedachte dann deS seit der letzten .Konferenz her« fiorbencn PfarrerS. Kirchenrats 3T i d e I; fein Gedächtnis wurde in der üblichen Weite geehrt. Ehrend gedacht wurde auch deS Seniors der Geistlichen. Kirchenrats Strad. der in diesen Wochen sein 86. Lebensjahr vollendete. Derhand» lungsgcgenftand war die Frage deS fretwtl« ligen Arbeitsdienstes. AegierungSrak Dr Dues vom Arbeitsamt hielt darüber einen ^Mtung, „ft« A ^«Übungen 'L und Lvd. .öf.[u6etgebnü 4 lur Rodheio, ’dhund. i.3m Ldtthirl vugrr bleiben Sieg nicht " -mH bei den l€ reichen toirb, u ©rünbeta in .Londorf 1. bat Xrt dir besseren $ ju Vast uni bringen. Lich 1. Lich ein gleich, i. ist in Linden« ^vhen«Duseck 2. ibrsiher siegreich Krei-klassr enstadt sMeister und Allenbvrf lirtet) im Tot« c stellen junge, chigr Spiellveile impfet ist offen. ärztliche Leitung einem hauptamtlich tätigen Arzt als Chefarzt übertragen- die Stelle ift ausgeschrieben worden. Reben dem Chefarzt werden nach Bedarf Oberärzte tätig fein, die, wie feit» her, den in Bad-Rauheim praktizierenden Aer^tcn entnommen werden sollen. Bon besonderer Bedeutung ist eine Vereinbarung mit dem Kerd- Hofs-Institut. daß der Chefarzt deS Ko- nihkyftistS für die Dauer der Bekleidung dieses Amtes im Nebenamt Direktor der ^InteriuchungS- abteilung deS Kerdhoff-Instituts wird. Das Ko- nitzkhftift wird im KerckhoN-Institut Räume und Apparatur zur Dertügung gestellt bekommen, um durch seinen Chefarzt seine Patienten dort untersuchen zu lassen. Kreis Büdingen. V Hirzenhain, 21. April. Die KreiS- straßenach Lihberg.dieim vorigen Jahre profiliert und an den Kurven bedeutend erweitert wurde, wird jetzt mit einer Betondede versehen. Die Arbeiten werden von der Firma Müller. Wetzlar, ausgesührt. Da in zwei Schichten gearbeitet wird, ist einer gröheren Anzahl Arbeitsloser aus den Gemeinden Hirzenhain und Lihbcrg für 8 bis 10 Wochen Ver- dienftmöglichkeit gegeben. Krcis Schotten. 'Rcbgeshain, 22. April. Durch Zusammenarbeit deS Arbeitsamtes und des Iungdeutschen OrdenS ist eS gelungen, hier einen gröheren Wegebau im freiwilligen Arbeitsdienst in Angriff zu nehmen. Das LandeS- arbeitsamt stellte für 20 Arbcitsdicnstwillige für den Zeitraum von 20 Wochen die nötigen Geldmittel zur Verfügung, so baß mit den Arbeiten bereits begonnen werden konnte. Der 3ung- deutsche Orden in Gießen hat die Betreuung der Arbeitsfreiwilligen übernommen. lier zu verzichten, um deutschen Fischern Brot und Derdienstmöglichkeiten zu g^ben! Hunderte Millionen Goldmark aber würden dem deutschen Volksvermögen erhalten bleiben, wenn es gelänge, daS von deutschen Fischern mühsam gefangene .Gold des MeereS" seiner eigentlichen Bestimmung zuzuführen. Lieber den tatsächlichen hohen Wert der Seefischnahrung braucht kaum noch etwas gesagt zu werden er ist von allen Kapazitäten wissenschaftlicher Ernährungslehre genügend gekennzeichnet. Insbesondere ist es der hohe Siweihgehalt des Fisches, der ihn zu einem hochwertigen Rah- rungsmittel macht, während von den zahlreichen Mineralsalzen, die dem Seefischfleisch innewohnen, besonders Phosphor, Eisen, Kalk und Jod zu nennen sind, die für den Verven- und Körperaufbau und die Dlutzusammensetzung des Menschen von lebenswichtiger Bedeutung sind. Seefische sind auch wertvolle Vitaminträger, und wir haben diese Ditaminquelle das ganze Jahr hindurch. Die hohe volkswirtschaftliche Bedeutung dieses Vollg-Äahrungsmittels ist leider noch viel zu wenig bekannt. Dah uns hierin andere Rachbarvölker, vor allem England, weit voraus sind, zeigen die nachstehenden Verbrauchsziffcrn. In England werden pro Kopf und Jahr der Bevölkerung 53 Pfund Seefische verzehrt, während in Deutschland nur 20 Pfund pro Kopf und Jahr gegessen werden. Cs liegt im allgemeinen volkswirtschaftlichen Interesse, wenn in Deutschland derSee- fischverbrauch einewesentlicheStei- g e r u n g erfährt. Wir können Brot undAr- beit aus ei genen Quellen schöpfen. Und daS ist nötig. warum Perfil falt auflösen? Persil falt anrühren ist deshalb notwendig, damit die '2lbcrmillionen winziger Sauerstoffbläschen, die sich beim Erwärmen der Lauge entwickeln und zusammen mit der in Persil enthaltenen Seife das Waschen und Bleichen besorgen, nicht vorzeitig nutzlos entweichen. 2776A Saal-Kartoffeln aus nordostdeutschem Sandboden oste« rierribilligst Zoh. Müller, Wilhelmstraße 9 • Lollar, 22. April. Der Lahntalsänger« bund hielt hier einen außerordentlichen Bun- dessängertag ab. Die „Sängervereinigung7 iChorleitung: Herr D a p p e r - Gießen) eröffnete die Tagung mit einem Begrüßungschor. Der Dor« sitzende, Herr K l t n k e l, begrüßte die Gäste. Die Tagung wurde von dem Bundesoorsitzenden, Berufsschullehrer Gengnagel (Grünberg), acleitet. Non 21 Bundes- bzw. Gauoereinen waren 20 vertreten. Zunächst konnten durch den Vorsitzenden eine Reihe von Ehrungen vorgenommen werden. außerordentlich lehrreichen Dortrag. Cr fetzl sich mit den unberechtigten Einwänden gegen die Sache auseinander, zeigte die großen Vorzüge auf, namentlich in volkswirtschaftlicher und Volks« «n Sieg In lW de Bauern U »all«". »»5 i S,bs eit Gaume i L um Siege üne ®ietf iönnen °m ».üKs rparilee .upridit, n,ertier@iP SprechelSlior iunfl W h!uv.°"ni Sieg" tt. Für f 15 s der ,-tlu 1# i» -"-KL» Sieger , „ab SAS LZ-xß tccef!an,r sch L t lv'lv. '2$. Reiskirchen. 23. April. Am morgigen Sonntag kann der älteste männliche Einwohner unsere- Ortes. Herr Samuel Löwenberg. seinen 91. Geburtstag begehen. Der Greis, der weit und breit großes Ansehen genießt, ist noch sehr rüstig. In den letzten Jahren sah man ihn alS Viehhändler noch sehr weite Strecken, sogar biS in den hohen Vogelsberg, zu Fuß machen. - Lich, 22. April. Für den am 1. April in den Ruhestand getretenen Lehrer Schneider sand auf Beschluß des StadtvorstandcS im Sitzungssaal des Rathauses eine eindrucksvolle Feier statt, an der der Stadt- und Schulvorstand und das Lehrerkollegium, sowie die Geistlichen beider Bekenntnisse teilnahmen. Für den Stadt- und Schulvorstand sprach Bürgermeister Geil, für das Lehrerkollegium Rektor Erb. für die Kirche Stiftsdechant Kahn. Die Redner fanden Worte herzlicher Anerkennung für die von Lehrer Schneider der Stadt, der Schule und der Kirche in 42jähriger Dienstzeit geleisteten Dienste. Lehrer Schneider dankte und gab dem Wunsche Ausdruck. dah die Dienste der Schule in Lich allezeit eine so große Anerkennung finden möchten. An die Feier schloß sich ein geselliges Beisammensein im Parkhotel, bei dem Stift-Pfarrer D r a u d t eine Ansprache hielt und ein beifällig aufge- nommeneS Hoch auf den scheidenden Iugend- erzicher ausbrachte. Kreis Friedberg. .