Nr. 223 KvübattSsave (82. Jahrgang Donnerstag, 22. September (932 Erscheint täglich, nutzer Sonntag» und Feiertag». Beilagen: Die 3Iluftrierte Gießener FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholl« Monat», Bezugspreis: Mit 4 Verlagen RM. l.Sb Ohne Illustriert» e 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zerufprechaufchlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Gieße». p-ßscheckkonto: zrantturt am Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dnid hhö Verlag: vrühl'sche Untver^rütr-Vvch. und Steindruckerei L Lange in Siehen. Schristlettung und Geschästrstelle: Schulftraße 7. Annahme von Anzeige» für die Tagesmimmer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für ( mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärt» 10 Reichspfennig; für R»» klameanzcigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennia» Platzvorschrift 20" , mehr. Theftedadteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Deuffchlan-s Fernbleiben von Genf. Die Bürositzung der Abrüstungskonferenz ohne deutsche Vertretung. Hernois Abstecher. Der MinisterPräiident nicht in der Büro- litzung. Genf, 21. Sept. (TU.) Das Bureau der Abrüstungskonferenz trat am Mittwochnachmittag erneut zu einer Sitzung zusammen, an der zum all- gemeinen Erstaunen Herriot, der mit Sir John Simon und Paul-Boncour für 24 Stunden nach Genf gekommen war, wieder nicht teilnahm. Ueberall wird lebhaft die Frage erörtert, wes- halb Herriot lediglich für einen Tag nach Genf gekommen ist und den Bureausitzungen fernblieb. Herriot empfing im Laufe des Mittwochs die Vertreter der Frankreich nahestehenden Staaten und den griechischen Gesandten in Paris, P o l i t i s, der von der französischen Gruppe als Präsident der Vollversammlung des Völkerbundes ausersehen ist. Von französischer Seite wird als Erklärung für das Fernbleiben Herriots lediglich ausgeführt, daß Her- riot nicht als einziger Ministerpräsident an der Sitzung habe teilnehmen können, da der deutsche und der englische Kabinettschef nicht nach Genf ge» kommen seien. Dies« Erklärung wird allgemein als rein diplomatische Begründung aufgefaßt. Herriot soll tatsäch- lich erwartet haben, daß ein maßgebender Vertreter der Vereinigten Staaten an der Sitzung teilnehmen würde. Da die amerikanische Regierung nur ihren Berner Gesandten Wilson in die Bureausitzung entsandt hat und keine Aussprache über die Haltung der deut- chen Regierung stattfand, hat dann Herriot eine sofortige Rückkehr nach Paris be- chlossen. Er wird erst Montag früh wieder nach Genf zurückkehren. Herriot verläßt somit kurz vor dem Eintreffen des Reichsaußen- M i n i st e r s Genf. Die Bureausitzung verlief vor fast leeren Tribünen ohne das geringste Interesse. Es machte sich allgemein« Ratlosigkeit und Teilnahmslosigkeit geltend. Aufmerksamkeit erregte lediglich eine starke Erklärung Litwinows, der den völlig ergebnislosen Verlauf der Abrüstungsverhandlungen und die hoffnungslose Lage deutlich darstellte. Das Bureau müßte dem Hauptausschuß sofort praktische Maßnahmen im Sinn« einer Rüstungsherabsetzung auf das von Sowjet- rußland angeregt« Drittel Vorschlägen. Unter diesen Umständen würde Deutschland, dessen Fernbleiben das Bureau außerordentlich bedauern müsse, vielleicht wieder in die Abrüstungskonferenz zurück- kehren können. Die Versuche, ohne Deutschland die praktischen Abrüstungsarbeiten weiterzuführen, schei- neu bereits am ersten Tage gescheitert zu sein. Die Verhandlung rief in allen internationalen Kreisen einen geradezu trostlosen Eindruck hervor. Warum Herriot in Genf weilte Die Franzoien erwarteten lleberrafchungcn Paris, 22. Sept. (ERB. Funkspruch.) Die in Genf weilenden Korrespondenten der französischen Nachrichtenblätter suchen die kurze Anwesenheit des französischen Ministerpräsidenten in Gens zu erläutern. So schreibt „Petit Parisien", man habe sich gefragt, ob nicht irgend jemand die Hendersonsche Argumentation sich zu eigen machen und in der Sitzung des Bureaus der Abrüstungskonferenz vor- schlagen werde, sofortige Verhandlungen mit den Vertretern Deutschlands aufzunehmen und bis zu ihrem Abschluß einer Vertagung der Arbeiten des Bureaus der Abrüstungskonferenz zuzustimmen. Diese Möglichkeit, die man gestern in verschiedenen Kreisen noch ins Auge gefaßt hab«, — und eine solche Möglichkeit habe auch tatsächlich bestanden, da ja Mi- nisterprasident Herriot nicht zögerte, nach Genf zu reisen, um nötigenfalls an einer Debatte darüber teilzunehmen und seine Verantwortung als Regierungschef einzusetzen — sei aber nicht eingetreten. Nie ma ndhade sich gestern gefunden, um die These Hendersons zu übernehmen und Vertagung zu beantragen, bis Deutschland wieder am Verhandlungstisch Platz genommen habe. Niemand, nicht einmal der Vertreter Rußlands oder der Vertreter Italiens. „Echo de Paris" berichtet aus Genf, französischerseits habe man einige Gründe gehabt, eine u n • angenehme Ueberraschung in der Sitzung des Bureaus der Abrüstungskonferenz zu befürchten. Beispielsweise hätten gewisse Kreise angekündigt, daß die russische oder sogar die italienische Delegation etwas unternehmen würden, was geeignet wäre, die „deutsche Erpressung" (!) vom 29. August zu unter st Ütze n. Ministerpräsident Herriot wollte daher in Gens anwesend sein für den Fall, daß unmittelbare Entscheidungen der französischen Delegation getroffen werden müßten. Da sich aber alles ruhig abfpielte, sei Ministerpräsident Herriot der Ansicht gewesen, daß seine weitere Anwesenheit in Genf gegenstandslos wäre. pariser Stimmungsmache. In Genf ohne Deutschland. Paris. 21. Sept. (TLl.) Unter der Parole .DerAbwesende hat immer Unrecht" seht die Pariser Presse ihre Bemühungen fort, aus Deutschland einen stimmungsmähigen Druck auszuüben. Der „Paris midi" erinnert in ernem Bericht seines Chefredakteurs aus Genf an einen Präzedenzfall, der sich im Jahre 1919 a u f der Versailler Friedenskonferenz abgespielt habe. Damals seien die italienischen Vertreter Orlando und Sonnino wegen der Fiumefrage plötzlich a b g e r e i st. Trotzdem habe die Konferenz ihre Aufgabe auch ohne Italien durchgeführt und gerade in jener Zeit seien wichtige Beschlüsse über dieVer - teilung der Kolonialmandate gefaßt worden. Jetzt beklage sich Italien über die damalige Regelung dieser Probleme. Der Berichterstatter des «I n t r a n s i g e a n t" vermittelt seinem Blatt folgende Eindrücke aus den Wandelgängen des Konferenzgebäudes: 1. Aus den Gesprächen gehe stimmungsmäßig hervor, daß man Deutschland nichtewigineiner LagedermoralischenMinderwertig- keit oder Minderberechtigung erhalten könnte. 2. Deutschland könne aufrüsten, wie es wolle, da niemand hingehen könne, um die Rüstungen zu kontrollieren. 3. Die deutschen Forderungen einfach yu übergehen, würde die Auflösung der Abrüstungskonferenz und die Wiederaufnahme des Wettrüstens bedeuten. 4. Die Belgier, Polen, Tschechen, Rumänen, Südslawen und sogar die Schweizer und Holländer seien durch die vielen militärischen Kundgebungen in Deutschland beunruhigt und fragten sich, ob der Augenblick geeignet sei, dem Reich Zugeständnisse zu machen. Schließlich glaube man, daß ^rriot seine Akten über die deutschen «Rüstungen und Vertragsverletzungen" vorlegen wolle. Amerika lind die denische SleichberechlWng. Ein weltpolitischer Kuhhandel mit Frankreich? London, 21. Sept. (TLl.) Zu dem Besuch des Senators Reed in London und Paris meldet «Times", Reed habe in seiner Unterredung mit Herriot zwar sehr diskret, jedoch deutlich zu verstehen gegeben, daß die Vereinigten Staaten eine öffentliche französische Stellungnahme gegen die deutsche Gleichberechtigungsforderung unterstützen würden, wenn dafür die Franzosen die Haltung Amerikas in den fernöstlichen Fra- gen — vor allem der mandschurischen — unterstützten. Stimson soll Reed die Anweisung gegeben haben, die englische Regierung der Un- terstützung des Völkerbundes durch Amerika bei allen zukünftigen Entscheidungen hinsichtlich der Mandschurei zu versichern. Die Ansichten des amerikanischen Staatsdepartements stimmten im allgemeinen mit der englischen insofern übeteinr als sie zwar Verständnis und Mitgefühl für die deutschen Ansprüche hätten, jedoch glaubten, daß die Gleichheit eher durch Herabsetzung der Rüstungen der anderen Ration en, als durch eine Wiederaufrüstung Deutschlands erreicht werden sollen. Man bedauere den deutschen Schritt, weil man glaube, daß er das französische Unbehagen erhöhe und dadurch die Abrüstung erschwere, die Hoover und Stimson so sehr wünschten. Anderseits verleihe aber auch die deutsche Forderung dem Hoover-Dorschlage zur Herabsetzung der Rüstungen erhöhte Kraft. Es werde in Amerika daran erinnert, daß Hoover bet Herausbringung seiner Vorschläge, d i e jetzige S tärke der deutschen Armee als Maßstab für die deutschen Forderungen genommen und vorgeschlagen habe, daß alle anderen Rationen ihre Verteidigungsbedürfnisse entsprechend dem deutschen Verhält- n i s von 100 000 Mann auf je 60 Millionen Einwohner festsehen sollten, wozu dann noch Truppen für die Verteidigung der überseeischen Besitzungen hinzukommen sollten. Dieser Vorschlag würde die deutsche Forderung erfüllen und gleichzeitig Frankreich eine größere Armee zugestehen, wegen seines afrikanischen und afia- ttschen Kolonialreiches. Botschafter Edge nach Washington beordert. Washington, 21. Sept. (TU. Funkspruch.) Staatssekretär Stimson gab bekannt, daß der amerikanisch« Botschafter in Paris, (Söge, nach Washington beordert sei, um ausführlich über die Verhandlungen über den neuen französisch- amerikanischen Handelsvertrag zu berichten. Man vermutet, daß Edge in der Lage sein wird, die tieferen Ursachen zu beleuchten, die Frankreich vom schärfsten Gegner des Hooverschen Abrüstungsvorschlages zum Befürwor- ter dieses Planes machten. Weiter wird erwähnt, daß Edge gelegentlich als Sprecher für Hoover im Wahlkampf vorgeschlagen worden fei. Der preußische Landtag tagt. Eine nationalsozialistische Erklärung zur (Sehorsamsverpfllichtung der Beamten gegenüber dem Reichökommiffar. Berlin, 21. Sept. (DDZ.) Der Preußische Landtag trat nach etwa dreiwöchiger Pause wieder zusammen. Das Haus ist stark besetzt, die Tribunen sind überfüllt; lediglich die Regierungsbank blieb leer. Dor Eintritt in die