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Ruch Gold« sowie Kommun hing der Dlskont i höher- jranffu^l «,15 75 60 14,68 16-« 168-8! 0 2,g 74-75 80.9’ 34-08 58.3 75,90 14.6} 16.5! 169,54 21-Ö 73-65 75.05 81-^ 34->' TW 52,to 12,485 3,00 169F 73-2 75,?3 75,08 14,66 0,91 4.2,7 58./ 21,Ö 14-2 lb» JWJ 11-98 1.001 0,311 6,406 13,34 "7294 51.95 12,465 3F 169-23 73.53 75,77 74.92 14-62 0,908 ■ 4,209 58.31 21-61 16.49 81,1} 34.17 81.« 0-Z 13-32 L -M Nr. 221 Erstes Blati 182. Jahrgang Dienstag. 20. September 1952 MtzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dmd und Verlag: vrühl'fche llniver^rüts-vuch- unö Steinöruderei R. Lange in Gießen. 5chriftlettnng und Geschäftsstelle: Zchnlstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspsennig; für Ne- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennitz, Platzvorschrift 20° , mehr. Chefredakteur- Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Bietzen. Erschein» täglich, autzer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Siebener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monat,-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschlüsse anter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Siehe», postschecttonio: Frankfurt am Main 11686. Die Reichsregiening und der Wahlkamps. Auf falschem Weg. Es ist die erstaunliche und seltene Tatsache zu verzeichnen, das) sich eine bedeutsame außenpolitische Kundgebung der englischen Regierung i m Gegensatz z u der überwiegenden Meinung der englischen Oeffentlich- keit stellt. Ganz abgesehen von den diplomatischen Eingezogenheiten der überreichten Rote, die mit Entschiedenheit Zurückweisung verdienen, ist dieser neue Schritt in der Rüstungsfrage auch von den Gesichtspunkten der englischen Politik schwer zu begreifen. Die grundsätzliche Anerkennung der deutschen Wehrfreiheit — bei zeitlicher Beschränkung durch eine Verpflichtung, die zunächst eine tatsächliche Aufrüstung ausschließen würde — hätte den angelsächsischen Mächten ein wertvolles Druckmittel gegen den französischen Ilebermilitorismus und gegen die zähe «Sabotage der Abrüstung gegeben. Das Ziel, das den Engländern in Wirklichkeit vorschwebt, ist nach den Erfahrungen von 13 Jahren nicht aus den Wegen zu erreichen, die die englische Rote weist. Glaubt denn die englische Regierung im Ernst noch an die Erfolgsmöglichkeit der Abrüstungskonferenz, um deren Rettung man sich jetzt so eifrig bemüht? Jedenfalls zeigt sich nun schon mit aller Deutlichkeit das Eine, dah die deutsche Ankündigung des Austritts zu der lleberlegung auf der anderen Seite führen muhte, dah irgend etwas für uns getan werden muh. Tiber mit Versprechungen und faulen Kompromissen können wir uns nicht weiter absinden lassen. Es muh schon dabei bleiben, was die deutsche Regierung - gesagt hat: ohne grundsätzliche Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung und Wehrfreiheit kommt eine deutsche Mitarbeit an den Ab- rüstungsverhandlungen nicht mehr in Frage, eben, weil ohne diese Anerkennung die weitere Arbeit sinnlos und ohne Hoffnung auf durchgreifenden Erfolg ist. Wenn die englische Rote in aufreizend schulmeisterlichem Ton die Frage stellt, ob die deutsche Forderung zu diesem Zeitpunkt angebracht war, so kann die Antwort nur lauten, dah sie eigentlich niemals zeitgemäher war. Wenn die Hoffnung begründet ist, dah die Weltwirtschaft nun bald vom tiefsten Punkt der Krise den Weg der Erholung beschreiten wird, so muh gerade tit diesem Augenblick und mit möglichster Beschleunigung der grohe politische Gegensatz ausgeraum t werden, der als entscheidendes , Moment der politischen Unsicherheit den Weg der weltwirtschaftlichen Erholung dauernd beschatten würde. Ganz und gar nicht anerkennen können wir es, wenn in der englischen Rote in unnatürlicher Weise ein Zusammenhang zwischen den Reparationen und dem Rüstungsthema konstruiert wird. Welche Konzessionen sind denn Deutschland gewährt worden auher denen, auf die es rechtlichen Anspruch hatte? Hat nicht Macdonald selbst wiederholt völlige Streichung der Reparationen gefordert, weil die Tribute die ganze Weltwirtschaft an den Rand des Ruins gebracht haben? Dah Deutschland trotz der in der ganzen Welt verbreiteten Ansicht von der Rotwendigkeit einer völligen Streichung der Tribute neue L a st e n auf sich genommen hat, war eine Konzession nicht der Gläubigerstaaten an Deutschland, sondern umgekehrt. Außerdem kann die Vereinigung einer Frage des Rechts nicht den moralischen Anspruch geben, einen Verzicht auf einem anderen Gebiete zu fordern. Unannehmbar ist vor allem für Deutschland jener Passus der englischen Rote, in dem erklärt wird, dah das bisherige Versagen der Alliierten bei der Abrüstung bic bindende Kraft des Teiles V des Versailler Vertrags mit seinen einseitigen Abrüstungsbestimmunaen nicht beseitige. Bei der Ausstellung dieser These dürfte Frankreich sehr aktiv mitgewirkt haben. Rur Frankreich hat es bisher vermocht, fundamentale Rechtsgrundsähe in Versailler Rechtsgrundsähe umzubiegen. Frankreich kann sich von der irrigen Auffassung nicht befreien, dah das Recht, das ewig ist, dem Versailler Vertragsrecht untergeordnet bleiben müsse, einem Zweckräht, das in der Siegerpsychose der Rachkriegsmonate gegen den Willen Wilsons und . Lloyd Georges geschaffen wurde, wenn der letztere auch erst heute den Mut zum rückhaltlosen Eingeständnis gefunden hat. 3m Versailler Vertrag haben die Alliierten die 1 Verpflichtung zur Abrüstung nach dem Vorbild der erzwungenen deutschen Abrüstung übernommen. Diese Verpflichtung haben sie nicht erfüllt, sondern sind in Verzug gekommen. Das gesteht England auch ein. Setzt sich aber ein 1 Vertragspartner dem andern gegenüber in Verzug. dann wird der Vertrag nichtig und enthebt auch den anderen seiner Verpflichtungen. Die Leistungen des Vertrags । sollten Zug um Zug geschehen. Deutschland ' muhte beginnen und hat erfüllt. Die Alliierten aber haben nicht erfüllt und damit Deutschland freie Hand gegeben. Daran ist nicht zu deuteln, solange Menschen auf dem Rechtsboden stehen. Es wäre von England eine direkte Verletzung des Versailler Vertrags, wenn es sich dieser Auffassung entgegenstellt, denn es nimmt ihm damit den Charakter eines Vertrages, der darin liegt, dah er wie jeder andere Vertrag nach allgemeinen Rechtsgrundsätzen ausgelegt werden j kann. Tatsächlich scheint England die Absicht zu haben, die klaren Abrüstungsbestimmungen des Artikels V des Versailler Vertrages durch eine mehr als spitzfindige Auslegung unwirksam machen zu wollen. Damit würde es aber der Sache einen schlechten Dienst erweisen uni> vor allem der ihm zugefallenen Rolle als Vermittler empfindlich schaden, denn der Makler darf nicht i in so einseitiger Weise Partei ergreifen. 0er 6. November zum Wahltag bestimmt. Tank des Reichskanzlers für vielseitige Zustimmung zum Rcgierunc.sprogramm. B e r l i n , 20. Sep. (IDIB. Junffprudj.) Reichspräsident von Hindenburg hat durch Verordnung vom heutigen Tage bestimmt, dah d i e Neuwahl des Reichstags am 6. November 19 3 2 staltfmdet. Von der Reichskanzlei wird ferner mitgeteitt: Dem Reichskanzler sind aus Aniah des durch Rundfunk verbreiteten Regierungsprogramms eine so ungemein grohe Anzahl von Zustimmung s e r k lö r u n g e n aus allen Teilen des Landes zugegangen, dah er sich zu feinem Bedauern außerstande sieht, sie alle persönlich zu beantworten. Er übermittelt daher auf diesem Wege seinen herzlichen Dank allen denen, die sich in der Rot des Vaterlandes mit heihem Herzen a l s Kämpfer in d i e Reihen der Front „TU i k Hindenburg für Deutschlands Erneuerung" stellen. 