Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 \ mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den An- zeigenteil i.V.TH.Kümmel sämtlich in Bietzen. Erscheint täglich, autzer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanfchliisse unter Sammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Bietzen. Postscheckkonto: Zranifurt am Main 11686. General-Anzeiger für Oberhessen Drwf und Verlag: Vriihl'lche llniverfitälr Such- und Steindruckerel H. Lange in Gietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7. Nr. 24? Svüha « sSabe 182. Jahrgang Donnerstag, 20. Oktober 1932 GietzeimAMiger Reichskanzler v. Popen vor dem Klepper-Ausschuß. Nie Preußen-Gelder für die „Kölnische Volkszeitung". Berlin, 19. Oktober. (VDZ.) Der Klepper- Unters u ch u n g s a u s sch u tz des Preußischen Landtags setzte heute die Zeugenvernehmungen über die Beteiligung der Preußenkasse an der „Kölnischen Volkszeitung" fort. Als erster Zeuge wurde Generalkonsul Heinrich Maus von der „Kölnischen Volkszeitung" gehört. Der Zeuge sagt u. a., er sei im Februar 1930 bei Minister Hirtsiefer gewesen, um mit ihm zu erörtern, wie man für die geplante Umwandlung der Görres-Haus e. G. m. b. H. in eine Aktiengesellschaft noch Aktionäre bekommen könne, da das Kapital von 4 auf 6 Millionen erhöht werden solle. Es sei dabei besprochen, daß unter Umständen sich auch amtliche Stellen bereitsinden würden, da von d e u t s ch n a t i o n a l e n bis zu sozialdemokratischen Zeitungen der Staat teils beteiligt sei, zum Tell Subventionen gäbe. Es kommt hierbei zu einem Zusammenstoß, weil der Vorsitzende den Zeugen ersucht, die Namen >der deutschnationalen und sozialdemokratischen Zeitungen zu nennen, worauf Generalkonsul Maus erwidert, daß er als Zeuge zu solchen Feststellungen weniger in der Lage sei als der Vorsitzende. Dann schildert Generalkonsul Maus, wie die Mittel des Staats durch die Heimbank überwiesen worden seien, und zwar in zwei Raten vom 8. Juli und 28. August 1930. Er überreicht die Quittungen dem Gericht und legt besonderen Wert auf die Betonung der Tatsache, daß weder ein anderer Aktionär, noch der Staat jemals eine politische Einflußmöglichkeit aus die „Kölnische Volkszeitung" verlangt oder zugestanden erhalten habe. Dem Vorsitzenden bestätigt der Zeuge Generalkonsul Maus, daß er sich nicht nur an Hirtsiefer, sondern auch an andere Stellen gewandt habe, um die noch fehlenden 2 Millionen für das Aktienkapital auszubringen. Die Rentabilität des Unternehmens sei gesichert gewesen. Wenn jetzt keine Dividende gezahlt werde, so, weil das Anzeigengeschäft wegen der Wirtschaftskrise katastrophal heruntergegangen sei. Die Mindereinnahmen aus Anzeigen beziffert Maus für «das Jahr auf 800 000 Mark. Auf Fragen des Abg. Muhs (Rats.) sagt Generalkonsul Maus, daß als Geldgeber ihm gegenüber nur au'getreten seien Minister Hirtsiefer, Direktor Lüdke- und Dr.Heß (der inzwischen verstorbene Führer der preußischen Zentrumssraktion). Wer tatsächlich der Geldgeber gewesen sei, wisse er auch heute noch nicht. Zu einer gereizten Auseinandersetzung kommt es, als Abg. M u h s immer wieder auf die Frage nach der Rentabilität der „Kölnischen Volkszeitung" zurückkommt. Zeuge Maus sagt, er wolle sich nicht immer wiederholen, aber seit dem 1. August habe das Blatt bereits wieder 9000 Abonnenten gewonnen. Auf weitere Fragen, ob Maus nicht doch gewußt habe, daß die Preutzenkasse als Geldgeber fungiere, bleibt der Zeuge dabei, daß er nur mit den genannten drei Aktionären, nichts mit der Preußenkasse zu tun hatte. Daß Interessen des Staates dahinter ständen, sei ja ganz selb st ver stündlich gewesen. Er habe deshalb auch keine Bedenken gehabt, denn als anständiger Mensch pflege er keine Geschäfte zu machen, gegen die er Bedenken habe. Es wird behauptet, so sagt der Zeuge Maus, daß Preußen an einer ganzen Reihe wirtschaftlicher Unternehmen beteiligt ist. Unter diesen Unternehmungen befinden sich auch Zeitungen, und ich halte es unter diesen Umständen für richtiger, daß sich der Staat an einer großen Tageszeitung beteiligt, statt an einer Ziegelei. ,, . . 2lbg. Dr. Muhs (Rats.): Sie wären also ieder- zeit bereit, staatliche Subventionen zu nehmen r Zeuge Maus: Ja, sofern damit nicht eine politische Beeinflussung irgendwelcher Art verknüpft ist. Ausländische Gelder würde er nicht angenommen haben. Durch die Frage nach dem Inhalt einer U n * terredung zwischen Konsul Maus und Klepper am 20. August 1930 sucht der Borsitzende festzustellen, ob Maus nicht doch.gewußt habe, daß das Geld von der Preutzenkasse stammte. Der Zeuge sagt, Hirtsiefer habe ihn an Klepper verwiesen. Abg. Dr. Muhs: Wenn Sie dann noch die Behauptung aufrechterhalten, Sie hätten nicht gewußt, wer das Geld hergab, dann leisten Sie einen glatten Meineid. (Große Unruhe.) Zeuge Maus: Wer das Geld gibt, ist mir persönlich ganz gleichgültig. Sie wollen mich zwingen, zu sagen, ich hätte gewußt, daß das Geld von der Preußenkasse kam. Sie können mich aber nicht zwingen, einen Meineid zu leisten. Aus Fragen des Zentrumsabgeordneten Metzinger bestät'gt der Zeuge Maus, daß die „Kölnische Bol.szeitung" besonders in Eupen und Malmedy in deutsch nationalem Sinne gewirkt habe und daß die Staatsregierung das stets anerkannte. Wir haben die wärmste Anerkennung gefunden von Staatsmännern aller Parteien, von Stresemann, Reichskanzler Müller (Zurufe bei den Rationalsozialisten: Systom-Dtaats- männer). Ich weiß nicht, was Ihre Staatsmänner für welche sind. (Heiterkeit.^ Erst im Zuge, als ich hierher fuhr, hat mir ein Deutich- nationaler Anerkennung zum Ausdruck gebracht. Hitler allerdings noch nicht. (Heiterkeit und Zurufe bei den Rationalsozialisten: Die werden Sie auch nicht kriegen.) Abg. Dr. Muhs (RS.): Können Sie uns Ra- men von Deutschnationalen nennen, die Ihnen Anerkennungsschreiben geschickt haben. Zeuge Maus: Darauf verweigere ich die Aussage. Es entspinnt sich wegen dieser Verweigerung; eine Geschäftsordnungsdebatte. Schließlich wird die Zulässigkeit der Frage in Abwesenheit der Kommunisten mit Stimmengleichheit der Rechten gegen Sozialdemokraten und Zentrum abgelehnt. Eine neue Geschäftsordnungsdebatte ergibt sich, als der Vorsitzende den Zeugen Maus sofort vereidigen will. Das Zentrum macht geltend, daß dieses Verfahren an sich nicht üblich sei, weil in allen Tlntersuchungsausschüssen die Zeugenvereidigung erst am Schlüsse erfolge. Schließlich meint Abg. Muhs (RS.), er habe gleichfalls Beden- Der Ausschutzvorsitzende sagte dem Reichskarz'er, man wolle Von ihm Auskunft über die Frage haben, ob nach seinem Wissen mit indirekten Mitteln der Preußenkasse „Germania"- Aktien aufgekauft worden seien durch die Görres-Haus- 21®. Minister Hirtsiefer habe gesagt, daß man Aktien der Berliner „Germania" auskaufen wollte, um den Einfluß des Herrn v. Papen auszuschalten. Reichskanzler v. Papen: Mir ist lediglich bekannt, daß zu jener Zeit ein gewisses Aktienpaket, das wohl im Besitze des früheren Ministerialdirektors Spiecker war, verkauft wurde. Dieses Paket ist zum Teil in die Hände der Görres- Haus-Gesellschaft ge angt. Mit welchen Mitteln, war mir bis zur Zeit unbekannt. Das habe ich erst durch die Rachprüfung bei der Preußenkasse erfahren. Aog. Rau (K.): Gestern wurde von Minister Klepper gesagt, daß es sich beim Abschluß des Geschäftes mit der Görres-Haus-AG. um eine Art Gewohnheitsrecht handelte, daß also der Staat sich an mehreren Zeitungen schon beteiligt habe. Es wäre interessant, von Ihnen, Herr Reichskommissar (Heiterkeit), zu erfahren, ob die Praxis der Beteiligung des Staates an Zeitungen auch unter Ihrer Herrschaft weiter fortgeführt wurde. Ist Ihnen insbesondere bekannt, ob das Reichswehrministerium an der „Täglichen Rundschau" beteiligt ist, ober ob dorthin Mittel des Reichswehrministeriums fliehen? Reichskanzler v. Papen: Herr Vorsitzender, ich habe folgendes zu erklären: Außer den im Reichshaushalt ausdrücklich für solche Zwecke zur Verfügung stehenden Mitteln sind seitens der Reichsregierung, seitdem ich an der Spitze der Reichsreg'.erung stehe, für Zwecke der Presse- beeinfluffung in irgendeiner Form keinerlei Mittel aufgewandt worden. Was die Unterstützung oder Beteiligung des Reichswehr- ministeriums an der „Täglichen Rundschau" betrifft, so ist mir das nur aus der Presse bekannt, und ich bezweifle, daß irgendwelche Wittel des Reichswehrministeriums hier verwandt worden sind. Auf weitere Fragen des Abg. Rau erwidert der Kanzler, er habe keine Veranlassung, über jedes Zeitungsgerücht mit seinen Ministern zu sprechen. Er stelle aber anheim, den Reichswehrminister selbst zu hören. Abg. Rau (K) beantragt darauf die Vernehmung des Reichswehr Mini ft ers und fügt hinzu, ihm fei bekannt, daß ein Vertreter des Reichswehrministeriums zur Zeit unterwegs sei, um die Beeinflussung von Zeitungen und ihre Finanzierung durchzuführen. Auf die Frage des Abg. Szillat (Soz.), ob er persönlicher Besitzer von „Germanica-Aktien oder nur Treuhänder sei, erwidert der Kanzler, er sei persönlicher Besitzer. Auf die weitere Frage, ob er eine Förderung von Zeitungen aus bestimmten staatspolitischen Gründen, die die Freiheit der Redaktion unter allen Umständen gewährleiste, als unzulässige Beeinflussung eines Zeitungsunternehmens betrachte, erwidert der Kanzler: Keineswegs. Auf den Hinweis des Abg. Szillat, daß der Reichshaushalt doch auch Fonds enthalte, deren Bestimmung nicht genau umrissen sei, wiederholte der Kanzler seine grundsätzliche Erklärung und fugte hinzu nach seiner Kenntnis gäbe es nur zwei Dispositionsfonds, aus denen Mittel für die Presse überhaupt gegeben werden könnten, nämlich die Dispositionsfonds des Reichskanzlers und der Presseabteilung in Höhe von zusammen 200 000 Mark. Die Frage, ob ihm bekannt sei, daß in den letzten Wochen Käufe in „Germania"-Aktien getätigt worden seien wo die Staatsbank als Geldgeber auf- aetreten sei, verneint der Reichskanzler. 