«= Dad-Rauheim, 22. April. Der Reubau des Könitz kh st i f t s geht seiner Vollendung entgegen. Mit der Inbetriebnahme des neuen Flügels findet auch die ärztliche Versorgung deS Stifts eine Reuregelung. Seither erfolgte die ärztliche Betreuung durch hiesige Aerzte. die vom Derwaltungsrat aus bestimmte Zeit gewählt wurden. Künftig wird die Würde Gorch Fock, der große Sohn des Fischerdorfes Finkenwärder, der durch seinen Roman »Seefahrt ist not" dem deutschen Volke zum Erwecker und Erhalter deS nationalen Schiff- fahrtsgedankenS geworden ist, heute noch leben, er wäre die gegebene Persönlichkeit, unserem Volke den Rot-Ruf der deutschen See- f i s ch e r e i einzuhämmern. Durch die Achtlosigkeit weiter Derbraucherkreise drckht ein Gewerbe zum Erliegen zu kommen, welche- für die deutsche VolkSernäyrung gerade in den gegenwärtigen Rotzeiten von allergrößter Bedeutung sein könnte. Zehntausend« braver Fischerfamilien an bet Ost- und Rordsee schweben in höchster Gefahr der Existenzvernichtung, weil sie ihre Fänge nicht mehr absetzen können. In allen deutschen Fischerdörfern und Fischereihäfen an der Ost- und Rord- seeküste herrscht Armut und Rot, mangelt es an Arbeit und Derdienstmöglichkeiten. Heber 5)Prv- zent der deutschen Fischdainpser liegen auf, weil Die Fischdampferreisen infolge schlechten Absatzes der Fänge die Selbstkosten nicht mehr decken. In einer Zeit, wo Millionen deutscher Dolks- genossen nur das nackte Leben fristen und wo in erster Linie wenigstens die eigenen Quellen unbedingt notwendiger Lebensmittelproduktion ausgeschöpft werden sollten, gehen noch Hunderte von Millionen Gvldmark für Seefische' und Fischindustrieerzeugnisse in das Ausland. Warum? Weil sich große Teile der deutschen Verbraucherschaft einbilden, die von. der deutschen Fischerflotte herangebrachten Fänge wären nicht so gut, wie die von ausländischen Fischern gefangenen Seefische. Selbst wenn unsere nationale Fangflotte manchen vom Auslande eingeführten Fisch nicht fangen könnte, müßte es eine absolute Selbstverständlichkeit sein, darauf heute Fehlt Ihnen die kaufmännische Bildung? Dann verlangen Sie sofort kostenlos unsere auf klärende Druckschrift Vogfsche Privat-Handelsschulen Gießen Herborn Direktion: Gießen. Goethestraße Nr.32 3205 A 10% Rabatt gewähre ich während der Reichs-Fischwoche auf sämtliche Fischkonserven psychologischer Beziehung, und könnt« von guten Erfolgen auS unserer Gegend berichten. Die rege Aussprache zeigte daS Interesse der Pfarrer an der Sache. Sie ergab, daß in verschiedenen Ortet^ die Kirchengememden geneigt sind, geeignete Arbeiten auf Dem Wege deS freiwilligen Arbeitsdienste- vornehmen zu lassen. Äreiä Schotten. )—( Ruppertsburg, 22. April. Unsere zwet» flaffige Schule zählte am Ende des Schuljahres 101 nttinben jetzt nicht mehr bezahlt werden. Don 40 an- ! gemeldeten Tieren waren 34 zur Auktion aufgetrieben; darunter befanden sich 23 Leistungsbullen. Das Sudjtmaterlal konnte mit wenigen Ausnahmen als ,^sehr gut bezeichnet werden. Bei der Preisbewertung tonnten 19 Tiere mit Preisen bedacht werben. Einen 1. Preis erhielt Emil Walther (Langsdorf). 2. Preise erhielten u. a. bie Arbeiterkolonie Reu- Ulrichstein, H. Scholl XI. (Arnsheim), H. Decher sRixseld), 3. Herchenröber (Wenings) unb K. Schneiber (Kirtorf). 3. Preise erhielten: H. Lub- m i g I. (Heuchelheim), H. R a h n (Angersbach) bie ^rbeiterkolonie Reu-Ulrichstein, K. Decher (Rieder-Breidenbach), K. Schul (Angersbach), K.O p- pertshä user (Kirtorf) und Ehr. Rodern er illngersboch). Von 34 aufgetriebenen Bullen mürben insgesamt 29 verkauft. DiePreise bewegten sich Mischen 30 unb 640 Mark. Der Durchschnittspreis betrug 405 Mark für ein Tier. IDer gleichzeitig abgehaltene Schweinemarkt mar durch die Dullenauktion günstig beeinflußt. 248 derlei unb einige Läufer waren aufgetrieben. Es rnlwickelte sich lebhaftes Geschäft, wenn auch ber Ularft nicht ganz geräumt wurde. Für sechs bis acht Wochen alte Ferkel wurden 18 bis 21 Mark, lir ältere bis zu 23 Mark bezahlt. Für Läufer- . Ifjmeine wurden 26 bis 29 Mark verlangt unb I- bezahlt. Torfmull Torfstreu Duug-M Zier-Kiefe f. Gärten u. Gräber m größter Auswahl auf Lager. »JSD Gebr. Kahl Telefon 2287. 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Schr. 21 ng. u. 02541 a. ö. G. Anz. Mahnung. Die für den Monat März 1932 rückständigen Kranken- und Arbeitslosenver- sichcrungsbeiträge können noch bis zum 30. April 1932 ohne Kosten bezahlt werden. Nach diesem Termin erfolgt Kostenberechnung und Zwangsbeitreibung. Gießen, den 22. April 1932. tiUgcm. Ortskrankenkasse des Landkreises Gießen. 3179V MOWen Stirn. 15 Pf. Tel. 3219. nach d. Roman u. Bühnenstück v. A. C. Cherriff, mit Conrad Veidt Theodor Loos / Paul Otto / Fr. Ettel Der Weltkrieg, wie ihn unser Kriegsgegner, der Engländer sieht. Das Front-Erlebnis von fünf Menschen, die sich Schöne Stole für Frühjahr und Sommer finden Sie in meinem Stoffspezialhaus in einer kaum zu überbietenden Auswahl. Ich führe die schönsten Muster und Farben in guten Qualitäten und habe für jeden Geschmack das Richtige. Meine niedrigen Preise erleichtern Ihnen den Einkauf. 3201 a L.Bemard Stoffspezialhaus Gießen, Plockstraße 16 Gcbr. gut erhalt. Schienen Rohre Draht un- Orahtfeile f. 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Der Film begnügt sich nicht wie die übrigen Kriegsfilme damit, die „Wirklichkeit“ des Krieges nachzuahmen und damit nur äußere Nervenaufregung zu geben, sondern es stellt den Menschen in den Mittelpunkt und zeigt am Schicksal von 5 Soldaten die Tragik des We 11 k r i e g e s und ist daher Der eindrucksvollste Kriegsfilm in deutscher Sprache, mit deutschen Darstellern MENDE.198 R*4 198. Oerv utMDt WENDE 280 RM 280- 1 Mwwii Im ij.30 HEHDERADIO Mende selbstverständlich auch dieses Jahr wieder on der Spitze. Bekanntmachung Nach § 3 der Polizeiverordnung betr. die Bekämpfung der Schnakenplage vom 28. November 1911 hat jeder Grundstückseigentümer in den Monaten April bis September mindestens einmal monatlich die auf seinem Grundstück befindlichen, den Schnaken zur Brut dienenden stehenden Gewässer (Wassertümpel, Regenfässer, Bassins, Wasserlachen, Iauchegruben, Abortgruben usw.) mit einem zur Vertilgung der Brut geeigneten Mittel (Sa- prol, Petroleum usw.) zu übergießen. Wir fordern hiemit alle Hauseigentümer, die derartige Einrichtungen auf ihren Grundstücken besitzen, auf, obengenannter Polizeiverordnung entsprechend zu verfahren. 