nr. 248 KvÄhaussabe 182. Zahrgang Zreitag, 21. Oktober 1932 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen pn zu sagen. Jeder Mensch könne „Rock-dock-dock!" sagen, soviel er wolle. Der Pächter hat sich grün geärgert und der Purer rot. Der Puter hat von der Unterhaltung kein Wort verstanden, aber er hat bas immer wiederholte „Rockdock'dock!" gehört und sich geärgert. Und dabei haben diese verflixten Bengels nicht einmal die Unwahrheit gesagt. Sie tun dem Truthahn wirklich nichts. Im Gegenteil, sie geben sich alle Mühe, ihn in öer Nähe zu halten. Sie heben keine Steinchen auf. Sie versuchen nicht, ihn mit einem Stecken zu erreichen. Seit der Pächter geöroht hat, sind sie sogar besonders freundlich geworden. Sie sagen jetzt: „Röck-döck-döckchen!" und machen ein Gesicht wie eitel Sirup. Die Jungen hören nicht auf mit dem grausamen Spiel, unö öer Puter ist wütender denn je. Es geht ihm nicht um das Wart, es geht ihm um Öen Geist. Es geht ihm um öie Unverschämtheit seiner Peiniger. Er läßt sich nicht foppen. Lieber krepiert er. Er kollert nicht mehr, er verkollert sich. Es ist, als ob er einen Knödel im Halse hätte unö daran ersticken wollte. Der Puter ist ein stolzer Vogel. Seine Urahnen haben einst die heiße Zone bewohnt. Vielleicht hat er dort viel Sonne geschluckt unö ist herüber so hitzig gemoröen. Er ist stolz unö empfindlich. Er beugt sich nicht. Man muß ihn richtig behandeln, bann ist er zutraulich unb harmlos. Er frißt einem die Körner aus der Hand. Aber man darf ihm nicht zu nahe treten. Er ist leicht aufgebracht und geht sofort in die Höhe, wenn man ihn ärgert. Seine Umgebung, Tauben, Menschen, Hühner, hat es nicht leicht mit ihm. Er tyrannisiert alle, Mensch unb Getier, aber am meisten sich selbst. Die Jungen kennen ihr Opfer und nützen seine Schwäche aus. Sie haben nicht den Verstand, chr Reichsmiklelbe Hörden auf. 3n Darmstadt befindet sich der Sih eines Landesfinanzamts und einer Oberpostdirek- f io n. 3n Main; hat eine Reichsbahn- direktion ihren Sih. Mir werden mit allem Rachdruck an unfern» Standpunkt festhalten, bah die Zusammenhänge zwischen dem Staatsgebiet und seinen zentralen Stellen einerseits und diesen wichtigen Reichsbehörden anderseits nicht zerrißen werden dürfen. Dies gilt in besonderem Maße von dem Landesfinanzamt, weil diese Behörde bekanntlich den weitaus überwiegenden Teil der Landeseinnahmen verwaltet und fast feine ganzen kasiev- geschäste besorgt. Die Auswirkungen einer verfehlten Reuvrga- nifation zeigen sich leider bei der vor einigen Jahren erfolgten Reuorganisation der Reichsarbeitsämter, die keinerlei Rücksicht auf staatliche und kommunale Verbundenheit ihrer Aufgaben nimmt. Für die Frage, wo die großen Reichsbehörden ihren Sitz haben sollen, scheint mir entscheidend, welche Bedeutung die Behörde für die betret» sende Stadt hat. Wenn man einer ausgesprochenen Beamtenstadt, wie z. D. Darmstadt, das Landesfinanzamt oder die Oberpostdirektion nimmt, so ist das für Darmstadt ein ganz schwerer Sch lag. Aehnliches gilt bezüglich der Reichsbahndirektton für Mainz. Verliert dagegen eine große Industrie- oder Handelsstadt eine solche Behörde, so bedeutet das für sie nicht annähernd das Gleiche. 3ete Reform muh sorgsam den wirtschaftlichen und kulturellen 3ntci> essen des Volkes Rechnung tragen und darf nicht nach starrem Schema erfolgen. Dr. Best endgültig außer Verfolgung gefetzt. Leipzig, 20. Oft. (1D5JL) Durch Beschluß des IV. Strafsenats des Reichsgerichts vom 12. Oktober ist der im Zusammenhang mit angeblich hochverräterischen Plänen hessischer Rationalsozialisten beschuldigte Dr. Best endgülttg anher Verfolgung gesetzt worden. Die Voruntersuchung, die in den Händen des Reichsgerichtsrats Dr. Zöller als Untersuchungsrichter des Reichsgerichts lag, hat zu dem Ergebnis geführt, dah eine Anklage nicht erhoben werden kann. Es wurde daher von der Reichsanwaltschast der Antrag auf Auherverfolgungssehung Dr. Betts gestellt, der vom zuständigen IV. Strafsenat des Reichsgerichts im nichtöffentlichen Beschluhoerfahren bestätigt worden ist. Aus aller Welt. Schweres Einsturzuaglüct in der Schwe'z. 3n den Anlagen der Kühlhaus-AG. in St. Margarethen (Grenzstation an der österreichisch-schweizerischen Grenze) ereignete sich ein schweres Einst u r ; u n g l ü ck. 3n einem Speicher waren aus dem Dachboden große Mengen von Futtermitteln gelagert worden. 3nfolge Ueberlastung stürzte die Decke ein. Eine große Anzahl von Arbeitern wurde unter den Trümmern begraben. Rach dem Polizeibericht sind bei dem Einsturzunglück zehn Tote zu beklagen und zwar vier männliche Angestellte und sechs Frauen und Mädchen, ferner 19 verletzte, darunter viele $chwerverletzle. Als Ursache des Unglücks wird Ueberlastung des Getreidespeichers angesehen. Die 3n- haber der Kühlhaushandels-AG., ein Holländer, der jahrelang in Hamburg lebte, und ein Ungar, sind bereits polizeilich vernommen worden. Das ganze zweistöckige Mittelstück, des zum Schlachthaus von Sankt Margarethen gehörenden Getreidespeichers ist eingestürzt. 3m ersten Stockwerk befanden sich sechs Räume sür Geflügel, wo etwa 80 Frauen und Mädchen mit dem Rupfen von Hühnern befchäfttgt waren. Man bemerkte ein gefährliches Knistern und Knacken. Kur; darnach ftür;te das ganze Dach mitsamt den großen Getreidemengen herunter und begrub etwa 50 Arbeiterinnen unter sich. Die Alarmglocken riesen alle erreichbaren hilsskräfte zusammen. Die Herabsetzung der Loszahl bei der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie. Die Verwaltung der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie wird die vor kurzem beschlossene HerabsetzungderLoszahl nicht mit einem Male in vollem Umfange, sondern schrittweise vollziehen. Bei der im nächsten Frühjahr beginnenden 41. Lotterie werden zunächst 200 000 Cofe dadurch vom Berkaus ausgeschlossen werten, dah von jeder Losnummer nur die ersten sechs Achtel zum Verkauf gelangen. Dem Wunsch nach ganzen und Doppellosen wird jedoch auch weiterhin entsprochen werden können. Einbruch in das Zittauer Stadtmuseum. Das Zittauer Stadtmuseum wurde in einer der vergangenen Rächte von Verbrechern h e i m g e s u ch t, denen Museumsgegenstände von unschätzbarem Wert in die Hände fielen. Besonders zu beklagen ist der Verlust von sechs wertvollen Taschenuhren aus dem II., 18. und 19. Jahrhundert, die zum Teil in Silber und Gold getrieben und mit Dmaillezifferblättern versehen sind. Weiter wurden zwei große goldene, mit Diamanten besetzte Mon st ranzen und ein goldener Kelch mit Deckel gestohlen. Außerdem nahmen die Einbrecher zahlreiche Schmuckgegenstände — goldene Halsketten, Armbänder. Broschen usw. — mit, die es in Deutschland in dieser Ausführung nur in wenigen Stücken gibt. Glückwunschtelegramm des Reichsverkehrsministers an den Luftschiffbau Zeppelin. Der Reichsverkehrsminister Freiherr E