Ur. 19 Erster Via« (82. Jahrgang Samstag, 23. Januar 1952 Erscheint täglich, anher Sonntags und ßeiertags. Beilagen: Die Illustrierte (Bietjtner FamilienbläNer Heimat m Bild • Die Scholle ülonats Bejngsprtis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr _ , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zenisprechanlchlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten^ Anzeiger riebe». Postscheckkonto: fironlfurl am Blain 11686. MetzeimAilMger General-Anzeiger für Oberhessen vrrck tfnö verlas: vrühl'sche Umvetfitälr-Vuch. nnö Steinörudcrei K £an^e in Giehei. Schristleitvng und Geschäftsstelle: Sln^traM 7. Annahme von Anzeiaeu für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeiaen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,' für Re» hlamean teigen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Playvorfchrift 20' , mehr. Chefredakteur Dr. Friede Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Tdyiiot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in ®iefoen. Nervenprobe. Die politische Lage in Europa hat einen Grad äußerster Nervosität und Verwirrung erreicht. Nur eins ist klar, die Tributkonferenz, die am 25. Januar in Lausanne zusammentreten sollte, kann au diesem Tage nicht eröffnet werden. Frankreich hat aus die offizielle Einladung noch nicht einmal eine offizielle Antwort erteilt und England, das auf der Zusammenkunft in Lon don im Sommer vergangenen Jahres die Ausgabe übernommen halte, die Konferenz zu arrangieren, ficht sich durch die französische Intransigenz genötigt, di« Teilnehmer an der Konferenz von Lausanne vor- erst wieder auszuladen und auf einen späteren Zeit- punkt zu vertrösten. Das ist ein neues Ergebnis der französischen Taktik, die seit der überraschenden Erklärung de« Hooverfcierjahr» burd) die Vereinigten Staaten alle- darauf abgcftcllt hat, irgendwelche Veränderung der durch den Voung- Plan geschaffenen reparation-politischen Lage zu verhindern, zumindest aber irgendwelche Entscheidungen in der Frage der deutschen Tributzahlungen auf die lange Dank zu schieben, in der fli zlich unbegründeten und törichten Hoffnung, dast die weltwirtschaftliche Entwicllung oder ein Einlenken de- ainerikanischen Gläubigers Frankreich die Konzessionen ersparen könnte, die täglich dringender von ihm verlangt werden Die,e Reigung. irgendwelchen bindenden Entschlüssen au-zuweicben. hat sich bi- zu starrer Intransigenz verstärkt. seitdem in Frankreich b i e a b - l c n zur Deputiertenkammer vor der Tür stehen und nun weder die hinter dem umgebildeten Kabinett Laval stehende, nach recht- orientierte Re» gierung-mehrheit der alten Kammer, noch die Morgenluft witternde bisherige Opposition der Linken bereit sind, sich wenigsten- in diesem Augenblick vor den Wählern mit der Verantwortung für einen grundsätzlichen Kurswechsel in der Reparation-Politik zu belasten, nachdem man länger al- ein Jahrzehnt hindurch dem französischen Volke unermüdlich und nicht erfolglos die ..Heiligkeit der Verträge" und Frankreich- un- veräuszerliche- .Recht auf Reparationen" eingehämmert hat. Auch Eaillaux' Wort, dast Frankreich jetzt dem amerikanischen Gläubiger auch noch die Waffenröcke bezahlen solle, in denen die französischen Soldaten Im Kampf um die 'Befreiung der Tvelt vom „preuhifchen Militari-mu-" den Heldentod gestorben seien, ist bei den für fchars zugespihte Sentenzen empfänglichen Franzosen auf fruchtbaren Boden gefallen und hat besonder- seitdem die amerikanische Zähigkeit den Franzosen da- Schuldenabkommen von Washington aufgenötigt hat, chie verschiedensten Abwandlungen über den Vankee als modernen Shylock. der auf feinem Pfund Fleisch besteht, erfahren. Diese Politik schärfsten Bremsens ist natürlich unvereinbar mit der Aufgabe, die der französische Ministerpräsident Laval in Washington — man must schon sagen an sich gerissen hat. al- er den Präsidenten Hoover zum auebrüd- lieben Verzicht auf jebc neue amerikanische Initiative in der Reparation-- und Schuldensrage bewog und seine Zustimmung dafür erlangte, Deutschland auf den im Voungplan vorgeschriebenen Weg zu verweisen. Deutschland ist diesen Weg gegangen, obwohl seine Umständlichkeit und Langsamkeit zu schweren Bedenken An- last bot. Deutschland hat also auf fran* -vsifche Weisung nnb amerikanische Empfehlung bin die Initiative c griffen, e- hat feine Zah- lungsunfah.gcc t erklärt und die Prüfung seiner Lage durch den im Voungplan vorgesehenen Sach- verständigenau-schust der BIZ. gefordert. Die Maschine de- Voungplan- war damit in Gang gesetzt, der Au-schust hat, wenn auch in wichtigen Punkten mit der ihm von Paris aus auf- oktroyierten Zurückhaltung. Deutschlands Zahlungsunfähigkeit bestätigt und den Regierungen schnelles Handeln empfohlen, wenn nicht die gegenwärtigen Schwierigkeiten die Vorboten weiterer Katastrophen werden sollten. Die Ini» tiative ging nun also zwangsläufig wieder auf die Regierungen über. England, das schon seinerzeit die Zusammenkunft von London angeregt hatte, ventilierte nun über Zeit und Ort der nun nicht mehr gut länger zu umgehenden neuen Tributkonferenz. Unb schon machte sich in Frankreich die Tendenz geltend, die Konserenz- frage dilatorisch zu behandeln und in der Zwischenzeit mit England unter der Hand zu einer Vereinbarung zu kommen, um nach dem auf früheren Konferenzen bewährten Muster dem deutschen Schuldner eine Einheitsfront der Gläubiger entgegenzustellen, so dast es dann nichts mehr zu verhandeln, sondern nur noch anzunehmen oder abzulehnen gab. Das ist nun zwar der französischen Politik nicht geglückt, aber eine von Paris aus lancierte, sehr geschickte Propaganda hat immerhin soviel erreicht, dast Regierung und öffentliche Meinung in England schwankend geworden sind. Der Appell an die leicht zu wedenden Reid- gefühle der Engländer hat wenigstens den Erfolg gehabt, dast in London die Furcht vor einer künftigen überlegenen Konkurrenz der deutschen Wirtschaft den Blick für die fachlichen Rotwendigkeiten der Stunde zu trüben begann. Unter geschickter Ausnützung einiger Punkte des Sachverständi- gcnberichts. der von der innerlich gesunden Kon- fhtution und den Entwicklungsmöglichkeiten der deutschen Wirtschaft nach dem Wiedereintreten normaler Verhältnisse spricht, richtet die französische Presse vor den erschreckten Augen der in diesem Punkte äußerst argwöhnischen Engländer das Gespenst der deutschen Industrie- und Handelskonkurrenz wieder auf. das schon einmal zu Kriegsbeginn wahre Wunder getan hat Wenn Deutschland, so sagt man, erst einmal zu der durch die Inflation beseitigten inneren Verschuldung Vertrauensvotum für Laval. Eine Mehrheit von 51 Stimmen. — Das Kabinett weiß keine neuen Wege. — Laval verkündet unter dem Beifallssturm der Rechten Frankreichs starres Festhalten an dem voungplan. Paris. 22. Ian. (WTD.) Am dritten Tag der Interpellationsdebatte erllärte der radikale Abgeordnete Bergern, der bekanntlich früher der Reparationskommilfion angehörte, ein Plan könne nur lebensfähig fein, wenn man den wirtschaftlichen und plvchologischen Realitäten Rechnung trage. Die Erklärung Brünings sei schon H.lleriam-muS. Was habe die Hitlerbewegung in Deutschland gemacht? Die W.rllchaftskrife, die durch eine schrankenlose Demagogie auögcbcu» tot werde. Aber welche Politik sei es gewesen, die diese Ausbeutung ermöglichte? Doch nur d i e Politik der Alliierten seit Versailles. ..Lotzale Aussührung der Verträge", da- habe seinerzeit bedeutet, dast man sich 132 Milliarden Goldmarl von Deutschland bezahlen lassen wollle. Da- fei eine unmögliche Voraussetzung — und gleichzeitig wolle man von Deutschland die einseitige Abrüstung verlangen. Diese doppelte Konsequenz lehne Deutschland ab. Würde Frankreich unter den gleichen Derhältnislen nickst dasselbe tun. Der Reparationsgrundsatz müsse aufrechterhalten werden, aber man habe jetzt 15 Jahre der Irrtümer hinter s i ch Wenn man wolle, dast eine Schuld bezahlt werde, müsse man mit vernünftigen Ziffern kommen und man müsse auch über Zwangsmittel verfügen, wovon heute keine Rede mehr fein könne. Wenn man jetzt ein nachträgliches Opfer bringe, würde es nicht viel eher al- Opferung einer Hoffnung denn als Opferung eines Rechtes gelten? Die Regierung fagc: Keine Abrüstung, solange man keine Sicherheit besitze' sie bewege sich also in einem Kreise, au- dem man nicht heraus- komme. Es gebe nur die Wahl zwischen der gleichzeitigen kontrollierten Abrüstung Europas ober dem Wettrüsten. Die Regierung möge sich in acht nehmen. Wenn sie selbst nicht liquidieren wolle, dürften in gttvi Monaten die Liquidatoren der europäischen Politik ernannt werden. Ter Abgeordnete Soulier «Gruppe Marin) schlost sich den gestrigen Ausführungen Herriots über die Reparaiionsfrage restlos an. forderte die Entente mit England und verlangte, angesichts der „geheimen R ü st u n g e n" Deutschlands ein energisches Auftreten der franz, fischen Delegation in Genf. Daraus ergriff Ministerpräsident Laval erneut das Wort. Der Voungplan stelle eine definitive Regelung dar, die die Räumung des linken Rtzeinusers fünf Jahre vor der festgesetzten Frist mit sich gebracht habe. Am ß. Januar habe der Reichskanzler dem französischen Botschaster in Berlin eine Erklärung abgegeben, dast Deutschland materiell nicht in der Lage sei, seine Zahlun- gen fortzufetzen, und auch nicht wisse, ob es sie wieder wurde ausnehmen können Dr. Brü- I einer Indiskretion die Blatter eine neue Erklärung ning habe aber lediglich darum ersucht, bah die Re- des Reichskanzlers an den englischen Botschafter ver- gicrungcn in Lausanne von dieser Erklärung Kennt- össentlicht, nach der weder jetzt noch in Zu- nis nähmen. Einige Stunden spater hätten infolge | kunft Deutschland mehr zahlen könne. Lavals letzter Appell. „Rach diesen Erklärungen", so suhr Laval fori, „fann man über die Absichten der Rcichsregle- rung nicht mehr im Zweifel sein. Brüning annulliert zwar nicht den Voungplan, er erklärt aber, dah das Reich auf Jahre hinaus nicht zahlen kann. Frankreich wird niemals auf die Rechte verzichten, die ihm durch die Verträge zugestanden sind und die nur einen Teil der erlittenen Schäden wiedergutmachen. Diese deutsche These ist für uns unannehmbar." Laval verwies auf die Schluhfolgerungen der Baseler Sachverständigen, aus denen hervvrgehe, dah Dcutschland nach Uebcrwlndung der ftrife einen großen A u s schw u n g erlebe. Diese Schluh- folgerungen ermächtigen uns, eine endgültige Neuregelung der Rcparaflonsfrage Zu verweigern, weil die Zahlungsfähigkeit des Reiches nicht nach der augenblld- Iichen Lage bemessen werden kann, wir sind bereit, für d i e Periode der roirl- schas11 ichen Krise eine neue Abrede zu treffen, wir werden aber keinerlei Herabsetzungen der Reparationen ;u- flimmen, wenn sie nicht durch eine gleichzeitige Herabsetzung unserer Schulden gegenüber Amerika ausgeglichen werden, wir werden auherdcm stets die Zahlung des ungeschützten Teils der Reparationen verlangen. Dies sind die neuen Opfer, die wir nach allen anderen bereit sind, zu machen. Bei den kommenden Verhandlungen kann nur d i e Rede von einem Moratorium fein. Deutschland darf nicht seinen eigenen willen diktieren. Die deutschen Methoden haben bei uns keinen Linfluh. Sie stärken im Gegenteil das Gefühl der würde und der nationalen Selbständigkeit. (Kroßer Beifall auf den Bänken der Regierungsmehrheit.) Die Aufgabe, die sich Frankreich gestellt hat. kann nur erfüllt werden. wenn die Moral nicht aus den gegenseitigen Beziehungen ausgeschaltet wird. In der Adrüstungsfragc bleibt Frankreich bei seiner bisherigen Haltung, die sich aus den Völkerbundspalt stutzt. Franlreich n mmt keine Improvisierungen an. die seine Sicherheit gefährde. (Lebhafter Beifall.) Seit zehn Jahren fei - Frankreich mit gutem Beispiel v o r - angegangen, indem es seine Rüstungen herabgesetzt habe. In Genf werde es gegenseitige HilieleistungSvorschläge unterbreiten. Zum Schluß ging er auf die Reubildung seine» Kabinetts ein. Trotzdem Herriot auS innerpolitischen Gründen e« ihm unmöglich gemacht habe, eine ander-geartete Regierung zu bilden, richte er dennoch angesichts der Schwierigkeiten, denen Frankreich gegenüberstehe, den dringenden Appell an da- Parlament, d i e innerpolitischen Streitigkeiten ruhen au lassen und sich im Interesse Frankreich- und de- Frieden- um dieRegierung zu scharen. Franklin-Bouillon hielt darauf eine Anklagerede gegen die deutsch-amerikanischen Finanziers, die die Verbündeten der deutschen Finanz seien und auf diedaSschänd- 1 iche Hoover-Moratorium letzten Ende« zurudzuführen sei. Deutschland sei böswillig und Deutschland gegenüber müsse man eine positive Politik betreiben. Franklin-Bouillon wie« öarauf hin. dast nach der Rheinlandräumung wenigsten- noch da - Saargebiet übrig bleibe. Er erteilte Laval eine schqrfe Absage, weil c« ihm nicht,gelungen sei, die nationale Einigung durchzuführen. Wenn Laval gut beraten Wäre, würde er noch jetzt zurüdtreten, um die nationale Einigung zu ermöglichen. Oie Abstimmung. Bei der Abstimmung über den von der Regierung unterstützten Lnlschliehungsantrag erzielte die Regierung mit 312 gegen 261 Stimmen eine Mehrheit von 51 Stimmen. Der Entschlietzungsantrag hat folgenden Wortlaut: Die Kammer bleibt der internationalen Zusammenarbeit und der Organisierung des Friedens treu, deren Grundlage die Achtung vor den vertra- 9 e " ist. Sie stimmt der Regierungserklärung zu, drückt der Regierung das Vertrauen aus und geht ohne Zusatzantrag zur Tagesordnung über. auch aller Reparation-Verpflichtungen ledig fei — wobei man bewusst außer Acht lässt, das; die Inflation die furchtbarste und nachhaltigste Kapitalzerstörung war. die man sich nur denken konnte —. dann werde eS vor der Wirtschaft der anderen Rationen einen Vorsprung haben, den auch England mit seiner mangelhaft ausgerüsteten und jetzt schon in schwerem Kamps um seine Absatzmärkte in Indien, China. Südamerika und anderswo stehenden Industrie, nie wieder werde einholen können. Das systematische Trommeln mit diesen und ähnlichen klug auf die englische Volkspsyche berechneten Argumenten hat denn auch schon den Erfolg gehabt, dast Leute wie Lay ton und Keynes, die bisher in einer Front mit neutralen Wirtschaftssachverständigen wie Lasse!, Co- lijns u. a. die Fortdauer irgendwelcher einseitigen politischen Zahlungen vor ihrem toirt- schaft-moralischen Gewissen nicht glaubten verantworten zu können, nun der Dolksstimmung die Konzession machen, dast man unter Umständen Deutschland doch, um bestimmte Ausgaben zu decken, bescheidene Summen auferlegen könne, die allerdings den normalen Welthandel nicht stören dürften. Da- ist trotz aller Verklausulierungen doch ein höchst gefährliches Abweichen von dem einmal in Stunden gröberer Unbefangenheit für recht erkannten grundsätzlichen Standpunkt von der wirtschaftlichen Unmöglichkeit der Fortdauer des Systems politischer Zahlungen ohne Gegenleistung. Die deutsche Regierung wird vor solchen Beweisführungen auf der Hut fein müssen. Lind das um so mehr, als eine in Mitteln und Ziel ähnliche Propaganda auch in Amerika versucht, den deutschen Argumenten der wirtschaftlichen Vernunft durch eine skrupellose Hetze das Waller abzugraben. Hier bemüht man sich. Deutschland als den gewissenlosen Bankrotteur zu plakatieren, der den Amerikanern das Geld aus der Tasche lockte, e- in verschwenderischem Saus und Draus zum Fenster hinaus warf, um nun rvnisch seine Zahlungsunfähigkeit zu erklären. Auch dieser Feldzug ist auf die DurchlchnittS- mcntalität deS amerikanischen Steuerzahlers, der namentlich jenseits der Finanzzentren des Ostens von den Zusammenhängen der europäischen Politik wenig oder gar keine Ahnung hat. geschickt abgestimmt und vergröhert zumindest die ohnehin wachsende Reigung, das senile Europa in seinem eigenen Fett schmoren zu lassen. Deutschland hat zwar mit Recht stets daran feftgehalten, dah die alliierten Kriegsschulden an Amerika mit den deutschen Tributen nichts zu tun haben, aber es ist nicht zu leugnen, dast im Hoover- Moratorium insofern eine gewisse Verbindung hergestellt wurde, als die Vereinigten Staaten ihren europäischen Schuldnern die gleichen Summen stundeten, für die diele ihrerseits Deutschland Aufschub gewährten. Es kann also uns keineswegs gleichgültig fein, ob es der französischen Propaganda gelingt, die Volksstimmung in Amerika von neuem gegen uns einzunehmen, nachdem die letzten Früchte der Deutschenhetze aus dem Kriege kaum erst beseitigt sind. Wie sehr Amerika trotz seiner betonten Zurückhaltung auch jetzt den Schlüssel in der Hand hat, sieht man vor allem an der zwiespältigen Politik Frankreichs in diesen Januar- tagen. Die sogenannten Vorverhandlun- fl c n zwischen der französischen und der britischen Regierung gingen einmal darum, zwischen Paris und London eine gemeinsame Marschroute für Lausanne gegenüber Deutschland zu verabreden, dann aber auch — und das scheint den Franzosen weit wichtiger gewesen zu sein —, den Versuch zu machen, zu einer Einheitsfront her europäischen Gläubiger gegenüber Amerika zu gelangen. Das ist Laval offenbar nicht geglückt. England hat es anscheinend abgelebnt, sich in diese Front gegen Amerika einspannen zu lassen, wohl, weil es vom weltpolitischen Gesichtspunkt aus in den amerikanischen Guthaben eine für sich nützliche Bindung der Vereinigten Staaten an die englischen Interessen sieht. Laval hat darauf allein seine Fühler nach Washington ausgestreckt, um ju erfahren, ob nicht trotz des ausdrücklichen ..Reins" des amerikanischen Kongrellcs die Möglichkeit eines Schuldennachlasses oder wenigstens einer Verlängerung deS Moratoriums bestände. Aber er hat sich von Stimson in ziemlich brüsker Form einen Korb geholt Das andere .Rein" kam von Berlin. Die französischen Sondierungen in der Tributfrage, die mit englischer Unterstützung Deutschland auf eine Zwischenlösung fest- legen wollten, hat der Reichskanzler mit der bekannten kategorischen Erklärung an den französischen und den englischen Botschafter beantwortet, dah Deutschland nicht in 6er Lage fei, zu zahlen, und dast für Deutschland ein Proviso^ rüxm irgendwelcher Art nicht in Frage komme. Dah diese Mitteilung durch eine Indiskretion in London in der sensationell zugespitzten Form, dah Deutschland nicht zahlen wolle, in die Öffentlichkeit kam, um einmal in Frankreich und England die Volksseele zum Kochen zu bringen und zum andern durch diese der Konferenz vorweggenommene Stellungnahme der Reichs- regicrung dem französischen Kabinett den Widerstand gegen Lausanne zu erleichtern, diese« kleine Intermezzo ist nur ein neuer Beweis für bie betrübliche Tatsache, dast in der hohen Bureaukratie deS Foreign Office sich immer noch warme Anhänger der alten Latente cordiale entgegen der offiziellen Politik de« Kabinett« Macdonald ein privates Intrigenspiel zugunsten de- Pariser Freunde- erlauben können Aber auch diese offizielle Politik England- geht keineswegs fo weit, dast Frankreich eine Isolierung befürchten mühte Sir John Simon mochte keinen Bruch. Da Laval