5 Nr. 249 KvübauSsaVe 182. Jahrgang Samstag, 22. Moder 1952 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen druck und Verlag: vrühl'fche Univerfitäts-Vvch- und Zteindruckerel R. Lange in Stehen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrift 20° „ mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein undfür denAn- zeigenteil i. D.TH.Kümmel sämtlich m (Rio ei Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernfprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Eiehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. ELporlwirtschast und Binnenmarkt. Der Reichsbankpräsident Dr. Luther ist in seiner im Hamburger Liebersee-Club gehaltenen Rede mit großem Rachdruck auf eine Pflege des deutschen Exports und gegen alle autarki,chen Bestrebungen eingetreten. Er wies dabei besonders auf die geschichtliche Entwicklung in der Vorkriegszeit hin, in der das deutsche Volk durch die Versorgung fremder Markte mit Veredelungserzeugnissen, also mit Qualitätswaren seinen volkswirtschaftlichen Wohlstand wesentlich verbessern konnte. Es ist ferner sicherlich zutreffend, daß, wie Dr. Luther ausführte, eine Schrumpfung des Exports auch die für den inneren Markt tätigen Wirtschaftsunternehmungen schwächen und teilweise sogar ihrer Existenzgrundlagen berauben würde. Soweit also Dr. Luther auf die Gefahren eines deutschen Zurückziehens aus der Exportwirtschaft hinwies, wird ihm jedermann zweifellos beistimmen müssen. Aber vermutlich hat der gcnius loci, an dem er sprach, den Reichsbankpräsidenten veranlaßt, allzu ausschließlich auf die eine Seite des Exportproblems hinzuweisen. Man darf jedoch, wenn man die Lage der Dinge, wie sie sich in Deutschland entwickelt hat, richtig würdigen und darstellen will, auch eine andere Seite nicht außer acht lassen. In ■bei' Vorkriegszeit ist Deutschland allerdings in steigendem Maße zu einem Lande geworben, das vom Export von industriellen Qualitätserzeugnissen lebte und seinen Wohlstand dadurch ständig vermehrte. Der Weltkrieg hat diese Entwicklung vom Agrar- zum Welthandels-Lande jäh unterbrochen. Nach dem Kriege find dann die größten Anstrengungen gemacht worden, Deutschland die alte Vormachtstellung in der Weltwirtschaft zurückzuerobern. Diese Bemühungen sind, obwohl die Verhältnisse sich am Weltmarkt inzwischen wesentlich verändert hatten, nicht ohne Erfolg geblieben. Aber sie konnten uns nur dadurch dem erstrebten Ziel in schnellem Tempo näher bringen, daß wir die wiederhergestellte Exportwirtschaft auf erborgtem (Selbe aufbauten. Mit der wachsenden Zunahme des deutschen Ausfuhrgeschäfts stieg auch die deutsche Verschuldung in beunruhigendem Maße an. Von der Exportwirtschaft der Vorkriegszeit unterschied sich die von neuem auf der Ausfuhr von industriellen Fertigerzeugnissen aufgebaute deutsche Nachkriegswirtschaft dadurch, daß sie der Rentabilität entbehrte. Ueber- mäßige Steuer- und Zinslasten zehrten den Ertrag ganz oder zu>n weitaus größten Teil auf. Aus dem Export, der einst durch seine Ueberschüsse die Grundlage des deutschen Wohlstandes gewesen war, wurde eine Verlu st ausfuhr, die dem deutschen Volke keinen Segen brachte, die nicht mehr zu seiner Bereicherung, sondern offensichtlich zu seiner Verarmung führte. Als dann in der Iulikrise 1931 das künstlich aufgetürmte Kreditgebäude zusammenbrach, als das Ausland seine viel zu teuren und darum für die Schuldner verderblichen Kredite zurückzog, da wurde die Grundlage, auf der ihr Exportgeschäft wieder aufgebaut worden war, der deutschen Wirtschaft plötzlich weggezogen. Die Katastrophenkrise schritt dann weiter fort und dehnte sich zur Weltdepression aus. Wenn schon vorher immer mehr Länder bemüht gewesen waren, sich eigene Veredlungsindustrien zu schaffen und sich von der Einfuhr fremder Waren möglichst unabhängig zu machen, so wurden jetzt die Zollmauern immer höher aufgetürmt, und wo das nicht genügte, durch Einfuhrsperren, Importkontingente. Devisenzuteilungen, Währungsabwertung und ähnliche die Einfuhr hindernde Maßnahmen ergänzt. Die Grundlagen der deutschen Exportwirtschaft sind dadurch ohne Deutschlands Verschulden aufs schwerste erschüttert worden, und es ist nicht möglich, den deutschen Export in genau der gleichen Weise und mit den gleichen Mitteln wie früher zu fördern. Selbstverständlich wäre es völlig verkehrt, wenn Deutschland nun etwa den Versuch machen wollte, abrupt und gewaltsam von der einseitigen Exportförderung zur Autarkie überzugehen und sich gewissermaßen verärgert aus der Weltwirtschaft zurückzuziehen. Aber es kommt nicht allein auf den Willen zu exportieren an, sondern auch auf . d i e Möglichkeiten dazu. Riemand wird bestreiten, daß der Export von industriellen Qualitätswaren dem deutschen Volke einen größeren Wohlstand verschafft hat. Aber nicht dieser Wohlstand allein ist jetzt bedroht, sondern seine nackte Existenz. Erst muß diese also gesichert sein, bevor es wieder an eine Verbesserung seiner Lebenshaltung denken kann. Deutschland wird sicherlich niemals auf den Export derjenigen Teile seiner industriellen Produktion, die es selbst nicht verbraucht, verzichten. Aber es wird seine Exportwirtschaft künftig auf eine ganz neue Da- s i s stellen müssen. Kredite aus dem Auslande wird Deutschland in beträchtlichem Maße nicht mehr erhalten können. Seine Kreditversorgung wird außerordentlich knapp bleiben. Ausfuhr wird daher künftig für r eutschland nur dann einen Sinn haben, wenn es sie aus eigenen Mit- 1 teln z u finanzieren vermag, und wenn sic Arbeit und angemessenen Gewinn gewährleistet. Wir werden uns damit abfinden müssen, daß die deutschen Exportmöglichkeiten in absehbarer Zeit recht beschränkt bleiben werden, nicht weil wir nicht mehr exportieren wollen, sondern weil die anderen nicht bereit sind, unseren Export in früherem Umfange aufzunehmen. Daher wird ganz von selbst eine Verschiebung des Schwergewichts unserer Wirtschaft England in der Wirtschafiskrisis. Das Abkommen von Ottawa vom Unterhaus angenommen.—Warum der Handelsvertrag mit Rußland gekündigt wurde. London, 21. Dtt. (TU.) Das englische Unterhaus nahm am Donnerstagabend die erste Finanzentschließung, die den in Ottawa getroffenen Abmachungen Gesetzeskraft verleiht, im Ausschuß- Stadium mit 4 51 gegen 84 Stimmen an. Gegen die Entschließung stimmten die arbeiterparteilichen Abgeordneten, die Samuel- und Lloyd- George-Liberalen und zwei Mitglioder der Simon- Liberalen, die gleichzeitig aus dieser Gruppe aus- schieden und zu den freihändlerischen Samueliisten übergingen. Drei weitere Finanzentschließungen zu den Ottawaer Abmachungen, die sich mit der Auferlegung neuer Zölle und der Erhöhung der Zölle für ausländische Weine und mit allgemeinen gesetzgeberischen Maßnahmen befassen, wurden mit entsprechenden Regierungsmehrheiten angenommen. Der Präsident des Staatsrates, Baldwin, gab dann eine Erklärung zur Kündigung des englisch-russischen Handelsvertrages ab. Man könne der Ansicht sein, sagte Baldwin, daß es überhaupt unrecht sei, mit Rußland in Handelsbeziehungen zu stehen. Die englische Regierung habe jedoch anbete Wünsche. Sie wolle den Handel mit Rußland nicht einstellen. Die Beschäftigung der englischen Arbeiter sei ihr wichtiger. Der englisch-russische Handelsvertrag sei gekündigt worden, weil er einseitig z u G u n ft e n R u ß- lanbs sei. Der Handel sei vollkommen in der Hand der russischen Regierung, die ihrerseits wirkungsvoll die englischen Waren vom russischen Markt ausschließen könne und zwar lediglich badurch, daß sie die Aufträge an die Wettbewerber Englands erteile. Das Ergebnis fei, daß die englische Ausfuhr nur einen Bruchteil der russischen Ausfuhr nach England ausmache. England sei jedoch, wie es den Russen mit- geteilt habe, durchaus gewillt, einen neuen Vertrag abzuschließen, bei dessen Abschluß müsse es jedoch seine eigene Stellung sichern und dafür sorgen, daß es einen grüße r^n A n - teil am Handel als bisher bekomme und die Vollmacht habe, die russischen Einfuhren, die die englische Industrie schädigen, abzuhalten. Abschließend sagte Baldwin, gegen den zurückgetretenen Sir Herbert Samuel gewandt, die englische Regierung sei immer noch eine nationale Regierung. Sie werde ihren harten Kampf gewinnen. Auf jeden Fall werde keiner von ihnen den Ministerpräsidenten verlassen, bis sie entweder gesiegt hätten ober geschlagen worden seien. Das Verlassen des Goldstandards Wo sind die weltwirtschaftlichen Hemmungen? Lonbon, 21.Dtt. (WTB.) Bei bem Iahres- essen, bas gestern abenb ber Lordmayor der City von London dem Schatzkanzler, dem Gouverneur und den Direktoren der Bank von England und den Bankiers und Kaufleuten der City gab, hielt Wohlfahrtsminister Sir Hilton P o u n g in Vertretung des durch die Ottawa-Debatte verhinderten Schatzkanzlers Chamberlain eine Rede, in ber er u. a. sagte, es sei beachtenswert, baß bas Pfunb Sterling ein stabilerer u n b infolgedessen vertrauenswürdigerer Wertmesser geworden sei als das Gold selbst. Die Schwierigkeiten Englands seien nicht durch Mißtrauen, sondern durch das Uebermaß von Vertrauen entstanden. Die Einrichtung des Devisenausgleichsfonds habe England befähigt, den Wechselkurs auf dem gleichen Niveau zu halten, wo er nur geringen Schwankungen ausgesetzt sei, die mit ber zu gewissen Jahreszeiten eintreten- ben Gelbbewegung unb mit bem Schicksal ber Währung anberer wichtiger ßänber zusammenhingen. Eine Erhöhung der Warenpreise sei erforderlich bis zu einem Grade, der den Herstellungskosten besser entspreche. Ferner sei eine Veränderung der politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Faktoren erforderlich, die in vielen Ländern den Zusammenbruch herbeigeführt hätten. Das englische Pfund habe für eine ganze Gruppe wichtiger Staaten als internationale Währung B e - d e u t u n g , für Großbritannien, für die Dominien und für die Länder, die ebenfalls den Goldstandard verlassen haben. Es sei befriedigend, festzustellen, daß diese Länder unter der Depression im allgemeinen weniger litten als die übrige Welt. Der Gouverneur der Bank von England, Mon- tagu Rorman, der seine erste öffentliche Rede seit der schweren Krise des letzten Jahres hielt, sprach die Hoffnung aus, daß es eine baldige Besserung des Handels geben werde. Wenn die Regierungen nur zusammenarbeiten wollten, dann würde die Welt ganz anders aussehen. Aber anscheinend sei es ihnen nicht möglich. Die Schwierigkeiten der internationalen Lage blieben so umfangreich und unbegrenzt, daß er die Zukunft nur in ganz undeutlichen Umrissen erblicke. Eines der Haupthindernisse, das beseitigt werden müsse, hänge mit der Frage der in ganz Europa eingefrorenen Kredite zusammen. Nichts behindere das Geschäft und die Berechnungen der Danken mehr als dies. Wie aber das Lostauen fertiggebracht werden solle, könne er nicht sagen. In der nahen Zukunft erhoffe er eine ft arte Entwickelung und Verbesserung der englischen Industrie, von der das Geschäft der Bankiers und Kaufleute so sehr abhänge. Bei der Gewährung von Darlehen an ausländische