Nr 22l Svühausgabe |82. Jahrgang Dienstag, 20. September 1932 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monatr-Vezngsprels: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern Infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschlüfse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: firantfurt am Main 11686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dmrf und Verlag: vrühl'fche Unwer^iütr-Vuch. und Steinörucferei K Lange in Siehen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchnlstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeiqen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig; für Ne» hlameonjeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig» Platzvorschrift 20“ , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Englands Einmischung in die Abrüstungsdebaiie. Keine deutsche Antwort. DcrEindruck derNote in derWilhclmstratze. Berlin, 19. Sept. (EBB. Funkspruch.) In Kreisen des Auswärtigen Amts sieht man in der englischen Denkschrift zur Abrüftungsfrage gegenüber den Aeuherungen der englischen Oeffentlich- keit in den letzten Tagen eine gewisse Schwenkung. Man hätte eigentlich aus diesen Aeuherungen einen mehr vermittelnden Ton erwarten können und eine Haltung, die mehr positiv dem deutschen Standpunkt zuneigen würde. Es dürfte schwer sein, zu sagen, ob eine Schwenkung Englands aus die angeblichen Geheimdokumente Herriots zurückzuführen ist. Bei diesen angeblichen Geheimdokumenten handelt cs sich um alte Ladenhüter Tardieus, denen wir mit aller Buhe entgegensehen können. Das politische Ziel der englischen Denkschrift ist, die Abrüstungskonferenz unter allen Mrnständen dadurch positiv zu gestalten, dah man Deutschland zum Wiedereintritt in die Verhandlungen zu bewegen hofft. 3m ersten Teil kommt die Denkschrift dem französischen Standpunkt weitest entgegen, während sie im zweiten Teil die Notwendigkeit der Gleichberechtigung anerkennt, unter der Voraussetzung, dah keine Aufrüstung erfolge. Leider läßt die Denkschrift aber die Angaben vermissen, in welcher Weise diesem Standpunkt Rechnung getragen werden soll. Deutschland hat seinerzeit in seiner Denkschrift zur Gleichberechtigungsfrage hervorgehoben, dah eine Lösung nur in Frage kommen kann, in der k e i n e Sonderstellungen mehr Geltung haben. Angesichts der Tatsache, dah der deutsche Standpunkt in dem kürzlich erfolgten Schreiben an den Präsidenten der Abrüstungskonferenz Henderson niedergelegt worden ist, an dem sich auch durch die englische Denkschrift nichts ändert, wird die deutsche Regierung hierauf k e i n e A n t- w o r t erteilen. Deutschland wird, wie es angekündigt hat, die Verhandlungen des Bureaus der Abrüstungskonferenz mit Aufmerksamkeit verfolgen und von dem weiteren Gang dieser Verhandlungen seine Entschlüsse abhängig machen. Dem im ersten Teil der Rote enthaltenen Hinweis, dah der deutsche Schritt in der Abrüstungs- frage angesichts der wirtschaftlichen Rotlage unzeitgemäh sei, kann man nur als eigenartig bezeichnen. Ganz abgesehen davon, dah diese Feststellung im völligen Widerspruch zum Schluhablah der englischen Rote steht, der die Frage der Gleichberechtigung a l s eine Frage der Ehre und Würde einer Ration bezeichnet, ergibt sich aus den verschiedensten Aeuherungen und Berichten der Wirtschaftsführer der letzten Zeit, dah die Frage der Gleichberechtigung die Voraussetzung jeder wirtschaftlichen Gesundung ist. Die englische Rote gibt selbst zu, dah Deutschland gar nicht anders handeln konnte und die Frage der Gleichberechtigung jetzt nicht mutwillig vom Zaun gerissen hat. Es kann im übrigen nur immer wieder betont werden, dah Deutschland seinen Standpunkt in der Abrüstungskonferenz schon seit Jahren klar und eindeutig zum Ausdruck gebracht hat, und dah es jetzt notwendig ist, diese Frage endlich zur Entscheidung zu bringen. Wenn England schließlich versucht, unter Bezugnahme auf Teil 5 des Versailler Vertrages einen Unterschied zwischen Zweck und Ziel einer vertraglichen Abmachung zu konstruieren, so kann dies nur als eine spitzfindige Auslegung der Präambel des Teiles 5 des Versailler Vertrages bezeichnet werden. Selbsterkenntnis in London. Die britische Note kein slüdlicher Lchriii. Lo n d o n, 19. Sept. (TM.) 3n London beginnt die Erkenntnis zu dämmern, dah die Erklärung der englischen Regierung ein psychologischer Mißgriff war, soweit die deutsche öffentliche Meinung in Frage kommt. Durch die Verlautbarung sollte diese für eine Wiederbeteiligung Deutschlands an den Abrüstungsverhandlungen gefügiger gemacht werden, während die starke Kritik an dem deutschen Vorgehen natürlich das gerade Gegenteil bewirkt. Cs wird ferner in London kritisch bemerkt, daß die englische Regierung sich entgegen ihrer sonstigen Gepflogenheit durch ihre rechtlichen Erörterungen über den Teil V des Versailler Vertrages unnötigerweise fe st gelegt habe, während die deutsche Denkschriit derartige juristische Beweisführungen gar nicht nötig mache. Mm so mehr suchen die englischen Stellen nunmehr auf die deutsche Öffentlichkeit in dem Sinne einzuwirken, dah die praktischen Vorschläge im letzten Teil der englischen Erklärung einer genauen Beachtung wert seien, da sie unzweifelhaft der deutschen Politik den Wiederanschluh an die Abrüstungsverhandlungen ermöglichten. Es wird darauf hingewiesen, daß der deutsche Anspruch auf theoretische Gleichberechtigung eigentlich völlig anerkannt sei, daß dessen Verwirklichung aber die Mitarbeit Deutschlands unbedingt erfordere. Der „Star" meint, die englische Rote sei zum großen Teil lediglich Wortverschwendung. Zu behaupten, dah die deutsche Forderung nicht rechtlich begründet sei, sei unsinnig. Der „Eve- ning Standard" erklärt, die englische Rote unterstütze eher die zur Zeit in Europa am Werk befindlichen verhängnisvollen Bestrebungen, als dah sie sie mähige. Der Beweis dafür sei, dah sie in Frankreich so aufgefaht werde, dah Cng - land sich neben Frankreich stelle. Andererseits sei Mussolini bereit, sich Deutschland anzuschliehen. Die Geister der Triple-Entente und des Dreibundes begännen wieder zu marschieren. Die „Evening Rews" sagt: „Wenn Deutschland die Drohung, wieder aufzurüsten, durchführe, so tue es dies nicht deshalb, weil es sich stark genug zu einem neuen Kriege sichle, sondern weil es von einer neuen internationalen Lage Gebrauch machen zu können glaube, die Ruhland, Italien und — weiter entfernt — auch Japan an seine Seite stelle. Herriot kommt Amerika entgegen. Wird Frankreich den Hoovcrvorjchlag nnnchtncn? Paris, 19. Sept. (TU.) Wie von zuverlässiger amerikanischer Seite verlautet, soll einer Unterredung zwischen dem Ministerpräsidenten H e r r i o t, Kriegsminister Paul-Boncour, Senator Need und Botschafter E d g e angeblich geradezu „sensatio- Ge ns, 19. Sept. (ERB.) Der Präsident der Abrüstungskonferenz Henderson hat die ausführlich begründete Mitteilung des deutschen Außenministers, dah die deutsche Regierung an der Tagung des Bureaus der Abrüstungskonferenz am 2l. September nicht teilnehmen werde, mit einem längeren Schreiben beantwortet, das heute veröffentlicht worden ist. In dem Schreiben drückt Henderson zunächst sein lebhaftes Bedauern darüber aus, dah die Reichs- rcgierung beschlossen habe, an der Dureausitzung nicht teilzunehmen. Die deutsche Regierung scheine der Ausfassung zu sein, daß nach der Annahme der großen Dertagungsentschliehung des Hauptausschusses der Abrüstungskonferenz vom 23. Juli nunmehr fest stehe, daß das kommende Abrüstungsabkommen weit unter dem Ab - rüstungsre gime des BersaillerDer- trages bleiben werde. Es sei nicht seine Ausgabe, eine Aussprache über „das Abrüstungs- rcgime des Versailler Vertrages" zu eröffnen. Da jedoch die Form und der Inhalt der Ab- rüstungsmahnahmen des kommenden Abrüstungsabkommens jetzt noch nicht bestimmt seien, müsse er seinen Zweifel an der von der deutschen Regierung zum Ausdruck gebrachten Auslegung der Dertagungsentschliehung vom 23. Juli geltend machen. Henderson sucht sodann den Rach- wcis zu erbringen, dah gewisse Bestimmungen dieser Entschließung durchaus als eine wirksame Abrüstungsmaßnahme aufzu- fassen seien. So enthalte die Präambel bereits die Zusicherung, daß eine wesentliche Herabsetzung der Weltrüstungen durch ein allgemeines Abkommen herbeigeführt werden müsse. Ferner sei in dem Hinweis der Entschließung auf die Ergebnisse der ersten Phase der Konferenz ausdrücklich festgestellt worden, dah eine Reihe von konkreten Abrüstungsmaßnah- m e n als Ergebnis der bisherigen Verhandlungen habe registriert werden können und zwar unabhängig von den weiteren Beschlüs- s e n der Abrüstungskonferenz. Henderson weist sodann darauf hin, daß die Vertagungsentschlie- ßung in keiner Weise weitergehenden Abrüstungs- mahnahmen vorgreife. Aus diesen Gründen müsse Berlin, Ili.Sept. (WTD.) Wie schon kurz gemeldet, empfing Reichspräsident v. H i n d e n - bürg, im Beisein des Reichskanzlers v. Popen den Präsidenten des Preußischen Landtages, Kerrl. Lieber den Besuch, der über eine halbe Stunde dauerte, schreibt der preußische Pressedienst derRSDAP.: Der Landtagspräsident habe darauf hingewiesen, daß er als verfassungsmäßig gewählter Präsident des Landtages sich zur Wahrung der Rechte des preußischen Volkes für verpflichtet halte, auch dem Herrn Reichspräsidenten gegenüber seinen Protest gegen das von der kommissarischen preußischen Regierung bisher geübte Verfahren zum Ausdruck zu bringen. Seine Bemühungen, durch die Bildung einer Der» f a ssungsmäß igen Regierung zur Beruhigung des preußischen Volkes beizutragen, seien vor der Einsetzung des Reichslommis- sars in der Hauptsache daran gescheitert, daß auf Betreiben der früher en Regierung der alte Landtag die Geschäftsordnung dahin geändert hätte, daß zur Wahl des Ministerpräsidenten eine absolute Mehrheit erforderlich wäre. Diese Bestimmung stehe im Widerspruch zu Artikel 45 PD., wonach der Landtag bedingungslos ohne Aussprache den Ministerpräsidenten zu wählen habe. Die Verfassungsänderung hätte also mit Zweidrittel-Mehrheit vorgenommen werken müffen. Da aber keine Mehrheit zur Wiederherstellung der nelle Bedeutung" zukommen. Herriot habe sich nämlich bereit erklärt, den Abrüstungsvorschlag des Präsidenten Hoover für Frankreich anzunehmen. Wie diese Annahme gedacht ist, muß allerdings dahingestellt bleiben. Der französische Ministerpräsident stelle sich, so heißt es weiter, auf den Standpunkt, daß sowohl die deut- schen Wehrverbände wie die italienische Miliz bei der Berechnung der Heeresstärken in irgendeiner Form, d. h. wenigstens zu einem gewissen Prozentsatz mit gezählt werden müßten. Dabei stoße er auf amerikanischer Seite auf keinen erheblichen Widerstand. Was die Luftrüstungen anbelange, so halte Frankreich an der Internationalisierung der zivilen Verkehrs- und