Ur. 170 Erstes Blatt 182. Jahrgang Srcitag, 22. Juli 1952 (Er|d)ttnl tägltch, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Biebener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monikr Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüffe anter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sieben Postscheckkonto: Sranffnrl am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: Vrühl'sche Univer^ilül5-vuch' und Steindruckerei R. Lange in Sietzen. Schnstleimng und Geschäftsstelle: Schulstraste 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° , mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wich. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wich. Lange: für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil ÜJlaj Filter, sämtlich iir Gießen. allein die Verantwortung. Sie treten deutsche Volk und vor die Geschichte Frage: sollen die Paragraphen von leben oder das deutsche Volk und das Reich? Die Folgezeit wird lehren, ob vor das mit der Weimar Deutsche sie recht Zurück zu Bismarck? Eine innerpolitische Entscheidung von unübersehbarer Tragweite ist gefallen. Der in der Verfassung von Weimar verankerte Dualismus zwischen Reich und Preußen ist zunächst durch einen gewaltigen Eingriff von oben beseitigt worden. Es ist kaum anzunehmen. daß er in seiner bisherigen Form einmal wieder erstehen wird. Die brennende Gefahr und die große Rot der Stunde haben eine Lösung erzwungen, die zweifellos anfechtbar erscheint, wenn man sich an den Maßstab der Paragraphen hält. Die Männer, die diesen folgenschweren Weg beschritten haben, tragen gehandelt haben Ziel und Zweckmäßigkeit des Weges werden sich nur beurteilen lassen, wenn man an. d e n Ausgangspunkt dieser Entwicklung zurückkehrt. Man weiß, daß die Weimarer Verfassung an einem entscheidenden Punkte nicht die Gestalt gewonnen hat, die ihrem Schöpfer Hugo Preuß ursprünglich vorschwebte. Rach seinem Willen sollte das Reich zu einem viel stärker unitari- fchen Staat mit dezentralisierter Verwaltung in allen Fragen um das Kulturgebiet werden. Er wollte zu diesem Ziel den Umweg über die Zerschlagung Preußens in große Stammes- gebiete wählen. Dagegen lehnte sich nicht nur der Selbständigkeitswille der süddeutschen Länder auf. in denen man sehr schnell heraus hatte, daß Preuß ihnen mit der Aufteilung Preußens ein Kuckuksei ins Rest legen wollte. Den entscheidenden Widerstand gegen eine Verstärkung der Reichsgewalt leistete seltsamerweise eine sozialdemokratische preußische Regierung. Preuß hatte richtig vorausgesehen, daß das Wonnegefühl der Macht, daß das erhebende Bewußtsein der ministeriellen Existenz Lei Menschen, denen das etwas ganz Reues war, politische Grundsätze leicht über den Haufen Aversen könnte. Wenn man seine Auffassung teilen will, so hatte er einen richtigen praktischen Gedanken. Er hat im Rovember 1918, toie er dem Schreiber dieser Zeilen in Weimar einmal persönlich erzählte, den Volksbeauftragten Ebert und Haase vorgeschlagen, daß sie auch sofort die Hand auf Preußen legen möchten, damit sich dort überhaupt nicht eine Regierung konstituieren könne. Aber diese Revolutionäre, die ja überhaupt keine Revolutionäre waren, hatten vor einem wirklich konstruktiven Gedanken, der zur Reichsreform hätte überleiten können, eine beinahe spießbürgerliche Angst. Was damals, vor vierzehn Zähren, versäumt wurde, war natürlich in der Folgezeit iaum noch nachzuholen. Eines ist auch klar, daß die Widerstände gegen eine Unitarisierung res Reiches, soweit sie aus dem Süden stammen, ein starkes inneres Recht in sich tragen. Das Versprechen einer dezentralisierten Verwaltung hätte leicht ein Schlagwort bleiben können, das nur auf dem Papier gestanden hätte. Die Vereinigung der gesamten Macht in der Reichshauptstadt hätte die kulturellen Zentren im Reich in die Rolle der ewig Fordernden degradiert. Die Möglichkeit zur Entfaltung eines ftammesmäßigen, geistigen und künstlerischen Eigenlebens, dem die deutsche Kultur ihren Reich- tum und ihre Farbigkeit verdankt, wäre in der vollkommenen materiellen Abhängigkeit wo^ noch weiter eingeengt worden als dies durch die Erzbergersche Finanzreform ohnehin schon geschehen ich. Es ist in der Tat sehr schwer, die kulturpolitischen Erfordernisse des deutschen Volkslebens mit der nationalpolitischen Rotwendigkeit in Einklang zu bringen, die auf ein möglichstes Zusammenfassen aller Kräfte und Machtmittel in einer einzigen politischen Willensrichtung nach außen und nach innen drängt. Wenn man diese Dinge einmal durchdenkt und wenn man aus den Erfahrungen von mehr als einem Jahrzehnt die Folgerungen ableitet so zeigt sich, daß die entscheidenden politischen Schwierigkeiten niemals in den Beziehungen zwischen dem Reich und den süddeutschen Ländern gelegen haben. Da hat es gewiß auch manche un- ersreuliche Auseinandersetzung gegeben, bei denen die Schuld einmal mehr hüben und einmal mehr drüben gelegen haben mag. Aber diese Singe haben sich niemals so peinlich und so gefähruch ausgewirkt wie schon des öfteren die Tatsache, daß inder Reichshaupt st adt zwei Regierungen nebeneinander amt ter* ten, die an verschiedenen Strängen zogen. Wie sehnsüchtig mochte sich mancher Kanzler der Republik der verfassungsrechtlichen Formen des Dismarckschen Reiches erinnern! Die geniale Konstruktion dieses wahrhaft schöpferischen Staatsmannes zeigt sich nun erst heute in ihrer ganzen Gröhe, wo wir in den Riederungen eines theoretisch erklügelten und so ganz und gar papierenen Verfassungslebens unsere bitteren Erfahrungen gesammelt haben. Damals waren den süddeutschen Ländern für die Entfaltung des notwendigen Eigenlebens die weitesten Grenzen gezogen. Damals konnte sich Preußen im Bundesrat überstimmen lassen, weil Preußen fest in der Hand des Reiches war. Der Deutsche Kaiser war König von Preußen und der Kanzler des Reiches war, von einer kurzen Ausnahmezeit abgesehen, preußischer Ministerpräsident. Die Lösung, die man jetzt aus den Schwierig- keiten gesucht hat, scheint V)$*r_ Anleitung auf ben ßinien der Dismarckschen Konstruktion Die verabschiedeten Staatssekretäre und Oberpräsidenten. Die zurückgetretenen Staatssekretäre und Oberpräsidenten. Obere Reihe: die Staatssekretäre Dr. A b e g g (Innenministerium) Dr. Weißmann (Staatsministerium), Dr. Staudinger (Handel) und Dr. Krüger (Landwirtschaft). — Untere Reihe: die Oberpräsidenten Haas (Hessen-Nassau), Dr. F a l k (Sachsen), Kürbis (Schleswig-Holstein) und L ü d e m a n n (Niederschlesien). Stimmen aus Bayern. M ü n ch e n , 21. Juli. (TU.) Zu der Absetzung der Preußenregierung schreibt der „Völkische Beobachter" u. a., damit habe der Kriegszug der vereinigten marxistischen Terroristen gegen das nationalsozialistische Deutschland einen Erfolg gezeigt, den die Genossen b e ft i m m t nicht erwartet hätten. Der Plan der schwarz-roten Systemoerteidiger, durch die fortgesetzten UeberfäUe und Morde, die Reichsregierung zur Wiedereinführung des Uniformverbots zu zwingen, sei vorbei- gelungen. Es fei notwendig, auszusprechen, daß die Einsetzung eines Reichskommissars für Preußen und die Absetzung der roten Minister nur Öen einen Sinn haben könne, damit den Anfang zu machen für die notwendig gewordene allgemeine Säuberungsaktion und weiter die Voraussetzungen zu schaffen für die notwendige B e w e - güngsfreiheit der nationalsozialisti- s ch e n Partei. Die Nationalsozialisten erwarten jetzt die Säuberung aller preußischen Amtsstellen von den Nutznießern der November-Parteien und die beschleunigte Wiederherstellung der Demonstrationsfreiheit der NSDAP. Die „Münchener Reue st en Rach richten" schreiben u. a.: In diesen Tagen bricht die von Bayern seit jeher bekämpfte Weimarer Verfassung zusammen, bricht zusammen an ihrem entscheidenden Konstruktionsfehler: der Doppelregierung in Ber- l i n. Wohl besteht die Gefahr, daß das ein- stürzende Gebäude alles mit sich reißt, aber diese Gefahr kann unter keinen Tlmständen dadurch gebannt werden, daß man versucht, das Unhaltbare zu halten. Wir können es deshalb nicht für richtig halten, daß die bayrische Regierung sich protestierend an den Staatsgerichtshof gewendet bat. Eine Länderfront gegen das Reich ist vollkommener Widerspruch: denn die Länder sind das Reich. Jetzt sollten vor allem die süddeutschen Länder bedacht und entschlossen Politik auf weite Sicht und unter höheren Gesichtspunkten treiben, und zwar in dem Sinne, daß sie der Vereinigung von preußischer und Reich sgewalt unter ganz bestimmten vertraglichen Sicherungen ihrer Selbständigkeit z u st i m m e n. Zu dem Schritt Bayerns beim Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich stellt die „Bayerische Staatszeitung" fest, daß dieser Schritt nicht als Sekundanten st ellung für Preußen gewertet werden dürfe. Er sei nichts anderes, als ein Schritt zur prinzipiellen Klärung der Frage, ob die Einsetzung eines Reichskommissars an Stelle von Landesregierungen und die Enthebung von Landesministern mit der Reichsverfassung vereinbar sei. Bayern verneinte nach wie vor die Verfassungsmäßigkeit dieser Maßnahmen des Reichskabinetts mit aller Entschiedenheit. Hier handelt es sich um Dinge, die keineswegs etwa nur Preußen angehen. Hier gehe es um die Exi - stenzrechte aller deutschen Länder und damit um den bundesstaatlichen Charakter des Deutschen Reiches überhaupt. Werde heute in Preußen versucht, die Axt an die Wurzel der Eigenstaatlichkeit zu legen, so könne dasselbe, wenn die veifassungsmäßige Rechtslage weiter so außer Acht gelassen werde, trotz der angeblich entgegengerichteten Meinung des Reichskanzlers morgen gegenüber Bayern oder einem anderen deutschen Lande geschehen, wenn die Männer der Reichsregierung die Zeit oder die Rotwendigkeit dafür gekommen glaubten. zu liegen. 