3166C Gießen, den 20. April 1932. Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Dr. Hamm. Aufruf. Der Hilfsverein für die Geisteskranken in Hessen wird in der Zeit vom 25. April bis 15. Mai 1932 mit einer Haussammlung an die Einwohnerschaft herantreten. Er bittet, daß jedermann nach besten Kräften sein Scherflein hierzu beisteuere. Auch kleine Gaben werden dankend angenommen. Es wird aber auf eine reckst weitgehende Beteiligung der Bevölkerung gerechnet. Der Verein macht es sich zur Aufgabe, Nervenleidende und Geisteskranke, die oeheilt aus der Anstaltsbehandlung entlassen sind, wieder im Wirtschaftsleben unterzubringen und ihnen die Möglichkeit zu^geben, sich und ihre Familie wieder selbst zu unterhalten. Es ist dies eine bei der heutigen Lage sehr schwierige Aufgabe. Sie muß aber gelöst werden, wenn nicht die Geheilten alsbald unter dem Druck der Not und der Arbeitslosigkeit wieder ein Opfer ihres alten Leidens werden sollen. Auch die sonstigen Interessen der Gemüts- und geistig Kranken sucht der Verein tatkräftig zu fördern. 3168D Gießen, den 23. April 1932. Der Hilfsverein für die Geisteskranken in Hessen. Professor Dr. Sommer, Geh. Med.-Rat. Dr. Oßwald, Ober-Medizinalrat. ______Dr. Seid, Bürgermeister.______ Holzsubmission. Aus den Waldungen der Gemeinde Beuern, Distrikt Heegstrauch und Mark, kommen folgende Holzsortimente zum Verkauf: 3176D Langholz und »Abschnitte, Güteklasse N. a) Kiefern. Los 1. Klasse la 1 Stück 0,13 km „ 2. „ 1b 28 „ -H77 „ „ 3. „ 2a 49 „ 16,87 „ „ 4. „ 2b 19 „ 10,43 „ b) Fichten. Los 5. Klasse la 89 Stück 14,07 km „ 6. „ la 77 „ 12,71 „ „ 7. „ 1b 58 „ 20,88 „ „ 8. „ 1b 67 „ 20,40 „ ,, 9. „ 2a 29 „ 17,18 „ „ 10. „ 2a 21 „ 13,25 „ „11. „ 2b 32 „ 34,04 „ „ 12. „ 2b 15 „ 15,07 „ Das Holz ist ohne Rinde gemessen und entrindet. Angebote sind getrennt nach Sortiment und Klassen in den Losen bis Donnerstag, den 28. d. M.» nachmittags 2 Uhr, auf hiesiger Bürgermeisterei einzu- rcichen, wo anschließend die Ocffnung der Angebote erfolgt. Mit der Einreichung unterwirft sich der Käufer den Verkaufsbedingungen, die vor dem Termin bekanntgegeben werden. Das Holz kann vorher eingesehen werden, da spätere Reklamationen nicht berücksichtigt werden, und wird auf Verlangen von Förster Keil vorgezeigt. Beuern, den 20. April 1932. Bürgermeisterei Beuern. Linden st ruth. Erfinder — Vorwiirtsstrebende Hohe Geld-Belohnung Näheres kostenlos durch 40?v P. Erdmann & Co., Berlin SW 11. Vergleichsverfahren. lieber das Vermögen der Firma 3ng. Heinrich Brinkmann, 3ngenieurbureau in Gießen, Bahnhofstraße 58, alleiniger In Haber Ingenieur Heinrich Brinkmann, ist am 21. April 1932, vormittags 10 Uhr, das Vergleichsverfahren zur Abwendung des Konkurses eröffnet worden. Der Bücherrevisor Hermann Scharfs, Gießen, Plockstpahe 5, ist zur Vertrauens person ernannt.' 3219D Termin zur Verhandlung über den Vergleichsvorschlag ist auf Areitag, den 20.2Hai 1932 vormittags 9 Uhr vor dem Amtsgericht in Gießen, Zimmer Nr. 204 onberaumt. Der Antrag auf Eröffnung des Versah, rens nebst feinen Anlagen und das Ergebnis der weiteren Ermittlungen find auf der Geschäftsstelle zur Einsicht der Beteiligten niedergelegt. Gießen, den 21. April 1932. Die Geschäftsstelle des Amtsgerichts. Konkursverfahren. In dem Konkursverfahren über das Vermögen der Therese Suhl in Gießen, Wolkengasse 21, ist zur Prüfung der nach- träglich angemeldeten Forderungen, zur Abstimmung über einen von der Schuldnerin vorgeschlagenen Zwangsvergleich sowie zur evtl. Beschlußfassung über die Veräußerung des Grundvermögens der Ge- meinschuldnerin, Termin auf 3177D Donnerstag, den 12. Mai 1932 vormittags 9 Ahr vor dem Hessischen Amtsgericht in Gießen, Zimmer Nr. 204, anberaumt. Gießen, den 12. April 1932. Hessisches Amtsgericht. Der Zwangsvergleichsoorschlag vom 22. Februar ist auf der Geschäftsstelle zur Einsicht der Beteiligten niedergelegt. GvoSev SMSelvevkaus Nontag, den 25., und Dienstag, den 26. April 1932, an jedem Tage von 13 bis 16 Uhr, verkaufe ich zwangsweise aus freier Hand gegen Barzahlung in Gießen in den Geschäftsräumen kirchenplah 11: 5 Schlafzimmereinrichtungen, und zwar 1 Dfurne und 1 Birke, poliert, mit Waschkommoden, 1 Mahagoni, 1 Birke-Schleiflack, 1 Elfenbein-Schleiflack mit Frisiertoiletten,'5 Büfetts (Eiche mit Nußbaum und dunkel Eiche), mit und ohne Ansatz, 5 Kredenzen bzw. Vitrinen, 1 Küchenbüfett, 1 Küchenanrichte, hell lackiert mit Aufsatz, 2 hell lasierte Küchcnschränke (1 mit Aufsatz und Kühlraum, 1 mit Nischentonnen), 3 Flurgarderoben, 1 Standuhr (Westminsterwerk, roh), 1 Sofa, 1 kleinen Bücherschrank (dunkel Eiche), 1 Kleiderständer, 8 Rauchtische mit Messing- und Marmorplatten, 2 Tische, nußbaum poliert, mit Wachstuch, 1 Chaiselongue mit Plüschbezug, 1 Nähtisch (roh), 1 Ehaiselonguedecke, 4 Ziertische, 3 weiße ovale Spiegel, 6 Stühle mit Kunstleder (roh), 2 Sessel und 6 Hocker (roh, ohne Ledersitz), verschiedene Bilder mit Goldrahmen, 2 Klubsessel. Der verkauf findet bestimmt statt. Junker Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 — Telephon 3383 ,, Der erste Apparat mit vollkommenem Schwundaus 'gleich ist gestartet. Jeder Fernempfang« der Zukunft wird ohne Schwundausgleich (Fading Kompensation)einunxollkommenes Ding sein! Aber man muß »ich darüber Har sein; daß eil) nötiger Schwundausgleich nur v mit Röhren zu machen ist / Aiie anderen Methoden md ZusatzMderifönden 1 oder ähnlichem können den Schwundausgleich nie besorgen.weil das Audion jo dabei niemals i auf einen feststehenden Arbeitspunkf einre- I gul.eHwerdenkonn £$ muß feetOnt \ werden, das der M EN DE dos einzige .Fading Kompensation • • AUSKUNFT • H F'S S»l S 'C H t ßADEDIR E *K T T O N Nr. 95 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Samstag, 25. April 1952 