l tz von R üb e na ch hat an den Luftschiffbau .zur Rückkehr des „Grasen Zeppelin" von seiner Südame- rifafahrt ein Telegramm gerichtet, in dem es heißt: Das Luftschiff „Graf Zeppelin" hat mit der Z u ° ruckle gung des 5 0 0 0 0 0. Kilometers eine in der Welt einzig dastehende Leistung vollbracht. Ich spreche bei dieser Gelegenheit dem kampferprobten Führer des Luftschiftes, Herrn Dr. Eckener, dem bewährten Konstrukteur, Herrn Oberingenieur Dr. Dürr, sowie der gesamten Besatzung des Schiffes und den Mitarbeitern des Luftschiffbaues Zeppelin, deren restloser Hingabe allein diese Leistung zu verdanken ist, meine herzlichsten Glückwünsche aus und verbinde mit ihnen die besten Wünsche für weitere glückliche Fahrten des Schiffes und das Gedeihen des Luftschiffbaues Zeppelin. Gronau in Colombo. Der deutsche Flieger Wolfgang v. Gronau hat auf feinem Flug vom Chiklasee an der Vorder- indischen Küste des bengalischen Meerbusens dcij- l o n erreicht. In Chrlka waren die deutschen Flleger Gäste des Rajah von Callecot, eines der reichsten Maharadschas Indiens. Während in Chikla für Gronau und feine Mannschaft aufs allerbeste gesorgt worden war, mußten sie in Cocanada an der vorderindischen Küste, wo der Dornier-Wal Zwi- schenstation gemacht hatte, recht bescheiden in einfachen Zelten ohne jede Bequemlichkeit leben. Voraussichtlich wird der Wal zwei Tage in Colombo bleiben, da Gronau einige kleine Instandsetzungen vornehmen will, um danach möglichst schnell seinen Flug in kleineren Etappen zu vollenden. Unrecht zu begreifen, und öer Puter ist töricht genug, sich ärgern zu lassen. Er kann es nun einmal nicht vertragen, geneckt zu werden. Das ist bei allen Putern so — und bei vielen Menschen. Die Ausstellung der Familie Vantzer in Marburg. Gin trüber, grauer Himmel. Draußen strömt der Siegen; kalter Wind. Wir treten ein in die weiten, Hellen Räume des LIniversitätsmuseums; der Weister selbst führt uns. Schon gleich in der Eingangshalle erblicken wir eines seiner neuesten Werke, das Bildnis des Freiherrn vom Stein. Es gibt uns einen so lebendigen Eindruck von der kraftvollen und klugen Persönlichkeit dieses Mannes, daß wir meinen, der Künstler müßte ihn selbst gekannt haben. 3m ersten Stock erst sinden wir in sinnvoller und künstlerisch vollendeter Anordnung die eigentliche B anher-Ausstellung. Sie gibt uns nicht nur ein eindrucksvolles Bild von dem gesamten Lebenswerk des Künstlers, sie spiegelt auch feine Seelenstimmungen und sein persönliches Erleben wieder. Denn wie er selbst einmal sagte, sind alle seine Bilder, ob Freude oder Trauer, Frieden und philosophische Ruhe in ihnen liegt, wenn auch zuerst ost unbewußt, Ausdruck seines persönlichsten, innersten Erlebens. So wandern wir durch die harmonischen Räume von einer Schönheit zur andern und sind überwältigt von der Feinheit des Empfindens, von so viel Fülle und Kraft, wie wir sie auch gerade in den neuesten Werken erblicken. Lebenskraft und -freute, Familienglück und Frühlingsjubel strahlen uns aus den Bildern im ersten Saal entgegen. Das schönste und bedeutendste ist das Familienbildnis aus dem Jahre 1909. Daneben der Tanz mit feiner Freute an Rhythmus und Bewegung. An ter gegenüberliegenden Wand hängt ein Bild der Äbendruhe; Stille und Frieden liegen über Mutter und Kind wie über tem Vater, der sich völlig entspannt der Abendruhe hingibt. Welch einen Gegensatz zu diesem Bild bittet ter Erntearbeiter im grellen Sonnenlicht! Wie möchte man bei jedem einzelnen verweilen; der Engelwiese und ten Landschaften mit ten wunderbaren Fernfichten von ter Höhe des FrauenbergeS! Dem zweiten Saal geben die Farnilienporträts sein eigenes Gepräge. Das Mutterbildnis ist das Schönste, was man sich denken kann; zwei Bilder von Frau Dantzer von unendlichem Zauber und größter Feinheit — daS Porträt des SohneS —, jedes dieser Bildnisse, eingerahmt von den herrlichsten Landschaften, wirkt in vollkommener Ruhe auf den Beschauer. Der dritte große Saal atmet ten Ernst und btc Schwere des Lebens. Drei Hauptwerke voll un- vergeßlicher Größe: Wallfahrer am Grate ter Heiligen Elisabeth (1888), Männer vor der Kirche und das Abendmahl in ter hessischen Dorsttrche, das, durch Reproduktionen in Tausenden von Exemplaren bekannt, nun. da man das Original sieht, erst recht überwältigt. Und weiter: Alte Schwälmer Bäuerin, Köpfe von Schwälmer Bau- em, der Falk, junges Mädchen in Tracht, der 82jährige Schmidt, sie blicken uns alle an, liebe Schwälmer Freunde in ihren schönen, alten Trachten aus dem vertrauten Willingshausen, dessen eigene landschaftliche Schönheit immer wieder anzieht und den Künstler immer wieder zu neuem Schaffen angeregt hat. Es war ein glücklicher Gedanke, zur Feier des 7 5.Geburtstages von GeheimratDantzer eine Ausstellung der gesamten Famllie Bantzer zu veranstalten. So finden wir in den Rebensälen einige feinempfundene Zeichnungen und Gemälde von Frau Helene Dantzer. Auch die vier farbigen Dlätter von Elisabeth Dan her verraten Freute an künstlerischer Betätigung. Marigard Dantzer-Ohier hat mit ihren zarten, lieblichen Weihnachtskalentem und ihren phantasievollen Kinderspielen und -Büchern schon viele Kinterherzen beglückt und in weihnachtlicher Erwartung und Vorfreude höher schlagen lassem. Ach, und dann die lustigen Bilderbücher von Hildegard Bantzer? Der Zomepatt, das Häschenbuch und die Reise ter Schneeflöckchen. Ein kleiner Kobold muß ihr .all die Streiche eingegeben haben, die von so viel kindlichem Humor und künstlerischer Auffassung zeugen. 3m letzten ter Räume eine kleine erlesene Ausstellung von Earl Francis Bantzer, tem jüngsten Sohn. Zeichnungen von unendlicher Feinheit und größtem Fleiß, Temperabilder von eigenartigem Zauber in Stil und Farbe, dazu ein lebhaftes, frische- Blumenaquarell und eine Winterlandschaft (Del) — ter Blick aus einem Dresdener Atelier — in Komposition und Farbe eigenartig interessant. . Diese so überaus reichhaltige, in sich geschlossene Ausstellung ist ein ganz seltenes künstlerisches Ereignis. Aus allen Tellen Deutschlands, aus den großen Galerien in Derlin. Dresden, Breslau, Hannover, Kassel und Darmstadt find Werke zu dieser festlichen Schau in Marburg vereinigt worden, und allen denen, die 6ayi I bei getragen haben, sie zu ermöglichen, gebührt Dank und Anerkennung der Freunde und Verehrer teS Weisters. *• “• Aus Oer Provinzialhauptüavt. Gießen, den 21. Oktober 1932. Warnung vor Versammlungssprengungen. WSR. Unter Bezugnahme auf die an anderen Orten mehrfach vorgekommenen Versammlungssprengungen wird von maßgebender Stelle in Darmstadt für die Zukunft besonders strenges Eingreifen angekündigt. Cs ' wird darauf hingewiesen, daß Sprengung und Störung von Der- sammtunaen Hausfriedensbruch bedeutet, der nach den Bestimmungen der Notverordnung vom 9. August beim Vorliegen politischer Beweggründe unter bestimmten