Ur. 169 Erstes Blatt 182. Jahrgang Donnerstag, 21. Juli 1952 (Er|d)eint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsorechanschlüffe unter Sammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach» richtens Anzeiger Siehrn. poftschecktonto: Frankfurt am Main 11686. Siebener 2ln jtiger General-Anzeiger für Oberhessen vrilS vnd Verlag: vrühl'sche Univer^iäts-Vuch. und Stemöniderei K Lange in Sieben. Schriftieitung und Geschäftsstelle: Zchufttraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhr für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Ne» Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspsennig, Platzvorschrift 20° , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich.in Gießen. Das neue Regime in Preußen. Dr. Brachi übernimmt die Geschäfte des Innenministeriums. — Heute erste Kabinettssitzung unter Popen. „Slaalsrninisterium" führt, das Innen- und das Finanzministerium. Die beiden ersten 2km- ter sind durch Herrn von Papen und Dr. Bracht beseht. 3n unterrichteten streifen gilt es als sicher, daß der Staatssekretär im Finanzministerium Schien- jener die Leitung dieses Ministeriums übernehmen wird. Ferner rechnet man damit, daß Staatssekretär Hölscher das Justizministerium, Staatssekretär Professor Scheidt das Wohlsahrlsministe- rium und Staatssekretär Dr. L a m m e r s das Ministerium für Wissenschaft, stunst und Volksbildung übernehmen werden. Dr. Bracht Hal neben der Lei- Was wird weiter? Bon unserer Berliner Redaktion. Berlin, 21. Juli. Die Entwicklung tim Reich und in Preußen kann selbstverständlich in absehbarer Zeit nicht rückgängig gemacht werden, soll nicht eine Krise von unvorstellbarem Ausmaß die Grundlagen des ganzen Reiches erschüttern. Selbst demokratische Zeitungen wie der „Berliner Börsencourier" bemerken zu der Entwicklung in Preußen wörtlich.- „Das Positive der jetzt ergriffenen Maßnahmen ist jedenfalls, daß nun endlich mit eiserner Hand die Ordnung wieder hergestellt wird, so daß die überwältigende Mehrheit der um Ruhe und Sicherheit besorgten deutschen Bevölkerung wieder aufatmen kann." Dennoch gehen die Pläne der Reichsregierung zweifellos weiter, als zu einer Stabilisierung der äußeren Ordnung. In der Wahl des Essener Oberbürgermeisters Bracht, der als maßvoller Politiker der Mitte bekannt ist, und bisher immer dem Zentrum, besonders dem Reichskanzler a. D. Brüning naheftand, geht hervor, daß die Regierung Papen ihre innerpoiitischen Reformmaß' nahmen, die sie wahrscheinlich noch vor dem Wahltag bekannt geben wird, nur mit Unterstützung der besonnenen und gemäßigt konservativen Kräfte der rechten Mitte durchzuführen beabsichtigt. Es wird alles davon abhängen, ob es gelingt, nennenswerte Teile des Zentrums für diese Politik zu gewinnen. Man wird nicht fehlgehen in der Annahme, daß die künftigen Bemühungen der Regierung darauf gerichtet sind, das Zentrum besonders in Preußen zu einer positiven Mitarbeit heranzuziehen. Berlin ruhig und etwas bewölkt Spaziergang unter dem Ausnahmezustand. lung des Innenministeriums auchdieGefchäfte des Staatssekretärs im Staalsrninisteriurn übernommen, nach dem der bisherige Staatssekretär Dr. w e i h m a n n um seine Pensionierung ein- gekommen ist. Schließlich ist noch zu betonen, daß unterrichtete streise mit einer sehr baldigen Aushebung des Ausnahmezustandes in Berlin und Brandenburg rechnen, und zwar vielleicht schon für morgen. 2Han verspricht sich davon einen günstigen Einfluß auf die Oessentlichkeit in der Richtung einer weiteren Entfpannung und Beruhigung. Die abgesehte preußische Regierung hat den Staatsgerichtshof angerufen. Die Reichsregierung steht auf dem Standpunkt, daß der Staatsgerichtshof lediglich die juristische Berechtigung zum Borgehen gegenüber Preußen zu untersuchen hat. Der Staatsgerichtshof selbst hat in mehreren Urteilsbegründung^ der letzten Jahre seine Befugnisse dahingehend begrenzt, daß er es ausdrücklich a b l e h n t e, eine politische Instanz über der Reichsregierung und dem Reichspräsidenten zu bilden. Wie im Jahre 1923, so hat sich auch jetzt nach Auffassung per Regierung die Tätigkeit des Staatsgerichtshofes darauf zu beschränken, festzustellen, ob vor Einsetzung des preußischen Reichskommissars eine Nachprüfung des von der Perfassung geforderten Rotstandes stattgesunden hat. Eine ausschiebbare Wirkung hat die Klage der ihres Amtes enthobenen Preuhen- regierung nicht. An einen aktiven Widerstand der Sozialdemokratie, der Gewerkschaften oder des Reichsbanners ist nicht zu denken. Heute findet in Berlin eine Tagung des Zentralvorstandes des ADGB. gemeinsam mit der Führung des sozialdemokratischen Parteivorstandes statt. Es ist nicht anzu- nehmen, daß hier der radikale Flügel, der mit dem Gedanken des Generalstreiks spielt, sich durchsetzen wird. Der Generalstreik ist in einer Zeit, in der sechs Millionen Erwerbslose auf der Straße liegen, und die Gewerkschaftskassen leer sind, keine Waffe mehr, die, wie im Kapp- Putsch 1920, eine Regierung lahmlegen könnte. ♦ ♦ ♦ Dinge, frappierte. Die Passanten:, von einem geschäftlichen Gang durch diese Straße geführt, drehten sich kaum nach den Toren um, hinter denen ein Stück Geschichte vor sich ging. Bor diesen Toren standen breitbeinig und schützend einige Polizisten, neben ihnen Männer in Zivil — ob es wohl Beamte waren? Vielleicht bildet man sich das ein, aber es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß gerade Polizeibeamte in Zivil womöglich militärischer aussehen als in Uniform. Aber die Herkunft dieser Männer, wie gesagt, war höchst unklar. Vor einem jener üppigen Häuser, es mag irgendein Ministerium gewesen sein, stand der Portier, mit prunkvoller Mütze, offenem Rock und schaute besorgt in die Gegend. Hätte man ihn vielleicht anzusprechen gewagt, dann würde man so einiges erfahren haben, einiges von Gewöhnung an die alten Herren, die jetzt durch die Vorkommnisse einen plötzlichen Sprung bekommen hatte. Nach einiger Zeit, nachdem der Portier schon eine geraume Weile so dagestanden hatte, unbeweglich, mit tiefen Falten auf der Stirn, gesellte sich ihm ein Polizist bei. Er hatte ihm wohl irgendeine Frage gestellt, denn der Portier hob auf einmal die Arme beteuernd zum Himmel schüttelte nachdrücklich den Kopf und ließ die Arme hoffnungslos und resigniert sinken. Gegen Abend verstärkte sich das Polizeiaufgebot auf der Straße. Immer wieder mußten kleine Gruppen von Menschen, die vor einer Zeitungsfiliale, an einer Litfaßsäule oder an einer Straßenecke debattierten, auseinandergejagt werden. Doch bald senkte sich friedlicher Schlummer auch über die unruhigsten Teile dieser Stadt Berlin, in der die Ausnahme sozusagen zum Zustand geworden ... Ausnahmezustand. Die Reichsregierung hat durchgegriffen. Reichshauptstadt und die Provinz Brandenburg finb unter militärischen Ausnahmezustand gestellt. Die vollziehende Gewalt ist in die Hände des Wehr- kreiskornmandantev übergegangen. Der Reichskanzler ist Reichskommissar für Preußen, Dr. Bracht sein Stellvertreter und Minister des Innern: aber die preußischen Regierungsstellen leisteten passive Resistenz. Cs ist selbstverständlich, daß sich zunächst die gesamte Rote Front in Preu- ßen zusammengefunden hat, um ihre Stellungen zu verteidigen. Es ist selbstverständlich, daß allein schon in Rücksicht auf den Grundsatz, „Reichsrecht bricht Landrecht" eine solche Haltung nicht geduldet werden darf. Aber gerade unter diesen Umständen ist es doppelt notwendig, s a ch l i ch zu urteilen und nicht politische Leidenschaft an die Stelle vernünftiger Ueberlegung treten zu lassen. Die Reichsregierung erhebt gegen die geschäftsführende Preußenregierung den schweren Dor- wurs, daß sie ihr Amt mit «inseitiger Begünstigung der radikalen Linken geführt hat. Jeder, der die Entwicklung der Dinge mit offenem Blick verfolgt hat, hat die Richtigkeit dieses Borwurfs mit eigenen Augen erkennen müssen. Cs war d i e höch ste Zeit, daßdurchgegrissen wurde. Die Sabotage der Reichsgewalt durch die Preußen- regierung war auf die Dauer unmöglich. Das Vorgehen der Reichsregierung enthält e i n erhebliches Risiko. Gelingt ihr das Unternehmen, dann beweist sie die Richtigkeit ihrer Politik. Kommt es zu schwereren Erschütterungen, dann widerlegt sie sich selbst. Der Reichskanzler wird sich darüber klar sein, daß er in ein Wespenne st gegriffen hat, er wird auch Stiche nicht scheuen und sich dadurch nicht abschrecken lassen. Behält er bie Nerven, dann wird er zweifelsohne den Beifall der ordnungsliebenden Staatsbürger erringen. Ereignisse, wie sie sich in Berlin, in Altona, in Skral- sund abgespielt haben, sind auf die Dauer nicht erträglich.'Es ist aber nicht zu verkennen, daß gerade hinter diesen Ereignissen eine umfassende Organisation steht, die schwerer zu bekämpfen sein wird als viele glauben. Wenn man die blutrünstigen Plakate der Kommunisten und der antifaschistischen Front liest, die allenthalben in den Großstädten an den Litfaßsäulen kleben, so spricht daraus fraglos? b i e Bereitschaft zum Bürgerkrieg. Gerade aber dieser muß verhindert werden. Di« Absetzung der preußischen Regierung stellt in besonderer Weise eine politische Belastungsprobe für das Verantwortungsgefühl des Zentrums dar. Das Zentrum hat sich an der Entwicklung der Dinge im gewissen Sinne mitschuldig gemacht, um seine innenpolitische Macht zu vergrößern. Wenn es heute' die moralische Kraft aufbringt, wieder an die Seite der Ordnung zu treten, dann wäre das schon em erheblicher Gewinn. Aber wir fürchten, daß em solcher Entschluß mindestens solange aus sich warten laßt, bis die wirkliche Entscheidung über das Vorgehen der Reichsregierung gefallen ist. Im letzten Grunde wird es aber auf die Staatsbürger selbst ankommen ob das Experiment der Reichsregierung einen guten Aus- gang nimmt oder nicht. Wenn man der Meinung ist. daß die preußischen Zustande nicht mehr erträglich waren, dann ist es sch^eßlich gleichgültig, ob dem Buchstaben des Gesetzes Genüge geleistet wird, solange d e r Geist eine Verfassung unangetastet bleibt. Je eher eine vernünftige Beurteilung der Lage Platz greift, um so eher werden sich auch die Grundrechte der Verfassung, werden sich die bürgerlichen Freiheiten wieder in Kraft sehen lassen. Die Reichsregierung hat, das wird ihr jeder zugestehen, ein ungewöhnliches Blaß an politischem Mut bewiesen. Ob sie in Zukunft Dank verdient, hängt nicht allein von ihr ad. Cs steht sehr viel auf dem Spiel. Immerhin ist es besser, eine bedenkliche Lage als em Chaos zu riskieren, das langsam und allmählich entstand. Im letzten Grunde ist mit der Neuordnung in Preußen nichts weiter als der Vorkriegszustand wieder hergestellt worden: Damals war der deutsche Reichskanzler preußischer Ministerpräsident. Und gelingt das Vorgehen, dann würde sich nur erweisen, daß die Verfassung Bismarcks besser war als die von Weimar. Vervollständigung des Kabinetts. B e r l i n. 21. Juli. (WTB. Funkspruch.) Der kommissarische preußische Minister des Innern. Dr. B r a ch t, hat heute dieAmtsgeschäfleüber- n o m m e n. Er hat den Staatssekretär Dr. A b e g g mit sofortiger Wirkung seiner Dienstgefchäfte enthoben und beurlaubt. Die P r e f s e st e l l e des preußischen Ministeriums des Innern stellt bis auf weiteres ihre Tätigkeit ein. Der Leiter Ministerialrat Dr. h i r s ch f e l b ist beurlaubt und von feinen Dienstgeschäften entbunden, heute mittag sand die erste preußische Sabinettssihung unter Leitung des Reichskanzlers von Papen statt. Dabei dürste es sich im wesentlichen darum gehandelt haben, das Kabinett zuoeroollständigcn. Die drei wichtigsten Ministerien sind naturgemäß das Miniskerpräsidium. das in Preußen den Namen Don unserer Berliner Redaktion 20. Juli 1932 — viele unserer Zeitgenossen werden sich Wohl lange an diesen Tag zurückerin- nem. „Noch wochenlang", wie der Komiker Pallenberg einmal bezüglich seiner Kriegserinnerungen gesagt hat. Cs geschah um die Mittagsstunde. Die meisten von uns waren gerade von Tisch auf- gestanden, um sich an die Fortsetzung ihrer Arbeit zu begeben. Plötzlich, kaum waren sie auf die Straße getreten, überschwemmte eine Welle von Extraausgaben die Stra- h e n. Lange Titel, Riesenlettern — es gemahnte ein wenig an den August 1914. Man riß sich die Zeitungen aus der Hand. Haben Sie schon gesehen? Was ist das? Was? Es konnte geschehen, daß mehrere einander gänzlich fremde Herren sich plötzlich zu einem erregten Grüppchen zusammenballten, sich die Zeitung aus der Hand nahmen, erregt mit dem Zeigesinger auf dem Papier herumstocherten, oder beschwichtigend die Hand dem anderen auf die Schulter legten. Vielleicht waren es zwei Minuten vorher noch politische Gegner gewesen — jetzt einte sie der Funke des Geschehens, der gleichermaßen auf sie alle übersprang. Dis dann gewichtigen Schrittes eine Schupostreife erschien und die Herrschaften zum Weitergehen aufforderte... Das Regierungsviertel, die Wilhelm- stratze, sonst in vornehmes Schweigen gehüllt, schien sonderbar und unterirdisch belebt. Nicht etwa, daß große Menschenansammlungen vor den Toren der Ministerien oder der Palais des Reichskanzlers und des Reichspräsidenten zu finden gewesen wären. Gerade die Ruhe, der verhältnismäßig normale Ablauf aller Eine Entgegnung der bisherigen preußischen Negierung auf die Kanzlerrede Berlin, 