Kohlenpreissenkung und Elektrizitätswerke. Don Adolf Stolle, Direktor der städtischen Elektrizitätswerke, Gießen. Die kindlich beschlossene Senkung der K o h l c n - vre i f« f>at auch zahlreiche Aufrufe zur Herabsetzung der Elektrizitätstarife ausgelöst. So sehr die Elektrizitätswerke gewillt sind, den berechtigten Forderungen der 3eit Rechnung zu tragen, so muß man sich doch hierbei hüten, schematisch vorzugehen, do sonst der Elektrizitäts- Wirtschaft und damit der Gesomtwirtschafl unberechenbarer Schaden zugefügt werden kann. Bei dem Laien, der große Mengen von Kohle in den Kesselanlagen der Elektrizitätswerke verschwinden sieht, entsteht nur allzu leid)l die Vorstellung, daß ihm nur umgewandelte Koyle in Gestalt der elektrischen Energie zugeführt wird und daß allo Strompreis und KohlenpreiS im engsten Verhältnis Mi einander stünden, demnach der Strompreis in ähnlichem Maße wie der KohlenpreiS abnehmen müßte Daß dies nicht stimmen kann, geht schon daraus hervor, daß die Kohlenpreise von 1925 bis 1931 gestiegen sind, die Elektrizität aber bei dem Elektrizitätswerk Gießen billiger geworden ist, daß ferner der heutige Kohlenpreis noch beträchtlich über dem des Jahres 1914 steht, während die Elektrizitätspreise im großen Durchschnitt die Friedenspreise längst wieder erreicht, oder sogar unterschritten haben. Wie liegen nun die Dinar bei ben Elektrizitätswerken? Hier bestehen äynliche Verhältnisse wie bei der Reichsbahn; auch diese verfeuert in ihren Lokomotiven erhebliche Mengen von Koh'e, aber die Kosten für die Instandsetzung der Wagen. Lokomotiven. Gleise und andere bauliche Anlagen, ferner Personal- und Derwaltungskosten, Ver^ zinsung und Abschreibung des Anlagekapitals find dermaßen überwiegend, daß der Einfluß der Kohlenpreise aus die Eisenbahntarife völlig in den Hintergrund tritt. Aehnlich spielt bei den Elektrizitätswerken, deren maschinelle Anlagen die Kohle weit besser ausnuhen als die Lokomotive. der Kohlcnpreis praktisch keine einigermaßen ausschlaggebende Rolle. Dies ist in gewissem Umfange nur bei denjenigen Großabnehmern der Fall, bei denen durch die intensive Ausnutzung ihrer Anlagen der Einfluß der übrigen Elektrizitäts- erzeugungs-Unkosten gegenüber den B.ennstoss- kosten zurücktritt. Derartige Großabnehmer, industrielle und Verkehrs-Unternehmungen, unter Umständen auch ganze Gemeinden, werden mit Elektrizität versorgt auf Grund besonderer Stromlieferungsabkommen, bei denen aber meist durch eine sog. Kohlenklausel den Aenderungen der Kohlenpreise automatisch Rechnung getragen wird. Vielfach sind diese Klauseln so ausgestaltet, daß sich bei Rückgang der Kohlenprcise eine größere Verminderung der Strompreise ergibt, als der Verbilligung der reinen Kohlenkosten entspricht. Anders liegen die Dinge für die Klcinabnehmer; bei ihnen handelt es sich um verhältnismäßig geringe Strommengen, anderseits spielt in ihrem Falle die Unterhaltung. Verzinsung und Abschreibung der Detriebsanlagcn, insbesondere der Leitungsnetze, eine wesentlich größere Rolle bei den Strompreisen, so daß der Einfluß der Kohlenkosten ganz zurücktritt. Für eine Kilowattstunde. die dem Kleinabnehmer in seine Anlage geliefert wird, kann man heute mit einem Kohlenauswand von etwa 1 bis 1,5 Kilogramm (bei Steinkohle) rechnen. Bei einem Preis von 2D Mk. pro Tonne Kohle ab Zeche sind also in der Kilowattstunde höchstens 3 Pfennig an Kohlenkosten enthalten, und eine Herabsetzung des Kohlen- Preises um 6 Prozent würde den Verkaufspreis der Kilowattstunde nur um 0,18 Pfennig ermäßigen; für je 100 kWh Jahresverbrauch ergäbe sich also eine Ersparnis von 18 Pfennig. Rach zuverlässiger Berechnung großer Werke betragen die Kohlenkosten nur 5 bis 10 Prozent des Aufwandes für die an Kleinabnehmer gelieferte Energiemenge, während der Kapitaldienst etwa 45 Prozent, die Steuern etwa 30 Prozent verschlingen. Eine fühlbare Ermäßigung der Strompreise wäre daher nur möglich durch Senkung dieser ausschlaggebenden Faktoren. Sofern dies durch eine bessere Ausnutzung der dem einzelnen Abnehmer zur Verfügung zu haltenden Anlageteile geschehen kann, bietet die Mehrzahl der deutschen Elektrizitätswerke dem Abnehmer hierzu durch eine geeignete Preisstellung (Gebührentarif) bereits die Möglichkeit. Je mehr der Abnehmer bei einem derartigen Tarif Strom entnimmt, um so billiger wird für ihn die Kilowattstunde. Eine darüber hinousgehende Preissenkung seitens der Elektrizitätswerke wäre nur möglich, wenn die genannten Unkostenfaktoren durch Verbilligung der Zinssätze. Ermäßigung der Steuern usw. herabgesetzt würden. Würde man ohne entsprechende Herabsetzung dieser Kostenanteile auf eine Ermäßigung der Tarife dringen, so könnte dieS nur auf Kosten der Rente der Elektrizitätswerke erfolgen, was praktisch einer verderblichen temmung der Entwicklung gleichkommen wurde. obald unsere Wirtschaft wieder angekurbelt ist. wird sich dies vor allem in einem vermehrten Bedarf an Elektrizität auSwirken. Dies bedeutet Ergänzung, Erweiterung und Verbesserung der bestehenden Anlagen und damit neuen Kapitalbedarf. den wir vorerst nur vom Ausland her und nur dann decken können, wenn eine ausreichende Rente gewährleistet wird In diesem Zusammenhang muß auch immer wieder daraus hingewiclen werden, daß sowohl für den Kleinabnehmer, als auch für den Großabnehmer in der Regel die Ausgaben für Elektrizität einen verschwindenden Prozentsatz seiner übrigen Ausgaben ausmachen Auch eine wesentliche Herabsetzung der Strompreise wird sich daher bei ihnen stets nur wenig bemerkbar machen, während sie dem Elektrizitätswerk uneinbringliche ^Verluste verursachen kann. Eine überstürzte und ohne Rücksicht auf die Selbstkosten erzwungene Ermäßigung der Strompreise würde sich sehr bald am meisten an denen rächen, denen sie zugute kommen sollte. Die ElektrizitätSwirtschast ist eben auf das engste mit unserer Gesamtwirtschaft verkettet. Darum hat auch der Rückgang des Elektrizitätsverbrauchs bereits eine außerordentliche Abnahme der aus der Elektrizitätswirtschaft stammenden Auftrage an die Industrie zur Folge gehabt, eine ernste Warnung vor Erperimenten. die den Elektrizitätswerken die Mittel zur Erhaltung ihrer Substanz entziehen müssen. Die ElektrizitätSwirt- fchaft ist. wenn sie nicht rüdläufig werden wüt, auf gesunde