Ur.irosvühausgabe 182. Zahrgang Zreitag, 22. Juli 1932 Erscheint täglich, nutzer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt, Zernsprechanschlüfse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Sieben Postscheckkonto: Sranffurt am Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen örud und Verlag: Vruhl'sche Univer^läis-Vuch- und Steinöruderei R. Lange in Stehen. Zchriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, . Platzvorschrist 20“ , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Bietzen. Weitere Veränderungen in Preußen. Die Geschäfisübergabe in den preußischen Ministerien. Schreiber und Steiger gehen freiwillig. Berlin, 21. Juli. (TU.) Amtlich wird mitgeteilt: Der Stellvertreter des Reichskommissars für Preußen, Dr. Bracht, übernahm heute nachmittag die Geschäfte im preußischen Staatsministerium. Alsdann verhandelte er mit den Staats- ministern Dr. Schreiber, Dr. Steiger und mit deren in den einstweiligen Ruhestand versetzten Staatssekretären mit dem Ergebnis, daß die Geschäfte des preußischen Ministeriums für Handel und Gewerbe nunmehr an den mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Staatssekretärs beauftragen Bankentommissar Dr. Er n st und des preußischen Ministeriums für Landwirtschaft, Domänen und F o r st e n an Staatssekretär Mussehl morgen früh übergeben werden. Die in Aussicht genommene Unterredung mit Staatsminister D r. f) i r t {i e f e r konnte nicht stattfinden. Es wird angenommen, daß die Geschäftsübergabe des preußischen Ministeriums für Bolkswohlsahrt morgen vormittag ohne Schwierigkeiten dol sich gehen wird. Die Herren Dr. Schreiber und Steiger haben erklärt, daß sie an der von ihnen mitgeteil- ten Rechtsauffassung festhalten, daß sie aber die laufenden Geschäfte der von ihnen bisher geleiteten Ministerien nicht mehr führen werden. Großer Schub politischer Beamte. Berlin, 21. Juli. (WTB.) Auf Grund des § 3 der Verordnung betreffend die einstweilige Versetzung der unmittelbaren Staatsbeamten in den Ruhestand vom 26. Februar 1919 (Gesetzessammlung Seite 33) werden unter Geweährung der gesetzlichen Wartegeldes sofort einstweilen in den Ruhe- stand versetzt: der Staatssekretär im Ministerium des Innern Dr. A b e g g , der Ministerialdirektor im Ministerium des Innern Dr. B a b t (der dem Ministerialdirektor Dr. Badt erteilte Auftrag, d i e Klage der bisherigen Staatsregierung vor dem Staatsgerichtshof betr. die Rechtsgültigkeit der Verordnung des Reichspräsidenten vom 20. Juli 1932 zu vertreten, bleibt bestehen), der Staatssekretär im Ministerium für Handel und Gewerbe Dr. Staudinger, der Staatssekretär im Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten Krüger, die Dberpräfibenten: a) der Provinz Nie- berschlesien Staatsminister a. D. Lüdemann, b) der Provinz Sachsen Dr. F a l ck, c) der Provinz Schleswig-Holstein Kürbis, d) der Provinz Hessen-Nassau Haas, die Regierungspräsidenten: a) Dr. Fitzner in Frankfurt a. b. 0., b) Simons in Liegnitz, c) Weber in Magbeburg, d) non Har nack in Merseburg, e) Dr. Herbst in Lüneburg, f) Dr. Amelunxen in Münster (Westfalen), die Polizeipräsidenten: a) Titze in Königsberg i. Pr., b) Dietrich in Kiel, c) Bauknechtin Köln, d) F r ü n g e l in Elbing e) S ch ö b e l in Hagen i. W., k) Hohen- stei'n in Kassel, g) Ossows ki in Oppeln, h) Eggerstedt in Altona, die Polizeidirektoren: a) Polizeipräsident Mai in Wilhelmshaven, b) Dr. Thiemann in Schneidemühl. Soweit eine Neubesetzung der frei gewordenen Stellen erfolgt, wird dabei vorzugsweise auf Warte st andsbeamte zurück gegriffen werden. Soweit die Stellen durch aktive Beamte neu besetzt werden, werden entsprechende S t e l« leneinfparungen vorgenommen werden. Die genannten Beamten gehören fast sämtlich der Sozialdemokratischen Partei an. Auch Baden klagt. Ist der bundesstaatliche Charakter des Reiches verletzt *? Karlsruhe, 21. Juli. (ERB.) Die badische Staatsregierung hat eine F e st - stellungsklage beim Staatsgerichtshof in Leipzig gegen die Reichsregierung erhoben, in der sie die Berechtigung dergestrigen Maßnahmen be st reitet, da diese nach Auffassung der badischen Regierung „nidjt möglich im Sinne des Artikels 48 der Reichsverfas- fung seien, jedenfalls nicht dauernd möglich seien, und dem bundes staatlichen Charakter des Reiches widersprächen". Staatspräsident Dr. Schmitt erklärte dazu der Presse: Die badische Regierung stehe treu auf dem Boden der Reichsverfassung und wird alle Rotverordnungen von Berlin, auch wenn sie gegen den Inhalt Bedenken politischer und rechtlicher Art hat, durchführen, insbesondere alle Anordnungen, welche die öffentliche Ruhe und Sicherheit angehen. Die Regierung wird alles unternehmen, um z u verhindern, daß Blut fließt, daß die öffentliche Ruhe und Ordnung gestört werde. Besondere Maßnahmen sind für den Wahltag und den folgenden Tag getroffen worden. Wir haben die Kräfte, die wir brauchen, um die Ruhe und öffentliche Ordnung im Staate aufrechtzuerhalten. Der Staatspräsident begrüßte im weiteren Verlaufe seiner Darlegungen das Verbot der öffentlichen A u f z ü g e, mit dem sich die Reichsregierung auf den Standpunkt der drei süddeutschen Minister« und Staatspräsidenten gestellt habe, und kündigte an, daß die badische Regierung erneut, und zwar schriftlich an die Reichsregierung wegen des Aniformverbotes herantreten werde. -Zu den Maßnahmen in Preußen erklärte der Staatspräsident, das Staatsministerium habe, wie schon bekannt, beschlossen, einen eigenen Klageantrag telegraphisch an den Staatsgerichtshof zu richten, der eine Feststellung darüber begehre, welchcRechte durch Artikel 48 gegenüber den Länderregierun- gen möglich sind. Wir schließen uns, so sagte Dr. Schmitt ferner, der preußischen Klage nicht an, weil wir den Sachverhalt nicht genügend kennen. Auch erheben wir eine andere Klage als Bayern. Wir erkennen an, daß die Reichsregierung grundsätzlich das Recht hat, einen Reichskommissar auf Grund des Artikels 48 einzusehen. Oer preußische Antrag vor dem Gtaatsgerichtshof. Leipzig, 21. Juli. (WTB.) Wie der Reichsgerichtsdienst des WTB. von zuständiger Stelle erfährt, lautet der vom bisherigen preußischen Staatsministerium unter Bezugnahme auf die gleichzeitig damit beim Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich eingereichte Klage gestellte Antrag dahin: Im Wege dereinstweiligenDer. f ü g u n g anzucrdnen, daß sich der durch die Verordnung des Reichspräsidenten vom 20. Juli für das Land Preußen eingesetzte Reichskommissar ein st weilen jeder Dien st ausübung zu enthalten hat. Der Vorsitzende des Staatsgerichtshoses für das Deutsche Reich, Reichsgerichtspräsident Dr B u m k e , der zur Zeit auf Urlaub in Oberbayern weilt, wird seinen Urlaub unterbrechen, um die Verhandlungen des Staatsgerichtshofes am Samstag zu leiten. Dr. Dumke wird im Laufe des Freitags in Leipzig eintreffen. Konferenzmit denLändern in Stuttgart Stuttgart, 21. Juli. (WTB.) Amtlich wird mitgeteilt: Reichskanzler v. Papen hat die Ministerpräsidenten der deutschen Länder auf Samstag, 23. Juli, zu einer Besprechung in das württembergische Staatsministerium nach Stuttgart eingeladen. Oie kommiffarischen Leiter der preußischen Ministerien. Obere Reihe: Bankenkommissar Dr. Ernst (Handel), Staatssekretär Mussehl (Landwirtschaft); Staatssekretär Schleusener (Finanzen). — Untere Reihe: Staatssekretär Dr. Sammers (Kultus und Unterricht); Staatssekretär Dr. Hölscher (Justiz); Staatssekretär Dr. Scheidt (Wohlfahrt). ■ ■ W Oie Parteien und der neue Kurs. Die Deutsche Volkspartei zurLage. Berlin, 21.Juli. (TU.) Die Reichsparteileitung der DVP. erklärte zur innerpolitijchen Lage u. a.: „Die Einsetzung eines Reichskommissars für Preußen ist eine einschneidende Maßnahme, die aber nach Sage der politischen Verhältnisse nicht zu vermeiden war. Das Weimarer Parteisystem hat sieben Jahre lang in Preußen unumschränkt regiert und noch kurz vor Toresschluß des alten Landtags durch eine Aenderung der G e - schäftsordnung eine künftige Regierungsbildung zu erschweren gewußt. Der neue Preußische Landtag hat sich als arbeitsunfähig erwiesen. Die großen Parteien dieses Hauses hüben zwar eine Fülle von Agitationsstoff und eine Reihe unerfreulichster Skandale geliefert, aber ihre eigentliche Aufgabe, eine neue Regierung zu bilden, die dem Volkswillen entsprechend der Weimarer Koalition ein Ende bereitete, nicht er füllt. Der Sinn der Verfassung ist damit in sein Gegenteil verkehrt worben Die Autorität ber alten Regierung vor bem Lande war erschüttert. Wohin bas Anwachsen ber extremen politischen Parteien und bas Spiel mit bem Bürgerkrieg führen muß, haben bie letzten Ereignisse deutlich genug bewiesen. Es genügt aber nicht, baß bie Reichsregierung dieser Entwicklung entschlossen einen Riegel vorgeschoben hat. Es ist auch notwendig, daß die besonnenen Kräfte im Sande s i ch der Bedeutung ber Stunde bewußt sind. Die nächsten Wahlen müssen dafür sorgen, daß die Elemente der sachlichen, Verantwortung und der politischen Vernunft wieder zur Geltung kommen und uns davor bewahren, daß die Massen- unb Klassenparteien von links unb rechts Deutsch- lanb zum Tummelplatz ihrer Machtkämpfe machen. Die DVP. bekennt sich nach wie vor zu einer g e - setzmäßigen unb verfassungsmäßigen Entwicklung unb sie richtet ihren Appell an die Wählerschaft, sie in bem Kampfe um die Gestaltung der deutschen Zukunft mit Tatkraft zu unterstützen." Sin Beschluß her Sozialdemokratischen Partei. Berlin, 21. Juli. (TU.) Parteivorstand und Parteiausschuß ber SPD., bie am Donnerstagmittag zusammentraten, haben einstimmig einen Beschluß gefaßt, in bem es u. a. heißt:' „Der Partciausschuß ber SPD. brandmarkt vor bem ganzen deutschen Volke unb der ganzen Welt das gewaltsame unb verfassungswidrige Vorgehen ber Reichsregierung gegen bie preußische Staatsregierung. Er spricht ben Genossen ber preußischen Staatsregierung unb bem Berliner Polizeipräsidenten für ihr würdiges