Montag, 21. März 1952 182. Jahrgang Ur. 68 Erster Matt 88 Mi in» v 0 itte billig- anzeigen jsanzelfltn eigen aber gut zur Hälfte vom deutschen Markte abhängig ist. Wir wollen gar nicht in dieser verwickelten Angelegenheit treiben, ober etwas mehr Lebhaftigkeit und Plan in der Behandlung der Sache wäre auf der deutschen Seite doch recht erwünscht. Sehr unerfreulich entwickelt sich für uns der Memelkvnf l ik t weiter. Ein neuer Präsident des Wemeldirektoriums wurde eingesetzt. Er forderte den Landtag aus. die Personen für das Landesdirektorium zu benennen. Die Mehrheitsparteien lehnten das ab und die Stellen wurden mit Litauern besetzt. So wird das Wemelgebiet, in dessen Landtag 24 Deutsche und fünf Litauer sitzen, nur von Litauern regiert, die das Landesdirektorium bilden. Die Kownoer Regierung treibt ganz offenbar absichtlich zur Verschärfung des Konfliktes. Die deutsche Regierung bat entsprechende diplomatische Schritte bei den Signatarmächten des Memelftatuts unternommen. Vorwärts aber kommt die Sache nicht. Man ist noch nicht einmal einig darüber, ob der Streit vor denHaagerGerichtshof kommt, oder ob man zu einem außerordentlichen Schiedsgericht, etwa unter dem Vorsitz des Königs von Schweden greifen wird. Wir erinnern daran, daß der Reichskanzler bei dieser Frage im Reichstag von ..Repressalien" gesprochen hat. Deutschland hat dazu sehr wohl die Mög- lichkeit, da es an der litauischen Wirtschaft nicht in nennenswertem Maße interessiert ift, diese Berlin. 19. März. (WTB.) A m t l i ch. Der Reichspräsident hat heute eine Verordnung erlassen, die Bestimmungen über Bierfteuersenkung, Realsteuersperre und sonstige steuerliche, wirtschafts- und zollpolitische Maßnahmen enthält. Der erste Teil der Verordnung bezieht sich auf die Senkung der Biersteuer. Die Austeilung des zu senkenden Betrags zwischen Reichs- und Gc- mcinbebierfteucr ist nunmehr in der Weise erfolgt, daß eine Senkung der Reichsbier st euer um 3 R M. vorgenommen worden ist, und zwar werden die bestehenden Stellersätze gleichmäßig um den Betrag von je 3 R M. gekürzt. Diese Kürzung bedeutet für den untersten Steuersatz eine Ermäßigung um 32 n. H., für den höchsten Steuersatz eine solche um 25 v. H. Mit der Steuer jenkung ist z w a il g s l ä n f i g verbunden eine Ermäßigung des Steuersatzes für aus dem Aus- lande eingeführtes Bier von 12 RM. auf 9 RM. Um Mißständen, die sich im Hausbrauwesen heraus- gestellt haben, abzuhelfen, siild noch Vorschriften aufgenommen worden, die die entgeltliche Abgabe von Hausbraubier verhindern sollen. Die (9e m einbeb i er ft euer ist grundsätzlich um 4 0 v.5). gesenkt worden, wobei der Satz von 4 RM. nicht unterschritten werden darf. Zur Entschädigung der Gemeinden, in denen die Biersteuer zu senken ist, ft e 111 das Reich 28 Millionen RM. bereit. Hiervon erhalten die Gemeinden mit mehr als 5000 Ein wohnern 24 Millionen und die Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern 4 Millionen RM. Für das Inkrafttreten der Bierstener- sc n kung hat die Reichsregierung ursprünglich den 20. März in Aussicht genommen. Dabei war aber Voraussetzung, daß bis dahin zwischen dem Reichskommissar für Preisüberwachung und I den beteiligten Kreisen (Brauereien und Gastwirte), 1 Berlin. 20. März. (IDIB.) Die Vertreter der Signatarmächte der Memelkonven- t i o n Englands, Frankreichs und Italiens, haben dem litauischen Außenminister in fiorono nacheinander identische Roten wegen des Memelkonslik- tes übergeben. 3n diesen Roten ist ausgeführt worden: 1. Die Tatsache, daß die Mehrheitsparteien des Memelläudischen Landtages nach 14- tägigen Verhandlungen die Zusammenarbeit mit dem von Simaitis oorgeschlage- ne n Direktorium abgclefjnt haben, beweist, daß dieses Direktorium nicht in der Lage sein würde, das ihm im Memelstatut vorgeschriebene vertrauen des Landtage» zu erhalten. Die Bildung eines Direktoriums Simaitis mit litauischer Majorität würde daher dem Memelstatut und außerdem den Verpflichtungen widersprechen, die der litauische Außenminister gegenüber dem Völkerbundsrat übernommen hat. 2. Für den Fall, daß ein Direktorium, das das vertrauen des Landtages genießt, nicht in naher Zeit gebildet wird, werden die Signatarmächte sich gezwungen sehen, den Fall nicht auf dem bisher beabsichtigten ID ege eines Schiedsgerichtes zu erledigen, sondern stattdessen die Angelegenheit dem Haager Gerichtshof zu unterbreiten. 3. Eine etwaige Auflösung des Landtages würde von den Signatarmächten als Zuwiderhandlung gegen die Empfehlungen des Völkerbundsrates vom 20. Februar betrachtet werden können. Die Signatormächte würden bann zu prüfen haben, ob ein solcher Akt nicht einen neuen verftoh der litauischen Regierung gegen die Memelkonvention darstellt. Litauens Standpunkt. Kowno. 20. März. (TU.) Dee litauische Auhemninister Dr. Zaunius machte zum Schritt der Unterzeichnermächte des Memelabkommens folgende Bemerkungen: Der Bildung des jetzigen Direktoriums feien Verhandlungen mit den Mehrheitsparteien vorangegangen (!) und er müsse deshalb gegen die Behauptung, als ob die Bildung eines Direktoriums in Widerspruch zu feinen Erklärungen in Genf stehe, energischen Protest erheben (I). Er habe vielmehr in Genf bei der Behandlung der Memelfrage ausdrücklich auf die Möglichkeit der Auslösung des Landtages hinge- toiefen. Die litauische Regierung trage keine Schuld daran, wenn die Verhandlungen mit den Mehrheitspartcien zu keinem Erfolg geführt hätten. Bei den Besprechungen mit den Unter- zcichnermachten in Genf habe die litauische Abordnung erklärt, daß sie einen Zusammenhang Die Antwort. Kowno. 20. März. (WTB.) Wie amtlich mitgeteilt wird, ist den Vertretern der Eigiratarmächte nach ihrem Besuche bei Minister Zaunius eine Denkschrift überreicht worden, in der es heißt, daß die litauische Regierung sich nicht widersetzen würde, wenn die Angelegenheit Böttcher und die Bildung des Direktoriums Simaitis vordemHa agcr3nternationa- l e n Schiedsgericht zur Entscheidung käme. Die litauische Regierung stehe auf dem Standpunkt. daß die 'Signatarmächte bei derartigen Meinungsverschiedenheiten das Recht hätten. nach Artikel 17 der Memelkonvention den Haager Gerichtshof anzurufen. Zuletzt: auf den deutschen Botschaft S- rat in Moskau ist am 5.März ein Akten- tat verübt worden, das glücklicherweise nicht das Ziel erreichte und das gegen den deutschen Botschafter v. Dirksen gerichtet war. Dafür fehlt auf den ersten Blick jede Erklärung, wenn es sich nicht direkt um einen Geisteskranken handelt, wie im Falle des ermordeten deutschen Gesandten in Lissabon. Aber davon ist keine Rede. Die russische Regierung hot amtlich mitgeteilt, daß der Attentäter das Attentat auf Anweisung von polirischen Staatsbürgern ausgeführt habe, wogegen das polnische Regierungsblatt protestiert hat. Wenn dos eine Erklärung ist. so bedarf sie ihrerseits einer Erklärung. Rußland zunächst hat an irgendwelchen Zwischenfällen dieser Art nicht das geringste Interesse und vor allem nicht gegenüber Deutschland. Das scheint uns klar zu sein. Auf dos Attentat aber fällt vielleicht ein besonderes Licht, wenn man an Möglichkeiten aus dem Mandschureikonflikt denkt. Cs gibt auf der Welt eine ganze Menge Leute, politische Kreise, die den Ausbruch eines russisch-japanischen Konflikts begrüßen würden und in deren Kram es passen würde, wenn mit einem gelungenen Attentat auf den deutschen Botschafter, gerade bann eine große deutsch- russische Spannung auslöste. Cs gibt vielleicht in Polen auch Leute, die dann meinen würden, bei solchen Entwickelungen mancherlei nachholen zu können, was der Kriegsausgong oder der polnisch-russische Krieg von 1920 nicht gebracht hat. Das sind ja auf den ersten Blick Phantastereien, aber es gibt genug politische Phantasten in Europa, und die allgemeine Spannung ist ein günstiger Boden für dergleichen Auf diesem Boden ift ja auch das Wort des kommandierenden Generals in Pommerellen vor polnischen Studenten der Technischen Hochschule in Danzig gefallen: „Ich denke, daß ich eher in Uniform in Königsberg fern werde, als noch DieSignalarma'chledesMemelsialuiswerdeninKownovorstellig Aebergabe gleichlautender Roten an Litauen. — Drohung mit dem Haager Gerichtshof. Annahme von Anzeigen für die lagesnummer vis zum Nachmittag vorher, preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Rcichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Brette 35 Rcichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Dcrantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Gießen. Die neue Notverordnung. Biersteuersenkung. — Realsteuersperre wird verlängert. — Zuschlag zur Krastfahrzeugsteuer gesenkt. eine Einigung über b i c Bierprei ? f e n k ii n g juftnnbegefonunen war. Diese Einigung ist bisher nicht erzielt worben. Die Senkung b c r Branntweinmonopolabgabe mußte noch ausgesetzt werben, um die Bier ftcuerfenkung so schnell wie möglich den beteiligten Gewerben untf den Verbrauchern zugutekommen zu lassen. Die Durch Rotverordnung vom 1. Dezember 1930 angeordnete Realsteuersperre gilt auch für 1 932. Eine Erhöhung der geltenden Realsteuersähe ist ausgeschlossen. Lediglich für die Gemeinden, deren Steuersätze unter demLa n - desdurchschnitt liegen, ist die Möglichkeit einer Erhöhung der Realfleuersähe vorgesehen. 3m Interesse einer Belebung des Kraftverkehrs wird der Zuschlag zur Kraftfahrzeugsteuer für das Rechnungsjahr 1932 vo » 10 auf 5 Prozent ermäßigt. Auf dem Gebiete der H a u s z i n s st e u c r beseitigt die Verordnung jeden Zweifel darüber, daß die Eintragung der Ablös ungshypo- thek nicht nur in Mark, sondern auch inGold- inarl zulässig ist. Mit Ablauf des 31. März 1932 treten die Vorschriften des Zolltarifgesetzes über Einfuhr- scheine außer Kraft. An ihre Stelle soll f ü r Getreide, Hülsenfrüchte und Erzeugnisse daraus eine Regelung treten, die durch die Verordnungen vom 14. und 19. August 1931 für Weizen und Roggen bereits eingeführt ist und sich bewährt hat. Durch die neue Regelung wird ohne Inanspruchnahme von Reichsmitteln ein A u s t a u s ch v on In l a nds- gegen Auslandsgetreide ermöglicht und die Handhabe gegeben, dem nach den Ernteergebnissen verschieden stark auftretenden Bedürfnis der Marktentlastung gerecht zu werden. schaftlichen Ueberschüsse. Der größte Abnehmer dafür kann n u r D e u t s ch l a n d fein, etwas danach Italien, so gut wie gar nicht Frankreich und England. Damit ist das Entscheidende gesagt. Wenn Deutschland landwirtschaftliche Vorzugszölle dem Südosten gewährt, muh es natürlich dafür Vorteile für seine Industrie beanspruchen. Das ist eine Grundlage, von der aus verhandelt werden kann. Die Schwierigkeit ist dabei immer d i e Meistbegünstigungssrage. Aber jedenfalls eine Grundlage ist da. Für die französischen Pläne aber fehlt einfach die Grundlage. Sie stiften Unruhe, sie erwecken den Anschein großer Aktivität und französischen Heber» gewichts. aber sie kommen aus diesen inneren Schwierigkeiten nicht entscheidend vorwärts. Darüber aber kommt auch Südosteuropa selber nicht voran. Cs wird eben wohl so gehen, daß erst die Länder, denen es dort am schlechtesten geht, ihre Zahlungen ein st eilen, so wie das Bulgarien jetzt tat. das am 15. März den Zinsendienst für die ausländischen Schulden einftelltc. Außenpolitische Umschau. Don Dr. Otto Hoehsch, o. ö. Pros, der Geschichte an der Universität Berlin. Der Selbstmord Ivar Kreugers ist gewiß kein Ereignis der Weltpolitik an sich, aber bei dem engen Zusammenhang von Politik und Wirtschaft und vor allem in der jetzigen Stimmung der Welt gehört ein solches Ereignis auch in die außenpolitische Umschau. Wieder einer der großen Sterne am Himmel der internationalen Spekulation ist verblichen: zunächst weil auch dieser Konzern, wie stets, die Maßstäbe verloren hatte und dann weil die Verschlechterung der staatsfinanziellen Lage in den meisten Echuld- nerländern den Konzern erschütterte. Denn fast die Hälfte aller Länder, mit denen dieser Zünd- holztruft Monopolverträge und entsprechend An- leihegeschäfte hatte, Halle den Zinsendienst ganz oder teilweise eingestellt. Uns ist diese Verbindung von Privatmonopol und Anleihe an einen Staat niemals sympathisch gewesen, in dieser Linie liegt ganz bestimmt nicht eine Gesundung des kapitalistischen Systems in echtem Sinne. Und so ist dieser freiwillige Abschluß eines Großspekulantenlebens wieder ein düsterer Zug in dem weltwirtschaftlichen Bilde, das sich Io gar nicht und an keiner Stelle auf- hellen will. In Genf ist man mit dem fernöstlichen Konflikt zu einem gewissen Abschluß gekommen. Eine wie üblich langatmige und kompromiß- liebe Resolution wurde angenommen, der auch China zngestimmt bat. Der Antrag Chinas, das Verfahren des Artikels 15 auf den Streitfall anzuwenden, wird so gewendet, daß man zunächst das in Absatz 3 des Artikels vorgesehene Vermittelungsverfahren durchführen will, bevor man zu dem Verfahren nach Absatz 4 übergehe. Das letztere bedeutet mit den „Empfehlungen" den Anfang eines w i r k l i ch e n Eingreifens eventuell bis zum Beschluß von Sanktionen, und dieser Anfang — darauf kommt es an wird zunächst nicht gemacht. Damit wird nicht das getan, was dem Emst der Lage entspricht. Wenn dazu noch betont wird, kein Völkerbundsstaat könne eine Lage oder einen Vertrag anerkennen, die durch dem Völkerbundspakt widersprechende Mittel zustande kämen, so ist das vom Genfer Standpunkt aus einfach selbstverständlich und als Ergebnis einer Tagung von zehn Tagen wirklich sehr wenig. Eine Frist für die Räumung ist auch jetzt gegen Japan darin nicht ausgesprochen. Die Dölkerbundsversammlung ist nicht direkt auseinandergegangen, sondern setzte ein K o m i - tec aus neunzehn Gliedern ein, das gewisferniaßen die permanente Völkerbundsversammlung darstellen soll. Es besteht aus dem Präsidenten, den Ratsmitgliedern und gewählten Mitgliedern aus den kleineren Staaten, nämlich Schweiz, Tschechoslowakei. Kolumbien, Portugal, Ungarn und Schweden. Die kleinen Staaten haben bebei doch ihren Willen durchgesetzt. Die Wahl war geheim und die ursprüngliche Absicht, wie die Kommission anzulegen sei. ist etwas durchkreuzt worden. Japan und China gehören der Kommission nicht an. Die Entschließung wurde übrigens von 45 Staaten einstimmig angenommen. Eine eigentliche Pause ist somit nicht eingetreten, der Völkerbund als solcher ist in jedem Fall und zu jeder Zeit bereit, wenn die Lage sich wieder verschärft. Mehr als das zu tun. war er zu schwach. Man darf ja nun freilich auch nicht vergessen, daß das, was der Völkerbund tun soll, das ist, was die Großmächte, die Regierungen. tun oder nicht tun, ohne die der Völkerbund selber nach seiner ganzen Ratur nichts machen kann. Er ist nichts anderes als ein ständiger Staatenlongreß. Die Großmächte aberhaben das Mitglied China in dieser Lage