• 182. Jahrgang Nr. 69 Erstes Blatt Dienstag, 22. März 1952 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätler Heimat im Bild • Die Scholle Monatr-Bezngrpreir: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Kernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sieben, pollschetttonto: Krankfurt am Main 116M. SKtzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnlck h«ö Verlag: vrühl'jche Uawerfitüts-vAch. A«ü SMiöruderci R. Lange in Siegst. Schrtftleitnng und Heschaftrstelle: Schatttraße 7. Annahme non Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 nun Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfcnnig; für Ne- blameanzeigen von 70 mm •Breite 35 Neichspfenniq, Platzvorfchrift 20e/„ mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Dr H THyriot: für den übrigen Teil Ernst Blumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Biegen. Goethes deutsches VildungSideal. 3um 22. März. Von Dr. Otto Boelih, ehem. preußischen Kultusminister. 3n der Flut der ©odfycfcicrn, die dieses Jahr erfüllen, kommt das Gedächtnis an jenen Goethe, der ein Grober feines Volkes war, indem er ein Bildner an Geist und Charakter feiner Nation gewesen ist, zu kurz. „Goethe und die Welt", „Goethe und die Weltliteratur", „Goethe als ein Besitz der gebildeten und zivilisierten Menschheit" — in dieser und ähnlichen Themenstellung, der dann auch gewöhnlich noch die Zeichnung von Goethes Lebens- bild als das eines über Nation und Heimat erhabenen Weltbürgers zu Hilfe kommt, geht leider fast ganz die feierlidK Betrachtsamkeit auf. Während man so der Stellung und Wirkung des Genies in der ganzen Welt gedenkt, wird allzuwenig die Frage nach der nationalen und fchicksalsgegenwärtigen Nolle gestellt, die Goethes Menschentum und Lebenswerk in unserem Volk und für uns Deutsche spielt: in dem Hier und Jetzt unseres deutschen Lebens und unserer deutschen Bildungsweit, in dem bearenzten und doch so weiten Raum des Erlebnisses, dess m der Deutsche sähig ist und in dem ihm auch der Große seines Volkes allein wirksam werden kann, wenn er ihn in seinem Wesen, in seiner Art und seinem Charakter, in seiner Seele und seinem Geist ganz ersaßt. Um solcher Begegnung teilhastig zu werden, bedarf es freilich — (über bloßes Wissen und Erkennen hinaus) — jener tiefen, inneren Erfahrung, die Goethe selbst die „bildende" genannt Hai. Die „bildende Erfahrung", das „bildende Erlebnis" Goethes — um das sollte es uns Deutschen in diesem. 3ahr zuerst und allermeist zu tun sein, da mir als Nation das Gedächtnis des großen Menschen und Stünftlers begehen, dessen ganzes Lebenswerk ein einziges unablässiges tätiges Verehren der bildenden und erbebenben, stärkenden und befreienden Mächte gewesen ist. Denn nur von dem Goethe, dem sich das Leben selber als großer Bildner olles Individuellen und Menschlichen erschloß, gibt es einen Zugang zu der Goetheschen Dichtung, zu seiner Auffassung von Welt und Leben, zu seiner Naturanschauung und zu seiner Lehre von der Kunst. Unübersehbar im Ausmaß seiner Wirkungen ist der Einfluß, der von Goethe auf die deutsche Bildung, auf die geistige Verfassung und die Ideale der deutschen Nachwelt ausgegangen ist. Wie Goethe selbst geahnt und nicht nur einmal vorhergesagt hat, sand sich mit ihm die Zeit, die nach ihm kam, nicht eben besser als die Mitwelt ab. Stets leichter zum Mißverständnis und zur Verkleinerung als zum Verstehen und zur Anerkennung geneigt, ist auch die Geschichte der letzten hundert Jahre in ihrer Beziehung auf das deutsche Bildungsleben reicher an Dokumenten der Verleugnung als an Zeugnissen der Wirksamkeit Goetheschen Vermächtnisses und Goetheschen Geistes. Mißdeutung über Mißdeutung hat sich von jeher an Goethes Begriff der Person- lichkeit und der individuellen Freiheit geknüpft, und gar mit jenem so widerspruchsvoll erscheinenden Dovpelbekenntnis zum Leben jenseits von Gut und Böse und zum Sittlich-Gesetzlichen haben die mci- ften nie viel anzusangen gewußt. Was den einen bei Goethe als Ausdruck selbstbewußten Menschentums, vernunftgläubiger Diesseitigkeit erschien, wurde geschäftig eingeleitet in das Denken und Empfinden einer mehr zivilisatorisch als geistig sich rechtfertigenden Strömung, die unter den Schlagworten von „Toleranz" und „Fortschritt" für einen weltanschau ungslosen Individualismus und gleichzeitig für eine Entwertung der Religion zur Privatsache focht. Und während (o in weilen Kreisen das Bild Goethes bis zur Unkenntlichkeit die Züge eines Aufklärungs- Heiligen und individualistischen Lebenskünstlers an- nahm, verhängten es andere, denen solche Verehrung die freie Aussicht sperrte, als „heidnisch" und „weltlich", dem „Liberalismus" zugeneigt, mit einem schwarzen Tuch. Aber bei all dieser Verkennung und Verfälschung der Grundricytung in Goethes Leben und Werk, bei aller einseitigen und darum schiefen Auswertung des großen Mannes und seiner Ideenwelt für die Spiegelfechterei mit Meinungen und Vorurteilen der Zeiten ist die eigentliche und wirksame Bildung unberührt, die wahre Produktivität der in Goethes Geist und Werk gesammelten deutschen Bildungsidee unangetastet geblieben. Ja, je mehr und zersetzender das Mißverständnis der Amusischen und Halbgebildeten, der beschränkten Eiferer oder der wurzel und bindungs- lasen Individualisten sich austobte, desto reiner und fruchtbarer stellte sich die untrennbare Zusammengehörigkeit von Goethes nationaler und der deut- scheu Bildungsaufgabe geistiger Sendung heraus. Dolle, zur Harmonie zufammengesaßte Entfaltung aller Anlagen und Kräfte des Menschen, Ausbildung aller Organe der Wahrnehmung und der Lebens- äußerung, Ucbereinftimmung der ethischen und ästhetischen Anschauung des Lebens, „Erforschung des Erforfchlichen" und „Verehrung des Unerforsch- lichen", Freiheit um der Bindung und Bindung um der wahren und naturgemäßen Ausbildung und Entwicklung des Individuellen willen — das sind die großen, immer wieder genannten Voraussetzun- gen, unter denen Goethe wahre Bildung für möglich hält. Das ganze Goethesche Lebenswerk — von den biographischen Bekenntnissen und den dramatischen Dichtungen angefangen bis zu der Auffassung und Darstellung seiner tiefsten wissenschaftlichen Arbeiten — ist voll von jenem organischen und organisierenden Lebensgeist, der keine einseitige Wahr- hell, keine einzelne Tätigkeit und kein einzelnes Ideal gelk-n läßt, wenn sie nicht zugleich Teile eines Ganzen und Garanten einer Entwicklung zu höherer menschlicher Vollkommenheit sind. Das große schöpferische Erziehungsideal, das die höhere seelische Einigung und Einheit des Menschen Beginn -es politischen Osterfne-ens. OieiechnischenBorbereiiungen des zweiten Wahlgangs. An Hessen liegen am 2. und 3. April die Stimmlisten aus. Berlin, 19. März. (WTB.) Der Reichs- Minister deS Inneren hat Anordnungen für den zweiten Wahlgang der Reichspräsidentenwahl getroffen. Mit Rücksicht darauf, daß inPreußen, Bayern, Württemberg und Anhalt am 2 4. April Landtagswahlen stattfinden, ist mit den Regierungen dieser Länder vereinbart worden, daß die Ötimmliftcn gerne infam für d i e beiden Wahlen bom 30. März biS 3. April zur Ginsicht durch die Wähler aufgelegt werden. In allen anderen Ländern beschränkt sich die Auslegung für die Reichspräsidentenwahl wie im Jahre 1925 auf zwei Tage, nämlich Samstag den 2. und Sonntag den 3. April. Die AbstimmungS- z e i t gilt wie beim ersten Wahlgang, also 9 biS 18 ilftr. Die Stimmzettel werden, um Verwechselungen mit dem ersten Wahlgang zu vermeiden, auf hellgrünem Papier her- gestellt. Da die Frist für die Auslegung der Stimmlisten in die Hauptumzugszeit fällt, sind besondere Vorkehrungen getroffen, damit d i e Umschreibung der Wähler in den Stimmlisten zu keinem Verlust des Stimmrechts für die Wähler führt. Wähler, die nach Beendigung der Auslegung der Stimin- liften aus ihrem bisherigen Stimmbezirk toeg- ziehen, können noch nach Ablauf der A u S- l e g u n q sich in der Stimmliste des Stimmbezirks ihrer neuen Wohnung nach tragen lassen. Die ASDAP. klagt gegen Preußen München, 21. März. (CAD.) Rechtsanwalt Dr. Hans Frank II. hat — namenS des Führers der AGDAP. beim DtaatSgerichtshvs für DaS Deutsche Reich Klage mit dem Ziel eingereicht, den Erlaß einer einstweiligen Verfügung gegen Preußen zu erwirken. Die Kläger beantragen, daß durch Urteil de» Staatsgerichtshofs für recht erkannt wird: 1. Die Anordnung deS preußischen Innenministers vom 17. März auf Vornahme von Durchsuchungen und Beschlagnahme von urkundlichem Material bei der ASDAP. in Preußen, sowie deren Ausführung verstößt gegen Artikel 125 und 124 der Reichsverfassung. 2. Das Verbot der Beteiligung unmittelbarer und mittelbarer Staats- sowie Kommunal beamtet in Preußen an der ASDAP. ist mit Artikel 130 bis 132 der Reichsverfassung unvereinbar. 3. Die preußische Regierung ist verpflichtet, die in 1 und 2 erwähnten Anordnungen und Verfügungen unverzüglich nach Zustellung des Urteils mit rückwirkender Kraft auf au heben sowie alle auf Grund derartiger Anordnungen getroffenen Maßnahmen, insbesondere Dienstentlassungen und Grösfnuna von Dienststrafverfahren unverzüglich aufzuheben oder rückgängig zu machen. In der Begründung wird darauf hingewiesen, daß die von der preußischen Staatsregierung gegen die ASDAP. eingeleiteten Maßnahmen auf der Bcchauptung basierten, die IkSDAP. verfolge ihre Ziele auf illegalem Wege. GS wird darauf hingewiesen, daß alle Versuche, die Legalität der ASDAP. oder ihrer Führer rechtswirkfam anzuzweifeln, an der beweisbaren Legalität deS Vorgehens der ASDAP. und ihrer Führer scheitern müßten. Die Klage verlangt schließlich, daß die vreuhische Regierung der ASDAP. für die Zeit bis zum 2 4. April alle für die Führung des Wahlkampfe- notwendigen, am 17. März beschlagnahmten Akten, herauSgibt. Klaus Heim kandidiert im zweiten Wahlgang. Celle, 21. Alärz. (CAB.) Cs sind Bestrebungen im Gange, für den zweiten Wahlgang zur AeichLpräsidentenwahl den durch die Bombenlegerprozesse bekannt gewordenen holsteinischen Landvolkführer Klaus Heim als Kandidaten aufzustellen. Klaus Heim, der wegen der Dombenlegeraffäre im Zuchthaus au Celle eine längere Freiheitsstrafe verbüßt, hat bereits seine Zustimmung zur Auf- Heilung erteilt. Mit der Unters ch r iften- f a m m l u n g für den Wahlvvrschlag ist bereits begonnen worden. Die Aominierung KlauS Heims geht von bäuerlich-revolutionären Gruppen auS. Oer neue Wahlfeldzug des Reichskanzlers. Berlin. 21. März. (CNB) Reichskanzler Dr. Brüning wird sich bis zum 3. April in Sud- baijcrn auf halten. Dann wird der Reichskanzler zur B e r l i n , 21. März. (TU.) Die vier Vertreter der studentifchen ftorporat-ionsoerbänbe in der Zentralleitung der Deutschen Studentenschaft haben nach einer am Sonntag ftattgefundenen Sitzung des Hauptausschusses der Deutschen Studenten« schäft am Montag ihre Aemter nicdcrge- legt. In der Begründung dieses Schrittes heißt es u. a., daß alle Versuche, in ocr Deutschen Studenten- schäft aus einer breiten nationalen Plattform alle tragenden Kräfte zu einer wirklichen Arbeit für die großen Ausgaben der Deutschen Studentenschaft zusammenzufassen, unter der derzeitigen Leitung ergebnislos gewesen seien. Allen Mah- nungen zum Trotz sei die Deutsche Studentenschaft einen Weg geführt worden, der sie immer melier von ihrer Zielsetzung entfernt habe. Der vom Nationalsozialistischen Stu- dentenbund geführte Kampf gejjen Gruppen, die ihr Bekenntnis zur Deutschen eotudenten- schäft bewiesen hätten, sei nicht auf die Verfolgung der Ziele der Deutschen Studentenschast gerichtet. Die Deutsche Studentenschaft ist der 1919 in Würzburg gegründete K e f a m t z u s a m m e n - Vordereiiung des zweiten Prasidentschaftswahlgang» eine Reise durch eine große Reihe von Städten an treten, in denen er für d i e Wiederwahl Hindenburgs sprechen wird. Dr. Brüning wird am 4. April in Stuttgart, am 5. in Karlsruhe, am 6. in Erfurt, am 7. in Hamburg, am K in Stettin und am 9 in Königsberg reden Eine Osterbotschaft des Reichspräsidenten oder ehn neue Rundfunkrede sind nach den Auskünften, die wir erhalten haben, nicht oorgefeben. Oer (khnstlich.soziale Volksdienst für Hindenburg. Berlin, 19. März. (XU.) Die Reichsführuiig des Christlich-sozialen Volksdienstes teilt mit. .Die ganze DolkSdienstbewegung hat sich im ersten Wahlgang mit größtem Nachdruck für die Wiederwahl Hindenburgs einge- seht. Beim zweiten Wahlgang am 10. April darf keine falsche Sicherheit und Wahlmüdigkeit herrschen. Wir sind es Hindenburg schuldig, daß die im ersten Wahlgang leider nicht ganz erreichte absolute Mehrheit am 10. April überschritten wird. Hindenburg tut für un» mehr als seine Pslicht. Wir wollen uns nicht von ihm beschämen lassen. Braunschweig fordert Beschränkung des Osterfriedens. Braunschweig, 21. März. (WTB) Das braun, schweigische Staatsministerium hat bei dem Staat' gerichtshof für das Deutsche Reich Verwaltungsklage erhoben und beantragt, die Verordnung zum Schutz, des inneren Friedens uom 17. März aufzuheben evtl, ihre Gültigkeit auf die Zeit vom 20. bis ein fchluß der Studenten fchaftcu aller Hochschulen des geschlossenen deutschen Sprachgebietes, der auch die staatliche Anerkennung besaß. Aus politischen Gründen wurde 1927 die ft a a 11 i d) e Anerkennung wegen des Zusammengehens mit dem nach dem Volkstums grundsatz aufgebauten auslandsdeutschen Studentenschaften wieder aufgehoben. Die Studentenschaften organisierten sich daraufhin neu in freier Form. In den letzten Jahren hatte der N a t i o n a 1 - fozialist i sche Deutsche Studentenbund überall die Mehrheit gewonnen Die linfsgerid)- teten Studenten beteiligten sich seit der Aushebung der staatlichen Anerkennung nicht mehr. Aus dein Deutschen Studententag. der 1931 in Graz statt- sand, erhielten die Nationalsozialisten zwei von den drei Vorstandssitzen. Der Hauptausschuß besteht schon seit längerer Zeit ausschließlich aus Nationalsozialisten. Schon feit langem bestanden heftige G e - gensätze zwischen den Nationalsozia, listen und den großen Korporation?