Verhalten am 20. Juli Anerkennung und Dank aus. Wie im Reiche ist jetzt auch in Preußen die Alleinherrschaft einer dünnen Oberschicht aufgerichtet unb jeher Einfluß ber breiten werktätigen Massen völlig ausgeschal- t c t worben. Es liegt jeboch in der Hand des Volkes, durch Wahl von Sozialdemokraten am 31. Juli bie gestörte Rechtsorbnung der Republik wieder herzuftellen unS sich selber den gebührenden Einfluß auf bie öffentlichen Angelegenheiten wieder zu verschaffen. Der 31. Juli muß ein Tag des Gerichts werden für die Mißregierung der Barone und ihre nationalsozialistischen Helfer. Es darf nicht gelingen, die Aufmerksamkeit von der Tatsache abzulenken, daß Hitler und seine Partei für den sozialreaktionären Kurs, der jetzt gesteuert wird, bie volle Verantwortung tragen. Die kommunistischen Führer, die seit Jahren Schulter an Schulter mit den Rationalsozialisten den Kampf gegen Braun und Severing geführt, ihren Sturz, ihre Absetzung, ihre Versetzung in den Anklagezustand gefordert haben, rufen jetzt wegen der Absetzung ron Braun und Severing zum Generalstreik auf. Die deutsche Arbeiterklasse wird sich die Wahl ihrer Mittel und die Stunde ihres Handelns nicht von den Bundesgenossen der Rationalsozialisten im Kampfe gegen Braun und Severing vorschreiben lassen. Es gilt jetzt in voller Aktivität, Disziplin und Einigkeit alle Kräfte für den Wahlkampf und den Sieg ber Sozialdemokratie zusammenzufassen. Eine Erklärung des Jenirumsvorsitzenden. Köln, 21. Juli. ($11. Funkspruch.) Der geschäftsführende Vorsitzende der Deutschen Zcn- trumspartei, der Reichstagsabgeordnete Joos, erläßt nachstehende Erklärung: Die unerhörten Vorgänge des gestrigen und heutigen Tages in Preußen haben in der gesamten deutschen Zentrumspartei stärkstes Befremden und tief st «n Unwillen hervorgerufen. Anhänger und Freunde der Partei wissen sich eins in der schärfsten Ablehnung von Maßnahmen der Reichsregierung, die nach unserer Ueber- zeugung mit der Verfassung nicht zu vereinbaren sind. Ihrem Wesen als Der« fassungspartei treu legt die Deutsche Zentrumspartei seierlichst Verwahrung dagegen ein, daß der Artikel 48 der deutschen Reichsverfassung nicht zur Rettung des Volkes aus äußerster Rot, sondern zur Durchsetzung einseitiger Parteiwünsche benützt wird. Wesentliche Bestandteile dieser Verfassung sind in diesen Tagen verletzt, das Recht der Länder unter Drohung mit Waffengewalt beeinträchtigt worden. Vorstand und Fraktion der preußischen Zentrumspartei sowie der geschäftsführende Reichsparteivorstand sind unverzüglich einberufen. Ihre klare ablehnende Stellungnahme wird folgen. Die Reichsparteileitung hat mit Bedauern von der Haltung des Oberbürgermeisters Dr. Bracht Kenntnis genommen. Herr Dr. Bracht hat vor wenigen Monaten noch Wert darauf gelegt, erklären zu lassen, daß er „dem Zentrum nahe" st e h e. Dein tatsächliches Verhalten steht hierzu i n einem unlösbaren Widerspruch. Aufruf despreußischenBeamtenbundes Berlin, 21. Juli. (TU.) Der Preußische Beamtenbund hat an die preußische Beamtenschaft folgende Kundgebung gerichtet: An die preußische Beamtenschaft! Der Herr Reichspräsident hat auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung den Reichskanzler v. Papen zum Reichskommissar für das Land Preußen bestellt. Die preußischen Minister sind vom Reichskommissar ihrer Aemter enthoben worden. Ohne zu der politischen Seite dieses Schrittes, für den die Reichsregierung die Verantwortung trägt, Stellung zu nehmen, appelliert der Preußische Beamtenbund an die preußische Beamtenschaft, unbeirrt ihren dienstlichen Pflichten nachzukommen und für bie Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung zu sorgen. Da das bisherige preußische Kabinett den Staatsgerichtshof angerufen hat, sind die rechtlichen Garantien für die Wahrung der Verfassung gegeben. ------- 3 Die Unruhen in Langenselbold. Langenselbold, 19. Juli. Heber die Unruhen nach der Beerdigung der beiden am Freitag erschossenen Frauen wird von unterrichteter Seite folgende Darstellung gegeben: Die in Langenselbold stationierte verstärkte Schutzpolizei aus Hanau war gänzlich von der Straße zurückgezogen, nachdem von der Leitung der Trauerseierlichkeiten ausdrücklich versichert worden war, daß es bei der Beerdigung völlig ruhig zugehen werde. Lediglich für die Verkehrsumleitung wegen des nach Tausenden zählenden Trauergefolges waren fünf Beamte der Land- jägerei eingesetzt. Rachdem der Trauerzug und die Deerdigungsfeierlichkeiten, nicht zuletzt dank der trotz aller Herausforderungen ruhigen Haltung der Landjägereibeamten, ohne Störung ihr Ende gefunden hatten, bildete sich ein wilder Demonstrationszug von nahezu 1000 Personen, in der Mehrzahl aus auswärtigen Teilnehmern am Trauerzug bestehend. Trotz beispielloser Beschimpfungen und Anrempelungen der im Langenselbolder Rathaus stationierten Schutzpolizei wurde diese noch zurückaehalten. Erst als dringende Hilferufe von > r Wohnung des Langenselbolder Hauptwachtmeisters I ck l e eintrafen, wohin sich der Demonstrationszug inzwischen begeben hatte und wo unter schwersten Drohungen bereits sämtliche Fenster der Vorderfront durch Steinwürfe zertrümmert waren, sah sich die Ortspolizeibehörde genötigt, zum Schutz von Leben und Gesundheit die Schutzpolizei einzusehen. Das entsandte Kommando wurde noch vor dem Absteigen von der Der Raub her Mona Lisa. Oer frechste Diebstahl der Welt. Don Professor Or. Emil Waldmann, Direktor der Äremer Kunsthalle. Wie vor 20 (Zähren Leonardos berühmtes Bild der Mona Lisa aus dem Louvre gestohlen wurde, erfuhr man, als es im Jahre 1913 dann wieder aufgefunden und der Dieb Perugia zu drei (Zähren Gefängnis verurteilt ward. Was man damals nicht erfuhr, war der Grund des Diebstahls. Denn ein so weltberühmtes Kunstwerk kann man im normalen Kunsthandel ja nicht au Geld machen, weil es jeder kennt und keiner kauft. Der erste Versuch dieses törichten Diebes Perugia, das Ding loszuschlagen, ist ja auch gescheitert. Heute, 20 (Zahre später, erfährt man den wahren Grund und den eigentlichen Hintergrund dieser bisher halbdunkel gebliebenen Geschichte: der Marchese be Valfierno ist vor einigen Monaten gestorben und nun dürfen die Wissenden reden. Der amerikanische Schriftsteller Karl Decker, dem man die Verantwortung für die Echtheit der „Beichte" seines Bekannten, jenes Marchese, über» lassen muh hat die Angelegenheit soeben in einer amerikanischen Wochenschrift enthüllt. Der Marchese de Valfierno hieß ursprünglich einmal anders: „Markgraf vom Tal der Hölle" heißt auch kein Unbescholtener von Haus aus. Wie er aber wirklich hieß, sagte er nicht, er hatte es über seinen vielen anderen Rarnen auch wohl selbst vergessen. Er war ein Abenteurer ganz großen Stils und hätte Frank Wedekind statt des dänischen Malers Willy Gritor ihn zum Urbild für seinen „Marquis von Keith" genommen, so Kirnte man vielleicht heute dieses Stück noch lesen. 3n Buenos Aires und Marokko, in Mexiko City und Paris war er der gewandteste Schieber in Grundstücken und Minenwerten und allem Möglichen. Als er in Argentinien den französischen „Dll- derrestaurator" Chaudron kennengelernt hatte, witterte er Gold. Er las in den Zeitungen von Buenos Aires die Todesanzeigen und bestimmte die trauernden Witwen verstorbener Reicher, irgendwelchen heimatlichen Dorfkirchen des großen Landes eine Madonna von Murillo für das Seelenheil zu stiften. Chaudron war auf Murillo ein- I gearbeitet. Als es keine Dorfkirchen in Argen- | tinien ohne Murillo mehr gab, gingen die Beiden nach Mexiko. Da hing in einer Kirche ein echter oder wenigstens für echt gehaltener und exper- tifierter Murillo über einen Altar. Den kopierte Chaudron immer wieder, die Kopie wurde jedes, mal hinter das Original geheftet. Reiche Leute von diesseits und jenseits des Rio Grande wurden angelockt. Der Marchese erzählte ihnen, die Kirche müsse verkaufen, aber er würde schon dafür sorgen, daß dann gleich eine Kopie in den alten Rahmen geschmuggelt würde: in dem Halbdunkel der Kirche merke das kein Mensch. Die Käufer sollten aber, um ganz sicher zu gehen, die Rückseite des Altarbildes mit einem Stempel oder ihrem Namenszug versehen. Das taten sie auch. Rur, daß sie jedesmal die bereits hinter das Original geheftete Kopie markierten, wußten sie nicht. Damit haben die Beiden viel Geld ver. dient. Der Restaurator Chaudron kannte alle Tricks der Dilderfälschung: die Sprünge in der Forb- schicht und im Firnis machte er mit Heißluft aus Föhn-Apparaten, den Fliegenschmutz brachte er mit einer Spritze mit Kaffeesatz an — und so weiter. Den Verkauf übernahm der Marchese, der sich hierbei einen sehr großen Bekanntenkreis erwarb. Schließlich aber kann man nicht dauernd von Murillos leben und zudem fürchtete Chaudron, er verdürbe sich dabei seinen Stil und würde rna- niriert. So zogen sie nach Paris. Der Marchese sammelte reiche Kunstfreunde aus allen 48 Staaten der Union, und als er ein halbes Dutzend bet- Anander hatte, kopierte Chaudron sechsmal die Mona Lisa. Run ist aber der Louvre keine mexi- kanische Kirche. Daß man dort das weltberühm- teste Bild unbemerkt durch eine Kopie ersetzen könne, kann man keinem Bewohner des mittleren Westens einreden. So blieb also nichts anderes übrig, als das Original verschwinden zu lassen ehe die sechs Fälschungen drüben abgeliefert waren. Dies gelang auch. Am Montag, 21. Aug. 1911 wo der Louvre, wegen Reinigungsarbeiten für das Publikum geschlossen war, ward das Bild durch Perugia, ein Mitglied der Bande deS Marchese gestohlen, und erst am Dienstag, den 22., nachmittags, wurde das Fehlen des Bildes bemerkt, von dem man bis dahin geglaubt hatte, es sei am Montag nur eben in die Photographen^ Werkstatt des Louvre-Museums gebracht worden, wie das Montags oft mit Bildern geschah. Perugia und zwei Helfershelfer hatten sich am Sonntag in einem Abstellraum der Galerie verborgen, tzvgen am Montagmorgen weiße Arbeiterkittel über und nahmen das Bild ungestört von der Wand. Es war, mit Rahmen, Rückplatte und Spiegelscheibe 200 Pfund schwer, und deshalb lieben sie dies alles in einem Dinnenhvfe stehen, und machten sich dann mir mit der Holzplatte auf welche die Mona Lisa gemalt war, in einem Auto davon in die Wohnung des Marchese deDal- fierrro, auf dem linken Seine-Ufer. Als dann die Rachricht von dem frechsten Diebstahl der Welt über den Erdball telegraphiert wurde wußten die sechs einander unbekannten amerikanischen Kunstfreunde, was das zu bedeuten hatte, und zahlten. Chaudron war selbst überrascht über die Höhe der Preise, die seine Arbeit erzielte. Ratürlich hatte der sehr welterfahrene Marchese niemals auch nur einen Augenblick daran gedacht, auch das Orginal noch zu verkaufen. Es hatte eben nur verschwinden müssen. Und es wäre auch alles gut gegangen, wenn nicht der auch sehr anständig entlohnte Perugia, anstatt dauernd von seinem Lohn als Lebemann an der Rie- Diera ■ u leben, wie er es anfangs tat, auf die Idee g.kommen wäre, aus der Mona Lisa noch mehr Geld zu machen. Er fuhr nach Paris, stahl sie seinem Arbeitgeber und fuhr über die Grenze. 