nr. 168 Erstes Blatt 182. Jahrgang Mittwoch, 20. Juli 1952 Erscheint lägltd), außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte (Siebener Familienblätter Heimat im Dikv - Die Scholle Monatr-Bezugrpreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt, ßernsprechanschlüfse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. MetzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vriltk und Verlag: Brühl'fche llniverfiltttr-Buch- und Steindruckerei R. Lange in Sietzen. Schrfttlettung und Geschäftsstelle: Schlllstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Ro» Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20° „ mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Tlaj Filter, sämtlich in Gießen. Oer Reichskanzler Reichskommissar für Preußen. Verordnung des Reichspräsidenten ermächtigt den Reichskanzler zur Amtsenthebung der preußischen Minister und Bestellung von Zleichskommiffaren.— Severing will nur der Gewalt weichen.—Erklärung des Ausnahmezustandes für Berlin.—Das Preußische Staatsministerium durch Militär beseht. Verordnung zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Gebiet des Landes Preußen. Berlin, 20. Juli. (IBIB. Funkspruch.) Auf Grund des Artikels 48 Absatz 1 und 2 der Reichsverfassung verordne ich zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Gebiete des Landes Preußen folgendes: § 1. Für die Geltungsdauer dieser Verordnung wird der Reichskanzler zum Reichskommissar für das Land Preußen bestellt. Er ist in dieser Eigenschaft ermächtigt, die Mitglieder des preußischen Staats- ministeriumsihresAmteszuentheben. Er ist weiter ermächtigt, selb st die Dienff- geschäste des preußischen Ministerpräsidenten zu übernehmen und andere Personen als Kommissare des Reichs mit der Führung der preußischen Ministerien zu betrauen. Dem Reichskanzler stehen alle Befugnisse des preußischen Ministerpräsidenten, den von ihm mit der Führung der preußischen Ministerien betrauten Personen innerhalb ihres Geschäftsbereichs alle Befugnisse der preußischen Staatsminister zu. Der Reichskanzler und die von ihm mit der Führung der preußischen Ministerien betrauten Personen üben d i c Befugnisse des preußischen Staatsministeriums aus. § 2. Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung in Kraft. Reudeck und Berlin, 20. Juli 1932. gej.: von Hindenburg. , gez.: von Papen. Die Aussprache mit dem Kanzler. Severing erklärt, nur der Gewalt weichen zu wollen. Berlin, 20. Juli. (OB.) Zu den Vorgängen, die sich bei dem Erlaß und der Durchführung der heutigen Notverordnung abgespielt haben, erfahren wir noch folgendes: Um 10 Uhr hatte der Reichskanzler die preußischen Minister Severing, hirtsiefer und Klepper zu sich gebeten, um ihnen die vorbereitete Verordnung und die Enthebung des Ministerpräsidenten Braun und des Innenministers Severing mitzuteilen, sowie den gleichzeitig an den früheren Oberbürgermeister von Essen, Dr. Bracht, erteilten Auftrag zur Wahrnehmung der Geschäfte des preußischen Ministers mitzuteilen. Auf das Ersuchen, diesem sein Amt zu übergeben, weigertesichder bisherige preußische Innen mini st er Severing mit der Begründung, er bezweifle das verfassungsmäßige Zustandekommen der Verordnung und er werde nur der Gewalt weichen, die öffentliche Sicherheit und Ordnung fei nicht mehr als in anderen Ländern gefährdet. In diesen Tagen werde Weltgeschichte getrieben; er denke nicht daran, sein Amt als Minister feige zu verlassen. Dieser Erklärung schloß sich h i r f- j icf er als Stellvertreter des bisherigen Ministerpräsidenten an. Der Reichskanzler erwiderte, daß die Frage der Verfassungsmäßigkeit nur durch den Staatsgerichtshof zu prüfen fei, aber einstweilen eine mit den Unterschriften des Reichspräsidenten und des Reichskanzler vorliegende Verordnung rechtmäßig fei. Daraufhin wurde der Ausnahmezustand über Berlin und die Provinz Brandenburg verhängt. Inhaber der vollziehenden Gewalt ist der Wehrkreiskommandeur General R u n d ft e d t, ihm untersteht auch die Polizei in Berlin und Brandenburg. Sine Stellungnahme der bisherigen Staatsregierung. Berlin, 20. Juli. (CNB. Funkspruch eigene Meldung.) Von der bisherigen preußischen Staatsregierung wird folgende Verlautbarung veröffentlicht: Die Preußische Staatsregierung nimmt einstimmig zu den heutigen Vorgängen wie folgt Stellung: I. Die Einsetzung eines Reichskommissars für Preußen, dem die gesamte vollziehende Gewalt übertragen wird, widerspricht nach Anschauung der preußischen Regierung der Reichsverfassung. 1. Weil kein Anlaß zu einer solchen Maßnahme vorliegt; 2. weil die Einsetzung keine „nötige Maßnahme zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung" ist; 3. weil der Einsatz andere Zwecke verfolgt. Die Preußische Staatsregierung wird daher s o - fort den Staatsgerichtshof anrufen und bis zu dessen Entscheidung den Erlaß einer einstweiligen Verfügung beantraaen. II. Soweit auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung unmittelbar oder mittelbar durch einen Reichskommissar in Artikel 17 der Reichsverfassung eingegriffen wird, z. B. durch Absetzung von Ministern oder Ernennung neuer Minister ober der in Artikel 63 der Reichsverfassung, wonach die Länder im Reichsrat durch Mitglieder ihrer Regierung vertreten werden, wird die preußische Staatsregierung einen solchen Angriff als ungut- t ig und nicht vorhanden ansehen. * I n Kreisen der Reichsregierung wird es b ez w e i f e 11, daß der Staatsgerichtshof eine einstweilige Verfügung erlassen werde, wie sie in der Regel nur in Zivilprozessen erfolge. Der Staatsgerichtshof hat in der Tat in feiner bisheri- gen Praxis nur in ganz seltenen Fällen eine einstweilige Verfügung erlassen. Aufruf des Mitiiärbefehlshabers. Berlin, 20. Juli. (WTB. Funkspruch.) „Ich bin durch den Herrn Reichswehrminister zum In- Ha b e r ö er vollziehenden Gewalt für den Bereich von Groß-Berlin und tffc Provinz Brandenburg ernannt worden. Ich erwarte von allen Behörden und von der Bevölkerung, daß sie meinen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung erlassenen Anordnungen Folge lei st en. Wer diese Bekanntmachung böswillig abreißt, verunstaltet oder beschädigt, wird bestraft. Berlin, 20. Juli 1932. Der Militärbefehlshaber, gez. von Rundstedt, Generalleutnant." Besetzung des preußischen Staatsministenums durch Militär. B e r l i n, 20. Juli. (OB. Funkspruch.) lieber die Besetzung des preußischen Slaals- minifteriums durch Reichswehrsold a- ten erfahren wir von gut unterichleter Seite, daß in der Mittagsstunde ein Offizier und zwei Mann — nicht, wie zuerst gesagt, drei Mann — erschienen. Der Offizier gab den beiden Soldaten Anweisung, die Bureauräume beseht zu halten und verlieh dann wieder das Staatsministerium. Die preußische, Staatsregierung selbst soll, wie zuverlässig oerlautet, sich in den Räumen des preußischen Innenministeriums aufhalten. Oie Wache am Präsidentenpalais verstärkt. Berlin, 20. Juli. (WTB.) Die Meldung von einer Besetzung des Reichspräsidenten- palais durch einen Trupp Infanterie mit Maschinengewehren trifft, wie wir von zuständiger Seite erfahren, nicht zu. Es ist lediglich die übliche Wache hn Reichspräsidenten- palais oerftärft worden. Maschinengewehre sind bei dieser Verstärkung nicht dabei. Heule nachmittagKabinettssitzung Bracht übernimmt das preußische Innenministerium. Berlin, 20. Juli. (CAB. Funkspruch. Eigene Meldung.» Reichskanzler von Papen fja£. in feiner Eigenschaft als Reichskommissar für Preußen das preußische Kabinett zu einer Sitzung um 16 Ahr einberufen. Um 18 Uhr wird das Reichskabinett zu einer Besprechung der Lage zufammentreten. Man nimmt in Kreisen der Reichsregierung nicht an, daß die preußischen Minister zu der preußischen Kabinettssihung kommen werden. Der mit der Führung der Geschäfte des preußischen Innenministeriums beauftragte Essener Oberbürgermeister Dr. Bracht wird seine Amts- geschäfte um 16 Uhr übernehmen- Die preußischen Minister werden nicht erscheinen. Berlin 20. Juli. (CNB. Funkspruch.) Wie wir von gut unterrichteter Seite erfahren, werden die noch im Amt befindlichen preußischen Minister Hirtsiefer Klepper, Grimme, Schmidt und S di r ei'ber nicht zu der vom Reichskommissar von Papen zu 16 Uhr einberufene Sitzung des preußischen Kabinetts erscheinen, do sie einmütig auf dem Standpunkt stehen, daß die Einladung zu einer Kabinettssitzung durch einen Reichskommissar für fie als nichtoorhanden und d a - her als nicht gültig anzusehen ist. Die Minister Hirtsiefer, Klepper und Schreiber Haden gegen 14 Uhr das preußische Staatsministerium verlassen. Wie versichert wird, haben sich die Minister in ihre M i n i ft e r t e.n begeben. Grzesinski verweigert Niederlegung seines Amtes. Berlin, 20.Juli. (CNB. Funkspruch eigene Meldung.) Der bisherige Polizeipräsident von Berlin, Grzesinski, hat an den Bevollmächtigten des Reichskommissars, Oberbürgermeister Bracht, ein Schreiben gerichtet, in dem er erklärt, er könne Dr. Bracht nicht als befugt erachten, ihn zu beurlauben und ihm die Ausübung seiner Amtsgeschäste zu untersagen. Er, Grzesinski, verbleibe daher auf feinem Platze, da er sich nach feiner Auffassung andernfalls einer Amtspflichtoerletzung schuldig machen wurde. Keine Amnestie in Hamburg. Hamburg, 20.Juli. (WTB. Funkspruch.) In der gestrigen Sitzung des Amnestieausschusfes der Hamburger Bürgerschaft wurde die national- so z i a l i st i s ch e Amnestie - Vorlage nach Ausführungen des Senatsvertreters Dr. Struve, der sich auf die Unruhen in Altona bezog und sich entschieden gegen eine Amnestie wandte, mit 7 Stimmen der Regierungsparteien und D e u t f d) nationalen gegen 6 Stimmen der Nationalsozialisten und Kommunisten abgelehnt. Das Echo an -en Börsen. Berlin. Berlin, 20. Juli. (WTB. Funkspruch.) Die Stimmung an der -Börse wird bei der gegenwärtig herrschenden Geschäfts st agnation durch die Kursveränderungen nicht mehr wiedergegeben. Das trat besonders heute mit außerordentlicher Deutlichkeit hervor. Die überraschend schnelle' Der- öffentlichung der Notverordnung des Reichspräsidenten, durch welche der Reichskanzler Herr von Papen zum Reichskommissar für Preußen ernannt worden ist, wurde mit recht geteilten Gefühlen ausgenommen. Der auf die Erklärung des preußischen Innenministers Severing, daß er nur der Gewalt weichen werde, sofort verhängte militärische Ausnahmezustand für Berlin und Brandenburg lieh in Dorsenkreisen die Befürchtung aufkommen, daß es möglicherweise einen Generalstreik geben werde. Aber nicht nur aus der Innenpolitik lagen verstimmende Meldungen vor, sondern auch außenpolitisch hat die Einigung der Alliierten gegen Deutschland in Genf und die Genehmigung des Rücktrittes der italienischen Minister, insbesondere des deutschfreundlichen Außenministers G r a n d i, starkes Mißbehagen hervor- gerusen. Demgegenüber traten wirtschaftliche Meldungen, wie das stille Reuhork mit der etwas freundlicheren Haltung der deutschen Bonds, die leichte Abnahme der Ruhrkohlenbestände im Monat Juni und die Zeitungsmeldungen über einen P'reisverfall am Kupfermarkt völlig in den Hintergrund. So lebhaft und erregt die Geschäftstätigkeit an der Börse war, so leblos und gering war die älmsatztätigkeit. 3n den gehandelten Werten waren Abschwächungen bis zu etwa ein Prozent festzustellen. Deutsche Erdöl, Hoesch, Ilse Genußscheine, Rhein. Elektrische, Chadeaktien, Braubank, Schlesische B-Gas und Polyphon waren stärker gedrückt. Rur Elektrische Lieferungen waren mit minus 4,5 Prozent ausgesprochen schwach. 3m Verlaufe unterhielt man sich weiter über die politischen Vorgänge. Die Kurse der führenden Papiere bröckelten etwa 0,5 Prozent ab. Deutsche Anleihen lagen schwächer. Ausländer kaum verändert. Renten und Reichsschuldbuchforderungen neigten zur Schwäche. Am Geldmarkt machte sich der rheinische Zahltag heute etwas bemerkbar. Tagesgeld war nur noch mit 5,25 Prozent erhältlich. Sronffurt. Frankfurt a. M.. 20. 3uli. (WTB. Drahtbericht.) An der heutigen Börse herrschte im Hinblick aus die verschiedenen heute vormittag erlassenen Maßnahmen der Reichsregierung zur Sicherung der Ruhe im Lande starke Nervosität und Zurückhaltung, zumal man für die Tage bis zur Wahl starke Befürchtungen hegt. Bei sehr geringer älmsah- tätigkeit neigte die Tendenz zur Schwäche, doch betrugen die Rückgänge nur selten mehr als 1 Proz. 3m Vergleich zur Abendnachbörse beliefen sich die Einbußen allerdings bis zu 2 Prozent. Niedriger eröffneten Deutsche Erdöl, 3G.-Farben, Siemens, Reichsbank und Montanaktien, bei denen Verluste bis zu 1,5 Prozent zu verzeichnen waren. Schiffahrtsaktien verloren etwa 0,5 Prozent. Von Kaliwerten eröffneten Salzdetfurth 1 Prozent höher, AEG., Deutsche Linoleum, Daimler, Scheideanstalt und Holzmann blieben behauptet. Nach den ersten Kursfeststellungen überwogen weitere Abgaben der Kulisse, so daß erneut Rückgänge von 0,5 bis 1 Prozent eintraten. Deutsche Anleihen waren gleichfalls niedriger, und zwar Altbesih mit minus 0,5 Prozent und Neubesitz mit minus 0,25 Prozent. Auch hier gingen die Kurse später weiter zurück. Reichsschuldbuchsorderungen lagen zunächst nur mäßig schwächer. Im Verlaufe stagnierte der Borsenver- kehr fast vollkommen, doch blieben die Kurse auf der ermäßigten Basis ziemlich gehalten. Man wartet allgemein ab wie das Ausland die veränderte politische Situation in Deutschland aufnimmt. Tagesgeld war zu 4% Prozent etwas gesucht. Sind Ruhe und Ordnung jetzt gesichert? Das Oemonstrationsverbot nur eine Atempause. - Weitere Maßnahmen in Sicht. Eine Umfrage bei den beteiligten Behörden. Don unserer Berliner Redaktion. 