im Stich gelassen, weil sie sich nicht entschlossen haben, die Maßnahmen des Paktes gegen Japan ai^uwenden. Sie haben das letztere freilich auch nicht in Schutz genommen. Die ganze Richtung in Gen' ging in zunehmender Schärfe gegen Japan, das zum Schluß und mit der angenommenen Entschließung ganz isoliert, moralisch bloh- gestellt war. Und so ganz beiseiteschieben kann das ein Staat wie Japan nicht, um so mehr, als Amerika dem. was der Völkerbund überhaupt tat, z u g e st i m m t hat. Wenn also der Völkerbund hier nicht das Rötige geleistet hat, so kam das daher, daß die Großmächte das nicht leisten lassen wollten. Ganz deutlich fiel die Versammlung in die zwei Lager auseinander, die Großmächte, die schwiegen und möglichst nichts taten, und d i c kleineren Staaten, die sich mit Recht sagten, daß das, was unter stillschweigender Zustimmung heute China geschehen kann, ebenso jedem anderen Schwächeren geschehen kann. Die Motive der einzelnen Großmächte liegen ja auf der Hand. Wenn dabei die Autorität einer Großmacht ganz besonders geschwächt wurde, so ist es die von England gewesen. Deutschland hat sich in der ganzen Behandlung a n der Sei te der Großmächte gehalten. Wir sind nicht der Meinung, daß diese Haltting durchaus richtig war. Deutschland wird davon schlechterdings nichts haben — was hat je Japan für Deutschland in den Ratsangelegenheiten getan? Und Deutschland hat zugesehen, daß einem schwächeren Vötterbundsmitgljed gegenüber im ganzen doch MachtvorRecht gegangen ist. Während die Abrüstungskonferenz nach W2 Monaten nicht sehr ertragreicher Verhandlungen, bis zum 11. April vertagt wurde, sind die Kabinette stark mit der Initiative Tardieus in der Donaufrage beschäftigt. Er hat in Genf mit Oesterreich, Ungarn und der Kleinen Entente dahin gesprochen, daß der durch den Kriegsausgang zerrissene Donauraum wieder in engere Verbindung gebracht werden müsse, und zwar unter Mitarbeit von Frankreich, Italien und England. In einer Rote an Italien vom 2. März, die ein paar Sage darauf auch in Berlin mitgeteilt wurde, hat Frankreich das auseinandergesetzt. In den Gesprächen ist die Idee bestimmter gefaßt worden dahin, daß an Stelle der Meistbegünstigung ein System von D o r- zugszöllenundKontingentierungs- maßnahmeü treten solle, wirtschaftliche Vereinbarungen, die durch finanzielle Hilfe vorwärts gebracht werden sollten. Und mit dem letzteren Gesichtspunkt ist die Debatte in allerkürzester Frist genau da wieder angekommen, wo sie vorher schon stand, nämlich bei der Rotwendigkeit einer unmittelbaren finanziellen Hilfe, wenn nicht Oesterreich und Ungarn zunächst zusammenbrechen sollen. So eifrig aber Tardieu die wirtschaftlichen Gesichtspunkte zu polittschen Zwecken verwendet, so weit ist es für Frankreich zu einer wirklichen finanziellen Hilfe. Sofort sind dann auch die Differenzen aufgetaucht. Italien hat sehr geschickt einenGegen- plan angedeutet, der Rom, Berlin, Wien. Budapest umfassen würde, und schlägt eine Parallelberatung durch Frankreich, Deutschland, England und Italien vor. Aus England kamen Zweifel an dem ganzen Plan überhaupt. Polen, die Tschechoslowakei, Südslawien und Bulgarien melden ihre Bedenken aus verschiedenen Gesichtspunkten her an. Deutschland hat sich eingeschaltet und auf die französische Mitteilung ausführlich geantwortet. Kurz, sehr schnell zeigte sich, daß etwas voreilig ^von Paris aus vorgestohen worden war und daß Sar- dieus Plan auf sehr erhebliche Widerstände stoßt. Cs ist gar keine Rede davon, wie wir immer wieder unterstreichen, daß man mit dem politischen Willen allein, noch dazu ohne die Bereitwilligkeit, finanzielle Opfer zu bringen, Wirtschaftsnote im Süd osten so beheben kann daß eine Gesundung wenigstens beginnt Die Hauptsache ist und bleibt, daß, wie die deutsche Antwort auch richtig hervorhebt, Eüdvsteuropa Absatz g e b i e te braucht für seine landwirt- zwischen dem Fall Böttcher und dem von den zuständigen Stellen der Zentralregierung ergriffenen weiteren Maßnahmen nicht anerkenne. Diese Erklärung haben die Unterzeichnermächte zur Kenntnis genommen. Wenn jetzt die Unterzeichnermächte einen solchen Zusammenhang fest- steilen wollen, so werde auch er, Dr. Zaunius, gezwungen fein, diejenigen Erklärungen zu Witz e r r u f e n, denen zufolge für den Fall von neuen Landtagswahlen der Kriegszustand im Memelgebiet abgeschafft werden würde. Ich verstehe nicht, wie eine auf Grund des Memel st atuts veranlaßte Reuwahl des Memelländischen Landtages als eine Verletzung der Memelkonvention hingestellt werden könnte. Erscheint täglich,außer Ä Ä Sonntags und Feiertags. ▼ ▼ MGietzener Anzeiger von einzelnen Nummern WM General-Anzeiger für Vberhesfen richten: Anzeiger Gieße». v T Sranthirtom'mTiisM. vnick und Verlag: vlÄhl'sch« Uitfoerftlät^Bid)- ini> Skmörvderei B. £ «clchäftrftklli: Schnim-a»« 7. einmal in Zivil m Danzig." 3n Dieses Durcheinander von politischen Vorstellungen und Ambitionen scheint uns der Attentatsversuch in Moskau äu gehören, der hoffentlich für den verdienten deutschen Diplomaten ohne dauernde Schädigung seiner Gesundheit ausgehen wird und der die deutsch-russischen Beziehungen an sich gar nicht berührt! Schanghai nach dem Bombardement. Schwere Verluste an Menschenleben und Sachwerten. London. 19. März. (CAD.) Der durch das japanische Luft- und Artilleriebvm- bardement in Groh-Schanghai angerichtete Schaden wird von den chinesischen Behörden auf 95 Millionen Pfund geschätzt. Die Zerstörung der Commercial Preh mit bet orientalischen Bibliothek im Werte von 16 Millionen Silberdollar stelle den bedeutendsten Verlust dar. Der der Völkerbundskommission überreichte offizielle Bericht besage, dah über eine Million Menschen geschädigt und die Wohnungen von 160 000 Familien zerstört wurden. Die Verluste der Zivilbevölkerung betrügen 60 6 0 Tote. 2000 Verwundete und 10 400 Vermißte. Chinesische Blätter erklären, die Geschäftstätigkeit sei auf ein Drittel zurückgegangen; die städtischen Finanzen seien durch die verminderten Steuereinnahmen in große Schwierigkeiten geraten und viele ausländische und chinesische Firmen stünden vor dem Bankrott. Die Deutschnalionalen zur Präsidentenwahl Berlin. 19. März. (Täl.) Die Deutschnationale Dolkspartei teilt u. a. folgendes mit: „Unser Vorschlag, zugleich mit den großen Länderwahlen eine Neuwahl des Reichstages vorzunehmen und im Zusammenhang mit dieser Bereinigung der innerpolitischen Anklarheiten den zweiten Wahlgang der Reichspräsidentenwahl wegfallen zu lassen, ist von der Regierung und ihren Parteien aus Furcht vor der zu erwartenden Riederlage nicht ausgenommen worden. Sammlung der Rationalen Front zum Kampfe gegen die schwarzrote Parteiherrschaft war stets unser Ziel. Dem gab d i e Tagung von Harzburg den sichtbarsten Ausdruck. Allen Hemmungen und Widerständen zum Trotz bleibt diese Zielsetzung unverändert. Die Sehnsucht von Millionen Deutscher, die am 13. März ihre Stimme gaben, war die Einheitskandidatur der nationalen Front. Eine ausgesprochene Partei- kandidatur konnte dieser Sehnsucht nicht genügen. Viele sahen in ihr die Gefahr schwerer Erschütterungen. Da sie den nationalen Einheitskandidaten nicht sahen, wählten Millionen, die mit uns das herrschende System ablehnen, den greisen Feldmarschall. llnfcrc Gründe gegen die Wahl Hindenburgs bestehen fort. Solange leine entscheidende Kursänderung in Reich und Preußen erfolgt ist, stehen wir gegen ihn. Seine Wahl aber ist durch die Zahlen des ersten Wahlganges bereits entschieden. Ein neuer Einsatz unserer Kräfte zum zweiten Wahlgang der Reichspräsidentenwahl wäre eine zwecklose, nur den Gegnern erwünschte Schwächung unserer Stoßkraft. Eine aktive Beteiligung der Deutschnationalen Dolkspartei an der zweiten Reichspräsidentenwahl kommt infolgedessen nicht in Frage. Alle Fragen treten heute hinter die eine zurück: Preußen. Die DRVP. und ihre schwarz- weihroten Mitkämpfer bekennen sich erneut zu dem Ziele der Harzburger Front und erheben den Ruf zur ehrlichen Sammlung aller nationalen, christlichen und sozialen Kräfte. Es gilt Preußen zu erobern. Hier liegt jetzt d er Hebel zum Sturze des Systems. Der preußische Staat soll wieder Träger des Reichsgedankens, Kernstück eines nationalen Deutschlands. Wächter der todbedrohten Ostmark werden." ReichsmWer Dietrich spricht in Köln. Köln. 19. März. (WTD.) Reichsfinanzmini- fter Dietrich führte auf einer Kundgebung der Deutschen Staatspartei zu dem Thema „Deutschlands Rot, ihre Arsachen und ihre Beseitigung" u. a. aus: Als am letzten Sihungstage des Reichstages der nationalsozialistische Abgeordnete Goebbels erklärte, dah das deutsche Volk eine Strukturwandlung durchgemacht habe, die den Sieg der Rationalsozialisten verbürge, und in den Saal schrie: „Bei Philippi sehen wir uns wieder!". hat er sich den A u s g a n g der Präsidentenwahl anders vorgestellt, als es kam. Die Meinung der Rationalsozialisten, der größere Teil unseres Volkes sei schon so weit, daß er leeren Phantasien und hohlen Versprechungen zum Opfer fallen würde, hat getrogen. Schon ist die Wirkung die, dah die verängstigten Bürger den Kopf wieder etwas höher tragen, und dah das Maulheldentum einen Pflock zurückgesetzt hat. Die tiefsten Ursachen der wirtschaftlichen Rot sind in der Politikder Vorkriegszeit zu suchen. Diese Thesen haben die Ra- tionalsozialisten im Reichstag, als sie der Reichskanzler aufstellte, durch Beifall als richtig anerkannt. Der verlorene Krieg und die unsinnigen Bestimmungen der Frieden sverträge waren das Ergebnis jener Vorkriegspolitik. Die Rachkriegslage wurde ungemein dadurch erschwert, dah die Grundlagen des Dawes - und Voungplanes unterminiert und schließlich zerstört wurden, indem man von gegnerischer Seite eine Handelspolitik betrieb, die mehr und mehr Deutschland vom Weltmärkte absperrte. Wie kommen wir aus den Schwierigkeiten heraus? Rachdem wir Kapital zur Fortführung unseres Aufbaues leihweise nicht mehr bekommen, sind wir auf dieeigeneKapitalbildung angewiesen. Diese zu unterstützen, ist ein Hauptproblem. Voraussetzung, dah wir wirtschaftlich durchhalten, ist vor allen Dingen die Aufrechterhaltung einer geordneten Finanzwirtschaft des Reiches. Dos laufende Etatsjahr wird am 1. April so abschlie- 6en, dah wir den Etat durchgehalten haben, mit Ausnahme der Schuldentilgung. Wir werden auch mit brutalster Sparsamkeit denEtat fürdas nächste Jahr in Orbnung bringen. An eine Gehaltssenkung denken wir dabei nicht. Den Gedanken einer restlosen Autarkie muh man ablehnen, selbst wenn man einen unbedingten Schutz der deutschen Wirtschaft, auch der Landwirtschaft, wünscht. Die internationale Voraussetzung für ein Wiedervorwärtskommen istdieDereinigung der Schulden - und der Tributfrage. Es ist unbegreiflich, daß die Rationalsozialisten es sich leisten konnten, von jeder positiven Entscheidung im Reichstag sich zu drücken und so die Dummen im Lande zu betören. Wenn die Rechtsradikalen erst einmal zu irgendeinem Punkte Stellung nehmen würden, würden sie sofort Hunderttausende ihrer Mitläufer verlieren. Aber sie haben nicht einmal in der Frage der Groh- Pensionäre und der Doppelverdiener Farbe bekannt, im Gegenteil, es blieb der Regierung Vorbehalten, durch Rotverordnungen diese Sache zu regeln. Das Geschrei „Es muh anders werden!" und „Das System muß gewechselt werden!" muß entlarvt werden als ein Schwindel, der nur für die Dummen berechnet ist. Keiner der Prediger des neuen Systems weiß überhaupt, wie dieses aussehen soll. Das Bürgertum nmh heraus aus seiner parteipolitischen Zersplitterung. Goethe hat gesagt: „Die Deutschen der neueren Zeit haben nichts anderes für Denk- und Pressefreiheit gehalten, als daß sie einander öffentlich mißachten dürfen" Die Deutschen der heutigen Zeit sind vielfach nicht besser. Das deutsche Volk hat eine Probe des Verstandes am 13. März abgelegt, eine Teilstrecke zur Vernunft und zur inneren Befreiung und Beseitigung des Mißtrauens zurückgelegt. Am 10. April ist die zweite Etappe fällig. Werbung tut not! Oer erste deutsche Reklame-Tag in Berlin eröffnet. Berlin-. 20. März. (TA.) Der Deutsche Re- klcrmeverband e. D. veranstaltete am 19. und 20. März in Berlin den ersten deutschen Reklametag. Eine große Anzahl von wirtschaftlichen Verbänden haben sich an der Abhaltung des Reklame-Tages beteiligt, darunter die Deutsche Landwirt!chafts-Gesellschaft, der Deutsche Landgemeindetag, die Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels, der Reichslandbund, der Reichsverband der Deutschen Industrie, der Verein Deutscher Zeitungsverleger, der Reichsverband des deutschen Handwerks, der Reichsverband deutscher Hausfrauen-Dereine, der Verein deutscher Ingenieure, und die zahlreichen Verbände auf dem Gebiete des Reklamewesens. Der Vorsitzende des Ausschusses des Deutschen Reklameverbandes, Dr. Knapp, bezeichnete als Aufgabe der Tagung das Bestreben, das Wesen der Reklame als eine geistige Macht im Wirtschaftsleben der Völker darzutun. In der Reihe der Fachvorträge sprach Prof. Brandt vom Institut für Marktforschung über „Werbung und Landwirtschaft". Der Vorsitzende der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels und Vizepräsident der Handelskammer Berlin, Heinrich G r ü n f e l d , betonte, daß der Einzelhandel organisch werben müsse und sich die Erfahrungen der Werbewissenschaft zunutze machen, um auch der manchmal plötzlich einsetzenden Amstellung des Verbrauchs gerecht zu werden. Es sprachen weiter Walther Hachenburg, Mitglied der Handels- und Gewerbekammer Bremen, Wer „Werbung und Handwerk", und Frau Landtaasabgeordnete Dr. Freiin von Matter über „Werbung und Hauswirtschaft". Auf einem Empfangsabend im Hotel Kaiserhof sagte Reichsminister a. D. Dr. h. c. Rudolf Kröhne in einer Ansprache, auch die Politik sei nicht ohne Werbung denkbar. Allerdings sei bisher eine starke politische Propaganda nur auf einem bestimmten Boden betrieben worden. Wo sei bisher eine machtvolle Propaganda getrieben worden für den Individualismus des Unternehmer- t u m s oder für die bürgerlichenStaats- und Gesellschaftsideale? Man müsse jetzt die Trommel rühren für die Bürgerlichkeit. Es gelte die Parole: Wer sich als Bürger fühlt, gehört auf die Wälle. Kommerzienrat Dr. K r u m b h a a r (Liegnitz), der 2301^^6 des Vereins Deutscher Zeitungsverleger, führte zum Thema „Zeitung und Werbung" u. a. aus: Gerade eine Zeitung, die durch das 23er« antwortungsbewußtsein ihrer Leiter, durch Ernst und Zuverlässigkeit das Vertrauen der Leserschaft erworben hat, ist auch für die geschäftliche Werbung besonders wertvoll, da sich die Anteilnahme der Leserschaft gleichermaßen auch auf den Anzeigenteil erstreckt. Wer sich auf die Stimmung der Menschen, die durch Werbung erfaßt werden sollen, sachgemäß einstellt, der hat längst erfahren, daß jede Werbung versagt, die das Publi« tum zur unr.echten Zeit oder am unre ch« t c n Ort überfällt. Ohne weiteres ergibt sich, daß die Zeitungsanzeige nicht zu den Werbungsformen gehört, die störend oder beunruhigend wirken. Im Gegenteil, die Zeitungsanzeige ist vom Leser gerne gesehen; sie wird erwartet, denn der Leser ist auf sie seelisch eingestellt, wenn er seine Zeitung zur Hand nimmt. Er weiß im voraus, daß er im Anzeigenteil vielerlei Ankündigungen findet; er ist, wenn er sich in fein Blatt vertieft, für die Werbung a u f n a h m e b e re i t, und das macht ihre große Wirkung aus. Hier sehen wir das entscheidende psychologische Moment jür die Heber* legenheit der Zeitungsanzeige. ■*■** Anter dem Stichwort „Rus der Werbung" sanden die öffentlichen Veranstaltungen des Ersten Deutschen Reklametages ihren Abschluß in einer Kundgebung im Afapalast am Zoo. Der Vorsitzende des Deutschen ReklameverbandeS, Diplomingenieur Sutter, deutete in einem Vortrag über „Werbung und Weltanschauung" daS Wesen des Reklameverbandes und als seine Aufgabe, weiteste Kreise des Volkes über Sinn und Bedeutung planvoller Werbung aufzuklären. Werbung wolle zu ihrem Anteil dazu beitragen« dah auf unserem Planeten wieder wohnlichere Zustände geschaffen und dah auf ihm die Freude wieder ein ständiger Gast werde. — Frau Maria 2 e ck e r, Aachen (Mitglied des Reichswirtschaftsrates, Vorsitzende des Reichsverbandes deutscher Hausfrauen) erläuterte die Stellungnahme der Verbraucherschaft zur Werbung. Anter Betonung der volkswirtschaftlichen Bedeutung deS Haushaltes erinnerte sie daran, dah man schätze, daß 80Prozentdes Volkseinkommens durch Die Hände der Frauen verausgabt würden. Die Frauen aber seien als Käuferinnen meistens durchaus gesunde Realpolitikerinnen. Sie bejahten die Berechtigung der Reklame, obwohl sie wissen, daß sie mit den Ankosten belastet werden. Man müsse verlangen, dah die Werbung sich durch Klarheit und Wahrheit auszeichne und vor ollem nicht auf die künstliche Schaffung von Bedürfnissen in schwerer Zeit ausgehe. Deutschland feiert Goethe. Jubiläumsfeiern, Ausstellungen, Zestaufführungen. Goethe und Hessen. 