21. Juli. (END.) Die bisherige preußische Staatsregierung veröffentlicht eine Erklärung zu der Rundfunkrede des Reichskanzlers, in der es heißt: , , ~ Reichskanzler v. Papen hat zwei Tatsachen als Beweis für sein Vorgehen gegen Preußen angeführt Ein nicht genannter hoher preußischer Funktionär soll Kommunisten Ratschläge gegeben haben wie sie ihre Terrorakte verschleiern könnten und ein preußischer Polizeipräsident habe geäußert, man solle die Kreise der Kommunisten nicht stören. Diese angeblichen Tatsachen sind durch nichts bewiesen. Die Regierung des Reiches hat sie auch bisherderpreußi- schen Regierung nicht mitgeteilt. Eine solche Mitteilung wäre wohl das mindeste gewesen, wozu die Reichsregierung verpflichtet gewesen wäre, bevor sie auch nur den mindesten Eingriff in die preußische Staatshoheit, geschweige denn die nach der Reichsverfassung überhaupt unzulässige Absetzung von Staatsministern verfügte. Unrichtig ist ferner die Behauptung des Reichskanzlers, daß die preußischen Minister es abgelehnt hätten, mit ihm zusammen zu arbeiten. Oie haben nur abgelehnt, der Einladung einer nicht zur preußischen Regierung gehörenden Persönlichkeit zu einer Sitzung der preußischen Staatsregierung Folge zu leisten, weil sie nach der preußischen Verfassung dem Reichskanzler oder Reichskommissar nicht das Recht einraumen können, eine preußische Staatsministe- rialsihung anzuberaumen und zu leiten. Diese Argumentation der bisherigen preußischen Minister wird in politischen Kreisen, die der Reichsregierung nahestehen, als f c I) I - gehend bezeichnet. Angesichts der Tatsache, daß sie zu der von dem Reichskanzler einberufenen Sitzung nicht erschienen waren, habe mit Recht der Schluß gezogen werden können, daß sie jede Zusammenarbeit mit dem Reichskommissar ablehnten. Was die vom Kanzler gemachten Mitteilungen über Aeußerungen hoher preußischer Beamter über das Verhältnis zu den Kommunisten anlangt, so sei sicher, daß solche Bemerkungen des Kanzlers nicht erfolgt wären, wenn nicht schlüssige Beweise dafür vorlägen. Am Samstag Verhandlung vor dem Staatsgerichtshof. Leipzig, 21. Juli. (WTB. Funkspruch.) Dom Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich ist Bcr- handlungstermin über den Antrag des bisherigen preußischen Staatsmini st e- r i u m s auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung auf Samstagvormittag 10 Uhr anberaumt worden. Den Vorsitz wird in Vertretung des beurlaubten Reichsgerichtspräfidenten Dr. Bumke Senatspräsident 0 e g g führen. Strafanzeige gegen Grzesinski, Weiß und HeymannSberg. Berlin, 21.Juli. (ENB. Funkspruch.) Militär- befehlshaber Generalleutnant von Rundstedt hat in der Mittagsstunde beim Generalstaatsanwalt beim Landgericht I gegen Wrzesinski, Weiß und Heymannsbcrg auf Grund des § 3 der Verordnung des Reichspräsidenten vom 20. Juli über den militärischen Ausnahmezustand in Berlin und Brandenburg Strafanzeige erstattet. Generalleutnant von Rundstedt Hal als Militärbefehlshaber bestem den drei Beschuldigten nach der Amtsent- i'cgung den Befehl gegeben, sich jeder Amtshandlung zu enthalten. Die Beschuldigten haben aber bis zu ihrer Entser- nung ausdem Dien st weiter i h r e A m t s- ge schäfte ausgeübt, obwohl sie die Zuständigkeit des militärischen Bevollmächtigten anerkannt hatten. Oie NSDAP, zur neuen Lage. Die Nationalsozialistische Korrespondenz schreibt zu den Vorgängen in Preußen u. a., die Reichsregierung habe in Preußen d i e einzige Konsequenz gezogen, die für sie als oberste Aufsichtsbehörde zur Wiederherstellung von Ordnung und Sicherheit überhaupt noch in Frage gekommen sei. Um das Ucbel an der Wurzel zu fassen, hätte mit der sofortigen Amtsentbindung des verantwortlichen sozialdemokratischen Polizei- Ministers Severing begonnen werden müssen. Die damaligen Warnungen der Nationalsozialisten seien heute gerechtfertigt. Ein Rattenschwanz von Strafprozessen werde hoffentlich bald den Schleier von Dingen wegziehen, die unter Severings Duldung, ja auf seine Veranlassung geschehen seien, und die für einen Rechtsstaat als beispiellos daständen. ZehnZahreZuchihaus für den Anführer eines kommunistischen Feuerüberfalls. Dortmund, 21. Juli. (WTB. Funkspruch.) Wegen des Feuerüberfalls auf Nationalsozialisten am 20. Februar, bei dem ein Nationalsozialist durch'einen Brustschuß getötet wurde, wurden elf Kommunisten vom Dortmunder Schwurgericht abgeurteilt. Wegen Totschlags wurde der Anführer der Kommunisten, ein 29 Jahre alter Bergmann, zu zehn Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Die übrigen Angeklagten erhielten Gefängnisstrafen von einem Jahr drei Monaten bis zu zwei Jahren drei Monaten Gefängnis. Feuerüberfall auf ein Polizeikommando Stralsund, 20. Juli. (WTB.) In der vergangenen Nacht war der Stralsunder Polizei nach der Hit'erkundgebung gemeldet worden, daß Angehörige der Eisernen Front im Anmarsch auf Stralsund seien. Zur Verstärkung wurde deshalb ein Stettiner Schuhpolizeikommando nach Negast gesandt. Unterwegs wurde das Kommando in einem Walde plötzlich heftig beschossen. Die Beamten ertoieberten das Feuer und umstellten das Waldstück. Ueber 100 Personen, die dort im Hinterhalt gelegen hatten, wurden f e st g e n r m - men. Man fand eine Menge Pistolen, 77 E' >ß Munition, 14 feststehende Messer, zah...i^r Gummiknüppel, Stahlruten, Totschläger, und mit Nägel beschlagene Knüppel sowie andere Schlau, Werkzeuge. Eine mit Verbandzeug gefüllte Aktentasche wurde beschlagnahmt. Die Verhafteten, unter denen sich sozialdemokratische Führer aus Stralsund befanden, wurden von den Polizeibeamten mit gezogener Pistole abgeführt. Beim Feuergefecht im Walde wurden einige Personen verletzt. Der der Eisernen Front angehörende Lehrer Krull aus Greifswald wurde mit einem Kopfschuß ins Krankenhaus ein- geliefert wo er inzwischen verstorben ist. Bei -Zusammenstößen zwischen Nationalsozialisten und Anders denken den wurden heute vormittag auf dem Marktplatz in Stralsund einige Nationalsozialisten durch Messerstiche und Schläge schwer verletzt. Als in Weihwasser Polizei gegen Kommu» nisten einschreiten wollte, die sich vor einem national» sozialistischen Versammlungslokal angesammelt hatten, sollen die Beamten aus einem Hause m i t Steinen beworfen und auch beschossen worden sein. Die Polizei feuerte bei der Säuberung der Straßen mehrere Schüsse ab. Der 30jährige kommunistische Jugendführer K a n i tz wurde durch einen Steckschuß in den Hals so schwer verletzt, daß er bald darauf st a r b. Ein weiterer Kommunist wurde schwer verletzt. Schießerei zwischen Kommunisten und Polizei in Berlin. — 1 Toter. Berlin, 21. 3uli. (WTB.) Etwa 200 Kommunisten hatten sich kurz nach Mitternacht auf dem Kottbuser Damm angesammelt. Sie hielten einen Straßenbahn wagen und einen Autobus an und zwangen dadurch die Fahrgäste zum Aussteigen. Die Kommunisten durchschnitten daraufhin den Strick zur Oberleitung der Straßenbahn, so daß der Wagen nicht weiterfahren konnte. Ferner versuchten sie, den Omnibus, dessen Scheiben sie zertrümmert hatten, umzuwerfen. Als das Heberfallkommando erschien, flüchteten die Täter und entkamen. Die Beamten säuberten daraufhin die Gegend, wurden aber von den Kommunisten heftig beschossen. Durch die Schüsse wurde jedoch keiner der Beamten verletzt. Die Polizei erwiderte das Feuer. Einer der Demonstranten wurde so schwer verletzt, daß er bald nach der Einlieferung ins Krankenhaus verstarb. Der Zingster Amtsvorsteher ermordet Stettin, 21.Juli. (WTB. Funkspruch.) Im Ostseebad Zingst wurde gestern abend der dortige Amtsvorsteher K ö t h u r ermordet. Der Amtsoorsteher hatte sich zur Ueberwachung einer kommunistischen Versammlung begeben. Als es in dieser zu Ruhestörungen karm ermahnte Köthur einen Kommunisten zur Ruhe. Bald darauf verließ der Amtsvorsteher die Versammlung. Der von ihm verwarnte Kommunist verfolgte ihn und versetzte ihm einen Messer st ich in den Kopf.derdensofortigenTodzurFolge hatte. Der Kommunist flüchtete, konnte aber bald festgenommen werden; er weigerte sich bisher, seinen Namen zu nennen. Der ermordete Amtsvorsteher war ein ruhiger Mann und ist politisch niemals hervorgetreten. Der Wahlkampf am kritischen Mittwoch. Parteiführer zu den Ereignissen in Preußen. Berlin, 21. 3uIL (XU.) 3n einer deutsch- nationalen Wahlkundgebung in Koblenz beschäftigte sich Or. Hugenberg mit den neuesten innerpolitischen Ereignissen und betonte u. a.: Es ist heute eine Prognose in Erfüllung gegangen, die ich zuweilen in Freundeskreisen gestellt habe: Wenn einmal ein Umschwung kommen sollte, dann wird es nicht anders abgehen als entweder wird die preußische Negierung die Reichsregierung verhaften oder umgekehrt. Es ist ein wahrer Segen, daß der Zustand endlich aufgehört hat, daß in Berlin zwei verschiedene große Dehördenorganisationen sich gewissermaßen wie zwei feindliche Staaten gegenüberstehen, daß also auf diesem Weg ein Anfang gemacht wird, den Dualismus Preußen-Reich zu beseitigen. 3ch brauche nicht zu sagen, daß wir Diese Entwicklung der Dinge begrüßen. Wenn jetzt Sozialdemokratie und Zentrum nun mordio schreien und davon reden, das sei ein Staatsstreich und eine Derfassungsverletzung, so muß ich darauf antworten: Nein, keineswegs, sondern das ist nur die logische Fortsetzung der Methode Brüning. Adolf Hitler sprach in nationalsozialistischen Kundgebungen in Kiel, Hamburg, Bremen und Lüne- burg. Er führte u. a. aus: „Wir befinden uns gegenwärtig an der Wende des deutschen Schicksals. Heute handelt es sich nicht um das Kabinett Popen, sondern heute gilt der Auf: Hier Zentrum und Sozialismus und hier deutscher Nationalsozialismus. Das sind die beiden Weltanschauungen, die miteinander ringen. Wenn unsere Gegner erklären, die Nationalsozialisten wollten keine andere Partei neben sich dulden, so haben sie Recht. Wir wollen, daß Deutschland endlich von dem Fluch der dreißig Parteien erlöst wird. Werm nationale Politiker mir entgegenhalten, daß ich auch vordenbürgerlichen Parteien nichtHaltmachenwolle.so sage ich ihnen: Dor denen erst recht nicht." Die Regierung Papen fei eine außerordentlich milde Regierung, obwohl jetzt endlich ein Anfang gemacht sei mit dem Durchgreifen. Aber die Herrschaften würden sich wundern, was ihrer harre im kommenden Dritten Reich, denn nicht beglichen sei die Rechnung über alles Elend seiner Kameraden, nicht beglichen auch die Rechnung der Marxisten, die Millionen deutscher Menschen von ihren Arbeitsplätzen verdrängtem Die Nationalsozialisten seien die einzigen, die an den Handlungen v. Pa- pens Kritik üben dürften. Wer 100 Milliarden zahlen wollte, könne sich nicht über 3 Milliarden ereifern. Aber auch diese 3 Milliarden würden nicht realisiert werden, ©ie würden es nicht, weil die nationalsozialistische Bewegung im Anmarsch sei. Don den Nationalsozialisten sei der Welt kein Zweifel daran gelassen worden, daß es m i t dem Tage ihres Sieges mit dem Erfüllen vvrbei sei. Nr. Brüning sprach in Kundgebungen der Bayerischen Volkspartei in Augsburg und in München. Er betonte: Die Entwicklung in Preußen müsse große Sorge bereiten. Seines Erachtens seien die Vorbedingungen für die Einsetzung eines Reichskommissars in Preußen nicht gegeben. Es bestehe die große Sorge, daß man vielleicht durch alle diese Dinge immer_ weitergetrieben werde. Man werde vielleicht über die Ziele, die man sich gesetzt habe, automatisch hinausgetrieben. Wenn man Koalitionen oder Regierungen wechseln wolle, so solle man das im richtigen Augenblick tun. Nichts hätte daran gehindert, daß in Preußen schon ein Kabinett der Rechten mit der Zentrumspartei bestünde, allerdings unter der Voraussetzung, das ein verfafiungstreuer Ministerpräsident an der Spitze gestanden hätte, denn ohne diese Bedingung geye das Zentrum keine Koalition ein. Es fei anders gekommen, weil man nicht ab warten wollte. Es komme der Tag, wo er es nicht mehr vor seinem Gewissen verantworten könne, über die Vorgänge der letzten Wochen zu schweigen. Er spreche bislang nicht darüber, weil er die Autorität retten wolle, aber man solle nicht glauben, daß es möglich sei, in Deutschland eine freie Meinungsbildung zu unterdrücken. Den ihm bereiteten Empfang werte er als Zustimmung zu der Polittk, die bis vor wenigen Wochen unter schwierigsten Umständen getrie- 6en wurde. Diese Politik habe seit 1930 durchgeführt werden können ohne Belagerungszustand, ohne daß Generäle in die Politik einzugreifen brauchten, ohne daß In wenigen Wochen hundert Tote in politischen Kämpfen auf der Straße lagen. Reichskanzler a. N. Nr. Marx führte in Königsberg aus: Die Maßnahmen der Reichsregierung find Eingriffe in die preußische Verfassung, geaen die man die allergrößten Bedenken äußern muß. Ich verhehle nicht meine Empfindung, daß durch das Vorgehen der Reichsregierung gegen die Sozialdemokraten ein festerer Zusammenschluß der sozialistisch Gesinnten, namentlich der Arbeiterschaft, herbeigeführt werden muß. Seit jeher war es Ziel der Zentrumspolitik, die Sozialdemokraten möglichst von den Kommuni ft'e n z u lösen und zu einer wirklich staatserhaltenden Partei zu machen, sie zu veranlassen, mit Staatspolitik zu treiben. Die Sozialdemokratie ist von ihrem früheren Radikalis- mus sehr weit zurückgekommen. Sie hat in anerkannt vernünftiger Weise Staatspolitik getrieben, und nach meiner Meinung ist es sehr zu bedauern daß durch die Entwicklung der letzten Wochen sie ohne Zweifel wieder zu radikaler Einstellung veranlaßt werden wird. Abg. Ningeldey sprach in einer Kundgebung der Deutschen Volkspartei in Osnabrück. Er kam einleitend auf die Geschehnisse in Preußen zu sprechen. Die letzten Wahlen hätten den eindeutigen Beweis erbracht, daß die Regierung der schwarz-roten Koalition nicht mehr dem Willen der Mehrheit entspreche. Damit sei der Augenblick für die bisherigen Machthaber bekommen, mit Würde abzutreten und die Opposition an die Macht zu lassen. In zielbewußtem Zusammenspiel hätten die bisherigen'Koalitionsgenossen das zu verhindern gewußt. Der Vorwurf sei insbesondere dem Zentrum zu machen, in dessen Macht es gelegen hätte, diese Entwicklung zu verhindern. Aus aller Well. Glückwunschtelegramm Hindenburgs an Liebermann. Der Herr Reichspräsident hat an den berühmten Maler Professor Max Liebermann zu dessen 8 5. Geburtstag ein herzliches Glückwunschtelegramm gerichtet. Zwei Studenten im Gebirge verunglückt. Nach einer Meldung aus Mauthen (Kärnten) sind die Studenten Iiretz und Pauli, die im Cellon- Gailthal vermißt wurden, tot aufgefunden worden. Ihre Leichen wurden nach Mauthen gebracht. Verheerende Vlihschläge. Der Blitz hat im Nahe-Hunsrückgebiet an verschiedenen Stellen Unheil angerichtet. 