sich mit Händen und Fühen gegen irgendwelche Entscheidung vor den Wahlen stemmt, sucht Simon zu vermitteln, um Zeit zu gewinnen und den Konferenzgedanken überhaupt zu retten. _ Die englischen Vorschläge laufen auf eine Verlängerung des Hoovermoratorium- um ein weitere- Jahr hinaus unter Einschluh der geschützten Annuität. Letzteres hat Frankreich bisher nicht zugeftanden, und der Reichskanzler hat den ganzen Vorschlag mit bem Hinweis abgelehnt, dah er im Rahmen des Voungplans bleibe und von Deutschland die LIebernahme weiterer Verpflichtungen verlange, obwohl Deutschland« Zahlungsunfähigkeit von den Sachverständigen festgestellt sei So ist die englische Vermittlung vorerst nicht zu Rande gekommen. Frankre.chs Diplomatie hat sich auf dem Wege, den Laval in Washington gefordert und durchgesetzt hat, zwischen zwei Stühle gesetzt. Paris hat zwar seinen Willen bekommen, die Konferenz findet zunächst nicht statt, aber mit dieser reinen RegaHon kommt Frankreich nicht weiter, e- steht nach wie vor zwischen dem deutschen und dem amerikanischen ..Rein". Die Reparationsdebatte in der französischen Kammer zeigt dah e- den Franzosen im Grunde in dieser Situation nicht sehr behaglich ist. Zwar suchen sich Parteien und Regierung durch laute und schroffe Beteuerungen der unveräuherlichen Rechte Frankre.chs und der Heiligkeit der Verträge gegenseitig Mui zu machen zum Widerstand gegen eine Politik der Vernunft, und H e r r i o t als Führer der Opposition sucht seinen Kollegen Marin von der Rechten fast noch zu überbieten in sturem Festhalten an dem wirtschaft-vernichtenden System der Reparationen. Aber wenn auch schon unter dem Eindruck dieser Kammerdebatte al- ersten Vorläufer de- Wahl« feldzuges in der Pariser Boulevardpresse die Wogen hoch gehen und sogar in Blättern von Bedeutung Rezepte zusammengebraut werden, wie man mit wirtschaftlichen und politischen Druckmitteln den „bösartigen Schuldner" auf die Knie zwingen könne, so kommt man mit diesem hysterischen Geschrei, das heute nirgends mehr Eindruck macht, doch nicht um die Beantwortung der Frage herum,' was denn nun werden soll. Deutschland stellt seine Zahlungen ein, Amerika verweigert jeden Schuldennachlaß. bevor Europa nicht unter sich die Reparationsfrage ins Reine gebracht hat. Bor diese Situation wird sich Frankreich immer wieder gestellt sehen, solange es auch seine Entschlüsse hinauszuzögern sucht. Diesmal kann es nicht damit rechnen, Deutschland mit der Zeit mürbe zu machen. Deutschland hat zwar Interesse daran, das; schnell gehandelt wird, um mit den Tributen den Faktor der Unsicherheit und ständigen Beunruhigung zu beseitigen, aber es hat nur Interesse an einer Endlösung, die mit dem System der politischen Zahlungen radikal aufräumt. Es gibt keine deutsche Regierung, die von diesem Programm einen Fingerbreit abweichen könnte, ohne von der Empörung des Bolkes hinweggefegt zu werden. Das muh dem Ausland immer wieder zu Bewußtsein gebracht werden und damit werden sich auch die Franzosen abfindcn müssen. Wir können sie nicht zu der Erkenntnis zwingen, dah sie diesmal entgegenkommen müssen, ohne etwas dafür zu erhallen. Wir können nur abwarten, ob die bittere Medizin, die Herr Laval vor den Wahlen seinen Landsleuten nicht mehr zu verordnen sich getraut, ihnen nach den Wahlen besser munden wird. Bielleicht wird dies Warten von uns neue Leiden und Opfer fordern, aber nur wenn wir die Rerven behalten, haben wir Aussicht, den Kampf um unsere Freiheit zu einem guten Ende zu bringen. Oie Stimmung in Paris. Auf der Linken Besorgnis vor gefährlichen Abenteuern. Oie Rechte klatscht Laval Beifall. Paris, 22. Ian. (TU.) Die ergänzenden Erklärungen Lavals zur Tributfrage finden sowohl im Parlament wie in der Pariser Oeffentlichkeit starken Widerhall. Während die na- tionalistische Mehrheit ihrer r e st - losen Befriedigung Ausdruck verleiht und vom Ministerpräsidenten die unnachgiebige Durchführung seiner Worte fordert, zeigt sich bei der ausgesprochenen Linken eine immer deutlichere Mißstimmung. Man wirft Laval vor, den Dogen zu Überspannen und das Volk in ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang zu stürzen. Man widerspricht ferner der Behauptung Lavals, daß die übrigen Gläubigermächte den französischen Stand» puntt teilten und fragt ironisch, ob die Regierung zur Erreichung ihrer Ziele einen Krieg gegen Deutschland führen wolle. Starre Unnach» giebigkeit sei nur dann am Platze, wenn man auch tatsächlich in der Lage sei, alle Machtmittel einschließlich der militärischen einzusetzen und die Erfüllung feiner Forderungen rücksichtslos zu erzwingen. Don Zwangsmaßnahmen habe Laval wohlweislich geschwiegen. Leere Gesten seien in diesem Augenblick nicht am Platz, und man dürfe nicht mit dem Feuer spielen. In jedem Falle hat Laval mit seinen noch verschärften Ausführungen die Möglichkeit zu weiteren Der Handlungen sehr erschwert. Im sozialistischen „Populaire" schreibt der Abgeordnete Frossard, die Rede Lavals rechtfertige alle Besorgnisse der Sozialisten. Laval sei der Gefangene seiner Mehrheit. Er werde die Isolier-ung Frankreichs in der Welt vollenden. Laval habe auf die Politik seines Borgängers Driand die letzte Hand Erde geworfen wie bei einem Degräbnis. Die Ereignisse der letzten Wochen hätten ihn nicht aufgeklärt. Er habe sich nicht über den Ernst der Lage in Europa Rechenschaft abgelegt und habe nicht begreifen wollen, dah die kranke Welt von Frankreich die Initiative zur Heilung erwarte. — „Peuple" erkennt an, daß Laval seiner Regierung eine Ovation auf der Rechten und in der Mitte eingebracht habe: aber sein Appell an die nationale Einigung sei auf das Stillschweigen der Radikalen gestoßen. Nach Ansicht des „Ami du Peuple" habe Laval die Türen zur Verhandlung offen gelassen, allerdings nicht mit Deutschland, das sich auf die Hitler-Bewegung versteife und den Weltfrieden bedrohe, auch nicht mit den Amerikanern, sondern mit England, und wie anzunehmen sei, mit Italien. — „Petit Puristen" sagt, daß man erst wieder von einer Lausanner Konferenz sprechen könne, wenn zwischen Paris und London eine Verständigung erzielt sei. Jedes andere Vorgehen sei angesichts der Absicht der Reichsregierung, endgültig die Tributzahlungen einzustellen, von vornherein zum Mißerfolg verurteilt. — Das „Journal" meint, man müsse endlich der Reichsregierung zu verstehen geben, daß die Alliierten keinen zweiten Bankerott dulden würden und daß Deutschland für einen entstehenden Schaden haftbar gemacht werde. Ein anderes Rechtsblatt meint, daß eine Verurteilung Deutschlands durch den Haager Schiedsgerichtshof leicht zu er- reichen sein würde, da der schlechte Wille Deutschlands ohne weiteres nachzuweisen sei. Ein großes bürgerliches Nachrichtenblatt meint, es sei eine Der- kennung der Tatsache, wenn man behaupte, daß Frankreich alle Mittel in der Hand habe, um Deutschland Unannehmlichkeiten zu bereiten. Alle finanziellen und wirtschaftlichen Druckmittel, die hierfür in Frage kämen, wie die Eröffnung des Wirtschaftsringens mit Deutschland und ähnliche Maßnahmen, würden sofort auf Frankreich selb st zurückwirken und würden nicht einen Pfennig einbringen. Deshalb, so meint das Blatt, müsse man positivere Methoden suchen. Denkbar schlechter Eindruck in Berlin. Lavals Rückzug auf -en Houngplan. - Kaum noch Möglichkeiten der Verständigung. Berlin, 22. Jan. (TU.) In Berliner politischen Kreisen schließt man aus der ungewöhnlichen Schärse, durch die sich die Rede des französischen Ministerpräsidenten Laval in der Kammer auszeichnete, daß man in Paris offenbar daran interessiert sei, die Gegensätze möglich st herauszukehren, statt einen Weg der Einigung zu suchen. Zu dem sachlichen Inhalt der Lavalerklärungen wird festgestellt, daß die französische Regierung einen formalen Rückzug a u f d e n P o u n g p l a n angetreten hat und eine so engstirnige Auffassung über die — wie das Baseler Gutachten selbst sagt — „weltweite Bedeutung des deutschen Problems" wird der wirklichen Sachlage nicht gerecht. Unter diesen Umständen hätte der französische Ministerpräsident am wenigsten das Recht, sich auf das Baseler Gutachten zu berufen, das ausdrücklich ein gemein- sames Handeln der Regierungen dringend fordert. Ein Moratorium, wie es Laval bestenfalls zugestehen will, könnte nur den Versuch einer Verschleierung, nicht aber eine Heilung der Krise bedeuten. Wie endlich Laval von Opfern sprechen kann, die Frankreich gebracht habe, und noch zu bringen bereit sei, zumal die Pariser Regierung auf der Weiterzahlung der ungeschützten Rate als dem in jedem Falle zu sichernden Reingewinn Frankreichs zu bestehen scheint, ist unerfindlich. Die Hinweise auf die M o - r a l und der Vergleich mit Verträgen im Privatleben sind insofern abwegig, als selbstverständlich auch im Privatleben Verträge unanwendbar werden können, weshalb dann nach Rechtund Billigkeit entschieden werden muß. Eine Einigung nach Recht und Billigkeit sei aber gerade das Verlangen der Reichsregierung. Echo der presse. In den meisten ‘Berliner Dlättern wird besonders auf die verletzende Schärfe der neuen Rede Lavals hingewiesen. Die „Germania" sieht in der Rede Lavals nur eine Verschleierung der Tatsache, dah Frankreich jede Führungsmöglichkeit entglitten ist, und daß es mit dem Bleigewicht unverstandener Ver» träge im Troß der Krisenmächte einhermarschiert. — Die „Dörsenzeitung" sagt, nach dieser Rede sei es klar, daß von Verhandlungen mit Frankreich nichts mehr zu erwarten sei. Es sei nicht die geringste Grundlage für eine Berständigung mehr vorhanden. — Die ,DAZ." schreibt, vor Laval hätten schon ungezählte französische Ministerpräsidenten die gleichen Grundsätze entwickelt, so daß im Grunde nur der heftige Ton besonders festzustellen sei. — Die „Deutsche Zeitung" hebt hervor, es gebe in Deutschland tatsächlich aus Rot und Elend zusammengeschweißt eine täglich erstarkende Front der Tributverweigerung. Diese Front könne man mit der Politik, die Frankreich bis auf diesen Tag betreibe, nur stärken und fester machen. — Das „D. T." sagt, Laval habe im Bewußtsein der bevorstehenden Wahlen gesprochen. Es sei im Augenblick Wohl mehr darauf angekommen, durch einen mannhaften Appell an die Ration die Festigkeit der am Ruder befindlichen Regierung darzutun, als entscheidend an den großen politischen Fragen zu rühren. — Der „Vorwärts" kommt zu dem Schluß, die Geistesverfassung, die in den Reden Lavals, wie der Sprache seiner Mehrheit zum Ausdruck komme, zeige, dah eine Verständigung zwischen Deutschland und einer französischen Regierung, die aus dem gegenwärtigen Parlament hervorgegangen sei, sehr schwer, wenn nicht unmöglich sein dürfte. Laval habe durch seine zweite Rede bestätigt, dah die gegenwärtige französische Regierung eine rein negative Politik betreibe. Laval nach London eingeladen. London, 22. Jan. (2BIB.) 3m Anschluß an die heule 13 Uhr beendete kabinettssihung veröffentlicht Reuter folgende Information: Der französische Ministerpräsident Laval ist durch Vermittlung der britischen Botschaft in Paris gestern elngeladen worden, während des Wochenendes Macdo- nald in London zu besuchen; Laval kann jedoch, wie verlautet, noch nicht sagen, ob er kommen wird, ehe er das Ergebnis der Abstimmung über den Vertrauensantrag für seine Regierung in der französischen Kammer kennt. Wie Reuter weiter erfährt, entsprang der gegenüber der deutschen Regierung gemachte Vorschlag einer M o - ratoriumsverlängerung, der, wie bekannt, abgelehnt worden ist, der eigenen Initiative der englischen Regierung; der Botschafter in Berlin hat also nicht im Kamen der Gläubigermächle gehandelt. Oie Arbeit des Preiskommissars. Cm Landesbeauflra^tcr für Hessen. Berlin, 22. Ian. (ERD.) Der Reichskommissar für Preisüberwachung hat für Mecklen- burg-Strelitz den früheren Dürgermeister von Duisburg Dr. M a i w e g und für Hessen und Hessen-Rassau Stadtrat a. D. Dr. Heinrich Langer als Landesbeauftragte eingesetzt. Der Reichskommissar hat aus den ihm erteilten Informationen die sichere Lieberzeugung gewonnen, dah die Versorgung der Bevölkerung mit Roggenmehl bis zur neuen Ernte zweifellos s i che r g e st e l l t ist. Die Entwicklung des Roggen» und Roggenmehlmarktes wrrd aufmerksam verfolgt. Es ist Vorsorge ge- troffm, dah eine Erhöhung der Preise, die eine Erhöhung des Roggenbrotpreises bedingen würde mcht erfolgt. „Durch Abrüstung zur Sicherheit." Groener kündigt deutsch-italienische Zusammenarbeit auf der Abrüstungskonferenz an. Mailand, 22.Jan. (WTB.) In einer Unterredung mit dem Berliner Korrespondenten des „Popolo d'Italia" erklärte Reichswehrminister Groener, Deutschland werde in Uebereinstim- mung mit der von Mussolini im Oktober 1931 erhobenen Forderung aufderAbrüstungskon- ferenz die Aufhebung des rechtlichen Unterschiedes zwischen Siegern und Besiegten des Weltkrieges verlangen. Es werde^deshalb bestrebt sein, diejenigen Methoden, nach denen es selber im Versailler Vertrag abgerustet worden ist, zurGrundlage der Konferenz zu machen. Der französischen Sicherheitsthese „Erst Sicherheit, dann Abrüstung", müsse Deutschland den Grundsatz gcgenüberstellen „Durch Abrüstung zur S i ch e r h e i t!" Deutschland konnte den Konventionsentwurf der vorbereitenden Abrüstungskommission nicht als Grundlage für die Konferenz anerkennen, da er die Ungleichheit des Rechts zwischen Siegern und Besiegten nicht aufheben, sondern verewigen wiN und weil er ferner im ganzen keine Abrüstung bringen würde, sondern nur eine Aufrechterhaltung des jetzigen Zustandes. Zwiscycn hochgerüfte en Völkern liegen die - -nonen, die nach den Bestimmungen der Friedensverträge abgerüstet sind und dadurch jede Sicherheit verloren haben. Dieser Zustand ist es. der die Welt nicht zur Ruhe kommen läßt. Deutschland hat aber das Recht, auf die gleiche nationale Sicherheit Wie jedes andereLand. Daher fordern wir die allgemeine Abrüstung bis au, oen in den Friedensverträgen festgesetzten Stand. Deutschlands Abrüstung ist vor aller Welt festgestellt worden. Der deutsche Wehrhaushalt hat seit dem Kriege stets nur einen kleinen Teil von dem betragen, was andere Staaten für ihr» Rüstungen ausgegeben haben und ist seit 1928 ständig gesunken. Es ist völlig unsinnig, zu glauben, Deutschland habe in wenigen Iahren im Geheimen eine neue Kriegs- rüftung schaffen können. Ich kann mit Freude seststellen, dah Deutschland mit den italienischen Auffassungen über die Abrüstung weitgehend überein stimmt. Wir danken Italien besonders, daß es den Grundsatz der Gleichberechtigung laut verkündet hat. Ich hoffe, dgß Italien und Deutschland zu einem erfolgreichen ^verlauf der Konferenz zusammenarbeiten können, denn sie sind sich einig in dem Gedanken, dah eine wirkliche und radikale Abrüstung notwendig ist. Das Provisorium in Hessen. Staatspräsident Or. Adelung zur parlamentarischen Lage. — Oie Möglichkeit baldiger Neuwahl des Landtags. — Anträge ohne Deckung. Darmstadt, 22. Ian. (WSR.) In einer Unterredung, die der hessische Staatspräsident heute dem Vertreter des WTB. gewährte, erklärte Dr. Adelung zu einigen aktuellen hessisch-m Fragen u. a.: »Die gegenwärtigeRegierunghatauf Grund der Verfassung solange die Geschäfte des Staates zu führen, bis der Landtag imstande ist, eine andere Regierung zu bilden. Es hat zur Zeit nicht den Anschein, als wenn eine Koalitionsbildung, die eine neue Regierung zuverlässig stützen konnte, in greifbarer Rähe stände. Selbst wenn eine Koalition zwischen Rationalsozialisten und Zentrum zustande käme, so besähe diese nur eine Mehrheit von einer Stimme (26 + 10 = 3d) und wäre wesentlich auf die immerhin sehr unsichere Mithilfe der einen oder anderen Splitterpartei angewiesen, die jedenfaUs nur von Fall zu Fall gewährt würde. Die parleiverhälknisse des Landtags find mithin so, dah eine Mehrheitsbildung im positiven Sinne fast nicht möglich erscheint. Wann die hessische Wählerschaft berufen fein wird, erneut selbst Stellung zu nehmen, ist noch nicht bestimmt, aber dah dieser Zeitpunkt nicht allzuferne sein wird, darf man wohl annehmen. Mit Zweidrittelmehrheit kann der Landtag sich selb st auflösen: eine solche Mehrheit ist gegeben, wenn neben den radikalen Flügelparteien auch Sozialdemokraten oder Zentrum sich für die Auslösung entscheiden würden. Dann wird sich für die Wählerschaft Gelegenheit bieten, manches frühere Urteil zu berichtigen. Inzwischen ist im Landtag eine Hochflut von Anträgen zusammengelaufen, die zumeist dem Staat große Ausgaben zürn u t e n. ohne einen möglichen Weg anzugeben, woher die Mittel genommen werden sollen. Das Plenum nahm bereits einen Antrag derRationalsozialisten, als den weitgehendsten an, auf Gewährung einer Winterhilfe, der für Hr.sen eine Ausgabe von rund 19 MillionenMark bedeutet (auf das ganze Reich übertragen würde rund eine Milliarde notwendig fein). In derselben Sitzung wurden noch zwei Anträge auf Unterstützung an Landwirte und Gewerbetreibende im H ndumdrehen angenommen, die eine weitere Ausgabe von je 6 Millionen erforderte, so daß die bewilligungsfreudige Mehrheit indgef amt runb 31 Millionen zu verausgaben besch'oß, ohne e.nstlch anzugebm, wie die Deckung erfolgen soll. Weiterhin find jetzt von den Rationalsozialisten noch Anträge gestellt worden, die u. a. Steuererlasse und Ermäßigungen zum Gegenstand haben, die für den Staatshaushalt einen Ausfall von etwa 10,5 Millionen bedeuten. Demgegenüber stehen nationalsozialistische Sparvorschläge u. a. auf weitere Kürzung der Beamtengehalter, die je nach Auslegung eine Summe von 0,75 Millionen bis 1,9 Millionen einbringen könnten. Die nationalsozialistischen Anträge und Bewilligungen bedeuten also für den Staatshaushalt an Mehrausgaben oder Mindereinnahmen eine Belastung von rund 40 Millionen. Die Kommunisten sind in ihren Forderungen für Winterhilfe hinter dem national* sozialistischen Antrag um 2 bis 3 Millionen zurückgeblieben. Dafür knausern sie aber nicht mit Anträgen auf Niederschlagung und Erlaß von Steuern und Gebühren aller Art; rechnet man die unter kommunistischer Mitwirkung angenommenen Winterhilfeanträge hinzu, so über ft eigen d i e kommunistischen Wünsche die Summe von 110 Millionen. An möglichen Spar- Vorschlägen der Kommunisten wären davon etwa 5 Millionen abzusetzen. Die Summen rüden in das rechte Licht, wenn man berücksichtigt, daß der Gesamtetat des hessischen Staates im Ioßre 1931 in Einnahme und Ausgabe m i t 139Millionenbalanierte unS in die em Iahre wahrscheinlich um etwa 20 Prozent zurückgedrückt werden kann. Die Realskeuer-Einnahmen Hessens bezifferten sich auf rund 19 Millionen; es läßt sich also leicht errechnen, daß hier eine Steuererhöhung um das Vielfache des gegenwärtigen Standes notwendig wäre, um den gestellten Anträgen gerecht zu werden. Beklagenswert ist die parlamentarische Verwilderung, die sich in der Stellung derartiger vollkommen unerfüllbarer Anträge dokumentiert, weil dadurch in manchen notleidenden Kreisen Hoffnungen erweckt werden, die ganz unmöglich vom Staate als dem Volks» ganzen erfüllt werden können. Man darf