0ie Kabinettssitzung. Wirtschaftsfragcn. — Der Bayernbesuch. Ein Wahlaufruf. Berlin, 20. Sept. (IU.) Das Relchskabl- nett Hal sich am Montagnachmittag, wie angekündigt, mit der Kontingentierungsfrage, der 3 l n 9 f t a g c und weiteren hilfsmahnahmen für die Landwirtschaft beschäftigt. Beschlüsse wurden nicht gesaht. Berlin. 19. Sept. (TU.) Die „Tägliche R u n d s ch a u"f die feit kurzem in den Besitz des „Tat"-Kreises übergegangen ist, schreibt zu der englischen Erklärung zur Gleichberechtigungsfrage u. a.: Es besteht ohne Zweifel die Möglichkeit, daß Frankreich angesichts der unerwarteten englischen Unterstützung uns vor den Völkerbundsrat zu zitieren versuchen wird, wenn wir nicht reumütig an den gemeinsamen Adrüstungstisch zurückkehren. Bei Macdonalds Einstellung, wie sic sich in der Sonntags-Erklärung dokumentiert, darf es nicht von vornherein als ausgeschlossen gelten, daß England sich einer derartigen Aktion an sch ließt. Sollte etwas Derartiges auch nur in Aussicht stehen, so gibt es darauf nur eine einzige Antwort: Deutschland muß dann sofort seinen Austritt aus dem Völkerbünde anmelden und innerhalb der zweijährigen Frist bis zum Wirksamwerden der Austrittserklärung sein Desinteressement an allen Arbeiten des Bundes erklären wie das aus anderen und weit weniger wichtigen Anlässen Spanien und Brasilien zeitweise getan haben. Wenn neben Frankreich auch England sich auf den Boden des zweierlei Späte Erkenntnis. Der „Berliner Börsen-Courier" veröffentlicht einen Artikel des ehemaligen englischen Ministerpräsidenten Lloyd George, der bekanntlich einer der Urheber des Versailler Vertrages ist. Lloyd George schreibt u. a.: Vier Männer sind in erster Linie für die Abfassung des Vertrages von Versailles verantwortlich, der den größten Krieg der menschlichen Geschichte beendigte: Herr Clemcnceau, Präsident Wilson, Herr Orlando und ich. Als die deutschen Delegierten ihre natürlichen Bedenken vorbrachten, diese das „Vaterland" zu völliger Hilflosigkeit inmitten einer waffenstarrenden Welt verurteilenden Bedingungen anzunehmen, schrieb ihnen Herr Elemenceau auf das Ersuchen seiner Kollegen hin einen Brief, in dem den Deutschen zugesichert wurde, daß die deutsche Entwaffnung als ein Vorspiel einer generellen Herabsetzung der R ü st u n - a e n zu gelten habe. Diese Zusage kommt auch in dem Vertrag über den Völkerbund zum Ausdruck, Sie ist von allen Unterzeichnern d e s Versailler Vertrages angenommen und durch ihre Parlamente ratifiziert worden. Als einer der beiden Hebedebenben nehme ich keinen Ansioh, mir die deutsche Auffassung zu eigen z u machen, die dahin geht, dah die Siegernationen schamlos die Treue in der Rüstungsfrage ge- brachen haben. Die deutsche Revolte gegen diesen Treubruch ist nicht eine plötzliche Aus- Wirkung der nationalen Leidenschaften, angefacht durch skrupellose Agitatoren oder tückische 3n den fiabinettsäeratungen haben, wie der „Berliner Börfen-dourier" mitteilt, auch die Besprechungen eine Rolle gespielt, die der bayerische Ministerpräsident Dr. Held und Staatsrat Schüsse r am vormittag mit dem Reichskanzler hatten. Bei den Verhandlungen mit den beiden Herren habe sich das Bestreben gezeigt, nach Möglichkeit in absehbarer Zeit mit der Reichsregierung ; u einer Verständigung z u gelangen. Ls werde sowohl seitens maßgebender Stellen der Reichsregierung wie auch aus bayerischen Kreisen versichert, dah die Aussprache einen durchaus harmonischen verlaus genommen habe. Die Reichsregierung insbesondere sehe mit Inter- elfe den weiteren Mahnahmen entgegen, die möglicherweise von Bayern im R e i ch s r a I zur Inangriffnahme der Reichsresorm ergriffen würden. Die Unterhaltung papens mit den bayerischen Vertretern hätten ebenso die Zustimmung der Reichsregierung gefunden, wie feine Aussprache mit den Präsidenten des Preußischen Landtages, K e r r t, gelegentlich dessen Vortrages beim Reichspräsidenten. „Börsenzeitung" und „DAZ." berichten weiter, dah die Reichsregierung in ihrer gestrigen Kabi- nctlssitzung die Veröffentlichung eines Wahlaufrufes beschlossen habe, der die offizielle Stellungnahme im Wahlkampf enthalten und noch einmal die Gründe umreihen soll, aus denen heraus die Reichsregierung den Lntschluh zur Reichstagsauflösung und zur Ausschreibung von Reuwahlen fahle. Der Aufruf werde ferner die Mahnung an die Parteien richten, den Wahlkampf mit größter Zurückhaltung und unter Wahrung von Ordnung und Ruhe zu führen. Rur unter dieser Voraussetzung sei ein planmäßiger Ablaus der Wahlen gewährleistet. Rechtes ernsthaft stellen zu sollen meint, verliert die ganze Völkerbundsinstitution für Deutschland den letzten, wahrscheinlich nicht mehr großen Rest von Interesse. Stellt man dabei in Rechnung, daß außer Amerika und Rußland, die dem Bunde niemals angehört haben, Japan mit dem Gedanken des Austritts sehr lebhaft umgeht und M u s s o - l i n i erst vor wenigen Tagen angekündigt hat, daß er Italiens Stellung zu Gens einer sehr ernsthaften Prüfung unterziehen müsse, so würden wir uns keineswegs in einer völligen Isolierung befinden, wenn wir im Kampfe um unser Recht diesen Schritt tun müssen. Macdonald versucht, uns damit einzuschüchtern, daß er von unserem Wohlverhalten in derAbrüstungsfrage die Möglichkeit der Krisenüberwindung abhängig machen möchte. Es mag in Deutschland heute noch Kreise geben, die sich von derartigen Drohungen beeinflussen lassen. Daß die Regierung zu ihnen gehört, können wir nicht annehmen, denn ein Nachgeben auf diesem Gebiet würde eine nicht zu überbrückende Kluft zwi- schen der Regierung und der Masse der national empfindenden Bevölkerung aufreißen. Militaristen. Die Staatsmänner des „Vaterlands" haben 13 Jahre hindurch einen Grad von Geduld, Rachsicht und Zurückhaltungzgezeigt, die des großen Volkes wert ist, das sie vertraten. Diese ganze Zeit über wurde die Fessel, welche sie in einer Stunde vernichtender Riederlage auf sich nahmen, unablässig gegen Deutschland und feine Verbündeten angewendet, während die anderen Vertragspartner sich hoffärtig weiten, über die Erfüllung des sie angehenden Teils der Vereinbarungen auch nur z u diskutieren. Eine einfache Aufzählung der Elementartatsachen des europäischen Rüstungsstandes führt zu einer vollständigen Rechtfertigung der deutschen Haltung. Die Zahlen, die ich jetzt anführe, sind bisher noch nicht veröffentlicht worden. Frankreich hat eine aktive Armee von einer Friedensstärke von über 500 000 Mann: feine ausgebildeten Reserven belaufen sich auf ungefähr fünf Millionen Mann. Die notwendige Ausrüstung für diese Millionen ist bis zum Ueberfluß in den Lägern. Die Tschechoslowakei mit einer Bevölkerung von 14,7 Millionen Menschen hat eine aktive Friedensarmee von 135 OOO Mann. Ihre Reserven an ausgebildeten Kräften erreichen 850 OOO Mann. Wie verhält es sich nun mit der Aus- rüstung der deutschen Armee? Die Tschechoslowakei hat 8500 Maschinengewehre; Deutschland darf nach dem Versailler Vertrag 2200 haben. Die Tschechoslowakei hat 840 leichte Geschütze, Deutschland sind 294 zugestanden. Die Tschechoslowakei hat 