3n Kempfeld schlug er in das 3agdschloh Haniel, das schnell ein Raub der Flammen wurde. Das wertvolle Mobiliar wurde vernichtet. Der 3agdhüter Göbel, der mit seiner Familie in dem Schloß wohnte, konnte mit knapper Not das nackte Leben retten. — 3n Losheim wurde ein auf dem Felde arbeitender Landwirt vom Blitz getroffen und auf der Stelle getötet. — Eigenartigerweise wurde um dieselbe Zeit an einer entfernten Stelle bei Wahlen die Frau dieses Landwirtes ebenfalls von einem Blitz getroffen und gelähmt. Explosion in einer französischen Pulverfabrik. — Zwei lote, ein Schwerverletzter. In einer Pulverfabrik in Le Tcgnpes ereignete sich aus bisher unbekannten Gründen eine schwere Explosion, als einige Arbeiter unter Leitung eines Artilleriehauptmanns mit der Entladung eines Geschosses beschäftigt waren. Zwei der Arbeiter wurden auf der Stelle getötet, Während der Hauptmann schwere Verletzungen davontrug. Am Aufkommen des Hauptmanns zweifelt man. Sprengunglück in einem Sleinbruch: ein Toter, zwei Verletzte. 3m Steinbruch der Ortschaft Oberaudorf in Bayern ereignete sich ein schweres Spreng- un glück, das e in To d e s o p f er und z wei Verletzte forderte. Als vier Arbeiter mit dem Sprengen von Gesteinsmafsen beschäftigt waren, ging plötzlich ein Schuh vorzeitig los, und mehrere in der Nähe stehende Arbeiter wurden schwer getroffen. Ein 20jähriger junger Mann war sofort tot. Ein Hilfsarbeiter trug so schwere Verletzungen am Kopf und am Brustkorb davon, daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Ein weiterer Arbeiter wurde leicht verletzt. Grohfeuer in einer französischen Spinnerei. In Mouoille bei Rouen brach in einer Spinnerei Feuer aus. 17 000 Ballen Seinen verbrannten, lieber die Hälfte der Fabrikanlagen ist v o l l k o m » men in Asche gelegt worden. Der Sachschaden beläuft sich auf über 5 Millionen Franken. Wettervoraussage. Die im Norden einsetzende Störungstätigkeit entfaltet ihren Einfluß weiter südwärts, so daß der hohe Druck, der sich mit über Deutschland erstreckt, mehr und mehr verdrängt wird. Infolgedessen nimmt aud) sein Einfluß auf unsere Wetterlage weiter ab, und durch den Störungseinfluß gelangen verschiedenartige teils wärmere, teils kühlere Luftmassen nacb dem Festlande, die zu wolkigem Wetter führen uno Anlaß zu einzelnen Niederschlägen geben. Die Temperaturen werden durch den Wechsel in der Luftzufuhr Schwankungen, jedoch nicht von stärkerer Art, unterworfen fein. Aussichten für Freitag: Mehr wechselnd wolkig, auch kurz aufheiternd, Temperaturen schwankend und etwas kühler, einzelne leichte Niederschläge. Die Vertagung der Abrüstungskonferenz. Nie Abrüstungsentschließung. Genf, 20. Juli. (WTB.) Der Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz trat zu einer öffentlichen Sitzung zusammen, um einen Bericht des tschecho - slowakischen Außenministers Dr. Benes ch über den Entschließungsentwurf, mit dem die jetzige Tagung abgeschlossen werden oll, entgegenzunehmen. Der Text ist inzwischen ämtlichen Delegationen zugegangen. Die Entschlie- jung beginnt mit einer allgemeinen Einleitung, in der es u. a. heißt: Die Stunde sei für alle Nationen gekommen, um Maßnahmen hinsichtlich der Abrüstung zu ergreifen, damit der Weltfriede gefestigt, die Wirtschaft wieder hergestellt und die drückenden Finanzlasten von den Schultern der Völker genommen werden. Die Konferenz hält daran fest, daß sie die Aufgabe hat, eine erftcn entscheidenden Schritt, der eine substantielle Herabsetzung der Rüstung mit sich bringt, zu vollziehen. Weiter wird die Initiative Hoovers, dessen Vorschlag darauf abzielt, die gesamten Rüstungen um ein Drittel herabzusetzen, begrüßt. Zum Schluß heißt es: Die Konferenz beschließt einmütig: Es wird eine substantielle Herabsetzung der Weltrüstungen vollzogen werden mittels einer allgemeinen Konvention, die sich auf die ßanbrüftungen, Seerüstungen und die Luftrüstungen erstreckt. Ein wesentliches Ziel, das es zu erreichen gilt, ist die Herabsetzung der Singriffsmittel. Die Konferenz beschließt, ohne daß spätere weitergehende Vereinbarungen da- durch präjudiziert würden, schon jetzt b e • stimmte konkrete Abrüstungsmaßnah- m e n, die in die abzuschließende allgemeine Abrüstungskonvention aufgenommen werden. Sie beschließt ferner, gewisse Grundsätze als Basis für neue Rüstungsherabsetzun- gen aufzustellen. Schließlich beschließt die Konferenz, das Verfahren festzustellen, das notwendig ist, um die Arbeiten der Konferenz aktiv fortzusetzen. Bezüglich der ßuftrü ft ungen heißt es in der Entschließung: 1. 3eder Luftangriff gegen öle Zivilbevölkerung wird uneingeschränkt verboten. 2. Die vertragschließenden Mächte verpflichten sich gegenseitig, j e d e s L u f t- bornbardernent abzuschaffen. Außerdem werden die Zivilflugzeuge, deren Merkmale die festgesetzten Grenzen übersteigen würden, einem internationalen Regime unterworfen werden, das geeignet ist, den unzulässigen Gebrauch dieser Flugzeuge wirksam zu verhindern. Auf dem Gebiete der ßanbrüftungen wird die Einheitshöchsttonnage der Kampfwagen begrenzt werden. Heber die schwere Artillerie, die augenblicklich noch Gegenstand von Verhandlungen ist, enthält die Resolution eine Lücke, die noch ausgefüllt werden soll. Heber den chemischen und bakteriologischen Krieg sowie die Flammenwerfer heißt es, daß diese Kriegsarten unter bestimmten Bedingungen verböte n'werden. Bezüglich der Seerüstungsfragen schlägt die Resolution vor, daß der Hooverplan und die anderen der Konferenz eingereichten Vorschläge von den Signatarstaaten der Washingtoner und Londoner Flottenverträge in der Zwischenzeit zum Gegenstand von Verhandlungen gemacht werden. Die anderen Seemächte werden aufgefordert, das Maß der Seerüstungsbegren- zung bekannt zu geben, das sie unter Berücksichtigung der Washingtoner und Londoner Verträge annehmen könnten. Das Bureau soll das Ergebnis der diesbezüglichen Verhandlungen der Seemächte zusammenfassen zwecks Eingliederung in den allgemeinen Abrüstungsvertrag. Zum Schluß wird den Regierenden empfohlen, das von der letzten Völkerbundsversammlung beschlossene Rüstungsfeierjahr über den 1. November hinaus um 4 Monate z u verlängern. Es wird der Erwartung Ausdruck gegeben, daß bis zur Wiederaufnahme der Kon- ferenzarbeiten und während der zweiten Phase der Konferenz keine Regierung Maßnahmen ergreift, die geeignet wären, die Vorbereitung der Allgemeinen Abrüstungskonferenz zu kompromittieren. Das Bureau der Konferenz soll in der zweiten Hälfte des Monats September zusammen treten. Für den Wiederzusammentritt der Volkskonferenz wird fein bestimmtes Datum genannt, sondern lediglich festgestellt, daß die Einberufung innerhalb von vier Monaten nach dem Zusammentritt des Bureaus erfolgen werde. Nie Aussprache. Litwinow wird der Mund verboten. 3n einer einstündigen Rede begründete Bene sch seinen Vorschlag, den er selbst als ein Kompromiß bezeichnete. Die vorgeschlagenen Qlb- rüstungsmahnahmen bedeuteten die ersten entscheidenden Entschlüsse und damit einen wesentlichen Teil des kommenden allgemeinen Abrüstungsabkommens. Der Vorschlag gäbe die allgemeine Auffassung über die gegenwärtig möglichen Abrüstungsmaßnahmen wieder und bedeutete ein Glaubensbekenntnis der Abrüstungskonferenz. Hierauf kam es zu einem Zusammenstoß zwischen dem Präsidenten Henderson und dem russischen Auhenkommisfar Litwinow. Auf die Erklärung öe£ Präsidenten Henderson hin, daß die Verhandlungen durch Beschränkung der Redezeit und Verzicht auf Zusahanträge abgekürzt werden könnten, erklärte Litwinow, daß seit Wochen und Monaten ununterbrochen die Verhandlungen nur zwis chen einigen wenigen Abordnungen geführt würden und den anderen erfaubt worden sei, abzuwarten. Er behalte sich daher vor, in längeren grundsätzlichen Ausführungen zu dem Vorschlag Stellung zu nehmen. Henderson unterbrach die Ausführungen Litwinows in einem ungewöhnlich scharfen Ton und verbot ihm, derartige Ausführungen zu machen. Dem amerikanischen Botschafter G i b s o n wurde sodann als einzigem gestattet, eine Erklärung über die Stellungnahme der amerikanischen Regierung zu der Vertagungsentschliehung abzugeben. Die Ausführungen Gibsons, die nach allgemeinem Eindruck bereits stark unter dem Zeichen der Propaganda für d ie bevorstehende amerikanische Präsidentenwahl standen, besagten, die Entschließung enthalte das Höch st maß des Erreichbaren und gehe von dem Vorschlag des Präsidenten Hoover aus, der der gesamten Abrüstungskonferenz das große Ziel gesetzt habe. Die amerikanische Delegation stimme der Resolution zu. Der Vorsitzende vertagte die Aussprache auf Donnerstag 15 Hhr. Deutschland fordert grundsäüliche Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung. Genf, 20. 3n(i. (IM.) Botschafter 71 ab o tn n hat dem französischen Ministerpräsidenten herriot einen schriftlich formulierten Zusahantrag der deutschen Abordnung zu der von den vier Großmächten am Dienstag ausgearbeiteten Vertagungsentschließung überreicht. In dem deutschen Antrag wird die grundsätzliche Forderung auf Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung in der Abrüstangsfrage erhoben, herriot hat sich die Stellungnahme zu diesem deutschen Antrag vorbehalten. Der deutsche Antrag ist gleichfalls den übrigen Mächten zur Kenntnisnahme übermittelt worden. Aus der Provinziathauptstadt. Gießen, den 21. 3uli 1932. Der letzte Schultag. Wenn auch die Schulzeit seit den Pfingstferien nicht sehr lange war, so ist doch die Freude über den Schulschluß vor den Sommerferien besonders groß, denn wenn auch die Schule im Winter und Herbst eine ganz nette Einrichtung ist, will sie doch bei köstlichem Sommerwetter gar nicht behagen. Jeder hat tausend Dinge, die er lieber tun möchte, als auf der harten Schulbank sitzen, in der Mittags- Hitze nach Hause trotten und dann noch die Schulausgaben machen. Ein Ausflug in den Wald, schwimmen, rudern, Tennis spielen, im Garten sich sonnen, das alles sind Dinge, die wirklich viel, viel interessanter sind als die Schlacht bei Marathon und die chemischen Formeln. Nur ganz wenige gibt es, die so gern lernen, daß ihnen eigentlich auch die Sommerferien nur eine unliebsame Unter» brechung sind. Die meisten sind von Herzen froh, wenn sie das Schulhaus nicht von innen sehen müssen. Nun sind einige Wachen ganz der Freiheit gewidmet! O was hat man lange vorher für Pläne aemacht, einen immer schöner als den andern. So schön, daß sie gar nicht wirklich sein und werden können. Nun sollen die Bücher aber auch die ganzen Wochen nicht angesehen werden, schwört mancher, und das ist sicherlich ein Schwur, den die meisten treulich halten. Mancher strenge Vater wird freilich der Meinung sein, daß etliche Lücken jetzt auszufüllen wären; er macht den Vorschlag, täglich wenigstens eine Stunde dem Wiederholen zu widmen, aber er sollte einmal an seine eigene Ferienzeit denken. Eine solche Pflichtstunde kann die ganzen Ferien verderben. Pädagogischer ist der Vater schon, wenn er von solcher regelmäßigen Arbeit nichts verlauten läßt, sondern lieber, wenn Regentage kommen und doch weiter nichts unternommen wird und das Kind sich zu langweilen beginnt, mit dem Vorschlag herausrückt, daß man ganz gut etwas wiederholen könnte ... Aber im allgemeinen sollten die Eltern, wenn nicht zwingende Gründe oorliegen, ihrem Kinde die Ferienfreude unge- chmälert lassen. Dolle Ferienzeit ist ja etwas so eltenes im Leben. Wenn man erst im Beruf steht, ind die Ferientage karg bemessen und meist gehen auch noch irgendwelche Gedanken, Pläne und Sorgen mit hinein. Für die Erwachsenen gibt es nur selten einen Lehrer, der ihnen die Tür in die Frei» heit aufmacht und freundlich sagt: Und nun vergnügte Ferien! Besonders heute sind die beruflichen Sorgen zu groß, als daß man sich ungetrübte Ferien gönnen könnte. Das Reisen, das sonst immer eine gute Ausspannung bedeutete, ist vielen unmöglich gemacht, und es ist erfahrungsgemäß nicht ganz leicht, sich in der gewohnten Umgebung so ganz umzustellen, daß man zu seiner vollen Erholung kommt. Aber wenn man sich etwas Mühe gibt, muß es doch gelingen. Man darf nur nicht mit seinen Gedanken in den altgewohnten Bahnen hängenbleiben. Hat nicht jeder Mensch irgendeine Liebhaberei, die er während der Werkelwochen beiseite tun muß, die er oft schon jahrelang vernachlässigt hat? Wie wäre es, wenn er daheimbleiben würde, um seiner Liebhaberei zu leben? Manch einer wird entdecken, daß er, indem er hierin gewissermaßen zu seinem eigensten Ich zurückkehrt, eine ungeheure Bereicherung erfährt, denn man reift in das Land seiner Träume. Die Frauen sollten ihren Männern die Urlaubs« wachen mit ihrem Steckenpferde gönnen. Die Ferien sollen dem Spiel gehören. Auch die Erwachse- nen haben ein Recht darauf, Ferien zu hoben und im Spiel zum Kinde zu werden. Vornotizen. — Tageskalender für Donnerstag: Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, Naturwi senschaftliche Abteilung, 20.15 Uhr, Zoologisches Institut, Bahnhofstraße 841, Privatdozent D. W. E. A n k e l „Neue Forschungen über sexuelle Zwischenformen im Tierreich". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße „Rasputin". — Die Gesellschaft ßiebigmufeum Gießen veranstaltet am Sonntag, 24. Juli, 11-15 Uhr, im ßiebigmufeum einen öffentlichen Vortrag. Geheimrat Sommer (Gießen) wird über „Die Entwicklung des ßiebigmufeums von 1924 bis 1932" sprechen. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. — T o n f i l m „R a f p u t i n". Im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, gelangt ab heute Donnerstag, der Tonfilm „Rasputin" zur Aufführung. Der Film gibt die Geschichte des „heiligen Teufels", lein Leden und sein Wirken wieder. Der Einfluß Rasputins auf die Zarenfamilie und die Frauen im allgemeinen, fein politisches Wirken und vieles andere mehr ist in dramatischer Handlung barg erteilt, Conrad Veidt ist der Träger der Titelrolle. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. Gießener Wochenmarktpreise. • Gießen, 21.3uli. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 130 Pf^ Berlin gestorben. an die Weltkrieg B e d e u - in immer 10, 10 Talen für Donnerstag, 21. Juli. 1858: der Maler Lovis Cörinth in Tapiau Anforderungen des modernen Krieges wehrverfasfung eines Volkes führte der Vortragende u. a. aus: Der als Kampf von Volk zu Volk zeigte die 3m Rahmen des an der Landesuniversität veranstalteten Bortragszhklus über Wehrwissenschaft sprach gestern abend in der Aula der Llniversität General a.D von Schilksuß uno Aeudoiff der bis zum 31. März d. 3. Kommandeur unseres 3ns.-Regts. 15 war, über die militärische Lage Deutschlands. Den außerordentlich interessanten und aufschlußreichen Darlegungen des Vortragenden lauschte ein vollbesetztes Haus mit starker Spannung. Der Redner gab zunächst einen allgemeinen Lieberblick über die Grundlagen des Vortragsthemas. Er erinnerte an das bekannte Wort, daß der ewige Friede ein Traum und nicht einmal ein schöner ist, daß als allerletztes Mittel im unlösbaren Widerstreit der Lebensinteressen von Ration zu Ration immer nur der Krieg war und bleiben wird. Bei der Schilderung der Oie miliiärischeLageDeulschlands Ein Vortrag im Vortragszyklus der Universität über Wehrwiffenschast. _____ . geboren; — 1930: der Mediziner Paul Fürbringer in Landbutter 120, Kochbutter 100, Matte 25 bis 30, Wirsing 8 bis 10, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 12 biS 15. Spinat 15, Römischlohl 8, Dohnen (grüne) 15 biS 20, (gelbe) 20, Erbsen 15, Tomaten 25 bis 30, Zwiebeln 15, Kartoffeln (neue) 4,5 (pro Zentner 4 Mk), Pilze 25, Aepfel (ausl.) 55, Dörrobst 30 bis 35, Kirschen 35 bis 45, Heidelbeeren 25 bis 28, Stachelbeeren 20 bis 25, 3ohannisbeeren 15 bis 18, Pfirsiche 40 bis 60, Himbeeren 25 bis 30, Honig 40 bis 45, Suppenhühner 70 bis 80, junge Hähne 80 bis 90 Pfennig pro Pfund: Tauben 50 bis 60, Eier 8, Käse 5 bis 10, -Blumenkohl 30 bis 60, Salat 5 bis 10, Salatgurken 20 bis 30, Einmachgurken 2 bis 5, Oberkohlrabi 8 bis 10, Rettich 10 bis 12 Pfennig pro Stück; Radieschen 8 bis gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis Pfennig pro Dund. tung desLeurlaubtenstandes stärkerem Maße. Schon vor dem Kriege konnte aber der allgemeine Wehrzwang in keinem Lande restlos durchgeführt werden. Dagegen trat die große Bedeutung des Materials für den künftigen Krieg immer mehr zutage. Die Entwickelung der Kriegstechnik hat dann die Mittel geschaffen, die schon zur Störung oder zur Verhinderung der Mobilmachung dienen: die Kampf- und Bomben- sugzeuge, Panzerwagen, weittragende Geschütze, Gaskampfmittel. Um die Durchführung der Mobil- machuna zu schützen, ist eine sofort verfügbare Deckungsarmee notwendig, die sowohl offensiv, als auch defensiv verwendet werden kann und die mit der Handhabung aller Waffen vertraut • * Evangelische Pfarrpersonalie. Durch die Kirchenregierung wurde dem Pfarrer Karl M ü l l e r zu Düdelsheim die evangelische Pfarrstelle zu Großen-Buseck, Dekanat Gießen, übertragen. * * Mittwoch. Rückfahrkarten von (3 i fi- feen nach Bad Salzhausen. Auf Antrag des Giefeener Verkehrs, uni) Verfchönerungsvereins werden nunmehr auch Sonntagsrückfahrkarten von Gießen nach Bad Salzhausen ausgegeben, die auch Mittwochs benutzt werden können. Der ermäßigte Fahrpreis zur Hin- und Rückfahrt beträgt 2,10 Mk. * * Sängersonderzüge passieren Gießen. Seit Dienstagnachmittag fuhren in Richtung Frankfurt Sonderzüge der Sänger durch den Bahn- Hof unserer Stadt. Die Züge von Königsberg und Stettin hatten kurzen Erfrilchungsaufenthalt. Heute nachmittag werden Züge von Berlin, von Stendal und von Herfurth (Hannover) unseren Bahnhof passieren. Die Züge sind sehr stark besetzt; die San- yer befinden fed) trotz anstrengender, langer Fahrten m der besten Stimmung. * * Das Meteor, das am Dienstag früh gegen 4 Uhr niederging, ist auch in innerer engeren Heimat viel gesehen worden. Don der Befehlsstelle des Giefeener Bahnhofes aus, in Großen-Linden, auf dem Wege zwischen Rainrod und Eichelsdorf, wie auch in Hungen und sicherlich noch in vielen anderen Orten wurde das Meteor beobachtet und in der gleichen Weise geschildert, wie wir es in unserer gestrigen Notiz wiedergegeben hatten, " Abendandacht für Studenten. Morgen, Freitagabend, findet in der Kapelle auf dem Alten Friedhof die letzte Andacht dieses Sommersemesters statt, die Prof. D. Born- kämm von der Theologischen Fakultät der Universität übernommen hat. Die Andachten, die von der evangelischen Studentenseelsorge veranstaltet werden, sind für jedermann zugänglich. " Sperrung der Bootshaus st raß« während der Ruder-Regatta. Das Polizeiamt teilt mit: Anläßlich der am 30. und 31. 3uli stattfindenden 27. Ruder-Regatta der Gießener Rudergesellschaft 1877 ist die Bools- hausstrvße von dem Bootshaus der Gießener Rudergesellschaft bis an den Durchgang nach der Cderstraße (Bahnüberführung) am 30. und 31. 3uli von 14 bis 19 Uhr für den Durchgangsverkehr polizeilich gesperrt. und Kriegsstellen hin, lenkte die Aufmerksamkeit auf die gewaltigen Befestigungsanlagen im Osten und Nordosten Frankreichs mit der Front gegen Deutschland, zeigte kurz die Bedeutung der französischen Flotte und kam zu dem Ergebnis, daß Frankreichs Rüstung das vollkommenste ist, was man sich denken kann, dafe sein Wehrsystem die rasche Operationsbereitschaft und Schlagkraft des Heeres mit der nachhaltigen Wucht eines Volkes in Waffen verbindet. Sodann besprach der Redner den Rüstungsstand der Staaten des französischen Blocks. Er stellte dabei fest, daß Polen, das auf Gedeih und Verderb mit Frankreich verbündet ist, seine Wehrpflicht nach dem Muster Frankreichs organisiert und sich eine gut und kriegsmäßig ausgebildete Truppe geschaffen hat. Der Wert des polnischen Heeres liegt nach den Darlegungen des Vortragenden in der guten militärischen Ausrüstung und der streng nationalen Einstellung der Polen, in dem guten Menschenmaterial und in den Fortschritten der polnischen Kriegsindustrie. Polen ist eine der stärksten Militärmächte Europas und ein durch- aus ernst zu nehmender Gegner, der sich auch durch die militärische Vorbereitung der Jugend die Stärkung seines Heeres angelegen sein läfet und alle Maßnahmen für den Kriegsfall trifft. Die Tschechoslowakei, deren Heeresausbildung noch rege im Gange ist, während sich seine Rüstungsindustrie auf voller Höhe befindet, ist als Nationalitätenstaat von militärisch geringerem Wert, die Schlagkraft seines Heeres weist noch manche Mängel auf. Belgien ist in allen Teilen als Vasall Frankreichs, sein Heer und seine Befestigungen als ein Teil der französischen Militärmacht anzusehen. In allen Staaten dieser Gruppe ist nach den Darlegungen des Vortragenden vor allem die Flugzeugwaffe gewaltig ausgebaut: Taufende von Flugzeugen stehen dort zur Verfügung. Nach einem kurzen Ueberblick über den Rüstungsstand Dänemarks, Hollands, der Schweiz und Litauens, der das Bild der mililärifchen Vorherrschaft de» französischen Block» noch deutlicher hervortreten liefe, beschäftigte sich der Vortragende in großen Umrissen mit der Kenntlichmachung der Rüstungsverhältnisse Englands, Italiens und Rußlands, wobei man aus den Angaben des Redners entnehmen konnte, dafe England ein außerordentlich bedeutsamer, Frankreich in mancherlei Beziehung sogar überlegener militärischer Faktor ist, Italien in verschiedener Hm- sicht noch hinter Frankreich zurücksteht, Rußland aber mit seinem reichen Menschenmaterial überragende Bedeutung besitzt. Gemeinsam ist allen diesen Staaten die starke Entwicklung der verschiedenen Waffengattungen, insbesondere der Fliegerwaffe, sowie die Unterstützung der Heeresausbildung durch frühzeitige militärische Schulung der Jugend und Pflege des nationalen und militärischen Geistes in der Heranwachsenden Generation. Die Lage Deutschlands inmitten dieser waffenstarrenden und planmäßig auf die militärische Erziehung des ganzen Volkes hinarbeitenden Umwelt legte der Vortragende mit einer Reihe von Lichtbildern in eindrucksvollster Weise dar. Man ersah hieraus den ungeheuren Umfang der Nachteile, die durch das Entwaffnungs- diktat von Versailles unserer Landesverteidigung auferlegt worden sind. Sowohl hinsichtlich des' Mannschaftsbestandes, wie der Ergänzung des Heeres, als auch der Ausrüstung mit Material der verschiedensten Art klafft zwischen Deutschland und den Ländern ringsumher ein so ungeheurer Abstand, dafe von unserer Seite leider mit allzuviel Recht von einer völligen militärischen Ohnmacht Deutschlands gesprochen werden muß. Während Deutschland in den verflossenen 13 Jahren alljährlich je 10 000 Mann, insgesamt 130 000 Mann in die Reichswehr neu aufnehmen durfte, hat Frankreich allein in diesen 13 Jahren jährlich 250 000 Mann, insgesamt also 3 250 000 Mann im Heere ausgebildet. Dazu kommt bei den Franzosen die ungeheure Ueberlegenheit an Material, so daß nach dem heutigen Stand der Dinge Frankreich einen Vorsprung von vielen Jahren vor Deutschland hat. Wenn auch die Ausbildung der Mannschaften in verhältnismäßig kurzer Zeit zu ermöglichen ist, so kann doch die Beschaffung des erforderlichen Materials bei dem heutigen Stand der Dinge in Deutschland — vollständiges Fehlen von Flugzeugen, Kampfwagen, schwerer Artillerie und anderer neuzeitlicher Waffen, sowie bei der durch Versailles vernichteten deutschen Kriegsindustrie — nur erst in Jahren möglich sein. Von einschneidendster Bedeutung ist auch die vom Diktat von Versailles an- gestrebte Vernichtung des Wehrwillens im deutschen Volke und die Verhinderung der militärischen Vorbildung der Jugend nach dem Beispiel aller anderen Länder. Auch auf das Abrüstungstheater in Genf kann Deutschland nicht das geringste geben, vielmehr muß es sich darauf ein- stellen, dafe die anderen das deutsche Volk weiterhin sein muß. Unter dem Schutze des Deckungsheeres soll sich das Dolksheer bilden und den Kampf zu Ende führen. Die Bewaffnung bei einem künftigen Kriege wird im großen und ganzen ähnlich jein wie beim Schluß des Weltkrieges, jedoch hat die Entwicklung inzwischen eine erheblicheVer- mehrung Der Maschinenwaffen und der Motorisierung gebracht. Neben dem durch Flieger unterstützten Erdkrieg gewinnt die Möglichkeit eines selbständigen Luftkrie- g e s erhöhte Bedeutung, obwohl bis dahin noch einige Zeit vergehen wird. Mit starken Angriffen der feindlichen Luststreitkräste wird aber an allen wichtigen Plätzen zu rechnen sein. Zur wirksamen Abwehr feindlicher Fliegerangriffe im eigenen Lande kommen Jagdfliegergeschwader zum Angriff gegen die schweren Bombenflugzeuge, weiter Erd - Abwehrwaffen, Vorbereitung des passiven Luftschutzes durch Melde- und Warnungsstellen über das ganze Land, Aufklärung der Bevölkerung, Einzelschuß mit Gasmasken, Sammelschutz durch Herstellung gassicherer Raume in Betracht. Die vermehrte Ausstattung der Wehrmacht mit allen Mitteln der modernen Kriegführung hat auch die Bedeutung der nationalen W i r t • schäft gewaltig gesteigert. Im Ausland ist vielfach die Einstellung der Frau als Ersatz für den Mann im Kriegsfälle vorgesehen. Von dem Grade der Vorbereitung und der Leistungsfähigkeit der Wirtschaft für den Kriegsfall hängt die Aus- rüftung des Dolksheeres mit dem erforderlichen Material ab. Deutschland hat das Fehlen der wirtschaftlichen Mobilmachung im Weltkrieg schwer büßen