Br. U5 Erstes Blatt Dienstag, 2|. Juni 1952 182. Jahrgang gr. ffi. 2an#t icigf, daß die Länder solche Transfer» nur bl» jn einer gewissen eng gezogenen Grenze ohne Gegenleistung erlauben wollen, und daß bei Bezahlung in Gold die Wirkung verhängnisvoll sei. Da» zweite Argument Herriot» scheine an sich richtig. Der youngplan gebe Frankreich einen wesentlichen Ilcberschuh über seine Schuldenzahlung an Amerika. L» sei jedoch zu bemerken, dafz Frankreich einen sehr wesentlichen velrag zur wiederher st ellung seiner zerstör- tcn Gebiete bereit» erhalten habe, völlige Schuldenannullierung belasse aus England» Schultern eine ebenso schwere Last wie aus denen der vereinigten Staaten. Loyton schließt: die Be- rechnungen über die von jedem einzelnen gebrachten Opfer sind aber tatsächlich von geringer Bedeutung, vernünftige Erwägung heißt, daß alle B e I eilig. I c n Vorteile haben würden, wenn „der Schmutz der Krieg»schuldenzahlungen" beseitigt und da» Terrain geebnet werden könnte für den wleoeraufbau de» internationalen handel». lhd>echs«ib,j gen über den Er- n Aktien der ®c|, wn nach 3nfot. don der M estehenden Dre-z. -lt geführt. Diese ärteresDvrstch« -ofischen Drudp.- eck ist, zu verhin- 'enpaket von ®d- ekonntlich.kontrvi' ucht nur die M ienbelrieb, Düffel' ! Stahltoerke-AS. schlüsfen sind die >gt. klenbencht Delegation damit gedroht habe, noch am 'Abend au» Lausanne abzureisen: um die Fäden wieder anzuknüpsen, hab« Herriot eine nächtliche Unterredung mit Macdonald gehabt. — "Echo de Pari s" berichtet, Herriot entdecke, dal; er mit seinem Freunde Macdonald in der Reparationssrage nicht m c & r einig sei. $cr- riot täte aber Unrecht, wenn er jetzt locker liehe. — „Figaro" spricht von einem ernften Zu - sammenstoß, e» sei jedoch schwer, Genauere- darüber zu erfahren. .Journal" berichtet über eine nächtliche Unterredung zwischen Herriot und Macdonald, es unterliege keinem Zweifel, daß die Engländer von der Haltung Herriots überrascht worden seien, und dah sich ihrer eine gewisse Erregung betnächtigt habe, weil die Franzosen die Reparations- frage wieder hervorholten, während die Engländer glaubten, dah sie durch die Erklärung der Mächte vom Freitag völlig eins seien. Es werde sogar behauptet, dah die englische London, 21. Juni. fwTB. Funkspruch.) 3n New» Lhronicle schreibt Sir Walter Laylon: herriot hat zwei bekannte Argumente gegen eine völlige Beseitigung der deutschen Reparationen vorgebrachl. Das erste lautet, dah bei völliger Beteiligung aller Kriegsschulden Deutschland ein st a r k e r industrieller Konkurrent sein wird. Das zweite Argument ist, dah eine solche Politik Frankreich ein gröhere» Opfer aus- erlegen würde als irgendeiner anderen europäischen Macht. Demgegenüber führt Laylon au», herriot habe e» unterlassen, auf den Punkt einzugehen, dah Reparationszahlungen auf die Dauer nur in Gütern geleistet werden können. Ls sei somit klar, dah irgendwelche deutschen Reparationen nur durch Erhöhung der deutschen Ausfuhr über die Einfuhr zu bezahlen seien, das heiht, durch ein Gröher - und nicht durch ein G e r i n g e r w e r d e n der deutschen Konkurrenz. Die Erfahrung habe ge- 52.05 12.W 3.063 170.47 75.13 83.43 78,18 15,29 0,951 4,217 59.« 21,3 16.58 82.15 34.n 82.3« 1.291 0,39 7.807 13,91 Warum bleibtAmerika abwartend? Hoover fordert Bereitwilligkeit Europas zur Herabsetzung der Rüstungen und Kürzung der Wehretats. ,20 1,38 1.08 s 'S 1,80 L« [;!i 1,53 nliurl_aJL- 20_N—- Geltendmachung und "Bekundung niedrigster menschlicher Leidenschaften schützt, dann ist das ihre Sache. (Jeder, der mit offenen "Augen inS Leben schaut, weih es. Aber dieser Prozeß ist mehr, und man wird ihn aufmerksam bis zu seinem Ende verfolgen müssen. Denn er hat einen ebenso wichtigen politischen wie auch wirtschaftlichen Hintergrund. Was bis jetzt fchon durch den Geheimrat Earo über d i e Transaktionen der Tschechen Petscheck in Deutschland enthüllt worden ist, dürste genügen, um die Staatsanwaltschaft zu zwingen, von sich aus ein Ermittlungsverfahren gegen diesen famosen Herrn, dem heute di« besten deutschen "Braunkohlengruben unterstehen und dem Zehntausend« deutscher Arbeitereristenzen in die Hand gegeben sind, eiiuuteiten. Aus welchen Motiven heraus diele Enthüllungen gemacht werden, kann uns kalt lassen. Wenn nämlich aus dieser schmutzigen Privataffäre ein Prvzeh sich entwickelt — und es hat allen Anschein — der sich mit dem Wirtschafts.genie" Ignatz Petschek beschäftigt, dann kann das uns nur recht sein. Immer wieder hat die verantwortungsbewußte deutsche Presse "Beranlassung gehabt, gegen die Transaktionen Petlcheks in Deutschland anzugehen, ohne dah ein Erfolg zu verzeichnen war. Hier aber hat ein Eingeweihter es satt bekommen, sich als Freiwild betrachten zu lassen. "Beiden Herren wird es sicher nicht gan) wohl sein, und vielleicht wird Herr Caro in d.elen Tagen ein wenig über den Sinn des Satzes nachgedacht haben, den der grohe Razarener in dem berühmten Gespräch einst seinem Aamensvetter Ricodemus gewidmet hat: „Der Wind Mäft. wo er will, und du hörest sein Sausen wohl: aber du weiht nicht, von wannen er kommt, und wohin er fäfyrl“ . Sie vollkom chon den Heuliga erte, übertrug pä ublikumsseile lager fufotion blieb wei aus Neuyork gt ’ schwächere Ler> Einfluß auf die s. Gegenüber Örn geringfügige Berge, die zur istoiie- gehüiien. (Simas und M.-Farben, ben, dagegen lonr- its am Sormittog ng des Kurse- fort- ). gewinnen, pür Interesse. Nachlnn enannt wurde, tai (plus i v.h.j je k t herrschte Er- inderungen hieltm ach beiden Seit«, wurden gegenüber im i v. h- h°drr 38,13, Neichsbonk elsenkirchen 11,50, M'l 1W klEG. 20,75, «ein- Licht und Ärait e( 52,50, jjoljmano jurfert 57Ä &e 2, Lakai und W 58,62 i d« 2^1 78.1 82-1« 3I-Ö Annahme von Lnzeiae» für die Tagesnummer bi* zum 'Rackmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Hnjeiqcn von 27 mm Breite artlich 8, auswärts 10 Reichspfenmg: für R- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 'Reichspfennig, Platzvorschrill 20' , mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lang«. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.Tkyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Biehen. 7,OK 51.95 12, 3.057 170,13 7197 83,27 78,02 15.25 0,948 8,209 58.5» 21.50 16.» 81.Z 3».^ ß, 22 1,289 0,325 6 993 13,89 Layton widerlegt Herriot Was der Franzose vergessen hat. kommen KÄÄ | ■ ^Swund 2 t tourö^ Juni. 22. Suni. ^mboibi it aI6pee in ftoperv ^agobuchhändler W a s h i n g t o n, 20. Juni. WTB.) Die von über 50 führenden amerikanischen Finanz- und Wirt- schaftsvertretern auf eine Rundfrage Butlers geäußerte Ueberzeugung, dah die geplante internationale W i r t s ch a f t s k o n f e r e n z von vornherein zum Scheitern verurteilt fei, falls nicht entgegen der von Stimson am 31. Mai verkündeten Bedingungen die Frage der Reparationen, der Kriegsschulden und der Zollsätze auf die Tagesordnung gesetzt würden, begegnet in amtlichen Streifen einem bedauerlichen Achselzucken. Man befindet sich zur Zeit in einem Schwebezustand, bis die Wahlen im November gezeigt haben werden, welchen Kurs die Wähler wünschen, d. h. wen sie ins Parlament entsenden. In diesem Zustand der Ungewißheit ist die Regierung nicht frei in ihren Entschlüssen, sondern muh sich an die ihr vom gegenwärtigen Kongreh vorgeschriebcne Marschroute halten. Hoover ist bekanntlich ein Anhänger des Schutzzolls!) st ems für grohe anein- andergrenzende Gebiete und oei folgt daher mit Interesse und Sympathie das Bestreben der Donaustaaten sowie Luxemburgs, Belgiens und Hollands nach geschlossenen Zollgebieten. In der hSaJ XdiÄ, «I b0, TS«.I *Milt * e ■tes. i. ler, ben!r9i°* ."N Aücki.7 Kritischer Punkt in Lausanne. Völlig ergebnisloserVerlaufderprivatenAesprechungen.-OiebeidenFrontentretenscharfheraus Erfchetnt täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle monatiBeiugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. 8enlsprechanschlüste unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehe». Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. die Befriedigung kleinerer spezieller Wünsche der Tochter bei. Auch Dater Petschek ließ sich's etwas kosten', eine so „geistige" Schwiegertochter bekommen zu haben. Aber es ging eben auf die Dauer nicht. Die Temperamente paßten nicht zueinander. Hatten in den Flitterwochen der jungen Leute die beiden alten Herren die gerührtesten Tischreden aufeinander gehalten, aus denen heroorging, daß sie sich mit zu den größten Leuten des Jahrhunderts rechneten, so begannen, als die ersten Scheidungsgerüchte im Familienkreise auftauchten, ihre herzlichen Beziehungen ebenso rasch an Innigkeit zu verlieren. Ganz auf Eis gelegt wurden die Beziehungen, als es a n d i c Regelung der finanziellen Angelegen, beiten ging. Sie, die vorher mit Zigtausend-Mark Nadelgeld nur so herumgeworfcn hatten, rechneten plötzlich mit Pfennigen. Man stritt sich, man pro- zcssierte. Das Gedächtnis ließ die Herrschaften im Stich. Der Multimillionär Petschek konnte sich nicht mehr erinnern, je eine Mitgift von 400 000 RM. erhalten zu haben. Herr Caro beschwor das. Als man ihn nach der Quittung fragte, war sie verloren- gegangen. Der tschechische Emporkömmling sah seine Chance. Er hat sie wahrgcnommen, und das Ergebnis ist die Meineidsklage gegen Caro, die jetzt in Moabit den Gegenstand des Prozesses bildet und bei dessen noch monatelang währender Dauer die gesamte schmutzige Wäsche der beiden Familien gewaschen werden soll. Eigentlich ginge das nun die Oesfentlichkeil nichts an. Wenn die Leute das Bedürfnis haben, aller Welt zu zeigen, dah auch noch so viel Pinke nicht ein Quentchen wahres und echtes Glücksgefühl verschaffen kann, wenn sie der Auf- fa'sung sein sollten, daß sie der Welt zeigen müßten, daß selbst, das Geld nicht vor der größte lebende deutsche Dirigent, seinen »schlichten Abschied". So scheint es, daß der verschmähte T o s c a n i n i aus einmal wieder gut genug scheint, in die peinlich empfundene "Bresche zu springen, — und daß Toscanini, von seinem deutschen Nebenbuhler befreit, jetzt unter Aufsicht von Frau Wagner eine kompakte Reurege- lung in "Bayreuth vornehmen wird.... Gegenwärtig rollt in Moabit vor einer Berliner Strafkammer der Prozeß gegen den Geheimen Regierungsrat Professor Dr. Nicodemus Caro ab. Im Hintergrund taucht der wenig sympathische und charakteristische Kops des tschechischen Kohlenkomgs Ignatz Petschek auf, ein Prozeß also, der in der „Creme" der Berliner Gesellschaft spielt. Staunend hört die große Dcffentlidjteit Details aus dem Leben dieser reichen und feinen Leute, daß — wie der Berliner sich ausbrürft — einem die spucke wegbleibt. Was haben Caro und Petschek mitein- ander zu tun? Einen Augenblick nur! Nicodemus Caro und Ignatz Petschek |int> sozu- sagen geschiedene Schwiegervater. Derachen" die Tochter des Geheimrats und eine durch und durch „geistige" Frau, heiratete den Sohn des Herrn Petschek, einen durch und durch „materialistisch" eingestellten jungen Mann. Man sollte meinen, daß nach dem alten Grund atz Gegensätze ziehen sich an", diese Ehe sehr glücklich geworden wäre, zumal die finanzielle Untermauerung des Haushaltes des jungen Paares nach bürgerlichen Begriffen all gesichert angesehen werden mußte. Eine Mitgift von 4 00 00 0 Mar. brachte Dera mit, außerdem erhielt sie ein anstan- diges Nadelgeld von mehreren tausend Mark im Monat und 'schließlich steuerte der Dater alle Vier- teljahr lumpige dreißigtaufend Mark und so für Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'fche Univeislratr-Vuch- und Stctnörudcrd R. Lange in Gießen. Zchriftleitung und SefchZflrftekle: 5chnlstraße 7. Frankreich besteht auf Beibehaltung der Tribute. (Snglnnb, Italien und Tentschland fordern sofortige nnb vollsttindi- e Streichung. Lausanne, 20. Juni. (TU.) Nach Mitteilung von unterrichteter Seite sind in den privaten Besprechungen am Montag die Gegensätze in der Tributfrage in aller Schärfe zutagegetreten. Die Verhandlungen sind völlig ergebnislos ge- wesen. Herriot hat Macdonald mitgeteilt, daß Frankreich auf einer Beibehaltung der Reparationen bestehen müsse, wenn es auch eine wesentliche Herabsetzung und Hinausschiebung der Reparationszahlungen ohne jede neue förmliche Anerkennung zuzugestehen bereit sei. Die englische Regierung vertritt dagegen wie bisher den Standpunkt der unbedingten Notwendigkeit einer vollständigen Streichung der Reparationen als Boraussetzung für die Ueberroinbung der Wirtschaftskrise und ersten Schritt für die Gesamtlosung der internationalen Schuldenfrage. Es besteht somit jetzt auf der Tributkonferenz auf der einen Seite die völlig übereinstimmende Haltung Englands, Italiens und Deutschlands, die sofortige und vollständige Streichung fordert, während Frankreich am Tributsystem festhält. Die französischen Mitteilungen über den franzö- fischen Standpunkt in der Tributfrage werden von deutscher Seite auf das Nachdrücklich st e abgelehnt. Besonders wendet man sich deutscherseits grundsätzlich dagegen, die Tributfrage in der gegenwärtig außerordentlich ernsten Lage der Weltwirtschaft als eine reine finanzielle Frage zu behandeln, wie dies Herriot in seiner Erklärung vor der französischen Presse getan hat. Die deutsche Auffassung stützt sich auf die sich immer breiter fest- setzende Ueberzeugung der gesamten Weltöffentlichkeit, daß ohne eine sofortige Streichung der Tribute an eine Wiederherstellung des von allen Seiten geforderten Vertrauens und Wiederbelebung der Wirtschaft nicht zu denken sei und die Tributfrage als eine internationale Frage jetzt endgültig g e I ö ft werden müsse. pariser Kommentare. Frankreich fordert einen „pauschalen Nebcrschutz". Paris, 21.Juni. (WTB. Funkspruch.) Zur Lage in Lausanne schreibt „Matin", wenn Frankreich zur Liquidierung der Reparationen einen pauschalen Ucberschuß durch Der- pfändung von Reichsbahnobligationen verlange, so verlange es ihn nicht allein für sich, sondern für alle europäischen Gläubiger und sogar für amerikanische Gläubiger. Dieser pauschale Ueberschuß müßte nach dem französischen Plan der Internationalen Zahlungsbank ausgehändigt werden, die ihn nach dem Verhältnis des Hoovermoratoriums ve r t e i I c n würde, d. h. zwei Drittel an Amerika zur Liquidierung feiner Gläubigeransprüche an Europa und nur ein Drittel an Europa, in das sich Frankreich, England, Ita- lien Belgien und Südslawien nach dem Spaer Verteilungsschlüssel zu teilen hätten. Ueber die Modalitäten dieser Regelung, über die Garantien ujw. könne man diskutieren. Aber die französische Delegation scheine fest entschlossen zu sein, über ben Grundstock nicht mitjid) reden zu lassen und nicht unter eine Mindestziffer her- unterzugehen. In Bayreuth beginnt es wieder einmal zu kriseln. Seit dem Tode Siegfried Wagners, der als Letzter sozusagen erblich berufen war, Richard Wagners Lebenswerk als Bühneneinrichter fort- zufetzen, ist so etwas ähnliches wie eine Dia- dochenherrschaft in d e r Festspielhalle ausgebrochen. Einerseits vertritt Siegfried Wagners Witwe, Frau W i n i f r e d, die Interessen des nun- mehr fast ausgestorbenen Hauses Wahnfried, andererseits beanspruchen die musikalischen Leiter der Festspiele eine immer größere hmft- lerische und auch szenische Unabhängigkeit vom Hause Wagner. Die Folgen sind dann jene unlöslichen Konflikte, die in regelmäßigen Abstanden seit zwei Jahren der geordneten Abwicklung der Festspiele als größeres Hindernis im Wege stehen, als finanzielle Not und zurückgehende Anteilnahme der musikalischen Welt. Wenn aber vollends auch zwischen den verschiedenen Dirigenten, die der Sache dienen sollen, Einstimmigkeiten und Reibereien entstehen, dann folgt daraus entweder eine Brüskierung samt- kicher Mitwirkenden, oder ein allgemeines Wirr- war. Man erinnert sich noch, wie der Konflikt zwischen Wagners musikalischen Sachwaltern Furtwängler und Toscanini wahrend der Festspiele des vorigen Jahres zu einer überstürzten Abreise des berühmten italienischen Meisters und zu allseitigen Racheschwüren führte... Drüben, in Amerika, erzählte Toscanini verbittert. nie würde er wieder seinen Fuß ins Haus Wahnfried setzen — er verlasse Bayreuth mit einem Gefühl des Ekels. Diesseits des Großen Ozeans gelobte Frau Winifred Wagner Furtwängler in die Hand, man wurde sich nie wieder mit Toscanini einlassen. Ihr diesbezüglicher Brief an den Maestro wurde von dem Italiener uneröffnet zurück geschickt. Alnt> nun trifft auf einmal die Nachricht ein, daß Furtwängler in Bayreuth kaltgestellt worden sei, daß darüberhinaus Toscanini die alleinige Oberherrschaft über die Feft- aufführungen übertragen worden sei, (d>licnn$ daß Toscanini feine überaus freundliche Zustimmung gegeben habe. ___ ... Sonderbar, höchst sonderbar.... Aber diese mysteriöse Angelegenheit hat ihre Hintergründe, die in neuerlichen Meinungsverschiedenheiten zwischen Siegfried Wagners Witwe und Furtwängler zu suchen sind. Frau Wagner nämlich war der Meinung, sie habe, genau wie ihr verstorvencr Gatte, ein entscheidendes Wort nicht nur bei der Inszenierung, sondern auch bei Der musikalischen Einstudierung mitzu- reden. Furtwängler sträubte sich gegen dieses Beto-Recht, wie man wohl verstehen kann - er sah wohl ein. daß bei solchen Auseinandersetzungen Jahrhundert gegen Jahrhundert ste en wur^. musikalischer Geist gegen Familientraditlon. kun't- lerische Praxis gegenüber fektiercrischem Eigensinn. Er lehnte daher eine solche Arbeitsbasis rundweg ab und deutete an, dah er, sollte <5rau Wagner ihre Ansprüche weiterhin aufrechterhat- ten, es für richtiger hielte, zurückzutreten, Frau Wagner jede Form von Kompromiß jedoch schroff ab lernte, nahm Furtwängler, nebcnbeigqagt der Landnöten. Mit einer Heftigkeit, die viel