Nr. 222 Erstes Blaff 182. Jahrgang Mittwoch, 21. September 1932 Erschein» täglich, außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monat,-vezugLpreir: Mit 4 Beilagen RM. 1.9k» Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüfie unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Gietzeim Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dnid vnv Verlag: vrühl'sche Univer^iüts-Vuch' und Steinörnderei R. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer oi» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärt« 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Plahvorschrist 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Sine Wahlrede Gregor Straßers München, 21. Sept. (211.) In einer Wahlversammlung der Nationalsozialisten im Zirkus Krone hielt Gregor Straßer am Dienstagabend eine zweistündige Rede, in der er unter Hinweis auf die Abstimmung im Reichstag u. a. ausführte: Die besten Anordnungen würden ergebnislos sein, wenn nicht «in großer Teil der Ration in freiwilliger Mitarbeit diese Gesetze durchzuführen bereit sei. Erst diese Mitarbeit des Volkes mache die Gesetze zu etwas Lebendigem und Leben erzeugendem. Das Wirt- fchastsprogramm Papen habe zwar di «Idee der Rationalsozialisten hinsichtlich der produktiven Krediterweiterung übernommen, aber in der Durchführung sei Papen Seitenwege gegangen, die zur Erfolglosigkeit führen müßten. Papen suche nicht Kredite zur sofortigen Auftragserteilung und Bezahlung, sondern überlasse dies« Ausgabe den großen Unternehmungen, wobei er übersehe, daß der Absatz der Erzeugnisse in keiner Weise gewährleistet sei. Ohne jedes Währungsexperiment, ohne Binnenwährung, nur durch die Bereit st ellung von ein paar Milliarden Mark könne die Frage der Ankurbelung der Wirtschaft gelöst werden, wenn die Maßnahmen nur richtig angeseht würden. Das Papensche Programm habe nur die Auswirkung, daß die Banken liquid würden. Durch die Arbeitsprämien würden nur die Unter- nehmungen belohnt, die bisher schon rücksichtslos abgebaut hätten. Der nationale Papen subventioniere in Wirklichkeit die internationalen Danken. Di« Rationalsozialisten seien bereit, die Verantwortung zu übernehmen, aber sie gingen in keine Regierung, in der sie nicht die letzte Möglichkeit der Entscheidung hätten. Volles parlamentarisches Recht der Rationalsozialisten sei es, die Regierungsgewalt zu fordern. Warum sollte jetzt die Weimarer Verfassung, da sie günstig für die Rationalsozialisten sei, auf einmal nichts mehr taugen? Herr v. Papen habe mit seiner Regierungskunst vor dem 31. Juli der nationalen Rechten nur geschadet, die Linke aber gestützt und gefördert. Die Armee in die innerpolitische Regierungsgewalt einschalten zu wollen, sei ein gefährliches Unternehmen. Sie gehör« dem ganzen Volke als ein Kristallisationspunkt der kommenden Freiheit, und die Reichswehr hätte keine Daseinsberechtigung, wenn sie etwas anderes sein sollte als der Anfang der kommenden Volksarmee. Die Rationalsozialisten bekämpften Herrn von Papen, weil er einer Schicht angehöre, die an ihren eigenen Fehlern zugrundegegangen sei. und weil er als ein solcher Mann niemals Führer des deutschen Volkes sein könne. Oie GpO. im Wahlkampf. Berlin, 20.Sept. (TU.) In einer Wahlkundgebung der Berliner „Eisernen Front" sprach im Sportpalast der erste Vorsitzende der SPD., Otto Wels. Der Reichsregierung warf er vor, daß sie unbekstinmert um den Wortlaut und den Geist der Verfassung den Reichstag aufgelöst habe. Wels verbreitete sich dann über angebliche Abmachungen zwischen Nationalsozialisten und Zentrum. Nationalsozialisten »und das Zentrum, das von den Nationalsozialisten sonst als schwarze Pest bezeichnet worden sei, hätten sich für den Wahlkampf gegenseitige Schonung versprochen. Die Ereignisse, die die Auflösung des Reichstages veranlaßten, seien von Hitler gewollt herbeigeführt worden. Hitler habe das Zentrum beschworen, den Reichspräsidenten von Hindenburg durch Reichstagsbeschluß abzusetzen. Das Zentrum sollte die Sozialdemokratie veranlassen, diesen Kampf gegen Hindenburg mitzumachen. Die Sozialdemokratie habe sich aber für diese Rolle bedankt. §ür den Fall der Amtsenthebung Hindenburgs habe itler wieder als Reichspräsident kandidieren wollen. Hitler selbst habe am letzten Samstag in Besprechungen im Hause des Reichstagspräsidenten Göring erklärt, daß er mit einer Gegenkandidatur Brünings rechne und daß voraussichtlich dann Brüning im zweiten Wahlgang gewählt werden würde. In diesem Falle wollte Hitler durch die Abmachungen mit dem Zentrum Reichskanzler werden. Eine solche Unwahrhaftigkeit, wie sie hier hinter den Kulissen sich abgespielt habe, sei im politischen Leben Deutschlands noch niemals dagewesen. Gregor Straßer, so behauptete Wels weiter, habe in Uebereinstimmung mit anderen führenden Personen aus der Umgebung Hitlers am 9. September dem Reichswehrminister von Schleicher nach vorangegangenem telephonischen Anruf einen Besuch gemacht und Schleicher ersucht, Hitler die Unmöglichkeit der Kanzlerschaft klar zu machen. Straßer habe erklärt, Schleicher sei der einzige, der das Kanzleramt ausüben könne. Schleicher habe sich aber ablehnend verhalten und im Anschluß an diese Unterredung das bekannte Communique veröffentlichen lassen. Oie Reichsmitiel für Znstandsehungs Arbeiten. Berlin, 21. Sept. (WTB. Funkspruch.) Durch die Rotverordnung vom 4. September 1932 sind weitgehende Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung für das Baugewerbe, vor allem auch für das Handwerk, getroffen worden. Der Reichsarbeitsminister hat jetzt im Deutschen Reichsanzeiger die näheren Bestimmungen über die Vergebung der Mittel veröffentlicht. Die Kosten der Instandsehungsarbeiten müssen mindestens 25 0 Mark betragen. Der Z u - schuß beträgt ein Fünftel der Ko st en. Eine Rückzahlung wird nicht gefordert. Die Der Konflikt zwischen Reichskommissar und Landlag in Preußen. Oer Reichskanzler ist beim Reichspräsidenten vorstellig geworden. Berlin, 20.Sept. (TU.) Der Preußische Landltag hat bekanntlich vor einiger Zeit den kommunisti- «schcn Antrag angenommen, in dem es heißt, daß die preußischen Beamten nicht oer- pflichtet seien, den Anordnungen des Reichskommissars für Preußen Folge zu l e i st e n. Der Reichskanzler, der in der gestrigen Besprechung zwischen Hindenburg und K e r r l zugegen war, hat im Verlause der Besprechung die Erwartung ausgesprochen, daß es 'bei diesem B«schluß des Preußischen Landtages nicht verbleibe. Er hat, wie amtlich milgeteilt wird, den Landtagspräfidenlen darauf aufmerksam gemacht, daß sich die kommissarische preußische Regierung mit den Beschlüssen des Landtages nicht ab finden könne. Die Tatsache, daß eine Land- taasmehrheit einen Beschluß fassen konnte, der sämtlichen Staatsbeamten und Angestellten das Recht zusprechen will, die Anordnungen der vorgesetzten Dienststellen zu ignorieren, sei der schärfste Schlag, der der Staatsautorität je von einem Par- lament zugefügt wurde. Wenn der Landtagspräsident darauf hingewiesen habe, daß