Voraussetzungen mit Zuchthaus bis zu zehn Zähren bestraft wird. Mindeststrafe ist ein Jahr Zuchthaus: mildernde Umstände sind ausgeschlossen. Der Tatbestand des Hausfriedensbruchs ist gegeben, wenn die Störer sich nach erfolgter Aufforderung des Dersamm- lungsleiters nicht entfernen. Darüber hinaus sieht die Rechtsprechung Hausfriedensbruch vielfach auch ohne solche Aufforderung als gegeben an, wenn der Besuch der Versammlung wikterrechtlich erfolgt, d. h. wenn der Täter mit der Absicht der Störung in die Versammlung gekommen ist. Der Erwerb einer Eintrittskarte ändert nichts daran. Es kann deshalb nicht dringend genug vor Der- sammlungsstörungen gewarnt werden. Ferner setzen sich Parteien und Organisationen, deren Anhänger die Versammlungstätigkeit ihrer politischen Gegner offenbar planmäßig in ungesetzlicher Weise behindern oder stören, der Gefahr aus, daß ihre eigenen Veranstaltungen polizeilich verboten werden. Weltwirtschaft und nationaler Wirtschastsraum. Die Ortsgruppe Gießen im Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verband hat für das Winter- Halbjahr 1932/33 wieder einen reichhaltigen Bil- dungsplan aufgestellt. 3m Vordergründe steht die Berufsbildung. Daneben werden eine Anzahl allgemeinbildender Veranstaltungen durchgeführt, so Vortragsreihen über Grenzlandfragen, Kultur- und Sozialpolitik, Volksbürgerkunde, Heimatkunde, Gesetzeskunde. Mit einem Vortrag von Gauvorsteher Auerbach, Frankfurt a. M., über Weltwirtschaft und nationaler Wir tsch af tsraum wurde vor den Mitgliedern und Gästen im vollbesetzten Saale des Verbandsheimes die Winterbildungsarbeit eröffnet. Der Redner ging — wie man uns berichtet — von den Gründen aus, die zu dem gegenwärtigen Durcheinander in der Wirtschaft geführt haben. Die Voraussetzung des Funktionierens der Weltwirtschaft, das Vorhandensein wirtschaftlich noch unerschlossener Gebiete, allgemeiner Weltfrieden, Freihandel und internationale Kredite, fehlen heute vollkommen. Die Weltwirtschaftskrise ist nicht so sehr eine Krise des Kapitalismus, sondern des verhinderten Absatzes und Güteraustausches infolge des Krieges, einer Strukturwandlung in der Weltwirtschaft und politischer Eingriffe. Daraus folgt, daß in weltwirtschaftlicher Beziehung der Sozialismus unserem Lande nicht helfen kann. Rot tut eine Verständigung der Völker, die Frankreich aber hintertreibt. Die Frage „Autarkie oder Weltwirtschaft?" sei in dieser radikalen Fassung unrichtig. Völlige Autarkie bedeute Abschluß vom Weltmarkt, sowohl auf der Einfuhr-, wie auf der Ausfuhrseite. Schon jetzt gehen Ein- und Ausfuhr ständig zurück. Es seien aber für den Export in Deutschland 3,6 Millionen Arbeitnehmer tätig. Sie würden bei völliger Autarkie ihre Arbeitsplätze verlieren. Darüber hinaus würde die Gesamtwirtschaft in schwerste Mitleidenschaft gezogen. Die Antwort des Auslandes auf die Kontingentierungspolitik der gegenwärtigen Reichsregierung zeige deutlich, wohin dieser Weg führe. Das autarke Wirtschaftsideal sei der sich selbst versorgende Bauer, der alles auf dem eigenen Hof herstelle. Die Verwirklichung dieses 3deals würde Deutschland auf die Zeit vor dem 3ahre 1800 zurückwerfen. Autarkie sei die Resignation eines Volkes, das sich vor Schwierigkeiten verkriecht, keinen Willen zur Weltpolitik, keinen Expansionsdrang mehr habe. Rach der ganzen politischen, geographischen und klimatischen Lage Deutschlands sei die vollkommene Autarkie für uns unmöglich. Wir brauchen die Verbindung mit der Weltwirtschaft. Eine beschränkte Autarkie sei vielleicht vorübergehend eine Waffe im außenpolitischen Freiheitskampf, aber kein erstrebenswertes Ziel. Ziel sei die möglichst weitgehende Durchdringung der Welt mit deutschen Werterzeugnissen, aber nicht der Abschluß vom Weltmarkt. Lim dieses Ziel zu erreichen, seien eine Reihe innerwirtschaftlicher Maßnahmen notwendig. Die erste sei die Herstellung möglichster Rahrungs- freiheit, damit auf die Einfuhr von Rahrungs- Mitteln aus dem Ausland verzichtet werden könne. Zweitens müsse der nationale Wirtschaftsraum durch Urbarmachung unX) Siedlung ausgenutzt werden. Ein Weg hierzu sei der freiwillige Arbeitsdienst. Umsiedlung aus dem übervölkerten Westen des Reiches in den menschenleeren Osten tue not. Die dritte wichtige Maßnahme sei die Kaufkraftstärkung des Binnenmarktes. Die bisherige verhängnisvolle Deflationspolitik müsse deshalb verlassen werden, vor allen Dingen aber müßten weitere Lohn- und Gehaltskürzungen unbedingt verhindert werden. 3m Unternehmertum müsse das Verantwortungsbewuhtsein wieder geweckt werden. Der Zustand, daß Unternehmer Wohl die Gewinne einstreichen, die Verluste aber dem Staat aufladen, müsse aufhören. Reubau des Aktienrechts und strenge Bestrafung der Wirtschaftsverbrecher seien nötig. Weiter sei erforderlich die Kontrolle der Kartelle, Syndikate und Trusts, sowie die Förderung der Mittel- und Kleinbetriebe. Das gelte besonders für den Einzelhandel, wo Kettenläden, Warenhäuser und Einheitspreisgeschäfte eine Gefahr bedeuten. Ferner müsse eine grundsätzliche Reuordnung des volk- lichen und staatlichen Lebens in der Richtung auf eine ständische Ordnung erfolgen, damit der Staat von den Lasten innerpolitischer Maßnahmen befreit wird und sich seinmn eigentlichen Zweck, durch die Außenpolitik für t.n freiheitsliebendes Staatsvolk Lebensraum zu schaffen, widmen könne. Eine der großen außenpolitischen Aufgaben sei die wirtschaftliche Verbindung mit dem Donauraum. Hier seien auf weite Sicht große wirtschaftspolitische Möglichkeiten vorhanden. Sie mühten von der deutschen Außenpolitik genutzt werden, leider sei bei den letzten Verhandlungen das Gegenteil getan worden. 3n dem großen Wirtschaftsraum zwischen Rordsee und Schwarzem Meer müsse Deutschland führen. Erreiche Frankreich die Befriedigung Europas beim gegenwärtigen Zustand, bann könne Deutschland seine Freiheitshoffnungen begraben. Rur wenn alles gärt, dürfen wir hoffen, unsere Fesseln abzuwerfen. Wir müßten die Unruhe in Europa wachhalten, das Dynamit sein, mit dem Versailles gesprengt wird. Die dynamische deutsche Kraft dürfe sich nicht durch Paragraphen knebeln lassen. Wenn das deutsche Volk innerlich einig sei und von seiner Kraft Gebrauch mache, dann sei das Ende der Knebelungsverträge gekommen. Deshalb fei nicht Resignation und Selbstgenügsamkeit, sondern kraftvolles kämpferisches Streben auf allen Gebieten not. Leben und Freiheit erobern sich nicht die Halben, sondern die Starken und die Ganzen. An die mit starkem Beifall aufgenommenen Ausführungen schloß sich eine kurze Aussprache an. Vornotizen. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute 20 Uhr unter der Spielleitung von Karl H e y s e r Wiederholung des Lustspiels: „Freie Bahn dem Tüchtigen" von August Hinrichs. 