zu heftig ist, um nach Staatspolitik aussehen äu können, versucht die aeschäftssührende bayerische Regierung, der Reichsregierung Schwierigkeiten zu machen. Bach außen wirkt es jedenfalls nicht besonders freundlich, daß die süddeutschen Länder unter der Führung Bayerns buchstäblich aus der Reihe tanzen. Das Ausland kennt die innerdeutschen Berhältnisse viel zu wenig, um sich ein Bild darüber machen zu können, daß es nicht sowohl die Länder selbst sind, die aus der Reihe tanzen, als vielmehr die süddeutscheZentrums- Partei, deren Führer auf Grund der parlamentarischen Machtvcrhältnisfe zufällig auch die Staats- oder Ministerpräsidenten sind. Die Bayerische Bolkspartei ist schließlich heute auch nichts mehr oder weniger als wie eine süddeutsche Zentrumsgruppe, denn die 1919 vollzogene Trennung vom Zentrum hatte zwar sachliche, aber auch sehr viel persönliche Gründe. Run ist die Bayerische Bolkspartei gewiß nicht Bayern der geschäfts- führende bayerische Ministerpräsident Dr. Held, der auch der Führer der Bayerischen Bolkspartei hinter den Kulissen ist, sicher nicht berechtigt, im Rainen Bayerns der Reichsregierung gegenüber aufzutreten. Daß die Bayerische Volkspartei so offen gegen die Reichsregierung rebelliert, ferner, daß ihre Der- kauensmänner in der bayerischen Regierung mit allen Mitteln der Staatsgewalt den Nationalsozialismus niederzuhalten suchen, erklärt sich in der Hauptsache dadurch, daß d>e Bayerische Volksvartei heute wie immer für ihre Belange fürchtet. Wenn diese Belange in Gefahr sind, d. h. die ausschlaggebende Stellung der Bayerischen Volkspartei, so schreckt sie auch heute nicht davor zurück, wie sie es auch vor dem Kriege als Zentrumspartei immer wieder getan hat, die Volksseele zum Kochen zu bringen. Alle Mittel sind dabei recht, selbst solche, die sich mit der christlichen Grundlage des Zentrums ober der Volkspartei eigentlich nicht vertragen. Der derzeitige bayerische Ministerpräsident Dr. Held ist zufällig kein Bayer, stammt vielmehr aus Hessen, aber cs liegt ihm ganz gut, die Sonderinteressen der Bayerischen Bolkspartei als Sonderrechte der süddeutschen Länder aufzuziehen. Wenn's nur ein häuslicher Streit wäre, so roär’s zu ertragen. Aber die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes muß schließlich auch von der Bayerischen Volks- partei und ihren Führern Rücksicht auf das Reich fordern, den ihr Sondertanz ist sehr wohl geeignet, das deutsche Schicksal gerade in diesen schweren Zeitläuften sehr nachteilig zu beeinflussen. Frage der Kriegsschulden steht er auf dem Standpunkt, daß Amerika bereits den g rö ß - ten Teil seiner Schulden erlassen habe und daß die Länder, die Geld für gewaltige Rüstungen besitzen, auch ihre frciroiUia eingegangenen finanziellen Verpflichtungen erfüllen können. Nicht vergessen darf auch werden, daß d i c schwere Depression im Land die Bereitwilligkeit Amerikas zu eigenen Opfern nicht erhöht und daß die Stimmung überall gegen d i e „in- ternationalen Bankiers", die große Mengen wertloser Papiere an die amerikanischen Sparer abgesetzt haben, jedes aktive Vorgehen her Regierung sehr erschwert. Aus allen diesen Gründen hält man den,aus Europa kommenden 'Vorschlag, die Wirtschaftskonferenz hier abzuhalten, für "gegen- roärtig kaum durchführbar. Hoover hatte ein längeres Telefongespräch mit Botschafter Gibson in Genf, über dessen Inhalt Stillschweigen bewahrt wird. Es verlautet, daß im Weißen Haus der Ton der französischen Presse, bc- sonders in den letzten Tagen, verstimmt habe. Wenige Tage vor der Lausanner Konferenz habe Staatssekretär Stimson die fremden Diplomaten ausdrücklich darauf hingewiesen, daß Europa nicht Lindenblüte. Don Hermann Hesse. Jetzt blühen wahrhaftig schon die Linden wieder, und am Abend, wenn es zu dunkeln beginnt, und v?enn die schwere Arbeit getan ist, kommen die Weiber und die Jungfern daher, steigen an der Leiter in die Aeste hinauf und pflücken sich ein Körblein voll Lindenblüten. Davon machen sie späterhin, wenn jemand krank wird undAöte hat, einen heilsamen Tee. Sie haben recht; warum soll die Wärme, die Sonne, die Freude und der Duft dieser wundersamen Jahreszeit so ungenützt vergehen, warum soll nicht in Blüten oder sonstwo etwas davon verdichtet und greifbar hängen bleiben, daß wir es holen, heimtragen und später einmal in kalten und bösen Zeiten einen Trost daran haben können? Wenn man nur von allem Schönen so einen Deutel voll aufbewahren und für bedürftige Zeiten aufsparen könnte! Freilich, es wären doch nur künstliche Blumen, mit künstlichem Duft! Alle Tage rauscht die Fülle der Welt an uns vorüber, alle Tage blühen Blumen, strahlt das Licht, lacht die Freude. Manchmal trinken wir uns daran dankbar satt, manchmal sind wir müde und verdrießlich, und mögen nichts davon wissen, immer aber umgibt uns ein Lieberfluh des Schönen, dessen wir nicht wert sind. Das ist das Herrliche an jeder Freude, daß sie unverdient kommt und niemals käuflich ist, sie ist -frei und ein Gottesgeschenk für jedermann, wie der wehende Duft der Lindenblüte. Die Weiber, die emsig in den Aesten hocken und einsammeln, die haben hernach einen Tee für Atemnot und Fieber, aber das Beste und wahrhaft Feine davon haben sie nicht. Das haben nicht einmal die sommerabendlichen, lustwandelnden Liebespaare in ihrer süßen, dumpfen Trunkenheit; aber der Wanderer hat es, der vorübergeht und tiefer atmet. Der Wanderer hat das Beste und Zarteste von allen Genüssen, weil er neben dem Schmecken auch noch das Wissen von der Flüchtigkeit aller Freuden hat. Ihn kümmert es wenig dah er nicht an jedem Börnlein trinken kann, und der Lieberfluß ist ihm gewohnt; dafür schaut er auch dem Verlorenen nicht lange nach und begehrt nicht an jedem Orte, wo es einmal gut sein war gleich Wurzeln zu schlagen. Es gibt solche Lust- reisende, die gehen Jahr für Jahr an denselben Ort, und es gibt viele, die können von keinem schönen Anblick Abschied nehmen, ohne daß sie beschließen, recht bald wieder herzukommen. Das mögen gute Leute sein, aber gute Wanderer sind einfach gönne finanzielle Probleme Amerika in den Schoß werfen könne. Die formelle Vorbedingung für Hoovers Bemühungen, den Kongreß zur Revision der Schuldenfrage zu bestimmen, sei also, wie so oft betont, die Einigung Europas über die Reparationen, sodann individuelle Anträge auf Feststellug der Zahlungsfähigkeit des betreffenden Schuldnerstaates; sachliche Vorbedingung sei die Bereitwilligkeit, die R ü st u n- gcn herabzusetzen und die Wehretats erheblich zu beschneiden. Man nimmt an, daß Hoover in diesem Sinne gestern zu Gibson gesprochen und besonders betont habe, daß Europa auf keine Sympathie hoffen könne, solange es gewaltige Summen für Kriegsrüstung ausgebe. Amerika warnt Herriot. Ohne Abrüstung keineSchnldcnstreichung. c a u s a n n e, 21. Juni. (WTB. Funkspruch.) Aufsehen erregte eine gestern in den späten Abendstunden stattgcfundene Zusammenkunft zwischen herriot und dem amerikanischen Delegierten in Genf, Gibson. Sie fand in Morges unweit Lausanne statt. Dabei hat gutem vernehmen nach Gibson herriot erklärt, wenn Frankreich die amerikanischen wünsche in bezug auf die quantitative Abrüstung nicht erfülle, so könne es nicht erwarten, dah Amerika die Kriegsschulden streiche; denn die Last dieser Schulden betrage nur einen Bruchteil derjenigen der Rüstungsausgaben. Diese Erklärung ist insofern bemerkenswert, als sie zum ersten mal aus einem berufenenamerikanischenMunde in diesem Zusammenhang eine Bezugnahme auf die Rotwendigkeit ober Möglichkeit einer Kriegsschuldenstreichung enthält. Es verlautet heute morgen, dah unter Umständen herriot im Zusammenhang mit diesen gestrigen Unterhaltungen vorübergehend nach Gens fahren wird. Schwere Ausschreitungen im Rheinland. Köln, 21. Juni. (WTD.) In den späten Abendstunden des Montag wurde in der Rhein- igasse ein Polizeiwachtmeister von einem Trupp Kommunisten überfallen. Der Beamte erhielt einen Messerstich in den linken Llnterkiefer und wurde durch Steinwürfe verletzt, so daß er gezwungen war, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Gegen 10.33 Llhr drangen Kommunisten in ein Lokal in der Rem- brandstraße ein, bedrohten dort anwesende Rcttio- nalsozialisten und begannen, die Einrichtung zu demolieren. Das Lleberfal kommando konnte jedoch keinen Täter mehr feststellen. In Gelsenkirchen hatten sich auf der Josefinenstraße etwa zweihundert Kommuni st en angesammelt. Als ein Angehöriger der RS DAP. mit seinem Fahrrad vorüberfuhr, wurden auf ihn mehrere Schüsse abgegeben. Beim Herannahen des Lieberfallkommandos stoben die Demonstranten nach allen Seiten auseinander. Die Täter konnten im Schutze der Dunkelheit in den benachbarten Anlagen entkommen. Der Rationalsozialist hat einen schweren Oberschenkelschuß erhalten. In Düsseldorf wurden aus einem Hause Ecke Karl-Anton- und Kölner Straße auf eine Zivil