3m Reichsministerium des Innern herrscht feit dem Augenblick, in dem das Demonstrationsverbot auf dem Telephonwege dem Polizeipräsidenten bekanntgegeben und in der Pressekonferenz der Oeffentlich^it übermittelt wurde, ein „Betrieb", den man in dem roten Gebäude des früheren Generalstabs nicht gekannt hat. Das Ministerium wird mit Anrufen und Besuchen überschüttet. Dieser Vorgang zeigt, in welchem Maße das Demonstrationsverbot Beruhigung und zugleich Beunruhigung ausgelöst hat. Vor allem ist man sich über die Absichten der Reichsregierung noch nicht im Klaren. Die 71 a t i o n a l - IoziaIisten sind, das kommt bei ihren Rückfragen im Reichsinnenministerium klar zum Ausdruck, am stärksten beunruhigt. Sie fühlen sich keineswegs verantwortlich, älrheber der Dürger- kriegskrawalle zu sein. 3m Ministerium antwortet man ihnen, daß man auch in der Wilhelmstrahe d ie Kommunisten für die Bürgerkriegs- gefah»ren verantwortlich mache. 3edoch sei ein allgemeines Demonstrationsverbot als ein Provisorium notwendig, um aunäd)ft€in€ Atempause zu schassen und die Polizer- beamten vor der äußersten Erschöpfung zu bewahren. Hier im Rerchsinnen- ministerium erfährt man erst m plastischer Deutlichkeit was die Polizei in Deutschland in den ätzten Tagen und Wochen geleistet hat und man begreift, daß die Reichsregierung chr mit einer Gesehesmaßnahme zu Hilfe kommen mußte, sonst wären, nach dem Ausspruch eines führenden Polizeibeamten, innerhalb einer Woche die Schlägereien zum offenen Bürgerkrieg ausgeartet. Man erfährt, daß die Polizeibehörden in allen - Landeste ilen gleichmäßig das sofortige Eingreifen der Reichsregierung gefordert haben. „Sprechen Sie einmal selbst mit aktiven Polizeibeamten, und Sie werden erfahren, was in den letzten acht Tagen in Deutschland auf dem Spiele stand", so heißt es im Reichsinnenministerium. Noch ein paar Tage länger ... Ein Polizeihauptmann, der in der Gegend des Schlesischen Bahnhofs in Berlin den Dienst versieht, ist gern zu Auskünften bereit Während der Unterredung verläßt er nicht seinen Platz am Telephon, denn jede Minute des Zögerns bedeutet im Ernstfälle Tote oder Verwundete. „Sie können sich nicht vorstell'n, :.,i welchem Zustande sich unsere Polizeibeamte L> finden. 3 n den letzten vie rzehn Tagen sind sie — und nicht nur hier bei uns! — meist 48 Stunden lang nicht aus den Kleidern gekommen. 3n meinem ganzen Revier ist nicht ein einziger, der nicht in eine Schlägerei verwickelt worden wäre. Tagelang konnten jtut Trupps von vier Polizei beamten sich durch die besonders ^fährdeten Straßen wagen. Tlnd eines verkennt man in der Oefsentlichkeit vollkommen: den unerhörten Aufwand an Ruhe und Besonnenheit, durch den allein die Polizei tägliche Strahenschlachten verhindert hat. Selbst, wenn aus der Reihe der Demonstranten oder aus den Häusern geschossen wurde, zogen die Polizeibeamten nach Möglichkeit nicht die Waffe, sondern versuchten, die Schützen allein mit Hilfe des Gummiknüppels zu überwältigen. Erst im äußersten Rotfall wurde von der Polizei geschossen. Wir können ohne Üebertreibung sagen, daß nur ein kleiner Teil der Polizeibeamten getötet und verwundet worden tyäre, wenn die Polizei es nicht bis zum letzten Augenblick versucht hätte, mit friedlichen Mitteln Ruhe zu schaffen. Jetzt, nach Erlast des Demonstrationsverbotcs habe ich den am stärksten beanspruchten Teil meiner Leute erst einmal ins Bett geschickt, sonst wären sie über kurz oder lang zusammengebrochen. „Es besteht für mich kein Zweifel, daß das De- monstrationsoerbot in dem letzt en nur möglichen Augenblick gekommen ist. Unsere- Be- amten sind über den Tod ihrer Kameraden so verbittert und durch die ununterbrochene Beanspruchung derart überanstrengt, daß ihre Nerven diesem Zustande höchstens noch ein paar Tage gewachsen wären..." Wer trägt die Schuld am Bürgerkrieg ? In der Reichshauptstadt sind eine größere Anzahl hohe Polizeioffiziere aus dem ganzen Reich versammelt, die über die Hintergründe der Krawalle Bericht erstatten. Einer dieser Polizei- offiziere, der auch die Borgänge in Altona genau kennt, erklärt: „Was uns ganz besonders erbittert hat, ist die Tatsache, daß die Angriffe auf Ruhe und Ordnung, namentlich bei den Kommunisten, immer von dem gleichen Gesindel ausgehen. Fast jeder der Raufbolde und Maschinengewehrschützen, die wir fassen konnten, hot schon mehrere Male bei uns hinter Schloß und Riegel gesessen. Es ist also ein planmäßiger Bürgerkrieg, der von einer Art politischer Berufsverbrecher ausgeübt wird. Während der letzten vierzehn Tage hatte die Polizei in den schlimmsten Unruhegebieten keine Zeit, und keine Beamten übrig, um das gesammelte Material und um die Spuren zu verfolgen. Eine völlige Atempause in Form eines Demonstrationsverbotes mußte kommen, damit wir endlich die Herde Vieser Strahenverschwörungen säubern können. Brauchen wir neue Schnellgerichte? Die Polizeibehörden und die Länderministerien haben das Reichsinnenministerium darauf hingewiesen, daß es bei einem Demonstra- tionsverbot allein nicht bleiben kann. Es müsse jetzt endlich gelingen, die großen W affe n b e st ä n d e zu erfassen, die von Angehörigen radikaler Parteien immer noch mißbraucht werden. Denn neben den Straßenschlachten sind die politischen Streitigkeiten, die in kleinen Gruppen entstehen, in einer Weise gewachsen, daß die Polizei auch dieser Erscheinung bald machtlos gegenüberstehen wird. Bon Regierungsseite sind zu dieser Frage insbesondere auch bei den bestehenden poli- tischen Schnellgerichten Erkundigungen eingezogen worden. Das Material der Gerichtsakten ergibt die Tatsache, daß bei diesen Zusammenstößen viel häufiger als der politische Berufsverbrecher der-Zufallstäter eine Rolle spielt, der glaubt, in vermeintlicher Notwehr zu handeln. Dieser Gefahr kann nicht allein durch polizeiliche Bewachung, sondern nur dann begegnet werden, wenn endlich der riesenhafte unerlaubte Waffen- besitz ein Ende findet. Und auch das Gut- achten der Juristen geht zumeist dahin, daß der unerlaubte Waffenbesitz nur durch Strafen, die sonst allein während des Ausnahmezustandes gerechtfertigt sind, beseitigt werden können. Und so wird auch eine Erweiterung der Schnellgerichte gefordert, denn nur. die sofortige Bestrafung wirkt in ausreichendem Maße abschreckend. In den Kammern, die politische Verbrechen abzuurteilen haben, ist man der gleichen Meinung wie bei den zuständigen Poli- zeibehörden: wenn sich die Krawalle in dem bisherigen Ausmaße noch ein paar Wochen weiter» entwickeln, befinden wir uns nicht nur im politischen Bürgerkrieg, sondern auch im Zustande einer politischen Demoralisierung, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Oie Insel der Pinguine. Eine Reportage aus dem allen „Oeutsch-Eüdwest". Don E. 3 Klötzel. Halifax ist nur ein paar Reitstunden von Lüderihbucht entfernt. Die „Pad" dorthin ist einer der seltenen Wege, die man in der Um» gebung dieser Stadt begehen darf, ohne vorher einen Erlaubnisschein bei der Diamantenpolizei eingefordert zu haben. Rach fast allen Seiten hin beginnt noch im Weichbild des Ortes das Sperrgebiet, in dem, ohne „Permitt" angetroffen zu werden, mit vielen Pfunden geahndet wird. Lüderihbucht ist eine Stadt ohne Grün. Wenn die Lehrer dort ihren Schülern einen Baum zeigen wollen, müssen sie über hundert Kilometer landeinwärts reisen, ehe sie das erste kümmerliche Exemplar zu sehen bekommen. Die erkennbare Flora des ganzen Küstenstriches besteht aus ein paar ganz niedrigen Kriechpflanzen, die>im Windschatten der Klippen gedeihen. Man must schon sehr gute Augen haben, um auch jene andere Flora und Fauna zu entdecken, die sich in Form und Farbe so völlig dem Gestein angepastt haben, dast kein ungeschulter Blick sie erkennt. Da gibt es Pflanzen und Tiere — z. B. die Klippenwanze — die kleinen Felsbrocken täuschend ähnlich sind und von denen man nicht begreift, woher ihnen in dieser Steinwüste Rührung kommt. Endlich klappern die Pserdehufe nicht mehr auf dem nackten Felsen, sondern galoppieren wie auf Gummi über den nassen Ufersand. Das nächste Ziel ist der Leuchtturm, der auf vorgeschobener Landzunge weit draußen in der Brandung steht. Dort, so hatte man uns geraten, sollten wir die Pferde einstellen, sonst müßten wir einen Anker mitnehmen, um sie festbinden zu können. Aber der Leuchturmwärter meint, es seien genug Schwarze auf der Pinguininsel, und einer von ihnen würde schon die Pferde halten. In zehn Minuten sind wir dort, wo Ufer und Insel einander am nächsten liegen. Ganz deutlich ist zu erkennen, daß das was heute Eiland ist, vor nicht gar zu langer Zeit noch Festland gewesen sein muh. Kaum hundert- sunfzig Meter breit ist die trennende Wasser- Phantast oder Verbrecher? Oer Schuß auf den Bon unserer Berliner Redaktion. Allem Anschein nach ist der Mann, gegen den wegen des Attentats auf den Reichsbankpräsidenten Dr. Luther vor dem Großen Berliner Schöffengericht in Berlin verhandelt wird, weder ein Phantast, noch ein Verbrecher, sondern nur ein Querulant. Querulanz mit einer guten Dosis Genialität und etwas von dem, was der Engländer spleenig nennt. Er hat auch körperlich etwas von einem Engländer, wenngleich die Eleganz seiner Erscheinung nicht makellos ist. Der erste flüchtige Eindruck ist der eines Grandseigneurs, und erst bei näherer Beobachtung erkennt man, daß nicht alles Gold ist, was glänzt. Frappierend wirkt seine überragende Intelligenz, so daß man nur bedauern kann, daß dieser Mensch durch wer weist was für. Zufälle in falsche Bahnen gelenkt wurde. Vielleicht ist es gerade seine ungewöhnliche Begabung, die ihn, verbunden mit einer starken kritischen Einstellung, verhinderte, bei einem bestimmten Wissens- und Arbeitsgebiet zu beharren. Sein Geist wächst schnell über die Materie hinaus und verirrt sich im Mystischen. Nach juristischem Studium war er Referendar. Wie sich aus der Verhandlung ergibt, weiß er i n der Straf Prozeßordnung s o gut Be- Reichsbankpräsidenten. scheid, daß der Vorsitzende des Gerichts keinen leichten Stand hat. Von der Rechtswissenschaft wech- fette er über auf die Kunst, wird M u s i k l e h r e r. Später beschäftigt er sich nur mit Zahlentheorie n. Er wird Finanzsachverständiger, wird Berater bei großen internationalen Transaktionen. Die Einkünfte aus dieser Tätigkeit ermöglichen ihm, auf großem Fuße zu leben. Ein Querulant. Er ist selbst Juist, ein hervorragender Kenner der Strafprozeßordnung und trotzdem sträubt er sich dagegen, die Strafprozeßordnung für sich anzuerkennen. Für den ganzen Prozeß hat er sich ein genaues Programm ausgearbeitet und für alles, was er zu sagen hat, Exposes angefertigt. Zunächst stellt er einen Antrag auf Haftentlassung. Als der Antrag abgelehnt wird, verlangt er, daß ihm das Recht gegeben wird, sich mit den Sachverständigen und Zeugen so frei zu unterhalten, wie es der Staatsanwalt tut. Der Vorsitzende weist ihn daraus hin, daß dies bei preußi- schen Gerichten nicht üblich sei. „Dann führen Sie das ein, Herr Landgerichtsdirektor" antwortet Roofen. Er fei Hamburger und nicht geneigt, der Hebung preußischer Gerichte zu folgen. Als der Vorsitzende ihn darauf aufmerksam macht, daß der Angeklagte seine Tat und die Umstände der Tat aus dem Gedächtnis schildert, erklärt Roofen, er wolle vor Gericht keine Vor- Parteiführer im Wahlkampf. Hitler-Kundgebungen inEchneidemühl undKottbus. Schneidemühl, 19.Juli. (TU. Funkspruch.) Am Dienstag fand im Schne-idernühler Stadion eine Hitlerkuudgebung statt, an der 28 000 Personen teilnahmen. Hitler erklärte, es gehe darum, das deutsche Volk zu einer Einheit zusam- menzuschmelzen. Die 30 Jnteressenparteien wollten dies verhindern, denn sie lebten von der Zerrissenheit. Nur in Einigkeit und durch Arbeit könne 'das deutsche Volk groß werden. Es ziehe sich jetzt aus der Chloroformierung durch die Parteien heraus. Denn es habe es satt, diese Politik des Systems der letzten 14 Jahre noch weiter zu gehen. Der Nationalsozialismus kämpfe gegen die Politik der Auflösung, gegen die Zersplitterung, gegen den Terror. Das ungeheuere Wachstum der Partei beweise die Nichtigkeit ihrer Gedankengänge. Er werde beweisen, daß es möglich fei, das deutsche Volk zu einer wahren Volksgemeinschaft zusammen- zufafsen. Der 31. Juli werde ein Kampftag sein, aber am 1. August werde die Arbeit wieder weiter- gehen. Wenn jeder seine Pflicht tue, wenn der Bauer und Arbeiter, der Akademiker und der Handwerker zur Nation zusammenstünden, dann werde auch endlich die Sonne wieder über Deutschland scheinen, dann würden wir ein Deutschland der Kraft, der Größe, der Schönheit und des sozialen Rechts erringen. Am gleichen Tage stand auch Kottbus im Zeichen einer Hitler-Kundgebung, zu der sich auf der Rennbahn 35 000 Menschen eingefunden hatten. Hitler machte die Gegner verantwortlich für die Entwicklung Deutschlands in den letzten vierzehn Jahren. Wenn der Arbeiter heute noch glaube, in einer proletarischen Partei Hilfe zu finden, dann müsse ihm entgegengehalten werden, daß die SPD. ja 70 Jahre lang dazu Zeit gehabt habe, ohne etwas erreicht zu haben. Die Geschichte werde es zu würdigen wissen, wenn er aus 30 Parteien eine mache. Es werde vielfach die Ansicht vertreten, der Rationalsozialismus müsse mit dem Zentrum eine Koalition eingehen. Er sei zu jeder Koalition bereit, wenn sie nationalsozialistische Politik treibe. Hugenberg und das Zentrum. Köln, 19. Juli. (TU.) Hugenberg führte lp einer Rede in der Messehalle u. a. folgendes aus: Es gibt Leute, die sich aufgeregt haben, weil ich die Frage einer Koalition zwischen Zentrum und Nationalsozialisten erörtert habe. Diese Frage zu erörtern, kann ich mir von niemandem verbieten lassen. Ich habe, als es noch Zeit war, ein über das andere Mal erklärt: Wir sind zur Mitarbeit bereit, aber nur auf einer ehrlichen nationalen und antimarxistischen Grundlage. Das Zentrum hat das abgelehnt. Es hat sich von der Sozialdemokratie nicht trennen wollen. Es ist unwahr und unehrlich, wenn es jetzt diesen Tatbestand verwischen will. Es ist ebenso unwahr und unehrlich, wenn nationalsozialistische Blätter heute so tun, als hätte ich je im Bunde mit dem Zentrum gestanden. Sie wissen genau, daß vielmehr gerade meinerseits das Zentrum vor eine Probe gestellt worden ist, die es nicht bestanden hat. Wir sind der