3. Vorstellung im Freitag-Abonnement. Gewöhnliche Preise. Spieldauer von 20 bis 22 Uhr. — Zum letzten Male gelangt unter der szenischen Leitung des Intendanten und her musikalischen Leitung von Unioersitätsmusikdirektor Dr. T e - mesvary das Trauerspiel „Egmont" von Goethe am Sonntag, 23. Oktober, als Fremden- und Schüleroorstellung zur Aufführung. Mit diesem Trauerspiel wurde die Jubiläumsspielzeit erfolgreich eröffnet. Die Besetzung ist die der Erstaufführung. Fremde zahlen ermäßigte Preise, für Schüler gelten Schülerpreise. Anfang 18.30 Uhr, Ende 21.30 Uhr. — In Vorbereitung ist unter der Spielleitung des Intendanten die erste Operette dieser Spielzeit: „Die Toni aus Wien" Musik von Ernst Steffan. Erstaufführung am Dienstag, 25. Oktober, 20 Uhr. — Lichtbildervortrag im Deutsch- Oesterreichischen Alpenverein. Heute um 20.15 Uhr auf Einladung des Deutsch-Oester- veichischen Alpenvereins, im Hörsaal des Geologischen 3nstituts Lichtbildervortrag von Frau Dr. R a u, Darmstadt, über „Der weihe Berg von Chamonix nach Courmaheur". * "* Schuh der Weidenkätzchen undHa- selnuhblüten. 3m neuesten Amtsverkündigungsblatt wird eine Polizeiverordnung des Kreisamts Giehen bekanntgegeben, nach der das Feilhalten und der Verkauf von wildwachsenden Weidenkätzchen und Haselnuhblüten im Kreise Giehen verboten sind. Ausnahmen von dem Verbot können mit Zustimmung des zuständigen Forstamtes und der zuständigen Bürgermeisterei vom Kreisamt zugelassen werden. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschriften werden mit Geldstrafe bis zu 150 Mk., im Richtzahlungsfalle mit Haftstrafe belegt. Die Verordnung ist mit ihrer gestrigen Veröffentlichung im Amtsverkündigungsblatt in Kraft getreten. ** D i e Weihnachts-Rückfahrkarten der Reichsbahn sollen für die Zeit vom 21. Dezember bis 9. Januar ausgc^eben werden, also, wie ichon angetünbigt, eine verlängerte Gültigkeitsdauer haben. Im vorigen Jahr galten sie nur bis zum 4. Januar. Die Ermäßigung beträgt 33z Prozent. Daß keine besonderen Winter-Urlaubs- oder Winter- Sport-Karten ausgegeben werden, wurde schon berichtet. Do X in Mainz Mainz, 20. Oft. (WSR.) Das Flugschiff D o X ist heute gegen 11 Uhr in Mainz eingetroffen. Es kam auf dem Wasserweg mit eigener Kraft von Schierstein und machte am Kaisertor fest. Mainzer Stadtrat lehnt 600-prozentige Bürgersteu r ab. Mainz, 20. Oft. (WSR.) Der Stadtrat hat in seiner gestrigen Sitzung die von der Stadtverwaltung vorgeschlagene 600prozentige Bürgersteuer einstimmig abgelehnt. S00-prozentigeBürgersteuerin Wehlar. Kommunistische Ltörungsversuche im Rathaus. WSR. Wetzlar, 20. Oft. Die Stadtverordnetenversammlung beschloß nach längerer Verhandlung eine Erhöhung der Bürger- steuer für 1 933 auf 500 b. H., um damit die Staffel zu erreichen, die die Anwartschaft auf die Reichshilfe für die Wohlfahrtserwerbslosen gewährleistet. 3n der gleichen Sitzung standen einige sozialdemokratische Anträge zur Debatte, die sich mit Winterhilfsrnahnah- men befaßten. Da die Anträge von erheblicher finanzieller Auswirkung waren, erhob der Bürgermeister Widerspruch, und daran scheiterte die sofortige Beratung, für die nach der Geschäftsordnung Dreiviertelmehrheit vorhanden fein mußte. Als das Abstimmungsergebnis bekannt wurde, erhob sich im dichtgefüllten Zuschauerraum ein Kommunist und rief dem Bürgermeister mit lauter Stimme zu, die Kommunisten hätten bereits seit fünf Wochen Anträge eingereicht, die im Interesse von mehr als zwei Drittel der Wetzlarer Bevölkerung lägen. Der Bürgermeister sei nicht einmal so anständig, die Antragsteller einer Erwiderung für würdig zu erachten. Man werde nicht dulden, daß künftig die Anträge in den Papierkorb wandern. Der Bürgermeister versuchte vergeblich, dem Rufer das Wort zu entziehen. Zahlreiche anwesende Kommunisten stimmten in die Ruse mit ein. Schließlich unterbrach Bürgermeister Dr. Bangert die Sitzung, und als sich der Tumult noch nicht legte, wurde Polizei herbeigerufen, die den heftig protestierenden Hauptschreier aus der Sitzung entfernte. Erst dann konnte die Beratung weitergeführt werden. Sühne für die Bluttat in Oöereisenhausen. Marburg, 20. Oft. (WSN.) Vor dem hiefigen Schwurgericht hatte sich der 22jährige Schuhmacher Heinrich Hinn aus Niederhörlen (Dillkreis) wegen Körperverletzung mit Todeserfolg und zwei weiteren gefährlichen Körperverletzungen zu verantworten. Hinn geriet in der Nacht vom 9. zum 10. Februar gelegentlich eines Tanzvergnügens in Obereisenhausen (bei Biedenkopf) mit dortigen Burschen in Streit, wobei er sein Taschenmesser als Waffe benutzte. Bei dieser Gelegenheit brachte er dem Arbeiter Petri zwei schwere Stichverletzungjn in Gesäß und Bauch bei und tötete den Arbeiter Konitzer durch einen Herzstich auf der Stelle. Der Schmied Becker, der den flüchtenden Messerheld in Niedereisenhausen feststellen wollte, wurde von Hinn ebenfalls durch einen Stich in die Leber schwer verletzt. Hinn wurde vom Marburger Schöffengericht, vor dem er angegeben hatte, in Notwehr gehandelt zu haben, wegen fahrlässiger Tötung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Als der Verurteilte Berufung einlegte, überwies die Strafkammer den Vorfall dem dafür zuständigen Schwurgericht, das nach etwa fünfftünöiger Verhandlung Notwehr verneinte und wegen Körperverletzung mit Todesevfolg auf ein Jahr Gefängnis erkannte. Das Gericht bedauerte, den Messerstecher nicht in eine höhere Strafe nehmen zu können, weil es aus gesetzlichen Gründen nicht über die vom Schöffengericht erkannte Strafe hinausgehen dürfe. Eine deuffche Haussta« reist nach Rußland. Streifzüge durch russische Läden und Warenhäuser. Bon Victoria T. Wolf. Kostüme zu verkaufen? Einkäufen gehen und Golfplätze gibt es nicht im Sowjetstaat. Allmählich jedoch beginnt auch der Sport die Männer dort zu beschäftigen: einige Städte haben Stadien gebaut: in Moskau stand ein Tenniswettkampf Leningrad gegen Moskau ausgeschrieben, in Balta ertebte ich sogar den grotesken Anblick zweier aktiver Tennisspieler, aber den beliebtesten Frauensport — Einkäufen — gibt es nirgendwo. Das ist bitter für die Frauen. Man soll nur nicht glauben, daß die Warenknappheit, die große Armut und die Trauer des Bürgerkriegs die begehrliche, weibliche Seele umgebaut hätten. Frau bleibt Frau. Das große Sehnen nach den Dingen, die den Alltag verschönern, ist geblieben. Die Ausländerin, die gewiß nicht in ihren besten Sachen reist, wird angestaunt, angesprochen, angefaßt. und nicht selten gefragt, ob sie nicht ihre Kleider verkaufen wolle. Mir hat die Frau eines sehr hochgestellten und überzeugten Kommunisten solange zugesetzt, bis ich nicht anders könnte. Dabei war die Seide abgetragen und in Deutschland kaum mehr zu verschenken. Aber was sollte ich denn mit den Rubeln beginnen? Es war doch auch für mich fast unmöglich, Sachwerte dagegen einzu tauschen. Torgsin. 3a, es gibt Läden für Ausländer. Torgsin heißt der Trust, dem sie gehören. 