er selbst in dem «ntscheidenden Augenblick das Präsidium nicht führte, fo besagt das nichts gegen die Tatsache, daß d i e Nationalsozialisten und die Kommuni st e n sich zu der Mehrheit gegen die Staatsautorität zusammengefunden hätten, und daß man gar nicht absehen könne, welche Beschlüsse eine solche Mehrheit in bezug auf lebenswichtige Bestandteile des Staates noch zu fassen vermöge. Soweit «5 sich bei diesen Beschlüssen um die Bewilligung enormer Summen für irgendwelche Zwecke oder um das Verlangen der Aufhebung von Notverordnungen handele, habe die kommissarische Regierung zwar an ihrem Standpunkt festgehalten, daß sie an Beschlüsse dieses Landtags nicht gebunden sei. Wenn der Landtag aber auch noch indie a u s f ü h r e n « den Organe des Staates mit Beschlüssen einbringe, die den notwendigen reibungslosen Verlauf der Staatsverwaltung gefährdeten, bann habe er geradezu jede Daseinsberechtigung verwirkt. Der Reichskommissar, der bereits dem Herrn Reichspräsidenten Vortrag über diese Dinge gehalten hat, fasse den Beschluß des Landtags gegen die Gehorsamspflicht der Staatsbeamten und -angestellten sehr ernst auf. Es scheint, als ob das Verhalten des Landtags den Anlaß bieten könnte, die Frage der Derwaltungsreform rascher und wirksamer zu klären, als man bisher annehmen konnte. Reue Landtagsbeschlüffe. Berlin, 20. Sept. (DDZ.) Im Handels- a u s s ch u ß des Preußischen Landtages fand mit Unterstützung der Kommunisten «ine Reihe Nationalsozialist ischer Anträge Annahme. Danach sollen zur Förderung der Landeskultur und der ländlichen Siedlung für eine Reihe von Jahren Gesamtaufwendungen in Höhe von 2,1 Milliarden Mk. gemacht werden, zur Förderung des Eigenheimbaues, insbesondere für städtisch« Industriearbeiter sollen für das laufend« und das nächst« Jahr 500 Millionen, für Wege, Straßen und Kanäle 400 Millionen vorgesehen werden. Ferner soll die Reichsregierung ersucht werden, die Z i n - s e n weitgehend zu senken, die st a a t l i ch e n R e - giebetriebe abzubauen, 50Prozent der Hauszinssteuer zur Instandsetzung von Alt- wohnungen bereitzustellen und die Großwarenhäuser mit einer Sondersteuer zu belegen. Ein kommunistischer Antrag auf Preissenkung für alle Produkte der staat- lichen und kommunalen Betrieb« fand in einer vom Zentrum vorgeschlagenen Fassung Annahme, wonach bei Gas, Wasser, Elektrizität und Verkehr eine erhebliche Preissenkung erfolgen soll. Ferner fand gegen Deutschnationale, Zentrum' und Kommunisten der von den Sozialdemokraten unterstützte Antrag der Rationalsozialisten auf Verstaatlichung der Großbanken Annahme. Einstimmige Annahme fand ferner der nationalsozialistische Antrag, umfassende Maßnahmen zu ergreifen, die eine Bevorzugung des deutschen Holzes bedeuten und neue Wege zum Schutze der auf diesen Erwerbszweig ange- 'wiesenen deutschen Waldarbeiter Vorschlägen. Zur Erhaltung des Metallerzbergbaues soll auf die Reichsregierung eingewirkt werden, Düsseldorf, 20. Sept. (TU.) Auf dem Kongreß der christlichen Gewerkschaften sprach der Geschäftsführer des Gesamtverbandes, B a l t r u s ch , Berlin. Er erklärte u. a., die Krise sei in der Hauptsache auf die Kriegs- und Rachkriegsfolgen zurückzuführen. Der Unterverbrauch und die mangelhafte Organisation des Absatzes seien die grundlegenden Ursachen für die Gleichgewichtsstörung zwischen der Erzeugungsfähigkeit der Wirtschaft und der Kaufkraft breitester Massen. Die Wirtschaft könne nicht durch einseitige Zollpolitik und durch autarkische Bestrebungen groß- agrarischer Kreise gehoben werden. Die Gewerkschaften verwahrten sich aus arbeitsmarktpolitischen, devisenpolitischen und volklichen Gründen gegen Einfuhrbeschränkungen und Kontinge n.tierungs - Maßnahmen sowie gegen eine veraltete feudale Agrarwirtschaft, die die Existenz der Arbeiterschaft weiter einschnürt. Der Redner ging weiter auf das Arbeitsbeschaffungs Programm der Rcichsregierung, auf die Hebung der Ausfuhr, die richtige Einstellung der Erzeugung sowie auf die Erziehung der Verbraucher zum richtigen Verbrauch der Waren und auf die Rot- wendigkeit der Bevorzugung deutscher Erzeugnisse ein. Alle monopolistischen Unternehmungen müßten in erster Linie der Volksgesamtheit gemeinwirtschaftlich zugute kommen, die Genossenschaften der Arbeitnehmer gefördert und selbständig in den Rahmen einer vernünftigen Wirtschaftsplanung eingeordnet werden. Die Gewerkschaften hätten die planvoll« Betreuung des wichtigsten Erzeugungsfaktors, der menschlichen Arbeitskraft, durchzuführen. Die schweren Einrisse der Regierung Papen in das Lohn- und Tarifwesen seien geeignet, das reibungslose Funktionieren der Wirtschaft zu gefährden. Die Erringung und Erhaltung eines angemessenen Reallohnes und damit eine Stärkung der Kaufkraft sei eine der wesentlichsten Grundlagen für das Gedeihen der Wirtschaft. Eine Zusammenarbeit von Arbeitgebern und Arbeitnehmern sei eine wirtschaftliche Rotwendigkeit. Die Gründung eigener Unternehmungen, vor allem der Genossen- daß die Einführung ausländischer Erze kontin- aentiert und erforderlichenfalls auf ausländische Erze ein Zoll eingesührt wird, daß ferner notleidenden Unternehmungen für die Krisenzeit Subventionen zur Aufrechterhaltung ihrer Betriebe gewährt werden. Der Ausschuß sprach sich weiter auf Grund eines kommunistischen Antrages für Maßnahmen zu Gunsten Jugendlicher aus. Danach soll für Jugendliche unter 18 Jahren die Arbeitszeit auf sechs Stunden herabgesetzt werden bei vollem Lohnausgleich; in gesundheitsschädlichen Betrieben sollen Jugendlich« und Frauen nicht beschäftigt werden; Erwerbslosen - Jugendheime, in denen für Weiterbildung Sorge zu tragen ist, sollen in genügender Zahl eingerichtet werden. Lehrlinge sollen nach vollendeter Lehrzeit mindestens ein Jahr bei voller Bezahlung weiterbeschäftigt werden, sofern eine Beschäftigungsmöglichkeit besteht; Jugendlich« sollen bei vollem Lohn jährlich Urlaub erhalten. schäften, habe den Zweck, bei den Gewerkschaftsmitgliedern das Interesse für die Wirtschaft und ihre Bedeutung zu wecken. Die wirtschaftliche Stellung der Gewerkschaften sei in der Zeit der Wirtschaftskrise und der Präsidialregierung auf das schwerste gefährdet. Sie müßten mit allen Mitteln gegen alle Einflüsse verteidigt und im Sinne öffentlich-rechtlicher Berufsarbeit ausgebaut werden. In der Aussprache forderte K a l l s ch e i d t vom Christlichen Bergarbeiterverband unter lebhaftem Beifall die Verstaatlichung der freien Wirtschaft, vorerst der S ch Werin d u st r i e und des Bergbaues. Für die hohen Subventionen aus allgemeinen Steuermitteln fordere die Arbeiterschaft ein entsprechendes Rlit- bestimmungs- und Kontrollrecht. Körner, Köln, vom Landesverband Rheinland stimmte dem Plan auf Organisation der Elektrowirtschaft im Sinne einer starken Einflußnahme des Staates zu. Die Gewerkschaften verlangten eine sinnvolle staatliche und genossenschaftliche Beeinflussung der Wirtschaft sowie ein System sinnvoller Planwirtschaft. Reichstagsabgeordneter Fahrenbach (Zentr.) betonte, daß der