2n den letzten Wochen hat es sich erschreckend gezeigt, wie furchtbar die Gefahren werden können, wenn das Reich und das größte deutsche Land in Zeiten revolutionärer Gärung von Regirungen entgegengefeht e r Willensrichtung geleitet werden. Wenn jetzt die Gleichförmigkeit und die gleiche Richtung aesichert werden, so mögen die Formaljuristen bedenklich mit den Perücken wackeln. Aber wer will denn bestreiten, daß unsere verfassungsrechtliche Entwicklung unter Anlehnung an den Artikel 48 schon längst über bie Buchstaben des Werkes von Weimar hinausgewachsen ist. Hier sind wir durchaus den Weg der englischen Politik gegangen, wo uralte Schäften noch zu Recht bestehen die durch Auslegung, Präzedenzfälle und Entwicklung praktisch längst überholt wurden. Die Reichsregierui^ hat sich of^nbar gesagt, daß Politik vor Recht gehe. Besser würde man sagen: politische Lebensnotwendigkeiten schaffen neues Recht. In Süddeutschland mag man gewiß Bedenken haben. Sie werden sich zerstreuen lassen wenn die Wegrichtung als zu Bismarck zumickfuhrend erkannt wird. Das Preußen der Rheinlader und der Ostpreußen, der Friesen und der Schlesier ist eben nicht vergleichbar mit den einheitlicheren Stammesgebieten des .Südens. Der Reichskanzler als Reichskommissar für Preußen — das ist eine Lösung, die aus allen angedeuteten Gründen keinen Präz e d enzfallgegen- über den süddeutschen Landern zu schaffen braucht. Es sollte allerdings noch klarer herausgehoben werden, daß es sich um eine politische Lösung in dem Gegeneinander der Reichshauptstadt, nicht in den grundsätzlichen Beziehungen zwischen Reich und Ländern handelt. Deutsche Volkspartei und Reichswahlliste. Berlin, 21. Juli. (Priv.-Tel.) Wie die Deutsche Volkspartei mitteilt, hat die Einreichung der Reichswohlvorschläge zu dem Mißverständnis geführt, als ob die Deutsche Volkspartei nicht mit eigenen Wahlvorschlägen auftrete. Es sei demgegenüber festgestellt, daß die Deutsche Volkspartei in allen 35 Wahlkreisen mit eigenen Wahlvorschlägen, die d ie Rümmer 6 tragen, erscheint, und daß sie lediglich auf die Aufstellung einer Reichs liste verzichtet hat, da aus technischen Gründen eine Verrechnung der volksparteilichen Re st stimm en auf öer deutschnationalen Reichsliste vorgenommen wurde. Die Vereinbarungen mit der deutschnationalen Partei sind so abgeschlossen worden, dcch die Sicherheit besteht, daß alle volksparteilichen Stimmen auch volksparteilichen Kandidaten zukommen. Heymannsberg erneut verhaftet. Berlin, 22. Juli. (OB. Funkspruch, eigene Meldung.) Der ehemalige Kommandeur der Schutzpolizei, heymannsberg, sowie Major Luke und das Mitglied des Reichsbanners Larlbergh wurden heute früh in haft genommen wegen dringenden Tatverdachts einer Zuwiderhandlung gegen bie Verordnung des Reichspräsidenten vom 20. Juli 1932. Gegen 4 Uhr früh erschien ein Reichswehrhauptmann mit vier Soldaten im Polizeipräsidium, forderte zwei Beamte der Abteilung I an und verlangte, zur Wohnung des Polizeikommandeurs heymannsberg und zu der des Polizeimajors Enke geführt zu werden. Er hatte einen Ausweis des Militärbefehls- Habers bei sich. Dem Ersuchen wurde stattgegeben. Um 4.55 Uhr hat Polizeikommandeur heymannsberg feine Wohnung, die im Polizeiamt Schöneberg liegt, um 5.45 Uhr Polizeimajor Enke feine Wohnung verlassen, jeweils in Begleitung der Reichswehr. Die Behafteten wurden in bie Mili 1 ärgerest an st alt nach Moabit gebracht. L a r l b e r g h ist. wie wir erfahren, Vorsitzen- der des Ortsvereins Lhar(ottenburg des Reichsbanners und gehört außerdem dem G a u o o r st a n d an. Der ebenfalls verhaftete Matz o r e n f e steht mit Larlbergh in freundschaftlichen Beziehungen und ist, wie aus fireifen des Reichsbanners mitgefeilt wird, ebenso roie Oberst heymannsberg, Mitglied des Reichsbanners. Der Preußenkonflikt vor dem Lleberwachungsausschuß. Berlin, 22. Juli. (DDZ. Funkspruch.) Die politischen Ereignisse der letzten Tage werden die erste parlamentarische Behandlung in der heutigen Sitzung des ^leberwachungs- ausschusses des Reichstags finden. Der Ausschuß, der infolge der Weigerung des Abgeordneten Straßer von dem ältesten Mitglied, dem Abgeordneten Heimann (Soz.) einberufen worden ist, tritt um 15 Ut)r zusammen, um zunächst einen stellvertretenden Ausschußvorsihen- den und damit einen rechtmäßigen Leiter der Ausschußtagung zu wählen. Die Sozialdemokraten haben dafür den Abgeordneten H ö g n e r, München, vorgeschlagen. Mit Sicherheit sind Anträge auf Aufhebung der Rotverordnung über den Reichskommis- sar in Preußen und den Ausnahmezustand zu erwarten. In Kreisen der Ausschußmehrheit vertritt man die Ansicht, daß der Lleberwachungsausschuß mit allen Befugnissen ausgestattet ist, die das Parlament an sich besitzt, und daß er infolgedessen auch das Recht zur Aufhebung von Rotverordnun- gen hat und die Regierung vor den Ausschuß zitieren kann. Wieweit sich die Regierung an den Ausschuhverhandlungen beteiligen wird, steht noh nicht fest. In der Reichskanzlei jedenfalls wird erklärt, daß man von dort keinen Vertreter in den Ausschuß entsenden werden. Die Rationalsozia- l i st e n werden gemäß ihrer Ankündigung an der Tagung des äleberwachungsausschusses nicht teilnehmen. Echo der presse. Berlin, 22. Juli. (CNB.) Die Amtsenthebungen der verschiedenen Staatssekretäre, Oberpräsidenten, Regierungspräsidenten und Polizeioerwal- ter in Preußen werden von den meisten Müttern lebhaft erörtert. Während die in Opposition zur Reichsregierung steyende Presse in teilweise sehr scharfer Form dagegen polemisiert, nehmen die übrigen Blätter den Standpunkt ein, daß durch dieses Vorgehen eine Säuberung des preußischen Verwaltungskörpers von par- teipolitisch gebundenen Beamten erfolgt sei. Die DAZ. betont, daß zunächst mit großer Rücksicht zu Werke gegangen worden sei, alles unter dem Gesichtspunkt, die preußische Verwaltung von parteipolitischen Einflüssen freizumachen und d i e sachliche Vorbildung und Eignung der Höch st en Regierungsbeamten wieder in den Vordergrund zu stellen. Die Länderkonferenz, die der Reichskanzler für Samstag zweifellos mit bestimmter Absicht gerade nach Stuttgart einberufen habe, werde sich von dem streng o erfassungsmäßigen Vorgehen der Reichsreierung überzeugen können. Wenn noch während der Zusammenkunft der Ministerpräsidenten das Urteil des Staatsgerichtshofes in Leipzig bekannt werde, an dessen Inhalt nach dem absolut gesetzlichen Handeln der Reichs- gemalt nicht zu zweifeln sei, so könne das auch unter den Parteipolitikern des Südens die Beruhigung fördern, die die Bevölkerung ohne jede Ausnahme brauche. Der „Lokalanzeiger" meint, man könne wahrhaftig nicht behaupten, daß Herr v. Papen als Reichskommissar in Preußen irgendwie scharf durchgegriffen hätte. Die jetzt entfernten bisherigen ho§rn Beamten feien sämtlich Partei- ouchbeamte. Die „B ö r f e n z e i t u n g" stellt fest, daß der Reichskommiffar auf Grund einer vollgültigen Rotverordnung des Reichspräsidenten mit allen Vollmachten des preußischen Ministerpräsidenten ausgestattet sei und demgemäß jederzeit politische Beamte ihres Amtes entheben könne. An der rechtlichen Zulässigkeit der Oer Wahlkampf am Donnerstag. Maßnahmen des Reichskommissars könne also in keiner Weise gezweifelt werden. — Auch die »Deutsche Zeitung" hofft, daß es sich bisher nur um eine Teilmaßnahme handele, der bald weitere folgen werden. Aus aller Welt. Die Strafanträge gegen die Lmher-AttentLiler. Prozeß gegen die Urheber des Pistolen- Attentats auf den Reichsbankpräsidenten Dr. Luther beantragte der Oberstaatsanwalt gegen D r. R o o s e n wegen Körperverletzung zwei 3ahre sechs Monate Gefängnis und wegen unbefugten Waffenbesitzes und Richtanmeldung einer Schußwaffe sechsMonateGe- fängnis, die zu drei wahren Gefäng- n i s zusammengezogen wurden, und gegen Kertsch en wegen Körperverletzung zwei 3ahre Gefängnis und wegen unbefugten Waffenbesitzes sechs Monate Gefängnis, zusammengezogen zu zwei Zähren drei Monaten Gefängnis. Deutsch-nordisches Studenlentreffen in Rostock. Das erste deutsch-nordische Studententreffen, an dem die studentischen Vertreter aus Finnland, Schweden, Norwegen, Dänemark, Holland, Belgien, Ungarn Spanien und Deutschland teilnahmen, wurde in Rostock eröffnet. Der Aelteste der Deutschen Studentenschaft, Schade- Hannover, führte aus, die Studentenjugend komme zusammen, weil die Not nicht gefürchtet, sondern weil ihr gesteuert werden solle. Wenn die Deutsche Studentenschaft zu diesem Treffen aufrufe, so deshalb, weil gerade ihre Not als Ausfluß des Vertrags- Werks von Versailles am größten sei. Staatsminister Dr. Scharff würdigte als besonderes Zeichen für den Geist der akademischen Ju- aend, daß sie trotz ihres Existenzkampfes, in dem sie schon in den Jahren der Ausbildung begriffen seien, Tagungen ins Leben rufe, auf denen kulturelle Probleme zur Erörterung stehen. Er gab der Freude Ausdruck, daß die gegenwärtigen kulturellen Beziehungen der jungen Generation Deutschlands und seiner nordischen Nachbarn durch Tage gemeinsamer Arbeit vertieft und ausgebaut werden sollen. Die ausländischen Studenten bat er, Verständnis auf- zubringen für die Verhältnisse des deutschen Volkes, das heute noch in der Welt um seine Ehre und um sein Recht weiterkämpfe. Der Rektor der Universität Rostock, Dr. Poppe, gab der Hoffnung Ausdruck, daß die alten Verbindungen zu der studierenden Ju- gend in den nordischen Ländern wieder ausgenommen würden. Dann hielten die ausländischen Stu- dentenvertreter Begrüßungsreden. Riesenfeuer bei Radom. — 120 Häuser eingeäschert. Die Ortschaft Bodlibozyoe bei Radom (Polen) ist einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen. 120 Hauser sind inAschegelegt worden. Zahlreiches Vieh ist in den Flammen umgekommen. Mehrere Personen, darunter drei Feuerwehrleute mußten mit schweren Brandwunden und in bedenklichem Zustande in das Krankenhaus nach Radom übergeführt werden. Ergebnis der amtlichen Untersuchung über Batas Tod. Die Kommission des Ministeriums für öffentliche Arbeiten in Prag hat das Ergebnis ihrer Unter- suchungüberdieFlugzeugkatastrophe veröffentlicht, bei der Thomas Bata ums Leben kam. Auch die Kommission hatte die Ursache des rätselhaften Unfalles nicht klarstellen können. Der Bericht spricht von zwei Möglichkeiten, die als Ursache für die Katastrophe in Frage kommen könnten. Die größte Wahrscheinlichkeit Hot die An- nähme, daß der Pilot im dichten Nebel jegliche Orientierung verloren hat. Bei dem Versuch, sich dem Erdboden zu nähern, Hot er donn im Nebel tne Höhenlage seines Apparates falsch eingeschätzt und ist mit Vollgas gegen die Erde ge- r a st. Als zweite Möglichkeit für die Ursache des Unfalls gibt der Bericht einen Steuerungsdefekt an. Bata hotte beim Start zum Todes- flug neben dem Piloten Platz genommen. Der Be- richt hebt hervor, daß dies zwar nie Batas Ge- pfloaenheit gewesen war, vielmehr habe er stets den für den Fluggast bestimmten Platz eingenommen. Berlin, 22. 