Nr. 18 (Erftes Blatt 182. Jahrgang Freitag, 22. Januar 1952 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Lietzener Familiendlätter Heimat im Bild - Die Scholle Monat, Bezugspreis: Mit 4 Beilagen NM. 1 95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsvrechanschlusse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger »letze«. poKscheckkonto: ürawlfurt am Main 1168«. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Örud vnb Verlag: vrLhI'fche Univerfitälr-Vuch. nnö Steindritfcrei R. Lange in Stehen. Schriftleitung und Seschäftrftelle: ZchulNrahe 7. Annahme von Anzeigen für die lagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis tut l mm höhe für 'Jlnjfiqen von 27 mm Brette örtlich 8. auswärts 10 Neichspsennig; für Ne- hlameanieiqen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, platzvorfchrift 20* , mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für'Politik Dr. Fr. Wilh. Lange, für Feuilleton Dr fi.Ibnriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschem und für den AnzeigenteU Mar Filter, sämtlich in (Biehen. Oie Tributdebatte in der französischen Kammer. Don Marin bis Herriot Krönt gegen Deutschlands Zahlungseinstellung. — Eine Mehrheit für das Kabinett Laval gesichert. Pari«, 21. 3an. (WTB.) Der zweite Teil der InterpellationSdebatte in der Äammcr über die innere und äufzere Politik der Regierung begann unter flattern Zudrang der Abgeordneten und der Tribünenbesucher. Der lo-ialrepubli- kanische Abgeordnete Forgeot erklärte, wäre eS für Frankreich weise, hartnäckig Rein zu sagen? Keineswegs. Die Stunde einer mächtigen Gegenoffensive habe geschlagen. Sin einfacher, klarer franzäsifchcr Vorschlag an die gesamte Well würde Frankreichs Gegner zur Entscheidung zwingen Wenn es nun möglich wäre, eine gesunde Lösung zu finden, ohne die französische Sicherheit zu verringern, warum solle man das nicht versuchen? Warum ivollc man A merlka heute nicht folgenden Vorschlag machen: Frankreich verzichtet aus seine Reparationen, wenn ihm seine Schulden erlassen iver de n. Frankreich ist bereit, feine R ü - ftungsausgaben um 25 Prozent herabzusetzen gegen die Zusicherung, das, ber(Barantleoerfrag oon 1 9 1 9 ft r a 11 erlange, ftönnte Frankreich das annehmen? 3a. Deutschland könne sich morgen in einer allgemeinen Erhebung auf Frankreich werfen. Gegen eine solche Gesahr sei die beste Rettung die DerständigunA. Unter ungeheuerem Beifall des Hauses schloß «rorgeol: „Rann Frankreich bei seiner negativen Politik bleiben? Ist es sich nicht selbst schuldig, einen positiven, konstruktiven Plan oorzuschlagen, um das allgemeine Unheil zu verhindern?" Der Abgeordnete Louis Dubois (Fraktion Marin), ehemaliger Vorsitzender der Rcpko, hielt es für angebracht, sich mit den möglichen Folgen einer ablehnenden Haltung Deutschlands zu beschäftigen. Er zählte die im Young-Plan angeblich vorgesehenen Sanktians Möglichkeiten auf und fragte die Regierung, welche Politik gegenüber Deutschland, die Bereinigten Staaten und England zwecks Regelung aller Finanzfragen sie zu betreiben gedächte. Ein Zwischenfall. Die Sitzung muhte dann wegen eines Zwischen- falles unterbrochen werden. Der '21 bg. Delsol von der Fraktion Maginot sagte, die Erklärung des Reichskanzlers bedeute nicht, Deutschland könne nicht mehr zahlen, sondern Deutschland wolle n i ch t tn e h r z a h l e n. Es sei also unnütz, die Verhandlungen fortzusetzen. Man müsse Deutschland gegenüber d i e starke Faust zeigen und dürfe nicht nachgeben. Namentlich in der Äbrüslungssrage heiße es, fcftbleiben. Der Friede um jeden Preis bedeute den unvermeidlichen Krieg. Zum Schluß gab Delsol der Hoffnung Ausdruck, daß in der französischen Kammer nur Abgeordnete sahen, die als Vertreter Frankreichs, nicht aber als Vertreter Deutschlands zu gelten hätten. Diese Aeuherung bezogen die S o z i a l i ft e n auf sich. Sie verlangten eine Rekli sizierung. Delsol verweigerte diese. Es setzte ein P u Itdeckelkonzertein. Unter allgemeinem Lärmen zeigte der sozialistische Abg. Grumbach dem Ministerpräsidenten Laval eine Zeitung mit einer Karikatur. Hierauf entstand ungeheuere (Erregung. Der Kammerpräsident mußte die Sitzung unterbrechen. Aach Wiederaufnahme der Sitzung suchte Abgeordneter Delsol unter Pfuirufen der Linken seine Ausführungen abzuschwächen. Marin beruft sich auf die Kriegsschuldlüge. Hieraus führte Louis Marin aus. die Ereignisse seien sehr ernst. Deutschland habe erklärt, daß es sich einem derHauptartikel des Versailler Vertrages entziehen werde. Hinsichtlich der übrigen Artikel werde es eines Tages die gleiche Haltung einnchmen.Wenn Deutschland nicht nachgebc, was würden die Alliierten dann angesichts »dieser Verletzung des Versailler Vertrages" tun? Von der äußersten Linken bis zur äußersten Rechten sei man in Frankreich der Ansicht, daß die Reparationen geheiligten Charakter trügen. (Lebhafter Beifall.) 3m Namen der internationalen Moral müßten die von Deutschland in Frankreich, Belgien und Rumänien angerichteten Schäden wieder gut gemacf)! werden. Frankreich müsse feinen Anteil an den ungeschützten Reparationen bis zum Aeuhersten verteidigen. Sei es möglich, daß 2 3ahre nach Ausstellung des Qoungplanes Deutschland ihn als $ e c r i f f c n ansehen könnte? Der Abg. Grumbach selber habe erklärt, wenn Deutschland am IJoungplan rühre, würde er beim Völkerbund die Wirtschafts- und Finanzblockade Deutschlands beantragen. Hier warf Grumbach ein: »Ich habe hierbei an Hitler gedacht und an den Haager Internationalen Gerichtshof, aber an keine militärische Maßnahme." — Marin lehnte dann weitere Kredite an Deutschland ab und wandte sich gegen Priorität der amerikanischen Privatgläubigervorzüge, da die .Wucherer' nicht zum Schaden der Opfer bevorzugt werden dürsten. Auf der Abrüstungskonferenz müsse die Regierung angesichts der deutschen Rüstungen festbleiben, Generosität sei nicht mehr am Platze. Deutschland stelle immer nur neue Forderungen und würde schließlich alles erhalten. Der Völkerbund sei, weil er über keine Sanktion-mittel verfüge, nicht viel wert. Gegenüber Deutschland bleibe das Bündnissystem immer noch das Beste. Die Reparationen beruhten auf der ftriegs- schuldklausel, sie seien das Zeichen der Schuld Deutschlands am Weltkrieg und dürften schon deshalb nicht aufgegeben werden. Der internationale Untersuchungsausschuß, der von Blum vorgcschlagen sei. sei unnütz, denn der Finanzausschuß der Kammer könne mit Leichtigkeit jederzeit die Summe feststellen, die Deutschland bisher gezahlt habe. Frankreich habe in Wirklichkeit bis heute nicht sieben vom Hundert dessen erhalten, waS man ihm schuldet. Amerika habe während des Weltkrieges erklärt, Frankreich solle seine Armeen in die Waagschale werfen. während eS selbst mit seinem Geld zur Verfügung stehe. Damals habe man in Frankreich noch nicht gewußt, daß dieses Geld einmal mit Zinsen zurückverlangt werde. Der Redner stellte an Hand der Außen- handelsbilanz Frankreichs und Deutschlands die Behauptung aus. daß nicht Deutschland finanzielle Unterstützung brauche, sondern Frankreich. Weiter behauptete er. daß Deutschland in einer geradezu ungeheuren Weise ausgerüstet habe, insbesondere aus dem Gebiet der Luftfahrt, die fast diejenige Italiens in den Schatten stelle. Cs gebe kein Volk, bei dem der Revanche- g e i st so unterhalten werde, wie in Deutschland. Die Pflicht der Regierung sei eS, gegenüber diesem Deutschland nicht nachzugeben. Auch Hernot lehnt die Endlösung ab. Deutschland soll nach Beseitigung der Krisis w ober zahlen. Der Führer der Radikalsozialisten H e r r i o t wies darauf hin, daß der Ausgangspunkt der Aussprache die Erklärung des Reichskanzlers sein müsse, in der der Wille zum Ausdruck komme, keine Reparo tionen mehr zu zahlen. Diese Auffassung sei für alle Völker unannehmbar, die in der Achtung vor den Verträgen lebten, die Gewalt der Waffen könne nur durch die Aufrichtigkeit ersetzt werden. (Beifall auf allen Bänken.) Unter dem Gelächter des Hauses verlas Herriot einige Stellen aus dem Haager Abkommen, in denen Deutschland sein Bedauern ausspricht, daß die Möglichkeit „seines Willens, den Plan zu zerstören", überhaupt in Erwägung gezogen werde. Am 12. März 1930 habe Reichskanzler Brüning im Reichstag ebenfalls sein Bedauern über diese Unterstellung ausgedrückt. Heute gebe es in Deutschland zwar viel Elend, aber was für heute gelte, gelte noch lange nicht für b i e Zukunft. Man müsse Deutschland für die Zeit der Krise helfen. Aber nur unter der Be bingung, baß das Reich eines Tages ebenso weitherzig gegenüber Frankreich sein werbe. Es sei sehr wohl möglich, baß bie Krise in Frankreich ihren Höhepunkt erst erreiche, wenn Deutsch 1 a n b jie bereits überstanden habe. Der Poung-Plan sei unter der Voraussetzung geschaffen worden, daß die ganze Welt nun von der Krise erlöst einen Aufstieg erleben werde. In Wirklich- feit sei das Gegenteil ein getreten. Den- noch dürfe aber kein Vertrag einseitig aufgehoben werden. Nach dem Bericht der Baseler Sachverständigen werde Deutschland in gewisser Zeit wieder hergestellt fein. Herriot bedauerte, daß die Vereinigten Staaten nicht den @arantiepaftunterfd)rieben. Das fei die Ursache des ganzen Elends. Die große Lösung würde in dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Völkerbund bestehen. — Herriot wurde oon allen Abgeordneten mit Ausnahme der Sozialisten und Kommunisten stehend eine O o a ■ tion bargebracht. Aber auch ein Teil ber Sozialisten sparte nicht mit Beifall. Die Weiter- beratung erfolgt Freitagnachmittag. Oie Radikalen sekundieren dem Kabinett. Kc.n Unterschied zwischen Herriot und Laval. Paris, 22.3an. (CRB. Funkspruch.) In ber nächtlichen Kammerbcbatte haben nach der etwas verworrenen Rede des Abgeordneten Warin und den nicht mehr ganz neuen Reparationsvorschlä- gen Forgeots die Ausführungen Herriot s die größte Aufmertsamkeit gesunden. Herriot hat sich in der Reparationsfrage auf den gleichen Standpunkt gestellt, wie ihn die französische Regierung bis jetzt in allen ihren Verhandlungen eingenommen hat. Es besteht kaum ein Unterschied zwischen feiner Haltung und der eines Angehörigen einer Rechtspartei, vielleicht nur in der Tonart, in der die Stellungnahme vorgebracht wird. So konnte es gar nicht tounbemebmen, bah Herriot am Schluß feiner Ausführungen bie einstimmige, ge- rabeju begeisterte Zustimmung ber R e- gicrungsmehrheit gefunben hat. Die Rebe Herriots bat Laval seine heutige Ausgabe, ben Stanbpunkt ber sranzösischen Regierung klarzulegen, wesentlich erleichtert. Es kann gar keinem Zweifel unterliegen, baß die Mehrheit. die der französischen Regierung bas Vertrauen ausspricht, biefclbc sein wirb, bie bas gleiche Kabinett vor seiner Demission bei großen Abstimmungen gefunben hat, unb es ist auch sehr wahrscheinlich, ja. man barf es als bestimmt annehmen, baß sich bie Rabikalen ber Abstimmung enthalten, um bie Stellung ber Regierung Lavals bei ben Autünfligen internationalen Verhanblungen zu stärken. Nervosität in Paris. Ter „Malin" schlägt Zwangsmaßnahmen gegen Tcukschland vor. Paris, 22. Ian. (WTB. Funkspruch.) Der „Ma- tm" macht heute Vorschläge, für wirtschaftliche unb finanzielle Druckmittel, die Frank- reich anwenden müsse, wenn Deutschland bie Reparationszahlungen einfteUe. 