Wirtschaftsplan der Reichsregierung von der Arbeiterschaft nicht in allen Teilen und unter allen Umständen abgelehnt werde; jedoch sehe er in die praktische Durchführung dieses Planes erhebliche Zweifel, da er rein spekulativer Ratur sei. Wenn die erhoffte Wirtschaftsbelebung nicht eintrete, dann werde der Plan zu einem Verhängnis für Staat und Wirtschaft. Der Vorsitzende des Landarbeiterverbandes, Behrens, forderte den Abbau der überspitzten landwirtschaftlichen Großbetriebe. Jede Beeinträchtigung der Kaufkraft führe zu einer Verschärfung der landwirtschaftlichen Absahkrise. Auch Behrens lehnte die Autarkie als für Deuchtsland unmöglich ab. Dagegen forderte er aus nationalen Gründen beschleunigte Durchführung des Regierungsprogramms. Der Kongreß der LhrWchen Gewerkschaften. Arbeiten dürfen erst nach dem 2 5. September 19 3 2 begonnen sein. Oer Reichskanzler spricht morgen im Rundfunk für die Winterhilfe. Berlin, 21. Sept. (ERB. Funkspruch. Eig. Meldung.) Reichskanzler von Papen wird morgen um 19 Uhr über alle deutschen Sender als Auftakt zur Winterhilfe eine Ansprache unter dem Thema „W i r wollen Helsen" halten. Oie Tagung des Büros der Abrüstungskonferenz. Genf, 21. Sept. (WTB. Funkspruch.) Präsident Henderson eröffnete die Tagung des Bureaus der Abrüstungskonferenz mit einer kurzen Ansprache, in der er erklärte, die Abrüstungskonferenz sei jetzt an ihrem kritischsten Punkte angelangt, es handele sich jetzt darum, ob man zu einer wirksamen und ernsthaften Herabsetzung der Rüstungen oder zu einem neuen Rüstungswettlauf gelange. Hauptaufgabe des Bureaus sei die Vorbereitung des zweiten Tagungsabschnittes der Konferenz, der, wie er bestimmt hoffe, eine Reihe konkreter Abrüstungsmaßnahmen zeitigen werd«. Die Red« Hendersons wurde von der Versammlung schweigend entgegengenommen. Sodann legte der Präsident das Schreiben des deutschen Außenministers und seine Antwort vor. Beide Schreiben wurden irnWvri- laut verlesen. Mit dem Vorschläge Hendersons, über die Mitteilung der deutschen Regierung vorläufig in kein« Diskussion einzutreten für den Fall, daß die deutsche Regierung den Wunsch habe, auf seinen Brief zu antworten, erklärte sich das Bureau einverstanden. Abschluß der M-Zahr-Feier des Gustav-Adols-Vereins. Leipzig, 20. Sept. (WTB.) Die Jahrhundertfeier des Gustav-Adolf- Vereins fand mit der zweiten öffentlichen Hauptversammlung in der Ri- colai-Kirche ihren eindrucksvollen Abschluß. Rach festlichem Orgelspiel und gemeinsamem Gesang „Lobe den Herrn" gab Geheimer Kirchenrat Prof. D. 5^. Rendtorff ein vom Reichspräsidenten eingegangenes Danktelegramm bekannt. Stark beachtet wurde der Jahresbericht des Generalsekretärs D. Geißler. Der Generalsekretär gab einen Rückblick auf die Hauptversammlungen des Vereins in den letzten 100 Jahren. Unter ihnen hätten sich besonders die Versammlungen in Po'en und Straßburg der Erinnerung eingeprägt. Das Besonder« der Lage in d«n abgetrennten Gebieten liege darin, daß wir es hier mit einer ausgesprochenen Zerstörungsabsicht zu tun hätten. Wir ständen hier vor den unheilvollen Auswirkungen des „8 t a a t s a be rg l a u b e n s", von dem das politische Leben Europas gegenwärtig beherrscht werde. Das Bestreben fast aller Staaten, ihre Untertanen zu einer Sprache und einer nationalen Gesinnung zu zwingen, richte allenthalben bis in die Seele unschuldiger Kinder hinein beklagenswertes Unheil an. Gegen „S t a a ts b r u t a l i t ä t" komme man mit Liebesgaben nicht an, und doch sei der Wert dieser Gabe deshalb nicht geringer. Die Betätigung des Gustav-Adolf-Dereins in katholischen Gegenden habe die von urteilsfähigen Leuten nie verkannte friedfertige Haltung des Gustav-Adolf-Vereins gegenüber der katholischen Kirche ans Licht gestellt. Die große Liebesgabe des Gustav-Adolf-Ver- eins wurde von der Versammlung mit überwältigender Mehrheit für die Heranbildung von kirchlichen Führern und Helfern bewilligt. Als Ort für die nächste Hauptversammlung wurde Königsberg bestimmt, während für 1934 München in Aussicht genommen wurde. Die Tagung fand mit gemeinsamem Gesang und Gebet ihr Ende. Abschluß derKonserenz vonStresa Strefa, 20. Sept. (TU.) Die Konferryz von Stresa ist am Dienstagnachmittag abgeschlossen worben, nachdem der Bericht bes Finanzausschuss e s am Vormittag in nichtöffentlicher Sitzung gebilligt worben war. Nach Kenntnisnahme bes Berichts legten bie Vertreter ber einzelnen Länber ihre Stellungnahme zu ben Vereinbarungen nochmals ausführlich bar. Minifterialbirektor P off e erklärte, baß Deutschland nach Kräften an bem Wieder^ aufbau Sübosteuropas mitarbeiten werbe, und baß es ja b irr d) den Abschluß von Vorzugszolloerträgen als eines der ersten Länber seine Hilfsbereitschaft kunbgetan habe. Unmöglich sei es für Deutschland, über die Gewährung von Vorzugszöllen hinaus noch finanzielle Verpflichtungen ober Garantien zu übernehmen. Dieser Erklärung schlossen sich bie Vertreter Oesterreichs unb ber Tschechoslowakei an. Der englische Vertreter stellte fest, daß Dor» zugszolloerträge mit Rücksicht auf die Dominien für England nicht in Frage kämen, und baß er auch keine Zusage für finanzielle Leistungen machen könne. Die übrigen Länder» Vertreter erklärten ihre grundsätzliche Zustimmung vorbehaltlich ber Stellungnahme ihrer Regierungen. In der. Schlußsitzung nahm u. a. Posse nochmals das Wort. Er stellte fest, es sei bas erstemal, baß auf einer Wirtschaftskonferenz über wirtschaftliche und finanzielle Hilfsmittel Einigkeit erzielt worden sei. — Bonnet schloß bie Tagung mit einem Dank für die italienische Gastfreundschaft und die Teilnehmer. ......* ■ '•'* Hindenburg fährt ins Manöver. WWr' ...^a 1 r ---— t & /v- ■■■ ■ Der Reichspräsident von Hindenburg bei der Abreise vom Berliner Bahnhof Friedrichstraße, von wo er sich nach Fürstenberg a. d. Oder begab, um von dort aus an den Herbstmanövern der Reichswehr teilzunehmen. Fürstenberg (Oder). 20. Sept. (TH.) 21m Dienstag nach 14 Mr traf Reichspräsident v. Hindenburg in Begleitung eines kleinen Stabes mit dem fahrplanmäßigen Zug in Fürsteru- berg ein. Der Reichspräsident in der Uniform des Generalseldmarschalls machte einen außerordentlich frischen Eindruck. Rach kurzer Begrüßung durch das Reichslvehrkommando. die Behörden und die vaterländischen Verbände, die einen großen Empfang vorbereitet hatten, begab sich der Reichspräsident im Auto unter dem Subei einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge zu den Truppen auf das Manövergelände. Er wird auch am morgigen Manövertag noch teilnehmen und in Fürstenberg übernachten. Der Hauptanziehungspunkt des Tages war nach dem begeisterten' Empfang Hindenburgs im festlich beflaggten Fürstenberg das Hebersehen LermotorisiertenRotenRufklärung südlich Fürstenbergs über die Oder. Während die Kavalleriemacht 5 bis 20 Kilometer östlich der Oder zusammengezogen ist. ist bis zum Abend fast die ganze motorisierte Aufklärung übergeseht, um westlich der Oder über den Fried- rich-Wilhelm-Kanal nach Rorden und Rordwesten vorzufühlen. Ferner