9 nationalsozialistische Abgeordnete Muhs fragte dann unter Hinweis auf die Aussagen des Ministers Hirtsiefer, welches die Gründe gewesen seien, die zu dem Widerspruch Pa- pens mit der o s f i-ie l l en Z en t r u rn s- Politik führten, und ob er schon damals die Verbinduna mit den Deutschnationalen aufge- nmnmen&abe. Der Reichskanzler erwidert, er habe seinerzeit baS Aktienpaket gekauft, um in biefec Zeitung einen konservativen Einschlag zum ken gegen bie Vereidigung des Zeugen Maus, weil verschiedene seiner Aussagen offenbar unrichtig seien, so daß der Ausschuß sich unter Umständen einer Mittäterschaft beim Meineid schuldig machen könnte. Rachdem Generalkonsul Maus noch erklärt hat, er sei bereit, den Eid jederzeit zu leisten, verzichl- tet der Ausschuß vorläufig auf die Vereidigung. Die dann erfolgte Vernehmung von Direktorialmitgliedern bei der Preutzenkasse ergab, datz das Direktorium der Meinung war, es handele sich bei der Beteiligung an der Kölnischem Volkszeitung nicht um ein Geschäft des Staates, sondern um ein solches der Preutzenkasse. Direktor Lübke von der Heim-Bank, über die bie Gelber der Preutzenkasse an bie Kölnische Volkszeitung überwiesen würben, sagte aus, bie entsprechenden Abmachungen habe er mit Präsident Klepper münblich getroffen. Ausdruck zu bringen, für den er auch innerhalb der Zentrumspartei stets gearbeitet habe. Damit war die Vernehmung des Reichskanzlers beendet. An den Staatssekretär in der Staatskanzlei Planck, der bann als Zeuge aufgerufen wirb, richtete der Vorsitzende die gleichen Fragen, wie an den Reichskanzler. Der Staatssekretär ant°> toortete in demselben Sinne wie der Reichskanzler. Abgeordneter Metzinger (Z.) verlangte Auskunft darüber, wie denn im einzelnen bie Mittel verwendet worben seien, bie bem Reichskanzler und bem Reichspressechef für pressepoli- Berlin, 19. Ott. (WTB.) Reichsarbeitsminister Schaeffer sprach heute abend in der Stunde der Reichsregierung über alle deutschen Sender über bie neue Verordnung zur Ergänzung von sozialen Leistungen, mit der, wie der Minister betonte, die Reichsregierung ein Versprechen einlöst, bas sie schon vor Monaten gegeben hat, dem aber stellenweise ein gesuchtes Mißtrauen entgegentrat. Der Inhalt der Verordnung wirb bem einen, der nur wirtschaftlich denkt, etwas gewagt, und dem anderen, der nur sozial denkt, nicht bedeutend genug erscheinen. Die Verordnung denkt wirtschaftlich und sozial zugleich. Die Arbeitslosenziffer ist die schmerzlichste aller Zahlen. Sie liegt auch jetzt noch über dem Stand vom Oktober 1931. Für die Beurteilung der Gegenwart und für die Vorhersage der nächsten Zukunft kommt es aber weniger auf den Abstand zwischen der Zahlenreche von heute und der des Jahres 1931 an, bezeichnend ist vielmehr bie Richtung, nach der sich bie beiden Zahlenreihen bewegen. Wenn auch für bie erste Oktoberhälfte dieses Jahres abschließende Zahlen noch nicht bekannt sind: Die vorläufigen Meldungen sprechen, wie es scheint, gegen eine Erhöhung der Arbeilslosen- zifser in diesem Zeitabschnitt. Anders bas Bild aus der ersten Oktoberhälfte 1931: Damals ist die Arbeitslosenziffer um 130 000 in die Höhe gegangen. Die Tendenz ist unverkennbar. Die zwei Zahlenreihen der Arbeitslosen in den Jahren 1931 und 1932 nähern sich einander; ihre Entfernung wird immer geringer, sie suchen den gemeinsamen Schnittpunkt. Für bie beginne n b e Belebung ber Wirtschaft gibt es noch ein anberes Anzeichen, nämlich bas A n - st eigen bet Deschäftigtenzisfer. Auch bie Statistik, bie ber Allgemein? Deutsche Ge- werkschastsbunb für seine Mitglieder führt, be- tee ft, datz bie Zahl ber Beschäftigten im September zugenommen hat, unb zwar in einem Ausmaße, ber einen allgemeinen Schluß zuläßt. Die gegenwärtige Reichsregierung hat ebenso wie bie frühere nur beshalb einen Teil ber Leistungen preisgegeben, weil ihr bas Ganze gefährbet schien. In bem Maße, wie bie Gefahr schwinbet, können unb müssen bie Leistungen wieder auf einen angemessenen Stand gebracht werden. Darin liegt der Grund und ber Zweck ber Derorbnung. Der Minister erläuterte bann eingehenb bie einzelnen Bestimmungen ber neuen Verordnung und fuhr dann fort: Die Reichsregierung wird alles daransehen, durch Vergebung von öffentlichen Arbeiten, vor allem aber durch einen Auftrieb in der freien Wirtschaft, aus Unterftühungsempfan- gern wieder Lohnempfänger zu machen. Sie läßt sich von diesem Ziel nicht abbringen, nicht durch einseitige Kritiker und falsche Propheten, nicht durch den Geist der Verneinung und Zersetzung. tische Zwecke zur Verfügung ständen. Staatssekretär Planck erklärte, er habe feine Aussagegenehmigung, Einzelheiten über die Ausgabe dieser Mittel mitzuteilen, worauf Abg. Rau (K.) beantragte, eine entsprechende Aussagegenehmigung einzuholen. Der Ausschuß wird darüber später Beschluß fassen. Auf die Frage des Abgeordneten Dr. Muhs, ob die erwähnten Etatmittel auch für parteipolitische Zwecke verwandt werben könnten, erwiberteStaatssekretärPlanck, die Ausgabe trief er Mittel stehe im Ermessen des Reichskanzlers unb unterliege nur ber Rachprüfung ber Oberrechnungskammer. Dr. Muhs (Rats.): Das bedeutet eine Bejahung meiner Frage? Staatssekretär Planck: Theoretisch könnte ich die Frage bejahen. Daß diese Regierung die Mittel aber nicht in diesem Sinne verwendet, liegt durchaus im Eharakter der jetzigen Reichsregierung. Aus den weiteren Vernehmungen ist hervorzuheben, daß Direktor Engelmann von der Preu- ßenkasfe im Sommer dieses Jahres nach Köln geschickt wurde, weil ber Verlag der ,Kölnischen Volkszeitung" wie er aussagt, wiederum dringenden Geldbedarf angemeldet hatte. Aus dieser Revisionsreise kam Engelmann zu dem Schluß, daß ein Viertel des Aktienkapitals bis zum Ende des Jahres verloren sein könnte, daß aber eine Sanierung noch nicht eilbedürftig sei. Am Donnerstag will ber Ausschuß die Zeugenvernehmungen zu dem Fall „Kölnische Volkszeitung" zu Ende führen. Oie Ermittelungen der Staatsanwaltschaft. Berlin, 19. Oft. (ERB. Eigene Meldung.) In dem Verfahren, das von der Staatsanwalt« schäft im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen den früheren pr e u ß i s ch e n Finanzminister Klepper eingeleitet worden ist, wurde heute von der Staatsanwaltschaft in den Räumen der Domänenbank und der Domänenbetriebs G. m. b. H. Material eingesehen. Beschlagnahmt wurde nichts. Mit Genugtuung stelle ich gern fest, baß mit ber Krisenwenbe sich immer mehr auch ein Wan- bel in ber Geisteshaltung verbinbet. Glückt ber Wirtschaftsplan bet Reichsregierung, bann ist mit Hern weiteren Abbau ber Arbeitslosigkeit unb dem Aufbau ber Belegschaften zu rechnen. Damit allein kann aber noch nicht bie Massenarmut überwunben werben, unter ber bie Gegenwart so schwer leibet. Millionen von Arbeitslosen werben noch einmal den Strapazen eines Winterfelbzuges ausgesetzt sein, mit ihnen Millionen von Frauen unb Kin- bem. Dem Winter ber Rot wirb ber Winter ber Hilfe gegenübertreten müssen. Der Herr Reichspräsident unb ber Herr Reichskanzler haben ben Aufruf ber Deutschen Liga für freie Wohlfahrstpflege burch ein bebeutenbes De- gleittoort unterstützt. Zu Kitten Zeiten hat bie tätige Liebe ungeahnte Kräfte geweckt unb ungeahnte Erfolge gezeitigt. Darum helfe, wer nur helfen kann. * Staatssekretär Grieser vom Reichsarbeitsministerium erklärte heute vor Pressevertretern, baß bie Verordnung den Mittelweg einhalte, benn sie fei sowohl nach wirtschaftlichen, als auch nach sozialen Gesichtspunkten verfaßt worben. Was bie Milberungen bezüglich ber Kriegs- opfe'rrente an gehe, so sei es ber besondere Wunsch des Reichspräsidenten, daß die Kriegsopfer von gewissen Hemmungen rechtmäßiger und verwaltungsmäßiger Art befreit werden sollten. Wie bereits gemeldet, ist für bie Kriegsbeschädigten in Zukunft eine Freigrenze in Höhe von 25 Mark eingeführt worden, d. h. an einem Beispiel erläutert: Bezieht jemand eine Kriegsrente in Höhe von 50 Mk. unb erhält bazu eine Jnvaliden- rente von 40 Mk., so war nach ben bisherigem Recht ber Anspruch aus ber Jnvalidenrento bereits burch bie Kriegsopferrente geleit. Wenn nun eine Freigrenze von 25 Mk. ringe, ührt wirb, so muh künftig aus ber Jnvalibenrente noch ein Betrag von 15 Mk. bezahlt werden. Bei ben Kannbezügen läßt bie Verwaltung, wie Grieser weiter erklärte, die Rücksicht walten, die ben Kriegsopfern zukomme. Das gelte insbesonbere für bie Kapitalabfinbung bei Zwangsversteigerung von Grunbstücken usw. Einigung über die Badekleidung. Berlin, 19. Okt. (TU.) Amtlich wird mitgeteilt: Im preußischen Innenministerium hat am 18. Oktober eine Besprechung mit den Vertretern der Badeanzugsinduftrie und des Textilhandels ftatt- gefunden. Die Besprechung hat zu einer Einigung aller Beteiligten über die polizeilichen Anforderungen an eine zweckmäßige und geschmackvolle Badekleidung geführt, die dem sittlichen Empfinden der Bevölkerung entspricht. Damit sind die gegen den Erlaß vom 28. September entstandenen Bedenken der beteiligten Wirtschaftskrise ausgeräumt. Die Vernehmung des Reichskanzlers. Die Verbesserung der sozialen Leistungen. Eine Rundfunkrede des Reichsarbeitsministers. Auskehr in Genf. Die Dölkerbundsoersammlung, das Genfer Weltparlament der Regierungen hat seine dreizehnte Tagung sang, und klanglos ge» schlossen. Vor leeren Bänken —Jo sagen die Genfer Berichte. Die Herren am „Lac fieman" nehmen sich offenoar selbst nicht mehr ganz ernst. Man müßte meinen, daß in solchen Wochen, wo die bevollmächtigten Minister und Vertreter von über vierzig Staaten versammelt sind, das Interesse der Welt- Öffentlichkeit vor allen anderen politischen Ereig- nissen so gut wie abgelenkt und einzig nach dieser Richtung konzentriert wäre. Man müßte beinahe annehmen, daß anderswo in der Welt in solchen Wochen überhaupt keine Politik gemacht werden könnte. Das Gegenteil trifft zu. In allen Haupt- städten und zwischen allen Hauptstädten drängen Spannungen nach ihrer Losung, reifen historisch bedeutsame Entscheidungen heran, und an Gens hätte mancher wohl überhaupt nicht mehr gedacht, wenn er nicht durch die Tatsache der Schlußtagung wieder darauf aufmerksam gemacht worden wäre, daß jetzt vier Wochen lang ein Gremium getagt hat, von dem sich optimistische Träumer wohl einmal vorgestellt yaben mögen, daß aus seinem Schoße einmal so etwas wie eine Regierung der Regierungen, ein überstaatliches Weltkabinett heroorgehen könnte. Es lohnt sich kaum, auf die vier Wochen dieser Tagung zurückzublicken. Es ist nichts geschehen, was in den Annalen der Geschichte zu verzeichnen ist. Richt einmal Reden sind gehalten worden, deren .Mang länger als einen Tag im Ohre blieb. Die Tenöre und Heldenbaritone der Genfer Glanzzeit sind dahingegangen oder als Staatsmänner ausae- icyaltet. Stresemann und Briand sind nicht mehr. Chamberlain konnte diesmal nur in einer Konferenz am Rande des Völkerbundes so etwas wie eine Slatiftenrolle spielen. Herrn Herriot war es unmöglich gemacht, öffentliche oder vertrauliche Zwiesprache mit dem deutschen Gegenspieler zu halten. Neurath hat deutlich zu verstehen gegeben, daß er mit diesem Völkerbund nichts zu tun haben will, solange er sich nicht entschlossen und entschieden für die Gleichberechtigung aller seiner Mitglieder einsetzt. Er hat nicht einmal Herriot die Höflichkeit ( erwiesen, seiner „großen" Völterbundsrede zuzu- 1 hören, die schon darum sinnlos wurde und verpuffen mußte. Unter, dem Eindruck der Ohnmacht und Bedeutungslosigkeit verlief diese Tagung in der Stimmung vollkommener Resignation. Vom Thema, will sagen von Abrüstung, dürfte nicht gesprochen werden. Der Dölkerbundspräsident Po litis hat , nur in seiner Schlußrede ein paar zahme Wendungen über die Organisierung des Friedens eingeschaltet. Politische Entscheidungen sind nicht gefällt worden. Was eine Sensation hätte werden können, die Stellungnahme zum Lytton-Bericht, wurde wie alles im Völkerbund, was irgendwie brenzlich werden könnte, auf d i e lange Bank geschoben. Eine Sondertagung im November soll den Streit zwischen China und Japan über die mandschurische Frage