- verbänden, die immer wieder überbrückt werden konnten, jetzt aber doch zum Austritt ihrer Vertreter geführt haben. Konflikt in der„DentschenStudentenschasl". Oie Vertreter der Korporationsverbände treten aus -er Deutschen Studentenschaft aus. im größeren Reichtum des Erlebnisses und der Erfahrung, den Reichtum wiederum in der schöpferischen Einl-ell, in dem „Mittelpunkt, auf den alles hinschaut", verbürgt, das ist das eigentliche deutsche Vermächtnis Goethes an die deutsche Bildung. Wie alle wahre Sittlichkeit sich darin bewährt, daß sie produktiv, gestallbildend und schöpferisch sich erweist, das hat Goethe immer als eine der vornehmsten bildenden und sittlichen Wahrheiten groß und über- zeugend herausgestellt. In dieser Auftastung der untrennbaren bildnerischen Einheit von sittlichem und sinnlichem Erlebnis ruht seine eigentliche Verehrung der Persönlichkeit und der beseelten G e ft a 11, die zugleich die Verehrung des Gesetzlichen und Wirksamen in der Geist-Körper-Welt des Lebens gewesen ist. Daß sich alles Bedeutende in der Ausbildung des Individuellen vollziehe, daß es keine menschliche Erziehung ohne eine wirksame Anschau ung des Gestalteten gebe, daß nur der Mensch, bc** in sich selber tätig ist, der eigenen Grenzen u damit seiner naturgemäßen Bestimmung gewahr werde — Gedanken dieser Art, wie sie hundertsach Goethe variierte, gehen auf jene Bewertung der Persönlichkeit als des Kräftefelds, in dessen richtiger Nutzung sich das Geistige darstellt, zurück.^ „Iphigenie", „Torquato Tasso" und „Faust" — vollkommener und zwingender als in diesen dramatischen Dichtungen ist kaum irgendwo in der deutschen Literatur das bildende Motiv des Lebens zugleich im Schöpferischen und Gestaltenden erschienen, größer und bedeutender kaum irgendwann das Sittliche mit dem Glanz des Schönen, das Schöne mit der Würde und dem Ernst des Sittlichen und Gesetzlichen verbündet worden. Eine erzieherische Wirkung ohnegleichen ging und geht noch heute von den Gestalten dieser Dramen aus, in deren Verkörperung sich die zwanglos-tiefste ©er- binbung von deutscher Welt und hellenischem Bil- dunasvermächtnis ausspricht. Undenkbar in seinem Verlaus bis auf den heutigen Tag ist die Geschichte des deutschen Geisteslebens ohne die Goecheiche neue Einleitung des antiken und hellenischen Elements unserer Kultur in Gemüt und Charakter unseres Volkes. Aber nicht nur immer dann, wenn es um das glückliche Bündnis non deuHchsm Ygd Mik« Menschentum ging, sondern auch in jedwedem Rück- griff auf das „Naturgemäße und Wahre", in jedweder Erneuerung unseres menschlichen, wissenschast- lichen und künstlerischen Bewußtseins aus dem Geist des Organischen und Schöpferischen stand das Goethesche Bildungsideal bezaubernd und ermutigend in unserer Welt. Abhold jeder Tätigkeit und jedem Geist, die sich nicht dienend in einem Ganzen, nicht im Menschlichen und seiner höheren Sammlung und Vollendung bewähren wollen, hat Goethe den Deutschen ihr tiefstes nationales Bildungsideal in einer neuen Begegnung von Natur und Kunst, Sinnlichem und Sittlichem, in einer neuen Bindung des Geistes im Naturgemäßen und Organischen gestiftet. Umfang, Forderung und Ursprung dieses Bildungsideals find einmal in der Einleitung zur „Morphologie" geftreift, und die Worte, die hier stehen, konnten auch heute wieder dem deutschen Bildungsleben ein Wegweiser in die Freiheit sein: „Wie wenige fühlen sich von dem begeistert, was eigentlich nur dem Geist erscheint! Die Sinne, das Ge fühl, ba5 Gemüt üben weit größere Macht über uns aus und zwar mit Recht: denn wir sind aufs Leben und nicht auf bie Betrachtung angewiesen". Keine Einigung auf -em Kautschufmarkt L o n b o n . 21. März. (WTV.l Englisch-Holländische Verhandlungen über eine Einschränkung der Kautschukprobuktion sind zufammengedro- chen, eine britisch-mederländische Vereinbarung wäre erreichbar gewesen, wenn nicht bie Schwierigkeit bestanden hätte, den Betrag des von den Eingeborenen probuzierten Kautschuk« in Aiederländisch-Ostindien ad- zuschäyen. In Lonbon werbe erklärt, daß mit einer Wiederaufnahme der Verhandlungen nicht gerechnet wirb. „®ailh Telegraph" sagt: Der Fehlschlag ber Derhanblungen bebeutet einen schweren Schlag für bie britifche Kautschukinbustrie. in bet 125 Millionen Pftmd Sterling angelegt finb. Er bedeutet, daß viele kautfchukerzeugenbe Ländereien, die bereit« mit Verlust arbeiten. zur völ- Iiflcn ßtiHeaung gezwungen lern werden. Oie Bauwirischast fordert Ankurbelung. Entlastung der Erwcrbsloseufürsorgs durch normale Bautätigkeit. Berlin. 21. März. (TU.) Etwa 50 Spitze,>- verbände der Bauwirtschaft haben der Reichsregierung in einer gemeinsamen Eingabe erneut ihre Aolläge und ihre Vorschläge zur Mhilse bargelegt. Die Bautätigkeit zeige in ben letzten brei Jahren ben stärksten 21 b - fall im Beschäftigungsgrab. DaS Baugewerbe sei zur Zeit nur noch z u 7 v. H. seiner Höchstbelegschaft beschäftigt. Die Bauwirtfchaft forbere baher WieberausnahmL von Bauten von Eisenbahnen, Straßen, Wasserstraßen, Meliorationen, Hochwasserschutz usw. Sie wolle kein zusätzliches ArbeitsbeschafsungSpro-« gramm. sondern verlange nur, baß diejenigen öffentlichen Arbeiten von den öffentlichen Körperschaften durchgesührt werden, die aus dem natürlichen Baubeburfnis erstehen und die zum Teil deshalb liegen geblieben sind, weil man im üebereifer einer unproduktiven Sparpolitik das Heil in der Drosselung den sachlichen öffentliche,, Ausgaben suchte. Ist bet Eingabe wirb aussührlich auf bie Schlüsselstel, hing ber Bauwirtfchaft für eine ganze Reibtz anderer Industrien und des Handel- hingewiesen. Für bie Finanzierung sei zunächst die durch die Bauarbeiten eintretenbe Entlastung bet! ErwerbSlosenfürsorge in Anspruch Ati nehmen, bie bei Berücksichtigung der mittelbaren ßbftne mindestens 20 v. H. der Dau summe betragen. Bon der Ausfassung .ausgehend daß die erforderlichen Maßnahmen beit Grün blähen bei prvbuktiven ErwerbSlosenfürforg? unterzuordneu sei, wird eine Verstärkung ber Mittel bet Deutschen Gesell Ich ast für öffentliche Arbeiten gelor» bert. schließlich 28. März zu beschränken. In der Begründung zu der Klage ist gesagt, eine erhebliche Störung oder Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung würde nicht eintreten, wenn die Verordnung nicht erlassen worden wäre. Auf jeden Fall aber müsse dem Eventualantrage entsprochen werden, da die gesetzlichen Interessen genügend geschützt sein würden, wenn die Verordnung f ü r d i e Karwoche und die beiden Osterfeier- tage erlassen wäre. Zum mindesten über diese Zeit hinaus entbehre die Verordnung der Notwendigkeit zu ihrem Erlasse und damit der Rechtsgültigkeit. Die Präferenzzollverträge mit Rumänien und Ungarn. Argentinien hält an seinem Einspruch fest. London, 21. März. (211.) Der Berliner Korrespondent der „Times" berichtet, daß nach langen Verhandlungen die Schwierigkeiten, die sich den Klauseln über die Dorzugsbehandlung in den Handelsverträgen mit Rumänien und Ungarn entgegenstellten, jetzt überwunden seien. Nachdem schon früher etwa 20 Staaten, darunter England und Frankreich, ihre Zustimmung erteilt hätten, hätten jetzt auch Rußland, Argentinien und die Tschechoslowakei ihren Widerstand aufgegeben. Eine amtliche Bestätigung über endgültige Abmachungen sei jedoch noch nicht erhältlich gewesen. Anscheinend aber habe die deutsche Regierung Ungarn und Rumänien amtlich davon verständigt, daß alle Aussicht zur Ueberwinduna der Hindernisse bestehe. Man erwarte in Bälde amtliche Vorschläge an die beiden Regierungen zur Inkraftsetzung der Abmachungen. Die „Times" eilt indessen den Tatsachen voraus, da Indien und Argentinien ihreEinsprüche noch aufrechterhalten. Rach Ansicht Berliner politischer Kreise dürfte trotzdem damit zu rechnen sein, daß die Schwierigkeiten, die dem Inkrafttreten der Verträge noch entgegenstehen, praktisch aufgeräumt werden können. Rach einer Meldung aus Buenos Aires dementierte der argentinische Außenminister Saavedra Lamas die aus Berlin stammende Rachricht, Argentinien werde seinen Einspruch gegen die von Deutschland geplanten Vorzugsverträge mit Ungarn und Rumänien zurückziehen. Ganz im Gegenteil habe Argentinien die interessierten drei Mächte offiziell wissen lassen, daß Argentinien nicht bereit sei, auf seine Rechte als meistbegünstigtes Land, die es gemäß dem preußisch- argentinischen Handelsvertrag von 1857 besitzt, zu verzichten. Flottenparitat im Miitelmeer. Neue Verhandlungen zwischen Paris und Nom. L o n d o n, 21. März. (WTD.) Rach dem „Daily Telegraph" ist ein neuer Versuch im Gange, eine französisch - italienische Vereinbarung über die beiderseitigen Kriegsflotten zu erreichen/ Wie verlautet, habe die französische Regierung eine neue Formel aufgestellt, die bestimmt sei, Italiens Anspruch auf Parität mit Frankreich zu befriedigen. Dieses Ziel werde erreicht, indem nicht eine absolute, wohl aber eine Mittel- meer - Parität angeboten werde, d. h. Frankreich sei bereit, sich zu verpflichten, im Mittelmeer Seestreitkräfte von höchstens der Stärke der italienischen zu unterhalten. Das Blatt zweifelt allerdings, daß dieser Vorschlag für Italien annehmbar sein wird. Italien würde sich wahrscheinlich mit der vorgeschlagenen gleichen Stärke der beiderseitigen im Mittelmeer stationierten Scestreitkräfte und auch mit zusätzlichen besonderen Kolonialgeschwadern für den Schuh der französischen Kolonien im Pazifischen Ozean und in anderen Gegenden einverstanden erklären, vorausgesetzt. daß diese Flottenteile nicht ausneu- esten und modern st enSchi f f s t y p c n bestehen. Aller Wahrscheinlichkeit nach werde Italien aber Einwendungen gegen die Forderung Frankreichs nach Sondergeschwadern im Atlantik und in der Rordfee erheben, die mindestens e benso stark sein sollen, wie die Flotte, dieDeutschlandimVersailler Vertrag erlaubt worden ist. Denn es würde Frankreich leicht sein, diese Geschwader einschl der neuen Schiffe, die als Antwort auf die neuen deutschen Panzerschiffe gebaut werden, nachdem M i t t e l m e e r zu werfen, und dadurch eine erdrückende Ueberlegenheit gegenüber der italienischen Flotte erhalten würde. Kleine politische Nachrichten. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, ist vom 1. April 1932 ab die Beförderung der «taats- und Gemeindebeamten in Preußen allgemein wieder fretqcqeben worden. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" hat am Montag um 22.30 UhrKapSi m (Westafrikanische Küste, überflogen. Das Luftschiff fährt bei gutem Wetter mit starkem Rückenwind 80 Meilen in der Stunde. • Präsident Hoover hat einen Aufruf an das amerikanische Volk erlassen, in dem er z u r 5^0- Jahr feier der Entdeckung des L uberkulose-Dazillus auffordert und dem Entdecker Prof.Robert Koch, der die Volker auf der Siegesbahn gegen die Zerstörungs- kräfte der Ratnr geführt habe, unbegrenzte Ehre zollt. Die Tuberkulosesterblichkeit in den Vereinigten Staaten sei seit 1882 auf ein Viertel zuruckgegangen. * Der Verband der Pariser Theaterdirek- t o r en gibt bekannt, daß er angesichts der Unmög. Iichkeit, die steuerlichen Lasten länger zu ü^agen, einstimmig beschlossen hat, die Pariser Theater ab 29. März zu schließen. • Der brasilianische Staat Rio Grande do Sul hat die politischen Beziehungen mit der Bundesregierung in Rio de Janeiro abgebrochen Auch andere Staaten sollen die Beziehungen zu der Bundesregierung abgebrochen haben und einen gemeinsamen Auf st and planen Die Staaten fordern die Wiedereinführung einer verfassungsmäßigen Regierung. Der Führer der Bewegung, der Staatspräsident von Rio Grande do Sul, General Flores da Cunha, ist zu Verhandlungen mit dem Chef der vorläufigen Regierung, Vargas, nach Rio de Janeiro berufen worden. Goethe-Feiern in ganz Deutschland. Das deutsche Volk huldigt dem Olympier. Der Reichspräsident zur Goethe-Gedenkfeier. Der Herr Reichspräsident hat an den Vorsitzenden des Goethe-Ausschusses in Weimar, Staatsminister a. D. Dr. h. c. Leutheußer, Weimar, folgenden Brief gerichtet: Sehr geehrter Herr Staatsminister! Es ist mir ein Bedürfnis, auch Ihnen als dem Vorsitzenden des' Weimarer Goethe-Ausschusses und durch Sie der Bevölkerung der Stadt Weimar mein aufrichtiges Bedauern zum Ausdruck zu bringen, daß es mir durch die politisch« Lage unmöglich geworden ist, der Einladung der thüringischen Regierung zur Goethe-Jahrhundertfeier persönlich zu folgen und den Kranz des deutschen Volkes am Sarge des großen deutschen Dichters selbst niederzulegen. Meine Wünsche begleiten nicht nur den äußeren festlichen Verlauf dieser Feier. Möge der 22. März in unserem Volke den selb'Izerfleischen- den Streit der Meinungen zurücltreren lassen vor dem Gefühl einer schicksalhaft verbundenen deutschen Kultur und Volksgemeinschaft, und möge dieser Tag alle Deutschen in- und außerhalb der Reichsgrenzen zusammenführen in der Er nncrung an eine große Vergangenheit und in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, für die wir, allen Gewalten zum Trohe, über die Rot der Gegenwart hinaus Reich und Volk und auch die deutsche Kunst erhalten wollen! Mit freundlichen Grüßen (gez.) von Hindenburg. Goethe-Gedenkfeier in Weimar. Mit einer glanzvollen Aufführung des „Ur- Götz" gab das Staatliche Schauspielhaus Berlin am Sonntagabend den Auftakt zu einer Reihe von acht Gedenk-Aufführungen, die das dramatische Lebenswerk Goethes lebendig machen sollen. Dis auf den letzten Platz war das Deutsche Rationaltheater beseht und viele mußten, ohne Eintritt erlangt zu haben, umkehren. Die von Ernst Legal in Szene gesetzte Aufführung war trotz des vielfachen B.ldwechsels von eindrucksvoller Geschlossenheit und wurde getragen von der überragenden Leistung Heinrich Georges als Götz von Berlichingen. An den Vortagen gab es bereits eine Reihe kleinerer Feiern, so die Uraufführung des Gocthefilms „Goethe lebt" und ein Rezitationsabend von Ludwig W ü l l n e r. Diel Beachtung fand auch die Uraufführung eines kleinen Goethc-Singspicls „Clau- dine von Dillabella", zu dem Alfred I r m l e r eine neue Opernmusik geschrieben hat. Am Montagnachmittag sprach Thomas Mann. Er gab eine Analyse der Grenzen zwischen Schrift- fteUerberuf und Dichtertum bei Goethe, indem er an einer großen Zahl von Zitaten nachwies, daß Goethes Dichtertum, aufgebaut auf der Liebe zu allem Lebendigen, dort über den bloßen Beruf hinauswächst, wo er zum Erzieher wird und die sittlichen Gesetze seiner Zeit neu formt. Am Abend bot das Stadttheater Bochum als zweites Ehrengaftfpiel der Gedenkreihe den „Egmont" unter der Regie des Intendanten Saladin Schmitt. „Goethe und seine Drucker" in Mainz. Mainz, die Geburtsstadt Gutenbergs, hat im Einverständnis mit dem Goethe-Archiv zu Weimar, dem Betreuer des Goetheschen Erbes, beschlossen, in gemeinsamer Arbeit zur zeitüberdauernden Darbietung und Gestaltung dem Werke Goethes die endgültige wissenschaftliche Festlegung des reinen, ungetrübten Goetheschen Textes durch das edle typographische Gewand die Vollendung zu geben. Die Welt-Goethe- Ausgabe ist als ein Denkmal gedacht, das die Menschheit unserer Zeit dem Genius errichtet. In diesem Gedanken waren auch die Worte gehalten, die Oberbürgermeister Dr. Ehrhard gelegentlich der Eröffnung der Ausstellung „Goethe und seine Drucker" im Gutenberg-Museum einleitend vortrug. Heber Gutenberg und Goethe selbst sprach Professor Ehr. H. Kleukens. Anschließend fand eine Besichtigung der Goethe-Ausstellung statt. Erstaunlich ist der Farbenreichtum dieser Ausstellung, die rund anderthalb Jahrhundert umspannt. Der deutsche Geist, der sich für die Welt in Gutenberg und Goethe verkörpert, wird durch die Ausstellung weitesten Kreisen vor Augen geführt, von den Erstdrucken Goethescher Werke bis zu dem jüngsten Druck der Welt-Goethe-Ausgabe. 3« Leipzig. In Leipzig hatten der Rat der Stadt, der Akademische Senat der Tlniversität und das Reichsgericht zu einer Goethe-Gedenkfeier ins Reue Theater geladen. Die Leipziger Feier wurde eingeleitet durch Goethes Proemion „Im Ramen dessen, der sich selbst erschuf", das von Llniversitätsmufikdirektor G r a b n e r vertont und unter seiner Leitung von der llniversitätssänger- schäft St. Pauli zum Vortrag gebracht wurde. Dann begrüßte im Ramen der Stadt, der Universität und des Reichsgerichts Oberbürgermeister Dr. Goerdeler die Festgäste. Er machte die Mitteilung, daß die Stadt eine von Saudek geschaffene Goethemaske der Universität für das Germanistische Museum zum Geschenk gemacht habe. Die Festrede hielt Llniversitätsprofessor Dr. K o r f f, früher in Gießen. Als zweiter Redner sprach der Rektor der Universität Leipzig, Professor Dr. Litt. De stimmungsvolle Feier wurde abgeschlossen durch das Vorspiel zu Wagners Oper „Die Meistersinger von Rürnberg" durch das Stadt- und Gewandhaus-Orchester. In München. Im alten Rathaussaal fand am Montag die offizielle Goethe-Gedächtnisfeier der bayerischen Staatsregierung, des Stadtrats München, der Münchener Goethegesellschaft und der Deutschen Akademie statt. Zu der Feier waren außer den Vertretern der Staatsregierung und des Stadt- rates der ehemalige KronprinzRupprecht und Prinz Alfons, sowie eine große Anzahl Persönlichkeiten des politischen, wissenschaftlichen und kulturellen Lebens erschienen. Kultusminister Dr.Goldenberger betonte, daß die geistigen Bande, die den Dichter mit Bayern und München verknüpften, die reichsten und engsten geworden seien. Die Akademie der Wissenschaften zählte Goethe »u ihren Mitgliedern. König Ludwig!.. der mit Goethe jahrelang in regem Briefwechsel stand und ihn durch wertvolle Ehrengeschenke auszeichnete, lieh ein Bildnis Goethes schaffen, das heute noch die Reue Tinakothek schmückt, und überbrachte persönlich dem Dichter in Weimar au seinem 78. Geburtstag Grohkreuz und Stern des Zivilverdienstordens der bayerischen Krone. Goethes Düste wurde in die Walhalla ausgenommen, und Dahem wirkte mit, daß Goethes Haus und Sammlung als deutsches Rationaldenknral dem deutschen Volk erhalten wird. In München wurde das Goethe-Institut der Deutschen Akademie zur Fortbildung ausländischer Deutschlehrer gegründet und mit dem heutigen Tage eröffnet. Em neues Kapitel aus dem Sklarek-prozeß Der Zeuge Brolat Berlin, 21. März. (CNB.) Im Sklarek-Prozeß sagte der Direktor der BVG. (Berliner Verkehrs-Gesellschaft, städtisch) B r o l a t, aus, daß er sich m i t allendreiB rüder nSklarekgeduzt habe, daß sie Einladungen ausgetaufcht, miteinander Lokale besucht hätten. Er habe sich von den Sklareks aber nicht freihalten lasten. Vorsitzender: „Sind Gelder für politische Zwecke durch Ihre Hände gegangen?" — Zeuge: „Nein. Nach anderthalbjähriger Bekanntschaft fragte einmal Leo Sklarek, ob er nicht in d i e Sozialdemokratische Partei eintreten könne, worauf ich einen Aufnahm es chein für ihn untertrieben habe. Später hat er mir gesagt, daß er sehr viel Unterstützungen gebe, und er hat sich erkundigt, ob es angebracht wäre, wenn er etwas für d i e Partei geben würde. Er (Brolat) habe gesagt, wenn er etwas übrig habe, solle er das ruhig tun. Die Gelder seien aber nicht durch feine Hand geflossen. Daß die Sklareks das Reichs- bannerunter stützt hätten, fei ihm bisher nicht bekannt gewesen." Der Vorsitzende ging bann auf die Garde- robelieferungen ein. Brolat erklärte, daß er seit Ende 1926 für sich und zum Teil für feine Familie durch die Sklareks Kleidungsstücke bezogen habe. Der Vorsitzende hielt Direktor Brolat vor, daß nach den Kontobüchern der Sklareks einzelne Anzüge, Mäntel usw. nur mit Beträgen von 7 5 bis 90 RM. berechnet waren, während bei anderen der Preis überhaupt fehlte. Brokat erklärte, daß es sich zum Teil um Anzüge für seinen Sohn handle. Brolat räumte dann ein, daß er bei den Sklareks mit der Zahlung etwas in Verzug geraten fei. Vorsitzender: „Sie bekommen dock ein Gehaltvon72000RM. Damit kann man doch Kleiderrechnungen bezahle n." — Brolat: „Ich habe doch mein Gehalt vierteljährlich bekommen." — Vorsitzender: „Dann bleiben aber immernochfür de n Monats — 6000 RM." — Brolat: „Da gingen doch auch die Steuern ab." — Vorsitzender: „Was haben Sie sich dabei gedacht, daß Ihnen die Sklareks 100 Mark pro Anzug schenk' ten?" — Brolat: „Sie haben doch von mir keine Vorteile gehabt." — Vorsitzender: „A b e r S i e, das ist viel schlimmer." Brolat gibt auf eindringliches Befragen des Vorsitzenden zu, daß er von Max Sklarek sechs Hemden geschenkt bekommen habe. Vor« sitzender: „Was haben denn die Hemden gekostet?" bleibt unvereidigt. Zeuge: „Ich glaube, über 35 Mark das S t ü ck." Vorsitzender: „Herr Zeuge, bleiben Sie bei der Wahrheit. Die Hemden haben zusammen 819 Mark gekoste t." Brolat: „Als ich nach der Verhaftung der Sklareks mich bei der Firma nach dem Preis erkundigte und die Suinme erfuhr, habe ich das für unmöglich gehalten. Ich bat, mir die Rechnung auf 12 Hemden aufzuschreiben, weil ich bei meiner einfachen Lebensweise nicht solche kostbare Wäsche zu tragen pflege." Weiter kamen die Ll n i f o r m l i e f e r u n- gen der Sklareks für die Straßenbahn zur Sprache. Brolat erklärte, daß er zwar Dezernent, aber für die Bestellungen nicht allein zuständig gewesen sei. Vorsitzender: „Es fällt auf, daß nach dem Eintritt Ihrer Person in die Gesellschaft die Sklareks bezüglich der Größe der Lieferungen an die zweite Stelle rückten, während sie früher weiter hinten standen." Zeuge: „Man darf die Lieferungen nicht im Jahresdurchschnitt miteinander vergleichen. Die Sklareks waren früher nicht so berücksichtigt worden, und cs handelte sich um einen Ausgleich." Weiter hielt der Vorsitzende Brolat vor, daß nach dem Zusammenbruch der Sklareks ihr früherer Zuschneider Fischer die Lieferungen bei der BVG. bekam. Brolat: ..Fischer kam zu mir, und da ich ihn als einen tüchtigen Menschen kennengelernt hatte und er mir sagte, er wolle sich selbständig machen, habe ich ihm e i n e n Auftrag über 1 30000 Mark gegeben.“ Vorsitzender: „Haben Sie etwas davon gehört, daß die Frauen der Sklareks an dem Fischerschen Geschäft beteiligt fein sollen?" Zeuge: „Rein, das ist mir unbekannt." Staatsanwaltschaftsrat Dr. Weißenberg hält dann Brolat vor, daß Zeugen bekundet hätten die Sklareks hätten in der letzten Zeit vor ihrer Verhaftung wiederholt in dem Vergnügungslokal „Ambassadeur" Zechen von 3000 Mark g e m a <6 t, an denen auch er, Brolat, tcilgenom- men habe. So habe Leo Sklarek einmal in Anwesenheit Brolats einer Damenkapelle von 12 Mitgliedern jeder der Damen Bonbonieren zu 35 Mark und Puppen zu 4 5 Mark das Stück gestiftet. An diesem Abend seien 40 Flaschen französischen Sekts getrunken und nur Kaviar gegessen worden. Brolat erklärt jedoch, nicht dabei gewesen zu sein. Er bleibt auch dabei, als dek Vorsitzende noch bemerkt, daß an einem dieser Abende Leo Sklarek der Kapellmeisterin einen Kuß geben wollte und i h r dafür 1 0 0 0 O Mark auf den Tisch gelegt habe. An einem ähnlichen Abend soll Leo Sklarek u. a. zu Brolat gesagt haben: „Mein lieber Brolat. Wir sind doch nur ganz große Strolche." Als Bro- lat hier bestreitet, jemals mit den Sklareks in weiblicher Gesellschaft zusammengewesen zu sein, teilt plötzlich Leo Sklarek mit. es fei richtig, daß sie verschiedentlich abendliche Zechen von 3000 Mark gemacht hätten. Einmal sei es der Fall gewesen, daß bei ihnen ein Ober- bürgermeister aus dem Rheinland gewesen sei, der gleich vier Mädchen auf einmal auf dem Schoß gehabt hätte. Rach Beendigung der Vernehmung beantragt Oberstaatsanwalt Freiherr von Steinaecker den Zeugen Brolat wegen des Verdachts der Begünstigung nicht zu vereidigen. Die Rolle D's sei sehr bedenklich, und es müsse, wenn auch nicht in diesem Verfahren, die Frage geprüft werden, ob Brolat sich nicht der passiven Bestechung schuldig gemacht habe, weil er von den Sklareks Kleidung bezog und ihnen die Lieferungen für die Straßenbahn zukommen lieh. Das Gericht beschloß, den Zeugen Brolat n i chck^ zu vereidigen, weil er bei den zur Verhandlung stehenden Straftaten als Begünstiger verdächtig erscheint. Aus aller Welt. Tagung der Hauptgemeinschast des Deutschen Einzelhandels. Die geschlossene Mitgliederversammlung der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels stand unter dem Eindruck insbesondere der durch die Rotverordnung vom 9. März 1932 geschaffenen Lage auf dem Gebiet des Wettbewerbswesens innerhalb der Warenverteilung. Die Versammlung nahm mit großem Interesse die instruktiven Ausführungen des Staatssekretärs Prof. Dr. P o p i h zur Frage des Finanzausgleichs entgegen. Rach dem Bericht des Geschäftsführenden Vorstandsmitgliedes, Dr. Tiburtius, wurde in der anschließenden Diskussion die Rotverordnung vom 9. März 1932 als erste Maßnahme der Regierung begrüßt, die auf die dringendsten Erfordernisse des Einzelhandels besonders eingeht. Die erfolgte Zugabenregelung. wm'de freilich durchweg als ungenügend bezeichnet: die Hauptgemeinschaft wiederholt ihre Federung nach einem klaren Zugabeverbot. Begrüßt wurde besonders die Regelung des Ausverkaufswesens. Es