Unternehmungen sollte es eine" bessere Zusammenarbeit bei den Banken geben. Ihm seien Fälle bekannt geworden, wo auswärtige Unternehmungen von verschiedenen englischen Banken kurzfristige Darlehen in einer Gesamthöhe erhalten hätten, auf die sich die Danken, wenn sie Bescheid gewußt hätten, niemals eingelassen hätten. Heue Arbeiislosenunruheu in London. ■■ ' ■ ■ W MK ■ MW, n VI i . . y . W > v London, 21. Oft. (WTD.) Die Verhandlungen gegen drei Arbeiter, die gestern bei der Eröffnung eines S ee m an ns he i m e s gegen Prinz Georg von England demonstrierten unb daraufhin verhaftet wurden, hatten heute im Osten Londons neue Zusammenstöße zwischen Polizei und Arbeitslosen zur Folge. Eine große Menge Arbeitsloser versammelte sich vor dem Polizeigerichtshof und bombardierte die Polizei mit Steinen und Flaschen. Die Geschäfte und Läden wurden aus Furcht vor Plünderungen geschlossen. Die Polizei zu Pferde und auf Kraftwagen wurde zur Verstärkung herbeigeholt und trieb die Menge mit Gummiknüppeln auseinander. Wettere Zusammenstöße ereigneten sich in Stratford on Avon, wo 300 Demonstranten, die mit 1700 anderen von Manchester nach London marschieren, Fleisch verlangten. Die Arbeitslosen begannen alles in der Umgebung zu demolieren. Die Polizei muhte mit der Feuerspritze gegen sie vorgehen. von den Export- zu den Binnen-» Märkten hin eintreten. Die Sicherung der In- landversorgung und die Delebung der Produktion für die Binnenmärkte wird infolgedessen künftig der Pflege des Exports vorangehen müssen. Einseitige Autarkiebestrebungen werden uns freilich ebensowenig nützen wie einseitige Export- sorcierung. Aber die These des Reichsbankpräsidenten, daß bei Fortfall des Auslandgeschäftes auch das Inlandgeschäft nicht nutzbringend sein kann und Schaden erleiden wird, muh dahin ergänzt werden, daß ein nutzbringendes Exportgeschäft nur auf dem Fundament eines gesunden Inlandmarktes ausgxbaut werden kann. Hessen und die Reichsreform. Mainzer Stritit am Standpunkt des Staatspräsidenten. WSR. Mainz, 21. Oft. Der „Mainzer Anzeiger" knüpft an die dem Vertreter des WTB. gegenüber gemachten Ausführungen des Staats- Präsidenten Dr. Adelung über die Reichsreform folgenden Kommentar: Die Haltung der Darmstädter Regierung in der Frage der Reichsreform wird keineswegs von allen Teilen der hessischen Bevölkerung gebilligt werden. Richt ohne Staunen und gewisse Besorgnis nimmt man davon Kenntnis, dah die Regierung sich den in den letzten Iahren mit guter Begründung und aus wirtschaftlicher Einsicht vorgetragenen Wünschen zu widersetzen scheint, die unter Aufgabe de r Landesgrenzen eine organische Eingliederung hessischer Gebietsteile in benachbarte Wirtschafts- und Lebensbezirke für notwendig erachten. Die Erklärung des Staatspräsidenten läht keiner Hoffnung Raum, dah der klein- staatliche Standpunkt in Fragen gesunder und naturgemäßer Wirtschaftsentwicklung und Wirtschaftseingliederung überwunden ist. Daß Hessen als deutscher Lebensraum mit einer ausgesprochenen Kultur- und Stammes- einheit erhalten und in seiner Eigenart geschützt bleiben muß, ist eine Selbstverständlichkeit. Daß dazu aber starre Grenzen aus der Zeit der deutschen Staatenschöpfung, die dazu noch Willkürhandlungen eines Rapoleon und Wiener Kongresses entsprungen sind, Rot- wendigkeits- und Ünabänderlichkeitscharakter enthalten, dürfte schwerlich einzusehen sein. Die Eigenart einer Landschaft — kulturell wie wirtschaftlich — ist auch anders zu erhalten und zu schützen als durch ein staatliches Zwangsgebilde, das in seinem jetzigen Zustand weder eine Einheit noch organische Zusammenhänge besitzt, geschweige denn wirtschaftlich verbindende Gesamtzüge aufweist. Man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, daß ber Staatsapparat in Darmstadt deshalb s o groß ist, weil die aus der Uneinheitlichkeit unb unorganischen Glieberung entstehenden Schwierigkeiten die Verwaltungsausgaben ganz erheblich erschweren. Es geht bei den Fragen ber Reichsreform doch wirklich nicht um die Erhaltung oder Nichterhaltung von kleinen ober kleinsten Staaten, sondern u m die Schaffung kultur - wie wirtschaftlich starker Lebensräume. Daß ein solcher neuer deutscher Raum auch den Namen „Hessen", wenn nicht gar „Rheinhessen", tragen muß, ergibt sich aus der Geschichte und Gegenwartsstärke dieses Gebietes von selbst. Nicht ergibt sich aber aus der bisherigen Entwicklung und dem gegenwärtigen Zustand, daß e i n starrer Staatsorganismus Träger dieses rheinisch-hessischen Gedankens zu fein hat. Die Verteidigung der hessischen Regierung mutet an wie eine Schutzstellung gegenüber Interessen, die außerhalb der' Landeshauptstadt kaum noch Bedeutung haben. Mehrleistungen in derReichsversorgung Berlin, 21. Okt. (WTB.) Die in der Rundfunkrede des Reichsarbeitsministers vom 19. d. M. angekündigten Maßnahmen zugunsten der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen werden am 25. d. M. im Reichs- verforgungsblatt bekanntgegeben werden. Sie wirken sich aus bei den sog. Ka n n - B e z ii g e n , insbesondere zugunsten der Berufsausbildung von Kindern der Schwerbeschädigten und von Kriegerwaisen, ferner für einen bestimmten Personenkreis bei der Zusatzrente, bei der Gewährung von Unterstützungen — z. B. an Krlege r e l t e r n, die eine Versorgung nicht mehr erhalten können — sowie bei ber Kapit a l abfin- dung zur Abwenbung ber Zwangs- oollstreckung. Die für biese Maßnahmen bereitgestellten Mittel werben den V^rsorgungs- ämtern überwiesen. Wieder an der alten Ironi. Eine Fahrt zu den Kriegsschauplätzen in -er Champagne. — Wieder im Schützengraben des £32R. 116. Don Or. Otto Öger, o. Professor an der Universität Gießen. Wie oft kann man von Feldzugsteilnehmern den Wunsch äufoern Horen, noch einmal die Stätten wisderzusehen, an denen sie im großen Kriege gekämpft, wo sie vielleicht monatelang in fremder Erde im Schützengraben gehaust haben, von der fernen Heimat wie durch einen eisernen Vorhang getrennt. Möge recht vielen von ihnen eine so vollkommene Erfüllung dieses Wunsches mit so starken Eindrücken beschißen sein, wie sie uns die Fahrt nach Frankreich gebracht hat, von der hier in Kürze berichtet werden soll. In der Frühe des 27. September btejes Jahres verließen wir Gießen im Auto, um das Schlachtfeld von Vitry le Francois und die alten Stellungen in der Champagne, im Priesterwald und an den Ar- aonnen zu besuchen, in denen das Landwehr- Infanterie-Regiment 116 im Weltkrieg gelegen hatte. Drei Feldzugskameraden hatten sich zu dieser Fabrt vereinigt, der Kompanieführer, der Kompanieosfizier und die Gefechtsordonnanz von 1914, zwei Akademiker und ein Handarbeiter. Am ersten Dag ging cs über Mainz und Saarbrücken zur französischen Grenze, an der auch der Uneingeweihte die Befestigungsarbeiten für die neue chinesische Mauer, mit der sich Frankreich gegen Deutsch, land abschließt, wahrnimmt, und von da nach Metz. Schon während dieser Fahrt lebten wir uns immer mehr und mehr in die alte Schützengrabenstimmung ein, das Auto wurde gleichsam zum fahrenden Un- terstand. Immer und immer wieder kam die Frage: Wissen Sie noch? Wie wird es dort aussehen? Ob man von dem Graben, dem Unterstand noch etwas sicht? So war eben die Spannung und die Erwar- tuiifl des Kommenden auf das höchste gestiegen, als' mir am folgenden Morgen das Moseltal entlang fuhren. Bald kamen bekannte Dörfer und dann tauchte der Priesterwald mit dem so charak- tcristischen Steilabfalls dos Norroylagers auf. Nun f ihlte man sich wieder ganz in die Zeit vor siebzehn Jahren zurückversetzt. Die Reste alter Unterstände wurden aufgesucht, wobei ständig wieder Erinnerungen ausgetauscht wurden, die sich an die einzelnen Stätten knüpften. Der Schützengraben selbst, der sich im Priesterwald hinzieht, war von Gestrüpp und Dornen völlig überwuchert und nur mit großen Schwierigkeiten an einer Stelle zu erreichen. Nachdem wir noch in einem unmittelbar hinter der ehemaligen Front gelegenen Dorf von Einwohnern, die auch unter der deutschen Besatzung dort flieht hatten, sehr freundlich ausgenommen worden waren und uns an einer Flasche guten Rotweins I r 85 Centimes (das sind etwas 14 Pfennig) ge- flärtt hatten, ging es in rascher Fahrt weiter. Diese führte uns auf ausgezeichneten Straßen durch mieberaufgebaute Dörfer, in denen sich aber doch noch manche Ruinen und bewohnte Baraken finden, über Bar le Duc, an der Voie faer 6 e, der heiligen Straße, der einzigen vom Feuer der deutschen Geschütze — leider! — nicht erfaßten Zugangs- siraßc zur Festung Verdun, vorbei nach Vitry Io Francois zum Besuche des Schlachtfeldes, auf dem das Landwehr-Jnfanterie-Regiment 116 im September 1914 die Feuertaufe erhielt. Auch hier war das Verhalten der Bevölkerung durchaus freundlich und die Bewohner von Gutshöfen auf dem ehemaligen Schlachtfeld gaben bereitwillig Aus- lunft, auch dann, wenn wir auf ihre Frage, ob wir Amerikaner seien, uns als Deutschs, die hier ge- sümpft hatten, zu erkennen gaben. Ueberhaupt haben wir auf der ganzen Fahrt — obwohl ja unser Wagen durch die Flagge des Deutschen Automobil- Clubs als deutscher kenntlich war — keinerlei Un- annehmlichkeiten erlebt. Unsere Pässe wurden niemals verlangt, sogar nicht einmal bei dem Grenz- übertritt. Die Straßendisziplin der Autos, Radfahrer und Fußgänger war musterhaft. Die vielen An- zcichen dafür, daß hier keine Arbeitslosigkeit herrscht, die rauchenden Fabrikschornsteine, der rege Schiffsverkehr auf dem Kanal, das Fehlen von Tippelbrüdern auf der Landstraße usw. machten besonders auf unseren Kameraden aus dem Ar- beiterstand, der zur Heit als Führer einer Kolonne des freiwilligen Arbeitsdienstes tätig ist, einen großen Eindruck. „Was haben die Leut für Arbeit, für viel Arbeit" äußerte er immer wieder nicht ohne Ncid, während er anderseits die nach feinen Be- 6riffen mangelhafte Bestellung der Felder rügte. übrigens werden sicher umgekehrt einem im Auto durch Deutschland fahrenden Franzosen die vielen, auch bei kleinen Dörfern sich findenden Sportplätze auffallen, die wir auf unserem Weg in Frankreich vermißten: allerdings haben ja die jungen Franzosen dafür genügende Gelegenheit zur körperlichen Ertüchtigung während der Militärzeit. Der dritte Tag führte uns zunächst über Cha- Ions s u r Marne und Suippes nach dem großen Denkmal, das an der Stelle errichtet ist, wo zu Beginn des Krieges die Ferme de Nova r i n stand. — Als wir uns im September 1914 an dieser Stelle befanden, wurde hier ein Auto mit Liebesgaben aus der Heimat angehalten, dessen Insassen gerade im Begriff waren, ahnungslos durch die deutsche Linie hindurch .zu den Franzosen nach Souain zu fahren, wie dies am Tage vorher einem deutschen Zahlmeister begegnet sein soll. — Auf der durchfahrenen Strecke wimmelte es von franzo- fischen, weißen und farbigen Soldaten, so daß man den Eindruck hatte, daß höchstens jeder dritte Mann in Frankreich nicht in der Uniform stecke. Dies war allerdings mit eine Folge der aroßen Manöver, die sich zwar erheblich weiter östlicy abfpielten, die