3n jeder Stadt, in jedem Hotel fjat er seine Filialen, aber er verkauft nur gegen Valuta. Er ist die Organisation, die Konzession an das Ausland macht und so will er auch das vom Ausland wieder, was ihm das Wesentlichste ist, Devisen. Doch selbst im Torgsin gibt es keine Import- Ware: man denkt in Rußland nicht daran, für lächerliche Spielereien der Westler Devisen zu Verbrauchern Man fabriziert lieber selbst Export- Ware, die nur für Fremden- und Torgsin-Bedarf verwendet wird. Man kann dann dort eine bessere Sorte der russischen Fruchtbonbons kaufen, Leinen- decken der bäuerlichen Heimarbeit, Spielzeug, Uralfteinc in Filigranfassung, 3konen, aus Kirchen und Klöstern gestohlen, und ähnlichen unnötigen Krimskrams. 3ch war einmal auf der verzweifelten Suche nach Briefumschlägen: nicht einmal im Torgsin ist es mir gelungen: Papier ist immer noch nicht so lebenswichtig, daß es ausreichend fabriziert werden würde. 3m Lebensmittel-Torgsin bekommt der Daluta- besitzer für sehr viel Geld nur ganz wenig Dinge. Oie Kooperative. Der Russe ist und bleibt auf seine Kooperative angewiesen. Jede große Fabrik, jeder große Trust hat seine eigene Kooperative, seine eigenen Läden. Hier und nirgends anders kann er kaufen, natürlich nur gegen Karten und völlig rationiert. Die Frau des Ingenieurs kauft in der Kooperative für Ingenieure: sie muh an der Türe ihr ^.uch vorweifen, sonst findet sie keinen Einlaß, die Arbeiterin der Traktoren- fabrik hat ihren eigenen Laden: dort kann sie bis um 24 Uhr ihre tägliche Ration beziehen. Meistens muß sie eine halbe Stunde anstehen, bis sie an die Reihe kommt. Sie hat Anspruch auf zwei Pfund Brot am Tag: drei Pfund Fleish im Monat: drei Pfund Zucker und ein Pfund Fett, ebenfalls pro Monat. Wenn beide Teile arbeiten, verdoppelt sich die Ration, man hat dann auch oftmals die Auswahl zweier Kooperativläden. Wir können uns nur in Erinnerung an die Kriegszeit einen Begriff dieses rationierten Bedarfs machen. Hart wird es erst, wenn der Beruf so zweitrangig ist, daß sich die Organisation noch feine Kooperative leisten kann. Man ist exklusiv in der Bezeichnung lebenswichtig. Die Schwerindustrie ist es vor allem, sie wird immer und überall bevorzugt. Der Maschinen wahn des Russen geht so weit, daß in der Fibel der ersten Schulklasse der Sah zu finden ist: Untere Maschine ist unsere Mama. Dies und vor allem eine immer mehr sich steigernde Warenknappheit läßt es erklären, daß jeder Beruf, der nicht auf Maschinen hinarbeitet, als zweitrangig behandelt wird. Oer freie Markt. Wer nicht in der Kooperative kauft, ist ganz auf den freien Markt angewiesen. Dort herrschen Marktpreise, die um ein vielfaches höher sind, als die Staatspreise. Freilich, es ist kein Schleichhandel, und fein Hintenherum, es ist das den Dauern zugestandene Recht, 90 Prozent ihres Ertrages von Obst, Gemüse und Eiern auf dem freien Markt zu verkaufen. Sogar Pflaumen werden dort stückweise berechnet. Kohl gibt es hier, Kohl, Kohl und noch einmal Kohl für den Borschtsch, die russische Suppe. Das Obst ist klein und nicht gepflegt: Trauben, die von der Krim hier herauf kommen, sind schön, aber teuer, sechs bis acht Rubel das Pfund: dabei wiegt das russische Pfund nur 400 Gramm. Dann die Melonen in riesigen Mengen uni) Größen. Dort auf den Märkten ist ein einiger grauet Knäuel Menschen, sie stehen herum, starren, handeln und beraten, und doch liegt eine fast lahmende Ruhe Über dem dichtesten Dolkshaufen. Keine Hetze, kein Geschrei, keine großen Gesten; man kauft, oder man kauft nicht, man ißt oöefi! man hungert weiter, ganz ruhig und so unsagbar gewohnt und ergeben. Dre Dauern kommen von ihrem Kolchos, dem Kollektivgut, vom Sofkos, dem Staatsgut oder aus ihrer kleinbäuerlichen Besitzung: — der Kollektiv- Zusammenschluß ist kein Zwang — sie fahren oft stundenweit mit ihren kleinen Holzwagen, den ein noch kleineres Pferd zieht, in die Stadt, sie schließen mit derselben Ruhe ihre kleinen Geschäfte ab, wie sie auch ihre Mißerfolge einstecken. Für die paar Rubel, die sie bekommen, können sie auch in der Stadt nicht viel dagegen eintauschen. Ein Kopftuch für die Frau vielleicht, aber man hätte wichtigere Dinge nötig. Schuhe oder Arbeitsgeräte. Aber Schuhmacher, die noch frei arbeiten dürfen, es gibt solche — Schuhmacher und Uhrmacher gehören dem individualistischen Sektor an —, sehen auch ihre Preise hoch ein. Rohrstiefel sind nicht unter 100 Rubel zu haben, und das Arbeitsgerät wird bevorzugt an. die Kollek- tmgüter geliefert. Der Einzelbauer geht bei der großen Güterknappheit leer aus. So zieht er also ergeben heim; er kann auch nicht auf dem langen Wege in einer Kneipe einkehren und beim Wodka die Welt vergessen, wie es einstens so üblich war. Cs gibt keine Kneipen mehr, es gibt keinen Wodka mehr, nur noch in den teuren Hotels. Will der Dauer doch etwas kaufen, will der Fremde gegen Rubel kaufen, teuer natürlich, so muh er ins staatliche Warenhaus. 3n Moskau nennt es sich Mostorg, in jeder anderen Stadt nennt es sich angelehnt an den Rainen der Stadt. Das staaiüche Warenhaus. Hier gibt es alles, was nicht zum Leben notig ist. Dlumen aus Papier, Kinderspielzeug, Gipsbüsten von Lenin und Stalin, Bilder von Lenin und Stalin und nochmal Dilder von Lenin und Stalin: es gibt Kätzchen aus Porzellan, Dlu- menvasen im 3ugendstil und seit neuestem wieder Krawatten, die bisher als unproletarisch ab- gelehnt, ja verpönt waren. Zwischen den Hausgreueln etwas gute Volkskunst, gestickte Leinenkleider, und kleine gestickte Käppchen, die nur den Hinterkopf bedecken, Te- bitehkas, die Tracht des Kaukasus. Die Preise in Rubeln für Decken und Kleider bewegen sich, nicht schüchtern, zwischen 50 und 100 Rubeln; wenn man den amtlichen Kurs rechnet, gibt das die ansehnliche Summe von 100 bis 200 Mark. Aber wer glaubt denn dem amtlichen Kurs? Reulinge, die den ersten Tag in der Änion sind. Man merkt schon am zweiten, daß man sich inmitten einer netten kleinen 3nflation bewegt, nun zugegeben wird es von keiner amtlichen Stelle. Oben im ersten Stock des Warenhauses werden auf Karten Gummischuhe abgegeben; man sieht es an der Treppe, die in einer gekrümmten Schlange die Wartenden bis nach unten stehen läßt. Der Hintere Teil des Hauses ist meistens „remon t“. Das ist das große Wort der Union, es kommt gleich nach dem neuen praktischen Gott Pjatiletka — Fünfjahresplan. Remont heißt im Umbau begriffen, verbesserungsbedürf- tig. Das für Frauen große Erlebnis des Kaufens vollzieht sich auch in einer bei uns nicht gekannten Zeremonie, die ihren tieferen Sinn in der völligen Papierarmüt hat, was man erst zum Schluß kapiert. Ich habe für mein Töchterchen eine Puppe ausgesucht, ein blondes, drolliges Dauerngesicht mit Kopftuch und buntem Rock;, die Bedienung geht mit mir zur Kasse, sagt den Betrag der Kassiererin an, die ihn ohne