und rationelle Steigerung ihres Absatzes angewiesen. Diese wird aber nicht gefördert durch eine planlose Herabsetzung, sondern nur durch vorsichtig durchdachte Reform der Tarife, die denjenigen Abnehmern in erster Lime zugute kommt, die im Rahmen der Leistungsfähigkeit der Elektrizitätswerke ihren Konsum vermehren. Diesem Ziele einer vernünftigen Taris- resorm muß jeder mögliche Betriebsvorteil. Io auch die geplante Senkung der Kohlenpreise, dienstbar gemacht werden. Wirtschaft. Berlin widerstandsfähig. ® e r l i n , 23. April (WTB. Funkspruch.) Es war nicht zu erwarten, daß heute zum Samstag und einen tag vor den Preußenwahlen an der Börse größere Umsatztätigkeit einsetzen würde. Man war ober doch über die auffallende Wider st ands- fahigkeit der Kurse zu Beginn der Börse überrascht, nachdem man vormittags noch auf Grund des gestrigen flauen Neuyork schwächere Kurstaren hören konnte. Das Geschäft war zwar weiter sehr gering, die Deckungen schienen aber doch noch nicht völlig aufgehört zu haben, so daß hierdurch den Märkten eine gute Stütze geboten wurde. Zu der freundlicheren Auffassung trug die Ansicht bei, daß man in Gens doch — wenn auch nur einen kleinen Schritt — vorwärtsgekommen ist. Beachtung fand auch, daß die Wirtschaftsberichte aus Amerika im Gegensatz zur Börsentendenz in Neuyork eher zuversichtlicher lauten. Rein kursmäßm gab es einige interessante Son« berberoegungen. So konnten Chadeaktien um weitere 5% Mark anziehen, auch Elektrische Lieferungen waren erholt und 2% Prozent höher. Ferner zeigte sich einige Nachfrage nach Schiffahrtsaktien und Nebenwerten, wie Vogeltelegraph, Goldschmidt, während anderseits Bemberg, angeblich auf Exekutionen, um 2*/» Prozent gedrückt waren und auch Zlse-Ge- nußscheine durch eine zweiprozentige Abschwächung auffielen. Zm Verlaufe schien die Tendenz hauptsächlich infolge der Geschäftslosigkeit eher nach unten zu neigen, die Rückgänge hielten sich bei den meisten Werten aber im Rahmen von Bruchteilen eines Prozentes und gingen nur bei Schultheiß und Rhein. Braunkohlen bis zu 1 Prozent. Auch am Pfandbriefmarkt wurden überwiegend schwächere Kurse genannt. A11besitzan - leihe war allerdings fester, auch Schutzgebiete wurden zirka Yx höher taxiert, Reichsschuldbuchfor- berungen neigten aber zur Schwäche. Von Aus- lanbrenten ist heute nichts gutes zu berichten: Rumänen, Ungarn unb Mexikaner bröckelten bis zu Yi Prozent ab. Mit Ausnahme von Mittelftahl neigten auch Industrieobligationen im Verlaufe zur Schwäche. Am G e l b m a r 11 war bie Situation völlig um neränbert. Tagesgelb blieb unoeränbert 5% bis 5% Prozent an ber unteren Grenze, Monatsgelb stellte sich auf 7 Prozent unb barüber nominell, Prioat- biskont in ber Äkitte 5 Prozent. Frankfurt still. Frankfurt a. M.. 23. April. (WTB.Droht - mclbung.) An der Wochenschlußbörse entwickelte sich in Anbetracht der morgen stattfindenden Wahlen nur geringes Geschäft. Die bessere Beurteilung der Genfer Verhandlungen löste bei der Spekulation noch einiges Dcckungsbedürfnis bei verschiedenen Spezialwerten aus. so daß gegenüber der Abendbörse die ersten Kurse meist 0,50 bis Iprozentige Gewinne aufwiesen. Im Verlause drückte die Geschäftsstille auf das Riveau. zumal auch vom Publikum keine Aufträge Vorlagen und man auf den matten Schluß der gestrigen Reuyorker Börse verwies. Die Kurse bröckelten überwiegend wieder etwas ab, da auch der weitere Rückgang der Kaliaktien verstimmte. Bürbach nannte man im freien Verkehr mit 36 Prozent zirka unerholt. Aschersleben und Westeregeln verloren je 2 Prozent. Etwas fester eröffneten zunächst IG.. AEG. unb Siemens, die Besserungen dis zu 1 Proz. verzeichneten. Von Elektro- nebentoerten gewannen Lahmeyer 1.50 Proz., am Montanmarkt lagen Gelsenkirchen und Rheinstahl je 0.50 Prozent hoher, während Rhein. Braunkohlen weiter etwas nachgaben. Reichsbank verloren 0,50 Prozent, Scheideanstalt, Deutsche Erdöl und Holzmann waren unverändert. Don Auslandsaktien zogen Ehade zirka 4 Mk. an. Im Verlause war die Tendenz ausgesprochen lustlos, jedoch überwiegend schwach, wobei die Rückschläge 0,50 bis 1 Prozent betrugen. Bürbach wurden später zu 34 Prozent Dries gehandelt. Die Haltung des Rentenmarktes gestaltete sich im Verlaufe überwiegend etwa« freundlicher. Im Mittelpunkt des Interesses standen Altbesitz und Schuhgebietanleihen. Goldpfandbriese lagen zwar nicht ganz einheitlich, doch wiesen Frankfurter Werte Besserungen von 0,50 bis 1 Prozent auf. Liquidationspfandbriefe nannte man unverändert. Rundfunkprogramm. Sonntag, 24. April. 7.00: Don Hamburg: Hafenkonzert. 8.15: Braubach a. Rh: Morgenfeier aus der evangelischen Kirche. 9.20: Stunde des Ehorgesangs. 10.20: Einführung in Wagners „Götterdämmerung" II. Akt, von Hans Rosbaud. 11.30: Von Leipzig: Reichssendung: zum Sonntag „Kantate". Von Johann Sebastian Bach. 12.10: Konzert. 13.00: Konzert. 14.10: Stunde des Landes. 15.00: Stunde der Jugend. 16.00: Pforzheim: RachmittagS- konzert des Symphonie-Theaterorchesters Pforzheim. 18.00: Eine Viertelstunde Lyrik: Rene Schlckelc. Gesprochen von Louis Rainer. 18.15: „Die franziskanische Dichtung im 12. und 13. Jahrhundert", Vortrag mit Lesung von Pater Dr. Ewald Müller, Kloster Frauenberg bei Fulda. 19.00: Don Berlin: Orchesterkonzert. Währenddes Abendprogramms: Bekanntgabe der Ergebnisse der Landtagswahlen. Montag, 25. April. 7.20: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.00: Unterhaltungskonzert des Rundfunkorchesters. 13.00: Konzert auf Schallplatten. 17.00; Don München: Rachmittagskonzert. 18.25: „Das Kartellwesen", Vortrag von Dr. Fritz Millner. 18.50: Englischer Sprachunterricht. 19.30: „Musikalische Grundbegriffe — Ihr Wclfen und ihre Bedeutung", Vortrag von Hans Rosbaud. 20.00: Freiherr von Münchhaufen. Hörspiel von Leo Matthias. 21.10: Götterdämmerung II. Dritter Tag des Dühnenfestspiels „Der Ring des Ribelun- gen", von Richard Wagner. II. Aufzug. Dienstag, 26. April. 7.20 Frühkonzert auf Schallplatten. 12.00: Konzert der Kapelle Berndt Buchbinder. 13.00: Von Köln; Mittagskonzert. 15.20 bis 15.50: Hausfrauen-Rachmittag. 17.00: Von Köln: Rachmittagskonzert. 18.25: „Die Kunst, zu altern“, Vortrag von Hermann von Müllier. 18.50: „Die Wirtschaft Elsaß-Lothringens nach dem Kriege", Vortrag von F. H. Hanser. 