2m Hessischen Landestheater in Darmstadt fand Sonntagabend eine Goethe-Gedenkfeier statt, bei der Staatspräsident Dr. Adelung die einleitende Ansprache hielt. Der Staatspräsident wies u. a. darauf hin, daß die erste Ausgabe eines Goetheschen Dramas, der „Götz" in Darmstadt erschienen ist, und dah in diesen Tagen der erste Band der Welt-^oethe-Ausgabe die „Mainzer Presse" verlassen wird. Intendant Gustav Hartung las die Gedächtnisreden Schellings und Wilhelm von Humboldts auf Goethes Tod und den Lehrbrief aus „Wilhelm Meisters Lehrjahren". Solomitglieder der Oper fangen Goethe- lieder, Franziska K i n z Kurt West ermann und Kurt Hirschfeld lasen Berichte über die Beisetzung Goethes in Weimar und Zeugnisse aus Briefen von Freunden des Dichters. Die Ouvertüre zur „Zauberslöte" und die zum „Egmont" rahmten die Feier ein. Goethe-Ausstellung in -er Akademie der Künste. Am Samstag wurde die Ausstellung der Sammlung Kippenberg in der Akademie der Künste zu Berlin durch den preuhi- schen Kultusminister Grimme eröffnet. Max Liebermann stellte es in seiner Ansprache als ein besonders Merkmal hin, daß hier Goethe phrasenlos in Dokumenten aus seinem Leben gezeigt werde. Kein Wort über ihn. Rur er selbst und seine Atmosphäre. Hier wird belegt, daß dieser vor 100 2ahren Gestorbene von allen geistigen Deutschen, die gewesen sind, noch immer der allergegenwärtigste ist. Wenn einst vom Weltkrieg und von Locarno, vom Boungplan und von Abrüstungskonferenzen nur noch die Gelehrten sprechen, dann werden die Menschen in seinem „Faust" und seinem Leben immer noch sich selbst lesen. Diese Ausstellung der Sammlung Kippenbergs ist der Ausdruck der Liebe der Ration zu Goethe. Zn Straßburg. 2n Straßburg fand eine Goethefeier statt, bei der der Rektor der Aniverfität, Dresch, die Festrede hielt. Diese Veranstaltung bildet den Auftakt zu einer Reihe von ' rinnerungSfeiern, Denen vor allem der Aufentyalt Goethes in Straßburg zugrunde liegt, und die u. a. eine zweiwöchige Goethe-Ausstellung im Städtischen Museum vorsehen, ferner Musik-Abende, bei denen Goethesche Gedichte vorgetragen werden, Vorträge französischer Germanisten, sowie einen Besuch der Ortschaft Sesenheim. Auch die in Frankreich geprägte Goethe-Gedenkmünze erinnert an den Aufenthalt Goethes in Straßburg. Außerdem werden im Straßburger Stadttheater Goethesche Dramen zur Aufführung gelangen« Das deutsch-rumänische ZvllpräserenzMommen. Widerstreitende Stimmungen in Bukarest. Berlin,19. März. (CNB.) Die Reichsregierung hat der rumänischen Regierung eine Mitteilung zu- gehen lassen, daß das deutsch-rumänische Präferenzabkommen sofort in Kraft g e s e tz t werden könne. Gegenwärtig steht d i e rrimänis che Zustimmungserklärung noch aus. Die Inkraftsetzung des deutsch- ungarischen Abkommens ist noch von der Genehmigung durch das ungarische Parlament abhängig, das jetzt aber nicht tagt. Das deutsch-rumänische Abkommen sieht bekanntlich eine Senkung der deutschen Zollsätze bei der Einfuhr aus Rumänien für G e r ft e um 50 v. H. und für M a i s um 60 o. H. vor, während Ungarn eine Ermäßigung des Weizenzolles um 25 v. H. eingeräumt werden soll. 2n Bukarest bestehen über die deutschen Vorschläge zwischen den maßgebenden politischen und wirtschaftlichen Kreisen tiefgehende Meinungsverschiedenheiten. D ese sind äußerlich auch dadurch zum Ausdruck gekommen, daß der Handelsminister Karsen, ein Mitarbeiter des von jeher für das deutsch-rumänische Abkommen eingetretenen Finanzministers Arge t o i a n u, sich im ..Adeverul" dahin äußert, dah Rumänien die deutschen Vorschläge anneh - men könne, ohne irgendwelche Verdächtigungen von politischer, am Tardieu-Plan interessierter Seite befürchten zu müssen. Dagegen sieht ein Teil der von französischer Seite und wahrscheinlich von Außenminister Ghika beeinflußten rumänischen Presse im deutschen Vorschlag eine gutüberlegte Gegenmine gegen den französischen Föderationsplan. Diese Blätter lassen es an besonders gehässigen Angriffen gegen Deutschland nicht fehlen. So stellt „Lupta" die ganze Angelegenheit in einer Form dar, als sei Deutschland von den rumänischen Ge - on.» r, ic-Lcrun,9en abhängig. Diese „ HrJung um so unzutreffender, als der ru- mamsche Markt zur Zeit für die deutschen Jnduftrreerzeugnisse aus Mangel an Aargeld säst völlig verschlossen ist. 2m übrigen macht die gleiche Presse, die bis vor kurzem die Richtinkraftsehung des Vorzugszollabkommens als unfreundlichen Akt Deutschlands gegenüber Rumänien auslegte, jetzt dem gleichen Deutschland den Vorwurf, durch 2nkrastsehen deS Mkommms die rumänisch-französi- ?.erlehungen stören zu wollen Wurde die Richtung Ghika die Oberhand behalten, dann würden lebenswichtige 2nteressen der rumänischen Landwirtschaft erneut zugunsten eines politischen Wahns geopfert werden. Frankreich bohrt. Beunruhigung in Paris über das deutsche Angebot an Rumänien. Paris, 19. März. (TU.) Das Angebot der Reicysregierung an die rumänische Regierung be- reits am 20. März das im vergangenen Jahre getroffene Handelsabkommen in Kraft zu setzen hat in politischen Kreisen Frankreichs ziemliches Aufsehen erregt. Man befürchtet natürlich in erster Linie, daß die französischen Donaubundbestrebungen dadurch vereitelt werden könnten und begrüßt deshalb die rumänische Absicht, nichts zu unternehmen, ohne vorher mit der französischen Regierung Fühlung genommen zu haben. Der der keinen Tag vorübergehen läßt ohne nicht die Vorteile des französischen Planes für die Donaustaaten und das selbstlose Vorgehen der französischen Regierung hervorzuheben, fordert die Regierung auf, der Haltung Deutschlands größte Aufmerksamkeit zu schenken. Die Antwort der Reichsregierung auf die französischen Vorschläge sei als eine große Enttäuschung zu betrachten. Es sei unannehmbar, Deutschland eine So aderst e l l u n g in diesem Teile Europas einzuräumen, die es ihm ermögliche, die Donaustaaten zu beherrschen und sich auch die Grundlage für die Errichtung des „Mitteleuropa" zu schaffen. Deutschland glaube durch seine geographische Lage, durch seine 2ndustrie- und Handelsmacht Sonderrechte für die wirtschaftliche Durchdringung Südosteuropas beanspruchen zu können, obgleich die letzten Statistiken bewiesen, dah im Warenaustausch der Donaustaaten mit Deutschland dieses zu keinerlei bevorzugter Stellung berechtige. ÄejchssührertaßungderASDAp. München, 19. März. (TU.) Die Pressestelle der NsDAP. verbreitet eine Mitteilung über eine R e i ch s s ü h r e r t a g u n g, die am Samstag in München in Anwesenheit Adolf Hitlers ftattfaiib. Den Vorsitz der Tagung führte der Reichs- Oryanisationsleiter Gregor Strasser. Vom Reichspropagandaleiter wurden die Anweisungen Hitlers für den neuen großen o p a g a n d a f e l d z u g und feine technische Durchführung bekanntgegeben. Dabei kam zum Ausdruck daß der 10. April zugleich der erste Teil des Kampfes für den folgenden 24. April fein werde. „Besonders bemerkenswert war", so fährt die Mitteilung fort, „daß auch in der ausgedehnten Aus» spräche, an der sich fast alle Führer beteiligten, nicht einmal der von anderen Teilen der na. ^Position ausgesprochene h! e » e Ä^uchte, den begonnenen Kampf um ^^Präsidentenwahl abzublasen und ein« zustellen. ...Adolf Hitler führte nach dem gleichen Bericht Ä^ dle Tagung aus, daß niemand, der das innere -ffiefen der Partei kenne, auch nur eine Sekunde | lang im Zweifel fein könne über die Fortführung des Kampfes. Die NSDAP, habe nicht den geringsten Grund, eine neue Schlacht zu scheuen. Alles könne die NSDAP, ertragen, nur eines würde sie nicht aushalten: Stillstand der Kampfaufgabe. Sie fei entschlossen, au kämpfen bis zum letzten Atemzuge. Die NSDAP, glaube an den Sieg, weil ihr unbändiger Siegeswille, ihre absolute Zähigkeit und Beharrlichkeit ihn verbürge. Es sei kein Zufall, daß er di e beste und zuversichtlichste Stimmung, die er je in den 13 Jahren seiner Arbeit erlebt habe, gerade j eh t in diesen Tagen nach dem 13. März erlebe. Die Tausende von Tele» grammen und Briefen, die er in diesen Tagen erhallen habe, seien alle auf den gleichen Ton gestimmt: Jetzt erst recht!" Die Christlichen Gewerkschaften im Wahlkampf. Berlin, 19. März. (TU.) Der Gesamt- verband der Christlichen Gewerkschaften Deutschlands erließ folgenden Aufruf: „DaS deutsche Volk hat am 13. März in klarer Eindeutigkeit für Hindenburg entschieden. Diese Entscheidung war eine Treue- Kundgebung zu dem Vorbild deutscher Mannhaftigkeit und deutscher Ehre. Sie war eine energische Ablehnung des zerstörenden Radikalismus und seiner vergiftenden Volkszersetzung. Sie war eine Verabscheuung frevelhaften Diktaturgeschreis und eine Bejahung des gradlinigen Aufstiegs des deutschen Volkes zum freien, nationalen und sozialen Volksstaat. Wir dürfen mit Stolz feststellen, daß die Arbeiterschaft, die am schwersten unter der Wirtschaftskrise leidet, ein Beispiel politischer Reife gegeben hat, die geradezu von geschichtlicher Bedeutung für Volk und Vaterland ist. Die christliche Arbeiterschaft wird ihre ganze Kraft einsetzen, damit der 10. April ein überwältigender Sieg für Hindenburg wird. Hindenburg bedeut« die Einheit und straft des Volles gegen «k fruchtbaren Radikalismus. Mag auch die Zahl der Dachläufer des Radikalismus noch gewachsen fein, seiner Kampfkraft ist dennoch der erste schwere Stoß versetzt worden. 3c größer der Sieg Hindenburgs, desto entscheidender der -weite Schlag gegen die Abenteurerpolitik des Radikalismus. Kameraden! Frauen und Männer der Arbeit! Tut am 10. April noch einmal in bei- spielhasber Treue eure Pflicht. Degen Arbeiterentrichtung, KlOssenstaat und Diktatur! Für Hindenburg! Für Ehre und Freiheit der deutschen Arbeiterschaft! Für Ehre und Freiheit deS deutschen Boltes! Für den nationalen und sozialen Dolksstoat!" Aus aller Welt. Das Urteil im Prozeß Gchultheiß'pahenhofer. 3m Schultheiß-Pahenhoser-Protz e 6 wurde SamStag mittag das .Urteil verkündet. Generaldirektor Ludwig Katzenellenbogen wurde wegen Bilanzverschleierung zudreiWo- naten Gefängnis und einer Geldstrafe von 10 000 Mark, ersatzweise einen weiteren Monat Gefängnis verurteilt. Don der Anklage der Untreue wurde Katzenellenbogen freigesprochen. Die Geldstrafe gilt alS durch die Untersuchui^ashaft verbüßt. Generaldirektor Penzlin erhielt tpe- gen Bilanzverschleierung an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von einem Monat eine Geldstrafe von 10 000 Mark und eine weitere Geldstrafe von 10000 Mark, ersatzweise einen Monat Gefängnis. Das Dersahren wegen Prospektbetruges im Sinne des Paragraphen 88 des Dörsengesehes wurde gegen K. und P. eingestellt. Die drei Angeklagten, Kommerzienrat Dr.Sode rn h e i m und die Direktoren K u h l m e y und Funke wurden auf Kosten der Staatskasse f r e i - gesprochen. 3n der Urteilsbegründung werden ausführlich die der Anklage der Bilanzverschleierung zugrundeliegenden StützungSkäufe, der Ru- tria- und Rordhefekomplex besprochen. Eine Di- laru muß unter allen Umständen wahrheitsgemäß sein, auch tocnn sie die 3nteressen der Ge- sellschast beeinträchtigt. Die Angeklagten haben, um dem Status ihres Unternehmens den Schein größter Liquiditätzu geben, eS »ugelassen. daß die Bilanz viele Millionenoeträge alSBankguthaben auSgibt, während i n Wirklichkeit nur einfache Forderungen in Frage kamen. Sie haben also das im Aktienrecht so bedeutungsvolle Prinzip der Bilanzwahrheit außer Acht gelassen. Gradlinigkeit, Zuverlässigkeit und Offenheit waren Kennzeichen für den deutschen Kaufmann im 3n- und Ausland. Wenn es in letzter Zeit sich häufiger ereignen konnte, daß Kaufleute von Rang und Damen unter Außerachtlassung hochgeachteter Grundsätze gegen Recht und Gesetz verstieße^ so muß hiergegen mit aller Schärfe des Gesetzes Front gemacht werden. Mildernde Umstände waren den Angeklagten deshalb zu versagen; aber eS ist berücksichtigt worden, daß sie nicht vorbestraft sind. „Gras Zeppelin" nach Südamerika gestartet. Nachdem das Luftschiff „Graf Zeppelin" am Montag um 0.25 Uhr aus der Halle gezogen worden war, ist es um 0.33 Uhr unter Führung von D r. Eckcncr Hu seiner ersten diesjährigen Südamerikafahrt ausgestiegen. Biele Zuschauer hatten sich trotz der mitternächtlichen Stunde auf dem Werftgelände eingefunden, um dem Luftschiff, seinen Fahrgästen und Besatzungsangehörigen Abschied zu winken und eine glückliche Uebcrfahrt zu wünschen. Tonfilmoperateure suchten geschäftig noch möglichst viel Interessantes in Wort und Bild festzuhalten. Nach einer Funkmeldung von Bord des Luftschiffes „Graf Zeppelin" befand sich das Luftschiff um 4.30 Uhr Greenwicher Zeit Über St. Marie (Rhonemündung) am M i t t e l m e e r. Es hat nach sehr guter Fahrt verhältnismäßig schnell die Mittel- meerküste erreicht. Große Folschgeldfabrik in Stuttgart ausgehoben. 