schlichten. Sie wird es selbstverständlich nicht tun, sondern auch noch diese Angelegenheit, wie so vieles andere, in einem oder in mehreren Ausschüssen begraben. Blieb also dieser Völkerbundstagung im Grunde nur noch die Beschäftigung mit organisatorischen Angelegenheiten. Der Völkerbund hat sich einen ncuenGeneralsekretär bestellt. Es ist natürlich ein Franzose, dem für zehn (Zähre eine zum Teil unheimliche Macht in die Hand gegeben wurde. Darüber kann man sich nur zum Teil beruhigen lassen durch die Feststellung, daß der neue Generalsekretär Avenol ein Mann von besonderer Lauterkeit der Gesinnung, von ruhigem sicherem Charakter und von absoluter Treue gegenüber dem überstaatlichen Gedanken des Völkerbundes sei. Wir sehen in ihm — und das werden wir vielleicht in den nächsten Sahren noch oft peinlich feststellen muffen — in erster Linie den Franzosen. Rur der ^tsache, daß die Fran- zosen unbedingt auf „ihren" Generalsekretär Wert legten, haben wir einen Erfolg unserer Bemühungen in der Richtung zu verdanken gehabt. daß die Aemterverteilung in der Genfer Bürokratie mehr als bisher nach Gesichtspunkten der Gerechtigkeit rorgenommen werden soll. „2Hrem" Generalsekretär zuliebe haben sie auf Gießener Stadttheater. Ladislaus Fodor: „Roulette". Dieses dreiaktige Lustspiel von Fodor, der uns vor längerer Zeit schon die „arme Kirchenmaus" bescherte, spielt, wie der Rame vermuten läßt, in Monte Carlo und ist die Geschichte einet „Hochzeitsreise wie noch nie“. Ein neuvermähltes Ehepärchen, Hella und Peter, ist über die Alpen geflogen und im Paradies der Spieler an der Reviera glatt und zunächst noch glücklich gelandet. Während die junge Frau sich zum ersten gemeinsamen Abendessen zurechtmacht, verschwindet ihr Gemahl auf ein halbes Stündchen im Kasino und beginnt, mit wechselndem Glück, die Reisekasse zu verspielen. Hella? allein gelassen zu ihrem Kummer, sehr hungrig und sehr verliebt, macht mittlerweile durch Zufall die Bekanntschaft einer früheren Freundin ihres Gemahls, Scanne Rose, die den einträglichen Beruf einer großen Kokotte und Mascotte ausübt, und empfängt eine Menge guter und minder guter Belehrungen über das Leben im allgemeinen und in Monte Carlo im besonderen. Da Peter sich immer tiefer in seine Spielleidenschaft verstrickt, ist Hella, um nicht Hungers zu sterben, genötigt, allein den Speisesaal aufzusuchen, wo sie abermals mit Scanne zusammentrifft, von einem Kellner angeschmachtet wird und schließlich aus Trotz und Verzweiflung beschließt. auf eigene Faust und aus persönlicher Initiative eine Herrenbekanntschaft zu machen. (Merkwürdige Hochzeitsreise.) Sie macht auch eine, in Gestalt eines sehr seriös anmutenden Herrn mit grauen Schläfen, namens Marcell, und kann natürlich nicht wissen, daß dies ebenfalls ein guter Freund ihres treulosen Gemahls ist. Marcell. der manche Enttäuschungen hinter sich hat, vermutet seinerseits alles andere als eine Dame vor sich zu haben zumal Hella sich zunächst in Gesellschaft von Scanne befand. Natürlich gibt es lauter Mißverständnisse, da Hella ihre Rolle begreiflicherweise nicht gerade mit Routine spielt. Marcell, um eine Enttäuschung reicher und dennoch vereinen der französischen Direktoren, und zwar den politisch wichtigeren, den Direktor der Sn- formationdabteiilung, verzichtet und sich mit bem Grundsatz einverstanden erklärt, daß künftig kein Staat durch mehr als zwei hohe Beamte im Sekretariat vertreten fein soll. Muh man beim Ziehen die es sazits auch noch daran erinnern, daß der Gedanke der nicht ständigen Ratsihe neuer'.'.ch dadurch üer- stjl'cht worden ist, daß den Polen ihr Sitz noch einmcvl auf drei Sabre bestätigt wurde. Auch an dieser Stelle müT'en wir uns als die Betrogenen Vorkommen. Wenn es nicht bald zu einer Anerkennung unserer Gleichberechtigung kommt, — wie lange wollen wir dann überhaupt noch in Genf bleiben? Arbeitsbeschaffung für 280 Millionen Mark. Das Reichsbahnprogramm finanziert. Berlin, 19. Oft. (WTB.) Die Reichs - b a h n hat nunmehr die Verhandlungen über die FinanzierungihrenArbeitsbeschaf- fungsvrogramms b o n 2 8 0 Millionen Mark beendet. Dieses Programm beruht darauf, daß der Reichsbahn rund 180 Millionen Mark Steuergut'cheine aus der Beförderungssteuer zur Verfügung stehen, und daß für weitere 100 Millionen Mark ihr eigener Kredit eingespannt werden soll. Bei der Finanzierung ist davon ausgegangen, daß die Steuergutscheine nicht an bte Börse gebracht werden sollen. Dieses Vorgehen erscheint aus marktpolitischen Gründen erwünscht. Vor allem wird aber dadurch gewährleistet, daß die volle Summe auch wirklich der Arbeitsbeschaffung zugute kommt. Die Zwischemeit bis zur Fälligkeit der Steuergutscheine wird überbrückt werden mit Hilfe der am 8. Oktober 1932 neu errichteten Reichsbahn-Deschaffungs-G.m.b.H. kRDG ). Diese wurde von der Deutschen Der- kehrskreditbank mit einem Kapital von 10 Millionen Mark gegründet, auf das sofort 25 Prozent eingezahll wurden. Bei Fälligkeit von Zahlungen würden die tieferer und Unternehmer Wechsel auf die RBG ziehen, die von dieser akzeptiert und von der Derkehrskreditbank sofort diskontiert werden, so daß dem Unternehmer ober tieferer alsbald der Rechnungsbetrag ausgezahlt wird. Der Wechselaussteller muß sich verpflichten, auf Anforderung der RBG. jeweils die ausgestellten Wechsel zu prolongieren, bis die Steuergutscheine flüssig gemacht werden förinen. Die Verkehrskreditbank verwertet die eingehenden Wechsel nach Maßgabe der bestehenden Möglichkeiten, gegebenenfalls durch Diskontierung bei der Reichsbank, die sich zur Hereinnahme dieser Wechsel bereiterklärt hat. Außerdem kommt für die Geldbeschaffung die Lombardierung von Steuergutscheinen in Betracht. lieber das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsbahn bis zum Betrage von 180 Millionen Mark ist die Öffentlichkeit bereits unterrichtet. Der darüber hinausgehende Betrag ist in erster Linie zum Einbau der aus früheren untz noch laufenden Bestellungen herrührenden Oberbau- und sonstigen Stoffe bestimmt; auch sollen neben einigen zusätzlichen Beschaffungen weitere Aufwendungen für die dringend notwendigen kleineren Arbeiten der Unterhaltung und Erneuerung der baulichen und maschinellen Anlagen, sowie gewisse Ausführungen der Reubaurechnung damit gedeckt werden. Mit den Einzelheiten wird sich der Derwaltungsrat der Deutschen Reichsbahngesellschaft gelegentlich seiner Rovembertagung zu beschäftigen haben. Sächsischer Landtag gegen die Verfaffnngsresorm. Dresden, 19. Ott (WTD.) DerSächsische Landtag hat heute im Zusammenhang mit einer sozialdemokratischen Anfrage über die Stellungnahme der sächsischen Regierung zur Frage der Reichsreform beschlossen, die sächsische Regierung zu beauftragen, gegen verfas -- liebt, verabschiedet sich, nachdem er Hella eine große Danknote aufgenötigt hat. Sm Kasino ist es inzwischen drunter und drüber gegangen. Peter hat alleS verloren, trifft Hella, die ihn vergeblich zur Abreise zu bewegen sucht, nimmt, nach mehr als flüchtiger Empörung, bedenkenlos auch das Geld, das feine Frau von Marcell erhielt ... und sprengt wahrhaftig damit die Dank. Marcell hat sich inzwischen von seinem Srrtum überzeugt, und als Peter mit einem unheimlichen Haufen gewonnenen Geldes zurückkommt, hat Hella mit Marcell ihre zweite Hochzeitsreise eben angetreten. • Diese pikante Angelegenheit wurde vom Spielleiter Karl Hehler in einer glatt eingespielten Aufführung mit gerechter Verteilung von Tempo und Pausen serviert. Die Regie war um die Wiedergabe der eigentümlichen Atmosphäre des weltberühmten Schau- und Spielplatzes mit Geschick bemüht, hätte aber allerlei unnötige Deutlichkeiten des Dialogs für unseren Geschmack gut und gern streichen können. Bühnenbildner L ö f f - l e r hatte einen originellen Bühnenrahmen in den Rationalfarben von Monte Carlo, rouge et noir, und einige elegante und farbenprächtige Snte- rieurs geschaffen. Fräulein Liesel Deling spielte die verlassene, enttäuschte und betrübte junge Frau Hella mit viel natürlichem Charme und liebenswürdiger Raivität — am hübschesten in der Souperszene des Mittelaktes. Herr Ggge-mann gab den Peter, anfangs als luftigen und erfreulich normalen Hochzeitsreisenden, später einen immer hoffnungsloser von der rollenden Roulettekugel besessenen, rückfälligen und unheilbaren Kasinostammgast. Frau Koch machte mit erfrischender Offenherzigkeit und Geläufigkeit die drollig kauderwelschende Scanne Rose; Herr Hauer in den angenehmen Formen eines Herrn von Welt den Marcell; Herr Kühne den wahrhaft romantischen Oberkellner Gaston. — Fräulein Wie- lander und Herr Hamel hatten in einer Episode einen kleinen Sonderapplaus. • Der Besuch hätte besser sein können. Lebhafter Beifall. hth. sungswidrige Pläne der Reichsregierung schärfsten Protest einzulegen und im Reichsrat gegen alle oerfassungsändernden Gesetzentwürfe zu stimmen. Für den Antrag stimmten außer den Sozialdemokraten die Kommunisten, die Ra- tionalfozialisten und die Demokraten. Der De» schlutz erfolgte gegen a usdrückliche Dor- stellungendersächsischenRegierung. Ministerpräsident S ch i e ck hatte im Landtag betont, daß die Kundgebungen der Reichsregie- rung zur Reichsreform ein erfreuliches Bekenntnis zum föderativen Gedanken gebracht hätten, dem hoffentlich die entsprechenden Taten folgen mürben. Auf feine Anfrage sei ihm von maßgebender Stelle erklärt worden. daß die Reichsregierung selbst noch keine fest- umriffenen Pläne habe. Für eine Stellungnahme der sächsischen Regierung sei deshalb bisher keine auch nur einigermaßen sichere Grundlage vorhanden. „Sch würdige durchaus die Tatsache", fuhr der Ministerpräsident fort, „dah ein Umbau des Weimarer Derfassungswerkes nur dann tunlich ist und dauerhaft, wenn er von der Zustimmung einer überwiegenden Mehrheit des deutschen Volkes getragen ist. Wenn der Verfassungs- reformenttourf im Reichsrat beraten wird, wird die sächf.Regierung das ganz gewiß nicht aus dem Auge lassen. DerVersuch, der Landesregierung eine derartig ungewöhneliche Bindung aufzuerlegen, müßte die Wirksamkeit ihres Auftretens im Reichsrat zum Rachteil des Landes empfindlich beeinträchtigen." Aus aller Welt. Goethe-Feier in Argentinien. Unter dem Protektorat der Universität fand in Buenos Aires die von der Deutsch-Argentinischen Kulturgeselllchaft veranstaltete offizielle argen- tinische Goethe-Feier statt. Der Staatspräsident S u ft o , die Mitglieder des Kabinetts, rotoie zahlreiche Vertreter von Kunst und Wisten- schaft nahmen an der Feier teil. Die Festreden hielten der bekannte Romanist Professor V o ß - l e r von der Universität München und der argentinische Schriftsteller Leopolds L u g o n e s. Der deutsche Gesandte Dr. v. Keller überreichte dem Präsidenten der Kulturgesellschaft, Dr. Ricardo, zum Schluß der Feier die Goethe-Medaille. Goethe-Medaillen für herriot, Valery und Gide. Aus Anlaß der Goethe feier ist, wie man sich erinnert, drei Franzosen die Goethe-Medaille verliehen worden, nämlich dem Ministerpräsidenten Herriot, dem Dichter und Mitglied der französischen Akademie Paul D a I 6 r n und dem bekannten Schriftsteller Andre Gide. Botschafter v. Hoesch wird dieser Tage vor dem Abschiedsfrühstück, das Ministerpräsident Herriot zu seinen Ehren gibt, dem französischen Ministerpräsidenten die Medaille überreichen, während der deutsche Geschäftsträger, Botschaftsrat Dr. F o r ft e r, Valery und Gide ihre Medaillen in den nächsten Tagen überreichen wird. „Graf Zeppelin" wieder in Friedrichshafen. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist nach feiner Rückfahrt von Pernarnbuco unter Führung von Dr. Eckener in Friedrichshafen glatt g e - landet. An Bord befanden sich 14 Passagiere. Trebilsch-Lincoln aus Belgien auvgewiesen. Der bekannte internationale Abenteurer Tre- bitsch - Lincoln ist dieser Tage in Brüssel verhaftet und aus Belgien a u s gewiesen worden. Er ist mit dem Zuge nach Köln abgereift. Trebisch traf vor einigen Tagen in Brüssel ein und nahm als buddhistischer Mönch unter dem Ramen Chao Kung in einem Hotel Wohnung. Sein Reisepaß war von den chinesischen Behörden in Schanghai ausgestellt. Gr wurde ausgewiesen, weil er von dem dortigen belgischen Konsul zwar einen Durchreisepaß, aber kein Aufenthaltsvisum für Belgien erhalten hatte. Rach dem Ausweisungsbefehl wurde ihm noch eine Wahlzeit in einem vegetarischen Restaurant gestattet, die er unter Aufsicht zweier Polizeibeamter einnahm. Razzia im Dortmunder Unruheviertel. Sm Zusammenhang mit der in den letzten Tagen erfolgten Schießerei zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten führte die Dortmunder Schutzpolizei eine Durchsuchund der Häuseroiertel durch, in denen die Schießerei stattgefunden hat. Es wurden zwei Personen wegen dringenden Tatverdachts verhaftet. Gefunden wurden u. a. drei Schußwaffen, vier Dolche und verschiedene Schlagwerkzeuge. 254 000 Zlotys unterschlagen. Der Oberschichtmeister Pietsch und der Rechnungsführer B u d e 11, die auf dem Kattowitzer Bergwerk beschäftigt sind, wurden verhaftet. weil sie im Laufe von 12 Jahren 254000 Zloty unterschlagen haben sollen. Darlchnsschwindler verhaftet. Der Snhaber eines Finanzierungsbürvs im Bahnhofsviertel von München, der eine Dar- lehensvcrmittlung betrieb, hat sich der Polizei gestellt und gestanden, Betrügereien in Hohe von 60 000 Mark verübt zu haben. Die polizeilichen Erhebungen haben die Richtigkeit der Selbstbeschuldigung ergeben. Die Geldgeber sind fast durchweg ärmere Leute und SnflationS- gefchädigte. Die Opfer haben zum größten Teil ihre letzten Sparpfennige verloren. Der Betrüger wurde dem Gericht übergeben. Grubenunglück bei Saarbrücken. — Zwei Tote, drei Schwerverletzte. Auf der Grude Göttelborn im Fifchbachtal bei Saarbrücken wurden drei Bergleute verschüttet. Sie konnten sofort befreit werden, jedoch haben alle drei schwere Verletzungen erlitten. Einer der Verunglückten ist bald daraus gestorben. Auf der Schachtanlage Bertrand wurde ein Bergmann tödlich und ein weiterer Bergmann schwer verletzt. Drei weitere Todesopfer des Grubenunglücks bei Aachen. Das Grubenunglück auf der Zeche „Sofia Sacoba" hat im Laufe der letzten Tage drei weitere Todesopfer' gefordert. Sm Linnicher" Krankenhaus ist der Bergmann M a e tz e n an den Folgen der schweren Verbrennungen gestorben. Kurz darauf starben auch der Bergmann B e h n e r und der Bergmann D i g n a s. Leider muß damit gerechnet werden, daß die Zahl der Todesopfer noch weiter wächst. Bei den drei Schwerverletzten, die sich noch im Linnicher Krankenhaus befinden, ist der Zustand nach wie vor sehr e r n ft, während es den gasvergifteten Bergleuten im Hardenberger Krankenhaus den Umständen entfpre- chend gut geht. Eisenbahnunfall. — Zwei Tote, neun verletzte. Am Kleinbahnübergang Passendorf der Halle- Hettstedter-Eisenbahn stieß dieser Tage ein Per- f d n c n 3 ug mit einem Kraftomnibus zusammen. Der Besitzer des Autobusses wurde auf der Stelle getötet, ein Fahrgast tödlich verletzt. Fünf Personen erlitten sehr schwere und vier leichtere Verletzungen. Die Schranken am Bahnübergang waren außer Betrieb, da sie durch einen Sturm stark beschädigt worden waren. Die Sicherung des Ueberganges erfolgte durch Winken mit einer roten Flagge. Wenig später ist auch der 55 Jahre alte Lokomotivführer Otto Parthier, der durch ausströmenden Dampf und Kesselwasser schwer verbrüht worden mar, im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Bergrutsch an der Mosel. Wie aus Trier gemeldet wird, rutschten dieser Tage auf der Strecke Dann-Wittlich zwischen den Stationen Daun und Schalkenmehren, mittelbar vor dem Schalkenmehrener Tunnel, etwa 1500 bis 2000 Kubikmeter Bo - denmasse auf den Bahnkörper. Die Aufräumungsarbeiten werden mindestens zwei Tage in Anspruch nehmen. Der Personenverkehr wird durch LImsteigen aufrechterhalten. Die Dame mit der gestreiften Katze Von Victor Auburtin. Sn dem Abteil sitzen wir üblichen . cht oder zehn Personen, pie mittags in die Stadt fahren um die Theaterplätze zu besorgen, oder um Geld von der Bank zu holen, oder -so etwas Aehnliches. Die meisten lesen in ihren Zeitungen. Die anderen blicken mit jener hochmütigen Herablassung drein, die ein Zeichen guter Erziehung ist. Der Herr mit der Tiefquart und dem Tiroler Hut macht ein Gesicht, als wolle er uns allen, der Reihe nach, eine herunterhauen; der muß aus einem besonders vornehmen Hause sein. Da betritt die Dame mit der gestreiften Katze das Abteil, und mit einem Schlage ändert sich die ganze Lage. Die Dame mit der gestreiften Katze ist ein Fräulein, das offenbar an einem Wohnungsumzug beteiligt ist und die Aufgabe übernommen hat, die Hauskatze in unauffälliger Weife in das neue Heim zu befördern. Zu diesem Behuf hat sie die gestreifte Katze in einen Pompadour gesteckt, so daß die Katze sich nicht bewegen und nicht entkommen kann, sondern nur ihr Kops freibleibt und an den Begebenheiten Anteil hat. Es muß gesagt werden, daß die Katze sich in dieser schwierigen Lage vorzüglich benimmt. Sie ist offenbar noch nie auf der Dahn gefahren, und man könnte erwarten, daß sie Furcht empfindet vor den heftigen Geräuschen und Erschütterungen oder vor dem Phantom eines vordeibrausenden Zuges; aber nichts dergleichen, sie betrachtet alles mit ruhiger Aufmerksamkeit und kein Ruf des Schreckens oder Erstaunens kommt über ihre Lippen. Was dagegen uns Fahrgäste anbetrifft, fo sind wir mit dem Auftreten der Katze andere Menschen geworden. Der Herr mit der Tiefquart und dem Tiroler Hut hat plötzlich vergessen, aus welch vornehmem Hause er stammt, und lacht die Katze vergnügt an. Eine dicke Dame, welche Brillantohrringe trägt, wackelt heimlich mit dem Finger, um die Aufmerksamkeit der Katze zu erregen oder ihr vielleicht gar ein Lächeln abzugewinnen. Und wir anderen haben unsere Zeitungen finken lassen und betrachten gespannt dieses geheimnisvolle und kluge, kleine Gesicht. auf dessen Stirn die dunkleren Streifen ein lateinisches M bilden. Und es ist, als fei mit der Katze etwas von verlorener Einfalt und von Paradiesesturn zu uns hineingekommen; in das Abteil der Bahn. Laßt uns den Umgang mit Tieren pflegen, Freunde, damit wir unsere unsterbliche Seele nicht verlieren. Zu dem Tiere dürfen wir freundlich und menschlich sein, ohne uns unserer bürgerlichen Würde zu begeben. Dor dem Tiere können wir uns noch schämen; denn das Tier ist besser als wir, wozu ja allerdings meistens nicht viel gehört. (Erinnerung an bett Grafen Gpee. „Die Mitglieder des englischen Expeditionskorps nach Samoa befinden sich in einer oioften Schuld einem Feinde gegenüber, dem Admiral von S p e e , der der Befehlshaber des deutschen Kreuzergeschwaders im Fernen Osten war", so erklärte kürzlich Oberst Wc Quarrte auf einer Versammlung der Veteranen des Samoa-Krieges, die zu Wellington auf Reuseeland ftat/anb. „Das Schicksal der Streitkräfte, die nach Samoa ausgesandt waren." fuhr der Oberst fort, lag eines Tages in der Hand dieses Mannes. Wir tarnen ohne einen Todesfall nach Reuseeland zurück, aber er hätte uns allen ein jähes Ende bereiten können. Wer, dem die Gelegenheit geboten war, dem Feind ungeheure Verluste zuzufügen, würde sich diese haben entgehen lassen?" fragte er weiter. „Graf Spee tat es, weil er ein großer Admiral und ein großer Gentleman war. Er lehnte es ab, ein sinnloses Morden durchzuführen, sondern segelte fort und lieh unS ungeschoren, weil er nicht finden konnte, das irgend ein militärischer Vorteil durch unsere Vernichtung gewonnen würde." Ein anderer Führer des Expeditionskorps, Oberst Cowies, stimmte dem bei und meinte, die Zeit habe ihnen gezeigt, wie sehr sie in vieler Hinsicht den frühreren Feinden dankbar sein müßten. Er erwähnte einen andern Vorfall, nämlich daS Erscheinen der deutschen Kreuzer „Scharnhorst" und „Gneisenau" vor Apia am Morgen des 14. September 1914. Da zwei Kompanien eines australischen Regimentes gerade über die Vallegaro- Brücke marschierten, wäre es den Kreuzern ein Leichtes gewesen, mit ihren weithin tragenden Kanonen unter ihnen ein Blutbad anzurichten. Die beiden Schiffe machten sich auch gefechtsbereit, und das Schicksal der Soldaten schien besiegelt. Aber dann geschah das Unertoartete. Die beiden Kreuzer drehten bei, kreuzten noch eine Zeitlang an der Küste und wendeten sich bann westwärts, ohne einen Schuß abzugeben. Aus der Provinzialhauptffadt. Dietzen, den 20. Oktober 1932. 