19.30; ilntcrßal- tungskonzert des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. 20.45: Bunte Stunde. 21.45; Entwicklung des Streichquartetts. V. Abend. Letzte Nachrichten. ,Jm Interesse des Dienstes." Die Regierung gegen Kreisdirektor Dr. Stammler, AlSfeld- Die ..Hessische Landeezeltung“ verbreitete gestern eine Meldung aus Alsfeld, nach der der K r c i S - bircltor des Kreifcs AlSfeld. Dr. Stammler, seines Dienstes enthoben worden sei Las Regierungsorgan, die ..Darmstädter Zeitung" bemerkt dazu, diese Meldung entspreche nicht den Tatsachen Durch Erkundigungen erfuhren wir, daß dem Kreisdirektor Dr. Stammler von dem Vertreter des Innenministers eröffnet worden ist. er (Stammler) werde von der Leitung des Kreises AlSfeld abberufen und in einer anderen Stellung a l S Beamter weiter verwendet werden. Allerdings soll dabei die Versetzung in eine andere KreiSdirektor- stelle nicht in Betracht kommen. Wie man von anderer Seite hört, sollen bei dem Vorgehen der Regierung gegen Kreisdirektor Dr Stammler politische Gründe mitsprechen, die man darin erblickt. daß die Söhne deS Kreisdirektors Mitglieder der SA. gewesen seien. Die Maßnahme der Regierung hat im Streife AlSfeld außerordentliches Aufsehen unb stärkstes Desremben auSgelöst. Die Bürgermeistervereinigung deS Kreises Alsfeld unb die Wirtschaftsverbände der Stadt AlSfeld haben auf morgen. Sonntagnachmittag, eine große Vertrauenskundgebung der Kreisbevölkerung in der Festhalle zu Alsfeld anberaumt, in der das eindeutige und gefchloffene Bekenntnis der gesamten Kreisbevölkerung zu ihrem Kreisdirektor. der seit vielen Jahren an der Spitze des Kreises zur Zufriedenheit der Bevölkerung wirkt, zum Ausdruck gebracht und dabei betont werden soll, daß dieser Beamte, der in jahrzehntelanger uneigennütziger und erfolgreicher, von jeder Parteipolitik unbeeinflußter Ard-it dem Staate gedient hat, nicht ungerechtfertigterweise geopfert werden dürfe. Spiclplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 24. April. 11.30 bis 13 ilßr: Konzert-Matinee Hoehn 19 30 bis nach 22.30; ..Die schöne Helena". — Montag. 25.: Geschlossen. — Dienstag. 26., 19.30 bis gegen 23: „Aida". — Mittwoch, 27., 20 bis 22 45: „Der fliegende Holländer". Donnerstag. 28., 19 30 bis nach 22.30: „Die schöne Helena". — Freitag, 29-, 19.30 bis 22.30 ..Der Freischütz". — Samstag, 30., 20 diS nach 22-30: „Die Boheme". Schauspielhaus. Sonntag. 24. Aprll. 20 bis 22.30 Ahr: „Ein entzückender Mensch". — Montag, 25., und Dienstag. 26., 20 bis nach 22.30: „Der Raub der Sabinerinnen". — Mittwoch. 27., unb Donnerstag. 28.. 20 bis nach 23 „Torquato Tasso". — Freitag, 29., 20 bis gegen 22: Einmaliger Tanzabend Riddy Impekoven. — Samstag, 30., 18 bis nach 23; „Faust" (l.Teil). Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 24. April. Cantate. Skadtkirche. 8 Uhr. Pfr. Mahr: zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Matthäus- gemeinde: 9.30: Pfr. Becker; 11: Kinderkirche für die Markusgemeinde; Pfr. Becker. — Iohanneskirche. 8: Psr. Ausfeld; zugleich Christenlehre für die Neukon- firmierten der Zohonnesgemeinde; 9.30: Pfr. Bech- tolsheimer; 11: Kinderkirche für die Lukasgemeinde; Pfr. Bechtolsheimer; 20: Miffionsstunde im Zohan- nessaal; Missionar Walther aus Beuern. — Kapelle des Alten Friedhof». 9.30: Pfr. Lenz; zugleich CH«!- stenlehre für die Neukonfirmierten der Luthergemeinde; 11: Kinderkirche für die Luthergemeinde; Pfr. Lenz. — Ellfabeth-Kleinkinderschule. 8.15: Chri- stenlehre für die Neukonfirmierten der Petrus- gemeinde; 9.45: Pfr. I-ic. Waas; 11: Kinderkirche für die Petrusgemeinde; Pfr. Lic. Waas. — 3m Sale der neuen Krippe. 11: fiinbergottesbienft für die Zo- hannesgemeinde; Pf. Ausfeld. — wicfeck. 9.30; Kol- lefte. — Alten-vufcck. 13.30: Gottesdienst. katholische Gemeinden. Samstag, den 23. April. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, den 24. April. 4. Sonntag nach Ostern. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Frauen; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 14: Christenlehre und Andacht. Sonntagsdienst d.Aerztc u.Apotheken am 24.4.32 vr.Neumann-Lvengel. Or. S. Klein. Hirschavotb. Zahnarzt: I)r. Haubach. °D Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5,5 v.H., Lombardzinsfuß 6,5 v.H. $ranftun a. •>. Z5min Schluß» rur# l»Ubr» Rur# Schtuß- turrf 1 tünsana» fiur» Datum 22.4. 23.4. 22 4 23.4. 6% Teutidie Retchranletdc d.192. 57.5 —— — — 7% Deutsche Rei»oanletdc v. 1929 63 — 63 — 6V,% younfl-Wnletbc non 1930 Deutsche einl.-31blvf.-2d)ulb mit 50.5 50,5 Auslos -Rechten - . 39.4 40 39.4 39,9 TcJflL ohne Auslol.-Rechle . 6% Heil. «oUeflaat von 1929 2.9 — 2.8 2,75 ltti....... — - an.iur U. Dl. | Ser, c-chluß-i iure 1 Rur» Schluß» hir? An sar g, Rur# Datum 22-4. 23-4 22.4. 23.4. Hamburg-Amerrla Pate. . t — — 14 14,4 Hamdurg-Lüdam. Tamvsichiss . n — — 40 — Hansa Tatnpsjchisj . 0 — — — — Norddeutscher Lloyd . . 6 — 14.25 15,13 S.G. füt Perkehr-welen Aki. — — 30 29 Äcrllner HandelögeseUschait 8 83 —— 83 —— Lommrrc- und Privat-Bank . — 22,25 — Darmstadter und Saticnalbcn Deutsche Bank und 8 23,65 — 23 — Dieconto-rsteiellschast. . . fi 41 — 41 — Dresdner Bank...... 6 23-65 — 23-/5 — StldrfbonT ....... 12 104,25 103.75 103,5 103.75 Sl-E.G........... . 7 25,25 26 25,25 25,75 Bergmann........ ©rin. Lieserungsgesellschast. . 9 — — 18.5 — 10 51,5 — 51,25 53,5 Vidi: und tlrah 10 60.5 — 59 58,25 Reiten & ffluüleoumr. . AcjeUschail für ©ekrrische 6>: — — 32,75 32 Unternehmungen .... 9 50 — 49,75 50,75 Nbcwischc ©fhnjität . . . . 9 — — — Sriiutfen & ilo. . . . . • . 11 — 43.75 44 Giemene & Hal-ke ..... 14 — 96 95.5 96.25 Lahmet, er & (So....... 12 — 72,5 — 72 Buderur......... . 4 21 — 21 21,5 Deutsche ©bäl...... . 5 — 54.25 54,25 54 «teiscnkirchener...... . 8 33,5 34 33.75 34,65 Harpcner......... Voesch ©scn........ 3lie Bergbau....... fllöcknerwerke....... . 0 . 6 — — 32.5 25 33,25 24 10 . 6 — 21 20,5 flöln-Neuessen....... 6V. —— — — — KanneSrnann-Nöbren . . . . 6 — — 32.75 33.4 Manöselder Bergbau .... . 0 — — 12-5 — Cberidiki. firl’tüerfe . . . . > — —— 29.25 — Pbor.tr Bergbau. ..... Nbetnrsche Lraunkodlen . . . 10 —— — • 16 16-25 15i —— 151 150 Rheinstahl...... . . ' — 37 36,5 37 Franstun a. Dl. Strtln Schluß« tur# l-Uhr- Rurd Schluß« fur< Ln'ona- Rur# Datum 22-4. 