allerdings annehmen, daß auf der anderen Seite in den breitesten Volksschichten auch dadurch d i e Einsicht vermehrt wird, daß das abhanden gekommene Verantworiungsbewuhtsein in der Volksvertretung irt Zukunft erneuert und gestärkt werden muß. Die Reg'erung ist gegenwärtig mit der Aufstellung des Voranschlags beschäftigt, sie hofft ihn durch allerstrengste Einschränkungen und Einengungen trotz der Rot der Zeit ausgleichen zu können." Oer Aufstand in Spanien niedergekämpst. Beruh gung in Katalonien und Andal ft n. Madrid, 23. Jan. (TU.) Nach den letzten Nachrichten aus Katalonien haben die Truppen am Freitag d i e letzten Stützpunkte der Aufständischen ausgehoben, ohne Widerstand zu finden. Ein Teil der Aufständischen hat sich in die Berge geflüchtet. Im Aufstandsgebiet wurde eine •Romers •Manresa Mataro te//s — LU ~x: )-<->- :oz •xr— r e n a e n Karte von Katalonien. Waffensuche veranstaltet. Zahlreiche Schußwaffen, Bomben und Dynamit wurden beschlagnahmt. In' Barcelona, wohin ein Flugzeuggeschwader entsandt worden war, hat die Polizei verstärkten Dienst und ist mit Gewehren ausgerüstet worden. Streikversuche konnten dort ebenso wie in Madrid i m K e i m e r st i ck t werden. Auch in M a l a g a ist die Aufstandsbewegung niedergeschlagen worden. Es hat dort noch einen Toten gegeben. In Cordoba wurden zahlreiche Kommun sten verhaftet, die Propaganda für den Aufruhr gemacht hatten. Die Leitung der Sozialdemokratischen Gewerkschaft hat ihren Mitgliedern in Spanien den Widerstand gegen die kommunistischen und anarchi- stischen Hetzversuche zur Pflicht gemacht. Bis Ende des Monats find sämtliche politischen Ver- sammlungen im ganzen Land verboten worden. In verschiedenen Städten laufen Flugzettel um, die Frauen und Kinder warnen, sich am 25. dieses Monats auf die Straße zu begeben, da an die- fern Tage eine revolutionäre Bewegung ausdrechen werde. Die Regierung nimmt diese anarch stischen Ankündigungen nicht tragisch. Trotzdem sind all/ nötigen Abwehrmaßnahmen vorbereitet worden. In M a n r o f a wurde der Verhaftung des Vorsitzenden des revolutionären Komitees, Car- bona, Widerstand entgegengesetzt und von dem Rathaus a u f d i s Zioilgarde gefeuert. Der Vorsitzende des revolutionären Komitees wurde in Dem sich anschließenden Kampfe verletzt. Die Truppen beschlagnahmen alle Waffen, deren sie habhaft werden können. Es werden Streifen ins Gebirge entsandt, um die dort befindlichen Aufständischen gefangenzunehmen. Oie Plädoyers im Lübecker Tuberkuloseprozeß. Im Lübecker Tuberkuloseprozeh erklärte Rechtsanwalt Dr. Frey in seinem Plädoyer für die als Rebenkläger zugelassenen Eltern, er hätte von den Angeklagten ein offenes Geständ - nis erwartet. Dann hätte der Schuldspruch sie menschlich entlasten können, so aber müsse das Urteil lauten: Richt nur als Richter, sondern auch als Mensch spreche ich sie schuldig. Men sch - licheSchwüchen seien eS gewesen, die zur Kata* ftrophe geführt haben. Großmannssucht: Man wollte in Lübeck etwas ganz Großartige- machen, um die allgemeine Aufmerksamkeit aus sich zu ziehen, RSchlüssigkeit: Dr. Wtstaedt hat sich von Anfang an um nicht- gekümmert. Fahrlässigkeit: Dr. Dehckc glaubte blind an den virus fix. Ueberhaupt, so fuhr Dr. Frey fort, trägt Professor Dcycke eine große menschliche. moralische und juristische Schuld. Der ®c- richtsspruch wird Professor Deycke feiner Stellung al- medizinifcher König entthronen: Professor Klotz wird des Vertrauens, das man in ihn setzte, verlustig gehen, Dr. Altstaedt wird feine Stellung als Medizinalbeamler nicht mehr bekleiden können Allem in diesem Prozeß geht cs nicht nur um die medizinische, sonßern auch um die juristische Wissenschaft. £in Freispruch der Angeklagten wäre die Vernichtung deS Ansehen- der Justiz. Dr. Frey schloß: Ich erwarte einen Spruch Aur Sühne für die Toten, zum Ruhen für die Lebenden. Aus aller Welt. Krawalle In der Berliner Universität. 3m Vestibül der Berliner Universität kam es Freitag vormittag zu Au-einanderse^un^en, die in eine Schlägerei ausarieten. Da die Pedelle gegen die Menge der Demonstranten machtlos waren, wurde die Polizei herbeigcru- f e n, die die Kämpfenden ouseinanderorachte. Auch im Borhos der Universität schritt die Polizei gegen Zusammenrottungen der Studenten ein und trieb sie mit dem Gummiknüppel auseinander. Sieben Studenten wurden sestgenom- men. Die Untersuchung durch den Universität-- rat hat noch keine Klärung darüber bringen können, von welcher Seite die Unruhen ange- Aettelt worden sind. Allem Anschein nach find Die Unruhen durch Provokationen außerhalb der Universität entstanden und die gereizte Stimmung hat dann im Umversität^gebäude ihre Entladung gefunden. Mit dem Absingen von Liedern auf den Gängen des Gebäude- begannen die gegenseitigen Treibereien; dann folgten De- fchimpfungen und schließlich Tätlichkeiten, denen gegenüber die Pedelle machtlos waren. Aus einen Beschluß des Senat- wurden die Univerfi- tät-grbüude bi- Wontagmorgen geschloffen. Der Jall Dehn. 6ine außerordentliche Versammlung d r theologischen Fachschaft an der Universität Halle, die sehr stark besucht war, hat eine Ent- ,d;Ilef)ung gefaßt, in der erneut erklärt w rd, daß die theologische Fachschaft Proses'or Dehn wegen feiner Schrift „K.rche und Bölkerversöhnung" auf da- entschieden st e ablehne und seinen Abgang fordere. Fall« Professor Dehn im Sommersemester noch lesen sollte, würde die ganze Theoloienscha t darauf "hinweif.n, daß die Universität gemieden würde. Hamburg in dichtem Hebet 3m Hamburger Hafen konnte infolge des dichten Rebcls nur der Fährverkehr unter größter Dorsicht und mit erheblichen Verspätungen durchgesührt werden. 3m übrigen ruht der Verkehr seit Mittwochnachmittag vollständig. Freitagmorgen wurde von den Aordstationen eine Sichtweite von 40 bi« 50 Meter gemeldet Auf der Elbe beträgt die Sichtweite stellenweise nur 30 Meter. Gegen 11 Uhr wurde von Cuxhaven aufklärendeS Wetter gemeldet. Man hofft, daß gegen Mittag wieder freiere Sicht fein wird, so daß dann wegen der fast zweitäaigen Schissahrtslockung mit einem äußerst lebhaften Schiff-verkehr zu rechnen sein dürfte. Defermünder Aifchdampfer mit 13 Mann vermißt. Der Wesermünder Fischdampfer „Antonie Wet- tering'* ist am 18. Dezember zu einer Fang- reife nach 3Sland in See gegangen und bisher nicht zurückgekehrt. Von der Reederei wird mitgeteilt, es müsse leider damit gerechnet werden, daß das Schiff mit seiner De- fatzung von 13 Wann untergegangen ist. Verhaftung des ehemaligen Schahmeister» de» Deutschen Sängerbundes. In Verl, Kreis Wiedenbrück, wurde in der Arbeiterkolonie Wilhelmsdorf der ehemalige Lchutz- meifter des Deutschen Sängerbundes, Gerichtsassessor Ioh. R e d l i n g aus Berlm-Charloltenburg, verhaftet. Redling hatte als Schatzmeister des Deut- |d)cn Sängerbundes 900 000 Mark unterschlagen und war in Berlin zu einem Jahr neun Monaten Gefängnis verurteilt worden. Seitdem war er f l ü ch t i g und wurde steck- brieflich verfolgt. „Kongreß der Bärenführer". Ein romantisches Rendezvous gaben sich etwa 100 Bärenführer mit ihren Tanzbären im Soon- Wald bei Kreuznach. AuS allen Gegenden Westdeutschlands zogen die braunen Gesellen herbei. Die Bärenführer, die meistens Zigeuner sind und allem Anschein nach in einer Gilde organisiert sind, hielten ihre 3abredtagung ab. Es war ein Bild wie aus den Zeiten des Schinderhannes: flackernde Lagerfeuer, Schweine am Spieß gebraten. Leider machte die Polizei dem romantischen Treiben ein vorzeitiges Ende, da das fahrende Volk nach den gesetzlichen Vorschriften sich nur zwei Tage an einem Ort aufhalten darf. Der „Kongreß der Bärenführer" wurde in die nächste Gemarkung abgeschoben. Aus der provinziatbauptfiodt. Dießen, den 23.3anuar 1932. Wir Menschen untereinander. Tag für Tag gehen wir denselben Weg zur Arbeitsstätte. Wir sehen dieselben Straßen, dieselben Häuser und b,zegnen meisten- denselben Menschen. Wir schauen kaum noch auf. 3n aller Hast, in Gedanken schon bei unserer Arbeit, eilen wir dahin. Die andern machen eS auch so. Die Bekannten grüßen wir, andern nicken wir kurz zu, mehr nicht. Das macht die Gewohnheit, sagt mancher, oder auch: AlltagSsorgen! Wie wäre eS aber, wenn wir einige Minuten früher von unserer Wohnung weggingen und unsere Umgebung, besonder- aber die uns begegnenden Menschen, etwa- genauer anschauten? Wurden wir da nicht manche Entdeckung machen? Wenn wir in eine fremde Stadt kommen, besuchen wir die sehen-werten Gebäude, kennen lange vor einem schönen Bau stehenbleiben, können die Bilder im Museum bewundern, alleS, weil wir eS vielleicht zum ersten Male sehen. Aber werden sie deshalb häßlicher, wenn wir sie mehrmals betrachten? 3m GegenteilI Die Einzelheiten, die besonderen Feinheiten, kommen dann erst zur Geltung. Machen wir es doch ebenso im Alltagslebest! Gehen wir aus Entdeckungen aus, auch auf unserem Arbeit-Wege I Wir werden manchmal erstaunt fein. Ein kleiner Junge, mit dem Ranzen auf dem Rucken, wandert neben uns. Er will zur Schule. Warum gehen wir so stumm nebeneinander? Fragen wir nicht einmal nach seinen Sorgen, nach seinen Wünschen? Wir würden manches Merkwürdige, aber vielleicht auch manches Beherzigenswerte hören. Schon ein ganz kleines Kind, dem wir freundlich zunicken und das uns dankbar zurück- lächelt, kann uns den Tagesanfang froh machen. So könnten wir Menschen uns oft mit einem aufmunternden Wort, mit einem freundlichen Blick gegenseitig helfen und stützen. „Der Mensch ist nicht dazu auf Erden, daß er bloß zu seinem Wohlgefallen lebe. Andere müssen für uns leben, und so müßen wir wiederum für andere leben. Anders kann das Menschengeschlecht nicht bestehen; es erzeugt sich aus sich selbst wie der Wald. Hier schirmt auch ein Baum den andern, daß die Stürme nicht schaden und Regen und Son- nenschein jedem in rechtem Maße zuteil werden. Darum ist es auch so herrlich im Walde, weil hier so viele sind, die sich alle dem gleichen Gesetz willig fügen, darum braust der Wind hier so mächtig, darum scheint die Sonne hier doppelt lieblich." (Soielhagen.) Wir alle haben gemeinsam Lasten und Sorgen zu schleppen. Warum sich nicht gegenseitig helfen? Wir erleben aber täglich, daß wir uns gegenseitig zerren und stoßen, anstatt daß wir uns gegenseitig stützen. Wir sind in verschiedene Lager geteilt, stehen uns in Feindschaft gegenüber. Wir versuchen, uns noch besten Kräften zu schädigen. Einer mißtraut dem andern. Dieses Mißtrauen vergiftet das Zu- sammensein, beginnt manchmal schon bei Mann und Frau, bei Eltern und Kindern und breitet sich auf alle Menschen aus. Wir sollten unsere Kräfte vereinen, statt sie zu zersplittern. Gegenseitiges Mißtrauen, oder auch gar Reid sind die schlimmsten Feinde der menschlichen Gesellschaft. Und wenn es uns einmal schlecht geht, dürfen wir nicht nach denen schauen, denen es besser geht, sondern nach denen, die noch mehr zu leiden Hoden unter der Rot der Zeit. Mehr Anteilnahme an den Geschicken unserer Mitmenschen öffnet uns gar oft die Augen. Wer nur noch dem äußeren Schein urteilt, kommt nie zur inneren Ruhe. Vornoti;en. — Tageskalender für Samstag. Arbeitsgemeinschaft der Militär- und Regiments- Vereine, 20.30 Uhr. Cafe Leib, Vortrag über „Sie Abrüstungskonferenz". — DHD., 20.30 Uhr, im Heim, Jahres-Hauptversammlung. — Gesangverein Heiterkeit, 20.30 Uhr, Dereinslokal, Ordentliche Generalversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: .Der kleine Seitensprung". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: .Die Todesfahrt im Weltrekord" und »Der Leidensweg einer Mutter". — Tageskalender für Sonntag: Stadt- tstcoter Gießen, „Verstehen wir uns?", 18.30 bis 20.30 Uhr. — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz, 11 bis 13 Uhr, Ausstellung von Original-^andzeichnungen italienischer Meister des 16. und 17. Jahrhunderts. — NSDAP., 20 30 Uhr, Eafs Leib, öffentliche Versammlung, Redner: Gau- leitcr Lenz Graf Solms. — Deutscher Verband für psychische Hygiene, 11.15 Uhr, Horsaal der Nerven- klinik, Vortrag über „Die Aufbauanalyse als Weg zur Erkennung und Verhütung seelischer Krankheits- zustände". — Basler Mission, 18 Uhr für Kinder und 20 Uhr für Erwachsene, Stadtkirche, Filmvorführung „yiülan, die Tochter des Geomanien". — Obst, und Gartenbau-Verein, 15.30 Uhr, im Saale von Faulstich, Vortrag über „Qualitätsobftbau". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, 11.15 Uhr, „Ewiges Hellas"; ab 15 Uhr, „Der kleine Seitensprung". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg, „Die Todesfahrt im Weltrekord" und „Der Leidensweg einer Mutter". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Sonntag, 24.3a- nuar, 18.30 Uhr, als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Preisen Wiederholung des Zeitstücke- .Verstehen wir uns?" von Peter von Prcradovic. Der außerordentlich starke Erfolg der Uraufführung beweist, wie aktuell und lebendig das Thema diese- Stückes fein muh. 3n der Rolle der Großmutter gastiert Frau Auguste Prafch-Gre- venberg, Ehrenmitglied de« Meininger Lan- deStheatcrs, Spielleitung Peter Faff ott. Ende 2030 Uhr. — Dienstag 26. 3anuar, als 16. Vor- stellung im DienStag-Abonnement Wiederholung der erfolgreichen Äriminalfatire .Kops in der Schlinge". Abenteuer in drei Akten von 3ohn Bradley. Spielleitung Wolfgang Kühne. Beginn 20.15 11 br. Ende 22 15 Uhr — MiffionSsilm in der Dtadtkirche. Morgen, Sonntag. 18 und 20 Uhr, läuft in der Stadlkirche ein wertvoller Film: Bilder aus dem chinesischen Frauenleben. Veranstaltet wird die Vorführung von der Dafler Mission. Mission-» Prediger L a u k - Frankfurt hält den begleitenden Vortrag. Der Film hat überall, wo er aufgeführt wurde, starken Beifall gefunden. Die Eintrittspreise sind, um allen den Besuch zu "»-möglichen, äußerst niedrig gehalten. (Siehe heutige Anzeige.! — Die NationalsozialistischeDeutsche Arbeiterpartei, Ortsgruppe Gießen, veranstaltet am morgigen Sonntag, 20 30Uhr, im Eos« Leib eine öffentliche Versammlung, in der der (Bauleiter Lenz (M d. R. und M. d. L >, sowie Gras Solms SN. d. L) sprechen werden. (Näheres in der heutigen n zeige.) - - Der Technische Verein und die Ortsgruppe Gießen des ReichSverbandeS deutscher Baumeister veranstalten am Montag. 25. 3anuar, und am Montag. 1. Februar, jeweils 20.15 Uhr, im Kunstwissenschaftlichen 3n- ftitut, Ludwigstraße 34. Dcr ragsabende. in denen Stadtbaurat Gravert in zwei Teilen das Thema .Die älteste Stadtanlage und der Stadtbauplan von Gießen" behändem wird. Gäste sind willkommen. 3ntereffentcn seien auf die heutige Anzeige hingewiesen. — Die D amenvereini gung 1882 — 19 3 2, die vor kurzem gegründet wurde und bereit- eine stattliche Anzahl von Mitgliedern -ählt, hält am Mittwoch. 27. Januar, 20.30 Uhr. tm Restaurant Andre-, Sonnenstrahe, eine Versammlung ab. Damen, die sich der Vereinigung anschliehen toofien, sind zu dieser Versammlung eingeladen. Rähere- ist au- der heutigen Anzeige ersichtlich. e •• Eine offentlicheSitzung besStabt- r a t s finbet am nächsten Freitagnachmittag Im Sitzungsfaale des Stadthauses, Bergstraße, statt. •• Der Oberhessische Kun st verein beginnt am morgigen Sonntag sein diesjähriges Aus- stellungsprogramm mit einer besonderen Darbietung. Es ist ihm gelungen, aus Privatbesitz etwa 40 Ori- ginal-HandAeichnungen italienischer Meister des 16. und 17. Jahrhunderts zu leihen. In einem kleinen Katalog sind die einzelnen, zu den Bildern notwendigen Angaben zusammengestellt, damit es jedem Besucher möglich ist, diese für Gießen immerhin seltene Gelegenheit nach jeder Richtung hin aus- schöpfen zu können. Der ftunftoercin hofft, daß alle Freunde mittelalterlicher italienischer Kunst dieser Ausstellung das berechtigte Interesse entgegenbringen und burd) wiederholten Besuch zu einem vollen Genuß der künstlerischen Schönheiten dieser Blätter kommen mögen. ’• Freiwilliger Arbeitsbien st bes Iungoeutschen Ordens. Das Landesarbeits- amt hat zur Durchführung im Freiwilligen Arbeit», dienst durch eine Arbeitskolonne des Iungdeutschen Ordens die Anlage eines Sportplatzes der Gemeinde Fellingshausen genehmigt. Träger der Arbeit ist die Gemeinde Fellingshausen Träger des Dienstes der Iungdeutlchc Orden. Die Arbeit beginnt am kom- menben Montag mit 26 Mann. •* Die Äinberfpeijung unserer Garnison. Der Speisezettel für die Schulkinder- Speisuna unserer Garnison sieht für die nächste Woche folgendes vor: Montag: Rindfleisch und deutsche Gemüsesuppe; Dienstag: Rindfleisch und Schweinefleisch mit Kartoffeln, Weißkohl und Gelbe- rüden; Mittwoch: Rindfleisch und Schweinefleisch mit Nudeln; Donnerstag: Rindfleisch mit Kartoffel- suppe; Freitag: Schweinefleisch mit Kartoffeln und Kohlrabi; Samstag: Rindfleisch und Hafergrütze. *• Unverantwortliche Schwätzereien sind gegenwärtig wieder in unserer Stadt im Gange. Es wird über bekannte hiesige Geschäftsleute allerlei Klatsch und Tratsch verbreitet, ohne daß den Schwätzern anscheinend zum Bewußtsein kommt, wie sehr sie den guten Ruf und den geschäftlichen Kredit der durchgehechelten Geschäftsleute schädigen. Wie uns von den Geschädigten versichert wird, ist an dem ganzen Gerede nicht ein wahres Wort. Es ist daher begreiflich, daß die benachteiligten Geschäftsleute sich das unbegründete Geschwätz nicht ge- fallen lassen wollen. Wer sich vor Unannehmlich, ketten bewahren will, hüte sich vor der Weitergabe dieser Schwatzereien, denn nicht nur die Urheber, sondern auch die Verbreiter können strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden *• „Ewiges Hellas." Im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, läuft am morgigen Sonntagoormit. tag wieder ein Kulturfilm, der diesmal nach Griechenland führt, Griechenlands Vergangenheit und Gegenwart in Bildern lebendig werden läßt, soweit beides im Bilde überhaupt möglich ist. Der Besucher lernt die Stätten des klassischen Altertums, die Schlachtfelder der Helden Griechenlands kennen, sieht Athen und Sparta, Marathon und Salamis, Olym- pos, die Heimat der Gotter, den „Thron des wölken- versammelnden Zeus", und die Stätten der olympi- fchen Wettkämpfe. Es bedarf kaum der Erwähnung, daß die schönsten Bauwerke der Griechen, erhaltene und zerstörte Bauwerke, in ihrer selbst in der Vernichtung noch stolzen Schönheit gezeigt werden. Die Landschaft Griechenlands, deren Vielseitigkeit kaum auszuschöpfen ist, ist im Bilde festgehalten; Burgen, Festungen und Kloster, heilige Stätten und Platze gedrängtesten Lebens, stodtilche Betriebsamkeit und dörfliche^Stille. Berg und Meer. Fluße und sanfte Täler, Felsengebirge und Gebiete de» Oboen, und Weinbaues zeigen sich im Filmbild In klarer Scheidung behandelt der Film Vergangenes und Gegenwärtige» in übersichtlichster Form, Io daß der Pild- fireifen nicht nur von hoher ästhetischer Bedeutung sein dürste, sondern auch viel Wissenswertes zu geben haben wird Die Vorstellung beginnt um 11.15 Uhr. Näheres ist au» den Anzeigen ersichtlich Weitert Cohilnad)nd)ten iw 2. Blatt Bricffaften der Heöaffion. Gemeinderatsmitglied in H. Für die Besoldung der Gemeindebeamten (Gemeinderechner, Polizei diener und Feldschutz) sind Richtlinien des Ministeriums bis jetzt noch nid)t erschienen. Infolgedessen wurden auch die Bezüge dieser Beamten bi» jetzt noch nicht gekürzt, allerdings werden ihre Gehälter zur Zeit nur mit dem Vorbehalt bezahlt, daß bei rückwirkender Kraft der Richtlinien zuviel gezahlte Beträge später zurückvergütet werden müßen. Die IRctterloae. 