müssen. Folgende Anforderungen an die Ivehrverfassung sind zu stellen: Neben einem gut ausgebildeten und modernen Heer müssen die gesamten Volkskräfte für das Volksheer zur Verfügung stehen. — Die Ausbildung im Heere muß durch die militärische Vorbereitung der Jugend unterstützt werden. — Ausbau der Rüstungsindustrie und Vorbereitung der Umstellung vom Friedensbetrieb in kurzer Zeit auf Kriegsindustrie. — Schaffung einer starken und jofort angriffsbereiten Luftwaffe. Der Vortragende gab sodann in großen Zügen einen Ueberblick über die Rüstungen der Länder ring» um Deutschland. Zunächst wies er auf Fran kreich hin, das zur Aufrechterhaltung feiner Vormachtstellung mit allen Mitteln die Militarisierung feines ganzen Volkes durchgeführt hat. Er gab einen Ueberblick über, die Gliederung des französischen Heeres und desien gewaltigen Rüstungsstand, erinnerte an die militärische Ausbildung der französischen Jugend durch aktive Ojfiziere und Unteroffiziere, machte mit den Vorkehrungen des französischen Heeres zur Mobilisierung innerhalb ganz weniger Tage bekannt, legte Dar, wie rasch Frankreich hinter seiner Deckungsarmee sein Dolksheer aufmarschieren lassen kann, gab Einblicke in die französischen Vorkehrungen zur wirtschaftlichen und industriellen Mobilisierung, wies auf die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft in der stärksten militärischen Unterlegenheit halten wollen. Zusammenfassend ist zu sagen, daß unter diesen ungleichen Verhältnissen Deutschland bisher in der Wellpolitik natürlich nur Objekt war. Trotzdem wäre es verfehll, den Mut sinken zu lassen und hoffnungslos zu werden. Die Schlußfolgerungen für Deutschland müssen vielmehr dahingehen, mit Anspannung aller Kräfte der Forderung nach Gleichberechti- gung in der 91 ü ft u n g Geltung zu verschaffen. Wir müssen uns das S e l b ft b e ft i m m u n g s • recht über unsere Wehrverfassung wieder erringen und dafür sorgen, daß wir ein freier Staat werden. Mit heißem Herzen der Vaterlandsliebe, aber mit dem kühlen Kopfe der verstandesmäßigen Ueberlegung müssen wir für den Wiederaufbau einer unabhängigen deutschen Wehrverfassung arbeiten. Am dringlichsten ist dabei die Erweckung und Stärkung des Wehrwillens in unserem Volke, sowie die Bekämpfung des Pazifismus, der sich als schädlich für unser Volk und Vaterland erwiesen hat. Der wehrhafte Mann wird, trotz der großen Bedeutung des Materials in einem künftigen Kriege, immer noch das Kernstück der Landesverteidigung (ein. Daher ist die Wehrhaftmachung jedes einzelnen Deutschen unbedingt erforderlich. In diesem Sinne ist mit aller Straft Arbeit an dem Wiederaufbau der deutschen Zukunft zu leisten. (Langanhaltender stürmischer Beifall.) ♦ Se. Magnifizenz der Rektor Prof. Dr. Van - [e I o ro sprach dem Vortragenden in herzlichen Worten den Dank der Universität und der Studentenschaft für den außerordentlich instruktiven Vortrag aus. Ferner dankte er — da mit diesem Vortrag der Zyklus zu Ende gegangen war — noch einmal allen Vortragenden. An die Kommilitonen richtete er die Mahnung, die Lehren aus diesen Vorträgen zu bewahren und allezeit eifrig mitzuarbeiten zur Herbeiführung einer besseren Zeit für Volk und Vaterland. S.jt-ifpOft Oer 13. Rhön-Segelflug-Wettbewerb hat begonnen. Die startfertigen Segelflugapparate auf der Wasserkuppe. Die Elite der deutschen Segelflieger stt fast vollzählig versammelt. Die Wettbewerbe litten bisher sehr unter der ungünstigen Witterung. — Oben links. Die Stempelzeichen der ersten mit dem Segelflugzeug beförderten Post. MIT -4 5EäfclHU6ZEU6 BEFÖRDERT k RHÖM SI-6SLFLUG »WETTBEXX/ERa 1932 ■ 10.(Stoppe: Cannes — Aizza. Die 10. Etappe der französischen Radrun-dsah-rt lief zwar nur über 133 Kilometer, hatte aber Dafür eine Menge Steigungen aufzuweisen. Die den Fahrern viel zu schaffen rnachten. Es gab diesmal auch eine Menge von Ausfällen. Der Stettiner Ol- böter trat nicht mehr zum Start an, Altenburger, die Franzosen Buy und Bouillet, der Schweizer Erne und der Italiener Gestri erreichten das Ziel erst nach Kontrollschluß und sind so von der weiteren Teilnahme ausgeschlossen. Die Fahrt war jehr schnell, die Zeit des Siegers war um 11 Minuten besser als im Lorjahre. Sieger dieser Etappe wurde der Italiener C a m u s s o , der einen gelungenen Ausreisoersuch unternahm und mit einer Minute Vorsprung durchs Ziel ging. Da ihm als Etappen-Sieger noch vier Minuten vergütet werden, steht er jetzt im Gesamtklasiement an dritter Stelle hinter Stapel und vor Pesentt. Stöpel, Der Diesmal Vierter wurde, Ist dem führenden Le- dueq insofern näher gerückt, als dieser als Sechzehnter einkam und drei Minuten an Zeit verlor. Im Länderklassement wurde Frankreich von Italien in der Führung abgelöst. Kurze Sporinotizen. Der neue deutsche Stehermeister Erich Möller geht am Sonntag auf der Pariser Buffalobahn erneut an den Start, wo er auf Lacquehay, Marechal, Blanc Garin, ßinart und G. Debaets trifft. 3n den Fliegerrennen hat der neue französische Meister Gerar- din feinen Borgänger Michard, Faucheur, Scherens, Falck-Hansen und Honeman zum Gegner. Arthur Reglin, der bei den in Danzig aus- getragenen deutschen Strom- und Meeresmeister- schäften Sieger blieb. Die deutschen Sänger in Frankfurt a. X WSN. Frankfurt a. M., 20. Juli. Inmitten politischer Hochspannung hat sich Frankfurt für ein Fest vorbereitet, das in wohltuendem Gegensatz zu den leidenschaftlichen Demonstrationen der letzten Tage Volksgenossen aller deutschen Stämme zu einer gewaltigen friedlichen Demonstration vereinigen wird, zu einer Demonstration für eines Der höchsten deutschen Kulturgüter, für das deutsche Lied. Seit Tagen_ steht Frankfurt im Zeichen des 11. Deutschen Sängerbundesfestes, das am Donnerstag mit Der feierlichen (Einholung des Bundesbanners seinen Anfang nehmen wird. Die Straßen Frankfurts prangen in reichem Festschmuck. Der Bahnhofsplatz bildet ein einziges Flaggenmeer. Die Hauptstraßen sind alle paar Meter mit Fahnen- girlanben überspannt, und auch Die öffentlichen Plätze sind reich mit Fahnen geschmückt. Es gibt wohl kaum ein Haus, das nicht Tannen- und Blumenschmuck aufweist. Unzählige Hände waren tätig, um Dem Schmuck Den letzten Schliff zu geben. Das Gros Der Sänger wird im Laufe des Donnerstag in Frankfurt eintreffen. 38 Extrazüge aus allen Teilen des Reiches werden im Laufe des Donnerstags und Freitags die Sänger nach Frankfurt bringen. Einmal — bei Der Kundgebung im Stadion — werden 30 000 Sanger im Ehor auf tre- t e n ; bei den drei Hauptaufführungen in der Festhalle sind es jeweils „nur“ 8000 bi« 10 000. Man hat in Frankfurt, wo sonst durch die zahlreichen Sorrderkonzerte Der musikalisch-künstlerische Charakter Des Festes in Den Vordergrund geruckt werden soll, keineswegs auf diese Massendarbietungen verzichtet. Mit gutem Grunde. hier gilt es, den Gemeinfchaftsgedanken zum Ausdruck zu bringen. Wer es selbst erlebt hat, eine Schar von Tausenden gleichgestimmter und gleichgesinnter Männer am gleichen Werke vereint vor sich zu sehen, wird sich des überwältigenden Eindrucks auf die Zuschauer und Zuhörer erinnern. Bon noch tieferer Bedeutung und nachhaltigerer Wirkung ist die Teilnahme des einzelnen Sängers an solchen Massenkonzerten. Erlebt er es doch hier gewissermaßen fühlbar, Glied einer gewaltigen Gemeinschaft zu fein, die gleiches Wollen und Streben in Der Unterordnung unter einen Willen zusammengeführt hat. 11 nb jeder soziale Unterschied unter den Sängern ist hier aufgehoben. So tritt Der Gedanke: „Lledgemeinfchaft ist Volksgemeinschaft“ sinnfällig in die Erscheinung. Darin liegt der tiefste Sinn Der M a s se n k o nze r te begründet. Hat man bei früheren Festen Dem Massenchor stet- leicht zu DetoältigenDe Aufgaben mehr Volks tüm- cher Art gestellt, so finD in Die Bvrtragspläne Der Hauptkonzerte in Frankfurt, Dem Charakter De« ganzen Festes entsprechenD, musikalisch wertvolle Werke zeitgenössischer Komponisten, Die zum Teil durch besondere Ausschreiben gewonnen wurden, eingefügt worden.__________________ Was bekommt stets gut dem Magen Und was schont das Portemonnaie? Hört man oft die Leute fragen,- Antwort heißt: Kaffee Idee! Überall käuflich das 200 gr. Paket kostet nur 122 Pfg. 4. 4. Darboven, Hamburg 15 Nachdruck verboten! IjuviTinnigee MtW ganz oder tagSübei gesucht. Schr. Ang u. 04354 a. d. G.A 5393 A Schnitt- (Gemüse) Nudeln „Griesware“. Pfd. 36 Pf. Suppeneinlagen, diverse .Pfd. 36 Pf. Schnitt- (Gemüse) Nudeln „Eierware“. .Pfd. 42 Pf. beschmutzt zu werden. 5381 A Warenabgabe nur an Mitglieder! Betten-Bär, Gießen Marktstraße 29 Seltersweg 20 Schoppen 38 Pf. Schoppen 24 Pf. Pfd. 42 Pf. Pfd. 45 Pf. Suppeneinlagen, diverse Fadennudeln „Eierware“ Reinigen: für 1 Deckbett 2. für 1 Plumeau 1.50 für 1 Kissen .. 0.50 Weizenmehl: Spezial 0 Rheinstern Feinstes Kuchenmehl Rheinstern Rheinstern Salatöl: Erdnußöl Feinstes Salatö! Da habt Ihr das Gutei Teigwaren: Pfd. 23 Pf. Pfd. 26 Pf. Pfd. 28 Pf. • 5-Pfund-Säckchen 1.60 RM. 10-Pfund-Säckchen 3.10 RM. Gesundes, sauberes zuverlässiges [Stellenangebote) Tüchtiger Bäcker- und Konditor-Gehilfe sofort gesucht. 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Melchior Stampfer! kam ihr mit strahlendem Gesicht entgegen. ,,2ch fürchtete schon, Sie würden nicht kommen, die ganze Geschichte hier würde Ihnen dumm und toll vorkommen, wenn Sie erst einmal ordentlich darüber nachgedacht. Aber nun bin ich herzensfroh, durch Sie darf ich bleiben, und wenn Sie wirklich mit mir zusammen eine Nummer machen wollen, kriege ich Größenwahn." > Der Direktor kam, ein Seiltänzer näherte sich auch. Dunnerlittchen, war das ein süßes Mädel! Er ließ genießerisch seine Zunge über die Lippen gleiten. Der Direktor bemerkte es. „Laß es dir nicht einfallen, Kerl, an das Mädel zu nahe heranzugehen, sämtliche Knochen breche ich dir einzeln", raunte er ihm zu und ein Blick seiner kleinen Augen unterstützte die Warnung. Mit lächelndem Gesicht schritt Johann Gerhard der zierlichen Lil entgegen. „Willkommen, möge es Ihnen bei uns gefallen." Seine Töchter tauchten ,mif, hängten sich an Lils Arm, und dann lernte sie die wenigen anderen Mitglieder kennen. Sie mußte die Pferde und Hunde bewundern, und dann erhielt sie ihren Platz im Wohnwagen des Direktors. Das Bett neben Ietta, der ältesten Direktorstochter, wurde ihr zugewiesen. Ietta war erst achtzehn Iahre, war aber früh verblüht und sah wie fünfundzwanzig aus. Der Direktor war Witwer, seine beiden Töchter ritten, tanzten und arbeiteten am Trapez. Sie allein bestritten den größten Teil des Programms. Als Lil in dem kleinen Wohnwagen stand, wurde ihr doch minutenlang etwas bänglich ums Herz. Wäre es nicht gescheiter gewesen, sie hätte sich eine Stellung als Gesellschafterin gesucht, anstatt sich in das Abenteuer hier einzulassen? Denn ein Abenteuer war es wohl, daß sie als Neu-Aufnahmen werden jederzeit in den Verteilungsstellen angenommen I Es klingelte draußen an der Haustür. Gleich darauf meldete das Mädchen: „Herr Dr. Stempel ist gekommen, er möchte Herrn Doktor sofort dringend sprechen." „Wir reden später über das Thema weiter", sagte Werner und sah dabei nur seine Mutter an, dann ging er. Die Baronin wandte sich zu Lik. „Geh in dein Zimmer und räume auf, das Mädchen hat heute wenig Zeit, auch kommt die Wäscheausbesserin heute nachmittag, der hilf nach Möglichkeit, man lernt nie zuviel. Ich gehe nachmittag aus und komme erst spät zurück." Lik hatte es auf der Zunge, zu antworten: Ich habe hier im Hause schon zuviel gelernt, daß ich gar nicht mehr weiß, wohin damit! Aber sie schwieg. Sie war sich ja darüber vollkommen einig, chr Bleiben hier im Hause war nur noch von kurzer Dauer, also wozu neue Aufregungen und neuen Zank herbeiführen. Sie fühlte sich mit einem Make so entsetzlich müde und zerbrochen. Sie ging stumm und die Baronin sah ihr mit einem fragenden Blick nach. Wie standen nun eigentlich die Dinge? Würde Lil ernst machen und fortgehen von hier oder war die Großsprecherische jetzt doch eingeschüchtert und gedachte sich in alles zu fügen? Die Baronin freute sich, Werner war jetzt auch zornig auf Lik, hoffentlich kam es nun bald so weit, daß sie Lik nicht mehr zu sehen brauchte. Sie wollte dem Himmel danken, wenn Werner von ihr frei wurde. Werner trat ein. Man sah es ihm an, er hatte es eilig. „Kollege Stempel hat mich, gebeten, ihn bei einem^ Schwerkranken zu vertreten, ich werde in ungefähr einer Stunde wieder zurück sein. Die Sprechstunde muß natürlich etwas später beginnen. Aber du ordnest das schon und weißt ja in den Dingen Bescheid." Er küßte der Mutter die Hand. „Lil hat dich heute sehr geärgert und aufgeregt, es tut mir leid, Mutter, bitte, trage es ihr nicht.nach, in nächster Zeit werde ich sehr ernst mit ihr reden. Sie muß ihr Betragen gründlich ändern, sonst erwartet mich ja in der Ehe eine Kette von Aerger." Sie nickte. „Ich bin nicht nachtragend, mein lieber Iunge, aber ich bin deinetwegen entsetzt über Lil, gnd mir geht es wie dir, ich habe sie vorher gar nicht richtig gekannt." Sie schluckte. „Aber weh getan hat es natürlich doch, daß sie Clown mit dem kleinen Wanderzirkus mitztehen wollte. War sie nicht trotz allem zu schnell mit ihrem Entschluß fertig gewesen? Ihr war es, als sähe sie Werner vor sich, als ruhten seine Augen mit traurigem Blick auf ihrem Gesicht. Sie fühlte ein Erbeben durch ihren Körper gehen, die Augen wurden ihr feucht. Schnell fuhr sie mit den Fingerspitzen über die Augenwinkel. Ietta Gerhard sollte nichts davon merken, wie nahe sie daran war, in fassungsloses Weinen auszubrechen. Der Direktor ließ ihre Koffer von der Gepäckaufbewahrungsstelle am Bahnhof holen, und alle Zirkusmitglieder bestaunten die eleganten Lederkoffer mit dem silbernen Monogramm L. K. 11. Kapitel. Lil ist verschwunden. Die Baronin kehrte von ihren Besuchen zu- nuk. Sie ging zunächst in düs Zimmer, in dem sich die Ausbesserin aufhielt, die eben dabei war, für heute ihre Arbeit zu beenden. Sie fragte die Frau: „Nun, hat Ihnen meine Nichte tüchtig geholfen heute?" 