456 mittelschwere und schwere Geschütze; Deutschland darf die Höchstzahl von 17 haben. Die Tschechoslowakei hat ungefähr 40 Tanks, Deutschland darf keine haben. Nehmen wir einen anderen Nachbarn Deutschlands: Polen. Seine Friedensarmee beträgt 247 832 Mann. Seine Reserven an ausgebildeten Mannschaften, die im Kriegsfall verfügbar sind, beziffern sich auf 1 874 OOO Mann. Die Zahl feiner Maschinengewehre ist 10 400, die der transportablen leichten Geschütze 1515, die der mittleren und schweren Geschütze 360. Polen verfügt über 70 Tanks. Französisches Geld Hal diese kleineren Mächte in den Stand gesetzt, ihre Armeen mit diesen machtvollen Waffen auszuftatten. Es war die Politik Frankreichs, Deutschland rundum mit einer Mauer scharfer Speere zu umgeben. Deutschland liegt machtlos und hingestreckl, umgeben von feindlichen Mächten, kleinen und großen, die bis an die Zähne bewaffnet sind, und die mit ihrer mächtigen Artillerie, deren Einheiten alle in der Richtung Deutschland zielen, das hilflos gegen eine s o überwältigende Gewalt ist. keine selbstbewußte Ration kann eine solche Erniedrigung erdulden. 0ie Konferenz von Sirefa. WelchcHtlfe yalLüdosleuropa zn erwarten - S t r e s a , 19. Sept. (TU.) Der Bericht über das Ergebnis der Verhandlungen und Vorschläge des Finanzausschusses der Konferenz von Sirefa, der in seiner ersten von dem Belgier van Zeeland auf- gestellten Fassung auf schärfsten Widerspruch der Schuldnerstaaten gestoßen war, ist in einer neuen von einem Sonderausschuß bearbeiteten Fassung fertiggestellt worden. Eine einheitliche Grundlage ist nicht gesunden. Zur Behebung der Finanzkrise der südosteuropäischen Staaten schlägt der Bericht innere und äußere Hilfsmaßnahmen vor. In das Gebiet solcher inneren Maßnahmen fallen in der Hauptsache Deslationspolitik und Ausgleich der Haushalte. An äußeren Maßnahmen empfiehlt er eine möglichst individuelle Schuldenregelung zwischen Gläubiger und Schuldner sowie Beseitigung der Handelshindern isse. Darüber hinaus wird die Schaffung eines Währungsftützungs- fonds empfohlen, über dessen Ausbau und Der- waltungsart die Verhandlungen jedoch noch nicht abgeschlossen sind. Voraussichtlich soll aber die BIZ. hier in irgendeiner Form eingeschaltet werden. Die Schaffung eines Fonds ist auch der einzige über schon bekannte Empfehlungen hinausgehende Gedanke des Berichts des Wirtschaftsausschusses, dessen vom österreichischen Delegierten Schüller ausgearbeiteter Bericht einstimmig angenommen wurde. Der Schwerpunkt des Berichtes liegt in dem Konventionsentwurf, der einen Qtgrar* fonds von 75 Mill. Schweizerfranks zur Reva- lorisation des Getreides vorsieht. Diese Reva- lorisation, die auf Grund des Exportes der Agrarländer während der letzten drei Jahre festgesetzt worden ist, soll 16 Mill. Doppelzentner Weizen, 15 Mill. Dz. Futtergerste, 13.5 Mill. Dz. Mais umfassen. Für die zweite Kategorie, an der Deutschland nicht beteiligt ist, werden folgende Quantitäten festgesetzt: 4,9 Mill. Tz. Roggen, 3 Mill. Dz. Brauerei- g e r st e, 1 Mill. Tz. Hafer. Die Revalori- sationsprämien betragen 2 Schweizerfranken pro Dz. für den Weizen und je 1,50 Schweizerfranken für die anderen Getreidearten. Als G e g en- lei st u n g der Agrarländer werden eine liberale Handelspolitik und möglichst weitgehende kommerzielle Erleichterungen für die Geberstaaten gewünscht. Der Konventionsentwurf erwähnt ferner, daß die Rechte der meistbegünstigten Staaten durch diese Gegenleistungen in keiner Weise beeinträchtigt werden. Deutschland hat diesem Konventionsentwurf seine Zustimmung geben können, weil er ausdrücklich betont, daß für Deutschland keinerlei finanzielle Beitragsleistungen, auf die es auf Grund seiner eigenen Lage keinesfalls eingehen könnte, in Betracht kommen. Deutschlands Beitrag besteht in durch zweiseitige Verträge gewährten Präferenzen für Weizen, Futtergerste und Mais, und zwar ausschließlich für die vier notleidenden südosteuropäischen Agrar st aaten. Schwere kommunistische Llnruhen in Birkenhead. London, 19. Sept. (WTB.) Seit 48 Stunden herrscht in Birkenhead schwerer Terror. Heute früh tarn es wieder zu kommunistischen Unruhen. Obgleich die Polizei durch 100 Mann verstärkt worden war. sammelten sich um 6 Uhr große Menschen- mengen an, plünderten d i e Geschäfte und schlugen Fensterscheiben ein. Gegen die Polizei wurden Flaschen und Ziegelsteine geschleudert, so daß sie mit dem Knüppel Vorgehen mußte. Neun Polizisten wurden schwer verletzt. Die ganze Nacht hindurch hatte die Polizei mit Kraftwagen. Motorrädern und Fahrrädern die Straßen abpatrouiUiert. 44 Personen, darunter einer der kommunistischen Rädelsführer, sind verhaftet worden. Gegen 8 Uhr war die Ruhe zum größten Teil wiederher- gestellt. Die Straßen in dem Unruhezentrum bieten ein Bild der Verwüstung und sind mit Glasscherben und Auslagegegenständen übersät. 20 Polizisten zu Fuß und 12 zu Pferd trafen aus Liverpool in Birkenhead ein. Tausende von Menschen füllten die Straßen und wurden dauernd von der Polizei in Bewegung gehallen. Die Demonstrationen hallen ihren Ursprung in Arbeitslosen^ 1 unruhen gehabt. Deutschland und der Völkerbund. Soll Deutschland unter Druck gesetzt werden ? — Die Antwort wäre der Austritt. Gleiches Recht für Deutschland. Lloyd George gegen den Hüstungswahnsinn von Versailles. Die Leipziger Wiläumsfeier des Gustav-Adols-Vereins. - — ■■ / ...... Hfia v3ÄEi Die große Feier vor dem Völkerschlacht-Denkmal in Leipzig. Ser Tod des Danziger Dölkerbundskommiffars. Danzig, 19. Sept. (END.) Der Tod des Döllerbundskommissars Graf Gravina hat in Danzig große Bestürzung hervorgerufen. Liefe Trauer erfüllt die gesamte Bevölkerung, vor allem diejenigen, die Gelegenheit hatten, mit Graf Gravina in persönliche Beziehung zu treten und ihn als Diplomaten wegen des Taktes und der Objektivität schätzen zu lernen, mit der er sich seiner schwierigen Aufgaben zu entledigen wußte. — Sn politischer Beziehung bedeutet der Tod des Grafen Gra- vina für Danzig insofern einen schweren Schlag, als die Regelung der schwebenden Danzig-Polnischen Streitfragen durch den Bölkerbund jetzt möglicherweise eine Verzögerung erfährt. Auch in Berliner Blättern kommt das aufrichtige Bedauern über den Tod des Danziger Bölkerbundskommissars zum Ausdruck. Die objektive Haltung des Verstorbenen, der vielfach polnische Llebergriffe abgewehrt hat, wird von allen gewürdigt. Der Lokalanzeiger nennt Graf Gravina einen außerordentlich geschickten Diplomaten. Er habe sich auf seinem schweren Danziger Posten stets größter Neutralität befleißigt. Viele Entscheidungen seien zugunsten Danzigs ausgefallen. — Die D A Z. bezeichnet Graf Gravina als den ersten internationalen Beamten in Danzig, der sich in vollem ihn* fange bemüht«, seine Pflichten nicht nur auf Grund der engen, kalten Genfer Anweisungen, sondern auseinem warmen Herzen heraus zu erfüllen. Dieses menschliche Verständnis für Danzigs Lage, gepaart mit einer fast visionären Erkenntnis der großen Probleme des bedrohten deutschen Ostens, waren es, die den Ilugen und feinsinnigen Staatsmann trotz seiner strengen Unparteilichkeit der maßlosen Propaganda der Polen aussetzte, die seine letzten Lebenslage vergiftet hat. Das Blatt betont dann weiter, daß für den deutschen Vertreter im Völkerbundsrat nun die Pflicht erwachse, nachdrücklich dafür Sorge zu tragen, daß