st reife der Schutzpolizei mehrere Schüsse abgegeben. Bei der Durchsuchung des Hauses fand man in einem Koffergrammophon eine scharf geladene Pistole und zahlreiche Munition. In den späten Abendstunden kam es Ecke Eintracht- und Kölner Straße zu fchwerenZusammen stoßen zwischen Kommuni st en und der Polizei, wobei wiederum die Polizei beschossen wurde. Die Beamten erwiderten das Feuer, wobei ein Zivilist durch Kopfschuß schwer verletzt wurde. In Erkrath bei Düsseldorf wurde ein R a- tionalsozialist von Kommunisten er- schossen, ein zweiter schwer verletzt. Hitler beim Reichsilmenmimster. Berlin 21. Juni. (EAB.) Wie wir erfahren, hat der Führer der RSDAP., Adolf Hitler, gestern demR'eichsinnenminister Freiherrn von Gayl einen Besuch abge stattet. Die „Deutsche Zeitung" berichtet, dah Hitler insbesondere die Vorgänge in München zur Sprache gebracht und Vorstellungen erhoben habe gegen die Richtdurchführung derpolitischenDerordnungenin den einzelnen Ländern. Eine amtliche Mitteilung war nicht zu erhalten. Auf einer Amtswaltertagung des Gaues Thüringen der RSDAP. führte Hitler, der auf der Reise von Hessen nach Berlin in Weimar abgestiegen war, in einer kurzen Ansprache u. a. aus: Er werde in eine Koalition hineingehen unter der Voraussetzung, daß sie nicht die Politik des überwundenen Deutschlands, sondern die des kommenden Deutschlands betreiben wird. Wenn das nicht möglich sei, dann würden die Rationalsozialisten lieber mit 200 Marrn in Opposition stehen, als 30 Ministerposten besitzen. Oie AGOAp im Bayrischen Landtag. München, 21. Juni. (WTB. Funkspruch.) Im Aeltestenrat des Bayerischen Landtags gab heute der nationalsozialistische Abg. Buttmann eine Erklärung ab, in der u. a. behauptet wird, daß d i e amtliche Niederschrift der Landtags- sitzung vom 7. Juni, in der der Ausschluß sämtlicher nationalsozialistischer Abgeordneter wegen des Tragend der Parteiuniform erfolgte, auf Veranlassung des Präsidenten gefälscht worden sei. In der Erklärung wird verlangt, daß der Landtagspräsident zunächst die Führung der Geschäfte niederlege. Die nationalsozialistische Fraktion werde sich an Beratungen unter dem Vorsitz des Präsidenten nicht beteiligen, solange nicht eine Klärung dieser Angelegenheit erfolgt sei. Oas Landvolk lehnt die Beteiligung an einer bürgerlichen Einheitspartei ab Berlin, 21.Juni. (CNB. Funkspruch.) Der Parteiführer der Landvolkpartei hat an Geheimrat Wildhagen, über dessen Bemühungen um die Gründung einer Einheitspartei der bürgerlichen Mitte bereits berichtet wurde, folgendes Telegramm gerichtet als Antwort auf eine Aufforderung Wildhagens, sich an einer solchen Gründung zu beteiligen: „Das deutsche Landvolk ist in klarer Erkenntnis der Notwendigkeit nationaler Sammlung seinerseits entschlossen, einen Verlust nationaler Wählerstimmen bei den bevorstehenden Wahlen unter allen Umständen zu verhüten, sieht aber in einer Neugründung nach den bisherigen Erfahrungen nicht das geeignete Mittel zur Erreichung dieses Zieles." Die gewerkschastlichenSpitzenver- bä'nde gegen die Notverordnung. Berlin, 20. Juni. (TU.) Die gewerkschaftlichen Spitzenorganisationen, nämlich ADGB., Gesamtverband der Christlichen Gewerkschaften, Gewerkschaftsring Deutscher Arbeiter- und Angestelltenoerbände, AfA-Bund, ADBB. (Allgemeiner deutscher Beamtenbund) und Gesamtoerband deutscher Verkehrs- und Staatsbediensteter, stellen in einer Erklärung fest, daß die in der Notverordnung enthaltenen A b b a u m a ß n a h m e n und Neubela st ungen die schlimmsten Befürchtungen, die die deutsche Arbeitnehmerschaft auf Grund der programmatischen Erklärung der Reichsregierung hegen mußte, weit übertreffen. Damit hat sie den Kampf ausgenommen gegen die sozialen Einrichtungen des Staates dem sie als „so ziale Wohlfahrtsanstalt" bezeichnet hat. Dieser An- grif muß von den Gewerkschaften der Arbeiter, Angestellten und Beamten als eine Herausforderung empfunden und mit Entschiedenheit zurückgewiesen werden. Die unter größten Opfern von den Arbeitnehmern aufgebauten sozialen Versiche- rungseinrid)tungen sind in ihren Grundlagen bedroht. Die Arbeitslosenversicherung ist praktisch beseitig t. Die Arbeitslosen werden rücksichtslos der „Armenpflege" überlassen. Die steuerlichen Neubelastungen sind vornehmlich den leistungsschwachen Schichten auferlegt. Kein Arbeitsbeschaffungsplan, auch sonst kein aufbauender, in die Zukunft weisender Gedanke, der eine Besserung der furchtbaren Wirtschaftslage und ein Ende der immer fortschreitenden Verelendung des Volks erhoffen läßt, ist zu erkennen. Die Gewerkschaften wissen, daß die Not der Zeit Opfer fordert. Aber sie verlangen im Geist wahrer Volksgemeinschaft eine sozial gerechte Verteilung unvermei dbarer Lasten. Ein Staat, der sich in erster Linie zum Schutze des Besitzes bereitfindet, verkennt seine vornehmste nationale Aufgabe. Aus aller Well. Der Sput auf dem Brocken. Unter starkem Andrang des Publikums von Nah und Fern fand in der Nacht vom Samstag zum Sonntag auf dem Brocken die vielbesprochene schwarze Messe der englischen „Gesellschaft für psychisch e Erforschung" statt. Es handelt sich darum, daß auf Grund eines alten magischen Manuskripts ein Ziegenbock in einen Jüngling verwandelt werden sollte. In der Begleitung des Leiters des englischen Landeslaboratoriums Mr. Price waren bereits am Freitagnachmittaa Mr. Ioad, Professor der Universität London, ferner Mr. Dribel, Mitglied des Aufsichtsrates des englischen Instituts für psychologische Forschung, sowie Miß Gordon, die im magischen Kreis aktiv beteiligte junge Dame, und eine Anzahl interessierter Herren und Damen der englischen Gesellschaft auf dem Brocken eingetroffen. Ebenso hatte sich eine Anzahl von deutschen, englischen und amerikanischen Pressevertretern eingefunden. Der Vollmond hatte sich jedoch hinter Wolken verkrochen, so daß ein Scheinwerfer vom Brockengasthaus den Teilnehmern zum Schauplatz des Versuchs leuchten mußte. Dort, dicht hinter dem Brocken- bahnhof, hatten sich die Fllmleute bereits aufgestellt, die beim grellen Licht der Magnesiumfackeln die Vorgänge im magischen Kreis mit ihren Apparaten zum Tonfilm einfingen. „Wo ist Kassel?" fragte Mr. Price und suchte das magische Dreieck mit seiner elektrischen Taschenlampe ab. Die Jungfrau betrat den Kreis, der Ziegen- bock wurde hineingeführt. Dann verband man ihm die Augen, weil er sich vor dem angezündeten, im Sturmwind fauchenden Tannenholzfeuer fürchtete. Mr. Price begann darauf mit dem Gemurmel der Zauberformel. Der Weihrauch brannte vorschriftsmäßig 15 Minuten. Dann bekam die Jungfrau eine große blecherne Wasserkanne in die Hand. Sie sollte das Tannenfeuer auslöschen. Den armen Ziegenbock begoß man dann mit rotem Wein und beschmierte ihn mit der Fledermaussalbe. Nun sollte sich eigentlich nach dem Zauberbuch in der Gegend von Kassel ein großes Licht zei - gen. Das geschah aber nicht. Dann wurde bersal- benbeschmierte und weinübergossene Ziegenbock m i t dem weißen Laken verhüllt. Mr. Price zählte auf englisch bis zehn. Auf zehn riß die Jung, frau das Laken hoch. Unter dem Gelächter der Zu- Hörer stand da noch immerdasZiegenböck- ch e n und meckerte ängstlich ... Boolsunglück auf dem Rheinersee. Ruf der Mitte des Rheinersees (Ostpreußen) kenterte infolge Schaukelns eines der sechs Insassen das Motorboot des Justiz- obersekretärs Maschlanka aus Rhein auf der Heimfahrt von einem Ausflug. Maschlanka, der Kaufmann Podb'.edski aus Rhmn und «ine Guts- besiherstochter aus Steinwalde ertranken. Die übrigen Fahrgäste konnten sich an das Doot klammern und wurden gerettet. Slraßenbahnzusammenstoh in Stuttgart. Während eines Regengusses, der mit großer Heftigkeit über der -Stadt niederging, fuhr in der Bahnhofstraße «ine Straßenbahn auf «in« vor ihr fahrende auf. Die stark besetzten Plattformen wurden e i n° gedrückt und ungefähr 15 Personen mehr oder minder schwer verletzt. Aus der provinziathauptttadi. Gießen, den 21. Juni 1932. Goll man Kindern Schokolade geben? Don Or. med. Ernst Schlohmann. Man hört immer wieder von besonders pädagogisch interessierten Eltern die stolze Aeußerung, daß sie ihren Kindern keine Schokolade geben. Ist das richtig? Woraus besteht denn Schokolade? Hauptsächlich aus der Kakaobohne, und diese wiederum enthält viel Eiweiß, Fett und Stärke. Des bitteren Geschmackes der Kakaobohne wegen wird noch reichlich Zucker hinzugefügt. Also, wie ohne weiteres ein- leuchtet, es sind alle Ernährungsstoffe beisammen, die in der Ernährung des Menschen und auch des Kindes eine wichtige und unersetzliche Rolle spielen: Eiweiß, Fett und Kohlehydrate. Dazu kommen aber noch zwei sehr wichtige Ge- sichtspunkte. Einmal ist die Schokolade ein Genuß, mittel, und zweitens hat sie einen sehr hohen Sättigungswert. Was bebeutet dies? Betrachten wir in diesem Zusammenhänge die Wirkung von Schokolade auf den Magensaft. Während