Handelsfliegerei fest. Man sei beiderseits bestrebt, alles zu tun, um der Abrüstungskonferenz zu einem möglichst raschen Erfolge zu verhelfen. — Man wird genauere Nachrichten abwarten müssen, um diesen französischen Schritt, sollte er wirklich in dieser Weise erfolgt sein, auf seine praktische Bedeutung zu prüfen. Der Zweck dürfte auch hier wiederum sein, Deutschland mit allen nur erdenklichen Mitteln wieder an den Genfer Verhandlungstisch zu bringen. die deutsche Regierung zugeben, dah schon jetzt weder die Form, noch der Inhalt, noch die Tragweite des Abrüstungsabkommens als feststehend anzusehen seien und daß diese Frage erst aus der weiteren Tagung der Abrüstungskonferenz entschieden werden könnte. Henderson ersucht sodann die deutsche Regierung, seine Rede nachzulesen, die Kr am 23. Juli bei der Beratung der Bertagungsentschließung gehalten habe und in der er betont habe, daß er nicht wieder nach Genf kommen werde, wenn nicht in der zweiten Phase der Abrüstungskonferenz praktische Ergebnisse erzielt würden. Henderson schließt mit der Aufforderung an die deutsche Regierung, aufs neue, so schnell wie möglich an den Arbeiten des Bureaus der Konferenz teilzunehmen, umsomehr, als eine längere Abwesenheit Deutschlands von den Verhandlungen in ernstester Weise den gesamten Abrüstungsgedanken gefährden könnte. Die Aufnahme in Berlin. Hei derions Zuversicht wird nicht geteilt. Berlin, 19. Sept. (TM.) In Regierungskreisen ist das Schreiben des Präsidenten Henderson insofern nicht ungünstig ausgenommen worden, als der Brief den persönlichen Stempel Hendersons trägt und durchaus freundlich gehalten ist. Allerdings wird der amtliche Optimismus des Präsidenten der Abrüstungskonferenz nicht geteilt, da leider nicht anzunehmen ist. daß andere Staaten auf den Stand der für Deutschland geltenden Rüstungsbestimmungen des Versailler Vertrages abrüsten werden. Bemerkenswert ist der Hinweis Hendersons, daß er nicht wieder nach Genf kommen werde, wenn nicht in der zweiten Phase der Abrüstungskonferenz praktische Ergebnisse erzielt würden. Auf diese praktischen Ergebnisse, die ein Aufhören der Diskriminierung Deutschlands zur Grundvoraussekung haben, kommt es der Reichs- regierung an. Die die Weiterentwicklung der Verhandlungen in Genf aufmerksam beobachtet. alten Geschäftsordnung vorhanden gewesen sei, habe er als Landtagspräsident den Reichskanzler gebeten, dem Reichspräsidenten den Erlaß einer "Notverordnung vorzuschlagen, durch die diese verfassungswidrige Bestimmung außer Kraft gesetzt werde. Ferner wies der Landtagspräsident darauf hin, daß nach Einsetzung des Reichs- k o m m i s s a r s feine Bemühungen um die Bildung einer verfassungsmäßigen Regierung in Preußen insbesondere dadurch erschwert worden feien, daß über die Absichten der Reichsregierung Hinsichtlich Preußens zu wenig Klarheit geherrscht habe. Nach den Zeitungsmeldungen mußte er annehmen, dah die Reichsregierung und auch der Herr Reichspräsident besonderes Gewicht darauf legten, eine Reichsreform durchzuführen, durch welche der Dualismus beseitigt und die Personalunion Preußen-Reich durchgeführt werden soll. Eine verfassungsändernde Mehrheit, die an sich dafür erforderlich 'ei, wäre int Landtag wohl kaum zu finden. Wohl aber könne sich im Einverständnis mit der Mehrheit der Vertretung des preußischen Volkes, dem Landtag, ein gangbarer Weg dadurch ergeben, dah ein vom Preußischen Landtag gewählter Ministerpräsi- dentzum Reichskanzler ernannt wird. Der Präsident Kerrl wies darauf hin, dah der Preuhi'che Landtag in seiner Sitzung vom 30. August eine Entschließung mit den Stimmen Hendersons Antwort an Deutschland. Der Präsident zeigt Optimismus über das Ergebnis der Abrüstungskonferenz und warnt die Reichsregierung vor voreiligen Entschlüssen. Oie kommissarische Verwaltung Preußens Der Besuch des Landtagspräsidenten Kerrl bei Hindenburg. sämtlicher großen Fraktionen gegen 31 Stimmen der kleinen deutschnationalen Fraktion angenommen habe, in der dem Reichskommissar von Papen die Mißbilligung des Landtages ausgesprochen wurde. Daraus ergibt sich, dah der jetzige Reichskanzler von Popen keine Aussicht hätte, zum Ministerpräsidenten in Preußen gewählt zu werden. Der Präsident betonte ferner, daß es auch verfehlt wäre, etwa in Erwägung zu ziehen, durch eine Neuwahl in Preußen ein so grundlegend verändertes Verhältnis in der Zusammensetzung des Landtages zu erzielen, das notwendig wäre, um den Herrn Reichskanzler von Popen zum Ministerpräsidenten zu wählen. — Nach dem Vortrage deS Herrn Landtagspräsidenten sand eine Aussprache statt, an der sich der Herr Reichspräsident sowohl wie auch der Herr Reichskanzler lebhaft beteiligten. Am 6. November Gemerndewahlen in Preußen? Berlin, 19. Sept (VDZ.) Der Gemeindeausschuß des preußischen Landtags hat einen nationalsozialistischen Antrag mit den Stimmen der Antrag st eiter und der kommuni st en angenommen, wonach die Vertretungen der preußischen Gemeinden und Gemeinde- oerbönde am 6. November, also zusammen mit den R e i ch s I a g s w a h l e n , neu gewählt werden sollen. Wahlberechtigt sollen alle 20 Jahre alten Gemeindeangehörigen, die am 1. November in der Gemeinde wohnen, sein. Der Antrag wird am Mittwoch das Landtagsplenum beschäftigen und voraussichtlich auch dort an genommen werden. Ls bleibt abzuwarten, ob der Staatsrat Einspruch gegen den Beschluß einlegt. 3n diesem Falle würde der Beschluß durch eine Zweidrittelmehrheit des Landtags bestätigt werden müssen. Auch dann ist die Durchführung des Beschlusses noch fraglich, da die kommissarische preußische Regierung die Auffassung vertritt, daß sie an feinen Landtagsbeschluß gebunden ist. Die deutschnationalen Vertreter haben sich bei der Abstimmung im Ausschuß der Stimme enthalten und erklärt, daß sie sich völlig freie Entschließung Vorbehalten mühten, zumal die Ansicht über den vorgeschlagenen großen Wahltag und den geplanten Wegfall der sechsmonatigen karrenzzeit sehr verschieden sein könne. Zentrum und Sozialdemokraten haben gegen die Vorverlegung der Neuwahlen gestimmt. Die Sayern beim Reichskanzler. Wahlvorbereitungen und Reichsreform. Berlin, 19. Sept. (CNB. Eigene Meldung.) Reichskanzler v. Papen hatte heute mittag eine lange Aussprache mit Lern Vorsitzenden der Bayerischen Volkspartei Staatsrat Schaeffer und dem bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held. D'e Besprechung begann bereits um 11 Mhr und dauerte bis in die Mittagsstunde hinein. Meber die Besprechungen schreibt die „Daye- rische Staatszeitang"; Mrsprünglich hatte der Reichskanzler mit den beiden Herren getrennt verhandeln wollen. Auf Wunsch dieser beiden Herren wurde dann eine gemeinsame Besprechung vereinbart. Bei dieser dürfte es sich jedenfalls um Wahlvorbereitungen, aber im Zusammenhang damit auch um die Frage dec Reichsreform gehandelt haben, ferner aber auch um die von dem Kabinett Papen geplante Berfassungsreform. Anscheinend will sich die Reichsregierung gegenwärtig immer stärker den Gedanken anpassen, die in der bayerischen Denkschrift über die Frage der Reichsreform entwickelt worden sind. Eine Rolle bei der heutigen Aussprache spielte auch die Ankündigung des Führers der Bayerischen Volkspartei in seiner gestrigen Rede, der Reichs- r a t werde die Initiative bei der Neugestaltung des Reiches ergreifen und von sich aus den Gesetzentwurf ausarbeiten, der die Grundlage für die Neugliederung des Reiches bilden soll. 0er „völkische Beobachter" zur Neichstagswahl. München, 19. Sept. (TM.) Zur Festsetzung des Zeitpunktes für die Reichstagswahlen schreibt der „Völkische Beobachter" u. a., die jetzige Reichsregierung glaube schon ihr Ziel erreicht zu haben, wenn es ihr gelinge, die im letzten Reichstag vorhanden gewesene Mehrheit von NSDAP, und Zentrum mit Hilfe vvn Neuwahlen zu hintertreiben. Nach dieser Besprechung müßten beide Parteien (einschließlich der Bayerischen Dolkspartei; d. Red.) ungefähr 24 Sitze verlieren. Dann, so werde weiter argumentiert, werde es im neuen Reichstag nicht mehr schwer fallen, jede arbeitsfähige Me h r h ei t s b i l - düng zu verhindern. Der Reichstag würde in einen arbeitsunfähigen Zustand versetzt werden. Im Hintergrund erscheine der „Staats- n o t st a n d" , und die Reichsregierung hätte für alle ihre noch kommenden Pläne freie Dahn. Der „Völkische Beobachter" folgert daraus, daß der Reichstag in Wirklichkeit nicht wegen seiner Arbeitsunfähigkeit, sondern wegen feiner Arbeitsfähigkeit ausgelö st worden sei. Die Berechnung habe aber trotzdem ein Loch, denn die 24 für die Regierung zu gewinnenden Sitze müssen tatsächlich auch irgendeiner Regierungspartei zugutekommen. Daß die Deutschnatwnalen aber 24 Sitze gewinnen könnten, davon wage man selbst im Regierungslager und bei Herrn Hugenberg nicht einmal zu träumen. OieOiskonisenkungermöglichi Die BIZ. verzichtet auf ihr Einspruchsrecht. Basel, 19.Sept. (WTB.) Die Leitung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich teilt über die heutige Verhandlung des Verwaltungsrates folgendes mit: Der Verwaltungsrat nahm Kenntnis von der Mitteilung des Reichswirtschaftsministers, in der die Aussetzung der Anwendung des § 29 Absatz 3 des deutschen Reichsbankgesetzes b i s 30. September 1 9 3 4 in Vorschlag gebracht wird. Nachdem der Verwaltungsrat gemäß den besonderen Bestimmungen der Anlage Va des Neuen Planes die Frage geprüft hatte, ob der Vorschlag der Reichsregierung mit dem Neuen Plan vereinbar ist, ermächtigte er seinen Vorsitzenden dem Reichswirtschaftsminister zur Kenntnis zu bringen, daß die BIZ., gestützt auf die besonderen Bestimmungen der Anlage Va, keinen Einspruch gegen den in der Mitteilung des Ministers vom 8. September 1932 enthaltenen Vorschlag erhebt. Nach diesem vom Verwaltungsrat der BIZ. beschlossenen Verzicht auf dasEinspruchs- r e et) t gegen Aenderungen des Reichsbankstatuts ist eine Notverordnung erschienen, durch die das Bankgesetz zur Ermöglichung der Diskontherabsetzung abgeändert wird, wird bereits am Montag im „Reichsanzeiger" bekanntgegeben. Die Vorschrift, daß der Reichsbankdiskontsatz nicht unter 5 v. H. gesenkt werden darf, solange die 40-v. H.