Tages- ordnung gibt Abg. h in kl er für die nationalsozialistische Fraktion folgende Erklärung ab: Angesichts der Erklärung der Presse des Herrenklubs und des Herrn Reichskanzlers v. Papen bezüglich der Auffassung der nationalsozialistischen preußischen Landtagsfraktion zu den Rechten und Pflichten der Beamten dem R e ich s k om m i s s a r in Preußen gegenüber erfärt die Fraktion folgendes: Die Auktion hat am 30. August dem kommunistischen Antrag zugestimmt, da am gleichen Tage auf Anordnung der kommissarischen preußischen Regierung sämtlichen Ministerialbeamten im Gegensatz zu den Gepflogenheiten der früheren Regierung und im Gegensatz zu den Rechten der Volksvertretung verboten war, die Räume des Landtags überhaupt zu betreten und ihrer pflichtgemäßen Berichterstattung der Volksvertretung gegenüber nachzukommen. In den letzten drei Wochen hat die preußische Regierung — wohl unter dem Druck dieser Entscheidung — sich bemüht, weitere Verfassungsverletzungen gegenüber der Volksvertretung z u vermeiden. Die nationalsozialistische Fraktton erklärt dazu, daß sie nicht daran denkt, von sich aus gegenüber einer im Rahmen ihrer verfassungsmäßigen Befugnisse handelnden Re« gierung die Beamten und Staatsangestellten zu einer Verletzung ihrer Pflichten aufzufordern. (Lachen links.) Soweit sich die Reichskommissare v. Papen und Dr Bracht unter dem Druck des Herrn Reichspräsidenten v. Hindenburg, an dessen Derfas- sunastreue Zweifel nicht bestehen können (erneutes Lachen links), im Rahmen der auch von ihm beschworenen Verfassung haften sieht es die Frattion der Rattonalsozia« ÜM für eine selbverständliche Pflicht aller Beamten und Staatsangestellten an. auch ihrerseits Verfassung und Gesetz in preußischer Pflichterful- lung zu beachten. (Andauerndes Gelächter linkS.) Abg. Jürgenfen (Soj.) erhebt schärfsten Protest gegen den Inhalt der Besprechungen zwischen dem Reichspräsidenten und dem Landtaaspräsidenten. Der Landtags- Präsident sei nicht berechtigt, im Hamen des Landtags ohne Auftrag Verhandlungen zu führen. Ein sozialdemokratischer Antrag verlangt, daß der Landtag das Verhalten des Präsidenten mißbillige. Gegen die Auftetzung des Antrages wird von nationalsozialistischer Seite Widerspruch erhoben. Abg. Kasper (K.), der dann das Wort erhält, beginnt seine Ausführungen mit den Worten: „Der Dracht-Kerrl ...." Bei diesem Ausdruck entsteht bei den Rationalsozialisten große Erregung, während bei den Kommunisten Händeklatschen und Beifallsrufe laut werden. Präsident K e r r I schließt den Abgeordneten Kasper wegen grober Verletzung der Ordnung von der Sitzung aus. (Händeklatschen bei den Rattonalsozialisten. — Lärm bei den Kommunisten. — Abgeordneter Kasper verläßt unter stürmischen „Raus!"-Rufen der Rattonalsozialisten den Saal.) Abg. Pieck (komm.) bringt den Antrag ein: Der Landtag wolle seine Auslösung zum 5. November 1932 beschließen. Neuwahlen sollten spätestens am 6. November stattfinden. — Jät den kommunistischen Antrag stimmen die Kommunisten, die Deutschnationalen und die Deutsche Staatspadei. Der Antrag ist also abgelehnt. (Händeklatschen und anhaltende ironische Zuruf« der Nationalsozialisten.) Das Haus tritt nunmehr in die Tagesordnung ein und überweist zunächst 200 Anträge den einzelnen Ausschüssen. Entsprechend dem Beschluß des Aeltestenrats wird die vorgesehene Beratung des nationalsozialistischen Anttages auf Re u - Wahlen §u den Gemeindevertretungen von der Tagesordnung ab gesetzt. Präsident K e r r l teilt mit, daß er nach Einsichtnahme in das Stenogramm den Ausschluß des kommunistischen Abgeordneten Kasper zurücknehme, zumal ihm mit geteilt worden sei, daß der Ausdruck nicht böse gemeint war. Es folgt die Beratung der Rotverordnung vom 15. Äuli 1932 über die Feststellung des Haushaltsplans für das Rechnungsjahr 1932, dis noch von der Regierung Braun er» lasten wurde. Abgeordneter Kasper (K.) führt aus, bi« Rationalsozialisten seien, wie auch aus ihrer heutigen Erklärung hervorgehe, fortgesetzt unter bet Fuchtel des Herrn v. Papen auf dem Rückzüge. Unter größter Unruhe und zahlreichen Zwischenrufen bet Nationalsozialisten spricht der Redner von Zersetzungserscheinungen in der SA. Obgleich bie Rationalsozialisten im Preußischen Landtage die Schlachtsteuer als staatlichen Diebstahl bezeichnet hätten, habe die nationalsozialistischs Regierung in Oldenburg ebenfalls bie Schlacht- steucr eingeführt. Abg. heil manu (S03.) bezeichnet es als bemerkenswert, daß in dieser großen politischen Aussprache die größte Partei des Hauses noch nicht das Wort genommen habe. Den jetzt Regierenden sei es ganz gleichgültig, was der Landtag beschließe. Die preußische Volksvertretung sei ohne jeden politischen Einfluß. Die Verantwortung der Nationalsozialisten für die Regierung Papen besteht fort. (Widerspruch bei ben NS.) Sie (zu den NS.) dachten, cs würde ein Uebergangskabinett sein. Sie kennen die preußischen Junker schlecht. Solange Sie daran mitgearbeitet haben, das Zentrum aus seiner Schlüsselstellung zu verjagen, waren Sie die lieben Kinder der Deutschnationalen. Nachdem Sie das Ziel erreicht haben, haben sich di« Deutschnationalen der Alleinherrschaft bemächtigt. Und jetzt verhandeln Sie mit dem Zentrum darüber, wie man die Bundesgenossen von Harzburg wieder aus der Macht haut. Um Verhandlungen mit dem Zentrum irgendeinen Men. schen zu beneiden, wäre Vermessenheit. (Stürmische Heiterkeit rechts und Rufe: „Sie sprechen aus Erfahrung!") Dazu ist das Zentrum ein viel zu kluger und zäher Verhandlungspartner. Sie führen den Namen Sozialisten mit Unrecht; denn Sie lehnen die Grundforderungen des Sozialismus ab. Abg. Lohse (Nalsoz.) erklärt, bie Eozialbemokratie könne ittcht ben Anspruch erheben, die Rechte des Volkes zu verteidigen, denn sie habe ihre parlamentarische Macht mißbraucht. Ohne Rücksicht auf Recht und Gesetz habe man nationalsozialistische Beamte entlassen, die Partei unterdrückt und ihre Ampfer ins Gefängnis geworfen. (Unruhe und Zwischenrufe bei den Soz ). Die kommissarische preußische Regierung habe den alten Etat unverändert übernommen und genair so weitergewurstelt wie die alte Regierung. Auch in sozialer und kultureller Hinsicht sei nichts geändert worden. Langsam aber sicher gingen wir auch unter Führung dieser Herren dem Abgründe entgegen. Der Rationalsozialismus nehme den Kampf gegen diese Regierung rücksichtslos auf. Heute, wo sie keinen Einfluß mehr besäßen, schimpften die Deutschnationalen auf das Parlament, und als große Parlamentspartei hätten sie doch recht gern, an den Fleischtöpfen der Weimarer Republik gesessen und nicht von der Ausschaltung der Parlaments gesprochen. Sie (zu den Dal.) nennen sich Monarchisten und haben mit der Zustimmung zum Republikschuhgesetz die Rückkehr des Kaisers verhindert. Hätten Sie vor dem Kriege das Werk Bismarcks besser verwaltet, bann wäre 1918 die Revolution nicht gekommen. Wenn Sie den Kampf von uns wollen, Sie sollen ihn habenl (Stürmischer Beifall bei den Ratfoz.). Abg. Aube (Nalsoz.) wendet sich gegen den Reichskanzler von Papen und erklärt: Herr von Papen, Sie irren sich, wenn Sie glauben, wir wollen dasselbe wie Sie. Wir denken nicht daran, Ihre arbeitet» und bauernfeindliche Politik mitzumachen. Wir haben den Kampf gegen den Marxismus nicht geführt, damit an die Stelle der sozialdemokratischen Landräte Ihre Landräte treten. Dieses Spiel ist geeignet, den deutschen Staat dem Bolschewismus zu überliefern. Wir leben nicht mehr in einer Zeit, wo man das deutsche Volk mit einer angeblichen Ueberlegenheit bevormunden konnte. Wenn Sie es wagen sollten, uns gegenüber die Verfassung außer Kraft zu setzen, dann müssen Sie sich selbst dafür verantwortlich machen, wenn Repressalien von irgendeiner Seite ins Auge gefaßt werden. Wie will Herr von Papen nach der Reichstagsneuwahl gesetzlich weiterregieren? Glaubt man, daß Deutschnationale und Deutsche Volkspartei im neuen Reichstage die Mehrheit haben? (Lachen rechts.) Es soll nicht moralisch sein, daß wir mit dem Zentrum verhandeln. Aber es ist wohl moralisch, wenn die Deuttchnationalen mit dem Zentrum regieren? Wir denken nicht daran, uns von unserem Nationalismus oder Sozialismus etwas abhandeln zu lassen. Das nationale Wollen der 14 Millionen Nationalsozialisten kann die Regierung von Papen unter keinen Umständen dem Auslande gegenüber zum Ausdruck bringen. Der 6. November wird fein wesentlich anderes Bild zeigen als der 31. Juli. Wir werden sehen, ob am 7. November Herr von Papen wieder mit einer Handbewegung das Votum der deutschen Nation beiseiteschiebt. (Beifall bei den NS.). Das Haus vertagt sich auf Donnerstag: Anträge über den Konflikt mit der kommissarischen Regierung, sozialdemokratischer Mißbilligungsantrag gegen den Landtagspräsidenten Äerrl, Vorverlegung der Gemeindewahlen und zurückgestellte Abstimmungen. SieAeichstagSfltzung vom 12. September. Berlin, 22. Sept. (DDZ.) Dem Abg. Löbe ist ein« Entscheidung der R«ichsr«gierung darüber, ob sie sich an den Verhandlungen des Untersuchungsausschusses des Reichstages, der heute vormittag Zusammentritt, beteiligen wird, noch nicht bekannt. In den letzten Tagen ist zwar eine Reihe von Verhandlungen zur Beilegung des Konfliktes zwischen Reichsregierung und dem nattonalsozialifttschen Reichstagspräsidenten geführt worden, über deren Ergebnis man aber noch nichts weiß. Dis Frage des Erscheinens der Reichsregierung wird auch noch nicht aktuell sein, da der Ausschuß beabsichtigt, zunächst die übrigen Zeugen, also den Reichstagspräsidenten, die Schriftführer, die Stenographen und andere Zeugen, die sich gemeldet haben, zu vernehmen. Außerdem wird das Stenogramm der Reichstagssitzung vom 12. September durchgeprüft und die Schallplatte oorgeführt werden, die von der Sitzung ausgenommen worden ist. Man nimmt an, daß die Untersuchungsarbeit des Ausschusses mehrere Tage in Anspruch nehmen wird. Aemterzusammenlegung in Rheinland-Westfalen. Berlin. 