trat einhellig der Wille hervor, diesen Ausgangspunkt berufsständischer Gemeinschaftsarbeit zu einem wirksamen Mittel der Reinigung der We t tb ewer bss i t ten auszugestalten. Hingegen wurde eine Verschärfung zur Unterbindung des sog. Lockartikel- unwesens allgemein gewünscht. Es wurde die Ausdehnung der Sperre für die Einheitspreisgeschäfte auf alle Orte gefordert. Ferner wurden klarere und schärfere Bestimmungen bezüglich der Einhaltung handelsüblicher Maße und Gewichte verlangt. Einbruch in einem Kasseler Warenhaus. Einbrecher haben im Warenhaus Leon- hardTietzAG. mit einem Sauerstoffgebläfe den Tresor geöffnet. Soweit bisher feststeht, ist etwa ein Betrag von 2 5 0 0 0 Mark den Verbrechern in die Hände gefallen. Am Tatort fand man zwei Zeitungen vor, darunter ein Berliner Blatt von diesem Monat. Man nimmt daher an, daß es sich um eine ausroärtige Diebesbande handelt: bisher find jedoch noch keine weiteren Spuren der Verbrecher entdeckt worden. Die Vermutung liegt nahe, daß sich die Einbrecher bereits am Samstag eingeschlichen und versteckt haben. Durch ein offenftehew des Fenster haben sie dann wahrscheinlich das Warenhaus wieder verlassen. Der Wächter des Hauses hat von dem nächtlichen Treiben nichts bemerkt. Elli Beinhorn fliegt von 3aoa nach Australien. Die Fliegerin Elli Beinhorn ist von Soe- rabaja zum Weiterflug nach Australien mit dem Endziel Sidney gestartet. Sie wird über die Inselgruppen Riederländisch-In- diens fliegen und die Infeln Flores und Timor zur Landung benutzen. Zwischen der Insel Timor und dem Festland von Australien hat die Fliegerin mehr als 600 Kilometer über dem offenen Meer zu überfliegen. Schwere Wirbelsturmkatastrophe in USA. Bei einem Zyklon in Alabama in der Rähe der Grenze des Staates Mississippi sind a ch t Personen ums Leben gekommen. Die Stadt R o r t h p o r t wurde zerstört: zahlreiche Feuersbrünste sind dort ausgebrochen. Auch drei andere Städte haben Schaden erlitten. Von dem Wirbelsturm wurden außer Alabama auch die Staaten Kentucki und Tennessee h e i m g e s u ch t. Die Zahl der Todesopfer soll sich dort auf etwa 100 belaufen, mehrere hundert. Menschen sind obdachlos geworden. Die auf den Wirbelsturm folgenden Wolkenbrüche erschwerten das Rettungswerk außerordentlich. Bandenüberfall auf einen Exprehzug in Mexiko. Mexikanische Banditen machten einen dreisten Raubüberfall auf den Exprehzug Laredo — Mexiko, nachdem sie ihn im Staate Queretaro durch Ausreißen der Schienen zum Stehen gebracht hatten. Hierbei entgleisten die Lokomotive und vier Wagen und stürzten um. Die unter den Fahrgästen entstandene Panik wollten die Bandidten für ihren Raub ausnutzen. Die militärische Begleitmannschaft stellte sich ihnen jedoch entgegen, und es entspann sich in der dunklen Rächt ein heftiges halbstündiges Feuergefecht, bei dem einer der Banditen getötet und ein Soldat verwundet wurde. Dann ergriffen die Banditen die Flucht, ohne ihren Zweck erreicht zu haben. Lawinenunglück im Engadin. Am Sonntag unternahmen drei Touristen eine Tour nach dem Piz Foraz. Sie wurden beim Anstieg von einer großen Lawine überrascht. Alle drei wurden von den Schnee- massen erfaßt und mitgeriffen. Während zwei sich aus den Schneemassen befreien konnten, war der 26jährige Diplomingenieur Ganter, München, unauffindbar. Die herbeigerufene Rettungskolonne, die erst gegen 1 LIHr nachts eintraf, konnte ihn nur noch a ls Leiche bergen. Lloyd Georges „Weg nach Damaskus". LlohdGeorge ist, feit er zu politischer Sin# fluhlvsiakeit verurteilt wurde, ein um so eifrigerer Journalist und Bücherschreiber geworden. Gr hat jetzt wieder ein neues Duch über die Reparationen veröffentlicht, dessen erster Teil den kennzeichnenden Titel .Der Weg nach Damaskus" trägt. Das Duch ist eine wahre Fundgrube für die deutsche Politik und hätte eS verdient, daß Deutschland für möglichst weite Verbreitung auch im Auslande sorgt. Denn Lloyd George arbeitet darin mit Deweisgrün- den, die unS nur nützlich sein können. GS ist immerhin schon interessant, wenn er den Standpunkt vertritt, dah es nicht mehr derMühe wert fei, auch nur den Versuch zu machen, irgendeinen Teil der ReporotionSschulden zu retten. Es ist ebenso bemerkenswert, wenn er einmal objektiv würdigt, was Deutschland alles schon gezahlt hat, und nennt das eine gewaltige Zahlung für ein besiegtes Land. Sv kommt er zu dem Ergebnis, dah eine demokratische Regierung in Deutschland nicht zahlen kann, eine nationalistische oder kommunistische Diktatur aber nicht zahlen werde, dah also so oder so weitere Reparationen auS Deutschland nicht zu erhalten fei.cn. Und er führt sehr hübsch den Franzosen zu ®e- mütc, dah es zwecklos sei, das große Wort von der Heiligkeit der Verträge noch im Munde zu führen, denn die Verbündeten selb st seien eS gewesen, die durch ihre schamlose Weigerung, ihren Verpflichtungen nachzukommen, dieses schöne Argument stark in Mißkredit gebracht hätten. Gerade Frankreich sei aber das letzte Land. daS es mit dem Vertrage von DersaiileS allzu genau nehmen dürfe: siehe Abrüstung! Frankreich- Landrüstungen seien eigentlich ein einziger Druch der Versprechungen von Versailles. Vesser kann auch von deutscher Seite das verlogene System, unter dem seit 15 Jahren in Deutschland Politik gemacht wird, nicht gekennzeichnet werden. Rur schade, dah Lloyd George selbst diese Erkenntnis so spät gekommen ist. Gr war in den entscheidenden Jahren. als die Auspowerung Deutschlands begann, englischer Ministerpräsident. Er hatte nicht einmal, er hatte wiederholt die Gelegenheit e.nzugreisen und die ganze europäische Politik aus ein anderes GleiS zu schieben. Er ist von großen Leuten oft genug darauf aufmerksam gemacht worden, daß dis Politik. die er trieb, den englischen Interessen unmittelbar abträglich sei, weil sie daS Gleichgewicht in Europa vernichtete und England gar zu sehr von Frankreich abhängig machte: Lloyd George hat diese Warnungen überhört. eS ist also mehr als billig, wenn er jetzt seineRachsolger dafür verantwortlich macht, daß fie unter den Folgen seiner eigenen Politik zu leiden hätten. Und England selbst hat ihm die Quittung ja auch bereits längst ausgestellt, indem es seiner Partei das Vertrauen versagte, und Llovd George zu einem Führer ohne P artet mahle. Immerhin, er hat feinen Weg nach Damaskus gefunden, hoffentlich macht er Schule. Aus der provmzialhauptstavt. Gießen, den 22. März 1932. Hauptversammlung des Verkehrs- und DerschönerungSvereinS. Der gestrigen diesjährigen Hauptversammlung des Verkehrs - und Verschönerungs- Vereins ging alS Sonderveranstaltung eine Vesichtigirng deS städtischen Glektri- zitätswertes voraus, die eine große Anzahl Vereinsmitglieder zum gemeinsamen Rundgang durch daS Werk vereinigte. Unter der Führung der Herren Direktor S t o l t e. Dipl.-Ingenieur Kuntzemüller und DetriebSoberinspektor Dreyer nahmen die Vesucher da» Werk in ollen Teilen in Augenschein. Die Besichtigung gab den Gästen ein eindrucksvolles Bild von der großen Bedeutung dieses städtischen Betriebes. Die aufschlußreichen Belehrungen, die von den Führern den in drei Gruppen daS Werk durchwandernden Gästen gegeben wurden, sanden allenthalben dankbare Aufnahme, da sie einen wertvollen Einblick in den ArbeitSgang deS Betriebes gaben. 3m Anschluß an diesen Werkbesuch sand im „Aquarium" die3 ahreS-Hauptversamm- I u n g statt. Der VereinSvorsitzende, StadtratS- mitglied Apotheker Sch wieder, sprach zunächst Herrn Direktor S t o l t e herzlichen Dank aus für die Genehmigung zur Besichtigung des Elektrizitätswerkes, ferner dankte er ihm und den beiden anderen Herren der Führung für die Mühewaltung. der sie sich im Interesse der Besucher unterzogen hatten. Anschließend brachte der Schristsührer, Verwal- tungSsekretär M a u S, den von ihm verfaßten Geschäftsbericht über die DereinStätigkeit im Jahre 1931 zur Kenntnis der Versammlung, der ein sehr aufschlußreiches Bild von der vielfältigen Tätigkeit deS VereinsvorstandeS gab und wertvolle Fingerzeige für weitere Maßnahmen im Interesse einer weiteren gedeihlichen Derkehrswerbung enthielt. Wir werden auf diesen Bericht noch zurückkommen. Im Anschluß an den Geschäftsbericht entspann sich eine rege Aussprache, in der von zahlreichen Rednern, unter gerechter Würdigung der Tätigkeit des Vereinsvorstandes, wichtige Ausgaben und kommunalpolitische Fragen unserer Stadt besprochen wurden. 11. a. wurden von Herrn Sternberg (Reiskirchen, Wünsche hinsichtlich der Verbesserung der Verhältnisse auf dem Viehmarktplatz vorgebracht, die für die nächste Zeit aus die Herrichtung von Anbindegelcgenheiten für die Tiere und weiterhin auf die Schaffung einer Heber» dachung des Platzes hinausliefen. Die Unterstützung deS erstgenannten Wunsches wurde von mehreren Seiten, auch aus Stadtratskreisen, zu- aesagt, für den weiteren Wunsch besteht ebenfalls Verständnis und Sympathie, und man wird sich für dessen Erfüllung einsehen, sobald die Finanzen der Stadt eS ermöglichen. Weiterhin wurde über eine Verbreiterung des Straßen- aeländes an der Grundstücksspihe Reuen Däue-Reuenweg vor der Stadt- post gesprochen, da dort für den Verkehr bedenkliche Zustande bestehen: Besserungsmöglichkeiten sind auch hier in Aussicht. In längerer Aussprache beschäftigte man sich sodann mit dem Fahrpreis der Straßenbahn, wobei man zu dem Ergebnis kam, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen die Verbilligung der StSaßenbahn- sahrt durch Ausgabe von Fahrscheinheftchen (fünf Scheine 65 Pf.) auf 13 Pf. pro Fahrt das für den Betrieb weitmöglichste Entgegenkommen und für die Bevölkerung annehmbare Ergebnis deS Preisabbaues darstellt. Fernerhin wurde allgemein bedauert, dah die dringende Rotwendigkeit der Mitgliedschaft im Verkehrsverein von vielen Geschäftsleuten immer noch nicht erkannt, ja vielfach sogar verkannt wird. Heber- einstimmend wurde, insbesondere von Geschäftsleuten, hervorgehoben, daß es für jeden Geschäftsmann im eigenen Interesse dringend erforderlich sei. dem Verkehrs- und Verschönerungsverein anzugehören, da durch dessen Werbetätigkeit die wirtschaftlichen Interessen der Geschäftswelt die beste Förderung erfahren. Der vom Rechner, Kaufmann Loeb, vorgelegte Kassenbericht für 1931 verzeichnet an Einnahmen 5578,92 Mk., an Ausgaben 6705,65 Mark, mithin eine Mehrausgabe von 1126,73 Wk-, die durch Rückgriff auf das VereinSvermöacn gedeckt wurde. Das Vermögen deS Vereins belief sich nach dieser Inanspruchnahme am 31-Dezember 1931 noch auf 3802,27 Wk- Der verhältnismäßig ungünstige Kassenabschluß ist auf erhebliche Verringerung des städtischen Zuschusses und auf Ein- nahmcaussall durch Mitgliederaustritte zurück- zuführen. Dennoch ist die finanzielle Lage des Vereins alS gesund zu bezeichnen. Dem Rechner | wurde unter dankbarer Anerkennung seiner Tätigkeit für den Verein einstimmig Entlastung erteilt. Sodann wurde der Ausschuß, aus dessen Mitte der engere und geschäftsführende Vorstand bestimmt wird, in der bisherigen Zusammensetzung einstimmig wiedergewählt. Zum Schlüsse beschäftigte man sich mit der Durchführung von Werbemaßnahmen und mit Anregungen über die Schaffung von Ruhebänken, Omnibusverbmdungen, Telephon-Schnellverkehr usw. Bornotizen. — Tageskalenderfür Dienstag. Stadttheater. „Candida", 20 bis 22.30 Uhr. — Hausfrauen.Beratung: 20 Uhr, Einhorn, Ausstellung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ronny". — Aus dem Stadttheaterbureau Wird uns geschrieben: Heute, 20 Hhr, Erstaufführung des Kammerspiels „Candida". Mysterium in drei Akten von Dernh. Shaw, deutsch von Siegfried Trebitsch. Peter Fossott führt Regie. Die Titelrolle spielt Frau Maria Koch. Pastor Morell wird von Peter Fassott, der Dichter Euaen March- banks von Karl Druck dargesteUt. Die Aufführung gilt als 23. Vorstellung im Dienstag-Abonnement. Ende 22.30 Hhr. — Am morgigen Mittwoch, 23. März, 19 Hhr als 23. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement Operngastspiel des Hess. Landestheaters Darmstadt mit ,Don Juan" von Lorenzo da Ponte. Musik von W. A. Mozart. Musikalische Leitung: Dr. HarrS Schmidt-Isserstedt. Inszenierung Rabenalt und Reinking. Opernpreise. Vorzug- und Rundfunkgutscheine haben Gültigkeit. Ende 22 Hhr. • •• Zur Wachttruppe in Berlin kom- mandiert. Die Maschinengewehr-Kompanie unsres Bataillons, die von Hauptmann Hofmann geführt wird, ist mit Wirkung vom 1. April ab auf ein Vierteljahr zur Wachttruppe in Berlin kommandiert worden. Die Maschinengewehrkompanie wird am 1. April um 14.41 Uhr von hier nach Berlin ab- fahren. ** Brand im Baden stetionen stehenden Ze* Un geben die Temperatur an. Oie Linien verbinden Orte mit gicicbcÄ •gl neertsnieeau umgerechneten Lufldruch Wettervoraussage. lieber den britischen Inseln, Frankreich und Süddeutschland ist es zu Niederschlägen gekommen, di» teils dem Islandtief, teils der Mittelmeerstorung ent. stammen. Eine weitere vollständige Ausbreitung nach dem übrigen Deutschland ist nicht zu erwarten, denn der hohe Druck behauptet seine Vorherrschaft, zumal auch der Kern über Skandinavien sich weiter ausgedehnt und nach Dänemark und der Ostsee hin ver- lagert hat. Kühle Luft drinat infolgedessen vor die tagsüber ihren Einfluß auf dte Temperaturen geltend macht, und nachts gehen die Werte unter den Gefrierpunkt zurück. Aussichten für Mittwoch: Zeitweise bewölkt, sonst aufheiternd, keine oder nur vereinzelt geringe Niederschläge, teils als Schnee, Nachtfrost, tagsüber etwas kühler. Aussichten für Donnerstag: Fortdauer der Hochdruckwetterlage mit leichtem Nachtfrost. Lufttemperaturen am 21. März: mittags 6,2 Grad Celsius, abends 2,5 Grad: am 22. März: morgens — 0,7 Grad. Maximum 6,5 Grad, Minimum —2,6 Grad — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 21. März: abends 4,9 Grad: am 22.Mär§: morgens 1,8 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 4n Stunden. Sprechstunden der Redaktion. 