aber auch in diesem Gebiet noch viele Truppenbewegungen veranlaßten. Namentlich waren es Automobile, große Abteilungen mit Motorrädern und Tanks, die wir sahen. An einer Straßenkreuzung fuhren wir durch einen endlosen, kilometerweit sichtbaren Zug von Panzerwagen und Tanks. Angesichts all dieser Kriegsmaschinen erschienen uns die jung- sten Angriffe Herriots gegen das demgegenüber so gut wie waffenlose Deutschland wie blutiger Hohn. 5000 Motorfahrzeuge waren nach der Angabe eines Generals, die in einer französischen Zeitung zu lesen war, an den Manooern beteiligt, wovon sich, wie er stolz rühmte, nur 50 in Reparatur befanden. — Nebenbei sei erwähnt, daß die Zeitung gleichzeitig aus Deutschland berichtete, daß die Regierung eines deutschen Zwerglandes das Flaggen an Hindenburgs 85. Geburtstag abgclehnt habe! Welch klägliches Schauspiel gegenüber dem Auslandl Von dem Navarin-Ferme.Denkmal hatten wir einen ausgezeichneten Rundblick über d i e Lausech ampagne (Champagne pouilleuse). Weithin sah man das trostlos öde Land, den weißen Kreideboden, von vielen Schützengräben durchzogen, völlig kahl oder doch nur mit einzelnen Kiefern und Gebüsch bedeckt. Etwa 15 Kilometer lang und ebenso tief, dehnt sich dieses menschenleere Gebiet nach Osten, nach den Araonnen zu aus. In ihm befindet sich auch die Stelle, wo das Lanbwehr-Jn. fanterieregiment 116 Ende 1914 und Anfang 1915 ein halbes Jahr lang während der Winter- f ch lacht in der Champagne in vorderster Linie lag und keinen Fuß breit Boden verlor, wäh- renb unmittelbar rechts und links von ihm feindliche Einbrüche erfolgten. Wir suchten die alten Stellungen auf und man- herten stundenlang durch die Einöde, ohne einem lebenden Wesen zu begegnen; nur ein Militärflugzeug flog dicht über uns hinweg und bald darauf zog ein Geschwader von neun Flugzeugen über uns nach Verdun zu. Das Gelände war ganz unwegsam, von Gräben und Drahtverhauen durchschnitten; Blindgänger, Handgranaten, deutsche und französische Stahlhelme, bleichende Pferdeknochen lagen herum und hier und da starrte uns eine Gasmaske an. Ein riesiger Trichter, von etwa fünfzehn Meter Tiefe, der von einer großen französischen Sprengung unmittelbar vor unserem Graben herrührte, wobei wir vorher Tag und Nacht im Unterstand das Geräusch des Unterminierens gehört hatten, war uns der sichere Anhaltspunkt zur Feststellung des vordersten und ursprünglich einzigen deutschen Gra- Der Winterplan -es Konzerivereins. Von der Leitung des Gießener Konzertvereins gehen uns die folgenden Ausführungen 3u Das Theater ist schon lange auf dem Plan, wo bleiben die Konzerte? Das ist die Frage, die dem Vorstand des Konzertoereins immer wieder zu Ohren kommt. Sie ist auch durchaus berechtigt. Aber die Gründe der Verzögerung auseinanderzusetzen, ist hier nicht der Ort. Wir bitten unsere Mitglieder dringlich, die für nächsten Mittwoch anberaumtc Hauptversammlung zu besuchen. Da wird der Vorstand Rede und Antwort stehen. Im übrigen: Ende gut, alles gut. Das wird unser diesjähriger Winter- plan allen einleuchtend machen. Wir bringen vor allein zwei Orchesterkon- 3 e r t e und ein Chorkonzert großen Stils. Für das erste dieser Konzerte ist es uns durch Zusam- mentressen glücklicher Umstände gelungen, bas Darm- städter Orchester noch einmal zu gewinnen. Ich sage: noch einmal, denn wer weiß, ob cs künstig wieder möglich sein wird? Daß cs uns setzt gelang, wird gewiß allseitig mit Freude begrüßt werden. Wirrnissen, und zumal der Vorstand des Konzertvereins weiß cs, was wir der opferfreudigen und erfolgreichen Arbeit unseres Gießener Orchestervereins für unsere Konzerte zu danken haben. Aber niemand wird wünschen, auch der Orchesterverein selbst nicht, daß sich diese Beteiligung der Gießener Musiker an unseren Bestrebungen zu einer Art Monopol auswächst. Variatio delectat. sagt der Lateiner, Abwechslung muß sein, der Deutsche. Der Orchester verein hat ohnehin Gelegenheit, an Schuberts großer Symphonie, an den Bra h m s fchen („Re- qniein") und Reger schen („Der Einsiedler") Chorwerken zu Zeigen, daß er unter der Leitung seines hochstrebenden Dirigenten, unseres verehrten Dr. T e m e s v a r y, keine Leistungen wiederum gesteigert hat. Mit dem Brahm eschen R e q u i e m wollen wir bas Gedächtnis des hundertsten Geburtslages des großen Tonsetzers (geboren 7. Mai 1833) ehren. Auch Haydns, des Zweihundertjährigen. Name fehlt in unseren Programmen nicht. Doch haben wir es dem be- freundeten „S ä n g c r t r a n 3* gern überlassen, durch die Aufführung der „Schöpfung" dessen Andenken besonders zu feiern. Die von uns gewonnenen Künstler sind den Gießenern zum Teil wohlbekannt. Marta Linz feierte vor wenigen Jahren hier Triumphe aus ihrer Geige, und der Wunsch, sie wieder zu Horen, ist uns oft genug entgegengebracht worden. Frau Koke s s a bringt diesmal ihre junge Schwester, einen ausgehenden Stern, mit, die mit ihrem Cello dem Abend eine besondere Note geben wird. Von Backhaus aber brauche ich nicht zu reden. Lohmann genießt bereits seit Jahren im ganzen Reich einen bedeutenden Ruf und wirb uns sicher mit seinem klangvollen Bariton einen genußreichen Liederabenb bereiten. An Stelle bes Wenbling-Quartetts werden wir diesmal in dem Zilcher - Trio eine Künstlervereinigung hören, di§ sich des allerbesten Rufes erfreut. Damit aber der uns so vertraute Name Wendling uns auch diesmal ans Ohr klingt, haben wir des Geigenmeisters Töchterlein gebeten, uns mit Mozarts Tönen zu erfreuen. Ein reicher Spielplan! Ader wir können ihn nur durchführen, wenn wir der Unterstützung unserer Musikfreunde sicher sind. Daß wir dem Theater den Vortritt gelogen haben, liegt in ter Natur der Sache, denn auch wir sind überzeugt, daß unserem Theater und seiner verdienstvollen Künstlerschar die Anteilnahme aller kunstsinnigen Kreise unserer Stadt in erster Linie gebührt. Aber unsere Konzerte dürfen darüber nicht vernachläisigt werden. Sie werden in der deutschen Musikwelt überall mit Ehren genannt. Gießen darf, ja muß stolz darauf sein, daß es trotz aller wirtschaftlichen Not imstande ist, so vornehme Veranstaltungen, wie wir sie planen, zu verwirklichen. Wir bitten nicht nur unsere Mitglieder, uns treu zu bleiben — bas möchten wir sogar ooraussetzen —, fonbern werben mit unserem Plan um neue Freunbe. Nur wenn wir der tatkräftigen Teilnahme aller Musikfreunde sicher sind, können wir versprechen, durchzuhalten. Kr. Lieber das Krastwerl Onjeprostroj. In dem in Nr. 241 bes „Gießener Anzeigers" vom 13. b. M. erschienenen Aufsatz „Dnjcpro- stroj — ein Wunberwerk ber Wasserkraft" von Hans A mmer sind dem Verfasser etliche Unrichtigkeiten unterlaufen. Wir entnehmen einer darauf bezüglichen Zuschrift von Herrn Oberingenieur Karl Haase, Gießen der zwei Jahre lang in Rußland tätig war, die folgenden Ausführungen: „... Das Kraftwerk „Dnseprostroj" hat nichts mit der ehemaligen Stadt Zarizyn — nicht Zaryzin, das y steht in der Endsilbe —, setzt Stalingrad genannt, zu tun. Stalingrad liegt an der Wolga, und ber Dnjepr fließt zirka 700 Kilometer westlich von Stalingrad durch die Ukraine. In ober oicl- bens, in dem wir einst Monate lang ,,;u Hause" waren. Ganz deutlich waren sein Verlauf, die Unterstände und die Sappen trotz bes inzwischen ein- gclrctenen Verfalls wahrnehmbar unb cs war ein ganz eigenes Gefühl, als man jetzt, statt in ber Erde, ungehindert hier auf dem Grabenrand entlang gehen konnte. Am spannendsten aber war ber Augenblick, als man die zwanzig Meter bis zum französischen Graben hinüberging und sich damit endlich bas große Rätsel löste, wie es beim Geg ner aussah. Nachdem wir uns noch an den kümmerlichen Früchten eines Apfelbäumchens erquickt hatten, bas feine Entstehung in unserem alten Graben wohl einem Borsdorfer Apfel verbanktc, den ein Land- wehrmann dereinst aus der Heinzat geschickt bekom- men hatte, kehrten mir zu unserem Auto zurück, das uns zur llebernad)tung nach Reims brachte. Am nächsten Morgen fuhren wir nach Besichtigung ber Kathebrale wieder zu der alten Stellung in ber Champagne unb bann weiter burch bas von Menschen verlassene Tal des Schweigens nach Osten zu über die Stätten, wo wir zu Beginn des Kriegs die Dörfer Tahure und Ripont gesehen hatten, von denen jetzt nicht einmal mehr Mauerreste vorhanden sind. Als wir bann bei Cernay en Dormais, einem Dorf, bas jetzt nur noch 340 Einwohner, zählt gegen 830 vor bem Krieg, unsere erste Stellung nach dem Rückzug, die Wasserlöcher nm Kanonenberg aufsuchten, tarnen drei Artilleristen, deren reiterliche Leistungen Cn dem von tiefen Gräben durchschnittenen Gelände wir anerkennen mußten, zu uns, um uns zu sagen, daß die Artillerie, ber dies Gelände jetzt als Schießplatz bient, alsbald mit bem Schießen beginnen mtrbe. Nachdem wir uns dann noch mit einem pflügenden Bauern unterhalten hatten, ber in Griesheim bei Darmstadt „ber Stadt mit der grande colonne", in Gefangenschaft war, fuhren wir nach Servon am Westrand ber Argonnen. Auch hier wurden die gut erhaltenen Stellungen des LJR. 116 ausgesucht, ebenso auch ber wohlgepflegte, von der Bezirks- gruppe Mainz bes Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge betreute deutsche Kriegerfried» bo f wo wir in Ergriffenheit besonders auch der Tausenden, unbekannten deutschen Soldaten gedachten, die hier in zwei Sammelgräbern ruhen. lieber Verdun, wo wir nur kurze Rast machten, ging es bann an den alten Kriegsdenkmälern bei '.Üla'rs la Tour und Gravelo11e vorbei nach Metz und von da am nächsten Tag wieder über Saarbrücken und Mainz nach Gießen. Am späten Abend des 1. Oktober kamen wir hier an und die Klänge bes großen Zapfenstreichs unb ber mächtige Gesang von Deutschland, Deutschland über alles in dem Biwak, das anläßlich des Grenadier- tags auf dem Trieb stattfand, bildeten den Abschluß dieser Fahrt an die alte Front, die für uns drei Kameraden ein einzigartiges, großes Erlebnis war. Aus aller Welt. wollten in den Qlebenraum eilen, konnten ihn aber nicht mehr erreichen. Die Katastrophe wurde dadurch noch furchtbarer, daß die Gasleitung b a r st und das Gas sich unter den Trümmern usw. verbreitete. Auch die Wasserleitung zersprang, und das Wasser strömte in den Daum hinein. Unter den 19 Verletzten befinden sich etwa 12 Schwerverletzte, die mit Qlrm- und Beinbrüchen, auch mit einem Schädelbruch und schweren Quetschungen im Krankenhaus liegen. Zehn Personen sind leichter verletzt. Die Toten sind teilweise von den schweren Sacken erstickt worden, teilweise von den zusammen- stürzenden Mauern erschlagen. Dei der Familie L o h n e r t von St. Margarethen haben zehn Kinder die Mutter verloren, bei der Familie Tobler-Luh beklagen fünf Kinder den Verlust ihrer Mutter. Zuchthausrcoollc in Kanada. „Times" meldet, daß im Zuchthaus von Portsmouth (Kanada) eine Revolte ausgebrochen ist. 110 Zuchthäusler überwältigten 40 Aufseher und b e f r e i t c n bic Insassen zweier Zellenreihen des Hauptgebäudes. 