3n Stuttgart wurde eine Falschgelddruckerei ausgehobem Bisher sind schon sechs Der Haftung en vorgenommen worden. Hauptbeteiligter ist ein Kaufmann namens Schröder, der erst vor zwei Monaten aus Südamerika tzurückgekehrt ist. Schröder hatte sich in der Reuchlingstrahe eine Werkstätte mit vielen Maschinen ein- gerichtet. in' der zwei Lithographen Tag und Dacht mit der Herstellung von falschen 100- Mark-Banknoten beschäftigt waren. Durch einen Streit mit seinem Hauswirt, dem die geheimnisvolle ununterbrochene Tätigkeit in der Werkstätte nicht ganz geheuer war, wurde die Sache der Polizei gemeldet. Diese fand Falschscheine im Dennwert von 1,5 Mill. Mark. Die Scheine stellten eine verblüffend gute Dach- cchmung der echten 100-Marknoten dar. 3n8- gescrmt sollen für etwa acht Millionen Mark falsches Geld hergestellt worden sein. Es soll eine Filiale dieser Falschgelddruckerei ausgehoben werden. Diese Filiale soll sich in Süddeutschland befindet, jedoch wird der Ort von der Polizei noch geheimgehalten. Grausiger Doppelmord im Vogtland. 3n der kleinen Gemeiirde Zaulsdorf bei Oelsnitz beobachteten in der Dacht Einwohner, daß in den: Anwesen des Gutsbesitzers Gustav Wolf ein Brand ausgebrochcn war, der erheblichen Umfang anzunehmen drohte. Durch das rasche Eingreifen der Feuerwehr konnte der Brand auf seinen Herd beschränkt werden, so daß nur die große Scheune mit reichen Erntevorräten ein Opfer der Flammen wurde. Da das Ehepaar Wolf nicht erschien, wurde eine Leiter an das Fenster der Schlafstube gelegt, auf der der 19jährige Knecht Morgner emporstieg. Er rief den Hntenstehenden zu: „Die leben nimmer, die sind t o t." Es stellte sich heraus, da 'ßeine grauenvolle Mordtat begangen worden war. Der Mörder hatte mit einem Beil das Ehepaar im Schlafe erschlagen. Als des Mordes verdächtig wurde der Knecht Morgner verhaftet. Er hat sich dadurch verdächtig gemacht, daß er, obwohl er fast völlig angezogen war und sein Fenster dem Brandherd gegenüber liegt, von dem Brande nichts gewußt haben wollte. Aus der provimialbauvtstadt Gießen, den 21. März 1932. Hundert Jahre Verlag Alfred Töpelmann in Gießen. Gestern, am 20. März, waren eS 100 3ahre, daß der Berlag von Alfred Töpelmann und mit ihm die 3. Rickerfche Hniversi- täts-Buchhandlung bestehen. Die Derlagsbuchhandlung Alfred Töpelmann. 1832 alS 3. Rickerfche Buchhandlung von Josef Ricker gegründet, wurde bereits zwei 3ahre später nach dem frühen Tode des Begründers von dessen Bruder Anton übernommen, der den Berlag während 53 3ahren ständig auSbaute. 1887 ging der Berlag an F. H. Reimer über, von dem ihn der jetzige Besitzer Alfred Töpelmann im 3ahre 1894 erwarb. Wit dem Hebergang deS Rickerschen Berlages an Alfred Töpelmann begann die hauptsächliche Spezialisierung auf dem Gebiete der wissenschaftlichen Theologie und deren Grenzgebieten, sowie die vornehmliche Zuwendung zur orientalischen Sprachwissenschaft. Die immer ausgedehnteren und engeren Beziehungen des 3nhabers zu den Vertretern der wisse rschaftlichen Theologie veranlaßten diesen, im Jahre 1905 den Damen 3. Ricker fallen zu lassen und dem Berlag seinen eigenen Damen zu geben. 3m 3ahre 1905 vollzog sich denn auch die Trennung, indem das angegliederte Sortiment und Antiquariat an Herrn Emst Legler aus Leipzig verkauft wurde. Hm so mehr konnte sich nun Herr Töpelmann dem Ausbau des Berlages widmen, und es gelang ihm, namhafte Wissenschaftler zu seinen Autoren zu gewinnen. Die Derlagserscheinungen der letzten Jahrzehnte, allein auf dem Gebiete der wissenschaftlichen Theologie, betragen viele Hunderte, und eine Zusammenstellung aller Autorennamen würde einen hochinteressanten Heberblick über die führenden Theologen des 20.3ahrhunderts liefern. Don den wichtigsten Derlagserscheinungen seien hier nur folgende genannt: Die seit dem Kriege erscheinende und nunmehr acht Bände umfassende „Sammlung Töpelmann", eine Grundrißsamm- lung zum Studium der Theologie; die sieben Bände der „Reden und Aufsätze" von Adolf v. Harnack; die große Gießener Mischna-Ausgabe, von der bis jetzt 23 Traktate vorliegen; die von den berühmten Marburger Philosophen Cohen und Datorp herausgegebenen zehn Bände umfassenden „Philosophischen Arbeiten"; die 23 Bände der Sammlung der „Religionsgeschichtlichen Versuche und Vorarbeiten"; das von Prof. Holtzmann, Gießen, bearbeitete große Kommentarwerk zum Reuen Testament ufto. Ein Derlags- unternehmen von Hoyer wissenschaftlicher Bedeutung ist die von dem 1929 verstorbenen Göttinger Orientalisten Mark Lidzbarski herausgegebene „Ephemeris für semitische Epigraphik" (3 Bände). Von den vielen strengwissenschaftlichen Wörterbuch-Erscheinungen seien nur erwähnt: Wahrmund, Handwörterbuch der neuarabischen und deutschen Sprache; Weigand, Deutsches Wörterbuch (2 Bände) und Preuschen-Bauer, Griechischdeutsches Wörterbuch zum Reuen Testament, von denen alle mehrere Auflagen erlebten. Die beiden führenden Zeitschriften auf dem Gebiete deS Alten und deS Reuen Testaments, von denen die erstere bereits 50 Bände umfaßt, erscheinen im Verlag. Mit der Landesuniversität steht der Verlag in engster Verbindung; die Veröffentlichungen der Hniversität, wie die fast 50 Hefte umfassende Sammlung der Vorträge der theologischen Konferenz zu Gießen, die Schriften der Hessischen Hochschulen und andere mehr erscheinen ebenfalls in dem Verlage. Diese kurzen Angaben mögen genügen, um zu zeigen, welche große Bedeutung der Verlag auf seinem Spezialgebiete hat, die ihm nicht allein im Inlande, sondern auch im Auslande in wissenschaftlichen Kreisen hohes Ansehen erwarb. Als Anerkennung für seine Verdienste um die Wissenschaft wurde Herr Töpelmann im März 1923 von der Philofophischen Fakultät der Hniversität Gießen ehrenhalber zum Doktor der Philosophie ernannt. Auch bas Sortiment und das Antiquariat haben unter der zielbewußten Leitung von Herrn Ernst Legler einen bedeutenden Aufschwung genommen. Durch Ankauf von Bibliotheken namhafter Gelehrten wurde das Antiquariat wesentlich erweitert. Zahlreiche Kataloge gingen in alle Kulturländer und brachten die Firma besonders im Auslande zu hohem Ansehen und verschafften ihr neue Kunden, so daß eine Auslandabteilung angegliedert werden mußte. Rach dem Kriege traten zur Entlastung von Herrn Legler seine beiden Söhne, Alfred und Werner, in das Geschäft ein. Leider war es dem Seniorchef nicht mehr vergönnt, das hundertjährige Bestehen seiner Firma erleben zu dürfen. Der gestrige Tag wurde, den heutigen schweren Zeiten entsprechend und im Sinne der Inhaber, im engsten Kreise begangen. Die zahlreichen Glückwünsche beweisen, welche hohe Achtung die beiden Firmen sowohl im 3nlande, als auch im Auslande genießen. Wenn auch eben die Zeiten besonders für den wissenschaftlichen Buchhandel äußerst schwere sind, so darf man doch hoffen und wünschen, daß es den Inhabern beider Firmen vergönnt fein möge, noch lange dem Buche und der deutschen Wissenschaft auch weit über die deutschen Grenzen hinaus dienen zu können. St. Bunter Abend für die Winternothilse. Zugunsten der Gießener Winternothilfe wurde am Samstag im Stadttheater ein Bunter Abend gegeben, der den Besuchern einige schöne Stunden bereitete. Der Leiter unserer Militärkapelle, Obermusikmeister Krautze, leitete mit dein Dio- lincello-Dortrag von Max Bruch »Kol Ridrei", am Flügel von Walther Moehl begleitet, die Veranstaltung ein; er bot feinen Hörem eine feine, von erlesener musikalischer Kultur zeugende Leistung, die mit anhaltendem starken Beifall die verdiente dankbare Würdigung fand. Anschließend erfreute Herr Hub mit dem Gesang der beiden Schubert-Lieder .Der Leiermann" und .Der Doppelgänger", wobei ebenfalls Herr Moehl am Flügel begleitete; auch diese künstlerische Gabe fand verdientermahen lebhaften Beifall. Als Abschluß des ersten Teils der Vortrags solge brachte 3ntenbant Dr. Prasch das Märchen von Andersen .Die Rachtigall" zum Dortrag, während die begleitende Musik von Hniversitäts-Musikdirektor Dr. TemeSvarh am Flügel gespielt wurde; Dr. P rasch bot bei diesem 'S ertrag eine ausgezeichnete rezitatorifche und sprechkünstlcrische Leistung, Dr. LerneS- v a r y verhalf durch feine feine und geschmackvolle musikalische Hntcmmlung dem Dortrag zur vollen Wirkung: beide Künstler belohnte mit Recht starker Beifall. Der zweite Teil des Abends wurde von dem neuen Mitglied deS StadttheaterS Frl. Eva Herms mit dem Gesang von drei Liedern (Stolz .Es kommt der Tag, wo Rosen glühn" aus .Peppina"; Lehär ,3ch bin verliebt" aus .Schön ist die Welt"; Benatzky .Mein Liebeslied muh ein Walzer sein" aus »Weihen Röß'l") eingeleitet, wobei die Sängerin ebenfalls von Herrn Moehl am Flllgel begleitet wurde. Die hervorragende künstlerische Darbietung begeisterte die Hörer so lebhaft, dah die Sängerin sich zu einer Zugabe verstehen muhte. Lebhafter Beifall brachte ihr den Dank der Zuhörer zum Ausdruck, der hier, wie bei den anderen Darbietungen, auch der feinsinnigen Begleitung deS Herrn Moehl galt. Den Abschluß deS Abends bildete die ausgezeichnete Aufführung der Parodie von Max Reinhardt .Don Carlos auf der Schmiere", bei der ein überaus ergötzliches Spiel und Bühnenbild geboten wurde. Stürmischer Beifall dankte den Künstlern für die gute Leistung. Alles in allem: ein wohlgelungener Abend, mit dessen Verlauf die Mittoirk enden und daS Publikum in gleicher Weise zufrieden fein können. Rur der Besuch — das Theater war nur etwa zur Hälfte besetzt — hätte im Hinblick auf den guten Zweck des Abends besser sein müssen. ^0 Jahre Gewerbliche Berufsschule Gießen. In Anwesenheit zahlreicher Bertreter der Stadt, der öffentlichen Körperschaften, des Lehrkörpers, der intereffierten beruflichen Organisationen und des Gießener Gewerbes wurde am Samstagvormittag im Hause der Gewerblichen Berufsschule eine große Ausstellung eröffnet, die aus Anlaß des nunmehr zehnjährigen Bestehens der Schule einen Ueberblick über deren Arbeitsgebiet und Aufgabenkreis geben sollte. Schulrat Fischer sprach kurz über die Entwicklung des beruflichen Fortbildungs- fchulwefens, schilderte die Schwierigkeiten, unter denen üch besonders die Entwicklung des Berufs- fchulwefens für die Mädchen vollzog. Zur Zeit bestehe zwischen der Volks- und der Berufsschule keine engere Verbindung mehr, die Berufsschule sei völlig in sich geschlossen, das Haus, das in der Kirch- straße erstellt wurde, sei der Ausdruck der Selbständigkeit der Schule. Außerdem habe sich die Berufsschule einen völlig eigenen Aufgabenkreis geschaffen, der jede Wiederholung des etwa trüber Gelernten ausschalte. Es gelte heute, den Menschen für den Beruf zu erziehen, ihm im Beruf ein Echos zu erwecken, ihn darüber hinaus zum Staatsbürger zu erziehen. Die Steigerung der Aufgaben habe naturgemäß eine wesentliche Steigerung des Aufwandes zur Folge gehabt; die Stadt Gießen habe stch ein Verdienst erworben um die Einrichtung der Schule, nicht zuletzt haben sich aber auch jene Firmen verdient gemacht, die durch Stiftungen von vielerlei Anschauungsmaterial, Maschinen, Werkzeuge, Ar- beitsmaterial, diese für die berufstätige Jugend so segensreiche Einrichtung unterstützt haben. Das 10- jährige Bestehen der Schule bedeute einen gewissen Abschluß in der Entwicklung; noch sei aber nicht alles erreicht, was zu erreichen not tue, man werde aber bemüht [ein, weiter zu arbeiten, nach wie vor als Lehrkräfte die Meister des Handwerks heran- ziehen, um der Praxis immer unmittelbar verbunden zu bleiben und dem Nachwuchs wahrhaft dienen zu können. Mit Dankesworten an diejenigen Herren. die aus dem Beruf heraus ihre Arbeitszeit im Interesse der Schüler opfern, beschloß Schulrat F i sch e r seine eindrucksvollen Ausführungen. Ein Rundgang durch die Ausstellung schloß sich an, währenddem die einzelnen Fachlehrer kurz das Gebiet ihrer Tätigkeit, die Form der theoretischen und der praktischen Arbeit erläuterten und dabei den Zuhörern einen Heberblick über den Aufgabenkreis, den sich die Berufsschule ae- sieckt hat. ermöglichten. Die Ausstellung selbst bot eine Fülle des Sehenswerten. Theoretische und praktische Arbeiten waren in sehr geschickter Form zur Schau gestellt, viel Anschauungsmaterial förderte das Derftändnis, die Arbeiten der Schüler, hauptsächlich der graphischen Berufe, wie der Weihbinder, der Maler ufto. sanden viel Aufmerksamkeit: die Ausstellungen der technischen Berufe, 3nstallateure, Bauhandwerker, Schreiner. Mechaniker ufto. fanden in Anbetracht ihrer Vielseitigkeit nicht weniger 3nteresse. Die Ausstellung erbrachte den Beweis, daß man in der Berufsschule mit großem Ernste arbeitet und bestrebt ist, dem jungen berufstätigen Menschen umfassende Kenntnisse mitzugeben, die ihn in den Stand sehen, den Kampf um die Behauptung seiner Existenz aufzunehmen. Bornotizcn. — Tagest ölender für Montag: Goethe- Bund, 20 Uhr, Neue Aula, Goethe-Gedenkstunde. — Verkehrs- und Verfä)önerungsoerein, 19.30 Uhr Besichtigung des Elektrizitätswerkes, 20.30 Uhr, „Aquarium", Jahreshauptversammlung. — Tierschutz- Derein, 20.15 Uhr, Kaufm. Dereinshaus, Hauptversammlung. — Gewerbl. Berufsschule, Kirchstr. 16, 15 bis 18 Uhr, Ausstellung von Schülerarbeiten. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ronny". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Dienstag, 22. März, 20 Hhr, als 23. Vorstellung im Diens- tag-Abonncmcnt zu gewöhnlichen Preisen das Kammerspiel „Candida" von Bernard Shaw. Gin Abend von besonderem Reiz für alle Freunde eines durchgeistigten Spiels. Spielleitung Peter Fas sott. In den Hauptrollen: Frau Maria Koch, Trägerin der Titelrolle, Peter Fassott als Morell, und Karl Druck als Marchbanks. Beginn 20 Hhr, Ende 22.30 Hhr. — Mittwoch. 23. März. 19 Hhr, als 23. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement zu Opernpreisen Operngastspiel des Hessischen Landestheaters Darmstadt. Zur Ausführung gelangt „Don 3uan“ von Lorenzo da Ponte mit der Musik von W. A Mozart. Musikalische Leitung: Dr. Hans Schmidt-Isserstedt. Inszenierung Rabenalt und Reinting. Vorzugs- und Rund- funkgutscheine haben Gültigkeit. • •• Don der Landesuniversität. Di« Pressestelle der Hniversität Dietzen teilt mit: De» Dorsteher der Hess. Hauptstelle für Pflanzenschutz. Privatdozent Dr. G. O. Appel, hat eine an ihn ergangene Berufung alS Lektor für Pflanzenkrankheiten und Gartenbau an die Hniversität Halle als Nachfolger von Pros. Dr. Hollrung abgelchnt. Das Hessische Ministerium für Ku^ tus und Bildungswesen hat Dr. Appel eine» Lehraufttag, „Schutz der Rutz- und Zierpflanze^ insbesondere Bekämpfung der Pflanzenkrankhei- ten und der Hnträuter“, an der im Rahmen des Landwirtschaftlichen Institut- der Lande-uni- versität neugegrünbeten Abteilung für Pflanzenkrankheiten erteilt und Dr. Appel mit dere» Leitung beauftragt " Scharfe Bestrafung der Strahen- schmiererei anläßlich de- Wahlkampfes hat die Stadtverwaltung in einer» Schreiben an den Oberstaatsanwalt beim Landgericht in Gießen gefordert. In dem Schreibe» der Bürgermeisterei wird betont, dah das Beschmieren von Straßen und öffentlichen Gebäude» mit Wahlparolen einen Umfang angenommen habe, der es notwendig mache, gegen diesen groben Unfug mit scharfen Strafen vorzugehen. Die Stadtverwaltung bittet die Staatsanwaltschaft, zu erwägen, ob dieser Unfug nicht mit Freiheitsstrafen geahndet werden könne. Wi« erzieherisch Frecheiisstrafen gegen derartige Handlungen wirken, habe man bei den Bestrafungen für mutwillige Alarmierungen der Feuerwach« gesehen. Seitdem Freiheitsstrafen verhängt wurden, seien die böswilligen Alarmierungen de» Feuerwehr um zwei Drittel zurückgegangen. 