1L30 bis 12.30 llyr. 16 bis 17 Uhr. Samitag nachmittag geschloffen. * ^U.tiL.UlA^vThcKFN Uh. - NSU VEREINIGTE FAHRZEUGWERKE A.-G. N ECKARSULM / WÜRTTEMBERG! Ladenpreis: Mit kompl Ausrüstung HERRENRAD RM.24.57 DAMENRAD RM.26O." 2258 D Verlangen Sie bitte Angebot. 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Die Beerdigung findet statt: Donnerstag, nachmittags 3 Uhr, in Darmstadt auf dem Alten Friedhof. 2271 D Heute vormittag 61/« Uhr verschied infolge eines Schlaganfalls unser lieber Vater, Großvater, Urgroßvater Heinrich Wagner II Gastwirt im 89. Lebensjahr. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen; Familie Wilhelm Wagner II., Gastwirt Familie Heinrich Wagner III. Familie Ludwig Häuser III. Familie Wilhelm Scheid III. Nr. 69 Zweiter Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Dienstag, 22. März (952 Aus der Provmzialhauptstad^ (Sieben, den 22. März 1932. Einmalige Unterstützun gen für Krieger- Hinterbliebene und Leichtbeschädigte. Der Verband der Kriegsbeschädigten und Äric- gerhinterbliebenen der Kriegerkameradschast sia", Provinzialgeschästsstelle Oberhesscn in Gießen, teilt uns mit: Auf Grund der Zweiten Notverordnung vom 5. Juni 1931 und der damit im Zusammenhang stehenden Aendcrung der Bestimmungen über die Zusatzrente können kinderlose Witwen unter 4 5 Zähren und Leichtbeschädigte eine Zusahrentc nicht mehr erhalten. Durch einen Erlaß vom 2. Oktober 1931 hatte der Reichs- arbeitsminister verfügt, daß im Hinblick auf die große Notlage, in der sich ein Teil der erwähnten Personen befindet, in besonders dringenden Fällen im Wege einer einmaligen Unterstützung geholten werden solle. Die Hnterstühungsbeträge sind nach dem Einkommen gestatselt gezahlt worden. 3n einem dem Kysihäuserverband der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebcnen soeben zugegangenen Erlaß hat der Neichsarbeitsmini- ster die Hauptfürsorgestellen angewiesen, denjenigen Dersorgungsbcrechtigten des vorerwähnten Personenkreises, die eine einmalige Unterstützung auf Grund des Oktobererlasses erhalten haben, eine solche nochmals in Höhe der Hälfte der damaligen Sätze zu zahlen. Die Auszahlung erfolgt durch die Fürsvrgestellen. Mit dieser zweiten Auszahlung werden folgende Beträge i m ganzen ausgeschüttet: An kinderlose Witwen unter 45 Jahren je nach ihrem sonstigen Einkommen 75. 60 oder 45 Mark: an Beschädigte mit einer Erwerbsminderung von 40 Prozent, die infolge ihres Alters oder sonstiger nicht aus Dicnsibcschädigung beruhender körperlicher oder geistiger Gebrechen dauernd erwerbsunfähig sind, 45 Mark, für jedes Kind dieser Beschädigten 15 Mark. Zn den nach der ersten Ausschüttung von den Hauptfürsorgestellen noch gemeldeten, aber bisher nicht berücksichtigten Fällen können gleichfalls die obenerwähnten Unterstützungsbeträge gezahlt werden. Besonders erfreulich ist es, daß nach dem gleichen Erlaß für begabte und fleißige Kriege rwaif en, die nach Vollendung des 21. Lebensjahres und Wegfall der Waisenrente eine Hoch- oder Fachschule besuchen, und die nach einem früheren Erlaß als Ersatz für die stark herabgesetzte Erziehuugsbeihilse einmalige Unterstützungen bis zur Höhe von 100 Mark erhalten tonnten, diese Unterstützungen hinfort in besonders dringenden Fällen aus 150 Mark erhöht werden können. Allen Waisen, die die erwähnte Unterstützung bereits erhalten haben, soll der Betrag von 50 Mark nachträglich gezahlt werden. Daten für Dienstag, 22. März Sonnenaufgang 6.25 Uhr, Sonnenuntergang 18.40 Uhr. — Mondaufgang 19.01 Uhr, Monduntergang 6.12 Uhr. 1797: Kaiser Wilhelm L in Berlin geboren: — 1832: Johann Wolfgang von Goethe in Weimar gestorben. ** Zug der Schneegän'se. Am Samstag 19.25 Uhr flog eine Schar Schneegänse, aus der Richtung Klein-Linden kommend, über unsere Stadt. Infolge der Dunkelheit konnte ihre Zahl nicht festgestellt werden. Am Sonntag zwischen 15 und 16 Uhr überflogen I Schneegänse Dornholzhausen (Kreis Wetzlar). Die Tiere kamen aus südwestlicher Richtung und flogen in nordöstlicher Richtung weiter. ** Gießener Pädagogium. Die am 18. Marz unter dem Vorsitz von Dekan Widmann abgehaltene R. V. (frühere Einjährigen)- Prüfung bestanden sämtliche 13 Prüflinge. •* Steuerbewertung eines Bau- bl o ck s. In den vom Wirtschaftsprüfer und Steuersyndikus Hermann Will zu Gießen her- ausgegebenen „Aktuellen Eteuersragen" (Rundschreiben Nr. 6) lesen wir: Der Wert eines zahlreiche Baustellen enthaltenden Daublocls darf in der Regel nicht aus Kaufpreisen abgeleitet werden, die für einzelne für sich verkaufte Baustellen in der betreffenden Gegend erzielt worden sind. Zu ermitteln ist vielmehr der Preis, den ein Käufer Goethe-Bund. tooi'tfjcsOkbentitnnbe. Am Vorabend von Goethes 100. Todestage hatte der Gießener Goethe-Bund, seiner verpflichtenden Mission bewußt, zu einer stark besuchten Gedenkstunde in der Neuen Aula eingeladen. Die Dortragsfolge wurde von einer kurzen Eröffnungsansprache eingeleitet: Dr. Carl W a l b r a ch hieß im Namen des Vorstandes die Erschienenen herzlich willkommen. Er umriß in knappen Zügen Sinn und Aufgabe der Gedenkfeier: nicht eine Charakterisierung aus zweiter Hand solle Wesen und Werk Goethes den Versammelten nahebringen — Goethe selbst solle durch den berufenen Mund des großen greifen Rezitators Dr. Ludwig W ü l l n e r das Wort haben. Wer sich das Thema „Goethe und die Gegenwart" stelle, müsse sich vor allem gegen das Trugbild vom „harmonischen" Goethe wenden. Hinter der olympischen Maske der faustische Mensch—: das sei das Goethe-Bild, welches für die Gegenwart Geltung habe. Der nachklingende Eindruck der Gedenkfeier war beherrscht von der meisterlichen Dortragskunst Ludwig W ü l l n e r s , des hervorragendsten deutschen Goethesprechers. Er begann mit einer Auswahl aus der Lyrik und sprach zunächst die „Zueignung", die das Gesamtwert gleichsam präludiert: hieran schloß sich, in ausgezeichneter Gliederung, der „Gesang der Geister über den Wassern". Entschiedene Höhepunkte dieses ersten Teiles: „Wanderers Nachtlied". „Heber allen Gipfeln" und — die Krone der Goetheschen Lyrik — das Weimarer Mvndlied, wundervoll schwebend und beruhigt gesprochen. 3n lebhaftem Kontrast hierzu die heiter unb elegant bar- gebotenen Verse „Meine Göttin". Den Abschluß dieser ersten Folge bildeten „An Schwager Kronos" und der berühmte „Prometheus": beides wirkte .wenn der Ausdruck hier gestattet ist, hoch- dramatisch und schaffte dem Sprecher einen glänzenden Abgang. Heberhaupt erwies sich als hervorstechendes Wesensmerkmal der Wiillnerschen Vortragskunst die überaus wirkungsvolle Verschwisterung von des ganzen Baublocks schätzungsweise anlegen würde zu dem Zwecke, den Block zu parzellieren und in einzelnen Baustellen weiter zu veräußern. Dabei ist als wertmindemder Hmstand zu berücksichtigen, daß regelmäßig bis zum Weiterverkauf aller Teile geraume Zeit vergeht. (RFH. vom 12. November 1931 — Hl A 293 31.) " D e r D e re i n C r e d i t r e j o r in e. B. G i e - feen hielt am Donnerstag in seinen Geschäftsräumen seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ob. Aus dem Bericht des (tzeschäftsführers für 1931 ging als besonders bemerkenswert hervor, daß auch der Verein Credit^eform unter dem Eindruck der Dezember-Notverordnung seine Preise für Auskünfte um 10 v. H. gesenkt hat. Eine starke Zunahme sanden die zu gegebenen Auskünften kosten los erteilten Nachträge Die Nachträge beliefen sich in letzter Zeit auf ungefähr 25 v. j). der erteilten Auskünfte. Da der Grund zur Erteilung von Nach- trägen meist in ungünstigen Veränderungen in den Verhältnissen der beurteilten Firmen lag, ergibt der genannte Prozentsatz ein Bild von der bedenk, lich. a Verschlechterung der Wirtjchastslage. Stark in Anspruch genommen wurde das Mahnversahren des Vereins, auch ein Zeichen für die Schwierigkeiten, mit denen die Wirtschaft heute zu kämpfen hat. Die Unsicherheit in der Bewertung von Grundbesitz und Geschäftsvermögen hatte zur Folge, daß die einlaufenden Anfragen mehr als seither Wert auf die Beurteilung der persönlichen (Eigen|d)aften der Inhaber oder Leiter der zu beurteilenden Firmen legten. Da die Vermögcnsoerhältnifse eines Unternehmens sich täglich ändern können, bleibt die Frage ausschlaggebend, ob die Person seines Leiters die Gewähr dafür bietet, daß es auch außergewöhnlichen Anforderungen gegenüber eine ausreichende Elastizität besitzt. Durch die in steigendem Maße erkennbare Mitarbeit der Mitglieder konnte das auf jahrzehntelange Arbeit sich stützende Auskunftsmaterial erfreuliche Ergänzung finden. Die vom Verbandstag der Vereine Creditresorm 1931 oorgeschlagenen Satzungsänderungen wurden als für den Verein Ercdit reform e. A. Gießen verbindlich angenommen. Der Geschäftsführer widmete sodann dem im Cianuar 1932 verstorbenen Mitarbeiter Georg Ritzel einen ehrenvollen 'Nachruf. Der Verstorbene hatte mehr als vier Jahrzehnte ausopfernd im Dienste des Vereins gestanden. Die vorausgegangene Dorstandssitzung hatte lediglich über eine zu den Obliegenheiten des Vorstandes gehörende Satzungsergänzung zu beschließen. Erweitertes Schöffengericht Gießen. • Gießen, 21. März. Eine mehrtägige Verhandlung nahm folgender Fall in Anspruch. Der Spar- und Vorschußverein Grohen- Linden, AG., verlauste im Jahre 1923, also während der Inflation, seine sämtlichen Aktien — den Aktienmantel — an eine Hamburger Dank. Als sich im Jahre 1925 zeigte, daß die Hypotheken- und Schuldscheine des früheren Vereins infolge der Aufwertungsgesetze wieder an Wert kamen, faßte der Rechner des Vereins den Wie- dererwerb des Aktienmantels ins Auge. Er setzte sich mit einem in Rechts- und Finanzfragen bewanderten Beamten in Verbindung. Letzterer reifte mehrfach nach Hamburg und verhandelte mit der fraglichen Bank bzw. mit den Hauptaktionären wegen Rüäerwerbs des Aktienmantels. Es gelang ihm, und zwar im Dezember 1925, die Aktien zu einem verhältnismäßig niedrigen Preise „an die Hand" zu bekommen. Dem Rechner und dem Beamten hatte sich noch ein Bankdirektor, der ebenfalls für die fraglichen Aktien Interesse hatt^, zugesellt, desgleichen der frühere Direktor und Kontrolleur des Vereins. Diese fünf Personen bildeten im Dezember 1925 ein „Konsortium" zum Rückerwerb der sämtlichen Aktien. Da man auch die Wiederaufrichtung der Sparkasse beabsichtigte, berief man die früheren Aktionäre und Spareinleger für den 3. Januar 1926 zu einer Versammlung zusammen. 