25 Zahre Edeka. Aus Anlaß des 25jährigen Bestehens des Edeka- Berbandes hcstte die Edeka-Organisation in Gießen auf Dienstagabend zu einer H au s- frauen-Veranstaltung in das Eafä Leib eingsladen. Das Interesse unserer Hausfrauen an dem Wend zeigte sich eindrucksvoll darin, daß der Einladung etwa 600 Hausfrauen aus allen Bevölke- rungsfchichten Folge geleistet hatten. Zu Beginn des Abends richtete Kaufmann Ludwig Schmitt im Namen der Edeka herzliche Be- grußungsworte an die Besucherinnen. Er gab dabei der Hoffnung Wsdruck, daß die Stunden des Abends den Hausfrauen eine angenehme Unterhaltung bereiten, ihnen aber auch zu der Uebcrzeu- gung verhelfen würden, daß sie bei ihren Einkäufen in den Edeka-Geschäften nicht nur den selbständigen Mittelstand stärken, sondern auch ihren eigenen Intexessen gute Dienste erweisen könnten. Während die Besucherinnen von der Edeka als Gastgeberin mit gutem Kaffee und Kuchen trefflich bewirtet wurden, hielt Direktor Rähr von der Edeka-Zentrale in Köln einen Bortrag über den Aufbau der Edeka-Organisation und über die Bor- teile, die aus diesem Zusammenschluß der Einzelhandelsgeschäfte für die Berbraucherschaft entstehen. Der Großeinkauf für rund 28 000 Einzelhandelsgeschäfte mit etwa 30 000 Läden im gesamten Reichsgebiet ermögliche den Bezug von Qualitätswaren zu Preisverhältnissen, die der Versorgung der Verbraucherschaft auf dem billigsten Wege über den Edeka-Einzelhändier vorteilhaft zustatten kommen. Dazu trete in den Edeka-Geschäften der große Wert der persönlichen Verantwortung des Geschäftsinhabers gegenüber seiner Kundschaft, die dadurch gewiß sein könne, für ihr gutes Geld nur Qualitätsware Zu erhalten. Angesichts dieser Sachlage müßten sich die Hausfrauen sagen, >daß sie auf diesem Wege ihren Bedarf vorteilhaft decken könnten. In den Edeka-Einzelhandelsgeschäften werde aber auch ein kaufmännischer Nachwuchs herangebildet, der in gutem Kaufmannsgeiste seinen Dienst am Kunden verrichte nach dem Grundsatz „Erfolg durch ehrbare Kaufmannsarbeit = Edeka". Hieraus ergebe sich für die Hausfrauen die Schlußfolgerung, daß sie auch dem Gesamtinteresse gute Förderung zuteil werden ließen, wenn sie ihre Einkäufe in den Einzelhandels- Geschäften vornehmen und dergestalt zur Kräftigung des berufsstänüischen Mittelstandes beitragen. Lebhafter Beifall dankte dem Redner für seine Darlegungen. Hierauf wurde den Besuchern ein „Edeka-Film" vorgeführt, der einen interessanten Einblick in die Bezugsquellen der Edeka-Geschäfte und auf den Weg der Edeka-Ware vom Erzeuger über den Verteiler bis zum Verbraucher gab. Man sah dabei u. a. den Kaffee, Kakao, Reis, Zucker usw. von ihren Produktionsstätten über die Häfen nach den Lagerhäusern und von dort bis in die Hand des Verbrauchers wandern: Zuckerfabriken und Mühlen größten Stils, die für die Edeka arbeiten, gaben ferner in interessanten Bildern einen feffelnden Ueberblick über den großen Apparat, der zur Der- forgung der Edeka-Geschäfte in Tätigkeit ist. Gleich- zeitia konnte man aus dem Film entnehmen, mit welcher Sorgfalt darauf geachtet wird, daß nur Ware von guter Qualität auf dem Wege über die Edeka an die Verbraucher herangebracht wird. Den unterhaltenden Teil bestritt die Kapelle Krengel mit flotten musikalischen Darbietungen, ferner trug der bekannte Bauchredner Grimm durch seine humorvollen Vorträge viel zur Unterhaltung der Besucher bei. Das Publikum spendete gerne reichen Beifall. Der Verlauf des Abends war für die Gießener Edeka-Organisation nach jeder Richtung hin ein voller Erfolg, der sicherlich über den Tag hinaus auch tn die Ferne wirken wird. Säten für ^reitao, 21 Oktober. 1833: der Chemiker Alfred Nobel; Stifter des „Nobelpreises" in Stockholm geboren. Bornotizen. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Freitag, 20 Mr, Dritte Vorstellung im Freitag-Abonnement mit einer Wiederholung des erfolgreichen Lustspiels „Freie Dahn dem Tüchtigen" von August Hinrichs. Eine satirisch-komische Begebenheit aus dem Schulmilieu. Spielleitung: Karl He Yser. Gewöhnliche Preise. Spieldauer von 20 bis 22 Ahr. — Als nächste Fremdenvorstellung gelangt am Sonntag, 23. Oktober, Goethes Trauerspiel: „Eg- mont". zum letztenmal zur Aufführung. Spielleitung und Inszenierung hat Intendant Dr. P rasch ; die Ausführung des-musikalischen Teiles (es wird die von Beethoven zum „Egmont" komponierte Gesamtmusik vom Orchesterverein Gießen zu Gehör gebracht) ist unter der Leitung von Aniversitätsmusikdirettor Dr. Temesvary. Die Besetzung ist die der Eröffnungsvorstellung. Ermäßigte Preise. Für Schüler gelten Schülerpreise. Anfang: 18.30 Uhr, Ende: 21.30 Uhr. ♦ ** Gastspiel des Gießener Stadttheaters in Dad-Aauheim. Man schreibt uns: Das Ensemble des Stadttheaters Gießen (Leitung: Intendant Dr. Rolf Prasch) ist von der Kurverwaltung Dad--Rauheim «ingeladen worden, nach Schluß der offiziellen Spielzeit während der Rachsaison eine Reihe Gastspiele im Kurtheater zu veranstalten. Als erstes Gastspiel gelangt am heutigen Donnerstag, 20. Oktober, Fodors Lustspiel: „Roulette", in der deutschen Bearbeitung von Geher unter der Spielleitung von Karl H e h s e r zur Aufführung. Schöffengericht Gießen. * Gießen, 19. Okt. Ein früher in Gießen wohnhaft gewesener Arbeiter hatte Mitte Iuli 1932 aus einem unverschlossenen Stall einen Hasen gestohlen. Einige Wochen später war er über einen hohen Drahtzaun in einen Garten ein* gestiegen, hatte einen darinstehenden verschlossenen Stall gewaltsam geöffnet und daraus einen Hasen entwendet. Wieder einige Wochen später hatte er eine mangelhaft geschlossene Kellertür durch Rütteln geöffnet und das Vorderrad eines Fahrrads mitgenommen. Hierbei wurde er gefaßt. Mit Rücksicht auf seine seitherige An- bestraftheit, sein Geständnis und weitere Milderungsgründe erhielt er drei Monate und zwei Wochen Gefängnis. Ein wiederholt vorbestrafter Arbeiter von hier hatte im August und September je einmal bei anderen Leuten übernachtet und diesen dabei eine Ahr und einen Ring bzw. einen Photoapparat gestohlen. Die Sachen hatte er dann verkauft: sie konnten den Eigentümern zurück- verschasst werden. Das Gericht erkannte, dem Antrag der Staatsanwaltschaft entsprechend, aus «ine Gesamt st rase von einem IahrGe- f ä n g n i s. MWopser-proiest gegmRenienkmzWen Tagung der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen der Kriegerkameradschast Hassia. * Büdingen, 18. Okt. Die Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen im Verband der Kriegerkameradschaft „Hassia" vereinigten sich aus den verschiedenen Bezirken Oberhessens am Sonntag hier zu einer Provinzialtagung, in deren Mittelpunkt ein Protest gegen die Rentenkürzungen der Kriegsopfer stand. Der Provinzialgeschäftsführer der „ Hassia" - Kriegsbeschädigtenorganisation Oberhessen, Kam. Don Hard, eröffnete und leitete die Tagung. Aus Darmstadt waren der Landesvorsihende Lehrer Ihrig und der Landesgeschäftsführer Oberleutnant a. D. Krömmelbein . erschienen. Den Kyfshäuserbund vertrat Herr Wenzel, Derlin. Als Vertreter des Präsidiums der „Hassia" war Amtsgerichtsrat Stumpf, Friedberg, anwesend. Für das Kreisamt war Regierungsrat Weber erschienen. Rach der Begrüßung gedacht« der Tagungsleiter der auf dem Felde der Ehre gefallenen und der verstorbenen Kameraden. Anschließend wurde das Lied „Ich halt' einen Kameraden" gespielt, das stehend angehört wurde. Sodann sprach der Landesvorsitzende Ihrig, Darmstadt. Er dankte allen, die mitgeholfen haben, die Interessen der Kriegsopfer zu wahren, und erhob Einspruch gegen die Kürzung der Bezüge der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen auf gründ der jüngsten Rotverordnung. Gerechtigkeit in der Versorgung der Kriegsopfer sei unbedingte nationale Rotwendigkeit, der sich der Staat nicht entziehen dürfe. Die Grüße und Wünsche der „Hassia" überbrachte im Auftrage des Präsidiums Amtsgerichtsrat Stumpf, Friedberg. Kurze Ansprachen hielten noch Dr. Hohmann, Büdingen, für den Veteranen- und Militärverein Büdingen, Major Pohl für den Bezirk Büdingen. Regierungsrat Weber, Büdingen, übermittelte die Grüße der Stadt und des Kreises Büdingen. Im weiteren Verlaufe der Tagung erstattete der Provinzialfürsorgeleiter Kam. Donhard, Gießen, den Bericht über die Tätigkeit der Organisation im Geschäftsjahr 1931/32. Dem Bericht war zu entnehmen, daß in Oberhessen rund 7000 Kriegsopfer betreut werden. Im Lause des Geschäftsjahres wurden in 423 Fällen Ansprüche geltend gemacht. In 140 Fällen konnte ein befriedigender Erfolg verzeichnet werden. In 436 Fällen erfolgten Rekurse. Die Rachzahlungen, die geleistet werden muhten, beliefen sich, trotz aller Einschränkungen durch die Rotverordnung, auf insgesamt 23 000 Mk. 11 000 Briefeingänge wurden registriert. Der Mitgliederbestand beläuft sich auf 6680 Kriegsopfer. Der Redner wies darauf hin, datz die Vertretung der Kriegsopfer durch den Verband völlig kostenlos erfolgt. Rückvergütungen der Versicherungsgesellschaft, Kalender- und Loseverkauf sicherten die finanzielle Grundlage der Arbeit im Dienste der Kriegsopfer. Reue Sprechstunden seien in Alsfeld und L auter bach eingerichtet worden. Abschließend machte Kam. Donhard auf die Schwierigkeiten aufmerksam, Dos 8M Kmö Den W Roman von Gert Rothberg. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale) 16 Fortsetzung. Rachdruck verboten! Fritz Lohgarten hatte sich wieder in der Gewalt. Ganz ruhig klang seine Stimme: „Die alten Dolschers sind ehrenwerte, wohlhabende Leute. Cs wäre immerhin möglich, datz sie sich diese teuren Konzertkarten gekauft haben, um sich und der Pflegetochter einmal etwas Besonderes zu bieten. Aber das glaube ich nicht. Run, wenn die andere Vermutung zutreffen sollte, so wüßte ich nicht, was es mich anginge, wenn Fräulein Dolscher sich von einem Herrn Konzcrtkarten schenken läßt, obgleich es ihr eigentlich nicht ähnlich sieht." Der Brillant an Lohgartens Hand sprühte hell auf, als er sich eine Zigarette anbrannte. Ilse Wiedener versuchte in den harten Zügen zu lesen, aber dieses Männergesicht war verschlossen für sie. Richts zeigte sich, ob Fritz Loh- garten erregt war. And er muhte es doch fein, wenn zwischen ihm und Traute Dolscher irgend etwas bestand. Ilse war wütend auf sich selbst. Sie fühlte, daß sie immer mehr einbühte in seinen Augen. Aber diese Angewihheit, ob er nun endlich sprechen würde oder nicht, hatte sie in einen krankhaft-nervösen Zustand verseht, der sie nun allerlei Dinge sagen lieh, die besser ungesprochen geblieben wären. Doch nun war es einmal geschehen und es lieh sich nichts mehr daran ändern. Der Abend, auf den sie solche große Hoffnungen gesetzt, verlief ohne jede Harmonie. And als Lohgarten sich verabschiedete, war sein Handkuß kühl und flüchtig. Ils« Wiedener behielt nur mühsam die Fassung, solange er noch einige freundliche Worte mit ihrem Vater sprach. Als sie dann aber im Wagen neben ihrem Vater sah, schluchzte sie wild. Herr Wiedener nickte vor sich hin, dann nahm er die Hand seiner Tochter und streichelte sie. Rach einer Weile meinte er: „Das war alles recht unklug, mein Töchterchen. So was läßt sich dieser Prachtkerl nicht gefallen. Hättest dir's vorher Überlegen sollen» Ra, ich habe übermorgen eine Besprechung mit ihm und da will ich sehen, was ich dabei gleich noch mit für dich einrenfen kann. Du hast ihn dir nun mal in den Kopf gesetzt da ist nichts zu machen: sonst würde ich sagen: Laß die Finger davon und nimm einen andern. Eure Charaktere passen nämlich nicht zusammen. Du bist eigenwillig und trotzig, und «r würde sich niemals von seiner Frau auf der Rase herumtanzen lassen. Also überlege dir das lieber beizeiten, meine liebe Ilse." Ilse riß ihre Hand aus der des Vaters. „Was verstehst denn dul Aber ich weiß schon, was es ist. And ich werd« mir selbst helfen. Du brauchst kein Wort zu sagen, haß du es weiht." „Schön, ich werde nichts sagen. Rühr du dir nur noch mehr ein, mein Töchting; mir kann das egal sein. Mir gefällt er jedenfalls sehr, wenn er sich von dir auch nichts gefallen läßt." So! Vater Wiedener hatte seiner Tochter die Meinung gesagt und lehnte sich nun, höchst zufrieden mit sich selbst, in seine Ecke zurück. Leis« surrend und kaum merklich schwingend fuhr der elegante Wagen die einsame Landstraße dahin. Ilse Wiedener aber brütete über einem schwarzen Plan. Fritz Lohgarten stand eine ganz« Weile unschlüssig und sah vor sich hin. Rach Hause? Weshalb graute ihm plötzlich davor, in sein einsames Heim zu fahren? War «s denn nicht nur ein Abend von den vielen, die er einmal gezwungen in irgendeiner Gesellschaft verbringen mutzte und an denen er sich auf die Heimkehr freute? Weil er da endlich wieder allein und ungestört seinen Gedanken nachhängen konnte? Was hatte er denn heute? „Guten Abend, Lohgarten. Ranu, der weihe Rabe findet sich also doch mal gegen Mitternacht im Sündengetriebe? Ietzt lasse ich Sie aber nicht weg: kommen Sie mit mir in den Klub. Rühl hat einen amerikanischen Freund mitgebracht und Seidel — Sie wissen, der fidele Rechtsanwalt — sagte, es würde luftig. Also kommen Sie mit.