Nr. 70 Erstes Blati 182. Jahrgang Mittwoch, 23. März 1932 (Er|d)etnt täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblälter Heimat im Bild • Die Scholle Monat, Bezugspreis: Ditt 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Bnjeiger Olehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnMger General-Anzeiger für Oberhessen druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vuch- und Stemöruderei R. Lange in Sietzen. SchriftleUung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- blameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°, mehr. Chefredakteur. Dr. Friede. will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Will). Lange; für Feuilleton l)r H.Tbyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Gießen. Die Wett ehrt Goethe am 22. März. Oie völkerverbindende Krast des deutschen Geistes. — Huldigung der Nationen vor dem Genius von Weimar. Goethes 100. Todestag als Feiertag in aller Welt. Oer Goethetag in Weimar. Aürdigc (Scöcntfcicr der Rcichsrcgicrung. Weimar, 22. März. (WTB.) Der Tag d-.'S Gedenkens an den Tod des größten deutschen Dich krrs ist ein rechter Frühlingstag. In der Goethestadt Weimar strahlt die Märzsonne, eie wärmt noch nicht, aber sie leuchtet. Bor hundert Jahren zur gleichen Stunde sagte der sterbende Dichter in seinem Haus am Frauenplan: „Macht doch die Fensterladen auf, damit mehr Licht hereinkommt." rillte liegt die Stadt im Lichte. Der kühle Früh jahrswind bewegt die Fahnen in den Reichs- und Landesfardeil auf den öffentlichen Gebäuden der lhüringischen Landeshauptstadt. In den Straßen zeigt sich eine festlich gekleidete Menge. Zur Zenle- norfeicr des Todestages Goethes haben sich Zahlreiche Bertreler des Reiches, der Länder, des Schrift- lums, von Kunst und Wissenschaft in der sonst so ruhigen Ilmstadt versammelt. In der neuen, nach dem Entwurf der Baumeister Aogler gebauten und mit einer Kolossalbüste Goethes auf einem Lorbeerhintergrund geschmückten Stad k- balle versammelte sich am Vormittag um !>.30 Uhr rin erlesenes Auditorium zur offiziellen Reichsfeicr. Bor der Halle standen zwei mit Grün geschmückte Pylone, aus denen Flammen loderten. Es ist nicht möglich, die Namen aller derer aufzuzählen, die aus Deutschland und dem Auslande zu dieser Feier- flunde gekommen waren. Genannt seien Reichskanzler D r. Brüning, Reichs Minister D r. ltzroencr, die Staatssekretäre Meißner und 2r. P ü n d c r, Kultusminister G rimme, die Ministerpräsidenten der deutschen Länder und z. T. auch die Kultusminister, Reichstagspräsident Lobe, Vertreter des Reichsrats, Staatsminister a. D. Dr. h. c. Leutheußer, ferner die führenden Ber- freter der europäischen und außereuropäischen Länder, darunter der französische Botschafter Franko is-Bo nc et und der italienische Botschafter Orsini Baron i. Ein Liedervortrag des Leipziger Thomanerchors leitete die Feier stimmungs» ecili ein. Der Präsident der Goekhe-GejeUschasl. Pro- jcflor Dr. Julius Petersen, hielt die Gedächtnis- rede. Pros. Petersens Gedächtnisrede. Auf dem Wege zu der Gruft, die an dem heutigen Tage Mittelpunkt des ganzen Weltbewustt- scinS magnetischer Pol alles Menschengedenkens geworden ist, bleiben wir stehen und suchen nach dammlung und Besinnung. 2n der geweihten Woche, die zu den Ostertagen hinstrebt und die in dem Ziclgedanken des Erlöser-Grabes die ganze Christenheit zusammcnsührt, sei es erlaubt, die Zeitrechnung um zu stellen und die Marksteine der Jahrhunderte nicht nach Christi Geburt anzusehen, sondern nach seinem Tode. 19 Jahrhunderte sind es dann, auf die wir zurückblicken. Und das oorlehte der Reihe, das 18., das trotz Friedrich dem Grostcn und Napoleon, trotz Kant und Hegel, trotz Mozart !t*) Beethoven nach seinem geistigen Gesicht und Reibendem Gehalt als das Zeitalter Goe - !hes bezeichnet wird. Cs ist das Jahrhundert einer deutschen Renaissance, die in Weimar ihren Vipfel erreichte. Das Saeculurn, das heute endet, das Jahrhundert seit Goethe, kann gleichfalls sein Jahrhundert genannt werden, fotocit es in feinem Anblick lebte. Diesem Jahrhundert war es vergönnt, erst die volle vröhe Goethes zu ermessen. Noch heute ift Goethe in der Fülle seiner Unerschöpflichkeit ein Bild immer neuen Wandels und Wachstums. Die Menschen, die den 22. März 1932 erlebten, slonden im Bewußtsein einer Weltwende. Sonnenuntergang färbte das Gewölb und in der hereinbrechenden Dämmerung schaute man aus nach neuen Gestirnen. Alle geistigen Schöpfer- träftc, so hieb es nun, müssen der Politik zu- gelenft werden. Alle den Erfindungen der Technik. da cs mit dem Reiche der Dichtung zu Ende H Der groste Einzelne hotte seine Rolle aus- gespielt. Die stille Gemeinschaft der schönen Seelen vvrde durch Forderungen der Massen gesprengt unt> das Tempo der Entwicklung erlaubte kein ruhiges Verweilen mehr. Heute stehen wir am kvde und sehen, wie herrlich weit cs die Menschheit gebracht Hot im neuen Jahrhundert, das sich mit apokalyptischen Zeichen anzeigt, sehen wir nicht ohne Bangen entgegen. Die Hoffnung ober ist es, die aus dem Gefängnis der Gegenwart zu befreien vermag. Don ihr beflügelt, knengt der Dichter die Pforten der Zukunft und 'cheitet vor uns in ihr Dunkel hinein. Der Redner kennzeichnet dann im Einzelnen das tiefe Wissen des Weisen, der alles kommen sah, Des nun gekommen ist. Er hat eine Altersentar- tung der Menschheit gesehen in der Anhäufung -n den Großstädten und er hat die gesunde Volks- krcft des Landvolkes herbei gerufen, um die verlinkende Menschheit wieder aufzusrischen. Miß- Serstandcn in seinem vaterländischen Fühlen hat cr den tröstenden und festen Glauben an die Zutuns t seines Volkes niemals verloren. Heute ist biescs grobe Dolk nicdergetreten und g e - demütigt, auscinandergerissen und in seiner Dauer gefährdet. Aber eS wird immer bestehen in seinem großen Lebens- glauben. Am Todestage des letzten großen Weltdichtcrs ist auch die Menschheit niedcrgctre- ten und auseinandergerissen. Die verheißende Botschaft des Triumphes des rein menschlichen aber ist bestimmt zum einendenSymbol der ganzen Menschheit. Petersen gab dann im weiteren eine tiefe geistige Erfassung des Lebens und der überragenden Persönlichkeit Goethes, die über alle Zeitalter weit hinausgreift. Sein Grab ist für uns kein Grab Gottes, es ist nicht einmal das des Propheten. Dieser Wallfahrtsort ist kein Mekka Deutschlands, aber es ist im gewissen Sinne nnchr. Dieses Grab ist die Stätte der dreifachen Ehrfurcht, die zusammenfließt in der obersten Ehrfurcht, der vor dem deutschen Dolk. Dreifache Ehrfurcht bringen wir an drei Särgen entgegen, die hier in der Weimarer Fürstengruft zusammenstehen: dem des Fürsten, dem des Freundes und dem des Menschen, der die höchste Höhe erreicht hat. Bewunderung, Hingabe, Dankbarkeit und Treue sind die Kränze, sind die Blumen, die wir hier niederlegen. Die Rede Petersens war außerordentlich eindrucksvoll und fand starken Widerhall. Der Leipziger Thomaner -Chor, der zu Beginn Goethes Worte von den Freuden und Schmerzen, die die Götter ihren Lieblingen spenden, gesungen hatte, fang am Schluß das Goethe- lied „Laßt fahren hin das alte flüchtige". In der Zeltcrschen Vertonung, ganz so. wie es einst vor 100 Jahren in der Bestattungsstunde am Sarge Goethes erklang. Dann pilgerten die Goethe-Freunde aus aller Welt, die sich hier zu. Feierstunde cingcfunben hatten, zum F.ied- hof hinaus: Abgesandte aller Kulturländer der Erde, Botschafter, Gesandte, Geschäftsträger, Köpfe der Wissenschaft und der Kunst, Vertreter der deutschen Länderregierungen, der Kirchen, der Universitäten, der Städte. In der Weimarer Kürsiengruft zu Goethes Todesstunde. Als um 11.30 Uhr zu Beginn der 100jährigen Wiederkehr von Goethes Todesstunde die Glocken von allen Türmen riefen, säumte den Friedhof eine vielhundertkopfige Menge in schweigender Erwartung. Unablässig fuhren die Abordnungen vor und wanderten mit blumenreichen Kränzen die lange Allee bergan bis zur Fürstengrust, wo in weitem Halbkreise Fanale loderten. Die beiden Eichensärge mit den schlichten Inschriften „G o e t h e" und „Schilfe r" sind heute mit jc einem silbernen Kranz geschmückt. Der Kranz auf dem Sarge Schillers ist von Hamburg, der Kranz auf dem Sarge Goethes von den Frauen Prags gestiftet. Rachdcm die ehemalige Großherzogin Feodora von Sachsen-Weimar-Ci- s c n a ch zu ihrer Rechten Staatssekretär Meißner als Vertreter des Reichspräsidenten und zu ihrer Linken Reichskanzler Dr. Brüning erschienen waren, sprach Pros. Petersen kurze Worte des Gedenkens. Als erste legte die Frau Großherzogin als Herrin der Fürstengruft ihren Kranz nieder. Sodann traten Reichskanzler Dr. Brüning für die Reichsregicrung und Staatssekretär Dr. Meißner für den Herrn Reichspräsidenten an den Sarkophag. Auch Vertreter der mit Goethe verwandten Familien waren in das Gewölbe hinabgegangcn, um die Kranze am Sarge selbst niederzulegen. Die übrigen Abordnungen brachten ihre Blumengaben vor einer Goethebüste in der Grufthalle dar. Zunächst die Vertreter ausländischer Rcgicruit- g e n , die Staats- und Ministerpräsidenten der Länder, die Minister und die Reichsratsbcvoll- mächtigtcn; Vertreter der deutschen Städte, geführt von dem Abgesandten der Stadt Frankfurt a. M. als der Gcburtsstadt Goethes, Abordnungen des Auslanddeutschtums, der Deutschen Kunst und Dichtung, unter ihnen Dinding, v. Münchhausen, Schaffner, Thomas Mann, Kolbenhcyer usw. Dann die Intendanten der deutschen Bühnen, die Vertreter der Kunsthochschulen und der Kunstver- bände, der deutschen Wissenschaft unter Führung der Hnincrfitäten Leipzig, Jena, Frankfurt (Main) und Berlin; Vertreter dec deutschen Akademien, wissenschaftlicher Gesellschasten >md der deutschen Presse, der Kunst und Wissenschast des Auslandes, der Konfessionen, schließlich der Ehrenausschuß für die Goethefeier 1932 und zahlreiche Abordnungen weiterer Organisationen und Verbände. Die stille Grusthalle verwandelte sich in ein Meer von Blumen; noch lange, nachdem die offiziellen Abgesandten ihre Spenden niedcrgelegt hatten, kamen Menschen, junge und alte, um ihre Blumen darzubringen. Diese Ehrung Goethes in der Stunde, da er vor hundert Jahren von uns schied, war in ihrer wortknappen und schweigenden Würde die ergreifendste des Goethegedenktages. Eine Silberne Goethe-Medaille. (Stiftung des Reichspräsidenten im Goethe-Jahr 1932. ;O Die silberne Goethe-Medaille und einige der hervorragendsten Persönlichkeiten, denen am Goethe Gedenktag die Medaille vom Reichspräsidenten verliehen wurde. — Obere Reihe, links: Gerhart Hauptmann; rechts: Ricarda Huch. — Untere Reihe, links: Hermann Stehr; rechts: Leuthäuscr. der frühere thürin- gische Minister und Leiter der Weimarer Feierlichkeiten. Berlin, 22. März. (WTB.) Als Auszeichnung für Verdienste um Kunst und Wissenschaft hat der Reichspräsident im Goethejahr 1932 eine Silberne Medaille gestiftet, die bei den Feierlichkeiten in Weimar erstmalig einer Reihe von Persönlichkeiten verliehen wird. Sie wurde geschähe v von Professor Waldemar Raemisch, Lehrer an den Vereinigten Staatsjchulen für freie und angewandte Kunst. Die Medaille wurde verliehen: Gerhart Hauptmann, Thomas Mann, Hermann Stehr, Stephan George, G. E. Kolbenhcycr, Wilhelm Schäfer, Hans C a r o f f a , Wilhelm von Schslz, Rudolf Bindisg, Ricarda Huch, H a n d e l - M a z e 11 i. Walter o. Molo, ferner die Goethe-Forscher Professor Petersen, Pro- feffor K ü l) n e m a n n (Breslau), Professor Kip penberg (Leipzig), Professor Korfs (Leipzig) und Beutler (Frankfurt a. M.), joroic verschiedene ausländische Goethe-Forscher, die gegenwärtig in Weimar weilen, darunter Henri Lichtenberger (Paris), Prosessor R o b e r s o n (London), Prosessor Farinelli (Rom>. Unter den weiterhin ausgezeichneten Persönlich- feiten befinden sich Reichskanzler Dr. Brüning, Reichsinnenminister Dr. Groener, Kultusmini- fter Grimme, Innenminister K a e st n e r (Thu ringen), Minister a. D. Ür. h. c. Leutheußer, Oberbürgermeister Dr. Goerdcler (Leipzig». Oberbürgermeister Dr. L a n d in a n n (Frankfurt a. M.), Oberbürgermeister M ü M c r (Weimar», Reichskunstwart Redslob und Rtinisterialdirel tor Donnevert, ferner die Rektoren der Universitäten van Leipzig, Jena nnb Frank furt a. TI., sowie Generalintendant ll l b r i d) (Weimar). Festaufführung des „Taffo". TasWicncr'-Nurstlhcatcrftasticrt in Weimar. Weimar, 22. März. (£11.) Der künstlerische Glanzpunkt der Goethe-Gedenkfeier war das Ehren gast spiel des Wiener Burg t Heaters, durch das das Wort von der deutschsprachigen Kulturgeineinschast zu schönster und vollendetster Tat wurde. Wiens Bühne, die Stätte ältester Theatcrkultur, bot mit dem „T o i q u a t o Dass o" ein künstlerisches Ereignis, das das festliche Haus immer wieder zu stürmischem Beifall hinriß. Raoul Aslan war ein Tasso von außerordentlicher Größe. Fred Hennings. Elfe W o h l g e m u t h, Emma Johannsen und Ewald Balser in den übrigen Hauptrollen waren ihm ebenbürtig. Das Wiener Burgthcater unter der Regie von Albert Heine hat sich das Verdienst erworben, dem Todestag Goethes einen großen Ausklang gegeben zu haben. Der Vorstellung wohnten der Reichskanzler Dr. Brüning. Reichsinnenminister Dr. Groener. Staatssekretär Meißner und sämtliche diplo- .matischen Ehrengäste des Tages bei. Die Anwesenheit des österreichischen Bundesministers Dr. C z e r m a k wurde besonders begrüßt. Diens- tagnachmittog empfing Reichskanzler Dr. B r ü ning den Bundesminister zum Tee. Der Präsident des österreichischen Rationalrats, Dr. R e n ncr. legte gemeinsam mit dem Präsidenten des Deutschen Reichstages einen Kranz an der Fürstengruft nieder. Eine Stunde der deutschen Volksgemeinschaft. Um weiteren Kreisen, denen cs nicht möglich war. der „Tasso"-Ausführung beizumohnen, einen würd' gen Ausklang des Goethe-Gedenktages zu bieten, sand am Dienstagabend in der Weirnarballe eine Veranstaltung statt, die unter dem Titel „qd t u n b < der deutschen Volksgemeinschaft" stand Ihr wohnten Diplomaten und Regierungsoerlrel.i bei. Rach der „Egmont"-Ouoeriure sprachen drei Redner, die jeder die Begriffe „Volkstum" und „Weltbürgerlichkeit" bei Goethe zu klären suchten Walter von Molo schilderte Goethe als den Vertreter des deutschen Volkes, der alle Gegenpole in sich vereinigt und zum Ausgleich bringt. Leine Worte klangen aus in eine scharfe Absage an alle die, die den Deutschen das Recht auf freie Entwick lung und Sicherheit nehmen wollen und an den Wahnsinn aller Verstockter, die zu ihrem eigenen Untergang das Volk Goethes in der Welt zu fesseln suchen. Gegen solche Versuche setzt das deutfchc Volk in der Stunde seiner Volksgemeinschaft das Goethe Wort: „Sie sollen nur des Gesetzes spotten, sie wer den zuletzt an ihm zuschanden werden!" — Eine philosophisch gehaltene und gcdanklid) sehr inter essante Untersuchung gab sodann der Dichter K v I benheyer über Goethes Weltbürgertum. Er warnte davor, dieses Weltbürgertum, wie man rt- heute vielfach tue, für eine bloße internationale Geistigkeit in Anspruch zu nehmen. Goethes Weltbürgertum sei erwachsen aus dem Boden des Volks tums. Schließlich sprach Prosessor Hans Eibl (Wien) im Tarnen der Ausländsdeutschen. Auch er wies auf die deutschen Quellen von Goethes Geistig keit hin und entwickelte von da aus Goethes Wer den an seinen Werken, insbesondere an der deutschen Idee der Faust-Dichtung. — Die Stunde der Volt- gemeinschaft klang aus in ein machtvolles Chorwerk, das noch einmal die Herzen höher schlagen ließ. Oie Huldigung Oesterreichs. Am Dienstag fand die Goethc-Feier der öfter- reichischcn Bundesregierung statt. Rach Charge sängen sprach Professor Wilhelm Klitsch den. von dem österreichischen Dichter G i n z k e y versüßten Prolog. Bundespräsident M i k l a s erklärte in einer Ansprache, cs sei eine Ehrenpflicht Oesterreichs, der Sterbestunde Goethes, diese« Fürsten deutschen Geistes, zu gedenken und bic Einheit mit den Deutschen im Reich und auf dem ganzen Erdenrund darzutun. Der Redner erinnerte dabei an das GriUparzerwvrt: „Wcr kein Verehrer Gvcthes ist. für de« sollte Zein Raum sein auf der deutschen Erde". Nach Gedenkworten des Bundeskanzlers B u r e s ch hielt der Professor der neuen Literatur an der Wiener Universität, Professor Franz Arnold, die Gedenkrede. Frau Hedwig B l e i b t r e u, die