21. Sept. (WTD. Ausführlich.) Amtlich. Mit Wirkung vom 1. Oktober 1932 ist die Zusammenlegung einer Reihe rheinischer und westfälischer Aemter in den Kreisen Cochem, Düren, Prüm, Wittlich, Daun und Wittgenstein verfügt worden. Hierdurch wird die Zahl der Aemter in den betreffenden Gebieten von 33 auf 1 4 vermindert. Diese Aemterzusammenlegung. die im Einvernehmen mit den 'Bezirksausschüssen und im wesentlichen auch im Einverständnis mit den Vertretungskörperschaften der beteiligten Kreise, Aemter und Gemeinden erfolgt, bezweckt eine durchgreifende Rationalisierung und Verbilligung der Verwaltung. Rach vorsichtiger Schätzung wird selbst diese nicht allzuweit gehende Zusammenlegung von Aemtern schonErspar- nisse in Höhe von mindestens 100000 Mark im Gefolge haben, denen irgendwelche erhebliche Erschwernisse für die Bevölkerung nicht Mgenüberstehen, da die Eingliederung im wesentlichen kleinere Aemter und solche betrifft, die bereits heute in Personalunion verwaltet werden. Die Staatsregierung ist gewillt, die jetzt erstmalig in größerem Umfange eingeleitete Rationalisierung der Verwaltung des flachen Landes in den beiden We st Provinzen fortzusetzen und ohne Antastung der bewährten Amtsverfassungsform die in der heutigen Rotlage unbedingt erforderliche Verbilligung der ländlichen Verwaltung alsbald zum Abschluß zu bringen. Hilferuf der oldenburgischen Landwirtschaft. Oldenburg, 21. Sept. (TLl.) Die Pressestelle des Staatsministeriums übergibt der Oef- fentlichkeit ein längeres Schreiben an den Reichs- Präsidenten. Es heißt darin u. a.: Die schwierige Lage der oldenburgischen Landwirtschaft führe infolge zu hoher Abgaben und Zinslasten zum Erliegen eines Besitzes nach dem anderen. Höfe würden zu Spottpreisen verschleudert und der einst seßhafte Dauer werde zum heimatlosen Bettler. Eine einzige Katastrophe sei das Schicksal der Siedler. Das Schreiben fordert dann: 1. Eine sofortige Herabsetzung des Reichsbankdiskonts auf höchstens 2 v. H. und des Privatdiskonts auf 3 v. H., wobei jedes Rehmen von Llnkostenzinsen oder Dermitt- lergebühren strengstens untersagt wird. Die Ausplünderung der Arbeit durch höhere als die gesetzlichen Zinsen muh durch ein Wuchergesetz unter schwerste Strafe gestellt werden. 2. Die Aussetzung aller Zwangsverkäufe und Ver st eigerungen für ein volles Jahr, damit allen Eignern Zeit und Möglichkeit gegeben wird, aus ihrer, in den meisten Fällen nur vorübergehenden Zwangslage herauszukommen. ©er „Angriff-'-prozeh. Berlin, 21. Sept. (TU.) Am dritten Verhand- lungstage in dem Prozeß gegen die „Angriff"- Nedatleure Dr Lippert und Krause wegen Beleidigung des früheren Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß und des früheren Polizeipräsidenten G r z e s i n s k i wurde die Zeugenvernehmung fort- gesekt. Oberregierungsrat Kopp, dessen eidliche Auslage völlig im Widerspruch zu der Aussage des Kaufmannes Bast steht, teilt dem Gericht noch mit, daß sich Bast eine Zeitlang in einer Irren- a n st a l t aufgehalten habe und jetzt Besitzer von Absteigequartieren sei, weshalb gegen ihn ein Verfahren wegen Kuppelei schwebe. Als dem Zeugen Bast noch vorgehalten wird, daß er auch einmal ein Jahr Festung erhalten habe, vermag sich Bast darauf nicht zu besinnen. Der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Loschhorn meinte hierzu, daß damit wohl die Glaubwürdigkeit des Zeugen Bast erledigt sei. Der Vorsitzende teilt dann noch mit, daß der frühere Staatssekretär Weißmann aus Locarno mitgeteilt habe, daß er aus Gesundheitsrücksichten nicht vor Gericht erscheinen könne. Das Gericht ordnete die kommissarische Vernehmung des Staatssekretärs Weißmann in Locarno an Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags. WHP. Darmstadt. 21.Sept. 3m Finanzausschuß des Hessischen Landtags fand mit den Stimmen der Rationalsozialisten und Kommunisten ein nationalsozialistischer Antrag Annahme, der die Regierung ersucht, Beförderungen von Beamten aus politischen Gründen nicht mehr vorzunehmen. 3m Ausschuß selbst war eine Einigung über den Begriff der „Beförderung aus politischen Gründen" nicht zu erzielen. — Abgelehnt wurde der kommunistische Antrag, die Bürger-, Bier- und Ge- t r ä n k e st e u e r, die auf Grund der Rotverordnung eingeführt werden mußten, nicht zu erheben. — Eine längere Aussprache entspann sich über die Eingabe einiger Polizeihauptwachtmeister wegen höherer Einstufung in der De- soldungsordnung. Diese Beamten haben z. T. bereits 21 Dienstjahre zurückgelegt. Die Regierung lehnt jedoch die Höher st ufung ab, weil sie die Desoldungsordnung nicht durchbrechen könne. Der Ausschuß überwies die Eingabe der Regierung zur tunlichsten Berücksichtigung mit dem Ersuchen, im nächsten Staatsvoranschlag Vorschläge über die Besoldung dieser Polizeibeamten mit hohen Dienstjahren zu unterbreiten. Bei Stimmenthaltung von Sozialdemokraten und Zentrum wurde ein Zusahantrag der Rationalsozialisten angenommen, in dem die grundsäh- licheHöherein st ufung dieser Polizeibeamten nach 21 bzw. 25 Dienstjahren unter Einschluß der Militärdienstzeit gefordert wird Kommunistenüberfalt vor dem Berliner Gondergericht. Vor dem Sondergericht Berlin begann der Prozeß gegen neun Kommunisten, die nach der Anklage in der Röntgenstraße Angehörige eines nationalsozialistischen Sturms überfallen haben. Dabei war der Rationalsozialist Gatschke tödlich und zwei andere Rationalsozialisten schwer verletzt worden. Zunächst wurden die bei der Schießerei verletzten SA.-Männer vernommen. Der Maler Kwiatkowski ist bei der Tat durch Schüsse in beide Oberschenkel verletzt worden. Er habe gesehen, wie ein Radfahrer absichtlich langsam den Damm entlang gefahren sei, wahrscheinlich um sie am äleberschreiten des Dammes zu hindern. 3n diesem Radfahrer erkannte der Zeuge den Angeklagten Fritz S t e r d t wieder. Links von ihm habe ein junger Mann gestanden, der bestimmt geschossen hätte. Als diesen Schützen bezeichnete der Zeuge den 17jährigen Angeklagten Heinz Heine. Als zweiten Schützen bezeichnete der Zeuge den Angeklagten C a l m. Er oder seine Kameraden hätten weder eine Waffe besessen noch selbst geschossen. Die Kommunisten hätten eine richtige Schützenkette gebildet. Urteil des Sondergerichts Paderborn. Das Sondergericht Paderborn verkündete im Prozeß wegen der Vorgänge, die sich in der Wahlnacht in Reuhaus ereigneten, das Urteil. Der Anklage lag ein Zusammenstoß zwischen Klebekolonnen verschiedener Parteien zugrunde. Es kam dabei zu einem Angriff der SA. auf eine Kommunistengruppe, bei d^n der Anklage zufolge aus dem Kraftwagen der RSDAP. angehörigen Arztes Dr. Linden mehrere Schüsse fielen, von denen der Arbeiter Brüschke tödlich getroffen wurde. Dr. Linden wurde wegen Totschlags, gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Vergehens gegen das Waffenmißbrauchsgesetz zu einer Gefängnisstrafe von sieben 3ahren verurteilt. Der Angeklagte Wüschen erhielt wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung eine Gefängnis st rafe von zwei 3 ähren. Die übrigen zwölf angeklagten Rationalsozialisten wurden zu Gefängnisstrafen von drei Monaten bis zu einem 3ahr verurteilt. Selbstbezichtigung vor dem Essener Sondergericht. Vor dem Essener Sondergericht schwebt zur Zeit ein Prozeß gegen vier Nationalsozia- l i st e n , die beschuldigt werden, bei einem politischen Zusammenstoß in Bottrop am 18. Juni zwei Kommunisten und einen Parteilosen durch Schüsse und Schläge verletzt zu haben. In der Mittwochsitzung überreichte zur allgemeinen Ueberraschung der Verteidiger einen Brief des nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten Paul Schmidt, worin dieser an Eidesstatt erklärt, die beiden Schüsse auf die Kommunisten abgegeben zu haben. Die Verhandlung wurde daraufhin auf den 30. September vertagt Fünfzehn Jahre Zuchthaus für Totschlag an einem Polizeibeamten. Vor dem Sondergericht in Königsberg fand der Prozeß gegen den Mörder des Polizeibeamten Wenendt in Labiau, Otto Altrock, statt. Altrock und sein Komplize Kluwe wurden auf einer Einb ruch sf ahr t mit einem Motorrad in Labiau von dem Polizeibeamten g e st e l l t. Altrock gab vier Schüsse auf den Beamten ab und tötete ihn durch einen Lungenschuß. Sodann flüchteten beide. Während Kluwe bald gefangen werden konnte, gelangte Altrock nach einer wilden Verfolgung durch 80 Polizeibeamte durch die ausgedehnten Forsten, bei der er mehrfach auf die Polizeibeamten schoß, nach Frankreich, wo er gefangen wurde. Der Staatsanwalt hatte gegen Altrock wegen Mordes dieTodesstrafe beantragt.Das Urteil lautete wegen Totschlags und versuchten schweren Totschlags, Rötigung und Waffenbesitz auf 15 3ahre Zuchthaus und 10 3ahre Ehrverlust, gegen Kluwe wegen Beihilfe zum versuchten schweren Totschlag, unerlaubter Abgabe von Munition und Waffenmißbrauchs auf ein 3ahr neun Monate Zuchthaus und drei 3ahre Ehrverlust. Rücktritt der ungarischen Regierung. D u d a p e st , 21. Sept. (TU.) Das Kabinett Graf 3ulius Karolyi ist zurückgetreten. Der Reichsverweser hat das Rücktrittsgesuch angenommen und Graf 3ulius Karolyi mit der vorläufigen Weiterführung der Geschäfte beauftragt. Obwohl die Verhältnisse innerhalb der Regierungspartei in der jüngsten Zeit keineswegs dafür sprachen, daß die Regierung Karolyi mit Sicherheit auf die Gefolgschaft der ganzen Partei rechnen könne, ist die Demission der Regierung in politischen Kreisen überraschend gekommen. Die Unzufriedenheit mit dem Kabinett Karolyi, das seit 13 Monaten im Amte ist und sich um die Beseitigung der Finanzkrise des Landes von allen Seiten Anerkennung verdiente, kommt besonders im agrarischen Flügel der Partei zum Ausdruck. Cs kann-sein, daß Graf Karolyi nur aus taktischen Gründen, heute seine Demission gab, um die Partei vor eine vollendete Tatsache zu stellen und ähnliche Angriffe gegen sein Regime, wie sie in der jüngsten Parteikonferenz laut wurden, zu vermeiden und eventuell einige ihm nicht genehme Personen aus dem Kabinett auszuschiffen. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, daß Graf Karolyi jetzt seinen lang gehegten Lieblingsplan, eine Konzentration der nationalen Kräfte herbeizuführen, zu verwirklichen trachtet. M ■ Parade französischer Truppen vor dem neuen Denkmal, das für MarschallTurenne inTürk- heim im Elsaß enthüllt wurde. Die Tatsache, daß Frankreich Turenne, dem Urheber der furchtbaren Verwüstungen in der Pfalz zur Zeit Ludwigs XIV. jetzt ein Denkmal errichtete, hat in Deutschland außerordentliche Erbitterung hervorgerufen. Aus aller Welt. Die Post- und Telegraphenbeamten tagen in Berlin, Der 21. Verbandstag des Reichst Verbandes Deutscher Post- und Telegraphenbeamten nahm im Plenarsitzungssaal des Reichswirtschaftsrates in Berlin seinen Anfang. Die rund 150 000 Beamten vor allem des unteren und mittleren Dienstes bei der Deutschen Reichspost, die Mitglieder des Reichsverbandes sind, werden durch über 160 Delegierte aus allen Teilen des Reiches auf der Tagung vertreten. 