5 Mrötti ^1 w‘ * y5 0Uo L u Cerwn den ZZ. &3nuar ty32t JgUljr - Otfoitenlos. 9 nener o n«iD otdecu ® wenig ®otdtcti »Regel * Schnee a t-iupcm ■ nehei K 6e-ilier (g)wi*dsii*ie -O- x* leichter Ost y -nissiger Südsüdwest Q stürmische» «ordwesl Oie Piene fliegen mit dem winde Oie oeinen Simonen stehenden z«n- len gehen die femperelu» «n Oie iimen eeromdtn Orte mit gieicncÄ «uf nee'cjni«au umgeeechneten Luiidruce Xkuitcvuoiiuiofnoc. Zentraleuropa liegt noch im Bereich des stabilen Hcchdruckgcb.eles, da- neuerdings über Deutschland weiteren Darorneteranstieg verursacht hat. Dabei hat gleichzeitig mild« Lust im Küstengebiet heute morgen außer Temperaturanstieg auch leichte Riederschläge verursacht. Immer noch erfährt der Witterungscharakter wenig Aen- derung. Bei Ausklaren treten leichte Strahlungsfröste auf. Sonst bewegen sich di« Temperaturen um Rull und darüber. Auch die Rebel- und Wolkenbildung hält Stand, wobei vereinzelt ganz leichter Rcbelrcgcn auftritt. Da über Irland sich «in neues Tief nähert, so besteht die Möglichkeit, daß in der nächsten Woche de Erwärmung rascher vorschrei-ten dürfte unter gleichzeitigem Abbau des Hcchdruckeinflusses. Aussichten für Sonntag: Reblig und wollig, bei Ausklaren Temperaturen nachts unter Rull, tagsüber darüber, ganz vereinzelt leichter Rebelregcn. Lufttemperaturen. Am 22. Januar: mittag# 1,3; abends 0,7; am 23. Januar, morgens 0,0 Grad Eel fius. Maximum 1,4, Minimum minus 0,7 Grad Celsius. — Erdtempcraturcn in 10 cm Tiefe. Am 22. Januar: abends 0,4; am 23. Januar: morgens 0,4 Grad Celsius. Amtliche Dinkersporlnachrichken. Schwarzwald, Feldberg: Bewölkt, minus 1 Grad, 33 Zentimeter Schnee, verharscht Sportmöglichkeit für Ski und Rodel gut. Alpen, Garmisch-Partenkirchen: Bewölkt, minus 0 Grad. 2 Zentimeter Schnee, lückenhaft, Sportmöglichkeit nur stellenweise. Der neue Hauplkatalog des Samenhauses Heinrich hohn, Gießcn, ist eingegangen und steht Inter- esienten kostenlos zur Verfügung. Wer unter Berücksichtigung der bekannten, zuverlässigen Bedienung die Prüfung der Preise vornimmt, wird über- zeugt sein, daß dieselben wirklich vorteilhaft sind. Nur durch Verbindung mit den ersten Hausern der Branche ist dies möglich. Gerade unter den jetzigen Verhältnissen sollte ,eder Gartenbesitzer und Landwirt nur das beste Saatgut erwerben, um sich einen höheren Ertrag zu sichern. 594A HO' ul Gießen MF 2 V Größte Ausstellung Reparahjren.kompleM-e Anlagen 400 D vor vertrockneten Ladenhütern! Verlangen Sie ein- werden kann. CLUB ist also immer gut und frisch. 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März um 8 Uhr in der Oberrealschule zu Grünberg abgehalten. 1533 2 0 q-E >°c fornmenJ' alte Kultu . cutta WV Äugcnbllri ! ö» ftÄj Kamm nicht Wolldecken b Äordind'e fomnrf, nut- und Lahm gulresrd tionalen denzen des ist nicht go Geschichte ' waren gev Inder, murs, ! 1526, und haben in Ganzen, ff geherrscht Tadsch M der Schor Halste di für seine islami Kunst (b. lieserung und dass« Hollen, 2 -eilen vor umschlösse einer Art Stil" erb, Will m, gcschichtliit eigentlich, int 3.3ah> und der f war, wie: Kirche des nach bei s sucht, die Asokas bli errichtet ai Predigt hi wann. 3ir Mohammr eine zersch Lövenaus! Iuddhafta der sich s bilder in können. & bildungen ren indisch IvMMN. Da ich erzähle ü Pondscha! Städtchen der Indi von Laho rappa funden wo zurüclr, rischen im. man ankor grohe zerti VonG Ei linei Erii Kol Es war Lebens, i>, tahren zu nach Darr Kapellmeist Aikisch ßj 7 iur mich ^llei ^dunklen Ä war Mieden, And die,ez ( »an C Unheil in ( x-L Ke Mnnmer ZI LrZ nur f baten • °us 'Onni» 1,. au d» Ä Nr. 19 Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 25. Januar 1952 Hiflorifche Fahrt nachÄordindien. politische Eindrücke von einer Weltreise. Don Dr. Paul Rohrbach. Lahor«, Ende Dezember 1931. Ttorbuxhxen ist nicht so völlig politisch, wie Kalkutta, wo überhaupt nur von Politik und ®e- schüst die Rede ist (und Sport und Gesellschaft natürlich, soweit rein englische Kreise in «Frage kommen). 3n Rordindien gibt « auch Geschichte, alte Kultur, Architektur. alle» das. womit Eal- cutta nur schwach oder gar nicht bedacht ist. Im Augenblick freilich wäre es daS Rächst liegend«, zu sagen- Rordindien ist im Winter ganz unerwartet kalt! Lahore liegt nahe dem 32. Breitengrad, so wie Kairo- aber ander- als in Kairo lasse uh hier den ganzen Tag da- Feuer im Kamin nicht auHgehen, und nacht» sind drei gute Wolldecken besser al» bloß zwei. Rordindien fängt, wenn man von Kalkutta kommt, mit Delhi oder mit Agra an. Agra. Delhi und Lahore sind die drei einstigen Mo- gulresidenzen. oder wie die modernen nationalen Inder auch manchmal sagen, die Residenzen de» früheren indischen Kaiserreich», ö» ist nicht ganz leicht, mit den Indern über chre Geschichte in» Reine zu kommen. Die Mogul« waren gewaltige Herren, aber sie waren keine Inder, sondern Rachkommen Timur». de» mongolischen Welteroberer», seit 1526. und auch in den Iahrhunderten vorher haben in Rordindien. dem wichtigsten Teil de» Ganzen, mohammedanische sremde Eroberer geherrscht: Iranier. Afghanen. Tataren. Der Tadsch Mahal in Agra, diese unvergeßliche Krone der Schönheit, die Schah Djehan in der ersten Hülste de» 17. (Jahrhunderts al» Mausoleum für seine SHebüngÄgattin erbauen lieb, ist rein i»lamische, nach Indien importierte Kunst (d. h. der Baumeister war nach der Heber- lieserung ein Franzose. Austin von Bordeaux, und daÄelde gilt von den herrlichen Marmor- Hallen, Moscheen und Gemächern in den Zitadellen von Agra und Delhi, die die Mogulvaläste umschlossen. Rur ein Kaiser, Akbar, hat sich aus einer Art Laune in Agra ein Schloß „in indischem Stil" erbauen lassen. Will man von einer national-indischen geschichtlichen Großmacht sprechen, so must man eigentlich zurück bi» auf den Kaiser Asoka, der im 3 Jahrhundert v. Cht. Rordindien beherrschte, und der für den Buddhi»mu» etwa» Aehnliches war. wie Konstantin der Gröhe für die christliche Kirche de» Römischen Reich». Ich habe in Sar- nath bei Benare» d i« Ausgrabungen besucht. die umfangreiche Reste einer Gründung Asoka» blohgelegt haben: Tempel und Kloster, errichtet an einer Stelle, wo Buddha seine erste Predigt hielt und seine ersten fünf Jünger gewann. Im 11. Jahrhundert haben eindringende Mohammedaner alle» zerstört, aber es wurden eine zerschlagene Säule Asoka» mit prachtvollem Löwenaussatz und eine vollkommen erhaltene Buddhastatue gefunden, von einer Schönheit, mit der sich selbst die ältesten japanischen Bronze- bilder in den Tempeln bei Rara kaum messen können. 2s wäre sehr zu wünschen, dah Rachbildungen dieser wirklich erhabenen, nicht bizarren indischen Kunst auch in die deutschen Museen kommen. Da ich einmal bei den Ausgrabungen bin, so erzähle ich auch gleich, was ich heute hier im Pandschab gesehen habe. 25 Kilometer von dem Städtchen Mongomery, das an der Bahn nach der Jndusmündung. einige Fahrstunden südlich von Lahore, liegt. Dort sind bei dem Dorf Ha- rappa Heberbleibfel einer Kultur gefunden worden, die bi» gegen 3000 v. Ehr. zurückreicht, und verwandt mit der sumerischen im alten Babylonien zu sein scheint. Wenn man an kommt, gewahrt man zunächst nur eine grobe zerwaschene und auSgesurchte Schuttmasse, Arthur Rikisch. Ium IQ. Todestage des großen Dirigenten. Don Generalmusikdirektor Erich Kleiber. Erich Kleiber, erster Dirigent der Berliner Staatsoper, stellt uns diese Zeilen der Erinnerung an den verstorbenen berühmten Kollegen zur Verfügung. E» war einer der größten Glücksfälle meines Leben-, daß Arthur R i k i s ch in den Kriegsjahren zu einigen Opern- und Konzertgastspielen nach Darmstadt kam, wo ich damals als dritter Kapellmeister tätig war. Rikisch dirigierte eine .Tristan"-Orchesterprobe — für mich ein künstlerisches Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Rur wenige Zuhörer sahen im dunklen Zuschauerraum. Die Sängerin der Isolde war noch nicht anwesend, und Rikisch spielte den .Liebestod" mit dem Orchester allein. Und dieses Orchester war plötzlich wie verwandelt. Was er an Ekstase, Leidenschaftlichkeit und Klangschönheit in einer einzigen Orchesterprobe da her- Donaubertc. war mir und allen Zuhörern unfaßbar. Immer klangen die Partituren bei ihm so, wie man es sich manchmal im einsamen Arbeitszimmer bei intensivstem Studium träumen läßt. Geradezu unheimlich waren feine gewaltigen „a-escendi“; wo andere mit beiden Armen turnen müssen, hob Rikisch die linke Hand langsam hoch und das Orchester brauste wie ein Meer auf! Riemals wurden die Singstimmen gedeckt — eine besondere Kunst, welche ich späte« in solcher Doll- endung nur bei Richard Straub erlebt habe. Rach der Probe ging der Intendant Dr. Eger und eine Reihe älterer und jüngerer Kapellmeister, die aus allen Rachbarstädten herbeigeeilt waren, mit Rikisch in das Hotel .Traube". Auch ich wurde mitgenommen, sah dann am untersten Ende der Tafel als jüngster und letzter und — konnte nichts essen! Einmal, weil ich. noch unter dem Eindrücke dieser kapellmeisterlichen Offenbarungen stehend, jede- Wort, das Rikisch sprach, verschlang, und zweitens — weil mein ganzes Vermögen aus 70 Pfennigen bestand. Dafür konnte mir die Speisekarte des vornehmen Traube- Restaurants höchstens zwei Sardinen mit einem Brötchen bieten. Die bestellte ich mir denn auch anstandshalber. Die anderen Herrschaften aßen je nach Rang und Stand ihres Geldbeutels entsprechend nobler. Als dann am Schluß Rikisch in seiner ihm eigenen vornehmen Art die Tafel aufhob und sagte: .Die Herren waren selbstverständlich alle meine Gästeentfuhr mir ziemlich vielleicht zehn Meter hoch und einen Quadratkilometer im Umfang. Hier hinein sind an verschiedenen Stellen Ausschachtungen vor genommen — die Arbeiten gehen noch weiter — die in der Tiefe die Fundament« von sehr komplizierten Mauerzügen au» bart gebrannten Ziegeln zeigen Die gefundenen Waffen und Geräte find au» Stein und Kupfer, sehr Weniges au» Bronze. Das Merkwürdigste sind die zylinderförmigen, in Ton abzurollenden Siegel, die genau den sumerischen gleichen. nur daß sie eine andre, bisher auch nicht einmal versuchsweise zur Deutung in Angriff genommene Schrift zeigen. Schrift und Backsteinbau in Rordwestindien 3000 Jahre vor Beginn unsrer Zeitrechnung, 1000 Jahre vor der mutmaßlichen Zeit der arischen Einwanderung? Wem wird e» da nicht deullich. was die arischen Eroberer nach Indien gezogen hat: der Wunsch, die» alte Kulturvolk au unterwerfen und von ihm zu leben, so wie die Germanen der Völkerwanderung über die Romanen in Italien, Gallien. Spanien zu herrschen und sich von ihnen unterhalten zu lassen gedachren, „kundig besser de» Erwerben» durch Blut, denn durch Arbeit", wie TacituS von unteren germanischen Dorfahren lagt. Diese allen Indo-Sumerer, ober wie man sie nennen mag, bestatteten die Gebeine ihrer Toten in großen Tongefäßen, von denen viele in kräftiger Linienführung und Flächendeckung. schwarz auf rot, bemalt und einige ohne Sprung und Derletzung bi» heute erhalten sind. Auf einem Gesäß findet man die Darstellung eine» Totenritu» — «hx Mann zwilchen zwei Rindern — der in den alten ..arischen" Deden vorkommt, und siehe, die Wurzel diese» Ritu» liegt gar nicht bei den Ariern, sondern reicht von den Indo-Sumerern her in die Deden! Mit wieviel Anderem mag da» noch der Fall feint 3m Grunde eint wenig aufregende Sache, höre ich manchen Leier lagen. Der Meinung bin ich doch nicht. ..Aufregend", meine ich. ist alles was uns einen Schritt weiter in der Erforschung der Ursprünge mtnschheitlicher Kultur bringt, und nun gar auf einem so unerwarteten Boden, wie dem de» vorasischen Indien. Harappa ist nicht die einzige Grabung»- und Fundstätte dieser Art in Indien: e» gibt noch eine andre, über 600 Kilometer westlich, jenseits de» 3nbu». und sogar in Süd-Deludschistan sind ähnliche Spuren gefunden worden. Sie würden eine Derbindung zwischen dem ältesten Indien und Babylonien al» denkbar erscheinen lassen, sobald sich etwa noch in Südversien ein weitere» Zwischenglied findet - geforscht ist dort nach dieser Richtung noch gar nicht. Arier und Indo-Sumerer toerben sich gemischt haben, so wie Germanen und Römer. Schon die Indo-Sumerer mögen dunkelfarbige Leute gewesen sein, gleich den Dravida» in Südindten. Ursprünglich war in Indien Kaste soviel wie Farbe: je heller, desto vornehmer Ein Rachklang davon ist es. wenn noch jetzt bei den ziemlich dunklen Bengali» die Geburt eine» hellfarbigen Mädchen» mehr Freude macht, al» die eine» dunklen: da» Kind läßt sich besser verheiraten. 3e weiter nach Rordindien, um so heller ist der Durchschnitt. Ich kenne S.hks. die von hier stammen, und di« hellfarbiger sind, al» Italiener und Spanier. Ieder Inder im Rorden. auch der Bengali, bekennt sich beute al» Ariernachkomme. nur die Sonne habe seine Dor- fahren und ihn gedunkelt. Run. die Geschichte wird keinen Inder nach seiner Farbe fragen, wenn er Indien ..freimachen" will, sondern danach, wieviel Energie er hinter seine nationalen Ansprüche zu setzen vermag! DeMIand als Sieger and Frankreich als Sieger. Zn welcher Politik herrscht der Geist der Gerechtigkeit und Völkerversöhnung? Don Dr. Gustav JRoloff, o. ö. Professor der Geschichte an der Universität Gießen. ..Wenn die Franzosen sich nach dem Kriege anständig benommen hätten, so würde es jetzt besser um die Welt stehen", schrieb vor einigen Wochen der englische General W. H. H. Water», ein guter Kenner Deutschlands und Frankreichs. Daß diese Worte den Ragel auf den Kopf treffen, wird außerhalb Frankreichs heute schwerlich jemand ernstlich bestreiten, und wer den Dingen in unbefangener Prüfung auf den Grund geht, wird finden, daß die heutigen Zustände Europas, ja in der ganzen Welt, die Folge eines uralten französischen politischen Systems sind, daS die Franzosen in Versailles ihre Bundesgenossen mit List unter Dorspiegelung falscher Tatsachen aufgezwungen haben. Richt um der Welt einen dauernden Frieden zur Heilung der Wunden zu geben, sondern um Deutschland in Verkümmerung und Ohnmacht au versetzen, sind die Bedingungen von Versailles geschaffen worden. Es ist ja daS Ziel der französischen Politik seit Heinrich IV. und Richelieu, die französische Vormachtstellung auf der Schwächung Deutschlands aufzubauen-, ein Deutschland, wie es der West- fälische Friede geschaffen habe, fromme Frankreich am besten, war z. B. unter Rapoleon 111. das Glaubensbekenntnis der öffentlichen Meinung. In der dritten Republik ist diese Anschauung nicht verschwunden: sie ist vielleicht noch konse- quenter und brutaler in dem bekannten Wort Elemenceaus, des Vertreters Frankreichs in Versailles, eS gebe 20 Millionen Deutsche in Europa z u viel, zutage getreten, Und vor kurzer Zeit schrieb noch die „Action fran^aise", die beste Lösung der gegenwärtigen Schwieriglaut der Herzensrus: .Wenn ich das gewußt hätt', hätt' ich waS anderes gegessen!" Alles lachte, am meisten Rikisch, der diese Geschichte, wie er mir später gestand, »ft und mit Erfolg weitererzählt hat. Am Morgen nach der ,Tristan"-Aufführung, die für ganz Darmstadt ein unvergeßlicher Abend wurde, wagte ich mich ins Hotel Traube mit der Absicht, dem Meister die Dankbarkeit und Bewunderung von uns jüngeren Musikern auszudrücken, die wir ihn zum erstenmal hören durften. Ich bin aber über die ersten Worte nicht hinausgekommen: Rikisch, der meine tiefe Bewegung merkte, war unendlich lieb und fragte mich, was ich denn nächstens dirigierte. Ich sagte, .Ach Gott, Herr Professor, ich muß der erste sein, der morgen hier nach Ihnen zu dirigieren wagt und noch dazu den .Trompeter von Säckingen". — „3a, wissen Sie denn auch, dah der mir gewidmet ist?" — Das hat mich nun etwas getröstet, aber ich hatte zum erstenmal in meinem Leben an jenem Abend keine rechte Lust, das Dirigentenpult zu besteigen, an dem dieser Mann kurz vorher .gezaubert" hatte. Der wunderbaren ..Tristan"-Aufführung folgte nun eine Reihe von Opern und Konzerten unter Rikisch» Leitung. Und da saßen wir nun in den Proben und sogen alles in uns auf, was dieser prachtvolle, unerreichte Musikant dem Orchester und den Sängern gab. Und seltsam: die Verehrung und Bewunderung für Rikisch steigert sich heute noch nach so vielen Iahren in mir immer mehr, je mehr ich in meinen Beruf hinein- wachse. Einzelne Stellen aus dem „Tristan", dem „Tannhäuser" oder der „Lärmen" habe ich klanglich von ihm so im Ohr. dah ich sie nie ohne einen Gedanken an ihn dirigieren kann. Seine immer gleichbleibende Liebenswürdigkeit und vor allem seine väterliche Freundschaft, die er mir. einem tastenden Anfänger, entgegenbrachte, hat mir immer wieder neuen Mut für meinen Weg gegeben. Als ich 1919 erster Kapellmeister in Barmen und später in Düsseldorf wurde, bekam ich einen rührenden Gratulationsbrief, der zu meinen kostbarsten Andenken gehört. Ich habe Rikisch dann nie mehr hören dürfen, denn zu einer Reise nach Berlin und Leipzig fehlte während der Saison die Zeit, Und al» vor zehn Iahren an einem trüben Ianuarmorgen die Rachricht von Rikifchs Tode nach Düsseldorf kam, da saßen ein erster Kapellmeister und sein Chordirektor im Probezimmer und weinten wie die kleinen Kinder, ilnb die Beiden waren sicher nicht die einzigen Musiker, denen e» an diesem Tage so zu Mute toatl — feiten würde „die völlige Zerbrechung und der Ruin Deutschland» sein". Mit um so größerem Recht darf Deutschland immer wieder auf diesen Zusammenhang der Dinge und nicht nur auf die Torheit, sondern vor allem auch auf die Ungerechtigkeit der Versailler Bedingungen Hinweisen, weil e» selbst nach seinem Siege über Frankreich das entgegengesetzte politische Beispiel gegeben hat. Keinen Augenblick haben Wilhelm I. und Bismarck im Iahre 1871 dem Gedanken Raum gegeben, Frankreich von seiner Großmachtstellung verdrängen zu wollen. Man weih, mit welcher Vorsicht die Friedensbedingungen erwogen worden sind: nur solche Opfer wollte man Frankreich auferlegen, die die Verteidigungsfähigkeit des so oft von Frankreich angegriffenen Deutschlands stärkten und zugleich als Wiedererlangung alten, geraubten Besitze» historisch zu rechtfertigen waren. Rie ist eine finanziell« Ausbeutung Frankreichs versucht oder geplant worden: ohne nachhaltigen Schaden für seine Wirtschaft konnte Frankreich die Kriegssteuer bezahlen, und fo bald als möglich verlieh die deutsche BesatzungSarmee den französischen Boden. Von einer Mißhandlung des Besiegten kann keine Rede sein. Man vergleiche nur da» Verhalten der Okkupationsarmeen hüben und drüben: während der zweieinhalbjährigen Besetzung Frankreichs durch deutsche Truppen fand ein einziges Sittlichkeitsverbrechen statt, von der französischbelgischen Armee sind an 200 begangen worden — ungerechnet die, die nicht offiziell bekannt geworden sind. Und in aller Erinnerung ist noch Seien wir froh und glücklich, daß wir ihn erleben durften, aber vergessen wir nicht, dah daS andere große Dirigentengenie dieses Iahr- hunderts glücklicherweise noch unter uns weilt und uns hoffentlich noch viele Iahre lehren, führen und beschenken wird: Arturo ToScanini! Dah Arthur Rikisch nie vergessen wird, dafür sorgen schon alle Orchestermusiker, die je unter ihm musizieren durften Ob in Kopenhagen oder Buenos Aires, ob in Reuhork oder Petersburg — immer erglänzen den Musikern die Augen, wenn man seinen Ramen nennt. Lieber Meister Arthur Rikisch. Du brauchst kein Denkmal aus Stein: Du hast Dein schönste» Denkmal in den Herzen der Orchestermusiker der ganzen Welt! Vom Knaben, der den Mond ansang. Don Victor Mages. Alter Mond, längst über das pensionsfähige Alter hinaus: wenn du so weih und pausbäckig vom Himmel guckst, wie ein fetter geschminkter Sloton, ist es gar nicht zu begreifen, dah man dich einmal gehaßt hat. Zwar nur für eine Stunde, aber immerhin gehaßt. Mit der hemmungslosen Leidenschaft eines etwas verwilderten Siebzehnjährigen. Du bist ein Chamäleon. Aber das wissen die Leute hier in Mitteleuropa nicht. Sie sehen nur dein gepuderte» Antlitz, und da» hat soviel von singendem Leid, von der Sehnsucht, die gläsern zwischen den Zeiten steht. Du bist ein Führer zu traurigem Schwärmen, milde nennt man dein Licht, und niemand ahnt, daß du auch ganz, ganz anders fein kannst Der Knabe, der vor 26 Iahren auf der Back eine» Viermasters stand, um Ausguck zu halten, ahnte es auch nicht. Leise hatte sich die Rächt gebreitet, die Sterne glitzerten, wie sie das berufsmäßig zu tun haben, zumal in der Südsee. und das Rauschen des Meeres machte den Kopf ein wenig taub. Schläfernde Stimmung umwehte den Knaben, jene Stimmung, die ihn tief eingelullt batte, al» er zum erstenmal die Ofsenbachsche Barcarole hörte. Hier aber waren keine Theaterkulissen. Hier sollte er Ausschau halten nach den Lichtern fremder Schiffe: Feuer an Steuerbord — ein Schlag gegen die Glocke, Feuer an Backbord — zwei Schläge, Feuer voraus — drei. Wir schwimmen mitten in der Südsee. Die Inseln, die auf der Landkarte, Pünktchen an da» rigorose und barbarische Vorgehen gegen die deutsche Bevölkerung im Rheinlande und im Ruhrgebiet, die brutalen Strafen wegen barm- loser oder angeblicher Vergehungen die deutsche BesatzungSarmee hat dagegen 12 Mann durch heimtückische Uebersälle verloren, und die französische Preise verherrlichte derartige Schandtaten. |a. die französischen Gerichte sprachen überführte Schuldige, die sich ihrer Tat gerühmt hatten, frei. Trotzdem lind durch die deutschen Truppen nur örci Mörder hingerichtet worden, und gegen die Zivilbevölkerung sind Vergeltungsmaßregeln überhaupt nicht ergriffen worden Bor allem hatten die Zranzofen in her auswärtigen Politik die Hände frei. Gewiß war Bismarck eifrig bemüht, jede» französische An- grifsSbündm» gegen Deutschland zu vereiteln, aber nie hat er daran gedacht. Frankreich in absoluter Isolierung zu erhalten, z B eine Annäherung an England, die der französischen überseeischen Expansion zugute kommen mußte, bat er mit Wohlwollen betrachtet, weil ihr eine Ossen- sive gegen Deutschland nicht innewohnte Von einer systematischen Einschnürung der französischen BewegungSsreiheit. um die französische Ration politisch und geistig zu lähmen, war er weit entfernt. Gerade auf Dem Gebiete, auf dem sich die französische Rationalkraft allein positiv entfalten konnte, in der Kolonialpolitik, war er bemüht, den Franzosen die Wege zu ebnen: so hat er zu einem ihrer wichtigsten Erfolge, der Besetzung von Tuni». erheblich beigetragen Da» geht mit voller Deutlichkeit au» authentischen französischen Zeugnissen, die soeben veröffentlicht worden sind, hervor Seit der Eroberung Algiers (1830) war Frankreich al» Rachbar von Tunis an den Vorgängen in diesem Lande lebhaft interessiert Die Rotwendigkeit, die algerischen Grenzen gegen räuberische Einsälle von Tunesiern zu schützen und französische wirtschastliche Unternehmungen in Tunis zu vertreten, lieh bald eine Beschlagnahme diese» wichtigen aber nach europäischen Begriffen schlecht regierten Lande» wünschenswert erscheinen. Allerdings mußte man mit dem Widerstand« Italiens, der Türkei und vielleicht auch Englands rechnen, vor allem aber scheute man in Paris eine größere koloniale Verwicklung, weil man bei der Entsendung größerer Streitkräfte über das Meer eine Bedrohung durch Deutschland fürchtete. Da man sich stets mit der Hossiiung auf einen Revanchekrieg trug, so traute man auch der deutschen Regierung kriegerische Absichten zu. Hier hat Bismarck entscheidend eingegrifkn. Schon zur Zeit des Berliner Kongresses (1878) hat er der französischen Regierung rund heraus erklärt, nach seiner Meinung sei die Erwerbung von Tunis die folgerichtige Fortsetzung der algerischen Kolonialpolitik, und die Herstellung einer besseren Regierung in Tunis liege ebenso im Interesse Europas wie Frankreichs. Er werde daher gegen die Besetzung von Tunis keinen Widerspruc^ erheben, noch andere Staaten zur Opposition ermutigen. Frankreich möge doch den günstigen Augenblick, in dem der Kongreß im Orient mohammedanisches Gebiet verteile, benutzen: England, da» soeben Zypern an sich gebracht habe werde nichts eintoenöen können, wenn Frankreich sich in TuniS eine Kompensation für diese neue Machtverstärkung Englands im Mittelmeer sichere. Zunächst hatte Bismarcks Rat keinen Erfolg. Mehrere Iahre zögerte die Pariser Regierung aus den alten Gründen mit einem Entschluß, aber wenn der französische Botschafter in Berlin mit dem Reichskanzler die Angelegenheit besprach, erhielt er immer dieselbe Antwort: überall, wo die französische Politik sich nicht gegen Elsaß-Lothringen wende, könne sie auf warme Unterstützung _ Deutschlands zählen, speziell in Rordafrika wünsche er den Franzosen das Beste. „Ich glaube", sagte der Fürst dem Botschafter -wenn Sie im Mittelmeer Ihr natürliches In- Pünktchen, nebeneinander liegen, sind fern und nicht zu sehen. Die Dampser sahren einen an- Heren Kurs In der letzten Woche war nicht ein einziges Licht zu melden. Auch heute nacht wird keinS auftauchen. Wasser, Rächt, Sterne. Und dieses unendlich weit schwingende Rauschen, das müde macht. Die Augenlider sind wie Blei. Da reiht der Knabe die Augenlider jäh hoch. Rotes Feuer voraus. Es tanzt. Ein Schifs. Oder tanzt es nicht? Doch. Die Augen mühen sich, sie sehen immer -dasselbe Dreimal tönt die Glocke. Eine junge Stimme singt: „Rotes Feuer voraus!" Der Steuermann kommt von hinten. Langsam schlurrt sein Schritt über den Laufsteg. „Wo?" fragt er Die Hand weist die Richtung. Im nächsten Moment hat der Knabe eine Ohrfeige sitzen Sie knallt durch die träumerische Rächt. Langsam schlurrt der Steuermann den Weg zum Achterdeck zurück. Warum? Weshalb? Wieso? fragt sich der Knabe. Er ist fassungslos: in ihm jammert da» Leid dessen, der für Achtsamkeit getreten worden ist Er soll Ausguck halten und melden. Da vorn tanzt ein rotes Licht ... Ranu? Das rote Licht steht jetzt viel höher. Es ist gröher geworden. Es steigt. Es steigt. Es wird immer größer. Das rote Licht ist der Mond. Rot wie die Sünde bist du gewesen, Mond. Kein Mensch hatte uns in der Schule je erzählt, daß du glatzköpfiger Greis so teuflisch blutig aussehen kannst und dich klein machst wie die Seitenlampe eines Schiffes, wenn du aufgehft- Der Knabe hat dich gehabt, solange die Ohrfeige auf feinet Wange brannte, und da die Ohrfeige ein Originalprodutt des Steuermann» Iessen war, brannte sie eine Stunde lang. Am anderen Abend, bei der Musterung der Wache, sagte Herr Iessen. „Wenn du wieder den Mond ansingst, schmeiß ich dich über Bord ' Und da kam nun wirklich das rote Feuer eine» Schiffes in Sicht, aber der Knabe lachte: diesmal laß ich mich nicht veralbern — und die Glocke schwieg, und Herr Iessen verabreichte eine neue Ohrfeige, verbesserte Auflage. Oochschulnachnckten. Dem Professor Dr. jur. Karl Aug. Eckhardt an der Handels-Hochschule Berlin ist der Lehr- stuhl für deutsche» Recht und bürgerliches Recht an der Universität Bonn als Rachfolger de» Geheimen Iuftizrats Prof. H. Sch reuet angeboten worden. teresse befriedigen können, werden sich Ihre Ideen mit weniger Bitterkeit auf die verlorenen Provinzen richten." Bismarck hielt Wort. Als die Dinge sich weiter zuspitzten und die Franzosen sich zum Zugreisen entschlossen, fehlte ihnen die deutsche diplomatische Anterstühung nicht. Mit Erfolg wirkte Bismarck in London, Rom und Konstantinopel dafür, daß diese Mächte dem französischen Einmarsch in Tunis ruhig zusahen, und die französische Regierung erkannte Deutschlands loyale Haltung mit Wärme an. England, schrieb der Minister des Auswärtigen an den Botschafter in Berlin, betrachte zwar die französischen Fortschritte in Rordafrika mit Uebelwollen, aber es werde nichts Feindseliges unternehmen. „Wir sind dem deutschen Kanzler tief dankbar für die offene Unterstützung, die er unserer Sache gewährt, sie wird, wie ich überzeugt bin, mächtig dazu beitragen, die gegen uns entworfenen Pläne zu vereiteln." (April 1881.) Als dann im Vertrauen auf die wohlwollende Haltung Deutschlands Tunis von französischen Truppen eingenommen war und ein französischer Resident dem Bey die Zügel der Regierung aus der Hand genommen hatte, hieß es in derselben Korrefpondenz «Mai 1881): „Der Präsident der Republik ist sehr gerührt von der wohl- wollendenHilfe, die Fürst Bismarck uns in der tunesischen Angelegenheit leistet: ich bitte Sie, ihm von seiner Seite dafür zu danken." In den folgenden Iahrzehnten ist es nicht anders geworden. Rie hat Deutschland die französische Ausdehnung in Afrika oder Asien zu hemmen versucht und nie hat es die Schwächung der heimischen Streitkräfte Frankreichs bei größeren überseeischen Verwicklungen zu einem diplomatischen Druck benutzt. Die Reibungen zwischen beiden Staaten begannen auf kolonialpolitischem Gebiete erst, als Frankreich seine Feindschaft gegen Deutschland von Europa auf die anderen Weltteile übertrug, insbesondere, als es nach dem Abschluß der Entente mit England begann, die wirtschaftliche und politische Stellung Deutschlands in Rordafrika zu untergraben. Genug, es kann kein Zweifel sein, wie die oben aufgeworfene Frage zu beantworten ist, und wessen Deutschland sich von Frankreich in der augenblicklichen Krisis zu versehen hat. LahnkanalisieriW und Arbeitsbeschaffung. Auf einem Staatsbürgerabend der Iungdeut- fchen Bewegung in Gießen sprach am vorigen Dienstag auf Einladung der hiesigen Ortsgruppenleitung Redakteur D l u m s ch e i n vor einer sehr zahlreichen Zuhitrerscha t über das für unsere engere Heimat bedeutsame Thema „Lahn- kanalisierung und A r b e i t s e sch af - f u n g". Der Reoner betonte zunächst, daß es sich hierbei nicht um eine parteipolitische, sondern um eine rein wi.t.chaftliche Ange.egenheit handele und daß er auch nicht als Mitglied der Iung- deutschen Bewegung, nicht a.s Der.ret.'r einer Partei oder eines Bundes, sondern lediglich a s Mitarbeiter an den kommunalw rtschastlchen 2lu,- gaoen unserer Stadt und i-res Inte.e,sen-ereichs spreche. Er begrenzte seine Darlegungen unter bewußter Ausschaltung der rein technischen Fragen lediglich au, das g.samt-vo kttwlrtscha.t iche und auf das lokal-wirtschaft.iche Interessengebiet. Oie wirtschaftlichen Grund agen. Zunächst verwies er aus die jahrzehntelange und verdienstvol.e Werbearbeit des Fu.ba La n a a - Vereins, insbesondere auf die in hohem ’-izidye dankenswerte Vorkämpferarbeit von Direistor Dansa in Limburg, der ihm in bereitwilligster Weise umfangrei^-es A ton* un^ S udiei.mate.ial für diesen Auckürungsaor^rag ü^ee.assen hatte. An Hand einer Karle mit genauen Einzeü-nunaen über die mannigfaltigen Bodenschätze des Lahn- tals und ihre örtliche Verteilung, sowie Kennzeichnung der Gruben und Kalkbrüche usw. machte der Vortragende mit den Wirtschaf tlichen Grundlagen desLahnkanalprojck s bekannt. Ergänzt wurden d ese Darlegungen durch die Mitteilung der Ergebnisse einer Untersuchung über „Die nutzbaren Bodenschätze des Lahngebietes als Grundlage des Lahnkana s", die von Dr. A h l b u r g von der preußischen Geologischen Landesanstalt im Iuni 1918 veröffentlicht wurde. Rach den Angaben dieses Gelehrten sind für das Lahntal folgende Mengen an Bodenschätzen anzunehmen : Roteisenstein in der Dillmulde etwa 42 Millionen Tonnen, in der Lahnmulde etwa 43 Millionen Tonnen: wenn der Bergbau aber noch über eine Dautiefe von 103 bis 250 Meter hinausgehe, sei allein für die Mulde bei Schaumburg, Limburg und Weilburg mit einem E.zvorrat von über 60 Millionen Tonnen und für die gesamte Lahnmulde mit etwa dem Dreifachen der oben für die Lahnmulde angegebenen Zahl von 43 Millionen Tonnen zu rechnen. An manganhaltigen Drauneifenerzen in gewinnbarer Form sei nach dem Stande von 1918 mit einer Menge von 15 Millionen Tonnen zu rechnen. Die Vor.at.fchützungen an Vogelsberger Bafalteisenstein beliefen sich auf etwa 10 bis 11 Millionen Tonnen, wahrs Rauenstein laden wollte. Mer mit der Zahlung der DürgschaftSsumme waren die Kräfte des Handelshauses Sibelius erschöpft. Es blieb gerade genug, um nach Erledi- gung aller Verbindlichkeiten eine sehr bescheidene Rente für den Konsul zu retten, während man ernstlich daran denken mußte, das alte Stadthaus zu vermieten. Auch im Haushalt des Schlosses waren tiefgreifende Veränderungen vorgenommen worden. Die stattliche Unterstützung, die der Konsul freigebig dem Haushalt des jungen Paares gewährt hatte, fiel nun fort. Graf Friedrich, der die Ver- toaltung von Schloß und Gut nebst seinem Mühlengut wiederum übernommen hatte, mußte heimlich Gelder flüssig machen, die den Haushalt auf- rechterhalten konnten. Längst war die Hälfte des Personals entlassen, Hans Egon teures Gestüt aufgelöst. Alle unnützen Ausgaben wurden von der klugen Dedachtsamkeit des Grafen Friedrich beschnitten. Seine Arbeit war säst übermenschlich. Mehr denn je mußte er sehen, aus seinem Mühlenbetrieb da» Höchstmögliche herauSzuwirtschaften; wollte er doch nicht nur für sich, sondern auch für die heimlich geliebte Frau und deren verehrten Vater sorgen. Birgit hatte sich mit stummer Würde in die veränderten Verhältnisse hineingefunden. Sie trug den Schmerz um den flüchtigen Mann mit Schweigen. Ernst, sehr ernst war sie geworden, und nur, wenn Graf Friedrich nach der schweren Tagesarbeit abends zu einem Plauderstündchen oder zu einer geschäftlichen Besprechung erschien, glitt ein flüchtiger Strahl der Freude über ihr schmales Gesicht. Wie auf Verabredung fiel nie zwischen ihnen der Rame Hans Egons, wie er auch sonst im Schloß nicht erwähnt wurde. älnd D'.rgit erschien es mitunter wie ein Traum, daß sie einst lachend und übermütig neben Hans Egon gegangen war. Rur das Leben, das unter ihrem Herzen zum Licht drängte, erinnerte sie immer neu und immer wieder schmerzhaft an etwas, was einmal glückliche Wirksamkeit gewesen und nun in Änglück, Kummer und Schweigen untergegangen war. ♦ Ein reifer, strahlender Tag im August war es, als nach bangen, schweren Wochen der Todesgefahr und der Krankheit Birgit zum ersten Male auf der Terrasse des Hauses saß, neben sich, in einem spitzenverhangenen Körbchen, ihr Kind. Ihr Kind, das sie in Schmerzen der Seele getragen und unter namenlosen Qualen des Körpers geboren hatte. Sie sah still da und blickte In das blumengleiche Antlitz ihres Töchterchens, das mit rosigen Wangen und zusarnmengeballten winzigen Fäustchen in den Sommer hineinschlummerte. Birgits Erscheinung war von einer rührenden Anmut und erschien dem Grafen Friedrich, der jetzt langsam von der Mühle her herankam, schöner und holdseliger denn je. Konnte er es wirklich auf sich nehmen, in dieses geliebte, glücklich gelöste Gesicht wiederum einen Fug des Schmerzes zu fügen? Wie Feuer brannte in seiner Tasche der Brief mit den ausländischen Marken, der Hans Egons Schriftzüge trug und an Birgit adressiert war. Was würde dieser Dries enthalten? Der Brief des unglückseligen Bruders, der schon so viel älnheil über diese unschuldige Frau gebracht hatte? Aber gerade weil er es nicht wußte, durfte er nicht länger zögern. — Birgit hatte ein Anrecht auf die Worte dessen, der dem Gesetz nach und ihrem Herzen nach immer noch ihr Mann war. Birgit sah dem Gesicht des Schwagers an, daß er ihr etwas Besonderes zu sagen hatte, And als er letzt nach herzlicher Begrüßung mit einer zögernden Bewegung in die Tasche griff, ahnte & Hr bringen mochte. Mit hellseherischer Deutlichkeit sah sie vor sich den Brief Hans Egons diesen Brief, auf den sie unter Schmerzen und Mgst, In Tränen und Rot gewartet hatte, Tag um Tag, damit er das Rätsel lösen sollte. krise sich außerordentlich verschärf t und die heimische Industrie stark zum Rieder- gang gebracht habe. Dennoch sei das Ergebnis der bisherigen Verfrachtung auf dem Lahnkanal als sehr befriedigend und verheißungsvoll für die Weiterarbeit an diesem Pro ekt zu betrachten. Von Bedeutung fei in diesem Zusammenhänge auch die Möglichkeit drElektrizitätsgewinnung durch Rutzbarmachung der Lahnwasserkra t wie dies jetzt schon bei dem Elektrizitätswerk Kramberg vorhanden sei. Richt minder bedeutungsvoll erscheine die F r a ch t e r sp a rn i s der Wirtschaft bei der Inanspruchnahme des billigeren Wasserweges gegenüber dem teureren Schienentransport. Oie Kanalisierung bis Gießen. Erst wenn die obere Lahn bis Gießen ausgebaut sei, könne der Zweck der ganzen Lahnkanalisierung als erreicht angesehen werden. Dies habe Direktor Dansa Im Juni 1930 auf der Hauptversammlung des Fulda-Lahnkanal-VereinS in Oberlahnstein mit Recht festgestellt. Direktor Dansa schätze die Kosten der Kanalisierung von Steeden bis Gießen auf etwa 10 Mill-Mk. Aus der Strecke Steeden-Gießen müßten zu 11 vorhandenen Staustufen 5 neue geschaffen werden, wozu möglicherweise ein vollkommener Ersatz der Wetzlarer Schleuse hinzukomme. Aus einem umfangreichen Kostenvoranschlag, in dem die Bauten der einzelnen Haltepunkte in allen Einzelheiten verzeichnet sind und auf die an dieser Stelle nicht naher eingegangen werden kann, ergibt sich die Tatsache, daß sich bei der Verwirklichung dieses Projektes durch Erdarbeiten der verschiedensten Art, durch Maurer» und Detonarbeiten, Schleuseneinrichtung, große Materiallieferungen usw. direkt und indirekt eine Fülle von Arbeitsmöglichkeiten schaffen läßt. Ie nach der Fristbestimmung für die Bauzeit könne man eine große Menge Arbeitskräfte für lange Zeit wieder in den Produktionsprozeß einschalten. Reben diesem Vorteil für die Arbeitsmarktlage der Gegenwart stehe der noch größere Gewinn der Schaffung günstigerer Produktions- und Absah- verhältnisse der heimischen Industrie für die Dauer. Hiervon könne unser Wirtschaftsgebiet durch Erhaltung und Aufblühen der Industrie eine Hebung des allgemeinen Wohlstandes und vermehrte Steuerkraft der Kommunen erwarten. Für den Gießener Bezirk komme außerdem noch durch die Schaffung eines geregelten