“ Hauptmann Ganzer stand lächelnd vor ihm, hatte das Einglas eingeklemmt und roch schon «in bißchen nach Wein. Lohgarten überlegte, dann hob er entschlossen den Kops. „Sie kommen mir wie gerufen, Ganzer. Ich wußte tatsächlich nicht so recht, was ich mit dem angebrochenen Abend anfangen sollte. Ich habe mit Bekannten zu Abend gegessen, und die sind nun heimgefahren." Der Hauptmann zwinkerte mit dem linken Auge. „Hm! Wiedener vielleicht? Alle Wetter, ich --na, Schwamm drüber!" Er hatte den finsteren Zug gesehen, der sich plötzlich über Lohgartens Gesicht breitete, und da fing er etwas anderes an. Aber bei sich dachte er: Donnerwetter, im Kasino wird doch täglich von der Verlobung gesprochen und dah dieser Lohgarten den anderen Herren, nun doch noch den Goldfisch wegschnappen wird, und dabei sieht das doch hier verzweifelt nach einem soliden Krach aus. — Das blieben Gedanken, und der Hauptmann fegte seine Hand auf Lohgartens Arm. „Also gehen wir und seien wir lustig." Da Süffels „Windsbraut" ganz überraschend am letzten Sonntag getötet werden mußte und man doch so große Hoffnungen auf dieses edle junge Pferd für die diesjährigen Rennen gesetzt hatte, so gab das eine Menge Gesprächsstoff während der Fahrt bis zum Klubhaus, das in der stillen, vornehmen Gichenstraße lag. Im Klub wurde Lohgarten sehr herzlich be- grüht, und Hauptmann Ganzer hörte manches Kompliment, weil es ihm gelungen war, den Industriellen endlich einmal wieder mit in den Klub zu schleppen. Cs wurde sehr fidel, und als man gegen vier Ahr morgens aufbrach, da hatte Lohgarten feine Zusage gegeben, sich am Samstag wieder einzufinden. Allerdings würde man da gegen elf Ahr noch zu Essenbachs gehen. Essenbachs! Wo man sich amüsierte, wo man spielte, wo man sich nicht langweilte. Lohgarten freute sich nicht darauf: im Gegenteil, dieses Rachtleben ekelte ihn an; aber es war doch immer noch besser, als Abend für Abend daheirnzusitzen und auf das Richts zu warten. Dieses öde Dasein muhte ihn mit der Zeit zermürben. And doch war es eben vielleicht ooch ganz gut, datz «r die fröhlichen Kumpane früherer Zeiten wieder einmal getroffen hatte. Es hatte ihn doch ein bißchen gerührt, wie sie sich über das Wiedersehen freuten. Run, er würde jetzt öfter in ihrer Mitte sein. Seine Arbeit aber sollte nicht darunter leiden, das wußte er schon heute, denn seine Eisennatur ertrug die doppelte Belastung ganz gut. Im Gegenteil: er mußte die Kraft, die in ihm wohnte, immer wieder niederringen, wenn sie aufbegehrte. Dieses stumpfe Dahinleben war für einen Mann in seinem Alter und seiner Arkrast nicht gut. Er hatte ja heiraten wollen! Ilse Wiedener hatte er heiraten wollen. And er wäre ihr ganz bestimmt ein guter, aufmerksamer Gatte geworden. Run aber ging das nicht mehr. Ilse hotte sich ihm von einer häßlichen Seite gezeigt. Das ließ sich nicht mehr überbrücken, Denn er war in solchen Dingen viel zu feinfühlig. Vorbei also! Eine neue Sensation, die er nicht gewollt! Doch In einer Che, wie Ilse sie ihm eröffnet durch ihr unbesonnenes Verhalten, die kam für ihn nicht mehr in Frage. „Dann wird sich dein Plan nicht verwirklichen, du wirst di« Lohgarten-Werke nicht mehr voll entfalten können." Eine Stimme, die ihm das immer wieder zurief. Gewiß! Er wußte ja, was mit dieser Heirat zugleich hatte kommen Jollen. Das viele Wie- denersche Geld, das ihm Herr Wiedener oft plump-naiv in Aussicht stellte! Fritz Lohgarten ging daheim den Gartenweg entlang. Eiskalt war es und es fing schon wieder an zu schneien. Er lief wohl dann noch eine Stunde durch diesen kalten, verschneiten Wintermorgen. And jetzt kam erst das in ihm zum Ausbruch, was Ilse Wiedener ihm angetan durch ihre Bemerkung über Traute Dolscher. Traute in Beziehungen zu dem berüchtigten Frauenjäger Heinz Altendorf? War denn so etwas nur möglich? „Ich liebe Sie nichtI" Klar und deuttich horte er wieder diese Worte. So liebte sie den Sänger? Sie war ihm treu? Traute Dolscher mit den schonen, reinen, dunkelblauen Augen liebte einen verheirateten Mann? Pfui, schone kleine Traute! Wie es in ihm riß! Wohl noch nie hatte er deutlicher gefühlt, wie sehr er dieses kleine Mädel mit dem blassen, ernsten Gesicht liebte! Wenn sie ihn hätte lieben können! Er hätte sie einer ganzen Welt zum Trotz geheiratet! die ost mit bet Verfechtung der Ansprüche verbunden find. Im weiteren Verlauf der Tagung hielt Kam. Wenzel, Derlin, der Vertreter des Kyffhäu- serbundes, einen Vortrag, in dem er den neuesten Stand der Versorgung, die neuesten Bestimmungen der Rotverordnung in der Sozialfürsorge und das Forderungsprogramm des Kyffhäuser-Verbandes darlegte. Der Redner behandelte das Gebiet in umfassender Weise. Er sprach über die Rechtsansprüche und der Möglichkeit der Amwandlung in Konnbezüge, erörtert« das Gebiet der Heilbehandlung, sprach über die ungerechtfertigten Pensionskürzungen bei Schwerkriegsbeschädigten und sonstige aktuelle Fragen aus dem Gebiets des Dersorgungswesens der Kriegsbeschädigten und der Kriegerhinterbliebenen. Er schilderte zum Schluß aucb die mannigfachen Demühungen des Kyfshäuserbundes, bei den verschiedenen zuständigen Stellen (Aeichsregierung, Reichspräsident, Reichsarbeitsamt und Reichstag). Demnächst solle eine persönlich« Aussprache der Vertreter des Dundes mit dem Reichspräsidenten stattfinden, von der man weiter« Besserungen erhoffe. Von der Regierung müsse gefordert werden, daß sie den Kriegsopfern die Existenz sichert. Ein weiteres Referat hielt dann Kam. Bon- Hard, Giehen, der sich eingehend mit den Fragen der Anfall - und Invalidenversicherung beschäftigte. Kamerad Klein, Gießen, referierte dann über Iugendgrup- penundIugendpflegeimRahmender „Hassia", sowie über die Lotterie, deren Ertrag den Kriegsopfern direkt und' indirekt zugute komme. Der Landesgeschäftsführer, Oberleutnant a. D. Krömmelbein, betonte, daß in dringenden Fällen die „Hassia" immer bereit sei, zu helfen. Als Zusammenfassung der mannigfachen Anre-. gungen, die die Versammlung brachte, wurde eine Entschließ ung genehmigt, in der die Forderungen der Kriegsopfer, insbesondere die Rotwendigkeit der Aufhebung dec in der Rotverordnung sestgelegten Harten und eine menschenwürdige Versorgung der Kriegsopfer verlangt wird. Aach dreistündiger Verhandlung wurde die Tagung geschlossen. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Eine Warnung an das hessische Ministerium. Der hessische Staat fcheint m. C. die furchtbare Not dieser Zeit noch immer nicht erkennen zu wollen, oder erkannt zu haben. Trotzdem die Staais-- kassen leer sind und der Staatshaushalt ein Millio- nen°Defizit aufweist, geht er immer noch dazu über, zinsbringendes Kapital zu vernichten und in eine Zuschußwirtschaft umzubauen. Dazu diene folgendes Beispiel: Im Hause Ludwigstraße 40 ist zur Zeit das Kunstwis enschaftlich« Institut untergebre^t. Im ersten und Zweiten Stock befinden sich zssfi schöne 5-Zimmer-Wohnungen, welche ein Daukapiuk von zirka 30 000 Mark darftellen und etwa 1700 bis 1800 Mark Jahresmiete einbringen. Diese zwei Stockwerke will man jetzt umbauen zur Erweiterung des ooraenannten Instituts und für die Theologische Fakultät. Wenn man bedenkt, daß in den letzten Jahren die Universität durch Neubauten stark an Raum gewonnen hat, und man weiser weiß, daß Unioersitätsgebäude nur teilweise ausgenutzt werden, so fragt man sich als Steuerzahler: wie ist es überhaupt möglich, daß heute noch, in schlimmster Zeit der Not, solche Experimente oor- Das Alter war es nicht gewesen, was sie von ihm trennte, denn Heinz Altendorf war drei Iahr« älter als er! And ihn liebte sie! Wenn man einer eifersüchtigen, kleinlichen Frau wie Ilse Wiedener glauben durste! Er hatte es ihr zu glauben. Wie tief war denn Ilse in feinen Augen gesunken, daß er ihr nicht einmal mehr Glauben schenken wollte? Fritz Lohgarten stand neben der völlig verschneiten, alten Figur, die ihre Hand über den gleichfalls verschneiten Brunnen reckte. „Kleine Traute, wie glücklich hätte ich sein können, wenn du zu mir gekommen wärst für immer. M,as bin ich denn in diesen letzten Iahren gewesen? War ich beim ein Mensch? War ich nicht nur eine Maschine, die täglich ihr Pensum zu verrichten hatte? And für wen arbeite ich denn überhaupt?" Fritz Lohgarten preßt« die heiße Sttrn an den kalten Schnee der Brunnenfigur. So stand er lange Zeit. Endlich ging er langsam zum Hause hin. Aber er fühlte sich so müde und einsam wie nie zuvor. And überall sah er Heinz Altendorfs schönes, triumphierendes Gesicht und neben ihm Trautes jungen Liebreiz. Droben in seinem Zimmer noch verfolgte ihn dieses Bild, das ihn an allen Aerven riß. Fritz Lohgartens Hände ballten sich. „Du Teufel — du! Weshalb bist du in meinem Leben und nahmst mir nun auch noch das Schönste, Wertvollste?" Arn andern Morgen war alles wie sonst. Traute sah pünktlich auf ihrem Platz. Die Aufwartefrau hatte verschie'.ene Gegenstände auf Lohgartens Arbeitstisch schief und lieblos hingestellt. Traute erhob sich, um das noch zu ordnen: denn sie wußte, daß der Chef diese Anordnung nicht liebte und es meist selbst dann sorgsam so rückte, wie er es haben wollte. Traute stand am Arbeitstische Lohgartens und rückte dies und jenes gerade. Hier lag sogar noch ein Stäubchen. And sorgsam entfernte sie es. Dann stand sie ein Weilchen sinnend da, und so in Gedanken versunken war sie, daß sie den Eintritt des Chefs überhörte. Erst sein „Guten Morgen" schreckte sie empor. Der Gruß klang unfreundlich und die Anrede unterblieb auch. In Fritz Lohgartens Gesicht war plötzlich Mißtrauen. Dieses Mißtrauen überkam ihn mit Allgewalt. Weshalb stand Traute an seinem Tische? Sie war — die Geliebte Heinz Altendorfs! Hatte der sie etwa dazu gemacht, um sich über alles, was hier vorging, orientieren zu können? And befand sich vielleicht auch schon die neue Erfindung kopiert in Altendorfs Händen? Mit einem raschen Schritt war Lohgarten an des Mädchens Seite: „Fräulein Dolscher, arbeiten Sie von jetzt an drüben im Büro! Ich werde jetzt hier nicht viel zum Arbeiten kommen und brauche aus diesen: Grunde vorläufig keine Gehilfin." (.Fortsetzung folgt) genommen werden dürfen? Daß die Universität Raumüberfluß aufzuweisen hat, sieht man allein schon an der früheren Denderschen Fabrik in der Bismarckstraße. Dafür zahlte der Staat bereits vor 1j Jahren zirka 62 000 bis 65 000 Mark, und heute ist noch keine nutzbringende Verwendung dafür gefunden worden. Weiter ist zu beachten, daß das Kunstwissenschaftliche Institut nur eine kleine Anzahl Hörer hat, die, wie wohl anzunehmen ist, durch unsere armen Verhältnisse noch weiter zufammen- schrumpsen dürfte. Ferner ist noch zu berücksichtigen. daß die Zahl der Studierenden in den zur Zeit herrschenden Notzeiten allgemein wesentlich weiter zurückgehen wird. Ist unter Berücksichtigung aller dieser Umstände es noch zu verantworten, daß man zinsbringenden Wohnraum mit erheblichen Unkosten in eine Zuschußwirtschaft umbaut? Ich warne den hessischen Staat dringend vor solchem Vorhaben, denn es ist heute schon erwiesen, daß vorhandener Raum für die vorgenannten Zwecke genügend vorhanden ist und von Jahr zu Jahr weiter verfügbar wird Ein Steuerzahler. S.Upor/ Saalsporifest — Stiftungsfest des ^adclubs „Germania". Zum 33. Stiftungsfest des Radclubs „Germania" am Samstagabend im „(Safe Leib" treffen u. a. im 2er-Radballspiel die beiden ersten Mannschaften des „GRD. v. 1885" (E- Hauct - K. Wießner) und der „Germania" (QI. 