des Essens, bei der Verdauung, ja, oft schon beim bloßen Anblick appetiterregender Speisen sondert der Magen Magensaft ab, der viel Säure enthalt Je reichlicher und leichter der Magensaft und gleichzeitig mit ihm im Verlause des Darms noch andere Verdauungs- säfte abgesondert werden, desto reibungsloser geht die Verarbeitung des Essens vor sich, desto besser werden aber auch die Nahrungsstoffe ausgenutzt. Alle sog. „Genußmittel" regen auf diese Weise den „21 p« petit" an, indem sie die Absonderung von Magensaft begünstigen. Die Schokolade gehört bei uns in erster Linie zu ihnen. Besonders gehört sie zu den wenigen Genußmitteln, die wir auch Kindern ohne Schaden geben können. Daß es falsch ist gegen den Wert der sog. Genußmittel in der Ernäyrung Stellung zu nhmen, geht aus dem Obengesagten ohne weiteres hervor. So sehen wir, daß Schokolade ein kalorienreiches Nahrungsmittel ist, das obendrein noch die Verarbeitung der Nahrungsstoffe recht günstig beeinflußt. Zudem — und daher kommt ivohl die üble Beleumundung der Schokolade — verschafft lie ein hohes Sättigungsgefühl, da sie sich lange im Magen aufhält. Daher soll man Kindern natürlich nicht vor irgendeiner anderen Mahlzeit zum Ueberfluß Scho- kolade geben, denn bann „verlegt sie tatsächlich ben Appetit". Anberseits ist diese Eigenschaft aber gerade bann wünschenswert, wenn man zum Beispiel auf der Reise ober auf Fußwanderungen für lange Zeit Vorsorgen will, während der man feine richtige Mahlzeit zu sich nehmen kann. Hier ist Schokolade die ideale Speise. Sie ersetzt ihrem Nährwert nach eine volle Mahlzeit, schafft das Gefühl der Sättigung, und dadurch erfrischt sie zugleich. Denn die mit dem Magensaft abgesonderte Säure wird dem frei- senden Blute entzogen, und diese überschüssige Säure ist es vor allem, die ein Gefühl von Ermüdung verursacht. Dadurch aber, daß die Schokolade lange im Magen verharrt und dem Magensaft Arbeit verursacht, kann auch sobald kein Gefühl von Hunger aufkommen. Zur richtigen Zeit gegeben, ist also die schmack- hafte, appetitanregende Schokolade ein durchaus begrüßenswerter Bestandteil und wünschenswertes Hilfsmittel der Kinderernährung. Ihre leichte Ver- packbarkeit und Fähigkeit, wenig Raum einzunehmen, wird sie gerade in der Reisezeit zu einer beliebten Ergänzung der Nahrung von Kindern und Erwachsenen machen. Geheimerat Or. Llsinger f. Der frühere Provinzialdirektor von Oberhesien und Rheinhessen, Geheimerat Dr. Karl llsinger, ist — wie gestern schon kurz berichtet — am Sonn- tag in Mainz nach längerer Krankheit gestorben. Geheimerat Dr. llsinger war geborener Mainzer. Nach dem Abschluß seiner Studien wurde er im Jahre 1891 als Regierungsassessor dem Kreisamt in Mainz zugeteilt. Im Jahre 1893 kam er als Kreisamtmann nach Groß-Gerau, 1894 wurde er in gleicher Eigenschaft wieder nach Mainz berufen. 1898 kam er als ständiger Hilfsarbeiter in das Mi- nifterium des Innern nach Darmstadt, wo er 1899 den Titel Regierungsrat erhielt. 1901 wurde er zum Oberregierungsrat und 1902 zum Vortragenden Rat sie nicht. Sie haben etwas von der dumpfen Trun- kenheit der Liebesleute und etwas von dem sorg» Uchen Sammlersinn der Lindenblütenpflückerinnen. Aber den Wandersinn haben sie nicht, den stillen ernstfröhlichen, immer abschiednehmenden. Hier ist gestern einer durchgewandert, ein reisender Handwerksbursche, der grüßte in seiner fröhlichen Bettlerfreiheit die Sammler und Bewohner auf eine fpottifdje Art. Er nahm an der großen Linde, die voller Weibsleute war, die Leiter weg und ging davon, und obwohl ich selber den Frauen die Leiter wieder hingetragen und ihr Schmähen besänftigt habe, hat der Streich mich doch gefreut. O ihr Wanderburschen, ihr fröhlichen Leichtfüße, jebem von euch, auch wenn ich ihm einen Fünfer ^schenkt habe, sehe ich wie einem König nach, mit Hochachtung, Bewunberung unb Reib Jeber von euch, auch der Verlottertste, hat eine unsichtbare Krone auf, jeber von euch ist ein Glücklicher unb ein Eroberer. Auch ich bin euresgleichen gewesen unb roeifj, wie Wanberschast in der Frernbe schmeckt Sie chmeckt, trotz Heimweh unb Mangel unb Unsicherheit, aar süß. Lind immerzu strömt der innigsüße Duft aus den alten Baumen den Weg entlang durch den lauen Sommerabend. Kinder singen unten am Strande und spielen mit Windmühlen aus rotem und gelbem Papier. Liebespaare spazieren langsam und lässig an den Hecken hin. und durch den rotgoldenen Staub der Straße surren Bienen und Hummeln in verzückten Kreisen und mit goldenem Getane. «^ohrlich, ich beneide die Liebespaare an den Hecken nicht um ihre süße dumpfe Trunkenheit o wenig ich die spielenden Kinder um ihre rechen- uHustslose Seligkeit beneide oder die schwärmenden Dienen um ihren taumelnden Flug. Rur die Wanderburschen beneide ich. Die haben den Duft und die Dlüte von allem. Roch einmal jung, unwissend, ungebunden frech und neugierig in die Welt hinein zu laufen, hungrige Kirschenmahlzeiten am Straßenrand: zu halten und bei den Kreuzwegen das rechts oder links an t«n Rockknöpfen abzuzählen! Roch einmal kurze laue duftende Sommernächte unterwegs im Heu verschlafen, noch einmal eine Wanderzeit in Harm- ^ser Eintracht mit den Vögeln des Waldes mit den Eidechsen und Käfern leben! Das wäre wohl einen Sommer und ein Paar neue Stiefelsohlen wert! Aber es kann nicht sein. Es haf keinen Wert die alten Lieder zu singen, den alten Wanderstab zu schwingen, die alten, lieben, staubigen Straßen $u gehen und sich einzubilden, man sei nun wieder jung und alles sei, wie es damals war. Einbruch wegen eines Bades. Ein luftiges Stückchen, das aber für die Helden °U9H h"ben sich vier junge Pariser mpn (w. fi r. , - ein Bad zumh^ men. S,e „borgten" sich zu diesem Zwecke einen Am^l! fUAren m,t 'hm nach Enghien-les Sains. . Ufcr des Sees angekommen, sahen sie sich nach einem passenden Ort um, an dem sie ihre Kleber taffen konnten. Sie fanden in der Nähe eine hübsche ff "İwohnt war, und erzwangen sich d?n M ?fnbem & einr9e Lenster eingedrückt hat- n sie zu ihrer Babegarberobe ober 100^61^ sie im Wasser waren, erschien plötzlich ber Eigentümer bes Hauses, unb ba er' bie Beschch bigung bemerkte nahm er bie Kleiber ber jungen £eute und brachte sie nach dem nächsten Polizei- Rein, das ist vorbei. Richt daß ich alt oder ein Philister geworden wäre! Ach, ich bin vielleicht törichter und zügelloser als je, und zwischen mir und den klugen Leuten und ihren Geschäften ist noch immer kein Verständnis und kein Bündnis aufgekommen. Ich höre auch immer noch, wie in den drängendsten Jünglingszeiten, die Stimme des Lebens in mir rufen und mahnen, und ich habe nicht im Sinn, ihr ungetreu zu werden. Aber mehr zu Wanderschaft und Freundschaft und zu Zechgelag mit Fackeln und Gesang, sondern sie ist leise und dringlich geworden und fuhrt mich immer einsamer«, dunklere, stillere Wege von denen ich noch nicht weiß, ob sie in Lust oder in Leide enden sollen, die ich aber gehen will und gehen muh. Ich hatte mir als junger Mensch das Mannesalter ganz anders vorgestellt. Run ist es auch « tlnt ^Barten, Fragen und LInruhigsein, mehr Sehnsucht als Erfüllung. Die Lindenblüten duften und Wanderburschen, Sammolweiber, Kin- der und L'.ebesvaare scheinen alle einem Gesetz Zu «ehorchen unb wohl zu wissen, was sie zu tun £ ?Ur xd) nicht, was ich zu tun habe. 3d) weiß nur: weder die rechenschaftslose Seligkeit der.spulenden Kinder, noch das gleichgültige Vorubergehen der Wanderer, weder die dumpfe Trunkenheit der Liebesleute, noch der sorgliche Dlütenpflückerinnen ist mir E>c- sch.eden. Deschieden ist mir, der Stimme des Le- ln mir ruft, ihr zu folgen auch wenn ich ihren Sinn und ihr Ziel nicht zu erkennen vermag und auch wenn sie mich 5™^ von der fröhlichen Straße hinweg i-n das Dunkle und Llngewiffe führen will. a Revier. Ein Schutzmann wurde an ber Tür ber D'lla aufgestellt, unb als bie vier Sabefreubigen, triefenb von Wasser, erschienen, um sich ihre Handtücher und Kleider zu holen, wurden sie unsanft gepackt und gezwungen, in dem Aufzuge, in dem sie sich befanden, durch die belebten Straßen von Enghien zu marschieren, zum Gaudium der Zuschauer. Unterdessen hatte der Polizei-Inspektor in Der Tasche eines Anzuges einen Fahrerschein gefunden, der zeigte, daß der Kraftwagen von einem Hotel in den Champs-Elysses gestohlen worden war, und so endete der Badeausflug mit der Verhaftung der vier Kumpane. Großmütterchens Zliegerglück. In der Rähe von Berlin, dm Müggelsee, liegt £>er „Do X". Der „Do X“ hat viel Geld gekostet er verschlingt in der Stunde 1700 Liter Benzin und ist überhaupt eine kostspielige Angelegenheit. Lim das Sommerprogramm durchführen zu können, hat man die Jnnenräume des Flugbootes freigegeben. Die Besichtigung kostet 50 Pfennig und wider alles Erwarten wurde die Freigabe zum guten Geschäft. Dem 100 OOOften Besucher versprach Kapitän Christiansen, kurz „Krischan" genannt, einen Freiflug über Berlin. Als es an die 100 000 ging, erhob sich eine gewaltige Aufregung: wer wird der Glückliche sein? Aber es war keiner der modischen H«rren, die mit ihrer Limousine herbeigeeilt waren, es war keines der in einen chicen Badeanzug gehüllten Mädchen, es war ganz jemand anderes: nämlich ein 67jähriges Großmütterchen, die auf ihre alten Tage nun noch einmal sich Berlin von oben an- fohen soll. Vorläufig allerdings hat sie beschlossen, die ganze Angelegenheit erst einmal zu beschlafen Die Luft hat bekanntlich keine Balken. Apfel-Wettstatistil. Einer amerikanischen Statistik, die sich mit de« Menge der Apfelbäume auf der Welt beschäftiat rst zu entnehmen, daß es 415 Millionen Apfel- b?ume auf der Welt geben soll, unb daß diese 'Ehrlich eine Menge von 550 Millionen Scheffeln Jepfel tragen. Davon kommen nach diesen ^ti^ungen 35 Proz auf die Vereinigten Staaten, 12 5 Proz. auf Frankreich, 9 Proz. auf Me ©otojetunion 8 Proz. auf Deutschland, 5,5 Proz. auf Polen. 