-Deckung der Reichsbanknoten durch Gold und Devisen unterschritten ist,' bleibt für die Zeit biszum 30. September 1934 außer An- Wendung. Eine Einberufung des Zentralausschusses der Reichsbank dürfte erst am Dienstag erfolgen da die durch die Notverordnung jetzt ermöglichten' Diskonsenkungsbefchlüsfe des Reichsbankdirektoriums in Anwesenheit des Reichsbankpräsidenten Dr. Lu t h e r gefaßt werden sollen. Oer „Angriff"-Prozeß. Dr. Weiß und die Schankkonzessionen. Berlin, 19. Sept. (TU.) Am dritten Verhandlungstage des Prozesses gegen die „Angriff"-Redak- teure Dr. Lippert und Krause wegen Beleidigung des ehemaligen Polizeioizepräsidenten Dr. Weiß und des Polizeipräsidenten G r z e s i n s k i wurden Vorkommnisse bei Konzessionserteilung für Spielklubs durch das Polizeipräsidium erörtert. Der als Zeuge vernommene Makler B a st sagte u. a. unter seinem Eide aus, daß sein Schwager, der Kaufmann Hetzig, dadurch eine Frühschankkonzession erhalten habe, daß er dem Kaufmann Konrad Weiß, dem Bruder des Polizeivizeprä- sident en, eine Provision von 2000 Mark gezahlt habe. Der gleichfalls als Zeuge vernommene Konrad Weißgabzu.diefenBe- trag erhalten zu haben. Bei feiner weiteren Vernehmung kam zutage, daß er öfters derartige Geschäfte gemacht hat. Auch hat er die Konzession für das übelbeleumundete Nachtlokal Cafe Erban, an dem er beteiligt war, verschafft. Polizeivizepräsident Dr. Weiß erklärte darauf, daß er mit Entrüstung von dem Verhalten seines Bruders Kenntnis bekommen und jegliche Beziehungen zu ihm abgebrochen habe. Der Zeuge gab weiterhin noch an, daß Konrad Weiß seine Konzessionsgeschäfte gemeinsam mit seiner S ch w ä g e r i n, der Frau des Polizeioizepräsidenten Dr. Weiß, getätigt habe. Frau Dr. Weiß sagte aus, daß sie mit ihrem Schwager Konrad Weih niemals über Kon- zessionsgeschäfte gesprochen habe. Dr. Weiß erklärte hierzu, er habe niemals gewußt, ober auch nur geahnt, daß sein Bruder von den an ihn gerichteten Empfehlungsschreiben Vorteile gehabt habe. Hatte er es gewußt, würde er keinen Finger gerührt haben. Der Berliner Dergnügungsetablissementsbesitzer Steinmeier erklärte u.a., er habe einmal bei einer Vernehmung auf dem Landesfinanzamt angegeben, daß er den Vizepräsidenten Dr. Weiß im Spielkasino in Monte Carlo am Spiet- tisch habe sitzen sehen. Ein Hollander habe zu ihm gesagt: „Na, wenn Euer Polizeipräsident in Monte Carlo spielen kann, bann kann es ja mit Euerer Wirtschaftskrise nicht allzu gefährlich sein." Aus eine Frage bes Vorsitzenden der nationalsozialistischen Stadtverordnetenfraktion in Berlin, Dr. Lippert, ob man mit 200 Mark eine Woche lang an der Riviera leben könne, antwortete der Zeuge Steinmeier, er bezweifle das. Dr. Weiß hielt ihm aber entgegen, daß er außerordentlich sparsam gelebt habe und deshalb sehr gut mit dem Betrage ausgekommen sei. Die Jahrhundertfeier des Gnstav-Adolf-Bereias in Leipzig. Oie erste öffentliche Hauptversammlung. - Begrüßungsrede des Reichsinnen- ministers Freiherr« von Gayl. L e i p 3 i g, 19. Sept. (WTB.) Die erste ö f f e n t • liche Hauptversammlung der Jahrhundert-Tagung des Gustav-Adolf-Der- eins wurde durch Geheimrat Professor D. Dr. Rendtorff mit einer Rede eröffnet, in der er einleitend ausführte: Unsere Jahrhundert-Gedenkfeier beginnt billigerweife mit dem ehrfürchtig-dankbaren Gedenken an das, was vor 300 Jahren auf Leipzigs Schlachtfeldern bei L ü tz e n geschehen ist. Wir ehren das Gedächtnis des Schwedenkönigs, der, zum Schutze seines Landes und seiner Krone in den deutschen Krieg einzugreifen gezwungen, Zugleich mit vollem Bewußtsein und dem ernsten Gefühl seiner Verantwortung vor Gott für die Rettung des Protestantismus sein Leben ein» setzte. Dr. Rendtorff gedachte sodann in Dankbarkeit des Gründers des Vereins. Ein weiteres Wort des Dankes galt den vielen Freunden des Gustav-Adolf- Werkes, insbesondere dem 93jährigen Hermann Ferdinand v. Crie gern. ., Hieraus umrih der Redner die klrchengeschicht- liche Bedeutung des Bereins, in dem die Einh^t der evangelischen Kirchen Deutschlands ihre nicht auf reichskirchliche Ziele gerichtete, sondern auf tatfreudige Glaubensarbeit i m Dienste d e rD r u d e r l i eb e gegründete Verwirklichung gefunden habe. Rach zwei Seiten hat inzwischen der Einheitswille der evangel^ schen Kirche in großem Ausmaße sich erfolgreich betätigt: Einmal bei der Zusammenfassung der Evangelischen Landeskirchen im Deutschen Evangelischen Kirchenbund und sodann bei der weltumspannenden ökumenischenDe- w e g u n g. Diese habe längst, ehe Rathan Söderblom sie ins Leben rief, im Lebenswerk des Gustav-Adols-Bereins ihre, wenn auch unscheinbare Verwirklichung gefunden. Die Rationenmischung in in- und ausländische Kirchen hatte dem Gustav-Adolf-Verein niemals Grenzen gezogen. Er ehrt jedes Volkstum als eine Gottesgabe, so selbstverständlich er seine in Deutschland geborene, wesentlich aus deutschen Kräften gespeiste Arbeit mit besonderer Freude deutschen Gemeinden zuwendet. Der Reichsminisier des Innern, Freiherr von G a y l, überbrachte die Glückwünsche der Reichsregierung. Das Handeln des Gustav-Adolf»Vereins, führte der Minister aus, ist ein durch 100 Jahre fortgesetztes Bekennen gewesen nicht durch Worte, sondern durch Betätigungen der Liebe zu dem deutschen Volk und ein fortgesetztes Bekennen zu Gott und unserer evangelischen Sache. Als der für die geistigen Güter und seelischen Kräfte unseres Volkes in erster Reihe verantwortliche Reichsminister stehe ich in Ihren Reihen und bekenne mich vor dem ganzen deutschen Volke schlicht aber deutlich zu den Worten des Apostels. „Ich schäme mich des Cvangelii in Christo nichts (Stürmischer Beifall.) Ich sehe hinzu, daß ich zu dem evangelischen Glauben meiner Väter stehe. Mit mir bekennt sich die aus Männern beider Bekenntnisse bestehende Reichsregierung bewußt und offen zum christlichen Staat. (Erneuter stürmischer Beifall.) Untere Reichsverfassung kennt nur den Staat schlechthin und überläßt es ihm, sein Verhältnis zu dcn Kirchen und Bekenntnissen zu regeln. Diese Tatsache aber entbindet «ine ihrer Verantwortung und Pflicht bewußte Regierung nicht von der Rotwendig- keit, die Staatsführung in christlichem Sinne zu handhaben. Freiwilliges Dienen am Staat kann nur auf die Dauer auf bringen, der sich innerlich verantwortlich fühlt gegenüber seinem Volk. Verantwortungsgefühl wurzelt aber im Uebersinnlichen, d. h. für uns: in Gott. Deshalb ist eine erfolgreiche und wirksame Staatsordnung nur auf religiöser Grundlage denkbar. Deutsche und christliche Einstellung stehen niemals im Widerspruch miteinander. 3n diesem Sinne zu arbeiten ist die besonders dringliche Aufgabe der Regierung. Ich spreche es offen als meine ileberjeugung aus, daß eine neue Zeit heraufzieht, der ein bescheidener Wegbereiter zu sein unsere Pflicht ist. Diese Zeit wird religiös christlich fein. (Lebhafter Beifall.) Unser gesamtes Leben sollte viel stärker, als es heute in der Rotzoit tatsächlich der Fall ist, beherrscht werden von dem ethischen Gedanken der Liebe zum Mitmenschen und Volksgenossen. Ich wünschte, daß über dem Tun und Lassen jedes verantwortlichen Deutschen in Regierung, Politik und Wirtschaft das Wort der Schrift stünde: Und wenn ich mit Menschen- und Cngelszungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz und eine klingende Schelle. Zu allen anderen Bürden trägt das geduldige deutsche Volk noch die Last des Zwiespalts der Bekenntnisse. Ich schätze als ein ganz besonderes Verdienst des Gustav-Adols-Vereins ein, daß er trotz allen Eifers im Glauben niemals danach getrachtet hat, den Riß in unserem Volke zu erweitern, sondern daß er sich bemüht hat, jedem das Seine zu geben. Wir, Kinder eines Staates, gleichviel ob evangelischen oder katholischen Bekenntnisses, haben die Wurzeln im Glauben an den Erlöser und in tiefer gemeinsamer Liebe zu Heimat, Vaterland undDolk. Es sollte daher bald der Tag kommen, an dem wir uns zusammenfinden zu gemeinsamer Arbeit für einen und in einem deutschen christlichen Staat und für unser gesamtes deutsches Volkstum innerhalb und außerhalb der Grenzen des Reiches. — Die Rede des Ministers wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. Anschließend wurde das Deutschlandlied gesungen. Akademische Feier und Ehrenpromotionen. Auf einer akademischen F e i e r in der Leipziger Universität gab Prof. Dr. Litt die Ernennung des Vorsitzenden des Zentralvorstandes Geh. Kirchenrats Prof. Dr. D. Rendtorff, zum Ehrendoktor der Philosophischen Fakultät bekannt. Ferner wurden folgende Ehrenpromotionen ausgesprochen: Die Theologische Fakultät der Universität Leipzig ernannte zum Ehrendoktor den Justizrat Dr. Georgi, den Justitiar und Generalbevollmächtigten der Gustav-Adolf-Stiftung. Die Theologische Fakultät der Universität Breslau ernannte zum Ehrendoktor den Pfarrer Lio. Georg Richter in Gollnitsch (Posen-Pommerellen) und den Prof. Häusler in Kattowitz als Herausgeber eines polnischen Gesangbuches zum ßicentiaten der Theologie. Die Universität Greifswald ernannte den Pros. Dr. Johannes Paul als Biographen des Oer sehr geehrte Herr Kanin. Von Victor Mages. Die Dame, von der hier die Rede sein wh:d, hört auf einen komischen Schmeichelnamen. Sie hat lange in Polen gelebt, und sie bekundet eine oft beängstigende Vorliebe für Kaninchen. Daher der komische Name: Krolikowski (sprich: Krulikojki) — was man mit „der sehr geehrte Herr Kanin" übersetzen könnte. Dies vorweg. Natürlich wollte der sehr geehrte Herr Kanin in Marseille das Chateau d’If besuchen. Das ist zu verstehen; es gehört einfach dazu. Wenn man in Marseille geweien ist, muß man dieses alte Gemäuer gesehen haben, draußen auf einer Insel vorm Hafeneingang, wo der Mann mit der eisernen Maske und der Graf von Monte Christo in unheimlich weiten Steinsälen, nur matt erhellt durch ein Gittersenster- chen, nicht gerade die schönste Zeit ihres Lebens verbrachten. . Am Quai des Alten Hafens liegen die kleinen Dampfer, die hinausfahren. Aber man kann lauern, bis sie fahren, denn es kostet nur vier Franks, und ehe sich nicht ein Dutzend Passagiere angefunden haben, denkt der Schiffer nicht daran, die Taue loszuwerfen. Wir hatten jedoch Eile. In diesem Fall nimmt man eins der unzähligen Motorboote, deren Besitzer sich für das Zehnfache des Dampferpreises den Fremden anbieten. Man einigt sich auf das Fünffache, und es geht los. Der Alte Hafen plätschert friedlich. Zwar weht ein Windchen, aber wenn man sozusagen auf dem Wasser groß geworden ist, beachtet man ein Windchen niZt. Der sehr zehrte Herr Kanin der hier zum erstenmal vom Quai des Forges öas IDleer gesehen hat, ist mächtig wild darauf, Schiffchen zu fahren. Er hat nicht die Spur von Angst, und die braucht er ja bei diesem Wetter auch nicht zu yaben. In den Korbstuhl gelehnt, mit dem Rucken gegen die Fahrtrichtung sitzend, strahlt der sehr geehrte Herr Kanin Glückseligkeit. Links oben auf dem Berge blitzt in der Sonne die goldene Maria von Notre Dame de la Garde. „Herrlich!" jubelt Herr Kanin. Jetzt fahren wir unter dem Transbordeur hindurch der Blick weitet sich, die See liegt vor uns, und ein sorgloser verliebter Mann im mmz.gen Motorboot kriegt plötzlich das Zittern '"den Knien. Gut, daß der Herr Kanin mit dem Nucken zur Fahrtrichtung sitzt. Er kann nicht sehen, was da vorne ist. Da vorne nämlich ist ein kollerndes Meer mif weißen Schaumkämmen, gleich wird inu -öoot anfangen zu tanzen, eine halbe Stunde wird es tanzen, auf und ab, gebe der Himmel, daß der Herr Kanin