1. mufie bie Bank von Frankreich sich roei- gern, den Anfang Februar fälligen 25-Millionen - Dollarkredit an die Reichsbank zu erneuern. Was gehe Frankreich fünf- lig das Schicksal der Mark an? Rlabrib, 21. 3cm. (TU.) Arn Donnerslag brach in ftalalonlcn ein revolutionäre? Generalstreik aus, der ursprünglich für den 25.3anuar geplant war unb sich über ganz Spanien erstrecken sollte. Ge leitet wird die Bewegung oon den mit den Anarchisten vereinigten ftommuniffen. Das Zentrum des Aufruhrs befindet sich im Hllnengeblet von £ I o b r e g a t zwischen Manresa und Berga. Die Aufständischen haben sämtliche Drahtverbindungen mit Barcelona und Saragossa abgeschnitten, sowie den Zugverkehr mit Berga gewaltsam unterbrochen. 3n drei Dörfern wurden öle Bürgermeisterämter gestürmt und die Telephonzentralen zerstört. 3n Sarrel plünderten die Aufständischen das Pulvermagazin einer rNinengesellschast und setzten sich in den Besitz von 800 Kilogramm Dpnamlf. 3n Manresa wurde ein Sturm aus den Katholischen verein versucht, der durch die Guardia Civil abgewehrt werden konnte, wobei zwei der letzteren verwundet wurden. Die Regierung, die am Donnerstagabend ein Vertrauensvotum der Nationalversammlung zur rücksichtslosen Unterdrückung der kommunistischen Machenschasten erhalten hat, versucht mit aller (Energie der Lage in Katalonien Noch keine amtlicheMitteilung. Berlin, 21. 3an. (ERB.) Zu ben von aus- tändischer Seile gebrachten Melbungen über eine Verschiebung der Reparationskonferenz erfahren wir an unterrichteter Stelle, daß bei ber Reichsregierung amtlich von einer Verschiebung ber Konferenz noch nichts bekannt ist. ES könne nur immer wieder betont werden, daß Deutschland an seinem alten Standpunkt fest halten müsse, da angesichts der Gefährdung der allgemeinen Welt- wirtschaftslagc eine Endlösung deS Repa r a t i o n s p r o b 1 e m s umgehend erforderlich sei In diesem Zusammenhang wird zu den Bestrebungen, die auf eine Verlängerung des Hoover-FeierjahreS hinauSlaufen. daraus hingewiefen. daß die Anerkennung eines zweiten Hoover-Iahres schon deshalb nicht in Frage kommen kann, weil sie die Abgabe eines ZahlungSverfprechenS darstellen würde. Eine Entscheidung darüber, wann die Tribut- konferenz ftattfmbcn soll, wird in Berliner po- litifchen Kreisen erst gegen Ende bet Woche erwartet. Man ist in Berlin ber Ansicht, bafj bet Verzicht barauf, bie Konferenz von Lausanne am 25. Januar ftattfinben zu lassen, noch keineswegs bedeute, daß nun der Gedanke einer Konferenz überhaupt fallengdaffen fei. In den internationalen 2. müsse Frankreich sofort den deutsch-sran- zösischkn Handelsvertrag von, Jahre 1 9 2 7 kündigen Frankreich könne unb müsse gegenüber Deutschland, das sich weigere, feine Verträge einzuhalten, Verfahren einfchlagen, wie sie in allen Landern bie Gläubiger gegenüber böswilligen Bankrotteuren anwenden In den geaenwartigen Zeiten könne dieses Druckmittel seine Wirkung nicht verfehlen. Die .Dolontö" stellt fest, daß das Organ der Schwerindustrie, finanziert von dem Großindustriellen de Wendel, das .Journal des DedatS", gestern eine plumpe, gar nicht mißzuver- stehende Drohung gegen Deutschland auSgestohen bat, in dem es erklärte .Jetzt muß man a ege n D tutf ± i a n d h a n d11 » Die Aeußerungen entsprächen gewissen Zwischenrusen in ber letzten Kammersiyung. alS ber Qlbgeorbnete Leon Blum fragte, ob man im Falle ber Richtbezahlung burch Deutschland zur Zwangsvollstreckung unb zur Politik ber Pfänder schreiten wolle. Die Mitglieder auf ber äußersten Rechten hätten laut ..Ja, jo,“ gerufen. Das .Oeuvre" erklärt, auf ber Unter* grunbbabn sei ein Gebicht verkauft worben, dessen freie Uebcrsehung lautet „DaS Jahr 1932 ein schreckliches Jahr. Wahlen. -Volk in deinen Händen liegt baS Schicksal ber Ration. — Ihr Frauen, Schwestern unb Mütter, trocknet eure Tränen, macht euch »er- । stänblich, stoßt btefen Alarmxus aus - Den jungen Rekruten fällt es nunmehr zu, un » den Ruhm wieber zu geben und Frank- | reich den Franzosen". Herr zu werben. Bis jetzt sinb zwei Kompanie« Guarbia (Eivil aus Saragossa, zwei Gebirgsjäger- balaillone, zwei Kavallerieschwabronen unb drei Fcldbalterien In Marsch gesetzt worben. Außerbem warben mehrere Kriegsschiffe in ben Hafen oon Barcelona beordert, um Rückschlägen In ber katatonischen Hauptstadt vorzubeugen. 3m übrigen Spanien herrscht Ruhe mit Ausnahme von La Coruna, wo es zu Zusammen- flöfjen zwischen streikenden Arbeitern unb ber Polizei kam. die oon ber Schußwasse Gebrauch machte. Ein Toter unb mehrere Schwerverletzte blieben auf bem Platze. Für bie baskischen Provinzen wurde ein außerordentlicher Generalgouverneur mit Sondervollmachten bestellt. 3n ber Kammer erklärte Ministerpräsident A z a n a , baß bie Bewegung In der Provinz Barcelona ausgesprochen revolutionären Charakter habe unb alles sür eine allgemeine Erhebung in ganz Spanien für kommenben Montag vorbereitet gewesen sei. Die Regierung kenne bas Kom plott in seiner ganzen Ausdehnung. Die Direktiven kämen aas bem tluslanbe. Die Summen, bie nach Spanien flössen, um bie Unruhe zu schüren, seien bekannt, ebenso die (Empfänger. Verhandlungen wird der Zusammentritt der Konferenz sür einen etwas späteren Zeitpunkt ange strebt. Die Reichsregierung steht jedoch nach wie vor auf dem Standpunkt, daß die Tributkonferenz f o b a l d wie möglich ftattfinben muh _ «ine Ablehnung der französischen Regierung würde alfo Frankreich mit ber Verantwortung für baS Scheitern ber Konferenz belasten Aus dem toten Punkt. Englands Bemühungen kommen nicht voran. L o n b o n, 21. Ian. (WTD.) Hiesige unterrichtete Kreise vertreten die Ansicht, baß bie in ber Frage ber Abhaltung ber Konferenz von Lausanne geführten Besprechungen ben toten Punkt noch nicht übertounben hätten Man gibt offen zu, daß eS sich um eine sehr ernste Stockung hanbele, hegt jedoch weiter bie Hoffnung, bah im Lause ber allernächsten Tage eine Formel gefunben werbe, bie bie Abhaltung ber Konferenz in naher Zukunft ermögliche. Man hält es für burchauS möglich, daß man sich schließlich bahin einigen wirb, bie MeinungSverschiebenheiten, bie bisher nur in ben diplomatischen Verhandlungen zutage getreten sind, in öffentlicher Konferenz ber Regierungsvertreter zu behandeln. Unter biefen Umständen könnte damit gerechnet werben, daß in naher Zukunft eine R^xnmtions- konferenz ohne vorherige Zustimmung Revolutionärer Aufstand in Katalonien. Kommunistischer Generalstreik im Minengebiet zwischen Saragossa unb Barcelona. - Energisches Einschreiten ber Regierung. Auf wann ist Lausanne verschoben? Oeutschlanb fordert nach wie vor ungesäumten Zusammentritt. — Kein neues Zahlungsversprechen burch Verlängerung bes Hoovermoratoriums. Deutschlands-u einer Verlängerung des Hoover-Moratoriums stattfinden Werde. Der deutsche Botschafter v. 2! e u r a t h stattete am Donnerstag dem Außenminister Simon einen Besuch ab und legte ihm nochmals den deutschen Standpunkt im Sinne der Mitteilungen dar. wie sie in Berlin dem englischen Botschafter gemacht worden sind. Er wies darauf hin. daß eine Verlängerung des Hoovermoratoriums für Deutschland nicht in Frage komme. Auch ein vollständiges Moratorium einschließlich eines solchen für die ungeschützten Tributzahlungen würde noch keine Erleichterungen bringen, wenn nicht noch vor dem 1. 3ult in Verhandlungen über eine endgültige Regelung der Tributfrage eingetreten werde. Amerika läßt sich nicht einschüchtern. Washington, 2l.3an. (WTB.) 3n amtlichen Kreisen wird eine offizielle Stellungnahme zu dem britisch-französischen Plan einer Verschiebung oder eines Verzichts der Lausanner Konferenz abgelehnt. Jedoch wurde an maßgebender Stelle angedeutet, daß Europa, wenn es die gegenwärtige Finanzkrise zu politischen Machenschaften auszunuhen strebe, sich selbst die Folgen zuzuschreiben habe. Jedenfalls bestehe im Kongreß keine Geneigtheit, sich von Europa diktieren zu lassen, daß Amerika die Kosten des Weltkrieges übernehmen müsse, damit Frankreich weiterhin gewaltige Summen für R ü st u n g s z w e ck e ausgeben könne. Amerika bestehe darauf, daß jede Ration an der Abtragung der Kriegsschulden mitarbeite und werde sich durch Drohungen mit einer Einheitsfront Europas gegen Amerika nicht schrecken las- s e n. Amerika werde daher n i ch t s in der internationalen Schuldenfrage unternehmen, bevor nicht die europäischen Staaten sich unter Berufung auf ihre Schuldenverträge einzeln an die Regierung der Vereinigten Staaten gewandt hätten. Bor -em Abschluß der Gtillhalteverhandlungen. Berlin, 21.Jan. (OB.) Die wir erfahren, ist es sehr wahrscheinlich, daß die Berliner Der- Handlungen mit den Vertretern der ausländischen Stillhallegläubiger am Ende dieser Mache jum Abschluß kommen. An dem Text des zweiten Stillhaltevertrages, der ein neues einjähriges Provisorium vorsehen dürste, wird zur Zeit noch gearbeitet. Wie wir hören, hat man sich in der besonders schwierigen Frage der Zinssätze auf eine Klausel geeinigt, in der den Gläubigern die Erhebung vernünftiger Zinsen empfohlen wird. Auch bezüglich der besonders von amerikanischer Seite erhobenen Sicherheilsforderungen ist eine Einigung erzielt worden, die sich auf der mittleren Linie zwischen den ausländischen und den deul- schen Wünschen hält. Sie Antwort an General Bourgeois. Das ReichSwehrministentim brandmarkt die Verleumdungen über angebliche deutsche Scheinrüstungen. Berlin. 