2,5 Proz. auf die Schweiz. V 3 «r J«" OK ^Fi?^ W ff Prov'^ d I Achten F it den Saftet lvar ' berr'ts wnj 0taD ÄS bau de'Achesse,^ fff®»*’”, ben in " m c H^'fitanbe der 2 «*&}> SÄ**; Sita begonnen tveroen, Mfi noch unter der M Gmeinden an di| Rezept P/a Pfund Erdbeeren und 3ll» Pfund Zucker (doch keinesfalls weniger) ohne Wasser zum Kochen bringen und 10 Minuten brau- send durchkochen.Hierauf eine Normal flasche Opekta „flüssig* zu 86 Pfg. sowie den Saft einer Zitrone hineinrühren u .sofort in Güter 'üllen. Genaueste Koch- anweisung mit Rezepten liegt teder Platche bei. Vorsicht beimOpekta-Ein- kaui Nicht zu uertoech- teln mit ähnlich lautersten Geliermitteln. Opekta itt nur echt aut dem dampfenden IO-Minuten-Topf. Achtung! »undtunkl Sie hören Ober die Sender det Sudwestfunki Jeden Mittwochvormittag von 11 00 bis 11 15 Uhr den »ehr Interetianlen Lehrvertrag „10 Minuten für die fortschrittliche Heuefrau" au» der Opekta- Küche. — Rezeptdurchgabel Ireccen-Opekia n Jpe*ia WW | Verkäufe Äuto- Gelekenhelkhlülife -i-PS.-Opel-Zweisitz, wenig gefahren, tadelloser Wagen. Opel, Gießen Frankfurter Str. 52 Tel. 2847. 3719A Das große Restlager muß bis dahin . unter allen Umständen geräumt werden Daher 4688 d Verkauf zu jedem annehmbaren Preis Schuhhaus Herber! Schulstraße — Ecke Sonnenstraße Alle Nebenartikel wie Einlegesohlen, Fußstützen, Krems usw. äußerst billig Neubau - Finanzierung Umschuldungen zu günstigen Bedingungen Auf Wunsch unverbindliche Angebote BAU SPAR LLOYD A.-G. Bezirksvertretungoberhessen u.Kr.Wetzlar Hans Müller, Bad-Nauheim Frankfurter Str. 10, Fernsprecher 2058 4684 r> Vergebung vonBrücken. Für die Feldberelnigung Merlauüirsch- garlen (Kreis Alsfeld), Station Mücke bzw. Nieder-Ohmen, sollen die Arbeiten und Lieferungen zum Bau von zwei kleineren Feldwegbrücken und eines Fußsteges in Eisenbeton auf Grund der Reichsverdingungsordnung in einzelnen Losen vergeben werden. 4668D Pläne und Bedingungen liegen bei uns offen, Angebotsoordrucke sind, soweit der Borrat reicht, von uns kostenlos zu beziehen. Die Angebote sind verschlossen und mit Aufschrift versehen bis Mittwoch, den 29. Juni 1932, 10% Uhr, auf unserem Bureau, Frankfurter Straße 29, einzureichen. Freie Auswahl vorbehalten. Zuschlagsfrist drei Wochen. Gießen, den 17. Juni 1932. Hessisches Kulturbauamt Gießen, gez.: H. Steinbach. Regierungsbaurat. [Verrnietüngen] Freie Z-Zioni-Wohnung m.Kiiche (Mietpreis monatl. 35.— Mark, bei einmal. Jahres - Vorauszahlung) sof. beziehbar, an ruhig. Mieter zu vermiet, schriftl. Ang. unt. 03833 an d. G. A. Kleine 2-ZimnrthiM (Mansarde) sofort zu vermieten. Schriftl. Angebote unter 4706D an den Gießener Anzeiger. 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Die für den Monat Mai 1932 rückständigen Kranken- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge können noch bis zum 20. Juni 1932 ohne Kosten bezahlt werden. Nach diesem Termin erfolgt Kostende, rechnung und Zwangsbeitreibung. Gießen, den 20. Juni 1932. 4696D Allg. Ortskrankenkasse Gießen-Land. Obstmarki mä Verkaufenwegen | Empfehlungen | KräuterhausJnng In der Schulstraße Sharkey 03828 4687 D mit modern.Telefunken-Gerät geöffnet die ganze Nacht Fl. RM. 2.25, */i Fl. RM 4.00, Ltr.-Fl. RM. 6.75. Haupt - Niederlage: Engel-Apotheke Marktplatz. 696V Billig. Seefische Mittwoch früh: Schellfische o.K. Pfd. 32 -) Kabeljau o.K. Pfd. 19 <; Filet.... Pfd. 25 4 Filetmarke „Fifi" 47051) Pfd. 35 4 engl.Mati. Heringe Stück 14^, empfiehlt A. 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Aicht umsonst hält Professor Walter so große Stücke auf ihn, und es ist nicht klug von dir. Dora dich gegen ihn zu stemmen. Man darf nicht immer seine Meinung frei heraussagen— manchmal haben die Wände oder die Waldbaume Die' anderen wunderten sich nicht wenig über Mucks Worte. „ ,, Man kannte Peter im allgemeinen nur als fibelen Burschen, der sich nicht um den Emst des Lebens kümmerte und der den Herrgott einen guten Mann sein ließ. Dieser Herr von Eckerts- burg mußte doch ein großes Tier sein, wenn er sogar Peter Muck zur ernsthaften Anerkennung Elisabeth — du hast doch mit ihm gesprochen", sagte jetzt Traute Steiner. „Wie war tann pr mir nicht helfen. Ich möchte mir auch Lorbeer und Ruhm ohne fremde Hilfe erringen. „Oh, Elisabeth, ich mochte dir deine Zuversicht nicht rauben“, sagte jetzt Peter Muck. „Aber so einfach, wie du glaubst, liegen die Dinge nicht. Es ist in der Kunst ebenso wie anderswo. Ohne Protektion ist es heute sehr schwer, wirklich hochzukommen. Man muß dann schon etwas ganz Besonderes sein. Aber vielleicht hast du recht, Elisabeth. Du bist von der Natur besonder* begnadet, deine Stimme ist wundervoll. Vielleicht schafsst du es doch. Ich würde es dir von Herzen wünschen. Aber ich denke, wir wollen uns jetzt auf den Heimweg machen Uebrigens, Elisabeth, wo hast du deim deine Blumen?" „Ach, meine Blumen — die muß ich irgendwo verloren haben..." „Na. dann ist wohl Eckertsburg der Finder gewesen. Ich habe gesehen, daß er ein Sträußchen Schlüsselblumen in der Hand hielt", sagte Dora und sah Elisabeth etwas schelmisch an. Elisabeth errötete, wandte sich ab. Peter Muck sagte: „Du, Elisabeth, ich meine es gut mit dir und rate dir nur, dir keine Flausen in den hübschen Kopf zu sehen. Der Eckertsburg ist, glaube ich, ein gefährlicher Mensch. Nimm dich nur in acht!" „Ich weih, Peter, daß du es gut meinst. Aber du brauchst keine Sorge zu haben. Eckertsburg ist für mich nichts anderes als mein Gönner. Und jetzt, denke ich, lassen wir diesen Herrn und suchen uns ein lustigeres Thema." Gleich daraus trieb die Gesellschaft die gewohnte Allotria, und unter Lachen und Scherzen langte man mittags zu Hause an. Längst schon war das Wetter wieder umgeschlagen. Heftig fuhr der Wind die Häuser entlang, peitschte die Bäume und trieb die zarten Dlütenblättcr zur Erde Hemieder. Regen wechselte mit Sonnenschein, und man war froh, wenn man wieder au 5>aufe sein konnte. Elisabeth hatte einige Besorgungen zu machen. Sie trug einen dunkelblauen Trenchcoat, hatte die Mütze tief ins Gesicht gezogen. Sie haßte es, einen Regenschirm zu tragen, und hatte ihn auch heute zu Hause gelaffen. Elisabeth kam gerade von der Bahn, hatte Traute Steiner begleitet, die heute nach Wiesbaden gefahren war. Trautes Mutter war mitgefahren. und es hatte einen rührenden Abschied gegeben. Auch die Besorgungen für Frau Schelmer waren jetzt erledigt: Elisabeth beeilte sich, nach Hause xu kommen Es war sehr ungemütlich auf der Straße. Als sie ihre Kleider ablegte, meldete ihr Wanda, daß Besuch da sei. (Fortsetzung folgt) hin und her, während träumerisch verlangende Blicke vom Sovoh-Hotel über den Genfer See zu einer der großartigsten Luxusstätten der Welt, nach Evian les Bains, hinüberschweifen. 