nicht in Delirien verfällt! „Hier schaukelt's aber doch ein bißchen", sagt der Herr Kanin. _ „Ein bißchen", lächelte der angstvolle Mann, und er denkt: das nennt sie schon schaukeln, was wird sie in drei Minuten sagen? Bauz — die erste Welle. Das Motorboot bäumt sich, es patscht mit der Nase ins Wasser, kippt einmal nach dieser Seite, einmal nach jener Seite, es torkelt, Spritzer klatschen über uns hinweg, und schon — bauz — kommt die zweite Welle. Das Motorboot heißt: Salome. Fräulein Salome aus Marseille ist mitten drin im Tanz. Jetzt wird ein Schleier nach dem andern fallen. Der sehr geehrte Herr Kanin hat die Lehnen des Korbstuhls gepackt, das Weiße in seinen Augen ist so groß geworden, als ob er ein« Abgottschlange vor sich sähe, aber es ist doch nur ein krampfhaft lächelnder Mann, der da sitzt, und der Mann sagt: „Schon, nicht wahr?" „Fein", haucht der Herr Kanin. Dabei sieht man ihm an, wie er im Begriff ist, zu überlegen: ob dieser Schuft vis-ä-vis das vorher gewußt hat oder ob er selber in die Tinte geraten ist. Der arme Schuft, der schon ganz andere Bootsfahrten gemacht hat, hall beide Daumen. Hoffentlich schreit sie nicht. Was fängt man mit dem Mädel an, wenn es brüllt: Ich will aussteigen, ich will aus — Bums, patsch, bums, patsch! „Ha — ha — ha —", stottert der sehr geehrte Herr Kanin, „ha — hast du die Briefe besorgt, die ich dir gegeben habe?" L) je, das ist ein Abschiedsgruß in die Heimat. Wenn ich hier ersaufen soll, denkt sie, will ich wenigstens wissen, ob mein letzter Brief in den Kasten geworfen ist. „Alles in Ordnung", beruhigt eine zärtliche Stimme. Unrein und falsch muß ihr im Augenblick diese Stimme in den Ohren klingen. Halt' ich ihn nie gesehn, diesen Kerl! wird sie heimlich jammern. Aber sie bewahrt Haltung und versucht sogar, einen Dank zu lächeln, was leider — bums, patsch! — sehr vorbeigelingt. Da passiert etwas Schreckliches. Von Backbord nähert sich uns ein Boot, natürlich tanzt es genau wie die „Salome", legt sich nach rechts, legt sich nach links, taucht unter, — es muß jur Landratten (beziehungsweise Kaninchen) ein furchtbarer Anblick sein. K .. Krolikowski sieht es. Ihre kleinen Hande pressen die Korbstuhllehnen so hart, daß sie weiß werden, die Hände. Der Mund ist halbgeöffnet. Der arme Mann, der Schuft und zärtliche Heuchler, ist sich der drohenden Krise bewußt. Er zeigt in die flockigen Wölkchen auf tiefem Blau: „Schau mal, was fliegt da? Ach, nur ’ne Möwe." Hilft nichts. Der sehr geehrte Herr Kanin starrt auf das Boot, langsam poltern ihm die Worte von den Lippen. „Machen wir — wir — das auch so — wie — das da drüben?" „Was denn, mein Schatz?" Ein Blick stoßt herüber, ein Blick, — Wunder, daß er nicht tötet. Der Schatz wird dir nachher die Meinung sagen, du Verbrecher, bedeutet dieser Blick. Die Augen sind glasig. Die Pupillen drehen sich nach oben. Jetzt wird sie seekrank werden. Bums, patsch, bums, patsch! „Zigarette?" schreit der Verbrecher in seiner Seelenangst. Der sehr geehrte Herr Kanin dreht die Pupillen wieder herunter. „Meinst du nicht, daß ich den — den Lampenschirm ko—kopieren soll, den viereckigen, den wir an der Canebidre gesehen haben?" „Den Lampenschirm?" „Ich kann das nämlich (bums, patsch!) ka-kann das nämlich sehr gut. Man braucht dazu nur einfaches Glaspapier..." Der sehr geehrte Herr Kanin, mit einer heiligen Wut im Herz«n und in Gedanken längst auf dem Grunde des Meeres, erzählt ausführlich, wie man einen Lampenschirm macht. Un& die „Salome" läßt den siebenten Schleier fallen, sie springt wie närrisch über die Schaumkämme, und dem Schuft und Heuchler steigt eine grenzenlose Hochachtung in jenen Körperbezirk, wo sich die große Pumpstation des Lebens befindet. Mit einemmal ist das Wasser ruhig, der Felsen von Chateau d’If erhebt sich übers uns, das Boot legt an. Der sehr geehrte Herr Kanin klettert an Land, wir stehen einander gegenüber. Draußen kollert das Meer. „ , ,L , „Wenn ich das gewußt hätte.... versucht sich der arme Mann zu entschuldigen, „selbstverständlich werden wir mit dem Dampfer zurückfahren, er muß in einer halben Stunde kommen." Der sehr geehrte Herr Kanin sieht an dem Mann einmal herauf, einmal herunter, und sagt: „Ich bin kein Feigling. Wir nehmen das Boot. Dann steigt er die Felsentreppe empor. Wahrhaftig, wir nahmen das Doot. 3n Marseille am Quai sprach der sehr geehrte Herr Kanin nur ein einziges Wort: „Lump." Später, als der Kellner bei Basso die Langustenschalen Königs Gustav Adolf zum Ehrendoktor. Die Theologische Fakultät der Universität Kiel ernannte Selma ßagerlöff zum Dr. h. c., die The« logische Fakultät der Universität Tübingen den schwedischen Erzbischof und Nachfolger Soderbloms, Dr. Erling Eidem in Upsala zum Ehrendoktor. Graf Gravina f. Danzig, 20. Sept (WTV. Funkspruch.) Der Völkerbundskommissar für Danzig, Graf Gravina. ist gestern abend im Alter von 49 Jahren g e- ftorben. 3m Befinden des Völkerbundskommifsars, Graf Gravina. der sich vor kurzem einer ® ar moper atioti unterzogen hatte, war seit Samstag eine außerordentliche Verschlechterung eingetreten, so daß die Aerzte mit dem Ableben des Patienten rechneten. Die Familie des kranken weilte am Sterbebette. Graf Gravina hatte bereits am Sonntag die letzte Oclung empfangen. * Graf Gravina, dessen Familie dem sizilianischen UraM angehört und sich in direkter Abstammung bis zu den ersten in Süditalien gelandeten normannischen Fürsten im zehnten Jahrhundert zurückführen läßt, war durch seins Mutter Blandina, geb. von Bülow, Tochter Eo- sima Wagners aus ihrer ersten Ehe mit Hans von Bülow ein Enkel Franz von Liszts. Rach der üblichen Vorbildung trat Graf Gravina im Jahre 1900 in die italienische Marine ein, unternahm später mehrere größere Weltreisen, war von 1906 bis 1907 stellvertretender Vizekonsul in Shanghai, und fand vorübergehend 1911 an der italienischen Botschaft in Berlin Verwendung. Als Teilnehmer des Tripoliskrieges und des Weltkrieges zeichnete er sich wiederholt aus. Rach dem Weltkrieg ging er 1919 als Marine- und Luftfahrt-Attache für die skandinavischen Reiche nach Stockholm. 1922 kehrte er nach Italien zurück und wurde zum Flügeladjutanten des Königs ernannt. Rach dem er schon des öfteren mit besonderen politischen und diplomatischen Missionen im Ausland betraut worden war, so u. a. mit den Verhandlungen mit Litwinoff in Kopenhagen 1920 zur Wiederaufnahme der Beziehungen Italiens mit Sowjet-Ruhland, erhielt er 1924 seine Berufung als Delegierter Italiens zu den Völkerbunds Versammlungen in Genf. Der Völkerbundsrat wählte ihn dann im September 1928 einstimmig zum Hohen Kommissar des Völkerbundes für den Freistaat Danzig für die Zeit von 1929 bis 1932. Der Graf hat hier im strikten Gegensatz zu seinem Vorgänger, dem Holländer van Hamel, sich mit aller Energie für die Verteidigung der Rechte der Freien Stadt gegenüber den vertragswidrigen Ansprüchen Polens eingesetzt und sich durch diese Haltung in Danzig große Sympathien erworben. und die leere Weinflasche vom Tisch räumte, war die Formulierung wesentlich milder. Es sind liebe und tapfere Tiere, die Kaninchen. Der ÄZahriraum. Einen schrecklichen Traum hatte vor nicht langer Zeit eine Kaufmannsfrau zu Wilna. Ihr Gatte befand sich auf Geschäftsreisen in Rußland. Binnen kurzem wurde er zurückerwartet. Da träumte der Frau eines Nachts, ihr Mann werde von Räubern auf einsamem Landweg überfallen. Sie sah den Hergang mit plastischer Deutlichkeit vor sich. Di« Räuber rissen den Mann vom Wagen, hielten ihm einen Revolver vor und verlangten von ihm die Herausgabe seiner gesamten Barschaft, wenn er Wert darauf (ege, mit dem Leben davonzukommen. Der Mann weigerte sich. Da krachte ein Schuß... Die Frau schrie gellend auf und erwachte. Ihr Schrei rief die Familienmitglieder an ihr Bett, denen sie sofort bebend und angstvoll den Traum erzählte. Man versuchte sie zu beruhigen. Aber die Frau wollte nicht hören: sie blieb dabei, daß ihrem Mann ein Unglück zugestoßen sei. Zwei Tage vergingen in qualvoller Ungewißheit. Dann traf ein Telegramm ein, aus dem die Frau erfuhr, was sie gleich geahnt hatte —: daß ein Wahrtraum sie heimgesucht habe. Man meldete ihr nämlich kurz, daß in eben der Nacht ihr Gatte unweit von Minsk von Banditen erschossen und ausgeraubt worden sei ... Obschon von Berus wegen skeptisch eingestellt, hat die Kriminalpolizei sich von der Frau eine genaue Beschreibung jener Männer geben lassen, die sie in jener Traumnacht beim Angriff auf ihren Gemahl erblickte. Zur Zeit verfolgt man eine schwache Spur der Raubmörder. Ein bestimmtes Resultat liegt jedoch noch nicht vor. Zeitschriften. Heber höchst merkwürdige Funde aus der Zeit, als es in Mitteldeutschland noch Halbaffen und Krokodile gab, berichtet Professor Dr. Johannes Weigelt in der neuen Rümmer der Leipziger „I l l u st r i r t e n Z e i t u n g" (Verlag I. I. Weber). — Das reichhaltige Heft bringt außerdem einen Beitrag über den akademischen Karzer, der nun wohl ber Vergangenheit angeboren wird. — Ferner unterrichtet das Heft u. a. über die Fortschritte des freiwiUigen Arbeitsdienstes in einer Bildreportage „Studenten und Arbeitslose regulieren die Elbe". Dazu kommt der Dildartikel „Satan" (interessant für jeden Hundefreund) und der illustrierte Beitrag „Afrikanische Vision". Aus der Provinzialhauptstadt Er ver- Ok. reinem Brunnenwasser die Krankheitsfälle ursacht worden sind. 2000 Personen im freiwilligen Arbeitsdienst. WSN. Dillenburg, 19. Sept. 3m I Schiffsverkehr freigegeben worden. Die Freigabe hatte sich um einige Tage verzögert, da sich an dem bisherigen Höchster Wehr noch unerwartete Hindernisse cinstcllten, die erst beseitigt werden mußten. Inzwischen hatte sich ein großer Schiffspark an der neuen Staustufe angesammcll. Als die Freigabe durch drei Böllerschüsse angckündigt murbe{ ertönten die Schiffsglocken, die Sirenen heulten, die Anker wurden gelichtet, und endlich^ nach langer Pause, konnten die Dampfer und Schiffe ihren Weg noch dem Obcrmain antreten. Dic_ Arbeiten an dem alten Höchster Wehr sind natürlich noch nicht beendet. Im Laufe der nächsten Zeit werden die noch stehenden Nadelwehrpfeiler geschleift. zirk des Arbeitsamts Dillenburg, umfassend die Kreise Dill und Biedenkopf, sind gegenwärtig 2000 Personen im Freiwilligen Arbeitsdienst beschäftigt. Allgemein ist eine leichte Belebung des Arbeitsmarktes zu verzeichnen, insbesondere in der Metallindustrie im oberen Lahn- und Dillgebiet. Die Herd- und Oefenfabriken, der wichtigste Industriezweig im Arbeitsamtsbezirk Dillenburg, konnten die Belegschaften vergrößern. Bei Notstands» arbeiten konnten 230 Erdarbeiter Beschäftigung- finden. Revolte im Erziehungsheim Limburg. 