3m Hinblick auf diese guten Erfahrungen wird ersucht, auch gegen die Straßenschmiererei mit möglichst scharfen Strafen vorzugehen. •* Besichtigung deS Elektrizitätswerkes durch den DerkehrSverein. Es sei noch einmal daran erinnert, daß freut« von 19.30 Uhr ab für die Mitglieder des Der- kehrs- und Verschönerung-Vereins ein Besichtigungsrundgang durch das Städtische Elektrizitätswerk veranstaltet wird, bei dem den Besuchern das Werk in allen Teilen gezeigt werden soll. Die Führung beginnt pünktlich um 19 30 Hhr. Rach der Besichtigung fahren die Teilnehmer in Straßenbahnwagen, deren Benutzung von der Werkdirektion liebenswürdigerweise kostenlos gestattet ist. zum Restaurant „Aquarium". wo die Jahres-Hauptversammlung deS Dereins stattfinden wird. (Siehe Anzeige vom vorigen Donnerstag.) ** Eine amtliche Verkaufs st eile für Postwertzeichen ist bei Frl. Frieda Joost, Bahnhofstraße 33, eingerichtet worden. ** Hnfall eines Sportflieger8. Do» der Südwest deutschen Sportfliegervereinigung Gießen wird uns mitgeteilt: Bei einem Flugtag in Schlüchtern kam gestern bei Flugvorführunaen das Flugzeug Raab - Kahenstein .Schwalbe" D 1516, Führer Moog, in das Flach trudeln. Di» Maschine trudelte ab, es gelang dem Führer jedoch, kurz über dem Erdboden die Maschine wieder zu fangen, das Flugzeug sackte jedoch durch und wurde sehr stark beschädigt. Der Flugzeug- füfrrer erlitt Verletzungen leichterer Art am Oberschenkel und im Gesicht. ” VornVerbandEvange lisch- kirchlicher Frauenvereine. 3m Frühjahr 1929 legte die Vorsitzende des Verbandes Evangelisch» kirchlicher Frauenvereine in Hessen, Ihre Durchlaucht die Für st in zuErbach-Schonberg, ihr Amt nieder, führteiedoch die Geschäfte noch ein Jahr weiter. Seit Mai 1930 leitete als stellv. Vorsitzende Ihre Exzellenz Frau von W u s s o w (Darmstadt) die Geschäfte des Verbandes, allerdings nur vorübergehend. In einer kürzlich abgehaltenen Sitzung wählte nun der Vorstand Frau Julie Heraeus (Offenbach a. M.) zur Vorsitzenden. die noch am gleichen Tage ihr Amt übernahm. " Gesellschaftsreisen zu Ostern nach Berlin, Paris, Rom ufto. werden von der Ham- burg-Amerika-Linie wieder veranstaltet. DaS Hapag-Reisebureau im Seltersweg hält ferner OfterZReifelarten zum ermäßigten Preis vorrätig. Als Ostergeschenk können auch Reisegutscheine bis zu 500 Mk. ausgestellt werden. Dieser Betrag ist für Fahrkarten. Vermittlung von Hotelzimmern, Schiffs- und Flugpassagen und Gepäckversicherung zu verwenden. Man beachte die heutige Anzeige. Wettervoraussage. Durch die Atlantikstörung gelangen die britischen Inseln und Nordfrankreich mehr in den Bereich ozeanischer Lull, welche dort Temperaturanstieg bringt und mehrfach auch zu Niederschlägen führt. Obwohl sich über Deutschland noch Hochdruck ausdehnt, dürften auch wir in den Bereich ozeanischer Luft gelangen, so daß nachts langsam Milderung zu erwarten ist. Niederschläge dürften jedoch nur in geringer Art und einzeln auftreten. Aussichten für Dienstag: Neblig-wolkig mit Aufheiterung, nur bei Aufklaren Temperaturen nachts um den Gefrierpunkt, im ganzen milder, vereinzelt etwas Niederschlag. Aussichten für Mittwoch: Wenig Aen» derung der Wetterlage. Lufttemperaturen: am 20. März mittags 6,9 Grad Celsius, abends 0,1 Grad: am 21. Marz morgens 2,4 Grad. Maximum 7,4 Grad, Minimum minus 0,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe: am 20. März abends 3,8 Grad; am 21. März morgens 2,2 Grad Celsius. Nichts anderes! - Es gibt eben keine /1 andere Hautcreme, die das hautverwandte Euzerit | / enthält! • • WWW lu Mtasseu Über 114 Millionen R M Gesamtgewinne 39. PREUSSISCH-SÜDDEUTSCHE KLASSENLOTTERIE Stramme Füllung Billige Preise Schnelle Zubereitung Wegen vorgerückter Jahreszeit 10% ermäßigt! 2228 A KonservensSonders Angebot! L. Kalkhof Nadif. (H. ERLE), Westanlage 5 die eleganten fußqe*rechten RONNY 19.50 15.50 L 01772 Mehrere, noch gut Frisch, rheinisches erhaltene _««v oefen Gemüse im Alter von 91 Jahren und 5 Monaten. Harbach, Gießen. Lindenstruth, Albach, 19.3.19*32. 2245 D Ein Beiprogramm 223b C Honorar Neichsmark. 01775 Angebote..Osternfü'd^ | ■™ ..rnnrn - 1X1110 ■ Was wir mit diesen Festtagskarten zu Ostern Gegen Reisegutscheine. 2240 D 0.75 Nachthemden aus feinem Wäschestoff, weiß oder farbig Stück 1.50, Verkauf ab Hemdhosen, fein gestr., Stück 1.75,1.50, Dienstag Vormittag! 1.75 1.50 Stück 5.00, 3.50, mit Arm | Vereine” 0.75 Schulstraße 0.50 0.50 2239 A 1.00 1.00 Außergewöhnl Zeiten erfordern für Knaben, aus gutem Wäschestoff, offen und geschl. zu tragen, Stück 1.25, 1.50 2.00 WW außergewöhnl Leistungen! Uebersichtlich zum Aussuchen auf Extratischen ausgelegt • ••und zu Ostern außergewöhnl Angebotei Preisen bringen sind Für die Hinterbliebenen: Joh. Hartmann Heinrich Krug Wwe. Bente abd.8 Uhr ^*0 Vecherschießen Geschäftsdrucksachen Rechnungen Briefblätter Briefumschläge Postkarten Geschäftskarten bei Brühl, Schulstralle t Nach kurzer Krankheit wurde Samstag mittag unsere liebe Tante Schuhe 17.50 Ufa-Kabarett-Programm Nr. 6 Kultur-Tonfilm und Ufa-Ton-Woche Lichtspielhaus-Gießen Heute Montag Premiere Die entzückendste aller bisherigen Tonfilm-Operetten der Ufa! mit Willy Fritsch Käthe von Nagy Otto Wallburg — Kurt Vespermann Eine Tonfilm-Operette, deren Uebermut, Laune, Schmiß und Tempo Sie begeistern wird. „Ronny“ ist ein beglückender Film! Ein Traum vom Glück, von einem Leben voller Freuden, voll Musik, Tanz und Liebe, wird Erfüllung! Er ist ein rechtes Labsal in der Misere der Zeit. Vergessen Sie den Alltag in dieser bunten schönen Welt der Operette! Wie ..Liebeswalzer" und „Die drei von der Tankstelle^, wie „Der Kongreß tanzt", so wird jetzt „Ronny" alle Welt begeistern durch die herrliche Musik von Emmerich Kalmän, dem berühmten Wiener Operetten-Komponisten. | Das Ganze ein einzigartiger LiebesrauschT] Die Beerdigung findet Dienstag, den 22. März, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt Die Beerdigung findet Dienst ag, den 22. d. M„nachmittags um 2'/2 Uhi1 statt. Spielanzüge nnd -Kittel, gestrickt, in.vor- a aa schiedenen Farben... Stück 1.75,1.25, LUU Spielböschen aus Zephir... Stück 0.95, 0.50 Kinder-Höschen, weiß gestrickt.. .0.75, 0.50 Kinder-Röckchen, farbig, gestr.,1.10,0.95, 0.65 Schlnpfhosen aus gutem Baumwoll- n trikot........................0.75, U.uU Leibchen, weiß gestrickt, Stück 0.95,0.75, 0.50 Stadttheater Gießen 2I76D Dienstag, 22. März 20—22.30 Hin: 23. Borstellung im Dienstag-Abonu. Gewöhnliche Preise Znm ersten Mal I C a n <1 i <1 a Gin Mysterium in 3 Akten von Bernhard Shaw. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Strauch, Kassel Zmprival-Kindergartell Krankfurter-Straße Ar. 13 werden noch Kinder angenommen. San dpi ah im sonnigen Garten! Hapag-Reisebüro Seltersweg 89 • Telefon 4197. Kniestrümpfe, Mako oder Flor mit hübschem Umschlag oder buntem Rand mit Gummidurchzug.. .Paar 1.50,1.00, Schürzen fürMädchen und Knaben aus Blaudr. od. gestr. Siamosen, St. 1.00,0.75, Baskenmützen, reine Wolle oder Wolle mit Seide...............Stück 0.75, Sporthemden für Knaben, aus gut. Zefir oder Popeline, moderne Streifen Stück 2.75,2.25, Schlafanzüge aus Trikot oder Bal ist Stück 3.50,2.50, Pnllover ohne Arm, kräftig gestrickt, Stück 4.00,2.50, Zur Frühjahrskur Wacholder für Blutreinigung — Knoblauch geg. Verkalkung — Johanniskraut für die Nerven — und anderes. oi77i Mäulerhaus Zung in der Schulstraße Fachgeschäft für Pflanzenextrakte und Naturheilmittel — Fachm. Beratung! „Olbas“ hilft bei 01174 Schlaflosigkeit Herz- u. nervösen Leiden. Kräuterhaus Jung in d.Schulstraßc Heil-n. Pflegemittel der Natnr. Heute nachmittag 51/, Uhr verschied unser lieber Vater, Großvater und Urgroßvater Peter Hartmann Polizeidiener 1 R. Modehaus Salomon Frau Frieda Haferkorn geb. Meier im 75. Lebensjahre durch einen sanften Tod erlöst Drogerie WinterhofT. Kreuzplatz 9/10, Hindenburg-Drog., Seltersweg 68a. ,533V Heiterkeit Sin gstunde: Morgen Dienstag, 201/« Uhr pünktlich imRcalgymnasium. 22.310 Der Vorstand. Fahrscheinhefte — Schlafwagen - Gesellschaftsreisen Auto Gelegeicheikskällse! Mehrere 4—8 PS- Opel-Personenwagen Limousinen u. offen, ehr billig. 21A Opel. Gießen Frankfurter Str. 52. BanslraiienleraW Dienstag, den23.März,20Uhr, im Einhorn Ausstellung ton Ostergebück und Appetitbrötchen Arbeitsabend statt Donnerstag. NäGbslfolg. Arbeilsabend Donnerstag, 31.Mr Gäste willkommen. 2231 v empfiehlt in Stückgut und Waggonladuugen E. Schreiber, Bonn Römcrstr. 88. Tel. 3294 Markthalle Stand 26-27. 2232 V Unbeirries Festhalten am Qualitätsprinzip bestätigt die Nachfrage nach Edeka-Konserven Anstreichen billiger wie je! Leinölfirnis, Lt r.50 4 Fußbodenfarbe hü-tD Pfund 45 a Lackfarbe .. 75 Weiße n. grüne Oelfarbe, l’id.55 Wehrosol i. I n. ryLtr.-Kannen Pinsel jeder Art liefert Ihnen Drogerie Noll Babnb istr. 53 grossen werden nnter Garantie durch VF NUR Stärke B hesei- V L n u O tlgt. Jt 1.60, 2.75. Pickel, Mitesser Stärke A 1 gehr. Beiwagen b.su kaufen gesucht. Schrift!. Ang. mit. 01776 a. d. G. Am. Taghemden für Mädchen, aus gutem n 7C Wäschestoff, mit Stickerei, Stück 1.25, U. ID Gültig bis Ostern! 1 Dose (2 Pfd.) Spargel 1 Dose (2 „ ) Erbsen 1 Dose (2 „ ) Apfelmus Zusammen Mk. 2*56 An den OsteiWen Men sie elegant wenn Sie Ihre Kleidungsstücke bügeln, dämpfen und auffriseben lassen Per Anzug jetzt nur noch Mk 4,80 Abholen und Zusenden kostenlos Amerik. Exprefe-Dampf-Bügel-Anstalt „Wie-Neu“ Inh.: E. Kömpel, Schneider,Wolkengasse 23 Telephon 2503 / Reparaturen und alle einschlägigen Arbeiten schnell und billigst ___________________________________________________________________22.1' A 2229 D 1 Dose (2 Pfd.) Gern. Gemüse 1 Dose (2 „ ) Schnittbohnen 1 Dose (2 „ ) Kohlrabi i. Sch. Zusammen Mk. I *97 Empfehlungen | Düngekalk billigst -jomD C. Rübs» in en Fernsprech. 3659 weg. Anlegung ein. ZentralHeis., ferner 1 Herd u. 1 Grude billig abzugeben. Goethestr. 231. Kaufgesuche | SÄBetten “JSchlufzün.,Kinderbetten. PolKt,Slahhnatr„ Chui w!., u n ledert. Toll zahle. Kaial. fr. öienmöbel'nhnk Suhl (ThJ (Verschiedenes | Schwarzer Dackel entlaufen. Wiederbringer erb. gute Belohn«. Abzugeb. ruß §ttmMtr.2i. Dienstag, den 22. Mörz 1932, nachmil- lags 2 Uhr, sollen im „Löwen", Renen- weg 28, dahier, bzw. an Ort und Stelle (Bekanntgabe erfolgt im versteigerungslokal) zwangsweise gegen sofortige Barzahlung versteigert werden: 2233D Drehstühle, Glasschränke, Ladeneinrichtungen, 1 Grammophon mit Platten, 1 Kasfenschrank, 1 Spiegel, Schreibtisch, 1 Schreibpult, Regale, Ladentheken, Schirme, Stöcke, Büfetts, 1 Kommode, Stühle, 1 Vulkanisieranlage, Diwane, Bücherschränke, Warenschränke, 1 Chaiselongue, 1 Vertiko, Schreibmaschinen, 1 Rollschrank, Stoffe, 1 Fahrrad, 1 Kleinkraftrad, Wanduhren, Standuhren, 1 Kleiderschrank, Tapetenkleber, 1 Instrument, 1 Leitspindelbank, Motoren, Sessel, Kredenzen, 1 Sofa, 1 Eisschrank, 1 Klebepresse, 1 Badewanne, 1 Gasherd, Hüte, Handschuhe, Hemden, Mützen, Strümpfe, Schuhe, 1 Rotomaschine, 1 Radioanlage, 1 Schreibsekretär, 1 Spiegelschrank. Hebbel. Gerichtsvollzieher in Gießen Wilhelmstraße 611 — Telephon 4039 Westen, reineWoUe, in schönen Farben a aa Stück 7.50, 5.00, 4.UU Strümpfe,echt ägyptisch.Mako, kräftige n cn Qualität, mod.Farben. .Paar 1.00, 0.75, U.DU Jedes Quantum trockenes 0IT,18 AmMch UNd Bohnenstangen liefert billigst H. Schäffner, Schiffenberg. Weg 40 Telephon 401G. Für die Karwoche empfehle frische Zinn- und Seefische sowie lebende Karpfen und Schleien Bestellungen erbitte 'rühzeitig! C. G. Kleinhenn!243D Baliuhofstras;e 61 Fernsprecher 3866 Bezirks- u. plahvettretung verg.gut fundierteangefehene Gesellschaft Erfolg der Wiener endete. Süddeutschland —Lombardei 1:1. Mit seinen Erfolgen in den letzten Monaten ist der süddeutsche Fußball wieder etwas mehr in den Brennpunkt des deutschen Fußball-In- teresseS gerückt. Das Interesse erhöhte sich nach dem Leipziger Länderspiel gegen die Schweiz, wo vielfach in der Kritik des Kampfes und der Leistungen zum Ausdruck kam, daß mit den süddeutschen Rachwuchsspielern im deutschen Sturm der Sieg gegen die Schweiz eindrucksvoller gelautet hätte. Dieses 1:1-Ergebnis, das die süddeutsche Auswahlelf in Mailand erzielte, bedeutet alles andere denn eine Enttäuschung. Denn einmal wurde das Spiel auf italienischem Boden ausgetragen und stellte durch Klimawechsel, die weite Reise erhöhte Ansprüche an die Spieler. Weiterhin zeigte es sich im Spielverlauf der ersten Halbzeit, daß in technischer Hinsicht unsere Vertretung eine bemerkenswerte Reife erlangt hot, die die Azurris nicht oufzuweisen hatten. Süddeutschland spielte in solgender Aufstellung: Kreß (Rotweiß Frankfurt): Schütz, Stubb (Eintracht): Grämlich (Eintracht). Tiefe! (Union Frankfurt), Schäfer (München 1860): Langenbein (VfR. Mannheim), Ruh (Rotw.), Leichter (Union Frankfurt), Rühr (Schweinfurt) Lindner (Union Frankfurt). In der ersten Halbzeit lieferten die Süddeutschen eine bestechende Partie. Zeitweilig standen sechs Italiener in der Verteidigung. Dabei hatten unsere Spieler eine gehörige Dosis Pech. So fanden zwei von Ruh und Langenbein erzielte Treffer nicht die Anerkennung des Unparteiischen, so daß sich die Süddeutschen lediglich mit einem Treffer als der Ausbeute ihrer Ueberlegenheit begnügen mußten. Abermals war es Ruh gewesen, der ihn unhaltbar eingeschossen hatte. Doch noch vor dem Seitenwechsel brachte ein Durchbruch den Italienern durch ihren Rechtsaußen Areari den Ausgleich. Dabei blieb es. Die zweite Spielhälfte sah dann die Lombarden in Front, die jetzt mit riesigem Elan gegen das Gießener Stadttheater. Shakespeare: „Romeo und Julia". Von diesem Werk des jungen Shakespeare, dem der Stoff über eine Historie von Arthur Brooke aus einer Novelle des Italieners Matteo Bandello zusloß. wurden vor Jahrhunderten die Herzen erschüttert wie heute. Dor dem düsteren Hintergründe vererbter Feindschaft, tiefeingewurzelten Familienhasses dec beiden verfehdeten Geschlechter erhebt