21. Ian. (WTB.) 3n dem planmäßigen Verleumdungsfeldzug, den die französische Presse und andere Stellen in letzter Zeit über das Thema angeblicher deutscher Geheimrüstungen veranstaltet haben, stellen die Behauptungen des Generals Bourgeois und des Senators Eccard einen Gipfelpunkt dar. Rach diesen Behauptungen soll Deutschland ein mächtiges Heer organisieren, indem eine große Anzahl von Unteroffizieren aus der Reichswehr ausscheide, um Platz für Rekruten frei zu machen und indem zahlreiche Offiziere in verbotenen Schulen ausgebildet würden. Hierzu erklärt das Reichswehrministerium u. a.: Diese Behauptungen sind erlogen. Die Zahl der Entlassungen und Reueinstellungen ist im Wehvgesetz nach den Vorschriften des Diktats von Versailles genau fest gelegt und wird ebenso genau eingehalten. Eine Ausbildung von Offizieren ist schon deshalb nicht möglich, weil die geringe Anzahl der deutschen Offiziere zum Dien st in der Truppe benötigt wird und weil es überhaupt verbotene Schulen nicht gibt. 3m deutschen Reichsheer dienen nur 3800 Truppenoffiziere, während die Zahl der französischen aktiven Offiziere höher als 3 0 000 ist. Wenn General Bourgeois u. a. von einer „deutschen Stoharmee" gesprochen hat, so verwechselt er diese anscheinend mit der etwa 50 Divisionen starken französischen „Armee de couverture“, die eine voraussichtliche Kriegsstärke von über anderthalb Millionen Mann hat, während die Stärke des deutschen Reichsheeres in Frieden und Krieg nur 1 00 000 Mann beträgt. Wenn General Bourgeois von der Möglichkeit einer schnellen Umstellung der deutschen K r iegs in d u st r. e auf Krtegsfertigkeit spricht, so ist darauf zu erwidern, daß eine Umstellung nicht so schnell erfolgen kann, wie die mächtigen französischen Bombengeschwa- der das jeden Luftschutz entbehrende deutsche Gebiet überfliegen können. Für die von General Bourgeois bemängelte Erziehung der Kinder im Sinne einer Revanchepropaganda ift er jeden Beweis schuldig geblieben. Deutschland wäre zufrieden, wenn die französischen Schulbücher die Kriegsschuldlüge und die Darstellung des Weltkrieges im gleiche n Gei st e der Wahrhaftigkeit behandeln würden wie die deutschen. Die Behauptungen des Senators Eccard über die deutschen Militärausgaben strafen sich durch ihre Lächerlichkeit selbst Lügen. E card wendet sich auch gegen die von Deutschland betriebene Aufklärung der öffentlichen Meinung über de Aüru- stungsfrage. Dazu ist zu sagen, daß Deutschland nicht aufhören wird, das ungeheuere Mißverhältnis an Recht, Macht und Sicherheit, das durch die R i ch t e i n h a l - tung deS im Diktat von Versailles gegebenen Abrüstungsversprechens der Siegermächte hervor erusen und durch das Wettrüsten der rüstungs're.en Mächte in un- erträglichcr We'.se gesteigert wurde, weiter der Oeffentlichkeit der Welt vor Augen zu halten. Reichshaushalt-Länder und Gemeinden. Oer Reichsrat fordert Reichsüberweisungen zur lommuna en Schuldentilgung. Deutschlands geringe innere Staatsschuld nur Folge schwerster Not. Berlin, 21. 3an. (DDZ.) Der Reichsrat be- riet die von der Regierung vorgelegte Zusammenstellung über die am Haushaltsvlan 1931 vorgenommenen Aenderungen. Auf Antrag der Ausschüsse wurde der berichtigte Reichshaushalt zur Kenntnis genommen. Gleichzeitig faßte der Reichs- rat einstimmig eine Entschließung, in der es heißt: Der Einnahmerückgang in der Gesamtsumme der Steuern, Zölle und Verbrauchsabgaben des Reiches gegenüber den Vorjahren, trifft, wenn man von der Industrieumlage und der Reparationsabgabe der Reichsbahn aösieht, nicht das Reich, sondern bisher ausschließlich die Länder und Gemeinden. Infolge des Rückganges der Ueberweisungen und der eigenen Steuern ergeben sich bei den Ländern trotz strengster Einschränkungen noch große Fehlbeträge sowohl für 1931 als auch im Entwurf sur 1932 und keine Möglichleiten, für 1932 eine (Summe für die Tilgung schwebender Schulden einzusetzen, während das Reich den Haushalt für 1931 und den Entwurf für 1932 vorläufig gedeckt und dabei für 1932 eine von 420 auf 870 M ll.onen et ö-te Tilgung schwebder S ,u> l)en vorgesehen hat. Infolge Steigerung der Zahl der Erwerbslosen sowie in Verbindung mit der Kürzung der Steuerüberwei- fungen behalten auch viele Gemeinde- Haushalte für 1931 und 1932 große Fehlbeträge, deren Deckung nicht möglich ist. Die zusätzliche Ueberweisung des Reiches an die Ge« meinden von 230 Millionen für Wohlfahrtslasten Acht demgegenüber nicht aus. Trotzdem hat das Reich im nächsten Jahre nur noch eine lieber« Weisung von 50 Millionen vorgesehen. Der Reichsrat ersucht die Reichsregierung im Juleresse einer geordneten Finanzwirlschast bei der Ausstellung des Haushalts für 1932 auf diese Tatsachen Rücksicht zu nehmen. Er ersucht die Reichsregierung insbesondere. anstelle der für 1932 für das Reich allein vorgesehenen erhöhten Schuldentilgung in den Reichshaushalt von 1932 für das Reich nur die bereits sehr hohe gesetzliche außerordentliche Schuldentilgung von zusätzlich 420 Millionen einzustellen und die darüber hinaus- gehenden Beträge den Ländern und Gemeinden zur Vermeidung oder Deckung von Schulden zuzuweise n . um zu verhindern, daß Länder oder Gemeinden zusammenbrechen oder daß eine wirtschaftlich untragbare und im Gegensatz zur Preissenkungspolitik stehende Anspannung weiterer Steuern in Ländern und Gemeinden erforderlich wird, noch bevor sich der Erfolg der bisherigen Aktionen auswirken kann. Bo.her machte der Berichterstatter Ministerial- direltor Brecht u. a. folgende Ausführungen: Rach dem ber.ch.igten Haushalt betragen die besamten ordentl ch.n und außerodentlichen Retto- ausgaben dcs Reiches für 1931 nunmehr Millionen Mark (gegen 1930 ein Mmus von 2717 Millionen Marc). Die Einschränkungen sind trotz der gewachsenen Wohtsahrtslaften sehr hoch. Gegeni 6:t Lent Höchststa. d der 2tu> gcwen im Jahre 1923 beträgt der Rückgang mehr als drei Milliarden Marr. Die Aufgaben sind noch unter das Jahr 1 9 26, das letzte Jahr vor der Besoldungserhöhung. um 582 Millionen zurückgegangen. Unter den e.nzelnen Posten hat es neuerdings internationa.e Au m.r fände'.t e.regt, daß Deutschlands normaler innerer Schuldendienst nur 500 Millionen beträgt, gegen etwa 3 Milliarden in Frankreich und nach altem Kurse 6 Milliarden Mark in England. Man hat es als Vorteil für Deutschland dargestellt, daß Deutschlands gesamte innere Staatsschuld jetzt nur 10 Milliarden Mark gegen 43 Milliarden in Frankreich und 130 Milliarden in England beträgt. Aber man hat vergessen, hinzuzufügen, daß Deutschlands innere Schuld infolge der eigenen Kriegskosten ursprünglich mehr als 130 Milliarden Goldmark betrug und daß wir gezwungen waren, diese Schuld bis auf 10 Milliarden deshalb zu streichen, weil wir im Gegensatz zu England und Frankreich nicht in der Lage waren, aus Steuern jährlich 6 Milliarden oder 3 Milliarden Mark u n s e r e n inneren Gläubigern zur Verfügung zu fteIIen. Denn man glaubt, daß es ein vorteil für das deutsche Volk sei, nur noch 10 Milliarden RM. innere Staatsschulden zu haben, nun, so könnten sich diesen Vorteil ja auch andere völ- keroerschasfen. wenn sie auch bei sich die hohen inneren Schulden streichen. Man wird s i ch h ü l e n. das zu tun, ohne daß d i e schwerste Rot dazu zwingt. Denn die Folge ist eine furchtbare Verarmung, kapilalnot und damit Entwertung aller Anlagen, die kein Volk in höherem Grade als notwendig freiwillig auf sich nehmen wird. Von den öffentlichen Abgaben flieht in England mehr als ein fünftel, in Frankreich mehr als ein Viertel an die eigenen inneren Gläubiger Zurück. Deutschland dagegen hat in den letzten zehn Jahren an Reparationen ans Ausland allein in barem (Selbe sechs- bis achtmal soviel gezahlt, wie an seine innere Kriegsgläubiger und viermal soviel wie für den gesamten staatlichen normalen Schuldendienst im Innern einschließlich der Rachkriegsfolgen. Ministerialdirektor Z a r d e n vom Reichsfinanzministerium gab darauf folgende Erklärung ab: Die Reichsregierung verkennt die Bedeutung des Problems der Wohlfahrtserwerbslosenlasten nicht. Sie kann ab^r im Hinblick insbesondere auf die ungeklärten außenpolitischen Verhältnisse im Augenblick eine Erweiterung der bisherigen Maßnahmen nicht in Aussicht st eilen. Sobald hier eine gewisse Klärung erfolgt ist, ist sie gern bereit, das Problem der Wohlfahrtserwerbslosenlasten zum Gegenstand weiterer Verhandlungen im Reichsrat zu machen. er öfter- rten zu nicht und wiesen ihm den Stall als Rachtlager an. Dte Mutter, eine habgierige Frau, untersuchte das Gepäck des Fremden und sand einen großen Geldbetrag vor. Sie wollte nun ihren Mann überreden, den Unbekannten zu erschlagen, um sein Geld zu rauben. Der Mann wollte das nicht und ging in das Wirtshaus, in dem sein Sohn vorher gewesen war. Der Wirt konnte nun sein Geheimnis nicht länger behalten. Der Vater hörte die Geschichte des Heimkehrers, eilte sofort wieder nach Hause, fand jedoch seinen heimgekehrten Sohn nur noch als Leiche vor. Die Mutter hatte bereits allein die Untat verübt und dem eigenen Sohn ohne ihn zu erkennen, den Hals durchgeschnitten. Das Opfer einer Schußfalle. Das Greifswalder Schöffengericht verurteilte den Privatfi'rfter Blinzler aus Bugrow der durch eine Aum Wi df ng c usge' e'lte Schußwöf e - falle am 21. Rovemver v. 3. den Tod der 50 Jahre alten Ehefrau des.Rittergutsbesitzers v. Hennig herbeigesührt hatte, zu sechs Monaten Gefängnis mit Strafaussetzung nach Verbüßung von drei Monaten. Die Verhandlung ergab den einwandfreien Beweis, daß nur eine Fahrlässigkeit des Försters Vorgelegen hat. Eine grauenhafte Tragödie spielte sich nach einer Meldung Berliner Blätter aus Passau in dem Döhmecw^ld-Srrnzsiä)ichrn Reuern ab. Dort kehrte plötzlich ein verschollener, schon längst auf der Totenliste stehender ehemaliger öster- reichischer Soldat aus Sibirien zurück, wohin er seinerzeit als Kriegsgefangener gekommen war, Rieniand erkannte ihn, aber einem Gastwirt gab sich der Zurückgekehrte zu erkennen. Um seine Eltern zu überraschen, erbat er sich dann in seinem Vaterhaus ein Racht- quartier. Auch die Eltern erkannten den Sohn Aus aller Welt. Generaloberst Freiherr von Lyncker f. 3n Demnitz bei Fürstenwalde a. d. Spree starb im fast vollendeten 79.Lebensjahre der ehemalige Chef des preußischen Militärkabinetts Generaloberst Moritz Frhr. von Lyncker. Der Verstorbene, der seinen Wohnsitz in Potsdam hatte, war Vortragender Generaladjutant des ehemaligen Kaisers. Er besaß den Schwarzen Adlerorden und den Pour le M£rite. Demonstrationen gegen Graf Keyserling. Als der Darmstädter Philosoph Graf Keyserling, der sich gegenwärtig auf einer Dor- tragsreise durch die Schweiz befindet, in Zürich sprechen wollte, kam es wie tags zuvor in Lausanne auch dort zu lärmenden Kundgebungen. Junge Leute warfen Gas- und Stinkbomben in den Saal. Die Polizei räumte den Saal von den Demonstranten, worauf der Vortrag ungestört zu Ende geführt werden konnte. Der Protest soll sich vor allem gegen einen kürzlich erschienenen Artikel von Graf Keyserling richten, in welchem sich dieser abfällig überdieSchweiz geäußert haben soll. Elly Beinhorn in Rangun. Die Fliegerin Elly Beinhorn ist auf ihrem Weiterflug von Kalkutta nach Riederlänoisch- Indien in Rangun gelandet. Ende dieser Woche will Elly Beinhorn nach Bangkok fliegen, wo sie sich mit der Tokiofliegerin Marga v. Ehdorf treffen will, die mit ihrem kleinen Iunlersflugzeug von Tokio nach Deutschland unterwegs ist. Große Devisenfchiebung zwischen London und Berlin aufgedeckt. Die Zollfahndungsstelle Berlin ist einer groß- angelegten Devisenschiebung auf die Spur gekommen. Im Verlauf der Ermittlungen wurde der Vertreter des Londoner Vankhauses Singer und Friedländer, Dr. G u t h e r z, aus dem O-Zug Berlin—Prag heraus verhaftet. Weiter wurde der Inhaber eines Berliner Dankkommissionsgeschäfts, Palari, fest genommen. Weitere Festnahmen stehen bevor. Von den Guthaben des Londoner Bankhauses Singer und Friedländer wurden bisher über 500 000 Reichsmark beschlagnahmt und sichergeftellt. An den Schiebungen soll noch ein drittes Bankhaus beteiligt sein. Das Bankhaus Singer und Friedländer hotte die Genehmigung, für eine Million Nominalwert deutsch? Schuldverschreibungen auf gesetzlichem Wege gegen Vorzugsaktien der Deutschen Reichsbahn auszutauschen. Die Devisenstelle hatte die GenehmigungzurAus- fuhr dieser Vorzugsaktien erteilt. Die englische Vankfirmo hat aber davon keinen Gebrauch gemacht, sondern die Reichsbahnvorzugsaktien im Gegensatz zu den gesetzlichen Bestimmungen i n Deutschland verkauft. Gutherz bezahlte mit den auf diese Weise hereingenommenen Reichsmark, die Schulden von Engländern an deutsche Gläubiger und verhinderte so, daß engliscye Devisen nach Deutschland flössen. Der Feuerüberfall bei Tribsees. Bei der Vernehmung der vier aus dem Rostocker Bahnhof verhaftcten Berliner Einbrecher, die, wie gemeldet, mit Landjägern in der Nähe von Tribsees ein Feuergefecht hatten, konnte auch der vierte — offenbar der Anführer der Bande — festgestellt werden, der bereits mit 14 Jahren Zuchthaus vorbestraft, aber 1928 amnestiert worden ift Die Verhafteten bestreiten, das Feuer auf die Landjäger eröffnet zu haben. Sie leugnen auch, bei ihrer Fahrt nach Naumburg nach Tribsees einen Einbruch verübt zu haben. Die bei ihnen gefundenen 470 Mark wollen sie bei Gelegenheitsarbeiten verdient haben, lieber die Herkunft der Waffen verweigerten sie noch wie vor die Aus- sage. Den (ofgcglaubfen Sohn ermordet. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 22.Januar 1932. Rote Nasen. „Die rote Nase kommt vom S.....!" Nein, das tut sie nicht, oder doch nur in recht seltenen Fällens Dies fei zunächst einmal zur (Ehrenrettung aller derer gesagt, die dieses unangenehme Wahrzeichen im Gesicht tragen. Von roten Nasen gibt es zweierlei Arten, näm- lich solche, bei denen es sich nur um eine „flüchtige" Nasenrote handelt, und andere, deren Nasenröte eine „bleibende" ist. Die Entstehung der flüchtigen Röte beruht auf einer durch Kälteeinwirkung hervorgerusenen Zusammenziehung der Blutgefäße in der Haut der Nase, die sich beim Eintritt in ein warmes Zimmer wieder erweitern. Solcher roter Nasen sieht man jetzt im Winter gar viele), allein diese Art von Nasenröte verschwindet bei längerem Aufenthalt in geheizten Räumen meist fast vollständig. Nervöse Menschen, besonders junge Mädchen und Frauen, oder Personen, deren Blutzirkulation aus irgendeinem Grunde nicht in Ordnung ist, werden leicht von solcher „flüchtigen" Nasenröte befallen. Neben der Winterkälte führt bei diesen besonders dafür disponierten Menschen auch der Genuß heißer oder scharf gewürzter Speisen und endlich auch der Alkohol, zu der so peinlichen „roten J)lgje". Die „bleibende" Nasenröte verdankt ihre Entstehung dem häufigen wiederholten, sozusagen chro- nischen Einfluß der erwähnten Schädlichkeiten in erster Linie Es gibt indessen dafür auch noch eine Reihe anderer Ursachen. So kann z. B. der ständige Druck einer schlecht, d. h. zu fest aufsitzenden Brille oder eines Kneifers zu örtlicher Blutstauung und chronischer Gefäßerweiterung, also zur roten Nase, führen. Nicht selten hat auch die Verwendung schlechter Seife schuld. Weiterhin können Erkrankun- gen innerer Organe, besonders beim weiblichen Ge- schlecht, eine ursächliche Rolle spielen. Schließlich führen auch bisweilen Erkrankungen der Nase selbst ober ihres Innern zu einer bleibenden Nasenröte. Glücklicherweise braucht sich kaum jemand, den eine rote Nase verunziert, tatenlos in sein Schicksal zu ergeben. Gegen die flüchtige Nasenröte hilft oft das Auflegen eines kleinen, benzingetränkten Tüchleins aus Mull. Dem Besitzer einer dauernd roten Nase sei zunäckst empfohlen, heiße Getränke, vor allem Tee und Kaffee, ebenso wie scharf gewürzte Speisen zu meiden, den Alkohol beiseite zu lassen und möglichst auch bas Zigarettenrauchen aufzugeben. Die beiben letzteren Verbote werben gewiß auch sonst ber Ge- sunbheit nur bienlich fein. Selbstverständlich darf man nicht erwarten, ein in bet ganzen Körperanlage ursächlich mitbebingtes Leiden in kurzer Zeit beseitigen zu können. Wo die angegebenen kleinen Maßnahmen zur Beseitigung der Nasenröte nicht ausreichen, da nehme man ärztliche Hilfe in Anspruch. Dem Arzte stehen eine ganze Anzahl Methoden zur Verfügung, die in den meisten Fällen, wenn nur Arzt und Patient genügend Geduld aufbringen, zum Ziele führen und zum Verschwinden bringen das leidige Nebel der „roten Nase". Dr. C. K. Weitere Zunahme der Wohlfahrtserwerbslosen in Hessen. Im Volksstaat Hessen sind nach den neuesten Ermittlungen des Hessischen Landesstatistischen Amts die von den Arbeitsämtern anerkannten, bei den Dezirksfürsorgestellen gezählten W o h l- fahrtserwerbslos'en gegenüber dem Vormonat von 33027 auf 36033 am 31.Dezember 1931 gestiegen, ihn die gleiche Zeit deS Vorjahres waren 21 843 Wohlfahrtserwerbslose ermittelt worden. Die Zunahme im Laufe des Monats Dezember war besonders erheblich in den Bezirken Offenbach, Mainz und Worms. In der Stadt O s f e n b a ch ist jetzt jederzehnteEin- wohner Wohlfahrtserwerbsloser. Da dort auch sehr viele Empfänger der Arbeitslosenversicherung, der Krisenfürsorge, wie auch unterstützte Sozialrentner, Kleinrentner usw. vorhanden sind, sind rund gerechnet inderHälfte aller Offenbacher Haushalte Empfänger von ilnterstützungen vorhanden. Rur einige ländliche Fürsorgeverbände Ober- hcssens wiesen einen ganz geringfügigen Rückgang der Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen auf. Vornottzcn. — Tageskalender für Freitag. Stadttheater Gießen, „Lumpacivagabundus", 20 bis 22.30 Uhr. — Bund Haus und Schule, 23 Uhr, Johannes-Saal, Familien-Abend. — VHC., 20 Uhr, Hörsaal der Rervenklinik, Vortrag ,Ueber den Rennweg von Thüringen zum Rhein". — Lichtspielhaus, D h chof tra'e: „5>:r kleine Seitensprung". — Aftoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Die Todesfahrt im Weltrekord" und „Der Leidensweg einer Mutter". — Aus dem Stabtthea'terbüro wirb uns geschrieben: Heute als 15. Vorstellung im Frei- tag-Abonnement zum letzten Male „Lumpacivaga- bunbus", Zauberposse mit Gesang von Johann Nestroy, Musik von Adolf Müller. Die letzte Gelegenheit, diese erfolgreiche, mit Lachen unb Jubel begrüßte heitere Posse in ihrer Silvesteraufmachung 3u sehen. Gesang, Tanz, Akrobatik sorgen neben ben schauspielerischen Leistungen für Abwechslung unb überschäumende Laune. Spielleitung Karl Heyser, musikalische Leitung Fritz Cujä, Tänze Ewald Bäulke. — Sonntag, 24. Januar, 18.30 Uhr, Frern- benvorstellung zu ermäßigten Preisen: „Verstehen wir uns?", Zeitstück in 3 Akten von Peter von Preradovic. Auguste Prasch,Grevenberg, Ehrenmitglied des Meininger Landestheaters, als Gast in ber Rolle ber Großmutter. — Der Obst- unb Gartenbauverein Gießen veranstaltet am Sonntag, 24 Januar, 15.30 Uhr, im Saale von Faulstich, Bahnhofstr. 57, einen Vortrag. Kreisobstbauinspektor E n k l e r wirb über das Thema „Qualitäts-Obstbau" sprechen. Näheres ist aus ber heutigen Anzeige ersichtlich. Taten für Freitag 22. Januar. 1729: Der Dichter Gotthold Ephraim Lessing zu Kamen» in der Lausitz geboren: — 1775: der Physiker Andrä Marie Ampöre in Palognieux geboren: — 1788: der Dichter Lord Dhron in London geboren: — 1849: der Dichter August Strind- berg in Stockholm geboren. • ** Konfirmation unb Notzeit. Das Evang. Lanbeskirchenamt hat in feinem Verorb- nungsblatt vom 31. Dezember v. I. darauf hingewie- fen, baß in bezug auf bie Kleidung der Konfirmanden bei ben kommenden Konfirmationsfeiern größte Einfachheit unb Schlichtheit In diesem Jahre ganz besonders am Platze sei. Den Pfarrämtern ist auf- gegeben, darauf hinzuwirken, baß enblich von bem Prunk, ber sich im Laufe ber Jahre eingebürgert hat, Abstand genommen wird. ver wichtige Sonderge Form und Höh« wandte und eine gründliche Umstellung aus diesem Gebiete forderte. Die E i n- wichtige Steuerfragen, wobei er sich gegen die bäudesteuer in ihrer heutigen Notkundgebung -es Handwerks. Das Handwerk von Stadt und Kreis Gießen fordert Arbeit, Befreiung von schwerem Steuerdruck und Verständnis der Oeffentlichkeit für feine Wünsche. Mit besonderem Interesse sieht man dem Ab- schnei'oen der 1930er im 3xlC00-m-2auf entgegen. In diesem Wettbewerb konnten die Dlauweißen bei den bisherigen drei Frankfurter Hallensport- festen jeweils den dritten Platz erringen. Man hofft zuversichtlich, daß die 1930er zum mindesten mit der Tradition nicht brechen werden. Frauenturnen in der OT. In Erweiterung der planmäßigen Ausbildungsgelegenheiten im Gauverband Hessen wurde vorn Gauwart für daS Frauenturnen, Rudolf Paul, am Sonntag zu Gießen ein dreitägiger Lehrgang eröffnet, zu dem 70 Vorturnerinnen und Abteilungsleiter auS 41 Turnvereinen antraten. In dem gaueigenen Lehrkörper stehen dem Gau- fachwart zur Seite die Abteilungsleiterinnen Frl. Luise Schwarz von der Turngemeinde Friedberg und Frl. Leni P l a a k vom Turnverein Marburg, die Abteilung-leiter Heinrich Schneider vom Turnverein Wetzlar und Ludwig I o st von der Tumgemeinde Friedberg: außerdem führt die Vertreterin des Mädchenturnens im Frauen- turnausschuß der Deutschen Turnerschaft, Frl. Friedel K a st e n, Frankfurt a. M., u. a. auch in das Gebiet chorischer Beweiungsgruppen ein, die auf dem diesjährigen Kreisfest zu Trier erstmalig in der Schausolge erscheinen. Durch die straff gegliederte und temperamentvolle Lehr- arbeit fliehen dem Vereinsturnen wertvolle An- regun en und meihodisch gelüu e te Llebungsbilder zu für die Ausgestaltung der Dewegungs- und Körperschule, für den Aufbau von Freiübungen und Handgerätegruppen (Keulen, Stäbe und Hanteln), für die Entwicklungsfolge von Geräteübungen und die vielseitige Verwendung des Valles in seinen verschiedenen Größen und Gewichten, endlich für die Steigerung der Freude im Singspiel, Eingtanz und Volkstanz. Gemeinsame Lieder und Leitworte großer Führer zu Anfang und zu Ende verbinden die Tagesarbeit mit der Pflege turnerischen Geisteslebens. Handball im Gau Hessen (O T.) Entscheidungsspiel um die Gau meist erschuft To. Kirchhain I — Mio. Gießen. Am Sonntag findet bereits das Rückspi^ zwischen dem Rordgruppenmeister und dem Mtv. statt. Kirchhain, das den. zweiten Tabellenplatz einnimmt und zwei Derlustpunkte mehr hat wie der Mtv.. kann im Falle eines Sieges noch ein besonderes Entscheidungsspiel erzwingen. Der Rordgruppenmeister gibt als eine auf Punktkämpfe eingestellte Mannschaft durch seine Ausdauer und Härte einen stets gefährlichen Gegner ab. Der Mtv., der ohne Punktverlust di« Tabelle anführt, tritt zu dem entscheidenden Spiele mit der gleichen Mannschaft an, die sich in Kirchhain bewährte. Auf Grund des Spielverlaufs im Vorlpiä darf man auch diesmal mit einem ausgeglichenen Treffen rechnen. Doch sollte die beständige Form der Gießener Mannschaft ihr zumindestens den einen zur Meisterschaft ixod) notwendigen Punkt sichern. (Siehe heutige Anzeige.) Gießener Leichtathleten beim Frankfurter Hallensportfest. Die Spieloereinigung entsendet 16 Teilnehmer. In Frankfurt a. M., in der Festhalle, toiri) am morgigen Samstagabend idie Elite der deutschen Leichtathletik vertreten sein. Hebet daS Meldeergebnis und über die Beteiligungen haben wir bereits berichtet. Erfreulich ist es, mitteilen zu können, daß auch in diesem Jahre die Gießener Leichtathleten bei dieser großen Hallenveranstaltung vertreten sein werden. Die Spielvereinigung 1900 entsendet in diesem Jahre 16 Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Der VfB. verzichtet in diesem Jahre auf eine Beteiligung, und so ist die Spielvereinigung allein