hat am Abend unter dem Schutz ter vom Gegner noch nicht behelligten Motortruppen der erste Teil der Kavallerie hart nördlich Fürstenberg mit dem Heberwinten des Stromes begonnen. Snzwischen hat Blau bei Lebus eine Schiffsbrücke über die Oder geschlagen und schafft starke Kräfte auf das Westufer, die südlich Frankfurt die übergegangene Rote Aufklärung zurückdrücken sollen. Der Mittwoch wird also voraussichtlich scharfe Kämpfe beiderseits der Oder südlich Frankfurt bringen. Nach der Begrüßung auf dem Bahnhof Fürsten- berg und der Fahrt durch die festlich geschmückten Straßen der Stadt begab sich der Herr Reichspräsident im Kraftwagen nach Ziebingen, wo er sich von dem Führer der roten Partei Generalleutnant von Bock Vortrag halten ließ. Von Ziebingen ging die Fahrt in Richtung Frankfurt a. d. O. zu den hier eingesetzten Truppen. Kurz vor Frankfurt ließ sich der Reichspräsident von dem Leiter der Hebungen, dem Chef der Heeresleitung, G e - neral der Infanterie Frei Herrn von Hammer st ein, Vortrag halten. Ohne Frankfurt zu berühren, fuhr der Feldmarschall dann in die Gegend von Reppen, wo ihm Teile der Infanterieregimenter 9 und 8 begegneten, die er begrüßte. Von hier aus kehrte der Reichspräsident nacb Fürstenberg zurück, wo er die Nacht in feinem Salonwagen zubringt. Aus aller Welt. vier Iahre Gefängnis für den ehemaligen Landlagsabgeordnelen Schulz. Vor dem Sondergericht Waldenburg fand ba? Prozeß gegen den früheren kommunistischen Land» tagsabgeordneten Richard Schulz statt wegen grausamer Mißhandlung seines elfjährigen Sohnes Werne-r. Der Andrang des Publikums war schon lange vor Beginn der Verhandlung derart stark, daß schließlich Polizeikräfte eingreifen und die Menschenmassen aus dem Gerichtsgebäude entfernen muhten. Die Vernehmung des Angeklagten ergab, daß Schulz mehrfach vorbestraft ist. jedoch behauptete er, daß hier nur politische Vergehen Vorgelegen hätten. Hinsichtlich der Mißhandlungen an seinem Sohn Werner gab er zu. von feinem Züchtigungsrecht oftmals Gebrauch gemacht zu haben, weil der Junge ungehorsam gewesen sei. Habe er dabei die Grenzen des Züchtigungsrechtes überschritten, so sei dies aus „psychologischen Gründen" erfolgt. Schwere Mißhandlungen im Sinne der Anklage stritt Schulz entschieden ab. Er erklärte, daß sein Sohn Werner öfters hingefallen sei und sich dabei die Verletzungen zugezogen habe. Rach längerer Verhandlung beantragte der Staatsanwalt in den Rachmittagsstunden gegen Schulz wegen Vergehens gegen § 224 (Körperverletzung) eine Zuchthausstrafe von vier Jahren und fünf Jahren Ehrverlust. Das Sondergericht verurteilte Schulz wegen Körperverletzung in lebensgefährdender Weise und grausamer Art zu vier Jahren Gefängnis. Außerdem wurde die Einziehung der zur Mißhandlung benutzten Gegenstände vorgenommen. Das Urteil ist sofort rechtskräftig. Ein Brautpaar tödlich verunglückt. Sn Haarburg ° Wilhelmsburg ereignete sich ein schweres Verkehrsunglück, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen. Ein Harburger Brautpaar, das eine Radtour unternahm, wurde von einem Auto angefahren und von den Rädern gerissen. Bei dem Sturz erlitten die beiden jungen Leute schwere Schädeloerletzungen, denen sie bald darauf erlagen. Dreifacher Raubmord im polnischen Korridor. Sn Switz (Kreis Tuchel) im polnischen Korridor wurden in der vergangenen Rächt der 28jäh- rige Kleinbesitzer Kaminski, feine Ehefrau und sein Schwiegervater ermordet. Der Täter zündete darauf das Wohnhaus Kaminskis an, das vollständig niederbrannte. Die Leichen der Ermordeten lagen völlig verkohlt in den Schuttmassen. Es liegt wahrscheinlich Raubmord vor. da bekannt war, daß K. 1500 Zloty zur Abzahlung einer Hypothek aufbewahrte. vorn Reichsbund Deutscher Mieter. Der in München versammelte Gesamtvorstand des Reichsbundes Deutscher Mieter stellt in einer Entschließung fest, daß die vom Reichsbund seit langem geforderte weitere Senkung der Mieten für Räume in Alt- und Reubauten bis heute noch nicht erfolgt ist. Millio- ■ncn von Mietern könnten die Mieten nur noch mit Hufe der Fürsorgebehörden auf bringen; Hun- derttousenden drohe die Exmission. Trotzdem werde der Mieterschutz weiter abgebaut, statt verstärkt. Daher fordere der Reichsbund ein so- äialeä Miet- und Wohnrecht, ferner müsse der Kleinwohnungsbau durch Bereitstellung öffentlicher Mittel baldigst in Gang gebracht werden. Der durch die Enteignung der Hypothekengläu- biger entstandene Entschuldungsgewinn des Hausbesitzes müsse restlos für die Zwecke der Wohnungswirtschaft verwendet werden. Rachdem dem Hausbesih erneut 50 Millionen Mark aus Reichsmitteln zur Vornahme von Snstandsetzungs- und anderen baulichen Arbeiten zur Verfügung gestellt worden seien, müsse von der Reichsregierung die Schaffung eines gesetzlichen Zwanges zur Ausführung dieser Arbeiten durch die Hausbesitzer gefordert werden. Fallschirmabsprung aus 7300 Meter höhe. Die deutsche Fallschirmpilotin Frau Lola Schröter, Chemnitz, hat in Kiel den bisherigen Weltrekord im F a l l s ch i r m a b s pr i n - gen weit Überboten. Mit einem Wasserflugzeug ließ sich Frau Schröter in eine Höhe von 7300 Meter bringen und sprang dann westlich von Kiel ab. Die Fallzeit betrug 28 Minuten, die unter dem Fallschirm zurückgelegte Strecke 45 Kilometer. Die Landung erfolgte in Hohenberg, 22 Kilometer von Kiel entfernt. Frau Schröter hat damit den bisherigen Weltrekord der Rumänin Vrascu von 6000 Meter überboten. Der deutsche Fallschirmhöhenrekord wurde bisher von Georg Resch, Würzburg, mit 5100 Meter gehalten. Konkordat der methodistischen Kirchen. Sn Londons größter Konzert-Halle sand in An- •tt>efenf)eit von. 10000 Personen die Hnterzeichnung des Konkordats zwischen den drei m e '- thodtstischen Kirchen statt. Die Urkunde wurde von den Präsidenten der Weslyan-Methodi- sten, der primitiven Methodisten und der United- Methodisten sowie von dem ersten Präsidenten der nunmehr vereinigten Kirche vollzogen. Die treue unierte Kirche zählt in England Über eine Million 'sTeltan^er Un& e^roa 12 Millionen in der ganzen Flugzeugunglück in Italien. — Sieben Tote. Zwei Wasserkampfslugzeuge stießen, wie aus Rom gemeldet wird, bei Spezia in der Luft zusammen, als sie aufs Wasser niedergehen wollten. Sieben Personen wurden getötet. Wettervoraussage. Kaltluft hat fick weiterhin über das Festland aus- gebreitet und neben stärkerer Abkühlung beim Verdrängen der warmen Luft noch Niederschläge verursacht. Das Barometer steigt aber weiter an so daß sich das britische Hoch mehr südöstlich entfalten kann. Da^Vetter bleibt dabei vorerst noch kühl, wird sich aber Whiger gestalten, wenn auch beim Wechselspiel der Luftmassen vorübergehend noch leichte Stö- rungstätigkeit zustandekommt. Aussichten für Donnerstag: Noch kühl, wechselnd bewölkt und aufheiternd, meist trocken. Aussichten für Freitag: Weiterhin teils bewölkt und teils aufheiternb trocken. Lufttemperaturen am 20. September: mittags 15 Grad Celsius, abends 11,2 Grad; am 21. September: morgens 10,2 Grad. Maximum 16,5 Grad, Minimum 