bekannte Schauspielerin, trug Goethe-Gesänge vor. Goethe-Feier in London. Zu einer eindrucksvollen Kundgebung für das „unsterbliche Andenken Goethes" gestaltete sich das Frühstück der britischen Regierung im Unterhaus, an dem als Ehrengast der Vertreter der Reichsregierung, Reichsverkehrsminister Treviranus, teilnahm. Den Vorsitz führte der Präsident des Llnterrichtsamtes, Sir Donald Maclean, der in seiner Begrüßungsansprache erklärte: Wir begrüßen hier mit besonderer Wärme Vertreter der Ration, die diesen großen Mann hervorgebracht hat. Ich bin sicher. Sie werden es nur als einen neuen Tribut an diesen mächtigen Sohn Deutschlands ansehen, wenn ich sage, daß er letzt der Welt gehört. Am Dienstagabend fand in der Fishmongers-Halle die große Goethe-Jahrhundertfeier Londons statt Außenminister Simon hielt die Festrede. England zolle seinen Tribut dem Andenken einer olympischen Gestalt, die nicht nur allein Deutschland gehört, sondern die für alle Zeiten als ein großer Weltbürger dasteht. Goethe stehe wie Shakespeare — und Shakespeare gehöre Deutschland so wie Goethe England gehört — über dem Wirbel vorübergehender poli- I tischer Anschauungen als einer der unbeweglichsten Pfeiler, auf die wir die Brücke legen müssen, auf der | die Menschheit zu einer besseren Auffassung über die Gesellschaft zu einer neuen Welt und einer freundlichen Zusammenarbeit schreiten möge. Goeihe-Jeiern in Frankreich. Die staatliche Sendestation des Pariser Eiffelturms beteiligte sich ebenfalls an den Kundgebungen anläßlich des Goethetages. Gestern gab sie eine Szene des „Clavigo" wieder. Der Sprecher führte die Hörer in die Welt Goethes ein. Heute wird eine Szene aus „Iphigenie" mit Musik von Gluck wiedergegeben, woran sich ein Vortrag über Goethes Dramaturgie an- schließt. Die Komische Oper veranstaltete eine Goethe-Feier. Sie wurde eingeleitet mit der „Egmont"-Ouvertüre von Beethoven und durch ein Huldigungsgedicht an Goethe, dessen Verfasser Andrö Dumas ist. Außerdem wurde die Massenetsche Oper „Werther" zur Ausführung gebracht Vor Beginn des dritten Aktes trug die österreichische Sängerin Ranzow sieben von Schubert vertonte Goethe-Gedichte vor. Goeiheehrung in der Ewigen Stadt. Dienstag vormittag legten der Gouverneur von Rom, Fürst Boncampagni, namens der Ewigen Stadt und der deutsche Botschafter von Schubert im Namen der Reichsregierung am Goethedenkmal in der Billa Borghese Lorbeerkranze nieder. Auf dem evangelischen Friedhof in Rom war das Grab von Goethes Sohn mit frischen Blumen geschmückt. Die Stadl Franksmt ehrt ihren größten Sohn. Oie Festrede des Goethepreisträgers Prof. Albert Schweitzer. Die Stadt Frankfurt beging gestern den 100. Todestag ihres größten Sohnes in einfacher aber würdiger Weise. Das Geburtshaus Goethes im Großen Hirschgraben trägt reichen Flaggen- schmuck und am Fuße des blumengeschmückten Goethedenkmals liegen zwei mächtige Lorbeerkränze. Im Opernhaus versammelte sich eine große Festgemeinde zu einer Weihestunde. Prominente aus Frankfurt und seinem Umkreis erschienen. Man sah u. a. den Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Äassau, den hessischen Innenminister Leuschner, die Oberbürgernieister von Maiiiz, Offenbach, Darmstadt, Marburg, Rektor und Senat der Frankfurter Universität, die Rektoren der Universität Gießen und der Technischen Hochschule Darmstadt sowie sonstige süh- rcnde Persönlichkeiten des künstlerischen und wirtschaftlichen Lebens. Rach einem musikalischen Vorspiel ergriff der Träger des Frankfurter Goethepreises, Professor Albert Schweitzer, das Wort zu einer eindrucksvollen Gedenkrede. In meisterhafter Weise verstand er cs, ein abgerundetes Bild von Goethes Leben und Wirken zu geben. Schweitzer schilderte Goethe als eine auf Wahrhaftigkeit und Lauterkeit gegründete und durch Geistigkeit, Gelassenheit und Friedfertigkeit ausgezeichnete Persönlichkeit. In seiner Dichtung offenbare sich Goethe als Denker. Goethes Philosophie sei elementare, ethische Raturphilosophie. Goethes Ideale des Menschentums beständen in der Vereinigung von Verinnerlichung und Tat. Der Redner ging dann auf das Leben des Dichters ein und die Bedeutung Goethes als Raturforscher. Die Botschaft Goethes an unsere Zeit habe einen überzeitlichen Charakter, weil Goethe sich an den einzelnen Menschen wende, nicht an öie Gesellschaft irgend einer Zeit. So gedenken wir des Hinscheidens Goethes in der gewaltigsten Schicksalsstunde, die je für die Menschheit geschlagen hat. Darum hat es einen Sinn, daß unser Blick auf ihn, den Verkünder echtesten persönlichen Menschentums gerichtet ist. Das „Sei du selber", das aus seinem Leben und aus seinen Werken herausklingt, bekommt in unserer Zeit die Bedeutung einer welthistorischen Parole. Professor Schweitzer gab zum Schluß einen Ausblick auf die in weniger als zwei Iahrzehnten zu feiernde 200. Wiederkehr des Geburtstages Goethes. Gruß und Dank des Elsaß an Frankfurt. Der Bürgermeister der Stadt Straßburg hat an oen Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt a. M. folgendes Telegramm gerichtet: Die Stadt Straßburg entbietet der Stadt Frankfurt a. M. anläßlich der 100. Wiederkehr des Todestages ihres größten Sohnes den Gruß und Dank des Elsaß. Sie ehrt mit der ganzen Welt In Goethe den ge, ialen Dichter und Denker, den unermüdlichen Arbeiter und schöpferischen Volksbildner, den großen Wegbereiter einer geistigen Gern -schäft der Bölter. Sie ehrt das Gedächtnis des V. ,en Goethe, der einst durch sein Wirken in unserer Stadt auch unserer Heimat ein ewig schönes Denkmal gesetzt hat. Der Bürgermeister der Stadt Straßburg. gcz. Charles Huber. Zahlungseinstellung der Junkers-Werke, Dessau. Das große deutsche Flugzeugbau-Unternehmen strebt den Vergleich an.- Keine Lleberschuldung, aber Mangel an liquiden Mitteln. Berlin, 22. Mürz. (1BXB.) Die Junkers- Werke haben in ihrer Gesamtheit ihren Gläubigern mitgeteilt, daß sich Professor Junkers im Interesse der Fortführung seiner Werke und zum Schuhe der Gesamtinteressen der Gläubiger verpflichtet gehalten hat, das gerichtliche Vergleichsverfahren zu beantragen und daß im Verfolg dieser Maßnahme die Za hlungenein gestellt worden sind. Ls f e h l t den Werken a n l i q u i d e u Mitteln, lleberschuldung liegt nicht vor. llmsah und Auslragsstand bei den einzelnen werken sind nicht ungünstig. Man ist entschlossen, das Bestehen der Werke auf alle Fälle sicherzu- stellen. Die Junkers-Diesel-Kraslmaschinen-Gmbh. in Lhemnih wird von diesen Vorgängen nicht berührt. Der Hauptgläubiger der Iunlers- Motorcn-G. m. b. H. war die Firma Dorsig in Berlin. Durch die Insolvenz dieser Firma kam die Iunkerswerke in Sch w i e r i g- keiten und sahen sich deshalb genötigt, mit dem Verkehrsministcrium in Verbindung zu treten, das auch entgegenkam, doch wurden die Verhältnisse trotzdem immer schwieriger. Da das Ausland wenig aufnahmefähig ist, war cs den Iunkerswerken nicht möglich, rechtzeitig Ausgleich zu schaffen. Bei den Flugzeugwerken ist die Lage zwar auch schwierig geworden, es ist aber in den letzten Monaten durch Hereinnahme von Auslandaufträgen eine wesentliche Besserung eingetreten. Außer den südamerikanischen Staaten haben auch osteuropäische Länder Flugzeuge bestellt, so daß im Ianuar sogar Arbeiter eingestellt werden konnten. Die Durchführung dieser Aufträge stieß aber auf Schwierigkeiten, die durch die Illiquidität aller Werke verursacht waren. Das Reichsverkehrs Ministerium hat bereits vor längerer Zeit die vorhandenen Sanierungsbestrebungen unterstützt, und für einige Monate gelang es, im Rahmen der üblichen In- dustriebetreuung, dem Werk über seine Schwierigkeiten hinwegzuhelfen. Man erstrebte die bri- vatwirtschaftliche Beteiligung eines Geldgebers unter einer gewissen Hilssstellung durch das Reich. Der Versuch ist infolge der heutigen Gestaltung der Wirtschafts- und Kreditverhältnisse gescheitert. Die Hilfe des Reichs durch eine aber- malige Beteiligung an dem IunkerS- Konzern oder durch andere Stühungsmaßnahmen Tann bei der gegenwärtigen Finanzlage und im Hinblick auf die notwendige Gleichmäßigkeit in der Behandlung von Industriefirmen nicht in Aussicht genommen werden. Sie würde auch erhebliche Mittel erfordern, die nicht zur Verfügung stehen. Dagegen ist die weitere ilntcr* stützung der Firma Junkers beabsichtigt, wenn es nach Beendigung des Vergleichsverfahrens auf privatwirtschaftlichem Wege gelingen sollte, das technisch wertvolle Unternehmen zu rekonstruieren. Ein Aufruf des Giahihelm zur Preußenwahl. Berlin, 22. März. (TU.) Funlspruch. Der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, erklärt u. a. zur politischen Lage: Im ersten Wahlgang ist die Wiederwahl des Reichspräsidenten v. Hindenburg mit überwältigender Mehrheit des deutschen Volkes entschieden. Der Stahlhelm sieht daher keinen Grund ein, sich als Bund noch am 2. Wahlgang zu beteiligen. Rachdem diese Entscheidung gefallen ist, stehen wir vor einer neuen Entscheidung in Preußen. Für diese Entscheidung am 24. April heißt eS: „Keine Stimme dem System, keine Stimme einer Parteidiktatur". Endziel bleibt die gemeinsame Staatsführung durch die Rationale Front. Der Stahlhelm kann nur Parteien unterstützen, die mit ihm in treuer Bundesgenossenschaft den Kampf um die innere Befreiung geführt haben. Wo Stahlhelmkameraden als Kandidaten aufgestellt werden, werden die Kameraden diesen ihre Stimmen geben. Auch in den letzten schweren Kämpfen gegen eine gewaltige politische Dlebermacht ist die innere geistige und politische Geschlossenheit der Tleber - Parteilichkeit des Stahlhelm stärker denn je geworden. Reichslandbund und Präsidentenwahl. Berlin, 22.Mürz. (CNB.) Der Bundesvorstand des Reichslandbundes hat heute in einer Entschließung seine Richtlinien für den zweiten Wahlgang der Reichspräsidentenwah! festgelegt. Mit der Begründung, daß „ein deutscher Bauer am 10.Avril nicht Arm in Arm mit der bau« ernfeindlichen Sozialdemokratie den Reichspräsidenten wählen könne" empfiehlt der Bundesvorstand die Stimmabgabe für Hitler. Keme Kandidatur Klaus Heims. Berlin, 22. März. (ERB.) Zu den Nachrichten, wonach augenblicklich Unterschriften für eine Kandidatur des holsteiniscyen Bauernführers Klaus Heim für den zweiten Wahlgang der Reichspräsidenten- wähl gesammelt werden, ist darauf hinzuweisen, daß Reue Herausforderung Litauens. Oer litauische Landespräsident löst den memelländischen Landtag auf, der dem neuen Direktorium Simaitis das Mißtrauen ausgesprochen hatte. Memel, 22. Marz. (WTV.) In der heutigen Sitzung des Memelländischen Landtags, an der zahlreiche Vertreter der in- und ausländischen presse teiinahmen, verlas der neue Landespräsident Simaitis die Regierungserklärung. Der Präsident stellte feine Mitarbeiter dem Landtag vor. ging dann auf die Gründe ein, die nach Ansicht der litauischen Regierung zur Absetzung des Direktoriums Böttcher geführt hätten und schilderte die Verhandlungen wegen Bildung eines neuen Direktoriums. Lr betonte dabei, daß es notwendig fein werde, diejenigen Beamten, die nicht die litauische Staatsangehörigkeit besähen, aus dem Dienst des Memelgebietes zu entfernen. Die Rede wurde von den Abgeordneten kühl angehört, nur stellenweise, wo sie Unstimmigkeiten enthielt, durch Zwischenrufe unterbrochen. Bei der Besprechung der Regierungserklärung stellten zunächst dieMehrheitsparteien nach längerer Begründung den Antrag, dem jetzigen Direktorium das Mihtrauen auszusprechen. Die litauische Fraktion sprach sich für die jetzige Regierung aus. Danach erklärten sich noch die Vertreter der Sozialdemokraten und der Arbeiterpartei ebenfalls gegen das Direktorium Simaitis. In der Abstimmung wurde der Antrag der Mehrheit». Parteien mit 22 gegen die 5 litauischen Stimmen angenommen. Darauf verlas Präsident Simaitis einen Akt des Gouverneurs, wonach der Memellän- difche Landtag aufgelöst wird. Empörung in der Berliner presse. Entschiedene Gegenmaßnahmen gefordert. Berlin, 23. Män. (ERB.) Die durch die Auflösung des Memel-Landtages durch Litauen geschaffene neue Lage findet ihren Riederschlag in der Berliner Presse. Die Germania führt aus, daß Litauen sich unzweifelhaft erneut eine schwere Verletzung des Memel st atuts habe zuschulden kommen lassen, die man in Deutschland nicht gleichgültig hinnehmen werde. Doch werde eS zunächst Sache der Signatarmächte fein, die Konsequenzen aus ihrer Rote zu ziehen. Die Dossische Zeitung erklärt: Es drohe das einzutreten, wovor Staatssekretär v. Bülow im Laufe der Memelverhandlungen des Völkerbundsrates ernstlich und dringend gewarnt hat: der durch die illegale Absetzung Böttchers im Memelgebiet geschaffene illegale Zustand werde von der litauischen Regierung zu neuen illegalen, dem Memelstatut widersprechenden Maßnahmen ausgenutzt werden, wenn nicht die Mächte, die die Garantie für das Memelstatut übernommen haben, schnell und energisch eingreifen. Daß esmitProte st n o t e n nicht getan sei, zeigten die neuesten Maßnahmen Kownos mit trauriger Deutlichkeit. Die „D A Z." meint, es sei ein trauriges Zeichen der Zeit, daß ein erst kaum entdeckter Staat wie Litauen wochenlang die g-rjQjjen Mächte der Welt in beleidigender Form mißachten könne. Der „Lokal - Anzeiger" überschreibt seinen Kommentar: „Handeln I" Für Deutschland liege nun keinerlei Grund mehr vor, die vo« dem Reichskanzler angekündigten Gegenmaßnahmen noch länger hinauszuzögern. Es werde Aufgabe der Regierung sein, Litauen fühlen zu lassen, daß Deutschland auf wirtschaftspolitischem Gebiet, auch bei Schönung der berechtigten Interessen des Memellandes, nicht ganz so wehrlos sei, wie auf machtpoliti- fchem. — Der „Tag" betont, die ganze deutsche Ostpolitik hänge davon ab, ob wir Litauen gegenüber auf dem Standpunkt des Rechts beharren und den S tandpunkt desRechtsdurch- sehen, oder ob wir schließlich uns nur daraus beschränken, die Hilfe der Signatarmächte anzurufen. — Die „Dörfen--Zt g.“ hebt hervor, daß die Auflösung des Landtags eine bewußte Aufhebung des letzten Rechts der Memelländer bedeute, das ihnen nach dem Memelstatut zugesichert war. — Der „Börsen- Courier" unterstreicht, daß es sich nicht nur um einen Gewaltakt gegen das Recht der Memel- deutschen, sondern zu^eich um eine unmihdeut- bare Herausforderung der „6 i g xva* tarmächte" handele. Heim im Bombenlegerprozeß zu Zuchthaus verurteilt worden ist und seine Strafe augenblicklich absitzt. Er kommt deshalb für eine Kandidatur überhaupt nicht in Frage. Nach § 31 des Strafgesetzbuches schließen nämlich Zucht- hausstrasen nicht nur vom Äienst in der Reichswehr aus, sondern sie haben auch die dauernde Unfähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Remter von Rechts wegen zur Folge. Die Senkung des Zierpreises. Berlin, 22. März. (WTB.) Amtlich. Sie 23er- vrdnung über die Bier st euer- und Bierpreissenkung tritt am 22. März in Straft. Sie gebundenen und nicht gebundenen Preise der Brauereien für deutsches Bier mit mehr als 11 v. H. Stammwürzengehalt werden gegenüber dem Stande vom 8. Dezember 1931 um 2,25 M ar k pro Hektoliter gesenkt. Sie Ausschankpreise für deutsches Bier werden in der Weise gesenkt, daß der durchschnittliche Ausschank- preis pro Hektoliter in den einzelnen Gaststätten für jede Biersorte zu vermindern ist: um den Betrag, um den sich derEinkauf s- preis des Gastwirts pro Hektoliter gegenüber dem Stande vom 8. Sezember 1931 vermindert hat. (Ermäßigung der Reichs- und Gemeindebiersteuer sowie des Brauereipreises.) um einen weiteren Betrag von 2,25 Mk. pro Hektoliter. . Wo die Steuersenkung den Betrag von 7 Mark ausmacht, soll der Ausschankpreis für wenigstens eines der am 8. Dezember 1931 in der Gaststätte vorhandenen Gemäße mit weniger als 3- Liter Inhalt um volle 5 Rpf. ermäßigt werden. Wer Vollbier ausschenkt, ist verpflichtet, vom 26. März 1932 ab in seinem Geschäftslokal eine Preistafel anzubringen, auf der die am 8. Dezember 1931 gültig gewesenen und die jeweils geltenden Preise für jede in dem Geschäftslokal aus- geschenkte Maßeinheit Vollbier ersichtlich sind. Verkaufspreise für Flaschenbier sind anteilig um den Betrag zu ermäßigen, um den die Steuern für den Hektoliter ermäßigt worden sind. Soweit der Ausschankpreis in Gaststätten in der Zeit vom 1. Oktober bis 7. Dezember 1931 einschließlich bereits gesenkt worden i st, kann die Anrechnung dieser Senkung auf Antrag gestattet werden. Nie Hessische Landwirischasts- kammer zur Lage. WSR. Darmstadt, 22. März. In der heutigen Budgetberatung der Hessischen Landwirtschaftskammer wurden nach einem Rückblick auf die Rotlage der hessischen Landwirtschaft mehrere Entschließungen angenommen, die von den Reichsund Länderregierungen schnellste und umfassende Hilfe durch Zoll-, außen- und binnenwirtschaftliche Maßnahmen, insbesondere für d i e landwirtschaftliche Veredelungsproduktion, zur Rettung der deutschen Landwirtschaft verlangen. Eine national- sozialistische Entschließung, in der es heißt, die Reichsregierung besitze nicht mehr das Vertrauen der hessischen Landwirtschaft und in der der sofortige Rücktritt des Kabinetts Brüning verlangt wird, wurde von dem Kammerpräsidenten Hensel nicht zügelns f en. Gegen sechs Stimmen fand dagegen folgende Entschließung D e 11 w e i l e r Annahme: Die hessische Landwirtschaft, welche in Deutschland stets an führender Stelle stand, ist durch die falsche Wirtschaftspolitik der letzten 13 Iahre trotz eindringlichster Warnungen aller behördlichen und berufsständifchen Vertretungen heute zum größten Teil ruiniert und zusammen- gebrochen. Hier liegt unbedingt Schuld seitens der Regierung vor. Deshalb beschließt die heutige Hauptversammlung der Hessischen Landwirtschafts- Tammer: «Die Reichsregierung kann nicht damit Weimarer Mädchen in Gretchen-Kostümen halten vor dem Goethe-Schiller-Denkmal Backwaren feil. ?