das Erbe Gravinas in gute und zuverlässige Hände gelegt werde. Die Richtschnur für die Wahl des künftigen Dölkerbundskommissars müsse das Bestreben sein, an die gefährliche Ecke im Osten eine Persönlichkeit zu entsenden, die im Falle eines Konfliktes genug guten Willen, Klugheit und Autorität besitzt, um ihre verantwortungsvolle internationale Aufgabe zu erfüllen. Trauer in Rom. Rom, 20. Sept. (TU. Funkspruch.) Der Tod des Grafen Gravina wurde in Rom in den späten Nachtstunden bekannt und rief in politischen Kreisen der Hauptstadt t i e f st e s Bedauern hervor. Man hatte bis zuletzt gehofft, daß die plötzliche Erkrankung des im besten Mannesalter Stehenden noch eine Wendung zum Besseren nehmen werde. Die italienische Regierung sah in ihm einen ihrer fähig st en und geachtet st en Diplomaten. Man wußte die ebenso taktvolle Art, in der er sein besonders schwieriges Amt als Völkerbundskommissar Danzig verwaltete, sehr zu schätzen. Deshalb war er auch, obwohl sein Name in letzter Zeit verschiedentlich in Verbindung mit der Besetzung wichtiger Botschafterposten genannt wurde, immer wieder in Danzig belassen worden. Es wird nicht leicht sein, diesen Diplomaten, der Fähigkeit und Vertrauen in gleichem Maße besaß, zu ersehen. Die Schrumpfung der höheren Schule. Wie die Pressezentrale des Deutschen Philo- logen-Derbandes mitteilt, sind in allen Klassen der höheren Schulen die Abgänge dauernd im Steigen, und es ist so, daß man heute eine starke Deflation, ja Schrumpfung der höheren Schule fest stellen muh. „Gegenüber 1931, also in einem Sahre hat sich die Schülerzahl der höheren Schule um 47 000 verringert." Der Deutsche Phi- lologenverband hat schon 1927 auf die drohende Gefahr der ileberfüllung hingewiesen und Gegenmahregeln verlangt. Schon 1927 heißt es im „Deutschen Philologen-Blatt": „Die ilnterrichts- behörde würde der Sache einen grohen Dienst erweisen, wenn sie jetzt, wo es noch Zeit ist, regulierend eingriffe und den Direktoren und Lehrerkollegien einschärfte, dah es ihre Pflicht ist, der Schule den Massenandrang von Unberufenen, Ungeeigneten endlich energisch vom Leibe zu halten." Sn dieser und ähnlicher Form wurde immer wieder eine schärfere Auslese, eine Ueberleitung Ungeeigneter auf andere Schulen oder ins praktische Leben vertreten. Vergebens wies der Philologenverband darauf hin, dah nur der Mangel an Lebensraum die Sugend auf die höhere Schule, auf die Universität bringe und dort festhalte, dah nur Arbeitsbeschaffung Abhilfe bringen könne: er wurde nicht gehört. So leitete er beim selbst Schritte ein, um mit Hilfe seiner Organisation die Abiturienten in praktischen Berufen unterzubringen, Schritte, die dann endlich auch vom Srmenministerium in einer Konferenz mit Wirtschafts- und anderen Verbänden — aber ohne den Deutschen Philologenverband!! — als richtig anerkannt und mit dem Philologenverband zusammen gegangen wurden. Setzt heißt das Problem nicht mehr: Wie kann der Zugang zur höheren Schule gehemmt werden?, — die Schrumpfung ist in vollem Gange — heute gilt es die Frage zu lösen: Wie kann den jetzt in den oberen Klassen auf der höheren Schule Befindlichen, wie kann den Abiturienten, den Studenten und den Sung- akademikern geholfen werden? Was an Vorschlägen — besonders vom Studentenwerk — gemacht worden ist bringt feine wirkliche Hilfe. Praktisches Arbeitsjahr und Ausbau des ersten Studienjahres nach Art der „Colleges“ verlängern die Ausbildung um zwei Sahre, schieben die Entscheidung hinaus, aber Lebensraum bringen sie nicht. Wo soll der Abiturient praktisch arbeiten, wenn in der Wirtschaft Millionen arbeitslos sind?" Aus affet Welt. Gandhi weigert sich, das Gefängnis zu verlassen. Gandhi hat die Bedingungen, die die Regierung für seine Freilassung aeftellt hat, a b g e l e h n t und weigert sich, seine Zelle zu verlassen. Die Regiseung beabsichtigt aber nicht, ihn zum Verlassen des Gefängnisses zu zwingen. Er hat Vertreter der verschiedenen Klassen der Hindus empfangen, darunter auch welche der Parias. Heute wollte Gandhi mit dem Hungerstreik beginnen, aber es ist noch nicht bekannt, ob er heute morgen wirklich jede Nahrung abgelehnt hat. von der deutschen Himalaja-Expedition. Das Rosenheimer Mitglied der deutschen H i - malaja-Expedition, Dr. Hugo Hamberge r, der Cxpeditionsarzt, befindet sich nach einer zuverlässigen Mitteilung auf der Heimreise. Dr. Hamberger wird dieser Tage in Genua eintreffen, wo ihn seine Gattin erwartet. Auch die übrigen Expeditionsmitglieder haben die Rückreise nach Deutschland angetreten. Wirbelsturm auf den Dahama-Snseln. — 14 Tote, viele Verwundete. Beim englischen Kolonialministerium ist ein amtlicher Bericht des Gouverneurs der Bahama- Snseln über den Wirbelsturm eingegangen, der die Snselgruppe vor kurzem heimsuchte. Auf der Snsel Aleaco, wo der Sturm eine noch nie dagewesene Geschwindigkeit erreichte, wurde die Stadt Green Turtle Cay vollkommen und die Stadt Hopetown teilweise zerstört. Ferner wurden die Ortschaft Bluff Point und zwei andere Siedlungen vernichtet. Die Zahl der Todesopfer beträgt 14. die der Verwunde t e n 60 bis 70. Sechs neue Fälle von spinaler Kinderlähmung in Breslau. Sm Laufe der vergangenen Woche sind in Breslau sechs neue Fälle von spinaler Kinderlähmung zur Anzeige gebracht worden. Eine Frau im Alter von 23 Sahren ist der Krankheit erlegen. Rätselhafter Tod auf der Jagd. Wie aus Bad Tölz gemeldet wird, hatte sich der Wirt Länderer aus Winkeg bei Lenggries vor acht Tagen in seinem Revier auf die Sagt) begeben. Da er nicht zurückgekehrt war, wurde das Gebiet abgesucht und Länderer in einem fremden Revier tot aufgefunden. Er war an einem Oberschenkelschuß verblutet. Sagdgewehr und Feldstecher fehlten. Sn der Nähe lagen zwei Hüte, wie sie in der Gegend getragen werden. Der Tod dürfte schon vor mehreren Tagen eingetreten sein. Eine Untersuchung ist im Gange. Zwei Schulkinder überfahren und gelötet. Auf dem Kirchenweg zwischen Burgfarrnbach und Oberfürberg bei Fürth hängten sich dieser Tage auf dem Heimweg befindliche Schulkinder an den Anhänger eines mit Steinen beladenen Lastkraftwagens. Einige setzten sich sogar auf die Derbindungsstange zwischen Kraftwagen und Anhänger. Dabei kamen ein sechsjähriger Knabe und I1 ein gleichaltriges Mädchen zu Fall, gerieten unter die Räder des Anhängers und wurden a u f der Stelle getötet. Aus der Provinzialhauptstadl. Gießen, den 20. September 1932. Oer alte Friedhof als park. Bekanntlich besteht das Projekt den vor 30 Sahren als allgemeinen Begräbnisplatz geschlossenen alten Friedhof zum Park umzuwan- beln. Seit den Zeiten Philipps des Großmütigen hat der Friedhof als Ruhestätte der verstorbenen Gießener Bürger gedient, nachdem man damals den Friedhof in Selters aufgehoben hatte. Es finden seither auf dem alten Friedhof nur noch Bestattungen in Erbbegräbnissen statt, welche von Sahr zu Sahr seltener werden. Sn den letzten Wochen hat man auf dem ältesten Teil des Friedhofs die ältesten Gräber und deren Grabmale, welche vernachlässigt waren, weil sich niemand um deren Erhaltung kümmerte, beseitigt. Die zermürchten Reste der Epitaphien hat man in die Erde gebettet und die verfallenen Grabhügel eingeebnet. Cs handelt sich dabei um Hunderte von Bestattungen, welche vor 60 bis 100 Sahren vorgenommen wurden. Grabsteine, welche einen gewissen künstlerischen