berufen, Gießen würdig zu vertreten. Die Hiesigen werden auch in diesem Jahre wieder einen sehr schweren Stand haben. Es erscheint nicht nur, wie immer, die beste süddeutsch« Klasse am Start, sondern auch maß- gebliche Vereine aus Rord- und Mitteldeutschland haben gemeldet. In den Einladungswett- bewerben ist die Extraklasse vertreten. Die Gießener nehmen nur an den offenen Wettbewerben teil. Die 1930er bestreiten die 5x60 Meter, die 3X1003 Meter und die 63 Meter für Leichtathleten. Tic Frauen treten zu der 5X6O-Meter-Pendel- staffel an und bestreiten außerdem den 60 Meter- Lauf. Für die 5 X 60 Meter schickt die Splelvereini- gurg einige bewährte Kräfte ins Treffen. Geist, Sch icke danz, Bölcker, Fel sing und W. Müller vertreten den Verein. Die Mannschaft wird einen schweren Stand haben, denn nicht nur die Meisterstaffel der „Eintracht" Frankfurt (Eldra- eher Mahrlein, Metzner, Welscher) ist mit tm Rennen sondern auch die anderen Frankfurter ©roß- vereine werden starke Vertretungen entsenden. Dte Au-sichten auf Sieg sind gering. Für die Mannschaft würde es viel Ehre bedeuten, wenn sie sich auf einen 3 oder 4. Platz halten kann. Die 3 X 1000-Me- t e r - S t a s f e l wird voraussichtlich in der Aufstellung Wöhrenkämper, Bepperling und Peters gelaufen. Für diesen Wettbewerb entsendet die Svieloercinigung aber auch eine 2. Mannschaft, die in der Aufstellung Fung, Linscmann, © agow harten wird. Für den 6 0 - M e t e r - L a u s sind Müller und © e i st gemeldet, voraussichtlich wird auch F e l f i n g antreten Man hofft dabei, wenig, ftens Müller im Endlauf zu sehen. Die Aussichten dafür sind durchaus gegeben. Für Men Lauf werden zahlreiche Meldungen emgegangen fein, so daß sich schon in den Dorläusen spannend« Kämpfe entwickeln dürften. Die Frauen werd-en m der 5x63 -Meter- Staffel voraussichtlich noch schwerer zu kämpfen haben, als ihre Vereinskameraden. Denn nicht nur die Eintracht liegt mit ihrer Meisterst affe! im Rennen, sondern auch die übrgen Frankfurter Vereine verfügen über vorzügliche Läuferinnen. Ferner sind die Leichtathletinnen vom I.-G. Spor:verein gefährliche Konkurrenten. Die Spielvereinigung entsendet für diele Disziplin die Damen Guth. Knab. P. Richtberg. RickelundHublitz. Der60-Meter-Laus wird von Frl. R i ck e l und Frl. Hublitz be- ftritten. Die Aussprache. Schrcinermcister Lenz (Gießen) betonte, das Handwerk wolle sich nicht in Gegensatz zu anderen Berufsgruppen stellen, aber cs wolle in seiner Gesamtheit feine Notlage zur Sprache bringen und beachtet sehen. Leben gehe in dieser schweren 3eit Steuerzahlen und allen anderen Lasten vor. Der Redner wies dann aus den starken Steuerdruck und auf die dadurch verursachte schwere Bedrängnis für die Substanz des Handwerks hin. Er wünschte weitgehendes Entgegenkommen bei der Stundung bzw. bei der Niederschlagung von Steuern. Das gelte nicht nur für die staatlichen, sondern auch für die städtischen Steuern und Gebühren. Die gleiche For- derung fei hinsichtlich der sozialen Lasten zu erbeben, deren Höhe für das Handwerk wieder erträglich gemacht werden müffe. Das jetzige Ausmaß dieser Lasten drücke sehr schwer auf die Arbeitnehmer und die Arbeitgeber, die diese Opfer nicht mehr tragen könnten. Weiter machte der Redner Wünsche zur Lehrlingsausbildung geltend, die angesichts der Stillegung oder des langsameren Betriebs in vielen Werkstätten umgestaltet werden müsse, schließlich beschäftigte er sich noch mit dem Submissionswesen, für das er einige der Notzeit angepaßte Reformen forderte. Wagncrmcistcr Schmidt (Gießen) wies darauf hin, daß in Gießen schon viele Handwerksmeister Wohlfahrtsunterstühung in Anspruch nehmen müssen. Schlossermeifter Schmidt (Lich) berichtete über die gleiche traurige Lage zahlreicher alter Licher Handwerksmeister, brachte dann Beschwerden über die Anforderungen der Berufsgenossenschaften vor und forderte Befreiung von den Beiträgen für Lehrlinge, solange die Betriebe wegen Arbeitsmangels geschlossen sind. Unter der Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden d«S OrtSgewerbevereinS Gießen, Bäcker- obermeifter 2 o e 6 c r, sand gestern nachmittag im Gasthaus Hindenburg eine auS der Stadt und dem Kreise Gießen sehr stark besuchte Handwerksmeister-Versammlung statt. Die Tagung galt der Stellungnahme zu den schwierigen Wirtschaftsfragen des Handwerks. Obermeister L o e b e r begrüßte die Versammlung im Damen des OrtSgewerbcvcrcinsvorstan- des, insbesondere hieß er als Gäste Regierung S- rat Dr. Braun vom Kreisamt Gießen, Regie- rungsral Frhrn. von SchenckzuSchweinS- b e r g als Vertreter deS Finanzamtes. Regierungsbaurat Kuhlmann vom Hess.Hochbauamt, S ad baurat ® r aoer t vom ® .eßenct Stadt- bauamt. Geschäftsführer Boeck vorn Verein der Einzelhändler, die Vertreter der Presse. Syndikus Dr. Lindemann von der Handwerkskammer Darmstadt und die Vorstände der Innungs-Fachverbände willkommen. Syndikus Röhr-Gießen von der hiesigen Handwerkskammer-Rebenstelle sprach alS erster Referent über wirtschaftspolitische TageSfragen. Sr stellte dabei die überau- schwierige Lage des Baugewerbes infolge der langandauernden erzwungenen UntäHg- feit in den Vordergrund und empfahl die besonders schweren Sorgen dieses Gewerbes allen Behörden zur ernsten Beachtung. Eindringlich betonte er, das gesamte Handwerk erwarte dringend Arbeitsbeschaffung, damit es feinen fteuerlichen und sonstigen Verpflichtungen wieder nachkommen könne. Der starke Beschäftigungsrückgang in allen Hand- werkSzweigen fei in den letzten Wochen deS vorigen Jahres noch verschärft worden durch die Preissenkungsaktion, deren Ankündi- gung sich im Weihnachtsgeschäft durch Zurückhaltung der Käufer stark bemerkbar gemacht habe. Die Vierte Rotverordnung wolle bessere WirtschaftSverhältnisse anbahnen. DaS Handwerk fei von jeher zu PreiSverbilligungen 6ereit gewesen, soweit dafür die Voraussetzungen gegeben seien: auch jetzt wieder werde daS Handwerk zum Abbau der Preise beitragen, es erwarte jedoch, daß ihm der Bezug von Rohstofsen und die sonstigen Wirtschaftsbedingungen ebenfalls verbilligt werden. Hierbei komme cs in hervorragendem Maße auch auf eine wirksame Senkung der öffentlichen Lasten an, denn die Steuern und Gebühren, namentlich auch die städtischen, seien beträchtliche Posten in der Betriebskostenberechnung deS Handwerks. Die Regiebetriebe müßten ungesäumt ihre Tarife so ausreichend senken, daß eine fühlbare Minderung der Gestehungskosten eintrete. Die Zinssenkung aus dem Kapitalmarkt werde vom Handwerk begrüßt, ihr müsse aber auch eine entsprechende ZinSsenkung am Geldmarkt folgen. Die Gemeinden hätten durch die ZinSsenkung ebenfalls Vorteile für ihre Haushalte. die eine Entlastung der Steuerzahler leichter machten. Der Redner streifte hieraus einige Handwerkstollegen zu unterstützen. Er forderte alle Handwerksmeister zu gegenseitiger Unterstützung auf. Syndikus Dr. Lindemann'Darmstadt, als zweiter Referent unterstrich zunächst die Forderung des Handwerks nach Schaffung von Arbeitsgelegenheit und betonte, wer heute noch über wirtschaftlich« Kraft verfüge, habe die Verpflichtung. seinen Anteil zur ArbeitSbeschassung beizutragen. Er nahm Dann zu den Aeußerungen verschiedener Diskussionsredner Stellung, sprach sich dabei für eine Revision der Bestimmungen über die Lehrlingsbeschäjngung aus, lehnte die staatliche Einmischung in die Lohnpolitik ab und forderte die KreiSämter auf, die Gemeinden zur Unterlassung von Schwarzarbeit anzuhalten. Den Appell an die Oessenllichkeit um 2krftänbniA für die Forderungen des Handwerks unterstützte er nachhaltig. 3m zweiten Teile seines ReseratS beschäftigte er sich mit Fragen der Steuerberatung, wobei er seinen Zuhörern wertvolle Winke und Auskünfte gab. (frftärungen ber 33ef)örhent>erfrtfer. Anschließend sprachen die Vertreter d?r Behörden in kurzen Worten zu der Versammlung. Regierungsrat Dr. B r a u n alS Vertreter deS KreiS- amteS Gießen brachte seine volle Zustimmung zu der Forderung nach Arbcitsbeschasfung zum Ausdruck und wieS vor allem auf die Stärkung deS Binnenmarktes hin. Er versicherte, daß das KreiSamt den Wünschen des Handwerks nach bester QH3gIid)*c.t immer gern entsprechen werde. RegierungSbaurat Kuhlmann vom Hess. Hochbauamt sagte zu, die Wünsche deS Handwerks bei seiner vorgesetzten Behörde zur Kenntnis zu bringen, und verwie- im übrigen auf daS feil vielen Jahren gute und ungetrübte Verhältnis zwischen dem Hvchbauamt und dem Handwerk. Reg.-Rat Frhr. Schenck zu SchweinS- b e r g als Vertreter des Finanzamts befunbete das volle Verständnis seiner Behörde für die Lasten und Sorgen des Handwerks, verwies auf die Aufaabe der FlnanzamtSbehörde, nicht nur den Erfordernissen des Steuerfiskus, sondern auch den Interessen der Steuerzahler gerecht zu werden, und veriicherte daß dem Handwerk immer volles Verständnis und bereitwillige Hilse deS Finanzamtes Gießen entgegengebracht werden würde. Stadtbaurat G r a v e r t vom Stadtbauamt Dießen versicherte, daß die Stadt Gießen das Handwerk gerne fördern werde, soweit sie dazu finanziell in der Lag« sei. Soweit wie nur irgend möglich würden auch in dieser Aotzeit Austräge erteilt werden. Wahl einer Kommission. Arn Schlüsse der Versammlung wurde eine Kommission gewählt, der die Vertretung der Handwerkersor'.erungen bei den Behörden und an anderen geeigneten Stellen obliegen soll. In die Kommission wurden gewählt: Dickerobermeister Loeber (Gießen), Syndikus Röhr (Gießen), Schreinermeister Lenz (Gießen), Schlosserober- meister Kreiling (Dießen). Glascrmcister Marx (Gießen), Schlossermeister Schmidt (Lich), Zimmermeister Schell (Lo'lar) und Steinmetzmeister Schmiedeknecht (Londorf). sichtlich der Beiträge und der Leistungen kritisch unter die Lupe, kritisierte Auswüchse im Tarifwesen, empfahl genauestes Rechnen bei den Submissionen, bat um Verständnis der Oessenllichkeit für die Rollage des Handwerks und rief die Handwerksmeister zu geschlossenem Zusammen- stchen und einigem Handeln bei der Vertretung ihrer Forderungen auf. Maurermeister Schäfer (Lang-Göns) toanbte sich mit Entschiedenheit gegen die Schwarzarbeit, nicht nur von Arbeitslosen, sondern auch gegen solche auf Veranlassung von Gemeinden. Schrci- nerm elfter Lenz (Gießen) unterstrich diesen Standpunkt und rügte dabei, daß sogar Handwerksmeister Schwarzarbeit hätten auSführen las- fen, zum Schaden ihrer Handwerkskollegen. Syndikus Röhr (Gießen) beleuchtete die Schwierigkeiten einer gerechten Urtcilsbildung in der Frage der Schwanarbeit und betonte den ernsten Willen der geschlichen Handwerksvcrtretung, gegen Mißstände mit aller Kraft vorzugehen. Schloiscr- me ster A a ch t i g a l (G eßen) s r 'erte vor allem Arbeitsbeschaffung, Schlosserobermeister Kreiling (Gießen) sprach sich unter Hinweis auf die schlimm« Lag« im Dauhandwcrk in gleicher Weise aus und verlangte Weiler eine Reuregelung deS LehrlingswesenS in notleidenden Betrieben. Bäckermeister Deibel (Gießen) forderte gleichfalls Vorgehen gegen die Schwarzarbeit und beanstandete sodann, daß Handwerksmeister Mitglieder der Konsumvereine seien und in