3uli. (TU.) Zn Rürn- berg sprach der bayerische Ministerpräsident Dr. Held in einer Wahlversammlung der Bayerischen Dolkspartei. Anter Hinweis auf die Einsetzung des Reichskommissars in Preußen hob er hervor, er könne sich nicht von der Empfindung freimachen, daß die Reichsregierung irgendwelche Bindungen mit Parteien eingegangen sei. Obwohl er seinerzeit in Berlin seine Ansicht von der rechtlichen An- zulässigkeit der Einsetzung von Reichskommissaren in die Länder kundgetan habe, insbesondere wegen bestehender Fehlbeträge in den Länderhaushalten, habe die Regierung v. Papen mit der Einsetzung des Reichskommissars in Preußen diesen verhängnisvollen Weg beschritten, der ohne Anhörung der Länder und ohne vorherige Anterrich- tung unternommen, auf gewisse diktatorische Maximen schließen lasse. Wenn die Maßnahmen der Regierung v. Papen nicht bald wieder abgebaut würden, werde dieser Zustand zu einer irreparablen Katastrophe in Reich und Ländern führen. Auf einer Kundgebung der DRDP. in K a r l s- ruhe sagte Dr. Hugenberg u. a.: Wenn jetzt die Schwarzen und Roten im Reich und seit Mittwoch auch in Preußen ausgeschaltet seien, so sei damit die Aufgabe der Deutschnationalen doch nicht leichter, sondern unendlich viel schwerer, weil Auf- &au und praktische Arbeit schwerer seien, als Kritik. Es komme der Augenblick, in dem die Rechte in Deutschland vor der ungeheuer schweren Aufgabe stehe, die Schäden der dreizehnjährigen Mißwirtschaft wieder zu beseitigen. Der deutsche Staat könne nur aufgebaut werden auf dem Gesichtspunkt der Dezentralisation, nicht auf dem der weitgehenden Zentralisation. Die Länder müßten wieder die Träger der Verwaltung sein. Die Deutschnationalen seien mit dem Freiwilligen Arbeitsdienst einverstanden, aber auch mit einer Arbeitsdienstpflicht. Zur Frage Reich—Preußen be- wnte Dr. Hugenberg, daß in Berlin kein Kriegszustand zwischen den beiden Parteien bestehen dürfe. Die jetzigen Maßnahmen des Reichskanzlers stellten lediglich eine Fort- setzung der Rotverordnungspolitik des Kabinetts Brüning dar. Adolf Hitler übte in Hannover und in Braunschweig scharfe Kritik an der SPD. Wenn sie jetzt von Freiheit redeten, so vergessen Geständnis eines Sorengskoffattenläters. Der am 15. April d. Z. vom Kasseler Schwurgericht zu sechs Zähren Zuchthaus und zehn Zähren Ehrverlust verurteilte Schlosser Heinrich Kleinschmidt aus Waldeck hat jetzt im Zuchthaus ein umfassendes Geständnis abgelegt und eingeräumt. den Sprengstoffanschlag auf das Haus des Gemeinderechners Wiegand in Waldeck in der Rächt zum 5. Dezember v. Z. allein ausgeführt zu haben. Zn der Verhandlung vor dem Schwurgericht hatte Kleinschmidt die Täterschaft energisch bestritten, schließlich aber eine gewisse Mittäterschaft eingeräumt,' er wollte von zwei unbekannten Männern gegen Geld zur Herstellung der Sprengfüllung gedungen worden sein. Zetzt hat Kleinschmidt eingestanden, daß er d i e Tat allein ausgeführt hat. Er will aus R ach e gehandelt haben. Für die Sprengladung, die damals erhcbl.che Verwüstungen an dem Hause Wiegands anrichteke, will er zwei Sprengpatronen und eine Sprengkapsel, die er noch aus dem Kriege her besaß, verwendet haben. Auf Grund dieses Geständnisses hat Kleinschmidt ein G n a. den ge such eingereicht, das zur Zeit von den zuständigen Stellen geprüft wird. Absturz in den Bergen. Dieser Tage wollte eine Partie von drei Touristen von der Finsteraarhornhütte aus das Finsteraarhorn besteigen. Ungefähr auf halber Höhe zwischen der Hütte und dem Hugisattel stürzte einer der Touristen, Amtsgerichtsrat Wirths- w e i I aus Mannheim, in eine tiefe Gletscherspalte, aus der ihn seine Kameraden nicht zu befreien vermochten. Der zur Hilfe herbeigerufene Hüttenwart der Finsteraahornhütte befurchtet, daß der Verunglückte t o t ist und seine sie, daß sie 13 Zähre Dersklavungspolitik oetrie- em Die RSDAP hoffe, daß sie in eine geschichtliche Epoche eingehe, in der der Begriff Freiheit wieder respektiert werde und in der Disziplin und Ordnung die Grundpfeiler unseres Lebems sein würden. Am 31. Zuli gehe es nicht um die Regierungsneubildung oder gar um neue Koalitionsmöglichkeiten, sondern um den Kampf zweier Welten, die um den endgültigen Sieg ringen. An der Berufung des Kabinetts Papen habe er keinen Anteil. Es sei das Ziel der RSDAP., die mehr als 30 Parte ie n z u b e se i t i g e n. Rur beiZusammen. fassung der ganzen Ration zu einer politischen Einhei t und bei einer Zusammenarbeit aller Stände könne eine neue 9 W i 5 f a f t gebildet werden. Die RSDAP. habe Zähre hindurch den Kampf gegen die Verleumdung geführt. Sie werde auch jetzt des Terrors Herr werden. Ganz gleich, wie der 31.Zuli ausgehe, werde der Kampf der Bewegung weitergehen. Die Wahlpropaganda im Rundfunk. Berlin, 22. Zuli. (ERB.) Die parteipolitische Rednerreihe für den Wahlkampf im deutschen Rundfunk eröffnen am Montag, 25. Zuli, der christlich-soziale Abgeordnete Simpfenberg und v. H a u s ch i l d von der Deutschen Land- volkpartei; am Dienstag Minister Dietrich von der Staatspartei und Dr. Pfeifer oder Sch Wendt von der Bayerischen Volkspartei; am Mittwoch Drewitz von der Wirtschaftspartei und Dingeldey von der Deutschen Volkspartei; am Donnerstag Hugenberg für die Deutschnationale Volkspartei und Dr. Brüning für das Zentrum. Der erste Vortrag f.ndet regelmäßig von 19.00 bis 19.25 Ahr statt, Jet dtoeite dauert bis 19.50 Ahr. Am Freitag, 29. Zuli, folgt dann eine Rundfunkübertragung voraussichtlich von München her, in der der Führer der Rationalsozialisten Adolf Hitler oder der Reichsorganisationsleiter der Rational- soziallsten Gregor Straßer sprechen wird. Am Samstag spricht Otto W e l s für die Sozialdemokraten. - Die Reihenfolge der Vortragenden wurde paritätisch nach der Größe der Partei vorgenommen. Bergung nur sehr schwer möglich wird. Vom Zungfraujoch ist sofort eine Rettungskolonne abgegangen. — Der Fall ist insofern mertoüröig, al« der Verunglückte im vergangenen Zähre mit den beiden am Finsteraarhom abgestürzten Touristen Kahlig und Hentschel zusammen das Finsteraarhom besteigen wollte, dann aber verhindert war, wodurch er damals dem sicheren Tode entging. 10 000 Mark gestohlen. Einen empfindlichen Schaden erlitt ein Schreinermeister in Kassel. Er meldete der Kriminalpolizei daß ihm eine Kassette mit 1 0 000 ^amr9C^°^en Wie er angab, hat er öa« Geld vor einigen Tagen von einer Dank abgehoben und leichtsinnigerweise in seiner Wohnung aufoewahrt. Hitzewelle in Amerika. — Zahlreiche Todesopfer. Die in den Vereinigten Staaten ausgebrochene große Hitze forderte an einem Tage allein 21 Todesopfer. Fast ebensoviele Menschen ertranken. Ferner wird eine Riesenzahl von Hihschlägen gemeldet. Laut Voraussagungen der Wetterdienststelle ist für die nächste Zeit mit einer Abkühlung noch nicht zu rechnen. Vergwerksunglück in Brasilien. — Neun Tote. Eine schwere Explosion ereignete sich in einem Bergwerk im Staate Minas Geraes. Neun Bergarbeiter fanden den Tod. 112 Todesopfer dec Cholera in China. Nach Meldungen aus der südchinesischen Hafenstadt Amoy hat sich dort trotz aller behördlichen Maßnahmen die Choleraepidemie weiter ausgedehnt. Im Amoy sind der Krankheit bisher 112 Menschen zum Opfer gefallen. Aus der Provinzialhoupiffadi. Gießen, den 22.Zuli 1932. Besinnung auf die Familie! (Eine unpolitisch-politische Aerlenbekrachlung. Die Sonne lacht vorn blauen Himmel und spendet Wärme und Segen, heute wie in jedem Jahr. Die Wälder rauschen, die blauen Berge locken, Welle auf Welle rollt heran und verebbt am sandigen Meeresstrand. Die Ferienzüge verlassen die rnensch- lichen Massensiedlungen und jeder, der heule noch das Glück hat, feine tägliche Arbeit um einige Zeit unterbrechen zu dürfen, erhofft sich Emfamkeit, Stille und Besinnung. Aber die Ferienzeit des Jahres 1932 bleibt doch immer noch Bestandteil dieses Minzen Zeitabschnittes, der in diesem Iah: eine Krönung seiner Nöte und» Sorgen erfahren hat, wie sie viele Generationen vor uns nicht mehr kannten. Es sind Notferien, die das deutsche Volk in diesem Jahr verzeichnet. Und der Begriff der Fenen selbst ist ein etwas zwiespältiger geworden. Millionen Menschen sind seit Jahren vom Schicksal zu „Ferien" verurteilt, über denen von Monat zu Monat mehr s.ch der Schatten einer großen Verzweiflung senkt. Alle Gegensätze haben sich zugespitzt, keiner kennt die Zukunft, die außen- und innenpolitischen Fragen, die nun einmal das Leben des einzelnen bestimmen, sind ungelöst, und m dieser Ferienzeit 1932 winkt dem deutschen Volke ein Wahlkampf, wie es ihn in gleicher Auspeitschung der politischen Leidenschaften noch niemals erlebt hat. Keiner von denen, denen es noch vergönnt ift, wirklich Ferien, also Urlaub vom Alltag, zu feiern, wnü sich von seiner Umwelt und den Sorgen seines Volkes loslösen können, daß er darüber das graue Geschick dieser Elendszeit vergäße.' Aber noch niemals hat eine Nation mit Selbstanklagen, Hoffnungslosigkeit und Grau-in-Grau-Malerei ihr Los gewendet. Es kommt in diesem Jahre mehr als je darauf an, sich die karg bemessene Ferienzeit durch Trübsinn und Schwarzseherei nicht verleiden zu lassen. Gerade die Zukunft, über deren Schwere wir uns ohnehin keinen Täuschungen hingeben, braucht an Leib und Seele ausgerichtete und gesunde Menschen, die sich als letzte Krastreserve einen nicht klein zu kriegenden Mut zum Dasein bewahrt haben. Die Ferienzeit darf weder banalisiert werden durch ein flaches und ideenloses „Amüsement", noch darf sie beeinträchtigt werden durch ein gegenseitiges snch-Miesmachen und ein Rauben der Lebensfreude, die heute notwendiger ist denn je. Was jedoch gerade diesen Ferien ihren Wert und ihrs Bedeutung verleihen könnte, wäre eine anzustrebende Verbindung von körperlicher Entspannung und seelischer Besinnung auf die unvergänglichen Werte, die der Zeit zum Trotz in die Zukunft hin- übergerettet werden müssen. Nicht Wohlstand und äußerliches Glück, nicht staatlicher Glanz und Größe, nicht satte Zufrieden- heit gewährleisten die Härte und Ausdauer eines Volkes im Kampf um fein Dasein, sondern