Wert haben, ließ man stehen und richtete sie, wo es nötig war, wieder grabe. Erbbegräbnisse, die noch gepflegt werden, ließ man dagegen unangerührt, alte verkrüppelte Bäume und verwildertes Strauchwerk wurden entfernt. So ist auf dem Friedhof am Nahrungsberg eine parkartige Anlage entstanden, man hat dort Luft und Licht geschaffen, dabei aber den Charakter des Friedhofs durchaus gewahrt. Sm kommenden Frühjahr soll auf den jetzt öden Stellen, wo die Gräber waren, Gras eingesät werden, um saubere Rasenflächen zu schassen. Cs werben an geeigneten Stellen Ruhebänke Aufstellung finden, um besonders älteren Bürgern Gelegenheit zu geben, in der schönen und durch die noch gepflegten Erbbegräbnisse Gießener Familien interessanten Parkanlage die Stille und Ruhe zu genießen. Gießener Wochcrrmarttprclse. * Gießen, 20. Sept. Cs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Kochbutter 100, Süßrahmbutter 130, Landbutter 130, Matte 25—30 Pf. das Pfund, Käse 5—10, Eier 9—10 Pf. das Stück, Wirsing 7—8, Weißkraut 5—7, Rotkraut 8—10, Gelbe Rüben 8—10, Rote Rüben 8—10, Spinat 15, Römischkohl 8, Llnterkohlrabi 5—6, Tomaten 15, Zwiebeln 8—10, Kürbis 5—6, Pilze 25—30, Kartoffeln 3,5 Pf. das Pfd., Kartoffeln per Zentner 3 Mk., Frühäpfel 15—25, Falläpfel 5-6, Dirnen 10—20, Dörrobst 30—35, Zwetschen 8—10, Pfirsiche 30—40, Brombeeren 20—25, Preihelbeeren 30, Honig 40—45, Sünge Hähne 70—80, Suppenhühner 60—80 Pf. das Pfd., Tauben 50—60, Blumenkohl 30—60, Salat 8-10, Salatgurken 10 bis 20, Endivien 10—15, Ober-Kohlrabi 5—8, Lauch 5-10, Rettich 10—12, Sellerie 10—25 Pf. das Stück, Radieschen 10 Pf. das Bund. Bornotizen. — Tageskalender f ü r Dienstag: Cafe Leib, 20 Llhr, Cxperimental-Lichtbild-Dor* trag über Astrologie. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Madame hat Ausgang". • ** Festnahmen. Der PolizeilWricht meldet: Dieser Tage wurde in einem hiesigen Uebernach- lungslokal der 21jährige Konzertsänger Gottfried B. aus Herbesthal auf Grund eines Ausschreibens fest- genommen. Da B. und auch sein Begleiter, der 24jähripe Bergmann Josef O. aus Niederschelder- Hütte im Besitze von fast neuen blauen Mänteln waren, die nicht zu ihrem sonstigen Aeußeren paßten, wurden sofort Erhebungen über den Erwerb derselben angestellt. Die von beiden gemachten Angaben stellten sich alsbald als unwahr heraus und es konnte ermittelt werden, daß sie die Mäntel aus zwei höheren Schulen in Siegen entwendet hatten. B. hat sich weiter noch wegen Diebstahls eines yrö- feeren Geldbetrages, den er zusammen mit einer Kellnerin aus einer Wirtschaft ifn Lampertheim entwendet hatte, zu verantworten. Beide wurden dem Amtsgericht zugeführt und kamen in Untersuchungshaft. Am gestrigen Montag wurde ein 19jähriger Pole, Eduard Michalak, wegen Betrugs, da er als blinder Passagier die Eisenbahn benutzte, festgenommen Da er auch nicht im Besitze eines Passes und sonstiger Ausweispapiere war, hat er sich auch noch wegen Pafevergehens zu verantworten. Michalak wurde ebenfalls dem Amtsgericht zugeführt. Reform der perfonentarife der Reichsbahn Zeitgemäße Anregungen der Industrie- und Handelskammer Darmstadt. Unter diesem Titel hat die Snbuftrie- und Handelskammer Darmstadt der Öffentlichkeit eine Denkschrift übergeben, die sich mit dem in hohem Grade aktuellen Problem eingehend befaßt. Der Zweck der Darlegungen ist weniger, abschließende Vorschläge zu bringen als vielmehr das Problem auf breitester Grundlage zur Aussprache zu stellen. Die Reichsbahn wird eine baldige Revision der je länger je mehr übersetzten Personentarife um so weni- ?er weiter hinausschieben können, als befannt- ich zum 30. Oktober 1932 di« Gültigkeit der Sommerurlaubskarte zu Ende geht. Es wird nicht angängig sein, die Auflockerung der Tarife auch weiterhin in Gestalt vorübergehender Ermäßigungen vorzunehmen, vielmehr drängen die Verhältnisse dazu, eine allgemeine Verbilligung eintreten zu lassen. Hierbei ist in erster Reihe an die überhöhten Dartarise zu denken, die dem Preisstand bereits seit geraumer Zeit nicht mehr entsprechen. Die Denkschrift weist nach, daß die Kilometersähe um 30 v.H. über dem Lebenshaltungsindex liegen, wenn man annimmt, daß zur Zeit des Snkrafttretens der Tarife diese als dem Sndex entsprechend angesehen wurden. Weiter stellt die Denkschrift die Wiedereinführung der Rückfahrkarte zur Erörterung, deren Befürworter an Zahl stark in Zunahme begriffen fei. Die Rückfahrkarte schließt für die Reichsbahn den wesentlichen Vorteil in sich, daß der Reisende gleichzeitig für Hin- und Rückweg an die Schiene gebunden und nicht in die Lag« verseht wird, für die Rückfahrt ein anderes Beförderungsmittel zu benützen. Die Denkschrift neigt dazu, zu empfehlen, eine Ermäßigung der Kilometersätze für die einfache Fahrt um 15 v. H. und einen weiteren Rabatt für die Rückfahrkarte von 12 v. H. vorzuschlagen. Hierbei wird einer Verminderung der Spanne zwischen 3. und 2. Klasse das Wort geredet, um eine Auswanderung in die so stark notleidende Polsterklasse zu bewerkstelligen. Was die Erhebung von Zuschlägen für Schnell- und Eil- züge anlangt, so wird empfohlen, die Eilzüge, wenn nicht eine völlig« Freigabe erfolgen könne, lediglich mit einer einheitlichen Schutzgebühr von etwa 25 Pfennig zu belasten, um eine allzu starke Belastung der Züge durch Reisende auf kürzeste Entfernungen hintanzuhalten. Hinsichtlich der Schncllzugszuschläge spricht sich die Arbeit für gleichhohe Zuschläge in der 3. und 2. Klasse aus, ebenfalls um die Auswanderung in die 2. Klasse zu fördern. Der zweite Teil der Veröffentlichung weist auf die besonders schwere Gefahr hin, welche der Zeitpunkt des Wiederanstiegs der Konjunktur für die Reichsbahn in sich berge, insofern, als zahlreiche vielreisende bann versucht sein würben, sich burch Anschaffung eines Kraft- wagens bauernb von ber Schiene abzuwenden. Die Denkschrift erklärt in dieser Beziehung, von entscheidender Bedeutung für die Weiterentwicklung des Eisenbahnverkehrs werde es fein, inwieweit es gelinge, den Vielreisenden dauernd an die Schiene zu fesseln. Sn dieser Beziehung werden zunächst einzeln« Vorschläge hinsichtlich der Reh- und Bezirkskarten gemacht. Weiter wird mit Nachdruck dargelegt, daß diese Einrichtung nicht genügend sei, um die erforderliche Freizügigkeit zu gewährleisten. Vielmehr sei es nottoenbig, den immer wieder laut werdenden dringenden Wünschen weitester Kundenkreise, na» mentlich des großen Heeres der reisenden Kaufleute, auf Einführung des kilomelerheftes endlich zu entsprechen. Die befürchteten Schwierigkeiten ließen sich bei geeigneter Gestaltung durchaus beheben. Auch der früher bereits gemachte Vorschlag der Halbkarte, d. h. eines Fahrtausweises, der ein Zwischending zwischen Generalabonnement und Cinzelfahrkarte dar- stellt, wird wiederholt zur Erörterung gestellt. Die Halbkarte ist so gedacht, daß der Vielreisende zu einem festen Tarifsatz (entweder 50 Mark für den Monat oder 400 Mark für das Sahr) für einen bestimmten Zeitraum einen auf seine Person lautenden, mit Lichtbild versehenen Ausweis erwirbt, der ihn berechtigt, während der Gültigkeitsdauer auf allen Strecken der Reichsbahn sämtliche Züge in beliebiger Wagenklasse zum jeweils halben Fahrpreis zu benützen. Schließlich wird in der Denkschrift erneut auf die Notwendigkeit hingewiesen, zwischen Einzettarif unb Gesellschaftsfahrtentarif