2118 man ihn erwischte, verriet er den Marchese und seine Freunde mit feinem Wort. Er meinte: lieber drei Fahre im Gefängnis als fein ganzes Leben lang tot Tonfilm: »Rasputin-». Die unheimliche Gestalt des russischen Bauern- mönches hat immer wieder — noch über fein schreckliches Ende hinaus — die Gemüter bewegt und die Phantasie der nachgestaltenden Chronisten beflügelt. Erst in letzter Zeit ist man, durch die verschiedenen Affären des Fürsten 9uffupoff, an diesen Mann erinnert worden, der eine der merkwürdigsten, zwie- spältigsten und rätselhaftesten Erscheinungen der russischen Geschichte gewesen sein muß. Der Film zeigt den phantastischen Aufstieg Rasputins aus der winterlichen Einöde des Dorfes Poskrowskoje zu Glanz und Machtfülle im kaiserlichen Petersburg, wo ihn, den mächtigsten, zugleich geliebtesten und Menge unter Drohungen und Tätlichkeiten umringt. Gleichzeitig wurde aus der Menge scharf geschossen, wobei einem Polizeiwachtmeister die Hand durchschossen wurde. Dem ergangenen Befehl Sttahe frei! kam die Menge nicht nach, sondern setzte sich mit Fahnenstangen, Zaunlatten usw. zur Wehr. Einige Polizeibeamte, die besonders schwer bedrängt wurden, griffen jetzt zur Schußwaffe. Hierbei wurden der Arbeiter Adam Albus tödlich und zwei weitere Personen erheblich verletzt. Die beiden Verletzten hofft man am Leben zu erhalten. Oie ASOAp.-Kandidaien für Heffen-Raffau. WSR. Frankfurt a. M., 7. 3uli. 3m Wahlkreis 19 (Hessen-Rassau) stellt die RSDAP. folgende Kandidaten zur Reichstagswahl: 1. 3akob Sprenger, Oberpostinspektor, Frankfurt a. M.; 2. Fritz Weitzel, Schlosser, Frankfurt a. M.: 3. Walter S e i d le r , Landwirt, Landershausen: 4. Karl Linder, Ober steuer sekre tär, Frankfurt a. M.: 5. Oberstleutnant von Ulrich , Kassel: 6. Hans Oberlindober, Kaufmann, München: 7. Fritz Schmidt, Schlosser, Kassel: 8. Adolf Heinz B e ck e r l e, Diplom - Volkswirt, Frankfurt a. M.; 9. Fritz Lengemann, Bure auangestellter, Kassel: 10. 3ohannes Puth, Landwirt, Wachenbuchen: 11. Dr. Hans Lom - m e l, Arzt, Rod a. d. Weil: 12. Paul Hoppenrath, Kaufmann, Kassel: 13. Wilhelm Thiele, Kriegsinvalide, Biedenkopf: 14. Hans Kra- wielih ki, cand. jur., Marburg: 15. Walter Heyse, Diplom-Volkswirt, Frankfurt a. M.; 16. Emil Wißner, Handlungsgehilfe, Marburg: 17. Heinrich Osterhold, Landwirt, Sachsenhausen. Der neue Kurs in Italien. Grandi wird Botschafter in London. London, 21. 3uIL (WTD.) Die italienische Regierung lieh heute offiziell anfragen, ob Grandi als Botschafter in London persona grata fein würde. Diese Frage wurde bejaht. Zum Rücktritt Grandis schreibt „Times": Grandi sei in 3talien allmählich in den Ruf gekommen, unangebracht versöhnlich und ohne besondere Energie zu arbeiten. Die Lausanner Konferenz sei für ihn d e r l e tz t e Schlag gewesen, der Grandi nach Ansicht vieler 3taliener hauptsächlich von Großbritannien zugefügt wurde, auf dessen Freundschaft er sich in hohem Maße verlas- s e n habe. Die enge Zusammenarbeit Englandsund Frankreichs in Lausanne, aber noch mehr die Behauptung Herriots, daß die Entente cordiale in alter Stärke wie- zwar den Weg der vollkommenen Selbständigkeit nach einem eigenen Aufbauplan, in dessen Rahmen die 3nter- essen und Rechte 3taliens gewahrt würden zur Erlangung einer besseren Gerechtigkeit für 3ta- lien. Anzeichen dafür, wie delikat die Lage geworden fei, könne man an den Ergebnissen der Lausanner Konferenz und an Lern europäischen Vertrauensabkommen sehen, von dem — das wird in Klammern betont -»noch nicht ganz klar ersichtlich sei, wie es funktio- nieten könne und Das möglicherweise schon begraben sei, bevor es überhaupt wirksam werden konnte. LröffnungderJriWenRei-MselenzinOttawa Baldwin legi die Ziele Englands dar.—Belebung des Handels durch Senkung der Zollschranken innerhalb des Reichs. Ottawa, 21. Juli. (WTB.) Die Reichswirt« fchaftskonserenz 1932, die d i e Vertreter des britischen Mutterlandes und aller Dominions im weitesten Sinne, Kanada, Australien, Neuseeland, Südafrika, Irischer Freistaat, Neufundland, Indien und Süd-Rhodesien zu einer der denkwürdigsten Beratungen in der Geschichte des britischen Weltreiches vereinigt, wurde heute vormittag, 11 Uhr, im Unterhaus des kanadischen Parlaments mit großer militärischer und ziviler Prachtentfaltung eröffnet. Im Lichte von Scheinwerfern verlas Generalgouoemeur Lord Beßborough vom Thron des Sprechers im Unterhaus zu Beginn die Eröffnungsbotschaft des Königs. Der kanadische Ministerpräsident Benett sprach für die Botschaft des Königs den Dank der Versammlung aus, deren Mitglieder sich (einschließlich der Iren) erhoben und einer Antworta-dresse an den König zustimmten. Kanada, so sagte Benett weiter, wolle England eine Erweiterung der Zollst e i l i st e, die Beibehaltung der bisherigen Vorzugszölle und ihre Vermehrung durch eine Sonder- liste von Arttkeln Vorschlägen, die England ohne Schädigung der kanadischen Industrie besonders gut an die kanadischen Märkte liefern könne. Als Gegenleistung erwarte Kanada von England die Bei- behaltung der bestehenden Vorzugszölle und eine erweiterte Anwendung auf kanadische Natur- und Halbfertigfabrikate, die England einführe. 3m Rainen der englischen Regierung betonte Dann Baldwin Die große Erwartung, Die man im ganzen englischen Weltreich auf die Konferenz setze. Die wirkliche Bedeutung von Ottawa liege darin, daß man an Dem Punkte angekommen sei, wo sich Die Wege trennten. Der eine führe zur Entwick- lungderreinnationalen3nteressen, ver andere aber zu einer engeren Einheit des Weltreichs. 70 v.H. des Weltreichshandels wickelten sich noch mit Dem Auslande ab und nur 30 v.H. entfielen auf Den Handel inner halbdesWelt reiches. Offensichtlich böten sich reichliche Gelegenheiten zur Vermehrung des Weltreichshandels. Tie Wiederbelebung könne vielleicht schneller kommen, als man glaube. Wenn ein jeder zur gemeinsamen Sache das beitrage, was ohne Schädigung der nationalen 3n- teressen geschehen könne, müsse sich dies letzten Endes in einer Vermehrung des Weltteichshandels auswirken. Das sei angesichts der Weltkrise die wichtigste Frage der Konferenz. 3hre Klärung werde sich wohltuend auf den Welthandel und die Preise Der Rohmaterialien auswirken. Hierzu sei vor allem Die Wiederherstellung des Vertrauens nötig. Baldwin sprach die Hoffnung aus, daß es möglich sein werde, die Vorzugstarife innerhalb des Reiches auszudehnen, betonte aber, Daß dies nicht Durch Erhöhung, sondern durch Senkung der Schranken gegenüber anderen Ländern geschehen Dürfte: denn das Britische Reich könne sich nicht von Der Welt abschließen. Das Vereinigte Königreich sei bereit, an jedem praktischen internationalen Plan zur Wiederherstellung normaler Weltmarktpreise mitAuarbeiten. 3n diesem Sinne forderte Baldwin die Aufhebung der Handelsschranken wie Kontingentterung und Devisenbefchrän- kung, auch forderte er die Lösung der Reparattons- und Schuldenfrage sowie die Herabsetzung von Steuern und Zinssätzen. Der völlige Freihandel unter den Reichsteilen werde allerdings nicht möglich sein. Südafrikas Finanzminister Havenga erklärte. daß Südafrika nicht die Theorie eines in sich abgeschlossenen und isolierten Britischen Reiches unterschreibe. Keines der Mitglieder des Britischen Reichs, am wenigsten das Bereinigte Königreich selbst, könne durch den Handel mit dem britischen Gemeinwesen allein bestehen. Havenga schloß mit der Bemerkung, die Konferenz von Ottawa könne in großem Maße zur allgemeinen Erholung beitragen. „Lausanne hat den Prozeß emgeteitet, möge ihn Ottawa durch das nächste Stadium tragen.“ $IufiCTM)oIitif insbesondere gehe »auf einen praktischen Erfolg der Konferenz be- wohlbekannten Weg weiter, so betont zeichnet. Die Entschließung rechtfertige die so vielfach geäußerten Prophezeiungen auf einen Litwinow übte scharfe Kritik an der 23er- tagungsentschließung, die er als eine bittere Enttäuschung aller Hoffnungen der Völker denselben wohlbekannten Weg weiter, so betont das halbamtliche „Giornale b’3 talia", und Auch die römische Presse unterstreicht, daß Die Grundlinien der italienischen Politik durch den Ministerwechfel keinesfalls geändert würden, ~ ' ...... ' der hergestellt sei, hätten nicht nur Mißtrauen, sondern auch Befürchtungen erregt. Wenn es auch keineswe^ wahrscheinlich sei, daß Grandis Rücktritt eine wesentliche Aenderung der italienischen Außenpolitik bringen werde, so sei doch anzunehmen, daß vielleicht bei manchen Gelegenheiten eine energischere Sprache geführt werde. Der „Excelsior" veröffentlicht eine Unterr e ■ b u n g mit Mussolini. Der Duce wehrte sich Dabei vor allem gegen die Behauptung, daß eine Aenderung der bisherigen Außenpoiiiik Italiens beabsichtigt sei. Das Prinzip, von Zeit zu Zeit die Führer zu wechseln, sei ein Bestandteil der Theorie Des faschistischen Staates. Die Bortelle einer gelegentlichen Umbesetzung lägen besonders darin, daß sie die E r z i e h u n g. j u n g e r Leute ermöglichten, aus der die Regierung jederzeit ihre Führer schöpfen könne. Alle Minister, die jetzt ersetzt worden seien, hätten in ihrer Regierungsarbeit eine hervorragende A r - beit geleistet. Dieses gelte insbesondere von Grandi, mit dem er acht Jahre zusammengear. beitet habe. Er habe auch die Absicht, alle mit neuen Posten zu betrauen. Letzte Aussprache in Genf. Deneschs Vertagungsentschließung. - Deutschland und Italien halten sich fern Genf, 21. 