■ A\ KM r rechnen, daß die hessische Landwirtschaft einer Reichsregierung Vertrauen entgegenbringt, die- die bisherige Wirtschaftspolitik beibehält." Aus aller Well. ' ..Graf Zeppelin" begegne! der „Cap Arcona". Das Luftschiff „Graf Zeppelin" hat um 14 Uhr (MEZ.) auf 17.25 Grad Nord und 21.39 Grad West den Hamburg-Süd-Dampfer „Cap Arcona" passiert. Besatzung und Passagiere begrüßten den Luftriesea begeistert. Elly Beinhorn in Australien angekommen. 3n Port Sarmin ist Ellv Beinhorn gleichzeitig mit drei Flugzeugen der vritischen Flugflotte eingetroffen, die auf einem Uebungsflug von Singa» pore nach Australien unterwegs waren. Sieben Kinder vergiftet Auf der ehemaligen Domäne Mariental bei Artlenburg (Hannover), die jetzt Siedlungszwecken dient, hatte der frühere Domänenpächter verendetes Vieh oberflächlich in einer Grube einoegraben, anstatt es vorschriftsmäßig in der Abdeckerei abzuliefern. In der Grube hatte sich Wasser angcfammelt, das bei der Kälte der letzten Rächte gefro ren war. Die Kinder des Siedlers Kiehn hatten die dünne Eisdecke eingeschlagen und von dem Eis gegessen. Alle sieben Kinder erkrankten unter schweren Ver- giftungserscheinungeir. Sie wurden dem hiesigen Krankenhaus zugesührt. wo eines der Kinder b e * reitsgestorben ist. Schweres vrandunglück in Bayern. Ein schweres Brandunglück, dem drei Menschenleben zum Opfer fielen, ereignete sich in der Nacht zum Dienstag in Rottenbuehl (Niederbayern) Auf bisher ungeklärte Weise entstand in dem Wohnhaus der Familien Biller-Wensauer ein Brand, der das Haus einäscherte. Dabei fand der 30jährige Sohn und die Tochter der Familie Biller sowie das siebenjährige Töchterchen dec Familie Wensauer den Tod in den Flammen. Der fN ist >n to beraubt Beamten m1 föten sich j -.ehren! hielten T Oil S* 5 (SS* Ach-/« Hon®1 entstand^ bäudelomp stand, daß y* Asisin anders erh Zäume von jinauf do Jie leichten stick Aus 6t Vielerlei esse mehr ge jung nur ui Zeit möglich kr Herkunft lag fragt Mausend lkhung des: stimmung P- sm wurde c )er Lag der ■^ergeben vo an diesem L men. Die 3 Mgewnde betn Lage fr lich mit dem L'nlah nam und den Lm Srünen, od Sründonners Wie das ' m Donners Jüngern das Nn vorher 'einer Handl Mander zue Mgen Ged Hon unfei W W T zum Mm gehen, die 5 füllen an al llnd nach zogen hatte, nit ihnen zi ijnen an die M und die Mframent d Dein, das £ ,Avch heute W Christi a ® Ms Pri wlen, bei d Mmmerherre .Nietorbei Abwaschung Mer zwölf Wirten ließ mit bem Wxjnncn Jn alten Sei M. & gibt sch und Genscher ChchuS AnerStag t Egern mit Wereinanbei tieroi ,Ner den te? mit9e &n i"l ?! ?n9 d' h3utiv. 40jj "[w®4 »• bis 5 7, . dlS 23 Reinigung" ^tlDEF tbcrall Ä»! SÄ sL SÄ Oie Wetterlage. ien, der 207 iold. erbrachte Ueberall erhältlich. J. J. Darboven, Hamburg 15 2259 V dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf. Der ist in tiW* enbrlnflt "f behält." übrrlchretbt MrDeuitch. die hoiti lenmah. . Ts toexbe en lüh. auf mitt, oming bet nicht n-Ht-vliä, U devii-e te ts durch, nur darauf lächte on^u. hervor, daß detvuhte 4tz der n nach dem .Dörfri,« h nicht nur der Memel« munihdeut, .Cigna« nen hallen vcl waren feil. ^Idre. r?5 te leigten ^nDeut« W» Zeichn, ct Staat n Hiäd)ie tm mih. Srcono". um 11 W iS Md Mit ona1 Len ßulkitfn »s. e. Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitags- oder In der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll llarientol )lungsM^ •SS & riitwA.“ layer"- w ffffl hin IJ/d !«W‘* x® bfll rflnh' Z0Mi§ sK Kommen fflg Ilfl non Sengen. Körung über alle einschlägigen Fragen des rationellen Brennstoff- und OelverbrauchS und über die Voraussetzungen für die wirtschaftliche Qk- tricbssührung eines KrafrwagenS. Der Reifende (Paul Henkel) und feine Frau (Claire Rom- mer). die beide in einem Kraftwagen fahren, der eigentlich für sie viel zu teuer ist, werden von dem Ingenieur (Walter Rilla) darüber aufgeklärt (daS Publikum in allererster Linie natürlich mit), welchen Betriebsstoff sie fahren müssen, welches Ocl — die Markenware, die den Motor schont —, sie werden auch darüber belehrt. welchen Wagen sie sich daS nächste Mal kaufen müssen, wenn das Auto nicht ein allzu großes Loch in den Geldbeutel reihen soll. Originelle Trickzeichnungen über die Arbeitsweise des Motors, über das Derhalten des Brennstoffes und des Oelcs im Zylinder liehen auch dem Laien die technischen Zusammenhänge verständlich erscheinen. 3n weiteren Trickbildern wurde den Besuchern auch die Betriebs- kostenrechnung ausgemacht, die Steuerlasten, die Brennstoffkosten, der Umfang der möglichen Amortisation und noch manches andere statistisch vor Augen geführt. Derjenige, der ein Kraftfahrzeug besitzt oder anschaffen will, So wie ein Wunder..... wirkt IDEE! Daß dem Idee-Kaffee weder etwas entzogen noch hinzugesetzt ist, merken Sie an seinem Aroma und daß er nicht mit Chemikalien behandel! ist an seinem Geschmack. Ein rein physikalischer Umsetzungsprozeß bedingt seine Leichtbekömmlichkeit. Herz-, Nerven-, Magen- und Darmkranke haben zu Tausenden die Leichtbekömmlichkeit bestätigt Hinzu kommt der billige Preis. Sie bezahlen bei Idee für die Leichtbekömmlichkeit keinen Aufschlag. — Das große 200 g Paket kostet nur RM 1 22. Ein Postwagen beraubt Postwagen Brüssel — Antwerpen der Rähe von Antwerpen bei Hoboken Inszenierung Rabenalt und Reinking. Die Dorstellung gilt als 23. Vorstellung im Mittwoch- Abonnement. Opernprclle. Torzug- und Rundfunkautscheine hoben Gültigkeit. Ende 22 Uhr. Während der Ouvertüre bleiben die Saal tüten geschlossen. — Freitag sind Theater und Kasse geschlossen. — SamStag, 26. März, Wiederholung der erfolgreichen Reueinstudierung von Shale- speares .Romeo und 3ulia“ unter der Spielleitung deS 3ntendanten. Raimund Schelchcr und Beatrice Doering sind die Träger der Titelrollen. Diese Dorstellung gilt als 23. Dorstelluni im Freitag-Abonnement. Gewöhnliche Preise. Beginn 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr. Schweres Bootsunglück auf Java. Auf der Reede von Soe^abaja (3ava) ist ein mit 49 Personen besetztes grohes Kanu bei starkem Winde umgeschlagen. 26 3nsassen konnten gerettet werden. Bier Leichen wurden geborgen. Wan befürchtet, dah die übrigen 19 Personen, die noch vermiht werden, ertrunken find. Großscuer im Berliner Vuchhondlervlertet 3n der Dorotheenstrahe 65 in Berlin brach in den Räumen der bekannten Verlagsbuchhandlung von Georg Stille aus noch nicht ermittelter Ursache ein Brand aus. der allem Anschein nach in einem zu ebener Erde gelegenen Srpedi - tionsraum der Firma im ersten Quergebäude entstanden war. Da eS sich um einen alten Ge- bäudekompless mit zwei engen Höfen handelt und Gefahr für die benachbarten Häuser bestand, dah die Flammen auch dorthin ihren Weg nehmen könnten, gaben 4 Züge Feuerwehr aus 8 Röhren riesige Wassermengen in die Flammen. Es gelang innerhalb einer Stunde, die Flammen einzukreisen, so dah für die übrigen Gebäudeteile, in denen mehrere Grundstücksgesellschaften unter» gebracht sind, keine Gefahr mehr bestand. Besonders erheblich ist der Gebäudeschaden. da die Räume vom Erdgeschoh bis inS drille Stockwerk hinauf vollkommen ausgebrannt und die leichten Hvlzdecken zerstört und eingestürzt sind. (Gießen) für 300 Mark gepachtet. Der nördliche Jagdbezirk dieser Försterei, in den Gemeinden Atzenhain, Lehnheim, Merlau und Nieder Ohmen gelegen. 325 Hektar grob, kam für 400 Mark in die Hand von Lteuerinjpetlor Merz (Merlau). Der Jagd- bezirk der Försterei B e r n s f e l d, in den Gemar- kungcn Bernsfcld Atzenhain und Nicder-Ohmen gelegen, etwa 373 Hektar groh, wurde von Fabrikant Julius Messer (Frankfurt a. TI.) für 305 Mark gepachtet. Auch die drei legten Jagden sind durchweg Waldjagden. Der Fischereibezirk I „Seen- bad) und 3 lsba ch", in den Gemarkungen Flensungen, Ilsdorf, Kirschgartcn und Merlau, ilK Kilo- metcr lang, wurde von Heinrich Guthardt (Die- hen) für 115 Mark gepachtet. Den Fischerei- bezirk II „Ohm", In den Gemarkungen Kirschgarten, Merlau und Wettsaosen, 3H Kilometer lang, pachtete Fabrikant Jul. Messer (Frankfurt o M ) für 115 Mark. Der F i s ch e r e i b e z i r k III „O h m", in der Gemarkung Nieder-Ohmen, 3,8 Kilometer lang, kam für 45 Mark in die Hand von Dcterinärrat Dr. Fuchs (Grünberg). Anschließend sand die Der- vachtung der Gemeindejagd Harbach statt. Ungefähr 500 Hektar enthaltend darunter etwa 100 Hektar Wald, erbrachte diese nach zweimaligem Aus- gebot einen Preis von 385 Mart Letztbictender blieb Baumeister Müller (Endbach). Da die Gcnehmi- gung nicht erteilt wurde kam durch nachträgliche Verhandlungen ein Pachtpreis von 500 Mark zu- stände. Der vorige Pächter, Dr. Hofmann (Gießen) zahlte bei einer um ein Drittel größeren Fläche 1100 Mark Pocht. Kreis Büdingen. ♦ Kohden, 22. März. Unsere Gemeinde hat im Verhältnis zu ihrer Einwohnerzahl sehr viele Arbeitslose. Den vereinten Bemühungen des Arbeitsamts Gießen und des Gemeindevorstandes ist es nun gelungen, für die jugendlichen Erwerbslosen von hier eine Beschäftigung für etwa 20 Woche n durch Urbarmachung der Wüstungen der Gemeinde auf und hinter dem Bün- desberg zu fd)affen. Seit einigen Tagen feaben 15 Mann diesen freiwilligen Arbeitsdienst ongetreten. Zunächst wird eine größere Fläche zu einem Sportplatz eingerichtet, der jedenfalls günstigere Bodenverhältnisse und größere Ausdehnung bekommen wird, als der bisherige Sportplatz in dem feuchten Talcsgrund. Kreis Schotten. * Sellnrod, 23. März. Der Lehrer unserer ersten Schulklasse erlitt am Sonntag einen schweren Unfall. Als er sich mit seinem Motorrad auf der Heimfahrt von Weickartshain nach Sellnrod bc fand, stürzte er kur§ vor Lardenbach so schwer, daß er blutüberströmt liegen blieb. Einige junge Leute brachten ihn in das zunächst gelegene Gasthaus. Der sofort herbeiaerufene Arzt brachte ihn in das Krankenhaus zu Laubach. Aus der provmzialhauviKadt. Gießen, den 23. März 1932. Gründonnerstag. Vielerlei Dinge nehmen heutzutage das 3nter- esse mehr gefangen als Fragen, deren Beantwortung nur unter Hinweis auf weit zurückliegende Zeit möglich ist. So wird man jemand, der nach der Herkunft und Bedeutung deS Gründonnerstag fragt, daS Zeiten buch um über eineinhalb Jahrtausend zurückblättern und ihn über die Festsetzung deS Tages zum Kirchenfeiertag die Bestimmung Papst Leos II. lesen lassen. Rach diesem wurde er „dies absoiutionis“ genannt, d. h. der Tag der Lossprechung. Die durch irgendein Vergehen von der Kirche Ausgestohenen wurden an diesem Tage in die Kirche wieder ausgenommen. Die Fastnachts^eit hindurch muhten sie in Buhgewändern vor der Kirchentüre stehen: an dem Tage der Lossprechung aber schmückten sie sich mit dem ersten Frühling-grün. Aus diesem Anlafe nannte man sie kurzwea .Die Grünen", und den Tag des Sündenablasses den Tag der Grünen, oder, wie er später benannt wurde: Gründonnerstag. Wie das Reue Testament lehrt, nahm Christus am Donnerstag der Osterwoche mit seinen zwölf Jüngern daS heilige Wendmahl ein, nachdem er ihnen vorher die Füße gewaschen hatte. Gr legte seiner Handlung das Motiv deS Dienens untereinander zugrunde. Das Abstreifen aller hochmütigen Gedanken, das Unterteilen der eigenen Person unter einen anderen, auch Geringeren, sollte daS Beugen unter den göttlichen Willen zum Ausdruck bringen: Alle Wege will ich gehen, die Gebote der Menschenliebe will ich erfüllen an allen, auch an den Geringsten... Uni) nachdem er die Handlung der Demut vollzogen hatte, ließ er zum Mahle rüsten und sah mit ihnen zu Tische, zum letzten Mahle. Gr gab ihnen an diesem Abend daS Band, da- noch heute ihn und die Menschheit aneinander knüpft: Das Sakrament des heiligen Abendmahles: Brot und Dein, das Fleisch und das Blut Christi. Roch heute vollzieht der Papst getreu dem Vorbild Christi am Gründonnerstag die Fußwaschung an zwölf Priestern. Darauf wird ein Mahl gehalten, bei dem er die Priester mit Hilfe der Kammerherren bedient. Außerordentlich malerisch gestaltete sich einst die Fußwaschung am Kaiserhofe zu Wien, wo der Kaiser zwölf Greisen die Füße wusch, sie reich bewirten liefe, mit Geld beschenkte und eigen- dafür mit dem kaiserlichen Wappen geschmückte Holzwannen mit allerlei Speisen füllen liefe, die ben alten Leuten mit auf den Weg gegeben wurden. Gs gibt schon noch etwa- anderes im Leben, als Zank und Streit und Hader, Betrug und verbrecherisches Uebeclisten. e- gibt noch den Weg, den Christus unS durch seine Handlung am Gründonnerstag gezeigt hat, und den er vor seinen □ungern mit den Worten festlegte: .Dienet euch untereinander — gleich wie ich euch gedienet habe." Veranstaltungen in Gießen. Außer den in unserer Rr. 61 vom 12. März btreitS mitgeteilten Beran st altungen in Gießen im 3ahre 1 9 3 2 werden, nach einer Mitteilung des Städtischen DerkehrSamtes, noch •olgenbe Veranstaltungen hier stattsinden: l.Mai: 3ohann-Straufe-Konzert in der VolkS- feallc. 3uni: 40jährigcs Stiftungsfest deS Marine- vereins Gießen mit Ghrenmaleinwcihung. 3. bis 5. 3uli: Tagung der Stempelfabrikanten auS Deutschland und dem Ausland. 21. bis 23. September: Tagung der Deutschen Bereinigung für Mikrobiologie. BornoNzen. — Ta oeskalenderfür Mittwoch. Stabt» iHeater: „Don Juan", 19 bis 22 Uhr. — Oberhessischer JtunftDcrein: 15 bis 17 Uhr, Turmhaus am Brand platz, Tischbein-Ausstellung. — Deutsche Volkspartei: 20.3ud$ü6we$t Q stürmischer HordvtSt ßie Pfeile fliegen mit dem wmde Die Beiden Simonen stehenden un gehen die Temperatur an Die Limen eerftmdeft One mit g'ci:hcue Duslig-, g den 2i. März ff j— Denken Sie an Stoffez denken Sie an L» Bernard im 64. Lebensjahre. Karl Schäler Elise Bender Gilbert Bender Konrad Bender u. Frau Henry Bender u. Frau und 2 Enkelkinder. Darmstadt, Lieh, Trais-Münzenberg, Frankfurt/M., Gießen u. London, den 22. März 1932. Die Beerdigung findet Donnerstagnachmittag 3 Uhr in Lieh statt. 2308 D In tiefer Trauer: Lilly Schäfer, geb.Bender Jakob Bender Todes-Anzeige. Nach langem schweren Leiden entschlief heute meine unvergeßliche treusorgende Mutter, Schwiegermutter,Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Katharine Bender Ww. geb. Bender 01.821 Gießen, den 23. März 1932. 2324 D Statt Karten. Geschwister Dörrn er. Für die zahlreichen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem Heimgange unserer lieben Entschlafenen danken wir herzlichst. Gießen (Liebigstraße 97 III), den 23. März 1932. - _________________ 2301 D Todesanzeige. Allen Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Frau Katharina BirkensMieh Ma« heute, im Alter von 50 Jahren, nach kurzer, schwerer Krankheit, im Herrn sanft entschlafen ist. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Fritz Birkenstock. Hochelheim, den 22. März 1932. Die Beerdigung findet Donnerstag, 24. März 1932,14 Uhr statt. MMMIM mit ungewöhnlicher Letstungsbezahlung -u vergeben. Bewerbungen von Herren. Todes-Anzeige. Plötzlich und unerwartetist meine liebe Frau,unsre unvergeßliche, treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester und Schwägerin Frau Elisahelha GeM, geb. Will im 65. Lebensjahre heimgegangen. Im Namen der Hinterbliebenen: Ludwig Gcrlach, Gastwirt. Bieber, den 22. März 1932. Die Beerdigung findet am Gründonnerstag, dem 24. März, nachmittags 2.30 Uhr statt. __2302 D Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen Herrn Heinrich Kasper sagen wir für die reichen Blumen- und Kranzspenden sowie allen, die ihm das letzte Ehren- g'lcit gaben, herzlichen Dank, auch denen, die n während seiner langen Leidenszeit besucht und Gutes getan haben. Ferner danken wir dem Herrn Pfarrer für die trostreichen Worte, den Arbeitskollegen des 1. Bath, dem Bekleidungsarbeiterverband und der Altersvereinigung für ihre Kranzniederlegung. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Anna Ka*perWwe.. geb. Müller, u. Kinder Lehrling Sohn achtb. Eltern, mit guter Schulbildung, in besseres Lebensmittel-- und ^einkostgeschäft gesucht. Schriftl. An- geböte imt. 2318D an den Gieh. Anz. 2 christl.gesinnte ev. iaiisHer als Koch-Lehrlinge gesucht. ??03d Melanchthonhaus iu Marburg a.d. L. [Stellengesuche! Rcns. Mädchen 22 X, aus g. Hause, vers.iin Haush. und Näkck., sucht 3. 1. 4. Besch.gl.welch.Art. 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Auf Deinen Damen kynn ich nichts Leihen und nichts borgen." (Ortsangabe.) Die Frau hatte die Lacher auf ihrer Seite. Es wirst sich die Frage auf: Haftet ein Ehemann für Frauenlchulden und kann er seine Haftung durch derartige Anzeigen in Zeitungen aus- lchliehen? Das häufige Auftauchen solcher Der- öffentlichungen beweist, wie wenig bekannt die gesetzlichen Destimmungen hierüber sind. Meist soll ja die betreffende Frau von ihrem Manne nur an den Pranger gestellt werden. Manchmal glaubt der auf diele Art das Publikum warnende Mann aber wirklich, er sei hierdurch unter allen Umständen davor gesichert, dast er für Schulden seiner Frau hafte, und könne einer Haftung seinerseits durch eine solche Veröffentlichung den Voden entziehen. Rechtlich sind solche Vekanntmachungen meist völlig bedeutungslos. Denn es gibt Frauenlchulden, für die der Ehemann überhaupt nicht haftbar gemacht werden kann, und es gibt Frauen- schulden, für die er unter allen Umständen haftet. Während vor 1900 eine Unmenge Güterrechts- ordnungen bestanden, ist durch das Dürgerliche Gesetzbuch ein einheitliches Güterrecht, die Der- waltungsgemeinfchaft der Ehegatten, eingeführt worden: es gilt für alle nach dem 31. Dezember 1899 geschloffenen Ehen, wenn die Eheleute nicht selbst andere Vereinbarungen vertraglich festgelegt haben. Solche abweichenden Vereinbarungen lind nur dann gültig, wenn der von den Eheleuten vereinbarte Güterrechtsvertrag gerichtlich oder notariell abgeschlos- s e n und zu seiner Wirksamkeit dritten Personen gegenüber in das bei dem zuständigen Amtsgericht gesührte Güterrechtsregister eingetragen worden ist. Die meisten Ehen werden aber ohne besondere güterrechtliche Vereinbarungen geschlossen und unterliegen somit ohne weiteres dem gefetzlichn Güterstand der Ter« waltungsgemeinfchaft (nicht zu verwechseln mit Gütergemeinschaft). Die Derwaltungsgemeinlchaft will, daß das Vermögen von Mann und Frau dem gemeinsamen Zwecle der Ehe dienen soll. Mannes- vermögen und Frauenvermögen bleiben getrennt: die Frau bleibt Eigentümerin ihres Vermögens. Das Frauenvermögen zerfällt in zwei Teile: 1. das Vorbehaltsgut. 2. das eingcbrachte Gut. Als Vorbehaltsgut gilt: a) die zu ihrem aus- schließlichen persönlichen Gebrauch bestimmten Sachen (Kleider. Schmucksachen usw.): b) was sie durch eigene selbständige Arbeit, oder den selbständigen Detrieb eines eigenen Erwerbsgeschäfts erwirbt: c) was ihr von dritter Seite als Vorbehaltsgut unentgeltlich zugewendet wird (Erbschaft): d) was durch Vertrag zwischen den Ehegatten als Vorbehaltsgut erklärt worden ist. Dem Manne st ehe n am Vorbehaltsgut keinerlei Rechte zu. Hierüber kann die Frau frei verfügen und Verpflichtungen darauf eingehen: ober es ist auch dem Zugriff der Gläubiger der Frau ausgesetzt, ohne daß der Mann solche Zugriffe abwehren kann. Das übrige Vermögen, das die Frau in die Ehe einbringt und das nicht Vorbehaltsgut ist. wird vom Gesetz als eingebrachtes Gut bezeichnet: an ihm steht dem Manne das Ver- waltungs- und Diltznießungsrecht zu. Ueber das eingebrachte Gut kann die <|rau nur mit Zustimmung des Mannes verfugen. Verfügungen der Frau über das eingebrachte Gut ohne die ehemännliche Zustimmung find unwirksam. Wenn z. B. die Frau einen zu ihrem eingebrachten Gut gehörigen Acker verkauft, fo kann der Käufer die Herausgabe des Grundstücks nicht verlangen, wenn der Ehemann diesen 'Verkauf nicht genehmigt. Er braucht auch nicht zu dulden, daß sich Gläubiger, denen seine Frau allein etwas schuldet, aus dem eingebrachten Gut der Frau ohne feine Zustimmung befriedigen. An diesen gesetzlichen Destimmungen über Haftung oder Dichthaftung der Frauenschulden am Vorbehalts- oder eingebrachten Gut kann der Mann durch Zeitungsanzeigen nicht- ändern, und sie sind insoweit zwecklos. Haftbar ist jedoch der Mann für solche Rechtsgeschäfte. die seine Frau auf Grund ihrer sog. Sch l ü s se l'g e w a l t mit dritten Personen ein- geht. Dach § 1357 BGD. ist die Frau berechtigt, innerhalb ihres häuslichen Wirkungskreises Geschäfte des Mannes für ihn zu besorgen und ihn zu vertreten. Die innerhalb dieses Wirkungskreises von ihr vorgenommenen Geschäfte machen auch den Mann unmittelbar dem Gläubiger gegenüber haftbar, wenn nicht aus den ganzen Umständen etwas anderes gefolgert werden muh. Auf Grund ihrer Schlüsselgewalt kann z. D. die Frau als gesetzliche Vertreterin ihres Mannes sämtliche Bedürfnisse für den Haushalt anschaffen, Kleider für ihre Familie besorgen, Dienstboten mieten und entlassen, Aufwendungen für Erziehung und Ausbildung der Kinder machen und dergleichen. In Familien mit mittleren und kleineren Einkommen kann also die Frau innerhalb ihrer Schlüsselgewalt über einen immerhin nennenswerten Einkommensteil verfügen und damit auch ihren Ehemann unmittelbar belasten. Die Grenze dieser Wirksamkeit der Schlüsselgewalt wird durch Sitte und Herkommen, sowie durch die gesellschaftliche Stellung des Ehegatten bestimmt. Die Schlüsselgewalt der Frau erlischt mit der Auflösung der Ehe und auch dann, wenn die Ehegatten den gemeinschaftlichen Haushalt aufheben. Ein« vom Manne getrennt lebende Frau kann keine Schlüsselgewalt ausüben und also hieraus ihren Mann nicht verpflichten. Der Ehemann kann weiter die Schlüsselgewalt seiner Ehefrau entweder ganz a u f h e b e n, oder auch beschränken. Beschränkung und Aushebung muß er der Frau gegenüber erklären und zur Wirkung gegen Dritte in das Güter- rechtsregister eintragen lassen. Sie wird dann vom Gericht veröffentlicht. Die Frau kann sich hiergegen wehren, indem sie beim Dormundschaftsgericht beantragt, die Beschränkung aufzuheben, und das Gericht muh dem Antrag dann nachkommen. wenn kein genügender Grund zur Aufhebung oder Beschränkung der Schlüsselgewalt vorlog und das Dorgehen des Mannes sich als Mißbrauch des Rechts herausstellt. Beschränkung der Schlüsselgewalt der Frau ist meist ein Vorläufer des Ehescheidungsprozesses, ein Beweis für das gespannte Verhältnis zwischen den Ehegatten. Wer irgendwelche Ausbellerungsarbeiten entweder selbst ausführt, oder durch andere ausführen läßt, ist dafür verantwortlich, daß die nötigen Maßnahmen getroffen werden, um Schädigungen dritter Personen auszu^chliehen. Das gilt auch in all den Fällen, in denen jemand mit der Ausführung von Ausbesserungsarbeiten Fachfirmen beauftragt. Zwar wird es dabei im allgemeinen genügen, wenn man die Arbeiten einem Zuverlässigen Fachmann überträgt, auf dessen Ein- icht und Gewissenhafttgkeit man sich verlassen kann. Man kann in solchen Fällen nicht etwa verlangen, daß der Auftraggeber als Laie die Maßnahmen überprüft und etwa da eingreift, wo ihm deren Zweckmäßigkeit zweifelhaft ober nicht ausreichend erscheint. Daraus folgt aber — nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts 9. ZivSen. IX 563 30 — noch nicht, daß der Auftraggeber von jeglicher Aufsichtspflicht frei ist. Eine solche bleibt grundsätzlich immer für ihn bestehen, nur hängt ihr Umfang unter sonst gleichen Umständen von der größeren oder geringeren Fachkenntnis und Zuverlässigkeit des mit der Arbeit Betrauten ab. Die Art der Aufsichtspflicht hat sich insbesondere auch danach zu richten, wie weit etwa durch die Arbeiten Gefahren für andere Personen drohen können. Die Aufsichtspflicht wird beispielsweise eine größere sein müssen, wenn etwa in einem Geschästslokal während der Geschäftsstunden Ausbesserungen vorgenommen werden, - - durch die Angestellte und Kundschaft unter Umständen Gefahren ausgesetzt werden, — als wenn etwa solche Arbeiten nach Geschäftsschluß vorgenommen werden. In besonders wichtigen Fällen, bei denen also Gefahren für einen größeren Personenkreis entstehen könnten, genügt es dabei auch nicht, baß etwa der Auftraggeber seinen Angestellten mit der Ueberwachung der Arbeiten beauftragt. Bei einem Unfall, der sich gelegentlich von Ausbesserungsarbeiten während der Ge- schäftsstunden in einem Warenhaus ereignete, verlangte das Reichsgericht (9. ZivSen. 563 30), daß zwar nicht ein Vorstandsmitglied der Warenhausgesellschaft ständig die Arbeiten zu überwachen brauche, wohl aber hätte dieses nach Fertigstellung des Gerüstes zur Ausführung der Arbeiten dieses besichtigen und für die Beseitigung etwaiger Mängel Sorge tragen müssen. Die Entscheidung zeigt, bah bas Reichsgericht in seiner Anforberung an bie Sorgfaltspflicht hohe An- Zur gesetzlichen Miete gehören bie verschiedensten Unkosten, bie auf dem Hause lasten. Sie Zuschläge finb babei im einzelnen in gewissen Prozentzahlen ausgebrückt. Zu diesen gehören auch die bekannten vier Prozent der Grundmiete für sog. Schönheitsreparaturen. Allerdings kennt hier bas Reichsmietengesetz insofern Sonberbestimnrungen, als auf Grund vertraglicher Vereinbarung zwischen Mieter unb Vermieter der Mieter bie Ausführung der Schön- heitsreparaturen übernehmen kann und bafür nicht bie vier Prozent an ben Hauswirt abzuführen hat. Diese Regelung führt jetzt bei bem Umzugstermin am 1. April vielfach zu Streitigkeiten. Dicht nur, baß bie Frage immer mehr auftritt, was unter ben Begriff ber Schönheitsreparaturen fällt, breht sich der Streit meist barutn, ob unb wie weit die Abzüge für bie Schönheitsreparaturen tatsächlich Verwenbung gesunden haben unb welche Auswirkungen ein beim Beziehen ber Wohnung vorhanbener schlechter Zustand hat. Zu bem Begriff ber Schönheitsreparaturen an sich ist babei zu sagen, bah zu ihnen im allgemeinen alle Ausbesserungen innerhalb ber Wohnung gehören, insbesonbere also bas Streichen von Fuhböben, Fenster unb Türen, bas Weißen der Wände unb Decken, das Tapezieren der Wohnung u. ä. Dicht dagegen zu den Schön- heitsreparaturcn gehören besondere Ausbesserungen der Wohnung, beispielsweise Ersatz schlechten Fußbodens, also bas Einziehen neuer Sielen, Setzen neuer Oesen, ebenso auch der äußere Anstrich bes Hauses. Balkon- unb Flurtüren u. ä. Da das Streichen der Fuhböben zu ben Schon- heitsreparaturen zu rechnen ist, wirb man auch die notwendige Behandlung eines etwa vorhandenen Stabfuhbobens zu den Schönheitsreparaturen rechnen müssen, insbesondere bas sog. Abziehen bes Parketts Hat ber Hauswirt bie Schönheitsreparaturen übernommen, hat also ber Mieter bie vier Prozent jeweils an ben Hauswirt abgeführt, so gehen ihn bie Schönheitsreparaturen nichts weiter an, er braucht bei seinem Auszug aus der Wohnung auch nichts renovieren zu lassen, es sei denn, bah Schäben eingetreten finb, bie über ben Rahmen der üblichen Abnutzung hinausgehen. Soweit der Vermieter Reparaturen nicht ausgesührt bat, hat allerdings nicht etwa ber Mieter ein Recht, bie aufgesparte Summe für sich herauszuverlangeir, wie es schon der Fall gewesen iß. Anders, wenn Eine Zeitungsanzeige ist also gegenüber den gesetzlichen Bestimmungen überflüssig und wirkungslos. Mit einer Ablehnung der Haftung des Mannes für Schulden seiner Frau in Zeitungen ist dem Ehemann nicht gedient, weil ber Dritte bie Bekanntmachung gekannt haben muß: leben bie Ehehatten bereits getrennt, so ist sie birekt überflüssig, b. h. der Mann hastet bann gesetzlich nicht, weil von einem ..häuslichen Wirkungskreis" ber Frau nicht gesprochen werben kann, wenn bie Ehegatten dauernd getrennt leben; sie ist ferner überflüssig, wenn es sich um Geschäfte handelt, die die Frau auherhalb ihre- häuslichen Wirkungskreises vorgenommen hat. denn diese gehen, auch beim Zusammenleben ber Ehegatten, über bie Schlüsselgewalt hinaus unb bebürfen ber Zustimmung des Mannes. Solche Zeitungsanzeigen finb deshalb vom rechtlichen Standpunkt aus nicht empfehlenswert. sprüche stellt. Es empfiehlt sich, danach zu handeln, um sich vor etwaigen SchadenSersahforde- rungen zu bewahren. 2n einem anderen Falle hat das Reichsgericht zum Ausdruck gebracht, bah die Rechtsprechung den Grundsatz entwickelt hat, daß ber Unternehmer sich ber allgemeinen Aufsichtspflicht nicht ba- burch völlig entschlagen könne, baß er sie auf einen, wenn auch sorgfältig ausgewählten Angestellten ober Betriebsleiter überträgt. Tut er bieses. so trifft ihn dennoch der Vorwurf eines eigenen Verschuldens, weil seine Maßnahmen nicht als ausreichend anzusehen sind. Allgemeine Aufsichtsanordnungen b.eioen immer feine eigene Pflicht. Die hiernach immer bei ihm verbleibende Aufsichts- (Anweisung#- unb Kontroll--Pflicht kann nicht badurch geminbert werben, daß ber Unternehmer eine umfangreiche Bautätigkeit entfaltet; je größer der Betrieb, um so sorgfältiger muß der Unternehmer bie baraus folgenden Kontrollpflichten beachten. Behauptet er, bies im einzelnen Falle getan zu haben, so muß er ben Dachweis einer ausreichenden Organisation erbringen, durch welche bie Einhaltung ber Aufsichts- unb Kontrollpflicht gewährleistet ist. Das Maß ber Aufsicht, bas ber Unternehmer selbst anwenben muß, ist nicht danach zu bemessen, wie fein Betrieb eingerichtet ist, sondern fein Betrieb muß so eingerichtet fein, daß die erforderliche Aufsicht gewährleistet bleibt. Der Unternehmer kann sich also nur dadurch entlasten, daß er feiner allgemeinen Ueberwachungspf licht feinen Angestellten gegenüber nachgetommen ist. Er muß bartun, bah er bie Personen, denen er bie Erfüllung ber ihm obliegenden Derkehrssicherungs- pflichten übertaffen hat, in ber Erfüllung dieser Pflichten ausreichend beaufsichtigt, b. h. sie mit entsprechenben Anweisungen versehen unb den Umständen entsprechend kontrolliert hat. Allerdings hat der Geschäftsherr, wenn ersieh längere Zeit hindurch von ber zuverlässigen Ausführung seiner Anordnungen durch bestimmte Angestellte überzeugt hat, nicht bie Pflicht, biefe ständig zu überwachen, wie überhaupt bas Maß an Aufsicht im einzelnen nach ben Umstänben bes einzelnen Falles zu bemessen ist. Denn bei Verrichtungen gewöhnlicher, alltäglicher Art ist keine fortgesetzte Ueberwachung durch ihn selbst erforderlich, wohl aber bei solchen Verrichtungen, die besondere Gefährdungen mit sich bringen. der Mieter selbst bie Schönheitsreparaturen auszuführen hatte. 3n biefem Falle kann ber Hauswirt den Dachweis verlangen, bah bie dafür von dem Mieter einbehaltene Summe auch tatsächlich Verwendung gefunden hat. Soweit das nicht geschehen ist, kann der Hauswirt entsprechende Ausbesserungen beim Auszug des Mieters verlangen. Hat der Mieter regelmäßig die Schönheitsreparaturen aus.'