3 Die Frau antwortete wahrheitsgemäß: „Das gnädige Fräulein ist am Nachmittag ausgegangen und hat zu mir gesagt, vorläufig käme sie nicht zuruck. Sie wünschte „Gute Nacht, auf Wiedersehen morgen!" und entfernte sich. Die Baronin eilte in die Küche und befragte das Mädchen. Käte wußte nichts weiter, als daß sie von Lil fortgeschickt worden war in eine Buchhandlung am Theaterplatz. Dort hätte man ihr aber gesagt, von dem Buch, nach dem sie gefragt, habe man noch niemals etwas gehört und es müsse sich um einen Irrtum handeln. „Während ich fort ist das gnädige Fräulein weggegangen" schloß Kate. Die Baronin mühte sich, ein gleichgültiges Gesicht zu machen und ging in Lils Zimmer hinauf. Dem Zimmer sah man sofort deutlich an, es war überschnell verlassen worden. Alles lag ein wenig durcheinander, die Stühle standen falsch und einer war gar umgestoßen worden. Die Augen der Baronin weiteten sich. Was bedeutete denn das, Lils Koffer, die noch heute früh in der einen Zimmerecke gestanden, fehlten ja? Die Baronin fühlte, wie ihr das Blut in die Wangen stieg. Sollte etwa —? Nein, das war ja Hnsinn. Heimlich und so Hals über Kopf würde Lil doch nicht fortgegangen sein. Ieht entdeckten ihre suchenden Augen auf dem kleinen Schreibtisch am Fenster einen Briefumschlag. Sie stürzte förmlich darauf zu. Es stand darauf mit Lils großzügiger flotter Schrift: An Frau Baronin Sturm! ( Fortsetzung folgt.) 13. Sortlc? j. Prüfen, erwägen, entscheiden! Euer KONSUMVEREIN liefert aus Fabriken, deren Mitbesitzer Ihr seid, vortreffliche und wohlfeile Qualitätserzeugnisse MARKE GEG Kostenlos holen wir morgens die Betten bei Ihnen ab und bringen dieselben abends wieder frei ins Haus. 985 MWk Mkl. Original-Roman von Anny von panhuyg. Copyright by Verlag A. 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Beim Mittagessen saßen sich die Baronin und Lil allein und stumm gegenüber, Die Aeltere forschte in dem Gesicht Lils, doch die nahm sich zusammen, aus ihren Zügen war nicht herauszulesen, was sie dachte. Nach dem Essen, dem Lil sehr wenig Ehre angetan, wollte sie das Zimmer verlassen, doch die Baronin hielt sie zurück. Sie fragte: „Wie glaubst du nun, daß fortan alles zwischen uns werden soll? Dein Betragen war häßlich heute vormittag, aber daß du dir nun noch in der Nolle der Stummen und Duldenden gefällst, übersteigt jedes Maß. Meinst du, ich möchte, wenn Werner nicht zu Hause ist, immer mit einer Wachspuppe als Tischgesellschaft zusammensitzen?" Hm Lils Lippen zuckte Bitternis. „Sei beruhigt, das mute ich dir bestimmt nicht zu. Du hast mir ja heute vormittag erklärt, es wäre das beste, ich ginge mit meiner Voll- • jährigkeitserklärung soweit ich könnte und käme nie mehr zurück. Hnd seit ich im Hause bin, wäre es mit deiner Nuhe aus." Sie hob den Kopf. „Das genügt mir, um zu wissen, ich darf dir nicht länger zur Last fallen. Dir bin ich zur Last, Werner liebt mich nicht, also was tue ich noch hier in einem fremden Hause? Denn wenn wir es genau nehmen, brauchen wir aus verwandtschaftlichen Gründen nicht zusammen zu bleiben. Du bist dem Sprachgebrauch nach zwar Vaters Stiefschwester, aber ihr hattet weder denselbeni Vater, noch dieselbe Mutter. Zwei verwitwete Menschen, wovon jeder ein Kind mit in die Ehe brachte, machten diese beiden Kinder zu Stiefgeschwistern und die beiden Kinder wäret ihr, Vater und du. Wir sind völlig anderen Blutes. Also wozu Rücksicht aufeinander nehmen!" Sie ging zur Tür und die Baronin blickte ihr achselzuckend nach. Hm zwei Hhr kam die Wäscheausbesserin und Lil setzte sich zu ihr und half bei deren Arbeiten. Als dann um vier Hhr die Baronin wegging, eilte Lil in ihr.Zimmer und schloß ihre Koffer, die sie vorhin bei verriegelter Tür in atemloser Hast gepackt hatte. Gleich darauf schickte sie das Mädchen mit einem Auftrag weg, und lief fort, ein Auto zu besorgen. Der Chauffeur half ihr die zwei Koffer aus dem Hause holen. Lil, schon in Mantel und Hut, bat die Ausbesserin, die in einem Zimmer nach hinten hinaus saß und nichts von ihrer Abfahrt wahrnehmen konnte, sie Bett-Vorlagen teile z. Hälfte des 1 90 früh.Preises,von lan Aufarbeiten: eine 3-teil. Wollmatratze ... 6. eine 3-teil. Kapokmatratze.. 6. eine 3-teil. Roßhaarmatratze 8. Besonders können wir unsere Marken-Telg- waren — abgepackt in GEG-Packungen — äuße»st günstig in allen Preislagen empfehlen l |Stellengesuche| Mädchen 21 ftabre, mehrere Jahre in Stellung, mit allen Hausarv. und einfacher Küche vertraut, sucht v.bald Stelle. BesteZeugn. zur Verfügung. Schrift!. Ang. unt. 04352 o. d. G. Anz. Wissenschaftliche Werke Sondergebiet der BrühPschen Druckerei wl Konsumverein GieOen und Umgeg.,e. G. m. b. 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Die Stetigkeit der politischen Entwicklung, die Bewahrung des deutschen Kulturgutes, die verantwortliche Stellung zum Ligentumsbegriff im Sinne einer sozialen Verantwortung, waren solange gewälirleistet, als der bürgerliche Mittel- stand Hauptträger des staallichen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens war. Unter den Schichten, die den Mittelstand ausmachten, nahm das deutsche Handwerk wiederum einen der ersten und wichtigsten Plätze ein. Erst durch den Zerfall des deutschen Mittelstandes, durch das Hochkommen des Monopol-Kapitalismus auf der einen und des Proletariats auf der anderen Seite setzt« jene Krise der verschiedenen mittelständischen Gruppen ein, die schließlich zu einer Krise des gesamten Bürgertums führte und heute zu einer schweren Staats-' und Wirtschafts- k r i s e geworden ist. Hochkapitalismus, Dertru- stung und Konzernierung, wie auch Zusammenballung von der Lohnarbeit lebender Menschen auf engem Raume schalteten die Verantwortung des Einzelnen aus und ersetzten sie durch die Massenverantwortung anonym wirkender und unsichtbarer Werks- ober Parteileitungen. Die bürgerlichen Werte wurden in Frage gestellt, Rationalisierung und leichtfertige Ueberproduktion untergruben die Lebensgrundlage des soliden deutschen Handwerkes. Der Staat, der di« Aufgabe gehabt hätte, die Wirt- schaftskontrolle in dem Sinne auszuüben, daß jede ungesunde Ueberentwicklung vermieden und die handwerklichen Mittel- und Kleinbetriebe erhalten worden wären, griff leider in entgegengesetzter Weise ein. Er mischte sich unmittelbar in die Wirtschaft ein, er wurde teilweise zum hochkapitalistischen Unternehmer, er unterdrückte die Existenz des Einzelhandwerkers und Einzelkaufmanns durch eine Konkurrenz von oben, gegen die der einzelne nicht aufkam. Der Staatskapitalismus oder was teilweise auf dasselbe hinauskommt, der Staatssozialismus, war geboren. Der Mittelstand und das Handwerk haben sich sehr spät auf eine aktive Gegenwehr besonnen. Wenn in diesen Tagen der Reichsoerband des Deut- scheu Handwerks in einer programmatischen Erklärung die wirtschaftspolitischen Grundforderungen dahingehend umreißt, daß „die Volkswirtschaft als die wirtschaftliche Organisation des deutschen Volkskörpers auf der Grundlage der Privatwirtschaft aufgebaut werden muß", so kommt dieser handwerklichen Folgerung diesmal eine erhöhte Bedeutung zu, weil sic gegenüber einer Regierung erhoben wird, die sich den Abbau des Staatskapitalismus und die Rückkehr zur Privatwirtschaft zum Ziele gesetzt hat. Wenn das deutsche Handwerk fordert, „unter unbedingter Ablehnung aller sozialistischen Tendenzen die neue Regelung des Verhältnisses zwischen Staat und Volkswirtschaft und die Anerkennung der selbständigen Unternehmertätigkeit als einer dem Staat fremden und mit der Ausübung feiner Hoheitsrechte unverträglichen Tätigkeit" durchzuführen, so entspricht dies durchaus den Plänen der Reichsregierung. In der Abkehr vom Staatskapitalismus liegt vielmehr sogar der wesentlichste Unterschied der jetzigen Regierung zu allen vorhergegangenen seit 1918. Wie ist es zu dem immer.stärkeren Eindringen des Staates und zu dem immer stärkeren Abbau der privaten Initiative gekommen? Es scheint, daß sich auch hier wieder ein volkswirtschaftliches Gesetz bestätigt hat, wonach jeder Konjuntturabstieg, jede Periode der Einschrumpfung des Wirtschaftsraumes zu Konkurrenzverboten und zu Konkurrenzbeschränkung, zur Konzentration der Produktionsmittel in der Hand einzelner und des Staates und damit zur gebundenen, halb sozialistischen ober staatskapitalistischen Wirtschaft führt. Ein Konjunkturanstieg dagegen, der zu einer Belebung der Volkswirtschaft und zu einer Erweiterung des Wirtschaftsraumes drängt, führt umgekehrt zu Monopol- und zu Koalitionsverboten, zu einer Besinnung des Staates adf seine eigentlichen Hoheitsaufgaben und damit zur freien Wirtschaft, die wiederum den Aufschwung des Mittel st andes und desHandwerks zur Folge hat. Vor etwa einem Jahre begann der Staatskapitalismus, dessen Beseitigung zum „Aufbauplan der Reichsregierung" gehört, solche Formen anzunehmen, daß man z. B. Deutschland und Rußland in Amerika ohne weiteres in einen Topf warf und vom „Staatssozialismus" Brünings sprach. Der große Unterschied zu Rußland lag jedoch darin, daß der Bolschewismus die gesamte Privatwirtschaft der staatlichen Planung unterstellte, also keine Privatwirtschaft neben der Staatswirtschaft duldete, während in Deutschland die vorhandenen Spannungen noch erhöht wurden durch das Nebeneinander von Staatskapitalismus und Privatwirtschaft. Es ist jedoch nur eines möglich, wenn man vom Grundsätzlichen absieht: entweder Privatwirtschaft, die eine weitestgehende Initiative und Verantwortung des einzelnen auf- richtet, oder aber Sozialismus, der alle Wirtschaftsfragen vom Staate her regelt. Vom Reichslandbund erhallen wir den folgenden Aufsatz zur Verfügung gestellt, dessen sachlicher Inhalt auch für Gegner der Landbundforderungen bemerkenswert ist. Die Zollpolitik des Reiches ist von den An- hängern des Freihandelgedankens, vor allem was die landwirtschaftlichen Zölle betrifft, angefeindet worden. Es wird erklärt, der landwirtjchaftliche Zoll verteueredenLebensunterhaltbis zum Unerträglichen und vermittle der Landwirtschaft unverdiente Geschenke. Was ist durch die Zölle bisher tatsächlich erreicht worden Weiterhin klafft die gewaltige Spanne zwischen Agrarpreisen und Industriepreisen. Die Handelsspannen, die bei Milch, Fleisch, Kartoffeln usw. das Mehrfache dessen ausmachen, was der Landwirt für feine Produkte erhält, sind fast dieselben geblieben. Die landwirtschaftlichen Preise jedoch sanken trotz der angefeindeten Zollpolllik zumeist in katastrophaler Weise ab. Vergleicht man die Preise im April d. I., gemessen an den Durchschnitts-April- Preisen der Jahre 1925 bis 1929 (= 100 v. H.), so ist Butter auf 68 o. H., Eier und Schweine sind auf 57 v. H., Kühe und Kälber auf 55 v.H., Roggen auf 87, Gerste auf 80 und Kartoffeln auf 64 o. H. des damaligen Preises abgesunken. Allein Weizen hielt sich auf 101 v.H. Nun lagen die Preise zwischen 1925 und 1929 zum großen Teil schon unter Friedenspreis. Bei der Preissenkungsaktion wurde von allen Seiten her der Wille bekundet, auf dem Agrargebiete nicht die Preise des Landwirts, sondern die Handelsspanne äu vermindern. Statt dessen fielen die landwirtschaftlichen Preise. Einzig und allein der Weizen hat seinen Preis gegenüber 1925 bis 1929 behaupten können — 101 v. H. Weshalb sank nicht auch der Weizen? Beim Weizen - wurde eine Kontingentierung durchgeführt! Für uns zeigt sich nun die ausschlaggebende Bedeutung einer Kontingentierung, die sich ausschließlich nach dem deutschen Zuschußbedürfnis richtet. Denn der in Deutschland geltende Weizenvermahlungszwang ist ja im'Grunde genommen nur eine besondere Form der Kontingentierung der ausländischen Weizeneinfuhr. Auch von der anderen Seite her gesehen, hat die Zollpolitik ohne Kontingentierung Mißerfolg erlitten. Es wird von feiten des Freihändlers hervorgehoben, daß die Einfuhr jener Agrar- Als die Regierung Brüning berufen wurde, mußte zuerst einmal die deutsche Gesamtwirtschaft gerettet werden. Zwischen 12 und 13 Milliarden Mark des deutschen Volksvermögens sind in wirtfchaftlich er- schlitterte Großbetriebe hineingesteckt worden, ohne daß der Staat dadurch an Macht gewonnen ober den mittelständischen Klein- und Handwerkerbetrieben geholfen worden wäre. Der Brüningsche Weg erfolgte aus Zwang. Nach der Sanierung der Großbetriebe mit Staatsmitteln aber besteht ein nicht minderer Zwang, jetzt den Staatskapitalismus wieder abzubauen. Diese Ausgabe läßt sich selbstverständlich nur im Zusammenhang mit der Wiederbelebung der deutschen Landwirtschaft durch Stärkung des Binnenmarktes, mit dem K ampfgegendas monopolkapitalistische Kartellunwesen, mit