150 Mann kanadische Artillerie mit Maschinengewehren wurden von Kingston aus entsandt. Sie halten das Zuchthaus umzingelt. Innerhalb der Mauern herrscht ein völliges Durcheinaick)er. Die Aufständischen haben die Einrichtung zerstört. Die noch eingeschlossenen 700 Gefangenen feuern die Meuterer an. Da diese seit 24 Stunden ohne Nahrung sind, nimmt man an, daß sie sich bald ergeben werden. verwegener Raubüberfall auf einen Kassierer. Ein verwegener Raubüberfall wurde bei Ramlingen in Luxemburg verübt. Vier Männer überfielen den Kassierer einer Hütte und seinen Begleiter, raubten ihnen unter Bedrohung mit Revolvern eine Geldkassette, in der sich 60 000 luxemburgische Franken und etwa 7000 Reichsmark befanden und ergriffen dann die Flucht. Der Kassierer, der die Kassette mit Geld auf das nahegelegene Eisenbahngleis werfen wollte, wurde durch einen Schuß in das linke Bein daran gehindert. Die Räuber wandten sich dann in einem Kraftwagen der luxemburgischen Grenze zu. Tlnweit von Diedenhofen wurde ihr Kraftwagen von französischen und luxemburgischen Polizeibeamten gesichtet. Als die Banditen die Beamten bemerkten, verließen sie den Wagen und liefen querfeldein. Es gelang, einen der Räuber, einen Italiener, fest zunehmen. Der Staatsanwalt beantragt Freisprechung (Taros. In ber Verhandlung des Caro-Petschek- Prozesses mürbe die Beweisaufnahme beendet. Nach breiftünbigem Plädoyer beantragte der erste Staatsanwalt Jäger, Geheimrat Prof. Dr. Caro in vollem Umfange f re i z uf p re ch e n und die Kosten des Verfahrens dem Nebenkläger, bem tschechischen Kohlenmagnaten Dr. Ernst Petschek, aufzuerlegen. Caro, ber bekannte Erforscher der Gewinnung von Stickstoff aus der Luft zu Düngezwecken war von seinem Schwiegersohn Pctzschek in einem Streit um die Mitgift seiner Tochter Wera des Meineids bezichtigt worben. Brand in Bad Flinsberg. In Dad Flinsberg im Isergcbirge brach in dem vierstöckigen Fremdenheim St. Hubertus ein Dach st uhlbrand aus. Bei dem stürmischen Wetter griff der Brand schnell um sich und erstreckte sich bald über das ganze Gebäude. Den Feuerwehren gelang es, den Brand auf das Fremdenheim zu beschränken, dessen Dachstuhl völlig ausbrannte. Auch in den unteren Stockwerken wurde erheblicher Schaden angerichtet. Das Feuer war zu gleicher Zeit an verschiedenen Stellen zum Ausbruch gekommen. Der Besitzer, Mar Gebauer, wurde unter dem Verdacht, das Feuer selbst angelegt zu haben, verhaf- t c t. Das Haus, das kurz vor der Zwangsversteigerung stand, war hoch versichert. Die Untersuchung der Einsturzkalastrophc in St. Margarethen. Die älntersuchung der schweren Einsturz- katastrophe von St. Margarethen wird energisch weitergeführt. Ein Zeuge sagte aus, daß ihm noch in den letzten Tagen ein junger Bursche erklärt habe, er wolle nicht mehr in bad Geschäft Igehen, da er dem Gebäude nicht mehr traue. Dieses Gefühl war auch bei anderen Menschen vorhanden. Wie neuerlich festgestellt wurde, lagerten dort nicht zehn, sondern etwa 100 Tonnen Getreide. Wie sich jetzt herausstellte, hatte sich bereits am Morgen des älnglückstages in einer Mauer des Geflügelrupfraumes ein kleiner R i ß. gezeigt. Auch die Direktion soll schon vorher auf die übergroße Belastung aufmerksam gemacht worden fein. Die Bewegung begann damit, daß der schwere eiserne T-Balken plötzlich zu- sammenbrach. In der großen, etwa 50 Zentimeter dicken Stützmauer zeigte sich ein gewaltiger Riß. In diesem Augenblick stürzte ein. großer Teil des Speichers zusammen. Mit einem furchtbaren Schrei suchten die Arbeiterinnen ins Freie zu gelangen. Tiur einer kleinen Anzahl gelang das. Andere mehr bei Stalingrad, 12 Kilometer vor den Toren dieser Stadt befindet sich bas gigantische Traktorenwerk, bas stünblich elf Traktoren ber Marke „International" vom laufenben Banb läßt. Um biefes Riesenwerk ist eine neue Stabt entstauben, unb dort, wo vor fünf Jahren der schneidende Wind noch über öbe Steppe fegte, ist ein Jnbustriezen- trurn entftanben, das ber Verfasser nun plötzlich mit bem Kraftwerk „Dujeprostroj" in Derbinbung bringt. Nebenbei bemerkt zählt Stalingrad zirka 148 000 Einwohner und ist selbst von der Industrialisierung kaum berührt, diese hat sich nur auf den weiteren Umkreis ausgewirkt in der Art, daß die Werks- fieblungen bes Traktorenwerkes unb ebenso ber großen Fabrik „Rote Barrikabe" Stäbte für sich Dilben. Dnjeprostroi liegt unweit ber früheren Klcinstabt Kitschkas, zwischen den Städten Dnjcpropretowsk — früher Jekaterinoslaw — und Saporoshje — früher Alexandrowsk —, an der Bahnstrecke Charkow—Se- baftopol. In diesem Gebiet zeigte seinerzeit Potem- kin der Zarin Katharina II. seine vorgetäuschten Dörfer, die er durch Volksmassen unb Viehherben, bic weither von der Polizei jufammenaetrieben waren, bevölkerte und so ber Zarin (ein „Neuruß- lanb" zeigte, das in Wirklichkeit nicht existierte. Dieses Gebiet ist heute eines der wichtigsten Industriegebiete Rußlands und wird „Dnjepropetrowsk- sches Industrie-Kombinat" genannt" ... Zeitschriften. — „D a s Inselschiff", eine Zeitschrift für die Freunde des Insel-Verlages, Herbst 1932. wirb cingeleitet durch ein ungemein interessantes Kapitel aus Stefan Zweigs neuem Buch „Marie Antoinette", auf das wir in anderem Zusammenhang noch eingehen werden; der hier wieder- gegebene Ausschnitt — „Königin des Rokoko" — ist historisch, kulturgeschichtlich und psychologisch gleichermaßen aufschlußreich und erweist auf- neue Zweigs Meisterschaft auf dem Felde der biographischen Porträtistik. Aus dem weiteren Inhalt des von Karl Weißer geschmackvoll redigierten Heftes nennen wir einen merkwürdigen Briefwechsel zwischen Rilke und seinem ehemaligen Lehrer der deutschen Sprache an der St. Pöltener Militär-älnterrealschule: aus Earl SieberS Buch „Rene Rille"; Prosastücke von Sillanpää und Lauesen, zwei neuen Autoren des Inlcl-VerlagS; Gedichte von Eberhard Meckel und Ludwig Fehr; und eine S^ene aus Max Mells dramatischer Dichtung „Dre Sieben gegen Theben". VortragSgememschast: Goethe-Bund, Kaufm. Verein, Ortsgewerbeverein. Zum zweitenmal weilten Dr. Erich Fischer und Eharlotte an der Heiden als Gäste des Goethebundcs und der beiden angeschlossenen Vereine, des Kaufmännischen Vereins und des OrtsgewerbevereinS in Gießen, um das schöne Spiel von „Sixt und Bettina" aufzuführen. In seiner kurzen Einleitung machte Dr. Fischer, der bekannte Verfasser der musikalischen Hauskomödien, die zahlreich erschienenen Zuhörer mit dem Wenigen bekannt, das er selber über den genialen Komponisten Johann August Sixt entdecken konnte. Sixt ist vierzigjährig 1797 als fürstlich Fürstenbergischer Kammer- musjkus in Donaueschingen gestorben. Seine der Zeit vorauSeilende Musik — sie ist Romantik zur Zeit des Barock — begegnete bei den Fachleuten wie den meisten Wusikltebhabern schroffer Ablehnung. Dr. Fischer, der in dem fürstlichen Archiv zu Donaueschingen außer mancherlei Material zu Sixts Leben und Wirken daS der Fürstin von Zurstenberg gewidmete Liederbüchlein fand, daS zwölf Vertonungen von Gedichten Bürgers, Schubarts u. a. enthält, hat eS verstanden, die Lieder durch ein von ihm erdachte- Spiel der Gegenwart nahezubringen. Während er selber am Flügel begleitet, stellt Charlotte an ber Heiben die Gattin des berühmten Wiener Arztes Dr. von Lenzinger dar, die als junges Mädchen einst mit bem Künstler befreundet war. Sie schildert — In wechselnden, von ihr selber Gearbeiteten Kostümen der Heit — den Hörern die seligen Wochen ihrer Freundschaft und Liede mit Sixt. In -diesem Rahmen trägt sie 11 der Sixtschen Lieder vor, was ihr bei ihrer offenbaren Befähigung gerade für bic bald an Mozart, halb an Beethoven antlingenbe Musik Sixts sehr gut gelingt. Der reiche Beifall, besonders nach dem „Lieb eines beut« chen Knaben" und den beiden eingefügten Tänzen, owie die Blumenspcndcn am Schluß dürften den »erben Künstlern gezeigt haben, daß ihre Darfteb hingen den vollen Beifall des Publikums gefunden haben. » Es wird in biefem Ztllammenhang interessieren, baß in bem Berliner Musikoerlag Bote & Bock „12 Lieber von Johann August Sixt" in neuer musikalischer Einrichtung unb textlicher UeberarbeU tung herausgegeben von Dr. Erich Fischer, erschienen sind. W T)tx Ruf, fallen der fl Institut des c iparlafl a Mahnung berechtigt un die Scbenefn chen Aevolut lalionstaumt Mionen üb auirichtige t m;niamen, üjänsern bi Die «Na unmitr",ir zu $ ü ‘ ’ r Pflicht, es, gestrichen wm flufier verwalten. stesl unter i>e deren gemei Völkern fort 3chuh nicht ■Spnrgrofihen gtn unk> fiftl R Copyright 19 lorilctn Letzte. Für überlebe di, gegen mich. Fäden - u Fritz Loh, .Tun ist Öen. 2 . n tä immer, fie f Wen sie wo Mendorf zu dätte ich nicht sich ©Heb an Leusels, diese und he «ilchendust f Merlich aus, «r Jeit er ihn Mtt Tun hostete seiner Min an fein P ohlich bl« «n seines Luä dunists Auf welchen ?as Ne er M Eva 3 sie ‘b( 'Angelernt? KL *5^ «81 ent und T -Porten fa. ij'M: btt ’*'• °°L iw Wh y toi °er F Le "^un. Za VN« im' AvNtzM! MNichn W 1Q gern SN« lieber »porei für t” 4® * $« b eilen, -K > rluirui SörfauLgS ft,- Weits sonders m Vas5Par legend1 süldarSe .-.nie ’:'r tlc. - Mm -iftn einai Urbeit ai Wen Erzeui mit dener n-i, denen, di' UM Äufft Mb au d Aus der yrovimiakbauptssovt (Sieben, den 22. Oktober 1932. Sparen — sichere Voraussetzung für wirtschaftliche Gesundung. Lin Aufruf der Spariaffen der ganzen Welt. Bei der gegenwärtigen Lage der internationalen Politik und Wirtschaft hört man selten von gemeinsamen Aktionen der Staaten. Um so größere Be- achtung wird daher der Aufruf finden, der an- , läßlich des diesjährigen Weltspartags Ende Oktober non den Sparkassen der ganzen Welt erlassen wird. Aus allen Ländern und Erdteilen, ohne Unterschied der Sprachen, der Religio- neu und der Institutionen, weisen die Sparinstitute auf die große nationale, kulturelle weltwirtschaftliche Aufgabe des vernünftigen Sparens hin und juchen dadurch auch das Vertrauen in die dunstige wirtschaftliche Entwicklung zu stärken. An dem Aufruf sind folgende Staaten beteiligt: Amerika, Australien, Belgien, Chile, Dänemark, Deutschland, England, Finnland, Frankreich, Holland, Italien, Luxemburg, Norwegen, Oesterreich, Polen, Schweden, Schweiz, Spanien, Tschechoslowakei, Ungarn. Der Aufruf, der in allen Ländern den gleichen Wortlaut trägt, besagt: „Der Weltspartag ist kein Tag der Feiern und der Feste. Geist und Tat sind an diesem Tage ganz besonders in den Dienst des Sparens gestellt. Das Sparen ist neben der Arbeit die gründ- l egend st e und sicher st e Voraussetzung für das Gedeihen unüden Fortschritt, sowie für ein gesundes Selbstbewußtsein des Einzelnen. Das Sparen schult den Willen: die Einfachheit der Lebensführung, die es auferlegt, bringt die Menschen einander näher und schafft die Möglichkeit, ihre Arbeit auf die Herstellung der für alle nützlichsten Erzeugnisse einzustellen. Das Sparen, das uns mit denen verbindet, die uns vorangingen, und mit denen, die uns auf Erden folgen, ist der Weg zum Aus st i eg des Einzelnen und zum Aufbau der kulturellen Macht eines Volkes. Der Ruf, den wir, als die Vertreter der Sparkassen der ganzen Welt, die im Internationalen Institut des Sparwesens vereinigt sind, am Weltspartag an alle Völker richten, enthält eine Mahnung und eine F e st st e l l u n g. Zu jener berechtigt uns die jahrhundertalte Erfahrung und die Lebenskraft unserer Einrichtungen, die ungebrochen Revolutionen und Kriege, Strifen und Spekulationstaumel, Untergang von Regierungen und Nationen überstanden haben. Zu dieser gibt uns die aufrichtige Freundschaft das Recht, die uns im gemeinsamen guten Werk über die Grenzen von 24 Ländern hinweg vereint. Die Mahnung weist denen, die mittel- oder unmitt'"'nr in öffentlichen und privaten Aemtern zu H u ' - r n des Sparguts gesetzt sind, ihre Pflicht, es mit unerschütterlicher Ehrlichkeit, treu den gesetzlichen Vorschriften und nach dem Willen und zum Nutzen derer, die es ihnen anvertrauten, zu verwalten. Die Feststellung betrifft die Solidarität unter den Sparern der ganzen Welt, deren gemeinsames Interesse den Frieden unter den Völkern fordert. Der Friede ist der einzig wirksame Schutz nicht nur des eigenen, mühsam erworbenen Spargroschens, sondern des wirtschaftlichen, geistigen und sittlichen Reichtums der Menschheit." Ms W M Den W Roman von Gert Rvthberg. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale) 19 Fortsetzung Nachdruck verboten! „Gr hält mich für eine Diebin! Das ist das Letzte, Furchtbarste — das ist das Ende. Ich überlebe diese Schmach nicht. And der Schein ist gegen mich. Gin fürchterlicher Zufall hält die Fäden — und ich bin machtlos." Fritz Lohgarten ballte die Hände. „Nun ist auch noch der letzte Glaube in mir zerbrochen. Wie kann man sich nur derart in einen Menschen täuschen? Dis heute hoffte ich noch immer, sie sei unschuldig, trotzdem Der Schein gegen sie war, trotzdem sie selbst zugab, Heinz Altendors zu kennen. Daß sie so tief sinken könnte, hätte ich nicht für möglich gehalten. Aber es reiht sich Glied an Glied. Sie ist ein Opfer dieses Teufels, dieses rätselhaften Altendorf!" Hin und her ging der Fabrikherr. Ein feiner Deilchenduft hing im Zimmer und wühlte ihn innerlich auf. Diesen feinen Deilchenduft liebte er, seit er ihn zum ersten Male an Traute bemerkte. Nun schmeichelte er sich in sein Hirn, haftete seiner eigenen Kleidung an, weil Traute vorhin an seiner Drust geruht. Plötzlich blieb er stehen. Sein Blick fiel auf ein feines Tuch, das auf seinem Schreibtisch lag. Ein dunkles Not jagte über seine Stirn. Auf welchen Weg wollte er sich da begeben? Was hatte er getan? Die schöne, leichtsinnige Frau Eva Z... war hier bei ihm gewesen, nachdem er sie vor einigen Tagen im Spielklub kennengelernt? Sie war hierher zu ihm gekommen. und er hatte sie geküßt? Ganz bewußt, ganz absichtlich, ohne jedes Ideal in sich hatte er die Frau geküßt! Pfui! Fritz Lohgarten fing an, sich sinnlos zu verschleudern! Dem Tuch entströmte ein starkes Pariser Parfüm. Aufdringlich, kokett — wie Frau Eva selbst war dieses Parfüm. Nein! Nicht mehr! Nicht mehr das! Es bleiben nur Ekel und Abscheu zurück. Lohgärten setzte sich ans Fenster, Unb um ihn war wieder der feine, diskrete Duft, der Trautes Kleidern anhaftete. ElftesKapitel. Ilse Wiedener war zufrieden mit ihren Ermittlungen. Dieses Mädchen, diese Traute Dol- scher traf sich tatsächlich mit Heinz Altendorf. Und das noch dazu auf dem Wege von ihrem Dienst in der Fabrik! Dos mußte man der Gattin des Sängers zu wissen tun. Das war einfach Menschenpflicht. Der von ihr beauftragte Detektiv hatte ganze Arbeit geleistet und war gut bezahlt worden. Ilse war noch immer außer sich über die erlittene Niederlage. Hub ihr einziger Wunsch war der, Traute im Mittelpunkt eines Skandals zu sehen. Sie muhte brüskiert werden. Hnd Ilse Wiedener schrieb an Frau Altendorfl Anonym! Scheute sich nicht und tat dieses Derwerflrchste. Als der Drief fort war — sie hatte ihn selbst tum Driefkosten getragen — da hätte sie ihn ja gern wieder in ihren Händen gehabt, diesen Oberhessischer Kunftverem. Dom Oberhessischen Kunstverein in Gießen wird uns geschrieben: Sonntag um 11 Hhr beginnt die bereits im letzten Jähre mit großem Interesse aufgenommene Ausstellung „Frauen der Gegenwart". Diesmal sind es vier Künstlerinnen, die ihre Arbeiten hier in Gießen gemeinsam ausstellen. Dvn Sulamith Wülfing können wir für die erste Woche leider nur neuere Arbeiten, die bisher im Druck erschienen sind, zeigen, da die Originale xur Zeit noch anderweitig ausgestellt sind, und erst von Sonntag, 30. Oktober, ab hier gezeigt werden können. Sulamith Wülfing hat ja bereits bei ihrem letzten Hiersein eine große Gemeinde gefunden, wie in vielen anderen Städten auch, und es ist zu erwarten, daß auch ihre diesjährigen Arbeiten die gleiche Aufmerksamkeit und Degeisterung finden werden, wie im letzten Jahre. impressionistischen Malerei gehörte, hat die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf sich gezogen. Im Jahre 1909 beteiligte sie sich neben Kandinsky, Marianne von Werefkin, Kanold und Erbslöh an der Gründung der „Reuen Künstler-Vereinigung" in München. Ihre Arbeiten fand man regelmäßig in den Ausstellungen dieser Vereinigung, sowie in denen des „Blauen Reiter" und des „Sturm". 1926 war Frau Münter auf der Internationalen Ausstellung in Neuyork vertreten. Die heutige kleine Kollektwn beschränkt sich auf die inzwischen gereifte Kunst und bringt neueste Werke, die auf dem Landsitz der Malerin in Murnau am Staffelsee entstanden sind. Es sind also diesmal Künstlerinnen verschiedenster Auffassung im Kunstverein zusammengekommen, und wir glauben deshalb mit Recht, daß die Ausstellung als solche stärkstem Interesse von seilen aller Kunstfreunde, auch soweit sie noch nicht dem Kunst- oerein angehören, begegnen wird. Wir haben deshalb die Besuchszeiten erweitert. Es ist Diesmal neben den Sonntagen auch an 4 Wochentagen ein Besuch möglich. ** Dienstjubiläum. Der Gelderheber Heinrich Münch kann heute auf eine 25jährige Tätigkeit beim Städtischen Gas- und Wasserwerk zurückblicken. Der Jubilar wurde von seinen Kollegen mit zahlreichen Ehrungen bedacht. ** Ausstellung der Hausfrauenberatung. Dem gestrigen Bericht über die Veranstaltung der Hausfrauenberatung „Das Kind in gesunden und kranken Tagen" ist nachzutragen, daß auch die Pfeiffersche Universität'sbuch- Handlung, Walltorstraße, mit einer Ausstellung von Jugendliteratur vertreten war. "Rindermarkt inGießen. Am nächste'? Dienstag findet hier Nindvieh-(Nutzvieh°)Markt statt. Nächster Schweinemarkt am 9. November. Deutschtum in Not! Giraßensammlungzum Besten der deutschen Schuten und Krankenhäuserin Afrika. Wählerliste einsehen! Das Wahlrecht bei der Reichstagswahl kann nur ausüben, wer in der Wählerliste verzeichnet steht! Letzte Linsichtsmögiichkeit in die Wählerliste heute bis 13 Uhr und am morgigen Sonntag von 9 bis 13 Uhr im Stadthaus, Bergstraße, parterre, Zimmer 13. wer Zweifel hegt, ob fein Jlamc in der Wählerliste enthalten ist, sehe rechtzeitig nach! Agnes von Bülow, eine geborene Hamburgerin, die Gattin eines deutschen Juristen, der ebenfalls Maler geworden ist, lebt zur Zeit in Brüssel. Jahrelang hat sie in Paris gearbeitet und auch dort ihre Bilder gezeigt. Sie ist Schülerin von Martin Brandenburger und Angelo Jank. Sie zeigt hier Arbeiten aus früheren Jahren als Lithographien und Holzschnitte und aus den letzten Jahren Porträtszeichnungen und Algraphien. Luise K l e m p t nimmt diesmal den größten Teil des Ausstellungsraumes in Anspruch, schon» deshalb, weil ihre Arbeiten großes Format haben. Anderseits sollten sie aber auch ein einigermaßen abgeschlossenes Bild geben, und deshalb sind sowohl Skizzen, wie fertige Arbeiten in Form von Behängen als auch Lichtbildern von ausgeführten Frescomalereien ausgestellt. Sie hat 1919 zum erstenmal in München in einer großen Kollektiv-Ausstellung ihr Können gegeigt, ist dann aber bald eigene Wege gegangen, indem sie vor allem zur Wandmalerei Überging, und eine ganze Reihe von Aufträgen sie auf diesem Wege unbeirrt weitergehen ließ. Seit 1929 arbeitet sie versuchsweise an einer „transportablen Wandmalerei". Es sind mit Wasserfarben gemalte Wandbehänge, von denen wir eine ganze Reihe Originale zeigen können. Als vierte, wieder ganz verschieden, stellt Gabriele Münter ihre Arbeiten aus. Es ist nur ein kleiner Ausschnitt unter dem Thema: „Landschaften und Blumen aus Murnau", geschaffen in den beiden letzten Jahren. Gabriele Günter, die schon vor dem Kriege zu den deutschen Vorkämpferinnen der nachDie deutschen Schulen und Krankenhäuser in den unter Mandat gestellten deutschen Kolonien kämpfen einen schweren Kampf um d ie Erhaltung ihrer Selbständigkeit. Nach dem Verlust der Kolonien war das Deutschtum gezwungen, die kulturellen und charitativen Einrichtungen, die vordem von der deutschen Verwaltung unterhalten oder gefördert wurden, ganz aus eigener Kraft zu erhalten, da die Mandatsmächte den deutschen Kultureinrichtungen ihre Fürsorge nicht zu- wandten, sich vielmehr bestrebt zeigten, nach Erlangung der politischen Macht auch auf kulturellem Gebiete den deutschen Einfluß zu beseitigen. Verlangte schon in den letzten Jahren die Erhaltung und der weitere Ausbau der deutschen Schulen und Wohlfahrtseinrichtungen große Opfer, so ist heute das deutsche Kulturwerk in Sübroeff- und Deutsch-Ostafrika aufs äußerste durch die Folgen der Weltwirtschaftskrise gefährdet, die auch die deutschen Farmer und Siedler in den Kolonien schwer in Mitleidenschaft gezogen hat, so daß sie kaum noch in der Lage sind, die nötigsten Mittel für die Erhaltung der deutschen Privatschulen und Krankenhäuser aufzubringen. In Deutschland sind es die Deutsche Kolonialgesellschaft und der Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft, die sich dank der Unter« stützung ihrer Mitglieder und weitester Kreise des deutschen Volkes insbesondere der deutschen Schulen und Schülerheime in den Kolonien erfolgreich angenommen haben. Mit ihrer Unterstützung gelang es dem Deutschtum in Südwest, bis heute die Deutsche Oberrealschule in Windhuk, die Deutsche Realschule in Lüderihbucht und die Deutsche Schule in Karibik als rein deutsche Unterrichts- und Bildungsstätten zu erhalten. Sie sind die Eckpfeiler deutscher Kultur gegen die Entdeutschungsbestrebungen des Mandatars, und ihre Schließung würde das Ende eines unabhängigen deutschen Dildungswesens in der Kolonie bedeuten. Damit würde die zukünftige deutsche Generation völlig dem englischen und burischen Einfluß unterworfen und der heute noch deutsche Charakter des Landes würde mit Sicherheit verloren gehen. In Deutsch-Ostafrika, das seit einigen Jahren einer stettg zunehmenden Zahl von Deutschen eine neue Heimat geworden ist, hat der Frauenbund die Inittative zur Errichtung kleiner Heimschulen ergriffen, die sich als die ersten Pflanzstätten deutschen Wesens und deutscher Kultur erfreulich entwickelten. Auch ihre Erhaltung und ihr dringend notwendiger Ausbau ist unter den gegenwärttgen wirtschaftlichen Verhältnissen aufs äußerste gefährdet. Es gilt aber nicht nur, die Heranwachsende 3ugenb im deutschen Geiste zu erziehen, es