3n dieser wurde zur Zeichnung von Aktien ä 100 Mark nominal zum Preise von 75 Mark aufgefordert: man gab bekannt, daß die Rekonstruktion der Kaffe und die teilweise Auswertung der alten Spareinlagen beabsichtigt sei. Der Versammlung wurde vorgeschlagen, den Beamten nach Hamburg zum Abschluß des Aktienkaufs zu schicken. Gegen diesen Vorschlag wurde Widerspruch nicht erhoben. Die Zeichnung der fabelhaft geschulter, technisch schlechthin vollkommener Rezitation und gepflegter Schauspielerei; hier grenzen Podium und Bühne unmittelbar aneinander, und dies könnte bedenklich erscheinen, wenn nicht hinter jeder Gestaltung Wüllners sehr spürbar die imponierende Geschlossenheit einer gereiften und geklärten Persönlichkeit stünde, deren geistiger Heberlegenheit jeder Stoff zum wirklich vertrauten und innerlich beherrschten Besitz geworden ist. Im zweiten Teil des Programms brachte Wüllner vier der bekanntesten Balladen: den „König in Thule", den „Totentanz", den „Fischer" und die herrlichen Verse „Der Gott und die Bajadere": diese Vortragsfolge bildeten eine sinnvolle Vermittlung und Heberleitung zum großen Ausklang und bestätigte noch nachdrücklicher die oben angebeutete Charakterisierung seines Vortragsstils. Eine ganz überragende Leistung war hier der virtuos zum Monodrama gesteigerte „Totentanz". Als heitere Zugabe hörte man die „Offene Tafel". Den großartigen Abschluß des liebevoll zu fammcngeftctlten und übrigens vollkommen frei gesprochenen Programms bildeten die Eingangsszenen aus dem ersten Teil des „Faust": großer Monolog. Erdgeist-Szene, Faust und Wagner, Faust allein, Gesänge der Engel, der Weiber, der Jünger. Hier gelangte Wüllner zum vollen und breiten Einsatz seiner vielfältigen Mittel, zur glanzvollen Entfaltung feiner umfassenden, mimisch und darstellerisch belebten Sprachgestaltung. Hier wuchs das prachtvoll tragende Organ zu feiner ganzen Höhe und Fülle und gliederte sich zur dramatisch-dialogischen Charakterisierung der Szenenführung: eine schon physisch und mnemotechnisch erstaunliche Leistung, wie sich Wüllner hier in geistiger Durchdringung und zugleich komödiantischer Vitalität den Vortrags- raum zur belebten Szenerie umbildet Den mächtig dahinströmenden Fluh der gebundenen Rede überwölbten abschließend die österlichen Chöre als Krönung und rezitativischer Ausklang des faustischen Monologes. — Lang anhaltender Beifall rief Wüllner zuletzt immer wieder auf das Podium. Der Dauersche Gesangverein unter der feinsinnigen Leitung seines Dirigenten, Hniverjitäts- Aktien war nur mäßig Es wurden nur etwa 250 bei einer Zahl von 500 Aktien gezeichnet, darunter eine erhebliche Zahl von den Mitgliedern des Konsortiums und deren Verwandten. Der Aktienmantel wurde gekauft, teilweise mit Kapital der Mitglieder des Konsortiums zum Preise von 22 000 Mark. Später verteilten diese die restlichen 250 Aktien mit 42 Mark unter sich: außerdem wiesen sie sich Vergütungen in Höhe von 3000 bis 10 000 Mark für Mühewaltung. Aufwendungen und Risiko zu. Die Spar- und Vorschußkasse Großen-Linden wurde wieder errichtet, sie prosperierte gut und brachte den Aktionären in den ersten Jahren 7 und 9 Prozent Dividende: außerdem wurde ein Aufwertungsstock von 140 Mark für Aufwertung der alten Spareinlagen gebildet. Als etwa fünf Jahre nach der Versamin.ung vom 3. Januar 1926 die Zuweisung der Aktien und Vergütungen unter den Aktienzeichnern bekannt wurde, erhob man, nachdem die eingeleiteten Verhandlungen fruchtlos verlaufen waren, gegen die fünf Mitglieder des Konsortiums, die heutigen Angeklagten, Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Gießen. Diese stellte zunächst das Verfahren ein. Aber durch Beschluß des Ober- landesqerichts Darmstadt wurde die Führung einer Voruntersuchung angeordnet. Nach deren Abschluß beantragte die Staatsanwaltschaft wiederum die Außerverfolgungsetzung der fünf An- geschuldigten Aber die Strafkammer des Land- gerichis Gießen beschloß die Eröffnung des Hauptverfahrens. In der heutigen Hauptverhandlung wurden am ersten Tage gegen 30 Zeugen vernommen. Am zweiten Tage fanden die Plädoners statt. Der Staatsanwalt erklärte, er könne nach der ausgedehnten Beweisaufnahme einen Antrag auf Verurteilung nicht stellen. Nach seiner Ansicht sei weder der Tatbestand des Betruges, noch der ilntrcue gegeben Die Aktien seien in das Eigentum des Konsortiums übergegangen: zu den damaligen Zeichnern habe weder ein AuftragS- noch ein Treueverhältnis bestanden: auch hätten keine falschen Vorspiegelungen und keine absichtliche Benachteiligung der Aktionäre statt- gesunden. Die bestehenden Differenzen seien lediglich zivilrechtlicher Natur. Der Nebenkläger trat für Verurteilung der Angeklagten ein; die beiden Verteidiger forderten die Freisprechung ihrer Klienten Das Gericht setzte den Hrteilsspruch bis zum 21. März aus. Das heutige Mrfeil lautete auf Fre isprech u n g: die verkündete Begründung deckte sich in der Hauptfache mit den Ausführungen des Staatsanwalts. S.J.-fpor/ VfB.-Gießen. VfB. Liga — „Viktoria" Frankfurl-Lckenheini 2:1 (0:0). Das Spiel des Sonntags auf dem Waldfport- plah erreichte nicht ganz das Niveau des Kampfes gegen Aschaffenburg. Es war nicht uninteressant, auch schnell, finefsenreich, sehr gleich verteilt während der ganzen Spielzeit, aber doch nicht rassig genügt um die Zuschauer sehr zu begeistern. Beide Mannschaften gingen zwar sehr aus sich heraus, in der Hauptsache sah man Mittelfeldspiel, aus dem heraus sich Angriffe entwickelten, die jedoch nicht mit dem nötigen Elan durchgeführt wurden. Die Gäste waren flink, schnell in der Ballabgabe, aber doch nicht sicher genug in der Ballbehandlung, um das Feld beherrschen zu können. Der Sturm zeigte sich etwas schußsreudiger als der der Hiesigen, war mit seinen Torschüssen gber wenig glücklich. Die VfBer waren gut in Fahrt, kaum schlechter als i Vorsonntag und von einigen Schnitzern uptsächlich im Stellungsspiel der Stürmer) l gefeben in der Zusammenarbeit nicht ungeschickt. Der Tormann war sehr auf dem Posten, die Verteidigung auch, die Läuferreihe vernachlässigte manchmal den Sturm. Der Sieg der VfBer war verdient. Während der ersten Halbzeit sah man ein flottes Spiel, das die Zuschauer wohl zu fesseln vermochte, Tore fielen aber nicht. Verschiedentlich und auf beiden Seiten wurden Bälle über die Tore gegeben oder wurden den Tormännern zur Beute, die beide gleich sicher waren. Manche Gelegenheit wurde ausgelassen, die Verteidigungen waren aber anderseits sehr zuverlässig und ließen die Stürmer nie voll zum Zuge kommen. Einmal wanderte der Ball, von Balser gegeben, zu Leutheuser, von dort zum linken Flügel sauber zu- und abgespielt, der gutgemeinte und placierte Torschuß wurde aber vom Frankfurter Tormann zuverlässig ausgenommen. Zweimal rettete für die Platzbesiher der Dalken. Eine Minute vor Halbzeit ließen die Grünweißen eine prächtige Gelegenheit zum Torschuß aus. Nach der Pause änderte sich im Spielfeld nichts. Erst in der 20. Minute der zweiten Halbzeit wurde der Bann gebrochen und Seipel schoß am überraschten Torwart vorbei zum ersten Tor ein. Haupt vergab dann eine totsichere Gelegenheit zum Torschuß, die Frankfurter standen bald darauf aber zweimal kurz hintereinander ebenso hilflos vor dem Tor und ließen die Situation unausgenüht. Erst wenig später führte ein gut vorgelegter Angriff zum Erfolg, zum Ausgleichstreffer. Das Spiel flaute nun etwas ab, die Mannschaften hatten sich sehr ausgegeben, aber wider alles Erwarten schoß drei Sekunden vor Schluß Knaus ein zweite/ Tor, das für die VfBer den unerwarteten Sieg bedeutete. Resigniert holte der Frankfurter Tormann das Leder aus dem Netz. Der Schiedsrichter war nicht schlecht, übersah aber manches, Handspiel ignorierte er völlig. Spielvefeimgung 1926 Leihgestern. Leihgestern 1 — Lollar I 4:3. Am Sonntag hatte die 1. Mannschaft der Spiel- Vereinigung Leihgestern die 1. Mannschaft des Sportvereins Lollar im Freundschaftsspiel zu Gast. Die zahlreichen Zuschauer tarnen auf ihre Kosten, denn das Spiel war von Anfang bis zum Ende außerordentlich reich an spannenden Mo- menten. Zwei gleichwertige Gegner rangen mit aller Energie um den Sieg. Der Kampf wurde dabei sehr fair ausgetragen. Leihgestern hatte während der ersten Hälfte immer etwas mehr vom Spiel. legte auch drei schöne Tore vor, während Lollar nur zu einem Erfolg kam. Nach der Pause zog Lollar mächtig los, brachte auch das Tor der Gastgeber des öfteren in ernste Gefahr, aber der gut aufgelegte Tormann der Leih- geftemer hielt ausgezeichnet. Erst ein gut hereingegebener Eckball und ein etwas fragwürdiger Cchiedsrichterball im Strafraum verhalfen den Gästen zu zwei Erfolgen, denen die Hiesigen nur noch ein Tor entgegenzusehen vermochten. Der Schiedsrichter aus Gießen leitete gut. Handball im Gau Hessen (O. T.) 217(0. Gießen 1. Jugend gegen To. wehlarNiedergirmes 1. Jugend 14:2 (6:1). Am Sonntag weilte die erste Iugendmannschaft des Gießener Männer-Turnvereins als Gast bei der Jugend des Turnvereins Wehlar-Nieder- girmes. Das Treffen war ein echtes Freundschaftsspiel, jederzeit fair. Die Mannschaften traten beide in stärkster Aufstellung an. Daß die Gießener Männerturner einen Sieg erringen würden, hatte man schon im voraus erwartet: daß sie jedoch ihre früheren Siege um ein vielfaches überbieten würden, hätte niemand gedacht. Dieser Sieg ist — ebenso wie der hohe 8:1-Sieg vom Vorsonntag — der beste Beweis dafür, daß die Mtv.-Iugend sich zur Zeit in guter Form befindet, und daß sie schon getrost den Endspielen um die Gaumeisterschaft entgegensetzen kann. Handball im Labn-Oünsberg-Gau. Wißmar I — Rodheim I 8.5 (3:3). Beide Mannschaften trafen sich in Wißmar zu einem Gesellschaftsspiel. In der 7. Minute führte Wißmar bereits mit einem Tor, jedoch die Gäste erzielten 2 Minuten darauf schon den Ausgleich und so ging es bis zur Halbzeit noch zweimal musikdirektors Dr. Temesvarh, bereicherte die würdige Gedenkstunde durch zwei vortrefflich gesungene Chöre, das „Lied der Parzen" aus der „Iphigenie" (Reichardt) und „An den Mond" (Schubert). — -y- HocksÄulnachrichten. Am 22. März begeht der in Marburg im Ruhestand lebende Professor der klassischen Philologie und Beredsamkeit, Geh. Rat Dr. Theodor Birt, seinen 8 0. Geburtstag. Birt wurde am 22. März 1852 in Hambutg geboren, studierte in Bonn klassische Philologie und ließ sich 1878 in Marburg als Privatdozent nieder. 1882 wurde er dort Professor und blieb der Alma mater Philippina treu, obwohl wiederholt Aufforderungen, an größere Hochschulen überzusiedeln. an ihn ergingen. Don seinen zahlreichen fachliterarischen Arbeiten nennen wir hier nur die „Kulturgeschichte Roms", die „Charakterbilder Spätroms", „Don Homer bis Sokrates" und „Alexander der Große und das Welt- griechentum". Dirt war übrigens auch belletristisch tätig und hat eine An-cihl von Gedichtbänden und Dramen veröffentlicht. Der Nestor der deutschen Kunsthistoriker, Geheimrat Professor Dr. Georg Gottfried D e h i o, von 1892 bis 1918 Professor der Kunstgeschichte an der Hniversität Straßburg, ist im Alter von 81 Jahren in Tübingen gestorben. Geheimrat Deh.o, geboren in Reval am 22. November 1850, war Inhaber des Ordens Pour le merite für Kunst und Wissenschaft. Mitglied der Dayeri- schen und der Preußischen Akademie der Wissenschaften und Ehrenmitglied der Gesellschaft für Wissenschaften in Göttingen. Vier Fakultäten haben ihn zum Ehrendoktor promoviert. Zu feinem 80. Geburtstag zeichnete chn Reichspräsident v. Hindenburg durch die Verleihung des Adlerschildes aus. Von feinen Schriften nennen wir neben der grundlegenden „Geschichte der Deutschen Kunst" in drei Dänden seine Hnter- suchungen über kirchliche Daukunst, über Denkmalschutz und Denkmalpflege und die Monographien über das Straßburger Münster und den Bamberger Dom. Tonfilm: „Ronny". 3m Lich tspielhaus, Bahnhofstraße, läuft (feit gestern) wieder eine Tonfilm-Operette. Diesmal ist Lilian Harvey nicht dabei, Willy Fritsch aber war nicht zu vermeiden. Die Handlung des Filmes spielt in einem Land, das nicht von dieser Welt zu sein scheint, mit irgendeiner Kleinbahn aber doch zu erreichen ist. Eine Modezeichnerin wird nach Perusa verschlagen und wird für die Sängerin gehalten, die zu gleicher Zeit erwartet wurde, aber nicht erschien. Mil ihr steht und fällt das Stück, das am Hoftheater aufgeführt wird und den jungen Fürsten des Landes zum Komponisten hat. Wie es im Film so sein muß: der Fürst verliebt sich in die Pseudo- Sängerin. Seine Exzellenz der Hofmarschall inszeniert bereits ein Abendessen, die kleine Modezeichnerin von gestern soll heute das Lustschloß beziehen, aber empört über diese hintergründige Zumutung läuft sie fort. Die Kleinbahn fährt schon mit ihr in die andere Welt zurück, da läuft der Fürst (der mit den Dispositionen Seiner Exzellenz nicht einverstanden war) der Eisenbahn nach und holt das Mädchen zurück. Es erübrigt sich, über die Handlung weiteres zu sagen. Wesentlicher ist, daß Käthe von Nagy, die Gegenspielerin Willy Fritschs, eine prächtige Ronny ist, sich mit einer liebenswürdigen Geschicklichkeit und Drolerie in ihre Rolle findet und außerordentlich gut zu gefallen weiß. Willy Fritsch ist wie immer. Die anderen Rollen sind gut besetzt. Otto Wallburg ist ein stets aufgeregter Intendant, Hans Waßmann ein Hosmarschall. pedantisch, wie man sich ihn vvrstellt, am luftigsten aber ist Kurt Despermann, der Mann am Bahnhof, der Mann mit den vielen Aemtern und Mützen. In diesemIilm wird wieder manches Liedchen getränt manches Lied gelungen, die Schlager toef£cn hie Straße aber nubt so leicht erobern, bfcnn sie sind nicht sinn- fällig und nicht originell genufl. Was den Film diarattcrmcrl, ist der i!ngcf)curc Aufwand, der Prunk, das Vielerlei f(tr pcis Auge, das aber doch nicht ausreicht, um 'jjie Handlung lebendiger erscheinen zu lassen. So/ unterhält man sich gut, ebne jedoch sonderlich b^Dingt das Haus zu verlassen. ', a Die Handlungsunkosten haben sich um 3184,86 Qltf. auf 17 796,58 Mk. vermindert. Der Geschäftsbericht, die Bilanz und die Gewinnverteilung wurden einstimmig genehmigt. Dem Dorstand und dem Aufsichtsrat wurde einstimmig Entlastung erteilt. Der Aussichtsrat setzt sich nach der Reu- Wahl aus folgenden Herren zusammen: Karl Funk, Kaufmann, Vorsitzender: Berthold Simon, Kaufmann, stellv. Vorsitzender: Philipp Hartmann, Sägewerksbesiher: Wilhelm O b e r h e i m , Mühlenbesitzer: Wilhelm H a i n z , Studienassessor: Leopold Voehl, Kaufmann: Ernst V o n a 1 t, Gemeinderechncr. Preußen. Kreis Biedenkopf. * CB i c b e r, 20. März. Am Donnerstag gab die Gießener Aationalsozialistische Theatergruppe ein Gastspiel in unserem Orte. Zur Aufführung kam das Schauspiel „Horst Wissel". An dem