dem Abbau der staatlichen und kommunalen Konkurrenz und einer großzügigen Steuerreform durchführen. In dieser Richtung liegt das eigentliche Ziel einer jeden „Regierung der nationalen Konzentration". Denn „Nationale Konzentra- tion" wird so lange unmöglich fein, als nicht die- jenige Schicht wieder hergestellt ist, die nun einmal die breite und in sich gefestigte Grundlage des Staates und der Volksgemeinschaft bildet: das deutsche Bürgertum und das deutsche Handwerk. länder wie Holland und Dänemark sich rechnungsmäßig sehr verschlechtert haben. Eine solche Betrachtung ersaht zwar den rechnungsmäßigen Wert, nicht aber bie Me nge ber Einfuhr. Denn mengenmäßig betrachtet, hat Holland vom ersten Quartal 1931 bis zum 1. Quartal 1932 seine Gesamtausfuhr nach Deutschland von 448 000 auf 512 000 Tonnen, also um annähernd 15 v.H. fteigern können. Die Dänen haben ihre Gesamtausfuhr nach Deutschland innerhalb des letzten Jah- Die derzeitige Wirtschaftslage fordert gebieterisch Einsparungen in jeder Unternehmung. So entschließt sich mancher Firmeninhaber in ber Absicht, (eine Spesen herabzumindern, wenn oft auch nur für vorübergehend, seine Kraftwagen außer Dienst zu stellen. Was ist nun hierbei zu beachten? Ersparnisse an (Steuern. Gemäß den einschlägigen gesetzlichen Bestimmun- gen erfolgt gegen Rückgabe der Steuer- karte eine Erstattung für die noch reftjerenben Monate, unb zwar für jeben noch oerbleibenben Mo- nat ein Zwölftel ber Iahressteuer. Wesentlich ist hier der Hinweis, daß eine Rückzahlung der Restsumme nur bann erfolgen kann, wenn bie Abmelbung volle 30 Tage vor Ablauf der Steuerkarte erfolgt. Für geringere Zeitabschnitte als ein Monat ist eine Erstattung nicht möglich. Diese Bestimmung ist besonders wichtig, sofern es sich um bie Außerbienslsiellung eines alten Magens handelt und gleichzeitig ein neuer Magen dafür eingesetzt werben soll. Läuft beispielsweise eine Steuerkarte am 20. August 1932 ab, und wird der neue Wagen am 25. Juli eingestellt unb der bisher gefahrene (gleichzeitig) ab- gemelbet, so besteht keine Möglichkeit einer Erstattung. Man wird in einem derart gelagerten Fall gut tun, bie An- unb Abmelbung am 19. Juli zu tätigen, denn nur so ist eine doppelte Belastung zu vermeiden. res von 84 000 auf 91 000 Tonnen pro Quartal vermehren können. Wo liegt des Rätsels Lösung zwischen diesen Widersprüchen? Man bedenke, daß die landwirtschaftlichen Weltmarkt- p r c i f e von 1931 zu 1932 abgefunfen sind So hat sich trotz verminderten Einfuhrwerts die entlchei- dende Einfuhrmenge aus Dänemark unb Holland erhöht! Währenddessen ist die mengenmäßige deutfche Ausfuhr nach diesen Ländern um etwa 30 v. H. abgefunten. Weder Holland noch Dänemark haben also Veranlassung, sich über deutsche Einfuhrschranken zu beklagen. Die Tatsache, daß trotz des Exports dieser Länder nach Deutschland die Anti- Deutschland- unb die Pro-England-Propaganba immer neue Blüten treibt unb zu einer Abschnürung Deutschlanbs führt, zeugt für die Problematik der Handelsbeziehungen. Von der Unwirksamkeit zahlreicher Zollmaßnah. men ist gegenwärtig am s ch w e r st e n bie 33 c r • eblungswirtschaft betroffen, beren Be- stand geradezu gefährdet erscheint. Wir fordern daher — und glauben, daß alle landwirtschaftlichen Organisationen uns darin zustimmen werben —.eine Kontingentierung ber Einfuhr von Dereblungsprodukten, wir fordern ein Globalkontingentssystem, welches die Gejamteinfuhr- mengen der verschiedenen landwirtschaftlichen Produkte ausschließlich nach dem wirklich vor- handenen Zuschußbedarf regelt. Die bisherigen Zölle haben als Kesamtmaßnahme versagt, sind stecken geblieben. Soll die deutsche Landwirtschaft erhalten bleiben, bann muß man ihr Preise geben, bie ber allgemeinen Pr e i s b i l b u n g unb bem Preisinbex entsprechen. Solange diese Forderung, die die deutsche Landwirtschaft an die Reichsregierung richtet, nicht erfüllt wird, bleibt die deutsche Landwirtschaft in einem Zustand zwischen Leben und Tob, — bas wichtigste Organ des Wirtschaftskörpers befindet sich in Gefahr, aussetzen zu müssen. Man spricht in Deutschland oft von einer Gewaltpolitik der Zölle und sieht die Dinge grundsätzlich nur von innen her. Tatsache ist, daß nicht Deutschland, sondern Englands Wirtschaftsmaßnahmen gestaltend auf die Handelspolitik eingewirkt haben, — unser Verhalten ist nichts anderes als eine Ä b - wehr. Ersparnisse an Versicherungsprämien. In dieser Hinsicht ist der Wagenhalter ausschließlich auf das Entgegenkommen der Versicherungsgesellschaft, bei ber bas Kraftfahrzeug in Versicherung gegeben worben ist, angewiesen. Die Versicherungs» bebingungen der führenden deutschen Versicherunas- gesellschaften enthalten ausschließlich einen Passus dahingehend, daß der Vertrag zu erfüllen ist, unab- hängig davon, ob der Wagen in Betrieb gehalten ist ober ftiUiegt, mit anderen Worten, die Prämie muß auf jeden Fall vereinbarungsgemäß entrichtet werden. Ist z. B. im vorhin erwähnten Fall das Fahrzeug, das am 25. Juli außer Betrieb gestellt werden soll, ab 1. Juni gegen Unfall, Haftpflicht und Kasko versichert worden mit der Vereinbarung, daß die Prä- mien jeweils vierteljährlich entrichtet werden sollen, unb ist bie Versicherungsbauer vielleicht zunächst nur für ein Jahr abgesprochen worden, so muß trotz der Stillegung gezahlt werden. Die Prämienanteile müssen am 1. September, am 1. Dezember und letztmals am 1. Februar des folgenden Jahres genau so entrichtet werden, als wenn das Kraftfahrzeug noch in Betrieb wäre. Diese Bestimmung wird von den Versicherten aus- nahmslos als eine unbillige Härte empfunden werden, da, wie vorerwähnt, durch Außerbetriebstellung des Wagens kein Anspruch gegenüber der Lersiche- rung mehr geltend gemacht wird. Rettung der Veredtungswirtschast! Was fordert die Landwirtschaft von der Reichsregierung? Kraftfahrzeug und Gparmögtichkeit Von £)iplomfdufmann Or. W. Bachenheimer, Gießen. Oie Märchenkutsche. Von Werner Bergengruen. Don allen Erinnerungen des Menschen find keine wunderbarer beschaffen als die aus seiner Kindheit: denn während sonst jeder Erinnerung cm Erlebnis zugrunde liegt, kann es hier geschehen, daß wir uns bis zur Schwurbereitschaft deutlich eines Vorfalles erinnern, von dem wir wissen, daß er sich unter gar keinen Umständen ereignet haben kann. Vielleicht entsinnt man sich aus Tolstois „Krieg und Frieden" jener bezau- beruhen Szene, in welcher die Geschwister Rostow, Nikolai und Natascha, nach längerer Zeit wieder im alten väterlichen Herrenhause von Otradnoie vereint, von Kindheitserlebnissen sprechen und darunter von jenem Mohren, der plötzlich in der Dämmerung im Zimmer des Onkels gestanden hatte. Die Eltern haben ihnen später bewiesen, daß da ganz unmöglich ein Mohr gewesen fein könne, aber sie sehen ihn noch jetzt so gewiß vor sich, daß sie den Auftritt eidlich erklären möchten. Von Kindheitserinnerungen solcher Art sprachen wir eines Abends, als wir in Ueber- lingen im „Hecht" sahen und Seewein tränten. Ich selbst habe mich lange Zeit im Besitz einer Erinnerung von ähnlicher Beschaffenheit geglaubt unb erzählte sie an jenem Abend der kleinen Tischninde. Soweit ich zurückdenke, ich finde den Punkt nicht, da man mir nicht schon Märchen erzählt oder vorgelesen hätte. Auf kindliche Art glaubte ich an diese zauberischen, hexen- und feenhaften Vorfälle, wobei ich es freilich als ordnungsgemäß hinnabm, daß mir selbst noch nie die Begegnung mir einem Heinzelmännchen oder einer verzauberten Prinzessin zuteil geworden war. Als ich die Lesekunst erlernt hatte, erprobte ich sie zunächst an einigen Büchern, die ich auf meines Vaters Nachttisch fand. Es waren Shaws „Arzt am Scheidewege", Sudermanns „Es lebe das Leben", und das Textbuch zur „Weißen Dame". Indessen waren diese Bücher mühsam zu lesen, und es schien mir in ihnen recht viel Entbehrliches gesagt und getan zu werden. Bald darauf machte ich die erlösende Entdeckung, daß man Märchen nicht nur erzählt oder vorgelesen bekommen, sondern ja auch selber lesen konnte, und daß in diesen Büchern im Gegensatz zur Abendlektüre meines Vaters alles mit rechten oder doch mit besseren Dingen zuging. Von da an las ich Märchenbücher mit Leidenschaft, ja ich hatte selbst ein Märchen in ein blaues Heft geschrieben und es mit selbstkolorierten Bildern verziert. Die ich aus dem Weihnachtskatalog einer Buchhandlung ausgeschnitten und mit Bächen von Gummi arabikum in die sorgfältig ausgesparten Textlücken 'geklebt hatte. So befand ich mich denn in einer Verfassung des Wohlvorbereitetseins auf das Außerordentliche, das mir begegnen sollte. Eines Nachmittags ging ich allein den Thronfolger-Boulevard entlang. Cs war Schneeluft und Dämmerung, und ich fühlte mich von diesem Doppeleindruck zu einer ahnungsvollen Traumbereitschaft aufgefordert. Dazu begannen jetzt im Blauen die Gaslaternen ruckhaft aufzuflammen, denn in der Stadt gab es Gasbeleuchtung, während in den entfernteren Vorstädten auf hohen, ungestrichenen, viereckigen Holzpfosten noch Petroleumlampen standen, die wir, je nach Jahreszeit und Gelegenheit, mit unreifen Aepfeln, Fichtenzapfen, Kastanien oder Steinen in Scherben zu werfen liebten. Es fuhren viele Droschken vorbei, ein paar Lastwagen und auch Radfahrer oder, wie wir damals sagten: „Velozipedisten", und alle diese Fahrzeuge schienen mir etwas Unwirkliches und Verzaubertes zu haben: es war, als wollten sie etwas ganz anderes ausdrücken, als was sie meiner Afttagserfahrung nach zu fein hatten. Neben mir ging ein Soldat mit einer Fellmütze. Plötzlich stieß er einen Ruf aus, den ich damals noch nicht verstand: es wird jener etwas herzkräftige Ausruf gewesen fein, mit dem der Russe jede Art ber Gemütserschütterung auszudrücken liebt. Sein Mund blieb offen, seine Augen quollen vor. Ich werde mit Mund und Augen ziemlich das gleiche Spiel getrieben haben, denn in diesem Moment war fchellenklingelnd das sonderbarste Gefährt von der Welt um die Ecke der Nikolaistrahe gebogen. Zwei schneeweiße, goldgehörnte Ziegenböcke trabten vor einer gläsernen Kutsche von Mailcoach- Größe. Daß vom Dock ein reichgalonierier Kut- scherzwerg regierte, durfte nicht wundernehmen. Aber im Wagen selbst saßen, holdselig lächelnd, der Prinz und die Prinzessin, beide so groß wie die Puppen meiner Cousinen, buntleuchtend und goldflitternd gekleidet, wie eben Prinzen unb Prinzessinnen gekleidet fein müssen, mit Barett unö Federn, und in Seide und Samt. Lind was tat die bezaubernde kleine Prinzessin? Sie sah mich an, mich, sie hob die Finaerspihen an die Lippen, sie warf mir eine Kußhand zu, und da war die Märchenkutsche auch schon vorüber. Ich war so betäubt, daß mir nicht der Gedanke kam, ihr nachzulaufen. Ich kann mich auch nicht erinnern, wie ich den Rest dieses Tages verlebt habe und in welcher Verfassung ich nach Hause gekom- men bin. Ich weiß nur, daß ich weder Eltern noch Geschwister noch Dienstboten auch nur ein Wort von meinem Erlebnis erzählt habe. Denn ich fühlte zu deutlich, daß man mir den Glauben versagen, ja daß man unerllärbarerweise mit diesem Versagen im Recht sein würde. Dennoch war es eine Wirklichkeit, bie keinen Zweifel zuließ, ich hatte die Märchenkutsche gesehen und die Prinzessin hatte mich angelächelt und mir eine Kußhand zugeworfen. Auch heute noch kann ich mir jederzeit aus meinem Gedächtnis dies Bild vor Augen rufen und kann die Begebenheit mit meinem Eide bestätigen: und doch wußte ich in späteren Jahren, daß sic nicht ftattgefunben haben kann, da ja auf dieser Welt foldjerlei Kutschen nicht einmal durch die Nikolaistrahe und den Thronfolger-Boulevard in Riga fahren. Unö so war ich beim genötigt, an eine jener sonderbaren kindlichen Gedächtnistäuschungen zu glauben, wie deren eine das Mohren- erlebnis im Rostowschen Hause gewesen ist. Allein die Geschichte sand eine gänzlich andere Auflösung, denn unter den Gefährten jenes Meberlinger Seeweinabends war ein Landsmann, der mir um einige Jahre voraus ist, und der sagte: „Natürlich haben Sie die Kutsche gesehen, es war die Rellame-Umsahrt von Mirellis Liliputanertruppe, die damals in Riga gastierte, ich selbst war in der Vorstellung. Hätten Sie nur zu Hause den Mund aufgemacht, dann hätten Ihre Eltern Sie wahrscheinlich auch hingeschickt." Ich kann nicht leugnen, daß diese überraschende Aufklärung mir ein kleines törichtes Unoergnügen verursachte, aber beim Seewein haben ja, Miß- behaglichkeiten keinen sehr langen Bestand. Noch heute freue ich mich indessen darüber, daß ich zu Hause geschwiegen habe und nicht in die Vorstellung gekommen bin. Länger als ein Vierteljahr- Hundert habe ich auf diese Weise in meiner Erinnerung das Lächeln und' die Kußhand einer Zwergenprinzessin bewahren dürfen. Das ist ein Glück, das sicherlich wenigen Menschen gegönnt ist: übrigens ist Seewein auch nicht zu mißachten. Oer Weizen im Examen. Das Landwirtschaftsministerium ber Vereinigten Staaten hat ein Sachverftänbigen-Kollegium beauftragt, 412 verschiebene Weizensorten aus 38 Er- zeugungslänbern auf ihre Mahl- unb ®adgüte zu prüfen. Nach einem Bericht ber Frankfurter Wochenschrift „Die Umschau" bestaub in bezug auf ben Mah - roert bas Examen am besten ber kanabische Hartweizen, da er aus ber geringsten Menge das meiste gute Mehl lieferte. An Backwert, b. h. in ber (Eignung zur Brotbereitung, kam