ortsfremden Geschäften Einkäufe machten, anstatt tßre heilsbewerlung der Vermögenswerte begrüßte er, jedoch seien hier infolge der starken Wertminderung in neuester Zeil neue Maßnahmen erforderlich. Bei einer Betrachtung der Anpassung der Vermögenssteuer an die verminderten Vermögenswerte forderte der Redner angesichts der gegenwärtigen Verhältnisse den Dcnichl auf die Erhebung des fünften DirrtcHahreSbeträges dieser Steuer. Die Erhöhung der Umsatzsteuer bedeute für das Handwerk eine starke Enttäuschung, denn diese Steuererhöhung wirke sich als zusätzliche Einkommensteuer aus und verschärfte die Wirtschaftslage des Handwerks. Von der Lockerung der Realfteuerfperre in den Gemeinden dürfe nur in den dringendsten Fällen und nur für das letzte Vierteljahr des Rechnungsjahres Gebrauch gemacht werden. Die 'Beruf ^Vertretungen des Handwerks würden auf die strenge Befolgung der hierzu erlaßenen Richtlinien achten. Ob die Vierte Notoerordung ihr Ziel erreiche, fei heule noch nicht abzufehen. Das Handwerk erwarte, daß es mit seinen berechtigten Forderungen bei den Behörden und in der Oeffentlichkeit die gebührende und gerechte Beachtung und Würdigung Obermeister Loeber (Gießen) wandte sich zunächst gegen die starke steuerliche ileberlaßung deS HausbefiyeS und zog dabei einen Vergleich zwischen einem Hausbesitzer und einem Wcrt- papierbefiher mit einem Vermögen von je 20 000 Mark, bei dem der Hausbesitzer infolge der fteuerlichen Belastung erheblich fchlechter stehe alS der Wertpapierbesitzer Er hob weiter hervor, daß durch die allzu fchwere Steuerlaft schon manches Vermögen ausgczchrt worden fei, das ein Handwerksmeister sich für sein Alter früher zurüagclcgl hatte. Aus diesem Gebiet habe die Gesetzgebung am Handwerk vieles gutzumachen. Sodann betonte er, die Konkurrenz und die steuerlich« Bevorzugung der Warenhäuser und der Konsumvereine habe die Lage de» Handwerks weiter verschlechtert. Wenn die Warenhäuser und Konsumvereine in der gleichen Weise besteuert würden, wie die Handwerks- und Gewerbebetriebe. könnten jene den Kampf mit den letzteren njcht auf nehmen. Er tritifierte weiter die Verteuerung des MehlS durch hohe Zölle, die doch nur in da» ..Faß ohne Boden" kämen, nahm scharf gegen die ungerechte Sonder steuer vom bebauten Grundbesitz Stellung, deren Erhebung dem Hausbesitz alle Möglichleiten zur Vornahme von Reparaturen nehme: er langte die Beseit gung dieser Steuer, deren Betrag vom Hausbesty zu Reparaturarbeiten und damit zur Arbeitsbeschaffung verwandt werden müsse. Zum Schluß forderte er eine gerechte Steuerpolitik, nahm die Ortskrankenkassen hin- Klubkampf im (schwimmen. •kßcnrt SB. — Ifiarburgrr SD. Am Sonntag wurde im Luisabad in Marburg der seit dem Vorjahr bereits ausstehend« Rückkampf zwischen dem MSV. und dem DSV ausgetragen. Der Klubkamps wurde auch dieSmal wieder al» reiner Stafselwettbewcrb durchgeführt, der von einzelnen Rahrnenkämpsen unterbrochen wurde. Zum erstenmal konnte der Marburger Verein das Eraebnts günstig für sich gestalten, nachdem die früheren Klubkämpse vom GSV gewonnen worden waren, dzw. der letzte Wettbewerb unentschieden auäging. Die Marburger wiesen in allen Disziplinen eine bedeutende Form Verbesserung auf. Auch die Auswahl der Spvrtmann- schaft wies eine außerordentliche Verbreiterung auf. Da» vor zwei Jahren sertiggcstellle Hallenbad hat dem 2NSB. in jeder Hinsicht einen beachtenswerten Aufschwung gebracht Die Gießener Mannschaft, die sich mit den für Hallenkämpfe sehr wesentlichen Wendeverhältnissen nicht vorteilhaft abfinden konnte, bot immerhin eine so starke Gegnerfchaft. daß saft alle Wettbewerbe einen spannenden und abwechse- lungSreichen Verlauf nahmen. Dem entspricht auch daS Gesamtergebnis, da» mit 21,5:17,5 Punkten für Marburg lautet. Groenhoff fliegt in her Schweiz. Der Frankfurter Segelflieger Groenhoss nahm am Dienstag an einer Flugveranstaltung in der Schweiz teil und absolvierte dort einen ..Schlepp- Segelflug". der ausgezeichnet gelang. Der Start in Zürich batte durch den weichen Boden einige Schwierigkeiten, vollzog sich aber nach dreimaligem Versuch reibungslos. 3n einer Höhe von 3700 Meter klinkte Groenhoss seine Maschine aus und landete nach prächtigem Gleitflug, bei dem er noch an Höhe gewann, nach 36 Minuten auf dem Davoser See. wo der Führer der Schleppmaschine, der Schweizer Fretz. 20 Minuten vorher gelandet war. Der ganze Flug Zürich— DavoS hatte knapp 2 Stunden gedauert. Die Doppellandung in DavoS vollzog sich vor zahlreichen Zuschauern reibungslos. Kunst und Wissenschaft. ver englische Schriftsteller Lytton Slrachey f. Der auch in Deutschland bekanntgewordene englische Schriststeller GileS Lytton St rach eh ist am Donnerstag in seiner Vaterstadt London nach langer schwerer Krankheit im 52. Lebensjahr gestorben. Von seinen Büchern nennen wir die Biographie „Queen Victoria“ und die historisch- psychologische Studie „Elizabeth and Essex“, die nicht ohne Einfluß auf Bruckners Schauspiel »Elisabeth von England" geblieben ist. Oit Wetterlage. "Mitt Jtenrrerstdfy Äs®*/1 L v0f5 1(gL «Sil O wolkenlos g »eiter. ® nero Bedeckt. - wolkig, ch »taten e Rege^ ♦ sckntt Alreupem e HtDtl K etWil'tr^Wlndillllc «Q-* XM leichte» Ost "»»ige» Südtuaweji q siürmude» NordWeil die »fent flitgtn mit dem wmdc. Pit oooe» SUlioaen tunenden li» len gtoen d e Temperatur an. Oie umte verenden Orte mit gleicht» «u> nttrtimvciu umotrechntlt» LirtldrvCS Wettervoraussage. Die Standhaftigkeit des hohen Druckes und somit der seither herrschende Witterungscharakter kommt auch heute noch zum Ausdruck. Fast ganz Deutschland liegt im Bereich einer Dunst- und Nebelschicht. Nur das Temperalurbild beginnt sich allmählich zu verschieben. Wahrend im Osten der Frost noch im wesentlichen in seiner seitherigen Form austritt, setzt in unserem Gebiet und im Westen Milderung ein, was zum Teil im Wechsel der Luftzufuhr, d. h. im langsamen Vordringen milderer ozeanischer Lust, begründet ist. In Aachen lag die heutige Morgen- temperatur 4 Grad über Null. Wenn auch durch die Festigkeit des .hohen Druckes noch keine Umgestaltung der Wetterlage ersichtlich ist, so dürften doch die Temperaturen weitere Neigung zum langsamen Anstieg annehmen. Aussichten für Samstag: Neblig und wolkig, nur leichter Nachtfrost und im ganzen milder. Aussichten für Sonntag: Cangsfam weitere Milderung und meist wolkiges Wetter. Lufttemperaturen. Am 21. Januar: mittags minus 1,0, abends minus 1,0; am 22. Januar: morgens minus 1,0 Grad Eelsius. Maximum minus 0,3, Minimum minus 1,9 Grad Celsius. — Erdtempera- turen: in 10 cm Tiefe. Am 21. Januar: abends 0,4; am 22. Januar: morgens 0,4 Grad Celsius. Amtliche winterfportnachrichlen. Schwarzwald, Feldberg: Bewölkt, minus 1 Grad, 20 cm Schnee, teils bis 2 cm Neuschnee, verharscht, Sportmoglichkeit für Skt und Rodel gut ÄlpenGarmifch-Partenkirchen. Klar, minus 4 Grad, 3 cm Schnee, verharscht, Sportmöglichkeiten nur stellenweise. überredend fdinerte SchmenbefeHigunf be Kopfschmerzen jeglicher Art, MigrSne, Neuralgien und rheumatischen Beschwerden durch das Ärztlich bestens empfohlene Citrovenille. UnschidbchfürMerzu Magen. 0 Pulver- od. 12 Oblaten-Packung RM. 1.10 CITROVANILLE Eine einmalige Gelegenheit welche nicht wiederkommt! 350 Gießen 467 A Seltersweg 20 od. Nußbaum, od. Glastüre mit Seidenvorhang, 2 Bettstellen, ebenf. abgerundet, 1 Waschtisch mit echt. Marmor oder 1 Frisiertoilette, 2 Nachtschränke mit Marmor od. Glasplatte mit Seidenstoff-Unterlage, 2 gepolsterte Stühle, 1 Handtuchhalter, zum Spottpreis v. RM. Für alle Möbel übernehmen wir schriftl. Garantie f. einwandfreie Qualität u. Haltbarkeit. 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Daraus folgt aber, dost Polen sich nur dann mit Rußland vereinigen kann, wenn es sich selber aufgibt iln- aeachtet aller sonstigen Gegensähe bleibt also Rußland der wirtschaftliche Todfeind Polens. Umgekehrt liehe sich ein gedeihliches Verhältnis zwilchen Polen und dem westlichen Aach- bar n sehr wohl denken. Die groben Unter- M>'.cbe in der Lebenshaltung lieben sich beseitigen. Es ist gar kein Grund vorhanden, warum nicht auch der Pole gut leben soll. Er braucht sich gar nicht zum asiatischen Kuli herabzuwürdigen, um leben zu können. Einbezogen in die ökonomische Böclt Zentraleuropas kann er es. wie in aller 3eü. sogar zu etwas bringen, selbst im Deld- verdienen. Leibst der Gegenlatz mit der deutschen und sonstigen Landwirtschaft liehe sich ausgleichen. Da gäbe es Mittel und Dege. Aun hat sich aber Polen mit dem Drester Prozest tatsächlich gegen Europa entschieden. Dieses Urteil ist eine Kriegserklärung. Und aus diesem Grunde gebt es auch nicht an, von den ökonomischen Möglichkeiten ernstlich zti sprechen. Polen kann nicht asiatisch denken und westliche Profite machen. Hier find Grenzen. Cie sind überschritten worden. Entweder man ordnet sich ein oder man wird vernichtet. Darum eignet dem Urteil im Drester Prozest tiefere Dedeutung. Dieses Urteil ist der Anfang vom Ende einer verfehlten Politik. Polen hat sich das Todesurteil gesprochen, obwohl man nur Freiheitsstrafen verhängt zu haben meint. Europa entscheiden müsse, so ist diese Fragestellung von erschütternder Richtigkeit. Selbst wenn man alles Geistige, Kulturelle, Politische aus der Debatte entfernt und sich nur auf wirtschaftliche Dinge beschränkt bleibt die Fragestellung bestehen. Eie ist keine Angelegenheit eines Prozesses. fte wird Schicksal. Bleiben wir einen Augenblick bei der Wirtschaft. Polen ist ein Agrar st a a t. 3n dem verflossenen Jahrzehnt hat die polnische Staatsverwaltung lehr viel versucht, um die polnische Lebenshaltung zu senken, mit dem Ziele, zunächst einmal eine gewisse Einförmigkeit der Lebenshaltung in den verschiedenen Landesteilen Polens zu sichern. Aehmen wir an, dieser Versuch hätte den beabsichtigten Er- folg erreicht. Wir stosten alsdann auf die folgende Frage: in welcher Dichtung ist Polens ökonomische Ergänzung zu suchen? Wäre eS beispielsweise zweckmäßig. wenn Polen, wenn Aoman Dmowski fordert, sich wieder in einen gewissen Zusammenhang mit Au st land begäbe. Oder wäre es zweckrnästiger. sich nach Westen zu orientieren? Polen macht zur Zeit eine schwere Agrarkrisis durch. Sie gibt die Antwort auf die Frage. Obschon die polnische Lebens- Haltung beträchtlich gesenkt worden ist. obwohl Elend und Aot allenthalben, aber besonders unter den 'Beamten ein kaum erträgliches Mast erreicht haben, so bleibt Polen nach wie vor gegen Rußland wettbewerbsunfähig. Lochschulnacknchten. öur$ öen Weggang des Professors Dr. W. Lohlein nach Freiburg i. B. zum 1. April 1932 freiwerdenden Lehrstuhl der Augenheilkunde an der Unioerfität Jena ist der a. o. Professor und Oberarzt der Augenklinik der Unioerfität Heidelberg Dr. Erich Seidel berufen worden. Warschau. Januar 1932. Einst, in ferner Vorkriegszeit, bildete die Ltadl D r e st - L i t o w s k für den internationalen Reisenden. der im transsibirischen Zuge von Berlin nach dem Osten reifte, den ersten Auftakt Asiens. Schon der Barne Drest-Litowlk besah einen fremden Klang. Man stieg auS. ging in den Wartesaal — ja, hier begann Austland, hier war Europa endgültig zu Ende. Inzwischen bat Brest einen neuen Klang, einen anderen Charakter erhalten. 