3uli. ($11.) Die mit großer Spannung erwartete Schluhausspräche im Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz begann am Donnerstagnachmittag. Herriot, Simon, Dalbo und Radolny find anwesend. Zunächst entschuldigte sich Henderson bei Litwinow toegen des gestrigen Zwischenfalls. Zur Verhandlung gelangt sodann die große Dertagungs- entschliehung der Großmächte. Die sowjetrussische Abordnung hat eine Reihe von Abänderungsanträgen eingereicht, die yus der Grundlage des Hooverplanes eine Herabsetzung auf 33'/z v. H. sämtlicher gegenwärtiger Luft-, Land- und Seerüstungen fordert, sich jedoch nicht auf die kleinen und die bereits nach internationalen Verträgen abgerüsteten Staaten b^ieht. Die sowjetrussischen Anträge stehen damit im schroffsten Gegensatz zu der DertagungS- entschließung Deneschs. erfolglosen Ausgang der Konferenz. Die Er- tlärung über die Sicherung des Friedens in der Präambel der Entschließung werde durch den 3nhalt der Entschließung aufgehoben. Die Entschließung stehe im schroffsten Gegensatz zu dem Konferenzbeschluh, der eine 5)erabfetjung der gegenwärtigen Rüstungen auf em Mindestmaß fordere. Keine einzige Ziffer sei in der Entschließung enthalten, ßit- winow kritisiert zum Schluß scharf die bisher von den Großmächten angewandten Mittel, d i e übrigen Mächte ohne Zuziehung zu ihren Beratungen vor vollendete Tatsachen zu stellen und erklärt, daß seine Regierung aus allen diesen Gründen die Vertagungsent- schliehung ab lehne. Der italienische Luftfahrtminister Dalbo, einer der engsten Mitarbeiter Mussolinis und seit der gestrigen Kabinettsumgestaltung' Führer der italienischen Abordnung, gab dann unter größter Spannung eine ungewöhnlich deutliche Erklärung ab, die ebenfalls die Ablehnung der Vertagungsentschliehuna Deneschs darstellte. Dalbo erklärte, daß er an Der Abstimmung über die einzelnen Teile sowie an der Gesamtabstimmung nicht tetlnehme, -a Die Halte* nische Regierung die bisherigen Arbeiten de« Konferenz als erfolglos ansehe. Botschafter R a d o l n y erklärte, daß die deutscheAbordnungander Durchberatung der Abstimmung der einzelnen Teile der Entschließung ebenfalls nicht teilnehme und ihren grundsätzlichen Standpunkt vor Schluß der Aussprache bei der Schluß- abstimmung abgeben werde. Es kam bann zu einem neuen scharfen Zusammenstoß zwischen Henderson und Litwinow. Präsident Henderson stellte den Ab- änderungsantrag Litwinows zu der Präambel, nach dem im Gegensatz zur Dertagungsentschliehung die Annahme des Hoooervorschlages auf eine Herabsetzung aller Rüstungen um ein Drittel vorgeschlagen wird, in der Form zur Abstimmung, daß lediglich über die Präambel der Dertagungs- entschließung als solche abgestimmt werden sollte. Litwinow protestierte aufs schärfste gegen diesen allzu offensichtlichen Versuch, eine Stellung- nähme der einzelnen Mächte zu seinem auf dem Hooveroorschlag aufgebauten Antrag zu vermeiden. Heber die wiederholten heftigen Proteste Litwinows ging Henderson glatt hinweg. Die Abstimmung über die Präambel verlief in größter Unruhe und Lärm und verlor sich schließlich in vollständigem Wirrwarr. Nach längerer Zählung stellte Henderson fest, daß 30 Stimmen für die Aufrecht- erhaItung der Präambel, wie sie im Vor- chslag vorgesehen ist und fünf Stimmen dagegen bei 16 Stimmenthaltungen abgegeben worden seien. Die Vertreter Deutschlands, Italien und zahlreicher kleinerer Mächte enthielten sich der Stimme. Dei der Beratung des 2. Teiles der Entschließung über die Lufttüstungen forderte der Schweizer Bundespräsident M o t t a im Ramen der neun Mächte Belgien, Dänemark, Spanien, Norwegen, Holland, Polen, Schweden, Tschechoslowakei und Schweiz in einer großen Rede die unbedingt notwendige vollständige Abschaffung deS Bombenabwurfes während der 2. Phase der Abrüstungskonferenz. Der englische Außenminister Simon erklärte, daß eine Abschaffung der Militärluftfahrt und ein Verbot des Bombenabwurfs ohne gleichzeitige internationale Kontrolle der Zivilluftfahrt ausgeschlossen sei. Der Vertreter llngarns, Graf Apponhi, lehnte gleichfalls den vorliegenden Text des Abkomm en sentwurfes ab. Der sowjetrussische Außenkommissar Li t w i n o w brachte wiederum einen Aoanderungsanttag ein, der in schroffem Gegensatz zu der Denesch-Ent- schließung das vollständige Verbot der Militärluftfahrt fordert. Das Ergebnis der fünfstündigen Aussprache zeigt, daß unter dem Einfluß Englands, Frankreichs und der Vereinigten Staaten die Mehrheit des Ausschusses entschlossen ist, den Vertagungsanttag Benesch in der vorliegenden Form anzunehmen. Durch das rein ge- schäftsordnungsmähige Manöver sind ferner die auf dem Hooverplan aufgebauten sowjettussischen Anttäge abgewiesen worden. Aus aller Welt. Die nächsten THiniffCTreben im Rundfunk. Drei Ministerreden sind für die nächsten Tage vorgesehen. Freitag, 22. Auli, um 19 Uhr, spricht der kommissarische preußische Staatsminister des 3nnern । Dr. Bracht. Am Samstag, dem '23. 3uli, um 19 Uhr, spricht der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Freiherr v. Braun, und am Dienstag, dem 26. 3uli, um 20.05 llhr, spricht der Reichswehrminister General v. Schleicher. Sämtliche Reden werden von allen deutschen Sendern übernommen. Ein Sägewerk abgebrannt. Das Sägewerk Gunreben wurde nach einer Meldung aus Bamberg durch Großfeuer ein« geäschert. Zwei Wohnhäuser, auf die das Feuer bereits übergesprungen war, konnten nach ändert-, halbstündiger schwerer Tätigkeit gerettet werden. Zahlreiche Maschinen wurden vernichtet. Der Schaden beläuft sich aus rund 250 000 Mark. Die Entstehungsursache des Brandes ist noch nicht geklärt. verhaßtesten Mann im alten Rußland ein Schicksal ereilt, dem auch seine menschlichen und übermenschlichen Kräfte nicht gewachsen waren. Rasputin ist — in diesem Film — Conrad V e i d t, dem immer, so sehr er sich auch selber dagegen gesträubt hat, der Ruf eines „dämonischen" Schauspielers voranging: kein Zweifel, daß ihm die Rolle außerordentlich liegen mußte, auch daß er sich vor jeglicher lieber« treibung und naheliegenden Zugeständnissen an ein ihm peinliches RenommL und den Publikums- geschmack gehütet hat: ihn interessierten die völlig gegensätzlichen Wesenshälften Rasputins, und indem er diese sichtbar macht, erklärt er zwanglos beides — den rasenden Aufstieg und das unabwendbar graujame Ende seines Mannes. — Die Regie (Adolf Tr o tz) arbeitet mit beträchtlichem Aufwand, bemüht sich geschickt, der Handlung ihre eigentümliche, landschaftlich-nationale Atmosphäre zu geben, bringt Massenszenen in lebendiger Bewegung und gliedert den szenischen Ablauf in impressionistisch knappe, kurz abbrechende und schnell übergreifende Bildgruppen. — Im großen Ensemble behaupten sich neben Veidt Carl Ludwig Diehl (Iussupoff), Charlotte Ander (Musja) und Brigitte Harney (Luscha): von den übrigen sind Theodor Loos (Pope), Heinrich H e i l i n g e r (Petroff) und Paul Otto (Zar) heroorzuheben. — Der Film läuft mit einem abwechslungsreichen Beiprogramm seit gestern im Lichtspielhaus. —r— Die böse Sieben. 3n den Spiel-Kasinos an der Riviera zeigt sich jetzt eine besondere Abneigung aller derer, die ihr Glück versuchen, gegen die Zahl sieben- Die „böse Sieben" war ja bisher in der Hauptsache auf die Bezeichnung eines „Weibsteufels" beschränkt. Run aber tritt in den Spielsälen diese Zahl an die Stelle der bisher so arg verschrienen 13. Als Grund dafür wird angegeben, die 7 habe ihre Gefährlichleit dadurch bewiesen, daß alle Tragödien Frankreichs in diesem 3ahre am 7. eines Monats sich ereignet haben: Am 7- 3anuar starb der Kriegsminister Maginot. Am 7. März starb Driand. Am 7. Mai wurde Präsident Doumer ermordet. Am 7.3uli erfolgte der Untergang des französischen Unterseebootes „Promsthee". Die UnglüdSfälle haben sich an jedem 7. immer mit lleberspringung eines Monats ereignet. Aus Der provmzialdouptfiaD» Gießen. den 22.3uli 1932. Notruf des Gaststättengewerbes. ^on Adolf Sauer, Gießen. Alle Anstrengungen des Gaststättengewerbes In dem langen Kamps um St e u e r g e r e ch t l g- kett sind ergebnislos geblieben. Hunderttau- sende von Angestellten mußten entlassen werden, zahllose selbständige Existenzen sind vernichtet und die restlichen Gastwirtsbetriebe stehen vor dem Ruin, von dem die Kunden des Gewerbes, Lieferanten, Fabrikanten Handwerker mitbetroffen werden. Unter Anspannung aller Kräfte hat das Gast- stättengewerbe versucht, sich wirtschaftlich aesund zu erhalten. In diesem Kampf geht heute der A p. pell an die Öffentlichkeit und insbeson. dere an die nicht organisierten Berufskollegen! Es geht nicht allein um die Interessen eines Gewerbes, um die Vernichtung von vielen hundert Millionen Kapitalswert, es geht auch um die Existenz einer Wirtschaftsgruppe, die Träger des innerdeutschen und ausländischen Fremdenverkehrs ist. Der Berufsstand der. Gastwirte kann mit Stolz auf eine Vergangenheit zurückblicken, in der der deutsche Gastwirt stets bewiesen hat, daß er stets mit seiner steuerlichen Leistung ein hervorragender Staatsbürger gewesen ist. Und heute! Konkurse ohne Zahl, die größtenteils mangels Masse abgewiesen werden, Selbstmorde, hiervon nicht wenige der tüch- tigsten Berufskollegen, Elend und Verzweiflungsstimmung der Gastwirtsfamilien in den verödeten Lokalen. Zahlreiche Existenzen des Gastwirtsgewer- des, die sich mit dem