10 Grad — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 20. September, abends 16,8 Grad; am 21. September: morgens 13,6 Grad Celsius. — Niederschläge 5,8 mm. — Sonnenscheindauer 2)4 Stunden. Wieseck und die Straßenbahn- Erweiterung Seit einigen Tagen ist der Dau der Straßenbahn von der Marburger Straße bis zur Gießener Gemarkungsgrenze vor Wieseck im Gange. Damit wird nach langjährigen Bemühungen die Straßenbahn-Verbindung Gießen— Wieseck nun endlich geschaffen. Die neue Verkehrsverbindung zwischen den beiden Gemeinwesen wird zweifellos allseitig begrüßt werden, da sie geeignet ist, die Beziehungen der Bevölkerung von Wieseck und Gießen noch enger als bisher zu gestalten. So erfreulich die Straßenbahnerweiterung ist, so bedauerlich bleibt die Tatsache, daß sie nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge eigentlich nur eine halbe Maßnahme darstellt, da sie bis vor den Ort, aber nicht in den Ort selbst hinein gelegt wird. Als Behelfsmaßnahme für einige Zeit könnte die Wiesecker Bevölkerung mit dieser Lösung zufrieden sein, auf die Dauer wird jedoch eine Straßenbahnverbindüng zwischen Wieseck und Gießen für die Wiesecker Einwohnerschaft nur dann volle Bedeutung gewinnen, wenn durch das Stra- ßenbahnnetz der Verkehr im Orte selbst schon verschlossen wird. Aus dieser Betrachtung der Dinge heraus, die über die unmittelbare Gegenwart hinweg auf eine weitere Zukunft gerichtet ist, sollte man in Wieseck die gebotenen Schlußfolgerungen ziehen, die dahin gehen müßen, gelegentlich des jetzigen Erweiterungsbaues eine vollständige Lösung der Straßenbahnfrage herbeizuführen. Da die Bauarbeiten nun im Gange sind, wäre es doch zweckmäßig, sie gleich auf die Verlegung des Schienennetzes nach Wieseck hinein auszudehnen. Natürlich erfon bert eine derartige Ausdehnung des Baues erhöhte Geldmittel. Den gegenwärtigen Bauabschnitt hat die Stadt Gießen, dank kluger und weitsichtiger Vorbereitung des Erweiterungsbaues, finanziert. Wenn man in Wieseck im eigensten Interesse jetzt eine ganze Lösung schaffen wollte, wäre es wohl zweckmäßig, alsbald an die Stadt Gießen mit dem Ersuchen heranzutreten, in gemeinsamer Arbeit die endgültige Regelung der Straßenbahnverbindung herbeizuführen. Vielleicht wird es beim Zusammenwirken der beiden Gemeinden verhältnismäßig leicht sein, die Finanzierung des verlängerten Erweiterungsbaues zu ermöglichen. Vielleicht könnte die eine oder die andere Gemeinde das erforderliche Daukapital beschaffen, oder durch die Zusicherung einer gewissen Zins- garantie die Finanzierung erleichtern. Falls Wieseck zur Finanzierung selbst zu schwach wäre, könnte unter Umständen Gießen diese Aufgabe eher übernehmen, während die Gemeinde Wieseck lediglich eine Zinsgarantie zu leisten haben würde. Der Gemeinde Wieseck möchten wir, wie schon gesagt, den Rat geben, sich wegen der Erweiterung des Strahenbahnnetzes bis nach Wieseck hinein ungesäumt an d i e Stadt Gießen zu wenden, damit mit möglichster Beschleunigung ein Hebereinkommen geschaffen wird, das die Fortführung der ge genwärti gen A r- beiten b i6 in den Ortsbereich ermöglicht. Die Wiesecker Bevölkerung könnte dann schon mit Beginn des Winter die Straßenbahn- Verbindung nach Gießen aus dem Orte heraus benutzen und damit eine Annehmlichkeit des Verkehrs genießen, nach der sie jahrelang gestrebt hat und die besonders bei ungünstiger Witterung sehr zu schätzen ist. Aus her Provmzialhauptsiahl. G iehen, den 21.September 1932. Botanisches vom Apfel. Heber 1300 Apfelsorten verdanken wir dem Fleiß des Landmanns, der Kunst des Gärtners , und dem Eifer der Pomologen. Dabei wissen ' wir nicht einmal, von welcher Urform unsere köstlichen Aepfel eigentlich abstammen. Die landläufige Ansicht, unser Wild-, Holz- oder Korn- apfewaum mit seinen kugeligen, 2 bis 2,5 Zentimeter im Durchmesser großen, sehr sauer schmeckenden Scheinfrüchten sei der Stammvater unserer Kultursorten, wird von der botanischen Wissenschaft stark bezweifelt. So behauptet der Raturforscher Foke auf Grund eingehender erfolgreicher Kreuzungsversuche mit orientalischen Wildlingen, daß der im Kaukasus und im Altaigebirge verbreitete Apfelstrauch viel eher als Stammvater unserer prächtigen Tafeläpfel anzusehen und zu ehren sei. Wieder andere Forscher nennen den in den Parken und Anlagen häufig als Zierbaum gepflanzten Beeren- oder Kirschapfel den Altvater unserer Apfelkulturen. Auch ein in Rordchina beheimateter Wildapfel wird als Ursprung vieler Kultursorten genannt. Insgesamt streiten sich 12 Wildäpfel um die Krone, der Menschheit „die prächttge Frucht des Paradieses und der Venus" geschenkt zu haben. Fest steht nur: unsere Kultursorten sind Kreuzungsprodukte verschiedener Wildarten, wobei neben den schon genannten Wildlingen auch der Paradies- und der Splittapfel ihr Bestes dazu bei getragen haben. Wie der Ursprung, so verliert sich auch der Beginn der Apfelkultur in vorhistorischem Dunkel. Schon in den Pfahlbaudörfern des Bodensees fand man halbverkohlte Apfelreste. Die griechische Dichtung nennt in Homers Sliade den Apfel des Paris, der Anlaß zum trojanischen Krieg geworden sein soll. Von den Römern erzählt der Geschichtsschreiber, daß ihre Literatur bereits 24 Apfelsorten kannte, und der Römer mit dem Pfropfen und Veredeln der Apfelbäume wohlvertraut war. Große Verdienste um die Verbreitung und Verbesserung der Sorten erwarben sich im Mittelalter die italienischen, französischen und deutschen Mönche. Sn stetem Austausch wechselten sie in ihren Klostergärten Sorten und Edelreiser, um den für ihr Kloster, seine Bodenverhältnisse und sein Klima besten Apfel zu züchten. Tagung deutscher Mikrobiologen in Gießen. Heute morgen begann im Physiologischen Snsti- tut der hiesigen Landesuniversität eine Tagung der „Deutschen Vereinigung für Mikrobiologie", an der etwa 100 Wissenschaftler aus ganz Deutschland teilnahmen. Rachdem gestern ein Degrüßungs- abend im Studentenheim am Leihgestemer Weg stattgefunden hatte, begann heute morgen die Vollversammlung, der eine Ausschußfitzung vor- ausgegangen war. Sm Mittelpunkt der Tagung stand ein Vortrag von Geheimrat Kölle (Frankfurt), der über „Das Lebenswerk von Robert Koch" referierte. Geheimrat Kolle ist der älteste, noch im Amte befindliche Mitarbeiter Robert Kochs. Die Teilnehmer der Tagung werden außerdem noch verschiedene Vorträge anhören. Ein gemütliches Beisammensein im Flughafen und ein Ausflug nach Dad-Rauheim am morgigen Donnerstag sind ebenfalls vorgesehen. Heute. Mittwoch, 16 Hhr, findet im Hygienischen Institut die feierliche Einweihung einer ©affft) - Erinnerungstafel statt. Vornotizen. — Tageskalender für Mittwoch: Cafä Leib, 20 Uhr, Vortrag über „Was gibt es Neues beim Radio und Fernsehen?" — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: »Das Lied einer Rächt". — D ie Ob st Versteigerung der Stadt Gieße n findet am Freitag, 23. September, statt. Räheres ist aus der heutigen Bekanntmachung ersichtlich. — Die Lieferung der Düngemittel für die städtischen Wiesen soll vergeben