3n seiner Eröffnungsansprache wies der Derhandlungsvorsitzende Kugler darauf hin, daß der Reichsverband auch der internationalen Organisation der Post- und Delegrafenbeamten angehöre. Der Dundesvorsitzende des Deutschen Beamtenbundes, Flügel, überbrachte der Tagung die Grüße der Spihenorganisation. I. Internationaler evangelischer Schulkongreß in Wuppertal. Vom 7. bis 10. Oktober findet in Wuppertal- Barmen der auch von vielen auswärtigen Ländern beschickte 1. Internationale evangelische Schulkongreß statt. Der Kongreß wird veranstaltet von dem Internationalen Verband evangelischer Erziehungs- jinö Unterrichtsorganisationen, der 1928 in Utrecht gegründet wurde. Er umfaßt 19 evangelische Verbände in Deutschland und im Auslande, die sich zielbewußt einsetzen wollen für „Die Schule mit der Bibel" im Rahmen einer gerechten und gesunden Schuloerfassung auf dem Boden der Gewissensfreiheit und des Elternrechts. Dem Ehrenausschuß gehören u. a. an: Prof. D. Dr. Cordier (Gießen), Großherzogin Eleonore von Hessen, Pfarrer H a n st e i n (Hirzenhain), Stadtmissionar Schmidt (Wetzlar), Lehrer Schneider (Wetzlar). Das Tagungsprogramm sieht neben einer Reihe von Vorträgen u. a. eine öffentliche Festoersammlung des Reichsverbandes deutscher evangelischer Schulgemeinden e. V. und zwei öffentliche Kundgebungen für „Die Schule mit der Bibel" vor. Sie werden lachen! Eine Handvoll Wiße zum Weitererzählen. Als der verstorbene große Mediziner Rudolf Virchow einmal zufällig hörte, daß ein Kollege, Professor Piltner, mit seiner Familie und einem ihm ergebenen Schüler die Ferienreise angetreten habe, erzählte er abends in seinem Freundeskreise: „Denkt euch nur, Kollege Piltner ist mit Frau und Kind und seinem ganzen Auditorium an den Thuner See gefahren!" Bei dem berühmten Schriftsteller Lichtenberg erkundigte sich einmal ein Bildungsbeflissener, ob er ihm den Unterschied zwischen Zeit und Ewigkeit klarmachen könne. Lichtenberg antwortete: „Wenn ich mir die Zeit nähme, Ihnen das auseinanderzusetzen, würden Sie eine Ewigkeit brauchen, es zu kapieren." * Das Fremdenauto, mit Amerikanern beladen, fährt durch eine deutsche Stadt. Der Führer erläutert: „Meine Damen und Herren! Ich gestatte mir, Sie darauf hinzuweisen, daß wir momentan an einem her ältesten und schönsten Weinrestaurants der Welt oorbeifahren." Da tönt der Chor der Fremden: „Warum?" * Schnipp trifft seinen Freund Schnapp in der Straßenbahn, tief versunken in einen dicken Wälzer. „Was liest du denn da so interessiert?", fragt er ihn. „Eine Biographie von Napoleon." „Bist du schon bei ferner Flucht von Elba?", möchte Schnipp wissen. „Pst", fällt ihm Schnapp schnell ins Wort, „nicht verraten, was kommt!" *■ Der Gast war offensichtlich ungehalten darüber, Laß er in feiner Suppe eine Fliege fand. Empört rief er die Kellnerin: -.Da schwimmt eine Fliege In der Suppe. Können Sie mir vielleicht sagen, was das bedeutet?" Worauf die Kellnerin achselzuckend meinte: „Ich brn hier als Kellnerin engagiert und nicht als Hellseherin." * Der Dichter August Str indb erg setzte sich an den Schrerbtrsch, um zu arbeiten. Kaum hatte er einige Sekunden gesessen, erhob er sich jäh und klingelte seine Wirtin herbei: „Was ist denn das für eine Wirtschaft hier", schrie er seine Wirtin an. „Jedesmal wenn ich arbeiten will, fehlt etwas auf dem Tisch!" „Was fehlt denn?" fragte die Wirtin ängstlich. „Ein Korkenzieher!" brummte Strindberg. (Lust. Bl.) „Vater, draußen vor der Tür ist ein armer Mann, der immerzu schreit. Darf ich ihm zwanzig Pfennig geben?" „Du bist ein braver Bursche", sagte der Vater, und gibt dem Sohn zwanzig Pfennig. „Was schreit denn der arme Mann?" „Sahne- und Vanille-Eis, die Doppelportion nur zwanzig Pfennig", schreit er. (Lust. Bl.) Emil ist auf der Kirmes. Da steht eine Bude mit der Aufschrift: „Hier ist das Bindeglied zwischen Mensch und Affen zu sehen!!! <Änsa- ttonell!!! Noch nie dagewesen!!! Eintritt nur 10 Pfennig!!!" Gmil aeht neugierig hinein. Das muß man doch gesehen haben. Und was erblickt er in der Bude? Mitten in dem geheimnisvoll verdunkelten Raum steht auf einem 'Owarzen Tisch magisch beleuchtet ein großes Glas Bier! Hermann von Budde war von 1902 bis 1906 Eisenbahnminister. Budde war Reserveoffizier in einem Breslauer Grenadierregiment. Eines Tages hatte der Regimentsadjutant dem Minister wegen irgendeiner Angelegenheit in Berlin Besuch zu machen. Der junge Oberleutnant gab seine Karte ab und wurde von Seiner Erzellenz außerordentlich liebenswürdig empfangen. Am Schluß des Besuches schob Budde dem Offizier 20 Mark hin: „Selbstverständlich. Nehmen Sie nur." „Aber ich bitte, Exzellenz, um Gottes Willen! Warum, wieso?" Budde zeigte die Visitenkarte, auf deren Rückseite zu lesen stand: „Können Sie mir mit 20 Mark aus» he I fe n?" Der Adjutant hatte aus Versehen eine alte Karte gegriffen, die er im Kasino einmal geschrieben, aber aus irgendeinem Anlaß dann nicht weiter gegeben hatte. Ein schönes blaues Auto steht vor einem Kaffeehaus in Monte Carlo. Da nähert sich ein Herr mit englischer Sportmütze, der einen Brief in der Hand hält. Er reicht dem Chauffeur den Brief und sagt würdevoll: „Geben Sie diesen Brief bitte Ihrem Herrn!" Der Chauffeur nimmt den Brief, geht in das Cas6 und überreicht ihn seinem Herrn. Der öffnet ihn und lieft zu seinem Erstaunen folgende Zeilen: „Wenn es klappt, ist es gut, wenn es nicht klappt, ist es auch gut!" „Was soll denn das bedeuten?" fragt der Herr und reicht den Brief seinem Chauffeur. Der Chauffeur lieft ihn durch, denkt eine Weile nach, rennt an die Ausgangstür des Kaffeehauses, sieht auf die Straße und kommt langsam zurück: „Es hat geklappt!" sagt er gemütlich. „Unser Auto i st f u t s ch." Tonfilm: „Dao Lied einer Nacht". Das Lichtspielhaus eröffnet seine Winterspielzeit mit dem Ufa-Tonfilm „Das Lied einer Nacht". Dieser Film ist insofern bemerkenswert, als er fast ganz um den berühmten Tenor Jan Kiepura herum geschrieben und inszeniert ist. Die lustspielmäßiae Verwechslungshandlung gibt eigentlich nur Kulisse und Folie für das Auftreten Kiepuras, dessen schöner, ganz italienisch klingender und geschulter Stimme reiche Chancen geboten werden; das ist erfreulich, denn sonst wird man hier — wenn nicht auf Schall- platten — kaum Gelegenheit haben, einen so prominenten Mann zu hären. Sein Glanzstück ist übrigens nicht das Schlagerlied „Heute Nacht oder nie", das dem Film seinen Namen gab, sondern der bravouröse Vortrag der großen italienischen Arien, in denen Kiepuras Stimme sich zu ihrer ganzen strahlenden Fülle entfaltet. Die nicht übermäßig ergiebige Hand- ung wird durch eine Reihe recht malerischer süd- x- gehoben, die in den para» Oiesisthen Gefilden um Lugano und Locarno gedreht wurden Die mit vielen Ueberblenbungen arbeitende Jegte (Anatol L i t w a k) ist rein filmisch in den f^20ar$S--'lenen .am beweglichsten und erfinderisch- sten Spater wird das lebendige Anfangstempo '^k5^^^twas verschleppt. Neben Kiepura sieht man Fritz Schulz, der — etwa im Stil Paul Heidemanns —-einen vergnügten Hochstapler präsentiert; ferner Magda Schneider, hier noch ziemlich unbekannt, hübsches, zierliches Persönchen, das gelegentlich an Käthe von Nagy erinnert Wallburg blubbert die Tiraden eines trotz seiner Leibesfülle erstaunlich beweglichen Kurdirektors mit erschütternder Zungenfertigkeit heraus. Ida Wüst und F a l k e n ft e i n : gute alte Bekannte. — Für Interessenten sei auf den Farbentonfilm aus der Berliner Tanzschule von Jutta K l a m t (im Beiprogramm) besonders hingewiesen. Ein Operateur stirbt beim Operieren. Unter dramatischen Umständen ist einer der berühmtesten Aerzte Englands, der Gynäkologe Sir Henry Simson, aus dem Leben geschieden. Simson war der führende Frauenarzt Englands. Er war gerade dabei, eine schwierige Operation in einem Londoner Krankenhaus auszuführen. Die Patientin lag bereits in der Rarkose, und der Arzt hatte seine Arbeit begonnen, als er plötzlich das Messer fallen lieh, zurücktaumelte, nach dem Herzen griff und umfiel. Roch ein anderer Arzt und drei Schwestern waren anwesend. Während die Schwestern sich um Simson bemühten, hatte der andere Arzt die Geistesgegenwart, die Operation an der Stelle weiterzuführen, wo Sir Henry aufgehört hatte, und sie glücklich zu vollenden. Simson lag unterdessen in dem Operationssaal. Ein anderer Arzt wurde herbeigerufen, konnte aber nur den Tod feststellen. England trinkt Apfelwein. In England werden die Steuern für Bier und Whisky derart in die Höhe getrieben, daß der Konsum stark gesunken ist und sich den alkoholischen Getränken zugewendet hat, die steuerfrei geblieben sind. In der Londoner Presse wird mitgeteilt, daß im Laufe dieses Jahres der Verbrauch an Apfelwein sich vervierfacht hat. Die Herstellung von Apfelwein ist an keine Konzession gebunden, und fast alle Landwirte stellen ihn her, und zwar steigern sie den Alkoholgehalt auf 30 und mehr Prozent. Die Presse erinnert daran, daß England schon einmal eine Periode ähnlicher Art durchgemacht hat. Im 18. Jahrhundert trank mantn England den Gin, einen Branntwein der aus Wacholder hergestellt wird, lieber den Wirtshaustüren hingen Schilder, die für einen Penny einen Ginschwips und für zwei Penny (etwa 15 Pfennig) einen respektablen Rausch 'versprachen. Die Gastwirtschaften hatten einen Raum ihres Hauses mit Streu belegt, dort konnte der Zwei- Penny-Rausch gratis an Ort und Stelle ausgeschlafen werden. Die Blätter beschwören die Regierung, von ihrer unsinnigen Steuerpol'tik abzulassen, wenn sie nicht wolle, daß derartige Zustünde wiedectehren. Aus der Provinzialhaupistad«. Gießen, den 22.September 1932. Mein Freund, der Lumpenhändler. Alle vierzehn Tage, mit der Pünktlichkeit eines Kalenders, kommt das kleine Männchen mit dem schütteren Bart in meinen j)of und singt seinen Spruch: „Einkauf von Lumpen, Papier, Alteisen, Wein- und Bierflaschen .. Er ist zu Ende. Sein Auge schweift über die Fenster