Meinung, daß im künftigen Deutschland ohne Zentrum regiert werden kann. Oingeldey in Lübeck. Lübeck, 18. Juli. (TU.) In einer Kundgebung der Deutschen Volkspartei führte Dingeldeh u. a. folgendes aus: Ein Volk, das sich innerpolitisch mit Haß und Waffengewalt bekämpfe, spiele um feine Zukunft. Das Ergebnis von Lausanne habe wieder einmal gezeigt, wie unendlich schwer es sei, die Ketten von Versailles zu sprengen. Deutschland dürfe keinen Utopien nachjagen. sondern müsse in nationaler Gemeinschaft dem Schicksal die Stirn bieten. Der Glaube an ein Zaubermittel sei abwegig. Die Wechsel würden bald präsentiert werden. Die Forderungen cfcr Deutschen Volkspartei seien: Stärkung der Stellung des Reichspräsidenten. Un- abhängigkeit der Reichsregierung vom Parlament und Schaffung eines Oberhauses. An die Stelle der Agitation und des Glaubens an einen Erlöser müsse die Verantwortung, die Bewertung der Leistungen und die Objektivität des Staates treten. Die Deutsche Volkspartei sehe ihr Ziel darin, die Hunderttausende, die gedankenlos ihren Weg gingen, vor dem Schicksal zu bewahren, eines Tages dem Bolschewismus zu verfallen. Brüning spricht in Stuttgart. Stuttgart, 19. Juli. (CNB.) (Eigene Meldung.) In einer großen Zentrumskundgebung in der von 10 000 Personen vollbesetzten Stadthalle in Stuttgart sprach Reichskanzler a. D. Dr. Brüning. Mit Nachdruck wandte sich Brüning gegen den 'Vorwurf, daß seine Regierung Siedlungsbolschewismus getrieben habe. Die Pläne, die die Regierung für den Osten gehabt habe, seien aufs sorgfältigste aus« gedacht gewesen. Die jetzige Regierung Popen unterzog er sodann einer sachlichen Kritik. Bezüglich der Lausanner Konferenz betonte Brüning, er habe in der letzten Reichstagssitzung gesagt, keine Regierung dürfe zurückgehen hinter das, was er im Januar in bezug auf die Reparationsfrage ausgesprochen habe. Wenn die Regierung Popen hinter dieses zurückgegangen sei, so müsse sie sich eben bei der Ratifizierung des Lausanner Ergebnisses b e i d e n P a r- t e i e n Hilfe holen, als deren Wortführer sich der neue Kanzler in Lausanne vorgestellt habe. An der Zustimmung der radikalen Rechten sei nicht zu zweifeln, denn ihr gehe es in erster Linie um die Eroberung der Macht im Innern. Es fei ein Gesetz der Geschichte, daß nach radikalen Strömungen, die nur nach einer Seite tendieren, noch einiger Zeit der Gegenstoß von der anderen Seite kommt. Nicht durch eine Diktatur, sondern nur durch Ausgleich und Mäßigung wird Deutschland wieder zur Hohe kommen. Wie sich die Reichsregie» »ng dieReu- regelung des RundsunkwesenS denkt. Berlin, 19. Juli. (ERB.) Wie das „B. T." aus authentischer Quelle wissen will, sehen die neuen Vorschläge der Reichsregierung zur Regelung des Rundfunkwesens folgende organisatorische Maßnahmen vor: Der bisherige Rundsunk- kommissar u. Leiter der Reichsrundsunkgesellfchaft wird durch zwei gleichberechtigte Direktoren der Reichsrundfunkgesellschaft erseht, von denen einer vom Reichspostminister, der andere vom Reichsinnenminister ernannt wird. Bei sind Kommissare der Reichsregierung. Für die Geschäfte der Reichsrundfunkgesellschaft ist in technischen Fragen der vom Reichspostminister, für politische Fragen der vom Reichsinnenminister ernannte Direktor zuständig. Der vom Reichsinnenminister zu ernennende Kommissar unterhält die Beziehungen zu den Staatskommissaren, die von den Ländern für die in ihrem Gebiet liegenden Sendegesellschaften zu ernennen sind. Der Reichsrundfunkgesellschaft wird ein Verwaltungsbeirat beigegeben, dessen Mitglieder vom Reichspostministerium, vom Reichsinnenminister und von den Ländern Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg und Hamburg gestellt werden. Außerdem wird bei der Reichsrundfunkgesellschaft ein Programmbeirat von zwölf bis fünfzehn Mitgliedern bestellt, der bei politischen P r o g r am m f r a g e n gutachtlich zu hören ist. Den Vorsitz im Verwaltungsbeirat führt der vom Deichspoft- minister, im Programmbeirat der vom Reichsinnenminister zu ernennende Direktor. Die Sende- gesellschaften gehen restlos in den Besitz der öffentlichen Hand über. Es wird ihnen ein Programmbeirat beigegeben, dessen Mitglieder von den Länderregierungen im Einvernehmen mit dem Reiche ernannt werden. Die bisherigen politischen U e b e r w a ch u n g s a u s s ch ü s se fallen fort. Der Deutschlandsender wird zum Reichssender gemacht. Ministerwechfel in Italien. Grandi tritt mit drei Kollegen zurück. Mkissoliniübern mmt felberdntzAnswärtige Rom, 20. 3uli. (WTB. Funkfpruch.) Die Agen- zia Sfefani meldet: Der König hat den Rücktritt des Außenministers G r a n d i, des Finanzministers Mosconi, des Justizministers Rocco, des Erziehungsministers Giuliano und des Korporationsministers D o t t a i enfgegengenommew. Er ernannte zum Staatsminister für auswärtige Angelegenheiten und Korporationen den Regierungschef, zum Juftiz- minister den Abgeordneten und Rektor der Universität Rom, Professor d e Irancisci, zum Finanzminister den Abgeordneten Guido Jung und zum Erziehungsminister den Abgeordneten und Rektor der Universität Palermo, Prof. Ercole. fläche und eine Reihe von Riffen zeigt unverkennbar die Stelle, an der der Durchbruch des Meeres erfolgt ist. Wir halten auf hoher Klippe und fchauen hinüber. Man sieht ein paar einfache Holzbauten und auf Strand, Felsen und Fläche ein unendliches Gewimmel von schwarzen Punkten: das Volk der Pinguine. Durch das Glas erkennt man deutlich die einzelnen Tiere in ihrem charakteristischen schwarz-weißen Balg. Aber nun gilt es, hinüber zu kommen. Zwei Männerkehlen versuchen, gegen den Meerwind anzubrüllen. Der eine hält die Pferde, der andere schwenkt in der Linken ein Taschentuch, mit der Rechten hält er den „Schlüssel" zu diesem Vogelparadies in das Sonnenlicht: eine Flasche besten schottischen W y i s k y s. Denn wer jahraus, jahrein auf dieser Insel haust, ohne andere Gesellschaft als die der Vögel und einiger Koffern, der liebt es abends, sich hinter das Glas zu setzen. Und niemand käme wohl zu den Pinguicken, der nicht eine der bekannten Flaschen mit dem „weißen Pferd" auf dem Etikett mitorächte. Indessen dauert es geraume Zeit, bis man uns bemerkt. Dann stößt ein Boot von der Insel ab, von sechs „Jungens" gerudert. Am Steuer sitzt ein langer, hagerer Mann, der aussieht wie ein Trapper aus dem „Lederstrumpf". Das ist Mister Graham, der „K o n i g d e r P i n g u i n e". Er schiebt die Whisky-Buddel mit großer Befriedigung in die rückwärtige Hosentasche und macht mit uns shake-hands. Dann greift er wieder zum Steuer und wir setzen über. Das Bild, das sich uns bietet, ist überwältigend. Da sitzen auf der geneigten Fläche, die den Jnnen- raum der Insel darstellt, Zehntausende von kleinen Kommerzienräten in Cutaway, weißer Weste und Zylinder. Sie sitzen da in endlosen Reihen, von der Uferzeile bis ganz hinten, wo ein steiler Felsen die Szenerie abschließt. Eine riesige Freilicht'Börse. Alle haben sie die Front zum Wasser, und das unaufhörliche Gekrabbel, das aus den Massen aufsteigt, verstärkt nur noch die Illusion einer Riesenversammlung würdiger, aber korpulenter kleiner Herren. Man ist geradezu enttäuscht, die goldenen Uhrketten nicht zu finden, die sich von Rechts wegen über die runden Bäuchlein strammen müßten. Wie dos Boot ans Ufer stoßt, stürzen sich die | nächsten ins Wasser — und plötzlich sind aus den Miniaturbörsianern richtige Schwimmvögel gewor- | den, die sich graziös auf den Wellen schaukeln. An- Mr. Grahams Aufgabe besteht darin, von Zeit zu Zeit diese Produktion zu sammeln, in Säcke zu tun und nach Kapstadt zu verfrachten. Dort nennt man sie Guano und verkauft sie teurer, als den b e ft e n k ü n st l i ch e n Dünger. Aus dem Fisch, den ein Pinguin gefressen hat, wird so auf dem Wege über die Insel Halifax, Mister Graham und den Kapstädter Guanohandel vielleicht ein Rosenstock oder Blumenkohl. Die Wege der Natur sind wunderbar! Die Pinguine auf Halifax wissen, was sie der Welt- wirtschaft schuldig sind. Sie guanificren im Laufe des Jahres so an die vierhundert bis sechshundert Tonnen zusammen. Dennoch verblaßt ihr Ruhm vor dem der Konkurrenz auf einer benachbarten Insel: die dortigen Seegänse bringen es auf dreitausend Tonnen im Jahr! dere machen Platz, indem sie schwerfällig ein paar Schritte zur Seite watscheln, und das sieht wieder ganz nach Asthma aus. Essindihrerunzählig^e! Zuerst geht man nur hindurch und sieht nur die Masse. Man versucht zu schätzen, zählt Hunderte von diesen schwarzweißen Punkten, vergleicht die kleine Fläche, auf der sie hocken, mit dem Gesamtraum und gibt jeden Vergleich auf. Später erkennt man in der uniformen Menge die einzelnen Tiere. Und wie man sie so richtig sieht, in der unglücklich-komischen Figur^ die sie machen, mit ihrem gezwungenaufrechten/Gang, den hilflosen Vordergliedmaßen, von denen man nicht recht weiß, ob es Flossen oder Flügel sind, mit den traurig-dummen Augen, nach deren Hervorquellen man einen schweren Herzfehler diagnostizieren möchte, begreift man bei alledem nicht, warum diese Häuschen Unglück nicht im Wasser herumschwimmen, das ihr Elemeyt ist, sondern als Familientag einer phantastisch zahlreichen Sippe da beieinander hocken. Erst mit der Zeit wird man gewahr, daß man es mit l a u t e r P ä r ch e n zu tun hat. Wo das Männchen nicht gerade Atzung in den ziemlich weit entfernten Fischgründen sucht, sitzt es neben dem Weibchen. In den meisten Nestern liegen jetzt die Eier, und in vielen gibt es schon Junge. So ein Pinauin- küken sieht allerliebst aus. Selbst wenn sie schon ziemlich groß sind, tragen sie noch den wolligen Flaum. Naht man sich einem Nest mit Jungen, so bleibt die Alte ruhig sitzen und versucht, mit den kümmerlichen Flügeln die Küken unter sich zu pressen. Dabei sperrt sie den Schnabel weit auf und quarrt den Störenfried furchtbar an. Einige Männchen sind sogar so kühn, kräftig nach den Stiefeln der Vorübergehenden zu hacken. Sie wissen aus Erfahrung, daß ein Erlaß jede Jagd und Störung auf ihrer seligen Insel verboten hat und sie fast so geschützt sind, wie am jenseitigen Ufer die rohen Diamanten. Was aber, wird man fragen, was haben diese Pinguine zu tun, um sich dieses Wohlwollen, diesen Schutz und die ständige Anwesenheit des Mr. Graham und seiner schwarzen Garde zu verdienen? Für nichts ist doch nichts. Welche produktive Tätigkeit üben sie aus, um derentwillen sie jo hoch in Gunst flehen? Nun, alles was sie tun, daß sie f e h r v i e l f r e s- fen und entsprechend viel verdauen. Nichts weiter wird von ihnen verlangt, als daß sie sich gut nähren und das, was der Körper zum Aufbau nicht braucht, nirgend anders deponieren, als auf ihrer Insel. Und Sochschulnachrickten. Der o. Professor Dr. Edmund M e z g e r von der Universität Marburg ist als Nachfolger des verstorbenen Staatsrechtslehrers Professor Ernst von B e l i n g an die Universität München berufen worden. Der durch das Ableben von Professor Dr. Fe- dor Schneider an der Universität Frankfurt erledigte Lehrstuhl der mittleren und neueren Geschichte ist dem Frankfurter Honorarprofessor Dr. E. Kantorowicz angeboten worden. Der ordentliche Prosefsor der Archäologie Dr. Ernst Langlotz in Jena hat einen Ruf an die ilniberfität Frankfurt als Rachfolger von Hans Schrader erhalteir. Der Lehrstuhl der klassischen Philologie an der Universität Halle ist dem Ordinarius Dr. P. Friedländer in Marburg angeboten worden. Der ordentliche Professor an der Handelshochschule Leipzig, Dr. L. v. Hi bl er ist zum o. Professor der englischen Sprache und Literatur an der Technischen Hochschule in Dresden berufen worden. Der Lehrstuhl der Archäologie an der Univer- fität Berlin ist dem Präsidenten des Archäologischen Instituts des Deutschen Reichs, Prof. Dr. G. Rodenwaldt angeboten worden. Prof. Dr. W. T r o l l in München hat den Ruf auf den Lehrstuhl der Botanik an der Universität Halle angenommen. Die deutsche Taktik in Genf. Man könnte die Frage stellen, warum die deutsche Regierung es ihren Gegenspielern in Genf überläßt, die Verhandlungen durch die führenden Staatsmänner zu betreiben, während wir selbst ihnen nur einen Beamten des Auswärtigen Amtes gegenüberstellen. Das hat schon feinen guten Grund. Im Hauptquar- tier der Franzosen glaubt man, daß Deutschland es in der kurzen verfügbaren Zeit nicht für oppurtun halten werde, die grundsätzliche Frage der Rüstungsgleichheit vorzudringen. Der taktische Plan Herriots zielt offenkundig nach der Richtung uns durch ganz unverbindliche Formulierungen in der Präambel der Vertragsentschließung abzu - speisen um dafür unsere Zustimmung für die geplanten,'völlig unzureichenden technischen Feststellungen der Resolution zu erkaufen. Herriot könnte jedoch gegenüber dem Führer unserer Abordnung eine döse Enttäuschung erleben. lind zwar gerade deswegen, weil Radolnh nur beauftragter Beamter des Auswärtigen Amtes ist, der zu selbständigen Verhandlungen über die entscheidenden und grundsätzlichen Fragen keine Vollmachten hat. Radolny wird im gegebenen Augenblick den Franzofen und Engländern mitteilen müssen, dcch seine Ermächtigung, der Vertagungsformel zu- zustimmen, an ganz bestimmte und von ihm nicht zu unterschreitende Bedingungen geknüpft ist. Diese Bedingungen sind ganz eindeutig. Wir können nur die Verantwortung für eine Dertagungssormel übernehmen, in der die Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung auf dem Rüstungsgebiet klar und unumwunden ausgespochen wird. Es wäre das Höchstmaß des Entgegenkommens, wenn wir uns mit einem genau fe ft gelegten Termin für die Wiederaufnahme der Arbeiten des Abrüstungsausschusses begnügen würden. Gleichzeitig müßte in diesem Falle die deutsche Forderung nach Gleichberechtigung a l s erster Punkt auf die Tagesordnung gesetzt werden. Herriot wird gegenüber einem Beauftragten der Reichsregierung mit gebundener Marschroute viel schwereres Spiel haben als gegenüber einem verhandlungssähigen