werden. Räheres ist aus der heutigen Bekanntmachung ersichtlich. " D i e holländische Königin im Bahnhof Gießen. Am Montagmittag kam mit dem Eilzug, der 13.17 Uhr von Kassel der in G.ießen eintrifft, die hoUändische Königin ^/ideinnne in ihrem Sonderwagen auf dem Dahn- bof Gießen an. Rach kurzem fahrplanmäßigen Aufenthalt von sechs Minuten setzte sie im glei- I Z^n Zuge ihre Reise in Richtung Frankfurt fort. jni9tn ber Riederlande befand sich auf der Rückreise nach Holland, um dort das neu zusam- mengetretene Parlament zu eröffnen. ** Eine Vereinigung der Anwohner derBahnhosstraßegegründet. Im „Psäl- zer Hof" hat sich gestern abend eine Vereinigung der Anwohner der Bahnhofstraße, Marktstraßc und Neustadt gebildet, mit dem Zweck, den diesen Straßen entzogenen Verkehr wieder dorthin zu leiten. Besonders will sich der Verein dafür einsetzen, daß die Straßenbahn dort so bald wie möglich wieder fährt. Man will auch die Schaufensterdekoration besonders pflegen und durch abendliche Beleuchtung der Fenster für die Geschäfte werben. Man hofft, da sich viele gute Geschäfte in diesen Straßen befinden, daß Gießens Bevölkerung bei ihren Einkäufen auch diese etwas mehr als bisher berücksichtigt. Strafkammer Gießen. * Gießen, 20. Sept. Am 8. April 1931 hatte ein Geschäftsmann aus der Gegend von Ridda am dortigen Bahnhof mit seinem Auto Besuch abgeholt. Auf der Rückfahrt liefen ihm in feinem Dorf plötzlich zwei Kinder vor dem Auto von rechts nach links über die Straße. Ein Sunge wurde ton dem linken Vorderrad erfaßt, zu Boden geschleudert und überfahren. Der Tod trat alsbald ein. Das Schöffengericht hatte den Angeklagten wegen fahrlässiger Tötung zu einer erheblichen Geldstrafe verurteilt. Heute bestätigte die Strafkammer nach einer umfangreichen Beweisaufnahme dieses Urteil. Auch das Berufungsgericht war der Auffassung, daß der Angeklagte bei der engen, unübersichtlichen und abschüssigen Straße zu schnell gefahren sei, zumal ihm bekannt war, daß gerade dort Kinder spielten. Große Strafkammer Gießen. Gießen, 20. Sept. Die Berufungsoerhandlung gegen einen städtischen Beamten, der wegen Amtsunterschlagung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden war, mußte auf unbestimmte Zeit vertagt werden, da der Angeklagte nicht erschienen war. Die amtsärztliche Untersuchung ergab, daß er schwer krank und bis auf weiteres nicht verhandlungsfähig ist. Hinter verschloßenen Türen verhandelte das Gericht gegen einen Arbeiter aus Neu-Oberberg wegen Sittlichkeitsverbrechens. Wie sich aus der öffentlichen Urteilsverkündung ergab, hat er in roher Weise ein vierzehnjähriges Mädchen zu vergewaltigen versucht. Er wurde zu einem Jahr drei Monate Gefängnis verurteilt. Nach verbüßter Strafe wird er als lästiger Ausländer ausgewiesen werden. Freigesprochen wurde auf seine Berufung ein Kaufmann aus Friedberg, der vom Amtsgericht wegen Betrugs im wiederholten Rückfall (Zechprellerei) zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Die Hauptverhandlung ergab erhebliche Zweifel an seiner Schuld. Die Verhandlung gegen einen Gemeinderechner wegen Amtsunterschlagung mußte zur Vornahme' weiterer Ermittelungen auf" unbestimmte Zeit ausgesetzt werden. Die Behauptung des Angeklagten, er habe bereits ein Defizit in der Gemeindekasse oor- gefunden und dies nur durch Heberschreibung oen Geldern aus der Feldbereinigungskasse gedeckt, wird durch sachverständige Revision 'der Bücher nachgeprüft werden. pädagogische Freizeit in Gladenbach. Gladenbach, 19. Sept. In der Zeit vom 5. bis 13. Sepetmber fand im gastlichen Gladenbach (Kreis Biedenkopf) unter Leitung von Schulrat Tilgner eine Freizeit für dis Junglehrer und Iunglehrerinnen des Kreises Biedenkopf statt, in der den Teilnehmern in Form von Hnterrichtsbe- suchen mit nachfolgender Aussprache ein Bild aus der Hnterrichtspraxis verschiedener Landschulen oer- mitetlt wurde. Es wurden besucht die Schulen in Erdhausen, Endbach, Wommelshausen, Mornshausen a. F., Rüchenbach und Oberweidbach. In End- bach wurde dem Landheim der Klinger-Oberrealschule ein Besuch abgestattet. Im Zusammenhang mit der Freizeit fand am 9. September im Hotel Blankenstein in Gladenbach ein Elternabend statt. Musikalische Darbietungen umrahmten zwei Bor- träge über neuzeitliche Schularbeit und -erziehung in der Grundschule (Lehrer Röck, Gladenbach) und in der Oberstufe (Hauptlehrer Durchholz, Wei- denhausen). Am 10. September unternahmen die Teilnehmer eine geologische Wanderung in die Umgebung Gladenbachs. Kaffee Hag - Preis den Zeis fen angepaht. 31% billiger als 1930. Dabei Qualität unverändert: die beste. SO billig! Nowack Seltersw. 81 05419 Gießen (Hlllebranbstraße 1), den 20. September 1932 6 <95 A lllllllll!llllllllllllllllllll MIT GUTSCHEIN iiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiniii DIE PUTZFRAU das Beste, was es gibt Auch darin ist die Auswahl groß. 6592 A X Herbin-Stodin danken herzlichst für erwiesene Aufmerk' samkeiten anläßlich ihrer Vermählung Herbst- Neuheiten Eintrittskarten sind ab heute an der Kasse Nowackgegen eine Gebührvon 25H zu erhalten, die restlos dem Gießener Wohlfahrtsamt zur Unterstützung Gießener Bedürftiger zugeführt wird Da nur eine beschränkte Anzahl Karten zur Verfügung steht, bitten wir höflichst, sich dieselben rechtzeitig zu besorgen 2OTdbi.l.O5 10TabL 0.60, Wer sie nur einmal kennenlernt — VIM, die Putzfrau in der Dose — der will sie nicht mehr missenI Sie ist berühmt für schnelle und zuverlässige Arbeit... und wie schonend sie dabei mit allen Dingen umgehtl Blitzblank und sauber wird das Haus, Denn VIMtreibt allen Schmutz hinaus! Erwin Weber und Frau Grete, geb. 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Allgemeine Ortskrankenkasse Gießen-Land. liNOAuen^ PfllMA DONNA .STOMA' — mlf daf regulierbaren, reduzierende» Magenpatte z Gummi-Mäntel Atn 12.00 16.75 Ö3U und schon für Ü noch bessere Loden-Mäntel alle Farben u. Münchner Fabrikate 1975 ,7Jwunr’ schon für I W noch bessere Lack-Mäntel 1950 schon für I £ 15.50 20.75 Gabardine - Mäntel grau, beige, blau, reine Wolle und fl-ICfl 36.75 47.50 wasser- U f flü und abstoßend e» I hoch bessere Die neue Moderichtung verlangt schlanke Linie über Magen und Leib. In unerreichter Weise wird dies erzielt durch die geniale neue Erfindung der »Stoma«-Magenpatte Beachten Sie bitte unsere Auslagen! Geschw. Aron Korsetten-Haus Gleisen / Seltersweg Nr. 59 / Telephon Nr. 2566 6593 D Die h,a erfcofl Obstverfieigerung der Stadt Gießen. Freitag, den 23. September 1932, soll die diesjährige Obsternte öffentlich meistbietend versteigert werden, und zwar: vormittags 8% Uhr beginnend: von den Bäumen an den Kläranlagen, am Leihgesterner Weg. an der Licher Straße und vom Baumstück an der Licher Straße. Zusammenkunft: 8% Uhr an der Kläranlage: 9% Uhr am Leihgesterner Weg — Gummifabrik: 11 Uhr an der Licher Straße (Wirtschaft „Zur Stadt ßid;e). 6585C Gießen, den 19. September 1932. Bürgermeisterei Gießen. I. D-: Dr. Hamm. Oüngemiitettieferung. Die Lieferung des zum Düngen der städtischen Wiesen benötigten künstlichen Düngers, und zwar: 600 — sechshundert — Zentner Thomasmehl. 