bescheidensten Einkommen zu- frieden auf die primitivste Lebensweise eingerichtet haben, aber mit Zähigkeit daran festhalten, den Besitz bzw. den Betrieb durchzubringen, gibt man mit großer Geste preis und führt sie dem Heer der Unterstützungsempfänger zu. Trotz der schweren Zeit gibt es noch Volksschichten, die in der Lage sind, die Lokale zu frequentieren. An diese ergeht hier die Bitte, trotz Radio- musik und Haustrunk im eigenen Heim die ungeheure Notlage des Gewerbes zu erkennen und, wie früher, im Kreise der Freunde die zur Zeit öden Gaststättenräume wieder zu bevöl- kern. Bei allen politischen Parteien möge die Einsicht siegen, daß das Gastwirtsgewerbe nicht vernichtet werden darf, sondern gestützt und wieder aufgebaut werden muß. Für die nicht organisierten Berufskollegen gilt in diesem Kampfe mehr als je das Wort: Um deine Sache wird gekämpft! Diese Erkenntnis sollte sich heute auch den Berufsgenossen aufdrängen, die der Berufsorganisation noch gleichgültig oder ab- lehnend gegenüberstehen. • * Der neue Leiter der Heil- und Pflegeanstalt. Zum Nachfolger des in den Ruhestand getretenen Direktors der Heil- und Pflegeanstalt Gießen, Obermedizinalrat Dr. O ß w a l d, wurde der seitherige Direktor der Heil- und Pfleae- anstalt „Philippsbofpital" bei Goddelau^ Obermedi- alnalrat Dr. Schneider ernannt. Der leitende Arzt der früheren Hessischen Heilstätte für Nervenkranke bei Gießen, Medizinalrat Dr. Baufch, wurde Oberarzt an der Heil- und Pflegeanstalt bei Alzey. •• D i e Beratungsstunden für Geschlechtskranke finden in der Beratungsstelle Gießen, Gasfkystraße 14, der Landesversicherungsanstalt Hessen werktags von 10 bis 12 Uhr und Montag und Donnerstag von 17 bis 18 Uhr statt. Die Beratungsstunden am Dienstag, und Freitagnachmittag fallen dafür aus. ** Sperrung der Alicen st raße. Das Polizeiamt Gießen teilt mit: Die Alicenstraße wird vom 22. bis 23. Juli zwilchen Frankfurter Straße und Ludwigstraße wegen Reparaturarbeiten an der Wasserleitung für den Verkehr mit Fahrzeugen aller Art polizeilich gesperrt. Die aufgestellten Sperrschilder sind zu beachten. •• Die Hundstage kommen. 2lm 23. 3uli ist nach dem alten Bauernkalender Hundstag- Qlnfang. Hundstagende ist am 23. August. Die Hundstage sind die heißesten Tage im 3ahr; sie dauern einen Monat und soUen recht schwül und heiß fein. Ihren Romen haben die Hundstage von dem Hundsstern oder Sirius. Alte Regeln sagen: „Hundstag hell und klar, zeigen an ein gutes 3ahr: wenn sie viel Regen bereiten, bringen sie viel teure Zeiten." „Hundstag hell und heiß, bangt im Winter feder Geiß." Auf heiße Hundstage soll also ein strenger, flarer Winter folgen. Rach altem Volksglauben soll man in den Hundstagen nicht baden, sonst bekommt man die Hundsblattern. Auch soll man auS keinem offenen Wasser trinken, weil darin der HundS- kopf, das ist hie Kaulquappe, schwimmt. Die Kaulquappe ist eine Vorstufe deS Frosches. Sinn und Aufgabe deutschen Sängertums Ein Wort an unsere Sönger zum Deutschen Sängerbundesfest. Don Oberschulrat Heinrich öaffinger, Darmstadt. Es gibt in der Geschichte jeder Vereinigung Tage, die von besonderer Kraft sind: Tage, die einen aufwärts tragen, die einen wie mit tausend Armen stützen im Kampf und im Ringen um das Ziel, das man sich gesteckt hat. Plötzlich ist man nicht mehr allein, wie man es vielleicht oft in trüben Stunden glaubte. Man sieht in die längst bekannten Gesichter rings um einen her, aber sie sind wie über Rächt anders geworden, sie haben heute einen leuchtenden Schein, sie fügen sich zusammen wie eine einzige Kraft, und man fühlt, hier ist ein Gemeinsames, das uns alle trägt, hier sind Menschen, die dir im gleichen Streben und Bekennen die Hände reichen. Rein, du bist nicht allein. Zu deinen Seiten stehen viele, stehen Hunderte, Tausende, die das eine gleiche Fühlen voranreiht, die dir in diesem Kampf Bruder und Schwester sind. Cs geschieht vielleicht nicht oft, daß wir solche Tage erleben. Alm so freudiger, um so entschlossener aber wollen wir sie begrüßen und zum Fest für uns alle gestalten. Wann könnten wir besser die andern, Die Lauen, die Zaudernden mitreihen als an solchen Tagen, da uns selbst die Begeisterung, die Freude und das Gefühl der Zusammengehörigkeit tragen? Geben wir dem freudigen und frohen Ausdruck, was uns bindet, lassen wir es alle hören, was uns dieser Tag für unseren Kampf und unser Streben ist. Laht uns unsere Freude mit ihnen teilen. Iaht uns zu ihnen von unserem Sehnen und Streben sprechen. Unferc großen deutschen Sängerfeste sind solche Tage. 3n diesen Tagen bekennen sich Tausende in der alten Goethestadt am Main zu gemeinsamem Ziel und gemeinsamem Streben. Diese Woche wollen wir kundtun, was diese Tausende bindet. Jawohl, Freunde, bei diesem Fest wollen wir uns erneut und für alle vernehmlich zum deutschen Liede bekennen, und damit zu deutschem Volkstum und deutscher Heimat. Denn das Lied in der Muttersprache ist wie der Hammer, der an die Glock« schlägt und sie zum Tönen bringt. Kein anderer Ton ist so rein wie der, der aus dieser Glocke klingt. Es ist der Ton, der allen zu Herzen geht, der Ton, den jeder versteht und richtig deutet, fei es, daß di« Glocke klingt in Schmerz oder Freude, in Ernst oder Schmerz, in Glück oder Leid, in Degeisterung oder Entsagung, in Sehnsucht ober Erfüllung. An fernen Liedern kann man den Menschen erkennen. Er jubelt sein Glück, er klagt seinen Schmerz und kündet seine Liebe. 3m Liede birgt sich die ganze Seele des Menschen, und besonders in unserem deutschen Liede. Ein kleines Lied, wie geht's nur an, daß man so lieb es haben kann, was liegt darin? Erzähle! Es liegt darin ein wenig Klang, «in wenig Wohllaut und Gesang und eine ganze Seele. 3a, unser deutsches Lied ist wie der Hammer, der an die Glocke der deutschen Seele schlägt und sie zum Tönen bringt. Alnb ihr Gesangvereine, ihr seid die Hüter dieser uns allen heiligen Töne und Weisen. Ob dies« volltönende, dies« gewaltige ewige Glocke, die Seele eures Volkes, mißlingen wird in Harmonie mit euch und eurem Wollen und eurer Tat, das hängt vor allem und zuerst davon ab, mit welchem Maß von Verantwortung und ernster Liebe ihr dieses euer Hüter- amt verwaltet. Alnb das erste Geläut dieser Glocke sei der Gruß an die Heimat. Denn wer je wußte, was Heimat ist, der trägt in sich ein strahlendes Bild, das er sich nicht trüben und verzerren lassen will. Darum, ihr Sangesbrüder, laßt die Arbeit in euren Vereinen, im Gau und im Bunde auf immerbar fest in bet Heimat verwurzelt fein. Laht bie Kunst eures Gesanges der Heimat bienen, bamit di« Kraft eures Liedes Kraft des heimischen Bodens, damit die Füll« eurer Weifen die immer von neuem unerschöpfliche Fülle eures Volkes fein möge. Vergeht nicht, ihr Gesangvereine, daß ihr aus dem Volke, aus seiner Sehnsucht nach klingender Freude, aus seiner Liebe zu Lied und Musik geboren seid. Die Freude an Klang und Lied, die in unferem Volke so besonders stark ist, hat euch zusammengeführt zur gemeinsamen Ausgabe, hat die vereint, denen aus Freud« am Lied das Bedürfnis zu seiner besonderen Pfleg« wuchs. Deutsches Lied und deutsches Volk bilden eine untrennbare Einheit. Eine Einheit, di« so wesentlich und bedingt ist, daß beide Teile, Volk und Lied, Rot leiden werden, wenn sie sich voneinander entfernen oder sich gar fremd werden. Darum, ihr Sangesbrüder, sei das zweite Geläut« der Gruh an euer Volk! Laßt feine Seele aus euren Liedern klingen. Gesellt euch zu den beiden Sängern, wie sie un8 der Dichter schildert, zu fingen „von Lenz und Liebe, von felget, golbner Zeit, von Freiheit, Männerwürde, von Treu und Heiligkeit:" zu fingen „von allem Süßen, was Menschenbrust durchbebt" zu fingen „von allem Hohen, was Menschenherz erhebt". Laßt euch nicht irre machen, wenn sich ein gewisser Geschäftsgeist heute breit macht in artfremder Musik und in geistlosen Schlagern. 3hr seid als Hüter bestellt für deutsches Volksgut. Füllt euren Platz tatkräftig aus, trotzt dem Zeitgeist, wenn er sich gegen euer Volk richtet, spätere Generationen werden euch dankbar dafür fein, daß ihr nicht von eurer gefunden und urdeutfchen Basis gewichen seid. Und wenn ihr so vor eurer Aufgabe steht, ent- schlossen, kraftvoll und mit ernstester Verantwortung, dann seid ihr bereit und fähig zum machtvollsten Geläute, das aus dieser Glocke klingt, zum Geläute für unser Vaterland. Wohl blutet unser Herz, wenn wir erleben, wie sich die Brüder eines Volkes, wie sich untere Brüder zerfleischen in Haß und Mißverstehen. Wohl, wir gehen einen schweren Weg, das Schicksal hat uns tief geschlagen, aber nie soll deshalb die Glocke verstummen, nie soll unser Lied die Weise verlernen, zu fingen von deutscher Einigkeit und Einheit. Wir haben das Vermächtnis übernommen, und für dieses Vermächtnis wollen wir kämpfen und dulden. Greift mit eurem Sang an die Herzen, die vor Sehnsucht krank sind, gebt ihnen den Glauben zurück, stärkt ihre Hoff- nung. Deutschland darf nicht untergehen im Bruder- kampf. Dafür ist die Todessaat unserer gefallenen Brüder nicht in bie Millionen gewachsen. Von neuem, wie immer in unseren schwärzesten Tagen, stehen sie vor uns auf und heben beschwörend die Hände: Laßt von dem Hader, dienet dem Frieden, schirmet euer geistiges Gut, betet zu Gott, daß er euch die Kraft und Stärke Der Ein- heit gebe! Darum ihr Sangesbrüder, laßt in diesen Tagen euer machtvollstes Geläute ertönen, wenn sich die Herzen verhärten und Die Ohren dem Geiste vor» schließen wollen. Lasset sie läuten von Freiheit unD Einheit und Liebe zum Vaterland. „ . Trennt uns Glauben, Streben, Meinen, Eins soll, eins uns doch vereinen — Hebt zum Schwure auf die Hand: Deutschlands Freiheit, Deutschlands Einheit, Und in ihrer schönsten Reinheit Liebe für das Vaterland! Ob ihr seid beim Feftgesange Bei der Freude hellem Klange, Hier vereint mit Herz und Hand — Auch in ernsten, bangen Stunden Laßt uns innig sein verbunden Für das deutsche