'Baum« W- Stammel) im Wettbewerb um den „Gieße- ner-Brauhaus-Wanderpreis" zusammen. Die beiden Mannschaften stellen das zur Zeit Beste der beiden Vereine dar und haben bereits mehrmals hier, sowie auswärts, Proben ihres Könnens abgelegt und diese auch des öfteren recht erfolgreich bestanden. Wenn auch eine kleine äleberlegenheit der „Germanen" bei dem bisher Gezeigten nicht zu verkennen war, so geben doch die „85er" einen recht achtbaren Gegner ab. Sie werden jedenfalls ihr ganzes Können einsehen, um den „Germanen" den Sieg nicht leicht zu machen. Jedenfalls darf man einen spannenden Sport erwarten. 3m weiteren sportlichen Teil des Olbends werden Mitglieder des festgebenden Vereins ein weiteres Radballspiel (zwischen der zweiten aktiven Mannschaft und der ersten Iugenomann- schoft) sowie einen Jugend- und Schulreigen, Einer- und Zweier-Kunstfahren zeigen. Oluch diese Mannschaften sind schon zum Teil als erste Sieger aus Wettbewerben hervorgegangen und dürften auch diesmal wieder mit guten Leistungen aufwarten. Schuh- und Polizeihunde Vorführung. Der Schuh - und Polizeihunde-Ver- ein 1 926 Wieseck veranstaltete am Sonntag bei Wieseck eine Vorführung von Schuh- und Polizeihunden. Trotz des schlechten Wetters wurden vorzügliche Leistungen im Spur-, Gehorsams- und Sicherheitsdienst gezeigt, die durch die Ausbildungskennzeichen und die Bewertungen hinreichend bewiesen wurden. Die Tiere wurden mit folgenden Prädikaten ausgezeichnet: Polizeihunde: Bärbel von der Gäns- mühle (Besitzer Karl Erb-Wieseck) vorzüglich: Frowald Dem Busecker Schloß (W agner - Großen-Buseck) sehr gut; Berty von der Lumda- Mündung (Erb-Lollar) sehr gut: Oljax von der Badenburger Hohl (A n d e r m a n n - Wieseck) iM>r gut; Gerlind vom Busecker Schloß gut. Schutzhunde: Donar vom Kohlweg (K. Schwarz- Wieseck) vorzüglich; Fred vom Rauental (S t« g e r - Darmstadt) gut. Rach Abschluß der Vorführungen fand im Dereinslokal die Preisverteilung statt. Jedem Führer konnte ein Diplom und ein Wertgegenstand als Anerkennung überreicht werden. Spielvereinigung 1900 Gietzen. 1900 A I — Cid) A 20:0 (6:0). Der Gast war körperlich schwächer und bot spielerisch keine große Leistung, so kam es, daß das Spiel sich nur in seiner Hälfte und seinem Strafraum abwickelte. Hoch anzuerkennen ist den Gästen, daß sie bis zum Schluß ruhig und unermüdlich weiterkämpften. 1900 A II — Steinberg A I 2:2. 1900 fand sich auf dem Platz des Gegners schlecht gurecht, spielte technisch wohl besser als der Platzverein, kam aber'gegen dessen Eifer und Schnelligkeit nicht an, so daß die Blauweißen mit einem Unentschieden zufrieden sein mußten. 1900 B — Klein-Cinden B 0:1. Der Gast war körperlich bedeutend im Vorteil, aber trotzdem brauchte das Spiel nicht verloren zu gehen, wenn mit mehr Verständnis und Lust gespielt worden wäre. Die Leistungen und das Betragen beider Mannscl-aften hinterließen tinen recht ungünstigen Eindruck. 1900 I. Schüler — Collar I. Schüler 0:4 (0:3). Die Gäste boten eine recht gute Leistung, im Zuspiel waren sie bedeutend überlegen. 1900 verteidigte eifrig und oft recht geschickt, konnte aber nicht gegen den körperlich stärkeren Sturm ankommen und die Niederlage abwenden. 1900 II. Schüler — VfB. I. Schüler 1:0 (0:0). Die Kleinsten lehrten freudestrahlend heim, hatten sie doch gegen den stärkeren Lokalgegner gewonnen. Das hatte keiner von ihnen erwartet. Es zeigte sich aber wieder einmal, daß Eifer und Siegeswillen meist immer zu Erfolgen führen. Das Spiel selbst war interessant und schön und fand oft starken Beifall der Zuschauer. Landesschluhschießen des Verbandes Heffen-Rasfauifcher Kleinkaliber- Schühenoereine. Am 9. Oktober fand als Qlbschluß des diesjährigen Landesschießens das Landesschluhschie- ßen des Verbandes Hess.--Rass. Kleinkaliber- schühenvereine statt. Der wirtschaftlichen Rotlage entsprechend wurde es nicht geschlossen auf einem Stand, sondern auf 12 verschiedenen Schieh- ständen in den einzelnen Gauen abgehalten. Zugelassen waren von den rund 15 000 Schützen des Verbandes 13 Mannschaften zu 5 Mann and 71 Einzelschützen — etwa zur Hälfte 3ung- und Alt- schühen —, die sich in drei verschiedenen Ausscheidungskampfen für den Endkamps qualifiziert hatten. Geschossen wurden 15 Schaß, je 5 Schuh liegend, kniend, stehend freihändig auf die Zwölferscheibe, Entfernung 50 Meter (alle auf fremdem Schießstand). Das Wetter war regnerisch und ungünstig, was auf den vielfach kleinen und dunklen Ständen nicht ohne Einfluß auf die Ergebnisse geblieben ist. 3n der Iungschühenklasse (bis 21 3ahre) errang die Landesmeisterschaft die Mannschaft Homberg (Bez. Kassel) mit 616 Ringen. Es ist das erstemal in der Geschichte des Landesverbandes, daß ein Verein zwei 3ahre hintereinander diese Würde erlangen konnte. Dann folgten Dehausen (Kr. Arolsen) mit 605, Eisenbach (Kr. Limburg) mit 592, Frohnhausen (Dill) mit 589, Hersseld 568, Schotten „Försterschule" 563, Adorf 550 Ringe. Landesmeister wurde Herr Adolf Bode vom Verein Homberg (Dez. Kassel) mit dem vorzüglichen Ergebnis von 154 Ringen. Die Nächstbesten waren QI. 3ost, Eisenbach, mit 149, H. Pfeiffer, Ergeshausen, 147, K. Dietrich, Lehnerz, 143 Ringen. Bei den A l t s ch ü tz e n fiel die Landesmeisterschaft an den Verein Eorbach „Freischütz" mit 706 Ringen. Es folgten Bebra „Treff" mit 683, Gemünden (Kr. Asingen) 671, Frohnhausen (Dill) 660, Kassel „Horrido" 651, Gondroth mit 642 Ringen. Die Einzellandesmeisterschaft errang Forstreferendar Adolf Kuba, Altenhaßlau, mit dem glänzenden Resultat von 157 Ringen. Danach erreichten D. Herrberg, Diermünden, 155, W. Rueff, Eorbach „Freischütz", 152, 3. Werner, Traisbach (Kr. Fulda), 151, K. Weber, Eorbach „Freischütz", 149 Ringe. Die Siegernadeln, Ehrenurkunden und Preise, darunter solche des Herrn Reichspräsidenten, des Reichsverbandes und zahlreiche Freunde und Gönner des Schießsportes — dabei auch 6 Kleinkaliberbüchsen — werden bei der 3ahresversamm- lung der Kreisschießleiter des Verbandes am 23. Oktober in Gießen ausgegeben. Internationales Kunstturnen in Frankfurt a. M. Die Frankfurter Turngemeinde „Eintracht" von 1861 hat für den 31. Oktober die Städtsmann- schaft von Budapest und die Rationalmannschaft von Luxemburg zu einem großen Mannschaftskampf im Kunstturnen verpflichtet. Die 15 000 Personen fassende große Frankfurter Festhalle wird die Stätte dieses Treffens sein, das alle bisherigen Wettkämpfe der Frankfurter „Eintracht" in den Schatten stellen wird. Wenn man bedenkt, daß die als 3ahnriege bekannte Frankfurter Kunstturnmannschaft zu den besten deutschen Q)ereinsmannschaften zählt, daß die Rationalmannschaft von Luxemburg, die seit 1914 zum erstenmal wieder gegen eine deutsche Vertretung antritt, bei den Geräte-Weltmeisterschaf- ten in Paris eine hervorragende Rolle spielte, und daß bei den Ungaren Mitglieder der ungarischen Olhmpiariege sind, dann kann man ermessen, daß es sich hier um eine ganz besondere Veranstaltung handelt. Kurze Sporinoiizen. Westdeutschlands Fußballer bestreiten demnächst einige Repräsentatiokämpfe. In Köln trifft der Westen am 26. Februar auf die „Diable Rouges" aus Brüssel, in Münster spielt im Frühjahr 1933 Ostholland und in Berlin gibt es am 4. Dezember einen Kampf Brandenburg — West. * Um die Olympischen Winterspiele 19 3 6 ist zwischen Garmisch-Partenkirchen und Schreiberhau ein schwerer Konkurrenzkampf im Gange, da beide Städte gern die Durchführung übertragen haben möchten. Anscheinend hat Garmisch-Partenkirchen die meisten Aussichten. * Zurückziehen wird sich vom aktiven Sport „Ete" Rademacher, Deutschlands Weltrekordschwimmer und Tormann der deutschen Wasserball-Nationalmannschaft. Ete wird am Donnerstag in Magdeburg heiraten. Im Eishockeykampf zwischen dem Berliner Schlittschuhklub und einer Pariser AuAvahlmann- schaft im Berliner Sportpalast gab es am Dienstag einen unentschiedenen Ausgang von 2:2. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgesellschaft. Freitag, 21.0h« tober: morgens 6.15 Uhr. Samstag, 22. Otto b e r, und Sonntag, 2 3. Dttobcr: Hüttenfest-Ende urd Gesetzesfreude. 1. lag: Vorabend 4.55; vormittags 8; nachmittags 4. — 2. Tag: Vorabend 6.10; Jugendfeier; vormittags 8; nachmittags 4; Festesausgang 6.10. — Wochengottesdienst: morgens 6.45; abends 4.30 Uhr. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloffen Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. Wirtschaft. • Aberm alige Preisermäßigung der süddeutschen Großmühlen. Die süddeutschen Großmühlen haben den Mehlpreis abermals um 0,10 Mark pro Sack ermäßigt, so daß die Preisreduktion von Montag bis heute 0,30 Mark pro Sack beträgt. Danach betragen die Großmühlenpreise für 100 Kilo Weizenmehl Spezial 0 30,80 Mark, desgleichen mit Ausland- weizen 31,80 Mark ab Mühlenstation. * Englischer Auftrag für Merc e- des-Düro-Maschinen-Werke AG. Die Mercedes-Düro-Maschinen-Werke AG., Zella- Mehlis i.Thür., hat dieser Tage durch ihre englische Qkrtretung einen Regierungsauftrag zur Lieferung elektrischer Schreibmaschinen erhalten. Dieser Auftrag ist weniger seiner Gröhe, als vielmehr seiner grundsätzlichen Bedeutung wegen der Aufmerksamkeit wert. Bekanntlich sind die Mercedes-Werke die einzige deutsche Fabrik, die elektrische Schreibmaschinen fabriziert. Frankfurter Abendbörse freundlich. Frankfurt a. M., 19. Oft. Die Ab-ndbörse wurde durch festere Reuhorker Ansangskurse zwar etwas angeregt, doch konnte sich kein größeres Geschäft entwickeln, da die bekaimten Änsicher- heitsfaktvren weiter wirksam waren. 3m großen und ganzen blieb das Kursniveau gegen den Berliner Schluß gut behauptet, vereinzelt formten sich Besserungen um Bruchteile eines Prozentes durchsetzen, so für 3G.-Farben, Etahlver- ein und die Altbesitzanleihe. Späte Reichsschuldbuchforderungen blieben auf dem erhöhten Wittagsstand gut gehalten, Schutzgebiete zogen leicht an. Bei etwas lebhafteren Llmsähen waren im Verlaufe 3G.-Farben um 0.75, Licht & Kraft um 1 und Dt. Linoleum um 0,50 Proz. fester. 