ein Mittelding inzusügen in Gestalt ber Gruppenfahrkarte. Hiernach sollen vier Reisende jeweils auf 3V2 Fahrkarten, sechs Reisende auf 5 Fahrkarten, acht Reifende auf 6'/r Fahrkarten abgefertigt werden können. Abschließend stellt die Denkschrift fest, daß der Ablauf der Gültigkeit der Sommerurlaubskarte zu baldiger Entscheidung dränge, die im Sinne einer starken Verkehrsbelebung der Reichsbahn um so weniger schwer fallen dürste, als unser führendes Derkehrsuntemehmen wesentlich« Entlastungen durch Wegfall der Reparationsleistungen und durch die in der letzten Notverordnung verfügten besonders erfreulichen Erleichterungen hinsichtlich der Deförde- rungssteuer erfahre. Die eingehenden Darlegungen klingen in den Appell aus, auf breiter Grundlage in einen Meinungsaustausch über das so dringlich« wie wichtige Problem und die besten Möglichkeiten seiner Lösung einzutreten. Ein Butzbacher Händler tödlich verunglückt. Butzbach, 20. Sept. Aus Wiesbaden wird gemeldet: Aus der Llmgehungsstratze in Erbenheim (bei Wiesbaden) ereignete sich gestern abend einschwererVerkehrsunfall. Der Händler Taver Z i ck aus Butzbach fuhr mit seinem Motorrad gegen die Kühlerspihe eines aus Frankfurt kommenden Wiesbadener Personenautos. Zick flog mit dem Kops heftig gegen den Kühler und erlitt dabei einen schweren Schädel- bruch, der seinen sofortigenTod zur Folge hatte. Die Leich« wurde beschlagnahmt. Nach den polizeilichen Ermittlungen soll der Motorradfahrer die vorschriftsmäßige Straßenseite eingehalten haben. Wettervoraussage. Durch den Vorschub der Kaltluft sind die Temperaturen in Mittel- und Norddeutschland wesentlich zurückgegangen. Dabei ist aber das Barometer über dem Festland kräftig angestiegen. so das) die sich abflachende und weiter nordöstlich abziehende Skandinavienstörung nicht mehr zur Geltung kommt. Vielmehr wird jetzt die sich von Nordwesten nach Südosten erstreckende Hochdruckbrücke in Erscheinung treten und in den nächsten Tagen schönes Herbstwetter bringen. Aach Frühnebelbildung wird es tagsüber vielfach ausheitem und die Luftwärme nimmt infolge der Sonnenstrahlung wieder etwas zu. Aussichten für Mittwoch: Aushei. temö und zeitweise auch bewölkt, noch kühl, doch tagsüber etwas wärmer, trocken. Aussichten für Donnerstag: Stellenweise Frühnebel, tagsüber zum größten Teil aufheiterndes und wieder wärmeres Wetter. Lufttemperaturen am 19. September: mittags 21,5 Grad Celsius, abends 16,4 Grad; am 20. September: morgens 13 Grad. Maximum 22 Grad, Minimum 12,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 19. September: abends 19,2 Grad; am 20. September: morgens 16,1 Grad Celsius. — Niederschläge 0,2 mm. — Sonnenscheindauer 4% Stunden. Km M des N DfB. I - Die an die erste Spiel gehegten Bed Mn kann ruhig Ierbandsspielsaison unb Wetzlarer Fuß! eine ganz besonder« genannten Mannsch : rupft davonzukonm Sonntag die DsB.-l Nach einer 2Wn Hinterland wurden reicher Anhang m Breidenbach empja war in dem Ort j auch etwas auf da äußerst sportlicher 1 Um es vorweg konnten mit dem E: war durchweg ausg den greifbare Tor hätten die Orünmei Halbzeit, das Spie müssen. Anderseits traft und unoerzag vollauf oerbient Der flnftoft ber 1 4 tf/awn unb fäon (< tyiligtum. Die UM » Wirtschaft also zweimaliger Läuterungsprozeß aller Tabake! ERNTEN 27 SIS 30 ♦ MU STER CIGARETTEN ♦ MISCHUNGSNUMMER R30/M Der ungewöhnlich zarte und reine CharaKTer dieser Mischung beruht darauf, daö un. '9 REEMTSMA REEMTSMA CIGARETTENFABRIKEN G.M.B.H. ALTONA-BAHRENFELD ! wird ausschlieölichohne us folgenden Distrikten: Diese Cigaretten werden Tn den neu betriebes in Altona-Bahrenfeld herg atjjfnsanlagen des technischen Muster* e Lieferung ist zunächst beschrankt. ikations- |une auf Bahn )ormfiabt. in oet|ud)f (ein ig eines Staff« ine abjuroenien. r Deziehung, von >ie QBeifertnüDtd* erbe es fein, in» [enbefi bauemb an ir Beziehung teer» ge hinsichtlich brr e n gemacht. Dei- gt, bah bic|c Sin# i bie ersorberliche Vielmehr fei es laut merbenben tunben(wie, wfcritai RauV Am Ziel des 100-m-Laufs: rechts Ionath, links Borchmeycr, die im Länderwettkampf Deutschland — Frankreich die beiden ersten Plätze belegten. Sieg der deutschen Leichtathleten ''bkncht meldet: 8en Uebetna*. I»JBotl|tieb B Weihens fest. Begleiter, der Nieberscheider. 'Een Mänteln Nutzeren paK. er ben Crwech gemachten An- °hr heraus und die. Mäntel aus nüDtnbel batten. ’Ws eines grö. mit emer «ioe wurden dem •n Untersuchungs. be ein ISjähnger o Betrugs, da er ft” benutzte, fest, »fitze eines Passes r, bat er sich auch inloorlen. Micha- H zugesührt. 3 Leb'natis' »54» Sport der deutschen Pfadfinder. Sporttreffea der Landesmark Hessen. Die Landesmark Hessen im Deutschen Pfad- finderbund hatte am Samstag und Sonntag ein Treffen in Offenbach a. M. anläßlich des 20» lährigen Bestehens des dortigen Pfadfinderhorsts. Bach einem Werbeabend am Samstag in der S' in Turrchalle fanden am Sonntag _ vom n Morgen an leichtathletische Wettkämpfe statt, an denen sich alle Horste der LandeSmark beteiligen muhten. Zwischen den Iungenhorsten wurde «in Mannschaftsdreikampf, bestehend aus 100-Meter-Lauf. Hochsprung und Speerwerfen, auherdem eine 4X1OO-Weter-Staffel ausgefochten, an der sich je eine Mannschaft der Altersstufen 1914/15, 1916/17, 1918'19 und 1920 und jünger zu beteiligen hatten. 3m Gesamtergebnis aller Altersklassen siegte dabet der Horst Gie - ib veiler srtyy R g trete" “bringen. rrblttoe^M viel- M .na. Sstfl ^m gröhten ad; anlKersM Stunbe"' Berlin widerstandsfähig. Berlin, 20. Sept. (WTB. Funkspruch.) Auch heute zeigte der offizielle Börsenbeginn nach einem eher schwächeren Vormittagsverkehr überraschende Widerstandsfähigkeit. Das Geschäft war zwar wieder sehr ruhig, und die Spekulation bekundete unter dem Eindruck der eher schwächeren Auslandbörsen und auf Grund der Aursrückgänge an den Metallmärkten stärkere Zurückhaltung, das Publikum hielt aber an seinem Besitz fest und war verschiedentlich wieder mit kleinen Kausorders im Markte. Es wurden aber anscheinend Tauschoperationen vorgenommen, wobei Montanwerte angeboten wurden, und Spezialpapiere, zum Teil auch Rentenwerte, im Hinblick auf die morgige Diskontsenkung getauscht wurden. Das Arbeitsprogramm der Reichspost legte das Interesse auf die Schwachstromindustriepapiere, wobei Vogeltelegraph weitere 2,40 v. H. gewannen. Beeinträchtigt durch die schon gestern erwähnten günstigeren Sonic- rungspläne zogen AEG. erneut um 1 o. H. an, während von den übrigen Elektrowerten Siemens 2 v. H. verloren. Ferner waren Kunstseidenaktien und Z^ll> stofswerte stärker gedrückt und bis zu 2,75 v. H. rückgängig. Am Montanmarkt gingen die Verluste bis zu 1 o. H., nur Harpener waren mit minus 2,5 v. S). besonders schwach veranlagt. Auch am Rentenmarkt war das Geschäft Jehj ruhig, die Tendenz aber freundlicher. Goldpfandbriefe gewannen etwa 0,5 v. H., in Landschaften bestand kaum noch Angebot, und die Kurse wurden behauptet genannt. Reichsschuldbuchfordcrungn waren bis zu 0,5 o.H. gebessert, von deutschen Anleihen lag die Altbesiganleihe mit plus 65 Pf. im Vordergrund, weil man immer wieder auf den näherrückenden Auslosungstermin verwies. Auch für Reichsbahnvorzugs, attien bestand bei einem 0,25 v. H. höheren Kurs größeres Interesse. A u s l a n d r e n t e n lagen ruhig. Am Geldmarkt ist die Situation unverändert zu gestern, d. h. Tagesgeld stellte sich auf 5,75 bis 7,75 v. f). und Monatsgeld auf 6 bis 8 v. H. nominell. Das Wechselangebot ist ganz minimal, man kann feststellen, daß das Material festgehalten wird in der Erwartung, daß der Privatdiskont morgen eine weitere Senkung, und zwar um 0,25 v. H. erfahren wird. Frankfurt: Aktien schrvächer,Aenten fest. . Frankfurt a M., 20. Sept. (WTB. Drahtmel- 'düng.) Die gespannte inner- und außenpolitische Si- teilte» fürchteten Schlote» ignetcr Gestaltung früher bereits ge» nie, b. h. eines schenbing zwischen tMhrlarte bat* rörterung Mut. ih ber Tielretlenbe xber 50 Mack für ür bas Jahr) sur neu auf fei* ersehenen Ausvets auf bie «Ott** schaftsfahrlealackf in Gestalt * larte. K jvveils auf 3V, 5 Fahckarten, w-rd-n SK »K Lch°dn Mi* gt” s.