gilt vor allem, für einen gefunden deutschen Nachwuchs zu sorgen. Dieser Aufgabe dienen die vom Frauenverein vom Roten Kreuz für Deutsche über See geleiteten Wöchnerinnenheime, das Heim in SWako p m u n d und das von der Deutschen Kolonial- gesellschaft errichtete Wöchnerinnenheim „Elisa- berhhaus" in Windhuk. Sie gelten im ganzen Lande als Musterstätten ihrer Art und haben wesentlich dazu beigetragen, daß ein lebenskräftiges und gesundes deutsches Geschlecht in der alten Kolonie heranwachsen konnte. Die wirtschaftliche Bedrängnis, in der die Mehrzahl der deutschen Farmer sich befindet, bedeutet eine große Gefahr für den deutschen Nachwuchs, wenn es nicht gelingt, auch aus der Heimat erhebliche Mittel für freie oder verbilligte Unterbringung deutsch er Farmerfrauen in diesen Heimen aufzubringen. Es geht nicht nur um das Schicksal von Tausenden deutscher Kinder in Afrika, es geht um die Erhaltung des deutschen Charakters unserer gegenwärtig in fremder Hand befindlichen Kolonien. Darum verdienen die von den drei Verbänden aus Anlaß der 50-Iahrfeier der Deutschen Kolonialgesellschaft im ganzen Reich veranstalteten Straßensamrnlungen zur Bereitstellung * von Mitteln für die deutschen Schulen unverhängnisvollen Brief: aber nun war es zu spät. Sie schalt sich feig, weil sie nun plötzlich Unheil befürchtete, mit dem sie nicht gerechnet hatte: sie hatte doch nur gedacht, daß Hilma Altendorf von ihrem Bruder Lohgarten die Entfernung Traute Dolschers verlangen könne. Lohgarten war der Vormund dieses Mädchens, was sie nun auch erfahren hatte, und wenn er nun auch von seiner Stiefschwester erfuhr, wie schlecht diese Traute Dolscher war, dann würde er sie doch auch schon von sich aus entfernen. Dann würde er endlich glauben, daß ihn dieses junge Ding betrog. Und nun war es Ilse doch wieder, als hätte es nichts Besseres für sie geben können, als diesen Dries zu schreiben. Sie konnte nun in Ruhe abwarten. Ihre sinnlose Leidenschaft für Fritz Lohgarten wuchs. Wenn sie ihn auch manchmal zu hassen glaubte, dann wußte sie doch schon im nächsten Augenblick, daß es ja nur Liebe und Verlangen waren, was sie für ihn fühlte. Nichts weiter war es. Und er mußte ihr Gatte werden, und es würde ja auch sein, wenn nur erst Traute Dolscher aus dem Wege geräumt war. Dieser Gedanke war längst zur fixen Idee bei ihr geworden. Und nun war aus dieser fixen Idee eben jener unselige Dries entstanden. Dieser Drief, der ihren eigenen Untergang besiegeln sollte. Traute war daheim. Still und apathisch saß sie in Vater Dolschers großem Stuhl am Fenster und sah in den Garten hinaus. Nun ging es schon wieder auf den Frühling zu. Doch sie freute sich nicht daraus. Sie freute sich über nichts mehr. Fritz Lohgarten hielt sie für eine Diebin! Muhte sie dafür halten. Täglich hatte sie auf das Verhör durch die Polizei gewartet: doch niemand war gekommen. Und den Vater zu fragen, das wagte sie nicht. Er wußte nichts! Absolut nichts! Er hatte nur einmal gesagt, daß der Chef den Kopf sehr voll haben müsse: er spreche kaum ein Wort mit ihm, wenn sie sich einmal zufällig träfen. Aber feine Augen unter den buschigen Dräuen hatten doch etwas mißtrauisch auf Traute geruht. Und das Mädchen hatte die Hände ineinander verkrampft. Was sollte sie denn sagen? Und was sollte nun überhaupt geschehen? Sie konnte doch nicht Immer hier daheim sitzen? Und so elend fühlte sie sich doch auch nicht mehr, daß sie nicht hätte arbeiten können. Auch heute ging sie ernstlich mit sich zu Rate, ob es nicht besser sei, den Pflegeeltern alles zu sagen. „ Mitten hinein in diese Erwägungen kam ein Dole von Herrn Lohgarten mit einem Briefe. Mit zitternden Händen öffnete Traute das Schreiend dann las sie. Las und glaubte doch nicht, was dort stand. Herr Lohgarten schrieb, daß sie ihren Posten im großen Büro wieder antreten könnte, sobald sie sich gesundheitlich dazu in der Lage fühlte. Traute sagte dem Boten, daß sie morgen früh ihren Dienst wieder antreten würde. Als sie allein war, faltete sie die Hände. War der Dieb gefunden worden? Hatte ihre Unschuld sich herausgestellt? Ich trete morgen früh meinen Dienst wieder an", erklärte sie beim Mittagessen. Der Vater atmete tief auf. Heber den Tisch hinweg streckte er ihr die schwielige Hand entgegen. „Gott sei Dank, Traute! Ich hatte mir nämlich ganz infame Gedanken gemacht. Aber nun ist ja alles in Ordnung." Traute schaute ihn still an. Dann sagte sie: „Ja, es ist alles in Ordnung." Hnd während sie das sagte, dachte sie: Zu den lieben Menschen hier, die jetzt meine Eltern sind, bin ich unaufrichtig. Wie darf ich das? Aber ich darf doch auch nicht sprechen, bis ich weih, was Herr Lohgarten in dieser Beziehung wünscht. Vater Dolscher war sehr gesprächig heute, und auch am Abend brachte er in guter Laune einige Leckerbissen mit. Und dann sahen sie gemütlich beisammen. Traute aber war innerlich nicht so ruhig, wie sie nach außen hin schien. Wenn nun Herr Lohgarten in ihr noch immer die Diebin sah und nur aus irgendeinem Grunde geschwiegen hatte? Ober hatten sich die Listen wiedergefunden, und er bereute nun sein Hnrecht, sie, Traute Dolscher, verdächtigt zu haben? „Ach so, was ich euch erzählen wollte: Hnser Chef heiratet die Wiedener nicht. Der Offermann hat es mir heute gesagt", meinte Vater Dolscher und trank einen Schluck Dier. „Nicht? Aber ich denke, das war so gut wie fest?" fragte seine Frau erstaunt. „Hm! Das hat man so gedacht. Aber Offermann sagte, er wisse vom Chef, daß alles bliebe, wie es jetzt sei, und die Werke könnten vorläufig nicht wieder eröffnet werden. Hnd wenn der Wiedener mit seinem vielen Geld dahinterstecke, dann sei das doch ein Leichtes gewesen. Wahrscheinlich habe es sich der Chef im letzten Augenblick doch noch anders überlegt.“ Trautes feine Finger zitterten. Vater Dolscher sah es, und er dachte traurig: Es stimmt schon alles: sie liebt ihn! Hnd so wird das Leid nie wieder von ihr weichen, denn gut werden kann das ja nie. Aber er sagte nichts, der alte Mann. Gr griff nach seiner Zeitung, die er jetzt immer selber vorlas, weil Traute es nicht wollte. Aber er las heute auch nicht laut, sondern er las still für sich, während seine Frau ein Nickerchen machte. Traute aber setzte sich wieder ans Fenster, schob den weihen Vorhang ein bihchen zur Seite und sah hinüber zu den Fenstern Fritz Lohgartens. Es brannte wieder Licht. In diesen letzten Wochen hatten oft, sehr oft die Fenster drüben im Dunkel zu ihr herübergesehen. Arn anderen Morgen war sie pünktlich im Düro. Sie setzte sich auf ihren Platz und arbeitete. Gegen elf Hhr ging der Chef durch das Düro. Er grüßte kurz und ging weiter. Trautes Herz flatterte unruhig. Sollte das nun immer so bleiben? Dah er so kühl und kurz c» i • 9 9 Die Tränen fliegen ihr in die Augen. Dann aber fragte sie sich, was sie denn eigentlich verlange? Er behandelte sie genau so, wie er seine übrigen Angestellten behandelte. Aber ihr war todtraurig zumute. Hnd dann kamen ihr die wundervollen Tage in die Erinnerung, an denen sie mit ihm Zusammen drüben im Laboratorium arbeiten durfte. Vorbei auf immer. Hnd es war ja schließlich auch gut so. Er wurde Ilse Wiedener nicht heiraten! Ob dieses Gerücht recht behalten würde? Hnd weshalb dünkte sie, Traute, dies ein ungeheures Glück? Weshalb hatte sie immer an das große, blonde, reiche Mädchen denken müsseri und daran, daß es kein Glück für Fritz Lohgarten fei, wenn er dieses Mädchen heiraten würde? Hnd dabei wußte sie doch, was für ihn, für feine Werke von dieser Heirat abhingl? Weil ich ihn liebe! Weil — weil — ich es nicht ertragen würde, wenn gerade sie ihn besitzt!, dachte sie. 2m Laufe des Tages erschrak Traute einmal furchtbar. Sie blickte in ein Paar kleine schwarze Augen, die sie mit unverhohlenem Haß angestarrt hatten. Duchhalter Eckert! Was hatte er gegen sie? Weshalb sah der Mann sie mit solch haßerfüllten Augen an? Hatte sie denn nur Feinde hier im Büro? Die Mädchen hatten sie von allem Anfang an unfreundlich behandelt. Hnd Traute fand es plötzlich schwer, hier tagaus, tage in zu arbeiten. Inmitten von Menschen, die ihr nicht wohl wollten. Die Arbeit ging ihr heute nicht flott von der Hand. Hnd Traute beschloß, diese eine Arbeit, die ihr als eilig bezeichnet worden war, heute unbedingt fertigzumachen. Sie würde sich die Arbeit mit nach Hause nehmen. Dann konnte sie noch ungestört zwei Stunden schreiben. Als nach Feierabend alle Angestellten das Büro verlassen hatten, suchte sie sich einen passenden Bogen Papier, um das dicke Buch einzu- hüllen, denn in ihre Aktentasche ging es nicht. Gin großes Regal stand im Vorraum. Dort wurde immer allerlei verstaut, was jeder schnell los sein und was man doch noch nicht wegwerfen wollte, weil es noch irgendeinem Zweck dienen konnte. Traute suchte. Sie fand aber nichts. Die Dogen waren alle zu klein. Da klemmte aber doch noch ein graues Papier?! Traute zog es hervor, breitete es auseinander. Da flatterte etwas Weißes, Zusammengefattetes zu Boden. Traute hob es auf, faltete es auseinander. Die gestohlene Liste! Hnd das andere Papier? Ein Kuvert! Hnd es trug die Adresse vom 'Buchhalter Eckert!? Von einer ausländischen Firma!? Brüssel!? Wie kam gerade dieses Kuvert mit der gestohlenen Liste zusammen? War das eine Schicksalsfügung? Hatte Buchhalter Eckert diese Liste gestohlen? Traute packte beide Papiere in 'ihre Tasche. Dann nahm sie das schwere Buch und den verstaubten Bogen Papier unter den Arm und ging. Draußen fragte sie den alten Dürodiener, ob der Chef noch zu sprechen fei. Der sah sie sehr sonderbar an; dann zeigte fein Daumen über die Schulter. „Hm! Der Chef ist im Laboratorium. Er wollte nicht mehr gestört werden. Ob er da nun noch für geschäftliche Angelegenheiten zu sprechen sein wird, ist fraglich. Ich will es einmal versuchen." Traute sah ganz blaß aus, als sie dringend bat: „Melden Sie doch Herrn Lohgarten, es ftl etwas ganz Wichtiges!" Der Alte ging. (Fortsetzung folgt.) OJ.-fpor/ Wirtschaft i gclve-en jeii i { Staat erbitterter X v,.9'm ho i °^kannt, bi v’.lI '°"dern 8| j ÄI?n ätsche! DevisenmorkI Berlin — Jranffur! a. 2TL 21-Oktober Amtliche Jlofleruna «rld । »rle* o ( ä (i 4 ii 0 (| ii I bB > 9 10 11,4 6,13 6,25 3,25 3,35 3,3 4.75 7.9 Dank für ihre Mithilfe aussprechen. Ganz besonderer Dank sei auch noch den Herren Schuldirektoren für die Genehmigung dieser Mithilfe gefügt. An alle Freunde der deutschen Kultur in den Kolonien ergeht hiermit die herzliche Ditte, die „Iubiläumsfommlung der Deutschen Holonial-- gefellschaft zum Besten der deutschen Schulen und Krankenhäu'ec in den Kolonien" noch Kräften zu unterstützen! A-Mperte M.naebübr-; 3,3 4,55 8,05 4 J3 vreiberr ooi Rutschen Reiche Krankenhäuser in Afrika, diewärmsteLlnter- st ü tz u n g aller, denen die Zukunft der Deutschen in den Kolonien und dieser entrissenen Gebiete selbst am Herzen liegt. In Gießen findet die Strastensammlung am Sonntag. 23. Oktober, statt. (Sie wird ausgeführt von Schülern und Schülerinnen des Gymnasiums, des Real-Gymnasiums, der Oberrealschule und des Lyceums. denen die hiesigen Veranstalter der Sammlung herzlichen Spielvei-einigung 1900 Gießen. 