Minister. Sein Optimismus wird schon in wenigen Tagen einen kräftigen Knacks bekommen. Forderungen der Nationalsozialisten. München, 19. Juli. (TU.) In der „NSK." schreibt Oberst Haselrnayr, das mindeste, was das deutsche Volk von feiner heutigen Regierung erwarten müsse, sei, daß sie es ablehne, eine Teilnahme des abgerüsteten Deutschlands an der Verlängerung des Rüstungsjahres zuzusagen. Zum zweiten müsse das deutsche Volk von der Regierung verlangen, daß sie auch sonst keiner Abmachung zustimme, die Deutschland hindern könnte, nach Ablauf des Rüstungsfeierjahres die unvermeidlichen Schritte zur Erlangung jenes Mindestmaß an nationaler Sicherheit vorzunehmen, das ihm Artikel 8 der Völkerbundsfatzung zuerkenne. Die dritte Aufgabe der Regierung wäre die Abgabe einer Erklärung, daß Deutschland sich nicht mehr an den Teil 5 d e s Versailler Diktats gebun- den erachtet und sich weitere Folgerungen aus der Nichtdurchführung gewisser Lertragsverpstich- tungen durch die anderen Unterzeichner vorbehalte. Finde die derzeitige Regierung nicht den Mut zu letzterem Schritt, so werde es Aufgabe der kämmenden nationalsozialistischen Regierung sein, ihn zu tun. Unbedingt gefordert müsse aber werden, daß die Regierung von Papen durch ein Verfahren entsprechend Punkt 1 und 2 ihrer Nachfolgerin wenigstens alle Wege offenhalte. Aus oder Wett Hausners Ozeanflugzeug gesichtet. Wie aus La Coruna gemeldet wird, ist das Flugzeug des polnischen Ozeanfliegers Hausner, das dieser auf hoher See lassen mußte, da es nicht abgeschleppt werden konnte, im Atlantischen Ozean 42 Grad 21 Minuten nördlicher Breite und 24 Grad westlicher Länge gesichtet worden. Alle Schiffe sind aufgefordert, zu versuchen, den Apparat an Bord zu bekommen. von Gronau startbereit zum Amerikaslug. Der Dornierwal Wolfgang v. Gronaus liegt startbereit in List auf Sylt. Der n e u e A m e r i k a- f l u g soll erfolgen, sobald gute meteorologische Vorbedingungen gegeben scheinen. Neben v. Gronau werden Funker Albrecht, Maschinist Hak und (statt des Piloten Zimmer) der zweite Pilot Roth an dem Fluge teilnehmen. Zehn Todesopfer bei einem Flugzeugabsturz. Das Flugzeug ,-,San Iosö" der Panamerikani« scheu Luftverkehrsgesellschaft, das vor einigen Tagen auf dem Wege von Santiago de Chile nach Buenos Aires verschollen war, ist in der Rähe der einsam gelegenen chilenischen Farm Santa Rosa im Las Condas-Tal völlig zerstört im Schnee begraben aufgefunden worden. Alle 10 Insassen sind t o t. Man nimmt an, daß die Maschine gegen einen Sturm in d en Cordilleren anzukämpfen hatte und von der Last der Eis» und Schneemassen niedergedrückt wurde. Die Maschine dürfte, als der Pilot nach einem geeigneten Landungsplatz suchte, auf den Boden geprallt und zerschellt sein. vor der Vollendung der Brücke über den kleinen Belt Wie aus Middelsart (Insel Fünen) gemeldet wird, ist dieser Tage im Beisein einer tausendköpfigen Menge der vierte Senkkasten für die seit 1924 im Bau befindliche Brücke über den Kleinen Belt bei Snoghoej zu Wasser gelassen worden. Kurz vor der Zeremonie trafen auch der König und die Königin von Dänemark ein und wurden vom Generaldirektor der Eisenbahnen empfangen. Unter den Zuschauern befanden sich viele deutsche, schwedische, norwegische und dänische Ingenieure. Auf dem Belt lag eine Flotte von Schiffen, während über dem Belt ein Flieger seine Kreise zog. Der Senkkasten glitt unter dem Beifall der Men- fd)enmassen ohne Unfall ins Wasser. (Ein Meteor über der Pfalz. Nach einer Meldung aus Mannheim wurde in einer der letzten Nächte über Unterbaden und der Pfalz ein riesiger Meteor wahrgenommen, der am dunklen Nachthimmel außerordentliche Helligkeit verursachte und die Aufmerksamkeit aller erregte, die um diese Zeit noch auf den Straßen waren. Nach den Berichten von Augenzeugen war der Oie Schuhhütte auf der Theodorsruh. 3n vorbildlicher Zusammenarbeit haben, wie wir in Rr. 160 des „Gießener Anzeigers" vom 11. Juli berichteten, der Verkehrs- und Derschönerungsverein Gießen und die Heimatvereinigung Schiffenberg auf der Theodorsruh am Grenzweg zwischen dem Leihgesterner Gemeindeforst und den Staatswaldungen Schiffenberg, links der Landstraße Gießen—Leihgestem, eine S ch u tz h ü 11 e errichtet, die dem Wanderer eine angenehme Ruhestätte bietet und von der aus ein wundervoller Blick über eine schnür- §erade verlaufende Schneise nach em hochgelegenen Schiffenberg geboten ist. Die Anlage bedeutet eine wesentliche Verschönerung im Landschaftsbild unserer waldreichen Umgebung und dürfte wohl ein besonderer Anziehungspunkt für Spaziergänger und für Besucher unserer Stadt aus anderen Gegenden werden. Rachstehend bringen wir zwei Photographien, die unseren Lesern diesen Erfolg der gemeinsamen Arbeit des Verkehrs- und Verschönerungsvereins und der Heimatvereinigung Schiffenbcrg zeigen. Einige weitere Aufnahmen unseres eigenen Photographen bringen wir im Bilder-Schau- kästen an unserem Geschäftshaus zum Aushang. Auf diesen Photos ist die Schutzhütte von verschiedenen Blickrichtungen her zu sehen. Die Schutzhütte im Hochwald. f. «* ' Die Wegemarkierung. Wie wir zuverlässig hören, werden maßgebende Herren des Gießener V H C. am heutigen Mittwochabend die Theodorsruh aufsuchen und sich dabei zugleich über die beste Art der Wegemarkierung schlüssig werden. Cs wird damit zu rechnen sein, daß der DHC.» entsprechend seiner ganzen Tradition, auch dieses W ■ Blick von der Theodorsruh zum Schrffenberg. Werk zum Besten der Allgemeinheit in gemeinnütziger Weise fördern und die Wegemarkierung noch im Verlaufe dieser Woche vornehmen wird. Die Spaziergänger werden voraussichtlich schon am nächsten Sonntag die Möglichkeit haben, auf gut bezeichnetem Wege das idyllische Plätzchen aufsuchen zu können. Himmel im Augenblick des Niedergehens taghell erleuchtet. Sichtmeldungen liegen vor u. a. aus Ludwigshafen, Worms, Neustadt, Kaiserslautern, Pirmasens, Landau und Bergzabern. Bei dem Meteor hat es sich nach Angabe der Wetterwarte, um eine Feuerkugel mit Schweif gehandelt, die über der mittleren Pfalz, besonders Neustadt, den größten Grad ihrer Leuchtkraft erreichte und gleich darauf unter gewaltigem Donner e x - plosionsartig zerbarst. Dieses Geräusch war so stark, daß viele Bewohner der Vorder- und Mittelpfalz an eine zweite Explosionskatastrophe im Oppauer Werk der I. G. Farbenindustrie glaub- ,ten. Von einem Niedergehen der einzelnen auseinandergesprengten Teile des Meteors ist nichts beobachtet worden Grohfeuer im Spessart. In Hafenlohr (Spessart) brach dieser Tage auf bisher ungeklärte Weise Feuer aus. Innerhalb kurzer Zeit standen vier Scheunen und acht 'Nebengebäude in Flammen. Da die Ortsfeuerwehr dem Großfeuer gegenüber machtlos war, mußten die Wehren der umliegenden Orte zur Hilfeleistung herbeigerufen werden. Den vereinten Bemühungen der Wehren gelang es nach zweistündiger angestrengter Arbeit, den Brand zu wkalisieren und die Wohnhäuser und eine Brauerei vor einem Uebergreifen des Feuers zu schützen. Die vier Scheunen mit den acht Nebengebäuden sind dem entfesselten Element vollständig zum Opfer gefallen. Großer Kaffeeschmuggel in Hamburg ausgedeckt. Der Hamburger Zollfahndungsstelle gelang es, einen großzügigen Kaffeeschmuggel aufzudecken, der bis zum Oktober vorigen Jahres zurückreichen dürfte. Bis jetzt sind acht Festnahmen erfolgt; weitere stehen bevor. Die geschmuggelte Menge dürfte sich auf 90—100 000 Kilo Kaffee belaufen. Die Schmuggler bedienten sich eines großen Möbelwagens, der von einem Lastkraftwagen gezogen wurde. Der Möbelwagen batte am Kopfende eine Geheimabteilung, in die man jeweils etwa 40 Sack Kaffee unterbringen konnte. Auch verfügten die Schmuggler über ejnen Hlotorkahn, der doppelte Schotten besaß. Dynamitexploston in USA. 13 Tote. Wie aus Brockville (Ontario) gemeldet wird, ist ein Boot mit 16 Mann Besatzung auf dem St. Lawrence-Strom durch eine Dynamit- explosion zerstört worden. Zwei Mann der Besatzung tourben -getötet und drei verletzt. Die 11 anderen werden vermißt, und man befürchtet, daß sie ebenfalls ums Leben gekommen sind. Die Besatzung des Bootes war im Augenblick der Katastrophe damit beschäftigt, Untiefen im Flußbett durch Dhnamitsprengun- gen zu beseitigen. Prozeß um eine Fischerei-Gerechtigkeit. Die Altstädtische Fischerinnung in der Stadt Potsdam hat jetzt nach achteinhalbjähriger Prozeßdauer vor dem Reichsgericht ein obsiegendes Urteil über einen unberechtigten Fischer erftritten. Es handelte sich darum, daß ein Potsdamer Einwohner in der Burgstraße ein Haus erworben hatte, von dem er glaubte, daß eine Fischerei-Gerechtigkeit dar- auf ruhe. Durch 25 Fachiuristen und die Heranziehung von Urkunden von mehr als fünf Jahrhunderten wurde jedoch bewiesen, daß diese Fischereigerechtigkeit nicht besteht. Das Haus, um das es sich handelt, ist 1746 von Friedrich dem Großen einem Potsdamer Einwohner übergeben worden. Der König wollte aber nach Meinung der Sachverständigen mit dieser Schen- hing nur wohnpolitisch wirken, nicht ein neues Fischereivorrecht verleihen. Es ist bemerkenswert. daß in sämtlichen Instanzen dieses Prozesses, der schließlich mit dem S i e g d e r A l t- städtischen Fischerinnung endete, das Gutachten der Potsdamer Fischereisachverständi- gen abgelehnt wurde. Aus Oer Pnmtuiatbaupfftaöl Gießen, den 20. Juli 1932. Gießen, den 20.Juli 1932. Oie Ernte reist, die Mahd beginnt... Unter der Sonne gehen die singenden Sensen nun wieder über die Fluren, lieber knisternden Halmen zittert die Luft wie in fiebernder Erwartung der Dinge, die Schicksal und Entscheidung für das sein werden, was mit Hoffnung auf Segen dem Schoß der Erde anoertraut wurde. Dieses Hoffen, das sich mit dem Saatkorn an dem Halm emporrankte, ist nun Erfüllung geworden. Auch wenn manche Sorge, die im Wüten der Wetter drohend gewachsen war und mehr als einmal die Zukunft verzweifelnd zu verdüstern schien, zu niederdrückender Gewißheit wurde, Erntezeit ist der Schlußakkord einer Melodie, in der alles klingt, was ohne Anfang und ohne Ende ist, weil das Leben selbst sich darin vertont. In den Tagen der singenden Sensen schließt sich der Ring, den eine urewige Kraft allen winterlichen Gewalten zum Trotz unter dem Licht des Himmels zu schmieden begann. Ob ein goldener Reif, oder nur eine billige Spange das Mühen lohnt, ist Landmannslos; wechselvoll, wie die Laune der Elemente, denen er untertan bleibt. Vielleicht wird im nächsten Jahr die Göttin Ceres den reichlich entschädigen, den sie in diesem Jahr darben ließ. Vielleicht?! Denn der Landwirt, dem der Boden nicht bloß Scholle, sondern Bruder und Teil seines Selbst ist, wird den Glauben an den stolzen Wahrspruch seiner Väter nie verlieren: „Das schönste Wappen in der Welt, das ist der Pflug im Ackerfeld". Nun kommt es näher. Ist zuerst kaum ein feines, metallisches Singen, als ob ein Käfer vorbeiflirrte. Wird bann stärker' und klingender. Und tickt und tackt und holt in rhythmischem Zeitmaß aus, wie der Pendelschlag der Uhr, die unentwegt, unentrinnbar die Erfüllung alles Seins begleitet. Und ist mit einmal ein zischendes Pfeifen. Hinter dem stählernen Klang bricht ein raschelndes Knacken in den Gleichtakt der Melodie ein ... Jetzt ist es ganz nahe. Tonlos fast. Nur ein surrendes Rauschen, wie von hastig raffenden Händen. Aber noch immer schwingt es im Takt ab und an. Und schneidend hart fährt das Sensenblatt in die starren, vergilbten Stengel. Die Halme pressen sich, als fänden sie sich in höchster Not, eng aneinander und fallen mit den körner- schweren Aehren seitwärts über. Und hinter dem Sensenmann und der ratternden Maschine leuchtet die schnurgerade Mahd da und dort glühend auf. Halm wird Garbe, und Garben formen Stiege um Stiege zu einem Ehrenhain belohnter Mühe, zu einem Denkmal des Dankes aus der dunklen liefe rätselvollen Geschehens. Schwankende Erntewagen ächzen und stöhnen über die vernarbten Feldwege. Dampfende Pferde stampfen mit der schweren Last scheunenwärts. Bund um Bund schichtet sich hoch bis unter die Dachziegel. Immer kleiner wird der freie Raum, und immer mächtiger wölbt sich das Fundament, in dem unser tägliches Brot geborgen liegt. Und dann werden wieder Erntekränze geflochten. Kig. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch: Romanisches Seminar, 20 Uhr, Musiksaal des Realgymnasiums, französischer Vortrags- und Theaterabend. — Hindenburg-Bund, Hotel Köhler, 20.30 Uhr, Zusammenkunft. — Kathol. Vereins- Haus, 17 bis 19 Uhr, Kasperle-Theater. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Ein Lied, ein Kuh, ein Madel". • " Von der Landesuniverfität. Die Pressestelle der Landesuniversität teilt mit: Dr. med. M. Behrens, der sich für das Fach der physiologischen Chemie an unserer Universität zu habilitieren wünscht, wird Donnerstag, 21. Juli, 16 Uhr, in der kleinen Aula seine ösfcntliche Probevorlesung halten über das Thema „Darstellung von Hormonen". — Dr. phil. Elisabeth Lippert, die sich für das Fach der Psychologie an unserer Universität zu habilitieren wünscht, wird Freitag. 