des Hofes. Melden sich die Hausbewohner? Nein, niemand erscheint. Ich kenne ihn nun seit langem. Ich hatte mich an ihn gewöhnt, nach einiger Zeit — es war vielleicht auch, daß sein Schicksal mir aus irgendeinem Grunde naheging: soviel aussichtsloser Aufwand, der sich aber nicht entmutigen ließ. Dazu kam auch Neugier — ob er jemals in einem anderen Hause Erfolg hat? Eines Tages sprach ick ihn an. Wir kamen in ein großes Gespräch. Er hat mir auch sein Leben erzählt. Aber das, was er mir da sagte, das darf ich nicht verraten. Nur die Aufschlüsse über den Lumpen, handel, die er mir, um meine Neugier zu befriedigen, gegeben hat: Es gibt keine Lumpen mehr. In einer Zeit, wo ein nicht unwesentlicher Teil der Menschheit nur noch schlecht gekleidet herumlaufen kann, sind die Lumpen der guten, alten Zeit ausgestorben. Wie ist das möglich? Frßher, als das Lumpenhändlergewerbe in hoher Blüte stand (sagte mein kleiner Mann), ent- schlossen sich die Leute leicht, ein Kleidunasstück, das nicht mehr ganz in Ordnung war, als Lumpen zu behandeln und wegzugeben. Dieses selbe Kleidungsstück wird heute aufgetragen, es vererbt sich noch tm fadenscheinigen Zustand vom Vater auf den Sohn, und von dort bis ins siebente Glied. Kann man schließlich nicht umhin, es als etwas anderes zu be» zeichnen als ein schnödes Wrack, dann hat es sogar für den Lumpenhändler keinen Wert mehr, denn es zerfällt in Staub, wenn man es nur ein wenig streng ansieht ... Und sogar dann zieht man nock vor, es als Staubtuch ober Oelläppchen im Haushalt zu verwenden. Der kleine Händler hat mir auch über etwas anderes noch die Augen aeöffnet. Früher waren doch ausgesetzte Stiefel, alte Regenschirme, auch Lumpen, die irgendwo in einem verlassenen Winkel auf der Straße herumlagen, keine Seltenheit. Wo sind diese Kleidungstrümmer heute geblieben? Kein „Kunde" kann sich leisten, sie heute wegzuwerfen. Sie werden weiter und weiter ihre alten Dinge tragen, bis sie von selbst so sehr aus dem Leim geraten, daß man sie nicht mehr wegzuwerfen braucht. Man hat sie getragen^ sieben Jahr, man kann sie tragen nimmer» mehr! h. Sind Sie schon Abonnent des Stadttheaters. Aus dem Stadttheaterbureau wird un6 geschrieben: Für unser Theater, daS für die Provinz Ober» Hessen, für Gießen und fein« Hniberfität eine kulturelle Notwendigkeit bedeutet, ist eS vornehmste Pflicht jedes Theaterfreundes: unsere Arbeit in der Iuoiläumsspielzeit des 25jährigen Bestehens zu unterstützen. In der Zeit schwerster politischer und wirtschaftlicher Krise muh das Theater feine Existeiu- nottvendigkeit erweisen. Das Theater der Stabt Giehen erhebt daher feine Stimme, um seine Freunde aufzurufen, ihm auch im kommenden Winter treu zu bleiben; um darüber hinaus weite Kreise des Publikums, die sich in den letzten Jahren verloren hatten, aufs neue in seinen Interessenkreis zurückzugewinnen. Unser Werben findet ein Chaos politischer und wirtschaftlicher Depression, in dem keiner weih, was der morgige Tag bringt; aber jeder sollte wissen, dah das Theater in solchen Tagen labiler Zeiten der lebenswichtigste Kulturfaktor für Land und Bolk ist. Helfen Sie durch Ihr Interesse und Ihren öfteren Besuch den Fortbestand des Siebener Theaters in dem Jahr seines 25. Bestehens sichern. Werben auch Sie unter Ihren Bekannten dem Theater neue Abonnenten! Sie bestimmen das Schicksal unserer Bühne entscheidend mit, denn nur unter Teilnahme aller Schichten der Bevölkerung kann das Theater Bestand und künstlerische Entwicklung gewährleisten. Das Theater gehört, als „Denkmal bürger- lichen Gemeinsinns" aus den Beiträgen (Siebener Bürger aller Stände entstanden, dec Stadt Gießen und damit auch Ihnen. Werden Sie Abon- nent und stärken Sie den Kontakt vom Publikum zur Künstlerschaft. Die Kasse nimmt ab 25. September an allen Werktagen in der Zeit von 10 bis 13 Uhr und 16 bis 17 Ufjr Meldungen schriftlich und mündlich entgegen. Statistisches aus dem Gießener Dolksbad. Im Detriebsjahr 1931/32 wurde das städtische Dolksbad von 151 800 Badegästen (gegen 145 342 im Dorjahr) besucht. Die Steigerung der Benutzungsziffer des Unternehmens von rund 6500 abgegebenen Bädern ist allein auf den neu ein» geführten obligatorischen 6 d) toi mm- unterricht der Schulen zurückzuführen. Alle andern Bäder, außer im Schwimmbassin, gingen gegenüber dem Dorjahr zurück. _ 3m einzelnen verteilen sich die verabfolgten Bäder wie folgt: Schwimmbäder an Einzelpersonen 48 787 (44 116), Dereinsschwimmbäder 17 011 (18 147), zusammen 65 998 (62 263) Schwimmbäder, Wannenbäder 26 244 (29 985), Brausebäder 22 507 (22 589), Schwitzbäder 1879 (2193), Schulbäder im Schwimm - baifin 35 354, Brausebäder an Schulkinder 1008, Schwimmunterricht wurde im Rechnungsjahr 1931/32 an 103 Personen erteilt, seit dem 1. April d. 3. wurden bisher 68 Schwimmer ausgebildet. Der Wasserverbrauch im Dolksbad im letzten Rechnungsjahr beträgt 39 579 (44 510) Kubikmeter, oder für jedes verabreichte Bad 200 (306) Liter. — Der Kohlenverbrauch beziffert sich auf 409 (461) Tonnen, von denen 2,65 (3,17) Kilogramm auf das einzelne abgegebene Bad entfallen. Aus diesen Angaben ergibt sich, dah man mit Wasser und Brennstoff im Dolksbad im letzten 3ahr rationell gewirtschaftet hat. Das Wasser des Schwimmbassins steht unter Kontrolle des Chemischen Autersuchungsamts der Provinz Oberhessen und hat in chemischer und bakteriologischer Hinsicht niemals Deranlassung zu irgendwelchen Anständen gegeben. Das finanzielle Ergebnis des Unternehmens war auch im abgelaufenen 3ahre zufriedenstellend und erbrachte einen Aeberschuh, der Sur Unterhaltung in baulicher Hinsicht und für eventuelle Derbefierungen der Einrichtungen hinreicht. Das Dolksbad ist kein Zuschußbetrieb für untere Stadt, sondern deckt seine Anforterungen vollständig selbst durch seine Einnahmen. Auch die Renovierung der Schwimmhalle ist aus früheren Rücklagen gedeckt. Hessischer Sängerbundestag in Bad-Nauheim. Am 29. und 30. Oktober d. 3. findet in Bad- Rauheim der 9. ordentliche Hessische Sängerbundestag statt. Für SamStag, 29 Oktober, ist eine Sitzung aller oberhessischen Gauvorstände einberufen, die unter der Leitung des Provinzialvorsihenden Wendler, Bad- Rauheim. stehen wird. Es schließt sich dann sofort eine Gesamt-Bundesvorstandssitzung des Hessischen Sängerbundes an, in der die gesamte Tagesordnung des Bundestages durchgearbeitet wird. Diese Tagesordnung hat insofern besondere Bedeutung, weil außer verschiedenen Wünschen für eine Satzungsänderung u. a. die Wahl eines neuen Bundcschor- meisters zur Beratung steht. Für diesen Posten ist ein bedeutender oberhessischer Musik- Fachmann und Chorleiter vorgeschlagen worden. Zu Ehren des Gesamt-DundeSvorstandes und der bereits anwesenden Sängervertreter veranstaltet der „Gau Taunus" am Abend des Samstag im Kurhaus einen Degrühungsabend, dessen Ausgestaltung dem örtlichen Bundesverein, der Bad» Rauheimer Liedertafel, übertragen wurde. Der eigentliche Bundestag, zu dem die Dertreter von annähernd 800 dem Hessischen Sängerbund angeschlossenen Gesangvereinen, gemischten Chören usw. erwartet werden, beginnt am Sonntag, 30. Oktobers vormittags, im großen Bühnensaal des Staatlichen Kurhauses und wird durch einen Massenchor von etwa 400 Sängern des neuen Taues „Taunus" (Sitz Friedberg) unter Leitung von Gauchormeister Hermann H a n st e i n, Friedberg, eröffnet. Die Konzertproben sind schon weit vorgeschritten, so daß mit einem bedeutungsvollen Derlauf zu rechnen ist. Daten für Donncrstan, 22. September. 1792: der französische Nationalkonoent proklamiert die Republik; — 1862: Aufhebung der Sklaverei in Amerika durch Abraham Lincoln. Taten für Freika , 23 September. 1783: der Maler Peter von (Kornelius in Düsseldorf geboren; — 1791: Theodor Körner in Dresden geboren; — 1885: der Maler Karl Spitzweg in München gestorben. Ministerium und Hindenburg- Spende. Der Hessische Minister für Kultus und Dildungswesen hat an sämtliche unterstellte Behörden ein Rundschreiben gerichtet, in dem xur Unterstützung der Hindenburgs pende auf gefordert wird. 3n diesem Rundschreiben heißt es: Anläßlich des demnächstigen 85. Geburtstages deS Herrn Reichspräsidenten gibt die Hindenburg- spende mit Unterstützung des Bureaus des Herrn Reichspräsidenten bei der Derlagsanstalt Otto Stollberg in Berlin ein Buch heraus über „Paul von Hindenburg als Mensch, Staatsmann und Feldherr". Die Derlagsanstalt Otto Stollberg in Berlin hat Genehmigung erhalten, den einzelnen hessischen Behörden Bestell-Listen auf dieses Buch unmitteloar zuzuleiten. 3m Hinblick auf den Zweck und die Bedeutung dieses Buches empfehle ich dessen Anschaffung. ** Ehrung oerbienter Feuerwehrleute. Dieser Tage wurde den Kameraden Anton Lehr und Karl Schön für 40jährige aktive Dienstzeit sowie dem Kameraden Ludwig R o f e n b a u m für 25jährige aktive Dienstzeit bei der Freiwilligen Gailschen Feuerwehr das Ehrenzeichen der hessischen Regierung sowie die entsprechende Ehrenurkunde des hessischen Innenministers durch Herrn Branddirektor Braubach verliehen. Herr Direktor Braubach brachte den Jubilaren auch die Anerkennung der Stadtverwaltung zum Ausdruck. •* Astrologischer (Beitrag. Gestern abend hielt der in Gießen nicht unbekannte Astrologe E. Hammer im Caf6 Leib einen Experimental-Lichtbildervortraa über Astrologie. Der Redner ging zunächst kurz auf die Geschichte der Astrologie ein und erläuterte sodann die Systematik dieses Wissenszweiges. 3n weiteren Ausführungen sprach er dann von den verschiedenen bestimmt umriffenen Einflüssen, die von den einzelnen Planeten unseres Sonnensystems, insbesondere von der Sonne selbst, ausgehen und je nach ihrer Konstellation zum Zeitpunkt der Geburt eines Menschen dessen Wesen bestimmen. 