3m Kriege wurde die Stadt zum Ziel des deutschen Vordringens; alSdann gab sie dem Friedensvertrage mit Evwjetruhland ihren Barnen, und nach dem Kriege wurde sie die vorgeschobene Bastion des neuen polnischen Staates. Jetzt aber ist Brest-Litowsk zu einem Symbol des heutigen polnischen Staatswesens geworden, und dies Symbol ist asiatisch. Die Tragödie des letzten polnischen Wahlkampfes wurde her gespieli Pilfudfki liest die gefährlichsten seiner politischen Gegner hier in den Turm werfen, und erst jetzt, viele, viele Monate nach dem Wahlkampf, ist derProzest zu Ende gegangen, der den Opfern des neuen Regimes gemacht wurde, weil sie Ansichten zu vertreten wagten, die zwar der polnischen Verfassung und dem polnischen Gesetz, aber nicht der Meinung der Machthaber entsprachen. Drest-Litowsk ist zum Grabe der polnischen Zukunft geworden Es ist unmöglich, über Einzelheiten des Prozesses zu berichten. Zeitungen, die Verteidigungsreden der Angeklagten brachten, wurden kurzerhand verboten und mit schweren Strafen bedroht. Es genügt zu sagen, dah de Anllage, die man von Staats wegen erhob, auf der ganzen Linie zusammengebrochen war. Aber gerade deswegen fiel das Urteil unerwartet hart aus: Gefängnisstrafen von 2 bis 33ahrenin politischen Strafanstalten dürfen getrost entsprechenden Zuchthausstrafen in anderen Ländern gleichgefetzt werden. Es wird den Opfern der politischen Justiz keine Genugtuung bringen, wenn sie sich sagen, dah sie zu Märtyrern geworden find, dah sie sich für ein besseres Polen eingesetzt haben. Asien hat gesiegt, das ist alles. Blit dem Brester Urteil beginnt ein neuer Abschnitt in der politischen Geschichte. Es fragt sich nur, wie lange er währen wird Bisher war diese Iust-z, die das deutsche Volkstum tausendfach erfahren muhte, sozusagen eine Ausnahme, ob'chon es keine war. Seit Brest ist sie vom Warschauer Bezirksgericht gleichsam zum EtaatSprinzip erhoben worden. Es ist daher schade, dah dies Urteil und seine Vorgeschichte nicht die internationale Aufmerksamkeit erregen wird, die ihm gebührt. Die internationalen Verwickelungen wirken heute wie ein Schuh- Wall für Polen. Die breitere Weltöffentlichkeit hat den Kopf mit so viel Dingen voll, dah für Polen keine Zeit mehr übrig ist. Daher wird es denn eines TageS eine lleber- ra'chung geben, wenn die Dinge erkennbar werden. die den eigentlichem Untergrund dieses Prozesses bilden. Es ist davon schon oft gesprochen worden, aber heute ist erneute Gelegenheit gegeben, daran zu erinnern. Dem polnischen Staate fehlt d ie innere Einheit. Er wird mit den Klammern der Gewalt zusam- mengebaüen. Die ehemals preußischen, russischen und österreichischen Landesteile sind grundverschieden. in Sprache, Gewohnheit und Recht, ja weltanschaulich. Wenn der ehemalige Abgeordnete Liebermann, einer der Verurteilten von Brest, die These aufstellte, dah man sich vor dem Warschauer Gericht für Asien oder j Polen imZeichen von Brest-Liiowsk Oie Entscheidung gegen Guropa. • Von unserem Warschauer DB-Äorrefbonbenten. lebten Echmelzschnee. die Hickoryhölzer der Städter vom schwarzen Klisterwachs, ihre heihen verbrannten Gesichter von Creme und Buhöl. Die Klumpen der letzten Lawinen rollen schon ins erste Grün hinein. M a i ist der schönste Monat im bayerischen Hochland. Die tausend Farben kommen. Die alten Frauen wallen im schwarzen Gewand durch den neuen Pomp der Wiesen zur abendlichen Mai- andacht. Zu Pfingsten hält die Sonne einmal eine Stunde lang still am Firmament, und Mensch und Getier hält den Atem an und glotzt in den Garten Eden. Aber gleich danach geht die Sensation des Almtriebs an: wer kommt auf welche Alm. welcher Bauer bekommt welche 211- merin, welche Almerin bekommt welchen Hüter- buben zugeteilt. Dann geht's mit Hüh und Hott und „gehst nit weiter, Krüppel, elendiglicher!" und mit großem Geläut hinauf. 3 u n i ist der schönste Monat im bayerischen Hochland. Droben sind Vieh und Magd schon eingewöhnt, die ersten Ballen .Butter und die ersten Trümmer Käse sind schon zu Tal geschickt und kritisiert worden. Die ersten Wanderer sind schon vorbeigekommen und haben Sprachunterricht genommen: „Dös, moan i, woah a koaner. wia ma dös hoaht, bal oancr a ogfiselt's Oachkayl- schwanzl in um aran Zwoaring Vitrioi-Oeil oschwabt?" 3m Dorf werden die Truppen für die Gipfelfeuer des Johanni verteilt und von den Geschäftsleuten wird die Saison vorbereitet: die Prospekte werden versandt, die Häuser werden geweiht, die Termine für die Trachtenzüge festgelegt. die Wechsel bis zum Ende der Saison prolongiert. 3 u l i ist der schönste Monat im bayerischen Hochland. Der Wiesenschnitt beginnt. Jetzt ist's das Geklingel von cenfcnbengeln, was den Tag ein läutet und ausläutet. Schaut man vorn halben Berg aus übers Tal. bann kann man sehen, wie- viele Sorten Grün es gibt auf dieser Welt, das Grün der vollen Wiese, das der frisch gemähten Wiese, das Grün der überreifen Wiese gelblich schon, saftig und satt das Grün der halb schon wieder nachgewachsenen Wiese. Und man kann sehen, wer wohl der faulste Bauer ist und feine Sense später als die anderen schwingt: fein Grund steht voll und wirr noch und bereits verfilzt. Goethe über das Schenken. Bei feinen zahlreichen Besuchen der Bäderstadt Karlsbad, in der Goethe Heilung und Linderung seines Magenleidens suchte, lernte er Marianne von Eybenberg kennen, die mit ihm später einen ausgedehnten Briefwechsel von Wien aus führte. Sie informierte ihn über Wiens kulturelles und öffentliches Leben, über allerlei Affären und Klatsch, versorgte ihn mit Schokolade, Kaviar, Fasanen. Epickgänsen, Zandern und mit sonstigen Leckereien, die Goethe liebte und für deren ilebcr- sendung er dankbar war. „Sie haben', schreibt er ihr, »unter so vielen liebenswürdigen Eigenschaften die besondere, dah Sie die kleinen grillenhaften Wünsche 3hrer Freunde für e.w S Hal- ten uftb, um sie zu befriedigen, sich eine gefällige Muhe geben möchten. Sie willen vielleicht selbst nicht, daß diese Eigenschaft so selten ist. Man liebt seine Freunde, man schätzt fie, man mag ihnen gern einmal einen derben Dienst, auch mit einiger Aufopferung erzeigen, aber einem flüchtigen Gefchmacke, einem launigen Einfall, irgendeiner Grille genugzutun. sind wir, ich weih nicht, zu bequem, zu nachlässig, zu trocken, zu falsch- vornehm, und bedenken nicht, dah eben diese wunderlich scheinenden Gelüste, befriedigt, den angenehmen Genuh geben." — In »Hermann und Dorothea" scheint sich gelegentlich das von Goethe bei Marianne von Eybenbergs Sendungen empfundene Wohlbehagen zu spiegeln: „Waren nicht jung die Erbsen und frisch wie Zucker die Wurzeln? Und was fehlte dem Schinken, den Heringen oder der SpickganS, Was dem gebratenen Lamm?" Lustiger Hochland-Kalender. Don Max Mohr. 3 a n u a r ift der schönste Monat im bayerischen Hochland. Der Tag beginnt mit dem Klingeln bet Holzschlitten. bie in ben Berg fahren, unb endet mit dem gleichen Klingeln, wenn fie beloben zurückkommen, bampfenb bie Böller, baumelnd die Laterne, vermummt bie Fuhrknechte, ihre Schnurrbärte vereist. Hebet bet Ctalltür st. hi noch fvfch bas Kreidezcichen bes Dreikönigslags, K M B. Die Schulkinder riechen nach Ski- wachs eS ist bie Zeit ihrer gtohen Konkurrenzen. Dtet Aepfel und ein Diplom auf einer hcraus- gefeyten Schulheftseite ist der erste Preis beim Sprunglauf über die kleine Schanze hinterm Hof; dre sreude daran ist größer als bie des Ober- Weltmeisters an seiner goldenen Plakette, die er 'einen Titanensprung von der Mammutschanze hinterm Grandhotel kriegt. Februar ist der schönste Monat im bayeri- Kpcn Hochland. Die Almhütten liegen noch unter öidcn Hüllen, der Hochwald trägt noch seinen schweren Behang, aber im Tal fängt's schon an mt* dem wässerigen Matsch. Es ist der Fastnachtsmatsch. der Frühling vetheihende. Kleine *-?$**! Äinbet ziehen durch ihn zwischen den Dosen dahin, maskiert mit ein paar bunten Fetzen dem Sennengerümpel und bet Flickenkiste. ^"dt bei ben Maskenzügen der Großen geht's prunkvoll her. sogar die Kälber und Fohlen im 3ug sind bunt angestrichen, in eleganten Streifen lauft Die hinübergeschüttete Farbe übers Fell. ^^vz ist bet schönste Monat im bayerischen Hoch.and. Die Jungen bereiten bie langen Stangen fürs Palmkätzchentragen her. Je länger bie Stange, um so großer bie Ehre. Erft geht's mit Den geweihten Büscheln an der Ltangenspitze in pen eigenen Hof. danach in die Höfe, in denen keine kleinen 3ungen find; seit Wochen sind die Bestellungen der kinderlosen Höfe im Talwinkel verteilt. Denn für den geweihten Busch wird ein Zehner an den Bringet gezahlt, und das lohnt sich auch: das ganze 3ahr über schützt der Busch schlagt 6tubcncd< DDr Dlihschlag und Hagell - r ist der schönste Monat jm bayerischen Dochland. Der Ostersonntagsspaziergang dauert dreißig Tage lang. Die Firnschnee-Spezialisten kommen aus der Stadt, wenn die Dörfler ihre Bretter schon längst in den Verschlag gestellt ha- ben. 3etzt trieft alles: die Dachrinnen vom aller» für die landwirtschaftliche Grundsteuer habe ich trotz des Fehlbetrages im hessischen Budget nichi erhöht, et ist im letzten Jahr sogar um 6 Prozent flc’enft worden, obwohl andere Länder daS nicht getan haben. Gewiß ist der Steuerdruck auf b e Landwirtschaft nicht gering, aber die hessi ch-staatNche Grundsteuer ist nicht diejenige Steuer, die den Landwirt am meisten drückt Ta$ ist auch bei einer kürzlichen Sitzung der Land- wirtlchaftskammer von sachverständiger Seite ohne weiteres anerkannt worden Trotz dieser Tatsache habe ich stets versucht, durch allgemeinen Steuererlaß bie Bot zu lindem, wo es nötig schien, aus Anlaß der Witterung-- und Hochwasserschäden. Unter Einschluß meiner jüngsten Steuererlasse sind im letzten 3ahr etwa eine Million Reichsmark an hessischer staatlicher Grundsteuer erlassen worden. Alle Beamte, vom Finanzamt bis ins Ministerium, sind streng angewiesen, berechtigte Klagen bei Bollagen unbedingt wohlwollend zu behandeln, insbesondere bann, wenn es sich darum handelt, die Eristenz des Betriebes zu stützen und zu erhalten. Ergänzend habe ich für besondere Fälle angeordnet. hoffe, nein! Alles wird davon abhängen, was sein Herz aushalt und wie schnell die fieber» t u n g, und da auch die weitere außenpolitische Situation dadurch wieder sehr unklar geworden ist, schritt der berufsmäßige Effektenhandel zu Glatt- st e l l u n g e n. Die Tendenz war daher gegenüber den gestrigen Befestigungen heute schwächer. Das Angebot war jedoch nicht groß, da aber keine Nachfrage gegenüberstand, ergaben sich überwiegend Kursverluste von 11 bis 2 v. H., wovon besonders der Farben- und Elektromarkt betroffen wurde. An den übrigen Marktgebieten gaben die Kurse zwar auch nach, doch hielten sich die Veränderungen im Rahmen von 1 v. H. Stärker rückgängig waren von Kaliwerten Salzdetfurth, die 3 v. H. einbüßten, auch JG.