22. Juli, 18 Uhr. in der kleinen Aula ihre öffentliche Probevorlesung halten über das Thema „Reue Ergebnisse über Wesen und Bedeutung der Erlebnisformen menschlicher Motorik". ** „Kauft deutsche Ware n!" Der Vorstand und der Ausschuß des Verkehrs, und Ver- schönerunasoereins Gießen beschäftigten sich in ihrer jüngsten Sitzung, mit einem Antrag, in dem vorge- schlagen wird, an den Haupteingangsstraßen unserer Stadt Transparente mit der Aufschrift .Faust deutsche Waren!" anzubringen. Die Transparente Jollen fo eingerichtet fein, daß sie am Abend und tn der Nacht durch elektrische Birnen beleuchtet wer- den. Es ist nunmehr mit dem Verein der Einzelhändler Verbindung aufgenommen worden, um die (frage der Kostendeckung und der Unterhaltung dieser Einrichtung zu lösen. Es wäre zu wünschen, daß der Vorschlag zur Tat wird, um auf diese Weife auch in Gießen für den stärkeren Verbrauch der deutschen Waren zu werben. •• D ie Strahen-Derkaufshäuschen. Auf Ersuchen aus der Bürgerschast wird sich der Vorstand des Verkehrs- und Verschönerungsvereins mit der Ditte an die Stadtverwaltung wenden, daß zum Schuhe unserer Geschäftswelt von der Aufstellung weiterer Verkaufshäuschen Ad- stand genommen und außerdem darauf hingewirkt wird, dast die Verkaufszeiten der jetzt bestehenden Derkaufshäuschen der Geschäftszeit der Ladengeschäfte angepaht werden. ** Siebzigerfeier. Man berichtet uns: Dieser Tage hielt die Altersvereinigung 1862/1912 in ihrem Dereinslokal Boller ihre 70. Geburtstagsfeier ab. Leider war der Vorsitzende, Oberforstmeister Gustav Schneider, durch schwere Krankheit am Erscheinen verhindert. In dieser harten, schweren Zeit war die Vereinigung gezwungen, die Feier so einfach wie nur möglich zu gestalten, und zwar zu Lasten der Dereinskasse. Ansprachen wurden gehalten von Geheimrat Dr. Gustav Krüger und Kommerzienrat Adolf Noll. Bei der Gründung der Vereinigung waren es 73 Personen, seitdem mußten 31 Mitglieder zu Grabe getragen werden. Jetzt sind noch 33 Alterskameraden in der Vereinigung. Am darauffolgenden Sonntag sahen sich die Mitglieder der Vereinigung mit ihren nächsten Angehörigen bei Kaffee und Kuchen im Schützenhaus vereint. Die Feier verlief zur vollen Zufriedenheit. Oderheffen. Sechs weitere Verhaftungen wegen des Lleberfalts bei Homberg. *Homberg,20. Juli. Im Verlaufe der weiteren behördlichen Ermittelungen wegen des k o m - munistischen Lleberfalls aus dieAls- felderSA. -Gruppe in der Rächt zum Sonntag zwischen Homberg und Rieder-Ofleiden wurden gestern sechs weitere Personen aus Homberg, Rieder-Ofleiden und Gontershausen verhaftet. Die Verhafteten sind sämtlich Kommunisten. Ihre Vorführung vor den Richter wird heute erfolgen. Die Untersuchung wird fortgesetzt und dürfte vielleicht noch zu weiteren Verhaftungen führen. Landkreis Gietzen. (p S a a f e n, 19. Juli. Am Sonntag unternahm der hiesige Gesangverein „Eintracht" einen Ausflug. Mit dem Zuge fuhr man bis Durg- Rieder-Gemünden, von da aus führte die Wanderung durch herrliche Wälder über Homberg nach Ober-Ofleiden, wo die Anlagen der Steinbrüche besichtigt wurden. In Homberg folgte nach dem Mittagessen ein geselliges Beisammensein, dann ging es wieder auf die Wanderung nach der Arbeiter-Kolonie Reu-lllrichstein, die eingehend besichtigt wurde. Don hier ging es zurück nach Homberg wo man noch einige Stunden verweilte, bis von Äeuhaus aus über Burg-Rieder-Gernün» den die Heimfahrt erfolgte. — Heute wurde der neugewählte Bürgermeister verpflichtet und in sein Amt eingeführt. Krcts SiNotten. * Lardenbach, 18. Juli. Wahrend der Ferien des hiesigen Pfarroerwalters Beyer predigte hier am vergangenen Sonntag als erster Vertreter un- zfer früherer Seelsorger Pfarrer König aus Groß- Eichen. Die vollbesetzte Kirche zeugte von der großen Beliebtheit von Pfarrer König, dessen Fort- Koon hier von der ganzen Gemeinde noch heute jert wird. Kreis Alsfeld. II Ilsdorf, 19. Juli. Gestern wurde im Hause des hiesigen Bürgermeisters, als alle Hausbewohner auf dem Felde beschäftigt waren, a m hellen Tage eingebrochen. Zufällig kam aber ein Sohn des Bürgermeisters nach Hause und traf ebenso zufällig den Einbrecher, als er ihm vom Hause her entgegenkam. Im Hause bemerkte der Heimkehrende sofort den Einbruch, denn der Gauner hatte ein Fenster eingeschlagen, mar eingeftie- gen und hatte verschiedene Schränke geöffnet. Der Dieb flüchtete auf einem Damenfahrrad, wurde aber verfolgt und vom Sahne des Bürgermeisters unter Mithilfe van drei Atzenhainer Einwohnern zwischen Atzenhain und Weitershain f e st g e n o m - men und durch die Gendarmerie in bas Amtsgerichtsgefängnis nach Grünberg gebracht. Der Täter, ein Mann von Albach, ist bereits vorbestraft. Wettervoraussage. Obwohl der hohe Druck im Westen bis nach Deutschland vorgreift, wird unter seinem Einfluß eine wesentliche Desserung nicht mehr eintreten, denn der Vorschub ozeanischer Luft besteht noch fort. Zunächst wird uns eine Staffel warmer Luft überqueren, welche Temperaturanstieg zur Folge hat, aber alsbald folgt wieder kühlere nach, die sich ebenfalls auf die Lustwärme auswirken wird. Außerdem tritt zeitweise stärkere Bewölkung auf, und auch in unserem Bezirk nimmt die Riederschlagsneigung zu. Vorhersage für Donnerstag: Weiterhin wolkiges Wetter, dabei vorübergehend auf- heiternd, einzelne Riederschläge, vorerst etwas wärmer, dann wieder kühler. Vorhersage für Freitag: Mäßig warm, zeitweise noch stärker bewölkt, Reigung zu einzelnen Riederschlägen. Lufttemperaturen am 19. Juli: mittags 16,4 Grad Celsius, abends 11 Grad; am 20. Juli: morgens 15,8 Grad. Maximum 22 Grad, Minimum 9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 19. Juli: abends 18,9 Grad; am 20. Juli: morgens 16,2 Grad Celsius. — Sonnenfdjeinbauer XA Stunde. Ms NWe Mel. Original'I^oman von Anny von panhuys. Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig. 12 Fortfetz -g, Nachdruck verbotenI 10. Kapitel. Der neue Clown. Lil Hatto das bunte Clownsgewand, das ihr Melchior Stampferl gebracht, übergezogen und die Hosenbeine, weil sie ihr zu lang waren, Hochgel rempelt, ebenso die Aermel. Sie sah in dem viel zu weiten Anzug reichlich grotesk aus. Sic machte sich in der Garderobe zurecht, schmierte sich Slampferls Schminke ins Gesicht und tauchte dann in der Manege aus. Der Direktor und Stampferl aber waren nicht die einzigen Zuschauer. Aus dem Stall waren inzwischen ein paar Männer gekommen und zwei sehr verschlafen aussehende Mädels, die Töchter des Direktors, sasjen aus der ersten Zuschauerreihe. Man hörte die eine spöttisch lachen. Das Lachen reizte Lil. Sie schlug ein paar Purzelbäume, um wenigstens zu zeigen, daft sie gelenkig war. Und dann kollerte sie wie ein kleines Fast auf das Mädchen zu, das gelacht hatte, lieh ein drolliges, kurz abgehacktes Lachen hören, das zum Mitlachen zwingen konnte und begann dann ihre Spähe. Sie konnte sich nicht so geben, wie in der Wohltätigkeitsvorstellung, da ihr die richtigen Kleider und vor allem die Requisiten dazu fehlten, ober sie folgte ihren Eingebungen, ihr Talent zum Komischen bewährte sich auch fetzt. Als sie sich müde gesprungen, gelacht und geredet hotte, und mit fragenden, ängstlichen Augen auf den Direktor sah, nickte der ihr zu: „Gemacht Fräulein, ,im engagiere Sie vom Fleck weg! Kommen Sie, setzen Sie sich neben mir, damit wir alles festmachen." Seine Stimme schwoll an. „Alle andern raus hier. Ich habe eine wichtige Unterredung." Im Au war der Raum leer, der so trübselig .am Hellen Tag dalag. Nur Melchior Stampferl war geblieben. Cr sagte leise: „Wenn der Direktor nicht so überschnell Ersatz bekommen hätte, hätte ich vielleicht noch ein Weilchen bleiben dürfen. Sie nehmen mir eigentlich das Brot weg, Fräulein." Er brummte: „Ein Frauenzimmer als Clown im Zirkus Gerhard; die Welt wird immer ver- .rückter." Lil hob abwehrend die Hand, gab ebenso leise zurück: „Ob ich oder ein anderer Ihnen das Brot wegnimmt, ist doch gleich für Sie. Aber beruhigen Sie sich, es findet sich vielleicht auch ein Ausweg für Sie." Sie blinzelte ihn an und er muhte lachen, weil daS mit ihrem zurechtgeschminkten Gesicht so komisch aussah. <8r muhte lachen, trotzdem ihm verzweifelt zumute war. Lil ging zum Direktor, setzte sich zu ihm, wie er verlangt. Eine halbe Stunde später verlieh sie das Zirkusgelände als neuengagiertes Mitglied des Zirkus Gerhard, aber auch der alte Clown Melchior Stampferl durfte bleiben. Weil Lil dem Direktor erklärt hatte, sie wolle eine sehr komische Nummer mit dem Alten zusammen machen. Sine zugkräftige Nummer. In einigen Togen beabsichtigte der Zirkus Gerhard weiterzuziehen, nach Hessen und Thüringen, dann nach Sachsen und später in die Provinz Brandenburg. Mit gedankenschwerem, etwas verwirrtem Kopf kehrte Lil heim in das Haus der Tante. Die Baronin empfing sie mit drohend zusammengezogenen Brauen. Sie wagte es jetzt, dreister gegen Lil aufzutreten, seit Werner gestern abend ärgerlich auf Lil gewesen und gesagt hatte, Lil wäre ziemlich starrköpfig. Sie rief Lil entgegen: „Was ist das, für eine neue Sitte und Rücksichtslosigkeit, einfach in der Frühe wegzulaufen und nicht wiederzukommen zur Frühstücksstunde? Wir trinken um 8 Uhr Kaffee wie du weiht, und jetzt ist es bereits halb zehn." Lil, die wegen ihrer Zirkusabmachung schon ein wenig Reue verspürte, erwiderte bescheiden: „Verzeih, Tante, ich hatte noch Kopfweh, und du weiht, ich gehe oft morgens aus. Heute bin ich nur zu weit gebummelt und versäumte dadurch das Frühstück. Es soll nicht mehr vorkommen. Ietzt habe ich Mordshunger." Die Baronin zuckte die Achseln. „Ich erwarte bestimmt von dir, dah so etwas nicht rnehr vorkommt. Hier bei uns sollen so verwilderte Sitten nicht eingreifen, dah jeder zum Frühstück erscheint, wann es ihm Pastt. Also ein für allemal, merke dir das, Lil!" Da war er wieder, der gröhliche, erzieherische Ton. den Lil hahte, der sie immer wieder aufsässig mochte. „Willst du noch Kaffee oder verzichtest du?" fragte die Baronin. Lil erwiderte empört, weil sie doch eben noch gesagt, sie habe Mordshunger: „Ich verzichte!" und dann ging sie aus dem Zimmer und verlieh wieder das Haus, um in einer nahen Konditorei Kafee zu trinken. Der Morgenspaziergang, das HeTmnspringen im Zirkus, hatten ihr Appetit gemacht, sie stopfte sich mit sühem Gebäck voll. Alm ein Viertel nach zehn war sie wieder zu Hause. Ietzt war Adele Sturm aber geladen. „Weshalb bist du denn, kaum noch Hause gekommen, wieder fortgelaufen?" Lil antwortete: „Ich hatte Hunger und bin Kaffeetrinken gegangen, nebenan in die Konditorei. Der Kuchen war wundervoll frisch. Du fragtest mich unfreundlich, ob ich noch Kaffee wolle oder ob ich verzichte, da muhte ich doch verzichten, nicht wahr?" Die Baronin rief erregt: „Du hast es wirklich fein heraus, den sanftmütigsten Menschen wütend zu machen!" Sie langte nach einem Papier, hielt es Lil entgegen. „Vorhin hat die Post deine Volljährigkeitserklärung gebracht, das beste wäre es, du gingest mit dem Papier so weit du könntest und kämst mir nicht mehr vor die Augen. Seit du im Hause bist, ist's mit meiner Ruhe aus!" Lil langte nach dem Papier, las es aufmerksam und fragte dann: „Ist das deitz« ehrliche Meinung, die du eben äuhertest, Tante Adele?" Die Aeltere war zu zornig, um einzulenken. Sie wuhte Wohl, wenn Werner ihre Worte gehört hätte, dah er nicht damit zufrieden gewesen wäre. Aber er hatte sie ja nicht gehört, er war läng ft wieder unterwegs, um seine Patienten zu besuchen. , Sie erwiderte rauh: „3a, das ist meine ehrliche Meinung. Was ist das für «in Betragen, in dem du dir gefällst. Statt höflich um Frühstück zu bitten, nachdem du die rechte Frühstückszeit durch eigene Schuld versäumt, läufst du um ein halb zehn Llhr morgens in die Konditorei der Nachbarschaft, wo uns jeder kennt, und frühstückst. Die Leute müssen ja denken, du bekommst hier nicht satt zu essen." Sie fuhr mit den Händen nach den Schläfen hoch. „Du bist falsch erzogen, gründlich falsch! Wenn dein Vater so leichtsinnig darauf losspekulierte, hätte er auch dafür sorgen müssen, dah du ein bihchen abgeschliffener erzogen wurdest, damit es nicht ständig zu Reibungen zwischen dir und anderen käme. Arme Mädels dürfen sich den Luxus nicht gestatten, nur zu tun, was ihnen paht, sondern müssen sich den Gewohnheiten der Menschen fügen, von denen sie abhängig sind. Werner äuherte gestern abend auch, du hättest stark entwickelten Eigensinn." Sie war so wütend auf Lil, dah sie gar keine Rücksicht mehr nahm. Lil sah sie groh an. „Lah doch endlich einmal meinen armen unglücklichen Vater aus dem Spiel. Wenn ich nicht so bin wie du mich haben willst, kann Vater wirklich nichts dafür, und wenn Werner findet, ich hätte zu staxk entwickelten Eigensinn, mag er recht haben. Dann soll er mich aber lieber nicht heiraten, sonst wird er unglücklich." Sie schluchzte plötzlich wild auf: „Ich kann es nicht mehr hören, dah immer wieder mein armer Vater herhalten muh. Lah ihm doch seinen .Frieden, er steht jä all dem kleinlichen Herum- gequengel jetzt so fern. Mich aber Iaht gehen, wohin ich will, ich bin ja jetzt volljährig und brauche keine Erzieher mehr. Mein Vater ist immer gut zu dir gewesen. Immer! Ich weih genau, er hat dir oft geholfen, und jetzt redest du von ihm, wie von einem, der kein gutes Andenken verdient. Ich verbiete es dir, hörst du! Kein Wort darf mehr in dem Tone über ihn fallen." „Lil!" Wie ein zorniger Schrei kam der Name über die Lippen der Frau. „Dein Benehmen übersteigt alle Grenzen." Die Tür öffnete sich, Werner trat ein, sah, wie sich seine Mutter und Lil tieferregt gegenüberstanden. Er fragte: „Um des Himmels willen, was ist denn nur los? Ihr sprecht so laut, dah ich euch schon hörte, als ich ins Haus trat." Lil bih sich auf die Lippen. Sie dachte daran, wie kühl Werner gestern abend ihr Zimmer verlassen, dachte auch daran, dah er zu seiner Mutter von ihrem Eigensinn gesprochen, und der Trotz, ihre gefährlichste Eigenschaft, baute sich vor ihrer Liebe wie eine hohe Mauer auf. Sie brachte kein Wort hervor, die Baronin aber begann sie anzuklagen. Rücksichtslos war-^sie, sehr rücksichtslos. Lil hätte sie oft unterbrechen können, um zu erklären, dah sich eigentlich alles ganz anders verhielt, aber sie schwieg. Wenn Werner sie liebte, muhte er sie verteidigen, auch wenn ihm seine Mutier den Sachverhalt des Streites völlig falsch schilderte. Er hatte aber feinen guten freundlichen Blick für sie, keinen liebenden, zärtlichen Blick, der vielleicht die Mauer des Trohes in ihr niedevgerissen hätte, sondern als seine Augen sie streiften, geschah es finster und flüchtig. Er sagte nach längerem Schweigen: „Ich verstehe dich nicht mehr, Lil. Ia, habe ich dich denn nicht gekannt von Kind an? Kann man sich denn in einem Menschen so irren? Oder bist du erst in den letzten Iähren so anders geworden und ich habe es nicht bemerkt, wenn wir uns auch oft sahen. Dein Betragen ist wirklich nicht so, wie es meine Mutter von dir erwarten durfte, und dah du ihr Wohltaten deines Vaters vorwirfst, ist nicht sehr vornehm gedacht." Lil warf den Kopf zurück. „Ich glaube, du kennst mich überhaupt nicht, Werner. Erst behauptest du, dah du mich liebst, und jetzt siehst du mich an wie ein Feind, du denkst gar nicht daran, dir auch nur die geringste Mühe zu geben, mich zu verstehen." Sie fühlte den Trotz wie einen eisernen Panzer um sich herum. ' „Wölken froh fein, noch rechtzeitig eingesehetz zu haben, dah wir einander nicht kennen. Denn auch du erscheinst mir fremd und anders. Du bist wohl nicht der Mann, für den ich dich bisher hielt." (Fortsetzung folgt.) 