Vaterland! Deutschlands Freiheit, Deutschlands Einheit, Und in ihrer schönsten Reinheit Liebe für das Vaterland! Trennt uns Glauben, Streben, Meinen, Dies soll immer uns vereinen! Hebt zum Schwure auf die Hand! Napoleons Sohn. Zum 100. Todestage des Herzogs von Reichstadt: 22. Juli. Don Dr. Georg Kuhn. „Endlich muß öie Trennung des großen und des kleinen Adlers, die dem Tlärtnrer von St. Helena die größte Wunde schlug, ein Ende nehmen!" Mit diesen Worten hat vor tu non Prinz Joachim M u • rat bei der Gedächtnisfeier vor Dem Grabmal Napoleons Die Ueberführung der Leiche feines Sohnes nach dem Jnvalidendom gefordert. Dieser Plan besteht n-icht nur bei den französischen 'Bona- parieften, sondern bei weiteren Kreisen, und die 100. Wiederkehr Des Todestages des unglücklichen Napoleoniden hat diesen Bestrebungen einen neuen Antrieb gegeben. Die Forderung nach Auslieferung der Leiche war bereits in dem ersten Entwurf des Friedensvertrages von Saint-Germain erhoben worden, mußte aber von der öfter- reichischen Regierung abgelehnt werden, da das Grab des Prinzen sich in der Wiener Kapuziner- Gruft befindet, die Privateigentum der Habsburgischen Familie ist. Die Erlaubnis kann also nur von Dem jetzigen Oberhaupt des Geschlechtes, der Ex- Kaiserin Zita, erteilt werden, und mit ihr sind auch schon Verhandlungen angeknüpft worden. So werden also doch vielleicht noch einmal Vater und Sohn, die sich im Leben so wenig gekannt haben, wenigstens im Tode vereinigt werden. Die Gestall des „kleinen Adlers", „I/Aiglon", wie man Den einzigen Sproßling des großen Kor- fen getauft hat, ist in zartester Kindheit von mär- chenhaftem Glanz umgeben und dann nach Der tragischen Wendung seines Schicksals bald von einem romantischen Schimmer verklärt worden. Die Le- aenDe hat ihn früh mit ihrem dichten Gerank um- fponnen, und sie beherrscht auch heute noch die allgemeinen Vorstellungen, die man sich nach phantastischen Dichtungen, etwa Dem tendenziösen Drama Rostands, macht. Desto wichtiger ist es, sich Die Tatsachen vor Augen zu halten. Die jetzt in neuester Zeit von Der Wissenschaft klargestellt worden sind. 2lls Die Kaiserin Marie Luise Napoleon den so lange ersehnten Erben gebar, Da legte er ihm den Titel Des „Königs von Rom" in die Wiege, und sein Großvater, Kaiser Franz von Oesterreich, füate alle österreichischen Ordensbänder hinzu. Der Kaiser vergötterte das Kind, das er freilich selten sah, und unter Der Pflege hochgebildeter Damen des Hofes entwickelte es sich rasch. Schon der Dreijährige Knabe konnte ganze Steilen aus Racine unD Fabeln von Lafontaine hersagen. _ Als Die Verbündeten Ende 1813 sich Paris näherten, floh Marie Luis« mit dem Kinde nach Blois und Dann nach Rambouillet. Napoleon dankte zunächst zugunsten seines Sohnes ab, und der König von Rom, der ahnungslos mit feinen Soldaten spielfe, wurde tasächlich zum Kaiser der Franzosen gewählt und führt« einige Stunden Den Namen Napoleon II. Doch Dann war der Kaisertraum für immer zu EnDe: er kam mit der Mutter nach Schloß Schönbrunn bei Wien und hat niemals wieder französischen Boden betreten. Von der Mutter getrennt, als die Herzogin von Parma sich in einer Neigungsehe mit Dem Grafen Neipperg verband und sich nur noch wenig um ihren Sproßling aus Der Verbindung mit Dem ungeliebten Napoleon kümmerte, wuchs der jung« Prinz nun am österreichischen Kaiserhofe auf, zunächst noch von Der Gräfin Montesquio weiter erzogen; Dann aber wurde er Der Obhut Des Grafen Dietrichstein und verschiedener Lehrer, Darunter Des Dichters Matthäus von Collin, übergeben. Die große Politik spielte weiter um seinen blonden Scheitel und warf ihre dunklen Schat- ten über feine Entwicklung. Da man während der hundert läge feine Entführung fürchtete, wurde er ängstlich bewacht, und vergebens wartete Napoleon aus Den Sohn, um ihn auf Dem Maifelde krönen zu lassen. Napoleon dankte nach Waterloo endgültig „zu Gunsten Napoleons II. ab. Aber als Die Bourbonen wieder Den französischen Thron bestiegen hatten, schwanden diese Aussichten ins Wesenlose. Sein Großvater schuf für ihn in Böhmen ein Herzogtum Reichstadt, so daß er nun Den Titel „Herzog von Reichstadt" führte unD im Rang unmittelbar nach Den Erzherzogen kam. An der Stelle Des Namens Napoleon erhielt er Die Namen Franz Joses Karl. Verschiedentlich tauchten noch Aussichten für eine Thronbesteigung während seines Lebens auf. Bald dachte man an Polen, bann wieder an Griechenland, schließlich nach Der Juli-Revolution sogar an Frankreich. Damals arbeiteten Die Bonapartisten für ihn, aber er wies ihre Geheimagenten zurück, weil er nicht als „Abenteurer" seiner Familie, in der er ausgewachsen war, in Den Rücken fallen wollte. Diese widerspruchsvolle und zwiespältige Lage mußte aber natürlich auf den jungen Geist ein- wirken. Dazu kam in seiner Veranlagung ein W i - der st reit bedeutender Gaben mit angeborenen Fehlern. Der Herzog von Reichstadt zeigte früh scharfe Fassungskraft und große Phantasie, Festigkeit und Mut, Würde und Unbefangenheit. Aber er war zerstreut und träge, hing feinen Träumereien nach und legte seinen Erzieherinnen gegenüber einen passiven Widerstand an Den Tag. Wir sind erst in jüngster Zeit durch Die Der- öffentlichung „Aus Den Papieren Des Herzogs von Reichstädt" von Jean De Bourgoing über feine innere Entwicklung genau unterrichtet worden und können aus den hier zum erstenmal bekgnntge- machten Aussätzen, Tagebuchblättern unD Briefen einen Einblick in fein Geistesleben gewinnen. Man kann hier »erfolgen, wie das ungeheure Bild des erst verbannten, Dann toten Vaters immer stärkere Gewalt über ihn gewinnt; Die napoleonischen Trommelwirbel klingen immer lauter in seinen Ohren und nehmen seine Gedanken gefangen. Die von Franzosen schon bald ausgeftreuten Gerüchte, daß der „junge Adler" absichtlich den Vater entfremdet, schlecht behandelt, ja körperlich und geb ftig unterdrückt und behindert worden fei, daß Schönbrunn „fein St. Helena" geworden, sind durch Die Forschung als falsch erwiesen. Der Herzog wurde ganz so wie die Erzherzoge erzogen; fteilich war man Durch fein« eigentümliche Stellung zu gewissen Vorsichtsmaßregeln gezwungen. Nachdem seine ersten französischen Erzieherinnen ihn verzärtelt und phantastische Iräumereien in ihm genährt hat- ten, suchte man zunächst Die Erinnerung an den Vater von ihm möglichst fernzuhalten. Aber Das war ein unmögliches Beginnen. Da ihn alles Napoleonische allein interessierte, so mußte man ihm nachgeben, und so hat er sich viel mit Dem Vater beschäftigt. Daneben tritt eine ausgesprochene Vorliebe für alles Militärische hervor. Der „junge Adler" glaubte sich zum Feldherrn berufen, und Darin wurde er durch die Ähnlichkeit bestärkt, die man schon früh an ihm mit seinem Vater feststellte. So schreibt z. B. bie Marquise Du Montet: „Dom Herzog Franz sind alle Bewegungen sowie Die bekannte Haltung seines Vaters eigen; das ist seltsam, denn er konnte ihm diese nicht abgucken. Da er ihn fast niemals gesehen hat unD seine hiesigen Erzieher bestrebt sind, ihm dergleichen abzugewöhnen." sicherlich spielte Dabei auch ein komödiantischer Zug mit, Den besonders fein ärgster Feind Metternich, Dem das Schicksal Des Prinzen ein ernt- ger Vorwurf war, an ihm getadelt hat. Der Herzog dachte aber nicht an eine Prüfendenten-Laufbahn, sondern er wollte „Der neue Prinz Eugen von Oe st erreich" werden, Das Vaterland feiner Mutter verteidigen und zu neuem Ruhm fuyren. Dem Vorbild Des Vaters entsprechend, zeigte er, als er im Heere rasch vom Leutnant zum Obersten aufgesttegen war, eine betont demokratische Haltung; er verkehrt« leutfclig mit feinen Soldaten, kopierte den familiären Ton des großen Napoleon und machte sich überall beliebt. So hat er zweifellos «inen faszinierenden Reiz ausgeübt. Das zeigen u. a. Die Aufzeichnungen eines so bedeutenden Men- schen unD vornehmen Staatsmannes wie Pro- kesch - Osten , der sein einziger wirklicher Freund wurde. Auch Di« Frauen erlagen seinem Zauber, und wenngleich Die berühmte Beziehung zu der schönen Tänzerin Fanny Elßler Der Sage angehört, so hat er doch so manche Herzen Der Wiener Bürgermädchen gebrochen und soll sogar nach neuesten Behauptungen, Die von dem italienischen Historiker Lumbroso mit einigen Gründen gestützt wurden, ein« innige Freundschaft mit Der Erzherzogin Sophie, Der Mutter Des Kaisers Franz Joseph, unterhalten haben. Aber Dem Fluch, Der so oft Die Sohne Der Großen verfolgt, konnte er nicht entgehen. Das antike Wort, daß „Di e Sohne der Helden nichts taugen", bewahrheitete sich auch an ihm insofern, als er eine Treibhauspflanze war, körperlich und geistig eine in gegensätzlichen Farben schillernde Persönlichkeit, Die es zu keiner normalen Reife brachte. Zur Erklärung seines frühen Endes braucht man nid# an jene Verleumdung zu glauben, Die von den Bonapartisten ausgefprengt rourDen, daß er als „Gefangener Metternichs" in all feinen Lcbensäutzerungen unterdrückt, ja sogar vergiftet worden sei. Es genügt, als Gründ« ^dieses tragischen Sterbens den inneren Zwiespalt seines Wesens, die Zerrüttung feiner sich in unfruchtbaren Träumen und Sehnsüchten verzehrenden Natur anzuführen. In feinem Drang, sich auszuzeichnen, legte er seinem schwachen Körper, Der durch ein überrasche- Wachstum den Krankheitskeim in sich trug, Die härtesten Strapazen auf. Er begann zu kränkeln, unD Die körperliche Schwäche ließ sich auch durch Die größte Willensanspannung nicht überwinden. Eine Lungenkrankheit, wie sie damals bei der Wiener Jugend besonders häusig auftrat, ließ ihn langsam Dahinsiechen. In jenem Napoleonszimmer zu Schönbrunn, Das fein Vater im Jahre 1809 bewohnt hatte, lag er auf dem Krankenbett und hauchte am 22. Juli 1832 sein 21jährig«s Leben aus. Die Mutter war nur kurze Zeit vorher zu einem flüchtigen letzten Wieder- fefjTt erschienen. Sie wohnte feiner Beerdigung nicht bei. So hatte der „Aiglon" nach kurzem Er- dentum sich in jene festigen Höhen emporgefchwun- gen, nach Denen immer fein Sehnen gerichtet war. In Legende und Dichtung lebte Napoleon II. fort, auf immer verknüpft als ein romantisches Schattenbild mit Der Riesengestalt seines Vaters, und wenn diese Gemeinschaft heute hauptsächlich in Dem nod) im alten Zustand befindlichen „Napoleons-Zimmer' von Schönbrunn ihre sichtbare Stätte hat, so würde sie ein großartigeres Denkmal erhalten, wenn Der Sohn im Pariser Invalidendom neben Dem Vater schlummern würde... Wieder 14 Verhaftungen in und bei Homberg. • Homberg, 22. 