Ablaufs der Wassermassen der Lahn bei Hochwasser die schon lange gewünschte Minderung der Hochwasserschaden hinzu. Es handele sich also bei der Verwirklichung dieses Projektes um die Schaffung von Zukunstswerten größten Ausmaßes. Oie Finanzierung. Unter den gegenwärtigen und für die nächsten Iahre gegebenen Verhältnissen werde mit einer Verwirklichung des Projektes durch Aufnahme von Anleihen wohl nicht ju rechnen sein. Durchaus möglich erscheine aber die Finanzierung dieses Kulturbauwerkes durch Rutzbarmachung der Geldmittel der Arbeitslos e n v e r s i ch e r u n g, wie beim Dau der ersten Kanalstrecke. Der Präsident der Reichsanstalt der Arbeitslosenversicherung, Dr. S h r u p, habe im Ianuarhcft des Reichsarbeitsblattes u. a. mitgeteilt, daß im Iahre 1931 für die Arbeitslosen im Deutschen Reiche rund 3 Milliarden Mark aufgewandt worden seien (von der Reichsanstalt 1436 Millionen, vom Reich 801 Millionen, von den Gemeinden 736 Millionen, zusammen 2933 Millionen Mark). Der Redner meinte, wenn von diesen rund 3 Milliarden Mark nur 1/3. also IMil- liarde zur Finanzierung von volks- wirtschaftlich notwendigen Dauten verwandt worden wäre, hätte man die Rot der Arbeitslosen durch Schaffung von Arbeit und damit durch Wiederbelebung weiter Mer merkwürdig, jetzt, wo sie die einst so geliebten Schriftzüge in den Händen hielt, war eine eigentümliche Kühle in ihr. Es war, als hätten die schweren Wochen der Krankheit, als hätte das heilige Erlebnis der Geburt ihres Kindes das strahlende Bild des einst so Geliebten matter werden lassen. Rur wie hinter Schleiern konnte sie sich das schöne Männerantlih vorstellen, den Laut jener Stimme sich zurückrufen, die einst so betorenbe Worte in ihr unerfahrenes Herz geflüstert hatte. Das Leid hatte sie gereift. Die Mutterschaft hatte sie sehend gemacht für Wert und Unwert eines Menschen. Und das tägliche Zusammensein mit Friedrich hatte ihr klar gezeigt, wie wertlos äußere Schönheit ohne inneren Adel war. Sie nahm den Brief: „Willst du mein Kind einen Augenblick bewachen und mich einen Augenblick alleinlassen?" fragte sie. „Fürchte nichts. Was in diesem Briefe steht, kann mich wohl erschüttern, aber nicht noch einmal vernichten." Sie strich noch einmal mit leiser Hand über den goldenen Flaum des zarten Kinderköpfchens, ehe sie in der kühlen Halle verschwand. Graf Friedrich saß still neben dem Kinde und blickte mit liebevollen Augen auf dieses unschuldige Wesen, auf das Kind der geliebten Frau. * Hans Egon hatte sein Versprechen wahr gemacht. Er hatte in kurzen Umrissen Birgit sein Vergehen gebeichtet. Er hatte alle Schuld reumütig auf sich genommen. Das war das letzte Lebenszeichen von ihm gewesen. Birgit hatte sich in schweren seelischen Kämpfen zu dem Entschluß durchgerungen, Hans Egon trotzdem die Treue zu halten. Sie mutzte an die Worte des Vaters denken, die er ihr einst in einer ernsten Stunde gesagt hatte, als es um ihre Verlobung mit Hans Egon ging. Die Frauen der Sibelius' wurden nicht fahnenflüchtig, sie hielten aus auf dem Platze, auf den die Pflicht sie gestellt hatte, hielten aus bis zum letzten Schlag des Herzens. Wer konnte wissen, wie geheimnisvoll dennoch die Bande zwischen ihr und ihrem Gatten sein mochten? Vielleicht war es die Ehefessel, die den Herabgesunkenen noch vor völliger Vernichtung bewahren, ihn vor einem völligen Verlust an die dämonische Frau dort unten bewahren konnte? Was Hans Egon auch getan haben mochte — er war der Vater ihres Kindes. Birgit wollte diesem Kinde einmal frei und klar in die Augen schauen können. Richt sie wollte es sein, die dem geliebten Wesen den Vater genommen hatte. Das Schicksal hatte es so gefügt datz es Birgit die schwere Bürde einer verratenen Liebe auf die Schultern gelegt. An Birgit war es, stillzuhalten und eigene Wünsche immer wieder zum Schweigen zu bringen. Teile der Wirtschaft besser als bisher bekämpfen können. Der gleiche Gesichtspunkt sei für die Zukunft geltend zu machen. Bei aller Anerkennung der Verpflichtung der Allgemeinheit, für unverschuldet in die Rot der Arbeitslosigkeit geratene Mitbürger zu sorgen, müsse doch endlich der Anfang gemacht werden, wenig- stenseinenerheblichenTeilderGe l fr- mittel fr erArb ei ts lösend ersieh er ung produktiv zur Finanzierung von öffentlichen und der Förderung der Volkswirtschaft dienenden Bauten zu verwenden. Die praktische Fürsorge für die Erwerbslosen sei eben doch die Schaffung von Erwerbsmöglichkeiten. Unter diesem Gesichtspunkt der Baufinanzierung könne das Lahn- kanalprojekt auch unter den jetzigen Verhältnissen als durchführbar erscheinen. Selbst wenn dabei die Arbeitslosenversicherung die Hälfte der Baukosten als verloren e-n Zuschuß und die andere Hälfte als langfristige Anleihe zu mäßigem Zinssatz hergebe, sei vom Standpunkt fr er Erwerbslosenfürsorge sowohl wie deS Allgemeininteresses durch die Schaffung des Lahnkanals viel zu gewinnen, für die Gegenwart und auch für die Zukunft. An der baldmöglichen Lösung dieser Ausgabe sollten alle eifrig Mitarbeiten, denen die Ueberwindung der Rot unserer Zeit besonders am Herzen liege. Oie Aussprache. — Im Anschluß an den Vortrag fand eine sehr rege Aussprache statt, bei der noch zahlreiche wertvolle Gesichtspunkte für die Beurteilung und die praktische Förderung dieses Projektes zutage traten. Wenn auch in der Erörterung gewisse Einschränkungen des Ahlburgschen Gutachtens über die Bodenschätze des Lahngebietes gemacht wurden, so verbleiben dennoch so viele wichtige Argumente für die Verwirklichung des Kanalprojektes des Fulda-Lahnkanal-Vereins, fraß es sich reichlich lohnt, alle Kräfte dafür einzusehen. Hm im Kreise der Gießener Bürgerschaft die Pläne des Fulda-Lahnkanal-Vereins nach Kräften weiter zu fördern, wurde ein Ausschuß bestimmt, der sich mit der Ditte um Mitarbeit an weitere im öffentlichen Leben stehende, berufene Herren wenden und Im Einvernehmen mit dem Vorstand des Fulda-Lahnkanal-Vereins, sowie anderen maßgebenden Stellen für das großzügige Projekt eintreten soll. Aus der provinzialhauptstavt. Gießen, den 23.3anuar 1932. „Geh' auch 'mal aus!" Als Plakat, als Tischkarte und als Postkarte kommt in den Gaststätten ganz Deutschlands gegenwärtig ein Bild zur Verwendung, das ein junges Paar am gedeckten Tisch in behaglicher Gaststätte darstellt, mit folgendem erläuternden Text: „Geh' auch 'mal aus! Freude tut Rot. Was Du verzehrst, Gibt andern Brotl" Durch diese Werbung sollen weitere Kreise zu folgenden Üleberlegungen geführt werden: In diesen schweren Zeiten müssen der gewaltigen Anspannung aller Kräfte durch Arbeit und Sorgen auch Stunden der Entspannung gegen» überstehen: „Freude tut Rot". Rur durch solchen Ausgleich können sich die nötigen geistigen Kräfte frisch erhalten. In Amerika yat die „Rew Vork Times" eine Umfrage veranstaltet, ob in dieser Periode arger Wirtschaftsdepression noch Geld für Erholung und Zerstreuung aufgewandt werden solle. In den Antworten läßt der praktische Amerikaner Zahlen reden: es wird auf geführt, datz in den Vereinigten Staaten jährlich 20 Milliarden Dollar — ein Viertel des Gesamteinkommens — für Zerstreuung und Erholung ver- Stille Winterabende kamen. Der Konsul hatte sich langsam wieder erholt. Die Freude über das glückliche Gedeihen des Enkelkindchens verscheuchte die schwermütigen Dilder und Visionen allmählich aus seinem ©cmüt. Rur vom Geschäft wollte er nichts hören. Seine Gedanken verschlossen sich eigensinnig vor dem Ruin seines alten Hauses. Birgit ging still und mit stets freundlichem Lächeln umher, das sich vertiefte, wenn Graf Friedrich bei ihnen weilte. Sie hatte sich von allem Verkehr ihrer früheren glücklicheren Zeit zurückgezogen. Sie lebte nur ihrem Kinde und den Pflichten als Hausfrau und Gutsherrin. Von Mamsell Stülpnagel» der Getreuen, ließ sie sich willig unterweisen, und ball» verstand sie es, in Haus und Hof nach freut Rechten zu sehen. Daneben vergaß sie aber nicht, daß sie als Schloßherrin auch Verpflichtungen gegenüber den Hofleuten hatte. Wo Rot am Mann war: eine Frau erkrankte, ein Kindchen zur Welt kam, überall half Birgit mit Rat und Tat. Allwöchentlich einmal versammelten sich die jungen Mädchen aus dem Dorfe unten in der großen Rähstube, und Mamsell Stülpnagel und Schwester Helene, die mit dem Gutswagen aus der Stadt herauskam, unterwiesen die jungen Mädchen in Rähen, Flicken und Handarbeit. Oft hatte Schwester Helene ein gutes Buch, aus freut sie vorlas, oder die Tochter des Schullehrers, die luftige blonde Elfriede, fang zur Gitarre fröhliche Volkslieder. An allem nahm Birgit tätig und freundlich Anteil. Die große Schüchternheit, die sie als Mädchen und auch noch als Frau an der Seite Hans Egons so oft bedrückt hatte, wich einer stillen Selbstsicherheit, die fit für das wirkliche Leben tauglicher machte. Ülnd wenn sie am Abend nach erfülltem Tagewerk mit Friedrich zusammen über den Wirtschaftsbüchern saß, gemeinsam mit ihm rechnete, überlegte und Pläne für den Haushalt des Gutes machte, bann staunte der ernste Mann, wie reif und klar Birgits Urteil geworden, mit wie offenen Augen sie gelernt hatte, in die Welt zu sehen. Längst batte sich Friedrich daran gewöhnt, all seine geschäftlichen Sorgen mit Birgit zu besprechen. Immer mehr lernte auch "Birgit die Arbeit des Schwagers zu begreifen. Immer mehr fühlte sie sich in sein Leben ein. Immer notwendiger wurden sich diese beiden einsamen Menschen. Mehr unfr mehr begann sich Birgit auf jene stillen Abendstunden zu freuen, in denen man zu dreien zusammensatz, arbeitend, plaudernd, der Lektüre eines guten Buches hingegeben ober den Tönen fror Musik, bie Birgit endlich einmal wieder aus dem schönen Flügel im Wohnzimmer hervorzauberte, lauschend. Solche Abende waren Feierstunden der Seele. (Fortsetzung folgt) * W -KL H l y die wjj? M,l»e W ?Bß liege. un‘ k~ - ALL Ä«. t a lT® SVvG Tut. , Der Konsul hatte c Freude über das nW verscheuchte DlsiMN allmühllch VcschLst wollte er m verschlossen I-ch ->nes alten Hauses. stetS sreundl-chem rtiesle, wem Trat Mr ihrer früheren S Si° lebte nur k alS Hausfrau und ötülpnagel, der Te« und Hof Mr sammelten £ SÄ54 I W, “uiS dnn ae'-sÜM Krisle at Die ..Oleto (ßod allet, ob in dieser rrefsivn noch Veld g aufgevandt wer- i lab*, der Pialtische 4 wird ausgesührt, [en jährlich 20 Ml« kl des Vesamtein' und Erholung der« Xti'le dafür ein. Ut Ä SJS: •tnehen mit dem ^^reinS. sowie lur daS großzügige Zur Vorbereitung der Bürg erweist erwähl wurde eine besondere Kommission gebildet. die au» folgenden Cladtrotrmilgliedern befuhr Eindrodt, Cbltmuh, Vierheller, Dr. Werner. Zink. Die weiter oorgeschlagenen Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei. Linkmann und Willig, zogen ihre Zustm- mung zurück, da die Leigcordnclenwahl ergeben habe, daß für sie kein Interesse an der Burger» meiitirtrahl mehr bestünde. Der Zwilchen der Stadt Butzbach und der P r o* vinzialdtreklion Oberhessen schwebende Rechtsstreit, in dem die Provinz einen lOproAen- t > gen Strom prcisausschlag durchsetzen wollte und außerdem d.is Recht in Anspruch nahm, die für Butzbach geltenden Preise nach e i g e . nem Ermessen festzusetzen, ist in dem vor einem Dertragsschiedrger.cht durchgesükrlen Versah, ren im weienitichen zugunsten der ProvinA entschie. den worden. Auf Klage der Stadt Butzbach bat da« Landgericht Tiegen den Schiedsspruch aufgehoben, und die Berusung der Provinz gegen diese» Urteil ist vom Obcrlandesgericht Darmstadt zurückgewiesen worden, hiergegen ist von der Provinz vorsorglich Revision eingelegt worden. Um jedoch weitere Pro- zetzkosten zu vermeiden, schlug die Provinz solgenden Vergleich vor: Butzbach bezahlt für die Dauer von zwei Jahren anstatt dem gesordcrtcn lOprozentigen Aufschlag nur 5 Prozent und beteiligt sich mit etwa der Halste an den bereit« entstandenen Prozctzkosten in Hohe von 17 500 Mark. Der Stadtrat beschloß, den Dergleichsvorschlag zunächst adzulchnen und mit der Provinzialdirektion in weitere Der» Handlungen zu treten. Gemeinderat in Büdingen. bd. (Bübingen, 22. San. Sn ber jüngsten Gemeinderatssitzung wurde bic Amtsniederlegung de« Beigeordneten Ziemer angenommen. Als Grund zu der Amtsniederlegung erklärte er, er sei der Ansicht, das) er nicht daS Dertrauen de« Bürgermeisters besitze und eS deshalb im Sntereffe der Verwaltung für besser batte, sein Amt niederzulegen. Sine nochmalige Erhöhung der Bier- und Bürgersteuer, sowie die Tinsührung der ®e» tränkesteuer zur Erlangung der Reichshilse für die Wohtfahrttlasten lehnte der Oe» in einberat ab, da eine nochmalige Erhöhung untragbar sei. Landkreis ttictzcn. ch Lich. 22.Jan. Der Hessische Landes« verein für Snnetc Mission veranstaltet in der Zeit vom 31. Sanuar dis 6. Februar in unserer Stadt eine Arbeiterschulungswoche. Sn Betracht kommen Arbeiter über 20 Sahre aus allen Lagern, nicht nur kirchlich eingestellte. Kost und Wohnung sind frei, die Teilnehmer sind Gäste der evangelischen Go- meinbeglieber in Lich Die Reisekosten werben, wenn möglich, von den Kirchengemeindcn aufgebracht. Für Arbeitslose kann beim Arbeitsamt Te e ung vom Lt.mpe.ngehen nach^esucht we.ben. s. Utphe, 21. San. Dieser Lage feierte die älteste Einwohnerin unseres Dorfes sowie des ganzen Kirchspiels LraiS-Horlosf, die Witwe Karoline Raab, geb. Momberger, ihren 9 4. Geburtstag in geistiger und körperlicher Rüstigkeit. Sie hat sechs Enkel und sieben Urenkel. Erstaunlich ist, mit welcher Frische die Greisin noch Unterhaltung pflegt und lieft. Letzte Nachrichten. Oes RrichskanzlerS Antwort an Hitler. Berlin, 23. San. (TU. Drahtmeldung.) Die Antwort des Reichskanzlers an Hitler, die soeben bekanntgegeben wird, ist 6*A Schreibmaschinenseiten lang. Der Dries besaht sich mit ban^versassungs- rechtlichen und politischen Bedenken, die Hitler gegen die Verlängerung der Amtszeit de« Reichspräsidenten geäußert hat. Der Kanzler weist daraus hin, daß es sich lediglich darum gehandelt habe, die Amtsdauer des jetzigen Rcichspräsidenten auS Gründen des Gesamtwohks des Volkes auf eine gewisse Zeit zu verlängern. Der Kanzler weist sodann darauf hin, daß eine Aenderung der Verfassung im Wege der Gesetzgebung zulässig und die politischen Argumente HitlerS unsachlich se'en.-Er betont, feine A'.re ung in derPrä id.mtfchastssrage sii a u S sch l ie ß f i ch vonüberparteilichen nationalen G e- slchtspunkten diktiert gewesen. Er müsse es ablehnen, mit Hitler in eine Erörterung von Schlagwortbegrissen einzutreten. Er müsse es ferner auffällig finden, daß Hitler die Hauptursachen der deuifchen Rot auf parteipolitische Verhältnisse zurücksührt. Rach allgemeiner Auffassung sei ein außenpolitischer Tatbestand, nämlich ber Dersai11er Vertrag mit seiner politischen unb wirtschaftlichen Ungerechtigkeit unb Unvernunft ber entscheidende Grund bet deutschen R o t. An diesem Gesichtspunkt gehe Hitler vorbei. 'Wenn er Im übrigen seine, Brünings, Anregung in ber Präsidentschaf tsfrage alseinProbuktber Angst desSystem« vor ber politischen Auseinandersetzung mit dem Rationalsozialismus bezeichne, so könne er damit Brüning und seine Mitarbeiter nicht treffen. Durch oa« Dertrauen des Reichspräsidenten auf den Poften gestellt, kenne er nur ein Ziel: Rettung bei DaterlandeS au« seiner großen Rot Der Kanzler schließt bann mit folgenden Worten: „Wir scheuen daher auch das Urteil des deutschen Bolles über unsere Maßnahmen nicht Wenn Sie die von Ihnen gewünschte Beseitigung deS herrschenden Systems als einen außenpolitischen Gewinn bewerten zu sollen glauben, -fo muß ich Shnen die Verantwortung für dielen Angriff auf eine Regierung, die alle Kraft an die Besserung ber Lage des deutschen Dolks in den kom- mendenDerhandlungenzufetzenent- schlossen ist, überlassen. Es muß Ihnen bekannt sein, wie die ganze Arbeit dieser Regierung von dem Primat ber Auhenpoli- tlk beherrscht wirb. Ebenso werden Sie auch nicht leugnen wollen, daß der außenpolitische Erfolg zum Teil durch die Geschlossen- heit bedingt ist, mit der die Ration htnterihrenUnterhändlernsteht. Sch kann nur bedauern, daß Sie selbst in dieser kritischen Lage nicht die Folgerung auS dieser Wahrheit ztehen, die sich von selbst ergibt Strompreissenkung des Lleberlandwerks Oberheffen. * Wie wir von Auftänblger Stelle erfahren, werden nach einem Beschluß des ProvinzialauSschus- ses für Oberhessen die Preise für Eick - trlzltätslleserung vom Heber land- werk Oberhessen mit Wirkung vom 1. 3a» nuar ab wie folgt gesenkt: für die Straßenbeleuchtung, den Lichtverbrauch Kleinkrast-, Heizungsverbrauch, Tarif f. HauShatt und ble Gemeinden mit eigener Viektrlziläts- wlrtschaft um je 1 Psenn ig pro Kilowattstunde. Hiernach wird sich der Strompreis für Licht verbrauch von 25 auf 24 Pfennig, K l e i n k r a f t v e r b r a u ch von 15 auf 14 Pfennig. Heizung-Verbrauch von 12 auf 11 Pfennig. Tari f für Haushalte von 12 auf 11 Pfennig pro Kilowattstunde ermäßigen. Den Großabnehmern wird die gleiche Kohlenklaufel eingeräumt, die das Ueber- landverk bei der Preag genießt. Diese Regelung bedeutet für die Großabnehmer ein Zugeständnis, weil fie seither nur eine Kohlenklausel für steigende Kohlcnpreise hat. Die finanzielle Auswirkung dieser lariffenlung bedeutet für das Ueberlandwerk Ober« heffen eine Mindereinnahme von runb 100 000 Mark jährlich. auSgabt werden: danach könne man leicht Rückschlüsse machen, in wie hohem Grade eine Einschränkung von Erholung und Zerstreuung zur Vermehrung der Arbeitsiosig e.t beitragen würde. Bei uns in Deutschland ist es noch niemals üblich gewesen, daß im Durchschnitt ein Viertel deS Einkommens für Vergnügungen unb Erholung verausgabt toirb; bei unS ist der Prozentsatz auch in normalen Zelten erheblich bescheidener Aber wir wissen doch auS der Umsatzstatistik daß de: Gesamtumsatz im Gaststättengewerbe sich in den Jahren feit der Stabilisierung ber Währung zwischen 4 bis 6 Milliarden Mark jährlich bewegt hat. ES leuchtet ohne weiteres ein, was auch bei unS der katastrophale Rückgang des Umsätze- im Gaststättengewerbe für die allgemeine Wirtschaft bedeutet: Entlassung von Ar- bc.Ultäflen, Vernichtung wirtfchasilicher Existenzen, Minderung der Bestellung bei Lieferanten aller Art, Einschränkungen der Snstandsetzungs- arbeiten usw. De. halb ,.W as Du verzehrst, gibt andern Brot!" Daraus ziehe man die naheliegenden Schlußfolge.ungen. (giefcner 'Wochcnmarttp.eisc. • Gießen. 23. San. Es kosteten auf dem heutigen Wrchenmarkt: Kochbut.er Pfund von 62 Pf. an; Butter 1,02 bi« 1,10; Matte 25 bis 32; Wtrfing 8 b.» 12: Weißkraut 7 b.S 8: Rot- kraut 8 bis 12: gelbe Rüben 10 bis 12; rote Rüben 10 b.S 12; Spinat 15 biS 20; Unter-Kohlrabi 5 bi8 b; Grünkohl 8 b'.S 10; Rosenkohl 15 b.S 22; Feldsalat 60 bis 82; Tomaten 62 bis 70; Zwiebeln 12 bis 15; Meerrettich 30 biS 60; Schwarzwurzeln 25 b'S 35; Kartoffeln 4; Aepfel 8 biS 12; Birnen 8 bi« 10: Dörrobst 30 bis 35; Enten 92 b.S 1,00; Honig 40 bis 50: junge Hähne 82 bis 90; Suppenhühner 80 bis 90; Eä.sie 90 bis 1.02; Hüffe 35 b s 40; Käse (zehn S.