15—Ibprozentig 300 — dreihundert — Zentner Kali, etwa 18prozentig, ist zu vergeben. Die Lieferung hat bis zum 1. November 1932 zu erfolgen. 6584C Mit entsprechender Aufschrift versehene Angebote sind bis zum 1. Oktober 1932 beim Städtischen Bermessungsamt. Bergstraße 20, Zimmer 3, einzureichen. Es wird noch darauf hingewiesen, daß sämtliche Angeoote in leg/®/« einzureichen sind. Gießen, den 19. September 1932. Bürgermeisterei Gießen. 3 D-: Dr. Hamm. Obstversteigerung. Freitag, den 23. September 1932, wird das Gemeindeobst der Gemeinde Krofdorf- Gleiberg meistbietend versteigert. Zah- lungsbedingung für auswärtige Käufer gegen bar. 6608D Anfang vormittags 8 Uhr an der Hallestelle Krofdorf. Krofdorf, den 20. September 1932. ________Der Gemeindevorsteher.________ Bullenverkauf. Die Gemeinde Staufenberg verkauft auf dem Wege des schriftlichen Angebots einen Vogelsberger Bullen. Angebote per Zentner Lebendgewicht können bis zum Montag, dem 26. September 1932, nachmittag» 2 Uhr, auf hiesiger Bürgermeisterei eingereicht werden, woselbst auch die Verkaufsbedingungen ein- gesehen werden können. 6566V Staufenberg, den 18. September 1932. Hessische Bürgermeisterei Staufenberg. 3. 23.: Karber. am Montag, 26. Sept. und Dienstag, 27. Sept Arbeitsvergebung. Für den Neubau der Pestalozzischule sollen die Arbeiten zur Be- und Entwäsie- rungsanlage des westlichen Flügels offen!- lich vergeben werden. 6578V Derdingungstermin: Dienstag, 27. September 1932, vormittags 10 Uhr. Zeich- nungen und Angebotsunterlagen liegen ab Mittwoch, den 21. September 1932, bei uns offen. Gießen, den 20. September 1932. Städtisches Hochbauamt: Gravert. Kartoffettieseruug. Die Lieferung des Winterbedarfs an guten haltbaren, ausgelesenen, lagerfähigen Spcisekartoffeln für die Küchen der Universitäts-ttliniken Gießen von insgesamt 1500 Zentner ist zu vergeben. 6572V Angebote nebst Proben sind an die Verwaltung der Universitäts-Kliniken Gießen, woselbst auch die Lieferungsbedingungen eingesehen werden können, bis Mittwoch, den 28. September 1932, vormittags 11 Uhr, einzureichen. Die Lieferung kann geteilt vergeben werden. Zuschlagsfrist drei Tage. Gießen, den 19. September 1932. Oelhaut-Mäntel wiegen nur 175 Gramm schon für l 8 83.00 26.50 Ingenieurschule Strelitz »ecKL-ItreL staatlich anerttannt iKtMl, TlettM, Stahlbau, Elwebetoabae, Flugzeei-, ■aachlnen- u. Autobae, Elelrtre- a. Hettua»atecli«Ä. U mesterbeglao 0Kleber a. MriL IpilM^ulao. Praf». trat MKZ Bemiltiis Vornan von Hertha Fricke Llrheberrechlsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau 27. Fortletzung Nachdruck verboten „Vein, es ist furchtbar, was Eva-Marie durch ihren Aufenthalt im Hause meines Bruders erleben muh. Lassen Sie mich versuchen, es gutzumachen. Lind nun müssen wir an das nächste denken, denn wir brauchen auch Kräfte." Er klingelte -und lies) Kaffee und Imbiß bringen, schickte den Kellner an der Tür fort und ordnete selbst das Geschirr in dem kleinen Erker. Dann nötigte er Frau von Diemen zum Essen und bediente sie fürsorglich. Es war fast behaglich. Der Gedanke, Eva-Marie nicht mehr in jenen schrecklichen Mauern zu wissen, sie hier zu haben und für sie sorgen zu können, beruhigte beide. Frau von Diemen klagte ihm, daß sie jetzt keine Wohnung habe, um ihre Tochter zu sich nehmen zu können, und daß Groh-Kubitz in diesem Falle kein Aufenthalt für Eva-Marie wäre. Der große Haushalt dort sei geräuschvoll, und für eine zarte Rücksichtnahme weder ihr Bruder, noch seine Töchter geeignet. Cs würde Vorwürfe ohne Ende geben, da Eva-Marke sich den Wünschen des Onkels, einen reichen Gutsnachbar zu heiraten, direkt widersetzt hätte. „Bei ihrem letzten Aufenthalt?" fragte Dr. Andresen. Frau von Diehmen bejahte es, und er lächelte fein. „Ich glaube, liebe, gnädige Frau, unser Zusammensein ist nicht nur nötig, es rst auch unendlich reizvoll für mich. Wenn wir nur erst Las Schwerste hinter uns haben." „Ich glaube, das haben wir. Dadurch, daß sie bei uns ist." „Gute, kleine Mama", sagte der Doktor und küßte die schmale Hand. Dann setzte er sich telephonisch mit einer Privatklinik in Verbindung und setzte Lurch, daß Frau von Diemen einige Tage mit ausgenommen würde. Diese Rächt sollte Eva-Marie ruhig im Hotel bleiben. Rach einer Stunde regte sich die Kranke. Die Mutter und Andresen traten an ihr Bett. Sie versuchte sich aufzurichten, aber eine Schwäche in Len Gliedern lieh sie nicht dazu kommen. Sie sah um si<^ sah auf die Mutter und auf Heinrich und hob abwehrend die Hände. „Ihr müht fortgehen. Ihr müht schnell fort. Ich bin eine Diebin, — die Menschen zeigen mit Angern auf mich. Geht, geht schnell fort!" Sanft streichelten mütterliche Hände das wirre Haar aus chrer Stirn. „Rein, mein Kind, du bist keine D:ebin. Du bist meine liebe Tochter. Ich will bei dir bleiben, Eva-Marie." Da sah das Mädchen Heinrich Andresen an. In ihre sonst so klaren Augen kam ein irres Flimmern und Flackern. Er reichte ihr die Hand und rief nur liebevoll ihren Ramen: „Eva-Marie!" Wie in schmerzhafter Abwehr schloh sie die Augen. „Ich sage es nicht!" Er beugte sich zu ihr. „Heute sollst du gar nichts sagen, Kind, später. Heute sollst du nur schlafen und vorher etwas genießen." Er winkte Frau von Diemen, die Milch vom Teetisch herüberzureichen. Aber Eva-Marie preßte die Lippen zusammen. „Halt!" sagte jetzt der Arzt in bestimmtem Ton. „So geht es nicht weiter. Mache den Mund auf, Eva-Marie!" Da öffnete sie die Lippen und lieh sich von ihm teelöffelweise etwas einflöhen. Etwa eine halbe Tasse, mehr wurde es nicht. „Wenigst ms etwas", sagte der Arzt und setzte die Taste weg. „Es hat keinen Zweck, mit ihr zu sprechen. Wir wollen sie ganz in Ruhe lassen." Da wurden ihre Augen ganz groh und starr. Sie richtete sich plötzlich auf und sah in weite, grenzenlose Fernen, hinter denen etwas Schreckliches lauerte. „Heinrich!" rief sie angstvoll, aber sie erkannte ihn doch. „Glaubst du es auch, dah ich es getan habe? Glaubst du auch, ich hätte die sühe Renate vergiftet?" „Rein, mein liebes Mädel, das glaube ich nie und nimmermehr." Er sah sie so warm und herzlich an. „Du willst mich holen. Du glaubst es doch. Du willst mich wieder in das Gefängnis bringen!" „Ich denke nicht daran. Du bist frei, Kind. Beruhige dich. Du wirst dich gesund schlafen. Lind dann machen wir eine Reise!" „Tante Renate soll kommen", bettelte sie. „Ich muh es ihr sagen, dah ich ihn nicht finden konnte. Er war abgereist. Rach Southampton. Lind ich weih nicht, wann er wiederkommt." „Was ist das? Wen meint sie?" fragte ihre Mutter bange. „Sind das Verwirrungen?" „Gewih sind das Verwirrungen", antwortete leise der Arzt. „Aber wir wollen aufmerken. Vielleicht bringt das, was sie unbewußt sagt, ein wenig Licht in die Finsternis." „Wen meinst du, Liebes?" fragte er zärtlich. „Wer ist nach Southampton gereist?" Da wurden ihre Augen wieder so weit und unheimlich. „Ich sage es nicht, ich will es nicht sagen!" „Immer dasselbe", seufzte Heinrich Andresen verzweifelt. „Wir müssen sie in Ruhe lassen." Er trat zurück von ihrem Bett und besprach mit Frau von Diemen, was zunächst zu tun sei. Er sprach von Professor Martinik, dessen Assistent er werden wolle. Er wolle morgen sein Kapital flüssig zu machen suchen, um dort einzutreten. Sobald es möglich sei, wolle er die beiden Damen dorthin nachkommen lassen. Er verspreche sich viel von Martiniks Theorie, besonders in Eva-Maries Fall. Er wolle sich nur erst mit seinem künftigen Chef in Verbindung sehen. Es war Plan in allem, was er vorschlug, und die unselbständige und unpraktische kleine Exzellenz fügte sich ihm, wie einem Höherstehenden. Es wurde ihr fast schwer, als er sich verabschiedete, und er muhte versprechen, am Morgen wieder nach der Kranken zu sehen, was er ja ohnehin getan hätte. 