* »iS- hen vor den Horsten Offenbach und Michel* stadt. Dt« Zungrnannschaft der Horste, d. h. die Jahrgänge 1913 und älter trugen einen Mannschaftsdreikampf aus lOO-Meler-Lauf, Epeerwarf und 4^100-Meter-Staffel aus, bei dem ebenfalls die erste Mannschaft des Horsts Gießen erster Sieger wurde, während Gießens zweite Mannschaft hinter Frankfurt-Süd und Offenbach auf den vierten Platz kam. Am Nachmittag überreichte der Landesvogt nach einem Marsch durch Offenbach den drei ersten siegreichen Horsten Siegerwimpel für ihre Erfolge in Offenbach. Horst Gießen erhielt weiterhin einen Siegerwimpel für den dritten Platz, den der Horst bei den Wehrsportwettkämpfen anläßlich der Sonnwendfeier im Juni bei Wetzlar hinter den Horsten Wetzlar und Friedberg errungen hatte. tuation verursachte sowohl bei der Kulisse als auch beim Publikum starke Zurückhaltung, so daß bei kleinen Umsätzen die Haltung am Aktienmarkt eher schwächer war. während am festverzinslichen Markt die für morgen zu erwartende Diskontsenkung der Reichsbank weiter etwas anregte. Für die schwächere Veranlagung der Aktienwerte dürsten auch die durchweg schwächeren Meldungen von Auslandbörsen und der teilweise Rückgang auf den Rohstoffmärkten mitbestimmend gewesen sein. Gegen die Abendbörse ergaben sich meist Rückgänge von 0,5 bis 1 v. H. Eine Ausnahme machten am Elektromarkt AEG., die auf Gerüchte von einer Sanierung im Verhältnis 10:6 2 v. $). anzogen. Gesfürel eröffneten 1 v. H. höher, Bekula blieben gut behauptet, während Siemens 0,5 v. H. nachgaben. Am Montan markt bildeten die Schwierigkeiten bei den Schlichtungsverhandlungen im Ruhrbergbau ein hemmendes Moment, und die Kurse lagen durchweg 0,25 bis 0,75 v. H. niedriger. Leicht rückläufig waren f erner IG., Rütgerswerke und Reichsbank. Schiffahrtsaktien eröffneten behauptet, während von Zellstoffwerten Waldhof 1,25 o. H. höher einsetzten und Aschaffenburger Zellstoff unverändert lagen. An den übrigen Aktienmärkten herrschte säst Geschäftslosigkeit bei eher nachgebenden Kursen. Nach den ersten Festsetzungen bröckelten die Kurse meist weiter etwas ab, nur AEG. blieben gefragt und waren nochmals leicht erhöht. Der Renten- markt lag, wie schon erwähnt, meist fester. Das Geschäft war jedoch in Gold- und Liquidationspfandbriefen sowie in Kommunalobligationen überraschend klein, und nennenswerte Erhöhungen waren nicht zu verzeichnen. Stadtanleihen lagen geschäftslos Industrieobligationen tendierten bis zu 1 o. H. höher. Don deutschen Anleihen lagen Alt- besitz 0,75 v. H. fester. Neubesitz und Schutzgebiets- anleihen dagegen um etwa 0,13 v. H. schwächer. Bei letzteren seien die Aufwertungsversionen noch in recht weiter Ferne. Reichsschuldbuchforderungen logen nach anfänglicher Befestigung später bis zu 0,75 v. H. schwächer. An den Aktienmärkten gingen die Kurse im Verlaufe weiter zurück, wobei auf allen Marktgebieten auch für AEG. Rückgänge bis zu 1 v. H. eintraten. Neben den schon erwähnten Gründen führte man die erneute Abschwächung besonders auf die Geschäftslosigkeit zurück. Tagesgeld war zu 4,75 v. H. unverändert, aber noch gesucht, doch dürfte nach der Diskontsenkung eine Erleichterung eintreten. VfB. Gießen. BfB. I — Breidenbach I 3:3 (1:1). Die an die erste Fahri ins Hinterland vor dem Spiel gehegten Bedenken waren nicht ohne Grund. I Man kann ruhig behaupten, daß die diesiährige ' Derbandsspielsaison durch die Fahrten der Gießener und Wetzlarer Fußballmannschaften ins Hinterland eine ganz besondere Note erhält. Wohl feiner der genannten Mannschaften wird es gelingen, unge- I rupft davonzukommen. Das hat am vergangenen Sonntag die VfB.-Liga wieder erfahren müssen. Nach einer 2jstündigen Autofahrt durchs herrliche e Hinterland wurden die Grünweißen und deren zahl- J reicher Anbang mit Pauken und Trompeten in "Breidenbach empfanaen. Anläßlich der Kirchweihe war in dem Ort festliche Stimmung. Diese färbte I auch etwas auf das Spiel ab, denn es wurde in äußerst sportlicher und anständiger Art ausgetragen. Um es vorweg zu sagen: Beide Mannschaften konnten mit dem Ergebnis zufrieden sein. Das Spiel war durchweg ausgeglichen. Auf beiden Seiten wurden greifbare Torgelegenheiten versiebt. Trotzdem hätten die Grünweißen, insbesondere in der zweiten Halbzeit, das Spiel unbedingt für sich entscheiden müssen. Anderseits hat Breidenbach durch eine Tatkraft und unverzagtes Kämpfen das Unentschieden vollauf verdient. Der Anstoß der Grünweißen wurde fpfort ab- B gefangen und schon sah man ben Ball vor Balsers • Heiligtum. Die VfB.-Verteidigung fand sich zuerst schlecht. Ein kurzes Hin und Her: schon steht die Partie 0:1 für den Gastgeber. Bei etwas mehr Aufmerksamkeit hätte der Erfolg verhindert werden können. Nach einer Viertelstunde kamen die DsBer zum Ausgleich durch Kopfball von Fehling auf Por- läge von Haupt. Beim Stande von 1:1 geht es in die Pause. » Mit einer Offensive, die den Sieg der Grünweißen erhoffen ließ, beginnt die zweite Spielhälfte. Angriff auf Angriff rollte vor das gegnerische Tor, es wurde nichts zählbares erreicht. 3m Gegenteil, bei einem Durchbruch des Gast- Sebers konnte dieser ein Tor durch einen Domenschuß des vorzüglichen Rechtsaußen buchen. Die Grün-Weißen kamen nunmehr doch zur Besinnung; sie legten ein erhöhtes Tempo vor und schon hatte Fenster ausgeglichen. Kurz darauf kann auch Haupt ein Tor erzielen, aber der entfernt stehende Schiedsrichter lieh es nicht gelten. Trotzdem stand einige Zeit später die Partie 3:2 für den BfB. Der Rest der Spielzeit zeigte beide Mannschaften im lebhaften Kampfe um den Ausgleich bzw- das Halten des Sieges- Eine Minute vor Schluß ereilt die Grün-Weißen aber doch ihr Schicksal: Breidenbach glich durch einen Schuh aus dem Hinterhalt ans. Schiedsrichter Schneider, Marbach, konnte mit feinen Entscheidungen nicht immer gefallen- sämtlicheiabake zweimal Mundstück hergestelit. Di Oft Akki Oie Cigarettert sif^k M^t methoden, die zugSstW MMS Bttlittlli Vornan von Hertha Fricke Llrheberrechtsschuh: Verlag Oskar Meister, Werdau 26 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Stumm gingen die beiden Männer nebeneinander her, die endlosen Gänge entlang. Ein Beamter mit Schlüsseln stapfte wichtig vor ihnen her. Endlich blieb er stehen und öffnete eine Tür. Die beiden Männer traten ein. Halbdunkel war der öde, trostlose Raum, das Llntersuchungs- gefängniS. — „Guten Tag, liebe Eva-Marie!" sagte Dr. Andresen und streckte der stumm dasitzenden Gestalt tief ergriffen beide Hände entgegen. Sie saß zusammengesunken und rührte sich nicht. , . ... „Sie haben