sich das schmerzliche Liebesschick- fal des jungen veronesischen Paares zu klassischer Größe. Die tragische Verknüpfung der Begebenheiten treibt Mann und Mädchen mit einer so grausamen Unentrinnbarkeit dem schrecklichen Untergang zu. daß man der Schilderung von ihrem Glück und Ende mit der tiefen Anteilnahme des Mitleidens folgt, die der Hamburgische Dramaturg von der erhabensten dichterischen Form auf der Schaubühne gefordert hat. Die stürmische Leidenschaftlichkeit des Gefühls, die lyrische Zartheit und der echt dramatische Schwung des noch jugendlichen Dichters machen das Schauspiel zu einem der großen und unvergänglichen Liebesgedichte der Weltliteratur, Helden und Heldin zu einem jener klassischen Liebespaare, die wie Hero und Leander, Margarete und Faust, Tristan und Isolde aus ihrer zeitlichen und nationalen Begrenzung in den ewigen Vorrat und unvergänglichen Besitz großer Poesie etngegangen sind. „Der harmonische, schöne Eindruck dieser Tragödie entsteht daher" — so bemerkt Otto Ludwig in seinen Shakespeare-Studien —. „daß die beiden Liebenden alles Interesse in sich konzentrieren, daß der schmerzliche Ausgang nur von ihnen selbst kommt. Sie töten sich beide selbst: keine barbarische oder gewaltsame Handlung eines Dritten erregt Haß, oder wenn er es tun müßte, leitet er nicht einen Teil des Interesses von dem Paare auf sich Sie leiden das äußerste nur durch ihr eigenes Handeln, auch tritt dieses durch das ganze Stück nicht als gewaltsames, sondern mehr in der Form des Leidens, also selbst die Schuld Mitleid erregend auf. ... Die Liebenden haben solchergestalt die tragische Stimmung in sich selbst und müssen sie daher im Zuschauer wecken." Dabei bleibt immer zu bedenken, daß wir die unmittelbaren Wirkungen dieser Tragödie, wie des ganzen Shakespeareschen Dramenwerkes, auf die Zeitgenossen nur ahnen können: aber die Mittel, mit denen das Theater jen^r Epoche arbeitete, sind uns bekannt: wir staunen heute über die grandiose Einfachheit der Shakespeare- Bühne und des Schaugerüstes der wandernden englischen Komödianten, die ihren großen Landsmann aus Stratford zuerst bei uns eingeführt haben. Man muß sich vorstellen, wieviel damals der Phantasie des Menschen im Theater zugemutet oder überlassen werden durfte: der Zuschauer mußte sich mit bescheidenster Andeutung begnügen, mit einer primitiven Bühne, wo je nach bet Inschrift einer aufgepflanzten Tafel Stadt, Wald, Palast, Garten, Straße oder Friedhof sich auftat, — wo allein von der Menschenkunst, der Seelenkennerschaft und der Sprachgewalt des Dichters jedermann bezwungen und ergriffen wurde. Der Rcgiestil für Shakespeare-Inszenierungen hat sich im Laufe der Zeit gewandelt und neuerdings wohltuend vereinfacht. Man bemüht sich, wenn nicht zu den primitiven Anfängen zurückzukehren, so doch — unbeschadet aller technischen Errungenschaften und Bühnenmöglichkeiten des modernen Theaters — zum Wesenskern des klassischen Dramas vorzudringen. In diesem Sinne wirkte arrch die Aufführung unter der Regie des Intendanten Dr. Prasch, der das Werk alles überflüssigen und retardierenden Beiwerks enttleidet hatte und um die Her- ausarbeitung der Grundlinien in der Dramenarchitektur der altenglischen Weise von Liebe und Tod glücklich bemüht war. Zwar verzichtete er nicht auf einige Szenen voll Drastik und Komik, mit denen Shakespeare fast immer auch seine Trauerspiele belebt, streckenweise entlastet und kontrastiert, aber die von heißem und jugendlichem Schwung und Aeberschwang erfüllten Szenen der Liebenden blieben stets nach Gebühr mit aller schmerzlichen Süße und mit ihrem vollen tragischen Schwergewicht in der Mitte dcs Spiels. Die zur Handlung gehörige, stimmungsvolle uvd melodiöse Musik ist von Kapellmeister Walter M o e h l nach alten Motiven zusammengestellt. Bühnenbildner Löffler hatte die Szenerie plastisch und großzügig bei guter Raumverteilung auf der Drehbühne konstruiert. Capulets Tochter war Beatrice Doering; wenn es richtig ist, daß die Balkonszene der wahre Prüfstein für jede Julia sei, dann hat sie die Probe mit Ehren bestanden: in der Tat ist in diesem schönsten Teil des ganzen Werkes die volle Spannweite der darstellerischen Ausgaben und Möglichkeiten, zumindest im Keim und andeutungsweise, enthalten, und die Steigerung und Entfaltung in der späteren Schlaszimmerszene entwickelte und bestätigte durchaus, was dort vorbereitet und präludiert wurde. Eine schone, im Lyrischen wie im Heroischen ausgeglichene Leistung. Den Romeo gab Raimund Schelcher: in guter Maske und guter Haltung, vor allem mit der himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübten Jugendlichkeit, die man in früheren Zeiten oft genug am Romeo peinlich vermissen muhte: er bringt eine wohlbemessene Steigerung in den 2161 auf süddeutlche Tor anstürmten. Doch hier stießen sie in Schütz, Kreß und Stubb aus ein Bollwerk. daS nicht mehr zu schlagen war und sich auch in den gefährlichsten Momenten behauptete. Es blieb bei dem Unentschieden. Begeistert wurde die süddeutsche Qkrlei&igung gefeiert, als der Schlußpfiff des Schiedsrichters den Kampf beendete. Und Oesterreich — Italien ... Ein weiteres wichtiges Ereignis war der Länderkampf zwischen Oesterreich und Italien in Wien, den die Oestcrreichec knapp 2:1 für sich entschieden. Die Oesterreicher haben damit im internationalen Cup den Anschluß wieder hergestellt. Kurze Sportnotizen. Jin Endspiel um den Hockey-Silber- s ch i l d siegte in Berlin Brandenburg über Norddeutschland überraschend hoch mit 9:0 (6:0). Weitere Bezirksmeister wurden im west- deutschen Fußball in Hüsten 09 (Südwestfalen) und SpVg. Herten (Westfalen) ermittelt. Schwarz-Göppingen gewann in Paris ein 200-Meter-Druftschwimmen gegen die besten französischen Brustschwimmer in 2:53 Minuten ganz überlegen. Toni Bauhofer holte sich bei den Ecken- rieberennen auf seiner 0K>V-Maschine mit der besten Gesamtleistung den Titel eines „Eilenriede- meisters 1932“. Oxford wurde am Samstag im traditionellen Ruderkampf von Cambridge mit fünf Längen Vorsprung zum neunten Male hintereinander geschlagen. ___ 25 Jahre Bischof von Fulda. WSR. Fulda, 20. März. Der Bischof von Fulda, Dr. Joseph Damian Schmitt, konnte am Samstag auf eine 25jährige Tätigkeit in der Dischofstadt Fulda zurückblicken. Er ist am 22. April 1858 in Marbach im Kreise Fulda geboren und wurde nach dem Tode des Bischofs Adalbert E n d e r t im Jahre 1906 vom Domkapitel zum Bischof erwählt und am 19. März 1907 in der Fuldaer Kathedrale vom Bischof von Limburg, Dr. Dominikus Willi, feierlich geweiht. Aus Anlaß des Jubiläums fand am Samstag ein Empfang im Bischöflichen Palais statt. Dom Papst traf am Samstagmotgen ein Glückwunschtelegramm ein. Dor einigen Tagen hatte bereits Kardinal Bertram im Ramen des Episkopats dem Jubilar ein Glückwunschschreiben übersandt. Obcröü' g rmeifter Dr. Danzebrinck hat dem Bischof aus Anlaß seines Dischofsjubiläums den Ehrenbürgerbrief der Stadt Fulda überreicht. Eine ganze Familie als Ladendiebe. WSR. Frankfurt a. M., 19. März. Der Frankfurter Kriminalpolizei ist es gestern gelungen, eine ganze Familie fe st zunehme n, die sich als Ladendiebesbande spezialisiert hatte. Nachdem schon seit längerer Zeit Verdacht auf die einzelnen Mitglieder dieser Familie bestand, wurden sie in letzter Zeit unter besondere Beobachtung gestellt. Als nun gestern die Polizei die Bande wieder bei der Arbeit in verschiedenen Warenhäusern erwischte, griff sie zu. Es handelt sich um die 52jährige Ehefrau Barbare Lauer, die schon 20mal wegen des glei chen Vergehens vorbestraft ist, um ihren 32jährigen Sohn Lothar, den Bräutigam der Tochter, den 23jährigen Heinrich Heil und den Untermieter Paul Kühnel, 27 Jahre alt. Bei der Haussuchung wurde ein ganzes Warenlager gestohlener Gegenstände zutage gefordert. Alle vier wurden in Haft genommen. seiner Rolle —: von der müden Melancholie der ersten Szenen schnell hinüberwechselnd in die bis zuletzt ausgehaltene, romantisch gespcmnte Gefühlslage seines Helden: er sollte sich hier und da vor allzu heftigen Temposteigerungen hüten, war aber im ganzen ein seiner Partnerin durchaus ebenbürtiger Liebhaber und Held. Eine echte Shakespeare-Figur: der von Hauer mit Humor und Schwung sehr gelost und beweglich gespielte Meccutio: ein derber Kavalier und guter Kamerad. Luise Schubert - Jüngling als Amme und Hub als Diener Peter belebten die Szenerie mit drastischer Komik und barockem Gebärdenspiel. Heys er gab in scharfer Charakteristik den heißblütigen und jähzornig ausbrechenden Tybalt: Do Ick, ausgezeichneter Sprecher, den in grimmiger Unversöhnlichkeit und Strenge erstarrenden Vater Capulet: Sa ff ott einen milden und verständnisvoll hilfsbereiten Franziskaner- Bruder Lorenzo. Druck war der diskret und nobel gespielte Denvolio, Ja ns check ein würdiger Paris: W. Michel, in der repräsentativen Rolle des Fürsten Escalus, Kühnes Montague und Geiger (Gregorio und Apotheker) fügten sich mit sicher umrissenen Figuren ins Ensemble ein. Die Aufführung hinterließ einen starken, einheitlichen Eindruck und sand verdientermaßen lebhaften Beifall. hth. Oberhessischer Kunstverein. Tischbein-Ausstellung. Die Ausstellung, welche Porträts, Miniaturen und Dokumente aus dem Besitz der Grafen von Solms-Laubach umfaßt, ist nicht etwa, wie aus dem Namen Tischbein geschlossen werden könnte, als eine Huldigung an Goethe gedacht, sondern sie vermittelt dem Beschauer einen Einblick in das Werk von zwei begabten Mitgliedern der berühmten Malerfamilie: von Johann Valentin (1714 bis 1767) und von Anton Wilhelm (1734 bis 1804), dem ältesten und dem jüngsten Sohne des Bäckermeisters Tischbein zu Haina. (Einige Daten über die Familie wurden bereits im lokalen Teil zur Orientierung veröffentlicht.) Die beiden hier vor- geführten Künstler waren nacheinander zunächst als Sekretäre des Grafen von Laubach engagiert und wurden später zu Hofmalern ernannt. Ihr Werk ist wenig oder gar nicht bekannt, und es erscheint besonders verdienstlich, daß gerade der hiesige Kunst- uercin dieser im Hessischen angesiedelten Malerei den Weg in die Oeffentlichkcit bereitet hat. Die Ausstellung als Ganzes macht einen galeriemähig geschloffenen Eindruck: sie ist thematisch, ftif» und gab lungsmäßig verbunden und beansprucht natürlich nicht allein kunsthistorisches, sondern auch, als eine Art von Ahncngalcrie, familicn- und heimatgcschicht- Oberheffen. Stadtvorstandssitzung in Alsfeld. M Alsfeld. 17. März. 3n der jüngsten Sitzung deS Stadtvorsiandes wurde der Doranschlag dcs städtischen Schlacht- Hofes für das Rechnungsjahr 1932 vorgelegt. Der Voranschlag schließt in Einnahme und Ausgabe mit 25 094 Mark ab, wovon 22 394 Mark aus die Detriebsrechnung und 2700 Mark auf die Dermögensrechnung als Rücklage entfallen. Bei ordnungsmäßiger Abschreibung mühte bic Rücklage 5939 Mark betragen, so daß sich bis zur Rentabilität ein Fehlbetrag von 3239 Mark ergibt. Von einer Ermäßigung der Gebühren konnte daher keine Rede sein. Die Metzger-Innung hatte eine Herabsetzung der Miete für die Kühlzellen um 20 Prozent beantragt. Der Voranschlag wurde unverändert angenommen. Von den Fischereipächtern lag ein Gesuch um Herabsetzung der Fischereipacht vor unter Hinweis auf die allgemeinen Veränderungen der wirtschaftlichen Verhältnisse. Es wurde beschlossen, den Pächtern für das laufende Pachtjahr einen Nachlaß von 25 Prozent zu gewähren, nachdem sich ergeben hat, daß auch die fiskalischen Fischereien einen entsprechenden Pachtnachlah erfahren. Die Festsetzung des TaglohnS für die Fuhrleistungen im Rj. 1932 ergab Ablehnung des zu hohen Angebots der vereinigten Fuhrwerksbesitzer und weil die Fuhrwerksbesiher erklärt hatten, billiger fahren zu wollen, wenn der städtische Fuhrpark abgeschafft würde, das abgelehnt wurde. Ein Gesuch deS Reichsbanners, Ortsgruppe Alsfeld, um ileberlaffung der Reithalle zur Abhaltung von Kleinkaliberschießübungen tourbe unter den von der Bürgermeisterei festzusetzenden Bedingungen genehmigt. Die Vertreter der NSDAP, kündigten daraufhin ein gleiches Gesuch ihrerseits an. Hinsichtlich der Verzinsung der städtischen Baudarlehen und sonstigen Forderungen wurde eine Zinssenkung gemäß den Vorschriften der 4. Notverordnung vom 8. De- zenrber 1931 beschlossen. Landkreis (Hießen. x Garbenteich, 19. März. Dieser Tage hielt der Frauenverein in Garbentcich seinen Schlußabend mit Generalversammlung ab. Mit Befriedigung konnte auf das Wirken dcs Vereins im verflossenen Jahre zurückgeblickt werden. Besonders erwähnt seien die stimmungsvolle schlichte Weihnachtsfeier, ein Vortrag von der Missionarin Frl. Steiner über „Kriegserlebnisse in Indien", ein Vortrag von der Kreisvorsitzenden der Frauenvereine, Frau K r e u d e r (Gießen), über Fragen, die das Vereinsleben und den Verband der Frauenvereine betreffen, und ein Vortrag von der Fürsorgeschwester Amalie Schmölze (Gießen), die an Hand von Lichtbildern über Säuglingspflege sprach. V Watzenborn-Steinberg, 19. März. Zu einer gemeinsamen Schlußfeier ihrer dieswinterlichen Zusammenkünfte hatten sich im Saale der „Krane^ zu Steinberg in sehr großer Anzahl die Mitglieder des Evang. Frauenvereins und der Mädchenvereinigung zufammengefun- den. Der Abend nahm einen anregenden Verlaus. Die Mitglieder der Mädchenvereinigung trugen dazu wesentlich bei durch flotte Darstellung dreier Theater stücke, teils ernsten, teils heiteren Inhalts und durch prachtvoll getanzte Volkstänze. Dazwischen erklangen gemeinsam gesungene Lieder und wohlgelungene Musikvorträge für Klavier und Violine. Pfarrer S t a n b a ch sprach das Begrüßungs- und das Schlußwort. I liches Interesse. Man sieht hier bis auf eine einzige | Landschaft von Laubach ausschließlich Porträts: Uniformen, Stoßdegen, Reifröcke und Perücken deuten die historische Einheit an und ordnen die Porträtfolge chronologisch ein. Die Arbeiten selbst sind nicht nur in Format und Ausführung, sondern auch ihrem künstlerischen Range nach variabel. Von den acht Bildern des Johann Valentin sei zunächst das encr gische und lebenskräftige Bildnis der Prinzessin Augusta Maria zu Stolberg-Gedern genannt, boneben sind die Porträts des Grafen Christian August zu Solms-Laubach, des Rheingrafen von Grumbach und das Bildnis einer unbekannten Dame hervor- zuheben. Unter den Bildern Anton Wilhelms zeichnet sich neben manchen konventionelleren Arbeiten das sehr zarte, elegante und pikante Porträt der Gräfin Elisa beth Charlotte besonders aus: dieses Bildnis in Blau ist ein Werk von liebenswürdiger Unmittel barfeit des persönlichen Ausdrucks und künstlerisch wohl die bedeutendste Arbeit in diesem Kreise. Von repräsentativer Haltung daneben die Porträts des Grafen Christian August und des Erbgrasen Georg August Wilhelm zu Solms-Laubach. Stilistisch inter essant erscheint das noch ganz