3m weiteren Verlauf des Abends beschäftigte er sich an Hand von Geburtsdaten der anwesenden Zuhörer mit vergangenen Ereignissen im Leben der Betreffenden und gab auch mehr oder weniger genau umriffene Vorhersagen für deren zukünftige Gestaltung in den nächsten Jahren. Zum Schluß zeigte der Redner noch im Lichtbild verschiedene Horoskope berühmter Männer der Vergangenheit und der Gegenwart und kennzeichnete die ihnen vorgezeichnete Erfolgs-Laufbahn aus den Stern- lonftellationen heraus. Mit einigen Vorhersagen über die Gestaltung der innen- und außenpolitischen Zukunft unseres Volkes fand der Vortrag fc nen Abschluß. ' „W o ist der Mann, der das GlaS Wasserbekommt?" Aus unserem Oberhessen wird den „Reichsverkehrsblättern" folgende nette Geschichte erzählt, die — wie die Reichsbahn bestätigt — sich tatsächlich so zugetragen hat. Fährt da an einem der letzten heißen Tage ein Mann von Alsfeld nach Gießen. Als er seinen Durst unterwegs nicht mehr bezähmen kann, versucht er auf der Station Mücke vergeblich Trink- wasser zu bekommen. Der Reichsbahnbedienstete wird auf den Mann aufmerksam, der infolge des kurzen Zugaufenthalts nicht mehr zum erfrischenden Trunk kommt. Er meldet es dem Vorsteher, der dem Schmachtenden im abfahrenden Zug noch zuruft: „3n Grünberg bekommen Sie ein Glas Wasser", und wirklich steht bei der Einfahrt des Zuges auf dem Bahnhof Grünberg ein Eisenbahner, der mit den Worten „Wo ist der Mann, der das Glas Wasser bekommt?" dem über solche Pünktlichkeit und noch viel mehr über diese Höflichkeit erstaunten Fahrgast daS kühle Raß kredenzt. *• Hunde-Sportvorfuhrungen tn Großen-Buseck. Am kommenden Sonntag, 25 September findet in Großen-Buseck ein Sport- metttampf der'Interessengemeinschaft der Schutz- und Volixeibundevereine von Giehen, Großen-Buseck und Wieseck statt. Um 9 Uhr wird mit der Such- und Spurarbeit begonnen, der Nachmittag wird mit Gehorsams- und Gewandheitsübungen sowie mit den Vorführungen in der Mannarbeit ausgefüllt fein. Wechsel im ReichsbahndirektionS' Präsidium Mainz. WSR. Mainz, 21. Sept- Der bisherige Präsident der Reichsbahndirektion Mainz. Lochte, ist als Rachfolger des Reichsbahndircktions- Präsidenten Schneider zur Reichsbahndirektion Altona verseht worden. Direktionspräsident Schneider hat die Altersgrenze erreicht. Die Reichsbahndirektion Mainz wird vorläufig von dem bärtigen Vizepräsidenten geleitet. Oer Fremdenverkehr im Lahngebiei. WSR. Limburg, 20. Sept. Rach den vorläufigen Feststellungen des DerkehrSverbandeS für die Lahn ist der Fremdenverkehr im Lahngebiet auch in diesem 3ahr recht aut gewesen. Die Frequenz deS Vorjahres ist an vielen, besonders kleineren Plätzen, noch überschritten worden. Weiter entwickelt hat sich auch der Passantenverkehr unter Benutzung des Vrohkraftwagens. Allgemein ist auch im Lahn- gebic-t die Verschiebung nach der billigeren Er- holungsmöglichkit festzustellen. Kunst unv Wissenschaft. VIII. deutscher Physiker- und Mathematiker-Tag in Dad-Nauheim. Im Kerckhoff-Institut in B a d - N a u h e i m begann der achte deutsche Physiker- und Mathematiker-Tag, an dem sich die Deut» sche Physikalische Gesellschaft, die Deutsche Gesellschaft für technische Physik, die Deutsche Mathematiker-Vereinigung und die Heinrich-Hertz-Gesellschaft zur Förderung des Funkwesens, beteiligten. Etwa 500 Teilnehmer aus dem In- und Auslande sind zu dem großen wissenschaftlichen Kongreß erschienen, darunter auch Geheimrat Planck, einer der bedeutendsten zur Zeit lebenden Physiker und Begründer der modernen Physik, der bekannte Rela» ttoitätsforschcr und Vorsitzender der deutschen Mathe» maliker-Dereinigung, Professor Weil, sowie der Nobelpreisträger Professor Jan F r a n ck - Göttin» gen. der Vorsitzende der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, Professor von Laue- Berlin eröffnete die Tagung und wies auf die wissensck-aftlichen Fortschritte des letzten Jahres auf dem Gebiet der Technik und Physik hin, die in erfreulichem Gegensatz zu den schweren Noten der Gegenwart stehen. Er dankte den Reichs- und Landesbehörden sowie der Notgcmeinschaft Deutscher Wissenschaft für ihre For» derung der wissenschaftlichen 'Arbeit durch Stipendien und Unterstützung der deutschen wissenschaftlichen Institute. Die Grüße der hessischen «taats» rcgicrung überbrachte Staatspräsident Dr. Adelung, der vor allem den engen Zusammenhang zwischen Wissenschaft und Technik betonte, der durch die gemeinsame Veranstaltung von Physikern und Matyematikern besonders glücklich zum Ausdruck komme. Nach weiteren Begrüßungsansvrachen hielt der Direktor des Kerckhosf-Instituts, Professor Dr. Groedel einen Vortrag über die Aufgaben und Forschungsergebnisse des Kerckhoff-Instituls in Beziehung zur Physik. Hieraus begannen die Dorträg» zu dem ersten Hauptthema der Tagung: „Der Magnetismus". Neuerscheinungen im Propyläen-Verlag. Der Propyläen-Verlag, Berlin SW 68, gibt sein Herbstprogramm bekannt. Es enthält unter anderem die folgenden wichtigen Neuerscheinungen: Pro» pyläen-WeltgefchichteBand4. „Das Zeit» alter der Gotik und Renaissance". — Propyläen- Kun st geschichte: „Die Kunst der Naturvölker" von E. v. Sydorn, neue, völlig umgestaltete und er«, weiterte Auflage. — Geschichte des Abendlandes im Hochmittelalter von Karl H a m p e. — Lion Feuchtwanger: „Der jüdische Krieg". Roman. — Volksausgabe für 2,85 RM.r Adrienne Thomas: „Die Katrin wird Soldat". Verantwortlich für Lokales, Provinz, Sport und Wirtschaft i. D.: H. L. Neune r. „W und „Lek" imianbeber Skipetaren. Vom großen Währungs-Durcheinander in Albanien. Von Hanü Tröbst. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verbotenI) Rap" und .Lek", diese beiden rätselhaften Wesen sind nichts weiter als Abkürzungen für „Rap— oleon" und „A — Lek— sander", und bilden die Grundlagen der albanischen Währung, die nach so originellen Grundsätzen aufgebaut ist, daß jeder Münzensammler, der sich zu „Originalpreisen" und darunter die Gold- und Silbermünzen des letzten Jahrhunderts zusammentragen will, gut daran tut, sich der kleinen Mühe einer Albanienreise zu unterziehen, And zwar rechtzeitig, ehe es zu spät ist. Denn der Albaner ist, genau wie der Beduine, ein besonders mißtrauischer und daher geiziger Zeitgenosse und hat aus diesem Grunde im Lause der Jahrhunderte grundsätzlich nur Gold- und Silbermünzen in Zahlung genommen, weil er auch dem schönsten und künstlerisch einwandfreiesten Papiergeld ein unü der windliches Miß trauen entgegenbrachte. Das Gold hat er damals, als es ihm noch besser ging, in Kisten und Kasten für Kind und Kindeskind gesammelt, das Silber als Scheidemünze von Hand zu Hand wandern lassen. Jetzt aber, wo auch in Albanien die Fleischpreise anziehen, kommen allmählich die goldenen Füchse wieder zum Vorschein und kosten — ganz gleich, wer darauf abgebildet ist — Stück für Stück 20 Goldfrank, das heißt 1 6 reichsdeutsche Papiermark (die man auch die „goldene" nennt). Für diesen Betrag kann man sich also in Albanien auch heute noch eine Rapoleon-Sammlung anlegen, die jedem staatlichen Münzkabinett zur Zierde gereichen würde. So zeigte mir kürzlich in Tirana ein sonst nicht übermäßig mit Glucksgütern gesegneter Zeitgenosse eine „Kollekfion" von 24 verschiedenen goldenen „Rap s", die alle den Kopf Rapoleons I. trugen. Goldstücke, die dieser Glückliche so peu ä peu aus dem Verkehr gezogen hatte. Hn6 zwar alle zum Renuwert von 16 Mark das Stück, obwohl sie den großen Korsen als Konsul und Kaiser in den verschiedensten technischen Ausführungen, sogar auf französischen Kolonialmünzen darstellten. Merkwürdigerweise fehlten darunter auch Stücke nicht, die ihn auf der einen Seite als „Empereur“ bezeichneten, auf der anderen aber als Herkunftsland die „Republique Fran^aise“ angaben. All diese Goldfüchse — weiß der Himmel, wie hoch ihr Sammelwert ist! — tummeln sich heute noch genau so munter wie anno dazumal im Lande der Skipetaren herum, mit der einzigen Einschränkung allerdings, daß sie ... immer weniger werden. Aber daran sind nicht die Albaner, sondern die Fremden schuld. Als mir zum Beispiel in der Pafisserie „Benito Mussolini", wo man die schönen Kuchen ißt, der albanische Zuckerbäcker einen grünlich schimmernden Schein wechselte, und mir außer drei „Rap s" des Dritten mit und ohne Lorbeerkranz auch ein goldenes 20-Francs-Stück mit dem Kopfe Louis Philipps aus dem Jahre 1847 klirrend auf die Platte warf — auf die Marmorplatte selbstverständlich, — da habe ich mich natürlich schwer gehütet, den dicken Louis wieder unter das Volk zu bringen, obwohl er ja bekanntlich den Ehrenbeinamen „Bürgerkönig" führte. And wie es den goldenen Rapoleoniden, so ist es in Albanien auch den übrigen silbernen gekrönten Häuptern der „lateinischen Münzunion" gegangen; die Zeit, die Kriege, und die Revolution haben die „Originale" mit den Kopien zusammen aus Europa fort gefegt... nur im Lande der Skipetaren sind sie weiterhin in allen Händen, als sei seit 1914 nichts von Belang geschehen. Rur eins hat die Rachkriegs^eit schonungslos enthüllt: den inneren Wert dieser rumänischen, serbischen, montenegrinischen, bulgarischen, italienischen, französischen, belgischen, griechischen. österreichischen und ungarischen Silber- Lei - Dinar - Lewa - Lire - Franken - Drachmen- Äronenl Bisher hatte ich immer geglaubt, dah Silber „Silber" sei und dah ein nie erschütterter Schweizer Silberfranken immer noch den gleichen Wert wie vor dem Kriege, nämlich rund 80 Reichspfennige, hätte. Denn wenn Gold und Silber aus den uralten Formen schmilzt, waS hat dann noch Wert und Bestand auf der Welt? Weit gefehlt! Als ich neulich in Tirana zum Wechsler ging, versuchte ich dort, meine künstlerisch einwandfreie deutsche Papiermark an den Mann zu bringen. Da ich nicht kleinlich sein wollte, verlangte ich gleich 100 Silberfranken — weil diese das normale Kleingeld bilden; — das war eine runde Rechnung uno der Scherz würde vielleicht 80 Mk. — na, der Wechsler wollte auch leben — sagen wir 82 Mk. kosten. Ali, der würdige Greis, rechnete emsig und lange und verlangte von mir 33 Papiermark, die sich die „goldene" nennt. Angenehm enttäuscht machte ich den „Saraf" auf seinen augenscheinlichen 3rrtum aufmerksam. ... nichts zu machen! Es stimmte! And schon reichte mir der würdige Alte, ganz wie im orientalischen Märchen, zwei schwere gewichtige Rollen und kassierte dafür 33 papiemc Mark ein. „Ra schön", dachte ich. „der alte Sünder muß es ja wissen", denn so lange die Welt steht, hat sich noch nie ein Wechsler zu seinem Rachteil verrechnet ... Beschwingten Schrittes eilte ich in die nächste Kneipe. Wo soll man in Tirana sonst hingehen... und erbrach die Röllchen. Klirrend und klingend — welch' Ohren- und Augenschmaus! purzelten 1 00 f ilberne Franken heraus. Was für herrliche Sachen! ' Eine Fürstengalerie, gegen die die Siegesallee eine Ama- teurfammlung ist! Zunächst einmal die Jahreszahlen: Sie umfaßten den Zeitraum von 1860 bis 1904, afio eine Aera, in der der Begriff „Ersah" sicher noch nicht bekannt gewesen ist. 23 von diesen 100 echten, alten Silberstücken waren verschieden : der alte gute Kaiser Franz gleich in neun Aufmachungen, mit und ohne Vollbart — er hat ja lange gelebt — dazu eine Iubiläumstrone mit ungarischem und deutschem Text. Von Rumänien war König Carol 1. vertreten, von Serbien die Könige Milan, Peter und irgendein Karaghorghe- oder anderer Abreno- vitsch. Ferner Rikita von Montenegro. Alexander und Georg von Griechenland, Ferdinand von Bulgarien, die säende „Egahte“ mit der Jakobinermütze, daS Schweizerkreuz, auch „Onkel Cleopold" von Belgien fehlte nicht, desgleichen Humbert, Victor Emanuel und — sei mir gegrüßt du Freund aus besseren Tagen! — eine eins ame Reichsmark aus dem Jahre 1903! All diese Münzen waren echte Vorkriegsware, deren innerer Wert jedoch leider Gottes ein äußerst inflatorischer ist. And das ist das Merkwürdige! Früher konnte man für eine silberne Reichsmark sich doch mindestens — um irgendein naheliegendes Beispiel zu wählen — zehn Zeitungen erstehen; in Albanien muß man für daS ?,leiche Vergnügen ebenfalls einen silbernen Frauen — oder wie man sie kurzweg nennt — eine „Coruna" (eine Krone) erlegen und erhält dafür nur eine Zeitung. Danach war also die ganze famose „lateinische Münzkonvention" nichts anderes, als ein aufgelegter Schwindel! 