ück) 50 bis 1,20; Tauben Stück 50 dis 60; Eier 10 bis 11; Blumenkohl 30 bi« 70; Salat 22 bis 25; Endivien 10 bi« 15; Ober«Kohlrabi 8 bi« 10; Lauch 5 b'.S 10: Rettich 10 bi« 15; Sellerie 10 bis 40: Kartoffeln Zentner 3,00 b'.« 3.50; Weißkraut 4.02 bis 5.00; Wirsing 7,00 bi« 8,:0; Rottraut 7,00 bi« 8.02. <*örnoti|eM. — Deutscher Verband für psychische Hygiene, yn ber Vortragsreihe des Deutschen Verbände» für pfych fche Hygiene spricht am Sonntag, 24. Januar, 11.15 Uhr, Oberarzt Privatdozent Dr. A. Storch über „Die Aufbauanalyse als Weg zur Erkennung und Verhütung seelischer Krankheits- zustände'. (Siehe gestrige Anzeige.) — Der Verein für Sterbeunter- ftühung Gießen hält ain Sonntag, 31.Januar, 15 11 hr, Im „Poslkeller" seine Generalversammlung ab Nähere» ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. — Der Arbeit eß:-Gesangverein ..Eintracht" veranstaltet am Sonntag. 7. Februar. in der Reuen Aula der Universität ein Konzert. Der Ertrag der Deranstaltung soll dem Winterhilfswerk zugute kommen. Ein ausführliches Programm wird am Mittwoch im Anzeigenteil veröffentlicht. 3m übrigen fei auf die heutige Anzeige hingewiesen. ♦ • • Die Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei gewöhnlichen Preisen geössnet. " Berufs-Wettkampf. Der GDA.-Su- gendbund veranstaltet am morgigen Sonntag. 11 Uhr. im Kaufmännischen Dereinshaus an der Rordanlage einen BerufSwetttampf. an dem sich noch kaufmännische Sugendlichc beteiligen können. ES ist dabei einerlei, ob die Mannschaften für diesen Derufswettkampf durch Firmen und Betriebe, durch die BerusSschulgruppen. durch Scheinfirmen oder durch Vereine und Bünde gestellt werden. Für die Sieger sind Preise ausgesetzt. Kaufmännische Sugenoiiche, die noch bei keiner Mannschaft gemeldet sind, können sich vor dem Beginn des Wettkampfe« noch an Ort und Stelle anmelden. (Siehe heutige Anzeige.) •' Zimmerbrand. Heute gegen 9.45 Uhr wurde die Feuerwehr nach dem Hause Kreuz- Platz 13 (Meyerhofs & Goslar) gerufen. 3m zweiten Stockwerk de« rückwärtigen Gebäudes war ein Küchenbrand ausgebrochen, der von der Feuerwehr sofort cnetgifcb mit zwei Schlauchleitungen bekämpft wurde. Die unmittelbare Gefahr war schnell beseitigt. Rach kurzer Tätigkeit konnte die Feuerwehr wieder abrüden. •* Vorträge Heinrich Ogilvie. Man bc- richtet uns: 9m Hörsaal 40 der Universität hielt auf Veranlassung der Christengcmeinfchaft Gießen Heinrich Dglloie (Amsterdam) zwei Vorträge. 3m ersten Vortrag über „Soziale und antisoziale Trieb, kräfte im modernen Menschen" wie« er die Unrich- ligkeit de» Gedankens auf, daß die Wirlschaftsent- Wicklung oder ähnliche durch sich selbst seien unb so die sozialen Verhältnisse gestatteten, unb .zeigte, daß hinter chnen der Mensch jtebt, als ihr Geflatter mit feinem geistig-seelischen Wesen. Auf diese» Wesen eingehend, zeigte er weiter, wie neben sozialen Kräften, im Unterschied zu früheren Zeitepochen, auch starke antisoziale Kräfte Im Denken, Fühlen unb Wollen des modernen Menschen vorliegen. Wenn da» Denken al» intellektuelle« Denken zwar dem einzelnen Menschen die notwendige Selbständigkeit unb eigene Meinung gibt, so wirkt es auf die Gesamtheit jedoch trennend-antifozial. Und ebenso das menschliche Fühlen und Wollen. Indem ber fRebner auszcigte, wie bie antisozialen Triebkräfte im modernen Menschen ein Stufenbild innerhalb ber menschlichen Evolution barstellen, zeigte er gleichfalls konkrete Wege zur Ucberwindung btefer Stufe, au neuen sozialen Möglichkeiten. Er schilberte den Durchbruch vom intellektuellen Denken zum leben- bigen Denken unb wie» als Beispiel auf den Erfinder hin, der heute nur die sachliche Nützlichkeit seiner Erfindungen für maßgebend hält, au« einem leben- blaen Denken heraus aber auch die Wirkungen der- selben therapeutisch und sozial wird überschauen können und sich für sie verantwortlich fühlen wird. Dcm Egoismus stellte er gegenüber das wahre Ich des Menschen. Dieses hat die Fähigkeit der größten Opferkraft, sa es besteht eigentlich aus derselben. Und wie heuie schon fast jeder gezwunaenermaßen für den anderen, für alle arbeiten -muß, so wird dies aus dem wahreii Ich heraus, sinnvoll zum «selbst- Sewolltcn. Die Behandlung des Themas, die das leben der Familie, der Stände unb Klasien unb bas der Völker wiiumschloß, gab ein Verständnis für die katastrophalen Erscheinungen der Gegenwart, aber auch die Hosfnung, daß diese überwunden werden können, wenn die Losung der sozialen Frage als eine Angelegenheit des einzelnen Menschen erkannt unb von Diesem in ber gezeigten Richtung gewollt wirb. Im Aroeitcn Vortrag sprach Ogilvie über bie „Ehe als Urtatsache de« sozialen Lebens". Lpiclplan der lyranfjivter Theater. Opernhaus. Sonntag. 24. Sanuar, 15 bi« 18 Uhr: 3m weißen Röhl. 22 bi« 23 Uhr: 3m we'.ßen Röhl. Montag. 25. Sanuar, 16 bi« nach 18 Uhr: Peterchens MonbsaZrt. 20 bös 23 Uhr: 3m weißen Rößl. Dienstag, 28. Sanuar, 19.30 bis gegen 22.3) Uhr: Macbeth. Mittwoch, 27. Sanuar, 19.30 bis 22.30 Uhr: BoriS Godunow. Donnerstag, 28. Sanuar, 22 613 gegen 23 Uhr: Die verkaufte Braut. Smnstag, 32. Sanuar, 19.30 bis gegen 22.30 Uhr: Die Zauberslöte. Sonntag, 31. Sanuar, 15 bis gegen 18 Uhr: Sm weihen Rößl. 22 bis gegen 23 Uhr: 3m weihen Rößl. Schauspielhaus Sonntag. 24. Sanuar. 15 bis gegen 18 Ubr: Der Kaufmann von De- nedig. 22 bis nach 23 Uhr: Der Hauptmann von Köpenick. Montag. 25. Sanuar, 22 bis 22J0 Uhr: Fuhrmann Henschel. Dienstag. 26. Sanuar, 20 bis 23 Uhr: 3im unb 3iIL Mittwceh, 27. Sanuar. 22 b-4 22.30 Uhr: Fuhrmann Henschel. Donnerstag, 28. Sanuar, 22 dis 23 Uhr: Sim unb Sill. Frettag, 29. Sanuar, 22 bis 22.30 Uhr: Literatur Hieraus: Liebelei, ©amitaa. 32. Sanuar. 20 bis 22.32 Uhr . Fuhrmann Henschcst Sonntag, 31. Sanuar. 18.32 bis gegen 23 Uhr: Wallenstein. Kundsuntprogrannn Sonntag, 24. Januar. 7: Don Hamburg: Hasenkonzert. 8.15: Morgenfeier. Deranstattet von der Evangelischen Landeskirche Franksurt a. M. 10: Stunde des Ehor- gesangs. Dienere Volkslied-Bearbeitungen. 10.50: ..Arhythmie, Rhythmus und Klavier", Vortrag von Professor Emile Saques-Dalcroz«. 11.30: Von Leipzig: Kantate zum Sonntag „Septua- ges'.mä" von Sohanp Sebastian Bach. 12 Von Berlin: Konzert. 14.10 Stunde des Landes. 15: Stunde der Sugenb. 16: Wiesbaden: Rachmit» tagskonzert des Städtischen Kurorchesters. 18: Gedenkfeier zum 220. Geburtstag Friedrichs be« Großen. 18.40: Die Dämmerstunde. Leitung: Falke-Leonhardt. 19.32: Kammermusik. 20: Feft- faal der Liederhalle: Bunter Abend. 22.50 bis 24: Tanzmusik. Montag, 25. Januar. 7.22: Frühkonzert. 12.05: Don Berlin: Konzert. 13.05: Von Körn: Konzert. 17 05: Rachmittags- konzert be« Rundfunkorchester«. 18.40: „Eduard Manet", Vertrag zum ICO. Geburtstag dcs Bahnbrechers der modernen Malerei, von Dr. Hermann Gundersheimer vom Kunstgewerbemuseum, Frankfurt a. M. 19.05: Englischer Sprachunterricht. 19.45: Klavierkonzert Es-Dur, op. 31. 20.25: Das Atter Aleranders des Großen. Monodrama von Michael Babits. 22.45: Plitz ne r-Lieder. 21.30: „Gilbert Keith Chesterton: Verteidigung des Unsinns". Gelesen von Han« Jungbauer. 22: Zeil- bericht. ..Der Endkampf um die Reparationen". Französische Kammerdebatte. 23 bis 24: Tanzmusik. Wirtschaft Banknoten. combardzinsfuh 8 v. h. Äoini....... ©elc’d't Role»......... üflndd-f Satte......... ttnflltid't Role»......... .-rantoltid* Seien........ fcol.intt!*e Sete»........ niallent’Sr Selen........ RorroegilAe «tten....... Tnirid>Ceiirnel4k i 100 SchUUn« Rumömitfe Sott»........ ei-T-rticbe Kett»........ k Lwttzer Seit». ........ €pani|d>t Sete»......... Unflartl6f Worte ....... Reich,bankdiskonl 7 o. h. Oberdeffen. Giadirais-Gihung in Butzbach. pb. Butzbach, 21. Jan. In ber gestrigen Stadt- ratssitzung wurde an Stelle be» zum Beigeorbneten aewähltcn Stadtr^.l5-m!tqlic>s Iouß Frau Frieda Wiehler als Stadtratsmitglied eingewiesen und verpflichtet. -Tlö 58.16 79,74 14,46 16,52 169.06 21.01 78.64 2,48 89.14 81.91 35.43 Auslände des öfteren Material herausgekommen war. Die Führung hatten Reichsbankanteile, die gegen gestern zirka 4 Prozent gewannen. Die übrigen Bankaktien lagen dagegen vernachläfsigE lieber den Rahmen von 1 bla 2 Prozent hinaus waren sonst noch Dessauer Gas, IG.-Farben, Harpener, Siemens unb bie Kali- unb Elektronebenwerte gc- bessert. Auch für Farbenbond«, Reichsbahnvorzuys- akticn, Arbcb-Bonb« fetzten sich zirka Lprozentige Kursbesserungen durch. Sonst war der Anleihemarkt wieder sehr ruhig und Aiemlich vernachlässigt. Auch deutsche Anleihen hatten nur behauptete Kurse. Am Geldmarkt hielt die leichte Situation an. Frankfurt: stärkste Zurückhaltung. Frankfurt a. M., 22. San. Tendenz: unsicher, später fester. 3m heutigen telephonischen Frei- verkehr herrschte infolge der weiterhin ungeklärten außenpolitischen Lage allgemein stärkste Zurückhaltung, zumal auch sonstige Anregungen fast vol.kommen fehlten. Die S.immung war zwar leicht desestigt. doch war eine Unsicherheit unverkennbar. Rachdem im gestrigen Rach- mtttagSve.kehr bereit« k eine Kursbesserunzen zu verzeichnen waren, setzten sich auch heute morgen noch auf kleine Rachsrage aus Kundschastskretsen für Spezialwerte weitere Erhöhungen um etwa 1 Proz. durch. 3m Vordergründe des Snteresfe« standen 3G-Farben, einige Elektro- und Montanaktien, sowie Reichsbankanteile. Gegen mittag traten Schwankungen auf und die Kurse gaben meist wieder etwa- nach, doch blieben sic per Saldo gut behauptet. Am Markt der festverzinslichenWerte war bie Kurs.mlwicklung uneinheitlich. Während Reichsschuldbuchlorderungen und einige Gold- unb Liquidationspsanbbriefe, besonders wieder rheinische Werte, um etwa 0,50 bis 0,75 Prozent an- zogen, lagen Sndustrie-Ob'.igationen unb andere Papiere des Anlagemarktes nahezu gefchästslo« und eher etwas schwächer. Von deutschen Anleihen konnten sich Altbesitz zunächst etwas befestigen, gingen aber im Verlause wieder etwas zurück. DeoilenmorU Berlin — Jranffurt a. M HolzversteigerungS - Termine. Montag, 25. Januar. Hessische« fioiftamt Grünberg: Zusammenkunft bei Gastwirt Hach, Beltershain, 9 Uhr. Bürgermeisterei Gießen: Zusammenkunft: Straße nach Rubgen, 4. Schneise, 9,30 Uhr. LZochenvenchl oom Frankfurter Schlachtviehmarkt. Während in der Vorwoche am Rinder- markt noch überall Preissteigerungen um 1 bi« 2 Mark au verzeichnen waren, ergaben sich fetzt bei mcrlttch größerem Zutrieb (1855 gegen 1638 Stück) wieder durchweg Einbußen um 2 Mark. Der Handel verlief äußerst schleppend, so daß größerer Ueberstand verblieb. Lediglich bei Kühen war da« Geschäft etwa« besser: Im ganzen genommen war der Geschäftsgang unbefriedigend. Die schlechte Situation am Kälberm arkt hielt and) in dieser Woche an, wenngleich die Preisminderungen in etwas langsamerem Tempo vor sich gingen. Das Geschäft war wiederum sehr schleppend, der Austrieb mit 1599 Stück wurde nur schwer geräumt. Der Preisrückgang um 1 Mk. beschränkte sich diesmal auf die unteren Gattungen. Beste Mast- und Saugkälber blieben behauptet. Rachdem der geringere Auftrieb in der Vorwoche am Schafmarkte eine Besserung der Notierung um 2 Mark bewirkte, übte der wesentlich höhere Zutrieb im Laufe dieser Woche einen Druck aus, so daß die Preise um 1 Mark nachließen. Der Marltvcrlauf war langsam. Die Dc- schickung mU 516 Stück wurde unter Konzessionen der Händler geräumt. Die Situation auf dem Schweinemarkt war weiterhin schlecht. Trotzdem die Deschicttmg in dieser Woche mit 5822 Stück um etwa 702 Stück geringer war, konnte sich keine Erholung des Preisniveaus herausbilden. ‘Bei schleppendem Handel und um etwa 1 bis 2 Mark nachgebenden Preisen verblieb immer noch Ueberstand. 3n einzelnen notierten pro Zentner Lebendgewicht in Mark. Ochsen al) 29 biS 31. a2) 25 bis 28, bl) 22 bi« 24; Bullen a) 25 bis 29, b) 20 bis 24; Kühe a) 22 bis 25. b) 18 bi« 21, c) 14 bi« 17; Färsen a) 29 bi« 31. b) 25 bi« 28, c) 22 bi« 24; Kälber b) 35 bis 42, c) 32 bis 34, d) 26 bis 29; Schafe al) 24 bi« 27, b) 18 bis 23; Schweine b) 33 bis 40, c) 37 bis 40, d) 38 biS 40, e) 34 bis 38. f) und g) nicht notiert. Festigkeit in Berlin. Berlin, 23. Januar. (WTB. Funkspruch.) Die Festigkeit, bie in ben gestrigen Abendstunden feftjuftiUcn war, übertrug sich auch auf ben heutigen Wochenschluß. Für einen Samstag fetzte bas Geschäft fogar jchon verhältnismäßig sehr früh ein, wobei nicht nur Deckungen ber Kulisse, fonbern auch reguläre 'Anlagekäufe zur Ausführung kamen. Bei biesen hanbelte es fid) weniger um eine Flucht in ble Sachwerte, als um Verkäufe in Erwartung ber Anlagen aus ben S t i l l h a l t e g e l- b e r n. Obwohl erst heute nachmittag die genauen Einzelheiten zur Veröffentlichung kommen sollen, will man doch schon wissen, bah ein Teil der Schwei- zer Vorschläge, nämlich daß bie ungeschützten Lar- krebite auf fünf Jahre in Deutschland angelegt wer- ben müßten, bei ben Derhanblungen Berücksichtigung gefunben Hal. Auch bie politischen Ausjich' t e n wurden weiter optimistischer beurteilt, ba man glaubt, baß Frankreich als Cchulbner bie Feinbseligleit am Geldmarkt Amerika gegenüber nichr lange aufrechterhalten wirb. Gestern waren allerdings bie Golbabzüge in Neuyork roicber recht beträchtlich. Anberseits kommt in ber Reise Lavals nach Lonbon zum Ausbruck. baß Frankreich erneut Fühlung zu nehmen versucht. Lebhaft erörtert würbe heute außerdem in ben Bankburcaus noch bie Verhaftung einiger Bankiers auf ©runb ber angeblichen Devisen- schiebungen. Auch biese Maßnahmen trugen zweifelsohne zu ber festen Stimmung bei, ba ber Markt im Moment keine Angst mehr vor Verkäufen irregulärer Effektenpa - kete zu haben braucht. Da« Interesse konzentrierte sich heute baher auf solche Werte, in benen vom 5 -tritt 4.22 53,70 80.06 14.52 13.58 169.74 21.09 71,96 2,50 11,16 12.23 35.57 22 Januar 23 Januar «mlhAe Hetimmg Umtlidx Sotitnuu :r. — daS wissen wir! Aber sparen am fa.schm Platz ist Verschwendung. Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden, — heißt heute die Parole des erfolgreichen gebend fünft- lerS! — Nachfolgend veröffentlichen wir einige Antworten auf unsere Umfrage. .Woraus möchten Sie trotz gekürzt, m Sin* kommen nicht verzichten?' „Kleider machen Leute . . .* Paul M., kaufmännischer Angestellter: Vei meinem gekürzten Einkommen bin ich schon genötigt, meinen Ausgabeetat vernün tig zu or* aanisiercn, d h. — dos Angenehme mit dem Nütz* lichen zu verbinden. .Wie machen Sie eS eigentlich, dast Sie bei Ihrem Einkommen immer so elegant aussehen?", diese Frage begegnet mir auf Schritt und Tritt. Und tatsächlich, — das ist nun mal mein Steckenpferd! Kleider machen Leute, — heute mehr denn je! Sehen Sie, ich bin für meine Firma den ganzen Tag auf Trab zur Kundschaft und zu Behörden. Wissen Sie. w.e schwer daS heutzutage ist, zu dem Gewaltigen Überhaupt nur vorgelassen zu werden? Und wenn ich mich da in einem ver* sch'isfencn und schlecht sizen^en Anzu-e melden lasse, dann ist es schon von vornherein Essig! Das 21u, treten und Aussehen macht viel mehr aus, als die meisten Leute denken. Das ist auch im Bureau nicht viel anders, unwillkürlich wird der Chef von der äustcren Erscheinung beeinflußt, — was man ouS sich macht, das ist man! Und da ist bei unS Herren der Schöpfung doch das Ausschlaggebende die Kleidung, der Anzug und der Mantel! Und wenn man die Sache richtig ansastt und organisiert, ist sie gar nicht so teuer, wie die Leute glauben. Für meinen Kleideretat, an dem ich nicht rütteln lasse, lege ich eisern jeden Monat den errechneten Durchschnittsbetrag zurück. Und dann lasse ich mir regelmäßig einen wirklich anständigen Anzug bauen, oder nehme erstklassige Konseklionsware: sehen Sie, fo schicken Schnitt, und da, suhlen Sie mal, gutes deutsches Tuch, — dos hält nämlich genau so gut wie englisches! — das Ding must natürlich sitzen wie angegossen, dos ift erste Forderung! Und dafür trage ich meine Anzüge auch bedeutend länger o's die Leute, die gar keinen Wert auf ihre Kleidung legen. Ich sage immer: Lieber einmal weniger im Magen, do kann keiner reinschauen. Kann er aber bei meinem Anzug durch die Fäden durchschen, dann schaffe ich bestimmt nichts, weder geschäftlich noch privat, — nein, auch nicht bei den Damen: jawohl, ich bin Junggeselle! Körperpflege ist kein Luxus! Hertha L, Sureauvorsteherin-. Ich bin eine firau, eine richtige Frau, — also habe ich dos Bedürfnis, gut auszusehen. Ich gebe zu, dast ich trotz aller Sparsamkeit für mein Aeusteres im Verhältnis zu meinem Einkommen viel Geld auswende. Dafür gibt es auch zu House reichlich Spott und Vorwürfe: Verschwendung, Eitelkeit, äußerlicher Mensch usw. läßt mich ziemlich kalt, denn ich weist worum! Do verzichte ich auch nicht, — ich benutze ein anständiges Haarwasser, gute Seife, eine feine Hautcreme, sogar zweierlei, meine Fingernägel werden bestens gepflegt, ich gehe regelmäßig zu einem Gymnastikkurs usw. Als bei mir der Gehaltsabbau kam, habe ich mich in vielem beschränkt — ich komme auch mit meinem Geld auf den Pfennig aus und habe nie Schulden — aber auf meine Körperpflege stoill ich nicht verzichten! Das kann sich eine Frau von heute einfach nicht leisten: sieht sie gut aus, gepflegt, gesund, frisch. — wird sie eben im Berus bevorzugt! Das ist nun mal fo. Hnb ganz besonders, wenn man älter wird, da ist die Körperpflege ein gutes Dorbeugungsmittel, denn man braucht in der heutigen Zeit feinem Chef durch die Runzeln das Lebensalter nicht gerade aufs Butterbrot zu schmieren. Würde ich mich vernachlässigen, und auf meine .2ieb- hoberei". wie sie zu Haufe genannt wird, verzichten, dann würde ich mich jetzt und für die Zukunft dem Lebens- und Derufskampf einfach nicht gewachsen fühlen? 6m kluger Geschäftsmann! Hermann H Inhaber einerEmzelha delsflrma: Wenn Sie mich fragen, worauf ich persönlich trotz reduziertem Einkommen nicht verzichten möchte, w.rd Sie wohl me n Privatleben weniger interessieren, denn dos ist ja bei einem Geschäftsmann des Jahres 1932 ziemlich uninteressant! Wer geschäftlich bin ich tatsächlich in der Branche für mein .Steckenpferd' bekannt und sogar in letzter Zeit wieder — häufig kopiert! Schon als die Wirtschaftskrise anfing, sich auszuwirken, habe ich mir, wie alle Geschäftsleute, gesagt: Es muß etwas geschehen! Aber was? Bei vielen meiner Konkurrenten begann damals ein panischer „Run" auf das sogen, Un- kosten- und Werbungskonto Ich sagte damals, denn inzwischen haben auch viele andere schon das eingesehen. was ich mir pon vornherein mit Papier und Bleistift ausrechnen konnte. Die Rechnung mit dem Runterdrücken der Propagandaausgaben, noch mehr Personaleinschränkung. Privat- ausgaben weiter drosseln, — vorausgesetzt, daß sie immer bescheiden waren, — Die Rechnung 9 e h t nie auf! Da muß man eben grade in Zeiten solchen Wirrwarrs den kühlen Kopf und die Tlerven aufbringen, umgekehrt zu fragen: Woran darfst Du unter keinen Umständen sparen? Und darauf lautete damals wie heute meine Antwort: An den Werbekosten, an der A e k l a m e! Jene Neunmalklugen haben mich damals für verrückt gehalten, als ich meine Inseratenaufträge bei den Zeitungen nicht nur in gleichem Maße wie in normalen Zeiten durchhielt, sondern sogar noch stärker heranging. Aber, was für den Kaufmann da« Wichtigste ist. — der Erfolg gab mir recht! Ich habe mir eben von vornherein gesagt: Wenn eine Verringerung des Un- kostenkontoS den Laden einfach nicht schme.