23.4. 22.4. 23 4. ütlebeU Monran...... 7,2 — — —- — vereinigte Stahlwerke . . . . 4 — — 14.5 14,5 Ltavi Minen......16’ , — — 11.65 11,13 flaliwerke AscherUeben . . . 10 83 81 83 —— Kaliwerke L'estercgcln . . . 10 95 — 95.5 — flaliwerke SatHdetiurth . . . 15 — — 145 — I. G. ,^ardcn-Ink>nttrte . . . 1? 90.25 91.13 90 91 Herein, chcm. Industrie grank furt a.M........ Lcheiveanstall....... 10 124 124 - otcldschrnidi........ . 0 17 —— —- 19 Rülgerswerke....... . b 27.75 — 27.9 27 Meiallgesellschasi...... . 5 28,25 — — Zementwerk He,d>-lberg. . • Tementwerk flarlstadt. ... 34 — 34,5 34,5 . 7 — — —> — . 7 —— —— — — Eaofe & Frevkog..... . 0 - - — — GdniUf rte Latzenhoter . . . Wu kLllgememe flunstseide) 15 - - 57.5 57,5 0 33.25 33 32,75 Bemberg. . . . 0 34.5 — 33.5 31,25 Zellsloss Valdivs..... 12 — 29 29.75 Zrllstoss Achasjcnburg . . . 6 — —• 28 Dessauer «aS....... . 2 — —— 78,75 79 Daimler Motoren..... . 0 — — 9 8,25 Deutsche Linoleum .... . 6 26.25 27 —— Etentetn & floxyel .... . 0 —— 22,5 22.25 Leonhard Tte?...... . 8 — 53 52.9 Lreneka......... 15 — — — — Tbade ..... 199 199 204,5 ^ranktuoer Maschinen . . . . 0 — 13 — Krtxner ... . 0 —— — — Mmnkro4tN'er1e Höchst a. SDL. . 6 — — —— _ Sübdeuncher Ztüker . . . . 10 91,75 — 91,78 — Devisenmarkt Berlin - - Frankfurt a. M. 22.April 23.April Amtliche Notierung Amtliche Notieruna »etb »rid -chwei, . . 81.92 82.08 81.70 81 .86 Svanien . . 33,07 33.13 33.07 33,13 Tanzt g. . . 82.67 82.83 82.67 82.83 Japan . . . 1 .389 1.391 1,369 1,371 Rw de Ian.. 0,279 0.281 0,279 0.231 ^llgoslawie». 7.423 7,437 7,423 7.437 Lü'jada» . . 14,39 14.41 14,34 14,36 Banknoten »ertln, 22 Avril rseld »fiel Smenk-mische Note» . . . 4,20 4,22 Belgische Noten..... 58,79 59,03 Tänllche Noten..... 86,08 86,42 Englische Noten..... 15,70 15,76 Frau»ösische Note» ... 16.55 16,61 Hollanetsche Noten ... 170,21 170,89 Italienische Noten .... 21.76 21,84 Norwegische Note». . . . 77.54 77,86 Deutschs Oesterreich, 4 100 LchMno Nutnäntsche Noten .... 2.49 2,51 Schweoilche Noten . . . . 77.49 77,81 Schwetjer Noten..... 81,74 32.06 Svanilche Ncien..... 32,95 33,12 Ungarische Note» .... » • e e WlMltkNMWMl Vornan von 3- Schneider-Foerstl. Urheber-Rechtsschutz: Verlag D. Meister, Werdau. 35. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Gott, wie das schön war, einmal so ohne alle Pflicht in die Welt fahren zu können! Früher hatte sie dos gar nicht so empfunden! Da war jeder Lag ein Nichtstun gewesen. Jetzt aber fühlte sie es als eine Art Belohnung, so unbeschwert von jeder Verantwortung durch den Herbsttag kutschieren zu dürfen. Lind es ging immer durch eigenen Wold, der nur über ihr sein Geäst zusammenschlug. Es war eigener Boden, über welchen die Hufe des Pferdes dahinflogen. Wonnesam war's, auf dem mit Tannennadeln bestreuten Wege vom Gezweig gestreichelt äu werden, das ihr um Schultern und Wangen koste. „Ich bin doch sehr, sehr glücklich!" meinte sie und sah mit verträumten Augen in die Runde. „Na, ich will's glauben!" stimmte Dettermann zu und blickte sie etwas von der Seite an. Ihren Worten war nämlich ein tiefer Seufzer gefolgt, der dieselben ordentlich abgeschwächt hatte. Aber man durfte beileibe nicht die Meinung aufkommen lassen, als hätte man an diesem Seufzer etwas gefunden. „Dettermannchen, schau doch!" Das Gefährt stand jetzt auf dem Scheitel der Anhöhe und man sah die kleine Stadt unter sich, die im Schein der Nachmittagssonne hingebettet lag. Er nahm ihr die -Zügel aus den Händen, weil sie ihr willenlos entglitten waren und betrachtete mit ihr das Bild. Sein altes Herz klopfte im Takt der Erinnerung. Seine Augen waren noch wie die eines Falken und sahen ungemein scharf. Lieber einem großen freien Platz hoben sich graue Zeltdächer. Ein hohes, mit buntem Flitter und lustigen Fähnchen verziertes Rad drehte sich in der flimmernden Helle. Türme reckten sich hoch. Verlorene Klänge von Musik, Jauchzen und Schreien drangen herauf. Die Wagen der Schau» budenbesiher nahmen sich wie gelbe und grüne Flecke aus, in deren Mitte leuchtende Spiegel tanzten. Es war die Sonne, die sich in deren Fenstern brach. Im Städtchen war Jahrmarkt, der einzige während der langen, vergnügungsarmen zwölf Monate. Da wußte man solch ein Ereignis zu schätzen und es gebührend auszukosten, daß jeder auf seine Rechnung kam. Dettermann lenkte nun das Gefährt selbst. Er hielt die Zügel straff und setzte die Bremse ein. daß der Gaul den Berg hinab nicht in die Knie glitt. Je näher man dem Platz kam. desto stärker brausten die Töne auf. Das schrie und jodelte, quietschte und bellte, läutete und klingelte, Fanfaren schmetterten in die Luft und wurden von dem Murren durchschnitten, das von den Raubtierkäfigen kam. Das ganze Städtchen, einschließlich der Bevölkerung von zehn Kilometer Um» kreis, war auf den Beinen, und deren Lachen, Sprechen und Schreien erfüllte den weiten Platz mit einem Gesumme, daß man des Glaubens war, man sei mitten in ein schwärmendes Immen» Volk geraten. „Wollen Sie nicht gleich hier absteigen, Fräulein Suse?" riet Dettermann, als man jetzt dicht an dem Trubel vorüberfuhr. „Ich bring den Gaul in die „Eiserne Rose", daß er ein bißchen Hafer und was zu Trinken kriegt, dann komm ich auch!" „Aber sicher, Dettermannchen! So allein macht es mir kein Vergnügen!" „Totsicher!" versprach er. „Wir müssen vereinbaren, wo tpir uns treffen, sonst finden wir uns hernach nicht.1" mahnte sie, und stand schon im Staub der Straße, den der herrschende Westwind in dicken Wolken aufwirbelte. Er dachte einen Augenblick nach. „Der Jung» knecht hat gesagt, es wäre die „schönste Frau der Welt" zu sehen! — — Wo Die gezeigt wird, da treffen wir uns!" „Dettermannchen?" drohte Suse. Er mußte selber lachen. „So was sieht man immer gern", beharrte er. „Also, wenn Sie mal so alle halbe Stunde dorthin schauen, finden wir uns schon." Sie nickte und er fuhr mit der Peitsche leicht über den Rücken des Pferdes. Dann hatte Suse ihn auch schon aus den Augen verloren. Beinahe bereute sie es, hergefahren zu sein. Das Lärmen war so ohrenbetäubend, und auf die Stille zu Hause wirkte es wie ein Negerfest im Dusch. „Hier sehen Sie, meine verehrten Herrschaften, das größte Wahrsagegenie der Welt! — Vom Zaren von Rußland selbst noch empfangen und mit Diamanten