zahlreich erschienenen Publikum rollte in vielen Bildern das Leben Horst Wissels vorüber: man erlebte in zwei Stunden den heldenhaften Kampf Wissels für die Idee Adolf Hitlers, bis zu dem tragischen Ende des jungen Lebens durch Mörderhand. Starker Beifall dankte am Schluß den Darstellern. Das Horst-Wissel-Lied beschloß die gut gelungene Veranstaltung. Kreis Wetzlar. > W i b m a r, 19. März. Die Winterveranstaltungen des Volksbildungs-Ausschusses fanden ihren Abschluß mit einem Vortrag des Kreisobstbauinspektors K i l p (Wetzlar), der an Hand zahlreicher Lichtbilder über „Frühjahrs- und Sommerarbeiten an den Obstbäumen und Beerensträuchern" sprach. In der Aussprache wurde allgemein der Wunsch geäußert, die Obstzüchter enger zusammen- zuschlicßen, um sich gegenseitig zu fördern. <> Riederkleen, 21. März. Ein Auto- Unfall ereignete sich am Samstagnachmittag auf der Provinziolstraße zwischen hier und Klein- Aechtenbach. Ein kleines Personenauto aus Friedrichsdorf bei Bad Homburg geriet in der Kurve an der „Biehlhohl" ins Schleudern und überschlug sich mehre reMale. Die beiden Insassen wurden herausgeschleudert und erlitten Kopf- und innere Verlehunge n. Ein im Sanitätsdienst ausgebildeter hiesiger Einwohner leistete die erste Hilfe. Das Fahrzeug wurde schwer beschädigt. Autounfattdesc^egelflieqersGroenhoff Die Lenkerin getötet, Groenhoff selbst unverletzt. WSR. Darmstadt, 21. März. Heute, kurz vor 19 Uhr, wollte der bekannte Segelflieger Groenhoff von Griesheim bei Darmstadt nach Frankfurt a. M. fahren. Zwischen Arheiligen und Langen konnte die Autolenkerin die Kurve bei dem Forsthaus Veierseich nicht mehr ausfahren und fuhr, trotzdem der Flieger durch sofortiges Eingreifen in das Steuerrad den Wagen .abzusangen suchte, gegen einen Baum. Seine Begleiterin, die Schwester seines Kollegen Riedel, Fräulein Beate Riedel, flog mit dem Kopf gegen die Schuhscheibe des Autos und erlitt einen schweren Schädelbruch, an dessen Folgen sie nach ihrer Einlieferung in das Krankenhaus in Darmstadt v e r st a r b. Der Flieger selbst blieb unverletzt. Tagung der hessischen Oberförster. * * Frankfurt a. M., 19. März. Hier fand der 31. ordentliche Verbandstag des Hessischen Oberförster-Verbandes, der Berufsvertretung der Hessischen Forstverwaltungsbeamten, statt. Der Vorsitzende, Forstmeister Rausch- Romrod, begrüßte die Verbandsmitglieder, insbesondere den Landforstmeister Staatsrat Dr. b. c. Hesse, und entwarf als Einleitung ein anschauliches Bild über die Lage der deutschen Forstwirtschaft. Er führte u. a. aus, wie der deutsche Wald — früher eine sehr beachtliche Einnahmequelle des Staates — heute durch unwirtschaftliche Maßnahmen des Reiches und der Länder, wie ungenügenden Zollschuh des deutschen Holzes, der die enorme Einfuhr billigen Auslandholzes ermöglichte, einerseits, und durch zu hohe Werbungskosten, Steuern, Soziallasten anderseits die Konkurrenzfähigkeit des deutschen Holzes auf dem Markte immer katastrophaler sinken ließ, so daß wir nahezu vor dem Ruin stehen. Lind doch sieht der Fachmann Wege, die wieder aufwärtsführen können, aufwärts- führen müssen: erhöhter Zollschuh, Holzpropaganda, Senkung der Gisenbahntarife, nicht zuletzt durch vernunftgemäße Verwaltungs- und Beamtenpolitik. 3n Erledigung der Tagesordnung befaßte man sich nach einem Rückblick auf das abgelaufene Verbandsjahr durch den Vorsitzenden, in dem auch eine Spende von 270 Mark an die Hundeshagen- stiftung beim Forstinstitut der Landesuniversität Gießen, anläßlich dessen 100-Iahrfeier, erwähnt wurde, hauptsächlich mit der ungeheuren Rot der Staatsdienstanwärter. Auch sonstige für die Hessische Staatsforstwissenschaft und für die Forstbeamten besonders wichtige Fragen, wie Besoldung, Ruhegehalt, Dor- und Fortbildung, Der- waltungsjagd, fanden eingehende Besprechung. Zu letzterem Punkte wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, bei den zuständigen Stellen zu beantragen, daß auch in 'Hessen der Schrotschuh auf jegliches Schalenwild verboten wird. um Tor und Ausgleich. Rach der Pause lieferten beide Mannschaften ein sehr temperamentvolles Spiel. Die Wihmarer, durch ihre gute Läuferreihe und insbesondere durch gute Zusammenarbeit im Dorteil, spielten zum Schlüsse etwas überlegen und erzielten in Abständen von kaum je einer Minute drei sichere Tore. Rodheim zeigte noch einen famosen Endspurt und holte zum Schluß noch zwei Tore auf. Bauhofer Eilenriede-Meister. Am Sonntag war dem Eilenriede-Rennen wesentlich besseres Wetter beschieden, als am Samstag, die Bahn war trotzdem noch immer sehr glatt, so daß sich auch einige Stürze ereigneten; sämtliche Fahrer tarnen jedoch ohne Verletzungen davon. 40 000 Zuschauer waren Zeugen spannender Kämpfe. Im Meisterschaftslauf triumphierte der in der Eilenriede schon so oft erfolgreich gewesene Toni B a u h o f e r auf seiner 500-ecm-DKW.-Maschine mit einem Stunden- mittel von 89,3 Kilometer. Schweden Eishockey - Europameister. Erst im letzten Spiel fiel die Entscheidung in der Eishockey-Europameisterschaft, die in diesem Jahre in Berlin ausgetragen wurde. Schweden siegte über Deutschland mit 1:0 (0:0, 0:0, 1:0) und gewann damit die Meisterschaft vor Oesterreich, der Schweiz, Deutschland und der Tschechoslowakei. Eambridge schlägt wieder Oxford. Der am Samstag zum 84. Male zum Aus trag gekommene traditionelle Achterwettkampf der ilni- versitäten Oxford und Cambridge, auf der diesmal nur 6480 Meter langen Strecke auf der Themse bei London wurde, wie wir bereits kurz berichteten, von Cambridge gewonnen, das damit nach dem Kriege zum neunten Male in ununterbrochener Reihenfolge den Sieg davontragen konnte. Die Zeit der Sieger betrug 19 Minuten 11 Sekunden. Don den bis jetzt ausgetragenen Rennen hat Cambridge 43 Siege errungen, während Oxford 40mal erfolgreich war. Wirtschaft 4 Spareinlagen betragen 300 631,78 Mk. und ver teilen sich auf 900 Kontei.. Der ausgeliehene Be> lanzsumme sowie der Jal erstere von 579 000 Mk. terer von 4 119 000 Mk. Prozent für das Jahr belassen. Oie Arbeitsmarkttage in Hessen und Hessen-Nassau. Roch keine wesentliche Besserung. * Der Großhandelsindex. Die vom Statistischen Reichsamt für den 16. März berechnete Grohhandelsindexziffer ist mit 100,1 gegenüber der Dorwoche nahezu unverändert. Die Indexziffern der Hauptgruppcn lauten: Agrarstoffe 97,2 (Plus 0,2 v. H.), Kolonialwaren 88,9 (minus 1,9), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 90,5 (0,2 v. H.) und industrielle Fertigwaren 120,7 (minus 0,3 v. H ), Produktionsmittel 119,6 (minus 0,2 v. H.), Konfumgüter 121,6 (minus 0,4 vH.). WSR. Frankfurt a. M., 21. März, lieber die Arbeitsmarktlage in Hessen und Hessen-Rassau berichtet das Landesarbeitsamt Hessen in Frankfurt a. M.: Die Gesamtlage des Arbeitsmar'tes hat sich auch in der ersten Märzhälfte noch nicht wesentlich gebessert: die Zahl der Arbeitsuchenden ist nur um 785 — 0,2 Prozent auf 349 858 zurückgegangen. In den letzten vier Wochen hat die Arbeit- suchendenzahl insgesamt um rund 1100 abgenommen, gegen 5300 im gleichen Zeitraum des Dorjahres. Das Tempo, in dem die Arbeitslosigkeit in diesem Frühjahr zurückgeht, ist demnach erheblich langsamer als im Dorjahr. Die einzelnen Berufsgruppen weisen im allgemeinen keine größeren Veränderungen auf. In den Gruppen Bergbau, Spinnstoffgewerbe, häusliche Dienste, Lohnarbeit wechselnder Art und in den Angestelltenberufen ist noch eine weitere leichte Zunahme, in Landwirtschaft, Industrie der Steine und Erden, Metallindustrie, Bekleidungs- und Baugewerbe ist eine ebensolche Abnahme an Arbeitsuchenden zu verzeichnen. Die Zahl der Haupt- unterstühungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung ist im Laufe der Berichtszeit um 8119, von 99 907 auf 91 788, gesunken: die Zahl der Unterstühungsbezieher in der Krisenfürsorge hat sich um 1080, von 94 898 auf 95 978, erhöht. Oer preußische Handelsminister für amtliche Kursfeststellung. Berlin, 21. März. (WTB.) Der preußische Minister für Handel und Gewerbe hat den preußischen Dörsenvorständen mitgeteilt, daß er keine Einwendungen dagegen erheben würde, wenn die Börsenvorstände nach Ablauf der ersten Aprilwoche an den Wertpapierbörsen die amtliche Kursfeststellung wieder aufnehmen. Von der Wiederaufnahme des Der- minhandels in Wertpapieren soll jedoch einstweilen Abstand genommen werden. Eine variable Rotiz neben dem Einheitskurs soll für dazu geeignete Wertpapiere zugelassen werden. Zwangsverkäufe an der Börse zur Verwirklichung von Pfandrechten an Wertpapieren sind nach tote vor nur mit Genehmigung zulässig. Eine Ausnahme gilt nur für neu aufgenommene Darlehen. Normalzinssah unverändert 4°/0. Berlin, 21. März. (WTB. Funkspruch.) Der Reichskommissar für das Bankgewerbe hat den Rormalzinssah gemäß § 1 des Abkommens über die Festsetzung von Höchstzinssätzen für hereingenommene Gelder vom 19. Januar 1932 bis auf weiteres unverändert mit Organisations-, Buchungs- und rechnenden Schreibmaschinen in sich schließt. Don der Verbindung mit einem internationalen Konzern, der ein weitverzweigtes Retz von Riederlasfungen und Vertretungen besitzt, verspricht sich die Gesellschaft eine günstige Auswirkung besonders auf den Aus- landabsatz ihrer Erzeugnisse. * Bayerische Motorenwerke Münch e n. Die GV. genehmigte den bereits bekannten Abschluß, ebenso die Herabsetzung des Grundkapitals von 16 auf 15 Mill. RM. durch Einziehung von 1 Mill. NM. im Besitz der Gesellschaft befindlicher Aktien, sowie die damit zusammenhängenden bzw. auf Grund der einschlägigen Notverordnung notwendigen Satzungsänderungen. Durch diese Transaktion verfüge, wie von der Verwaltung mitgeteilt wurde, die Gesellschaft bei 15 Mill. RM. AK. über 4 Mill. RM. offene Reserven. Berlin flau. Berlin, 22. März. (WTB. Funkspruch.) Rach- dem an der gestrigen Frankfurter Abendbörse bei den meisten Werten kleine Abschwächungen eingetreten waren, lag die Eröffnung des heutigen Verkehrs ziemlich gut behauptet, teilweise sogar etwas erholt. Man brachte diese Erholung mit kleinen Käufen in Zusammenhang, die angeblich der festere Verlauf der gestrigen Reuhorker Börse und die Hoffnung auf einen baldigen amtlichen Verkehr ausgelöst hatte. Das Geschäft war aber wiederum sehr klein und beschränkte sich auf die Montan- und Schiffahrtswerte und die sonstigen wenigen Standardpapiere. Rebenwerte lagen dagegen völlig vernachlässigt, die Umsätze in diesen Papieren waren gleich Rull. Politisch hat sich gegen gestern nichts geändert, dagegen lagen einige Momente aus der Wirtschaft vor, die eher zur Zurückhaltung mahnen mußten. So wurden die Zahlungseinstellung der Junkerswerke und die Verluste bei Hirsch-Kupfer diskutiert. Ferner fanden die Schwierigkeiten bei den Kommunen, die durch den gestrigen Bericht der Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spihenverbände unterstrichen wurden, stärkere Beachtung. Weiterhin wurde die Kreuger-Krise noch nicht als bereinigt angesehen, zumal sich jetzt herausstellt, daß die kurzfristige Verschuldung groß ist. Hinzu kam noch die Geschäftsunlust vor den Feiertagen. Einige Märkte fielen daher auch heute schon zu Beginn durch ziemlich schwache Veranlagung auf. So bestand für AEG. erneut Angebot, auch Berliner Licht und Kraft waren schwächer. Ferner waren Commerzbank und Barmer Bankverein ausfallend gedrückt, und auch Svenska büßten abermals etwa 3 Mk. ein. Im Einklang hiermit gingen auch Chadeaktien im Verlaufe um 4 Mk. zurück. Ueberhaupt bröckelten die Kurse auf Grund der Geschäftsstille später allgemein ab. IG.-Farben und Farben-Bonds verloren bis zu 1,5 Prozent. Festverzinsliche Werte lagen sehr ruhig. Der freundliche Grundton konnte sich am Pfandbriefmarkt behaupten,Industrie- Obligationen neigten zur Schwäche. Kommunalobligationen wurden auf gestriger Basis taxiert, Reichsschuldbuchforderungen und Deutsche Anleihen lagen ziemlich unverändert. Reichsbahnvorzugsaktien verloren etwa 0,25 Prozent, da angeblich wieder ausländische Abgeber auftraten. Am Geldmarkt blieb die Situation unverändert. für Tagesgeld hörte man einen Sah von 6,5 Prozent und darüber. Frankfurt unsicher und schwach. 