es sind ganz allein die Werte der Seele und Kultur, die jeden äußeren Machtanspruch, die Freiheit und Glück erst innerlich rechtfertigen. Weil es in diesem Jahre Ferien im Schatten der Politik und der Massen-Not sind, hat der einzelne die Pfsicht, einmal abseits von allen vorgefaßten Meinungen, von allen Parteidogmen und Gedankenschemen jene Fragen zu durchdenken, die heute zur Lösung uns aufgegeben sind. Es sei keineswegs sogenannten „entpolitisierten" Ferien das Wort geredet. Die Politik ist, ob wir wollen oder nicht, nun einmal unser Schicksal. Und die Reichstagswahl am letzten Tag des Juli gibt dieses Schicksal einem jeden von uns in die Hand. Dorgeschlagen sei lediglich als Ferienaufgabe dieses Jahres eine Beseelung und Vertiefung jener aus dem Gefühl geborenen Erkenntnisse, die der Geist zu kontrollieren hat, urjb die sich im Tageskampf in Wirklichkeit umzusetzen haben. Es ist heute viel von Staats- und Vejffassungs- reformen die Rede. Die einen versprechen sich alles vom Apparat ihrer Partei, die anderen wollen die Parteien durch die Stände ersetzt sehen, viele träumen von der Auflösung aller Bindungen, manche erhoffen sich von einem Zwangsstaat die Behebung ihrer eigenen und der Gesamtnöte. Aber nicht der Apparat und nicht die Organisation, nicht der Stand allein, und noch weniger schrankenlose Freiheit oder Oer unterdrückte Schrei. Von Hans Natonek. Das schmale fünfjährige Kerlchen spielte gern auf dem geräumigen Küchenbalkon. Das Klettern war ihm eindringlichst verboten. Ueberbies hatte das Mädchen in der Küche aufzupassen. Einmal war das Mädchen fortgegangen, und der kleine Hans tummelte sich auf dem sonnigen Küchenbalkon, der im dritten Stock lag und auf einen großen, gartenähnlichen Hof hinausging. Was haben sie nur, die Leute, drüben an den Fen- ftern?! Sie rufen etwas, sie winken und gestikulieren erregt. Hänschen beachtet es nicht. Er ist vergnügt und intensiv beschäftigt, sich «lrch die gußeisernen Gitterstäbe des Küchenbalkons hindurchzuzwängen. Und, au, fein, es geht! Schon ist er außen auf der schmalen Kante des Balkons und beginnt, die Hände am Eisengitter, ahnungslos feinen vergnügten Spaziergang über der Tiefe. Die Mutter kommt in die Küche, die leer ist und sieht durch die offene Balkontür ihren Jungen draußen, jenseits der Gitterstäbe, auf dem kaum halb- meterbreiten Bord herumturnen. Ihr Herzschlag stockt. Ihr ist, als müsse sie umsinken und, ehe sie umsinky einen Schrei, einen schrecklichen Schrei ausstoßen. Und dann Nacht und Dunkel ... Aber sie schreit nicht, sie sinkt nicht um, sie hält den Atem an, es bleibt hell in ihr, überhell; überwach ist sie. jeder Nero, jeder Muskel übermenschlich gespannt. Lautlos sie sich an den Balkon heran — ein Sprung, jetzt hat sie den Jungen am Schopf, umfaßt den kleinen Körper und hebt ihn über das Gitter. Hänschen weiß gar nicht, warum die Mutter so merkwürdige Augen macht und so bleich ist im Gesicht, als ob sie krank wäre. Was sie nur hat! Und im Zimmer sinkt sie um, aufs Kanapee, und kann nicht mehr. * Erst viel, viel später habe ich begriffen, was er bedeutet hat, dieser nicht geschriene Schrei, diese nicht erlittene Ohnmacht, diese Sekunde voll Ewigkeit. Der Aufschrei der Mutter, — und der Junge hätte sich totsicher erschrocken und das Gitter losgelassen. Der Balkon lag im dritten Stock, und Hofpflaster ist kein Daunenkissen. Nun, das wäre vorbei gewesen. Es ist nicht meine ^ache, zu überlegen, ob dabei etwas verloren gegan- gen wäre. Mutter hat in jener Sekunde nicht ge- schrien, das ist eine Taffache. Ihre ganze Kraft war m diesem Nichtschrei. Sie hat sich über mich geworfen, em Sprungtuch von oben und eine tragende Wolke; sie hat sich herangeschlichen und hat zugepackt, sie hat ihrem versagenden Herzen das Letzte abge- rungen: sie hat die Ohnmacht in Macht verwandelt. Es war die große historische Sekunde einer Mutter. Ich werde ihn nie vergessen, diesen unterdrückten Schrei. Ich höre ihn, den keiner gehört. Ich sehe den Küchenbalkon im dritten Stock über dem Hof, wie- rootjl das alles längst aus der Sichtbarkeit gelöscht ist. Ich fühle den starken Arm, der mich emporhebt. Und ich glaube: so reißen mich Mutters Hände immer und immer von jedem Absturz zurück und tragen mich. Spielzeug unter Wasser. Von Paul Eipper. Als Kind habe ich an der Nordsee zum erstenmal em Seepferdchen gesehen; später traf ich sie Zu Dutzenden, wenn ich an der Mittelmeerkuste „auf Beobachtung" ausging. Und hinter der großen, dicken Scheibe des Aquariums erblickte ich an einem heißen Sommermorgen wohl zweihundert dieser entzückenden Geschöpfe des Meeres. Stunde um Stunde blieb ia) oor dem klaren Becken, heiter gestimmt durch diese knorpeligen humorvoll gedrechselten Schach- fptelfiguren des Ozeans. Was sind eigentlich „Seepferdchen"? Doch wohl keine Insekten, Lurche auch nicht, Molche, Schlangen? ri$V9e fische, echte Knochenfische, deren Schwanz sich zu einem Greiforgan entwickelt hat. Sie leben aufrecht im Wasser, und so wird die merk- würdige Haltung des Kopfes besonders erkennbar, der nicht, wie bei allen anderen Fischen, die Verengerung des Rumpfes ist, sondern sich im rechten Jüintel nad) vorn neigt. Stolz, mit vorgewölbter Brust, stehen die Tierchen im durchsichtigen Naß; sie haben lange Strahlenstacheln über Stirn und Rücken bis zur schonen Ringelkurve unten am Schwanz und bilden neugierig aus sehr beweglichen, fast gestielten Kugelaugen. Zuweilen wandert das eine oder das andere gravitätisch davon, ohne Antrieb scheinbar; doch bei näherer Betrachtung sieht der Mensch an ihrem Rücken — wie bei den Engeln Raphaels — ein schimmerndes Flügelchen, einen rastlos kreisenden Propeller. Dort, wo bei den Säugetieren die Ohren sitzen, surren noch zwei, aber ganz winzige Privatpropeller. Wenn die Seepferdchen genügend lange in ihrem nassen Reich spazierengegangen sind, vorwärts und rückwärts, sinken sie langsam auf den Grund, und dann sieht es so aus, als säßen diese langgeschwänzten, fußlosen Tiere auf einem gebogenen Stahlrohrstuhl, weil sie ihren langen Schweif nunmehr nach hinten ausschwingen, zur Stütze auf den flachen Sand. Sie machen gleichsam eine Verbeugung und sinken vornüber bis die lange spitze Pferdeschnauze den Boden berührt. Schau, eins hat sich um die Rispe der Wasserpflanze gerankt und turnt. Drei schlingen sich zusammen und wiegen ihre Körper pendelnd im Strom; ein anderes äst am Grund, und fein Pro- pellerflosfenschlag wird immer schwächer, ruht schließ- lich ganz. Dafür richtet sich am knorpeligen Rücken und am Hinterhaupt die feine Strahlenmähne steil nach oben. Plötzlich taucht das Tier senkrecht hoch, „fährt Auszug" und wird übermütig. Es biegt den senkrechten Strich feines Körpers rückwärts zu einem Kreis und fpielt Akrobat, schwimmt von hinten nach vorn, und die Propeller kreisen gewissermaßen innerhalb ber Manege, die durch den Bogen des gekrümmten Leibes entstanden ist. Ein Seepferdchen hat einen zebragestreiften Bauch, es rudert zuweilen horizontal. Unwirklich schön sind die Albmoformen, zwei weiße, milchig durchschei- nenbe, befonbers fein gedrechselte Spielzeugwesen. Und hier in dieser abgeschlossenen Hut der unteren Ecke kost ein Liebespaar, schmiegt Kopf an Kopf Brust an Brust und Leib an Leib. Ihre Zärtlichkeit treibt anscheinend auch das Fischblut schneller durch ihre Körper; siehe, ihre Haut erglänzt in satter, metallisch leuchtender Farbe! Zeitschriften. Das Augustheft der „K u n ft" (Verlag F. Bruck- mann AG., München) ist reich an großen vorzüglichen Abbildungen. Den Rahmen geben eine Reihe fesselnder Textbeiträge z. B. das Gespräch mit einem jungen Bildhauer — die Kunst in Düsseldorf — es begegnen sich Düsseldorf und München — die Beschreibung des projektierten Kunstausstellungsgebäudes in München, das als Ersatz für den abgebrannten Glaspalast dienen soll, eine illustrierte Besprechung der viel umstrittenen Rossebändiger vor der Technischen Hochschule in München — Die Berliner Kunstausstellung „Sonne, Luft und Haus für Alle", die als Hauptattraktion das „wachsende Haus" behandelte, ist mit einer großen Bilderzahl vertreten. Weitere Aufsätze handeln über Maß und Un- maß in der Architektur, über neue französische Wohnungskunst, über den schön gedeckten Tisch, moderne Uhren und über ein Landhaus in Meers- bürg om Sobenfee, das sich durch ausgewogene Verhältnisse und handwerkliche Gediegenheit seiner Ausstattung auszeichnet. Was jugendlichen Lesern gefällt. „Wie verbringe ich meine freie Zeit?" Diese Frage wurde 2637 männlichen und 2554 weiblichen Ju- gendlichen oorgelegt, und aus den sehr aufschluß- reichen Antworten, die in der Schriftenreihe des Deutschen Archivs für Jugendwohlfahrt verarbeitet werden, finden sich schon jetzt einige interessante Mitteilungen in der „Literarischen Welt". Bei 73 Prozent aller Antworten stand das Bücherlesen an erster Stelle. Unter den Schriftstellern, die am beliebtesten sind, wurden von den Jungen am häu- figften Karl May, nämlich 91mal, von den Mädchen die Courths -Mahler, 93mal genannt An zweiter Stelle steht bei den Jungen Jack London mit 55 Erwähnungen, bei den Mädchen Gang- Hofer mit 62. Dann folgen bei den männlichen Jugendlichen: R e m a r q u e mit „Im Westen nichts Neues" 47mal, Edgar Wallace 32mal, Frank Allan 30ma(, der ältere Dumas 29mal, mit ebensoviel Stimmen Gustav Frey tag, Zane Grey 22mal, Lons 9mal. In der Gunst der Mädchen steht Gustav F r e y t a g mit 37 Benennungen an dritter Stelle, dann kommen Theodor Storm 25ma(, Richard Voß 20mal, Thomas Mann 20mal' Dumas 19mal, ß a g e r l ö f llmal. lieber die Gründe für diese Vorliebe werden einige typische Ank. worten mitgeteilt. So schreibt ein 17jähnger Rad- sahrer: „Die Bücher von Karl May sind sehr spannend und klingen, trotzdem sie es vielleicht nicht sind, glaubhaft. Die Bücher sind auch sehr lehrreich." Ein Bureaubote von 15^ Jahren meint: -Ich lese sehr gern Bucher, namentlich Jack London, Seereisen, Abenteuer und Reiseberichte. Das letzte Buch, web ches ich las, heißt ,Herry der Insulaner" von Jack London. Besonders hat mich daran gefreut, wie Jack London die feinen Gefühlssinne eines Hundes zu schildern weiß." Ein 16jähriger Arbeiter betont, daß ihm an „Im Westen nichts Neues" am besten die „Kameradschaftlichkeit der genannten Personen" gefallen habe. „Mein letztes Buch, das ich gelesen habe, hieß „Seefahrt ist Not", bemerkt ein 16jähriger Auto- schlosser. „Mit hat besonders daran Die Tapferkeit der deutschen Flotte gefallen. Wie sie das Schiff bis Zum letzten Augenblick verteidigen und sich nicht ergeben, sondern es versenkten." Eine 16^jährige Arbeiterin bekennt sich als eifrige Leserin der Courths- Maler. „Da habe ich zuletzt gelesen „Die Kraft der Liebe", und bann habe ich gelesen „Menschenherz, was ist dein Glück?" Das fand ich sehr traurig, und sowas lese ich zu gern." (Eine 16>4 jährige Verkäuferin schreibt über Freytags „Soll und Hoben": „Es hat mir besonders darum gefallen, weil ich Verkäuferin lerne." Not erien von 1932. zwar am 14. Januar 1882. Als Zweck setzten sie sich „Studium der Literatur und Kunst, insbesondere das der Deutschen"; dieses Ziel suchten sie zu einer bedeutsamen Rede fünf Schülern, von denen heute noch zwei am Leben sind — später ist die Zahl auf 12 angewachsen — die unmittelbare Anregung gab, ein Lesekränzchen zu gründen, und ....