Besuch, mein Fräulein! rief der Gefängnisdirektor laut und griff nach ihrer Schulter. Sie wandte sich still herum und rührte sich nicht. Da faßte Dr. Andresen sie unter das Kinn und hob das graublasse Gesichtchen zu sich empor. „Eva-Marie!" Es lag eine Welt voll Liebe und Zärtlichkeit, von Trauer und Verzweiflung in dem Ramen, so dah der Direktor sich ergriffen abwendete. Das Mädchen hob ein wenig die Augenlider und sah zu Heinrich Andresen auf. „Ich sage es nicht! — Sage Renate, daß ich schweige!" In ihrer Stimme war etwas Fremdes, Zuckendes, Zaghaftes. „Das ist falsch, Eva-Marie! Du muht es sagen! Ich weih, daß du unschuldig bist! — Aber die Richter müssen wissen, wo das Kästchen ist, und wem du es bringen solltest! Cs ist nötig. Ditte, sage es uns!" Er legte den Arm um sie. Aber sie machte sich frei, ruhig, leidenschaftslos. „Ich sage es nicht, Renate verläht sich darauf, dah ich es nicht sage!" „Wenn ich dich aber bitte.' Liebes, einziges Mädchen! Du bist es dir, du bist es mir schuldig!" — Es kam ihm gar nicht zum Bewuhtsein, dah er sie „Du" nannte. Hatte er sie doch tausendmal in seinem Herzen so genannt. Den Gefängnisdirektor hatte er ganz vergessen. Sie rang die Hände in schmerzvoller Gebärde und schwieg. „Eva-Marie, du bist es deiner Mutter, deinem guten Ramen schuldig! Wer ist es?" Sie lächelt«. Es war ein wehes, wundes Lächeln. „Ich sage es nicht! Renate weih es!" Da nahm Dr. Andresen die abgemagerte Mäd- chengestalt auf seinen Arm, legte sie auf die wenig saubere Decke des Lagers und wendete sich an den Gefängnisdirektor. Den Puls des Mädchens behielt er in der Hand. „Herr Direktor, können Sie sich überzeugen, dah dies ein klinischer Fall ist?" „Sie sind der Meinung, Herr Doktor . er warf einen Blick auf die leeren, glanzlosen Augen, „es will auch mir bald so scheinen!" „Wenn sie stirbt, ist es ein Iustizmord!" murmelte verzweifelt der Doktor. „Aber nicht durch die Schuld der Richter, Herr Doktor! Es ist die Pflicht der Leute, angezeigte Verbrechen genau und sorgfältig zu prüfen!" — „Gewih! Verzeihen Sie! Ich habe diese Dame lieb! — Sie ist einer Teufelei zum Opfer gefallen!" Doktor Andresen streichelte das wirre Haar des Mädchen. Seine Augen schimmerten feucht. „Helfen Sie mir, Herr Direktor!" Da legte ihm der Mann in warmem, menschlichem Mitgefühl die Hand auf - die Schulter. „Soweit ich kann, gerne! Veranlassen Sie die Mutter, dah sie die Aufnahme in einer Priva^ klinik beantragt. Das Mädchen hat doch noch eine Mutter?" , „Ia, sie ist sogar hier in Berlin. Sie kam hierher auf die schändliche Zeitungsnotiz!" „Gut! Verlassen Sie sich auf mich. Ich bin kein Unmensch, Herr Doktor! Mir tut das arme Kind in der Seele leid. Mag sie etwas getan haben oder nicht! Cs ist am besten, Sie holen die Mutter mit einem entsprechenden Ausweis über ihre Person. Inzwischen besorge ich den Gerichtsarzt mit dem Attest. Der Erlaubnisschein zur Entlassung wird schnellstens ausgefertigt! — Gehen Sie ruhig, ich kümmere mich um das Mädchen, bis Sie zurückkommen!" Es fing schon an zu dämmern, als das Auto mit Heinrich Andresen und Frau von Diemen wieder vor der Tür des Gefängnisses hielt. Die zarte Frau von Diemen hatte sich mit bewundernswerter Energie sofort den Ausweis besorgt und den schriftlichen Antrag gemacht, dah sie ihre geistig erkrankte Tochter in häusliche Pflege ober in eine Privatnervenklinik bringen dürfe. Doktor Andresen hatte Sorge gehabt, sie könne es nicht ertragen. Aber sie sah still und gefaht, als er ihr Bericht gab, und tat nur einige Fragen. „Cs ist selbstverständlich, dah ich mich ganz Ihren Wünschen füge, lieber Herr Doktor. Ich wäre ja verraten und verloren gewesen ohne Ihre treue Hilfe, die ich Ihnen niemals danken kann. Verfügen Sie ganz über mich. Und es ist wohl zu verstehen, dah ich Eva-Marie lieber krank weih als schuldig. Wie aber ist es möglich, dah sie so krank wurde?" „Ihr Ehrgefühl wurde so tief verwundet, ihre Seele so tief verletzt. Ich bin überzeugt, dah es so ist, dah ein Auftrag, den ihr Renate gegeben, Cva-Marie in diese verworrene Lage gebracht hat, und das Gefühl der Schande. Bor meinen Augen und doch auch vor den Ihren, ist sie rein von dieser Schuld. Zu all diesem verzweifelten Kampf gegen die unglücklichen 11m- stände kam eine grohe körperliche Schwäche. Sie hat fast nichts gegessen, und der Schlaf war gewih nicht besser als der Appetit. Kommen Sie, gnädige Frau, der Wagen wartet," wir müssen alles versuchen." Eva-Marie lag mit geschlossenen Augen, genau so, wie Heinrich Andresen sie hängelegt hatte. Her Gerichtsarzt stand neben dem Gefängnisdirektor, und jene Schwester Anna stand bei dein Lager Eva-Maries. Sie hatte die Haube abgetan und entschuldigte sich, dah die Kranke wie ein Kind sich vor der Haube fürchte und ängstlich abwehre. Sobald sie die Haube abgetan habe, sei das arme Mädchen zutraulicher. „Ich verstehe den Zusammenhang", sagte Dr. Andresen mit finsterer Stirn. Dann war er wieder freundlich, streichelte Cva-Marie und flüsterte ihr zu, dah sie sehr lieben Besuch habe. Da hob das Mädchen müde die Augen. Ein einziger Schrei kam von ihrem blassen Mund, wie ein geängstigtes Kind streckte sie beide Arme aus. „Mama!" Scheu legte sie das Gesicht an die Brust der Mutter. „Du kommst mit mir heim, mein sühes Kind. Ich nehme dich hier fort. Du kommst mit mir, und alles wird wieder gut", tröstete Frau von: Diemen. „Die mütterliche Frau", dachte dankbar Dr. Andresen. „Sie kann mir helfen, das arme Kind zu erlösen." Er besorgte die nötigen Formalitäten mit den beiden Herren und dankte ihnen. Die Schwester schickte sich an, die Kranke aufzurichten, um sie zu führen, aber willenlos sank Eva-Marie zusammen. „Ich sage es nicht", flüsterte sie. „Ich will nicht wieder in den großen Saal. Ich sage eS doch nicht." „Wir gehen nicht in den Saal, wir gehen nach Hause", tröstete Dr. Andresen, nahm sie auf den Arm wie ein Kind und trug sie selbst in den Wagen. So fuhren sie zunächst in das Hotel und legten sie ins Bett. Sie schlief vor Ermattung sofort ein und lag dort wie eine Tote, so farblos und wächsern. Doll Angst blickte Frau von Diemen dem Arzt in das sinnende Gesicht. „Schlaf ist Segen für ihr armes Gehirn", sagte er ruhig. „Wir wollen sie schlafen lassen." Leise und sorgsam fahte er den Puls, der matt war. Sein Gesicht war ernst. Frau von Diemen sah ihn mit heißer Sorge an. „Wird sie wieder gesund werden?" „Sobald es gelingt, ihren Körper zu kräftigen, ist Hoffnung", sagte er, „aber es bedarf der sorgsamsten Pflege, am besten wohl in einem geeigneten Sanatorium." Da weinte Frau von Diemen bitterlich. „Ich kann es nicht bezahlen. Ich weih, wie furchtbar teuer das ist. Ich habe all mein Geld meinem Bruder geliehen. Ich kann über nichts verfügen, als über meine letzte Pension." Die bis dahin so gefahte, stolze Frau sah hilflos aus und aufs tiefste bekümmert. Was hatte das Geld doch für eine schrecklich große Macht. Hier entschied es vielleicht über Tod und Leben, über Ehre oder Schande. Dr. Andresen aber fand ein freundliches, unendlich gütiges Lächeln. „Liebe Mama, das lassen Sie meine Sorge sein. Was ist Geld." „Cs ist furchtbar, was ich alles von Ihnen annehmen muß, mein lieber, guter Doktor", sagte sie innig und drückte seine Hand an ihr noch schönes Gesicht. (Fortsetzung folgt.) 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