-Farben-Bonds bewegten sich etwa 2 v. H. unter den Aktienkurs. Am Rentenmarkt herrschte nahezu Geschäftslosigkeit bei wenig veränderten Kursen. Lediglich rheinische Hypothekenbankwerte zogen vormittags um bis zu 1 o. H. an, gaben aber im Verlaufe auf eine kleine Derkaufsorder wieder etwas nach. Reichs- schuldbuchforderungen hatten relativ festen Markt, während deutsche Anleihen vernachlässigt und kaum behauptet waren. Kräftige Aufwärtsbewegung in Berlin. Berlin, 22. Ian. (WTB. Funkspruch.) Rach unsicherem Beginn setzte sich im heutigen telephonischen Freiverkehr eine kräftige Aufwärtsbewegung durch, wobei allerdings die Umsahtätigkeit nicht allzu lebhaft war und die bestehende Rachfrage durch Materialknappheit entstand. Während sich die weitere beträchtliche Zunahme der Arbeitslosen^iffern nur wenig auswirkte, löste ein Artikel des heutigen „Matin" über Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland erneut Befürchtungen für die Mark aus. Ferner verwies man auf die Festigkeit der Auslandbörsen, auf die eventuell noch bestehenden Hoffnungen für eine Reparationskonferenz im Februar und auf den Erfolg bei den Stillhalteverhandlungen, die nunmehr morgen xum endgültigen Abschluß kommen werden. Seitens der Kundschaft bestand etwas stärkeres Interesse für Montanaltien, aber auch die übrigen Spezialitäten blieben gesucht. Lediglich Bankaktien lagen vernachlässigt und zum Teil sogar eher schwächer. Bei den übrigen Werten wurden die gestrigen Höchstkurse wieder erreicht und teilweise noch bis zu 1 Prozent überschritten. Ausgesprochen fest gehalten waren Svenska und Chade, erstere im Zusammenhang mit der Hausse der Werte im Auslande. Der Anlagemarkt hatte dagegen bei ruhigem Geschäft keine Be.änderungen aufzuweisen; es war sogar eher Angebot zu verzeichnen. Pfandbriefe neigten te.ltoeife leicht zur Schwäche. Etwas Ware kam in Preußischen Zentralstadt- schaften heraus. Farbenbonds und Reichsbahnvorzüge lagen dagegen eher fester; auch für Arbed-Donds bestand weiterhin Nachfrage. Alt- und Reubesitzanleihen konnten ihre gestrigen Verluste wieder ausgleichen. Auch im Verlaufe hielt die feste ©runöftimmung an; die Mehrzahl der Papiere erfuhr bei kleinen Umsätzen erneut Befestigungen bis zu 1 Prozent. Oie Devisenmärkte sehr ruhig. Berlin, 21. Ian. (WTB.) An den internationalen Devisenmärkten war das Geschäft vormittags sehr ruhig, die Rotierungen wiesen nur unbedeutende Veränderungen auf. Die Reichsmark lag international leicht befestigt, sie stellte sich in London auf 14,66, in Amsterdam auf 58,65, in Zurich auf 120,80 und in Paris auf 599. Das englische Pfund war etwas fester, nachdem es leichter eröffnet hatte. Es stelüe sich auf 3,463/8 gegen den Dollar, später auf 3,46. Gegen den Gulden notierte es 8,6V/., gegen Zürich 17,73l/2, gegen Paris 87,96 und gegen Madrid 41,21. Der Dollar war gut behauptet. haften Bewußtseinsstörungen zurückgehen. Wir müssen geduldig abwarten." Die beiden Männer sahen sich an. Ein Gedanke war in ihnen: Birgit! „Weiß sie es schon?" fragte Graf Friedrich leise nach einer Pause. „Rein, deswegen habe ich Sie ja gerade so schmerzlich erwartet. Dieses Llngeheure kann man ihr bei ihrem jetzigen Zustand natürlich nicht schriftlich mitteilen. Ich kann von meinen Patienten hier nicht fort; so sind Sie, lieber Herr Graf, öer einzige, der Birgit diese Schreckensbotschaft so überbringen kann, daß sie uns nicht auch noch zuarundegerichtet wird." Graf Friedrich machte eine Gebärde des Entsetzens. „Was m: ten Sie mir zu — ich, bet Heber» bringet einer «olchen Nachricht?" „Gerade Sie!" versetzte der alte Sanitätsrat dringend. „Ich weiß, wie Birgit Sie schätzt, wie sie Ihnen in schwesterlicher Liebe verbunden ist. Am Birgits willen muß ich dies Opfer von Ihnen fordern. Ein schwerer Atemzug hob die Brust des Grafen. „Sie haben recht, es ist meine Pflicht; aber noch nie, glauben Sie mir, ist mir die Erfüllung einer Pflicht so schwer geworden." * Während Graf Friedrich in der Eisenbahn saß, um die ahnungslose Birgit vorzubereiten, befand sich Hans Egon auf der Flucht. Welch ein Glück, daß er von seiner Hochzeitsreise mit Birgit her noch einen Auslandspaß hatte; mit ihm kam er erst einmal außer Landes. Das Weitere würde sich finden. Er wußte nur eins, daß er zu dem einzigen Menschen gelangen mußte, dessen Herz immer für ihn da zu fein schien und der nicht die bürgerliche Moral mit ihrer Vernunft und ihren Vorwürfen für ihn bereit haben würde. Dolores, die ihm so viel glühende Liebesstunden geschenkt, deren letzte Briese noch von heißer Sehnsucht gesprochen — Dolores war sein Ziel! * Mit frohem Lächeln hatte Birgit den Schwager willkommen geheißen. Sie gab sofort Weisung an Schwester Helene, dem unerwarteten und lieben Gast eine erfrischende Mahlzeit zu bereiten Immer wieder drückte sie die Hände des Schwagers, zärtlich nach seinem Ergehen, nach dem Vater, dem Gatten fragend. „Ihr Bösen", sagte sie leicht schmollend, „ihr habt mich hier doch länger alleingelassen, als ihr zuerst erklärt hattet. Aber nun komme ich ja bald zurück. Am liebsten möchte ich gleich mit dir fahren. Nun ich dich wiedergesehen habe, ist die Sehnsucht nach meinen Sieben in der Heimat kaum noch zu ertragen. Frage nur Schwester Helene, ob ich nicht schon so prächtig erholt bin, daß ich allem mit Ruhe entgegensehen kann" Graf Friedrich sah mit schmerzlicher Rührung In das freudig erregte Gesicht der geliebten Frau Die Kurse waren auch am Nachmittag im allgemeinen wenig verändert. Das Pfund hatte sich wieder auf 3,463/8 gegen den 'Dollar bessern können, ging aber später wieder auf 3,455/8 zurück. Gegen den Gulden stellte es sich auf 8,58'/», gegen Zürich auf 17,701/2, gegen Paris auf 87,84 und gegen die Reichsmark auf 14,621/2. Der Dollar ging in Amsterdam wieder stärker zurück, und zwar auf 248,571/2- Die Reichsmark lag behauptet, eher etwas fester. 2s Amsterdam notierte sie 58,7272. in Zürich zog sie auf 120,95 an, in Neuyork eröffnete sie mit 23,70 nach 23,63 gestern Schluß, doch ging sie später wieder auf 23,65 zurück. Die anderen Devisen waren nur wenig verändert. Deoilenmarh Berlin — Frankfurt a. 2H. Banknoten 2f. Januar- 22.Januar Amtliche Notierung <»el' | Srle' Amtliche Notierung (Selb Brie Helsingsar» . 6,204 6,216 6,224 6,236 Wien 49,95 50,05 49,95 50,05 Prag . . 12,465 12,485 12,465 12,485 Budapest . . 56,94 57,06 56,94 57,06 Sofia 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland . . 169,43 169,77 169,43 169,77 Oslo . . 78,92 79,08 78,82 78,98 Stopentiagen. 80,02 80,18 81,23 79,92 80,08 Stockholm 81,07 81,02 81,18 London 14,53 . 14,57 14.50 14,54 Buenos Aires 1,038 1,042 N04L- 1,052 Neunori 4,209 4,217 4,209 4,217 B rüffel 58,64 58,76 58,62 58,74 Italien 21,12 16,56 21,16 21,10 21,14 Vari» . . 16,60 82,25 16,56 16,60 82,24 Sckuvetz 82,09 82,08 Spanien 35,66 35,74 35,26 35,64 Danzig . . 82,07 82,23 82,07 82,23 Japan 1,558 1,562 1,558 1,562 Rio de Ian.. 0,254 0,256 0,251 0,253 Jugoslawien. Lissabon 7,453 7,467 7,463 7,477 13,24 13.26 13,24 13,26 Reichsbankdiskont 7 v. h. Lombardzinsfuß 8 o. h. Berlin, 21 .Januar (Selb Brief Amerilaniiche Noten....... 4,20 4,22 Belgische Noten ........ 58.48 58,72 Dänische Noten......... 79.84 80,16 Englische Noten......... 14,49 14,55 .rranzösifche Noten........ 16,52 16.58 Holländische Noten ....... 169,06 169 74 Italienische Noten ....... 21,01 21,09 Norwegifche Noten ...... 78,74 79,06 Deutsch-Leslerrcich. 6 100 Schilling Rumänische Noten ... 2,48 2,50 Schwedische Noten . ....... 80,89 81,21 Schweizer Noten......... 81.91 82,23 Spanische Noten ........ 35,53 35.67 Ungarische Noten Letzte Nachrichten. Preußenkasse und Reich. Berlin, 22. Jan. (OB. Funkspruch. Eigene Meldung.) wie die „BZ." meldet, verlaute in Berliner Bankkreisen, daß gewisse Verhandlungen im Gange seien, die Interessen, die das Reich schon bisher an der Preußenkasse nahm, noch zu verstärken. Diese Verhandlungen stünden offenbar im Zusammenhang mit dem Wunsche Preußens, seinen Etat mit Hilfe von Reichsmitteln zu e n f l a ff e n. Es sei möglich, daß dieser schon länger bestehende Plan jetzt in ein akutes Stadium trete. Die Preuhenkasse erklärt, Gerüchte über Schwierigkeiten der Preußenkasse entbehren jeder Grundlage. Talsache sei, daß bei den Verhandlungen, die gegenwärtig zwischen den zuständigen Stellen Preußens und den Reichs- miniflerien geführt werden, der Gedanke der llebernahme der Preuhenkasse durch das Reich aufgetaucht sei, um dadurch Preußen Mittel zum Etatsausgleich zu verschaffen. Es handele sich also keineswegs um die Notwendigkeit einer Ueber- nahme der Preußenkasse durch das Reich. „Birgit, bist du auch wirklich stark genug, um allem zu begegnen, was die Zukunft für dich bereithält?" „Du fragst so sonderbar, und du blickst mich so sonderbar an, Friedrich?" Eine plötzliche Angst flog über ihr eben noch so fröhliches Gesicht. Graf Friedrich wandte sich ab; er konnte den erschreckten Blick der geliebten Augen nicht ertragen. Er winkte Schwester Helene, die unauffällig zur Tür hereinsah und jetzt schnell hinter den Sessel der jungen Gräfin trat. „Dein Vater ist erkrankt, meine teure Birgit, und ich komme an feiner Stelle, dich heimzuholen." Birgit krampfte die Hände zusammen. „Ist es etwas Gefährliches mit Väterchen?" „Nein, aber vielleicht doch etwas langwierig. Dein Vater hat einen kleinen Schwächeanfall gehabt und bedarf großer Ruhe und sorgsamer Pflege. Ich habe schon daran gedacht, ihn für einige Zeit aus dem zu lebhaften Stadthause in unsere Einsamkeit von Tannenaue zu holen." „Lind Hans Egon?" fragte Birgit immer angstvoller. „Warum holt er mich nicht ab? Warum läßt er wiederum dich für alles sorgen, du Guter?" Graf Friedrich zögerte, ehe er stockend die nächsten Worte sprach: „Hans Egon mußte eine längereReise antreten.“ „Eine Reise, von der ich nichts weih? Wohin und wie lange?“ Graf Friedrich ergriff Birgits Hände, die leise bebten und die tiefe, angstvolle Erregung der jungen Frau verrieten. „Birgit, wir wissen nicht, wie lange das dauern kann. Ich kann dir's auch heute nicht sagen, es steht alles in Gottes Hand." Er sah, wie Birgit mit sich kämpfte, wie sie gewaltsam die Tränen zurückdrängte. Seine Hände umschlossen fester und wie beschwörend die ihren. Llnwillkürlich gab sie sich diesem Drucke hin, als suchte sie Schutz in dieser festen, warmen Männerhand. „Birgit, sei tapfer! Du mußt es sein; ich fordere es von dir um deines Kindes willen, für das du alle deine Kräfte zu erhalten die httlige Pflicht hast. Frage nicht, warum Hans Egon einige Zeit fern von uns leben muß, denke nur daran, daß er wiederkehren und daß alles wieder gut werden wird." „Du verschweigst mir das Schwerste, Friedrich", sagte Birgit mit erloschener Stimme und sah den Schwager mit so trostlosen Augen an, daß er sich erschüttert abwandte. „Aber du sollst mich nicht umsonst an meine Pflicht als Mutter erinnert haben. Ich werde mich bezwingen, ich werde ausharren, ich werde auch nicht fragen — UH dieses düstere Rätsel auch für mich losen." Friedrich beugte sich still über Birgits Hande. Sem Herz erzitterte vor so viel Leid und Frauengroße. (Fortsetzung folgt)