100-P8-Lohengnn. Wollt ihr den Bankrott der Theater beheben, so geht nur ans Werk. Es ist gar nicht schlimm. Die Oper vor allem müßt ihr beleben durch Fortschritt, Technik und Kinoklimbim. Die Carmen, statt Habanera zu tanzen. soll irrsinnig schlenkernd im Rumba sich drehn, die Rheintöchter läßt man als Wasserpflanzen als Riesenschlager im U-Boot sehn. Herr Siegfried durchrattert die wabernde Lohe und schmettert den Heldensong stehend im Tank! Der Maxel im Freischütz, der liederfrohe. der trudelt im Flugzeug die Wolfsschlucht entlang. Und über dem Kreischen der Hexen und Weiber, da schwebt er, und — Achtung! — Höhenbesonnt verewigt er selig als Himmelsschreiber den Namen Agathe im Rundhorizont. Die Meistersinger! Was wird da gesungen! Es hängt einem längst schon zum Halse heraus. Es wird nicht geboxt, gefußballt, gerungen, da gähnt vor Musik ja das ganze Haus! Man lasse das überflüssige Quaken. Ein Boxkampf macht alle Herzen froh, und Walther Stolzing mit mächtigem Haken schlägt Beckmesser jubelnd und gründlich k o I Frau Venus kann Tannhäuser nichts mehr nützen. Die Szene wirkt lang schon wie Moder und Schutt. Er läßt sie in ihrer Behausung sitzen und rast zu der Garbo nach Hollywood. Herr L o h e n g r i n ! Ist es nötig zu sagen. — hängt seinen ollen Schwan an die Wand. Im 1l)0-?8-Stromlinienwagen entführt er Frau Elsa, geborene Brabant. Puck. Oberheffen. Sonnwendfeier auf der Herchenhainer Höhe. xx. Herchenhain, 19. Juni. Der Vogelsberger Höhen-Club (VHC.) hatte am Samstagabend seine Jugend zur Sonnwendfeier auf der Herchenhainer Höhe zusammengerufen. Die Feier, die in ihrer Eigenart eine stehende Einrichtung werden soll, war in diesem Jahre durch die Ortsgruppe Büdingen unter Leitung ihres Führers, Fortbildungsschullehrers Schwarzhaupt, gründlich vorbereitet worden. Nach eingebrochener Dunkelheit loderte ein mächtiges Sonnwendfeuer gen Himmel, das nahezu eine Stunde anhielt und weithin in die Lande leuchtetete. Rektor D e r n - Offenbach a. M., der Obmann für Jugendpflege im BHC., hielt die Feuerrede und gab dabei der Hoffnung Ausdruck, daß das läuternde Feuer alle bösen Geister verbrennen möge, die zur Zeit deutsches Bolt und Land beherrschen. Chöre des Lieder- k r a nz-D o p pe l q u a r te t t s Büdingen und Lieder der dortigen Jugendgruppe begleiteten das Johannisfeuer, zu dem sich auch viele Bewohner von Herchenhain und ganz besonders die Jugend des Ortes eingefunden hatte. Und dann wurden nach alter Sitte brennende Besen als Feuerräder geschwungen, die den dunklen Bevg wie glühende Kreffe beleuchteten. Bon dem benochb rtrn Hoherodskopf w nkte durch die Dunkelheit der Rächt auch ein Sonnwendfeuer. Am Sonntag fand nach dem Gottesdienste eine eindrucksvolle und erhebende Gedenkfeier an dem Ehrenmal der Gefallenen statt. An den Feiern nahm auch eine Abteilung der Frankfurter Segelflieger unter Führung von Diplom-Ingenieur Carsch teil, welche den Segelflug auf der Herchenhainer Höhe wieder aufnehmen wollen, sobald die Berhältnisse es gestatten. Landkreis (titefccn z Rödgen, 20. Juni. Sechzig Mitglieder des hiesigen Frauenvereins machten am Sonntag mit zwei Autobussen des Herrn H o o s - Annerod einen Ausflug, der von Pfarrer Bönning aufs beste vorbereitet war, und der die Teilnehmerinnen äußerst befriedigte. Sie fuhren zunächst nach Braunfels und bÄ'chtigten dort das Schloß. Dann begaben sie sich nach dem Hirschpark und hatten das Glück, .ein paar der Tiere zu sehen. Rach einer längeren Kaffeepause ging es nach Wetzlar, wo die Frauen Gelegenheit hatten, längere Zeit im Dom zu verweilen und unter guter Führung den Prachtbau zu besehen. Gegen 21 Uhr kehrten die Ausflügler zurück. ! A u s d em südlichen Kreise Gießen, 20. Juni. Die Heuernte ist, dank des guten Wetters, fast überall beendet. Der Ertrag ist ein recht guter, wenn auch die zarten Untergräser hier und da fehlen. Die Aussichten für die Obsternte werden von Tag zu Tag trüber. Wie schon berichtet, haben die Aepfelbäume sehr stark unter dem Apfelblütenstecher gelitten. Blüte und Ansatz des Steinobstes waren ziemlich gut. Run tritt aber besonders auf den Zwetschen- bäumen die Raupe der Gespinstmotte so zahlreich auf, daß viele Bäum« schon vollständig kahlgefressen sind. Die Bekämpfung dieses Schädlings ist äußerst schwierig, da fast alle Spritz» mittel an dem Schuhgespinst wirkungslos ab-* prallen. Es bleibt nun noch als letztes Mittel das Ausbrennen mit Pech- oder Spiritusfackeln. Besonders auffällig ist auch der Schaden, den die Raupen an den Schwarzdornhecken angerichtet haben. s. Hungen, 20. Juni. Am Samstag fand im hiesigen Schulhaus eine Tagung des Bezirks - lehrervereins Hungen statt. Obmann Schmidt (Hungen) begrüßte die durch Versetzung neu erschienenen Mitglieder Seid (Hungen) und Dr. Kammerer (Villingen). Im Mittelpunkt der Tagung stand ein Vortrag des Lehrers Dr. B e l z (Gießen) über „Reuzeitlichen Zeichenunterricht". Der Unterricht baut sich auf der Britsch- schen Theorie auf und betont besonders das kindesgemäße Zeichnen. Er bietet dem Kinde reiche Möglichkeiten, sich durch Gestaltung der einzelnen Motive schöpferisch zu betätigen, weshalb seine Erzeugnisse in einer Linie zur echten Volkskunst hinführen. An Hand einer Ausstellung von Schü- lerzeicynungen entwickelte der Vortragende dann einen Lehrplan, der zu einer ausgedehnten fruchtbringenden Besprechung Anlaß gab. s. Ll t p h e , 20. Juni. Bei der Versteige- rung des Heugrases auf dem Gemeindewiesengelände wurden wesentlich niedrigere Preise als in den letzten Jahren erzielt. Die billigsten Morgen beliefen sich auf 8 bis 10 Mark, die Morgen mittlerer Güte kamen mit 15 bis 20 Mark heraus, während alle Morgen guter Qualität mit starkem Graswuchs durchschnittlich mit 35 Mark bezahlt wurden. Die allgemeine Preissenkung und gana besonders der Reichtum an Grünsutter haben es mit sich gebracht, daß die Preise noch weit unter der Hälfte früherer Jahre liegen. Kreis Schotten. § Lllrichstein, 20. Juni. Der orkanartige Sturm am vorigen Freitag hat auf dem Selgenhof ein Opfer gefordert: eine der mächtigen alten Linden am Eingang des Jnspektorenhauses wurde glatt umgeworfen. Glücklicherweise kam niemand durch den Fall zu Schaden. — Einige größere Weideflächen des Selgenhofs am Sigmundshäuser- hof und am Wiesenhof werden eben von der Landwirtschaftskammer eingezäunt, wie das auch in den letzten Jahren schon mehrfach geschehen ist. So groß die Erleichterung für den Weidebetrieb auch ist, so ist doch zu bedauern, daß dem Wanderer immer weitere Gebiete verschlossen werden. — Hier und in den meisten Orten des Bezirks haben in dieser Woche die H e u f e r i e n der Schulen begonnen. Bei dem trockenen Wetter der letzten Zeit hat die Heuernte gute Fortschritte gemacht: es ist schon verhältnismäßig viel eingefahren. — Seit kurzem finden die Erwerbslosen unserer Gemeinde beim Wegebau am sog. Köppel im freiwilligen Ar- b e i t s d i e n st Beschäftigung. Kreis Alsfeld. ss Grebenau, 20. Juni. Mit der Einführung des freiwilligen Arbeitsdien- st e s hat man auf Veranlassung von Forstmeister Dr. Barth jetzt fast im ganzen Dienstbezirk des Forstamts Grebenau begonnen. Da im Wege des freiwilligen Arbeitsdienstes nur gemeinnützige Arbeiten zur Ausführung kommen dürfen, werden größtenteils Wegebauarbeiten und Holzabfuhrwege geschaffen. Der Antrag wurde vom Landesarbeitsamt Frankfurt auf zwanzig Wochen genehmigt. Mit den Arbeiten wurde so- fovt begonnen. Zur Zeit stehen 20 Mann im freiwilligen Arbeitsdienst. Kirche und Schule. Landkreis (Rieften. 00 Klein-Linden, 21. Juni. Am nächsten Sonntag, 26. Juni, findet in unserer Gemeinde em Fest b e r Aeußeren Mission statt. Im Vor- mittagsgottesdienst spricht Missionar Blümer (Marburg)-, der lange Jahre in Afrika im Dienste der Leipziger Missionsgesellschaft tätig war. Am Nachmittag wird das Fest im Freien opfeiert Der Ortsgeistliche, Pfarrer Bremmer, Missionar Blume r und ein weiterer Redner werden Ansprachen halten. Der Kirchengesangverein und der Posaunenchor haben ihre Mitwirkung zugesagt. Amerika glaubt au Schmelmgs Sieg. Die Siegestrophäe: der Weltmeisterschaftsgürtel. Die in für europäische Begriffe ungeheurem Umfange erscheinenden Sonntagsblätter brachten vielspältige, teilweise sogar mehrseitigckVorschauen auf den am Dienstag steigenden Weltmeisterschaftskampf im Schwergewicht zwischen demTitel- verteidiger Max S ch m e l i n g und dem Herausforderer Jack S h a r k e y. Zahllose Illustrationen aus den letzten Trainingstagen, Körpermaße, Gewichtsverhältnisse und selbstverständlich die minutiösen Schilderungen der letzten Trainingsarbeit. 2llles, was in Amerika auch nur in sehr losen Beziehungen zum Boxsport steht, äußert sich mehr oder weniger fachverständig. Selbstverständlich fehlen die Analysen der großen Fachlichter und ehemaliger prominenter Aktiver nicht. Sharkey beendete sein Training erst am Montag, während Schmeling das seine etwas früher abgeschlossen hat. Die Wetten stehen 6:5 für den Deutschen und man darf auch sagen, daß die Zeitungsstimmen 6:5, vielleicht sogar 7:5 für den.Deutschen lauten. Durchwegglaubtmanan feinen © i e g, weil er der weitaus Jüngere UNd^lnverbrauch- tere ist. Man erwartet eine Besucherzahl von etwa 55 000. Der ehemalige Manager Schmelings. Bülow, äußert sich über die Chancen des Titelverteidigers. Bülow, der sich in den letzten Tagen mit Schmeling ausgesöhnt hat — ganz Amerika hat von diesem Akt mit höchster Befriedigung Kenntnis genommen — wägt die beiderseitigen Stärken und Schwächen sorgfältig ab und geht fogar auf Imponderabilien ein, die man sonst übergangen findet, wie z.D. die Zusamme nsetzung der Leitung, die Wahl des Schiedsrichters, die Beteiligung wichtiger Persönlichkeiten an den Wetten auf Sharkey und dergleichen. Trotz allem kommt er zu dem Schluß, daß der Sieger dieses Kampfes Schmeling heißen müsse. Wirtschaft. Berlin schwächer und geschästsloS. Berlin, 21. Juni. (WTB. Funspruch.) Nach vollkommen gefchäftslosem Vormittagsverkehr und einer ebenso ruyigen Vorbörse eröffnete der offizielle Markt in etwas schwächerer Haltung. Kleine, mehr ober minber zufällige Verkaufsorbers genügten bei dem geringen Geschäftsumfang, bas Kursniveau um etwa 1 o. H. zu brücken. Die Nachrichten aus Lausanne lauteten nicht sehr ermutigenb, ba die unnachgiebige Haltung des französischen Mini- fterpräfibenten Herriot bazu geführt hat, daß sich die Verhandlungen so ziemlich f e st g e f a h r e n haben. Auch die dauernden Nacyrichten über schwere politische Zusammen st öße, die heute besonders aus dem Rheinland Vorlagen, und die einen recht unerfreulichen und bewegten Wahlkampf befürchten lassen, veranlaßten die Börse und das Publikum zu stärkster Zurückhaltung. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Reich und Ländern in der Frage des Uniformoerbots mahnten zur Vorsicht im Eingehen von Neuengagements. Aus der Wirtschaft lagen besondere Anregungen auch nicht vor: der Bericht über den deutschen Bergbau im Monat Mai wurde für wenig günstig erachtet, und die Neuyorker Börse von gestern war ruhig, kurs- mäßig allerdings stetig. Auf der anderen Seite ermutigte die ziemlich freundliche Veranlagung der deutschen Werte im Auslande und die Einflußnahme des amerikanischen Präsidenten Hoover im Sinne einer starken Abrüstung, die Hoover als Voraussetzung für eine weitere Hilfe Amerikas bezeichnet hat. Starkes Interesse beanspruchte naturgemäß die auch in der Presse eingehend - erörterten Gelsen- kirchen-Stahloerein-Transaktion. Gelsenkirchen waren stärker angeboten und beinahe 2 v. H. rückgängig. Auch Eintracht Braunkohle, Contiguinmi, RWE., Bekula, Süddeutsche Zucker und Schuckert waren etwa 1,5 bis 2,5 v. H. gedrückt. Chadeaktien waren 2,5 d. H. abgeschwächt und gaben unmittelbar nach der Eröffnung weitere 2 Mark nach. Im Verlaufe blieb die Tendenz geschäftslos: die Kursentwicklung war nicht ganz einheitlich, doch überwogen Abbröckelungen. Deutsche Anleihen lagen knapp behauptet, von Ausländern waren Bosnier schwächer, Mexikaner eher freundlicher. Reichsschuldbuchforderungen waren etwas schwächer. Am Geldmarkt blieben die Sätze unverändert. Tagesgeld war in der unteren Grenze mit 5 v. H. zu hören. Frankfurt geschäftslos. Frankfurt, 21. Juni. (WTB. Drahtmeldung). Die Lethargie, in der die Börse seit den letzten Tagen verharrt, hielt auch heute an. Die Unternehmungslust war äußerst gering, da es vollkommen an Anregungen fehlte. Der Stillstand der Verhandlungen in Lausanne veranlaßte die Spekulation zu stärkere r*3 urückhaltung, obgleich die Lage nicht allzu pessimistisch beurteilt wird. Von Publikumsseite lagen kaum Aufträge vor, da man allgemein die Weiterentwicklung der Dinge abwarten will. Die feste Veranlagung des Neuyorker Effektenmarktes blieb auch heute gänzlich unbeachtet. Obwohl die ersten Kurse gegen gestern abend allgemein bis ju 1 v. H. schwächer lagen, war eine gewisse innere Widerstandsfähigkeit des Mark» tes nicht zu verkennen. Am Markt der Montan- werte fetzten Gelsenkirchen l,ß5 v. H. niedriger ein, wogen Stahlverein ihren Kursstand um 0,39 v. H. erhöhen konnten. Von Elektrowerten erfuhren Lahmeyer eine Befestigung um 1,25 v. H., AEG. wurden 0,87 v. H. schwäcker bewertet. Licht u. Kraft büßten 0,39 v. H. ein, (Sesfürel lagen behauptet. In Reaktion auf die gestrige Festigkeit gaben Schuckert heute um 1 v. H. nach. Auch Reichsbank, für die sich gestern regeres Interesse gezeigt hatte, eröffneten heute 0,75 d. Sy niedriger. Am Chemiemarkt tendierten IG. leicht nach unten (minus 0,75 v. H ), Deutsche Erdöl waren behauptet. Deutsche Linoleum lagen mit plus 0,13 d. Sy etwas freundlicher. Verkehrsaktien hatten kaum Geschäft. Schiffahrtsanteile waren knapp behauptet. Am Rentenm ar kt war die Stimmung bei kleinem Geschäft etwas abgeschwächt. Von Pfandbriefen enstand für Frankfurter Hypotheken- Goldpfandbriefe einige Nachfrage, Rheinische Hypo- theken-Liquidationspfandbriefe lagen eine Kleinigkeit fester. Reichsschuldbuchforderungen gaben 0,40 v. H. nach. Im Verlaufe der Börse erfuhr das Geschäft einige Belebung. Vereinzelt ergaben sich gegenüber den Eröffnungskursen geringfügige Kurserholungen. Am Geldmarkt war die Lage flüssig, Tagesgeld stellte sich auf unverändert 4 v. Sy Hinöcrmorff in Gießen. 2Iuf dem heutigen Rinder-(Ruhvieh)Markt standen 868 Stück Großvieh, 235 Fresser und 252 Stück Kälber zum Verkauf Es kosteten: Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qualität 350 bis 430 Mark^ 2. Qualität 200 bis 280 Mark, 3. Qualität 120 bis 160 Mark: Schlachtkühe 75 bis 260 Mark, Rinder V2- bis VZährig, 50 bis 120 Mark, 8/4- bis fahrig. 80 bis 160 Mark, tragend 170 bis 350 Mark das Stück. Kälber 20 bis 30 Pf. das Pfund Lebendgewicht: ausgesuchte Tiere über Rotiz. Marktverlauf: Schleppend, bleibt Lleberstcrnd. Z'tri ri«in: in Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. sh. 15.65 12.13 82.5 91.5 16,9 32.9 25 2,51 78,16 82,13 34,67 7,047 52,05 12.485 33.5 32 25,5 17 11 28 80,75 11,25 29,25 21,5 53 6 173 . 9 o 6 0 8 lo 14,75 48 100 134,5 16.5 32,75 25 49 33.25 30,75 24,9 5 2,25 38,25 37.5 4 15,13 11 ■'Jhebed Montan . . . lyereinigtr Stahlwerke Ctat>i Minen Kaliwerke 'jlfdterOlcben Kaliwerke Westeregeln Kaliwerke Salzdetfurth 15,9 11,13 83 91.5 146 Philipp Hohmann . . Zementwerk Heidelberg Cementwerk Karlstadt. Wavtz & Rtenlofl 2,4 2,3 3,1 15,5 . . 4 16*/, li) . 10 2,49 77,84 81,81 34,53 I. ®. Sarden-Industrie Verein, chem. Industrie Frank, tun a. M....... Scbcideanstalt Goldschmidt ..... Rütgerswerke....... Metallgesellschaft 4,75 5,7 Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt belchlossenen Dividende an - Reichsbankdiskont 5 o H. Lombardzinsfuß y v. H. 49,75 33,25 31,5 25,4 17 80 11,25 28,13 22 53,5 6,25 175,5 7 3,1 15,5 Wien . . Prag . . . Budapest . . Sofia . . Holland . . Oslo . . Kopenhagen. Stodholm . London . . Buenos Alices Neuyork Brüssel. Italien. . . Baris . . Schweiz . . Spanien . . Danzig . . Japan . . . Rio de Ian.. Jugoslawien. Lissabon Schultheis Patzenhofei Aku (Allgemeine Kunstseide) Bemberg . . Zellstoff Waldhos . . . Zellstoff Aschaffenburg . . . Dessauer Gas .... Daimler Motoren .... Deutsche Linoleum . . . . Crcnfteln & Koppel .... Leonhard Tietz ..... Svenska . ..... Cbade ....... frankfurter Maschinen . o Gritzner o Muinkraiiwerke Höchst a.M. . 6 Süddeutscher Zucker ... io 4% Oesterretchtfche Goldrente 4,20% Lekterrcichische Silberrente 4% Ungarische Goldrente 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4Vt% desgl. von 1913 6% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn.Anleibr Serie l 4% vesgi. Serie II 6% Rumän. verrinh. Rente v. 1903 4^»%Ruman.vereinh.Rentev.l9i3 4% Rumänische vereinh. Rente 2%% i. Anatolier 3.063 170.42 74.97 83.08 77.93 15.20 0.952 4.217 58,66 21.54 16.575 82.05 34 73 82.38 1.271 0.3’7 6.957 13.86 . 7 . 0 Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Z^rfcT 4.22 58.62 83.42 15,27 16,56 170.44 21,66 75,10 Geld 4,20 58,38 83,08 15,21 16,50 169.76 21.58 74,80 Berlin. 20. Juni__________ Amerikanische Noten Belgische Noten ’ Dänische Noten ....... Englische Noten .....[ Französische Noten........ Holländische Noten Italienische Noten Norwegische Noten Deutsch-Sestcrreich, 4 100 Schilling Rumänische Noten ...... Schwedische Noten Schweizer Noten ' Spanische Noten. ...... Ungarische Noten.......' rran- ur ... . | fleri. c* (bluff- ur» 1-Ubr- I Kur» | Schlup» urs Bnfano- Kurs Votum 20.6. 21 6 20 6 21.6. vamvurg-Amertta Laie. t 10,75 10,65 10,9 10,9 Hambutg-Sübam. Dampfjchisl. o — —— — Hansa Dampfjchisl 0 — — 19 Norddeutscher Lloyd 6 12 11,9 12 11.9 A.G. für Verkehrswesen Akt. 26 27,25 26,25 Berliner Handelsgesellschaft 8 86,5 — 87 Commerz, und Privot-Bank 7 16 16 — Darmstädter und Nationalbant n 18,5 _ 18,5 Deutsche Bant und Tleconto-Geseilschaft . 6 30 — 30 — Dresdner Bant ... . 6 18,5 — 18,5 — Rcichsbank . . . . 12 126 125,25 125.75 125,75 A.iL.G. .... . . 7 20,75 19,9 20,65 20,25 Bergmann ..... 9 — 18.75 Elektr. LirserungSgefeilschaft 10 — — 57,25 — Licht und Straft 10 67.4 67 67,13 67 ,reiten & Guilleaume 6y, 36 35,65 36,25 Gesellschaft für Elektrifche Unternehmungen . . 9 52,5 52,5 32.65 52,4 Rheinische Elektrizität . . . . 9 64,5 64,25 Schuckert & (So..... . 11 57,75 56,9 57,65 56,25 Siemens & Halske .... . 14 117 - 117,75 117,25 Lahmeyer L Co.. • • • . 12 76,25 77,5 76 Buderus .... 4 25,5 — 26 26 Deutsche Grdöl..... . . 6 64,5 64 64,13 64 Gelsenkirchener..... . . 8 42,5 40,75 42,65 40,5 varoener ..... 0 47,25 — 47.5 46,5 Voesch Eisen. ..... . 6 — 25,5 Ille Bergbau ..... 10 — _ 120,75 — kilöcknerwerke . . . 6 2,75 — 23,25 —— Käln-Neuessen . . . ey, _ ManneSmann-Röhreit . . 6 10,4 — 40 39,5 Mansfelder Bergbau . . 0 13 — 13,75 Lberschte! Kokswerke 8 33 32,5 Phönix Bergbau *y? 17,25 17,25 17 17,25 Rheinische Brauntohleu. . 10 160 158,5 159,5 Rheinstahl .... . 6 43,75 — 42,75 42,5