ühren lassen, ist aber trotzdem bei feinem Auszug bie Wohnung in schlechtem Zustande, so wird man grundsätzlich feftftcllen müssen, in welchem Zustande die Wohnung von ihm seinerzeit übernommen wurde. War bie Wohnung in besonbecs schlechtem Zustande, so wirb man von bem Mieter nicht verlangen können, bah er über den zur Verfügung stehenden Betrag für Schönheitsreparaturen hinaus mehr antoenbet, nur um bie Wohnung in besserem Zu- stanb zu verlassen, wie sie von ihm übernommen würbe. Reparaturkosten für Schaben, bie burch besondere Ereignisse entstanden sind, beispielsweise durch Wasserrohrbrüche u. ä., gelten nicht als Schönheitsreparatur. Eine besondere Frage ist bie, welche Rechte der Hauswirt hat, wenn der Mieter, der während seiner Mietszeit keine Schönheitsreparaturen hat ausführen lassen unb trotzdem ben Betrag dafür an ben Hauswirt nicht abgeführt hat, sich auch jetzt weigert, diese Reparaturen vorzunehmen. Sa ber Betrag für bie Schönheitsreparaturen als Teil ber Miete anzusprechen ist. hat der Vermieter gemäß ben allgemeinen Bestimmungen bes BGB. wegen dieser, wie wegen aller Ansprüche aus bem MietsVerhältnis, ein Pfandrecht an den eingebrachten Sachen des Mieters. Dieses Pfandrecht ermächtigt den Vermieter, von ben eingebrachten Sachen des Mieters bei dessen Auszug so viel zurückzubehalten, als zur Deckung ber ihm zuftehenbcn Förberung erforderlich ist. Wieviel das im einzelnen Falle ist, wirb sich al- Icrbing# schwer feststellen lassen. Der Vermieter wirb in solchem Falle zweckdienlich durch einen Sachverständigen feststellen lassen, wie hoch bie etwa entstehenben Unkosten für bie nicht ausgeführten Schönhei tsreparaturen sich belaufen. Häufig wird auch bei ber Ausführung der S chönheitsreparatüren der Vermieter verlangen, daß bie Schönheitsreparaturen von durch ihn zu beftimmenbe Handwerker ausgeführt werden. Dieses Recht hat der Vermieter nur in dem Falle, in den, der Mieter an ibn die vier Prozent für Schönheitsreparaturen abführt, also bie Schönhei tSrcparaturen durch ben Vermieter veranlaßt unb ausgefübrt werben. Hat dagegen ber Mieter bie Verpflichtung zur Ausführung der Schön- heitsreHaraturen. fo ist eS auch dem Mieter über- lassen, in welcher Form er diese durchführt. ®r kann bie Reihenfolge der Arbeiten bestimmen und ebenso darüber entscheiden, von wem bie Arbeiten vorzunehmen finb. Das Erziehungsrechi der (Stiefeltern. Von Dr. jur. ftarl Strafe. In unserem Volksempfinden wurzelt der Gedanke. daß zwischen Stiefeltern und Stiefkindern nur in Ausnahmefällen ein Verhältnis Platz greift, wie es zwischen Eltern unb Kinbem bestehen sollte. Das Wort von ben „bösen" Stiefeltern, und da insbesondere der bösen Stiefmutter, hat deshalb ja auch schon seit ältesten Zeiten in den vielfach uns überlieferten Sagen. Märchen unb Erzählungen Eingang gefunden. Leider ist auch heute noch viel Wahres daran. Erstaunlich ist. daß. trotzdem sich im Sprachgebrauch die Bezeichnung Stiefkind vollkommen eingebürgert hat und auch in der Gesetzgebung das Wort Stiefkind viel gebraucht wird z. B. in den Besoldungsgesetzen ober in ber Verstche- rungsgesehgebung bei der Gleichstellung gegenüber ben leiblichen Kinbern — nirgends eine gesetzliche Begriffsbestimmung darüber zu finden ist. wer als Stiefkind bezeichnet werben soll. Grunbsählich versteht man barunter ein Kind aus früherer Ehe in seinem Verhältnis zu dem neuen Elternteil im Falle der Wieberverheira- tung. Von bieser Begriffsbestimmung muß man ausgehen, wenn man bie Frage nach bem Erziehungsrecht ber Stiefeltern beantworten will. Man muh ben Pflichtenkreis unb bamit auch den Kreis ber Rechte unterscheiden, ben auf ber einen Leite ber leibliche Elternteil — sei es ber Vater, ober bie Mutter — hat, unb ben Rechten- unb Pflichtenkreis, den ber neue angeheiratete Elternteil dem in bie Ehe mitgebrachten Kinb gegenüber hat. 2m Rahmen bieser Rechte und Pflichten spielt das Erziehungsrecht eine besondere Rolle, ist doch die Erziehung unb alle-, was mit ihr in unmittelbarer Beziehung steht, das erste unb wichtigste Gut, bas Eltern ihrem Kinde für# Leben mitgeben können. Gerade im Hinblick auf bie Fälle von Ueberschreitungen bes Züchtigungsrechts ober gar Mißhanblungen von Stieskinbern gewinnt bie Beantwortung ber Frage nach bem Züchtigungsrecht Bedeutung, gehört doch das ■ Züchtigungsrecht zu ben einfchneibenbsten Rechten der Crziehungsgewalt. Von vornherein muß barauf hingewiesen werben, baß von einem berechtigten Züchtigungsrecht nur insoweit gesprochen werben kann, als barunter bie Befugnis zur Anwendung angemessener Zuchtmittel zu verstehen ist. Jede darüber hinausgehende Heber- schreitung des Züchtigungsrechts ist eine körperliche Mißhandlung des Kinde-, zu ber niemanb, also auch nicht die Eltern, ein Recht haben. Im übrigen finb weitere wichtige Bestanbteile bes Erziehungsrechts bas Recht, über bie Berufswahl des Kinbes zu entscheiden, wie auch das Recht über bie Bestimmung über bas Glaubensbekenntnis bes Kinbes. Wem steht nun bie Erziehung bes Stiefkinbes zu? Dach ben Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches steht die Erziehung jedes Kindes bem Vater zu, neben bem Vater ber Mutter. Ist ber Vater verstorben, so tritt die Mutter an die Stelle des Vaters, so baß besten Erziehungsrecht ihr nunmehr in vollem uneingeschränkten Umfang zukommt. Ganz anher# ist die Frage nach bem Erziehungsrecht des angeheirateten 6ltern teil#, also des Stiefvaters ober ber Stiefmutter, zu beantworten. Diese sind nach ben Rechtsregeln über bie Verwanbtschaft mit bem etieffinb überhaupt nicht verwanbi, Stiefvater wie Stiefmutter find vielmehr rechtlich mit den Kindern verschwägert. Deshalb kann, wenn der Vater oder bie Mutter des Kinbes nach bem Tode ihres Ehegatten erneut geheiratet haben, der neue Ehegatte, also ber Stiefvater ober bie Stiefmutter, bie elterliche Gewalt über das Stiefkind niemals erlangen. Trotzdem wird man auch den Stiefeltern dem Stiefkind gegenüber gewisse Rechte zubilligen müssen. Man kann babei mit Recht davon ausgehen, daß bie Ehegatten zur Lebensgemeinschaft berufen finb unb daß diese Lebensgemeinschaft alle Angelegenheiten der Gatten umfaßt. Das gilt nach allgemeiner, ber Rechtsanfchauung entsprechenben Dolksmeinung auch für das Stiefverhältnis zu ben Kindern des anderen Ehegatten, bas kraft der Verknüpfung durch das geschloffene Band ber Ehe, trotz des Fehlens ber Blutsverwanbtfchaft mit bem Stiefkinde, zu einer nahen Familienbeziehung gestaltet wirb. Daraus ergibt sich einmal, daß ber Stiefvater ober die Stiefmutter dem leiblichen Elternteil bes Kinbes keinerlei Schwierigkeiten bei besten Erziehung machen bürfen. ja, baß sie auf Grunb ber Ehe verpflichtet finb, biefe Erziehungsmaßnahmen soweit wie möglich zu unterstützen. Darüber hinaus wird man aber auch den Stiefeltern ihren Stieffinbern gegenüber ein gewisses eigenes Erziehungsrecht unb im Rahmen dieses auch ein angemessenes Züchtigungsrecht zuerkennen müssen. Zwar beruht dieses Recht nicht auf eigener Machtvollkommenheit der Stiefeltern, wohl aber ist es aus dem Erziehungsrecht des leiblichen Elternteils abgeleitet Es liegt hier ein ähnliches Recht vor. wie es beispielsweise bem Lehrer zusteht, wenn biefem im Rahmen ber Schulorbnung unb Schulzucht getoiffe Erziehungsrechte zugestanben werden. Hinzu kommt noch, daß gerade Stiefeltern häufig im Auftrage und in Vertretung des leiblichen Elternteils die Erziehung bes Stieftinbes übernehmen werden. Das gilt ganz besonders für bie Stiefmutter, soweit es sich um kleine Kinber handelt. Ebenso wie die Mutter bei der vielfachen Abwesenheit des Mannes infolge seiner Derufspflichten diesen bei der Erziehung der Kin» der vertritt, geschieht das seitens der Stiefmutter Wenn ber Vater feinem Beruf nachgeht, überläßt er seine Kinber ihrer Obhut und überträgt ihr Die AiisWspsW bei Aiisbefferungsarbeilen. Von Or. jur. Hans Wittert. Schönheitsreparaturen in der Wohnung. Von Or. jur. Heins Hilter. Damit ohne weiteres für Die Dauer seiner Abwesenheit Das Recht, Die notwendigen Erziehungsmaßnahmen zu ergreifen und damit auch das Recht einer im Einzelfall angemessenen Züchtigung. Für den Stiefvater wird dieser Gesichtspunkt zwar weniger in Frage kommen. Es ist hier aber zu beachten, daß die leibliche Mutter, insbesondere in den Fällen, in denen es sich um schwer erziehbare Kinder handelt, den Stiefvater mit seiner in dem gemeinschaftlichen Familienleben wurzelnden stärkeren Autorität zur Unterstützung in der Erziehung heranziehen wird. Der Stiefvater handelt Dann — gegebenenfalls im stillschweigenden — Auftrag der Mutter. | Zum Schluß sei kurz noch erwähnt, daß zu * der Erziehung nicht die Sorge für den Unterhalt des Kindes geholt. Eine Unterhaltspflicht des Stiefvaters, wie auch der Stiefmutter gegenüber den Stiefkindern gibt es nicht. Diese Regelung ist zwar vielfach angegriffen worden, eine Aenderung ist b'd e_- jedoch nicht erfolgt. Sin schwacher Trost bleiot immerhin, daß bei der engen Lebensgemeinschaft, die eine wirkliche Ehe im Gefolge hat, die Frage nach der Unterhaltsregelung dem Stiefkinds gegenüber kaum jemals in krasser Form in Erscheinung tritt. Was sie werden wollen. Oie Berufswünsche der Volksschüler und -schülerinnen OberheffenS. Das Arbeitsamt Gießen hat wiederum, wie alljährlich, auf Grund der von den Volksschulen für die öffentliche Berufsberatung ausge,üllten Schülerkarten die Berufswünfche der an Ostern 1932 zurEntlasfung kommenden Knaben und Mädchen zusammengestellt. Wenn auch auf die Frage: „Was willst du werden?" die genannten Berufswünsche nicht immer ernst und endgültig gemeint sind, so dürfte ihre Zusammenstellung doch ein gewisses berufspolitisches Interesse beanspruchen. 1084 Knaben äußerten folgende 70 verschiedene Berufswünsche: Unbestimmt 182; Landwirt 102; Metzger 70; Bäcker 68; Schuhmacher 60; Maler und Weißbinder 55; Kunst- und Bauschlosser 49; Autoschlosser 45; Kaufmann 39; Friseur 38; Schreiner 33; Maurer 31; Gärtner 30; Landwirtschaftlicher Taglöhner 22; Maschinenschlosser, Schmied, je 18; Spengler und Installateur 17; Schneider 14; Sattler 13; Buchdrucker und Schriftsetzer, Bureau (Schreiber), je 12; Elektrotechniker, Elektroinstallateur, je 11; Mechaniker, Wagner, je 10; Fabrikarbeiter 9; Zimmermann, Dachdecker, Koch, Uhrmacher, Elektro-Mechaniker, Steinmetz, je 7; Förster 6; Bleibe zuhause, Melker, Musiker, je 4; Feinmechaniker, Postjungbote, Optiker, je 3; Verkäufer, Konditor, Schornsteinfeger, Dreher, je 2; Dentist, Küfer, Dolksschullehrer, weiterer Schulbesuch, Musikschule, Handelsschule, Ausbauschule, Techn. Beruf. Hühnerzüchter, Glaser, Töpfer, Iockey, Müller, Matrose, Brauer, Obstbautechniker, Schutzpolizei, Hirte, Pflasterer, Dekorationsmaler, Kürschner, Gerber, Händler, Meier, Drechsler, Ingenieur, Zuschneider, Diamantschleifer, je 1. An erster Stelle steht wieder die große Schar der „Unbestimmten", 182 -= 17 Prozent. In Wirklichkeit, nach den Erfahrungen der Berussbera- tungspraxis, sind ihrer noch viel mehr, die keinen bestimmten, oder einen sehr schwankenden, unsicheren Derufswunsch haben. 102 Knaben wollen Landwirt werden. Wie aus den übrigen Angaben aus den Schülerkarten her- voraeht, sind dies meist im elterlichen Betrieb verbleibende Söhne von Landwirten. Der immer stärkere Zug zum Metzger- und Bäckerberus scheint ein integrierender Teil unserer zunehmenden Rotzustände zu sein, was auch ein Blick auf die vorjährigen gleichen Zusammenstellungen bestätigt. 1930 waren es 6,7 Prozent, 1931 9,4 Prozent der Schulabgänger, die Metzger oder Bäcker werden wollten, 1932 sind es 12,7 Prozent geworden. Richt selten werden Iungen von den Eltern zu diesen Lebensmittelberufen gedrängt, damit sie wenigstens während der Lehrzeit beköstigt sind und der häufig arbeitslosen Familie nicht so schwer zur Last fallen. Die verhältnismäßig vielbegehrten Berufe des Schuhmachers und des Weißbinders gelten vornehmlich, ebenso wie der des Maurers, als Ergänzungsberuf neben der die Familie nicht mehr VMAWMMM Roman von 3 Schneider-Foerstl. Urheber-Rechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau. 10. Fortsetzung. Rachdruck verboten! Rach fünf Minuten traf er sie. Sie hatte sich zu einer Bank geschleppt. Das Taschentuch, welches sie gegen die Lippen drückte, war. blutbefleckt. Als sie seinen Schritt hörte, sah sie auf. 2hre Wangen standen plötzlich in Purpur getaucht und verblaßten ebenso rasch wieder. Sie hielt Swensens Kommen für einen Zufall und lieh das Gesicht tief auf die Brust herabsinken. Vielleicht hatte er sie nicht erkannt. Aber seine Stimme schreckte ihren Kopf hoch, daß er hilflos gegen die Lehne im Rücken glitt. „Lenore!" sagte er leise. „Ich habe dich gesucht." Dabei faßte er zögernd nach ihren Händen und führte sie an seine Lippen. „Es war mein Wagen, der dich anfuhr! Du muht erlauben, dah ich dich rn ein Hotel bringe. Ich wollte nicht, daß meine Frau mit dir zusammentrifft. Sie ist nicht feinfühlig und hätte dich vielleicht beleidigt." „Ihre Frau?" zuckte es von dem blutleeren Mund. „Wie sollte mich Ihre Frau beleidigen dürfen?" „Lenore, nicht so! — Ich bitte dich. Lenore", beschwor er sie, als sie sich ganz schmal machte, um eine größere Spanne zwischen sich und ihm zu schaffen. „Ich konnte dir damals nicht sagen, weshalb ich die Verlobung löste. Du hättest mich verachtet. — Du hättest--“ ®r sing sie gerade noch rechtzeitig mit den Armen auf und ließ ihren Körper gegen seine Brust gleiten. Ein feiner dünner Strom Blutes riefelte über das Tuch seines Rockes und färbte rhm die weißen Manschetten. lieber ihnen sang ein Vogel sein Rachtlied. Die Trauerweiden, unter welchen die Dank stand enittetten leise, als der Abendwind durch ihr Blattwerk fuhr. Swensen hielt mit beiden Armen das Mädchen an sich gedrückt, dessen hingebende Liebe einmal das größte Glück seines Lebens ac- toefen war. ®id)t 8U ihrem Ohr herabgeneigt, rief er sie beim Ramen. Sie hörte ihn nicht. Die Angst hämmerte von seinem Herzen zur Kehle empor und preßte einen eisernen Reifen um seine schweißbefeuchtete Stirne. Als er sich in die Knie heben wollte, versagten die Fühe. Er auf die Bank zurück und ließ das Lenores Scheitel fallen. Das Blut hatte zu riefeln aufgehört. Weiß, wie der Kies, der auf den Wegen glitzerte lag ihre Wange gegen das dunkle Tuch, welches seine Schultern umspannte. Wohin sollte er sie bringen? In welche« Hotel? Würde es nicht Aufsehen er- glitt wieder Gesicht auf voll ernährenden, einst zu übernehmenden elterlichen Landwirtschaft. Das Metallgewerbe, darunter der Schlosserberuf, rangiert seiner wichtigen Bedeutung entsprechend. Daß 45 Cntlaßschüler sich von vornherein als Autoschlosser spezialisieren möchten, ist begreiflich, wenn auch nicht immer gutzuheihen. Im ganzen Landesarbeitsbezirk Hessen mit seinen 18 Arbeitsämtern kamen im Geschäftsjahr !L3i 31 auf 100 bei den DerufsberatungLabteilungen angemeldeten offenen Autoschlosserlehrste.len 653 Bewerber. Zu Den 54 Dolksschülern, die kaufm ännische und Bureauberufe angegeben hab:n, gesellen sich noch sehr viele Schulabgänger der 16 höheren Lehranstalten Oberhessens mit gleichen Derufs- wünschen. Sehr begehrt ist immer noch der Friseurberuf. Der Bund Deutscher Friseure, Der 95 Prozent Der selbständigen Friseure umfaßt, hat festgestellt daß 1930 auf 100 erwachsene Arbeitnehmer 84,66 Lehrlinge kommen. Infolge der n:uen Dersügu"g betr. Einschränkung Der Lehrlin^shaltu.