3m übrigen ergaben sich feine Veränderungen. QIm Rentenm arf t blieben Schutzgebiete. Altbesitzanleihe und Reichsschuldbuchsorderungen gesucht. Von deutschen Anleihen kam die 1927er Reichsanleihe gegenüber gestern um fast 3 Proz. schwächer zur Rotiz, nachdem sie heute mittag nicht notiert war. 6proz. Dt. Reichsanleihe von 1927 70,40 (gestern 73,25), Reubesih 6,5. Altbesitz 47. Schutzgebiete 5,35, Dresdner Bank 61.75, ®e[fenfird,ci 38 25, Hafener 71, Rhe nstahl 64 53, Stahlverein 22,25, AEG. 32, Dt. Linoleum 44.50 bis 45. Licht L Kraft 85,50 bis 86.50. 3G.-Farben 93,75 bis 94.50. Südd Zucker 130,25, Lahmeycr 115,50, Reichsbahn-VA 86,25. IG.-Farben im 3. Quartal 1932. Frankfurt a. M., 19. Oki. Nach dem Bericht der IG.-Farbenindustrie AG. über das 3. Vierteljahr 1932 hat trotz der verschiedentlichen Ausfuhr- Hemmungen die rückläufige Bewegung im Export auf manchen Arbeitsgebieten der Gesellschaft gegen Ende der Berichtszeit aufgehört. Es sind sogar gewisse Ansätze zur Belebung festzustellen, die nach Meinung der Gesellschaft durch eine internationale Rückkehr zu vernünftigen handelspolitischen Maßnahmen verstärkt werden würden. Die Vorteile der natürlichen Belebung an den nordischen Märkten wurden durch die Ankündigung der deutschen Kontingente mehr als ausgeglichen. 3m 3nlanöe ist eine leichte Belebung festzustellen. Die Möglichkeit zu Neueinstellungen von Arbeitern auf Grund der Notverordnung wird zur Zeit noch geprüft. Die Mittel aus Steuergutscheinen sollen zur Schaffung zusätzlicher Arbeitsgelegenheiten verwendet werden. Nachdem sich die Absatzschrumpfung in Farben und Färbereihilfsprodukten in den Sommermonaten fortgesetzt hatte, machte sich hier infolge einer gewissen Belebung bei den Verbraucherindustrien eine Besserung im europäischen wie im Ueberseegeschäst bemerkbar. Der Absatz in Chemikalien hielt sich njcht ganz auf der Höhe des 2. Quartals; gegenüber dem Monat Juli zeigte jedoch der August eine Besserung, die sich auch im September fortgesetzt hat. Anscheinend ist auch hier der Tiefstand überwunden. Der verkauf von Sticksioffdüngemiiteln stieg im Berichtszeitraum gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres um zirka 10 v. h. und die Erzeugung wurde entsprechend erhöht. Daß der Hauptteil der Zunahme auf den inländischen Verkauf fällt, ist in erster Reihe durch die lieber- nähme einer Ausfallbürgschaft für den Herbstbezug von feiten des Reiches und der Düngersyndikate bedingt. Der Gesamtexport des Stickstoff-Syndikats hielt sich in normalen Bahnen war aber etwas höher als im Vorjahr. Die zwischen dem deutschen Stickstoff-Syndikat und den anderen europäischen. Stickstoffproduzenten im Juli d. I. abgefd)loffenen Verträge lassen eine Besserung der Verhältnisse auf dem Stickstoffmarkt erhoffen. Der Absatz an technischem Stickstoff hat sich im 3. Quartal 1932 wiederum nicht vermindert. Gewisse Anzeichen lassen auf eine, wenn auch bis jetzt noch unwesentliche, Erhöhung des Jnlandgeschäftes schließen. Die Benzinproduktkon von Leuna wurde auf der Basis von lOu 000 Tonnen im Jahre weitergeführt. Zwar blieben die Rohöllieferungen von Volkenroda auch diesmal weit hinter den Erwartungen zurück, es standen aber genügende Men- gen Teer und anderes Oel zur Verarbeitung zur Verfügung. Der Abschluß der Treibstoffkonvention läßt eine Befriedung des deutschen Marktes erhoffen. Im Juli d. I. wurden fast alle in Betracht kommenden amerikanischen Firmen Teilhaber der Hydro Ratents Co., die die Hydrieroerfahren der JG.-Farben in den Vereinigten Staaten zu verwerten hat. — Die Verkaufsgemeinschaft Pharma z e u t i k a und Pflanzenschutz hatte weiterhin, vor allem im Auslandgeschäft, mit Derkaufsschwie- rigfeiten zu kämpfen. Aus einer weiteren Verschär- fung der handelshemmenden Maßnahmen in verschiedenen Ländern resultierte in den betreffenden Gebieten ein gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres rückläufiger Umsatz. Die Pholographika hatten in Deutschland eine weitere saisonmähige Belebung zu verzeichnen, die durch Propagandamahnahmen unterstützt wurde. Gegenüber dem 2. Vierteljahr ist eine Absatzsteigerung festzustellen. Auch der Vergleich mit dem 3. Vierteljahr 1931 zeigt eine leichte Steigerung. Dagegen wurde das photographische Exportgeschäft durch Devisenerschwernisse, Kursoerfall und Zollschutz auf das stärkste beeinträchtigt. Eine Absatzbelebung im K u n st s e i d e g e s ch 3 f t reichte nicht aus, um denselben Absatz wie im 3. Vierteljahr 1931 zu erzielen. Die Exportmöglich, feiten haben sich nicht gebessert. Die Außenseiter treten immer mehr in Erscheinung, wodurch die Preise weiterhin beeinflußt werden. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdtskont 4 o. H.. Lombardzinsfuß 5 o. H. Franlsurt a. M. Berlin Schtuß« furd Schlußk. Abend- börse Schluß- turrf Echlußk. tolittag- dSrsc Datum 18-10. 19-10- 18-10- 19-10- 6% Drilliche Relchsanlethe d.192. 73,25 70,4 72 70,75 6% ehem. 7°/oDt. Reicht! anI.v.lSUd 87,5 87 88 87 6'A% yomifl-SlnteUje uon 1930 . Deutsche Vinl..Stbws.-Echuld mll 71 7« 70,9 71 AuSlos.-Rechten...... 46,4 47 46,5 46,9 DvSgl. ohne AuSIvl.-Rcchtc . . 6% ehem 8%£ie|i. Bolksitaal 1929 6.4 6,5 6,45 6,4 (rücüablb. 102%)...... 65,75 63,5 66 64 Oberheileii Provtnz-Anlethe mtt An»IvI..Rcchten...... Deutsche Komm. Cammelabl. — — — - Anlethe Gerte 1...... — 45 45,5 45 6% ehem. 8% Franks. Hvp.-Bank Golvpse. 15 unkündbar bÜJ 1935 6% ehem. 7% Franks. Hvp.-Bank 75,75 76,25 — Golvps, 16 unkündbar btS 1936 ehem. <&% Franks.Hyp. 75'25 75,75 — — Bank ßiqu. Psandbriese . . . 6K% ehem. ambutß-Öinetuü Pare. . i 16,75 16,65 16,9 16,65 Hamburg-Südam.Dampsschiii. o 29,75 Hansa Dampsjchiss .....( — — 28 Norddeutscher Liohd.....< 17,4 17,13 17,4 17 A.G. für Verkehrswesen Mi. . 0 40,5 40 40 40 Berliner Handelsgesellschaft . 4 90,5 90,5 90,5 90,5 Commerz, und Privat.Bant . 0 Darmstädter und Nationalüank O Deutsche Bank und 53,25 53,5 53,5 53,5 - DiSeonto-GeseUschaft... 0 75 75 75 75 Dresdner Bank ...... 0 61,75 61,75 61,75 61,75 Reichsbank........11 125 125,25 125,75 125,25 A.C.G............V 32 32 32,25 31,5 Bergmann........0 —- — 21 20,75 Slektr. LieferungSgcsellschaft. 6 67 —- 67,75 67,25 Licht und Straft...... 6 87 86,5 87 85,25 Felten & Guilleaume.... 0 Gesellschaft für Elektrische 55 54,5 55,75 54,75 Unternehmungen .... 4 71 70 71,25 69,5 Rheinische Elektrizität ... 6® 71,5 71,5 71,5 71,5 Schuckert & (So....... 0 72 70,75 71,5 70,4 Siemens & Halske..... 9 118 116,65 1'7,75 116,25 Lahmeycr & (So.......io 119 115,5 119,4 115,5 Buderus..........4 40 39 39,75 38,75 Deutsche Erdvl.......5 72 72 72,5 71,13 Gelsenkirchener.......8 39,25 38,75 39 38 Harvener..........0 72,5 71 72,75j 71,4 Hoesch Eisen.........6 e—■. 37 36.13 Fite Bergbau.......10 _ —— 124 123 Zkse Bergbau Genüsse..... 96,25 95,75 96 95,5 Xlodnertoerte........6 34 34 33,9 33,75 Mann e-’mann-Röhrvn . ... f 51,25 50,25 50,65 50 Manssclder Bergbau.....0 21 20.5 90.5 20 Oberschles. Sokswerke .... 8 39.5 Dhönir Bergbau......4% Rheinische Brmmlohlen... 10 26,5 165,5 26,13 162 26,4 165 26 160 64,5 64,5 64,5 63,6 Frantsun a. 2)1. Berlin Schluß« kurs Schlußk. Bbenb- bdrfe Schluß- lurd Schlußk. Mittag» bSrse Datum 18-10- 19-10. 18-10- 19-10- Riebeck Montan . . . . 7,. — — — Bereinigte Stahlwerke . . 0 23 22,25 23,13 22,13 Olavi Minen..... 0 16,5 16,25 16,25 16 Kaliwerke Aschersleben . • . 6 101 99 101,25 99 Kaliwerke Westeregeln . ■ e 6 108 105 108 105 Kaliwerke Salzdetfurth . • • V 164 •— 162 163 3- G- Färben-Industrie . 71 93,75 94 93,25 93,65 Scheideanstalt..... 10 139 139 — — Goldschmidt...... . 0 26 26,5 26.5 26,9 Rütgerswerke..... . 0 40 38,75 39,75 38,5 MetaUgeseUschaft. . . . ■ 0 34,5 34,5 35 34,5 Philipp Holzmann . . . 56 55,5 55,25 55,75 Zementwerk Heidelberg. ■ e . 4 48,5 49,5 (Scmentroed Karlstadt. . . O 52 50,5 SLayb L Freytag . . . . O| 5 5 Schultheis Patzmhofer . 01 - _ 58 57 Aku (Allgemeine Kunstseide! 0 55,5 55,5 55,75 55,25 Bemberg...... 0 54,5 54,5 55 54,75 Zellstoff Waldhos . . . 0 43,5 43 43,5 42.25 Zellstoff Aschasfenburg . 0 28,5 28,5 28,5 —— Dessauer Gas..... . 7 — — 88 89 Daimler Motoren . . . . 0 20,15 19,75 20 20 Deutsche Linoleum . . . 0 45,5 45 44,5 44,65 Orenstetn & Koppel . . . O 33.75 33,13 Leonhard Tietz .... . 6 46,5 45 46,5 45,13 Svenoka....... . 0 — Lhade........ 12 165 166 165 166 Frankfurter Maschinen . Gritmer....... . O 26 25,25 26 26,13 Mainkiaftwerle Höchst a. M.. . 4 52,25 süddeutscher Zucker « , • e • O 128 130,25 129 129,25 Devisenmarkt Vertin — Frankfurt a. 2R. 18-Oktober 19.Oktober Amtliche Rotieruna Meld | Srie- Amtliche Jlotierunn (Selb Brie' ^istngsor« . 6,264 51,95 6,276 52,05 6,144 51,95 6,156 52,05 Prag . . . 12,465 12,485 12,465 12,485 Budapeü . . — Sofia . . . 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland . . OSlo.... Kopenhagen. 169,48 169,82 169,38 169,72 72,73 72,87 71,53 71,67 75,07 75,23 73,83 73,97 Stockholm . 74,33 74,52 73,33 73,47 London. . . Buenos Aires 14,475 14,515 14,23 14,27 0,890 0,894 0,898 0.902 Reuyorl . . 4,209 4,217 4.209 4,217 Brüssel. . . 58.48 58,60 58.49 58.61 Italien. . . 21,565 21,605 21,555 21.595 Paris . , . 16,52 16,56 16,51 16,55 Schweiz . . 81,25 81,41 81,22 81,38 Spanien . . 34,47 34,53 34,47 34,53 Danjig. . . 81,97 82.13 81.97 82.13 Japan . . . Rio de Jan.. ' 0,989 0,294 0,991 0,296 0,979 0,294 0,981 0.296 Jugoslawien. Lissabon . . 5,644 5,656 5,594 5,606 13,18 13,20 12,97 12,99 Banknoten. Berlin, sg. Oktober («kfö »rief Smertkanlsche Roten....... 4,20 4,22 Belgische Roten......... 58.33 58.57 Dänische Roten......... 73,60 73.90 Englische Roten......... 14,19 14,25 Französische Roten........ 16,47 16.53 Holländisch« Roten........ 169,01 169,69 Italienische Roten....... 21,50 21,58 Rorwegische Roten........ 71.36 71,64 Deutsch.Oesterreich, i 1OO Schilling Rumänische Roten........ 2.44 2.46 Schwedische Roten........ 73.15 73.45 Schweizer Roten......... 81.04 81.36 Spanische Roten......... 34,33 34,47 Llltzartzchc Roten •••••••• w<9** SB rekUn, !■ i m der s? Her d°- ’J'll . Redekampf J I ötba Steuer um Serlint I s? * Ändro i Hr fehteeinw I [al ein, der vv ! rrni Ketten n K* M-d«! tm zwischen o WV r Dem Aussprc da Veranstalte seiner Partei z über hinaus ver kciderDNDP griffen. Unter fammlungsbesuc sitzende Äbte' Uniform au treten des 6a< Ter Abgcordne den Deutschnatz war, erschien i schäft junger! misch gefeiert, von den Datil darf und and ßchmidi die L Das Thema l kr Parteien ftai mEchmidt kt Wahlkampf unb.g egen t Itterlande I Am beteilige. der TaüvMvtz schlich des Aus außenpolitzscher die Gleichberech spreche. Allein fertige die Fr teienstaatl Lchmidt (Ham Anteil dec Dei gen Poung Teil derjenigei I fürtoorteten, t unglückliche Hü nationale Ang geworfen. Fas von Teifallsstü nenöen Worte fator lösten tote, Aalionalfozialist ^utschnationale Verhandlungen: t*rg zu spi Die Sorge von tob. während ta falionalfoji terror vorgehe, im Jarlam unterstützen. ^'aliftildjen ?;,ulld)nafi Wafen W lojiallllfti ironjf ?un9srufe. Det ^“ng: M .öa,ur> wie $ie ytdanga °b-n? wo ^'"liflifch. tiLPar?mcnlai und erf) »org, Ä* «i . "sler und 1 «1 ®«bb< h Ied)l5!"bi ‘im? Don % Äsiweibf W >Go< n hatten