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Steinweg 1». Notverkauf ab Fabrik 5376 v feinste MtziüiMslosse blau Wollkammg.,, m Mittwoch, 2). Juli 1952 Wietzener Anzeiger (wenerai-Anzelger für Gderhessen) Ur. 168 Zweites Blatt Kür den Bücheriisch. Wir und das Theater. - Unter dem Titel „W i r u n d d a s T h e a t e r" ist im Verlag F. Bruckmann AG. m München ein Schaulpielerbildbuch erschienen: herausgegeben von Walter Firner mit einer kritischen Einleitung von Herbert Ihering und mit vierzig Porträtstudien in Kupfertiefdruck nach Onginalaufnahmen von Firner. — (183) — Das knappe Vorwort des Herausgebers formuliert Sinn und Ziel dieses Werkes mit folgenden Sätzen: „In einer Zeit, in der die Notwendigkeit des Theaters so umstritten ist, in der von der Zukunst der Schaubühne mit voreiligem und unproduktivem Pessimismus gesprochen wird, erscheint es berechtigt, die Schauspieler selbst als die Träger des Theaters zu persönlicher Stellungnahme zu veranlassen. — Ihre Aeuße- rungen sollen die Versäumnisse mit aufdecken Helsen, die eine Bühnenkultur verhindert haben, und Möglichkeiten andeuten für die Erneuerung des Theaters. Ihre Gesichter sollen ein Beglaubigungs- schreiben ihrer Persönlichkeit sein." Wir gestehen, daß uns das Buch in allen Teilen gut gefällt, und wir Glauben auch, daß es für feine werberische Mission nicht ungeeignet ist: allerdings ist kaum zu übersehen, daß die Sätze des Vorwortes nicht ganz unproblematisch erscheinen, und daß die ganze Anlage des Buches den Beschauer und Leser ein wenig an die unveraltete Mahnung Goethes erinnert, die da lautet: „Bilde Künstler! Rede nicht!" Wenn die Schauspieler Träger des Theaters sind, so wird eine entscheidende Erneuerung dieses Theaters immer nur von der gestaltenden Kraft seiner Träger, nicht von ihrer theoretischen Stellungnahme ausgehen können. Die ist an sich Fall für Fall lesenswert: mindestens interessant. Die Elite der deutschen Schauspieler hat das Wort. Dreißig unserer Besten — unter ihnen Bassermann, Dorsch, Forster, George, höflich, Iannings, Kayßler, Krauß, Kortner, Pallen- bera, Straub und Veidt — äußern sich zum Thema: sie sprechen sowohl von sich wie vom Theater, teils unverbindlich, teils anspruchsvoll, teils witzig, teils ernsthaft: so viel Temperamente, so viel Meinungen. Unter einen Hut kann man sie nicht bringen; und beredter als das geschriebene Wort ist doch das lebendige Bildnis, das den Text begleitet. Lauter technisch ausgezeichnete, auch meist sehr charakteristische Porträtstudien. — Der einleitende Aufsatz des einflußreichen Berliner Kritikers Herbert Ihering über „Die großen Schauspieler" ist eine kluge und vielfältig orientierende Betrachtung der gegenwärtigen Situation des deutschen Theaters und seiner Träger — im Brennpunkt Berlin. —y— -» — Ludwig Fulda: Der neue Ha- rem. Komödie in drei Akten (6 Bildern). Mit einem Geleitwort von Eduard Stucken und einem Bildnis des Dichters. In Düttenumschlag 2 50 Mark. Verlag der I. G. Cottaschen Buchhandlung. Rachfolger, Stuttgart und Berlin. — (120) — Im Mittelpunkt der Komodie steht die Gestalt des Dr. Konstantin Lebius, der ein moderner Don Quichotte ist: ein Don Quichotte der Moral der mit ethischem Ernst seine absurden Ideen über den Wert der Polygamie in unserer so realen Welt in die Wirklichkeit umzüsetzen sucht. Wre er ein großes Kind, ein reiner Tor, hierbei am Ewig-Weiblichen und an der Amwelt Schiffbruch leidet, um schließlich in den Hafen der bestehenden Eheform heimzukehren, das ist mit Witz und Ironie gezeichnet. Ein formschönes Geleitwort hat Eduard Stucken dem Buch des Freundes als Festgruß zum 70. Geburtstag vorangeseht. Deutsche Erzähler. Josef Friedrich Perkonig: Mensch wie du und ich. Boman. 564 ©eiten 8". Drosch. 5,60 Mk., kart. 6,60 Mk., Leinen 8 50 Mk. I. G. Speidelsche Verlagsbuchhandlung, Wien und Leipzig- — (94.) — Dieses Buch erzählt von russischen und österreichischen Menschen, es berichtet von ihren Freuden und von ihren Leiden, es verdammt den Krieg und preist das Heldentum, es verkündigt die ewigen Rechte des Menschlichen im Menschen. Indem es seltsame Schicksale zu ihrem noch seltsameren Ende führt und über Schauplätze der Landschaft: Russenlager. Bauern- erde Gebirge. Schlachtfront, über Schauplatze des Herzens: Heimweh, Todesfurcht, Lebensgier hingeht, weitet es sich zu einem Sinnbilde des Lebens überhaupt. Von Dingen des Krieges handelnd, ist es doch fein Kriegsbuch im eigentlichen Sinne. Es hat feinen anderen Ehrgeiz, als zu erzählen und dabei die Wahrheit zu berichten. Ein bemerfenswertes Dokument jüngster Vergangenheit aus dem literarischen Oesterreich. — Rudolph Stratz: Der Dauer in der Au. Roman. 285 Seiten. Geh. 3,20 Mark, Ganzl. 5 Mk., Halbleder 7 Mark. Verlag Scherl, Berlin. — (122) — In Stratz' neuem Roman finden wir die oberbayerischen Dauern, in deren Mitte der Verfasser seit mehr als entern Vtertet- jahrhundert als Gutsbesitzer am Chiemsee lebt, nicht durch die Drille des Städters oder des Ro- mantikers gesehen, sondern wie sie sind, Mit Mem urwüchsigen Temperament und aller schlichten Kraft ihres Wesens. Wir lernen das Leben dieser Dauern kennen, das sich längst nicht mehr als ländliche Idylle unberührt von der Zeit in ewig gleicher Wiederkehr abspielt, sondern in den wirtschaftlichen Kampf der Gegenwart verstrickt ist. Alte Tradition und Forderungen einer neuen Zeit, bäuerisches Aristokratentum und wirtschaftlicher Zwang geben genug Stoff zu Konflikten, und der junge Erbe des verschuldeten Dauernhofes in der Au bekommt sie fast bis zur Vernichtung zu kosten. — Ludwig Diehl: Suso. Der Roman eines deutschen Seelenmenschen. 71. bis 82. Tausend. Verlag Strecker & Schröder. Stuttgart. Oicuc billige Ausgabe 3,75 Mark. — (187) — Das Duch erzählt uns von dem berühmten Gottesgelehrten und Mystiker, dem Konstanzer Dominikanerprior Heinrich Suso. Dieser hat als -Mönch durch strengste Askese seine Seele zu höchsten Zielen reif machen wollen, nach langer Krankheit offenbart sich ihm die Schönheit der Ratur, und trotz seines Mönchtums blüht ihm das Hochgefühl einer reinen, in höchster Geistigkeit sich ergefrenben Liebe zu einem jungen Mädchen, der Dominikanerin Elsbeth Stagel. Aus dieser Seelen- freundschast heraus erwächst ihm jene geistige Vollendung. die ihm die großen Erkenntnisse der Ver- bindung des Irdischen mit dem Ewigen bietet. Die Personen des Romans und ihre Seelenregun- gen hat Diehl mit klarer Strichsührung gezeichnet. — Manfred Hausmann: „Lainpioon küßt Mädchen und kleine Dirken". Abenteuer eines Wanderers. Duchausstattung Professor Hans Meid. Berlin. Wohlfeile Ausgabe. in Leinen gebunden. 2,85 Mk. Carl Schünemann, Verlag, "Bremen. (166.) — Manfred Hausmanns erster großer Roman „Lampioon fufjt Mädchen und kleine Dirken", Abenteuer eines Wanderers, lenkte bei feinem Erscheinen durch die überraschende Raturnähe. die Zartheit der Empfindung und den bezwingenden Zauber der Sprache mit einem Schlage die Augen der literarischen Oeffentlichleit auf sich. Die jetzt herausgebrachte „Wohlfeile Ausgabe" dieses Werkes wird ihm zweifellos noch zahlreiche neue Freunde zuführen, ist doch ihr Aeußeres durch Professor Hans Meids gleichgeartete künstlerische Leistung dem Inhalt aufs vortrefflichste angc- paht. Zartblauer Himmel über einer norddeutschen Landschaft, darinnen eine Straße, von jungen Dirken begrenzt, auf der „Lampioon" vergnügt seines Weges zieht, das ist das Motiv der gesamten Duchausstattung. — W. E. Süskind: Mary und ihr Knecht. Roman. 222 Seiten. Leinen 4,80 Mk. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, "Berlin. — (100.) — Was ist stärker, Herkunft oder Geschlecht? Gibt es zwischen Menschen von verschiedenem Lebensgefühl die Möglichkeit eines aufrichtigen Zusammenlebens? Hält "Begierde, hält Sympathie und Liebe stand, wenn die Intimität | der Körper und der Seelen den Zwiespalt auf» rührt, der zwischen Geburt und Geburt steht und jedem der Liebenden eine andere Beschaffenheit verleiht 2 Diese Fragen entwickelt Süskind lebendig und Überlegen in der Geschichte von Mary und ihrem Knecht. Er gibt das Bild einer Frau von heute. Um ihr Schicksal sind zwei. Männer gestellt, der Knecht und der Fremde: die Figuren rühren und berühren sich, ohne doch ihre vorgesetzten Dahnen verlassen zu können. Unb eben damit erfüllen sie alle bret ihre Aufgabe. — Werner Scheff: Lores Verwandlung. Roman. 244 Seiten. Geh. 2,70 Mark, Ganz!. 4,50 Mk. Verlag Scherl, Berlin. — (102) — Die Geschichte des bescheidenen Fräulein Hilgenfeld, die in einer verträumten Kleinstadt als billige Schneiderin mit einer alten Tante zurückgezogen lebt, und die von dem geliebten Mann aus der vertranken Umgebung herausgerissen und mitgenommen wird in das tosende Leben Berlins. Er heiratet sie. wie sie glaubt, aus reiner Liebe: doch als sie erfährt, daß sie gar nicht so arm ist, daß sie Erbin eines Tonfilm-Patentes und deshalb geheiratet wurde, da gibt» ihr die Enttäuschung die Kraft sich loszulösen. Ihr Weiteres Schicksal nimmt sie selbst in die Hand und entwickelt sich zu einer selbstsicheren und ziel- bewußten Dame der arohen Welt, die auch noch ihr Lebensglück findet. Politif und Geschichte. — Friedrich August Ludwig von der Marwitz: Preußischer Adel. Herausgegeben von Dr. Friedrich Schinkel. Verlag W. G. Korn, Breslau. Kartoniert 3,75 RM. — (125) — Friedrich August Ludwig von der Marwitz, Mitkämpfer und zugleich leidenschaftlichster Gegner der preußischen Reformer Stein und Hardenberg, ist eine der voli- tisch bedeutendsten Gestalten, die der preußische Adel hervorgebracht hat. Die Bedeutung des Marwitzschen Preußentums liegt begründet in seinem Gegensatz zu der liberal-kapitalistischen Entwicklung, die — eingeleitet von Hardenberg — ihren Höhepunkt in den Jahrzehnten nach der Bismarckschen Reichsgründung and. Die Unbedingtheit, mit der Marwitz an den Standeswerten des preußischen Adels festhielt, ver- chloß ihm die Möglichkeit, auf seine Zeit zu wirken, wie später Bismarck gewirkt hat. Aber gerade diese Kompromißlosigkeit des Marwitzschen Denkens und Fühlens ermöglichte es, daß hier die Standeswerte des preußischen Adels in einer Reinheit verkörpert wurden, die in der deutschen Geschichte kein zweites Beispiel hat. , — Bismarck gründet bas Reich. Don Werner Deumelburg. Verlag Gerharb Stalling, Oldenburg i. O. (Kartoniert 4,50 Mk., Ganzleinen 5,80 Mk.) — (82.) — Werner Den- melburg zeigt Bismarcks Kampf, um uns reif zu machen für den unsrigen. Man wird erkennen, unter welchen Zuckungen und Krämpfen, nach wieviel vergeblichen Anläufen, unter wieviel Verzweiflung und tödlicher Gefahr er und das Werk aus Ohnmacht und Unterlegenheit heraufwuchsen. Beklommen und überrascht begreifen wir, wie fein Geist mit den gleichen Fragen rang, bie uns heute bebrängen. Die Forberung des übergeordneten Begriffes des Staates an sich, das Aufgehen in dem tieferen Grundsatz Staat und Ration, der leidensvolle 'Weg der Erkenntnis von einem zum andern und die Ucbertragung der gewonnenen Erkenntnis auf die Politik - das ist bet Weg, "den uns in biesem Buche ber wachsende, kämpfende, leidende und siegende Bismarck weist, ein Trost und ein Ansporn zugleich. — JenseitsberGroß Mächte. Ergänzungs- banb zur Neubearbeitung der Großmächte Rudolf Kjellöns. Unter Mitwirkung erster Sachkenner herausgegeben von Professor Dr. Karl Haushofer. Mit 100 Kartenskizzen und graphischen Darstellungen. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. Geb. 13,50 Reichsmark. — (123) — Das geopolitische Weltbild, zu dem Rudolf Kjellän in seinem berühmten Werk „Die Großmächte vor und nach dem Weltkriege" die Grundlage gelegt hatte, wird mit dem vorliegenden Buch zu einem organischen Gesamtbild des gesamten räumlich erfaßbaren politischen Lebens ergänzt. Das Werk Kjellsns hatte die Lebensfragen der Großmächte nach raumpolitischen Gesichtspunkten dargelegt und aus ihren Lebensnotwendigkeiten die kommende Weltkrise gefolgert. Der vorliegende Ergan- zungsband führt das Vermächtnis Kjellsns in beffen Werk sich bereits Ansätze zu einer solchen Gestaltung finben in seinem Sinne weiter. Währenb er in ben Großmächten bie Herren ber Gegenwart geschilbert hatte, ist bie oorlicgenbe Darstellung ben Großmächten ber Vergangenheit — Spanien unb Portugal, Skanbinavien unb Holland — ben sonstigen Klein- unb Mittelstaaten sowie ben kommenben übernationalen Organisationen gcroibmet. Besonbers würben die Linien herausgearbeitet, die aus der Vergangenheit in die Zukunft führen: übervölkifche Bildungen, zum Teil uralt, haben erst in der Nachkriegszeit Geltung gewonnen, und die Ideen eines Paneuropa, Panasien, Panamerika, panafrikanifche Zukunftsträume der panpazifische Gedanken- und Machtkreise scheinen in die Zukunft zu weisen. Der Text wird durch zahlreiche ausgezeichnete Kartenskizzen und graphische Darstellungen erläutert. Jedem an der Zukunft seines Volkes Interessierten, jedem aufmerf- famen Zeitungsleser wird das Buch eine Fülle von Aufschlüssen vermitteln und Ausblicke auf die kommenden .weltpolitischen Auseinandersetzungen eröffnen. — Professor Friedrich Grimm: „Das deutsche Rein. Schluß mit der Reparation. Ein letzter AppelL“ Kartoniert 1.80 Mk. Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg. (118.) — Es gibt heute niemanden in Deutschland, dem es nicht klar wäre, daß es für Deutschland in der Frage der Reparationen nur einen Standpunkt geben kann: hartes, unerschütterliches Rein — völlige Streichung. Aber Deutschland muh auch wissen, daß es auch das Recht auf seiner Seite hat, selbst auf Grund des Vertrages von Versailles überhaupt nichts mehr zahlen zu müssen. Dieses neue Duch Professor Grimms, einem der besten Kenner internationalen Rechtes, der sich übrigens auch als deutscher Verteidiger vor französischen Kriegsgerichten an der Ruhr und am Rhein einen ausgezeichneten Namen gemacht hat, trägt Punkt für Punkt die Argumente zusammen, die wir der hysterischen Gier denjenigen unserer Gegner, die noch immer Reparationen von uns verlangen, entgegensetzen müssen. Erschütternd macht es Grimm in seinem Buch deutlich, daß der Leidensweg der deutschen Reparationen ein verzweifelter Kampf war, in dem es dem Gegner gelungen ist, aus dem deutschen Volke Summen herauszupressen, die bei weitem das übertreffen, was man als Grundlage für eine Wiedergutmachung der Kriegs» schädcn ursprünglich vorgesehen hatte und was dem tatsächlich durch den Krieg verursachten Schaden bei unferen Gegnern entspricht. Wir werden nichts mehr zahlen, weil wir schon viel zu viel bezahlt haben! Psychologie uni» Pädagogik. — Einführung in bie Psychologie. Von Professor Abolf D y r o f f. 26. bis 30. Tausend. 142 Seiten. Gebunoen 1,80 RM. Sammlung Wissenschaft unb Bildung. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — (153) — In lebendiger Darstellung, die ihre Beispiele aus dem täglichen Leben, aus Literatur, Musik unb Kunst heranzieht, macht ber Verfasser vertraut mit ber psychologischen Erfassung ber Sinnen- weit unb bes Vorstellungslebens. Was über bie normalen Vorgänge ber (Erinnerung, bes Gebächtnisses, des Lernens bekannt ist, wirb hier mit sachlicher Kritik an falschen Auffassungen vorgetragen. (Ein- gehenb behanbelt werben bie Vorgänge bes Denkens unb Sprechens unb bie psychologisch wichtige Er- faffling bes Gefühls- unb Trieblebens. Ein letzter Kreis psychologischer Erscheinungen, in besten Mittel- punkt ber Wille unb die Willensfreiheit stehen, ist umgrenzt von bem Wollen, Können, Müssen, Dürfen unb Sollen. . „ — Bildungs- unb E r z i e h u n g s - Geschichte. Von Professor Dr. Richarb Muller- r e i e n f e l s. Bank» I: Bis zum Ausgang ber An- tite 159 Seiten. Gebunben 1,80 RM. Panb II: Vom Mittelalter bis zum Ausaang ber Aufklärung. 146 Seiten Gebunben 1,80 RM. oammlung Wissenschaft unb Bilbung. Quelle & Meyer in Leipzig. — (152) — Müller-Freienfels beschränkt sich nicht auf eine alles Wesentliche prägnant tjerausarbeitenbe Darstellung ber päbagogischen Theorie unb Praris, vielmehr stellt er biefe im Rahmen ber gesamten Kulturentwicklung bar unb zeigt, welchen Einfluß Religion unb Sitte, Kunst unb Wissenschaft, Recht unb Kultur von alters» her auf bie Volkserziehung unb Menschenforschung nusqcübt haben. Er bezieht auch bie ägyptische, babylonische unb iranische Erziehung ein, bie ebenfalls unsere Päbagogen beeinflußt haben. Damit geht dieses kleine Werk über viele umfangreiche Lehrbücher hinaus, ,zumal auch bie indische unb chinesische Erziehung vergleichsweise herangezogen fmb. Ein solcher Reichtum bes Inhalts war möglich burch geschickte Auswahl wirklich bebeutenber unb auch in ber Gegenwart noch beachtenswerter Erziehungstatsachen aus ber Bilbungsgeschichte vom Altertum bis zur 'Aufklärung. Das Werk zeigt in straffem Ausbau bie Periobik ber Erziehungsgeschichte in vielfach neuem Lichte; es arbeitet vor allem bie Typen päba- gogifcher Zielsetzung unb Praxis heraus, beren Kenntnis erst bas Verftänbnis für bie Vergangenheit er- schließt. — Iugenderinncrungen von Jan L i g t h a r t. Aus dem Holländischen übertragen von Dr. Wilhelm Hcnß. Pädagogik des Auslandes, herausgegeben im Auftrag des Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht von Professor Dr. P. Petersen, Jena, Dd. 4. Verlag Sy Döhlaus Rachf.. Weimar. — (117.) — Drosch 8 Mk, Ganzleinen 9,80 Mk. Die Pädagogik des vollen Lebens, eine Auswahl pädagogischer Aufsätze aus den Werken des „holländischen Pestalozzi Jan Ligthart (Dand Hl der Sammlung), hat überall dankbare Zustimmung und Degeisterung gefunden. Allgemein ist die Betonung der schlichten Größe und Bedeutung dieses Mannes und feiner Pädagogik nach Form und Inhalt. Mensch und Werk treten noch deutlicher vor unser Auge in der vorliegenden vollständigen Uebersetzung seiner Iugenderinnerungen. Wenn es die Wissenschaft des Erziehers ist, das Kind als Kind kennenzulernen, dann darf dieses Werk mit gutem Recht als wissenschaftliches Werk angesprochen werden. Die Quellen, deren sich Ligthart bei dieser feiner Wissenschaft bedient, sind Erinnerung und Erfahrung. Darum wird das Duch als lindes- und jugendpsychologifches Werk den Fachpsychologen ebenso wie den Pädagogen und Lehrer interessieren und wird dem Junglehrer und m pädagogischen Arbeitsgemeinschaften wertvolle Anregung gehen. Reisen und Abenteuer. — Richard Katz. Ernte. Des Bummels um die Welt zweite Folge. Verlag Allstein. Berlin. Preis: broschiert 4 Rkk., in Ganzleinen 6 Mk. — (116.) — Die „Ernte" ist daS fünfte Buch von Richard Katz. Diesmal zieht Katz einen großen Kreis vom Balkan über .Kleinasien, den Sudan nach Ceylon, Indien, die Südsee, Amerika, Cuba und Madeira heimwärts bis Prag, in die immer geliebte Heimatstadt. Don den Kolonialproblemen der Weltmächte bis zu den- kleinen Sorgen eines Perlensiscbers, von den Ananasplantagen bis zur waffenstarrenden Feste Oahu, von der Weisheit griechischer Mönche bis zu dem Schicksal eines kleinen Dergponys, von den "Bojaren des Orients bis zu den Wasserreitern Hawais tut sich das Panorama der Welt vor uns auf. Diese zweite Folge des „Bummels um die Welt" ist ist iiicht weniger bunt und fimterbunt als die erste, sie ist genau so unterhaltend, unausdringlich belehrend, Sehnsucht weckend, und sie ist mit dein gleichen verantwortungsbewußten Ernst und mit der gleichen Heiterkeit geschrieben wie alle ferne früheren Dücher. — "Bei roten und weihen Abenteurern in Kanada. Don Armin O. Huber. Mit 8 Bildern nach Zeichnungen des Verfassers. Kart. 3,60 Mk., Leinenband 4,80 Rkk. Verlag von Strecker & Schröder in Stuttgart. — (198 ) — In den Vereinigten Staaten gibt es, feit die großen Düffelherden vertilgt, die Prärien in Kornfelder verwandelt und die Reste der Indianerstämme in engen Reservationen zusammengepfercht wurden, kein „Wildwest" mehr — Trapper und Scout, Cowboy und Goldsucher sind zu Filmhelden geworden, und ein Stück urwüchsiger Romantik scheint auf immer dahin $u fein. Mit Freude wird jeder, der damit eine heimliche Sehnsucht begrub, in dem Buche alles wiederfinden, was er längst verschollen glaubte: tollkühne Fahrten im schwanken Rindenkanu durch tosende Stromschnellen, Schneestürme auf vereisten Seen, Iagdabenteuer mit Grizzlybär, Elch und Moschusochsen, Begegnungen mit ungeheuren Karibuherden, die über die „öden Gründe" am großen Sklavenfee stampfen, Verbrecherjagden und Erlebnisse mit jagenden und fischenden Indianerstämmen. Neue Kriegsbücher. — Langemarck. Ein Vermächtnis. Worte von Josef Magnus Wehner, am 10. Juli 1932, zur Stunde, der Uebernahme bes Gefallenen-Friebhofs in Langemarck burch bie Deutsche Stubentenschaft, gesprochen an allen beutschen Hochschulen, oerbunben mit Briefen Gefallener. — 79 Seiten. Geb. 80 Pfg. Albert Langen, Georg Müller, München 1932. — (204.) — In biefen Tagen, ba man weithin in Deutschland ber bei Langemarck Gefallenen in Stolz unb Trauer gebucht hat, erschien biefes kleine Buch, bas ein Vermächtnis sein soll jener Toten von 1914 -an die Lebenden unb an bie kommenden Generationen. Es ist den deutschen Studenten geweiht unb wirb eingeleitet von der Gedenkrede Joses Magnus Wehners, des Dichters der „Sieben vor Verdun"; die schöne und ernste Ansprache klingt aus in bie Worte: „Pflanzt bie Säulen bes Reichs In bie Verwesung ber Welt!" Daran schließt sich eine Auswahl ber bekannten, von Professor Dr. Philipp Witkop herausgegebenen Sammlung „Kriegsbriefe gefallener Studenten" an: ein kleiner Chor längst verstummter Stimmen, aber ein über das schmucklose Grob hinaus lebendiges Bekenntnis jener bamals jungen Generation. Man soll diese Briefe besitzen und lesen, denn sie gehören zu den gültigen und bleibenden deutschen Dokumenten aus dem großen Kriege. — — Das Gesicht der Westfront. Ein Kriegsdokument und Erinnerungsbuch. Von Ernst Dollbehr. Kricgsmaler im Großen Hauptquartier Herausgegeben von Dr. Otto KorfeS, Archivrat im Reichsarchiv unter Mitwirkung von Kronprinz Wilhelm, Generaloberst v Einem, General der Infanterie v. Eberhardt. Generalmajor Hesse, General der Infanterie v. Hutier, General der Artillerie Kraft v. Dellmensingen, General der Infanterie v Mudra, Admiral von Schröder, General der Infanterie Sixt v. Armin General der Infanterie v. Stronh. Mit einem Geleitwort von Generalfeldmarschall v. Hindenburg Mit 26 Tafeln in Vierfarbendruck und 80 Abbildungen im Text, zum Teil in Vierfarbendruck. Das Werk erscheint in sieben monatlichen Lieferungen zum Preise von je 4 Mk. und kostet nach Abschluß gebunden 32 Ml. Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion m. b. H. Potsdam. (129?) - Ein unschätzbares Dokument für jeden Mitkämpfer und ebenso für jedermann, ber ben Krieg bisher nur vom Hörensagen kannte. Ieht sieht er bie Westfront, weiß jetzt, was der Begriff „Damenweg", „Aisne-Grund"', „Verdun". „Champagne". „Somme", „Flandern" bedeutet. Denn diese farbigen Tafeln, diese vielen, genau detaillierten Skizzen und sonstigen Kriegsbilder sind während der Kampfhandlungen gemalt, und der Künstler, Ernst Vollbehr, hat im Kampfflugzeug und Fesselballon oder in dem vordersten ®räben oft genug sein Leben aufs Spiel gesetzt, um diese Originaltreuen Bilder zu schaffen. Da das geplante Kriegsmuseum dem Versailler Vertrag zum Opfer fiel, lag Vollbehrs gewaltiges Werk jahrelang ungenützt auf dem Speicher und wird erst jetzt zum erstenmal in Buchform der Oeffentlichkeit zugänglich gemocht. Wenn man diese Bilder betrachtet, dazu diese mit wissenschaftlicher Treue ausgesührten Orientierungd- skizzen und sonstigen Kriegsdarstellungen, dann begreift man. daß hier für jeden Frontkämpfer endlich das lang ersehnte Erinnerungsbuch geschaffen ist. Lind wieviel wird dieses Werk auch ber jungen Generation zu saaen hoben, die die „Pflicht der Erinnerung" in sich verspürt und wenigstens in Wort und Bild teilhaben will an den Schicksalsjahren unseres Volkes! Daß dieses dokumentarische Material zugleich ein geschichtliches Quellen- und Studienwerk von kaum zu überschätzender Bedeutung ist, leuchtet nach bem Gesagten ohne weiteres ein und wird noch im besonderen durch den Texteil bestätigt, der in konzentrierten Kapiteln von der Hand unterer Heerführer die Kriegsgeschichte der einzelnen Frontabschnitte bietet- Der obechesMeArbeilsmam nahezu linoerändert Oie Arbeiismarktlage Ende Juni. In dem Bericht des Arbeitsamts über d i e Lage des A r b e i t s m a r k t e s . i n Oberhessen nach dem Stan de von EndeIuni wird mitgeteilt: Bei der Depression der Wirtschaft konnte sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Bezirk des Arbeitsamts Gießen in dem Berichtsmonat nur unwesentlich ändern. Als Arbeitsuchende waren Ende Juni gemeldet: 14 953 Personen, gegen 15 311 im Vormonat und 9933 im Juni 1931. Arbeitslosenunterstützung erhielten 2360 Personen, gegen 2909 im Bormonat und 4373 im Vorjahre; in Krisenunterstützung standen 4628 Personen gegen 5481 im Vormonat und 2399 im Juni 1931. Der Zugang an Arbeitsgesuchen war noch verhältnismäßig groß mit 2442, diesem gegenüber stand ein Abgang an Arbeitsuchenden, ohne Mitwirkung des Arbeitsamts, in Höhe von 2310. Die Vermittlungstätigkeit des Amtes hielt sich trotz eifriger Werbung offener Stellen knapp unter der vormonatigen Zahl: insgesamt konnten 487 Arbeitsplätze vermittelt werden. Die Zahl der im Freiwilligen Arbeitsdienst beschäftigten Personen ist im Verichlsmonat um fast 1000 gestiegen, von 3035 auf 3973; in Jlof- standsarbeiten waren 382 Personen tätig, tzurz- arbeiterunterstühung erhielten 335. Im Gänzen betrachtet ist die Lage des Arbeitsmarktes ziemli,i konstant geblieben. Von dem Höchststände der Arbeitslosigkeit Ende Februar 1932 mit 18 536 Arbeitsuchenden sind bis jetzt nur 20 v. H. in das Erwerbsleben eingegliedert worden. sji.-'fpoit Bezirksiurnfest des 3. Bezirks des Arbeiter-Turn- und Gportbundes. Das Bezirksturnfest des 3. Bezirks, das am Samstag und Sonntag viele Arbeitersportler und -sport- lerinnen in Großen- Linden vereinigte, brachte bei einer Beteiligung von über 600 Wettkämpfern zahlreiche Wettbewerbe und die nachstehenden Ergebnisse: Turner-Oberstufe. Siebenkampf: 1. Karl Bettin, Wieseck, 256; 2. Adolf Kreiling, Wieseck, 245; 3. Walter Siegmann, Alsfeld 241; 4. Karl Wagner, Launsbach, 239; 5. Willi Winter, Launsbach, 237; 6. Albert Winter, Launsbach, 235; 7, Alfred Oswald, Wieseck, und Otto Kreiling, Wieseck, 233; 8. Karl Stroh, Wißmar, Hugo Kreiling, Wieseck 225; 9. Karl Leib, Launsbach, 222; 10. Rudolf Pfaff, Launsbach, 215; 11. Hch. Koch, Wißmar, 214; 12. Otto Debus, Launsbach, 213; 13. Willi Frey, Wißmar, 211; 14. August Geiß, Lollar, 209; 15. Phil. Opper, Lollar, 204 Punkte. Turner-Mittelstufe. Siebenkampf: 1. Gust. Steuernagel, Beuern, 230; 2. Rudolf Andermann, Wieseck, Adolf Bernhardt, Rodheim, je 227; 3. Karl Frey, Wißmar, 226; 4. Albert Schäfer, Launsbach, 225; 5. Ludwig Merz, Alsfeld, 220; 6- Otto Koch, Wißmar, 219; 7. Walter Wagner, Gambach, 218; 8. Ludwig Reuter, Staufenberg, 216; 9. Ernst Dönges, Rodheim, 214; ip. Wilh. Ziegler, Lollar 213 Punkte. Turner (16 bis 18 Jahre). Siebenkampf: 1. Hugo Schöffmann, Wieseck, 235; 2. Wilh. Stecker, Wieseck, 225; 3. Karl Schäfer, Wieseck, 219; 4. Hans Kreiling, Wieseck, 216; 5. Heinrich Hettche, Treis (Lumda), Franz Krämer, Rodheim, je 215; 6. Johann Schnabel, Fronhausen 209; 7. Otto Rött, Alsfeld, 200; 8. Wilh. Reeh, Rodheim, 198; 9. Karl Reeh, Rodheim, 195; 10. Gustav Re- nalto, Beuern, 192 Punkte. Turner (14 bis 16 Jahre). Siebenkampf: 1. Ewald Jmmel, Wieseck, 218; 2 Otto Klinkel, Launsbach, 216; 3. Alfred Rohrbach, Wieleck, 215; 4. Willi Volk, Launsbach 210; 5. Emil Laudon, Wieseck, 205; 6. Ludwig Hettche, Treis, 200; 7. Hch. Frey, Lollar, 199; 8. Otto Penz, Rodheim, 198; 9. Hans Pfaff, Launsbach, 194; 10. Ernst Bo- denbender, Rodheim, 190 Punkte. Turnerinnen-Oberftufe. Sechskampf: 1. Liefe! Becker Herborn, 184; 2. Karola Körber, Wieseck, Marie Nuhn, Treis, je 181; 3. Margarethe Opper, Treis, 173; 4. Else Adelmann, Herborn, 171 Punkte. Turnerinnen-llnterstufe. Dreikampf: 1. Lina Bötz und Erna Kling, Wieseck, je 96; 2. Hammel, Lollar, 94; 3. Erna Seibert, Wieseck, 93; 4. Toni Kreiling, Wieseck, 91; 5. Emma Schneider, Wieseck, 89 Punkte. Altersklasse. 