5tanZfurt a. OK, 22. März. (WTB. Draht- Meldung.) Im vorbörslichen Freiverkehr und noch bei Beginn der offiziellen Börse zeigte die Tendenz auf Grund des festen Schlusses der gestrigen Reuhorker Börse überwiegend Kursbefestigungen, die bei Spezialwerten 1 big 2 Proz. und für Re-- Oberheffen. Landkreis Gießen. ck. Heuchelheim, 21.März. Der Kreditverein Heuchelheim hielt am Samstagabend in der Turnhalle seine Generalversammlung ab. Aus dem Jahresbericht des Vorstandes ging hervor, daß das Institut trotz der angespannten Lage auf dem Geldmarkt gut über die schwere Zeit hinweggekommen ist. Die Bilanz schließt in Aktiva und Passiva mit 1 300 822,29 Mk. ab. Die Spareinlagen stehen mit 992 103,64 Mk., der Gewinn mit 8079,40 Mk. zu Buch. Von dem Reingewinn wurden je 2000 Mk. dem Reservefonds und der Detriebsrücklage überwiesen. Der nach Ausschüttung einer Dividende von 7 v. H. verbleibende Rest wird auf neue Rechnung vorgetragen. Die Zahl der Mitglieder am Ende des Jahres 1931 betrug 429. Der Gesamtumsatz belief sich auf 9 621 546,28 Mk. In den Vorstand wurde als Direktor Hermann Römer neugewählt. Der seitherige Direktor Heinrich Rinn XVI. verbleibt als Kontrolleur im Vorstand. In den Aufsichtsrat wurde Ludwig Kröck II. wiedergewählt. Reu wurden Albert Schmidt, Friedrich HofmannVIII. und Rudolf Gilbert als Aufsichtsratsmitglieder bestimmt. al. AUend orf (Lahn), 21. März. Am Freitag zwischen 18 und 19 Uhr entstand im Gemeindewald ein W a l d b r a n d, der dank der tatkräftigen Hilfe des hiesigen Sportvereins und von herbei geeilten Klein-Lindener Einwohnern bald gelöscht werden konnte. Immerhin ist für die Gemeinde ein ziemlich hoher Schaden entstanden, da die meisten jungen Kiefernbäumchen allem Anschein nach sehr unter dem Brande gelitten haben. Man schätzt die in Mitleidenschaft gezogene Fläche auf einige Morgen. Die Ursache des Brandes ist noch nicht festgestellt. F Saasen, 21. März. Wie in anderen Gemeinden, so hat sich auch die hiesige Gemeindevertretung entschlossen, im Wege des freiwilligen Arbeitsdienstes Arbeiten ausführen zu lassen. Vorgesehen ist der Ausbau einer direkten Verbindung Saasen — Göbelnrod (eine Verlängerung der Kreisstrahe ab der Hauptstraße Lindenstruth—Grünberg— Bollnbach). Man hofft, daß die Arbeiten bald genehmigt und begonnen werden können. D Lich, 21. März. Der Rothsche Männerchor veranstaltet am 17. April in der Turnhalle ein Bongert, das in der Hauptsache als Ehrung des am 22. März 1832 verstorbenen Dichters Goethe und des am 31. März 1732 geborenen Komponisten Haydn gedacht ist. In Mannerchören, Sologesang und Klaviervorträgen werden außer Goethe und Haydn auch noch Beethoven, Mozart, Silcher und Schubert zu Wort kommen. Slic io Friedberg. WSR. Friedberg, 21. März. Der Taunusklub Wetterau begeht am 2. und 3. April durch eine schlichte Festlichkeit die Feier seines 5 0jährigen Bestehens. Er gehört zu den ältesten deutschen Taunusvereinen und hat das Verdienst, durch seine Wegemarkierungen im nordöstlichen Taunus und in der Wetterau den Anschluß an die großen, in den Taunus und nach dem Vogelsberg führenden Wanderwege hergestellt zu haben. Kreis Büdingen ].[ Usenborn, 21.März. In unserem Dorfe treiben zur Zeit einige Spitzbuben ihr Unwesen. Vor etwa 14 Tagen wurde zwei hiesigen Familien die zum Trocknen aufgehängte Wäsche völlig zerschnitten und in der vergangenen Rächt wurden dem Landwirt Jüngling und dem Schmied Theiß etwa 12 neue Hemden, Bettwäsche, Handtücher, Kinderwäsche und Kinderanzüge gestohlen. Die polizeilichen Ermittelungen smd im Gange. Kreis Schotten. ± Klein-Eichen, 21. März. Unser Mit- burger Karl Zimmer feiert am 22. d. M. in großer geistiger Frische und körperlicher Rüstig- rett feinen 8 6. Geburtstag. V Gedern, 19. März. Dieser Tage fand die Generalversammlung der Gederner Bank AG. statt. Der Mingewinn für 1931 beträgt Ilk. gegen 572&28 Mk. im Vorjahre. Es werden 6 Prozent Dividende verteilt. Die Bi- "Torpedo -Fahrräder - undSchreib- Maschinen- Weilwerke, AG., Frankfurt a. M. Die Torpedo - Fahrräder- und Schreibmaschinen - Weilwerke AG., F.anksurt/M.- Rödelheim ist in eine Arbeitsgemeinschaft mit der -aemington Rand Inc. eingetreten, die einen Aus- trag erreichte eine Gesamhhöhe von 397 380,73 Mk. I Hresumsatz gingen zurück, auf 505 000 Mk., letz- • auf 3 698 000 Mk. Die bentoerte 0,5 bis 1 Proz. betrugen. Schon mit Beginn der zweiten Börsenstunde machte sich Unsicherheit bemerkbar und die Spekulation hielt sich wieder stark zurück, da auf einigen Marktgebieten einiges Material herauskam, das nur auf ermäßigter Basis ausgenommen wurde. Ein Gerücht, wonach die Junkerswerke in Dessau ihre Zahlungen eingestellt haben sollen, blieb dabei nicht ohne Einfluß auf die merklich schwächer gewordene Stimmung. Das Geschäft wurde sehr klein, zumal die Kulisse in Anbetracht der bevorstehenden Unterbrechung durch die Feiertage keine Unternehmungslust bclunbcte und sie eher weiteres Glattstellungsbedürfnis an den Tag legte. Ein zunächst nur wenig beachtetes eher verstimmendes Moment, die Finanz- schwierigkeiten der Gemeinden, trat später stark in Erscheinung. Gegen die gestrige schwache Abendbörse ergaben sich im Verlaufe nach dem bereits erwähnten festeren Beginn auf f a ft allen Marktgebieten Rückgänge von 1 bis 2 Prozent. Am Montan- und Schiffahrts- marft betrugen die Verluste bis zu 1 Proz., bei Clektrowerten bis zu 2 Proz. IG.°Farven ließen bei etwas größeren Umsätzen bis. zu 1,5 Proz. nach, während Scheideanstalt gefragt und etwa 0,5 Proz. höher lagen. Reichsbankanteile, die zunächst 2,5 Proz. gewannen, gingen- irw Verlaufe noch unter den Abendbörsenstand zurück. Commerzbank fielen durch schwache Veranlagung auf, während die übrigen Bankaktien meist unverändert lagen. Recht matt lagen wieder Svenska, die etwa 5 Mark verloren. An den Rebenmärkten herrschte vollkommen Geschäftsstille. Am Anleihemarkt lagen Altbesitz und Reichsschuldbuchforderungen zunächst weiter etwas fester, doch gingen auch hier die Kurse später wieder zurück. Goldpfandbriefe lagen nur wenig verändert. Von Liquidationspfandbriesen blieben Rhein. Hyp.-Liqu. auf der ermäßigten Basis behauptet, während Frankfurter Werte etwas nachgaben. Farben-Bonds verloren etwa 0,75 Proz., dagegen Stahlverein-Obligationen 0,5 Proz. höher. Bei sehr stillem Geschäft neigte die Tendenz im späteren Verlauf weiter zur Schwäche. Besonders einige Elektrizitätsaktien, wie Gesfürel, AEG. und Siemens verloren erneut 1 bis 1,5Proz. IG.-Farben bröckelten 0,5 Proz. ab. Am Geldmarkt zog Tagesgeld auf 6 Prozent an. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2R. Banknoten. 21.März 22-MSrr Amtliche Dotierung Amtliche Notierung Meld 1 Ariel, Geld Brie velfingfoU . 7.033 7.047 7,033 7,047 Men. . . 49,95 50.05 49,95 50,05 Prag . . . 12,465 12,485 12,465 12,485 Budapest . . 56.94 57,06 56,94 57,06 Sofia . . . 3.057 3,063 3,057 3,063 Holland . . 169,73 170,12 169,68 170,02 Oslo.... 82.32 82,48 82,12 82,28 Kopenhaga,. 84,72 84,88 84,62 84,78 Stockholm . 84,17 84,33 83,42 83,58 London. . . 15,37 15.41 15,35 15,39 Buenos Atter 1,073 1,077 1,073 1,077 Neuyork . . 4,209 4,217 4,209 4,217 Brüffek. . . 58,76 58,88 58,69 58,81 Italien . . . 21.73 21,77 21,78 21,82 Paris . . . 16,55 16,59 16,53 16,57 Schweiz . . 81,22 81,38 81,20 81,36 Spanien . . 32,12 32,18 32,07 32,13 Danzig. . . 81,97 82,13 81,97 82,13 Japan . . . 1,349 1,351 1,349 1,351 Rio de Ian.. 0,249 0,281 0,249 0,251 Jugoslawien. 7.413 7,427 7,413 7,427 Liliadoo . . 13.99 14,01 13,99 14,01 Reichsbankdiskont 6 Proz. — Lombardfah 7 pro}. Berlin, 21. März Geld Brief Amerikanische Noten ....... 4,20 4,22 Belgilche Noten . ........ 58,60 58,84 Dänifche Noten......... 84,53 84,87 Englifche Noten ....... 15,33 15,39 .zränzöfifche Noten ....... 16,51 16,57 Holländische Noten....... 169,41 170,09 Italienische Noten ........ 22,11 22,19 Norwegifche Noten........ 82,14 82,46 Deutsch-Oesterreich, i 100 SchUling Rumänische Noten........ 2,49 2,51 Schwedijche Noten........ 83,98 84,32 Schweizer Noten. ........ 81,04 81,36 Spanische Noten......... 31 99 32,11 Ungarische Note» ... Gießener Wochenmarktpreise. * Gießen, 22. März. Es kosteten auf dein heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 130 Pf., Landbutter 120, Kochbutter 100, Matte 25 bis 30, Wirsing 10 bis 25 (pro Zentner 15 bis 18 Mk.), Weißkraut 10 bis 12 (pro Zentner 6 bis 6,50 Mk.), Rotkraut 10 bis 15 (pro Zentner 8 bis 10 Mk.), Kartoffeln 4,5 (pro Zentner 3,80 bis 4 Mk.), gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 25 bis 30, Unterkohlrabi 5 bis 8, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat 100 bis 150, Tomaten 50 bis 60, Zwiebeln 20 bis 22, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Dörrobst 25 bis 30, Aepfel 8 bis 15, Dirnen 10 bis 12, Rüsse 35 bis 40, Honig 40 bis 45, Suppenhühner 70 bis 80, junge Hähne 80 bis 90 Pfennig pro Pfund; Tauben 60 bis 70, Eier 8, Salat 25 bis 35, Blumenkohl 30 bis 70, Endivien 15 bis 30, Lauch 5 bis 10. Rettich 10 bis 15, Selleri 10 bis 40, Oberkohlrabi 8 bis 10, Käse 5 bis 10 Pf. pro Stück; Radieschen 15 bis 20 Pfennig pro Bund. Srieffoffen der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schrlftleitung.) A. B. C. 12. I. Die Zinssenkung in Kapitel III, § 1 der Vierten Notverordnung vom 8. Dezember 1931 gilt auch für Einzelpersonen. — II. Die vorstehende Verordnung ist mit dem 1. Januar 1932 in Kraft getreten. Auf später errichtete Hypotheken- und Dar- lehnsverträge findet sie keine Anwendung. Diese unterliegen mithin hinsichtlich des Zinsfußes der freien Vereinbarung. Nach Artikel 6 der Verordnung vom 23. Dezember 1931 unterliegt der Zinsherabsetzung aber auch eine Forderung (Hypothek), die erst nach dem 31. Dezember 1931 entsteht, zu deren Begründung sich aber der Gläubiger vor dem 1. Januar 1932 verpflichtet hatte. 1877. 1. Bevor wir die zweite von Ihnen gestellte Frage beantworten können, bedürfen wir noch der Aufklärung, ob die Zinsen der Hypothek nach Abschnitt III, § 1 und 2 der Notverordnung herabgesetzt find. Ist das der Fall, so kann der Gläubiger nicht vor dem 31. Dezember 1933 kündigen. Eine bereits ausgesprochene Kündigung bleibt jedoch wirksam. Siehe Kapitel III, § 4 der Notverordnung vom 8. Dezember. 1931. Teilen Sie diese Sachlage Ihrem Gläubiger mit. — 2. Wenden Sie sich wegen des Schutzes an die Geschäftsstelle des Amtsgerichts, die Ihnen wegen der Kosten und auch Ihrer sonstigen Fragen jede weitere Auskunft geben wird. — 3. Wenden Sie sich persönlich oder mit ausreichender schriftlicher Begründung wegen des Steuernachlasses an das Finanzamt Gießen unter Vorlage schriftlicher Nachweise (Bescheinigung der Bürgermeistcrei und dgl.). 2262 Gießen iettt:16.50 T4.5012.5010.50 8.50 7.90 6.90 5.90 Jahren anerkannt 2252 KreeaplatB w Ruf 2145 2146 1538 A Unser Osterei für Sie also billig-billig Weidemanns Schuhe sind elegant und dauerhaft und passen vorzüglich Bahnhofstr. 14 Seltersweg 27 Beschäftsdrucksacheo Rechnungen Briefblätter Briefumschläge Postkarten Geschäftskarten bei Brühl. SohulstraDe T */, Fl. RM ».25, */, FI. RM 4.00, utn-FL RM S.75. 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Mär,, nachmittag» 2 Uhr, versteigere ich au Ort und Stelle — Bekanntgabe im versteigerung-lokal Neuenweg 28 — zwangsweise gegen so- sortige Barzahlung: 2281D 1 Stoß Bretter 1 Stoß Kiefernbohlen, 1 Haufen geschnittene Bretter und 15 Kiefernbohlen. Melnel, Gerichtsvollzieher k. A., Gießen. FeinsteMilets] Pfund von N Pf. an ff Kochfische Pfund von 90 Pf. an. Gründonnerstag: Große Sendung ff Filets und Kochfische. Reiche Auswahl. Bestellungen frühzeitig erbeten. Fischhaus „Cuxhaven“ Marktstraße 23 ***A Telephon 2417 MhausNonr.WeiöeinaoDMier*® Mittwoch, den 23. Mär; 1932, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier, Reuen-1 weg 28, „jum Löwen", zwangsweise gegen Barzahlung: 1. Büfetts, Kredenzen, Vertikos, Chaise, longues, Nähmaschinen Warenschränke, Sofas, Schreibtische^ Schreibmaschinen, Kleiderschranke, Werspuppen, Halsketten, Nachtschränkchen, 1 Schnellwoage, 15 Flaschen Boonekamp, 1 Ausstellungsschrank, 1 Oekonomicwagen, 25 Bund Kranzdärme, 1 Kaffecvcrkaufsstander, 1 ZläseschnLidemaschinc, 1 Pürschbüchse, 1 Flügel, 1 SchästeSteppmaschine, 1 Pianino, 1 Schwommschrank, 1 Dro gcnschrank, 1 Bohrmaschine, 1 Ntnd, 1 Staubsauger, 20 Stücke Sofa-Bezüge, 1 Kamera, 1 Stegtisch, 1 Tisch, 1 Bücher- schrank, 3 Stühle. 2276V 2. Bestimmt: 1 Personenwagen (Brcnnabor 8 32 PS), 1 Motorrad (harley-vaoid- fon) Rasierpinsel, Staublappen, Zahn- bürsten Slaubkärnme, Staubtuchkörb- chen, ZeitungshoUer, ftragcnfaflcn, 1 Messer- und Gabclkorb, Mäscheklam- mern, Salatbestecke, ferner Basttaschen, verschiedene kleine hcnkelkörbc, Bast- körbchen, Puppenwiegen, Spankörbe, 1 Puppenwagen und 2 Garnituren Puppenmöbel (ab Ostergeschenk für Kinder geeignet), 97 Bilderblatter. Lunker Gerichtsvollzieher in Gießen Wicsecker Weg 16 — Telephon 3383 Mittwoch, den 23. Mär;, ab 10 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Reuen weg 28: 2 Nußbaum-Bctten, Nußbaum-Wasch- tische mit Marmor, Küchen- und Kleider- scyränke, Küchentische, Nähmaschinen, Stühle, 1 Rauchtisch, Schaukelstuhl, zirka 50 Schmirgelsteinc (bis zu Größe 50), Mchlsfür Jungen$l)o[en! Ja, ja so ein Stacheldraht hat'. In sich. Aber das ist auch gut, denn sonst könnte ja jeder Hinz und Kunz mit einem Satz über den Zaun springen und wer weiß, was für Unheil anrichten. Kommen Sie deshalb, wenn Sie Stacheldraht suchen, zu mir. Sie werden gut beraten und zahlen mäßige Preise. Ein Beispiel au, meinem großen Frühjahrs-Angebot« Leichter Gärtnerspaten nur noch RM. 2.60. WWW# Das ist Garbäty! % W Erschuf 188/ die berühmte Cigarette ,Königin von Saba J.Garbäty,jetzt einMann in hohem Alter wirkt noch heute.Er kommt noch täglich in die Fabrik undüberprüft selbst die Tabak• Mischungen. 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