3uli. 3m Verlaufe Des gestrigen Tages wurden wegen Des bekannten kommunistischen Ueberfalls auf SA.-Leute bei Homberg weitere 14 Kommunisten auS Rieder- unD Ober-Ofleiden und Homberg festgenom- men und vom hiesigen Amtsgericht unter Haftbefehl gestellt. Die Verhafteten wurden Der Zellenstrafanstalt in Butzbach zu geführt. Bis jetzt sind von der hessischen Behörde wegen Dieser Vorgänge insgesamt 41 Personen, sämtlich Kommunisten, inHaft genommen toorDen. Wie wir von zuständiger Seite Der preußischen Gendarmerie in Kirchhain erfahren, wurden in dieser Angelegenheit bisher von der Landjägerei des Kreises Kirchhain 5 Personen verhaftet und nach richterlichem Haftbefehlsdem Un- tersuchungsgefängnis in ^arbutfl zugeführt. Waffen wurden bei den Verhaf- toten nicht vvrgefunden. Unter Der Bevölkerung Der Umgegend von Hom- berg und Nieder-Ofleiden wird feit einigen lagen Die Behauptung verbreitet, bie sog. Schwarze Brücke über die Ohm zwischen Nieder-Oflei- Den unD Horhausen, unweit Des Bahnhofes Nieder- Ofleiden, fei mit D y n amitpatr o n« n versehen worden, weil Die SA.-Leute Diese Brücke bei ihrem Anmarsch nach Nieder-Ofleiden benutzen wollten. Sehr gründliche Nachprüfungen aller Brücken- teile durch die .zuständige Gendarmerie haben, wie wir zuverlässig hören, ergeben, Daß an Der Brücke alles in b efter Ordnung ist, keinerlei Sprengstoff oorzufinden war und zur Beunruhigung der Bevölkevung nicht Der gering st e Grund besteht. Langfristige Wettervoraussage. IDIfferungsoorausfage für Rorddeulschland, westlich Der Oder, west-, Mittel, und Süddeutschland (ohne Alpenvorland) für die Zeil vorn 22. 3uli bis 31. 3ulL Herausgegeben von der Staatl. Forschungsstelle für langfristige Witterungsvorhersage in Frankfurt a. M. Fortdauer des leicht unbeständigen, in Bewölkung und Temperatur veränderlichen und zu zeitweiligen Niederschlägen geneigten Wetters. Im ganzen kann jedoch zuerst und vor allem in West- und Süddeutsch- land mit einer allmählichen Besserung Des Wetters gerechnet werden. Talen für Freitag, 22 Juli. 1872: Der Staatsmann Karl Helsferich in Neustadt (Hardt) geboren; — 1909: der Dichter Detlev von ßtfiencron in Alt-Rahlsfedt bei Hornburg gestorben. SJl.-rfpOTt Fußballspiel: Gießen — Wien. Ailö dem Arbeiter-Turn- und Sportlrund. Die Freie Turnerschaft Gießen wird ihren Anhängern am morgigen Samstagabend ein besonderes fußballsportliches Erlebnis Oermitteln. Hat sie sich doch, neben anderen Kreisv^reinen, die sich auf einer Spielreise durch Deutschland befindliche stärkste Wiener Arbeiter-Fußballelf, die Mannschaft Gaswerk St. Dei't 8, zu einem Spiele verpflichtet. Die Gäste sind nun zum drit- temnale Meister der besten Klasse der Wiener Arbeiter-Fußballer und verfügen über ein hohes Maß von Technik und Spielkultur. Die Mannschaft hat in ihren Reihen Spieler, die schon mehrere Male bei Länderspielen mitgetoirtt haben. So standen auch bei den lebten Länderspielen Deutschland- Oesterreich in Kassel und Hannover die Spieler Stern, Drinek und Fo- re i th in den Reihen der österreichischen Mannschaft. Die Gäste, die am vergangenen Samstag in Frankfurt und am Sonntag in Wiesbaden spielten, trafen bereits gestern in Gießen ein. Das Spiel findet am Samstagabend 18 Ilhr auf dem VfB.-PIatz statt. Die Gießener Arbeiter-Sportler haben sich mit diesem Spiel eine Aufgabe gestellt, der sie voraussichtlich nur sehr schwer gerecht werden können. Wohl hat die Mannschaft durch Umstellung an Stärke getoonnen, jedoch wird sie alles hergeben müssen, ivenn sie im Kampf gegen die Gäste ehrenvoll bestehen will. Bor diesem Spiel (4.30 älhr) treten zwei Bezirksmannschaften an. Rach Beendigung dieses Spieles wird die offizielle Begrüßung der Wiener durch Bertreter der Stadt und des Kreises Gießen erfolgen. Dem Spiel sieht man mit großer Spannung entgegen. Handball der Turnergilde im OHB. Am Samstagabend treffen sich die beiden ersten Mannschaften des Olympischen Sport-Clubs (OSC.) 1 und der Turnergilde im DHV. zu einem Handball Übungsspiel auf dem Waldsportplatz. Beide Mannschaften dürften als gleich stark zu betrachten fein. Die DHB.-Mannschaft tritt mit zwei Ersatzleuten an. Der Ausgang des Kampfes ist nicht vorherzu- sagen. Deutschland - USA. Die Auslosung zum Davispokalkampf. Am Donnerstagmittag 12 älhr wurde auf dem Sekretariat des Französischen Tennisverbandes die Auslosung der Spiele für das Interzoncn- Finale im Davispokal zwischen Deutschland unö Amerika vorgenommen. Danach beginnt der Kampf am heutigen Freitag 14.15 Uhr im Roland-Garros-Stadion mit dem Spiel von Frank Shields gegen Gottfried v. (Stamm. Anschließend spielen die beiden Spitzenspieler Ells- worth Bines und Daniel Prenn. Das Doppelspiel. dessen Aufstellung noch nicht feststeht, wird am Samstag um 15.15 Uhr begonnen. Die beiden letzten Singles des Sonntags bringen um 14.15 Uhr die Begegnung (Sramm gegen Bines und anschließend das Match Prenn gegen Sh.elds. 3n deutschen Kreisen toiro Der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß am Freitag wenigstens ein Punkt gewonnen werden kann. Ankunst in Los Angeles. Unsere Olympiafahrer haben nun den Riesenweg quer durch Amerika zurückgelegt. In Kansas-City wurde nochmal ein kurzer Aufenthalt gemacht und zur Besichtigung der Stadt verwandt. In Neu- Meviko bekam man die tropische Gluthitze richtig zu spüren, gegen die der Kampf mit allen Mitteln ausgenommen wurde. Trotz der langen Fahrt ist das Befinden unserer Leute ausgezeichnet und von Müdigkeit merkt man keine Spur. Mit der deutschen Mannschaft reisten auch die deutsch-amerikanischen Radfahrer nach Los Angeles. Exz. Lewald war der Mannschaft mit dem Flugzeug vorausge- eilt, um Borsorgen für den Empfang zu treffen. In der Nacht zum Freitag (AiEZ.) haben die Deutschen das Fiel erreicht. 11. (Stoppe her „Tour he France". Stapel noch immer Zweiter. Rachdem am Mittwoch der letzte Ruhetag her* bracht worden war, werden nun die letzten elf Etappen ohne Unterbrechung durchgefahren. Am Donnerstag führte die 11. Etappe von Rizza über 233 Kilometer nach Cap. 5>ie Strecke wies wieder erhebliche Schwierigkeiten auf. so daß es zu neuen Ausfällen kam. Am schwersten wurden die Italiener betroffen, die durch Stürze di Paceo und Gestri verloren. Das Feld war zeitenweiso weit auseinandergerissen, da aber die Führenden ziemlich bummelten, konnten bis zum Schluß 27 Fahrer aufschließen und die Spitzengruppe bilden. Im Endspurt konnte dann Leducq, der Träger des gelben Trikots des Führenden, seinen ständigen Verfolger Dtöpel mit zwei Längen schlagen. Dritter wurde Bonduel, Dierter Benoit Saure (1. Tourist), Fünfter Diarengo. Auf den 6. Platz wurden 22 Fahrer, darunter llmbcn- Hauer, Thierbach, Geyer, Bulla. Pesenti und Ronsse gesetzt. Die weiteren Deutschen Sieronski, Altenburger, Kuhbach und Risch büßten mehr oder weniger Zeit ein. Im Gesamtklassement führt nach wie vor Leducq vor Stöpel, Camusso und Pesenti, während in Länderwertung Italien vor Frankreich, Belgien und Deutschland liegt. Die Arbeitsmarktlage in Oberheffen Oie Beschästigungsverhäliniffe in hen einzelnen Berufsgruppen. Das Arbeitsamt Gießen teilt in feinem Bericht über die Lage des Arbeitsmarktes in Ober Hessen nach dem Stande von Ende Juni folgendes über die Beschäftigungsverhältnisse in den einzelnen Derufs- gruppen mit: Land- und Forstwirtschaft. Die Zahl der verfügbaren Arbeitsuchenden betrug 393 gegen 405, es ist also nur ein geringer Abgang zu berichten. Da die Landwirtschaft fast nur junge Kräfte als Dauerbeschäftigte ein- stellt, bleiben die älteren verheirateten landwirtschaftlichen Arbeiter auch weiterhin ohne Beschäftigung. Die Bermittlungstätigkcit kann in dieser Berufsgruppe als befriedigend angesehen werden: es konnten im Berichtsmonat 176 "Vermittlungen getätigt werden. Bergbau. Die Lage des Bergbaues gestaltete sich vorübergehend etwas besser. Die Zahl der Arbeitsuchenden fiel von 504 Bergleuten im Vormonat auf 472. Rach den bisherigen Meldungen sind die Beschäftigungsverhältnisse aber wahrscheinlich nur kurzfristig. Industrie der Steine und Erden. Auch in dieser Berufsgruppe hat sich die Be- fchäftigungslage etwas gehoben. Einen merkbaren Einfluß hatten die Aufträge, der Reichsbahn an die oberhessische Dasaltindustrie. Zwar wurden bisher noch keine zusätzlichen Arbeitskräfte in größerem Maße eingesetzt, aber die Gesamtlage der Industrie ist stabiler geworden, die kurzfristigen Entlassungen, zu denen man durch Auftragsmangel gezwungen war. brauchten nicht vorgenommen zu werden. Die Zahl der Arbeitsuchenden betrug 1322 gegen 1424 im Vormonat. Metallindustrie. In der Berufsgruppe Metallverarbeitung und Industrie der Maschinen, Instrumente und Apparate ist keine wesentliche Veränderung eingetreten. Die Eisenindustrie ist immer noch schlecht beschäftigt und droht weitere starke Entlassungen vorzunehmen. Das Handwerk leidet weiterhin stark unter der Depression der Wirtschaft. Als Arbeitsuchende waren gemeldet 2588 Personen gegen 2666 im Vormonat und 1821 im Vorjahre. Holz- und Schnihstoffgewerbe. Der Beschäftigungsgrad des Gewerbes hat sich weiter verschlechtert. Pinterbringungsmöglichkeiten waren kaum vorhanden. Die Zahl der Arbeitsuchenden stieg von 902 auf 953. Rahrungs- und Gennhmillelgewerbe. Im Rahrungs- und Genußmittelgewerbe ist die Lage der Tabakindustrie fast unverändert. Arbeitslos wurden im Derichtsmonat 52 Tabakarbeiter bzw. -arbeiterinnen; 