33 Pfennige war das Stück wert und 80 muhte man dafür zahlen! And wenn ich mir jetzt dazu meine rotzig-rot angelaufene Silbermark von heute so betrachte, dann kann ich den Verdacht nicht loswerden. als habe sie noch weniger Silber im Leibe als die „monarchistischen", die man abgeschafft hat. Warum eigentlich? Aber damit ist das WähruugSdurchein- anderin Albanien noch nicht zu Ende. Daß der amerikanische Dollar die Stunde regiert, versteht sich von selbst. Fester Preis ist 13,5 Silberkronen, ju diesem Sah nimmt ihn jeder Stiefelputzer, jeder des Lesens und Schreibens unkundige Dauer anstandslos in Zahlung und gibt richtig darauf heraus. Mehr als das: der Dollar wird sogar bevorzugt, er ist das einzige Papier, dem der Albaner nicht ablehnend gegenübersteht. Denn Amerika ist „Amerika" und ist größer und greifbarer als der „Lek", der sagenhafte „A — lek — sauber" der Große, auf den jeder Albaner, der nur etwas auf sich hält, seinen Stammbaum in direktor Linie zurückführt. Diesen „Lek" haben die 3taliener eingeführt, und diese Münzen aus echtem Blech mit dem wunderschönen Kopf des großen Königs sind tarifmäßig eine halbe Silberkrone wert. Das glaubt natürlich kein Mensch, aber Italien hat's so befohlen. Es importiert Blech und führt Gold und Silber aus. Infolgedessen, vor die Alternative „Papierdollar" oder „Blechlek" gestellt, greift der Arnaut zum ersteren, denn dem Lek bringt er nur sehr, sehr gemischte Gefühle entgegen. S.Upor/ Spielveremigung 1900 Gießen. Die 3. Mannschaft trat in Butzbach der dortigen 2. Elf im Meisterschaftsspiel entgegen und unterlag mit dem knappsten aller Resultate 1:0 (Halbzeit 0:0). Butzbach stellte eine sehr kampfkräftige Mannschaft, die auch oft die Grenze des Erlaubten überschritt und dadurch einen Spieler durch Platzverweis verlor. 1900 hatte fast ständig mehr vom Spiel, aber einen so schuhschwachen Sturm, dah jeglicher Erfolg ausblieb. Ein erzielter Treffer wurde von dem gegen Spielende in seinen Leistungen recht schwach werdenden Schiedsrichter nicht gewertet. Der einzige und entscheidende Erfolg fiel erst gegen Spielende und war unhaltbar. Die Gießener Schluhleute waren sehr gut. Die 4. Mannschaft war durch mehrere Absagen sehr schwach ausgestellt und verlor obendrein schon bald nach Beginn ihren guten Torwart durch Berlehung. Dabei kam der Gastgeber zu seinem zweiten Treffer und erzielte bis zur Halbzeit noch ein weiteres Tor. Auch nach dem Seitenwechsel waren die zahlenmäßig unterlegenen Gießener nicht in der Lage, dem Spiel eine andere Wendung zu geben. Lollars 3. Elf, die durch Spieler der spielfreien oberen Mannschaften sehr verstärkt war, erzielte noch vier weitere Tore und damit einen sicheren 7:0-(3:0)-Sieg. D. f. JR. Lich. Sich I — Heuchelheim I 11:0. Auf völlig aufgeweichtem Platze mußte das Verbandsspiel zwischen den ersten Mannschaften von Heuchelheim und Lich ausgetragen werden. Wohl keiner der Sicher Anhänger des Fußball- sportes hatte mit diesem sensationellen Ergebnis gerechnet: ja, keiner dachte überhaupt an einen Sieg der heimischen Mannschaft. 3n diesem Treffen waren die 'Rasenspieler von einem Geiste beseelt, der sie von Anfang bis Schluß zu einem energievollen Spiele anhielt. Den wesentlichsten Anteil an diesem hohen Siege dürfte in erster Linie die Läuferreihe haben, die dieses Mal ihren Sturm mit den nötigen Bällen versorgte und sich nicht allein auf Zerstörungsspiel verlegte. Die zweite Elf traf in Leihgestern auf ihren wohl stärksten Gegner. Auch hier lieferte sie wieder ein zusammenhangloses und weiches Spiel und mußte sich unnötig hoch schlagen lassen. Handball im Gau Hessen (O.T.) TV. Großen-Linden I — TV. Garbenteich I 18:3 (9:3). Eine empfindliche Riederlage muhten die Garbenteicher in Großen-Linden einstecken. Schon nach 10 Minuten führten die Grohen-Lmdener 7:0. Bis zur Pause kommen die Gastgeber noch zu zwei Treffern, während die Gäste ebenfalls dreimal erfolgreich waren. Rach der Halbzeit kamen die Einheimischen noch zu weiteren neun Erfolgen. Garbenteich ging leer aus. — Die 2. Mannschaft besiegte die 2. Mannschaft des Tv. Hochelheim 11:6, nachdem die Gäste bei Halbzeit noch 5:4 führten. Tischtennis im OHB. Die Tischtennisgilde des DHB. Gießen veranstaltete am Sonntag ihren ersten Klubkampf gegen die DIK. Gießen und gewann überlegen mit 7:1. Rachstehend die Ergebnisse (DIK. immer zuerst genannt): Einzel: Pflicht — Faber 21:10, 21:9, 21:4; Schick - H. Fischer 11:21, 14:21, 21:19, 15:21; Rodriquez — Koch 21:16, 12:21, 8:21, 21:17, 11:21; Krauskopf — Höpfner 7:21, 16:21, 20:22; Schäfer — M. Fischer 15:21, 11:21, 13:21; Adam — Schmück 13:21, 21:17, 10:21, 16:21. Doppel: Pflicht-Schäfer — H. Fischer-M. Fischer 24:22, 14:21, 18:21, 21:16, 16:21; Krauskopf-Schick - Höpfner-Faber 19:21, 21:13, 19:21, 17:21. Weltmeisterschaften der Tennis-Berufsspieler. Am Mittwoch wurden bei den Internationalen Meisterschaften der Berufsspieler die Teilnehmer am Biertelfinale ermittelt. Bor einer wieder sehr großen Zuschauerzahl qualifizierten sich als „letzte Acht" Tilden, Ramillon, Plaa, Rajuch, Burke, Barnes, der Frankfurter Messerschmidt und der deutsche Meister Hans Rühlein. Die Ergebnisse der Spiele waren: Tilden gegen Rudolph 6:1, 6:2, 6:1; Ramillon — Stubbe 6: 0. 6: 3, 6:1; Plaa — Birnbaum 6: 2, 6:1, 6: 0; Rajuch — Benz 6:0, 6:3, 6: 3; Burke — Moldenhauer 6:0, 6:0, 6:1; Barnes — Franz Schmidt (Ungarn) 6:1, 6:1, 7: 5; Messerschmidt — Waasdorp (Holland) 6: 3, 6:4, 6:1; Rüßlein — Mina- rik (Tschechoslowakei) 6:2, 6:3, 6:1. Kurze Sportnotizen. Hilde Krahwinkel hatte bei den Tennismeisterschaften der Westschweiz in Montreux schöne Erfolge zu verzeichnen. Im Dameneinzel schlug die Essenerin dir deutsche Meisterin Frl. Pa.)vt 4:6, 6:0, 9:7 und im Damendoppel triumphierte das deutsche Meisterpaar Krahwinkel- Peih 3: 6, 6: 2, 6: 4 über Payot-Barbier. Dagegen befand sich Daniel Prenn nicht in bester Ber- fassung. Im Endspiel des Herreneinzel fertigte Deutschland-Schweden. Oer erste Länderkampf in der neuen Saison. — Am Sonntag in Nürnberg.— Bor einem deutschen Sieg? Deutschlands erster Länderkampf in der neuen Saison geht gegen Schweden. Es ist dies das 90. Länderspiel des DFB. überhaupt. Gegen Schweden hat -unsere Nationalmannschaft erst zweimal gewonnen, ebenfalls zwei Spiele endeten unentschieden und fünf Spiele gingen verloren. Also eine nicht sehr ruhmvolle Bilanz.-Am Sonntag in Nürnberg hat Deutschland nunmehr Gelegenheit, in dieser Bilanz die Aktivseite etwas zu verstärken, denn die Schweden sind nicht mehr der gefürchtete Gegner von ehedem. Sie haben in ihrer Spielstärke nachgelassen. Der Spielausschuß des DFB. dagegen hat eine Aufstellung herausgebracht, die das ganze Bertrauen hat und in allen Teilen ausgezeichnet besetzt erscheint. Die Chancen stehen also gut ... Die beiden Mannschaften werden im Nürnberger Stadion in folgender Aufstellung antreten: Deutschland: Jakob Haringer Stubb Knöpfle Leinberger Oehm Bergmaier Krumm Rohr R. Hofmann Kobierski Kroon Kempe Lundahl Persson Nilsson E. Andersson Carlund Sjörgren Lager O. Andersson Schweden: Ionasson Als Schiedsrichter fungiert F. B a r l a s s i n a (Mailand), Linienrichter sind Dr. B a u w e n s (Köln) und A. B i r l e m (Berlin). In der deutschen Mannschaft kann man sich das Hintertrio kaum besser denken. Auch die Läuferreihe ist sehr gut, Oehm wird sich dem Spiel von Knöpfle und Leinberger sicherlich gut anpassen. Im Sturm liegt das Schwergewicht auf der rechten Seite und Rohr. Dah Rohr sich mit Krumm und Bergmeier gut versteht, ist selbstverständlich, es kommt nur darauf an, wie er auf die Spielweise Richard Hofmanns eingehen wird und ob es ihm gelingen wird, die Verbindung zwischen links und rechts her^ustellen. Dringt er das fertig, dann werden auch Tore fallen. Die schwedische Mannschaft hat ihre gefährlichsten Waffen in den beiden äußerst schnellen Außenstürmern. Ausgezeichnet soll auch der Tormann Ionasson sein, die übrigen Posten sind durchweg mit Könnern beseht, wenn auch sehr junge Leute darunter sind. Auf jeden Fall darf die deutsche Mannschaft das Spiel nicht zu leicht nehmen, sonst könnte es leicht eine Ueberraschung geben, denn die Schweden sind von Ratur aus als sehr zäh bekannt und werden sicherlich alles daran setzen, um einigermaßen gut abzuschneiden. Wenn aber unsere Mannschaft mit dem nötigen Ernst an das Spiel herangeht, wenn jeder Spieler sein ganzes Können einsetzt und auch auf den Mannschaftsgedanken etwas Rücksicht nimmt, dann braucht uns um einen Sieg nicht bange zu sein. Der ausrichtende süddeutsche Verband hat alles aufgeboten, um den schwedischen Gästen die Tage ihres Aufenthaltes so angenehm wie möglich zu gestalten; er wird im Zeichen der Erinnerung an den Schwedenkönig Gustav Adolf stehen. So ist neben einer Besichtigung der