barock empfundene, pompös komponierte Bildnis des Grafen Friedrich Ernst: in reizvollem Kontrast übrigens neben dem sehr damenhaften Rokokobild der Dorothee Wilhelmine von Bötticher. In der langen Reihe von Grasen, Erbgrasen, württembergischen Herzögen und Laubacher Offizieren beansprucht das anmutige Kin öerporträt der kleinen Prinzeß von Braunfels (1765) besondere Aufmerksamkeit. — In den beiden Vitrinen findet man neben Photos von Gruppenbildern und Medaillon-Miniaturen allerlei Urkunden und handschriftliche Abrechnungen, die, als kulturhistorische Dokumente bemerkenswert, das Bild dieser Ausstellung angenehm vervollständigen. Zur Eröffnung hielt am Sonntagvormittag bei sehr gutem Besuch Pros. Dr. Luthmer, Direktor der Staatlichen Gemäldegalerie in Kassel, einen Einführungsvortrag. Prof. Luthmer sprach einleitend über die weitverzweigte Familie Tischbein, in der mehr als dreißig Mitglieder als Maler tätig waren: er betonte die Schwierigkeit, ihre Beziehungen untereinander zu klären und die einzelnen Arbeiten zu scheiden. Als die drei bedeutendsten Tischbeins charakterisierte er Johann Heinrich den Aelteren, Heinrich Wilhelm, den Gocthe-Tischbein, und den eleganten Zeichner Friedrich August, der in Leipzig lebte. Als Beitrag zur Klärung der verwickelten Familienverhältnisse sei die hiesige Ausstellung faudj tunff - soziologisch und kunstvödagogisch) besonders verdienstlich: die Untersuchungen des Dr. Otto Ernst Grafen zu Laubach haben dankenswerte Ergebnisse zutage gefordert. Prof. Luthmer schloß seinen instruktiven Vortrag mit einer abgrenzenden Charakterisierung der hier vorgestellten Brüder Tischbein unb einigen grundsätzlichen Bemerkungen zur modernen Kunst. -y- Wirtschaft. X Wleseck, 19. März. Freudig begrüßt von jung und alt hielten heute nachmittag die Störche ihren Einzug in unser Dorf. £. Wieseck, 21. März. Am Samstagabend hielt der Landwirtschaftliche Konsum- verein bei Gastwirt Gg. Keller seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats L u h leitete die Generalversammlung. Geschäftsführer Hildebrand erstattete den Geschäftsbericht, aus dem hervorgeht, daß die Wirtschaftskrise mit ihren Folgeerscheinungen auch an dem Konsum nicht spurlos vorübergegangen ist. Ist doch der Gesamtumsatz von 279 000 Mk- im Jahre 1930 auf 236 000 Mk. im Jahre 1931 zurückgegangen. Selbstverständlich ist in dem Rückgang auch der Preisrückgang der Waren und Abschreibungen enthalten. Der Rückgang des LImsahes wirkt sich naturgemäß auch in einem Rückgang des Reingewinns aus. Trotzdem konnte der Vorstand eine Rückvergütung von 7 Prozent Vorschlägen, der die Versammlung zustimmte. Rachdem die Bilanz besprochen war. wurde dem Vorstand Entlastung erteilt- -Zum Schluß kamen noch einige geschäftliche Angelegenheiten zur Sprache. _L Hattenrod, 21. März. -Eine Ausstellung von Handarbeiten der Schülerinnen unserer Schule wurde gestern im Schulsaale gezeigt und erfreute sich eines starken Besuches. Reben feinsten modernen Arbeiten sah man erfreulicherweise viel Praktisches für den täglichen Gebrauch. Die Flick-, Stopf-. Strick- und Rähmaschinenarbeiten erregten besonderes Interesse. Die Ausstellung war ein Beweis dafür, daß der Handarbeitsunterricht unter der Obhut von Frl. Plank, Gießen, auf der Höhe ist. Kreis Alsfeld. WSR. Alsfeld, 20. März. In der Feldmark des Rachbardorfes Drauerschwend verunglückte am Freitagvormittag der Dienstknecht Willi Merkel von dort auf eigenartige Weise tödlich. Er sollte für seinen Dienstherrn, den Landwirt Heinrich Dickel aus Drauerschwend, Dickwurz aus der Miete herausschaffen, die sväter abgeholt werden sollten. Anstatt die Miete von oben her freizulegen, machte der junge Mensch eine Höhle in d i e M i e t e, in die er hineinkroch, um die Dickwurz herauszuholen. Dabei ist das Erdreich z u s a m m e n g e st ü r z t und hat den Unglücklichen unter sich begraben. der den Tod durch Ersticken fand. Strafkammer Gießen. 1 Gießen, 18. März. Bis in die späten Abendstunden dauerte die Verhandlung gegen einen Einwohner von Büdingen, der vom dortigen Amtsgericht wegen Beleidigung des Büdinger Bürgermeisters und von zwei städtischen Beamten zu Geldstrafen verurteilt worden war. Mit der gegen dieses Urteil eingelegten Berufung erstrebte er seine Freisprechung. Auf seine Anntrag wurden eien große Zahl von Jeugen vernommen, durch dis er den ihm obliegenden Wahrheitsbeweis seiner Behauptungen erbringen wollte. Reben Formalbeleidigungen, die ein allgemeines abfälliges Werturteil über den Bürgermeister und die beiden städtischen Beamten darstellten, hatte er in einer Wirtschaft auch bestimmte ehrenrührige Tatsachen über den Bürgermeister und einen Oberstadtsekretär behauptet. Abgesehen davon, daß dem Angeklagten der Wahrheitsbeweis mißlungen war, ging aus der Form der Aeußerungen und den Umständen, unter denen die Behauptungen aufgestellt wurden, zweifelsfrei die Absicht des Angeklagten hervor, seine Mißachtung den Beleidigten gegenüber zum Ausdruck zu bringen. Mit seiner Berufung hatte der Angeklagte daher nur geringen Erfolg. Zu seinen Gunsten wurde lediglich berücksichtigt, daß er wegen Beleidigung noch nicht vorbestraft ist. Der Angeklagte wurde zu Geldstrafen von 20 + 40 + 40 + 40 Mark verurteilt, die im Llneinbringlichkeitsfall mit Gefängnisstrafen zu verbüßen sind Oie Reichsgaraniie für die Reedereien Zu den Vereinbarungen des Reiches mit den Reedereien erfahren wir weiter: Die durch die Zusammenlegung des Aktienkapitals von Hapag und Lloyd erzielten Buchgewinne, sowie die aus der Auflösung der Reserven entstandenen Beträge wer- bcu zur Deckung entstandener Verluste und zur Abschreibung der Anlayewerte verwendet werden. Diese Beträge werden sich bei Hapag auf rund 185, bei Lloyd auf 180 Mill. RM. belaufen. Zur Verfügung jeder Gesellschaft bleiben ein ordentlicher Reservefonds von 10 v. H., also 4,8 Mill, des Grundkapitals und ein Betrag von mindestens 24 Mill. RM. als Spezialreservc. Die seit dem Vorfahre eingcleitcten Ersparnis maßnah men der beiden Gesellschaften werden v c r st ä r k t durchgcführt. Die dadurch zu erreichenden Minderausgabcn werden im Laufe des Jahres auf 45 Mill. RM. errechnet. Der sog. Unionvertrag von 1930 wird dabei praktisch in dem Umfang zur Wirklichkeit werden, wie er damals geplant wurde, aber in der Uebergangszeit erst allmählich zur Durchführung kommen sollte. Ein neues B a n k e n k o n s o r t i ii m wird den weiteren Kreditbedarf in Höhe von 46,4 Mill. RM. zur Verfügung stellen. Das Reich legt emscheidenden Wert darauf, daß bis zur Sicherung der vom Reich garantierten Kredite die Geschäftsführung in der Frage künftiger Expansionen, in der Frage des Fahrtenprogramms und in der Frage der Neubauten sich der Zurück h a l - t u na befleißigt. Zur Sicherung der Uebersicht über die Maßnahmen der Geschäftsführung wird sich die Reichsregierung vorbehalten, einen besonderen 23 e r- trauensmann zu ernennen. Don den in Aussicht genommenen Mitgliedern des Aufsichtsrats, der nach der letzten Notverordnung 30 Mitglieder umfassen soll, soll die Bestellung von acht Mitgliedern der Zustimmung der Reichsregierung unterliegen. Die gesamten Ueberbrückungsmahnahmen gelten für das Jahr 1932. Frankfurt unregelmäßig. Frankfurt a. M., 21. März. (WTB. Drahtmeldung.) Infolge Fehlens fast jeglicher Anregungen und Aufträge eröffnete der Frankfurter Börsenfreiverkehr die neue Woche in kaum veränderter Tendenz. Das Geschäft hält sich nach wie vor in engen Grenzen. Die Kursentwicklung war nicht ganz einheitlich, doch blieb die Mehrzahl der Marktgebiete gegen den Samstag behauptet. Einiges Interesse erhielt sich auch heute für Montanwerke, die auf Käufe der Kulisse weiter etwas anzogen, nachdem schon im Sams- tag-Schluhverkehr eine Befestigung eingetreten war. Im Vordergründe des Interesses standen Gelsenkirchen und Buderus, die bis zu 1,5 Prozent gewannen. Auch Phönix, Rheinstahl und Stahlverein lagen bis zu 1 Prozent höher, während Mannesmann auffällig vernachlässigt waren. Deutsche Erdöl und Rütgerswerke stellten sich gleichfalls etwas höher, doch waren die Llmsähe hierin sehr klein. Am Chemiemarkt lagen J.-G.- Farben etwas schwächer, da die Diskussionen über die Dividende (man sprach von 6 Prozent) verstimmten. Elektrowerte lagen meist unverändert, vereinzelt etwas niedriger. Durch schwache Tendenz fielen Svenska auf, die etwa 5 Mark einbüßten, wobei die Schwäche an den Auslandbörsen zu Abgaben Anlaß gab. Bankaktien tendierten unverändert, dagegen lagen Schiffahrtswerte auf die Subvention durch das Reich 1 Prozent fester. Bon Hypothekenbankaktien zogen Frankfurter Hypothekenbank etwa 3 Prozent an, die siebenprozentige Dividende der Gemeinschaftsgruppe regte etwas an. 2m Verlaufe war kaum ^noch Geschäft zu verzeichnen, die Kurse bröckelten verschiedentlich leicht ab. Am Rente n m a r k t lagen Liquidationspfandbriefe im Angebot um 0,5 Prozent schwächer. Goldpfandbriefe, Reichsbankanteile, J.-G.-Farben blieben behauptet, Reichsbahnvorzugsaktien verloren dagegen 0,5 Prozent. 2m späteren Verkehr machte sich weiteres 2nteresse für Schiffahrtswerte bemerkbar bei nochmaliger Besserung bis zu etwa 1 Prozent. 2.-G.-Farben schwächten sich leicht ab, Montanwerte blieben ziemlich unverändert. Am festverzinslichen Markt lagen Gold- pfandbriefe später vereinzelt 0,25 Prozent höher, Reichsschuldbuchforderungen zeigten mit plus 1 Prozent feste Veranlagung. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 5,75 Prozent unverändert. Berlin abwartend. B cr l i n, 21. März. (WTB. Funkspruch.) Die Börse eröffnete heute in sehr abwartender Haltung, und die Kurse bröckelten auf einer Reihe von Märkten hauptsächlich wohl infolge der Geschäftsstille eher leicht ab. Die Rückgänge hielten sich aber meist in engerem Rahmen und gingen nur selten über 1 Prozent hinaus. Rur Svenska gaben im Einklang mit der Schwäche der Kreuzer - Werte an der Reuyorker Samstag- börse um etwa 5 Mk. nach. Obwohl die Schifffahrtsbereinigung in der letzthin bekanntgegebenen Form nicht überall volle Befriedigung auszulösen schien, lagen Hapag und Lloyd doch etwa 0,5 Prozent befestigt Auch am Montanmarkt war das Geschäft wieder etwas lebhafter, die Kurse konnten sich aber im allgemeinen nur gut behaupten. Phönix und Deutsche Erdöl büßten gegen ihre allerdings hohen Samstagschluhkurse etwa 1 Prozent ein. Am Bankenmarkt war die Llmsahtätig- feit sehr klein, Reichsbankonteile hatten auf letzter Basis einiges Geschäft, Berliner Handelsanteile lagen etwa 2 Prozent gebessert. Von Kaliaktien verloren Salzdetfurth 2 Prozent, die übrigen Werte — auch Bürbach — waren dagegen behauptet. Am Elektromarkt konnte man kaum Kursveränderungen feststellen. Gesfürel setzten zwar 1,25 Prozent niedriger ein, waren aber sofort wieder 0,75 Prozent höher Geld. 2m Verlaufe lagen allerdings Siemens bemerkenswert schwächer. Sonst bröckelten noch Chade und Svenska weiter ab, während an den übrigen Märkten, angeregt durch das etwas lebhaftere Geschäft in Montanwerten, die bis zu 1 Prozent anziehen konnten, eine recht widerstandsfähige Tendenz erkennbar war. Burbach-Aktien zeichneten sich im Verlaufe durch einen l,5prozentigen Gewinn aus. Schiffahrtswerte setzten ihre Aufwärtsbewegung um etwa 1 Prozent fort. Am Pfandbriefmarkt wurde die Tendenz nach sehr ruhigem Beginn allgemein etwas freundlicher. Reichsschuldbuchforderungen gewannen im Verlaufe etwa 1 Prozent, Reichsbahnvorzugsaktien und Farben-Bonds neigten dagegen zur Schwäche. 2ndustrieobligationen hatten keine einheitliche Tendenz. Am Geldmarkt nannte man Tagesgeld mit 6,5 bis 8.5 Prozent, ganz vereinzelt auch etwas darunter. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 21.März. Auftrieb: 1570 Rinder, darunter 310 Ochsen, 142 Dullen, 569 Kühe, 481 Färsen, 1077 Fresser: Schafe 45; Schweine 6486 Stück. Cs notierten pro 100 Pfund Lebendgewicht: Rinder. Ochsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts, jüngere 30 bis 34, ältere 25 bis 29, sonstige vollfleischige jüngere 20 bis 24; Dullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 25 bis 30, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 20 bis 24; Äüfje: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 24 bis 27, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 20 bis 23, fleischige 15 bis 19; Färsen (Kalbinnen, 2ungrin- der): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 30 bis 33, vollfleischige 25 bis 29, fleischige 20 bis 24. Kälb er. Beste Mast- und Saugkälber 42 bis 45, mittlere Mast- und Saugkälber 36 bis 41, geringe Kälber 32 bis 35. Schweine. Fett- meine über 300 Pfund 38 bis 41, vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund 38 bis 41, von etwa 200 bis 240 Pfund 38 bis 42, von etwa 160 bis 200 Pfund 37 bis 41, fleischige Schweine Don etwa 120 bis 160 Pfund 33 bis 38 Mark. Marktverlauf: Rinder ruhig, Lleberstand; Schweine ruhig, später abflauend, Lieberstand; Kälber und Schafe mittelmäßig, geräumt. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2H. Reichsbankdiskont 6 Proz. — Lombardsah 7 Proz. 19.Mürz 21. Mürz Amtliche Notierung Meld 1 Sriei Amtliche Notierung Geld | Brie Oclltngfotl . 7,033 7,049 7,033 7,047 it-ien . 49,95 50,05 49,95 50,05 Prag • . 12,465 12,485 12.465 12,485 Budapest . . 56,94 57,06 56.94 57,06 Sofia . . 3,057 3.063 3.057 3,063 Holland 169,83 170,17 169,73 170,12 O510 . 82,32 82,48 82,32 82,48 Kopenhagen. 84,42 84,58 84,72 84,88 Stockholm . 84,22 84,38 84,17 84.33 London . . 15,34 15.38 15,37 15,41 Buenos Mrei 1,073 1,077 1,073 1,077 Neuyorl 4,209 4,217 4,209 4,217 Brüssel. . 58,76 58,88 58.76 58,88 Italien. . . 21,78 21,82 21,73 21,77 Paris . . . 16.57 16,61 16,55 16,59 Schweiz . . 81,40 81,56 81.22 81,38 Spanien . . 32,12 32,18 32,12 32.18 Danzig . . 82,07 82.23 81.-97 82,13 Japan . . 1,349 1,351 1,349 1,351 Rw de Jan.. 0,249 0,251 0,2« — . 0,281 Jugoslawien. 7,415 7,427 7,413 7,427 Lissabon 13,94 13,96 13,99 14,01 Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 21.März. An der Frankfurter Getreidebörse war die Tendenz heute überwiegend schwächer. Die schon seit Tagen anhaltende schwache Tendenz in Berlin färbte auch auf den hiesigen Markt etwas ab. Das Angebot in Brotgetreide war minimal, doch war anderseits die Kauflust sehr gering, so daß Weizen und Roggen bis zu 2,50 DHL niedriger tendierten. Auch Futtergetreide schwächte sich überwiegend um 2,50 Mk. ab. In Kraftfuttermitteln ist das Geschäft sehr ruhig geworden, und die Rotierungen lagen durchweg 0,25 Mk. niedriger. Einiges Interesse hielt sich nur für ölhaltige Futtermittel, besonders für Soyaschrot zur prompten Lieferung. Es wurden notiert: Weizen 254 bis 255; Roggen 225; Sommergerste (für Drauzwecke) 195 bis 200; Hafer (inländ.) 