Quittung kassiert, mein Dedienfräulein assistiert während dieses Aktes, sie hilft mit, den Restbetrag an der Zählmaschine, die neben der Kasse steht, zu subtrahieren. Diese Zählmaschine ist das wichtigste Requisit jedes russischen Schreibtisches, es gibt kein Bureau, keime Kasse, kein noch so kleines Geschäft, daß nicht dieses Kugelzählgestell, das nicht denRa- men Maschine verdient, neben sich liegen hat. Es ist das, womit bei uns Kinder zwischen 4 und 6 3ahren spielen, bunte Kugeln auf Draht, verschiebbar. Als ich dann meine restlichen 9 Rubel 60 wieder verstaut hatte, es war viel häßliches Papiergeld, ging ich mit dem Fräulein zurück an das Puppenlager. Dort legte sie mir die Puppe vorsorglich in den Arm; ihre Liebenswürdigkeit sollte das fehlende Papier und den Bindfaden ersetzen, den es im Warenhaus nicht gibt. Verpackung ist eine Art bürgerlicher Luxus, der erst wieder im dritten Fünfjahresplan gestattet wird. Oer Kommäsions-Laden. Das Schaufenster eines Kommissionsladen erzählt ohne jedes Pathos die traurige Geschichte des toten Bürgertums. Da liegen Spazierstöcke mit Silbergriff, Zylinder mit sich sträubendem Gefieder, eine Gitarre ohne Saiten neben wertvollem Porzellan; ein Spihen- schleier, wie er bei Hofempfängen getragen wurde, neben alten, auf Holz gemalten Ikonen. Der Laden steht voller Dinge und Menschen. Mehr Schaulüsterne als Käufer, natürlich. Das Volk verbringt hier eine tote Stunde seines 6. Tabes, des freien Tages, es ist eine Art Schauspiel früherer Bürgerlichkeit. Kausen? Rein, kaufen tut es hier nicht. Ausländer, jawohl, die Spezialisten und Ingenieure, die die feuchten Wände ihrer Wohnungen verdecken wollen. Ein paar Fremde und vielleicht auch die Destverdiener der Russen, ihre Professoren und Funktionäre, die schon wieder einen tüchtigen Schritt hinein in die so verachtete Bürgerlichkeit getan haben; allerdings trägt sie den Decknamen der „neuen Kultu r“. Auch diese Kommissionsgeschäfte sind staatlich verwaltet. Sie arbeiten ohne Risiko, nehmen die Objekte entgegen und zahlen nach Abzug der Aln- kosten erst nach dem Verkauf. Diesmal ist Papier in den Derwaltungsunlosten einkalkuliert. 3ch bekam eine grüne Samtdecke, die früher einmal in einer Kirche lag, in das russische, graue Einheitspapier eingewickelt. Diele dieser kirchlichen und fürstlichen Kostbarkeiten sind, wie man es dort rechtfertigt, „neu-i tralifiert“ worden; ein Wort, das dem im Krieg geläufigen Requirieren entspricht und nach Lage der Dinge erklärlich ist. Die Tragik dieses De- sitzwandels liegt vor dem Verkauf. 3d> dachte, als ich aus dem staatlichen Trödlerladen ging, mit diesen lebendig-toten Gegenständen, wie gut es ihnen doch gehe, daß sie keine Seele haben, die nun schreien müßte; ich dachte an Leben und Tod, Sinn und Unsinn, an lauter unnütze Dinge, die nur traurig machen, und trollte mich. Hauptversammlung des Kreisrinderzuchtvereins Friedberg. * Butzbach, 17. Okt. Am Sonntag fand hier im „Deutschen Haus" die diesjährige Hauptversammlung des Kreisrinderzuchtvereins Friedberg statt. Neben einer stattlichen Zahl von Mitgliedern konnte der Vorsitzende, Land- mirtschaftsrat Dr. D i e n st, eine Reihe von Gästen begrüßen, u. a. auch den Vertreter des Kreisamt Friedberg. Vor der Erstattung des Geschäftsberichts gedachte der Vorsitzende mit ehrenden Worten des verstorbenen Mitglieds Fauerbach von Okarben, dessen große Verdienste um die Förderung der hessischen Fleckviehzucht unvergessen bleiben mürben. Aus dem Geschäftsbericht sei folgendes hervorgehoben Das Geschäftsjahr war aus verschiedenen Gründen für die Weiterentwicklung der Viehzucht denkbar ungünstig. Neben der allgemeinen, auch in den bäuerlichen Betrieben infolge der katastrophalen Preise für landwirtschaftliche Produkte stark fühlbaren mirt- schaiftlichen Depression brachte das Auftreten dcrMaul - und Klauenseuche manche direk- tcn und indirekten Schäden. Eine weitere Folge der Seuche war das Ausfallen des traditionellen Butzbacher Faselmarktes, das den Fleckviehzüchtern die leider einzige Möglichkeit nahm, ihre Tiere im Wettbewerb zu zeigen und eine wenn auch geringe, so doch heute doppelt willkommene Belohnung für züchterische Mühe und Arbeit cntgegenzunehmen. Trotz alledem ist der gegenwärtige Stand der Fleckviehzucht bemerkenswert gut und stellt den Züchtern das beste Zeugnis aus. Das bei verschiedenen Gelegenheiten, wie überraschenden Kontrollen, Körungen ujw., gezeigte Bullenmaterial, sowie der Zustand der Faselhattungen war teilweise sehr gut, was für weitere züchterische Erfolge notwendige Voraussetzung ist. Eine Reihe von Aaselwärtern konnte wieder mit Prä- m i e n bedacht werden, die jedoch erst nach Entrichtung der Beiträge seitens der Gemeinden zur Auszahlung kommen. Auch bei d ih kein Unterschied bestehe, und daß es auf die Vermögenslage der einzelnen Gläubiger bei der Frage der Aufwertung nicht ankomme. Cs hat weiter ausgesprochen, daß der Höch st sah der Aufwertung 25 Prozent beträgt. Das Kammergericht hat nunmehr nur zu prüfen, welchen Aufwerlungssah das Reich dem Schutzgebietsanleihegläubiger zu gewähren hat. Der Verkündungstermin vor dem Cinzelrichter findet in 14 Tagen statt. * Anziehen der Preise auf dem M ö b c l m a r f t. Wie der deutsche Möbelfach- verband, Berlin, mitteilt, macht sich auf dem Schnittholzmarkt eine Knappheit in gutem Tischlermaterial und dementsprechend ein Anziehen der Preise bemerkbar. Die von der Reichsrcgie- rung beschlossene Kontingentierung der Cinfuhr für ausländisches Radelschnittholz und Zollerhöhung für ausländisches Radelrundholz wird diese steigende Tendenz noch verstärken. Auch die Preise für Glas, Jute, Schellack und andere von der Möbelindustrie benötigte Materialien sind erheblich gestiegen. Cs mehren sich die Zeichen dafür, daß das Tief der Preise überschritten ist. Mit einem weiteren Anziehen der Mobelpreise mutz daher bestimmt gerechnet werden. Die Käuserschichten standen bisher bei den sinkenden Preisen, die seit langem für Hersteller uni> Händler verlustbringend waren, den Angeboten abwartend gegenüber. Das Preisniveau war zum Teil weit unter Selbstkosten gedrückt. Bei der steigenden Tendenz aus dem Möbelmarkt entschließt sich jedoch das kaufende Publikum mehr und mehr zu Abschlüssen, zumal der Bedarf nach wie vor groß ist. * D i e Devisenhoch st betrüge für den Monat November. Der Reichswirtschafts- Minister hat angeorbnet, daß die Importeure für den Monat November den Höchstbetrag ihrer all- gemeinen Genehmigung — ebenso wie bereits für die Monate ab Mai — nur bis zur Höhe von 50 v. H. in Anspruch nehmen dürfen. * Staffelweise Auflösung der Gc- treide-Lombardbe stände angestrebt. In Anbetracht der gegenwärtigen Verhältnisse am Getreidemarkt werden, wie WTB.