19. Der Morgen war gekommen nach unruhiger Rächt. Aber Frau von Diemen hatte an ihres Kindes Bett gesessen und hatte sie mit sanften Worten beruhigt. Weiter konnte sie nichts tun. Als Heinrich Andresen kam, lag Eva-Marie wach, aber teilnahmslos in ihren Kissen. Das liebe Gesicht war bleich und schmerzverzogen. Es hatte einen fremden Ausdruck durch die senkrechte Falte auf der weißen Stirn. Willenlos sah sie vor sich hin. Richts von Lieberlegung war in ihr, und nichts mehr von Kampf gegen das grausame Schicksal. Wenn er sie streichelte, war es ein widerspruchsloses Dulden, aber keine Freudigkeit und keine noch so kleine Erwiderung seiner Güte. „Machen Sie sich bereit, gnädige Frau, um 1 Llhr kommt der Wagen." Da richtete sich die Kranke wieder angstvoll auf. „Der Wagen? Ich will nicht in den Wagen! Ich will nicht in den Saal mit den vielen Menschen. Ich, ich sage es nicht!" Er mußte eine Schwester mitbringen. Einen Wärter wagte er nicht, damit sie nicht wieder fürchte, es sei jemand von der Polizei. So trug er sie wieder selbst in Len Wagen und brachte sie auch in die Rervenklinik draußen in einem kleinen, freundlichen Vorort von Berlin. Er mußte wieder in seinen Beruf. Was sollte er hier mit seiner schweren, trauernden Liebe, wenn er sie nicht erlösen konnte von ihrer Seelennot. Roch einmal umfaßte er mit traurigen Blicken ihre zusammengesunkene Gestalt. Cs war ja schon so mancher Menschengeist daran zugrunde gegangen, dah er geglaubt hatte, seine Ehre sei für immer dahin. Sie sah ihm nach mit einem kleinen, klagenden Schrei. Dann schloh sich die Tür hinter ihm. Zunächst mußte er noch zu seinem Bruder. Kühl und gemessen, wie zwei Fremde, verhandelten sie über die Auszahlung von Heinrichs Vermögen. Mittels Bankscheck wurde alles einfach erledigt. Der Bruder wünschte ihm Glück zu seiner Beteiligung. Er hatte von dem guten Ruf jener Privat-Rervenklinik gehört. Er fragte, ob der Bruder noch einer weiteren Summe bedürfe. Heinrich dankte. Die Hausdame kredenzte eine Tasse Kaffee. Er lieh sie stehen und ordnete nur seine Papiere. „Hast du sonst noch einen Wunsch?" fragte der Bruder. „Ich mochte Gerti noch einmal besuchen", sagte der Doktor. „Das steht dir gern frei. Das Mädel wird sich freuen", antwortete Karl. „Heute nachmittag?" fragte Heinrich. „Mehr Zeit habe ich nicht." „Ich werde dich telephonisch bei der Pensionsvorsteherin melden. Ich las eine Zeitungsnottz. dah Fräulein von Diemen geisteskrank geworden sei. Weiht du davon?" fragte der Bruder verlegen. „Sie sind ja Psychiater, Herr Doktor", setzte die Hausdame mit schmeichelnder Stimme hinzu. „Es würde mich sehr interessieren, was Sie darüber denken. Bei strafbaren Handlungen wird Geisteskrankheit oft als letztes Mittel angewandt, der Strafe zu entgehen." Heinrich Andresen quoll der Zorn empor und drohte ihn zu ersticken. Sein Bruder verlieh eben das Zimmer, um ein Formular zu holen. Die Hausdame aber weidete sich an Dr. Andresens Zorn und Qual. Die Rache war ihr süh. „Herr Doktor, ich fragte etwas', sagte sie in dem gleichen, katzenfreundlichen Ton. „Eine Antwort habe ich doch wohl verdient!" Heinrich Andresen trat so dicht vor sie hin, dah sie unwillkürlich einen Schritt zurückwich. „Eine Antwort haben Sie verdient, aber mir fehlt momentan die Reitpeitsche!" Elisabeth Guntermann verschwand lautlos. Karl kam zurück. „Mir tut Fräulein von Diemen aufrichtig leid", sagte er. ,sDenn ich irgend etwas für das verirrte Mädchen tun kann ..." „Behalte dein Geld", antwortete Heinrich kalt. „Aber wenn du für dich und dein Kind was tun willst, entferne die Bestie aus deinem Haus!" (Fortsetzung folgt.) Denken Sie an Stoffe/ denken Sie an L Bernard unter F. M. 455 (6604V) an den Gieß. Anzeiger ;4v 6611 D Todesanzeige. Nach kurzem schweren Leiden verstarb heute früh sanft mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel Herr Heinrich Enders Tapeziermeister im 66. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenem Frau Julie Enders Familie Karl Enders Familie Karl Luh Heinrich Enders. Gießen (Kaplansgasse 12), den 20. September 1932. Die Beerdigung findet Freitag, den 23. September, nachm. 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Herborn Gießen sucht 6603 V 6517 V genommen.) Frau Johanna Ruckstuhl Wwe Gießen, den 21. September 1932. 65'9 v 6587 D F. G. F. G. F. F. Brandmasse 3, Vorn. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden unserer lieben Entschlafenen 1 1 1 sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Leistungsfähige Glasmanufaktur vollst. Betten SekretÄr Küche Spiegelschr. Waschkommode m.Marrn. Tische Schreibtisch Sopha usw. billig 05429 Im Namen aller Hinterbliebenen: Heinrich Ruckstuhl. 3 1 1 i 1 Meister Beiße ganz hervorragend tm Ton, sehr vreis- roert zu verkaufen. Desweiteren ein gut erhalten, gebraucht. Piano zu verkaufen, oswo Musikhans E. Zollinger. Gießen,Sonaenatr.31. Sicherer Verdienst Größte norddeutsche Seifenfirma sucht für den Vertrieb ihrer erstklassigen Waschmittel usw. an ihre nachgewiesene Privatkundschaft Verteiler bzw. 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Feuerwehren Münch. Wenzel. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hin scheiden unserer lieben Entschlafenen sagen wir allen auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Insbesondere danken wir Herrn Pfarrer Keusch für die trostreichen Worte am Grabe sowie dem Kirchengesangverein für den erhebenden Grabgesang und allen denen, die ihr durch Kranz- und Blumenspen- den die letzte Ehre erwiesen haben. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Ludwig Leun Wwe.,Karl Martini III. Leihgestern, den 21. September 1932. gut eingefnhrten, rührig. Vertreter aus der Branche. Angebote unter F. K. 483 durch Rudolf Masse, Gießen. MMsleike -(direkt an Private). Massiv Silber 800 gest. ob. 100 Gr. Feinsilber-Auflage, vornehme Muster (Künstlerentwürfe) z. B. 72 teil. Garnitur nur 00 RM. Beau. Monatsraten. 30 Ihr. schriftl. Gar. Berl. Sie kostenlos Katalog. OiQatö Miet, Solingen 16 §äbr. feiner Tafelbestecke ungen z. Lieferung f. Weih- nachten werden schon jetzt entgegen- Für Gießen u. 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