Nr. 225 Erst« Blatt 182. Jahrgang Donnerstag, 22. September 1952 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustriert« Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle monati=Be$ngsprei$: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. 8ernfprechanfchIUffe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Liehen. Postscheckkonto: Sranffuri am Main 11686. MtzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck tmb Verlag: vrühl'sche llniver^rüts-vuch' und 5teindruckerei H. Lange in Gietzen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20"/. mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil OTqr Filler, sämtlich in Gießen. Gandhi hungert. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verbotenl) London. September 1932. Ter Führer der indischen Freiheitsbewegung, Mahatma Gandhi, hat an M a c d o n a l d ein Telegramm geschickt, in dem er droht, er werde solange Hunger streiken, bis er st erbe, wenn Die englische Regierung nicht umgehend die Zuerteilung eines Sonderwahlrechts an die „LI nberührbaren" wieder aushebe, und zwar vom 2).September ab. Falls die Regierung ihn aus dem Gefängnis in Puna entlasse, wo sich Gandhi augenblicklich befindet, so werde er diesen Streik auch ausserhalb sortsetzen. Macdonald hat daraufhin seinen Telegrammwechsel mit dem Hinduführer reröfsentlicht, aus dem hervorgcht, daß Gandhi, was man bisher nicht wusste, bereits im April die Drohung des Hungerstreiks bis zum Tode ausgesprochen hat. als zum erstenmal das neue Wahl- recht drohte, und dah Macdonald in mehreren längeren Telegrammen ihn beschwor, von seinem Vorhaben abzustehen. Insofern ist dieser Schriftwechsel nicht ohne eine gewisse Tragikomik, da in ihm immer wieder Redewendungen, wie „flehe ich Sie an, ton Ihrem Dorhaben abzustehen" und „bitte ich Euer Exzellenz mitteilen zu dürfen, dah ich meine Absicht auf Hungern bis zum Tode ver- wirklichen werde", Vorkommen, so dah man meinen könnte, es handele sich hier um den Schriftwechsel zweier leicht verdrehter Individuen, wenn nicht hinter dem ganzen der ganze tragische Ernst Der Auseinandersetzung zwischen Ost und West stünde, und es dabei nicht um die Freiheit eines Millionenvolkes ginge. Wohl noch keines der zahlreichen Ereignisse der letzten Jahre in dem Ringen um die neue indische Verfassung verdeutlicht Rudyard Kiplings „Ost und West werden sich niemals verstehen" so deutlich wie dieser Vorgang, der zweifellos sehr bald eine tragische Zuspitzung erfahren wird. Denn es ist selbstverständlich, dah Macdonald seine Entscheidung über die Zuteilung der Sitze unter die verschiedenen religiösen Gruppen im künftigen indischen Parlament, die er auf die Bitten und unter Berücksichtigung der ihm vorgetragenen Wünsche vorgenommen hat nicht wieder zurücknehmen kann, ohne das ganze Werk zu gefährden, und dah er Gandhis Wunsch nicht erfüllen kann, ohne alle anderen Gruppen gegen sich zu wenden. Das englische Ansehen würde jedenfalls einen solchen Schlag erleiden, dah Macdonald das kaum kann, während andererseits nicht daran zu zweifeln ist, dah Gandhi es ernst meint. Er muh es ja, wenn er nicht sein politisches Ansehen verlieren will. Was aber fein Tod für die indische Freiheitsbewegung bedeuten würde, das braucht wohl kaum besonders her- vorgehoben zu werden. Lim zu verstehen, worum der Streit eigentlich geht, muh man wissen, wer denn die Lin berührbaren sind, denen Gandhi kein Sonderwahlrecht zugestehen lassen möchte. Das sind an sechzig Millionen Menschen in Indien, die zu den Hindus rechnen, sich also zur Religion der Hindus bekennen, aber zu den untersten Kasten gehören, die dieser Glaube kennt. Sie sind aus der Gemeinschaft der Hindus reiner Kasse so gut wie aus- ge st oh en. da ihre Berührung Speise und Trank „verunreinigt". Auch das Betreten des Tempel- inneren ist ihnen untersagt, ja sie dürfen nicht einmal aus denselben Quellen ihr Wasser schöpfen wie ein Hindu reiner Kaste. Sie sind die niedrigste Klasse der Bevölkerung, leben in den Quartieren der grohen Städte gesondert für sich, kurz — sind also trotz ihrer Zugehörigkeit zum Hinduismus ausgestoßen aus der