1900 Reserve — VfB. Reserve. Aus dem Platz der Spielvereinigung treffen sich morgen die beiden Reservemannschaften von VfB. und 1900. Man erwartet einen spannenden Kampf. Zwar treten die VfBer verstärkt an, zu einem Siege über die ausgeglichenere Mannschaft der Spielvereinigung wird es aber kaum reichen können. Mit knappem Torunterfchied sollte das Spiel für 1900 enden. Die 3- Mannschaft der Spielvereinigung trägt ein Verbandsspiel in Rieder-Weifel gegen die dortige 1. Mannschaft aus. Die Gastgeber sind auf ihrem Platz durchaus achtbare Gegner und werden sich nicht leicht schlagen lassen. Die 4. Elf ist spielfrei. Die 5. Mannschaft wird gegen Klein-Linden antreten. Iugendspiele. Die A I-Iugend hat in Leihgestern gegen die A I-Zugend des Platzbesitzers anzutreten. Die 1900er dürften die besseren sein und sich auch auf des Gegners Platz den Sieg kaum nehmen lassen. A II-3ugenb wird auf eigenem Platz gegen die 1. Jugend Mu'csirnheims spielen und die Punkte aus diesem Pflichtspiel für sich in Anspruch nehmen. Eine Schülennannschast absolviert ein Gesellschaftsspiel gegen Wiesecks Schüler. Handball der Sp.-Vg. 1900 Heute nachmittag empfängt eine kombinierte Mannschaft der Spielvereinigung 1900 zum Freundschaftsspiel die 1. Mannschaft des TV. Hausen (2IDI.). Die Käste stellen eine kampfkräftige Mannschaft ins Feld, die die 1900er zur Hergabe ihres ganzen Könnens zwingen sollte. Der Spielausgang ist ungewiß. Am Sonntagvormittag tritt zum Pflicht- fpiel des VfL. Wetzlar mit seiner 1. Mannschaft gegen 1900s 2. Garnitur hier in Gießen an. Die Platzmannschaft ist noch nicht so stark, daß sie einen glatten Sieg der Wetzlarer gefährden könnte. 6,206 52,05 12,485 3,063 169.97 72,17 74,77 73,72 14,32 0,912 4.217 58,62 21,59 16,53 81,45 34,53 82.18 0.981 0.296 5,606 13,02 BfB. Gießen. Die 1. Elf fährt nach Frohnhausen. Die 1. Elf des VfB. bestreitet am morgigen Sonntag wieder ein Derbandsspiel. Die Elf fährt nach Frohnhausen und tritt dort gegen eine Mannschaft an, die in Gießen nicht unbekannt ist. Sie brachte sich zum DÄspiel nachdrücklichst ins Gedächtnis, als sie zu Beginn der Derbands- spiele die Erste der Spielvereinigung 1900 mit 3.1 Toren überraschend schlug. Die VfBer, die gegen die Oranier schon vor den Verbandsspielen in zwei Gesellschaftssvielen antraten, konnten beide Spiele mit knappen Ergebnissen zwar, aber doch siegreich für sich beenden. Die Frohnhausener wollen ernst genommen sein. In den Derbands- spielen werden sie sich außerdem genug bemühen, den Gießener Mannschaften, die leichthin glauben. Vormachtstellung zu haben, zu zeigen, daß mit den Mannschaften dörflicher Provenienz gerechnet werden muß. Gewitzigt durch Erfahrung zur Vorsicht angehalten durch die Riederlage, die der Lokalgegner gegen die Frohnhausener einstecken mußte, werden die VfBer gut tun, in bestmöglichster Aufstellung anzutreten und mit allem Eifer zu kämpfen. Man sollte auf Grund der Leistungen' der VfB.-Mannschaft in jüngster Zeit erwarten dürfen, daß die beiden Punkte den« Gießenern zufallen. Tie Reserveelf des VfB. tritt auf dem Platz des Lokalgegners gegen die Reserve der Spiel- Vereinigung an. Die 3. Mannschaft empfängt auf eigenem Platze des zweite des DfR. Butzbach zum Verbandsspiel. Das Spiel sollten die Gießener gewinnen. Iugendspiele. Die 1. Jugend spielt im Verbandsspiel gegen die 1. Jugend von Teutonia Watzenborn-Steinberg. Der Ausgang des Kampfes ist nicht vor- herzusagen. Die I. Schüler treten bei gutem Wetter gegen die I. Schüler von Heuchelheim an. 1,05 6,4 6,5 6,13 11,5 1.05 6.25 6.65 5,7 3,25 3,4 3,3 4,6 7,9 4,2 19 1 Hclsingsor» . Men. . . . Prag . . . Budapest. . Costa . . . Holland . . £510 .... Kopenhagen. Stockholm London. . . Buenos Aires Neuyort . . Brüssel. . . Italien. . . Pari« . . . Schweiz . . Spanien . . Danzig. . . Japan . . . Rio de Jan.. Jugoslawien. Liiiabon . 11,5 1.05 6,3 6,4 6,2 3,3 3,4 4,8 8 4.3 gesehen, ferner Hochsprung, Weitsprung, Speerwerfen, Diskuswerfen, Kugelstoßen und eine 2 0 '/.°Ru ndenstaffel. Die Reichswehr wird außerdem neuzeitliches Bodenturnen zeigen. Weber ICO Meter ist Müller (1900) unumstrittener Favorit. Für die 800 Meter hat Peters < 1900) Chancen. Um den zweiten Platz sollte sich hier zwt.chen Bcpperling und Reih (Batl.) ein scharfer Kampf entspinncn. In der 4X100= Meter-Staffel, wie auch über 5000 Meter werden die 1900er kaum zu schlagen sein. Lieber die 5000 Meter hat Schaaf keinen ernsthaften Konkurrenten. Zu den 4 100 Meter schickt die Spielvereinigung routinierte Läufer (Geist, Schicke- danz, Koch II., Müller) in das Rennen. Für das Bataillon starten hier Salz, Rehren, Hofmann und Lehr. Heber 3x1000 Meter stützt sich der Gastgeber auf gute jugendliche Kräfte. Die Soldaten verfügen über einige gute Mittelstreckler. In der 20xsi2-Runden-Staffel dürfte sich ein spannender Kampf entwickeln. Zweifellos hat das Bataillon die größere Anzahl der besseren Durchschnittsläufer, so daß es fraglich bleibt, ob sich die besseren Kräfte, die in der Mannschaft der Spielvereinigung in der Minderheit sind, behaupten können. Wenn es zu erwarten ist. daß in den Laufwettbewcrben die 1900er tonangebend sein werden, so sind es in den technischen Konkurrenzen zweifellos die Soldaten, die die Chancen haben. Im Kugelstoßen und im Diskuswerfen werden Mohl und Gugel kaum ebenbürtige Konkurrenten finden. Wenn im Weitsprung und im Hochsprung Weil bei 1900 fehlt, dann steht zu erwarten, daß sich die Soldaten auch hier durchsetzen. Jrn Speerwerfen wird 1900 von Hopfenmüller und Klos vertreten. Das Bataillon durch Rebsch und Dister. Cs kann zum Kampf um Zentimeter kommen. Im Hoch- $.21»4 4°ö OelterrcidiMdie «Büloreme 4,20% £cfteneid)t|d)C «ilbcncntr 4% Ungarische ©olbrcntc .... 4% Ungarische Staalsrenle v. 1010 4V>% bcofll. von 1913 . . . 5% abarft. Koldinexikaner von 99 4% Türkische Zotlanlcibc von 1911 4% Türkische Bagdadbabn-Anleil^ Serie l........ 4°. Dcifll. Serie II . ... d% Rumün. vereinb Rente v. 1903 4K96Ruman.vereivhRentcv.lslI 4% Rumänische vereinst Rente anntnhc . . 5 . . » . . 0 . . 6 . 10 ' 6 . . 6 . . 0 . . 6 . <*/i . 10 Norddeutscher Lloyd..... A G. für Verkehrswesen Alt. . Berliner HandelSgejellschast . Commerz, und Privat-Bank . Darmstüvter und Nastonalbank Deutsche Bank und DsSconto-Geselllchast. Dresdner Bank...... ReickSbank ...... A.G.G. . ....... Bergmann......... Elektr. LleserungSaesellschaft. Licht und ftraft...... Felten & Guilleaume.... Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen . . . Rheinische Eleilnzität . . Schuckert & Co...... Siemens & Halske . . . . Lahmeyer & Co...... Buoeiu........ Deutsche Crdol..... Gelsenkirchener..... Harpencr........ Hocjch Eisen....... Ilie Bergbau...... Ilse Bergbau Genüsse . . »wckncrwcrke...... ManneSmann-Röhrrn . . Mansfclder Bergbau . . . Oberjchlel. Kokswerke . . Phönix Bergbau..... Rhein ticke Braunkohl««. . Der Mannichaftszweitamps zwischen dem Bataillon und den Mannschaften dec Spielvereinigung 1900 soll zu einer ständigen Einrichtung werden. Als der Wettbewerb im vorigen Jahre zum ersten Male ausgetragen wurde, war man schr gespannt auf den Ausgang. Man hatte noch keinen Maßstab. Militär gegen Sportverein! Wie konnte das ausgehen? Hier die speziell trainierten Sportler, dort die universell trainierten Soldaten mit den guten durchschnittlichen sportlichen Leistungen! - Es gab einen außerordentlich spannenden Kampf, den die Sportler mit nur 3 Punkten Vorsprung gewannen. Run steht dieser Zweikampf wieder bevor Wer diesmal den Sieger stellen wird, ist nicht vorauszusogen. Ein ebenso umfang- wie abwechslungsreiches und dadurch unterhaltsames Programm ist vorgesehen. Großartiger Auftakt wird der Auf- marsch der beiden Mannschaften sein. Die Musik- fabelte des Bataillons konzertiert unter der Leitung von Musikmeister K r a u ß e. Ansprachen werden gehalten. Dann beginnen die Wettkämpfe mit den Wettbewerben der Leichtathleten. Die Siege werden nach Punkten gewertet. In den Cinzelwettiä.upfen werden für den 1. Sieg 4, für den 2. Sieg 3, für den 3. Sieg 2 und für den 4. Sieg 1 Punkt in An- rechnuug gebracht. Bei den Staffeln, wie auch bei Hand- und Fußballspiel werden für den Öicger jeweils 7. für den Unterliegendem 3 Punkte gerechnet. Die Punktwertung, wie auch die einzelnen Ergebnisse, werden laufend b.'fnnmgcgeben. Der Sieger des Mannschafts- Zweikampfes erhält einen wertvollen künstlerisch ausgeführten Wanderpreis. Das leichtathletische Programm. An leichiathletischen Wettbewerben sind 100- 4 <100. 3 1000. 800- und 5000-Meter-Laus vor- li* L» M ® a ® % 1* P S 4* ?»h 11 L Atineinichasl n,1 Der teuiich-n Imttt zu verze Staat gab, und M W © £ Auftakt der I t;nit gcrmaniid a'iui, führt uns $iaai vor W | ^manischen 01 I ttnncn wollten. Ich auch die DahUaiser der lchc.lert. Der t [ ka sirl.che Zent | uni) führte die l bii denen d>e ; überwucherte. Er gab erst unb damit eine die branbenbur <■ ftjmae „flejont stabilisieren wie s Wilhelm I.). 2e [ die sich unabhi . wünschen unb ° t konnte. Preuß | 'chränkt wie b | lag eine lulhm I liche politische < I amtenjchchl wu , Liachtkorper, bi | ftonb. priebri ■ |amh t f'.nee jed- . ?:euhischen Tta | pieMchen Lta L eine grohe beut' I grünbung unb Parteien unb g k [eine großen ! r hereingeho.t he I reaktionärer I üolke populär. • geneigt, eine L dar vollbracht | schaff oerweiger Zwingen. Diese hört zu den ehei Der Weimarei ins Volk, als ui wcchte bis heul, zu züchten, die dc Vahllawl pr»‘! sunt. und Weitivrung erwartet man auch knappe Differenzen Die Spiele. Rach den leichtathletischen Wettebewerben treten die Mannschaften zu den Spielen an. Zunächst die Handballmannschaften. Im vorigen Jahre endete der Kampf mit 2:2 Toren. Man erwartet, daß auch diesmal beide Mannschaften mit gleichwertigen Leistungen aufwarten. Die 1900er werden aber gegen die durchtrainierten Soldaten sehr schweir zu kämpfen haben. (Eigent- lich mühte hier das Bataillon den Sieger stellen.) Etwas anders liegt der Fall im Fußball, zu dem die 1900er ihre komplette erste Els stellen werden. In den Reihen der Soldaten befinden sich aber auch einige au^ezeichnete Kräfte, so daß mit einem spannenden Kampf zu rechnen ist. Die 1900er sollten aber doch den Sieger stellen. Die Mannschaften treten in folgenden Ausstellungen an: Handball: Bataillon: Gugel: Hof. Volkmann: Rehren, Fischer, Knorr: Kern, Schmidt, Krämer, Knaf, Gurt. 1900: Enders; Eger, Bir- kenstock: Schaaf, Otto, Rode I.; Linsemann, Auer, Betz, Herbert 1., Herbert II. Fußball: Bataillon: Völker: Kahn, Henrichs; Dauswein, Schultheiß, Wagner; Ruppert, Schupp. Müller, Fischer, Ritter. 