______Deutschen"; dieses Ziel suchten sie zu erreichen durch Lesen von Dramen, Gedichten und Aufsätzen, weiter durch eigene Vorträge und Aufsätze, Schilderung der Zeitverhältnisse und Charak- tere, Aufführungen, woran sich sogar befreundete junge Damen beteiligten, u. a. Der Geist, für den hier eine Form geschaffen werden sollte, drückt sich in dem Gedichte eines Wickingers aus: 50Jahre Tumerschast im VC. Arminia zu Gießen. Vornolizen. — Tageskalender für Freitag. Lichtspielhaus Dahnhefstraße: „Rasputin". — Protestkundgebung gegen Ren - ten-Abbau. Gegen die wiederholten Renten- kürzungen bei den Kriegs- und Arbeitsopfern will sich der Reichsbund der Kriegsbeschädigten in einer Kundgebung wenden, die am Sonntag, 24. Juli, vormittags 10.30 Uhr auf der Liebigs- höhe stattfinden wird. Redner ist der Dunbes- vorsitzende Pfändner, Berlin. Alle in Betracht kommenden Behörden und Parteien, denen das Schicksal der Kriegsopfer am Herzen liegt, besonders alle in Betracht kommenden Kreise der Bevölkerung sind zu der Kundgebung eingeladen. (Siehe heutige Anzeige.) "DerObst-unbGartenbau-Verein Gießen veranstaltet am kommenden Sonntag, 7.30 Llhr, eine Besichtigung der Dereinsgärten. Die Teilnehmer treffen sich am ©ingcin.9$tor. sicheres W aus der heutigen Anzeige ersichtlich. pur. Die feierliche Erneuerung des alten Bundes fand in einer Julinacht auf dem Dünsberg statt. Die bloße Beschäftigung mit der Literatur befriedigte jedoch diese jungen Studenten nicht recht, man wollte auch das Studentische mit einbeziehen und im Dienste einer bestimmten Idee praktisch tätig fein. Dieser Drang sollte nur allzubald seine Befriedigung finden. Zu Anfang des Wintersemesters 1885 86 traten zwei von auswärts nach Gießen gekommene Glieder des ADD. dem Derein bei, machten ihn mit den Prinzipien ihres Bundes bekannt, wobei sich herausstellte, daß das, was an allgemeinen Gedanken und Idealen im früheren Wickingerbund gelebt, aber in seinem Rachfolger, dem Literarischen Derein, noch keine Form und Richtung gewonnen hatte, sich wesentlich berührte mit den Grundgedanken und Zielen des ADD. Der Derein wandelte sich am 26. Rovernber 1885 in eine ADD. »Burschenschaft Arminia um, nahm das Prinzip der unbedingten Satisfaktion an, als Farben schwarz-gold-rot, neben denen man heute noch im Weinzipfel die alten Farben grün-gold-purpur trägt. Der alt-bur- schenschaftliche Wahlspruch „Freiheit, Ehre, Vaterland" wurde der ihre, daneben die Worte: „Vorwärts zum Ziel! Aufwärts zur Wahrheit". Das Prinzip der „Sittlichen Freiheit", das im Mittelpunkt der alten Burschenschaften von 1815 stand, ward ihr bestimmendes Leitmotiv, mit dem die Arminia alle großen Fragen behandelte, sei es das Keuschheitsprinzip, die Alkohol-, die soziale und parteipolitische Frage, vor allem aber die Frage der konfessionellen Verbindungen. Die Kommilitonen von einst wissen ja noch gut, wie im Jahre 1905 vom „Verband Deutscher Hochschulen ein scharfer Kampf gegen die damals wie Pilze aus der Erde schießenden katholischen Korporationen geführt wurde, um sie, wo möglich, aus dem studentischen Leben verschwinden zu lassen, ein Kampf, an dem sich auch der ADD. beteiligte, mit Ausnahme der Arminia, die diesen Kampf als schwersten Verstoß gegen die „sittliche Freiheit" empfand und im ADD. einen diesbezüglichen Beschluß nach heftigen Auseinandersetzungen durchsetzte. Wie im Literarischen Verein nahm der „Wissenschaftliche Abend" im Leben der Arminia einen großen Raum ein, ebenso wurde von vornherein fleißig geturnt, wozu man die Turnhalle des Gymnasiums für zwei Abende der Woche für 40 Mark mietete, daneben Wanderungen betrieben, das Jntersse für geistige Fra. gen rege gehalten; so beteiligten sich, teilweise in den führenden Rollen, die Arminen fast vollzählig am Lutherfestspiel, das im Sommersemester 1888 in der hiesigen Stadtkirche unter großem Zulauf aus nah und fern wochenlang aufgeführt wurde. In den ersten 10 Jahren ihres Bestehens erlebte Arminia trotz Auftretens innerer Krisenein starkes Aufblühen, so daß sie im ADD. eine führende Stellung einnehmen konnte. Doch um die Jahrhundertwende zeigten sich schon Destrebun- gen in der Korporation, die Gegensätze zu den Prinzipien des ADD. hervorriefen, vor allen Dingen war es die Rassen- und Mensurfrage. Im SS. 1898 mußte Arminia suspendieren, da die inneren Krisen ein Weiterarbeiten im burschen- schaftlichen Geiste unmöglich machten, trat jeboch im WS. 1903/04 wieder ins Geben. Rach Beendigung des Krieges, dem auch die Arminia teure unvergeßliche Opfer bringen muhte, war es vor allem die Mensurfrage, die sie immer mehr dem ADB. entfernte. Durch die Verwerfung der Destimmungsmensur im ADB. sah sie sich in ihrer Fortentwicklung gehindert. Schon in den Jahren 1921, dann 1924 erstrebte Arminia die Einführung der Destimmungsmensur und damit den Anschluß an einen entsprechenden Verband. Derabredungsmensuren wurden ja schon immer geschlagen, so 1889 und 1890 mit der VC.- Turnerschaft „Philippina", seit 1909/10 mit der damaligen Sängerschaft Chattia, 1920 bis 1926 27 mit der Freien Burschenschaft Rormannia, alle drei in Marburg. Im SS. 1926 traten aufs neue Austrittsbestrebungen hervor, die bann im WS. 1926/27 zum Ziele führten. Am 19. Februar 1927 erklärten Aktivitas und AHD. ihren Austritt aus dem ADD. Die Korporation behielt ihr altburschen- Ein halbes Dutzend studentischer Korporationen kann in diesem Semester Jubelfeste begehen, darunter die T u r n e r s ch a f t in D. C. Arminia, die am 23. und 24. Juli 1932 auf 50 Jahre zurückblicken und ihre schwarz-gold-roten Fahnen in den Straßen unserer lieben Universitätsstadt Gießen flattern lassen darf. Diele Alte Herren haben sich angemeldet, es hält sie nicht mehr in ihrem Philistertum zu Hause, es bringt durch ihre Seele das Wort Marquis Posas: „Sagen Sie ihm, daß er für die Träume seiner Jugend soll Achtung tragen"; mächtig packt sie die Sehnsucht nach einer Wiederkehr ihrer goldenen Tage, es ergeht ihnen wie dem Karl-Heinz im „Alt-Heidelberg" beim Erscheinen des früheren Corpsdieners, er muß dem Zuge seines Herzens folgen, er holt feine alte Mütze und Band hervor und unter dem Rufe: „Ganz besiegt habt ihr mich nicht, ganz nicht!" eilt er fort, um nach Heidelberg zu fahren. Ihre Wurzel hat die Arminia im „Wickinger- bunde", einer Schülerverbindung des diesigen Gymnasiums, dessen Direktor auf Weihnachten 1881 mit Ein solches Ziel ist es, das zu erreichen Wir uns bestreben, und ein schönes Ziel, Und kostet es uns auch der Mühen viel, Wir werden nie und nimmer rückwärts weichen. Und unser ernstes Streben soll's bezeugen, Daß wir nicht treiben eitles Kinderspiel. Dann wird auch unseres Schiffes sichrer Kiel Sich niemals der Gewalt des Sturmes beugen. Don Goethes Genius ein Funken nur Mög uns den Weg zum hohen Ziel erhellen, Und Schillers hehrer Geist zeig' uns die Spur. Doch sollte, fern noch unsrem Ziele schon An Klippen unser Schiff einstmals zerschellen. Dann war das Streben selbst der schönste Lohn. Da sie sich besonders mit der nordischen und deutschen Mythologie beschäftigten, nannten sie sich „Wickinger", das Kränzchen „Wickinger-Bund", und jeder einzige wählte sich aus der deutschen Heldensage ober Literatur einen Namen, den er in ihrem engeren Kreise führte: Beowulf, Erek, Freibank, Reineke, Titurel, Ortwien, Harald, Parzival, Volker, Rüdiger, Jwein, Lohengrin. Die bürgerlichen Namen gerieten fast in Vergessenheit. Jeden Sams- tag mittag versammelte man sich auf dem Zimmer eines Mitglieds, einer geräumigen Dachkammer, der sogenannten „Laterne", später im Erdgeschosse eines Hauses in welchem die Witwe des Universi- täts-Prof. Bratuschek wohnte, dessen früh verstorbener Sohn Wickinger war. sliit Hilfe von Pappe hatte man den Raum, die „Grotte", traulich ausgestattet. Die Satzungen des Bundes wurden im „Balk" zu- fammengefafjt. Der Vorsitzende hieß „Jarl", der als Zeichen seiner Würde den „Mjöllnir", einen hölzernen Hammer führte. Die Versammlung nannte man „Thing", die Mitglieder Thinggenossen. Von besonderer Bedeutung waren die Geburtstagsfeiern Herders, Goethes und Schillers. Ein reges geistiges Leben herrschte, das Verzeichnis der behandelten Thematen enthält 171 Nummern. Daneben fehlte es nicht an herrlichem Humor, wovon die noch erhaltene Kneipzeitung Zeugnis ablegt, ebenso nicht an geselligen Vereinigungen in nächtlicher Stunde im Walde, in den unterirdischen Räumen der Burg Gleiberg, hoch oben auf dem Gipfel des Dunsbergs, wo man bei Feuerschein, tzewürzt durch Vortrage und Reden, Trinkgelage abhielt. Schon nach zwei Jahren, März 1884, kam die Auflösung des Wickingerbunbes; einige Wickm- ger gründeten als Studenten im Sommersemester : 1885 eine Verbindung gleicher Tendenz, den „Lite- I rarifebem Derein" mit den Farben grün-golb-pur- schrankenloser Zwang verleihen einem Volke die innere Harmonie und organische Einheit, sondern die frei gewählte Verantwortung gegenüber der frei gewählten Bindung. Die Kirche beider Konfessionen hat den Begriff „Stand" in einer ganz einfachen linb dafür um so entscheidenderen Bedeutung erkannt. Sie spricht nämlil) vom „Stand der Familie". Die Familie allein ist liejenige, die jedem Verantwortung