19. Sept. (WSN.) Am Sonntagabend brach im Erziehungsheim „Schloß Dehrn" infolge politischer Verhetzung eine Revolte aus. Die Zöglinge zertrümmerten Fenster. Türen und Einrichtungsgegenstände und versuchten zu flüchten. Feuerwehr und Landjägerei stellten die Ordnung wieder her. Zahlreichen Zöglingen ist die Flucht gelungen. 5 Rädelsführer wurden verhaftet und ins hiesige Gerichtsgesängnis eingeliefert. Der angerichtete Schaden soll etwa 3000 Mark betragen. Im vorigen Jahr wurde das Heim schon einmal durch Brandstiftung zweier Zöglinge schwer geschädigt. Die Mainschiffahrt wieder frei. WSN. Frankfurt a. M., 19. Sept Heute um 10.30 Uhr ist die neue Staustufe Griesheim für den nicht, was das Schicksal mit ihm vorhatte. war zwar Arzt, aber wenn er ehrlich war, gab er es selber zu: sehr viel Spaß machte ihm dieser Beruf nicht. Er war sozusagen hineingeschliddert, Ein Wohltäter der Menschheit Zum Tode des Nobelpreisträgers Sir Ronald Roß. Don Hans Zager. Oer Paratyphus im Kreis Biedenkopf. WSN. Biedenkopf, 19. Sept. Die Zahl der in Weidenhausen (Kreis Biedenkopf) an Paratyphus erkrankten Einwohner beträgt insgesamt 22. Glücklicherweise sind bis jetzt alle Krankheitsfälle gut verlaufen: Todesfälle sind nicht zu beklagen. Das amtliche älntersuchungsergebnis über die älrsache der Epidemie liegt noch nicht vor, jedoch nimmt die Kreisbehörde an, daß durch den Genuß von un- so fragwürdiges Experiment mit einem so unsicheren Ergebnis — nur an drei Moskitos hatte er das Wechsen seltsamer schwarzgepunkteter Gebilde im Magen beobachtet — als einen großen Erfolg hinzustellen, als den ersten Schritt zum ” boshaft sei" Es ist heiß in Indien, unerträglich heiß, und man muß schon eine übermenschliche Energie besitzen, wenn man in diesen, Klima wissenschaftlich arbeiten will. Noß besitzt sie nicht, aber sein Plus ist eine Degeisterungsfähigkeit seines romantischen Träumer-Herzens, die ihn immer von neuem zur Arbeit hinstöht. Die Zeit vergeht schnell, jetzt ist er schon 40 Jahre alt, und noch hat er nichts erreicht. Die Moskitos erweisen sich als hartnäckiger denn je, sie wollen auf keines der tausend Experimente eingehen, die Noß mit ihnen anstellt Da entschließt er sich, noch ein lehtcsmal anzusangen, aber jetzt ganz von vorn, sorgfältiger und unter Ausschaltung all der Fehlerquellen, die früher bestanden hatten. Er ahnt, daß er ganz dicht am Ziel gewesen ist, daß nur ein Schritt ihn von dem endgültigen Triumph noch getrennt hat. Endlich, im August 1897 blüht der erste Erfolg. Notz kann feststellen, datz im Magen eines gefangenen Moskitos die Malaria-Keime aus dem Blut erkrankter Menschen zu wachsen anfangen, datz sie sich vermehren. Wenn man sich heute den Bericht seiner Experimente durchliest, muh man sich doch ein wenig erschrocken an den Kopf fassen: Woher nahm der Mann den Mut, ein der Floßkanal wird zugcworsen, und auch der Schleusenkanal wird wahrscheinlich beseitigt werden. Letzter Goethe-Besuch aus Italien. WSN. Frankfurt a. TL, 18. Sept. Unter Führung des greifen Vorkämpfers für die deutsch-italieni- fchen Beziehungen Professor Farinelli, des Herausgebers der italienischen Reifebeschreibung des Balers Goethe, traf gestern eine italienische Reisegesellschaft in Frankfurt ein, die sich aus allen Teilen Italiens zu einer Pilgerfahrt zu den deutschen Goethe st ätten zusammengefunden hat. Von hier setzt die Reisegesellschaft ihre Reise fort nach Köln, Wetzlar, Weimar, Leipzig usw. Als ihm die schwedische Akademie den Nobelpreis verlieh, hat sie sich um die "Vergangenheit des Mannes Nonald Notz nicht sonderlich gekümmert Es interessierte sie nur. datz seine Arbeiten den Weg gewiesen hatten, wie man einer der schlimmsten Geißeln der Menschheit, einer Seuche, die ganze Länder unbewohnbar gemacht hatte, beikommen konnte: der Malaria. Der frischgebackene „Sir" Noß aber stand lächelnd und glücklich im Kreise der Gratulanten mit einer Miene, als handele es sich um die natürlichste Sache der Welt, als habe er nie etwas anderes erwartet. Dabei war er alles andere eher als ein Mann der Wissenschaft. Noch als er fast schon das vierte Jahrzehnt seines Lebens beendigt hatte, ahnte er nahen, sicheren Endsieg? Wenn man boshaft sein wollte, könnte man hier das Sprichwort vom blinden Huhn zitieren. Aber das Endergebnis hat Notz ja schließlich doch recht gegeben... Und man darf auch nicht vergessen, datz der Weg, der zu diesem Ergebnis führte, eine Anzahl von Untersuchungen erforderte, die Notz mit genialem Weitblick zu einem klaren Ende führte. War es denn nicht eine geniale Idee, die Malaria des Menschen für eine gewisse Zeit fallen zu lassen und sich nur mit der Malaria der Vögel zu befassen, weil man mit ihnen leichter und gefahrloser experimentieren konnte? War es nicht schon eine große Leistung, daß er den grauen Ndoskito — eine wissenschaftliche Bezeichnung kannte Notz nicht — fand, der einzig und allein imstande ist, die Bogelmalaria zu übertragen. Es beginnt in seinem Arbeitszimmer — Laboratorium wäre ein zu hochtrabender Name für dieses Loch — von Spatzen. Krähen und Lerchen gehr wurde am Sonntagmittag auf dem Friedhöfe zu Lang-Göns eine Trauerfeier abgehalten, die von seilen der Einwohnerschaft der Gemeinde stark besucht war. Nach dem Glockengeläute und dem Vortrag eines Chorals des Posaunenchors (Leitung K. Boller) hielt der Ortsgeistliche Pfarrer Wahl, die Gedächtnisrede. Anschließend folgten Ansprachen und Kranzniederlegungen des Direktors der Lufthansa (Frankfurt a. TL) und verschiedener Vertreter der einzelnen Abteilungen. Für das hessische Kreisamt Gießen sprach Regierungsrat Dr. «chrnidt. Ein Choral schloß die würdig verlaufene Feier. Der Sarg mit dem verunglückten Flugleiter V o n g e h r, der im nächsten Monat das 28. Lebensjahr vollendet hätte, wird feiner Heimat (Ostpreußen) zugeführt werden. ** Besitzwechsel. Der Inhaber des Gießener Glas, und Gebäudereinigungs • Instituts Heinrich Ruckstuhl kaufte vom Wilh. Bach für 5000 Mk. das früher Klebesche Häuschen, Maigasse 4, um dasselbe als Lager für feine Geräte zu benutzen. — Heinrich Ruckstuhl erwarb ferner das Wohnhaus Goethestraße 67 für 30 000 Mark vom Baurat Rudolf Pfaff. (Es handelt sich um ein 4- bis 5- Zimmergebäude.) Der Eifenbahnarbeiter Heinrich Mootz kaufte für 16 000 Mark von Kann Erben, Kaiserallee, das Hinterhaus der Hofreite mit daranliegendem Garten, welcher an die Gutenbergftraße stößt. ** I m Lichtspielhaus. Bahnhofstraße, sieht man seit gestern einen Film unter der Ueberschrist „M adame hat Aus gang", der eigentlich etwas anderes erwarten läßt, als er wirklich ist. Er beginnt so lustspielmähig und fast operettenhaft, wie der Titel verspricht, aber es entwickelt sich unversehens und mit allerlei hübschen Spannungen eine ganz seriöse und sehr rührende Liebesgeschichte daraus. Und noch dazu eine Liebesgeschichte, die nicht gut ausgeht: sie kriegen sich nämlich nicht, sondern es endet ganz „vernünftig" und alltäglich und ein bißchen traurig. Begabte und geschmackvolle Negie von Wilhelm Thiele, dem es stellenweise gelingt, etwas von der Stimmung „sous les toits de Paris“ einzufangen: man begegnet auch Albert Prejean wieder, der dort eine Hauptrolle spielte, hier aber nur einen Schlager zu fingen hat. Das ungleiche Liebespaar: Liane Haid, die man selten so ausdrucksvoll und liebenswürdig spielen sah wie hier; und Drausewetter. frisch, natürlich und jungenhaft, wie man ihn feit langem kennt. Hilde Hildebrand, Ernst Dumcke, Biensfeld und Etlinger sind vom Ensemble zu nennen. •• 25 Jahre V H C. Frankfurt. Der Vogelsberger Höhen-Club (DHC.), Zweigverein Frankfurt a. M., der 1907 von dem verstorbenen Professor Georg Bender (Vater Bender) begründet wurde, begeht am Sonntag. 25. September, in der Loge „Einigkeit" zu Frankfurt, den Zeitverhältnissen und seiner Eigenart entsprechend. schlicht aber würdig, seine 25. Gründungs-Gedenkfeier. Bei der Feier wird Wilhelm D ö r f f le r , der eine sehr hübsch ausgestattete Festschrift über die letzten 15 Jahre des Frankfurter VHE. verfaßt hat, die Festrede halten. Der Begrüßung des Vorsitzenden Otto Faber folgen ein Eesangsvortrag von Kurt Lenz, Vorträge Oer Instrumentalabteilung und Ehrungen. Eine Abendunterhaltung beschließt die Gedenkfeier. Alle VHC.er sind herzlich eingeladen. ' Rückgang der Rundfunkhörer- Zahlen. Obwohl der deutsche Rundfunk in starkem Umfange der wirtschaftlichen Notlage weiter Kreise der Rundfunkhörer Rechnung trägt und die Anträge von Schwerkriegsbeschädigten, Erwerbslosen. Kleinrentnern usw. auf Befreiung von den Gebühren nach Möglichkeit berücksichtigt, sind darüber hinaus eine ganze Reihe von Rundfunkfreunden aus finanziellen Gründen gezwungen. sich den weiteren Gebrauch ihrer Rundfunkeinrichtungen zu versagen. Jedenfalls hat im Laufe des 1. Vierteljahres des neuen Rechnungsjahres 1932/33, d. h. vom April bis End/ Juni, die Zahl der Abmeldungen die der Neuan»eldun- gen übertroffen, so datz der Saldo am 1. Juli erstmalig mit einem Verlust von 48 900 Hörem abschlietzt. Rach dem letzten Stand von 1. Juli waren in Deutschland 4 119 531 Rundfunkhörer amtlich gemeldet (am 1. April 4168 440), von denen 412177 — also rund 10 Prozent — von der Zahlung der Gebühren befreit waren. zu wimmeln. Nicht minder aber von Moskitos. Und siehe da: die Bakterie der Dogelmalaria wächst im Magen der grauen Moskitos genau so wie die der menschlichen im Magen der braunen Moskitos. Also sind die Vorbedingungen gleich. Sind sie es wirklich? Für Rotz Wohl — Robert Koch hätte sich verzweifelt die Haare gerauft, wenn etwa einer feiner Schüler mit einer solchen fanatischen Idee zu ihm gekommen wäre. Roh arbeitet weiter — mit dem Mute der Verzweiflung. In Kalkutta zeigt das Thermometer 50 Grad Eelsius im Schatten. Jeder vernünftige Mensch liegt jetzt in seinem luftdicht abgeschlossenen Zimmer und döst vor sich hin. Nur diese« Narr sitzt über seinem Mikroskop und arbeitet Er mutz wissen, wohin die Bakterien aus dem Magen der Moskitos wandern, ob die Theorie seines Freundes M a n s o n stimmt, daß die Menschen sich nur anstecken können, wenn sie Wasser trinken, das durch die Leichen infizierter Moskitos verseucht ist. Und eines Tages sieht er unter seinem Mikroskop, wie die winzigen Gebilde, die die furchtbare Malaria hervorbringen können, sich aus dem Magen über den ganzen Körper des Moskitos verbreiten, und dann plötzlich — wie auf ein geheimnisvolles Kommando — alle einem Ziele zustreben: der Speicheldrüse des Moskitos! Mit einem Schlage ist Roh der Zusammenhang klar: die Malaria wird durch den Stich der Moskitos übertragen! Er macht die Probe aufs Exempel. Er lätzt einige gesunde Vögel von infizierten Moskitos stechen. Und wirklich, sie bekommen Malaria. Damit hält er seine Arbeit für erledigt. Was kümmert es ihn, datz er in Wirklichkeit nur die Uebertragung der Malaria bei Vögeln nachgewiesen hat, daß er die Bestätigung, ob sich der Vorgang beim Menschen genau so abspielt, einfach schuldig bleibt. Ihm genügt