ihm ber rote Sommer- Hartweizen ber Vereinigten Staaten gleich. Dagegen zeigten bie russischen Sommer-Hartweizen unge- nügenbe Backgüte, unb bas gleiche war bei ben Weizenarten aus Europa, auch beim beutschen, unb benen aus Sübafrita ber Fall: sie hatten guten Mahlwert, aber ungenügenbe Backfähigkeit. Das beste Erzeugnis unter ben Winter-Hartweizen würbe von ben Vereinigten Staaten geliefert: bie gleiche Sorte aus Argentinien hatte einen geringeren Mahlwert unb ber russische Hartwinter-Weizen war schlechter backfähig. Don ben gewöhnlichen roten Weizensor- ten waren bie ber Vereinigten Staaten von guter Backsahigkeit, würben aber von anberen an Mahl- güte übertroffen. Die europäischen Weizenarten, auch ber beutsche, erhielten in ber Mahlgüte eine gute Durchschnittszensur, würben aber in ihrem Backwert schlechter beurteilt. Eine Ausnahme machte nur bas europäische Rußlanb, Ungarn unb bie unteren Donau-ßänber, beren gewöhnliche rote Winterweizen unter beiben Gesichtspunkten befriebigten. Gute weiße Winterweizen lieferten Rußlanb, Polen, Mexiko, Chile, Marokko, Südafrika, sowie Indien, Australien und die Vereinigten Staaten; bie ber anderen Gebiete lagen unter bem Durchschnitt Hochschulnachrichten. Nach kurzer schwerer Krankheit ist der Direktor der Greifswalder Universitäts-Frauenklinik, Professor Dr. Ottomar Hoehne, im Alter von 61 Jahren gestorben. Prof. Dr. W. Mevius in Münster hat einen Ruf auf das Ordinariat der Botanik an der Berliner Landwirtschaftlichen Hochschule erhalten und angenommen. Die mit dem Tode von Professor vonEchanz an der Universität Würzburg erledigte Professur für Nationalökonomie, Finanzwissenschast und Statistik ist dem ordentlichen Professor Karl Bräuer an der Universität Breslau angeboten worden. Zur Wiederbesehung des an der Universität Halle erledigten Lehrstuhls der gerichtlichen Medizin ist ein Rus an den Privatdozenten Dr. K. Walcher in München ergangen. Zur Wiederbesehung des durch das Ableben von Professor Pschorr an der Berliner Technischen Hochschule erledigten Lehrstuhles der organischen Chemie ist ein Ruf an Prof. Dr. Hermann Staudinger in Freiburg L Dr. ergangen. Off kommt es sogar aus Unkenntnis der Versicherungsbedingungen zu Klagen, und dann ist der Versicherungsnehmer ausnahmslos der Leid tragende. der außerdem noch die Kosten des Gerichtsverfahrens tragen muß. Auch hier gilt wie in jeder anderen Versicherung der Grundsatz der Unteilbarkeit der Prämie, d. h. die Versicherung muß wie bei jeder anderen Vcrsicherungsart in den vollen Belitz des Gegenwertes kommen, den sie für das bei Abschluß der Versicherung übernommene Risiko errechnet hat. Die vorstehenden Ausführungen stellen die Rechtslage dar, wie sie sich auf Grund der einschlägigen Gesetzes- und Versicherungsbestimmungen ergibt. Unabhängig hiervon können die Versicherungsgesell- schäften aber trotzdem ein Entgegenkommen walten lassen, und tatsächlich erklären sich viele von ihnen bereit, die nicht verbrauchte Prämie anderwärts zu verrechnen, sofern ein neuer Vertrag in einem anderen Versicherungszweig abgeschlossen wird, inwieweit die nicht verbrauchte Prämie zur Anrechnung gelangt, ist natürlich in jedem einzelnen Falle besonders zu vereinbaren. Während Unfall- und Haftpflichtversicherung bei vollständiger Aufgabe des Wagens gegenstandslos werden, behäll die Kaskoversicherung bei einer nur vorübergehenden Außerbetriebsetzung auch weiler- hin ihre Bedeutung. Aber auch in diesem Falle hat ein Ansuchen um Herabminderung der Prämie Aussicht auf Erfolg, da durch Entleerung aller Brennstoffe usw. eine wesentliche Verminderung des seitens der Versicherung seinerzeit eingegangenen Risikos bedingt ist. So scheint trotz der eingangs geschilderten Rechtslage geboten, sich mit dem Versicherungsträger ins Einvernehmen zu setzen, um mit ihm ein Abkommen über eine Herabminderung der Prämie zu treffen. Zimetgen, oe|dni>tts uh lüeciuufe fieutiOiugec. ÄIsländer ruhig. Reichsschuldbuchforderungen und Renten etwas gefragt. Am Geldmarkt war die Situation unverändert zu gestern. Tagesgeld stellte sich auf 5J4, Monatsgeld auf 6 bis 8 Prozent nominell. Ruhigere Auffassung in Zrankfuri. Frankfurt, 21. Juli. (WTB. Drahtmeldung.) Rach den gestern sich überstürzenden Ereignissen machte sich an der heutigen Börse eine wesentlich beruhigtere A u f fa ss u ng -der Lage geltend, wenngleich die Börse in fast vollkommener Stagnation verharrt. Die Blicke sind ganz auf die Weiterentwicklung der Dinge gerichtet. Beruhigend wirkte vor allem der Aufruf der Gewerkschaften, der die Arbeiterschaft zur Ruhe und Besonnenheit ermahnt. Das Geschäft war a u ße r o r de n t l i ch st i l l, da das Publikum sich gleichfalls vollkommen abwartend verhielt und weder Verkaufs-, noch Kauforders an die Märkte gelangen ließ. Gegenüber der Wendbörse zeigten die ersten Kurse kaum merkliche Veränderungen, und sie lagen in der Mehrzahl gut behauptet. Am Elektromarkt überwogen meist kleine Besserungen von 0,25 bis 0,5. Dagegen bröckelten Bergwerksaktien weiter leicht ab. Niedriger lagen noch am Kunstseidemarkt Aku mit minus 0,9 o. H., ferner Reichsbank mit minus 0,5 o. H. Ebenso verloren Deutsche Erdöl 0,5 v. H. IG. eröffneten mit 85,9 v. H. gegen gestern unverändert. Von deutschen Anleihen bestand einiges Interesse für Altbesitz, die 0,75 v. H. anzogen, während Neubesitz nur knapp behauptet blieben. Auch die übrigen Rentenwerte zeigten nur unwesentliche Veränderungen. In Goldpfandbriefen lag kein neues Angebot vor, doch wurden die Kurse auf Grund des gestern gut erledigten Verkaufsmaterials etwas niedriger taxiert. Liquidationspfandbriefe lagen dagegen weiter etwas freundlicher. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 21. Juli. Auftrieb: 105 Rinder, 1099 Kälber, 93 Schafe^ 890 Schweine. Es wurden bezahlt: Kälber, beste Mast- und Saugkälber 35 bis 40, mittlere Mast- und Saugkälber 31 bis 35, geringe Kälber 25 bis 30 Mark; Schafe, Mastlämmer UHU jaa-)£.< Zu..u>...-jl 60 dis 30, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 20 bis 25, fleischiges Schafoieh 13 bis 19 Mark; Schweine, vollfleischige von etwa 240 bis 300 Pfd. Lebendgewicht 41 bis 44, von etwa 200 bis 240 Pfund 41 bis 44, von etwa 160 bis 200 Pfd. 38 bis 43, von etwa 120 bis 160 Pfund 36 bis 42 Mark. Marktoerlouf: Kälber und Schafe ruhig, ausverkauft, Schweine ruhig, ausverkaufl. sicher Sommermartt. J) Lich, 20. Juli. Heute wurde hier der altbekannte Licher Sommermarkt als Zuchtvieh-, Handelsvieh-, Schweine- und Krämermarkt, Bullen-, Eber- und Schafbockoersteigerung abgehalten. Der Markt brachte unserer Stadt einen recht lebhaften Verkehr. Zum Auftrieb gelangten 470 Ferkel, 121 Kühe, Rinder und Bullen, 38 Schafböcke und 8 Eber. Zur Auktion standen 9 Bullen, 8 Eber und 38 Schafböcke. Vorgeführt zur Prämiierung wurden rund 100 Stück hessisches Fleckvieh und 21 Stück Vogelsberger Vieh. Die Versteigerung von Bullen, Schafböcken und Ebern war zufriedenstellend. Der Handel mit Ferkeln vollzog sich schleppend. Es verblieb Ueberstand. Bezahlt wurden für Ferkel bis sechs Wochen alt 12 Mark, uts zu acht Wochen alt 14 Mark, ältere Ferkel 17 Mark. Kirchliche Nachrichten. Freitag, den 22. Juli. Kapelle auf dem Alten Friedhof. 20 Uhr pünktlich: Andacht für Studenten; Professor l). Bornkamm. Ein verchromtes Fahrrad bringen die Mielewerke seit einigen Monaten unter der Bezeichnung „Miele- Melior-Chrom" zu einem niedrigen Preis auf den Markt. Dieser niedrige Preis bei Verwendung erstklassiger Materialien (Torpedo-Freilaufnabe, gelöteter Rahmen, gutes Tretlager usw.) ist nur durch die Ausnutzung vollkommener Fabrikationsmethoden möglich geworden. Für das Miele-Melior-Chrom- Rad, das auch mit Ballonreifen geliefert werden kann, übernehmen die Mielewerke die übliche Garantie.5389V „Alle Bruchleidende“ werden auf das heutige Inserat des Spezialbandagisten K. Ruffing aufmerksam gemacht. 5366V Wirtschaft. Merkliche Beruhigung in Berlin. Berlin, 21. Juli. (WTB. Funkspruch.) Nachdem nunmehr 24 Stunden zwischen dem überraschend schnellen Vorgehen der Reichsregierung gegen Preußen und der heutigen Börse liegen, und es nirgendwo zu ernsthaften Zwischenfällen oder Verwicklungen gekommen ist, hat die Stimmung in der Burgstraße eine merkliche Beruhigung erfahren. Starke Beachtung fand auch die besonnene Haltung der Gewerkschaften, die ihre Mitglieder zur Ruhe ermahnt Haden und den Hauptnachdruck auf die Wahlpropaganda legen wollen. Kursmäßig kam die Befriedigung über den verhältnismäßig reibungslosen Verlauf der Dinge bei der unverändert herrschenden Zurückhaltung des Publikums und der Spekulation auch heute nicht zum Ausdruck; die Beziehungen waren im allgemeinen nur wenig und nicht ganz einheitlich verändert, lediglich für einzelne Spezialwerte waren Sonder- bewegungen festzuftellen. Die Hoffnungen auf eine festere Eröffnung hatten sich jedenfalls erfüllt. Trotz der unverkennbaren Beruhigung herrschte naturgemäß noch störende Unsicherheit über die Weiterentwicklung der Dinge in der Politik. Für Farben bestand auf die Stickstosseinigung zwischen Chile und Europa, die in London erzielt wurde, zu gut behaupteten Kursen etwas Interesse. Schultheiß waren auf die heutige G.-V. hin gefragt und über 1 Prozent höher. Auch die Ausführungen auf der G.-V. der AG. für Verkehrswesen hatten einen günstigen Eindruck hinterlassen. Aschaffenburger Zellstoff bei denen ein Verlust von mehr als 4 Millionen Mark im Geschäftsjahr 1931 eingetreten ist, wurden zu Beginn des Verkehrs gestrichen. Jrn übrigen waren Verkehrsmittel mit minus 1% Prozent und Rütgerswerke mit minus Wt Prozent etwas stärker abgeschwächt. Sonst betrugen die Veränderungen nicht mehr als 1 Prozent. Man sprach über die leichte Besserung am amerikanischen Eisen- und Stahlmarkt. Im Verlaufe wurde es nach kleinen Schwankungen auf Deckungen bis zu 1 Prozent fester. Farben, Reichsbank und Pekula lagen in Führung. Deutsche firoher unvergeßliche Mutter. Schwägerin. I. Lebensjahre. 20. Freitag, den 22. Sterbehause. Gießener Straße 97, Wieseck, Reiskirchen, Die Beerdigung findet Großmutter, Schwester, , nachmittags is statt. Gestern entschlief sanft nach langem schweren, Geduld ertragenem Leiden meine liebe Frau, unsere Karl Schäfer V. unc Familie K. Kreiling Familie J. Seipp. 1932. und Tante tine Schäfer Verkäufe Haus! 3x4-Zimm.-Wohn., Garten, schöne Lane, 1 Wohnung beziehb., sehr billig zu verkauf. j.Laer,Ost rmlage43I. piano neu, bill. abzugeben Pianohaus August Förster Bahnhofstr. 71 (""" Guterhalt. steuerfr. Motorrad bill.abzugeb.Nehme auchRadwi.Tausch. Schr.Aug. u. 04344 an den Gieß. Anz. Klein-Linden, den 20. Juli 1932. M9tD Die trauernden Hinterbliebenen: Familien Balser und Reuter Familie Weimer Familien Balser und Mohr Familie Döll Familie Kraushaar. Die Beerdigung findet Freitag, 22. Juli, nachm. 3 Uhr, vom Sterbehause, Frankf. Str. 60, aus statt. Rödgen, Wieseck, Steinberg, Hausen, Trohe, den 20. Juli 1932. Die Beerdigung findet Freitag, den 22. Juli, nachmittags 2 Uhr, in Rödgen statt ________.__04345 Gott, der Herr über Leben und Tod, hat heute mittag um 1 Uhr meine liebe Frau, die gute Mutter ihres Kindes, meine unvergeßliche Tochter, unsere liebe Schwiegertochter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Marie Gelitzer, geb. Germer nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 40 Jahren zu sich gerufen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Gustav Gelitzer Johannes Germer, Kreisbaumwart LR Heute nacht entschlief sanft und unerwartet unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Urgroßmutter, Schwester und Tante Frau Katharine BallerWw. geb. Hof im Alter von 83 Jahren. Saison-SchluB-Verkauf Kleiderstoffe Weißwaren Bettwäsch e F rott i e rwäsch e auffallend preiswert Sommerstoffe bedeutend im Preise zurückgesetzt Auf alle nicht zurückgesetzten Preise a|/\O/ gewähre ich einen Barrabatt von Iw /O Etagengeschäft Sonneborn 5401 d Alicenstraße 16 (neben „Hessischer Hof"). Geschäfts-Drucksachen bei Brühl, Schulstraße 7 Rechnungen Briefblätter Briefumschläge Postkarten Qeeohäftskarten Frau Dr. Pitzen verreist 5399 D BjLÄddytn aus der Sommerfrische oder vom Sonntagsausflug wird immer wieder die Erinnerung an diese schönen Stunden wachrufen. Ich helfe Ihnen gern, gute Photos zu machen. 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Juli 1932, vormittags 9 Uhr, wird im Amtsgerichtsgebäude zu Gießen, Zimmer 107, das im Grundbuche von Gießen dem Metzger- meister Max Jakob in Gießen zugeschrie- bene Anwesen Schottstraße 9 und 11 Flur 2, Nr. 160*/io = 578 qm hofreite, Flur 2, Nr. 162'/io = 111 qm Grabgarten, geschätzt 28 940 RM., versteigert. 4730D Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 20. Juni 1932. I. A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsoorsteher. ®elellllait£leölg-Iliiifettai in Wen. Oeffentlicher Donrag am Sonntag, 24. Juli 1932, 11'/« Uhr, int Liebig-Museum. 5387 d ©eheimrot Sommer. Gießen: Die Gntroltfelung Des Liebig-Museums von 1924 vis 1932. Mit Ausstellung v.Erwerbung, u. Spend. Sommer. Merck. Adolph. Für wöchentlich einige Tage Monti) gesucht. Übernachtung u.Verköstigung des Chauffeurs wird mit übernommen. Sckr.Angeb.beiAb- schlus;v.jel0000krn u. 04339 a. d. G. A. Abnahme I. 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