und Pflichten auferlegt, die uneigennützig allein der Zukunft dient. Sie ist die unterste Zelle, in der Einzelsinn und Einzelglaube, Einzelegoismus und Einzelfreiheit aufhören, und von wo aus sich die Kraft einer innerlichen verbundenen Gemeinschaft auf den Staat als das Gemeinwesen und die Familie aller überträgt. Die Familie ist die eigentliche Quelle des kulturellen Lebens. In ihr ift der Boden, aus bem in zwei wurzelhaft verbundenen Stellen Staat und Volkstum wachsen. Aus ihr verjüngt sich die Gemeinschaft, aus ihr speisen sich die unversiegbaren Kräfte des Volkes immer aufs Neue. „Be Innung auf die Familie!", bas ift der Sinn der Räuber in den städtischen Anlagen. Dom städtischen Hochbauamt wird uns geschrieben: Die mit vielem Aufwand an Arbeit und Unkosten gerade in diesem Jahre ausgebauten städtischen Anlagen sind in den letzten Wochen, als alles in bester Blüte stand, von rohen Händen in so häßlicher Weise ausgeräubert worden, daß wir uns veranlaßt sehen, der Oeffentlich- keit davon Kenntnis zu geben. Besonders die Beete rings um das Stadttheater sind so stark geplündert worden, daß es dem städtischen Hochbauamt bei dem wesentlich erweiterten Umfang der Anlagen nicht möglich ift, unbegrenzte Rejervemengen der sehr verschiedenartigen Blütenpflanzen zur Verfügung zu halten. Dabei ist das Herausreißen gerade deshalb so unsinnig, weil diese Pflanzen nicht durch Samen, sondern nur durch Ableger sich fortpflanzen. Komplizierte Züchtungsversuche, die gewissermaßen das Geschäftsgeheimnis unserer Lieferfirma darstellen, sind notwendig gewesen, um die eigenartige Farbengebung erreichen zu können. Wenn sie also herausgerissen sind, vergehen sie in kurzer Zeit und müssen bann fortgeworfen werden, während sie in den Blumenbeeten noch lange Zeit zur Freude aller weiterblühen könnten. Wir führen nachstehend die Diebstähle der letzten Wochen ausführlich an, um die Roheit der Handlungsweise besonders zu kennzeichnen. Es wurden gestohlen: Am 13./14. Juni: eine große Anzahl Stiefmütterchen am Stadttheater. Am 25. Juni: wurden 15 Blütenstengel des Fingerhutes in der Nordanlage abgeschnitten, ferner zirka 50 Blütenstengel der Stauden in der Westanlage. Am 27. Juni: 7 Geranien aus dem Mittelbeet am Stadttheater. Am 10./ll.Juli: verschiedene Begonien am Stadt- theater. Am 16./17. Juli: 16 Geranienpflanzen von einem der Seitenbeete neben dem Stadttheater. Durch notwendige Nachpflanzungen infolge der fortgesetzten Diebstähle sind die Bestände der Stadtgärtnerei gerade in den seltenen blauroten Geranien erschöpft, so daß es nicht möglich ift, die entstandenen Lücken wieder zu schließen. Wir geben diesen Tatbestand hiermit der Deffent- lichtest bekannt und bitten gleichzeitig die Ein- wohner, uns in dem Bestreben zu unterstützen, unsere Anlagen vor den rohen Räuberhänden zu schützen. fchaftllches Prinzip „Freiheit, Ehre. Vaterland*, gab sich aber eine neue Verfassung, führte De- ftimmungsmensur und Fuchsenfarben ein. erhielt eine nicht unwesentliche Verstärkung burch Heber* tritt ber in gleicher Richtung marschierenden Ak- tivitas und eines großen Teils des AH.-Dunbes ber'ADD.-Durschenschaft Suganaria Bonn, die ebenfalls aus dem ADD. ausgetreten waren, mel- bete sich alsbalb xum Eintritt in den „Verband ber Turnerschaften auf Deutschen Hochs chulen (DC.). Dereits auf dem Ver- banbstag, Pfingsten 1928, sand die vorläufige, unb 1929 ble endgültige Aufnahme in ben Ver- banb statt, in bem jetzt bie Arminia als nunmehrige .Turnerschaft" ihr Heim gefunben hat unb zusammen mit ber Turnerschaft Hasso-Rassovia an der Gießener Universität unter ber Devise „Mens sana in corpore sano“ für den DC. zum Wohle eines neuen großen Deutschlands leben unb wir* Jen will. 90 Korporationen ist der VC. stark, hat in Dlan- kenburg, seinem Verbandstagungsort in Thüringen. einen gewaltigen Sportplatz, wie ihn kein anderer Verband zur Zeit aufzuweisen vermag, mit mächtigen Hochbauten, bie etwa 150 Studenten Wohnräume zur Verfügung stellen bei Tagungen unb Abhaltung von Wehrsportlagern, angesichts des vom DC. neu erbauten mächtigen Turmes auf bem Greifenstein, bem Ehrenmal ber im Weltkriege gefallenen Derbandsmitglieber. So schreitet benn bie Arminia in bie kommenden 50 Jahre hinein, die alten Geschlechter treten ab. neue Geschlechter treten auf. Mögen sie als rechte Turner ben Geist ber Väter wahren, wie es bie letzte Strophe bes Arminenliebes, ble nach bem Kriege im Jahre 1921 von seinem Verfasser hinzugedichtet wurde, besagt: Arminia! 3n unerhörter Zeit erstarktest du. Gewannst du neues Geben. Run wirke für die deutsche Ewigkeit, Der schönen Zukunft gelte all dein Streben! Doch nie vergiß des „Glückes Unterpfand", Rie Alt-Arminias schwarz-golb-rote Fahne. Zur Wahrheit vor! Zum Ziel empor! Hellsichtig ahne das Heil in Freiheit, Ehre, Daterlanb preffeprozeß in Hungen. ♦ Hungen, 21. Juli. Dor dem hiesigen Amtsgericht wurde gestern eine Privatklage des Bürger- Meisters Adolf Hofmann von Rodhcim a. d. Horloff gegen den Redakteur Karl Bremer von der „O b e r h e s s i s ch e n Volkszeitung" in Gie- hen wegen Beleidigung durch die Presse verhandelt. Der Klage des Bürgermeisters lag ein Bericht aus Rodheim in der ,/Oberhessischen Volkszeitung" von Anfang April zugrunde, in dem bas Gericht auf Grund der Beweiserhebung den Tat- bestand der Beleidigung als gegeben ansah. Redakteur Bremer wurde wegen Beleidigung des Bürgermeisters Hofmann zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt. Wettervoraussage. Die Luftbruckoerhällnisse haben sich seit gestern nur wenig verändert. Stärkere Gegensätze zwischen dem im Westen lagernden hohen Druck und dem tiefen Druck auf dem Festlande bestehen nicht. Unvermindert hält auch die Zufuhr von wärmerer und kühlerer Ozeanluft an, so daß vorerst mit einer Fortdauer des herrschenden Witterungscharakters zu rechnen ist. Eintrübung wechselt mit kurzer Aufheiterung, zeitweise treten Niederschläge auf. Die Temperaturen steigen nicht weiter an, vielmehr dürfte geringe Abkühlung eintreten. Au^isichten für Samstag: Fortdauer des wechselnd wolkigen, kurz aufheiternden Wetters mit wenig veränderten Temperaturen und leichten Niederschlägen. Aussichten für Sonntag: Noch keine wesentliche Aenderung der Wetterlage ersichtlich. Lufttemperaturen am 21. Juli: mittags 18,6 Grad Celsius, abends 15,0 Grad , am 22. Juli: morgens 15,0 Grad. Maximum 20,2 Grad, Minimum 10,5 Grad. IVEA Sonnenqebräunte Haut *CREME oder aber NIVEA* ÖL ______- ■ Großer Kassenschrank m. durchgehend. Tür u. eine Küche mit Gasherd umständehalber sehr billig ab- zugebeben. Schrift!. Angeb. unt. 04361 an den Gieß. Anz. Auto-Geiegenbeitskänfei 4 PS Opel-Lieferwagen mit Kasten- ausb.,geschl.Führerhaus, generalüberholt. iebr billig m»A Opel, Gießen FrM.Str.S2, 1,1.2847 Krupp-Diesel 35 PS, weg. Vergrößerung billig zu verkaufen. Schriitl. Anfragen erbeten unter 5417V a.d.Gß.Anz. | Mietgesuche | eurtic eine =w2u 5-6-Zimm.-Woling. mit boö unö duöehör, evtl, auch Gartenanteil zu mieten und bitte um geil. 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Jetzt liegen auch die ersten praktischen Erfahrungen der Stadtrandsiedlung vor. Eine einzige Tatsache kennzeichnet das Ergebnis: Die Kommunen, die sich sämtlich zunächst gegen die Stadtrandsiedlung gewehrt halten, sind umgestimmt und betreiben selbst die Stadtrandsiedlung mit größter Energie. Von allen Siedlungsversuchen hat sich für die Erwerbslosen am besten die Stadtrandsiedlung bewährt, sie kann deshalb auch im Rahmen des freiwilligen Arbeitsdienstes einen viel breiteren Raum einnehmen, als man ihn ihr zunächst wahrscheinlich zuweisen wird. Weitere Möglichkeiten. Gibt es über diese Gebiete hinaus noch andere Möglichkeiten einer gemeinnützigen Tätigkeit des Arbeitsdienstes? Reichsbankpräsident Dr. Luther hat, wenn auch in vorsichtiger Form, diesen Weg gewiesen: die Wiedereinstellung Arbeitsloser in solche Teile der Produktion, Fabriken usw., die keine Konkurrenz für die noch laufenden Betriebe bilden. Dieser Weg ist gewiesen beispielsweise durch die Eröffnung einer gemeinnützigen Haspelfabrik für deutsche Seiden in Celle, die kürzlich erfolgte. Arbeit gibt es genug! Welche Aufgaben warten auf den Arbeitsdienst? Das Arbeitsdienstproblem steht im Brenn- punkt des öffentlichen Interesses. Der Streit geht darum, wieviel Arbeitsdienstpflichtige | untergebracht werden können. Der nachfolgende Aufsatz unseres tt. V.-Mitarbeiters versucht, auf diese Frage eine Antwort zu geben. D. Red. Der freiwillige Arbeitsdienst soll zunächst mit 200 000 Mann einfetzen. Dieser Anfang ist vorsichtig genug, wenn man bedenkt, daß dank der Bemühungen zahlreicher Verbände bereits 30—40 000 junge Menschen ohne jede staatliche Unterstützung im freiwilligen Arbeitsdienst beschäftigt sind. Die Berichte aus den einzelnen Arbeitslagern, die Praxis hat den außerordentlichen Wert und die staatspolitische wie sozialpolitische Leistung, dieser Gemeinschaftsarbeit bewiesen. Die Fraae der Wirtschaftlichkeit steht bis jetzt jedoch noch offen. Die Tatsache, daß der bulgarische Arbeitsdienst eine Wirtschaftlichkeit und Ueberschüsse erreicht hat, ist nach Ansicht der Sachverständigen nicht ohne weiteres auf Deutschland zu übertragen, weil die Wirtschaftsverhältnisse in Bulgarien ganz anders lägen. Der Arbeitsdienst wird sich auf solche Wirtschafts, gebiete beschränken müssen, die als gemeinnützig gelten können. Im Vordergründe stehen hier Straßenbau und Siedlung. In diesem Augenblick erscheint cs notwendig, einmal das Urteil jener Stellen zu hören, die sich mit Straßenbau, Siedlung, Siedlungsbau, Meliorationen usw. beschäftigen, lieber die Arbeitsmöglichkeiten auf diesen Gebieten geben die Sachverständigen Auskunft. Oer Straßenbau. Die Reichskreditgesellschaft hat vor einiger Zeit eine Denkschrift herausgegeben, als deren Verfasser die der Bank nahestehende „Gesellschaft zum Studium des Straßenbaues" zeichnet. In dieser Denkschrift wird nicht nur die völlige Unzulänglichkeit der deutschen Straßen nachgewiesen, sondern es wird auch eine sorgfältige Berechnung aufgestellt, welche Verluste der Wirtschaft und dem Dolksvermögen durch Mehrverschleiß und Mehrverbrauch der Automobile usw. infolge der schlechten Straßen entstehen. Diese Kosten, diese