dies Ergebnis. Jetzt heißt es nur noch, die nötige Propaganda zu machen, die Reklametrommel zu schlagen —- und das versteht Rotz meisterhaft. In wenigen Tagen ist sein Name in der ganzen Welt bekannt. England sieht in ihm den würdigen Nebenbuhler von Robert Koch und Louis Pasteur. Vergeblich bemüht sich der gute Doktor Monson, ihn zum Durchhalten zu bewegen. Er ist nicht mehr imstande, nun auch noch den Beweis dafür zu erbringen, datz sich die menschliche Malaria- Mikrobe genau so verhält. Sv muh Roh es denn erleben, datz der Italiener G r a s s i diesen Ruhm für sich in Anspruch nehmen kann, und daß er fast davon in den Hintergrund gedrängt wird. Er wehrt sich mit Händen und Füßen dagegen, es gibt einen jämmerlichen Kleinkrieg mit den beschämendsten Anschuldigungen zwischen diesen beiden Männern, die zusammen die Menschheit von einer ihrer fürchterlichsten Schrecken erlöst haben. Aber auch das geht vorüber. Die Jahre breiten gnädig den Mantel des Vergessens über diese peinliche Affäre. Allzu gnädig möchte man beinahe sagen, denn Roß strebt in Zukunft fo wenig nach äußerem Erfolg, daß er in Not gerat, daß Freunde eine öffentliche Sammlung für diesen Wohltäter der Menschheit veranstalten müssen, der kürzlich seinen 75.Geburtstag feiern durste. Und erst der Tod entreißt seinen Namen wieder der Vergessenheit, in die er erstaunlicherweise versunken war. . , Gießen, den 20.September 1932. Erziehung zur Eßlust. Don Or. meb. Ernst Tanneri. In unserer Zeit wirtschaftlicher Not und Beschränkung der Äinderzahl ist das schlechtessende Kind keine Seltenheit mehr. Es ist eine dauernde Sorge und Belastung für die Mütter und Hausfrauen und stellt im Haushalt eine große Erschwerung dar, da jede Mahlzeit, die von anderen Kindern — fast möchte man sagen, nebenbei — und spielend eingenommen wird, bei dem schlecht essenden Kind zu einer großen Angelegenheit wird. Deshalb lohnt es sich schon, ein paar Worte darüber zu sagen. Kein Zufall ist es daß es sich beinahe immer um einzige Kinder bandelt. Es fehlt ihnen eben beim Essen die Gesellschaft anderer Kinder. Es fehlt das durch sich selbst wirkende beredte Beispiel der älteren oder jüngeren Geschwister, es fehlt die lustige Ge- sellschaft, und das Kind fühlt — selbst oeim geschicktesten Erzieher — daß die Aufmerksamkeit der Erwachsenen irgendwie auf es konzentriert ist, ob es ißt ober nicht. Und das stärkt — unbewußt — feine Opposition. Darum ist das einfachste Mittel — nur leider oft allzu schwer durchzufiihren — das Kind in Gesellschaft anderer Kinder essen zu lassen. Nehmen Sie regelmäßig ein anderes Kind ins Haus, das Ihrem Kind Eß- und Spielkamerad wird, und Sie werden staunen über die Wirkung! Aber leider bleiben noch immer viele Fälle übrig in denen sich diese leichte Abhilfe aus den verschiedensten Gründen nicht verwirklichen läßt. Für diese folgen hier einige kleine Winke, aus denen sich jeder den einen oder anderen für ihn passenden herausnehmen mag. Zunächst: nicht zu viel Mahlzeiten. Bei dem schlecht essenden Kind — wenigstens für eine Zeitlang — die Zwischenmahlzeiten ausschalten, damit es für die großen drei Mahlzeiten (morgens, mittags, abends) mehr Hunger hat. Während des Essens dem Kinde möglichst wenig Beachtung schenken und es sich selbst überlassen. Dazu gehört allerdings oft von seilen des Erziehers viel Geduld und vor allem Geschicklichkeit. Was soll das Kind essen? — Alles! Dom zweiten Lebensjahr an kann es alles essen, was die Erwachsenen auch essen. Dor allem soll man einer Eigenart dieser Kinder Rechnung tragen und das ist ihr Bedürfnis nach pikanten Speisen. Diese Kinder stürzen sich oft geradezu auf anregende Speisen wie zum Beispiel sauren Hering, Sardellen, Sardinen, Räucherwaren und verabscheuen oft geradezu die sogenannten Kinderspeisen. Durch kluges Ausnutzen dieser Geschmacksrichtung kann man oft sehr viel erreichen. Auch gibt es eine große Anzahl von Kindern, die noch viel größer ist, als die Zahl der schlecht essenden Kinder allein, welche einen Abscheu vor Milch haben. Diesen Widerwillen kann man leicht überwinden, wenn man den Kindern die so ungern getrunkene Milch stets vermischt mit Malzkaffes und etwas Zucker reicht. Dieser kleine Kniff wirkt oft Wunder. Daß man Kindern nicht kurz vor den Mahlzeiten Süßigkeiten zum Naschen geben soll, dürfte wohl selbstverständlich sein. So günstig sonst die Schokolade für die Kinderernährung ist, dicht vor den Mahlzeiten ruft sie das Gefühl der Sättigung hervor und nimmt selbstverständlich den Appetit Das Glas kaltes Wasser spielt dieselbe Rolle. Ein kluger und wachsgmer Erzieher kann also selbst in den verzweifeltsten Fällen von Eß-Unlust etwas ausrichten, es kommt nur darauf an, aus den verschiedenen Anregungen gerade das herauszu- suchen, was für den betreffenden Fall das Geeignete ist. Aenderung des DersicherungSgeseheS für gemeindliche Beamte. Die Hessische amtliche Pressestelle teilt mit: Die schwierige finanzielle Lage der Versicherungsanstalt für gemeindliche Beamte hat die hessische Regierung zu Hilfsmaßnahmen veranlaßt, die wegen ihrer Dringlichkeit durch Verordnung des Gesamt- Ministeriums in Kraft gesetzt worden sind. Bekanntlich hatte der hessische Minister des Innern bereits im Mörz 1930 dem IV. Landtag einen entsprechenden Gesetzentwurf oorgelegt, der infolge Ablaufs der Wahlperiode jedoch nicht verabschiedet werden konnte. Inzwischen hat sich, verschärft durch die finanziellen Schwierigkeiten der umlagepslichtigen Gemeinden, die Lage der Versicherungsanstalt weiter verschlechtert. Bei weiterem Zuwarten waren des- halb, wollte man nicht die Umlagen in ganz unvertretbarer Weise heraussetzen, die Ansprüche der von der Anstalt betreuten Pensionäre sowie ihrer Wit- wen und Waisen ernstlich bedroht gewesen. Die nunmehr im Regierungsblatt erschienene Verordnung will dem dadurch vorbeugen, daß sie diejenigen Vorschriften des 1930er Gesetzentwurfs in Kraft setzt, die sich unmittelbar finanziell auswirken. Darüber hinaus hat sich eine Erhöhun g d e r Grundbeträge sowohl bei den gemeindlichen Umlagen als auch bei den Versichertenbeitragen um je 1 Prozent als notwendig erwiesen. Durch die Neuregelung soll mich dem ordentlichen Gesetzgeber die nötige Zeit gegeben werden, sich wegen des vielfach gewünschten organischen Umbaues der Anstalt schlüssig zu werden. ** Silberhochzeit. Arn morgigen Mittwoch, 21. September, feiern die Eheleute Karl Flett und Frau, Seltersweg 55, das Fest der Silberhochzeit. — Aus dem S t a d 11 he a te r b u r e au wird uns geschrieben: Die Zeit mit ihrem Hasten und Jagen fordert ihre Rechte. Die Zeit will den ganzen Maim und kostet Nerven. Und dr^h: wer zieht in diesem Hetzen der Gegenwart den Kürzeren? Ist es nicht die Frau, die in ihrer stillen Häuslichkeit als Mutter und Hausfrau nicht minder die Sorgen der rastlosen Zeit mitzutragen hat? Wer kümmert sich um sie? Wag der Mann durch Berus und Pflichten noch so in Spannung gehalten sein, sucht er in den Tagen der Woche beim Glas Bier, am Stammtisch, im Klub, Verein oder dergleichen nicht doch einige Stunden des Ausspannens und der Erholung? Was bleibt dagegen für die Frau? Einsamkeit, Alleinsein, keine Ablenkung und Zerstreuung — nichts. Tlnd wie einfach und bequem konnte man auch ihr im Jahre einige schone Stunden der Freude und Erbauung verschaffen: im Geiste der Zeit und des Verständnisses für die Frau. Daher jeder Frau ein Theaterabonnement! Bestellungen auf Abonnements nimmt die Theaterkasse jederzeit schriftlich und ab 25. September werktäglich während der Kassenstunden von 10 bis 13 Ähr und von 16 bis 17 -Ahr entgegen. ** Trauerfeier fürVongehr in Sang- Göns. Für den am Samstag früh tödlich verunglückten Flugleiter der Gießener Lufthansa Son« ohne recht zu wissen, wie. Seine Neigungen lagen auf ganz anderen Gebieten. Tausendmal lieber hätte er in England gesessen und Symphonien komponiert oder weltbewegende Dramen geschrieben, als in dem gottverlassenen indischen Nest sich mit schmutzigen, kranken Hindus herumzuplagen. Irgendwelche romantischen Erfolge schwebten ihm in seinen Träumen vor, Erfolge, die ihm den halben Erdfall zu Füßen legen würden, aber er war sich noch gar nicht klar, auf welchem Gebiet er sie erringen würde: der Mathematik, der Dichtkunst oder der Musik. Wenn ihm damals einer prophezeit hätte, datz es die Medizin sein sollte, die einmal seinen Namen unsterblich machen würde, er hätte ihm glatt ins Gesicht gelacht. Natürlich interessierte er sich auch ein wenig dafür, was innerhalb des Reiches seiner beruflichen Tätigkeit vorging, aber es war mehr eine absonderliche Beweglichkeit seines stets unruhigen Geistes als gründliche wissenschaftliche Forschung. In Indien gibt es Malaria, so wie man in Europa den Schnupfen hat. Was Wunder, daß der nicht mehr ganz junge Doktor, als er etwas verspätet von der Entdeckung des Malaria-Keimes durch L a v e r a n erfährt, sich so ein merkwürdiges Ding einmal anschanen will. Aber er bekommt es nicht zu Gesicht, obwohl tausende und aber tausende von Malaria-Kranken um ihn herum sind. Sie kriegen es schon mit der Angst zu tun, wenn sie den englischen Doktor nur in der Ferne sehen: jedem zapft er ein bißchen Blut ab. Änd das tut er nicht immer sehr sanft. Dann untersucht er das Blut, aber seine Kenntnis von den mi k rv s k o pi s ch e n Untersuchungs- methoden ist so gering, daß er trotz aller Mühen nichts finden kann. Das genügt, um den wackeren Militärarzt dazu zu bewegen, daß er in vier langatmigen „wissenschaftlichen" Abhandlungen die Existenz des Malaria-Bazillus völlig ablehnt — jenes Bazillus, der einmal für seinen Nachruhm sorgen soll — und die Erkrankung auf eine Darmstörung zurückführt. Eines Tages kommt plötzlich der älmschwung. Roß ist nach London zurückgekehrt, er hat Indien bis dahinaus satt, er will von seinem „Kurpfuscherberuf"' nichts mehr wissen, er ist jetzt 35 Jahre alt und hält die Zeit für gekommen, um nun endlich etwas „Ordentliches" anzufangen. Da läuft ihm ein Mann über den Weg, der alle seine Entschlüsse über den Haufen wirft, ein Mann, der von einer fixen Idee geplagt ist; datz dieMoskitos die Erreger oder zumindest die Zwischenträger aller möglichen Krankheiten wären. Dieser Doktor Patrick Man- son gilt mit seinem Mosfito-Fanatismus als komisches Original. Kein Mensch nimmt ihn ernst — außer Ronald Roß, der von allen diesen Dingen nicht die blasseste Ahnung hat. Er ist von diesen phantastischen und durch nichts begründeten Theorien hingerissen, irgend ein dunkler Instinkt sagt ihm: Hier ist die Chance deines Lebens, und kurz entschlossen kehrt er wieder nach Indien zurück. Ronald Roß hat jetzt ein Ziel, eine Aufgabe. Neben seiner ärztlichen Tätigkeit machte er sich auf die Moskito-Jagd. Er kennt keines dieser unangenehmen Diester mit Namen. Er weiß nicht einmal, in welche zoologische Kategorie sie gehören, wieviel Arten es gibt und ob sie alle stechen können, er hat nicht die geringste theoretische Vorbildung, aber er ist von einer fixen 3bee besessen und arbeitet daraus los. Blind, systemlos. Er weih jetzt allerdings schon, daß ein Malaria-Bazillus existiert. Den hat ihm der Doktor Manson in Natura gezeigt. Wenn es gelänge, herauszubekommen, wie dieser Bazillus von einem Menschen zum andern kommt, wäre die Menschheit von der Seuche erlöst. Tlnd Ronald Roß wäre ein gemachter Wann... S.Jl.