1900: Schlarb; Luft. Zeiler, Schmidt, Heilmann, Langsdorf; Glitsch. Goebel. Lippert. Arnold, Jäckel. Die Veranstaltung, die in den Kreisen des Gießener Sportpublikums sicherlich auch in diesem Jahre wieder viel Interesse finden wird, beschließt eine Feier in der Liebigshöhe. vsn ein‘Srti Wochenbericht vom Frankfurter Vroduktenmarkt. An der Getreidebörse hielt die matte Haltung auch in dieser Berichtswoche an. Es herrschte bei allen beteiligten Kreisen am Getreidehandel starke Zurückhaltung. Hinzu kam der außerordentlich geringe Mehlabsatz. Infolge der regnerischen Witterung hat sich die Landwirtschaft wieder mehr dem Getreidedrusch und -Verkauf zugewandt. Die Tatsache des stärkeren Angebots hat natürlich ein weiteres Abgleiten der Preise verursacht. A-M Brotgetreide markt gingen die Preise bei denkbar geringsten Umsätzen für Weizen um 2 und für Roggen um 1 Mark zurück, trotzdem die halbstaatlichen Stellen Ware aus dem Markte nahmen. Weizen mit 76,50 Kilogramm Hektoliterge- wicht, gut, gesund und trocken notierte 212,50 bis 211,50, Roggen 70,50 Kilogramm Hektolitergemicht, güt, gesund unb trocken 162,00 Mark per Tonne. Die bessere Stimmung am Gerstenmarkt hielt an. Die Brauereien zeigten lebhaftere Nachfrage, so daß der Preis um 5 Mark auf 185 bis 190 Mark per Tonne anzog. Relativ befriedigend war auch das Geschäft in Futtergerfte. Da Auslandware so gut wie nicht vorhanden ist, fand die inländische Futtergerste in den Mästergcdieten ziemlich guten Absatz. Der Preis stellte sich im freien Markt auf etwa 180 Mark per Tonne und lag ebenfalls um etwa 5 Mark höher. In Hafer fanden nur wenig Abschlüsse statt, doch kann die Marktlage als stetig bezeichnet werben. Die amtliche Notiz blieb mit 142,50 bis 147,50 Mark per Tonne gegenüber der Vorwoche unverändert. Untergebote von etwa 1 bis 2 Mark führten allerdings zu etwas besserem Geschäft. Am Futtermittelmarkt bröckelten die Preise weiter ab, und zwar für Weizenkleie um 0,25 und für Roggenkleie um 0,40 Mark je 100 Kilogramm. Oelhaltige Futtermittel lagen nach vorübergehender Schwächeneigung später wieder stetiger, wobei die festere Haltung an den Weltmärkten für Leinsaat und Soyabohnen etwas anregte. Es notierten: Wc Zenkleie 7,50, Roggenkleie 7,50, Treber getrocknet 10,75 bis 11,25, Soyaschrot 10,50 bisl0,75, Erdnußkuchen 12,50 und Leinkuchen 12,00 bis 12,50 Mark. Das Mehlgeschäft stockte in der abgelaufenen Woche fast vollkommen. Die Umsatztätigkeit beschränkte sich nur auf die Deckung des allernotwen- digsten Bedarfes. Die Forderungen der Mühlen waren bis zu 0,50 Mark ermäßigt. Selbst die um eiwa 1 Mark unter den Konventionsmühlenforderungen liegenden Preise der Kleinmühlen, die in diesem Jahre sehr wettbewerbsfähig sind, fanden kaum Beachtung. Je 100 Kilogramm in Mark ab Frankfurt notierten: Weizenmehl südd. Spezial 0 30,75 bis 32,05, do. niederrhein. Spezial 0 30,75 bis 31,80, Roggenmehl, 60proz. Ausmahlung, 23,50 bis 24,50. Das Geschäft in Kartoffeln verlief weiterhin sehr ruhig. Der Preis für Jndustriekartoffeln hie- s ger Gegend war mit 1,90 bis 1.95 Mark per 50 Kilogramm, bei Waggonbezug um 5 Pf. höher als in der Vorwoche. SsÄ 'Hn E, "• DQS Nte to ist i *xnn über "»U" ;dee dez fr1 SÄS NM ittayt." st;*?; Ich wird, luchen Sbrm ien fi?der ’eriüat nT>.x 005 eno ii* IMischasts-Zweikamps lyW-Vaiaillon Ausklang der leichtathletischen Saison. ^^igesanor. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Auch eine Warnung. Der Einsender der „Warnung an die Regierung" bezeichnet sich als ..Steuerzahler". Run ist cs ja recht löblich, seine Steuern pünktlich zu zahlen, aber das tun wir schließlich alle — mehr oder weniger — ohne doch daraus das Recht her- zuleiten, über Dinge zu reden, von denen wir keine Ahnung haben. Jedenfalls gibt es in Gießen Steuerzahler, solche nämlich, die Studentenbuden vermieten oder als Geschäftsleute an Studenten verdienen, die wenig entrückt sind von der Absicht, die Studenten gewUsermaßen aus Giehen wegzu..ekeln". Tat'ächlich ist es doch bei dem augenblicklich herr'chenden Zustand, für den nun endlich Abhilfe ge-chaffen werden muß, so. daß der Kunsthistoriker durch äußersten Platzmangel 'ehr stark in der Arbeit behindert wird. Ist es da ein Wunder, wenn er Gießen nicht auf'ucht, oder es wieder verläßt, um an eine andere Universität zu ziehen, deren Steuer- Zahler ihn mit offenen Armen aufnchmcn, die sich freuen über jeden Zuwachs ihrer ilnmerfität und nicht jubilieren in dem Gedanken, die Zahl der Studierenden möchte abnehmen. Es ist zweifellos äußerst schädlich für den Besuch einer Universität (und damit für den Säckel der Steuerzahler), wenn auswärts das Gerücht auftaucht, die Bürger der Stadt suchten den nötigen Ausbau der Universität zu verhindern. Auch ein Steuerzahler. Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviebmarki. Arn Schlachtviehmarkt traten in der verflossenen Woche keine nennenswerten Veränderungen ein. Die Tatsache des allgemeinen schlechten Absatzes blieb aber bestehen. Die ungleichmäßige Beschickung der Märkte kam in der Preisgestaltung zum Ausdruck. So lagen die Kälberpreise weiter fest, während anderseits die um einige Hundert Stück größere Beschickung des Schweinemarktes die Prei'e, die an und für sich schon rrcht niedrig sind, wieder abfinfen ließ, nachdem in den letzten Wochen eine ziemlich stetige Marktlage zu verzeichnen war. Am Großviehmarkt war der Auftrieb mit 1656 Stück um 70 Tiere stärker. Rach ruhigem Handel verblieb Aeberstand, besonders bei Kühen und Färsen, während Och'en und Dullen etwas belferen Absatz fanden. Die Preisbildung war uneinheitlich. Während Dullen 1 bis 2 Mart anzogen und Ochsen und Kühe unverändert blieben, gaben Färsen 1 Mark nach. Ochsen al) 29 bis 32, a2) 25 bis 28, bl) 22 bis 24. Dullen a) 27 bis 29, b) 23 bis 26. Kühe a) 24 bis 26. b) 20 bis 23, c) 17 bis 19, d) 14 bis 16. Färsen a) 30 bis 32, b) 26 bis 29, c) 22 bis 25. Die saisonmähige Befestigung der Kälber- preise setzte sich in dieser Woche um 2 bis 3 Mark fort, wozu auch der verringerte Zutrieb (1153 gegen 1452 Stück) wesentlich beitrug. Rach mäßig regem Handel wurde der Markt ausverlauft. Kälber b) 43 bis 46, c) 38 bis 42, d; 32 bis 37. 2lm Schafmarkt blieben die Preise der Vorwoche unverändert. Der Austrieb von 545 Stück gegen 736 Stück wurde nach mittelmäßigem Geschäftsgang geräumt. Schafe al) 24 bis 26 b) 20 bis 23, c) 15 bis 19. Der Geschäftsgang am Schweinemarkt verlief in dieser Woche sehr schleppend, so daß bei 1 bis 3 Mark weichenden Preisen ziemlich Ucberftanb verblieb. Die Beschickung war mit 5923 Stück um 561 Stück größer. Schweine b) 41 bis 45, c) 40 bis 45, d) 39 bis 44. Frankfurter Abendbörse schwächer. Frankfurt a. M., 21. Oft. An der Abendbörse verharrte der Markt in nahezu völliger Stagnation. Es machte sich eher eine schwächere Stimmung bemerkbar, die durch die niebriaeren Neu- yorker Anfangskurse und schwache Pariser Schlußkurse heroorgerufen wurde. Im allgemeinen blieben die Kurse gegen den Mittagsschluß fast unveränderl. JG.-Farben bröckelten um etwa 0,25 v.H. ab. Dagegen waren am Rentenmarkt Alibesitzanleihe 0,25 v.H. höher. Altbesitzanleihe 48,36 bis 48,25, Neubesitzanleihe 6,40, Schutzgebietsanleihe 5,20, Reichsbank 125, Buderus 38,75, Gelsenkirchen 39, Kali Westeregeln 101, Mannesmann 50,50, Stahlverein 22,75, Aku 55,25, Bekula 113,75, Zement Heidelberg 49,50, Licht & Kraft 87,75, JG.-Farben 94,25, Holzmann 54,25, Lahmeyer 116, Siemens 116, Süddeutsche Zucker 131, Reichsbahnvorzugsaktien 87, Norddeutscher Lloyd 17,25. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 o. H. 20. Oktober Ämillcke Roiicruna (Reit- ' Ärte° I ’NHampf wird 'chn, und alle P Irilat gegen die $ I entsetzt sein, was | I Achtet haben, w I nehmen sollten. England uni I Zcchchlliche Erleb ' ?t°!Ntunb I Ä.lft ö,e üie italienisch ben l'aat . M Daran, die 2li ‘-Dalum öainDurg-Vlmerna Paie. . u Hamburg-Südam. Dampsschjsj. o Han>a Damphchisi . . i Zrantsurt a. 2)1. Berlin Schluß» turs (Schiußt. Abmd» börl' tSchiuß» lur» Schlußk. Mittag» börse Datum 20.10. 21.10. 20.10. 21-10. 6-;u Si undie Mnv -Danl.Lbin.-Goldptc. . 6% ehcm 8% Pr. Landesviand- 79,75 80 — — brieianstai, Pfandbriefe R. 19 6% ehem. 7% Br. Landespfand. 73 72,5 — 72,25 briekanslait Piandbricte R. i'' 73 73 — — Jranffurt a.Dl. Berlin Frankfurt a. 271. Äerlin Schlußkurs Schluß!. Abend» börse Echluß» turs Schluß!. Mmag» bör>'e Schluß- furd Schlußk. Abend« börf-: Schluß» hird Schlußk. Mittag» börse 20-10. 21.10. 20.10. 21.10. Oahim 20-10. 21.10. 20-10. 21-10. 16,5 16.5 16,65 16,75 Medeck Montan...... — __ — — 29,75 — Bereinigte Stahlwerke . . . . 0 22.5 22,75 22,5 22,65 ■“■ 28,25 28 Olavi Minen....... 0 16,25 16,25 16 16 17 17,25 16,9 17.25 Kaliwerke AjcherSIeben . . . 6 98 97,5 98,5 97,5 40 40 39,75 39.25 Kaliwerke Westeregeln . . . 6 103 101 102,5 101.5 90,5 53,5 90,5 53,5 90,5 53,5 90.5 53,5 Kaliwerke SaUdeliurtb . . 9 162 162 162 162 I. ®. Färben-Industrie. . . 94.4 94,25 94,13 94,4 75 75 75 75 Lcheidcanstalt....... 10 139.5 139 - 61,75 61,75 61,75 61,75 Gotdichmidl........ . 0 26,13 25,5 26,13 26 125 125 125,25 125,75 Rütgerswerke....... . 0 39 39 39 38.75 32,4 32,13 32 32,25 Metallgeicllichast..... . 0 34,25 34,25 34,65 34,5 — — — 20,75 67 86,75 54 65.5 85.75 54 65 75 65,75 Philipp Holz mann..... • °l 54,65 54,5 54,25 86 54.25 85,75 Zementwerk Heidelberg. . . . 4 49.5 49.5 53,9 (Scncntroerf Karlstadt. . . . . 0 50,9 51 — — 69,75 70 69,75 70,25 Wayn & Frevtaa . . . . 0 4,75 4,75 — — 71,25 71,5 72 71,5 70,25 116 117 70.25 116 116 70 116 117 70.75 117 116,25 Schultheis Payenhofer . . . 0 — - 58 58 Alu (Allgemeine ftunttldbe) Bcmberg... ..... 0 0 55 55 55,25 55 54,5 54,5 55,25 53.65 38 38,751 38,65 38,75 Zellstoff Daldbo,..... 0 43,5 43 42,75 42,5 Zellswfs Alchaffenburg . . . 0 28,5 28 28 71,5 71 71,4 70.65 TcljauerGaS....... . 7 88,25 88.4 39 39 38,5 38,25 Daimler Motoren..... . 0 19,5 19,5 19,75 19.75 71 72,5 72.5 72 DeuNche Linoleum .... . 0 44,5 44,25 44,13 44 — — 36 36,5 ötenftein & Koppel .... . 0 33 32,75 — — 12 ,25 123.25 Leonhard Tieg...... . 6 45 45 45 44,75 96 95 95,13 95.13 Svenrka...... . 0 33 50.75 33 50,5 32 50,5 33 51 Gbaöe . .... 12 166,5 1641 166,75 161,75 20 19,5 20 19.5 — —— 39.9 40,13 Frankfurter Mchchtncn . . . Grchncr......... . 0 26 26 26 26 . 0 26 26 26 161,5 161.5 160,5 161,25 Mmnkraftwerke Höchst a. M.. . 4 52 53 64.4 65.25 64 64.75 Süddculichcr Zucker .... • ? 130,75 131 130,5 128.25 6,164 51,95 12,465 6.176 52.05 12,485 6,194 51,95 12,465 3,057 3,063 3,057 169.53 169.87 169,63 71,93 72,07 72,03 73,98 74,12 74,13 73,48 73.62 73,53 14.24 14.28 14.28 0,908 0.912 0.908 4.209 4 217 4.209 58,49 58,61 58,50 21,55 21,59 21,55 16,53 16.57 16,54 81,27 81,43 81,29 34,47 34,53 34,47 81,94 82.10 82,02 0,979 0.981 0,979 0.294 0.296 0,294 5.594 5.606 5.595 12,98 13,00 13,01 Banknoten. Äerlin. 21 Oktober Meld VlmetUantldje Roten....... 4.20 4,22 Belgische Roten......... 58,34 58,58 Dänische Roten......... 73.90 74,20 Englische Roten......... 14,24 14,3u yranzösische Roten........ 16,50 16,56 Holländische Roten........ 169,26 169,94 Italienische Roten....... 21.50 21,58 Norwegische Roten........ 71,86 72, M Deutsch-Lesterrcich, 4 100 Schilling Rumänische Roten........ 2,44 2,46 Schwedische Roten........ 73,40 73 7n Schwci;cr Roten......... 81,11 Spanische Noten ........ 34,33 34'47 Ungarische Roten........