-g im hessischen Friseurgeweroe toerDen manche dahingehende Berufswünsche nicht mehr in Erfüllung gehen können. Die Zahl derjenigen, Die in ungelernte Arbeit wollen oder muffen, ist erfahrungsgemäß großer als den Angaben entspricht. Wichtige Berufe finden immer noch zu wenig Berücksichtigung. Don 1109 zur Schulentlassung kommenden Mädchen wurden folgende 24 Derufswünsche geäußert: Unbestimmt 360; Schneiderin 269; Hausangestellte 176; in Der eigenen Landwirtschaft 78; im eigenen Haushalt 71; Verkäuferin 49; ungelernte und angelernte Arbeit 20; Bureauangestellte 17; Kindergärtnerin 12; Köchin 11; Friseurin 10; weiterer Schulbesuch 7; Gärtnerin, Kinderpflege- rin, Kindermädchen ^ungelernt). je 4; Weißnäherin Krankenschwester, Büglerin, je 3; Modistin 2; Strickerin, Weberin. Säuglin'spfleierin, Handarbeitslehrerin, Dlumenbinderin, Photographin, je 1. ■S^ic größte Zahl nehmen wiederum die „Unbestimmten" ein, was sich in erster Linie mit den schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen und Den unsicheren Berufsverhältn.ssen erklären läßt. Unter den handwerklichen Berufen tritt vor allem der Derufswunsch „Schneiderin" hervor, den beinahe der vierte Teil aller Schulentlassenen äußert. Wenn die Aussichten in diesem Beruf auch nicht günstig sind, so beharren doch viele Mädchen und auch Deren Eltern auf diesen Wunsch, da ihnen dieses Handwerk Die Möglichkeit Der- schafft, Die in Der Lehre erworbenen Kenntnisse auch in Der eigenen Familie zu verwerten. Bei Den kaufmännischen Berufen (Verkauf und Bureau) ist gegenüber den vergangenen Iahren ein Rückgang zu verzeichnen. Die große Arbeitslosigkeit in Den Angestelltenberufen bedeutet wohl für viele eine Warnung, sich diesen Berufen zuzuregen? Die Geliebte in ein Krankenhaus zu schaffen, dagegen sträubte sich fein ganzes Fühlen. Rach Hause zu mir? — Er sah InegardS stolz^ höhnisches Gesicht und wie sie Lenore schmähte, nur um ihm wehe zu tun. ®r wußte keinen Ausweg. Daß er sie am besten gleich nach Recklinhausen brachte, auf das verkiek er mit keinem Gedanken. Er trug Die noch immer Bewußtlose mit schleppenden Füßen nach dem Wagen und setzte sich, nachdem er sie mit Mühe in die Kissen gebettet hatte, an das Steuer. OKit Ieifern Fauchen sprang Der Motor an. Swensen warf noch einen besorgten Blick nach Der Geliebten. Dann schoß Der Wagen auf Der asphaltierten Straße mit leichtem Wiegen dahin. * „Menschenkind, was machst Du für Sachen" schalt Dr. Wander, als Swensen. nachdem er ihm die halbe Klingel herabgerissen hatte, mit Lenore in den Flur seines Iunggesellenheims getaumelt tarn. „Angefahren hast du das Mädel? Mit deinem Wagen? So! Ra, tot ist sie nicht! Also Kopf hoch! Es wird schon wieder werden'" „Ich knalle mich glattweg nieder!" klagte Swensen. y „Schon wieder einmal!" erwiderte Der Freund nut mildem Sarkasmus. „Sei aber zuerst so gut und hilf nur die Kleine in eine bequeme Lage betten. Er selbst griff, während er Lenores Haupt stutzte, nach einem Kissen, das unweit auf einem Korbstuhle lag. „Drüben in Dec Kredenz meines Wohnzimmers findest du einen Kognak — Rein, nicht für die Dame! Für dich!" rief er ©toenfen nach, als dieser zur Türe hinausschoh .c5n^xer^lDCl Minuten später zurückkam, winkte ihm Dr. Wander ab. „Bleib vorerst ein bißchen draußen, ich rufe dann schon nach dir. — Gefahr ist keine!" fügte er noch rasch hinzu, als er das verstörte Gesicht des Freundes gewahrte Er begann jetzt mit nachdenklichem Ernst und behutsamen Fingern Lenores Kleid zu offnen. Was er vermutet hatte, war vollkommen richtig Eine leichte Prellung. Die Blutung war durch Die Sprengung einer kleinen Ader hervorgerufen worden und längst wieder zum Stillstand qe- kommen. 2lls er ihr etwas belebende Essenz zwischen die Lippen träufelte, erwachte sie. „Bleiben Sie ganz ruhig, bitte", mahnte er befehlend. „Wissen Sie. daß Herr Swensen Sie hierhergebracht hat?" Sie bejahte und Wander sah. wie ihr dabei ein Helles Rot vom Halse nach Den Wangen zu hinaufstieg. Dann ein jähes Erinnern: War das nicht Freds ehemalige Braut, Die schöne Aecklin- hausen? daß Ihre Angehörigen verständigt werden?" sondierte er vorsichtig. Sie verneinte erschrocken. „Richt, bitte!" sagte fie hastig, „die Mama würde sich über die Maßen ängstigen. Aber wenn Sie vielleicht meiner wenden. Die Derufswünsche: „Hausangestellte, Kindermädchen, ungelernte oder angelernte Arbeit" entstehen meist aus dem Streben nach baldigem Verdienst, um das geringe E.n.ommen Der Familie zu erhöhen. Es ist deshalb ohne weiteres verständlich, daß d.eje Derufswünsche heute bei den Mädchen eine relativ hohe Zahl erreichen. Von Den in der StaDt Gießen zur Schulentlassung Kommenden sind es allein 11 Prozent, welche Hausangestellte werden wollen, und es ist außerordentlich bedauerlich, daß sich nur wenige Hausfrauen bereit erklären, solche jungen M Dchen anzustellen. Es wäre wünschenswert, daß sich mehr gute Hausfrauen finden würden, welche die Schulentlassenen ausnehmen und damit den jungen Mädchen auch zugleich die Möglichkeit geben, hauswirtschaftliche Arbeiten zu erlernen. Die Mädchen, die im eigenen Haushalt bzw. in der eigenen Landwirtschaft verb e ben wo lcn e tstam- men fast durchweg ländlichen Gegenden. Ihre Arbeitskraft wird im allgemeinen im elterlichen Haushalt benötigt. Ein kleinerer Teil von ihnen ist auch aus verkehrstechnischen Gründen verhindert, eine regelrechte Lehre mitzumachen, da eine evtl. Lehrstelle zu weit vom Wohnort entfernt ist. Lehrstellen mit Kost und Wohnung sind für die Mädchen beinahe überhaupt nicht zu finden. Tagung der Industrie- und Handelskammer Friedberg in Laubach. Die Industrie- und Handelskammer Friedberg hielt dieser Tage eine Sitzung in Laubach ab. Der Vorsitzende der Kammer, Herr Hirsch- Friedberg, konnte insbesondere Bürgermeister H ö g t), als Vertreter der Stadt Laubach begrüßen und widmete Dem verstorbenen lang- jährigen Vorsitzenden, Kommerzienrat Langsdorf, einen herzlichen Rachruf. Rachdem die Beeidigung eines Sachverständigen für Bauwesen vorgenommen worden war, berichtete Der SynDikus Der Kammer, Dr. Göbel- Friedberg, eingehend über die Tätigkeit Der Kammer in Der jetzigen Wirtschaftskrise. Bei Besprechung Der gegenwärtigen Lage, Die sich leider auch im Kammerbezirk noch verschärft hat, konnte festgestellt werden, daß der Schrumpfungsprozeß 'weiter fort- geschritten ist. Die Knappheit des Geldes und des Kredits, der große Mangel an Vertrauen, der lastende Druck der Steuern und Abgaben, die schwierige Veränderlichkeit des immobilen Besitzes, die unbefriedigende Preisgestaltung, die Höhe der Zinsen, Die große Kaufzurückhaltung und die nicht weniger allgemeine Sorge um Die Zukunft haben das Wirtschaftsleben des Kammergebietes besonders nachteilig beeinflußt. Bei Beratung der Phasenpauschalierung Der Umsatzsteuer kam Die Vollversammlung zu Dem Ergebnis, dah anges chts der schwerwiegenden Bedenken, die von allen Seiten Der Beteiligten gegen Die Phasenpauschalierung geäußert wurden, das bisherige System so lange beibehalten werden muß, bis sich die TeMwirt- schaft über die Uebernahme des Pauschals du-ch eine Produktionsstufe geeinigt hat. Festgeste lt wurde, dah eine Abwälzung auf den Einzelhandel untragbar ist. Rach einem Vortrag von Hotelier Krauß- Bad-Rauheim beschäftigte sich die Kammer mit Fragen des Fremdenverkehrs und Hotelgewerbes und würdigte eingehend die Bedeutung des Fremdenverkehrs "für-unser gesamtes Wirtschaftsleben. 11. a. wurden besondere Tarifmahnahmen der Reichsbahn gefordert und vor allem auf einen Abbau der Schnellzugszuschläge und die Zurückführung Der Eilzug- zuschläge auf eine mäßige Schuhgebühr hin- gewiesen. Entsprechend dem allgemeinen Preisrückgang erscheint eine baldige Senkung Der Personentarife Der Reichsb ahn dringend erforderlich. Während die private Wirtschaft die Preise in Den verschiedensten Branchen gesenkt hat, häufen sich die Beschwerden über die Starrheit, mit der Die öffentlichen Stellen an ihren bisher gültigen Gebührenordnungen feschalten. Es ist ein volkswirtschaftlicher Irrtum, den Preisabbau törDern zu wollen, während die Kostenbelastung nahezu die gleiche geblieben und sogar noch die Ilmsatzsteuer erheblich erhöht worden ist. Es ist Aufgabe der Wirtschaftsvertretungen, auf diese Zusammenhänge immer wieder hinzuweisen. Gpielvereinigung 1900 Gießen. 1900a Liga erste Riederlage 1932. Mit großem Aufgebot fuhren Die 1900er nach Wetzlar, um die sieggewohnte Liga erfolgreich zu sehen. Die Aussichten fielen aber beträchtlich, als Torwart Schmidt und Zeiler ersetzt werden mußten. Es sei vorweg gesagt, die Gießener hatten keinen guten Tag. Wohl begann das Spiel vielversprechend für die Dlauweitzen und gute Zusammenarbeit im Sturm ließ Angriff auf Angriff gegen das Wetzlarer Tor rollen, jedoch nur ein Treffer, ein Prachtschuh von Schlarb, war die Ausbeute. Weitere Chancen wurden ausgelassen. Der Gastgeber spielte mit unverminderter Kraft weiter. Die Gießener liehen sich durch das harte Spiel der Wetzlarer aus dem Konzept bringen und fielen ziemlich auseinander. Eine Drangp.eriode Der Wetzlarer setzte ein. Unaufmerksamkeit der Schußleute rächte sich bitter, denn Wetzlar kam zu Drei Toren, Die Den Sieg sicher stellten. Durch Strafstoße kamen Die Dlauweißen wieder auf, aber alle Bemühungen scheiterten. Mit 3:1 für Wetzlar änderte sich bis zum Seitenwechsel nichts mehr. Rach Wiederbeginn griff Gießen ungestüm an. Es kam nun mehr Harmonie ins Spiel der Blau- weißen. Der Ball wanderte von Mann zu Mann. Wetzlar schien mit seinen Kräften zu Ende. 1900 verlegte das Spiel in Wetzlars Spielhälfte und ließ sich daraus nicht mehr verdrängen. Der Platz- Verein wurde nur noch durch vereinzelte schnelle Durchbrüche gefährlich. Bei aller Heberlegenheit kamen Die Gießener nicht zu Erfolgen. Die Stürmerreihe ließ es an Dem beherzten Torschuß fehlen und vergab auch durch zu langes Zögern und krasse Fehlschüsse die besten Gelegenheiten. Durch eine bielbeinige massive Abwehr verhinderie der Gastgeber jeden Erfolg der Gießener. Lediglich einen Handelfmeter setzte Arnold (1900) zum zweiten Gegentreffer ins Reh. Zahlreiche Eckbälle blieben unausgenuht. Das Spiel erlitt gegen Den Schluß zu mehrmals Unterbrechungen, Da Wetzlar viel über Den Zaun austrat und sichtlich auf Zeit spielte. Vier Minuten Verlängerung dafür gegeben, sahen wohl gewaltige Anstrengungen der Gießener, aber Arnold vergaß den entscheidenden direkten Schuß in letzter Minute. 1900 erlitt eine unverdiente Rieder^nge. Die große aufopfernde Feldspielleistung in der zweiten Spielhälfte hätte mindestens ein Unentschieden verdient. Schiedsrichter Abel (VfB. Kurhessen- Marburg) leitete vorzüglich. Die Ligareserve hatte wohl am linken Flügel Awei neue Spieler eingesetzt, war aber sonst durch Fehlen zahlreicher anderer guten Kräfte wesent- lich geschwächt. Rur unter Aufbietung aller Kraft Schwester telephonieren wollten, sie ist zur Zeit Afsistenzärztin bei Goldschmidt. Sie könnte mich Dann holen, damit ich Sie nicht weiter bemühen muh." „Wird besorgt", versprach er freundlich. „Kann ich sonst noch etwas für Sie tun, Fräulein von Recklinhausen?" Sie schüttelte verwirrt Den Kopf und wandte Die Augen von ihm ab. Im selben Moment erfolgte ein leises Klopfen an Der Türe. „Du kannst schon kommen!" ermunterte Wander und ehe Lenore etwas zu sagen vermochte, hatte Der Doktor das Zimmer verlassen, während Swensen eintrat. Sie wollte sich aufrichten, aber er drängte sie ängstlich wieder auf den Diwan zurück. „Du mußt dich ruhig halten", sorgte er sich und ließ sich neben ihr auf einem Stuhle nieder. „Hast du Schmerzen? — Rein? Wirklich nicht? Mein Kops ist am Zerspringen." Er hielt mit beiden Fäusten Die Schläfen zusammen und lehnte das Gesicht gegen ihre Schulter. »Ich bitte dich, Fred, wenn der Arzt kommt und findet uns fo!" „Betrachtest du das schon als Entehrung, wenn ich mein Gesicht gegen dich lege?“ stöhnte er unD grub den Kopf wiederum in Die eigenen HänDe. „Mein Weib könntest Du sein! Bei Tag und Rächt Dürfte ich Die Arme um dich legen, und — um alles das hat sie mich betrogen!“ Lenores Schläfen hämmerten. Ihre Augen schrien ihn an. Hab Doch Erbarmen! Warum reißt Du mich aus dem Frieden, den ich mir fo schwer erkämpft habe! Aber er sah es nicht! Ging über ihre große Rot hinweg und dachte nur an Die, welche über ihn hereingebrochen war. Vom Stuhle glitt er nieder und grub das Gesicht neben ihr in die gestickten Kissen. „Sag, daß du mir vergeben hast! — Daß du mich nicht verachtest! — An Dem Heiligsten, das es für ein Weib gibt, hat sie sich versündigt — Mutter wollte sie sich fühlen und es war nichts — als eine Lüge, um mich gefügig zu machen!" Lenores Blick verschwamm in weißen Rebeln, die von der Decke herab in schweren Wolken auf sie zukamen. Durch Die offenen Fenster rann letztes Gold Der Herbstsonne und spielte mit Dem dunklen DlonD Der Haare, das ihr in wirrer Strähne über Die Schulter fiel. „Laß mich allein", wollte sie bitten und fühlte Die Zunge gelähmt am Gaumen Heben. Die Lippen schmerzten sie, so wunD und rissig machten sie seine Küsse, Die über sie dahinströmten. Sie lag mit zurückgelehntem Kopf und hielt Die Augen in halber Dewuhtlosigkelt geschlossen. „Vergib mir!" schluchzte Der verzweifelte Mann an ihrem Ohr Und als kein Ton von ihr kam, flutete die große Qual, die er mit sich trug, an ihr bonx^r: „Was soll ich tun? — Sag, Lenore? Dah Ich frei werde für dich?" 2hre Finger zitterten in der Furcht, daß es Sünde war, wenn sie seinen Scheitel liebkose. Hatte er nicht ein Weib, und war er nicht Eigentum einer anderen, und nahm sie dieser anderen nicht ein Teil ihres Rechtes, wenn sie ihre Liebe über ihn verströmen ließ, und war es auch nur in einem Streicheln seines dunklen Haares. „Du mußt jetzt gehen!" mahnte sie angstvoll. „Wenn deine Frau erfährt, daß Du bei mir bi ft! — Es wäre entsetzlich, Fred." Sein Gesicht war blaß: „Wenn Du einmal horst, dah---" Sie Deckte ihm Die Hände über Die Lippen und beschwor ihn mit Dcft Augen, still zu fein. Rach Worten suchenD, vernahm sie ihr eigenes, unverständliches Lallen: „Willst du, daß ich verzeihe? Daß ich Dich liebe und Dir treu bin, so lange ich Atem in mir trage?" Er streckte Die Hände nach ihr und lieh sie wieder fallen. Ihr Blick war so voll erschütternder Qual und stummer Bitte gewesen, daß er es nicht wagte, noch einmal nach ihr zu greifen. „Was muh ich tun, daß ich mir das verdiene?" fragte er tonlos. Sie legte ihre Hand in die seine und zwang den Blick seiner Augen auf sich: „Ich verlange nichts, als daß du Den Frieden deiner Ehe, so gut es geht, aufrecht zu erhalten suchst. Daß Du gut bist zu Der Frau, die Du nun doch einmal zu der Deinen gemacht hast." «Sie hat sich das Recht, meine Frau zu sein, erschwindelt", stöhnte er in ihre Worte hinein. „Das mag bitter für dich sein, Fred. Aber es ist nicht mehr zu ändern. Du wirst es leichter ertragen, wenn Du Dir sagst, sie hat mich so über alles geliebt, daß sie mich um jeden Preis zu bc.kommen suchte." „Ein Weib, das sich einen Mann durch Betrug erschleicht, ist nur Der Verachtung inert“, stieß er zornig hervor. „Ich werde ihr Dreiviertel meines Vermögens anbieten, wenn sie in eine ScheiDung willigt." „Und Dann?“ fragte Lenore wehmütig. „Hole ich dich mir!“ Es sollte jauchzend klingen, aber Lenores Blick nahm seinen Worten Den Iubel. „Du würdest eine Enttäuschung erleben, Fred", sagte sie emft. «Ich weiß, es ist altmodisch. Tausend andere Frauen lachen Darüber. Wenn ich es öffentlich bekennen würbe, hätte ich nichts, als mitleidigen Spott zu ernten. Die jetzige Zeit hat kein Verständnis mehr, was man früher als Recht und Gesetz erachtete. Aber Ich bin nun einmal nicht wie die anderen. Ich könnte nie und nimmer Die Frau eines geschiedenen Mannes werden, selbst wenn ich Darüber zugrunde gehen mühte. „Und du behauptest, mich zu lieben!" sagte er schmerzlich berührt. (Fortsetzung folgt,) langte c8 zum knappen 3:2-Sieg über Steinbachs erste Elf. Immerhin war damit die Vorspiel- Niederlage revanchiert. Bei Halbzeit führte 1900 1:0. Dann legte Steinbach zwei Treffer vor. Im Endspurt machte auch 1900 mit nur zehn Spielern noch zwei Tore und stellte den Sieg sicher. Auch die 4. Mannschaft siegte über Steinbachs 2. Elf nach überlegenem Spiel sicher mit 3:1 (Halb- jctt 1:1) Toren, obwohl auch hier nicht die stärkste Vertretung zur Stelle war. VfB.'Gießen. VfL. 1. Jugend — VsR. Butzbach 1. Jugend 4:1. Die 1. Jugend tonnte auch auf dem heißen Boden Butzbachs gegen die Jugend des VsR. einen eindrucksvollen Sieg landen. Die Mannschaft zeigte ein sehr schönes Spiel, das sie ver- d.ent gewann. DaS Spiel verlies sehr fair. Die 2. Jugend setzte ihre Erfolgsserie fort, indem sie in Leihgestern gegen die dortige 1. Jugend unentschieden spielen konnte. Dei ausgeglichenem Spiel trennten sich beide Gegner mit dem gerechten Ergebnis von 1:1. Die 1. Schüler warteten vergeblich auf die 1. Schüler von 1900. — Es wurde dafür von einer kombinierten Schüler- els ein Treffen gegen die 1. Dchülermann'chaft von Heuchelheim ausgetragen, das die VfD.er mit 3:0 gewinnen konnten. Sportverein Heuchelheim 1920. 2Im Sonntag lieferten sich die ersten Mannschaften des Sportvereins Heuchelheim und deS FL. ..Teutonia" Watzenborn-Steinberg, der Meister der A-Älaffc im Gau Gichcn-Wctzlar. ein Freundschaftsspiel. daS sehr flott und dabei sehr sair durchgesührt wurde und mit einer hohen Niederlage der Mannschaft des Plahvereins endete. Mit 11:2 verlor die Mannschaft von Heuchelheim, die nach langer Pause das erste Mal wieder auf den Plan trat. Vei etwas mehr Entschlossenheit im Sturm brauchte daS Ergebnis allerdings nicht so hoch zu lauten. 