-'SpOTt Deutscher Zuverlässigkeitsflug. 2Im zweiten Flugtag des über vier Sonntage verteilten Deutschen Zuverlässigkeitsfluges, an dem etwa 100 Maschinen beteiligt find, waren die Wetterverhältnisse nicht sehr günstig. Der Start konnte erst um 10.30 Llhr erfolgen. Cs gab dabei verschiedene Ausfälle, so daß am dritten Wettbewerbstage, dem 1. Oktober, noch 94 Maschinen den Flug fortsehen. Dis 18 Llhr wurden von den an der Spitze liegenden Gruppen bei ständigem Führerwechsel etwa 700 bis 800 Kilometer zurückgelegt. Es gab fünf Notlandungen, bei denen die Maschinen beschädigt wurden, glücklicherweise aber die Insassen nicht zu Schaden kamen. An der Spitze liegt zur Zeit die Angestellten-Dereinigung der Deutschen Luftfahrt-Versuchsanstalt in Adlershof vor dem Da- disch-Pfälzischen Luftfahrt-Verein Mannheim, der Akademischen Fliegergruppe der Burschen-- schäft Stuttgart und dem Leichtflugzeug-Klub München. Eintracht — ZSB. 1:3. Zu diesem großen Spiel mußte die Eintracht mit Ersatz für Ehmer und Schütz antreten, sie war also schon von vornherein besonders im Sturm sehr stark gehandicapt. Dieser fand sich auch gar nicht zusammen, vereinzelt wurden wohl technisch sehr gute Leistungen geboten, aber in der Gesamtheit kam er nicht an seine Destform heran. Gut war die Hintermannschaft, Dietrich machte neben Schütz eine gute Figur, fleißig war die Läuferreihe, dagegen zeigte sich Schmidt im Tor verschiedentlich sehr unsicher. Der Sportverein hatte seine etatsmäßige Elf zur Stelle, Llnverwüstlich und das stärkste Rückgrat der Mannschaft war wieder Knöpfle. Sonst waren alle Spieler durch einen unermüdlichen Eifer ausgezeichnet, besonders ragten noch hervor: der groß wehrende Tormarm Wolf und die rasante linke Sturmseite. Das Spiel begann mit beiderseitigen Tastversuchen, wobei die Eintracht etwas im Vorteil lag und auch die gefährlicheren Torchancen herausarbeitete. Sie konnte aber kein Tor erzielen. Aach der Pause fiel schon in der ersten Minute das Führungstor des FSV. durch Schlagbauer. Schaller schoß in der achten Minute den Ausgleich, doch Sportverein war durch Schlagbauer und Heldmann noch zweimal erfolgreich. Heß (Stuttgart) griff zwar manchmal daneben, leitete ober im gesamten gut. Deutsche beim österreichischen Marathonlauf. Reges Interesse hat bei unseren Langstreckenläufern die österreichische Marathonmeisterschaft, die am 25. September vom Wiener Sportklub- Platz nach Tullnerbach und zurück über 42,2 Kilometer ausgetragen wird, gefunden. Richt weniger als acht deutsche Läufer, Hcmnemann- Minden, Albrecht-Berlin, Iaeckel-Saarbrücken, Kreglinger-Wilhelmshaven, Zeilnhvfer-München, Scholz-Zittau, Schöbel und v. d. Planitz -Potsdam haben für die schwere Prüfung ihre Meldung abgegeben. Eine Meldung des Gießener Marathonläufers Paul Gerhardt, der im vorigen Jahre hinter Tuschek den zweiten Platz belegte, liegt bisher nicht vor. Es wäre bedauerlich, wenn gerade dieser fähige Läufer nicht teilnehmen könnte. Aus Ungarn kommen der Ma- vathonmeister Hegedüs und der Zweite, Ze- lenka. Schwimmersiege in Amsterdam. An einem internationalen Schwimmfest in Amsterdam beteiligten sich auch einige deutsche Schwimmer und Schwimmerinnen. Zm 200-Meter-Frei- st i l kamen die Kölner Schwarz und Haas auf den beiden ersten Plätzen ein. Schwarz gewann auch die 100 Meter. Das Wasserballturnier wurde von Poseidon Köln gewonnen. Elfriede Sasserath (Rheydt) belegte im 100-Meter-Rückenschwimmen der Damen nur den dritten Platz. Handball im Gau Hessen (D. T.) Mtv. Gießen 1 — Tv. Wehlar I 3:3 (0:1). Die erste Mannschaft des Gießener Mtv. hatte m dem ersten Spiel auf eigenem Platze in der Kreis-Sonderklasse die gleiche Mannschaft des Turnvereins Wetzlar als Gast. Die Mannschaft der Gäste trat — in Kenntnis der Spielstärke der Gießener — in stärkster Aufstellung an, wogegen die Einheimi- schen ohne mehrere ihrer besten Kräfte, wie Salz, Rehren, Schmidt, Stremmel usw. antreten mußten. Aus diesem Grunde hatte man den Mtvern keine großen Leistungen zugemutet, und besonders in der ersten Halbzeit waren die Wetzlarer stark überlegen Nur den glänzenden Paraden von Lott, im Gießener Tor, ist es zu verdanken, daß die Wetzlarer Turner bis zum Halbzeitpfiff nur einen einzigen Erfolg buchen konnten. In der Mtro.-Mannschaft klappte es nirgends so recht, das Stellungsspiel und besonders das Zuspiel ließ sehr zu wünschen übrig. Demgegenüber spielten die Gäste ausgezeichnet. Das Bild änderte sich etwas zugunsten der Gastgeber, als die Männerturner in der zweiten Halbzeit — nachdem kurz zuvor Wetzlar auf 2:0 erhöht hatte — den ersten Gegentreffer erzielt hatten. Der Sturm wurde jetzt offensiver und auch die Hintermannschaft zeigte ein besseres Deckungsfpiel. Wetzlar erhöhte zwar in der Mitte der zweiten Halbzeit durch einen scharf placierten Strafwurf auf 3:1, doch konnte die flinke Hintermannschaft nicht verhindern, daß der Gießener Sturm nach schöner Kombination den zweiten Treffer erzielte. Als auch noch zwei Wetzlarer Spieler vom Schiedsrichter des Platzes verwiesen wurden, war der Kampfgeist der Gästemann- schaft gebrochen. Die Männerturner lagen jetzt meist in der gegnerischen Hälfte und konnten noch kurz vor Schluß den Ausgleich erzielen. Somit steht in der Gauverbandsgruppe „Lahn" der Kreis-Sonderklasse noch immer Tv. Wetzlar (mit 3 Spielen und 4 Punkten) und Mtv. Gießen (mit 2 Spielen und 3 Punkten) an der Spitze der Tabelle. Punktverluste der Spielvereinigung 1900. Aus Kreisen der Fußballinteressenten wird uns geschrieben: In dieser Fußballsaison dürfte dem Spielausschuß der Spielvereinigung 1900 bewußt geworden sein, daß es in der Gruppe Lahn schwer ist, Punkte zu erringen. Daß bisher der Verein noch nicht gut abschneiden konnte, liegt daran, daß von Sonntag zu Sonntag eine anders formierte Mannschaft die Spiele bestreitet. Den Rachteil dessen hat das letzte Verbandsspiel nachdrücklich bewiesen. Die Elf der Spielvereinigung bedarf einer gründlichen Verjüngung. Es wird notwendig sein, daß zum bevorstehenden Derbandsspiel die stärkste Mannschaft auf ddm Plan ist, die folgendes Aussehen haben sollte: Schlarb: Luft, Zeiler; Gat, Schmidt, Schneider II.; Heilmann, Klingelhöfer, Lippert, Grob, Goebel. Um die Leistungsfähigkeit dieser Mannschaft zu erproben, dürfte es sich empfehlen, diese Mannschaft einmal an einem verbandsspielfreien Sonntag auf ihre Leistungsfähigkeit zu prüfen. Vielleicht genügt es schon, ein ernsthaftes Trainingsspiel gegen die Liga-Reserve (Aufstellung: Fischer: Dlum, Reining: Schomber, Langsdorf, Henrich: Iäckel, Arnold, Schack, Iäger, Best) anzusetzen. Die Spiele dürften dadurch wesentlich an Interesse gewinnen. Die Spielvereinigung 1900 hätte mit einer verjüngten und zum Besseren ergänzten Mannschaft zweifellos weitaus bessere Aussichten auf die Meisterschaft der 1. Bezirksklasse. Abschlußrennen des Radclubs „Germania" 1899. Der Radclub Germania 1899 brachte am Sonntag zum Abschluß der Strahensaison 1932 seine Dereinsrermen zum Austrag, die trotz der schlechten Witterung starke Beteiligung und guten Sport aufzuweisen hatten. Start und Ziel war das Schühenhaus. Clubmeister (1 Kilometer) wurde Heinrich Preis, 2. Anton Faust, 3. Hans Preis, 4. L. Volz, 5. K. Schwenkber, 6. Rob. Rohl, 7. K. Rödiger. Vereinsrennen über 17,5 Kilometer: 1. Sieger: L. Volz (3 Min. Vorgabe): 2. Hans Preis (3. Min. Vorgabe) und K. Schwenkber (4 Min. Vorgabe): 3. Ant. Faust (vom Mal): 4. Hch. Preis (desgl.): Rob. Rohl ausgeschieden. Beste Zeit: Ant. Faust (30,40 Min.) Iugendrennen über 10 Kilometer: 1. E. Sommer, 18,50 Min.: 2. L. Conrad: 3. Frdl. Cü- sters: 4. R. Görnert: E. Haas wegen Defekt aus- geschieden. Das für den Rachmittag angesetzte Abfahren nach Kloster Arnsburg wurde, da die letzte „®au- fahrt" auf diesen Sonntag vorverlegt wurde, in Verbindung mit dieser nach „Staufenberg" gefahren. Kurze Sporinotizen. Der polnische Olympiasieger Ku- s o c z i n s k i sollte Sonntag in Warschau gegen die Finnen Lehtinen und I s o h o l o starten: die Finnen kamen aber zur großen Enttäuschung des Publikums nicht. Kusoczinski gewann dann ein 3000-Meter-Lausen gegen schwache Konkurrenz in 8:40,4. Die Siege der deutschen Leichtathleten. Der vergangene Sonntag brachte — wir berichteten bereits darüber — einen Zweifrontenkampf der deutschen Leichtathletik. Ueberlegen blieben die deutschen Sieger. Nachstehend die Ergebnisse. (Bei den Ergebnissen des Kampfes Deutschland — Frankreich bedeutet der Buchstabe D hinter den Namen Deutschland, F jeweils Frankreich. Im Kampf gegen die Schweiz bedeutet D ebenfalls Deutschland und Sch Schweiz.) Deutschland - Frankreich in Dortmund. 1 0 0 M e t e r: 1. Jonath-D. 10,8; 2. Borchmeyer- D. 10,9; 3. Rousseau-F. 11; 4. Jalabert-F. 11,4 Sek. 2 00 Meter: 1. Borchmeyer-D. 22; 2. Rousseau- F. 22,5; 3. Hendrix-D. 22,7; 4. Robert Paul-F. 22,7 Sek. 400 Meter: Voigt-D. 48,2; 2. Metzner- D. 48,8; 3. Guillez-F. 50,0; 4. Zackson-F. 50,3 Sek. 80 0 Meter: 1. Keller-F. 1:54,8; 2. Paul-D. 1:55,2; 3. Eharavelle-F. 1,56; 4. Lefebre-D. 1:56,2 Min. 1500 Meter: 1. Schilgen-D. 4:00,6; 2. S6ra Martin-F. 4:00,8; 3. Dr. Peltzer-D. 4:01,4; 4. Des- roches-F. 4,10 Min. 5 0 0 0 Meter: 1. Syring-D. 15:09,2; 2. Laforge-F. 15,12; 3. Schaumburg-D. 15:19,2; 4. Morier-F. 15:26,2 Min. 110 Meter Hürden: 1. Beschetznik-D. 15,2; 2. Welscher-D. 15,3; 3. Bernard-F. 16; 4. Adelheim-F. 16,3 Sek. Weitsprung: 1. Robert Paul-F. 7,22; 2. Mölle-D. 7,16; 3. Darlier-F. 7,01; 4. Sievert-D. 6,79 Meter. Stabhochsprung: 1. Müller-D. 3,90; 2. Bintousky-F. 3,70; 3. Born-D. 3,60; 4. Ra- madier-F. 3,50 Meter. Hochsprung: 1. Born- Höft-D. 1,81; 2. Phillipon-F. und Dr. Betz-D. je 1,80; 4. Porein-F. 1,75 Meter. Speerwerfen: 1. Gerdes-D. 60,70; 2. Gaß- ner-F. 57,05; 3. Stoschek-D. 55,51; 4. Doret-F. 54,13 Meter. Kugelstoßen: 1. Sievert-D. 14,91; 2. Noel-F. 14,50; 3. Duhour-F. 14,47; 4. Berg-D. 14,41 Meter. Diskuswerfen: 1. Winter-F. 48,51; 2. Noel-F. 45,47; 3. Sievert-D. 44,35; 4. Kilo-D. 41,14 Meter. 4X100 = Tie ter: 1. Deutschland (Hendrix, Buthe-Piper, Borchrneyer, Jonath) 42; 2. Frankreich 42,8 Sek. 4 X 400-Met er: 1. Frankreich 3:22,2 Min.; 2. Deutschland 8 Meter zurück. Gesamtergebnis: 1. Deutschland 87; 2, Frankreich 64 Punkte. Deutschland - Schweiz in Weimar. 100 Meter: 1. Gillmeister-D. 10,9 Sek. 2. Äörnig-5). 