-Handelsdienst erfährt gewisse Möglichkeiten erwogen, die Ge- treide-Lombardbestände stafselweise aufzulösen, um zu verhindern, daß bei Ablauf der Einlagerungsfristen die zurückgestellten Mengen den Markt plötzlich überfluten. Die Bestrebungen gehen dahin, die Lombardkontrakte jeweils nur für einen Teil der Lagermengen ablaufen zu lassen und für den Rest weitere Reichszuschüsse zur Zins- und Lager- geldverbilligung bereitzustellen. * Weitere Mehlpreisermäßigung der süddeutschen G r o ß m ü h 1 e n. Die süddeutschen Großmühlen haben gestern die Mehlpreise wieder um 0,15 RM. pro Sack ermäßigt. Die Preise stellen sich hiernach für 100 kg süddeutsches Weizenmehl (Spezial 0) auf 30,70 RM. und für Sondermahlung auf 31,70 RM. ab Müh- lenftation. * Ekektrizitäts-AG. vorm. W. Lah- meyer & C o., Frankfurt a. M. In der gestrigen Generalversammlung der Elektrizitäts-AG. norm. W. Lahmeyer & Co., Frankfurt a. M., wurden der Geschäftsbericht für das Jahr 1931/32, sowie die Bilanz nebst Gewinn- und Verlustrechnung einstimmig genehmigt. Danach werden auf das 22 Millionen Reichsmark betragende Aktienkapital wiederum 10 v. H. Dividende verteilt und 133 374 Reichsmark auf neue Rechnung oorgetragen. Bezüglich der Aussichten für das laufende Geschäftsjahr, von dem bereits drei Monate verstrichen sind, erklärte der Vorstand, daß anscheinend eine leichte Besserung eingetreten ist. Im September war die Stromabgabe etwas höher als im gleichen Monat des Vorjahres, was hauptsächlich auf die stärkere Beschäftigung der Industrie zurückzuführen ist. Eine Besserung der Stromabnahme durch die Derkehrs- inftitute ist bisher noch nicht eingetreten. * Vereinigte Westdeutsche Waggonfabriken AG., Köln. Wie WTB.-Handels- dienst erfährt, gehen in dieser Woche bei der Firma Vereinigte Westdeutsche Waggonfabriken AG., Köln, die bisher in Arbeit gewesenen Aufträge zu Ende. Der weitere Auftragsbestand sei noch nicht so arbeitsreif, daß er in den Werkstätten schon in Angriff genommen werden konnte. Es sei daher mit einer starken Drosselung der Beschäftigung in den nächsten Monaten zu rechnen. Eine Stillegung kommt jedoch nicht in Frage. * Die Lebensversicherungsanstalten im September. Im September wurden bei den im Verband öffentlicher Lebensversicherungsanstal- ten in Deutschland zusammengeschlossenen öffentlichen Lebensversicherungsanstalten 9958 neue Versicherungen mit 15,34 Millionen Mark Versicherungssumme beantragt. Die durchschnittliche Versicherungssumme betrug in der Großlebensversiche- rung 3891 Mark, gegenüber 3939 im September 1931, in der Sterbegeldversicherung 474 Mark, gegenüber 498 Mark im gleichen Monat des Vorjahres. Frankfurter Abendbörse still. Frankfurt a. M., 20. Okt. Trotz wieder festerer Eröffnungskurse in Neuyork nahm die Abendbörse einen außerordentlich Rillen '-Berta u f. Die Spekulation oe-hielt sich weiterhin abwartend, doch nannte man gegen den Berliner Schluß etwas höhere Kurse. Im Verlauf der ersten halben Stunde fanden jedoch 'Abschlüsse kaum statt. IG.-Farben kamen schließlich 0,25 v. H. höher zur Notiz, brodelten aber infolge der Geschäftsstille später wieder etwas ab. Am Rentenmarkt blieben ^chuldbuchforde- rungen nicht voll behauptet, deutsche Anleihen lagen unverändert. Don fremden Werten zogen Oester» reichische Gvldrente 0,75 v. H. an. Altbesitz 47,50, Neubesitz 6,45, Schutzgebiete 5,40, 4-v. H.-Oester- reichische Goldrente 11,50, Reichsbank 125, Gelsenkirchen 39, Mannesmann 50,75, Stahlverein 22,50, Bekula 113,50, IG.-Farben 94,40, Gesfürel 69,75, Siemens 116, Reichsbahnvorzugsaktien 87, Norddeutscher Lloyd 17. &. A.-Gport. Was machen die Siegener Sportfreunde? Uebertritf DI. ober verbleib im ID SD.? Die Handball-Abteilung der Siegener Sportfreunde, die sich durch den Westdeutschen Spielverband benachteiligt fühlte, hatte den Entschluß gefaßt, zur Deutschen Turnerschaft überzutreten. Die Verhandlungen verliefen auch sehr günstig zwischen den beiden Partnern und man glaubte schon vor dem Uebertritt der Siegener Handballer ins Turnerlager zu stehen. Jetzt hat sich aber der WSV. selbst an Siegen gewandt, so daß die Abkehr der Sportfreunde von den Sportlern nunmehr stark in Frage gestellt ist. 78. Konferenz der hessischen Bergwerksbetriebsleiter. Rach zweijähriger Pause fanden sich die Betriebsleiter der hessischen Bergwerke am Dienstag in Hirzenhain (Oberhessen) zu einer Konferenz zusammen. Dergrat Hundt berichtete zunächst über den Stand des Detriebsleiterfonds, aus dessen Mitteln ohne Inanspruchnahme staatlicher Gelder jetzt schon im I.Jahrgang das Rachrichtenblatt „Sie Fundgrube" nebst einer ganzen Reihe von Beilagen herausgegeben wird. Sodann gab Lehrer Sauer (Ober-Lais) aus dem reichen Schah seiner archivalischen Forschungen einen lieberblick über die Entwickelung der Eisenindustrie von Hirzenhain seit ihren ersten Anfängen! die beurkundete Geschichte geht hier mindestens 550 Jahre zurück. Der Vortrag fand lebhaften Beifall und Dank und zog eine längere Aussprache nach sich. Hierauf berichtete Oberbergrat Dr. K ö b r i ch über den gegenwärtigen Stand der steuerlichen Einheitsbewertung der nicht erschlossenen BergwerLs- selder, die in den letzten Monaten vielfach erörtert wurde. Es ergab sich, daß die für Hessen getroffene Regelung den unverkennbaren Vorzug der Einfachheit besitzt, während vergleichsweise in anderen deutschen Ländern diese Frage entweder bisher noch ungeklärt, oder nicht einheitlich geregelt ist. Zum Schluß gab Syndikus Henrich (Wetzlar) ein inhaltreiches Referat über die Auswirkungsmöglichkeiten der letzten Rotverord- nungen auf den Bergbau an Hand von Zahlen beispielen, die den Verhältnissen Hessens angepaßt und entnommen waren. Der Konferenz ging eine Besichtigung der umfangreichen Werksanlagen der Eisenwerke Hirzenhain Hugo Buderus G. m. b.H. voraus, wozu deren Leiter, Direktor M o r h e n n , eingeladen hatte. Die für den folgenden Morgen vorgesehene geologische Besichtigung bei Bermuthshain und Sichenhausen mußte wegen Verkehrsjchwierigkeiten unterbleiben. Stattdessen wurde der geologisch wichtige Basalttuff von Michelnau besichtigt, den die Hessische Steinbrüche G. m. b. H. in einem prächtigen Bruche erschlossen hat. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) 2H. Sch. 1. Die Feuerbestattung muß von dem Verstorbenen angeordnet worden sein, entweder durch eine Verfügung von Todes wegen (Testament), oder durch eine öffentlich beglaubigte Erklärung, ober durch das von einer öffentlichen Behörde beurkundete Zeugnis zweier glaubwürdiger Personen, die dem Verstorbenen trn Leben nahe gestanden haben. Es empfiehlt sich, seine Feuerbestattung bei Lebzeiten anzuordnen, schriftlich niedc.rzulegen, diese Erklärung öffentlich beglaubigen zu lassen (Amtsgericht) und sie so sorgfältig auszuheben, daß die Angehörigen nach dem Todesfall sofort von ihr Gebrauch machen können. 