ßen kann, dann muß eS eben der notwendige Um - s a h schassen, und den erreicht man eben nur durch gute, zielbewuß e und auSda c n e Reklame. ^aS ist ja auch ganz klar: bei schlechten Zeiten muß man die Anstrengungen verdoppeln um den Umsatz zu halten. 3c schwerer sich der Käu er zu Ausgaben entschließen kann, desto mehr muß man ihm nachhcllen. Womit? Nur mit guter, wirkungsvoller Reklame!! Was der Mensch braucht, muß er haben! W. M, ein bekannter SchrWeller: VfB-Gießen. Hessen 09 in Gießen zu Gast. Die Ligamai .chast des DfB. empfängt am Sonn- tag auf dem Waldsportplatz die Liga von Hessen 09 ä"?' Derbandsspiel. Die Gastmannschaft konnte sich auf Grund ihrer Leistungen bis jetzt in der Spitzcn- gruppe halten. Die Ergebnisse, die die Hessen in den letzten Derbandsspielen erzielten, sind durchaus beachtenswert. Vor kurzem siegten sie über Ockers- Ijaufen mit 7:1 Toren. Gegen Kurhesfen Marburg verloren sie nur knapp mit 3:2 und gegen Borussia Fulda vermochten sie das ehrenvolle Ergebnis von 3:1 (für Fulda) zu halten. Man wird damit rechnen müssen, daß die Hessen-Mannschgft den VsBem den Kampf nicht leicht macht. Der Papierform nach dürsten zwar die Gäste als Sieger zu erwarten sein, aber die zuletzt gezeigten Leistungen der Hiesigen im Spiel gegen die Kurhesfen Mar- bürg berechtigen doch dazu, der VfB -Elf einige Chancen zu geben. Das Feldspiel, das im Spiel des vergangenen Sonntags gepflegt wurde, die eifrige Arbeit der Läuferreihe, die Widerstandskraft der Verteidigung sollte dem Sturm endlich Ansporn dazu sein, seinerseits alles Können aufzubieten, und Tore zu machen. Wenn auch dem Abstieg nicht mehr zu entgehen ist, fo sollte sich die Mannschaft wenigstens einen guten Abgang verschaffen, der beweist, daß die Zugehörigkeit zur Bezirksliga zu Recht bestand. Die Elf tritt in folgender Aufstellung an: Balser: Leutheuser, Henrichs (oder Schneider): Schmidt, Kreß, Feuster: Lehrmund, Wlodarcck, Haupt, Köhler, Bärenfänger. Man versucht es also mit weitgehender Umstellung. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein. Bingel kann noch nicht dabei fein. Er vertritt am Sonntag den Verein als Tormann der Handballmannschaft im Spiel gegen Wieseck. Die zweite Mannschaft tritt in Wetzlar der spielstarken zweiten Mannschaft des Sportvereins Wetzlar gegenüber. Der Ausgang des Kampfes ist offen. Auch der Ausgang des Spieles der dritten Mannschaft gegen die erste von Niederweisel (in Niederweisel) ist kaum vosherzusagen. Spielvereinigung 1900 Gießen. 1900 (Liga) — Wiesenbach (Liga). Die Mannschaft von Wiesenbach, eine faire und nicht unsympathische Elf, weilt am morgigen Sonntag auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe -u Gast. Die Gäste stellen eine sehr eifrige Mannschaft. Die technische Durchbildung des einzelnen, wie der ganzen Mannschaft dürfte an die der 1900er zwar nicht ganz heranreichen. Der Spielaufbau ist weniger systemvoll als rationell. Druck- voller spielen die Gäste auf das Tor und andererseits wird zielbewußt verteidigt: die ganze Spiel- weise ist natürlicher, unverbildeter, weniger überspitzt und unkomplizierter als die der Blauweißen. Das alles sind Eigenschaften, die zusammengesaßt unter dem leidenschaftlichen Eifer zur beachtenswerten Waffe werden. Die 1900er werden das zu berücksichtigen haben. Das Vorspiel wurde von den Blauwcißcn in Wiesenbach mit 5 1 gewonnen. Die Gießener haben in der letzten Zeit und in verschiedenen Spielen gute Leistungen gezeigt. Auf eigenem Platze sollten sie daher einen Sieg erringen, der sich nicht auf unsichere Komponente stützt, sondern einer guten Gesamtleistung zu verdanken ist. Die Dlauweißen spielen in der Aufstellung des Dorkonntags. Die Ligareserve tritt gegen die 1 Mannschaft von Steinbach an. Der Mannschaft gelang es bisher noch nicht, in Steinbach siegreich zu sein. Der dortige Platz hat seine Tücken. Allerdings scheint auch Steinbach zur Zeit nicht in bester Form zu sein. Die Reserve tritt ersatzgeschwächt an. Der Ausgang des Kampfes ist offen. Die 3. Mannschaft ist spielfrei. Die 4. Mannschaft gastiert voraussichtlich in Garbenteich. Garben* tcich ist zu Hause und auf eigenem Platze gefährlich. Ein Sieg der Blauwcißcn ist, obwohl sie komplett antreten, durchaus nicht sicher. Die 5. Mannschaft wird in Muschenheim zu Gast sein. Das Vorspiel wurde 3:0 gewonnen. Der Sieg sollte auch diesmal nicht in Muschenheim bleiben. Die Iugendmannschaften pausieren noch. FE ^Teutonia^Wahenbom-Sieinberg Die 1. Mannschaft A-®ruppenm»ifter! Die erste Mannschaft der Teutonen sicherte sich durch einen überlegenen 13:l-Scg über Stern- bachs 1. Elf endgültig die Meisterschaft der A- wohnheit...", .Mit etwas Energie könntest Du Dir das Rauchen leicht abgcwöhnen ..." Ich denke aber gar nicht daran, diese Energie aufzubringen, einmal, weil ich diese Genus c zu meiner Arbeit unbedingt brauche, — und sodann, wo steht geschrieben, daß man grade in unfern miesen Zeiten auf das verzichten soll, wa- einem Anregung und Freude bietet? Timgekehrt ist s rich.iger! Am Samslagabend ausgehen... £iefel H, 20-jäbr ge Stenotypistin: Ich bin wirklich ein anspruch-lofeS Mädchen und kein bißchen neidisch aus meine Freundinnen, die sich mehr leisten können. Aber ganz ehrlich getagt, daraus möchte ich nicht verzichten: Am Samstagabend will ich auSgehcn, da möchte ich in einem guten und netten Lokal lustig fein. Da will ich mich auch ein bißchen fühlen, daß ich jung bin! DaS kostet doch heute bei dem Preisabbau in den Lokalen so wenig, eine Tasse Kaffee oder eine Limonade. — das kann selbst ich mir leisten. Vein, — auf dieses Ausgehen, auf diesen luftigen. vergnügten Abend im Kino oder Theater am Samstag möchte ich nicht verzichten, es muß ja für die gaiuc lange Woche reichen! Da hat man dann e.ne schöne Erinnerung, und vom Mitt* woch ab freue ich mich schon wieder auf den näch* ft en. Es arbeitet sich auch viel besser, wenn man weiß, daß am Wochenende wieder ein wenig Freude wartet. — So einfach und leicht ist daS heutzutage nämlich nicht für ein junges Mädchen. Tag für Tag acht biS neun Stunden an der Schreibmaschine zu sitzen. Will eS dann gar nicht mehr gehen, dann denkt man an das Wochenende und schon fällt die Arbeit leichter. Lind vielleicht — waS kann man wissen? — ftnbe ich einmal dabei den Richtigen, der mich heiratet... Dann ade. liebe Schreibmaschine, denn auf die kann ich. wenn es sein muß, — verzichten! Gruppe. Während der ersten zehn Minuten sah man einen äußerst flotten Kamps. Der Tabellen* letzte versuchte, den Einheimischen den Sieg schwer* zumachen. Ein verwandelter Handelfmeter ergab das erste Tor Wißmar, 21. Ian. Aus der Gemeindevertretung: Auf Antrag des Jagdpächters um Ermäßigung der Jagdpacht wurde beschlossen, daß der Gemeindevorsteher mit ihm über die Höhe der Ermäßigung verhandeln soll. — Der Antrag des Erwerbslosen-Ausschusses auf kostenlose Lieferung von 2 Raummeter Holz wurde zurückgezogen, dagegen wurde der Finanzausschuß beauftragt. Vorschläge für eine Verbilligung des Strompreises und der Zählermiete vorzulegen. △ Niederkleen. 22. Jan. Auf dem hiesigen Standesamt wurden im Jahre 1931 beurkundet: 23 (25) Geburten. 17 (13) Heiraten und 17 (18) Sterbefälle. Die in Klammern gesetzten Zahlen stellen die Eintragungen des Jahres 1930 dar. I Niederkleen, 22. Jan. Der hiesige Gesangverein kann in diesem Jahre auf sein 40jahriges Bestehen zurückblicken. In der Generalversammlung wurde beschlossen, das Jubiläum am 12. Juni festlich zu begehen. Kreis Biedenkopf. ± Waldgirmes. 21. Jan. Bei der diesjährigen ersten Brennholzversteigerung wurden folgende Preise bezahlt: 2 Raummeter Buchenscheit 21 bis 23 Mark, Knüppel 11 bis 14 Mark, 8 Meter Buchenschlaghaufen 14 bis 16 Mark. Aft- reifer 8 bis 10 Mark, je 2 Raummeter Eichenscheit 16 bis 18 Mark, Knüppel 6 bis 8 Mark. Dillkreis. U Eisemroth. 21. Jan. Bei der diesjährigen Gemeindeholzversteigerung rour- den verhältnismäßig hohe Preise erzielt. Es kostete der Raummeter Buchenscheit 7 bis 8 Mark und mehr, Knüppel 4,50 bis 6 Mark und Reiserknüppel 2,50 bis 3 Mark. Kircklicke Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 24. Januar. Septuagesimae. Stadtkirche. 9.30 Uhr: Missionar Laut; 11: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde, Missionar Laut; 17: Pfarrer Becker. — Johanneskirche. 9.30: Pfarrer Ausfeld; zugleich Militärgottesdienst; 11: Kinderkirche für die Johannesgemeinde, Pfarrer Ausfeld; 17: Pfarrer Bechtolsheimer; 20: Bibelbesprechung, Pfarrer Müller. — Kapelle des Allen Friedhofs. Kirchenoisitation durch Dekan Guhmann; 9.30: Pfarrer Lenz; 11.15: Kinderkirche für die Luthergemeinde, Pfarrer Lenz. — Elisabelh-Klein- kinderschule. Kirchenvisitation durch Dekan Gußmann; 15.45: Kinderkirche für die Petrusgemeinde, Pfarrer Lic. Waas; 17: Pfarrer Lic. Waas. — Klein-Linden. 11: Kindergottesdienst; 13.30: Hauptgottesdienst. —- Wieseck. 9.45; 11: Kinderkirche. — Kirchberg. 10; 13.30: Lollar. — Atten-Duseck. 10; 13: Trohe. — Hausen Garbenleich. 10: Garbenteich; 13: Hausen. — Watzenborn-Steinberg. 13: Haupt- gottesdienst; 14: Kindergottesdienst. — Grüningen. 10: Hauptgottesdienst. — Lick. 10: Stiftsdechant Kahn; 12.45: Kindergottesdienst; 14: Stistspfarrer Draudt. katholische Gemeinden. Samstag, den 23. Januar. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, den 24. Januar. Septuagesima. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe, Kommunion der Frauen; 8: Äonimunion; 9: Hochamt mit Pre- digt; 11: Messe mit Predigt; 17.30: Andacht. — Echzell. 11: Hochamt mit Predigt. — Grünberg. 9 45: Messe mit Predigt. — Hungen. 9.30: Hochamt mit Predigt und Christenlehre. — Lich. 7.30 Hochamt mit Predigt; 20: Christenlehre und Andacht. — Lollar. 8.45: Messe mit Predigt. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. Montag, den 25. Januar. Laubach. 7.30 Uhr: Messe. Mittwoch, den 27. Januar. Hungen. 7.15 Uhr: Messe. Sonntagsdienst d. Slerzte u. stlvotheken am 24.1.32 Dr. W. Klein. Dr. Meyerboff. Hirschavotheke. Zahnarzt: Dr. Breuning. 0 J Alt werden und doch jung bleiben! Gerade heute, wo die meisten Menschen bis ins Alter beruflich tätig sein müssen, ist das Sichgesund- und Sichjung- erhalten eine Lebensfrage. Die Alterskrankheit ist die Arterienverkalkung. Auf einem von den gewöhnlichen Mitteln abweichenden Prinzip beruht Radio- sclerin, ein seit Jahren klinisch erprobtes Vorbeugungsmittel gegen Arterienverkalkung und deren Folgen, das reinstes Radiumsalz enthält. Literatur mit wissenschaftlichen Abhandlungen und Probetabletten kostenfrei durch Hersteller: Radiosclerin G. m. b. 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Januar 1932, 9Yt Uhr beginnend, aus den Abt. 7, 14a, 15b, 16 und aus dem Philosophenwald, Försterei Rödgen: 33,0rm Eichescheiter 1. u. 2. Kl.; 41,3 „ Kieferjcheiter 1.Kl.; 121,3 „ Eicheknüppel; 239,3 „ Kieferknüppel; 1,6 „ Fichtereisig 1. Kl.; 410 Wellen Eichereisig 2. Kl.; 750 Wellen Kieferreisig 2. Kl.; 2,7 rm Eichestücke. Das Holz aus der Abt. 7 und aus dem Philosophenwald wird nicht vorgezeigt. Zusammenkunft: Straße nach Rödgen — 4. Schneise. B. Mittwoch, den 27. Januar 1932, 9% Uhr beginnend, aus den Abt. 60c, 66, 69 u. 70 des Stadtwaldes. Försterei Gießen: 8,0 rm Buchescheiter 1.Kl.; 66,7 „ Kieferscheiter 1. Kl.; 17,8 „ Bucheknüppel; 47,5 „ Kieferknüppel; 1120 Wellen Buchereisig 3. Kl.; 200 Wellen Eichereisig 3.Kl.; Zusammenkunft: Licher Straße — 4. Schneise. C. Freitag, den 29. Januar 1932, 9% Uhr beginnend, aus den Abt. 27d u. 54 des Stadlwaldes, Försterei Rödgen: 135,8 rm Buchescheiter 1. Kl.; 3,9 „ Buchescyeiter 2. Kl.; 35,7 „ Eichescheiter 1. Kl.; 2,0 „ Eichescheiter 2. Kl.; 22,5 „ Bucheknüppel; 33,6 „ Eicheknüppel; 3,7 „ Lärche- u. Fichteknüppel; 1265 Wellen Buchereisig 3. Kl.; 225 Wellen Eiche- u. Hichtereisig 2. Kl.; 27,3 rm Buche- u. Eichestöcke; 46 Fichtederbstangen 1. u. 2. Kl.; 108 Fichtederbstangen 3. Kl.; 79 Fichtereisstangen 4. Kl. Zusammenkunft: Alter Anneröder Weg — 8. Schneise Gießen, den 21. Januar 1932. Bürgermeisterei Gießen. ________I. B.: Or. R o s e n b e r g.________ Jagd-Verpachtung. Freitag, den 29. Januar 1932, abends 8 Uhr, soll die hiesige Gemeindejagd auf 6 Jahre verpachtet werden. Der Jagdbezirk umfaßt die ganze Gemarkung, zirka 1600 Morgen groß, besteht größtenteils aus Feldjagd, jedoch ist die Waldjagd, obwohl ein kleiner Teil, sehr gut. Bahnstation Dutenhofen ist in 10 bis 15 Minuten erreichbar. Die Verpachtung findet im Alten Schulsaale bei der Bürgermeisterei statt. Die Bedingungen können dort eingesehen werden. 597D Mendorf a. d. Lahn, 22. Januar 1932. Hess. Bürgermeisterei Allendorf a. d. Lahn. __Volk.____________ Jagd-Verpachtung. Die Feldjagd der Gemeinde TNaulbach (Kreis Alsfeld) soll am 1. Februar d. I., nachmittags um 1 Uhr in der Wirtschaft von Wilhelm Stroh auf weitere 6 Jahre verpachtet werden. 596V Maulbach, den 16. Januar 1932. Hess. Bürgermeisterei Maulbach. Stumps. Brenn- und Nutzholzversteigerung im Gemeindewald Langsdorf. In den Distrikten Alter Heegwald, Rudels, Kuhloch, Stockwiese, Liebfrauenberg und Gerhardswiese werden nach vorheriger Zusammenkunft am Waldeinaang der Provinzialstraße Langsdorf—Nieder-Bes- singen am Mittwoch, dem 27. Januar 1932, vormittags 9Yi Uhr, versteigert. Brennholz: Scheiter rm: Buche 1. Kl. 204,3, Buche 2. Kl. 2,0, Hainbuche (rund) 12,80, Aspe 2,4, Kiefer 3,7, Fichte 2,7; Knüppel rm: Buche 24,2, Hainbuche 34,0, Eiche 121,8, Kiefer 3,5, Lärche 1,5, Aspe 1,7, Fichte 8,6; Reisig rm: Buche l.Kl. 17,3, Eiche l.fil. 8,7, Eiche 2. Kl. 20,0, Aspe 2. Kl. 6, Buche 3. Kl. 59. Schlagräumungen der betreffenden Abteilungen. 585V Nutzholz: Stämme Eiche: l.Kl. = 0,96 fm (Deichseln 5 St.), 2. Kl. - 9,5 km, 3. Kl.-4,8 im; Kirschbaum 2. Kl. = 0,46 fm; Lärche lb-Kl. = 0,32 fm; Kiefer lb-Kl. = 0,25 fm; Abschnitte Fichte: 3a-Kl. - 1,43 fm, 4b°Kl. -1,88 fm; Stämme Fichte: la-Kl. -- 8,39 fm, lb-Kl. = 18,63 fm, 2a-Kl. = 7,69 fm, 2b-Kl. = 1,01 fm; Nutzscheiter Eiche: 19 rm (Gartenpfosten, 2,2 m lang), 2 rm (Wagnerholz, 10 St., 1,25 m lang); Nutzreisig Fichte: 6rm; Derbstangen Fichte: l.Kl. = 238 St., 2.Kl. = 263 Stück, 3. Kl. 437 Stück; Reisstangen: 5. Kl. (Bohnenstangen) = 328 Stück. Günstige Zahlungsbedingungen. Langsdorf, den 21. Januar 1932. Hessische Bürgermeisterei Langsdorf __________Kneipp.__________ Iagd-Berpachmnq. Die Gemeinde Rödgen (Kreis Gießen) verpachtet Dienstag, den 26. Januar, nachmittags 6/ Uhr, in dem Gemeindesaal die ihr zustehende Jagd auf 6 Jahre. Die Gemarkung umfaßt 375 Hektar Feld und 70 Hektar Wald. Weitere Bedingungen werden bei der Verpachtung bekanntgegeben. 560V Rödgen, den 22. Januar 1932. Hess. Bürgermeisterei Rödgen. _________Wagner._________ Jagd-Verpachtung. Die Feldjagd der Gemeinde Merlau soll am 30. Januar 1932, nachmittags 2 Uhr, in der Wirtschaft Hörle in zwei Abteilungen oder im ganzen verpachtet werden. Daran anschließend wird die Feldjagd der Gemeinde Kirschgarten verpachtet. 559V Merlau, den 21. Januar 1932. Hessische Bürgermeisterei Merlau. __Hochendörfer.________ Jagd-Verpachtung. TUontag, den 1. Februar 1932, nachmittags VA Uhr, soll auf dem Rathaus die der Gemeinde Leihgestern zustehende Jagd, bestehend aus zirka" 800 Morgen Wald und zirka 3000 Morgen Feld auf weitere 6 Jahre verpachtet werden. 579V Leihgestern, den 21. Januar 1932. Bürgermeisterei. Vergebung von Straßenunterhaltungsmaterial. Auf Grund der Reichsverdingungsordnung soll nachstehendes Material für Unterhaltung der Provinzialftrahen im Rj. 1932 nach Losen getrennt frei verwen- dungsstelle vergeben werden: 489V 26 000 cbm Unterhaltungskleinschlag aus Hartbasalt, 9 000 cbm Bindematerial (Splitt, Kies, Sand). Angebotsvordrucke sind, soweit Vorrat reicht, nur bei unseren Bezirksbaubeamten: Enders in Gießen (Rodheimer Straße 41), Kaletsch in Lich, Schmier in Laubacy, Kahlenberg in Homberg (Oberh.), Walter in Alsfeld, Bammel in Lauterbach, Römer in Nösberts, Rückert in Schotten, Brenner in Nidda, Schött in Büdingen, Fiedler und Sckilv in Friedberg und Phul in Butzbach erhältlich, woselbst auch die Bedingungen offen liegen. Die Angebote sind bei den Vezirksbau- beamten bis zum Eröffnungstermin Mittwoch, dem 10. Februar 1932, vormittags 11 Uhr, verschlossen und postfrei, mit entsprechender Aufschrift versehen, einzu- reichen. Zuschlagsfrist 4 Wochen. Gießen, den 18. Januar 1932. Provinzialdirektion Oberhessen. Tiefbau. | Die letzten $3* „ Solzverstmerungen ~ £ der Fürst zu Solms-Lichschen ST Oberförsterei Lich. v 3 Montag, 25. Januar: Schwarz- 2- wald-Haler, 10 Uhr: Alte Gieße- ner Straße, Waldeingang bei TN Steinbach: rm Scheitholz Buche » I 416, Eiche 20, Fichte 10; Knüppel e Buche 273, Eiche 25, Fichte 4; 9 Stockholz Buche 31, Eiche 7; Reis- Holz (Wellen) Buche 6280, Eiche | _<*> 150 (dabei die besten Forstwellen o des Jahres); Nutzholz: fm Schnitt- U Cfc Holz Eiche (3. und 4.) 3,24, Fichte £ (2b—3b) 18,61; Stammholz Eiche 3 1 (1. und 2.) 3,10, Hainbuche 1,28; 3 1 rrn Gartenpfasten Eiche 4, Schicht- *** Haufen Fichte 7; 1570 Bohnen- Ö* L stcmgen. 482V SL. -21 Bienstag, 26. Januar: Hard: 10 Uhr: Waldeingang oberhalb । •ä Kolnhausen: rm Scheitholz Buche * 91, Eiche 4; Knüppel Buche 26, .d Eiche 6, Fichte 10; Stockholz Buche «. _ 22, Eiche 4; Reisholz (meist gute C Forstwellen): Buche 4070, Eiche O 9 470. Nutzholz: fm Schnittholz Z. so Eiche A (3. und 4.) 2,51; Stück -t: *£> Derbstangen Fichte I. 80, II. 160, <&• o III. 100, Bohnenstangen 630; meh- rere hundert lange Stangen in 5 Schichthaufen: 81 rm. | Mittwoch, 27. Januar: Erles- 9r berg-häuserderg, 10 Uhr: Straße H _. Lich—Nieder-Bessingen: rm Scheit- w? Holz Buche 14, Eiche 5, Kiefer o (Anmachholz) 14; Knüppel Buche 6, Fichte 4; Nutzholz: Lange, schleu- "X* nige Derbstangen in Schichthau- ■%* S fen: 60 rm u. 30 St., Bohnenstan- . , § gen 200 St., rm Eiche-Pfosten S (Wagnerholz) 2, Kiefer (2,5 Meter r» lang) 2, __________________ Brennholzversteigerung Dienstag, den 26. d. M., von vormittags /L10 Uhr an, kommen in den Waldungen der Gemeinde Beuern folgende Holzsortimente zur Versteigerung: 574V Distrikt Mark und Heegstrauch. Scheiter Buche 559 rm „ Eiche 87 „ Knüppel Buche 64 ,, „ Eiche 54 „ „ Kiefer 30 „ „ Fichte 170 „ Reiser Buche 485 „ ,, Eiche 100 „ Stöcke Buche 165 „ _ . ,, Eiche 71 „ Zuiammenkunft vormittags YAO Uhr auf der Kreisstraße Beuern—Allertshausen am Waldeingang. Beuern, am 21. Januar 1932. Bürgermeisterei Beuern. _________Linden st ruth,_________ Fagd-Berpachfung. Freitag, den 29. d.M., nachm. 2 Uhr, wird aus dem Bürgermeistereibureau die der Gemeinde Geilshausen zustehende Jagd in zwei Teilen auf weitere 6 Jahre verpachtet. Die Gemarkung umfaßt zirka 725 Hektar Feld und 136 Hektar Wald. Nähere Bedingungen werden im Termin bekanntgegeben. 414V Geilshausen, den 20. Januar 1932. Hessische Bürgermeisterei Geilshausen. Wagnr». 84 Deutschland meistgekauften Mischfutter sind., XaSr 0< S.Ntun lM^Dern.chei MM