59 Personen fanden wieder Beschäftigung. Arbeitsuchend waren in der Derufsgruppe 776 gegen 809 im Vormonat und 352 im Vorjahr. Bekleidungsgewerbe. Das Bekleidungsgewerbe zeigt eine starke Fluktuation im Beschäftigungsgrad bei fast gleich- bleibender Arbeitslosigkeit: gegen 370 Arbeitsuchende im Vormonat und 239 im Vorjahre waren im Berichtsmonat 376 Arbeitsuchende gemeldet. Baugewerbe. Die anhaltend schlechte Wirtschaftslage spiegelt sich besonders in der Arbeitslosigkeit des Baugerver- bes. Wenn auch die Bautätigkeit sporadisch zuge- nommen hat, so ist die Zahl der Beschäftigten nur ganz gering gestiegen, da nur einige Facharbeiter eingestellt wurden. Die Hauptarbeit z. B. in den ländlichen Bezirken verrichtet der Meister mit den Lehrlingen, die dadurch wieder aus ihrer Beschäftigungslosigkeit herauskommen. An Arbeitsuchenden wurden im Juni 2 398 gezählt gegen 2 431 im Vormonat und 1711 im Borjahre. Betrachtet man die Zahl der Arbeitsuchenden zur Zeit des Höchststandes der Arbeitslosigkeit im Februar 1931 und die noch vorhandenen arbeitslosen Bauhandwerker einschließlich der nicht in dieser Bern fsaruppe geführten Bauhilfsarbeiter, so ergibt sich folgendes Bild: insgesamt 5 428 Arbeitslosen im Februar 1932 standen im Juni noch 4 049 gegenüber, die Arbeitslosigkeit war um 25 o. h. gegen den Höchststand gesunken. Im einzelnen verteilten sich die Arbeitsuchenden auf: Abnahme 1.3.32 1.7.32 o.h. Maurer 1832 Zimmerer 456 Maler. Anstreicher. Lackierer 978 Glaser und übrige Berufe 212 Bauhilfsarbeiter 1950 1178 36 301 34 780 20 139 35 1651 15 Die ungelernten Berufe waren also am wenigsten in den Beschäftigungsprozeß einzugliedern. Gast- und Schankwirtschaft. Die Entlastung des Arbeitsmarktes in dieser Berufsgruppe ist zum Stillstand gekommen. Zu- und Abgänge gleichen sich aus: arbeitsuchend waren 112 Personen gemeldet gegen 115 im Vormonat und 67 im Vorjahr. Musik, Theater. Die Zahl der Gelegenheitsgeschäfte für die Musiker hat im Berichtsmonat beträchtlich nachgelasseR. Feste Engagements wurden nur vereinzelt abgeschlossen. Berkehrsgewerbe. Im Verkehrsgewerbe war keine Abnahme der Arbeitslosigkeit festzustellen. Die Unterbringungsmög« lichkeiten bei Reichsbahn und Post fielen auch im Berichtsmonat fort. Im Speditionsgewerbe und den einschlägigen Berufsarten war nur geringe Möglichkeit zur Vermittlung von Aushilfen vorhanden. häusliche Dienste. Arbeitsuchend waren 300 Personen gemeldet, gegen 307 im Vormonat und 161 im Vorjahre. Die Nachfrage war nicht mehr so rege wie in früheren Monaten, bedingt durch die wirtschaftliche Lage. Hausangestellte mit vielseitigen Kenntnissen und junge Kräfte — allerdings bei geringer Bezahlung — konnten noch vermittelt werden. Lohnarbeit wechselnder Art. Nur ganz geringer Abgang an Arbeitsuchenden ist zu berichten. Die Vermittlung in Arbeitsplätze war trotzdem sehr rege; bei 1.3 Vermittlungen waren 41. Aushilfsstellen. Gemeldet waren zu Ende des Berichtsmonats 2866 Arbeitsuchende, gegen 2923 im Vormonat und 1976 im Vorjahr. Angestelltenberufe. Der Arbeitsmarkt dieser Berufe zeigte keine Besserung; 1140 Angestellte waren arbeitslos, gegen 1168 im Vormonat und 8^1 im Vorjahre. Der Zugang aus den technischen Berufen hält weiter an; Beschäftigungsmöglichkeiten sind in dieser Berufsgruppe kaum gegeben. Bei den kaufmännischen Angestellten ist ein geringer Abgang an Arbeitsuchenden zu bemerken; die Bedingungen, unter denen die Arbeit angetreten wird, haben sich aber weiterhin verschlechtert. Nie Arbeitslosigkeit steigt wieder an. 5492000 Arbeitslose im Reich, Zunahme um 46000. Berlin, 21. Juli. (WTB.) Nach dem Bericht der Reichsanstalt für die Zeit vom 1. bis 15. Juli ist, wie in den Vorjahren, eine Stockung in der (kntlaftung des Arbeitsmarktes ein* getreten. Am 15. d. 2H. waren bei den Arbeitsämtern rund 5 492 000 Arbeitslose gemeldet, d. h. rund 16 000 mehr als Ende Juni. Die Aufnahmefähigkeit der Saisonaußenberufe ließ nach. Während in den Bezirken Ostpreußen, Pom- mern, Niedersachsen und Westfalen, in geringem Umfang auch in Schlesien, die Zahl der Arbeitslosen noch abgenommen hat, ist in Brandenburg, in der Nordmark, im Rheinland, in Sachsen und Bayern ein gewisser Rückschlag eingetreten. Auch in Südwestdeutschland stieg die Zahl der Arbeitslosen etwas. In den Bezirken Mitteldeutschland und Hessen war ein Stillstand zu verzeichnen. Im Gegensatz zur Entwicklung am Arbeitsmarkt sind die llnterslühtenzahlen der Arbeitslosenversicherung und der Srisenfürsorge nicht unerheblich zurückgegangen, eine Entwicklung, die überwiegend auf Aussteuerungen infolge der langen Dauer der Arbeitslosigkeit zurückzuführen ist. In der Arbeitslosenversicherung wurden am 15. Juli rund 875 000 Hauptunterstützungsempfänger gezählt nach einem Rückgang um rund 66 000. In der Krisenfürsorge wurden am gleichen Stichtag rund 1 490 000 Arbeitslose betreut, d. h. rund 54 000 weniger als Ende Juni. In diesen beiden Unterstützungseinrichtungen zusammen wurden mithin rund 2 365 000 Arbeitslose unterstützt, denen im gleichen Zeitpunkt schätzungsweise 2,2 Millionen Wohlfahrtserwerbslose (Ende Juni.2 163 000) gegen« überstehen dürften. Gtillstanh in Hessen nnh Hessen-Nassau. WSN. Frankfurt a. M., 21.3uli. lieber die Arbeitsmarktlage in Hessen und Hessen-Nassau berichtet das Landesarbeitsamt Hessen iq Frankfurt a. M.: In der ersten Hälfte des Monats Juli ist die sommerliche Entlastung des Arbeitsmarktes fast völlig zum Stillstand gekommen, denn die Gesamtzahl der verfügbaren Arbeitsuchenden ist nur noch um 102 auf 320 256 gesunken. Auf die Saifon-Außenberufe entfielen am 15. Juli 111771 Arbeitsuchende = 34,9 v. h. (am 30. Juni 112 202 = 35 v. h.) und auf die übrigen Berufe^ 208 485 = 65,1 v. h. (208 156 - 65 v. h.). Die Ar- beitsuchenden haben somit in den Saison-Außenberufen im letzten Berichtsabschnitt noch 431 ab-, in den übrigen Berufen aber um 329 zugenommen. Von der erstgenannten Gruppe sind nur die Land- und Forstwirtschaft, sowie die Lohnarbeit wechselnder Art noch leicht aufnahmefähig gewesen, während die Arbeitslosigkeit in der Industrie der Steine und Erden und dem Baugewerbe schon anzusteigen beginnt. Von den Berufen der zweiten Gruppe erwiesen sich das Nahrungsmittelgewerbe (Tabak- und Konservenindustrie), das Gaftwirtsgewerbs und vom Bekleidungsgewerbe die Schuhindustrie verhältnismäßig noch am stärksten aufnahmefähig. Besonders verschlechtert hat sich die Lage im Bekleidungsgewerbe für Schneider aller Art (Zugang 361 - 4,8 v. h.) und in den Angestelltenberufen, die insgesamt eine Zunahme um rund 600 zu verzeichnen haben. Von den 320 256 Arbeitsuchenden erhielten 52 374 = 13,2 v. h. Arbeitslosen- und 80 392 = 25,1 v. h. Krisenunterstützung. Am 30. Juni wurden 2776 Unterstützte aus der Alu, Kru und Wohlfahrtspflege mit Notstandsarbeiten beschäftigt, das find 0,9 v. h. von der Arbeitsuchendenzahl am 15. Juli. Ganz erheblich hat die Zahl der im freiwilligen Arbeitsdienst Beschäftigten zugenommen. Am 30. Juni wurden 11 266 Arbeitsdienstwillige beschäftigt, davon waren 6436 = 57,1 v. h. bis 21 Jahre alte Jugendliche. Auf die Gesamtzahl der Arbeitslosen am gleichen Stichtag entfielen 3,6 o. h. Arbeitsdienstwillige. In einem Bezirk sind 25,4, in Zwei anderen 13,6 bezw. 9,1 und in drei Bezirken fast 6 v. h. der Arbeitslosen im Freiwilligen Arbeitsdienst befdjäftigt. Wirtschaft. Frankfurter Abenhbörse still. Frankfurt a. M., 21. Juli. Bei anhaltender Geschäfts stille war die Abendbörse auf dem erholten Niveau des Mittagsverkehrs behauptet, teilweise traten noch kleine Besserungen um Bruchteile eines Prozentes ein, so für JG.-Farben mit plus 0,40 v. Sy gegen den Berliner Schluß. Umsätze fanden aber kaum statt, da keine Orders nach irgendwelcher Richtung vorlagen. Die Tendenz erhielt aber eine gewisse Stütze durch die eher etwas freundlicheren Auslandsbörsen. Die Spekulation bekundete indessen aus den bekannten Gründen weiterhin starke Z u r ü ck h a l t u na. Im Verlaufe blieben die Kurse bei weiterer Geschäftsschrumpfung etwa gehalten. Am Rentenmarkt traten keine wesentliche Veränderungen ein. Deutsche Anleihen blieben gut behauptet, ebenso späte Reichsschuldbuchforderungen. Am Pfandbriefmarkt bestand für einzelne Serien zu etwa 0,50 v. H. höheren Kursen etwas Kaufinteresse. Neubesitzanleihe 5,10, Altbesitzanleihe 42,13, Schutzgebietsanleihe 2,70, Deutsche Bank & Diskonto-Gesellschaft 75, Reichsbank 122,75, Gelsenkirchen 32, Stahlverein 13 bis 13,25, AEG. 23,50, Scheideanstalt 133, JG.-Farben 88,25 bis 88,13, Siemens & Halske 120, Südd. Zucker 106, Hapag 11,25, Nordd. Lloyd 12,75. Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe Der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 v. H, Lombardzinsfuß 6 v. H. ifrrannu ■ u. X>(. Berlin Gchluß- furd Schlußk. Abcnd- dörse Schluß- furd Schlußk. Mitiag- bfrfc 'Datum 20.7. 21.7. 20.7. 21.7. 6% Scutldic iNcidioanictlje v. 192", — 63,5 63,75 7% $cutfdir fltrldh’anlcibc v. 1929 65 65 65 64 6Va% Boung-SInteihc von 1930 . S-cutfdic AnI.-AdlSI.-EchuId mit 63,5 63 63,5 63,5 öluslos.-Rechten....... 41 42.13 40.9 42 Tc«fll- ebne Vlutilvs.'Rechte . 6% Hell. BolkSstaat Von 1920 4,7 5,1 4,75 5,1 (rückzahw. 102%)...... Oberbelsen Provinz-Anleihe mit — 49 — 50 Sludlos.-Redtlen...... Deutsche Komm. Garn utclabL 39 39,5 — — Anleihe Serie 1 .... 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse 57 38,7 38 39 16 unkündbar bi» 1935 ... ?% Franks. Hup.-Bank violdpfc. 68 67.25 — — unkündbar blf 1036 Serie 16 . 4%% Franks. Hvp.-Bonk Ligu. 67,25 66,5 — — Psaiidbriete......... 78,4 78,5 <•/,% Rheinische Hyp.-Bank-Llau CHoIbplc.......... 6% Pr. LanderpsandbNesanstall, 80 80,75 —> — Pfandbriefe R. 19...... 7% Pr. LandeSpsandbriefanstalt, 68 67,5 68 68,25 Pfandbriefe R. 10 — — — — *% Ocstcrrctchische (tzoldrente . . 10 10 1,80% OeNrrreichische Silbcrcenie _ 1,05 4% Ungarische Wolbrcntc ... 5,75 __ 5,7 5,75 <% Ungarische Slaatsrcntc v. 1910 6,5 6,5 6,4