Verluste erhöhen sich von Jahr zu Jahr, da die Pflege der Straßen unzulänglich ist, die Straßenverhältnisse daher immer schlechter werden, und die Unkosten wachsen. Diese Verluste übersteigen innerhalb von zehn Jahren bei weitem die Summe von 10 Milliarden, reichen vielleicht an 15 Milliarden heran. Würde man einen Teil dieser Summe im Rahmen des freiwilligen Arbeitsdienstes für den von den mittellosen Kommunen vernachlässigten Straßenbau aufwenden, so blieben der Gesamtwirtschaft Verluste erspart, und es könnten, allein im Straßenbau, so viele Arbeitsdienst-Frei- willige beschäftigt werden, wie jetzt insgesamt beschäftigt werden sollen. Urbarmachung des Oedlandes. Ungefähr ein Fünftel des deutschen Bodens besteht heute noch aus Oedland, das fruchtbar gemacht wer- den kann. Eine dem Spitzenoerband der landwirtschaftlichen Organisationen nahestehende Gesellschaft zur Förderung der Moorkultur hat ebenfalls eine Denkschrift ausgearbeitet, die jetzt allerdings beinahe schon ein Jahr zurückliegt. Diese Denkschrift befaßt sich mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten, Oedland zu kultivieren. Man geht von dem Gedanken aus, daß Deutschland heute noch nicht einmal auf dem Gebiet der Getreideversorgung, geschweige denn in der Obst- und Gemüsekultur usw. Selbstversorger ist. Wir müssen entweder Brotgetreide oder Futtermittel einführen. Würden wir die Oedlandkultur im richtigen Ausmaße anpacken, so könnte Deutschland im Laufe eines Jahrzehnts auch auf diesem Gebiete Selbstversorger sein. Allein auf dem Gebiete der Oedlandkultur könnten und müßten jährlich eine Million Menschen beschäftigt werden. Obwohl diese Denkschrift ihre Kiele sehr weit steckt, erregte sie doch ganz besonderes Aufsehen. Im Preußischen Landtag fanden Beratungen statt, bei denen die Abgeordneten fast aller Parteien sich zu den Grundsätzen der Denkschrift bekannten. Die Bedenken, die auftauchten, richteten sich vor allem gegen die Härte und Schwierigkeiten dieser Arbeit. Man hatte damals noch nicht die Erfahrungen des freiwilligen Arbeitsdienstes und glaubte nicht daran, daß eine (o opferfreudige Gemeinschaftsarbeit Zustandekommen könnte. Die Zeit hat bewiesen, daß eine solche Gemeinschaft des freiwilligen Arbeitsdienstes vorhanden ist. Mit ihrer Hilfe erscheint auch die Wirtschaftlichkeit der Oedlandkultur gesichert. SJi.-tfpori Königsschießen der Schützengesettschast 1926. QIm vergangenen Sonntag hielt die hiesige Schirhengesellschaft 1926 Gießen ihr diesjähriges Königsschießen ab, das unter lebhafter Beteiligung der Mitglieder einen guten Verlauf nahm. Auf 100 m Entfernung wurde nach einer Adlerscheibe geschossen (Reichsadler mit Zepter uird Reichsapfel). Wit dem 238. Schuß fiel der Rest des Adlers von der Stang«. Der glückliche Schütze war K. S ch n e i d e r-Gießen (Marburger Straße), der somit Schützenkönig für 1932 werden konnte. 1. Ritter wurde Fritz Dewald, 2. Ritter Heinrich Blum- Gießen. Die Schießdauer betrug V/2 Stunden. Die Schießleistungen der einzelnen Schützen durften als sehr gut bezeichnet werden. Bei der Königsproklamation durch den Oberschühenmeister E. Gondner wurden die gezeigten Leistungen besonders lobend erwähnt. — Eine von Friseur-Obermeister Hans Götz gestiftete und von Malermeister Karl Rau künstlerisch ausgeführte Ehrenscheibe erschoß sich der Oberschützenmeister C. Gondner mit einem schönen Fleckschuß. Sireckenflüge beim Segelflugwettbewerb. Einen Beweis für den großen konstruktiven Fortschritt des Segelstugzeugbaues erbrachten die am Donnerstag ausgeführten Dauer- und Ueberland- flüge im 13. „Rhön"-Segelflugwettbewerb auf der Wasserkuppe. Bei nahezu völliger Windstille flog der Pilot Riedel- Darmstadt auf dem „Rhönadler 32" über zwei Stunden, fand dann Anschluß an eine starke Wolkenfront und ging zum Streckenflug über. Diese gleiche Gelegenheit nahm Tcichmann - Berlin, Hirth, Groenhoff und Meier- Stettin wahr und starteten zum Teil in dichtestem Rebel zum Streckenflug. Riedel flog 25 Kilometer bis zur thüringischen Stadt Geisa, Groenhoff 55 Kilometer bis Henneberg (Thüringen), Meier und Hirth brachten es nur auf 20 Kilometer nach Bayern zu. Der Stuttgarter Pilot Schmidt landete ohne jeglichen Schaden zu nehmen in den Baumkronen eines Tannenwaldes. Auch die Maschine blieb seltsamerweise unbeschädigt. Hauptmann Jahns von der Darmstädter Luftpolizei gewann wiederum den Tagespreis für eine Flugdauer von 22 bzw. 24 Minuten im Uebungswettbewerb. Mit denDeuffchenbei der„Tour veIrance" Deutsche Mannschast noch in guter Verfassung. - Diele Reifenschäden. Noch hofft man auf Sieg oder gute Platzierung. Seit 14 Tagen rollt die „Tour de France", das größte Straßenrennen der Welt, das in diesem Jahre zum 26. Male ausgetragen wird. In 21 Etappen sind in den drei Wochen 4 5 2 0 Kilometer zurückzulegen. Ruhetage gibt es insgesamt fünf. Daß die Fahrer Steigungen bis zu 2200 Meter zu überwinden haben, daß sie sich an die verschiedensten klimatischen Verhältnisse gewöhnen müssen, und daß sie endlich alle Unbilden des Wetters, die Verschiedenheit der Etappenwege in Kauf nehmen müssen, macht die Frankreich-Rundfahrt zu einer ganz ungewöhnlichen Prüfung, bei der nur große Könner durchzuhalten vermögen. Mer die drei Wochen überhaupt nur hinter sich bringt, hat schon eine sportliche Großtat vollbracht. Die von der bekannten französischen Sportzeitung „L'Auto" organisierte Fahrt sieht zwei Gruppen vor, einmal die „A s s e", die gleichzeitig als Ländermannschaften starten, sodann die E i n z e l f a h r e r, die sog. Touristen. Ländermannschaften haben Belgien, Italien, Schweiz, Frankreich und Deutschland gestellt. Unter den 40 Einzelfahrern befinden sich Vertreter der vorgenannten Rationen, ferner noch Spanier und Luxemburger. Es sind also alle Rationen vertreten, die überhaupt über Straßenfahrer von Rang verfügen. Begeisterung überall... Von der Anteilnahme der französischen Bevölkerung, die ja überhaupt sehr radsportliebend ist kann man sich keine Vorstellung machen. Bei der Abfahrt mußten die nach Tausenden zählenden Begleiter von WmWkMU Original-Roman von Anny von panhuys. Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig. 14 ftorth Rachdruck verbotenI Schon war der Umschlag aufgerissen, der Brief- bogen herausgezogen und entfaltet. Die Baronin las: „Run bin ich aus Deinem Haus und aus ■Seinem Leben gegangen, Tante Adele, nun wirst du ja Deine Ruhe, die Du durch mich verlorst, wiederfinden. Wohin ich mich wende, was ich zu tun beabsichtig«, wird Dich kaum interessieren, denn Du magst mich nicht leiden, das weiß ich. Und Werners Liebe ist zu klein, sie kann mich nicht zurückhalten. Er erzieht ja nur an mir herum und folgt ganz Deinem Beispiel, schade! Ich habe Werner lieber als alles sonst auf der Welt! Kümmert Euch nicht um mich, ich habe bereits ein Unterkommen, das mir zusagt, wo ich mich hinbegebe. Vergeßt auch nicht, ich bin mündig und kann Hingeyen, wohin ich tom.^« Roch einmal las die Baronin di« wenigen Zeilen, dann zerknitterten ihre nervösen Finger den Bogen, steckten ihn in eine, sich in die Falten ihres Kleides einschmiegende Tasche. Sie ließ in ihren Kleidern Taschen anbringen, gehorchte darin der Mod« nicht. Ihr Gesicht brannte. Lil war fort, Lil war heimlich gegangen! Sie konnte es noch nicht fassen, allzuschnell hatte sich ihr sehnlichster Wunsch er» füllt. Aber Werner durfte sie den Brief nicht zeigen. Der erste Satz wäre ja wie eine Anklage gegen sie selbst. Dann erfuhr Werner, daß sie zu Lil auch Dinge geäußert, die Lil reizen mußten. Rein, der Brief sollte ihm nicht vor die Augen kommen. Sie lieh sich auf einem der Stühle nieder und dachte nach. Wenn sie ganz ttef und fest davon überzeugt gewesen wäre, Lil bedeute für Werner das Glück, würde sie sich jetzt doch wohl etwas beengt gefühlt haben, aber sie war vom vollständigen Gegenteil überzeugt. Werner konnte nach ihrer Meinung mit Lil nicht glücklich werden. Sie überlegte, an seine Seite gehörte ein weiches, schmiegsames Frauchen, kein solcher Trohnickel, wie Lil doch nun einmal war. Es war gut, daß Lil mit scharfem, raschem Schnitt die Trennung zwischen Werner und sich vollzogen. Sie öffnete das eine Fenster und sog in langen Zügen die milde Luft des Maiabends ein. Sie war erregt und überlegte, was sie Werner sagen sollte, damit er nicht etwa auf die Idee kam, Lil zu suchen und zurückzuholen. Sie stand wohl fünf Minuten so, dann ging fa m j&t SchlLdüMver, legte ab und eilte hin- unter, wo sie eben Werners Sttmme hörte, der nach ihr fragte. Sie begrüßte ihn, zog ihn die Trepp« hinauf in Lils Zimmer. Werner hatte geglaubt, seine Mutter wollte jetzt «in« Versöhnung zwischen Lil und ihm vermitteln, weil er heute vormittag so kurz und kühl mit ihr auseinandergegangen. Er stutzte, als er das Zimmer Lils leer sah. Seine Mutter seufzte. Vielleicht ein wenig zu laut und sagte weich wie zu einem Kind, dem man zureden will eine bittere Medizin zu nehmen: „Bleib gefaht, Werner, ich muß dir mit> teilen, Lil hat uns heute nachmittag, während ich ausgegangen war. verlassen. Ihre Koffer sind fort und si« hat Käte derweil aus dem Hause geschickt, damit sie nichts merken sollte." Werner stand da, als wäre ein Blitzstrahl vor ihm in den Boden gefahren. Di« Baronin verspürte Herzklopfen. Ging es ihm doch vielleicht zu nah«? Litt er unter ihrer Mitteilung doch zu sehr? Sie erklärte: „Lil hat ein paar Zeilen hinterlassen, aber ich ärgerte mich im ersten Moment so sehr darüber, daß ich sie zerriß und zum Fenster hinaus fliegen ließ. Es war unüberlegt von mir. aber ich wollte nicht, daß du darüber Kummer haben solltest. Ich dachte in der Aufregung nicht daran, du müßtest ja doch darum wissen, sonst läufst du ihr vielleicht nach und si« verdient es gar nicht." Jetzt gewann die regungslose Gestalt Werners wieder Lebern Rauh stieß er hervor: „Martere mich nicht, Mutter, erzähle mir, was Lil in dem Brief, den du leider vernichtetest, geschrieben hat." Di« Baronin fuhr sich wie besinnend über die Stirn. „Sie schrieb nur ein paar Zeilen. Ungefähr so: Run bin ich aus Deinem Haus und aus Deinem Leben gegangen, Tante Adele, denn ich fühle mich nicht wohl darin." Werner unterbrach sie: „Wir hätten duldsamer gegen sie fein müssen. Mir ist jetzt, als hätten wir zu wenig