160 bis 167,50 pro 1000 Kilo. Weizenmehl, südd.. Spez. 0, mit Austauschweizen 38 bis 39,45, dasselbe, Sondermahlung 36,25 bis 37,70; Weizenmehl, Niederrhein., mit Austausch- weizen 38 bis 39,20. dasselbe, Sondermahlung 36,25 bis 37,45; Roggenmehl 29,50 bis 30,50; Weizenkleie 10 bis 10,10; Roggenkleie 10,75 bis 11; Erbsen, je nach Qualität, für Speisezwecke 26 bis 35; Linsen, je nach Qualität, für Speisezwecke 24 bis 52 pro 100 Kilo. Heu, südd., gut, gesund, trocken 5 bis 5,25; Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreht, 4,25 bis 4,50; Weizen- und Roggen- stroh, gebündelt 4,25 bis 4,50; Treber, getrocknet 12,25 bis 1250; Jndustriekartoffeln, hiesiger Gegend, 3,25 bis 3,30 (Waggonbezug) Mark pro 50 Kilo. Tendenz: schwächer. Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. M., 19. März. Das Geschäft am Frankfurter Eicr-Großmarkt war während der ganzen Woche trotz des bevorstehenden Osterfestes sehr schwach. Die Händler setzten die Preise weiter etwas herab, um dadurch dem Geschäft eine Wendung zu geben. Durch die Erwärmung hat die deutsche Produktion eine Zunahme erfahren, dagegen steht aus dem Auslande infolge der Devisenvorschriften nur wenig Material zur Verfügung. Es notierten in Pfennig per Stück ab loco Frankfurt: Bulgaren 6,5 bis 6,75, Rumänen 6,5 bis 6,75, Holländer 7 bis 8,5, Flandern 7 bis 7,5, Bayern 6,5 bis 7. Sprechstunden der Redaktion. 11 .30 bis 12.30 Uyr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. MWtMmöto Roman von 3- Echneider-Foerstl. Urheber-Rechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau. 8. Fortsetzung. Rachdruck verboten! Er begann dieser ungesäumt den Sattel auf- zulegen und den Hengst anzuschirren, als ein Schatten durch die etwas niedere Tür fiel. Suses verärgerte Stimme klang neben ihm. „Was glauben Die denn eigentlich? — Sie halten mich wohl für blind! Sie können mir zehn Stuten zur Verfügung stellen, reiten tu ich doch keine, und wenn ich zu Fuß nach Hause gehen müßte." „Dann gehen Sie eben zu Fuß!" sagte er kaltblütig. Sie stand eine Minute sprachlos. Dann ilog ein gereizter Blick zu ihm hinüber. „3n wessen Dienst man steht, dessen Wünsche hat man zu erfüllen." Er verspürte sein Blut in den Ohren singen und hatte Mühe, sich zu beherrschen. Sie schlug ihn mit seinen eigenen Worten. QTber er gab es trotzdem nicht auf, sie umzustimmen. „Die Stute ist lammfromm!“ stellte er ihr vor. »Eben deswegen!" trumpfte sie und stampfte mit dem Fuße auf. „Gerade dieses ßammfromm- duckmäusige kann ich nicht leiden. Lieber brech ich mir mit einem Draufgänger Hals und Dein, als daß ich —" Sie kam nicht weiter? Er hatte nur zwei Schritte gebraucht, um zu ihr zu kommen. Seine Finger umspannten ihre beiden Handgelenke, daß sie vor Schmerz die Zähne aufeinanderbeihen muhte. „Die werden die Stute reiten! — Die Stute!" keuchte er. „Haben Sie mich verstanden? — And wenn ich den Hengst niederknallen müßte, auf seinem Rücken kommen Sie mir nicht nach Hause." Sie rang nach Wort und Atem und sog die Luft mit halbgeöffneten Lippen ein. „Das ist un—er—hört!" „Unerhört oder nicht! Das ist mir gleich! Wollen Sie oder wollen Sie nicht!" „Rein!" In Trotz und Zorn schrie sie es heraus. Run erst recht nicht, weil er es wollte Sie mochte und mochte ihm nicht den Willen tun. Seine Finger schraubten sich jetzt um ihre Gelenke, daß es ihr vor den Augen flimmerte 3hr Kopf glitt hilflos gegen die kahle Wand „Ich — werde schreien!" würgte sie hervor. „Das wirst du nicht!" ein Mund verschloß den ihnen, daß ihr Weinen in einem leisen Jammern erstarb. Malnows flackernde Augen brannten in ihr Gesicht. .Suse! — Verzeihen Eie mir, Suse!" Seine Hände tupften ihr mit dem Weißen Seiden- tüchlein die Tranen von den Wangem „Es war stärker als alles. Sie können die Lammfrommen nicht leiden! Da wurde ich Aum Draufgänger. — Suse, sagen Sie mir nur ein Wort, ob —" Draußen kamen Schritte über das Hofpflaster. Malnow fuhr zurück und machte sich bei dm Pferden zu schaffen. Mit zitternden Fingern strich die Recklinhauserin über die Augen und würgte das heisere Schluchzen hinab, das ihr die Kehle sprengen wollte. „Suse, wo bleibst du denn?" erklang Margrets spröde Stimme. Sie streckte den Kopf zur Türe herein und war befriedigt, als sie Malnow so weit von der Schwester entfernt bemerkte. Schließlich war ein Stall doch auch nicht der geeignete Crt, eine Liebeserklärung zu machen oder ein zärtliches Töte-a-Tete zu pflegen. „Die Mama wünscht, daß du mit uns im Wagen nach Hause lährst. Es gewittert berejts", fügte sie bei. „Haben Sie vielleicht eine Decke mit, Herr Malnow, daß meine Schwester zu Ihnen auf den Dock kommen tarnt?“ „Gewiß, gnädiges Fräulein!" „Wenn ich reite, bin ich zweimal so rasch zu Hause", warf Suse ein, aber es klang in scheuem Zögern. „Du weißt, daß die Mama sich ängstigt", tarn es gereizt. „Man muß nicht immer auf seinem Willen bestehen, sondern ihn auch einmal einem anderen unterordnen können. Also, es bleibt dabei! Der Hengst wird nicht gesattelt, Herr Malnow!“ „Ich bin Ihnen sehr verbunden für diesen Befehl, gnädiges Fräulein." Margret, die bereits im Gehen begriffen war, horchte auf, sah noch einmal zurück, konnte aber nichts Verdächtiges gewahren und schlug den Weg nach dem Tische wieder ein, wo sich die anderen bereits zum Aufbruch rüsteten. Malnow wartete noch eine Minute, dann ging er mit schleppenden Füßen nach der ©teile hinüber, wo Suse noch immer gegen die Wand lehnte: „Ich bitte Sie noch einmal, zu verzeihen! — Wollen Sie?" Et erhielt keine Antwort, und sog mit hörbarer Schwere die Lust in die Lungen. „Ich habe noch eine Frage, wenn Sie auch diese unbeantwortet lassen, werde ich meine Schlüsse daraus ziehen" entpreßte er seiner Kehle. „Können Sie mich — lieben?" Wo die Pferde standen, knisterte es leise im Stroh. Das Tageslicht, welches spärlich durch die vergitterten Fenster kam, begann noch mehr zu verblassen, und machte einem fahlen Dämmer Platz. Draußen, auf dem Pflaster des Hofes trieben ein paar erste, früh verwelkte Blätter ihr Fangspiel miteinander. „Suse!“ bettelte Malnows Stimme durch das lastende Schweigen, das nur durch den Husschlaa etnes Pferdes unterbrochen wurde. »Suse-- weiht du denn nicht, daß meines Lebens ganze Seligkeit in deinen Händen liegt? — Ahnst dy denn--" Ein gelbes Strahlenbündel zuckte vom Himmel und erfüllte das Dunkel des Falles mit grellem Licht. Malnow sah nichts, als daß die zitternden Arme des geliebten Mädchens sich nach ihm streckten. Mit beiden Händen griff er nach dem schlanken Leib, der ihm nicht widerstrebte. „Du — du! Sprich nur ein Wort, damit mein Glück voll ist!" flehte er heiser. „Küß mich nur ein einziges Mal, damit ich weiß, daß ich dir im Herzen brenne, wie du mir!“ Ihre Lippen blühten ihm entgegen, während ihre Lider sich senkten: „Dieter!" Ihre Stimme bebte in Scheu und Jauchzen. „Dieter!" Mit beiden Händen umklammerte sie seinen Hals, als draußen ein Rollen über die Erde hinging. „Was fürchtest du, mein Mädchen?" flüsterte er an ihrem Ohr. „Din ich nicht bei dir? — Der Himmel zürnt nicht über unsere Liebe! Er mahnt nur! Mahnt dich, mein Kleines, mir treu zu sein!" Sie schrak aufs neue zusammen, als von draußen ein violettes Licht durch die offene Tür rann. „3dj fürchte mich fo unsagbar, Dieter!" „Unb bist doch in meinen Armen, Kind!" ©ie stammelte etwas an seinem Hals und barg vos Gesicht gegen seine Drust, als schwefel- farbenes Licht den Raum durchzuckte und ein nervenerschütterndesl Dröhnen über das Dach dahinging, Frau von Recklinhausen rief nach der Tochter. Man hörte draußen Schritte über die Steine springen. Als Gradnih unter die Türe trat, um Suse unter seinen Schirm zu nehmen, da bereits die ersten schweren Tropfen fielen, stand Malnow neben den Pferden und beschwichtigte die etwas aufgeregte Stute, indem er ihr über die Mähne streichelte. „Kommen Sie mit, Herr Malnow!" hörte ihn Suse hereinrufen. „Ich bleibe besser bei den Pferden!" kam es putzig zurück. „Sobald der Regen nachgelassen hat'^verde ich vorfahren. Darf ich den Docksitz für ote richten, gnädiges Fräulein?" S®0 kam rasch ohne jede Spur von Trotz oder Auflehnung. J Dieters Dlick folgte der geliebten Gestalt, bis Biefe mit einem flüchtigen Zurückwenden des Kopfes un Eingang der ©afträume verschwand. , 2™ gelier der Montan» Film-Gesellschaft herrschte eine furchtbare Hitze. Den Schauspielern zeitweilig die Schminke von den Gesichtern, wurde sofort wieder aufgefrischt, und Öie schweren Schiebetüren, welche nach dem Rymphenburger Park führten, wurden zurückgerollt. Ein paar hundert Lippen öffneten sich dürstend. Schweißgebadete Körper ließen sich von der Luft umspülen, die an der Hitze des Ateliers gemessen,, wie ein kühles Dad wirkte. Alfred Swensen tupfte mit feinem Seidentaschentuch über Mund und Augen. Die Lider zur Hälfte geschlossen, saß er in dem Klubstuhl zurückgelehnt, der in der nächstfolgenden Szene zur Ausstattung eines Hotelzimmers mit beitragen mußte. Ringsum klopfte, hämmerte und sägte es. Ein Dutzend Arbeiter waren beschäftigt, die Halle eines schottischen Landsitzes aufzubauen. Hoch oben sah ein Maler auf einem Gerüst und zauberte eine Dschungelwildnis auf die Leinwand. Ein schrilles Pfeifsignal gellte durch die weiten Räume des Ateliers. „Türen zu! — Es geht wieder los, meine Herrschaften! — Rasch! Rasch! Die Kapelle an ihren Platz, bitte. Rücken Sie das Klavier etwas weiter nach rechts! Man hört sonst nichts! Machen Sie vorwärts, mein Lieber! Sie stehen uns nur im Wege!" Der graue Kittel des Hilfsregisseurs flatterte aufgeregt im Gewirr der Menschen hin und her. Reuhoff, der Allgewaltige und Oberregisseur der Montan-Film-Gesellschaft besprach mit Swensen die Szene, die jetzt gedreht werden sollte. Der Schauspieler lächelte apathisch, fuhr mit nervösen Fingern durch das Haar und wurde sofort wieder Von dem Friseur kunstgerecht in Form gesetzt. »Das Ganze ist Ihnen also nun klar, nicht Wahr, lieber Swensen!" flötete Reuhoff, dem un- gemein viel daran lag, den Künstler bei Laune zu erhalten. Dieser war ohnehin schlecht disponiert und hatte schon zweimal gebeten, für eine Viertelstunde Pause zu machen und auch sonst allerlei Mätzchen in Szene gesetzt, durch die eine Masse Zeit vergeudet wurde. Daß es da irgendwie in der Ehe nicht klappte, war unschwer herauszuklügeln. Künstler waren nur charmant, solange sie solo auftraten, sobald ein zweiter sich dazu gesellte, führten die Temperamente Krieg. Die Weiße Türe mit den vergoldeten Ornamenten in den Rechtecksfeldern wurde plötzlich aufgerissen und zeigte das Szenenbild nebenan: das Schlafzimmer einer Herzogin, deren Ruhebett ein Hügel von seidenen Kissen und Decken war. „Was ist denn los, Reuhoff?" schrillte eine Frauenstimme. „Hast du denn immer noch nicht begriffen, Fred? Das ist ja in der Tat zum Auswachsen! Sagen Sie den Musikern, daß sie einen Schlager spielen! Ich schlafe sonst auf dem Flecke ein! Dann könnt ihr sehen, wie ihr mich wieder in Stimmung bringt.“ (Fortsetzung folgte 8rit ^7- $6 '■M5 7,06 3-063 170,12 12,tt 84, u" 5,41 1,07? *.217 5t,tt 21.71 16,Ü «.31 32,16 «2.1, 1.351 0.261 7.427 14,01 7 Pro), N» "s 41 ’et^ }Nne Jark. :llQttb; rftonb- Frank. ■ heute lon feit Berlin >08 ob. minimal, fltting, M Hl d)toöj)tt l Ätafl- iiDorbeit ,25 X nur für Hoschrvt Doggen bis 200; 00 Silo, chweizm 16,25 bis ^tausch. Mahlung i 30,50; -0,15 bis ftoode 26 nse-tvede , gesund, genstroh. Doggen« etrodnet iger De« t pro 50 Geschäft während n Öfter« ereile Wt irmung >m a« : insvlge mal zur >er 6tüd 5,15, Ohi- 1,5, Ilan« on. Samstag -enburgrr durstend, , der Luft gemessen, i Seiden« Die Lider Klubstuhl xn Ö8«n« mit bot* cht fl* Her ®ine M!le X-t <-> C o r-> o cn o öl ö *— c © E CM K> 0» es o ö> w Ä- r> A e Q Q ex “KG 2 SJ; s — "2 ex <• S*° 5? = es g g .3. g — 0 :O G ex- 'S ® ä o H 33 = -e-5 ’5>-e; S5*-. = -c Q 11 c f; Z "E 3£2 = ctaj: Üt E S, = Z u *“ A .= B ~ /D - c c = 3 E^=. Z(9 ? = L ßMgß -2 — g 2. 1. =S fc c Ä *, u* % ä B £ E ZK c = G jO ex <- a ex K- jO 'S" © € g - '!> t 2 E € -S3 8 E 2 3pq iE9 DZ ö tzkZ 'S*- G E 3 g P. ^CQC55 e «e S)VL e E = Ags-AI E t- „ o li A 4° (5) 2 to§S = C —2^2 c — ««§.5 C* tf. A O-.^-® § 5 S? = r »an ä -sr — w ' öS A .?© S N c = o Ss3 <3 6/ «• o t-is-i is - = „«öS, IE — g. o : 3 2 §’®S Sh u ZZ® O “.'ö'c es a S-ts ** -3.S ■= Es«a o “ o ' ^8 ZI .2:®'s -° :Q c ’S c w E = ay'E'aS . e J=- ^®C3a° S-lff w ftcC öS — 2 e. o -2. ßlE-2 v. £ ^ -9 -D°ZZ^I -L'Z3ZM 3^5 cE^lE'c-' «j 2 uA s-^ « E G CU l-O r- 4-t ' El lg-5 K S 3C^E 5335g lS1-i. = E ” = "i ü-:ej »«Ä-C-» 2"e- V t 2 J HZLSLLZ^SHZsZtz. .— r! a, n 1E J3- 2 ’t. • T^LZZ- AÄ— 2L3'V = _ _ _■$ o E>z^ = =‘ cZ.LcZ -e\2 a 5 ’SS 'S L3 "5 ‘z^so PawA®A cAs q — >fi ?ixy 3q = =,3 *“ 2. e* AÄ =.?) KU'2 E.O <41 fl ’J E-C 5 O, .'“‘c^SaQ c = - Lx.E^8ZE-s 8c'£äi=,| "'S’ Z S Ä,~ a .E e- 3 Ä2l-f^i«lB g -e « ^-5 o ?A C 's-“ 15 c = = E ZD hA C o ’5€ 3-g « u_- ,jQ C - . O <9z-E Q Eä P F m c _e» 70 A 5 ID | fi- E» 3 . E- O l2- l-t Q Q •öA o a c <41 S±Z5 *_' J- S M O E : = SjD u.-® E a c C X a X3 o Ä ci ® .9 5 — gQ J E E -S5 - X C :O A ZS L G __-<<> E g®5 O.B3 A ,(D >- ex 3 :O o tu S — ex a £ I.OAS . in 2; ä> = A 3 e <- 3 & 3 o 9. 2. ex o F O i; ~ '©3=2^ Q = - <» = — ex -je c A Eg 3 O 3 A9 ^D-S «AZ c a-HgS.3 c. S. E a uD — za — ।. g-z®* i:“ = 3 = ± «tug c 3 — „Eg -F G ; = zs E-e" = o „ *- <- c. C „ u- = 3 G — o <'«' P Ä V -s 10- •3 N ex es M G R ZD P 3 V 3 5 i o 10 W ■» E O ■ re ö K-s3Z » Ö-"~3 2 03 8 3r< te 3® <= 5CO37T 35T ro «s-s 8 o ire E 2 63 LZ a s y=«)% 3 w Sw Hrj 2 ti^toeä S - re 3 m ' .-r ■tr cz d er o (g er—' er ca> e b ac s 23os3aoro5. in O 33 D er 3 re -- C O: D 5 re @ S3 =r q.” o1®12 3= 2 L2 ZFI ® 5 “* 613 er n A 3 AZ DZ «3 re Cr?- G> B 3.® 5,5 2'3 ®* 61 61 B «* Gl 2 re 8 m 3 Ä = ® iS 5 - M U'’ -3 3* !?-8 in Gl 3 in 8»® ln re Si S er co —'—’ er—' er 2 6)to S 2. re 233 c 2 l: er 2 re 5 re P = = C 52» 3 tti?S Säe re R»re fg3® re T 8 re _8 = S Ü5O re ^fS«8' 5- re re 3 33 "! » 3 ß 3 ®CQ CO re 2. 3 3- re "? — m re. 3 — re g§£ S ö •* 3 org-^ä, msfsffl 5 3 StS Srg 3 S CD <-S 0.-5" «gäi tä-c CO ö-=n ©*.= 2 -□p Gl 3: 2 -3 *1 co 3 ^c>3 23 2 re 63 S 3 re re re 2 2 —. re —re 2 er 5 s§ZZ 3 3 re K re E 5=i Äre 3 ®eg E O 3 ©: CT 3 3 " re "- re 2. re 3. jy 2.§ 2- 3\2 P 3 0 3 <3 O »3- 6 2-33 “8,w —■ D E CD 2 in o D-re- 3 ^3-3, c g 5 e m 3 ~-o 3 re-3. = o 3 0-3? c-- 6> t2M- 2; > i?s3®T 8 O re = C-3 3-, 3 re 2 3 -n ZffZ-® 2 er re l're. re =*' re 2. er t-B" re re s or o: le- «o E re 23 3 O. c. 2- erX 3* re u E re 3 creJ2.S Ä ~ -e co §3 re CD -C 33.s —• r»in er 2 238 re 2. re' 3 "" _ ^g-5 X* *** —2. — - - Q- 2 A r-c r-t r> 2 *X2 re « 5 KR 3 =f = 3 "* re §. ^CO O: o 3 CD 3 3 er co re 8 $= □r 3 3 ° D* re, CP O: —> re ~ m =-ti e£ Ei 63 cp 3 AZ ff o *1 -* 3’ 2 §2- 5 5- n O re 3 in S5W *' 2. D. — o B (So 32re*H,3 61*^5* L o" § !?«■„-.g-’S-re 2. er re ^n in 2t3"5?;s=5"£:3 - »aS _ re 05 — - B —- S ca..- 5 - s. re 2. 2 re (- ^3 crH 3 8 60 Gl re-g 8