3n der 20. Minute allerdings erst gelang cS den Gästen, den Führungstreffer zu erzielen, bald darauf fiel das zweite Tor, die Heuchelheimer holten ober dann ein Tor auf. Nachdem die Gaste drei weitere Tore erzielten, verkürzten die Gastgeber auf 5: 2, konnten aber das Halbzeitergebnis von 7:2 nicht verhindern. Nach der Pause gingen die Platzbesitzer noch einmal energisch aus sich heraus, konnten ober nichts aus- richten, sondern muhten den körperlich überlegenen Gästen das Feld und den Sieg überlassen. — Die Schüler verloren gegen -bie Schüler von VfV. Giehcn mit 0:3 Handball im VfB. To. Lützellinden I — vsv. I 12:3. Die VfB.er muhten ihre bis jetzt gröhte Niederlage hinnehmcn von einem Gegner, der über -einen vorzüglichen Sturm vcrsügte. Die Partie war dabei nicht einseitig, jedoch versagte der Sturm am Schußkreis des Gegners. Arbeiter-Turn- und Sportbund. Naunheim I — Neckargartach I 2:6. Im Spiel der Zwischenrunde um die Süddeutsche Meisterschaft standen sich beide Kreismeister in Vöckingen gegenüber. Man hoffte bestimmt auf einen knappen Sieg der Naunheimer, um so überraschender kam die Niederlage. Das Spiel selbst besriedigte sehr. Auf beiden Seiten wurden gute Gelegenheiten herausgearbeitet, doch blieb vorerst jeder Erfolg aus. Erst nach 20 Minuten gelang cs Neckargartach, in Führung zu gehen. Naunheim stellte jedoch bis Halbzeit den Ausgleich her. Nach Seitenwechsel legte Neckargartach mächtig los, während Naunheim nach- lieh. In dieser Drangperiode stellte Neckargartach das Ergebnis auf 4:1. In der Folge gestaltete sich das Spiel wieder ausgeglichener. Der Naunheimer Torhüter muhte sich aber noch zweimal geschlagen bekennen, während sein Gegenüber den Ball nur noch einmal passieren, lieh. Neckargartach hat nun mit Nürnberg-Ost das Schluhspicl zu bestreiten. Giehcn I — Lollar I 3:2. Viehen ging zuerst in Führung, und erhöhte bald aus 2:0. Die Gäste waren im Sturm etwas unbeholfen und erzielten nichts: erst allmählich fanden sie sich besser und holten ein Tor auf. Die Giehener stellten jedoch bald die alte Differenz wieder her. Gegen Schluß verkürzten die Lollarer abermals auf 3:2. — Vorher standen sich Giehcn I! und Lollar II gegenüber. Hier konnte Giehen mit 6:2 Toren Sieger werden. — Die Schüler von Giehen und Wieseck trennten sich mit dem Ergebnis von 3:0 für Wieseck. — Drehens Jugend war in Fronhausen zu Gast und konnte gegen die dortige Jugend mit 2:1 nur knapp Sieger bleiben. Marburg I — Mieseck 1 1:7. Wieseck I war zum Freundschaftsspiel in Marburg zu Gast. Die Gäste führten bei Halbzeit bereits mit 3:0. Die Marburger bemühten sich sehr, um ein günstigere- Torverhältnis, konnten jedoch nie ernstlich gefährlich werden. Auch nach dem Wechsel war Wieseck weiter im Angriff und erzielte weitere vier Tore. Im Verlause eines gut hereingegebencn Eckballes der eingelegt wurde, kam Marburg zum Ehrentor. — Wieseck- 1. Jugend trat für die 2. Mannschaft in Hausen zum Freundschaftsspiel an. Die technisch besseren Gäste sührten bereit- nach 15 Minuten mit 2:0 Toren Hausen gab wohl alles her. konnte aber nichts Zählbare» erreichen und muhte sich mit 3:0 Toren geschlagen bekennen. — Vorher: Hausen II — Wieseck- 2. Jugend 1:1. Heuchelheim I — Grohen-vuseck I 0:0. In einem flotten Spiele waren die Gäste vorerst etwa- überlegen, konnten jedoch die gute Abwehr der Einheimischen nicht überwinden. Trotz aller Anstrengungen aus beiden Seiten wurden torlos die Selten gewechselt. Nach dem Wechsel drängt Heuchelheim sehr, doch gelingt es den Gästen durch reichliche Abwehr bis Schluh daS Tor reinzuhalten und ein glückliches Unentschieden zu erzielen. — Die zweiten Mannschaften trennten sich mit 2: 2 ebensalls unentschieden. — Heuchelheim Jugend gegen Wißmar Jugend 0:2. — Heuchelheim Schüler gegen Gleiberg Schüler 9:0. Ullendorf I — Metzlar I 1:2. ' Die Allendorfer enttäuschten in diesem Spiel ihre Anhänger sehr, denn sic muhten sich von den Gästen mit 1:2 Toren geschlagen bekennen. Lang-Gön, I — Metzlar II 0:6. Auch in diesem Spiele gelang es den Wetzlarern. einen überzeugenden Sieg zu erzielen. Gleiberg I — Klcin-Linden 1 4:8. Klein-Linden war dem Gegner merllich voraus und erzielte Tor auf Tor. Auherdcm spielten: Vlasbach ll gegen Vetzberg II 9:1. — Krosdorf Jugend gegen Naunheim Jugend 0:6. Wirtschaft. Keine Aenderung der Arbeitömarlilage im Reich. Berlin, 22. März. (WTB.) Der Arbeitsmarkt hat auch in der ersten Hälfte des März keine wesentlichen Aenderungen erfahren. Am 15. März wurden bei den Arveitsämtern rund 6 129000 Arbeitslose gezählt. Die Arbeits- lolenverstcherung erfuhr eine Entlastung um rund 115000 auf rund 1 736 000 Hauptunterftutzungs- empfänger, während in der Krisenfürsorge eine nicht unerwartete Belastung um rund 43 000 aus rund 1717 000 Hauptunterstützungsempfänger eintrat. Die Zahl der von den Arbeitsämtern anerkannten Wohlfahrtserwerbslosen betrug Ende Februar rund 1833000, während zur gleichen Zeit über 3,5 Millionen Arbeitslose in der Arbeitslosenversicherung und in der Krisenfürsorge betreut wurden. Wiederaufnahme der amtlichen Kursnotierung. Frankfurt a. M., 22. März. (WTB.) 'Nachdem der preußische Handelsminister die Wiederaufnahme der amtlichen tiurfeftftcUung an den Wertpapierbörsen nach Ablauf der ersten Aprilwache frei- gegeben und sich damit einverstanden erklärt hat, daß für dazu geeignete Wertpapiere neben den Anfangs-, Einhcits- und Schlußkurfen eine fortlaufende Notiz feftgeftellt wird, hat der Frankfurter B ö r f e n o o r ft a n b in feiner Sitzung vom 22. März eine Kommission eingesetzt, welche die erforderlichen Vorbereitungen im Einvernehmen mit dem Börsenvorstand Berlin zu treffen hat. Niddaer Bank AG. A ibba , 22. März. Die Nidbaer Dank AG. konnte in ihrer Generalversammlung bekanntgeben, bah sie bas abgelaufene Geschäftsjahr ohne nennenswerte Verluste überstanden hat und einen Ncingewinn von 13 747,89 Mk. zu buchen vermochte. Dieser Betrag wurde in folgender Weife zur Verteilung genehmigt: für 10 Prozent Dividende 3902,10 Mk., zur Überweisung für ben Aufwcrtungsftock 1000 Mk., für den Reservefonds 5000 Mk., Zuwendung für ben Verein Krankenpflege Nidda 300 Mk., für die Gewerbeschule 300 Mk. Nach Abschreibung von 200 Mark auf Mobilien konnten noch 2045,79 Mk. auf neue Rechnung vorgetragen werden. Die satzungs- gemäh ausfcheidenden Mitglieder des Auffichts- rats, Oberreallehrer i. R. Küfer, Bauunternehmer Hermann Drott und Kaufmann Hermann Roth wurden einstimmig wiebergewählt. Berlin flau. Berlin, 23. März. (WTB. Funkspruch.) Je näher die Feiertage rucken, desto ruhiger wird das Geschäft an der Börse. Schon allein diese Tatsache hätte genügt, um das Kursniveau zum Abbröckeln zu bringen. Hinzu kam aber noch, bah die beutschen Bonbs gestern in Neuyork toicber auffaUcnb schwach lagen, unb bah immer noch in einigen Werten Auslandabgaben stattfanden, wodurch natürlich die Unternehmungslust der Spekulation nicht vergrößert wurde. Die Kreuger- affäre drückte ebenfalls noch immer auf die Stimmung. Schließlich verwies man auch noch auf die schwache Veranlagung der internationalen Warenmärkte. Nachdem schon gestern abend Leine Kursrückgänge ringe treten waren, zeigte der Beginn des heutigen Verkehrs meist weitere Verluste bis zu etwa 1 Pro zent. Das Angebot hielt sich jedoch im allgemeinen in erträglichen Grenzen. Nur Svenska, Ehade und Berliner Kraft L Licht (letztere angeblich für einen amerikanischen Investment/Trust) waren etwas stärker angeboten. Am Bankenmarkt lagen Danatbank unb Reichsbankanteile etwas schwächer, während beim Kurs ber Berliner Handelsgesellschaft der Dividenbenabfchlag zu berücksichtigen ist. Sonst waren auch Julius Berger etwas stärker rückgängig, Farben setzten 1 Proz. niedriger ein, Siemens lagen völlig unverändert Als sich im Verlause herausstelltc. bah bie Auslanbabgaben nicht ben Umfang annahmen, ben man vorher befürchtet hatte, setzte sich vorübergehenb toicber eine kleine Erholung durch. Die Spekulation, bie vorgegeben hatte, war zu Deckungen geneigt, so bah das Kursniveau um 0,50 bis 0,75 Prozent anziehen konnte. Fester lagen vor allem Montan- werte unter Führung von Ilse. Anderseits blieben jedoch Svenska recht schwach veranlagt (sie verloren im Verlause etwa 5 Mark), und auch für Hirfchkupfer waren heute erheblich nichtigere Taxen zu hören. Am Anlaacmarkt schien das Ausland ebenfalls weiter Abgeber zu sein. Besonders Reichsschuldbuchforderungen waren wieder angeboten und etwa 1 Pro-, nichtiger. 3m Verlaufe vergröherte sich her Verlust hier sogar auf 1.5 Proz. Auch Goldpfandbriese neigten zur Schwäche unb wurden bis zu 0,5 Proz. nichtiger genannt, ebenso Industrieobligationen unb Kommunalanleihen. Am Gclbmarkt machten bie Vorbereitungen zum Ultimo, bie diesmal wegen der Feiertage besonbers früh einfetzten, Fortschritte: bet Tagcsgelbfah würbe wieder mit 6,5 Prozent und darüber genannt. Banfnofen. Devi cnmartl Berlin — Frankfurt a. M. 22. Mörz 23-TMn Sfmtlüfrt Dotierung Melk- | 3rlrf Weiterung Geld Srk» 7,033 49.95 7,047 50,05 7.033 49,95 7.047 50,05 Prag 12,465 12.485 12.465 12.485 BudapeH . . 56.94 57,06 56.94 57,06 Sofia 3.057 3,063 3,057 3.063 Holland . . 169.63 170,02 169,73 169,97 Oslo . . 82,12 82,28 81,52 81.68 ßopenbagee. 84.62 84,78 84,37 84.53 Stodholm 83,42 83,58 82,42 82,58 London . . 15.35 15.39 15.32 15.36 Buenos Alre« 1,073 1,077 1.073 1,077 Reunort 4,209 4,217 4.209 4.217 ®rii||d . . 58.69 58,81 58.67 58.79 Italien . . . 21.78 21,82 21.78 21.82 Doris . . . 16,53 16,57 16,53 16.57 Schweiz 81,20 81,36 81,20 81,36 Spanten 32,07 32.13 32,07 . 32,13 Danzig 81,97 82.13 82.02 82.18 Japan . . 1,349 1.351 1.349 1.351 Siro de.Ton.. 0,249 0.251 0,254 0.256 Iugoslawte«. eiiiabce . . 7,413 13,99 7,427 14,01 7.413 13.99 7,427 14.01 Frankfurt weiter nachgebend. Ärrlln, 22 März Cörld —M- «menlaniiche Noten ... 4,20 4,22 Belgische Noten......... 58,53 58,77 Dänische Noten......... 84,43 84,77 Englische Ncll.'n......... 15,31 iZronzösische Violen........ 16,49 16,55 Holländische Noten........ 169,31 169.99 Italienische Noten........ 22,11 22,19 Norwegische Noten........ 81,94 82,26 Deutsch.Leilerreich, * 100 Cd)Illing Rumänische Noten........ 2,49 2.51 Schwedische Noten........ 83,23 83,57 Lchive^er Nuten. . . ...... 81 (Y) spanische Noten......... 31 99 Ungarische Noten ....... Reichsbankdiskoni 6 Pro;. — Lombardfah 7 Pro;. Frankfurt a. M., 23. März. (WTB. Funk- fpruch.) Die Nähe der bevorstehenden Feiertage machte sich an ber heutigen Börse stark fühlbar. Das Geschäft hielt fich wieder in sehr engen Grenzen, zumal keine Momente vorlagen, die eine ®c- fchäftsbelebung hätten herbeiführen können. Die Spekulation war weiterhin eher geneigt, fich zu entlasten. Eine gewisse Verstimmung ging vom Rentenmarkt aus, an dem Rcichsschulbbuch- forberungen auf weitere Auslandsverkäufe recht matt lagen. Auch wirkten die gestrigen Ausführungen in ber AEG.-Derfammlung noch nach, ebenso würben bie Rückgänge der deutschen Werte an den Auslandsbörsen und der neue Kurscin- bruch ber Kreuger-Werte an der Stockholmer Dorfe ungünstig vermerkt. Gegen die gestrige Abenbbörse stellten fich meist neue Kursverluste ein, dic jedoch nur selten 1 Prozent überschritten. Die sukzessiven Abgaben am Far- benmarft blieben auch auf die übrigen Marktgebiete nicht ohne Sinsluh. 3D.-Farben fetzten zunächst ziemlich unverändert cm. doch gaben sie später um zirka 1 Prozent nach, ölektroakticn bröckelten werter meist ab. Für Montanwerte bestand anfänglich eher etwas Intereffc und die Kurse konnten «ich im Verlause ziemlich behaupten. Schissahrtspapiere lagen zunächst ebenfalls etwa» freundlicher, um aber später wieder etwas abzubröckeln. Bankaktien waren im Kurse kaum verändert. Von sonstigen Werten blieben Scheide- anstatt gut gehalten, während Zement Heidelberg nach ihrer lehttägigcn Auswärtsbewegung angeboten wurden und etwa 1 Prozent nachließen. An den Rentenmärkten machte sich ebenfalls eher Schwächeneigung bemerkbar. Rcichs- schuldbücher lagen erneut 1 Prozent niedriger, auch Altbesihanleihe ging weiter zurück. Gold- Pfandbriefe blieben ziemlich unverändert. Liquidation-Pfandbriefe lagen uneinheitlich. Die Veränderungen nach beiden Seiten betrugen etwa 0,25 bis 0,50 Prozent. IG.-Farben-Bonds und Reichs- bahnvorzugSaktien lagen unverändert. frankfurter Getreidebörse. F r a n k f u r t a. M., 23. März. Es wurden notiert: Weizen 255 Mark, Roggen 225. Sommergerste für Brauzweckc 195 bis 200, Hafer (inländischer! 160 bis 167,50, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0, mit Austauschmcizen) 38 bis 39,45, Sondermahlung 36,25 bis 37,70, Weizenmehl (niederrheinisches, mit Austauschweizen) 38 bis 39,20, Sondermahlung 36,25 bis 37,45, Roggenmehl (70 v. H ) 29,50 bis 30,50, Weizenkleie 10, Roggenkleie 10,75 bis 11 Mark. — Tendenz: ruhig. Kirche und Schule. Landkreis Giesjen. ' Wieseck, 22. März. Unsere letzte Pas- sionSandacht am Abend des Buhtags brachte zwei Lichtbildrethen: die kleine Passion von Albrecht Dürer und eine Passionsliturgic mit Bildern von Schnorr von Karolsscld, Rudols Schäfer, Fr. Stassen u. a. Der Ortsgeist- liche gab Erläuterungen, passende Schristwortc deS Alten und Neuen Testaments erschienen auf her Leinwand, auch Liedversc, die die Gemeinde mitfang. Für Karfreitag ist dic ilebertragung der Matthäuspafsion aus Frankfurt in unsere Kirche geplant: ein erster Versuch, zu dem das Entgegenkommen des hiesigeir Radiosachgeschäfts Friedrich Kehler ermunterte. * Wieseck. 22. März. In den letzten Wochen vor Ostern trugen die vier Klassen der drei oberen Jahrgänge unserer Schule Fußballspiele mit von den Schülern selbst ausgestellten Klasscnmann- schasten aus. Bei diesen Spielen war sestzustellen. daß die körperliche Ueberlcgenheit her jeweils älteren Klasse durch schönes Zusammenspiel der jüngeren fast vollständig ausgeglichen wurde. In den Spielen zeigten die Schüler, jeweils bie besten au» der Klasse, durchweg gute Deallbehandlung und gutes Zuspiel. Die Ergebnisse waren: Klasse 1 gegen Klasse2 Vorspiel 2:1, Rückspiel 3:0, Klasse 3b gegen 3a Vorspiel 2:0, Rückspiel 1:2. Entscheidungsspiel 1:0. Klasse 1, die aus her Schule entlassen wird, schied als Sieger aus, und es wurde nun noch der Sieger für die in her Schule verbleibenden Mannschaften ausgetragen. Es traten an hie Klasse 2 gegen 3b mit folgendem Ergebnis. Vorspiel 1:1, Rückspiel 2:0, so daß also Klasse 2. nach Ostern da- achte Schuljahr, der Sieger im Fußball unserer Schule ist. Die Spiele sanden zum größten Teil außerhalb der Schulzeit unter Leitung des Turnlehrers Heller statt. Nachdem die Schüler im Lause von zwei Jahren im Fußball ausgebildet sind, wird im nächsten Jahre das Handballspiel gepflegt und bei guten Leistungen am Ende des Schuljahres in ähnlicher Weise abgeschlossen. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Gründonnerstag, den 24. März. Stadtkirche. 19.45 Uhr: Psr. Becker: Beichte und hl. Abendmahl für Matthäus- und Markusgemcinde. — Johanneskirche. 19.45: Pfr. Ausfeld: Beichte und hl. Abendmahl für Lukas, und Iohannesgemeinde. — Kapelle des Alten Friedhofs. 18: Pfr. Lenz: Beichte und hl. Abendmahl für die Luthergemeinde. — Elisa- belh-Kleinkinderschule. 20; Psr. Lic. Waas: Beichte und hl. Abendmahl für die Petrusgcmeinde. — Wieseck. 9: Beichte. — Allen-Duseck. 9: Beichte. — watzenborn-Steinberg. 20: Beichte und hl. 'Abend- mahl, besonders für ältere Eheleute. Katholische Gemeinden. Mittwoch, den 23. März. Giehen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Donnerstag, den 24.März. Gründonnerstag. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 6.30, 7, 7.30, 8: Korn- niunion; 9: Hochamt, dann Anbetungsstunden bis 18 Uhr; 18: Andacht. — Lich. 7: Hochamt; 20: Fasten andacht. — Nidda. 8.30: Hochamt. TaHax&Z/ E'Tso OPEL-FAHRRÄDER von 3Z RM an Anerkannte Opel-Fahrrad-Verkaufsstellen: JOSEF STEINBACH, GIESSEN, LUDWIGSTR. 62 Sie müssen unbedingt das neue OPEL Blau-Blitz Rad sehen! Erfragen Sie die neuen STANDARD und LUXUS Preise bei untenstehenden OPEL Fahrradhändlern! • RICHARD BORNEMANN, GIESSEN, SONNENSTR. 5 Scriöwer Vertreter der Parf.-Branche, bei Fris. best. cingc- fülirt, für konkurrenzlos. Markenartikel sofort gooecht. Angebote unt. PostseMioB- fach 1687, Frankfurt am Hain. 2330V nillllllllllllllllllllllllllllUlllllllUllllllllllllUllllllllllllllllll) Der Schuh fürdie Dame! Unsere neuen Frühjahrs-Modelle zeigen wir Ihnen In neuen Farben zu erstaunlich niedrigen Prelsenl 2049 A ....................................................................................................... 