Rücksicht auf ihr« durch das traurige Erleben doch sehr angegriffenen Rerven genommen. Ich will sofort alles in Bewegung sehen, si« wiederzufinden. Ich habe Angst, sie könnte sich ein Leid angetan haben." Die Baronin war sehr blaß. Sie erwiderte nach schnellem Atemholen: „Der Brief ging natürlich weiter, wenn er auch nicht allzu lang war. Nachdem sie mich in den nächsten Zeilen überstark beleidigt«, schrieb sie: Werners Lieb« ist zu klein, sie kann mich nicht zurückhalten!" Eie beobachtete die Wirkung dieser Worte und konnte zufrieden sein. Werners noch eben so bewegt« Miene verändert« sich, es war als ob sich langsam sein Gesicht verhärtete. „Das hat sie geschrieben?" fragte er und feine Stimme hatte einen heiseren Klang. Die Baronin bestätigte: „Ja, mein Junge, das hat sie geschrieben! Es hat mich noch mehr verletzt als die Beleidigungen, die sie für mich zurückließ, an Stelle von Dankesworten, die ich verdient hätte. Du irrtest, Werner, als du vorhin sagtest, wir hätten duldsamer gegen sie fein müssen. Erinnere dich doch, wie aufsässig sie sich benahm. Sollte man denn alles still hinunterschlucken? Ja, was glaubst du denn, wohin das bald geführt hätte! Jeder Mensch, dem die Rase nicht so im Gesicht gesessen, wie es ihr gefallen, wäre von ihr angeschrien und verboxt worden. Du lieber Himmel, da hätte sich ja bald kein Mensch mehr zu uns gewagt. Weder Freunde noch Bekannte, noch Patienten. Riemand hat ihr hier etwas getan, wodurch ihr Davonlaufen zu enttchuldigen wär«. Ich hab« sie nur darauf aufmerksam gemacht, wie sehr sie sich und uns schadet durch ihre grenzenlose Rücksichtslosigkeit, und daß man in der Welt aufeinander Rücksicht nehmen müsse." Werner machte eine matte Bewegung der Zustimmung. Er hatte gehört, was die Mutter gesagt und vollkommen begriffen, aber es schien ihm nicht so besonders wichttg. Tausendmal wichtiger war der klein« Satz, der einzige, den Lil für ihn übrig gehabt, ehe sie fortgegangen ohne Abschied. Tausendmal wichtiger war der bitterböse Satz: Werners Lieb« ist zu klein, sie kann mich nicht zurückhalten! Der Sah warf alles um, was in ihm war an Sehnsucht und Verlangen. Als hätte er sein eben noch so heißes Blut zu Eis verwandelt. Die Baronin beobachtet« mit Befriedigung, wie so ganz anders ihr Sohn jetzt zu denken schien. Sie nahm feine Hand strich zärtlich darüber hin. „Deine Zukunft, dein« Karriere, hätte sie verpfuscht mit ihrem schroffen Wesen und ihrem Eigensinn. Du wirst sie vergessen, mein Junge. Du wärst ja doch nur sterbensunglücklich mit ihr geworden. Und dann, obwohl sie dir vorwirft, deine Liebe wäre klein, meine ich, ihre Liebe muß noch viel kleiner fein, sonst hätte sie dich nicht auf gegeben, nur deshalb, weil wir ihr erklärt, sie sollte sich ein etwas rücksichtsvolleres Benehmen angewöhnen." Werner sah die Mutter an und neigte den Kops. „Du hast recht, ganz recht, ihre Liebe war winzig klein. Das, was sie dafür gehalten, toar wohl überhaupt kaum mehr als em armseliges bißchen Gernhaben." Er lächelte mit einer Mischung von Hohn: „Stand noch etwas m dem liebevollen Abschiedsbrief?" Die Baronin bejahte. „Es stand noch barm, wir sollten uns nicht um sie kümmern, sie hatte schon ein Unterkommen und wir sollten Nicht vergessen, daß fie mündig wäre." einem Heer von Polizisten, natürlich ebenfalls auf Fahrrädern, in Schach gehalten werden, um den Fahrern überhaupt ein 'Durchkommen zu ermög- lichen. Besonders Begeisterte fuhren bis halbwegs Caen mit. Alleine 30 Autos mit den offiziellen Pressevertretern und den Tonfilmgesellschaftcn machen die ganze Fahrt mit. Allüberall wo die Fahrer hinkommen, werden sie von ungezählten Tausenden empfangen und an den Etappenorten bedarf es größter polizeilicher Aufge- bote, um Ordnung zu schaffen. Für manches kleine Dörfchen ist die Ankunft der Tour-de-France-Fahrer das Ereignis des Jahres, von dem schon monatelang vorher gesprochen wird. Daß die Etappensieger und der im Gesamtklassement führende Fahrer, der das gelbe Trikot trägt, die Helden des Tages find, die oft genug von begeisterten Zuschauerinnen durch eine Umarmung beglückt werden darf bei dem lebendigen Temperament nicht Wunder nehmen. Ueberflüffig zu betonen, daß die großen Fahrer, einerlei welcher Nation sie angehören, jedem Kinde bekannt sind. Auch unsere deutschen Fahrer, die schon zum dritten Male an der Frankreich-Rundfahrt teil- nehmen und deren einer sogar zu den Favoriten gezählt wurde, sind keine Unbekannten. Einmal eilen den Fahrern die seitenlangen Presseberichte voraus, zum anderen sind sie aus der Teil- nähme ftüherer Jahre oder an anderen großen Straßenrennen bekannt. Das gilt vor allem für den vorjährigen Sieger in der Touristenklasse, Max Bulla, dann aber auch für S i e r o n s k i, der in Bordeaux—Paris durch einen Sturz um den verdienten Sieg kam und endlich auch für Stöpel, der bis jetzt noch den zweiten Platz in der Gejamt- roertung innehat. Neulinge in der deutschen Mannschaft sind die Examateure Ri s ch, der vorjährige Bundes-Straßenmeister, K u t s ch b a ch und U m • benhauer sowie bei den Touristen der Dort- munder Hermann Müller, der leider schon auf der zweiten Pyrenäen-Etappe durch einen Sturz ausschied. Taktik ist alles! In diesem Jahre war der deutschen Mannschaft, die von Martin Schmidt wiederum aufopfernd betreut wird, die taktische Aufgabe gestellt, sich bei den Gebirgsetappen der Pyrenäen nicht zu verausgaben und tunlichst den Anschluß zu behalten. Aus den ebenen Strecken, die den Deutschen weitaus besser liegen, sollen sie dann ihre Sprinter- und Steherqualitäten beweisen, da sie im Bergfahren mit den Franzosen und Italienern ohnehin nicht konkurrieren können. Diese Aufgabe ist trotz enormer Schwierigkeiten bisher als gut gelungen zu bezeichnen. 3m Gesamlklasfement ist Deutschland zwar bis zum vierten Platz zurückgefallen, aber das wird die Mannschaft in der Ebene sicherlich wieder wettmachen können. Italien hat im Gegensatz zu den Deutschen sich vom letzten Platz auf den zweiten Platz vorarbeiten können. Als Mannschaft werden die drei Besten gewertet. Das sind nach der neunten Etappe S t ö p e I, der immer noch Zweiter ist und als erster Deutscher die zweite Etappe gewann und das gelbe Trikot des Führenden tragen durfte. Ursprünglich gehörte Risch zu den drei Besten, der aber in Nantes sehr unter einer Magenverstimmung zu leiden hatte. Nach der Etappe Luchon war er nahe daran aufzugeben, da er die französische Kost nicht vertrug. Nur dem Umstande, daß der Betreuer der Deutschen Konserven, die eine Berliner Fleischfabrik gestiftet hatte, mitführte und den deutschen Fahrern auch deutsche Küche bereiten konnte, war es zu verdanken, daß die Mannschaft durchhielt. Diese Selbstverpflegung der vorsichtigen Deutschen entging den französischen Jour- naliften natürlich nicht. Werner preßte die Lippen fest aufeinander. Die LU, die diesen Brief geschrieben, war noch trotziger und rücksichtsloser, wie die Lil, die ihm heute vormittag erklärt, er wär« nicht der Mann, für den si« ihn gehalten. Und das nur, weil er ihr klargemacht, ihr Betragen wäre wirklich nicht so, wie es seine Mutter von ihr erwarten durfte. Er zuckte die Achseln: „Wenn sie schon ein Unterkommen hat, bedarf sie unserer Hilfe nicht." Er straffte sich auf. „Ich möchte heute schon früh schlafen gehen, der Tag war anstrengend und die Rauigkeit auch. Gute Rächt, Mutter." Er küßte di« Hand der Frau, der er blind alles glaubte, was si« sagte. „Willst du nicht noch etwas essen, Werner?" bot sie ihm an. Er verneinte. „Die Ueberraschung, die uns Lil bereitete, hat mir den Appetit genommen." Er ging und schloß sich in sein Zimmer ein. Aber zur Ruh« begab er sich noch nicht. Wie hätte er jetzt schlafen können. Er saß in der Sofaecke. raucht« eine Zigarette nach der anderen und zerbrach sich den Kopf darüber, wie wenig man doch einen Menschen kennt, den man zu kennen glaubt. Er zog seine Brieftasche hervor und entnahm ihr «in Bild Lils, das sie ihm auf seinen Wunsch vor wenigen Tagen geschenkt. Es war kurz vor dem Tod ihres Vaters aufgenommen worden. Lachend und strahlend blickten ihn Lils große Augen an. Ihre Lippen waren leicht geöffnet und zeigten die weißen Zähne. Froh und glücklich sah Lil auf dem Bilde aus. Und so froh und glücklich hatte er sie auch immer gekannt. Er studierte das Gesicht aufmerksam und er dachte. Lils Kinn war sehr energisch und um den Mund lag ein Zug, der ihm sonst nie ausgefallen, ihm aber zu denken gab. Er hatte Lil für ein übermütiges, verwöhntes Mädelchen gehalten. das, weil es verwöhnt war, sich stets bestrebte, ihren Willen durchzusehen, jetzt aber fand er den Zug von Eigenwillen um ihren Mund. Es lag viel Energie in dem Gesicht Lils, schade, daß sie diese gute Charakteranlage, denn Energie ist etwas Wertvolles, so falsch gebrauchte. Sie so gebraucht«, daß sie zur Starrköpfigkeit und Herrschsucht wurde. Er sah das Bild lange. lange an und Plötzlich quoll es heiß in ihm auf, er hob es an seine Lippen und küßte es Daß eine Träne dabei darauf niederfiel, spürte er nicht. Ganz fassungslos und betäubt machte ihn mit einem Male der Gedanke: Lil war fort und kehrte nie mehr zu ihm hierher zurück. Und er durfte nicht nach ihr forschen, sich nicht um sie kümmern. Er stöhnte: Wein« Liebe ist nicht klein, wie du meinst, Lil, es hätte sich für dich doch gelohnt, deshalb hierzubleiben, aber d u liebst mich nicht, du liebst mich nicht. (Fortsetzung folgt) unserer Heimat Amerika, als Zeichen der immerwäh. noch folgende Ansprache an die Versammlung: Nach Wirtschaft zuverlässigen Contireifen starten. 5420V 5412 D Gießen, den 22 Juli 1932. SCHUHHAUS 5416 0 “ c E Aus meinem 5418 A UUMWMsil 0.95 0.95 Gerstenkorn-Handtücher, 50/100,3 Stück 1.10 Gläsertücher, 50/50 Stück 0.20 ö Möbel-Verkauf! Möbelwerkstätte Plockstraße 14 04363 5421 D Heinrich Vetter«Wiesenstr.4 Marie Zimmer Adolf Zimmer. c; 3 Vorkämpfe ab 10% Uhr Entscheidungen ab 3 Uhr Hervorragende Leichtathletik - Vereine wie »Eintracht* Frankfurt, 8. €♦ Char- lottenburg, Hessen »Preußen n. Turn» gmde* Kassel, 0.8. V. Dortmd.-Hörde, Spv. 98 Darmstadt u. a. m. am Start l 3 A a Am Dienstag, dem 19. Juli, abends 10 Uhr, wurde mein lieber Gatte und Vater Carola Wittich, geb. 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