alten Veste sowie Nürnbergs selbst eine Fahrt nach den alten Schlachtfeldern und nach Rothenburg vorgesehen. Rürnbergs sportfreudiger Oberbürgermeister Dr. Luppe wird die Schwedenmannschaft im Rathause begrüßen. der Schweizer Fisher mit 6:1, 6:2, 4:6, 6:2 den Berliner ziemlich glatt ab. Wolrad Eberle, der Dritte im Olympischen Zehnkampf, der geborener Freiburger ist, wurde am Dienstagabend bei seiner Ankunft in Freiburg (Dr.) von den Behörden und einer großen Menschenmenge lebhaft gefeiert. - * Weltmeister Richter (Köln) will Berufsfahrer werden. Sein erstes Rennen als Profi soll er schon Anfang Oktober bestreiten. Das Berliner Sechstagerennen ist mit Rücksicht auf die Reichslagswahlen auf die Zeit vom 9. bis 15. Rovember verlegt worden. * Arsenal und Everton, die beiden führenden englischen Fußballmannschaften, trennten sich in einem Meisterschaftsspiel mit einem 3:3. D le Tennl s - Mei st erscha f t von Deutsch- böhmen fiel an Roderich Menzel, der im Endspiel Hecht 3:6, 6:3, 4:4 zurückgezogen schlug. * Lieber 200-Stunden-Kilometer im Motorboot erreichte bei einem Weltrekordversuch auf dem Michigan-See (USA.) der bekannte amerikanische Weltrekordmann Gar Wood. Rachdem der Engländer Kahe Don bisher die Welthöchstleistung seit dem 17. Iuli 1932 mit 192,768 Stunden-Kilometer innehatte, holte sich jetzt Gar Wood den ihm nur kurze Zeit verloren gegangenen Weltrekord mit einer Leistung von 201,166 Stunden-Kilometer zurück. ♦ Der Rugby - Länderkampf Deutschland-Tschechoslowakei, der am Sonntag in Prag stattfinden sollte, ist von den Tschechen mit der Begründung abgesagt worden, daß ihnen am Sonntag kein geeigneter Platz zur Verfügung stehen würde. (!) Wirtschaft. Oie Arbeitsmarkilage im 2Reid). Berlin, 21. Sept. (WTB.) Rach dem Bericht der Reichsanstalt betrug die Zahl der bei den Arbeitsämtern gemeldeten Arbeitslosen am 15. September rund 5 261 000, lag also nicht wesentlich über der Zahl vom 31. August. In einzelnen wichtigen Berufsgruppen fand eine Entlastung, in anderen eine Reubelastung des Arbeitsmarktes statt, beides überwiegend aus jahreszeitlichen Ursachen. In der Arbeitslosenversicherung wurden am 15. September rund 569 000 (gegen 697 000 Ende August) in der Krisenfürsorge rund 1230 000 (gegen 1295 000 Ende August) Hauptunterstüt- zungsempsänger betreut. Die Zahl derjenigen Arbeitslosen, die bei Rotstandsarbeiten beschäftigt waren, belief sich Ende August schätzungsweise auf 65 000 Personen. Im Freiwilligen Arbeitsdienst waren Ende August rund 144 000 Arbeitsdienstwillige beschäftigt. Die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen kann für Mitte September noch nicht geschätzt werden. Für Ende August steht sie nunmehr mit 2 030 000 fest. * * Einzelheiten zum Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsbahn, lieber die Verteilung der von der Reichsbahn im Rahmen ihres. Arbeitsbeschaffungsprogramms zur Vergebung gelangenden Aufträge von etwa 180 Millionen Mark erfährt WTB.-Handelsdienst folgende Einzelheiten: Es werden 1800 Kilometer Bahnanlagen erneuert. Für Unternehmerleistungen beim Oberbau sind 26 Millionen Mark ausgeworfen, für Erhaltung und Erneuerung der baulichen Anlagen (Gebäude, Brücken usw.) 25 Millionen Mark für die Erneuerung des Oberbaues mit eigenen Arbeitern der Reichsbahn 12,2 Millionen Mark, für Beschaffung von Material für den Oberbau 33 Millionen Mark zusätzlich, für andere eiserne Stoffe (Aufträge, die in erster Linie der Kleineisenindustrie und ähnlichen Zweigen zugute kommen) 3 Millionen Mark, für Holzschwellen 3,5 Millionen Mark, für Bettung (Steinschlag) 8,3 Millionen Mark, für ein Sonderprogramm von Fahrzeugverbesserungen (Kupplungen und dgl.) 5 Millionen Mark, für Erneuerungen der Fahrzeuge 25 Millionen Mark, davon 20 Millionen Mark für Waggons und 5 Millionen Mark für Lokomotiven, für die Erhaltung und Erneuerung maschinenartiger Anlagen 4 Millionen Mark. Neben diesen Ausgaben für Erhaltung und Erneuerung der Anlagen ist noch ein Neubauprogramm (Neuanlagen, Anschlußgleise, Gebäude, Brücken usw.) von insgesamt 35 Millionen Mark in Aussicht genommen. * Bevor st ehende Zellstofspreis- erhöhung. Wie WTB.-Handelsdienst erfährt, sollen die Jnlandpreise für Zellstoff mit Wirkung vorn 15. Oktober d. I. um einen Satz erhöht werden, der, nach den gewährten Rabatten gestaffelt, bis zu 3 RM. je 100 kg ausmachen dürfte. Diese Preiserhöhung werde für die Zellstofffabrikanten eine Besserstellung um durchschnittlich 8 bis 10 o. H. bei den Jnlandpreisen bedeuten. * Eontinental-Gummi-Werke A G., Hannover. Die Continental-Gummi-Werke AG., Hannover, teilt mit, daß sie, um auch ihren Zulieferanten die Möglichkeit zur Wiedereinstellung neuer Arbeitskräfte zu geben, diesen zu den laufenden Aufträgen noch zusätzliche Aufträge in Hohe von 2,5 bis 3 Mill. Mk. gegeben hat. In der Hauptsache werden hiervon betroffen die Textil-, Metall-, Montan- und chemische Industrie, aber auch das Handwerk wird an der obigen Summe mit beteiligt werden. * Durchführungsbestimmungen zur Wirtschaftsverordnung. Um bei der Wichtigkeit der Vorschriften den vollen amtlichen Wortlaut der Durchführungsbestimmungen allen Inter- essenten zugänglich zu machen, werden die nachstehenden Sonderdrucke kostenlos gegen Erstattung der Versandspesen von je 15 Rpf. abgegeben. Es erschienen: 1. Durchführungsbestinimungen^ur Verordnung zur Vermehrung und Erhaltung berSlrbeitsgelegen« heit, allgemeine Vorschriften; 2. Durchführungs- beftimmungen zur Verordnung zur Vermehrung und Erhaltung der Arbeitsgelegenheit, besondere Vorschriften bei Akkordlöhnen und in der Seeschiffahrt; 3. Ausführungsvorschriften über die Steuergutscheine. Der Versand erfolgt gegen Einsendung des Betrages in Briefmarken oder auf Postscheckkonto Berlin Nr. 421 durch den Verlag für Reichssteuertabellen m. b. H., Berlin NW 87, Elberfelder Straße 30. Frankfurter Abendbörse fester. Frankfurt a. M., 21. Sept. Die Abendbörse war nach dem schwachen Schluß des Mit- tagsvertehrs auf der ganzen Linie befestigt. Reben Rückdeckungen der Kulisse sollen auch von außenher einige Kauforders, besonders für I.-G.- Jarben und Montanwerte, Vorgelegen haben. Dor allem verwies man auf die feste Eröffnung der Reuhorker Börse sowie auf das Anziehender Metallpreise an der heutigen Londoner Metallbörse. Dje innerpolitische Lage trat etwas in den Hintergrund. Bei relativ lebhaften Umsätzen ergaben sich gegen den Berliner Schluß Besserungen von durchschnittlich 0,5—1 Prozent. Darüber hinaus lagen I.-G.° Farben 2,25 Prozent, Har- pener 2,50 Proz., Rheinstahl 1,50 Proz., Mannesmann 1,65 Proz., Gelsenkirchen und Phönix bis zu 1 Prozent höher, ferner zogen AEG. und die übrigen Elektrizitätswerke kräftig an, und auch Zellstoff Waldhof waren um 2 Prozent erholt. Im Verlauf ergaben sich meist weitere Besserungen von 0,25^-0,50 Proz., Mannesmann und AEG. gaben später leicht nach, I.-G.-Farben blieben auf dem erhöhten Riveau stehen. Die Börse schloß in durchaus freundlicher Haltung. Am Rentenmarkt setzten Altbesih ihre Aufwärtsbewegung um 0,25 Prozent fort, auch Reichsschuldbuchforderungen waren zu 63,25 Prozent stärker erhöht. Etwas Interesse zeigte sich ferner für Reubesih- und die Schutzgebietsanleihe, die etwa 10 Pf. anzogen. Für den übrigen Rentenmarkt war das Geschäft zwar sehr klein, doch bestand meist Rachfrage, besonders wieder nach niedrig im Kurs stehende Liquidationspfandbriefe, so erneut für Hamburger Hhp.-Li- quid. zu 76 Prozent. Aeubesitzanleihe 6,80, Alt- besih 56. Schutzgebietsanleihe 5,1 Prozent (im Freiverkehr 5,10 Proz.), Reichsbank 129, Buderus 39, Gelsenkirchen 42, Harpen er 77,50, Mannesmann 55,75—55,50, Phönix 25,75—26,13. Rheinstahl 67,50, Stahlverein 19,50—20, Aku 56, AEG. 35,50—35,89—35,50, Dekula 109,50, Conti Gummi 104, Deutsche Linoleum 44,75, Licht & Kraft 86,75, I.-G.-Farben 100,25, Gesfürel 74,75. Holzmann 55, Rhein. Elektro Mannheim 72,50, Siemens 136, Zellstoff Waldhof 40—41, Hapag 19, Reichsbahn-VA. 82,75. Kirchticke Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 24. September. Vorabend 6 Uhr; morgens 8.30; abends 6.25 und 7.05 Uhr. Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 24. September. Freitag abend 5.50 Uhr; Samstag vormittag 8; nachmittags 4; Sabbatausgang 7.05. — Wochengottesdienst: Sonntag und Freitag: morgens 5; an den übrigen Tagen morgens 5.30, abends 6 Uhr. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o H, Lombardzinsfuß 6 v. H. Frankfurt a. Dl. Berlin Schiuß- furd Echlußk. Abend- börse Schluß- hird Echlußk. Mittag- börse Datum 20.9. 21.9. 20.9. 21.9. 6% Dcimche Reichsanlethe d. 192. 67.5 68,5 69,5 68 G% ehem.7%Tt. ReichSanl.v.l92V 76 76 75,4 75,5 5'/i% 9)ounn=»lnlcf6c von 1930 . 63,75 63,75 64 63,9 Deutsche Anl.-Ablöl.-Schuld mli Audlos.-Rechten...... 55,5 56 55,5 55,8 DesnI. ohne AuSlos.-Rechte . . 6,9 6,8 6,9 6,7 6% ehem 8%£>c|i. Bolksftaat 1929 (rudsatjlb. 102%)...... — 63 — 63,75 Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten...... — 59,5 — — Deutsche Komm. Sammelabl. MnleKie Serie 1...... 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Banl (Bolhtv. 15 unkündbar btS 1935 51,5 51,45 — 51,25 74 74 — — 6% ehem. 7% Franks. Hyp.-Banl Golvv> 16 unkündbar bis 1936 73 73,5 — — 6'/.% ehem. 4yt% Franks.Hyp.- Bant Wau Piundbricje . . . 79 78,4 — 6’/.% ehem. 4/,% Rheinische Hnv-Bani-Ltau-Goldpie. • • 6% ehem 8% Pr. LandeSpsand- brtefansto. Pfandbriefe R. 19 78,5 78,75 — 71 71 71 71 6% ehem. 7% Br. LandeSpsand- briesanttali Pfandbriefe R. 10 70,5 70,75 — — 4% Oeskerretchische Golvrente . 10 10 10,9 — 4,20% Oesterreichische Stlberrentc 1,25 1,25 — — 4% Ungarische Gvldrente .... 7,5 7,5 7,55 7,4 4% Ungarische Staatsrente V. 1910 7 7 6,9 —— 4>4% deögl. von 1913..... 6,1 — 6,4 6,25 5% abzest. Goldmexilaner von 99 7,25 , ,7 7 7 4% Türkische Zollanleihe von 1911 3,75 3,75 3,75 — 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie 1.......... 4 4 4,25 4,15 4% desgl. Serie II....... 4 4 — — 5% Rumän. veuinh. Rente v. 1903 6,75 6,5 6,4 6,4 4^%Rumän.v:reinh.Rentev.l913 11,9 11,65 11,9 11,6 4% Rumänische vereinh. Rente 5,7 5,5 5,55 5,5 2|t% Anatolier ..... 18,75 18,75 18,75 19 Frankfurt a.M. Äerlin Schluß- furd Echlußk. Abend« börse Schluß- furd Echlußk. Mittag. Hörle Datum 20-9. 21.9. 20-9. 21.9. pamvurg'Amenla Pme.