11 Sek. 3. Dogel-Sch. 11,1 Sek. 4. Goldsmith-Sch. 11,3 Sek. 2 0 0 Meter: 1. Gill- meister-D. 23,0 Sek. 2. Körnig-D. 23,6 Sek. 3. Dogel-Sch. 23,7 Sek. 4. Goldsmith-Sch. 23,8 Sek. 400 Meter: 1. Pöschke-D. 50,4 Sek. 2. Klupsch- D. 50,8 Sek. 3. Goldsarb-Sch. 51,6 Sek. 4. Scherr- Sch. 61 Sek. 800 Meter: 1. Engelhardt-D. 2:02,6 Min. 2. Pochat-D. 2:03 Mim 3. Schwe- bel-Sch. 2:03,4 Min. 4. Schuler-Sch. 2:03,4 Min. 1500 Meter: 1. Pahwahl°D. 4:15 Min. 2, Hellpapp°D. 4:15,4 Min. 3. Hänni-Sch. 4:20 Min .4. Eha-Sch. 4:22,4 Min. 5000 Meter» 1. Kohn-D. 16.12,2 Min. 2. Gardineaux-Sch. 16:15,1 Min. 3. Böhmert-D. 4. Wehrli-Schweiz. llOMeterHürden: 1. Wegener°D. 15,6 Sek. 2. Ruckstuhl-Sch. 15,7 Sek. 3. Thymm-D. 4. Mägli-Sch . Stabhochsprung: 1. Wegener-D. 3,90 Meter 2. Schulz-D. 3,70 Meter. 3. Meier-Sch. 3,60 Meter. 4. Stalder-Sch. 3.40 Met. Weit- sprung: 1. Diebach-D. 7.18 Met. 2. Knopf- Schweiz 6,95 Met. 3. Gesser-D. 6,94 Met. 4. Plueß-Sch. 6,52 Meter. Hochsprung: 1. Riesen-Sch. und Döwing-D. je 1,80 Met. 3. Dorme- der-D. und Eggenberg-Sch. je 1,75 Meter. Kugelstoßen: 1. Hirschfeld-D. 15,45 QKeL 2. Seraidaris-D. 14,26 Met. 3. Zeli-Sch. 13,74 Meter. 4. Ruesch-Sch. 13,13 Met. Diskuswerfen: 1. Hirschfeld°D. 42,65 Met. 2. Dachmann-Sch. 40,05 Met. 3. Seraidaris-D. 39,65 Meter. 4. Centurbia-Sch. 38,21 Met. Speerwerfen: 1. Weimann-D. 64,48 Met. 2. Eberle- Deutschl. 61,43 Met. 3. v. Arx-Sch. 54,16 Met. 4. Iundt-Sch. 53,95 Met. 4x 1 00-M'e ter : 1. Deutschland (Körnig, Dent, Diebach, Gillmeister) 43,7 Sek. 2. Schweiz 44,6 Sek. 4xl00-Meter: 1. Deutschland 3:28,6 Min. 2. Schweiz 3:45,4 Minuten. Gesamtergebnis: 1. Deutschland 91 Pkt«, 2. Schweiz 45 Punkte. Wirtschaft. • Südwe st deutsche Möbelmesse in Frankfurt a. M. An der diesjährigen Süd- westdeutschen Möbelmesse in Frankfurt a. M. beteiligen sich etwa 300 Aussteller, die eine Fläche von etwa 8000 Quadratmeter belegt haben. Die Messe, die vom 18. bis zum 21. September 1932 dauert, hatte am Eröffnungstage einen Desuch von rund 4500 Interessenten aufzuweisen, die hauptsächlich aus Süd- und Südwestdeutschland, Mitteldeutschland und dem Saargebiet stammten. Die ausländischen Desucher — aus Holland, Del- gien, Oesterreich und der Schweiz — stellten etwa 5 Prozent der Gesamtzahl dar. Das geschäftliche Ergebnis des ersten Tages kann als sehr befriedigend, teilweise sogar als gut bezeichnet werden. Diele Aussteller sprachen sich dahin aus, daß sie am Sonntag bessere Ergebnisse erzielt Hätten, als auf der ganzen Leipziger Herbstmesse. Das Geschäft am Montag wurde bei ettva 1500 Desuchern als befriedigend, wenn auch nicht als ganz so gut wie das des Eröffnungstages, bezeichnet. * Der deutsche Schweinebestand am 1. September 19 32. Rach Mitteilung des Statistischen Reichsamtes ist bei der Schweinezählung am 1. September d. I. ein Gesamtbestand von 24,2 Millionen Tieren ermittelt worden. Gegenüber dem Septemberbestand des Vorjahres ist somit die Gesamtzahl der Schweine um 1,2 Millionen = 4,6 v. H. zurückgegangen. An dem Rückgang sind in der Hauptsache die unter 1/2 Iahr alten Schweine beteiligt. Die Destands- verringerung beträgt bei den Ferkeln (unter acht Wochen alt) 479 000 Stück = 7 t>. H., bei den über acht Wochen alten Iungschweinen 640 000 Stück = 5,8 v. H. Don den über i/2 Iahr alten Schweinen hat der Bestand der 1 Iahr alten und älteren Tiere ebenfalls einen Rückgang, und zwar um 98 000 Stück — 4,5 v. H. erfahren, während bei den i/2 bis noch nicht 1 Iahr alten Schweinen noch eine Zunahme (um 44 000 = 0,8 v. H.) zu verzeichnen ist. Die Zahl der Zuchtsauen hat in beiden Altersklassen abgenommen. An jüngeren Zuchtsauen ergibt sich eine Destandsabnahme gegenüber September 1931 um 52 000 Tiere, darunter an trächtigen Sauen um 21 000 Stück. Bei den über 1 Iahr alten Zuchtsauen wurden rund 102 000 Tiere — 6 v. H. weniger gezählt als zur gleichen Zeit des Vorjahres, wobei die Zahl der trächtigen Sauen um 70 000 Tiere — 7,8 v. H. zurückgegangen ist. Des Bestand an übrigen Schweinen (Schlachtschweinen beider Altersklassen) ist gegenüber dem Vorjahre um insgesamt 102 000 Tiere — 2 v. H. größer; die Zunahme entfällt fast ausschließlich auf die jüngeren Tiere (i/2 bis 1 Iahr alt). * Rumänische Maßnahmen gegen eine deutsche Einfuhrkontingentie- rung. Die der rumänischen Regierung nahestehende „Lupta" bringt die Meldung, daß man im rumänischen Industrie- und Handelsministerium beschleunigt an der Sammlung und Prüfung des Materials für die Einfuhrkontingentierung arbeite, um diese in Kürze durchzuführen und erforderlichenfalls die möglicherweise bevorstehenden Kontingentierungsmahnahmen Deutschlands mit Gegenmaßnahmen beantworten zu können. frankfurter Abendbörse uneinheitlich. Frankfurt a. M., f9. Sept. An der Abendbörse herrschte auf den Aktienmärkten große Geschäftsstille, und die Spekulation schritt mangels Anregungen und wegen der unsicheren innen- und außenpolitischen Lage zu weiteren Glattstellungen. zumal auch von den Auslandsbörsen, die meist in schwächerer Tendenz verkehrten, keine Anregung ausgehen konnte. Die Emähigung des Privatdiskontsahes um 0,5 Prozent auf 4 Prozent und die bevorstehende Senkung des Reichsbankdiskonts boten insofern eine Stühe, als die Abschwächungen nur kleines Ausmaß hatten. Es kamen zunächst nur sehr wenig Papiere zur ersten Rotiz, die gegen den Berliner Schluß aber von 0,5 bis 1 Prozent niedriger lagen. Montan- und Clektrowerte blieben relcktiv behauptet. Rur AEG. waren nach dem Anstieg im Mittagsverkehr angeboten und gaben im freien Markt etwa 1 Prozent nach; später kamen sie mit minus 0,75 Prozent zur amtlichen Rotiz. Im Verlaufbröckelten die Kurse weiter leicht ab. Im Gegensatz zum Aktienmarkt stand des Rentenmarkt, an dem regeres Geschäft in Alt- besih- und Schuhgebietsanleihe zu verzeichnen war. Altbesitz zogen etwa 0,5 Prozent an, Schuhgebietsanleihe blieben gut behauptet. Auch Gold- und Liquidationspfandbriefe sowie Kommunalobligationen lagen in Erwartung der Diskontsenkung erneut um 0,5 Prozent höher. , Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zutetzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 vH. Lombardzinsfuß 6 o. H. Franlfuri a. M. Schluß- kurs Schlußk. Abendbörse Echluß» lurs Schlußk. Mittagbörse Oalum 17.9. 19.9. 17.9. 19.9. 6% T-.upche Reichsantethe v.ISL, 67,2 67,5 67 67,25 6% ehcm. 7%Tt. Reichsanl. B.1929 76,25 76,13 76 75,9 5’4% Doung-Anleihe von 1930 . Deutsche Anl.-Ablüs.-Schuld mti 63,5 63,5 63,25 63,25 Auslos.-Rechten...... 54.9 55,25 54,75 55,1 Desgl. ohne AuSIos.-Rechte . . 6% ehem 8%Hejs. Bolksstaat 1929 7 7,05 7,05 7,05 (turfsahlb. 102%)...... — 61,25 62,5 61,25 Oberhessen Prooinz-Anleihe mti AuSlos.-Rechlen...... Deutsche Komm. Cammelabl. 52 — — — Anleihe Serie 1...... 6% ehem. 8% Franks. Hyp^BanI 50,4 — 49,9 50,5 Golvvie. 15 unkündbar bis 1935 6% ehem. 7% Franks. Hhp.-Banl 72,25 73,25 — — Golvp>e 16 unkündbar bis 1936 —— 73 —— 6’/t% ehem. *Y*% Franks.Hyp.- Bank Liqu. Pianvbriese . . . 6y,% ehem. Rheinische 78,9 79 — — Hvv-Bank-Ltau.-Goldpsc. . . 6% ehem. 8% Pr. Landespsand- 78,5 78,5 — — brtesanstau Pfandbriefe R. 19 6% ehem. 7% Pr. Landespsand- 70,5 70,1 70 70,25 briesanstatt. Pfandbriefe R. 10 70,5 70,5 — — 4% Oesierrclchische Goldrenle . 10 10 4,20% Österreichische SUberrente 1,25 1,3 1,35 4% Ungarische Goldrente .... 7,5 7,5 7,5 7,45 4% Ungarische SlaatSrente v. 1910 7 7 6,9 6,9 4y2% desgl. von 1913..... 5% abgest. Goldmexikaner von 99 — 6,05 6,3 6,75 7 7 7,13 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbabn-Anleilx 3.9 3,75 3,9 3,75 Serie!......... 4% desgl. Serie li...... 4 6,1 4 4 6,5 4,35! 4,25 3,9 6,7 5% Rumän. vercinh. Rente v. 1903 6,5 4H%RumünHereinh.Rcntev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente 11,35 5,6 12,15 5,7 11,5 5,6 12 5 5 2*% Anatolier...... 18,9 ! 18,75 18,65 18,9 Frankfurt a.M. Berlin Gchluß- kurs Schlußk. Abendbörse Schluß- kurs Schlußk. Mutag- börle Datum 17.9. 19.9. 17.9- 19.9. vamburg-AmeMa Paie. . t Hamburg.Südam.Dampsschisj. o Hansa Dampsjchisj . . . , Norddeutscher Lloyd.....i A.G. für Verkehrswesen Akt. . o Berliner Handelsgesellschaft . 4 Commerz, und Privat-Ban« . o Darmstädter und Nationalbank o Deutsche Bank und Disconto-GeseUschait . . o Dresdner Bank...... o Reichsbank . . y A.E.G. . . . o Bergmann.........o Elektr. LieferungSgesellschasl. 5 Licht und Krast...... 6 Felten & Guilleaume.... 0 Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen ... 4 Rheinische Elektrizität ... 5® Schuckert L Co....... 0 Siemens L Halske..... 9 Lahmeyer LCo....... 10 Buderus..........4 Deutsche Erdöl.......5 Gelsenkirchener.......b Harpcner..........0 Hoesch Eisen.........6 Ilse Bergbau.......10 Ilse Bergbau Genüsse..... »lölknerivctte........6 Mmmesmann-Röhren .... 6 ManSfelder Bergbau.....0 Oberschles. Kokswerke .... 8 Phönix Bergbau......4',i Rheinische Braunkohlen... 10 Rheinstahl .....fl 18,9 19,5 43 91 56 76 63,5 130,5 31 73,5 87,25 59,75 76,5 71 79,25 139 119,5 40,5 79 43,75 78,25 99 36 57,5 24,25 27,75 177,5 71 19 20 44 91 56 75,75 63,5 130 33 — 71,5 87,5 60,5 74,5 71,5 79,25 139 116 40 78 43 77,5 99 36,5 56,75 24 26,75 177 69 18,65 33 19,4 43,13 91 56 76 63,5 131,13 31,25 21 72,75 87,75 60,9 75,65 72,75 79,4 139 117,5 40,5 78,25 43,9 78,25 38 36,65 57,5 23,4 40,5 27,65 176 70.25 18,9 32,75 19.9 43,9 91 56 75,75 63,5 130,5 33,75 20,75 71,5 87,5 60,5 74,9 73 78,75 138 117 40 77,5 43 77 38,25 132 36,75 56,9 24,25 40 26,9 176,5 69.4 Zranksuri a. M. Berlin Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schluß« kurs Schlußk. Mittag- börfe Datum 17.9. 19.9. 17.9. 19-9. Rtebect Montan......7/. — — — — Bereinigte Stahlwerke . . . . O 21 20,5 21,4 20,9 Lkavi Minen..... . O 17,5 18 18,25 17,75 Kaliwerke Aschersleben ... 6 110 109 110 109 Kaliwerke Westeregeln ... 6 114,5 115 115 —— Kaliwerke Salzdetfurth ... 9 174 176.5 175 I. G. Farben-Jndustrie ... 7 102,13 101 101,9 101,5 Scheideanstalt.......1' 135,5 134,75 — — Goldschmidt.........0 30 30 30,4 30,25 Rütgerswerke........u Metallgelcllschaft.......0 42 43 42,4 43,25 39 38 39,4 38 Philipp Holzmann......O Zementwerk Heidelberg. ... 4 Cementwerk Karlstadt.....O 55 55,5 54,5 55,4 54,25 53,5 — — 50 50 — — Waytz & Freytag . . . . O 5,13 5,75 — 5,75 Schultheis Patzenhofer ... 0 Atu WCefent A Beschleunigung außgetäum1 Moment der \ der tveltwirtsch schatten wurde Ganz und gc wenn in der . Weise ein Zus honen und der Welche Kor gewährt wordr l'chen Anspr selbst wiederhol rationen qefori Weltwirtschaft haben? Iah § Welt verbreitet einer völligen °uf sic pelbon nicht der '°udern umgekeh Sung einer Fra; L Spruch < anderen Gebiete' „ ^uannehmbar ner Passus der L^Ärüstunc ULAller j diese ssÄ si»* tere auch M.S H k£tn' hebt^dird -flichN d sollten ^8e. Muhte f?9 un & "i<6 L°!,n*®eÄe bare von Men Rainer ^9(a ?lt ^n Kegen --"m. Tg.Kchti öaben z lächle btt ib^^ten 5