2. Die Anmeldung der Feuerbestattung erfolgt auf dem Begräbnisamt. Die Feuerbestattung der Leiche eines Erwachsenen kostet im Krematorium in Gießen 50 Mark (die eines Kindes unter 12 Jahren 40 Mark). 3. Wegen Ihrer weiteren Frage ist die Friedhofsordnung der Gemeinde maßgebend, auf deren Friedhof die Aschen- urnc beigesetzt werden soll. Wenden Sie sich unter Schilderung der Sachlage und unter Nachweis Ihres Miteigentumsrechtes an dem betr. Grabe an die Bürgermeisterei Kl.-L., oder stellen Sie als* bald dort persönlich die Sachlage War. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter Öen Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 v. H Franksuri a. 2)1 Berlin Schluß»! Iure Schlutzl. Abend» büri (Schluß» lurd Schluß!. DNllag» bSrse datum 19.10. ; 20.10. 19.10. 20-10- 6 ‘o T>rui>die NcKhaautcihe v. 1U2. 70.4 70 70.75 71.5 ebem. V’öl't. Weiduanl.v. 192V 87 86.5 87 86 youni’.flnklbe con iflso $eutid)e ■.lhil.-'jlblöi.-S<1nnb mit 71 71,75 71 71,9 VluSloi.-iHcdilvn . . 47 47,5 46,9 47,5 obuc Autzlol-Rechte . . 6% ehern 8%»eh SolK'üant 1929 6.5 6.45 6,4 6.4 trucUablb. it’2%)...... Cberbciltn Provinz-Anleihe ml1 63.5 64,5 64 64,5 Aurios.-Rechten Deuljctie flomm. Sammelabt - 54 — — Anleihe Serie i...... 6°o ehern. 6% fitanlf. Hyv-Bant 45 44,5 45 45 (0olbrl<. io untünhbar bio 1935 6% ebem. 7% fitan!(. Htw-Ban! 76.25 76,75 - OlulDvk 16 mrfunbbar bie 1936 5%% d)cm. firanki.Hdv.- 75,75 76.25 — — Bank t'tnu 1-ianbbrielc 5',-% ehern. 4‘i%9ii)cim|d)e 79.7 79,9 — Hup.-Bant Liau.»Ävldp1e. . 6% ebem 8% Pr. LandeSpland- 80 79,75 ■ - briefanftai Psandbriese R. 19 6"0 ebem. 7% ‘Br. LandeSpsand- 73 73 72,4 - bitefnnftitii Ufantibricfe R. 1" 73.5 73 — — 4% Ceitcneubtldie Sülbrcnte . 10,75 11,5 11 11,4 4,20% CeftcrrvidiljdK Silbctrcntc 1.05 1,05 1.05 — 4"„ Ungarische Goldrente ... 6,5 6,4 6.5 6,13 4% Ungarische etaatirente v. 1910 — 6.5 — — 4V,% bctgL t>on 1913..... —— —— — 6,25 5% ob gelt. Kolbmeplaner von 99 6,4 6,13 6 — 4% Türkische Rollanleibe von 1911 4% Türkische Bagdadbabn-Anleih. 3.4 — 3.25 3.25 Serie I . — 3.4 3.35 3.35 4% dekgl. Serie il...... 8% 9in man. vereint). Rente v. 1903 3,2 3.3 3,3 3,3 4,6 4,55 4,7 4,75 4yi%atnmän.6erdnb.tRentcö.l913 4% RuWänische bereinb. Rente 7.75 8,05 7,75 7.9 4.275 4.13 4.15 4.15 Anatolier 19 19.5 19.13 19.7 Sranffurt a. 2)1. Berlin Gchluß» kurS (Schlugt Abend« bSrse (Schluß» furd (Schlugt CDmfag» börie Datum 19.10. 20.10. 19-10. 20-10. yambuiQ-älmerita Paic. . L 16,65 16.5 16,65 16,65 Hamburg- Sudan,. Dampsschiss 0 —- — 29,75 29,75 Hansa Tainvftchill . 'Jiorbbeuiidict Lloyd..... 1 — — 28,25 ( 17.13 17 17 16.9 A.G. für Verkehrswesen Alt. 0 40 40 40 39,75 Berliner Handelsgesellschaft . 4 90.5 90.5 90,5 90.5 (üjmmcrv und Privat-Bank . Darmstädter und Nationalbant (1 53.5 53,5 53,5 53.5 0 - — Deutsche Bank und Disconto-Gesellschajl . 0 75 75 75 75 Dresdner Banl...... 0 61,75 61.75 61,75 61.75 ReichSbanl........ 1 125,25 125 125,25 125,25 Ä.S.»........... 0 32 32.4 31.5 32 Bergmann........ 0 — 20,75 —— Gleltr. Lieserungdgesellschaft. 5 — 67 67.25 65. 75 Licht und Strait...... K 86,5 86,75 85,25 86 fielten & Guilleaume .... 0 54,5 54 54,75 54,25 Gesellschaft für Oettriidje Unternehmungen .... 4 70 69,75 69.5 69.75 Rheinische (Ucttryität . . 5B 71.5 71,25 71,5 72 Schultert & täu....... ( 70.75 70.25 70.4 70 Siemens & Halste..... q 116,65 116 116.25 116 Lahmeyer & Co....... 10 115,5 117 115.5 117 Subctiu......... 4 39 38 38,75 38.65 Tculjdw ürbi'l....... 5 72 71.5 71,13 71.4 Gellentirchener....... 8 38,75 39 38 38,5 Harpener.......... 0 71 71 71.4 72,5 Harsch Visen......... r> — 36.13 36 .Ilie Bergbau....... 10 — — i23 12 .25 Ilse Bergbau Genüsse . . . . 95.75 96 95.5 95,13 Mlodncnvcrle........ 6 34 33 33.75 32 Manne» mann Röhren . . . . 6 50,25 50,75 50 50,5 Mansselder Bergbau..... 0 20.5 20 20 20 Oberjchlel. Lolowerte . . . . 8 39,5 39.9 Phönix Bergbau...... ’.-i 26,13 26 26 26 Rheinische Braunkohlen. . . 10 162 161,5 160 160.5 Rbeinstabl......... 6 64.5 64.4 63.5 64 Jrantsurt a. 3J1. Berlin (Schluß» fur< (Schloßt Abend» börsr (Schluß» kurö Schloßt Dlittag» Wrfe Datum 19.10. 20-10- 19-10. 20.10. «iebeck Montan...... 7,1 — — — Bereinigte Stahlwerke . . . 0 22,25 22.5 22,13 22.5 Olavi Dtinen....... 0 16,25 16,25 16 16 Kaliwerke Aschersleben . . . 6 99 98 99 98,5 Kaliwerke Westeregeln . . . 6 105 103 105 102,5 Kaliwerke Sahbctfurti) . . . 9 — 162 163 162 I. G. fiarben-Industrie . . . 7 94 94,4 93,65 94,13 Scheideanstalt....... 10 139 139,5 — Goldschmidt........ . 0 26,5 26,13 26,9 26,13 RütgerSwerte....... . 0 38,75 39 38,5 39 Metallgeiellichast...... • q 34,5 34,25 34,5 34,65 Phütpp Hohmann..... . Vs 55,5 54.65 55,75 54,5 Zementwerk Heidelberg. . . . 4 49,5 49.5 — — Cementwerk Karlstadt. . . . . 0 50,5 50.9 — ■ Wahß & Freytag .... . 0 5 4,75 — — Schultheis Patzenhofer . . . 0 — — 57 58 iThi (Allgemeine Kunstseide» 0 55,5 55 55,25 54,5 Bemberg......... 0 54,5 55 54,75 54,5 Zellstoss Waldhof..... 0 43 43.5 42.25 42,75 Zellstoss Aschaffenburg . . . 0 28,5 28,5 — — Dessauer Gas....... »7 — 89 88,25 Daimler Motoren..... . CK 19.75 19,5 20 19,75 Deutsche Linoleum .... . 0 45 44.5 44,65 44,13 Lrenslein & Koppel .... . 0 — — 33,13 33 Leonhard Tietz...... . 6 45 45 45,13 45 Sveneka......... . 0 — —— — — dhabe.......... 12 166 166,5 166 166,75 firantfurler Maschinen . . . _ Srigner ......... . c 25.25 26 26,13 26 Mainkraftwerke Höchst a. M.. . 4 52.25 52 — Süddeutscher Zucker . . 8 130.25 130.75 129.25 130.5 Banknoten. Devi enmarft Berlin — Jranffurl a. M 19-Oktober 20.Oktober Amtliche Rotterung »mtlld>t Jloflenma »elb Eriel Selb Sriet Heisingsor» . 6,144 6,156 6,164 6.176 Wien. . . . 51.95 52.05 51,95 52,05 Prag . . . 12,465 12,485 12,465 12,485 Budapest. . — —— — —* Sofia . . . 3,057 3,063 3.057 3.063 Holland - ■ 169,38 169,72 169.53 169,87 C4lo .... 71,53 71,67 71,93 72,07 Kopenhagen. 73,83 73,97 73.98 74,12 Stockholm . 73,33 73,47 73,48 73,62 London. . . 14,23 14,27 14,24 14,28 Buenos äiie» 0,898 0.902 0,908 0,912 Neuoort . . 4,209 4,217 4.209 4,217 Brüssel. . . 58.49 58,61 58,49 58,61 Italien. . . 21,555 21,595 21.55 21,59 PariZ . . . 16,51 16,55 16.53 16,57 Schwei, . . 81,22 81,38 81,27 81,43 Spanien . . 34,47 34,53 34,47 34.53 Dan?.ig. . . 81.97 82,13 81,94 82,10 Japan . . . 0,979 0,981 0.979 0.981 Rio t>e 3an.. 0,294 0,296 0.294 0,296 Jugoslawien. 5.594 5,606 5,594 3,606 Lissabon . . 12,97 12,99 12.98 13,00 Berlin, 20-Oktober «eld SHel Amerikanische Roten....... 4.20 4,22 Belgische Roten......... 58,33 58,57 Dänische Roten......... 73,75 74,05 ibnglijche Roten......... 14,20 14,26 firan-vsische Roten........ 16,49 16,55 Holländische Roten........ 169,16 169,84 Italienische Roten....... 21,50 21.58 Rorwegische Roten........ Deutsch.cestorreich, * 1OO Schilling Rumänische Roten........ 2,44 ?.* Schwedische Roten ...... 73,30 73.60 Schwei,cr Rote»......... 81.09 81,41 Spanische Roten......... 34.33 31.47 Unflart dx Roten........