beschenkt! — Kommen Sie etwas näher, meine Damen! — Ditte, meine Herren! Das müssen Sie selbst erfahren! Das müssen Sie erprobt haben. Das---" Suse flüchtete aus dem Bannkreis der durchdringenden Stimme des Ausschreiers zu dem Karussell, in welchem die kleinsten Pferdchen der Welt kreisten. Die Menge drängte, stieß, war sich gegenseitig im Wege, ließ sich schieben, stoßen und drücken und hatte für alles ein Lachen und eine glückstrahlende Miene. Aus den Duden, wo Bier verzapft wurde, kam das Dröhnen der Musik und die Lieder der angeheiterten Marktbesucher. Es stampfte, schrie und lachte in allen Skalen gegen die weihrotgestreiften Zeltwände. Lind wieder bereute Suse, hierhergekommen zu sein. Man war nichts mehr gewohnt! Gar nichts mehr! Wie weh der Lärm dem Öhr tat, das nur mehr für Stille empfänglich war. Sie hörte eine Glocke in das Kreischen und Trompeten bimmeln und ging dem Klang nach. Menschen drängten sich um eine große Hütte, in welcher hunderte von Gegenständen zur Schau gestellt waren. „Glückshafen", las sie auf dem mächtigen Schild des Einganges. Ein Lächeln glitt über ihr Gesicht. Sollte sie? — Was lag daran, auch wenn sie leer ausgingI Links und rechts stand eine lange Reihe, die von beiden Seiten kommend, ihre Hände in die mächtige ilrne streckten, in welcher die Lose verborgen waren. Sie hob den Arm und griff mit zaghaften Fingern hinein, sah auf und erblaßte. Neben ihr stand Malnow und hielt ebenfalls eine Anzahl blauer und gelber Röllchen in der leichtgeballten Rechten. Als er nach dem Hut griff, um zu grüßen, entfielen ihm dieselben und lagen nun zu ihrer beiden Füßen. Sie bückten sich fast gleichzeitig. Ihre Hände berührten sich. „Verzeihung", stammelte sie, als ihr weiter Hut unsanft in sein Gesicht streifte. „Bemühen Sie sich nicht, gnädiges Fräulein!" dankte Dieter. „Es ist wirklich nicht wert, daß Sie sich um die Dinger die Hand beschmutzen." Dann drängte die Menge sie auseinander. Ihr* war so schwach, daß sie sich an den Pfosten eines Limonadenzeltes lehnen muhte. Mit zitternden Händen riß sie die Röllchen auf. „Nichts!" Aus jedem derselben grinste ihr ein lachender Clown, das Zeichen einer Niete, entgegen. Dann vernahm sie ein lautes, anhaltendes Schellen, das einen Gewinn verkündete. Mit halb- geschlossenen Augen blickte sie nach der Hütte hinüber und sah Malnow, wie er eben mit lachendem Gesicht einen riesigen Teddybären in Empfang nahm. Er preßte das struppige Spielzeug zärtlich in den Arm und verschwand in Dem Trubel. Sie muhte sich mit dem Taschentuch erst die Tropfen von der Stirn wischen, ehe sie weiterzugehen vermochte. Sie hatte nicht im geringsten mit der Möglichkeit gerechnet, ihn hier zu treffen. Nun war ihr der ganze Nachmittag verdorben. Alle Lust an dem Treiben war ihr vergällt. Sie konnte jetzt an nichts anderes mehr denken, als an ihn. Ihr impulsivster Wunsch war, Dettermann zu suchen und nach Hause zu fahren. Dann überwog das Verlangen, Malnow noch einmal zu sehen, alles andere. Vielleicht war er auch dorthin gegangen, wo es die „schönste Frau der Welt" zu schauen gab. Aber er stand nicht dort. Von Bude zu Bude zog sie, immer von dem geheimen Hoffen erfüllt, ihn bei der einen oder anderen , zu finden. Vielleicht war das Glück ihr günstig. Aber nirgends bekam sie ihn zu Gesicht. Ihr Kopf war ein einziger dröhnender Wirbel. Möglich, daß sie auf dem Riesenrad, von wo aus man die große Fläche übersehen konnte, fein Gesicht noch.einmal erspähte. Es kostete sie eine fürchterliche Lleberwindung, in eine der Gondeln zu steigen und sich in die Höhe winden zu lassen. Sie fühlte ein Liebelfein, das an Brechreiz grenzte. „Du — nur Du!“ spielte die etwas ausgeleierte Karussellorgel, während ihre Hände unbewußt hilfesuchend nach denen des Mädchens griffen, das ihr mit strahlenden Augen und fliegenden Locken gegenüberfaß. „Sie müssen sich nicht graueln!“ lachte eine helle Glockenstimme. „Es ist doch wundervoll! Nehmen Sie auch meine andere Hand und halten , sich an mir fest! — Ist es denn nicht herrlich?" Suse wußte nicht, wie ihr geschah! Sie klammerte sich an die weichen Finger und hielt die Augen geschlossen, riß sie aber plötzlich schreckhast auf, als die Stimme neben ihr mit einem Jauchzen in die Menge hinabrief: „Dieter!--Diiiieter!--Hallo, Sieter» chen!" Suses falte Hände gaben die jungen, lebens» warmen frei. Das Kino winkte jetzt mit jubelnder Geste zu dem Mann hinab, der mit dem Teddy» Bären im Arm zu ihnen heraufsah. Ihr Blick streifte das Gesichtchen gegenüber. Das fürchterliche Llebelsein, welches' sie- gepackt hatte, war schuld daran, daß sie erst jetzt ge» wahrte, wie sich die beiden ähnlich waren. Daß sie ihn Dieter nannte, war selbstverständlich. Cs war ihm Wohl peinlich, sich Vater rufen zu hören. Eigentlich empfand sie etwas Zorn gegen ihn. Das war feige! Die Tränen stürzten ihr plötzlich aus den Augen. Dazu dieses fürchterliche Gefühl des Schwebens. Dann verlangsamte sich dieDewegung. Irgend etwas an den Schrauben mußte wohl nicht in Ordnung sein, denn sie vernahm ein Hämmern und dann hingen sie wohl fünf Minuten zwischen Himmel und Erde. Lind unten stand „er“ und sah unverwandt zu ihr herauf. Nahmen diese Minuten kein Ende mehr? Immer wieder riß sich ihr Blick von ihm los und kehrte in der nächsten Sekunde wieder zu ihm zurück. Sie befand sich wie unter einer Hypnose. „Ist es nun besser?" fragte daS Kind und streichelte ihre eisigen Hände, die regungslos im Schoße ruhten. „Nehmen Sie ein bißchen von meiner Schokolade. Dann wird es sicher gut! — — Ditte!" — Die Kleine hielt ihr eine Tafel Milchschokolade entgegen und nickte ermunternd, als Suse zaghaft davon her^nterbrach und den Würfel zwischen die Zähne schob. (Schluß folgt.) Bettstellen "ssr?-« c. Rohr* c<>. fBad Leiters Statt cTCarten/ SJfjve °Uerlo6ung ge6en Gebannt das zeitgemäße Bad heilt Leber, Galle, Magen,Darm, Gicht,Rheuma ERÖFFNUNG AM 1. MAI 1932 SttavGurger Str. 24 2)ammstraße 45 gießen, den 23. 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Verhältnis von Männer- una Frauenvereini^ung zur „Hilfe im Sterbefair, 3. Rechnungsablage, 4. A oranschlag für 1932, 5. Vorstandswahl, 6. Verschiedenes.Der Vorstand» Famitien-Drucksachen Verlobungsanzelgen . Ä Vermählungsanzeigen bei Brühl, Schulstraße Geburtsanzeigen