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März 1932 (Ostersamstag) für jeglichen Verkehr geschlossen sind. 2303 D Bezirkssparkasse Gießen Commerz- und Privat-Bank Aktiengesellschaft Filiale Gießen Darmstädter und Nationalbank Kommanditgesellschaft auf Aktien Zweigniederlassung Gießen Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft Zweigstelle Gießen Handels- und Gewerbebank e. G. m. b. H., Gießen Reichsbankstelle Gießen Kragen und Krawallen in der Güte und Schönheit liegt die Wirkung steifen Qualitäten 0.60 Kragen in haltbaren, steifen und halb- Kragen beste Bielefelder Fabrikate... j C ..................... 0.95 I Krawatten moderne Frühjahrsmuster... ..................1.50,0.95 Seide 2.25,1.95 Krawatten , elegant, breite Form, reine In weißen und farbigen Oberhemden sowie Oxfordhemden unterhalten wir ein gut sor- Cf| tiertes Lager. Unsere Haupt- J preislagen.... 4.95,3.75,2.95 £■ ■H MUCKER. la Speise- Kartoffeln Handverl.Industrie empfiehlt billigst Hch.Trechsler Steinstr. 73. Tel.3581. MWWMOMS Fahrn er-Schmuck das schöne Geschenk zu Ostern und zur Konfirmation Kunsthandlung Hirz Seltersweg 22 01818 Zwanssverfleigemig K 43/30 Am Donnerstag, den 23. Juni 1932, vormittags 9 Uhr, werden im Amtsgerichtsgcbäude zu Gießen, Zimmer 204, die nachstehenden der Firma Heyligenstadt & Co., Werkzeug-Maschinenfabrik und Eisengießerei A.-G. zu Gießen, im Grundbuchc von Gießen zugeschriebenen Grundstücke und Grundstücksanteilc versteigert: Bezeichnung der Grundstücke O.- Nr. Flur Nr. stulturart Gewann qm Betrag d. Schätzg. 5 6 8 11 12 24 25 A. Grundbuch für Gießen Band 69 Blatt 4092. Xll 111 Grasgarten auf der Weißerde stößt auf Erdkauterweg 239 1195,— XII 112 Grasgarten daselbst 108 540,— XII XII 114 HO1/» Hosreite Grabgarten das. (Aulweg Nr. 51a, 53) daselbst 17081 165 285405,— 825,— XII U05/lo Grabgarten daselbst 142 710,— XII 136 Straße 306 1530,— XII 137 Straße 56 275,— B. Grundbuch für Gießen Band 31 Blatt 1432. 2 V 1563/]0 Hofreite Grabgarten auf der Weiß- erde am Weg (Am Riegelpfad 106) 230 280 17300,— 1040,— c . Grundbuch für Gießen Band 74 Blatt 4336. I XII 107 Straße auf der Weiß(Acker) erde stößt auf den Erdkautcr- weg 1837 4590,— — XII 108 Straße XII (Acker) daselbst 545 1360,— 3 109 Straße (Acker) daselbst 1293 3280,— bez. der Grundstücke zu C. nur die der Fa. Heyligenstaedt L Co. zustehende ideelle Hälfte. Vorhandenes Zubehör an Gleisanlagen-, Straßen- u. Hof- einsriedigung, Gas-, Wasser-, Abfluß- u. Heizanlagen sind geschätzt mit 48000,— .71Jl. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 21. März 1932. I. A. des Hess. Amtsgerichts Gießen 2co, Ortsgenchtsvorsteher. 2287 d Sorgfältig gepflegte WIE UM IE aller Weinbaugebiete sowie Spirituosen in bekannter Güte empfiehlt Weingrobhandlung Chr. Inderthal Diezstraße 14, Telephon 3973 Verlangen Sie bitte Angebot. 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Aus der ganzen Erde gibt es derzeit kein so unpersönliches melancholisches Nervenbündel wie diese koloniale Provinzstadt Harbin Ein Nervenbündel nicht wegen ihrer Ausgestörtheit. — Schanghai ist böser daran, dort brennt es schon, während hier der eigentliche Brand erst noch erwartet wird Aber in Harbin bündelt sich da- Schicksal der Nossen, nicht nur der Staaten. DaS ist gcwtst viel gesagt. Doch wie sollte man diese Dcrknotung nicht gerade s o sehen, wo doch Safran in Schanghai seinen Widerstand gesunden hat — in dem kriegerischen Boykott der Chinesen. Während Harbin niemandes Besitz ist, während hier keiner ist, der Widerstand zu leisten vermochte Harbin ist so unpersönlich wie nur möglich, weil cS allen gehört, weil es alle«1 Welt bekannt ist und in Wirklichkeit doch keinem. Nicht einmal sich selber gehört es. Die Japaner hatten hier einen leichten Sieg Darum hebt sich Harbins unpersönliche Internationälität vom Hintergrund der Weltpolitik wie eine einzige grohc Unsicherheit ab. Aus seine Bewohner wirkt daS zurück sie sind seit der Japaner Einzug hier um einen Ton melancholischer geworden. Einzig die Westeuropäer, aber nur wenige sind es. treten unter den 250 000 Harbiner Bürgern ziemlich sicher aus. Denn auch die Chinesen haben vor den Japanern beigegcben. ES ist immerhin Krieg. Und seitdem die Japaner hier sind, gibt cs auch wieder so etwas wie Ordnung. Das war dringend nötig. Um nur einen Fall von vielen zu nennen: Kurz vor dem Einzug der Japaner gab cS zwischen den Nüssen und Chinesen einen unerhörten Krawall. Ein Nüsse soll, hiest cS, einem chinesischen Händler irgendein Stück Ware entrissen haben und damit gefluchtet sein. Die Chinesen taten sich im Nu zusammen und Überfielen den Nüssen. Woraus die Russen sich ihrerseits zusammenschlossen und — tagelang in der Stadt von nichts anderem die Rede war, als von der so blutig auSgebrochcnen russisch-chinesischen Feindschaft. Ein wahrer Krieg drohte und wer weist, wie die Dinge ausgcgangen wären, — doch die Japaner besetzten die Stadt Später stellte sich heraus, das; jener Russe nur so gehandelt hatte, wie alle Russen und man möchte sagen Weihen gegenüber einem Chinesen gehandelt hätten, der sie gerade wieder mal unverschämt übervorteilt und dazu noch provoziert. So geladen ist die Luft zwischen Russen und Chinesen Aber jener taaelange Strastenlrieg zeigte auch ein anderes: dast nämlich die Unterschiede zwischen weihen und roten Russen gegenüber den Chinesen aushören. wenn die Chinesen im Unrecht sind. Und sie sühlen sich immer im Recht, womit wir denn auch unmittelbar in das ganze ostasiatische Russenproblem gelangt sind. ES gibt in der Mandschurei an die 800 000 Russen, davon 200 000 in Sowjetdiensten. Die übrigen bOOOOO sind Emigranten Kaufleute. Gelehrte, Bauern, doch zumeist Soldaten und Offiziere, Ucberreste alter bolfchewistenfeindlicher Armeen. Aber alle 800 000 sind heute offene Feinde der Chiisefen. wenn eS auch aus Gründen der parteipolitischen Scheidung vertuscht wird Mit den Japanern aber hält man es wegen der Ordnung, die sie ins Land bringen. Darüber hinaus jedoch herrscht. . . Aber versuchen wir es lieber, daS Bild von einer anderen Seite her zu betrachten. CS sind erst ein paar Jahre her, Öa träumten viele Russen noch von einem BündniS mit den Asiaten, d h hier den Chinesen und Japanern, gegen Europa, im einzelnen auch gegen Deutschland. Das war die Zeit der Reaktion aus Europas Derrat am nationalen Russland. Europa sei schuld am Triumph des Bolschewismus. Harbin war ener der Mittelpunkte dieser Lehre. Je mehr aber die Politik auch Japans und Chinas gegenüber bem Sowjetstaat den Emigranten Nachteile brachte - - viele Emigranten muhten zum Beispiel ihren Dienst aus der Ostchinabahn Sowjetangestellten überlassen —. je mehr auch Frankreich, England und Italien mit dem roten Moskau paktierten, desto kritischer begann man zu denken. Und heute ist von der paneurasischen Lehre nur noch der Schatten übrig geblieben Zugleich aber mit dem Schwinden dieser Stimmung wechselte das Derhalten zu den Gelben Die Chinesen suhlten sich aus einmal a l S die Herren nicht nur über die emigrierten Russen, sondern auch über die roten, denn deren Interessen an der Ostchinabahn waren ja nur geduldet, und zwar aus Gründ alter Zwangs- Verträge zwischen Petersburg und Peking. Der chinesische Fremdenhah. gepaart mit Unordnung. Hinterlist und schleichender Habgier, der sich zur selben Zeit gegen die Fremdmächte in ganz China und im einzelnen gegen Japan entwickelte richtete sich im besonderen gegen d i e Russen, soweit er sonst Widerstand fand, denn die Russen waren die Schwächeren. Und sind es noch heute. Insofern also der chinesische Fremden- und Weistenhast sich gegen alle Russen ohne Unter- schjed. rote wie weihe, richtet, sind sich die Russen einig. Das um so mehr, als gewichtige national-russische Interessen von selten Chinas und Japan« gesährdet sind, Interessen, deren Derteidigung eine Dristenzfrage ebenso der Bolschewisten ist. wie sie es für jedeS andere Rustland war und fein wird: der AuSgang Rustlands in den Stillen Ozean scheint in jafrani- schen Besitz übergehen zu sollen. Und hier nun klasst sofort der Abgrund aus zwischen Antibolschewisten und Bolschewisten Die Sache ist an sich sehr einfach. Nur die Politik macht sie verwickelt und schier unlösbar. Denn im Grunde sind die Chinesen die natürlichen Partner der Russen. Die Chinesen! beanspruchen keinen Rückzug russischer Interessen. Im Gegenteil: alS natürliche Nachbarn zu Lande werden sie gemeinsam von der See her bedroht. Wo aber politische oder wirtschaftliche Konflikte bestehen, da geht eS nur um eine Korrektur — zum Beispiel in bezug auf die Verwaltung der Ostchinabahn. die ja gemeinsamer Besitz ist. Auch die Kolonisationsfrage ist Konfliktsstoff nur solange es russische Bauern aus Sibirien in der Mandschurei gibt, mit dem Aufhören einer Emigration hört auch diese Reibung auf, Ostsibirien ist menschenarm, aber an allerlei Natur- schätzen überreich für RustlandS Kolonisation also eine fast unbegrenzte Möglichkeit. Jedoch ist auch da« rote Moskau an die Taktik des ftänbigen Lavierens zwischen Japan und China gebunden, ganz wie das alte Ruhland, und ist eS heute um so mehr, als feine eigene Kraft nur gering Ist: Ruhland verfügt in feinen fernöstlichen Gewässern weder über eine Kriegsslotte noch auch eine ausreichende Handelsflotte. Das ganze russische Küstengebiet lebt isoliert vom übrigen Ruhland, wird von dort her sogar al« eine Art Last empfunden, muh es doch mit Geld und Nahrungsmitteln unterstützt werden, obwohl eS eine wahre Goldgrube materiellen Reichtums fein und an Ruhland sogar noch grohe Schätze abgeben könnte Gießener Giadiiheaier. Bernatd Lhaw: „Candida". Der offizielle Untertitel dieser Komödie lautet: Mysterium in drei Akten: eine private Aenherun^ Shaws bezeichnete es als „rociiierlid)eii Unsinn . Wie inan Shaw kennt, wird cs gestattet sein, beide Erläuterungen nicht übermäßig ernst zu nehmen. Er nimmt ja selber, wie etwa neuerdings wieder die letzten Bulletins von feiner füdasrikanifchen 'Reife dartun, nicht allzuviel auf dieser West von der seriösen Seile. Man darf auch daran erinnern, dast das Stück bald seinen vierzigsten Geburtstag begehen wird — es wurde 1894 geschrieben —, dah es also ein Der- hältnismähig frühes Werk ift öic|cr Shaw Ist noch loergleichsweisc, gemessen an seinen späteren «chrif. ten) milde, lyrisch, manchmal beinahe romantisch: nach nicht so paradox, so giftig und In angriffsluftig wie später, obwohl cs auch hier schon, zumal am Anfang, eine Menge von mehr oder minder Der- steckten, kleinen Bosheiten und Anzüglichkeiten gibt, über die man sich innerlichst amüsiert fühlt. Die „Candida" reicht, worauf schon langst hin- gewiesen worden ist. noch in die Bezirke des alten Ibsen hinein — zeitlich und geistig. ('IRan merkt den Abstand von unserer Gegenwart nicht nur an dem Vorhandensein von reinigungsbedürftigen Petroleumlampen, sondern ctma auch an der Art und Weise, wie hier, im Dorübergehen, die soziale Frage gestreift wird.) Und gerade im Anschluh an die seinerzeit von Ibsen entwickelten Probleme ist die Komödie besonders in England lebhaft diskutiert worden. Der Vergleich der Titelheldin, der Pfarrersfrau Candida Morell, mit der Adookatengattin Nora Helmer lag nicht sehr fern. Cs ergibt sich die nämliche Situation. Gleichgewichtsstörung in der Che Bei Ibsen endet das (wenigstens in der allein gültigen ersten Fassung) mit einem schrossen Bruch: bei Shaw endet es im Sinne der bürgerlichen Moral .. und zugleich einer höheren, menschlich begründeten Sittlichkeit. (Eanbiba ist die Gemahlin des Pfarrers Jakob Morell zu St. Dominik in London. Morell ift ein guter, aber geistig und menschlich nicht sehr kräftiger Mensch. Candida, ruhend in der Ausgeglichenheit und lleberlegenheit ihres Wesens, ist der reifere und wertvollere Partner in dieser Che Jede (fr- ichütterung ihres Zusammenlebens muh, wie die Tinge liegen, zur Krisis füfjrcn; sie ist sofort da. Diorell, weltfremd und seinem sozialen Cmpfin den folgend, einen jungen, hilfsbedürftigen und etwas verwahrlosten Menschen aus bester Familie in sein Haus aufnimmt, und dieser achtzehnjährige Romantiker sich in Candida verliebt * Die beiden Männer geraten alsbald heftig an einander, trugen, der Junge, hat das schwankende Fundament dieser Che instinktio crfannl Er sieht mich Morells schwache Position, Candidas Heber- legenheit. er scheint sogar vom Glück begünstigt. Als Marell selber die Gefahr begreift, wird er nachdenklich und unterwirft sich der Entscheidung der Frau: Candida soll zwischen ihm und Eugen wählen Und es erweist sich, in dem feinen und ganz komödienhaft abtiingenben Schlußakt, dah die Frau nicht nur in der Mitte zwischen beiden Man- nern steht, sondern — wie ihre Entscheidung lehrt — auch über ihnen- sie bleibt bei Morell mit der ebenso weiblichen wie menschlichen Begründung, dah dieser sie nötiger brauche als der Junge. Cs würde zu weit fuhren und ist hier nicht der Ort, der ungemein zwingenden und überaus fyiu- patnjfchen Begründung im einzelnen zu folgen: man mag es sich anljorcu und diese dichterisch stärkste Szene der Komödie auf sich wirken lassen, wie sie im gedämpften Kammerspieston einer gepflegten Ausführung — unter Fasso11 s sorgsamer Leitung — sich darbietet: der Schluhakt ist auch regiemahig der beste Teil eines zugleich erheiternden und nachdenklichen Abends. Zwar konnte die Inszenierung die leisen Schwachen des Stückes nicht völlig verdecken, aber sie bewies Sinn für den eigentümlichen Ton der Shawschen Dialektik seine Ironie, feinen (hier noch ziemlich milden) Spott und auch feine Freude an unverblümter Meinungsauherung. — Löffler hatte einen hübsch ausgestatteten Innen- raum für alle drei Akte entworfen Candida war Maria Koch: sie hatte es fdimer, wenn man bedenkt, was Shaw alles von dieser Frau verlangt: sie hatte es leicht, wenn man weih, wie sehr die Rolle ihren Fähigkeiten entspricht und entgegenkommt. Sie gab mehr als die Rolle, sie gab einen prächtigen Menschen in wohltuender und un- theatralischer Natürlichkeit, eine Frau, wie sie hier gebraucht wird, in der ruhigen Sicherheit ihres Gefühls, voll der lleberlegenheit, Mütterlichkeit und inneren Reife, aus der allein die zuvor geschilderte Entscheidung kommen kann. Den Jakob Marell gab Fojso11: anfangs fast em wenig zu. selbftbewuht, gesichelt und gellact m Aber die Bolschewisten haben sich selbst um die Möglichkeit des Ausbaues und der Jnterellen- siche.ung gebracht. Sie ritten ibr Steckenpferd der Weltrevolution in China fo lange und reiten es auch heute noch, sie rechneten so lange aus eine Angliederung eines vollchewisierten Chinos an die Sowjetunion, bis China national erwachte wenn heute auch vornehmlich gegen Japan, bis China in bezug auf die Ostchinabahn äutzerst ungesprächig wurde zumal Moskau in«qr"P1 Tafeh^wahlin °70^ FesM-0ridppo 1 // Lteten wjiFünstig Holst Pfä° 8c$Vor?Qs 1 „ K ^t. St Of* 01796 Geschäfts-Drucksachen Briefumschläge bei Brühl. Schulstraße 7 Bekanntmachung. Die Stelle des Gemeinde- und Synagogendieners der Israelitischen Religions» gemeinde Gießen ist demnächst neu zu be. setzen. Gefordert wird die Erledigung aller Gemeinde, und Synagogendienergeschafte, die Reinhaltung von Synagoge und Ge- meindehaus, die Instandhaltung des ©artens und die Bedienung der Zentralheizung. Neben freier Wohnung im Gemeindehause, Heizung und Beleuchtung, wird eine Barvergütung gewährt. Bewerbungen sind nur schriftlich bis zum 31. Mar; 1932 an den unterzeichneten Vor- stand, Gießen, Lonystraße 4, zu richten. Bewerber, die eine Drei- bis Vierzimmerwohnung innehaben, die sich als Tauschwohnung eignet, werden bevorzugt. Gießen, den 22. März 1932. Der Vorstand 2289V der Israelitischen Religionsgemeinde _______________Gießen._______________ ... Die Bombe hat eingeschlagen Alles ruft und alles schreit Ein prima Photo - Apparat nur für EM. 2>9O Zwecks Einführung dieses neuen Apparates wollen wir zirka 1000 Stück zu diesem Ausnahmepreis abgeben. Nur wer dieses Inserat einsendet, wird bevorzugt. Beneralvertreter n. Vertreter an allen Plätzen gesucht. Schriftl. 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