1. Robert Mandler, Heuchelheim, 170,93; 2. Heinrich Kutscher, Krofdorf, 146,61; 3. Wilhelm Schmidt, Krofdorf, 144,10; 4. Wilhelm Hofmann, Krofdorf, 138,50; 5. Gg. Müller, Krofdorf, 138,11; 6. Ludwig Magel, Steinbach, 134,36; 7. Ferd. Reeh, Krofdorf, 133,45; Alex Tureck, Lollar;' 131,66; 9. Hermann Drescher, Krofdorf, 131,33; 10. Leonhard Krämer, Lang-Göns, 125,93; 11. Willi Klaum, Großen-Lin- den, 123,72; 12. Karl Magel, Annerod, 117,34 P. Sportler (über 18 Jahre). Dreikampf: 1. Wilhelm Zecher, Odenhausen, 201,38; 2. Heinrich Becker, Krofdorf, 196,88; 3. Erwin Pfaff, Watzenborn, 191,82; 4. Heinrich Braun, Staufenberg, 184,13; 5. Kurt Speier, Gießen, 183,25; 6. Ernst Bechtold, Krofdorf, 180,75; 7. Wilhelm Steiß, Odenhausen, 180,63; 8. Kurt Dönges, Wißmar, 178,82; 9. Hermann Becker, Naunheim, 176,25; 10. Fritz Gombert, Krofdorf, 175,51; 11. Karl Valentin, Krofdorf, 175,39; 12. Karl Klinkel, Lollar, 174,44; 13. Heinr. Becker, Gießen, 172,63; 14. Walter Hahn, Krofdorf, 172,25 Punkte. Sportler (über 18 Jahre). Siebenkampf: 1. Hermann Schäfer, Naunheim, 469,84; 2. Heinr. Bill, Naunheim, 456,73; 3. Frz. Krämer, Heuchelheim, 445,23; 4. Willi Schardt, Watzenborn 440,02; 5. Albert Simon, Odsnhausen, 437,63; 6. Wilhelm Ziegler, Lollar, 436,56; 7. Ew. Bepler, Heuchelheim, 436,06; 8. Wilhelm Stadtmüller, Annerod, 433,80; 9. Otto Henkelmann, Heuchelheim, 432,76; 10. Wilhelm Leidner, Großen-Linden, 429,87; 11. Reinhold Viehmann, Kinzenbach, 427,51; 12. Otto Mandler, Heuchelheim, 425,71; 13. Willi Simon, Odenhausen, 421,94; 14. Hermann Henkel, Odenhausen, 419,66; 15. Walter Seht, Gvoßen-Lin- den '416,85; 16. Ernst Scharf, Lollar, 416,33; 17. Richard Schlenbecker, Heuchelheim, 416,26; 18. Artur Gilbert, Heuchelheim, 410,41; 19. Albert Medenbach, Lollar, 399,98; 20. Otto Weis, Watzenborn, 398,34 Punkte. Sportler (16 bis 18 Jahre). Fünfkampf: 1. Max Schäfer, Herborn, 199,69; 2. Albert Zajac, Lollar, 198,75; 3. Ludwig Magel, Steinbach, und Albert Weigand, Großen-Linden, je 196,31; 4. E. Naumann, Lang-Göns, 178,88; 5. Wilhelm Hof, Alten-Buseck, 172,81; 6. Hans Rößler, Hex- oorn, 168,63; 7. Willi Pfeifer, Naunheim, 168,38; 8. Walter Gerlach, Lang-Göns, 167,06; 9. Ernst Jung, Watzenborn, 167,00; 10. Albert Zecher, Staufenberg, 165,25; 11. Walter Nesseldreher, Lang-Göns, 164,94; 12. Willi Fey, Lollar, 164,03; 13. Ewald Albach, Großen-Linden, 163,63; 14. Helmut Schach- ner, Lang-Göns, 163,13; 15. Otto Hofmann, Heuchelheim, 160,00; 16. Walter Schmand, Watzenborn, 158,81; 17. Karl Hitz, Lollar, 158,69; 18. Albert Bittendorf, Wißmar, 153,75; 19. Karl Wagner, Krofdorf, 152,25; 20. Otto Weber, Heuchelheim, 150,53 Punkte. Sportler (Jahrgang 1914/15). Fünfkampf: 1. Heinrich Neeb, Naunheim, 297,94; 2. Ernst Bellof, Wieseck, 297,69; 3. Ernst Fei- ling, Naunheim, 289,13 ; 4. Karl Klinkel, Staufenberg, 271,14; 5. Ernst Vogel, Alten-Buseck, 270,76; 6. Erich Frisel, Großen-Linden, 260,80; 7. W. Muhl, Großen-Linden, 260,31; 8. Willi Möckel, Watzenborn, 243,61; 9. Christian Mandler, Kinzenbach, 242,98; 10. August Muly, Beuern, 240,86; 11. Wilhelm Hoffmann, Alten-Buseck, 239,64; 12. Ernst Grebe, Heuchelheim, 239,23; 13. Ernst Vogel, Alten- Buseck, 205,15; 14. Karl Einhäuser, Alten-Buseck, 193,37; 15. Albert Brandenburger. Beuern, 191,79; 16. Willi Kuhl, Staufenberg, 163,23; 17. E. Schmuck, Staufenberg, 162,19; 18. Armin Wagner, Krofdorf, 148,65; 19. Willi Deibel, Staufenberg,,80,18 Punkte. Sportlerinnen (über 18 Jahre). 1. Frida Jung, Krofdorf, 283,85; 2. Anna Sack, Heuchelheim, 270,43 ; 3. Lisel Schaum, Krofdorf, 268,95; 4. Emma Nesseldreher, Heuchelheim, 267,17; 5 Nettchen Pfeiffer, Launsbach, 262,91; 6. Else Schwalb, Heuchelheim, 250,24; 7. Marie Kreiling, Heuchelheim, 235,84; 8. Lene Schmidt, Naunheim, 230,32; 9. Erna Kreiling, Heuchelheim, 213,43; 10. Emilie Wagner, Naunheim, 194,31; 11. Anna Müller? Staufenberg, 193,30; 12. Ottilie Pfaff, Launsbach, 192,24; 13. Nelli Arnold, Heuchelheim, 191,32; 14. Emma Wagner, Naunheim, 188,75; 15. Margarete Bier, Staufenberg, 177,15; 16. Elisabeth Muhl, Staufenberg, 168,82; 17. Frida Bepler, Heuchelheim 166,39 Punkte. Fußballspieler (über 18 Jahre). Dreikampf: 1. Alfred Schleenbecker, Heuchelheim 253; 2. Karl Reusch, Naunheim, 234,5; 3. Walter Mank, Rodheim, 231,25; 4. Otto Bepler, Heuchelheim, 227,25; 5. Erhard Leib, Kinzenbach, 223; 6. Fr. Gerlach, Rodheim, 221,25; 7. Heinrich Brück, Burkhardsfelden, 213,50; 8. Konrad Will, Fronhausen, 209,50; 9. Otto Hartmann, Naunheim, 208; 10. August Niemeier, Wieseck, 200,50 Punkte. Fußballspieler (unter 18 Jahren). D r e i k a m p f: 1. Otto Deibel, Wieseck, 225,25; 2. Willi Reuter, Wieseck, 223; 3. Otto Weller, Wieseck, 219,25; 4. Karl Harth, Hausen, Hch. Best, Waldgirmes, je 213; 5. Otto Schmidt, Waldgirmes, 211; 6 Walter Eisenhut, Wieseck, 209,50; 7. Karl Bepler, Wieseck, 207; 8. Ludwig Hofmann, Beuern, 206,75; 9. Wilhelm Becker, Naunheim, 206; 10. Alb. Zecher, Staufenberg, 199 Punkte. Einzelkämpfe. Sportler, 60-Meter-Lauf:' 1. Hch. Neb, Naunheim, 7,9; 2. Ernst Bellof, Wieseck, und Otto Weiß, Watzenborn, 8; 3. Ernst Feiling, Naunheim, 8,2; 4 Adam Karl, Wißmar, und Erwin Pfaff, Watzenborn, je 8,3; 5. Erich Forbach, Staufenberg, und Ernst Grebe, Heuchelheim, 8 Sekunden. Jugend, Weitsprung: 1. Erw. Pfaff, Watzenborn, 5,82; 2. Ernst Bellof, Wieseck, 5,55; 3. Karl Klinkel, Staufenberg, 5,37; 4. Wilh. Forbach, Staufenberg, und Otto Weiß, Watzenborn, je 5,16; 5. Karl Rau, Wieseck, 4,96 Meter. Frauen, Jugend, 60-Meter-Lauf: 1. Gust Weiß, Wetzlar, 9; 2. Elfriede Strack, Wetzlar, 9,6; 3. Frieda Adam, Naunheim, 9,9; 4. Kath. Schneider, Staufenberg, und Elli Kraft, Wißmar, je 10; 5. Lina Schäfer, Naunheim, 10 Sekunden. Frauen, Jugend, Kugelstoßen: 1. Lina Wacker, Launsbach, 8,27; 2. Elisab. Schäfer, Naunheim, 8,18; 3. Hilde Schmidt, Naunheim, 7,85; 4. Kath. Schneider, Staufenberg, 7,79; 5. Erna Rau, Launsbach, 7,63 Meter. Nm die Festmeisterschaft im Fußball. Naunheim I — wieseck I 3:5. Der ungewohnte kleine Platz in Großen-Linden stellte an die Mannschaften hohe Anforderungen. Trotzdem entwickelte sich ein sehr spannendes Spiel. Beide Tore kamen des öfteren in schwere Bedrängnis. In der 10. Minute konnte Naunheim die Führung^ übernehmen, während ein Handelfmeter für Wieseck vom gegnerischen Torhüter gut abgewehrt wurde. Nach geraumer Zeit erst kam Wieseck zum Ausgleichstreffer, aber kurz vor Halbzeit erzielte Naunheim ein 2. Tor. Mit 2:1 für Naunheim wurden die Seiten gewechselt. Nach der Pause stellten die Wiesecker das Ergebnis sofort auf 2:2, sie blieben ferner auch überlegen und kamen in der Folge ihrerseits zum Führungstor. Die Mannschaft von Naunheim ging nun mächtig aus sich heraus und erzielte durch einen Elfmeterball seinerseits den Ausgleich. Außerdem versuchte die Mannschaft mit allen Mitteln das Ergebnis zu beeinflussen, die Wiesecker blieben aber durch technisch besseres Spiel stets im Vorteil und erhöhten auf 3:5 Tore. Naunheim mußte sich damit zum ersten Male im Bereiche des 3. Bezirks geschlagen bekennen. Wieseck errang die Festmeisterschaft verdient. Kurze Sporinoiizen. Die deutschen Ainate urboxer, die noch vor Los Angeles am 26. Juli in Chicago einen Länderkampf austragen, erlebten bei ihrer Ankunft in Chicago einen geradezu phantastischen Empfang. Hunderttausende standen in den Straßen, 200 Sänger und zahlreiche Vertreter der Behörden traten bei der Begrüßung auf. Wanderlust Frankfurt holte sich beim BDR.-Bundesfest in Nürnberg zum Schluß noch den Titel eines Deutschen Meisters im Sechser- Rasenradball. Peter Szabo verläßt seinen Posten als Trat* ner bei Rot-Weiß Frankfurt am 31. Juli. Diedraufreise besZuchthäuslers WSA. Wiesbaden, 19. Juli. 3m Herbst 1931 hatte der 46jährige Gärtner L. Ziegler aus Steinfurth bei Dad-Aauhrim eine elfjährige Zuchthaus st rafe in der Strafanstalt Ziegenhain verbüßt. Aach kurzem Aufenthalt im Hebergangsheim Langenwiefen kehrte er in die Freiheit zurück. Er joandte seine Schritte nach der Kurstadt Wiesbaden und lernte dort bald eine Hausangestellte kennen. Als er von einem dicken Sparkassenbuch des Mädchens hörte, machte er ihm einen H e iratsantrag. Er stellte sich als ^ut situierter Gärtner vor, und er sei glücklich, endlich die passende Lebensgefährtin gefunden zu haben. Die Worte machten auf bas Mädchen Eindruck, es verlobte sich mit Z. und dieser erhielt, da er sich „in vorübergehender Verlegenheit" befand, am nächsten Tage das Sparkassenbuch, um sich ICO Mark bei der Aassaui- schen Landesbank abzuheben. Als er das Geld in der Tasche hatte, ging er mit der Braut in ein Iuweliergeschäft, kaufte die Verlobungsringe, die er bar bezahlte, und am folgenden Tage einen Brillantanhänger, den er mit der Bemerkung schuldig blieb, dieAotverordnung hindere ihn, auf der Dank Abhebungen zu machen. Mit einer Lebensversi- cherungspolice der Braut begab er sich zu deren Dienstherrschaft und versilberte sie dort für 100 Mark, wovon er der Braut 25 Mark auszahlte. Einige Tage später machte Ziegler mit seiner Braut einen Abstecher nach Kassel und kaufte dort Möbel. Bei dieser Gelegenheit pumpte er den Möbelhändler um 60 Mk. an. Gießen. Dad-Aauheim und Frankfurt wurden auch besucht, und überall blieb Z. Zeche und Logiergeld schuldig. Auch einen Landwirt in Ober- mörlen legte er herein. Der Landwirt und die geprellten Gastwirte erstatteten Anzeige wegen Zechprellerei und das Ende vom Liede war daß Z. noch während der Drautreise verhaftet wurde. Erst jetzt gingen der Braut die Augen auf. Sie besah genau ihr Sparkassenbuch und mutzte einen Schwund von 1100 M k. feststellen. Aun erstattete auch sie Anzeige gegen ihren ßuötoig. Das Erweiterte Schöffengericht hatte vor einiger Zeit den Heiratsschwindler zu vier Jahren Zuchthaus, 200 Mark Geldstrafe und fünf 3ahren Ehrverlust verurteilt. Gegen das Ur* teil legte der Angeklagte Berufung ein. Die Grotze Strafkammer hob jetzt nach eingehender Verhandlung das erstinstanzliche Air teil auf und erkannte auf drei 3 ahre Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Fahren. Vereinigung Liebig-Haus zu Darmstadt WSN. D a r m ft a b t, 18. Juli. Die Vereinigung Liebig-Haus hielt in der Technischen Hochschule ihre 4. Jahresversammlung ab, die von Geh. Rat Dr.-Jng. e. h. Arthur v. Weinberg geleitet wurde. Die Begrüßungsansprache hielt der Rektor der Technischen Hochschule, Pros. Reu- l e a u x, der auf die Bedeutung der Vereinigung hin- wies, die es sich zur Aufgabe gestellt hat, das Andenken Liebigs in einem Museum zu wahren und gleichzeitig in diesem Museum auch die Fortschritte derCyemiezu zeigen. Den Jahresbericht erstattete der Vorsitzende Geh. Rat v. Weinberg. Daraus ist bervorzuheben, daß eine „Liebig-Kekulö.Me- o a i (I e" gestiftet wurde, die an hervorragende Chemiker verliehen werden soll. Bisher wurde diese Medaille dem 80jährigen Geh. Rat Prof. An schütz, einem Schüler Kekules, der wiederum ein Schüler Liebigs war, überreicht. Die Jahresrechnung erstattete Dr. Karl Merck. Dem Vorstand und dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Den Abschluß der Tagung bildete ein Vortrag des Ministerialdirektors Prof. Dr. Rößler über „die Bedeutung Liebigs für die Landwirtschaft". Ferner fand im Kranichsteiner Park bei Darmstadt die Weihe einer Au g u st - Ke k u l e- Erinnerungseiche statt, wobei die Gedenkrede Geh. Rat v. We i n b e r g hielt. „Alle Bruchleidende** werden auf das heutige Inserat des Spezialbandagisten K. Ruffing aufmerksam gemacht. 5366V Todesanzeige Nach längerem Leiden entschlief heute meine liebe Frau, Mutter und Großmutter Frau Marie Hahn, geb. Schomber im Alter von 86 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Konrad Hahn Reiskirchen, den 19. Juli 1932. 6378 d Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 21. Juli, nachmittags um 2 Uhr statt. 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Karl Krug führt das Geschäft unter seit- heriger Firma weiter. Gießen, den 19. Juli 1932. Hessisches Amtsgericht. Nehmen Sie 3 x täglich ein Gläschen Doppelherz, das wohlschmeckende und tausendfach bewährte Nervenkräftigungsmittel. Bei Nervenschwäche, Blutarmut, Appetitlosigkeit und sonstigen Schwächezuständen als Kräftigungsmittel unübertroffen. Probeflasche RM 1,95; große Flasche RM 3,70 u. RM 4,65, Dop« pelherz-Dragees RM 1,50. Zu haben in den nachstehenden Drogerien : 0. Winterholl, Kreuzplatz 910; C. Seibel, Frankfurter Str.; Herrn. Eines, Seltersweg 68a. Grünberg: Karl Schott nnd sämtliche Filialen.5190 V Gele^enheitskanL _D Eleß. Schlafzimmer In Birke poliert. . . 550 M. Schlafzimmer in Eiche mit Nu6b. 380 u. 400 M. Schlafzimmer in Schleiflack imit. oder mit be= liebigem Anstrich, voll abflesp. 275, 300 M. Speisezimmer in Eicho mit Nnhh. (OrofO 385 M. Zimmer In kank. Nufjbaom, best aus Schrelbscbrank 2,00 m breit, Klapptisch, 4 Stühle . . 440 ff. Louis Vetter, Kaiserallee 19. 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