Gemeinschaft und wurden daher in früheren Jahrzehnten nicht nur nach allen Regeln der Kunst von den höheren Kasten unterdrückt, sondern auch verfolgt und ausgeplun- dert. Linker der englischen Herrschaft hat sich ihre Lage allerdings gebessert, zahlreiche „Linbe- rührbare" sind zu Wohlstand und Ansehen gekommen, haben studiert, werden aber trotzdem von per Masse der Hindus oberer Kaste wie der Aussatz gemieden. Ein Verhalten, das in diesem Zeitalter der Politisierung und Demokratisierung Indiens natürlich dazu beigetragen hat, die Gegensätze zu verschärfen, und schließlich den Linberührbaren Anlaß zu der Forderung zu geben, sie muhten ihre eigene politische Vertretung haben. Diesen menschlich verständlichen und poutrsch zweifellos gerechtfertigten Wunsch hat aber Gandhi von jelfer bekämpft, und zwar aus zwei ganz verschiedenen Gründen. Einmal verbietet es ihm ja seine Religion, anzuerkennen, dah die „Linberührbaren" etwa keine Hindus seien. Denn sie gehören ja nach den religiösen Anschauungen selbstverständlich zum Kastensystem, wenn fie auch zehnmal auf der untersten Stufe stehen. Sre herausnehmen toollen, heißt, dann hat Gandhi recht, das Kastensystem und damit einen der Hauptglaubenssätze der Hindureligwn leugnen, beißt also auch, sich in die Angelegenheit des Glaubens mischen, worauf der Hindu am aller- empfindlichsten reagiert Gandhi muh also allem schon aus diesem Grunde befürchten, dah irgendeine Anerkennung der Sonderbehandlung der Linberührbaren zu einer Revol t e unter den Hindus seiner Anfängerschaft fuhrt Dann aber hen Pal u,ver •rsarnL.ertrOff MM ^»iak keth^ ’n h» ke'f. % r j IM J M o^e/.pA^ bes *Parenn ■ 7 M pnJvPlTaket n ndeht / *i/i M flH VM2« niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinniiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Bekanntmachun g! Die Praxis des verstorbenen Frauenarzt Dr. Made wird ab 1. Oktober durch einen erfahrenen Facharzt wieder weitergeführt Frau Dr. Mack Wwe. 05442 Gartenstraße 10. WM -- !■£ | (Flasche 1.40 Mark und 2.75 Mark.) Haupt-Nieder- M 58 ■ IT I läge: Engel-Apptheke. 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Für die wohltuenden Beweise liebevoller Teilnahme, die uns beim Heimgange unserer lieben, unvergeßlichen Entschlafenen Frau Elisabethe V olk W w., geb. Krapp zuteil wurden, sprechen wir hiermit unseren herzlichsten Dank aus. Im Namen aller Hinterbliebenen: Margarete Köhres, geb.Volk. Gießen, im September 1932. 5-6-Zimni.-Wohnong oder Z-ß-Zimm.-WoliDong nebst Zubehör und Bad v.1. Avril 1933 in guter Lage zu mieten gesucht. Schrift!. Angebote unter 6623D an den Giessener Anzeiger. Gesicherte Existenz nur für einwandfreie Persönlichkeit! Altangesehene, über 30 Jahre bestehende Fabrik- Aktiengesellschaft sucht für selbständige Verkaufsniederlage einen tatkräftigen Herrn mit ehrenhaftem Charak» ter, der durch sein Vorleben Gewähr für Zuverlässigkeit bietet; dagegen sind Fachkenntnisse nicht erforderlich, da es sich um renommierte Spezial-Apparatur handelt. Zur Uebemahme ist ein Kapital von RM. 4000,— erforderlich. 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September, nachmittags 3% Uhr. vom Sterbehause Frankfurter Straße 80 aus statt. ________________________________________6621 D UtröBletin als Aushilfe f.Haus- u. Küchengeräte gesucht. Schr. Angeb. m. Gehaltsanwr. u. 05390a.d.Giess.An;. [Stellengesuche] Landwirtötochter, 22 I., suchtStellung 11155(068 Ä Haush. Näheres zu erfragen in der Ge- schästsst. d.G>A.Q54J7 | Verkäufe" Hanomag zu verkaufen oder Tausch geg. Motorrad. Wo sagt die Geschäftsstelle, 05433 6/25Brennabor-bimons. i.gut.Zustand,soeb. o. Leipzig nach hier gefahr., f.RM.800.- z.vk. Anfr.Schliessfach 1326 Frankfurt am Main. «mD Xüfiina^ck.Auss wie neu, tadell.arb., sehr billig. 05443 Asterweg 44. [Vermietungen | Im Zentrum der Stadt ichöne 7-9-Zimmer-Wohnung ver 1. November zu vermieten. 66.37D Conditorei Geißner Blockstrasse 9. Schöne geräumige Gavage zu vermieten. (05395 Kaiser-Allee 49. | Mietgesuche | Moderne 4-Zimmer-Wohn. in guter Geschäftslage ver 1. Novbr. zu mieten gesucht. 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